Library of the
University of North Carolina
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thropie Societies
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BOOKB1ND1NQ & RULINQ
CO . LTD. ,
34 d»ury Street,
DUBLIN.
UNIVERSITY OF NC. AT CHAPEL HILL
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University of North Carolina at Chapel Hill
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AUSFÜHRLICHES LEXIKON
GRIECHISCHEN UND RÖMISCHEN
MYTHOLOGIE
IM VEREIN MIT
TH. BIET, 0. CRUSIUS, F. CUMONT, W. DEECKE (f), F. DENEKEN, W. DREXLER,
R. ENGELMANN, A. FURTWÄNGLER, 0. HÖFER, J. ILBERG, 0. IMMISCH,
A. JEREMIAS, MAX. MAYER, 0. MELTZER, EH. MEYER, R. PETER, A. PREUNER,
K. PURGOLD, A. RAPP, B. SAUER, TH. SCHREIBER, E. SEELIGER, H. STEUDING,
H.W. STOLL(t), L. v. SYBEL, E. THRÄMER, K. TÜMPEL, P. WEIZSÄCKER,
L. WENIGER, G. WISSOWA, E. WÖRNER U. A.
HERAUSGEGEBEN VON
W. H. RÖSCHER.
ZWEITER BAND.
MIT 456 ABBILDUNGEN IM TEXT.
LEIPZIG,
DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER.
1890—1897.
S. EXC. HERRN DE. IUB, HON. C. PAUL VON SEYDEWITZ,
KGL. SACHS. STAATSMINISTER,
SOWIE DER
KGL. SACHS. GESELLSCHAFT DER WISSENSCHAFTEN
ZU LEIPZIG
UND DEM
PHILOLOGIKOS SYLLOGOS PARNASSOS
IN ATHEN
IN DANKBARER VEREHRUNG ZUGEEIGNET
VOM HERAUSGEBER.
(ö tov dioz TtaTs xaZXivtXog 'H^axZfjg
*Ev&&äs xatoiXEt' /utjdhv siattca xaxövl
Vorrede.
Die Bearbeitimg und Herausgabe des zweiten, nunmehr — Gott sei Dank! —
glücklich vollendeten Bandes unseres Ausführlichen Lexikons der griechischen und römi-
sehen Mythologie hat ungefähr dieselbe Zeit (7 — 8 Jahre) in Anspruch genommen wie
die des ersten Bandes: daher die Hoffnung gerechtfertigt erscheint, die Vollendung des
letzten Drittels unseres grofsen Werkes werde, wenn nicht unvorhergesehene Hindernisse
eintreten, ebenfalls in etwa sieben bis acht Jahren erfolgen können. Hinsichtlich des
Planes und der erstrebten Ziele des Lexikons hat sich nichts geändert, sodafs die Vorrede
des ersten Bandes in dieser Beziehung auch für den zweiten gelten darf. Im übrigen kann
es, glaube ich, keinem aufmerksamen Leser und Benutzer unseres Werkes verborgen
bleiben, dafs wir unserem Hauptziele, eine mögliehst objektive, knappe und doch voll-
ständige, stets auf die Quellen gegründete Darstellung der litterarisch überlieferten
Mythen unter gehöriger Berücksichtigung der Kulte und der Monumeute der bildenden
Kunst zu geben, im zweiten Bande noch etwas näher gekommen sind als in dem ersten,
indem wir alle, teils durch die eigene fortschreitende Arbeit, teils durch gegenseitige
Belehrung, gar mancherlei gelernt haben, was dem gemeinsamen Werke zu C4ute kommen
mufste. Aufserdem mufs von Seiten der Redaktion dankbar anerkannt werden erstens
der grofse Eifer und die Pünktlichkeit, mit der fast alle Mitarbeiter den von ihnen
übernommenen Verpflichtungen nachgekommen sind, sodal's kein einziger gröfserer Artikel
des zweiten Bandes (wie in Bd. I der Mythus und Kultus des Herakles) in die Supple-
mente verwiesen zu werden brauchte, zweitens die rühmenswerte Opferwillio-keit der
hochgeehrten Verlagshandlung, welche die bedeutenden Kosten einer erheblichen Ver-
mehrung der Abbildungen nicht gescheut hat*), um den inneren und äufseren Wert des
*) Die Artikel der ersten 8 Buchstaben (A — Hi erhielten etwas über 500, die Artikel der
darauf folgenden 4 Buchstaben (f — M) 45C Abbildungen.
VI Vorrede.
Lexikons zu erhöhen. Als ein hocherfreuliches Zeugnis für das Wachsen des Interesses
an mythologischen und religionsgeschichtlichen Studien ist ferner die Thatsache zu
betrachten, dafs die Zahl der Freunde und Abonnenten unseres Werkes in den letzten
Jahren nicht unwesentlich zugenommen hat, sodafs wir auch in dieser Beziehung ohne
Sorgen in die Zukunft blicken können. Wir dürfen uns dessen um so mehr freuen,
als ja sonst — leider! — das Interesse weiterer Kreise für die Antike während des
letzten Jahrzehnts nicht unerheblich zurückgegangen ist, eine Thatsache, die notorisch
den buchhändlerischen Absatz der dem Gebiete der klassischen Philologie angehörigen
streng wissenschaftlichen Werke bedeutend eingeschränkt hat. Zum Schlufs habe ich
noch mitzuteilen, dafs zu den in der Vorrede zu Bd. I S. VI erwähnten früheren Mit-
arbeitern noch eine Anzahl neuer hinzugekommen ist, die teils am zweiten Bande schon
mitgearbeitet, teils ihre Beteiligung an der Arbeit des dritten Bandes in sichere Aus-
sicht gestellt haben. Es sind dies folgende Herren:
Dr. E. Aust (Frankfurt a. M.): Iuppiter, Luna etc.
Privatdocent Dr. 0. Bie (Berlin): Musen etc.
Dr. Heinr. Bulle (München): Nike etc.
Prof. Dr. Fr. Cumont (Brüssel): Mithras etc.
Dr. Theod. Eisele (Tübingen): Plutos etc.
Dr. Reinhold Franz (Annaberg): Kallisto etc.
Prof. Dr. 0. Gruppe (Berlin): Orpheus, Geschichte der neueren mythologischen
Theorieen (für den Supplementband).
Oberlehrer Dr. Rieh. Holland (Leipzig): Memnon etc.
Dr. AI fr. Jeremias (Leipzig): Izdubar, Nebo, Nergal etc.
Dr. 0. Jessen (München): Lykos, Marsyas, Megara etc.
Dr. H. Küentzle (Rastatt): Orion etc.
Dr. Heinr. Lewy (Mülhausen i. E.): Mania, Tyche etc.
Prof. Dr. Mackrodt (Eisenberg): Olympos (Götterberg).
Prof. Dr. Elard Hugo Meyer (Freiburg i. Br.): Poseidon (mythologisch) etc.
Prof. Dr. C. Pauli (Lugano): Etruskisches.
Dr. Pilling (Naumburg): Herakleiden.
Museumsassistent Dr. F. Quilling (Frankfurt a. M.): Nessos.
Prof. Dr. 0. Rossbach (Königsberg): Nemesis.
Dr. Rubensohn (Berlin): Unterwelt etc.
Oberlehrer Dr. Job. Schmidt (Grimma): Odysseus.
Prof. Dr. E. Schwartz (Strafsburg): Geschichte der mythographischen und
mythologischen Litteratur der Alten (für den Supplementband).
Oberlehrer Dr. Rieh. Wagner (Dresden): N- u. O-Artikel.
Dr. G. Weicker (Zwickau): Seirenen.
Privatdocent Dr. Wernicke (Berlin): Pan (kunstmythologisch).
Prof. Dr. Sam Wide (Upsala): Karneios.
Würzen im Juni 1897.
Kgl. Gymnasialrektor Dr. W. H. Röscher.
o. Mitgl. d. Kgl. fies. d. Wiss. zu Leipzig,
c. Mitgl. d. Philologikoa Syllogos Paraasaos in Athen.
AUSFÜHRLICHES LEXIKON
DER
GRIECHISCHEN UND RÖMISCHEN
MYTHOLOGIE
IM VEREIN MIT
TH. BIRT, 0. CRUSIUS, F. CÜMONT, W. DEECKE (t), F. DENEKEN, W. DREXLER,
R. ENGELMANN, A. FURTWÄNGLER, 0. HÖFER, J. ILBERG, 0. IMMISCH,
A. JEREMIAS, MAX. MAYER, 0. MELTZER, ED. MEYER, R. PETER, A. PREUNER,
K. PURGOLD, A. RAPP, B. SAUER, TH. SCHREIBER, K. SEELIGER, H. STEUDING,
H. W. STOLL(f), L. v. SYBEL, E. THRÄMER, K. TÜMPEL, P. WEIZSÄCKER,
L. WENIGER, G. WISSOWA, E. WÖRNER U. A.
HERAUSGEGEBEN VON
W. H. RÖSCHER.
ZWEITER BAND, ERSTE ABTEILUNG.
IACHE — KYZIKOS.
MIT ZAHLREICHEN ABBILDUNGEN.
%
LEIPZIG,
DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER.
1890—1894.
lache ('lcc%g), Tochter des Okeanos, Ge-
spielin der Persephone, Hom. hymn. in Ger. 419.
Braun, Gr. Götterl. § 172. 176. [Stoll.]
Iacor s. d. Nachträge.
Iaino ('faivcö) verdächtiger Name einer
der Graien (= Jeivd?) bei Pherekydes im
schol. Ap. Bh. 4, 1515 (s. Bd. 1 Sp. 1730 Z. 49),
Der Name 'luivco findet vielleicht seine Er-
klärung durch die Glosse laivszaf lolovzai.
TiixQuivtTou. Hesych. [Höfer.]
Iaira (ituga). 1) Nereide, II. 18, 42. Hyg.
f. praef. p. 28 Bunte. Braun, Götterl. § 98. —
2) Waldnymphe, welche die gewaltigen Zwil-
lingssöhne des Alkanor, Pandaros und Bitias,
Gefährten des Aeneas, im idäischen Haine
des Zeus aufzog, Verg. Aen. 9, 673. [Stoll.]
Iakchos ("lcm%og ; auf einer Voleenter Vase
G. I. G. 7633 und auf einer tyrrhenischen Am-
phora Arehäol. Ans. 10, 238 Hia%og; hinsicht-
lich der Form "Ia%%og s. Boscher in Curtius'
Stud. z. yr. u. lat. Gramm. 1, 2 S. 89).
Litteratur: Bolle, recherches sur le culte
de Bacchus 1, 16 ff. Taylor, on the Elcusinian
and Bacchic mysteria 135 ff. Ouvaroff, essai
sur les mysteres cVEleusis 82 ff. 135 ff. Lobeck,
Aglaophamus 821 ff. ; de morte Bacchi 2, 2 f.
Preller, Demeter und Persephone 135. 389 f.
Griech. Mythologie 1", 614 ff. und in der Stutt-
garter Bccdencyklopädie 3, 97 ff, 4, 1021 ff.
Gerhard, Griech. Mythologie 1, 452 ff. Prodromus
49 ff., 73 ff., über die Anthesterien und das Ver-
hältnis des attischen Dionysos zum Koradienst,
Akadem. Ahhandl. 2, 148 ff., über den Bilderkreis
von Eleusis ebendas. 322 ff. 344 ff. Hermann,
Gottesdieiislliche Altertümer1 368 ff. O. Bibbeck,
Anfänge und Entwickelung des Dionysoskultus
in Alüka. A. Mommsen, Heortol. 226 ff. P. E.
Neuher, lakehos und seine Bedeutung besonders
in den Eleusinischen Geheimnissen, Progr. Ko-
motau 1868, p. 21 — 35. K. 0. Müller, Eleusinien
bei Ersch und Gruber 295. Bichter ebendas. s. v.
Dionysos 31 Si. Petersen ebendas. Griechische
Mythologie 6, 9 p. 259 ff. vgl. B. H. Klausen
ebendas. unter Orpheus 23 a. 39 b. Lcnormant
— im Dictionnairc des antiquites von Daremberg
f~~-iind Saglio s. v. Bacchus 595. 634 f. s. v.
«f. Geres 1061 f. F. Back, Zur Geschichte grie-
f^chiseher Göttertypen: 1) Hermes und Dionysos
mit besonderer Bücksicht auf die Darstellung
—■des Phidias, Fleckeisens Jahrbücher 57 (1887),
445. 454. Ludwich, ebda. 1890 S. 51 ff.
Iakchos, eine Hauptgottheit der eleusinischen
Mysterien, den man gewöhnlich den mysti-
schen Dionysos nennt und an dessen „unbe-
stimmten schwankenden Umrissen sich am
Rosciier, Lexikon der gr. u. rüin. Mytliol. II.
besten zeigt, wie das Schaffen der Phantasie
auf mystischem Boden es vielfach nicht zu
festen Gebilden bringt" (Haggenmacher, Die
eleusinischen Mysterien p. 7 [öffentliche Vor-
träge gehalten in der Schweiz 5, 1880]), gilt:
1) als Sohn der Demeter; schol. Ari-
stid. 3, 648. Diod. 3, 64, 1. Suid. u. Phot. s. v.'W-
%og' Jiovvaog ialtä g,ctczä(Lobcck,Aglaoph. 822
Anm. h will für |jti ztsi jlioiötcö lesen inl zov
10 uvozixov seil. Jiovvaov zb Svofia liyszai);
Lucret. 4, 1160: tumida et mammosa Ceres est
ipsa ab Laccho; vgl. Arnob. adv. nat. 3, 10;
daher heilst Iakchos im orphischen Hymnus
52, 11 imoKÖlTiiog. Zweifelhaft ist Soph.
Antig. 1120 zJnovg tv %61-n.oig, wobei die einen
{Gerhard, Mythol. 1, 419. 3 a. Welcher, Gölter-
lehre 2, 542) an den Meerbusen von Eleusis
als den Hauptort der nächtlichen Iakchos-
feier, andere (Bolle a. a. O. 16, Petersen a. a. 0.
20 266 Anm. 9) an Demeter denken (kcUttoi würde
dann nicht rBusen', sondern cSchofs' bedeuten;
vgl. Foerster, Der Baub und die Bückkehr der
Persephone 286 Anm. 3); auch in dem Festruf
des Hierophanten zu Eleusis ff pbv i'ziv.s itozviu
Y.OVQOV Bqi[ioi Bqijj,6v (Hippolyt. rcf. haeret. 8
p. 164 Schneidcwin) bedeutet nach Petersen a.
a. 0. 263 a Brirno die Demeter und Brimos
ihren Sohn Iakchos; anders Carl Strube, Stu-
dien über den Bilderkreis von Eleusis 81. Die
30 bei Clemens Alex, protrept. 21 und Euseb. praep.
ev. 2, 3 (vgl. Arnob. adv. nat. 5, 25) erhaltenen
orphischen Verse lassen den kleinen Iakchos
seine Mutter auf ihren Irrfahrten begleiten und
die unzüchtigen Scherze der Baubo (s. d.) be-
lachen (vgl. Lobeck, Aglaoph. 818, Foerster a.
a. 0. 282 ff.); doch bietet die Anwesenheit des
Iakchos bei dieser Scene mehrfache Schwierig-
keiten dar; vgl. Petersen a. a. 0. 264 Anm. 5.
Als Kind der Demeter ist Iakchos vielleicht
40 dargestellt auf den Sitzbildern der Demeter
Kurotrophos(?); vgl. Gerhard, Abhandl. 2, 399
Anm. 174f. Preller, Demeter 3S0; 413, Anm. 219.
Overbcck, Kiuistm.2 S. 488 ff. Als Erzeuger des
Iakchos nimmt Gerhard, Mythologie 1, 453, 3 c.
den Iasion oder den Dionysos (unt. Sp. 3 Z. 58)
oder mit Lobeck, Aglaoph. 824 auch d. Keloos an.
2) ist Iakchos ein Sohn der Persephone
(s. d. Eunstdenkmäler bei Gerhard, Abh. 2,
413; schol. Aristoph. ran. 324 tpael ntgasepov-ng
50 avzbv slvai, schol. Eur. Troad. 1230, schol.
Eur. Orest. 964) und ward von ürphikern wie
Onomakritos (Paus. 8, 37, 5. Welcker a. a. 0.
Bibbeck a. a. 0. 19 f.) als solcher dem thra-
kischen Zagveus (s. d.) oder auch dem phry-
gischen Sabazios (vgl. Bapp, Die Beziehungen
1
3 Iakclios (S. d. Perseph. u. Gemahl d. Demet.) Iakclios (S. d. Dionysos u. = Dionysos) 4
des Dionysoskultus zu Thrakien und Klein- (im orphisclien Hymnus 49 ist Hippa seine
asien 22 ff.) gleichgesetzt, schol. Pind. Isthm. Amme) und überbringt ihn den eleusinischen
7, 3: b st nsQO£cp6vi]g ysyovdig Zaygsvg Jiövv- Bacchen, die den jugendlichen Gott bei nächt-
oog [P.hit. de sl Delph. 9: AibvvGov ds nal lichem Reigen und Fackeltanz feiern. Nonnos
ZayQici . . ovofid^ovGiv], b wko zivctg "lay-xog, nennt a. a. 0. diesen Iakchos den dritten Dio-
schol. Aristopli. ran. 398 Zayoevg "luY.%og, nysos (der erste ist nach ihm Zagrens, der Sohn
Diod. 3, 64, 1. An: exped. Alex. 2, 16, 3. He- der Persephone, der zweite der thebanische,
sych. Suidas. Etym. Magn. 406, 47: äo-nil yctg der Sohn der Semele); doch steht diese Stelle
b Zfi>? fiiyjjvai tij FligGscpöv-ij l| r;g yßoviog des Nonnos im Widerspruch mit 31, 66 ff., wo —
Jiövvaog, Athenag. leg. pro Christ. 296a. 309a. 10 vor der Geburt des eben erwähnten Iakchos —
Tatian. orat. adv. Graec. 6 p. 251; vgl. schol. ein 'EXsvalvios Jiövvaog und ein ngozegog
Aristopli. av. 874. Lys. 388; ob. Bd. 1 Sp. 1087. "fay.xog genannt werden. — Em. Braun, il
Dieser Zagreus wird von den durch die eifer- nascimento di lacco arm. d. instit. archeol. 14,
süchtige Hera angestachelten Titanen beim 21 ff. Mon. dcll' instit. 3 tav. 39 will auf einem
Spiel überfallen; vergebens versucht er durch Marmorrelief, auf dem der thebanische Dio-
mannigfache Verwandlungen sich seinen Ver- nysos einen eben aus seinem linken Schenkel
folgern zu entziehen; in der Gestalt eines ans Licht getretenen Knaben liebkosend dar-
Stieres wird er von ihnen überwältigt und gestellt ist, die Geburt des Iakchos erkennen,
sein zerstückelter Körper in einem Kessel über der aus dem Schenkel des Dionysos in glei-
einem Dreifufs gekocht. Zeus, der zu spät äo eher Weise hervorgegangen sei, wie dieser aus
zur Rettung seines Lieblings erscheint, tötet der Hüfte des Zeus; dagegen sieht Panofka,
die Titanen mit seinem Blitz, lafst die Glieder Archiiol. Zeit. 9, 342 f. in dem Knaben nicht
des Gemordeten von Apollon am Parnassos den Iakchos, sondern den Marorx (s. d.), und
beisetzen und verschluckt das ihm von Athena Welcher (ebendas. 10, 503 ff. 'angeblicher Iak-
gebrachte, noch zuckende Herz, worauf die chos') erklärt ihn für einen dem Dionysos dar-
Palingenesie des Zagreus, der jetzt Iakchos gebrachten Hierodulen.
genannt wird (Bibbcck a. a. 0. 20. Preller in 5) wird Iakchos, — während er an manchen
der Stuttg. Bealencyhl. 4, 1021 f.), erfolgt; Stellen ausdrücklich vom Dionysos geschieden
Clemens Alex, protr. 5. Arnob. adv. nat. 5, wird; vgl. schol. Aristopli. ran. 324 äXloi öl
19; Prodi, in Plat. Tim. 3, 200 d; hymn. in 30 srsgov Jiovvaov slvai zbv "Ia-nxov. Aman. a.
Minerv. 7, 11 ff.; Macrob. in somn. Sdp. 1, a. 0. 6 "/a'xjjos ö u.vazi-xbg xovxco tä Jiovvaa,
12; Tzetzes zu Lykophr. v. 355; vgl. Löbedk, ov%l im Qrjßuic» litäSszai. Cic. de nat. deor. 2,
Aglaoph. 555 ff. Klausen a. a. 0. 38 b. Max. 24, 62 Liberum Semele natmn, non cum quem
Mayer, D. Giganten u. Titanen S. 236 ff. nostri maiores auguste sancleque cum Cerere et
Ebenso wird uns auch von einer Zerfleischung Libera consecrarcrunt: quod quäle sit, ex mil-
des Sabazios (Tcrpandcr bei Lyd. de mens. 4, sterüsintellegipotest; auch Aristophanes scheidet
38 Jiovvaov zbv vno zivav Zaßd&ov ovopia- in den Fröschen beide von einander — , dem
'Cofisvov [daher auch Jiovvgov öiuoTcaauög Dionysos gleichgesetzt bei schol. Aristopli.
Prodi, in Plat. Tim. 1, 53 c], sw. Jihg nai und Aristid. a. a. 0. (vgl. scliol. Arist. ran. 404:
ritQGEipovrig ysvopevov, sixec vnb rcöv Tizavojv -10 si'grjzai ydg o ccvzog 'Iaxxog tm Jlovvgco hcczcc
G7iaQa%&£vzce) und von einer solchen des Iak- zivag), Eust. ad II. 962, 60. Hesyeh. Said. Et.
chos [Luc. de Salt. 39 'id-axov anagayflög) be- M. 462, 49. Strdbo 10, 3,10 p. 468: "Ia-nxov zc
richtet. Der Tod und das Wiedererscheinen -aal xbv Jiovvaov y.kIovgi; vgl. Soph. bei Strabo
des Zagreus-Iakchos entspricht dem Mythos 15 p. 687 Nvaccv, rjv b ßovxigoig "lay-xog ocirtä
von Adonis (Gerhard, Abhandl. 2, 543), der ytuat* rjSiGrnv vifi^i und bei Dionys. Halic.
im orphisclien Hymnus 56 Sohn der Perse- de comp. verb. 17 "Io>-axs öi&vgufißs, vgl. Ger-
phone heifst. hard, Abhandl. 2, 183. 218. Preller, Demeter
3) wird Iakchos auch Gemahl der De- 54; daher findet sich oft Iakchos für Dionysos
meter genannt: schol. Aristopli. ran. 324 cpaoi gesetzt und umgekehrt; so hätte Plato Phaedr.
avzbv zij Jr\\Lrtzgi GvyysvsG&at; auch Pind. 50 265b, wo er von der iitinvoiu zsXsazixi] Jio-
Isthm. 7, 5 scheint ihn als solchen aufzufassen, vvaov spricht, dieselbe genauer dem Iakchos
wenn er den Dionysos itdgfSgog der Demeter zuweisen sollen, vgl. schol. vet. So2)h. Ant.
nennt, vgl. schol. Aristopli. a. a. 0. avviSgvzai 1115: hoivu zd jivazrjgia Jrjfirirgog v.ctl Jio-
zfj Jruit]ZQi b Jiövvaog und Orph. Hymn. 40, vvgov (= 'idxxov). Umgekehrt wird Iakchos
10, wo die eleusinisehe Demeter Bgopioio für Dionysos, ja sogar metonymisch für die
Gvvioziog heifst (Bgouiog = "laxxog; vgl. Eur. Gabe des Dionysos, den Wein, gesetzt; Anthol.
Bacch. T2b:"lu*xog Bpo'fuog). Palat. 9, 82. 11, 59. 11, 64. Cat. 64, 251,
4) ist Iakchos Sohn des Dionysos; schol. Verg. ecl. 6, 15; vgl. Ov. Met. 4, 15. Stat. Th. 2,85.
Oxon. Aristid. 3, 648, vgl. Hesyeh. s. v. Sa- Kultus des Iakchos.
ßd&og (der, wie wir oben sahen, mit Iakchos co Schon aus der Überlieferung, die den Iak-
identificiert wurde)- ind>vv/j,ov Jiovvaov. oi ä\ chos bald den Sohn oder Gemahl der Demeter,
vibv Jiovvaov. [Vgl. auch 0. Kern, Hermes 25 bald den Sprofs der Persephone nennt, ergiebt
(1S90) S. 1 ff. u. d. Artikel Pais. R.] Bei Nonn. sich der innige Zusammenhang, in dem die
Dionys. 48, 951 ff. gebiert die von Dionysos Person des Iakchos mit den beiden grofsen
schwangere Nymphe Aura (s. d.) Zwillinge; das Göttinnen von Eleusis und ihrem Mysterien-
eine Kind zerreifst sie, das andere, eben den kultus stehen mufs; so wird Iakchos, der Gott
Iakchos, rettet Dionysos und übergiebt es der der eleusiuischen Mysterien (daher bei Nonn.
Athena; diese reicht dem Säugling ihre Brust Dionys. 13, 110 [vgl. 9, 98] MvGxig und Tslizi]
5 Iakchos (eleusin. Kult) Iakchos (eleusin. Kult) G
Ammen des Dionysos-Iakchos sind), im Chor- zeigt der Bericht des Plutarch (Ale. 34; vgl.
gesang b. Aristoph. ran. 377 ff. neben der Kora- Xen. Hell. 1, 4, 20), wonach die Athener seit
Soteira und der Demeter angerufen (vgl. Artemid. der Besetzung Dekeleias durch die Spartaner
Oneiroid: 2, 39: z/?j(«;'r?;p xai. Kögn v.al o Xsyö- den Festzug, um ihn nur zu ermöglichen,
fisvog "[ctH%og und ebendas. 2, 34; vgl. Eustath. übers Meer abgehen liefsen; im Notfall ging
z. II. 752, 21), so sehen wir diese Gottheiten der Zug unter militärischer Bedeckung der
in der praxitelischen Gruppe Paus. 1, 2, 4 Epheben nach Eleusis (Flut. a. a. 0. vgl. C.
(vgl. Clem. Alex, protr. 54 Jrjfirjxga K6qt]v xal I. A. 2, 467. Inschr. im Philistor 2 p. 238 f.
xöv "lav.%ov xöv (ivGTiKÖv) vereinigt und finden bei Mommsen, Hcortologie 227); über den Weg,
sie wieder in der italischen Dreiheit von 10 den die Prozession nahm, und die unterwegs
Ceres, Liber (Mythogr. Vat. 3, 12, 2; Servitut stattfindenden Kultushandlungen s. Preller, de
zu V. Heiligen 6, 15) und Libera (Gerhard, Pro- via Sacra Elcusinia 1. 2 = ausgewählte Auf-
dromus 114 ff.); so heilst Iakchos bei Strabo 468 sätze 117 ff. und in der Realencyklopädie 3,
ug%nyi'xT]g xäv (Lvexvgicav (vgl. selinl. An- 97 ff. Mommsen a. a. 0. 226 ff. 253 ff. Preller
Stopji. ran. 343 (ivaxrjgia tov xqg tfifrijs ov läfst den Zug vom Eleusinion, das er nord-
fiovov %OQ£vzi'iq, ßUc xcu i£aQx°S Vv ° dio- westlich nnter der ßurg nach dem Markte und
vvaog) und xijs Jrjunxgog daiuaiv und ist Theseion zu und nahe bei dem Altar der
als solcher den Mysten leuchtender Führer zwölf Götter sucht, ausgehen, von da über den
(Iakchos mit Fackel in der schon erwähnten Markt nach dem 'lax%&iov (Plut. Arist. 27, 6.
Gruppe des Praxiteles und bei Aristoph. ran. 20 Alciphr. ep. 3, 59; in der Nähe dieses Tempels
340; die Fackel ist Symbol der läuternden safsen Geldwechsler und Traumdeuter) am
Reinigung Born. Ilym. Cer. 234 ff. oder der peiräischen Thore [vgl. jedoch Milehhijfer b.
Lebenszeugung Plat. de leg. 6, 776 b; vgl. Baumeister, D. d. kl. AU. S. 161. R.] und meint,
Neuber a. a. 0. 28) durch Nacht und Finsternis nachdem er sich in dem in der Nähe befind-
zum Licht (als Helfer in den Gefahren der liehen Tlo{iiiBiov (Paus. 1, 2, 4) gerüstet, sei er
Unterwelt heifst Iakchos-Dionysos nach Preller, durch den Kerameikos (d. h. durch das thria-
Aufsätse 297 = Arehäol. Zeit. 1861, 166 Epi- sische, heilige oder kerameikische Thor) hin-
mach os auf einer zu Knidos gefundenen Basis ausgezogen; dagegen nimmt Westermann (Zeit-
rnit der Inschrift Jäfiaxgi, Kovga, IlXovxcovi, Schrift f. d. Altertumswissenschaft 1843, 665 ff.)
'Enifiäxo], Eguä; die Stellung zwischen Pluton 30 an, das Eleusinion habe beim Iakcheion ge-
und Hermes d. h. dem Psychopompos deutet legen oder sei mit ihm verbunden gewesen,
darauf hin) und Geleiter zum Sitze der Seligen und verlegt das Eleusinion entfernt vom Markt
und zur Unsterblichkeit; daher nennen ihn die an das östliche Ende der Burg ebenso wie
Mysten q>iaoq>6gog äaxrig; Aristoph. ran. 342; Leake, Top. 214, 4 (vgl. Zeitschr. f. d. Alter-
vgl. Soph. Ant. 1147 jjopayog aßzgcov und den tumswissenseh. 1841,1157), Gerhard, Rhein. Mus.
Vers des Eumolpos bei Bind. 1, 11 acxgay>uvr\ 18, 300 ff. Abhandl. 2, 354. Mommsen a. a. 0.
diovvöov iv äxxivsoGi nvgoixov. Es kann hier 249; nach letzterem a. a. 0. 251 f. ist der von
nicht der Ort sein, näher auf die eleusinischen Pausanias 1, 2, 4 in der Nähe des peiräischen
Mysterien, denen die Person des Iakchos den Thores erwähnte Demetertempel (mit den Bild-
Stempel einer höheren geistigen Weihe auf- io säulen der drei eleusinischen Gottheiten) eben
drückt, und deren Feier einzugehen; es sei das Iakcheion (Böckh, G. I. p. 471; Milehhijfer
hier nur kurz gedacht des den Iakchos aus- a. a. 0.); Sainte-Croix bei Bolle a. a. 0. 1, 128
schliefslich angehenden Iakchostages, der auf hält das Eleusinion für gleichbedeutend mit dem
den 20. Boedromion (Preller, Zeit der attischen Iakcheion, anäLobeck, Aglaoph. 253 sehlofs aus
Eleusinion Ztschrft. f. d. Altert um sicissensch. Paus. 1, 37, 4, dafs das Iakcheion auf der eleu-
1835, 1001 ff. , Mommsen, Hcortologie 226 ff.) sinisehen Strafse jenseits der Kephissos beim
fiel und alljährlich (äva nävra i'tf a Herod. Denkmal des Mnesitheos zu suchen sei. Dieser
8, 65 [beiläufig die älteste Belegstelle für den Mnesitheos nämlich, ein Arzt, hatte aufser
Namen des Iakchos]) gefeiert wurde. Bekannt anderen Bildsäulen auch eine des Iakchos
ist, dafs der Seesieg von Salamis auf diesen r>o (Paus. a. a. 0.) geweiht, in der Nähe seines
Tag fiel (Herod. a. a. 0. Plut. Thcm. 19. Ari- Denkmals befand sich ein Tempel des Kya-
stid. or. 19 vol. 1, 418. or. 42 vol. 2, 282 und mites, der nach dem Bericht des Pausanias
schol. 3, 648), und dieser glückliche Zufall wird in engem Zusammenhang mit den eleusinischen
ohne Zweifel dem Iakchostag für die Zukunft Mysterien stehen mufs. Man hat diesen Kya-
ein höheres Ansehen verschafft haben. Dieser mites für identisch mit Iakchos erklärt, indem
Tag hiefs selbst Iakchos (Hesych. Suid. "Ia-axog • man in der Glosse des Hesych. Kvafiixng- 6
7] r/fifgci, Haft' 'iqv slg avxbv i) Ttavriyvgig) ebenso itayv-og xaXovusvog konjicierte 6 "/axjjos (Soping.
wie der dem Gotte zu Ehren von Athen nach und Salmas. in Solin. p. 258; vgl. Welcher,
Eleusis stattfindende Festzug (i^äysiv "lu%%av Götterl. 3, 284); anders jedoch Preder , de via
Hesych. Plut. Them. 19. Camill. 19, 9. i 'gslav- 60 Sacra Eleus. 2, 5. — Der Zug verliefs Athen
vsiv xov "iu-/.%ov Plut. Ale. 34, 3. xov "/kk^ov schon am 19. Boedromion, etwa vormittags
t'| ä'otfos 'EisvatvaSe nzincuv Plut. Phoc. 28. (Mommsen a. a. 0. 226), da man schon in der
■ngonifi-ntiv xov "luv.iov G. I. A. 2, 467. 471; Nacht auf den 20. in Eleusis sein wollte und
vgl. 468 — 470. ngonifinsiv xov Jiövvaov schol. der Weg dahin ein ziemlich weiter war {Arist.
Victor. Arist. ran. 395 vgl. 399), an dem, wie ran. 401 nolli)v oSov. Dodwell, class. tour. hat
aus Herod. a. a. 0. hervorgeht, viele Tausende nach Preller, de via s. E. 2, 14 den Weg von
teilnahmen; wie sehr den Athenern die Feier Athen nach Eleusis in 4 Stunden 5 Minuten
dieses Tages zum Bedürfnis geworden war, zurückgelegt), auch die unterwegs vovzuneh-
1*
7 Iakchos (eleusin. Kult) Iakchos (Kult zu Agrai?) S
menden religiösen Gebrauche (ftvciai Kai %o- Eleusis ein, worauf die Teilnehmer nach der
gsiai Kai TioXXä zäv Sgco/aivcov Ketof' bSöv isgäv langen Prozession sich der Ruhe widmeten;
Plut. Ale. 34, 3) viele Zeit in Anspruch nahmen; Mommsen 256. Am eigentlichen Festtag, am
eröffnet wurde der Zu£ durch den luY.%Kymyös 20. Boedromion, wurde in Eleusis der Demeter
(Pollu.c 1, 35. Böckh, C. I. nr. 481. Bofs, Dem, und den mit ihr in Zusammenbang stehenden
nr. 189 p. 103), der das aus dem Iakcheion Gottheiten (Eur. Suppl. 1 ff.) ein Opfer dar-
abgeholte Bild (so Mommsen 253; dagegen gebracht, das auch inschriftlich bezeugt ist;
vermutet Gerhard, Abh. 2, 412, dafs Iakchos, s. C. I. A. 1,5: ['ia-xj^w (nach Lcnormants Er-
der als schöner Knabe, ägaiog ftsog (Arist. gänzung; zu gleichem Resultat ist Mommsen
ran. 395) gepriesen wird, durch einen leib- 10 257 gelangt) Osoiv zgizzöav ßoagxov iv ry
haftigen Knaben [vielleicht einen naig icp' iog[zy]; Lcnormant deutet die zgizzöa ß6ag%og
Icri'ag] dargestellt worden sei) des Gottes trug = xgizzva ßovßgägco, als ein Opfer von drei
oder führte (Poll. a. a. 0.), ihm folgen Priester, Tieren, wovon zuerst das Rind, das dem Dio-
Mystagogen und die Schar der Mysten (is gsig 8s nysos (Iakchos) heilig ist (Mommsen 257; vgl.
nal fivarag Kai [Lvoxayaiyovg Plut. Ale. 34, 5), Art. Dionysos Bd. 1 Sp. 1057 Z. 2 ff.) diesem als
bekränzt mit den Zweigen der Weifspappel der Hauptgottheit geopfert wurde; vielleicht
(Sarpocr. u. Suid. XsvKy oi ra BaKxiKa zsXov- wurde dem Iakchos auch das — für Perse-
[isvoi xfi Xsvki] azscpovzai; Strab. 468) und der phone bezeugte (Arist. ran. 337) — Sehweins-
dem Iakchos geweihten Myrte (Arist. ran. 330; opfer dargebracht; wenigstens liefse es sich
Istros im schol. Soph. Oed. C. 681), Fackeln ao aus der Notiz des Athanis bei Athen. 3, 98 d,
in den Händen tragend (Suid. XafinaSsvse&ai, dafs Dionysios das Schwein emphatisch i'ctKxog
Strube a. a. 0. 55 f.) und beim Durchschreiten genannt habe, vermuten. Die ganze darauf
des Marktes einen Gesang zu Ehren des Iak- folgende Nacht hindurch fand auf der am
chos anstimmend (Scsych. Jiayogag' . . aSsiv eleusinischen Meerbusen (s. o. <J»joüs iv koX-
röv "Icckxov 8i' dyogäg ßaSigovrsg). Dieser Ge- zroig) gelegenen thriasischen Ebene (svav&sig
sang hiefs selbst Iakchos (Suid. s. v. /. iuivog v.oXnovg Xstfiävmv Arist. ran. 373, äv&rjgbv
s(g iiiov. Hesych. cöSrj, rjv oi (iSfiv-q{iivoi ccSov- sXsiov SdnsSov ebend. 351) unter Fackelschein
eiv; vgl. Eust. ad II. 962, 61; Long.p. 3, 11) und (Arist. ran. 344 cpXoyl tpsyyszat Xsifiäv; vgl.
soll von dem Gotte selbst erfunden sein; Arist. 445; Eur. Ion 1076. Aeschyl. fr. 383 (D.) Xap-
ran. 397. Im Festzug ward höchstwahrschein- 30 ngaioLv doxganaioi Xaunddiav 0&ivii' daher
lieh auch die mystische Wanne oder Wiege heifst die thriasische Ebene selbst das 'Fackel-
des Iakchos (Xikvov, mystica vannus Iacchi gestade', XafindS sg ÜKzai Soph, 0. C. 1049
Verg. Georg. 1, 166; nach Servius z. d. St. dno zäv avzodi iv zoig fivozggioig XafindScov
soll diese mystische Wanne bedeuten, dafs der schol.) eine nächtliche Feier statt (itavvvxßsg
Mensch in den Mysterien ebenso gereinigt Arist, ran. 371; vgl. 445. Cic. de leg. 2, 14, 35:
werden soll, wie das Getreide durch die quid ergo aget lacehus Eumolpidaeque restri, et
Fruchtschwinge [«anwies]; vgl. Prodi, in Plat. augusta illa mysteria, siquidem Sacra nocturna
Tim. 5, 330 b: oi . . zä Aiovvoa Kai zf] Kogrj tollimus? ögyta vvKzuparj Orph. Symn.bi. ogyia
zsXovfisvot zv%svv dvarcvsvaai KaKozrjzog) von ndvvv%a Aiith. Pal. Append. 246, 3 = C. I. G.
Liknophoren (Sarpoerat. s. v.) mitgeführt, wie 40 1, 401); daher heifst Iakchos auch NvxzsXiog
ja auch Iakchos als Liknites (ini&szov Jiovv- schol. Soph. Ant. 1146; vgl. Plut. de st Delph. 9.
aov dno zäv XiKviav , iv oig zä ltuiBla kol- Paus. 1, 40, 6. Anth. Pal. 9, 524, 14. Dar-
tiävxai Scsych.) bei Persephone erzogen (Orph. gestellt wurde in dieser Feier das Suchen und
Sym. 46) und nach dreijährigem Schlummer Irren, die Trauer und die Aufheiterung der
(im Xlkvov) erwacht sein soll (ebendas. 53; Demeter (Gerhard, Abh, 2, 352. 439. Momm-
s. Weniger, d. Colleg.d. TJiyiaden 14); auch die sein, 261); auch wurden die Mysten, welche den
von Kistophoren getragenen heiligen Kisten höchsten Grad der Weihe erlangt hatten, in
(Suid. KtazocpoQog' ioiks 8h zag Kiczag isgdg diesem mystischen Drama auf die künftige
slvcti Jiovvaov Kai xaiv ®salv; vgl. Jahny de Seligkeit hingewiesen. ,, Dogmatischer Gegen-
cista mystica Sermcs 1869, p. 319. Lenormant 50 stand der höchsten Weihe," sagt Mommsen
a. a. 0. 1205 ff.) befanden sich im Zuge; unter- (S. 261; vgl. 72) „scheint der wiedergeborene
wegs verrichteten die Teilnehmer, wie schon Bacchus (lacehus) im glückseligen Verein mit
erwähnt, allerlei religiöse Gebräuche (vgl. die seiner Mutter Köre und mit Demeter gewesen
Inschrift im Philistor bei Mommsen a. a. O. zu sein."
227 ftvotäv Kai OTzovSäv Kai naidvcov zä[v Eine Verehrung des Iakchos in den 'kleinen
yiyvofiivcav hkiJ''] bäov ^is&i^siv), ferner fanden Mysterien' zu Agrai ist nicht bezeugt (Gerhard,
die sogenannten Gephyrismen, Scherze und Abh. 2, 355), doch nahmen eine solche an
Neckereien (ey.änzsiv Arist. ran, 417; itoXXet Stephani, compte rend. 1859, 48 ff. Welcher,
ysXoiu sinstv ebend. 390) statt, und zwar an Göttcrlchrc 2, 546. 640. Ribbeck a. a. 0. 20,
der über den Kephissos führenden Brücke co der sie aus den Worten des Steph. Byz.
(Etym.M. p. 229,6 ystpvgav, Si ijs inl 'EXsvoiva schlofs "Jyga . . . iv ca zä piKpa fivozrlgta im-
Kaztteiv oi fivGtui. Sesych. yscpvQLOrai, oi zsXsizaL, flifirjfia zäv tisqI zov Jwvvaov.
OKtZmzai, insl iv 'EXsvoivi ijcl zyg yiyvpag Mittclhaus , de Baccho Attico 53 findet in der
zoig {ivazrjpioig Kadsi;6(iivoL tGKmnzov zovg Nachricht, dafs vor dem Tempel des Tripto-
■jtagivvzag); doch ist es fraglich, ob die Deu- lemos zu Agrai die Bildsäule des Epimenides
tung der Gephyrismen von yicpvga die richtige (Paus. 1, 14, 4) stand, Epimenides aber für
ist; Mommsen a. a. 0. 29. 255. Der Zug traf die Verbreitung des Kultes des mystischen
abends oder in der Nacht bei Fackelschein in Bakcbos sehr gewirkt habe, den Beweis für
9 Iakchos (Kult zu Lerna, Tegea etc.)' Iakchos (Kult zu Sikyon; Etymologie) 10
die Iakekosfeier zu Agrai. Mommsm (S. 378; Dafs Iakchos auch in Sikyou verehrt
vgl. 71 f.) vermutet, dafs sich die zweite Weihe wurde, beweist die von Timachides bei Athen.
zu Agrai auf die Vermählung des Zeus mit der 15, 678 a (Hesych. lä%ia) bezeugte Benennung
Persephone bezogen habe, aus welcher Iak- bacchischer Kränze als luxxcu; vgl. Philetas
chos entsprossen sei. Ganz entschieden aber ebene! as., der einen oziyuvog 'lctY.%uiog er-
gegen einen Kultus des Iakchos zu Agrai wähnt, vgl. Mesyeh. &' Iühxcc- äv&r} s v Svtivmvi;
spricht sich Strube a. a. 0. 56 f. 65. 78 ff. 84. denn der in Sikyon verehrte Baxxnog (Oiph.
97 aus, der die von Stephani (vgl. Archäöl. Mymn. 30, 2 Ban.%sioq avug), dessen Bild nur
Anz. 18 [1860] 26 ff.) gegebene und von Welcher einmal im Jahre nachts unter Fackelschein
a. a. 0. 640 ff. gebilligte Deutung der zweiten 10 und Hymnengesang aus dem sogenannten
Darstellung der Kertscher Vase als die zu Kosmeterion in das Dionysion geschafft wurde
Agrai gefeierte gemeinschaftliche Anodos der (Paus. 2, 7, 5), ist ebenso wie der Bax%eiog
Köre und des Iakchos unter gleichzeitiger Ge- der Korinthier (Paus. 2, 2, 6) mit Iakchos
burt des letzteren durch Persephone verwirft identisch (Gerhard, Abh. 2, 187. 223. Prodrom.
und vielmehr die Geburt des Erichthonios er- 129,33). Vgl. Bd. 1 Sp. 1093 u. Paus. 2, 11, 3.
blickt; ebeuso erklärt Strube 97 O.Jahns (Ar- Aus einem von Oelüer (Phüoloyus 16, 355)
chäol. Zeit. 25 [1867], 68) Ansicht für unhaltbar, herausgegebenen, zur 51. Haeresie des Epi-
der auf einem Krater mit der Beischrift mgo- phamos gehörigen Fragmente, das die nächt-
cpazTa die Übergabe des Iakchos durch Hermes liehe Feier der Köre in Alesandria und das
an Persephone zu erkennen glaubte. 20 Zeigen und siebenmalige Herumtragen eines
Auch in den mit Eleusis wohl in Zusam- hölzernen Bildes unter Gesang und Musik um
menhang stehenden (Preller, Demeter 211; in den Tempel der Köre schildert, wobei man
der Realencyhl. 2, 1066. Gerhard, Abhandl. 406) den Ruf ertönen liefs rj Kögrj tyivvnos zov
lernäischen Mysterien (ein Orgiophantes Aläva, wollte Stephani, campte rend. 1859, 60
Aegvcticov äävrcov Anthol. Pul. 9, 688, ein auf eine Festfeier des Iakchos zu Alexandria
Hierophantes dwoig -ao! Kovgrjg Asgvaicav schliefsen (das Gleiche wie in Alexandria ge-
aSvriov Append. epiyr. 145) findet sich Iak- schah übrigens in derselben Nacht in den
chos (Liban. orat. 14, I p. 427: b zrtv Asqvtjv Städten Elusa und Petra, wobei man in ara-
Karrf %(ov "Ia-Kxog; vgl. die römische Inschrift bei bischer Sprache die Köre als Chaabu und den
Preller, Demeter 213: Sacratae apud Laernam 30 von ihr geborenen Dusares [s. d.] feierte); da-
Deo Libero et Cereri et Corae und die Weih- gegen sucht Strube a. a. 0. 82 ff. nachzuweisen,
inschrift bei Kaibel, epiyr. 821 f. Bax^oo fie dafs unter dem Aion des Epiphanios nicht
ßctHXOv xal ngoav/ivai'u dtä x. z.l.) mit Perse- Iakchos, sondern Christus gemeint sei.
phone uud Demeter, welche letztere hier den Etymologie. Gewöhnlich leitet man Iak-
Namen Prosymna führt, gepaart. Nach Paus. chos von den bei seinen Festen ausgestofsenen
2, 37, 2 befanden sieh in einem zwischen den Rufen ab; Elym. M. 462: naga zr\v la%r\v zr\v
Flüssen Pontinos und Amymone gelegenen tv zaig xoQiCaig yivo(x.ivrjv zovzkaxi zr\v ßoi\v
heiligen Haine Bilder der Demeter Prosymna yivszai i'ax°S «<n nlsovaa[ico zov % i'ait%og;
und des Dionysos, in einem anderen Tempel ein vgl. Eust. ad Moni. IL 629, 30. 962, 60. Gram.
sitzendes Holzbild des Dionysos Sadzng (= Iak- do Anecd. Oxon. 2, 451, 7. schol. vet. Aesch. Sept.
chos; vgl. Hermann. Gottesdienstl. Altert. 52, 618 (K.). Suid. fazijpatct' ääai Jiovvaia-dai. —
12; ein Altar des Dionysos Saotes auch in ?<xx>V ^no zov lü%af zovzo dt naget zb i'u, 6
Troizen, Paus. 2, 31, 8), dem alljährlich an erj/ialvst zi[v cpiovr/v; es wäre Iakchos also
dem alkyouischen See nächtliche Mysterien dann ein Jubelruf wie Eleleus, Euan etc. —
gefeiert wurden (Paus. 2, 37, 6), zu denen die Bcrgh bei Ersch und Gruber , Qriech. Litt.
Argiver in den älteren Zeiten das Feuer aus 315 a Anm. 88. Savelsberg, de cliyamm. 24.
dem Heiligtum der Artemis üvgaivicc vom liibbech a. a. 0. 20 Anm. 1. Röscher in Our-
Berge Krathis holten; Paus. 8, 15, 8. Wie tius' Studien I, 2 S. 122. Curtius, Grundzüge5
Zagreus von den Titanen getötet ward, so 460. 576 erklären es mit Recht als Reduplikation
wurde nach argivischer Sage Dionysos von 50 von Bdv.%og aus fij-ay.xog entstanden, wie ja bei
Perseus erschlagen und in den lernäischen Monier i'ä^co und ia%r] stets noch mit Digamma
See geworfen (schol. Victor. II. | 319. Lobech, anlauten. Mommsen a. a. 0. 68 sieht in Iak-
Aylaoph. 574); zu einer bestimmten Zeit riefen chos einen schmerzlichen Klageruf (Ivyfiog
die Argiver, indem sie ein Lamm in den See Mom. II. 18, 572). [Richter a. a. 0. 378 b hält
warfen, den Dionysos wieder empor. Stellen es für eine Abkürzung von 'l6ßaxx°s (s- d)
bei Lobech a. a. 0. 619 Aum. d. und weist daneben auf die Ableitung von
Nicht unwahrscheinlich sind mit dem von dem syrischen Iakko (= säugender Knabe;
Paus. 8, 54, 5 erwähnten Tempel des Dionysos vgl. oben <JiovvGog £itl zä jxaerm) hin, Sichler
Mystes (Anth. Pal. 9, 524, 13), der auf dem bei Richter a. a. 0. leitet den Namen her
Weg von Tegea nach Argos nicht weit von 60 von !~i;p erhellen, Licht machen, und er-
einem Tempel der Demeter stand, und den klärt Ti>-rD^ als die erhellende, erklärende,
zwei in Tegea 6elbst neben einem Altar der deutlich machende Kraft, Neubcr a. a. 0. 29
Köre gelegenen Heiligtümern des Dionysos erblickt in Iakchos „die apokopierte dritte
(Paus. 8, 53, 7) Tempel des Iakchos gemeint. Pers. des Fut. der Form Aphel vom Verbuni
Ebenso scheint Verehrung des Iakchos statt- chava, jacho d. h. er wird leben machen, wird
gefunden zu haben in Pheneos (Paus. 8, 15, 1), beleben; noch andere bringen Iakchos in Zu-
Thelpusa (Paus. 8, 25, 2), Megalopolis sammenhang mit Iao ('s. d.) vgl. Rolle a. a. 0.
(Paus. 8, 31, 3). 1, 302 ff.]
11 Iakchos (i. (1. Kunst) — Ialemos Iainbe 12
Iakchos in der Kunst. Mit seinem Bruder führte er die Minyer auf
Schon oben wurde die von Mnesitheos ge- 30 Schiften nach Troja, Honi. B 511 ff. (Paus.
weihte Bildsäule des Iakchos sowie das Werk 9, 37, 7. Hyg. f. 97; vgl. auch Tsetz. Posthorn
des Praxiteles erwähnt (Iakchos ist iu dieser 87) und soll nach der Zerstörung der Stadt
Gruppe wohl mit Welcher und Gerhard, Abh. seine Leute nach dem Pontos geführt und als
2, 410 als Ephebe [auf der Grabsehrift eines Achaier daselbst angesiedelt haben, Strab. 416
Knaben Append. 136, 5 roiog S' r\v ysyaiog, olog (aus ihm Eustath, p. 272). Appiaii. b. Mithr.
noz' ttpvoiv (oiog irorf, cpaolv Jacobs) "laxxog] 67. 102. I)ion. Perieg. 083 (Priscian. Per. 063).
zu denken, nicht mit Preller, Aufs. 292 f. = Tgl. O. Müller, Orchomenos* 203. 241. Da-
Archäol. Zeit. 1845, 10S f. als erwachsen und 10 gegen läfst die Grabschrift bei Aristot. Pepl.
der Persephone an Alter und Gröfse gleich); 1576 a 10 die beiden Brüder in rninyeiscker
vielleicht ist letzteres mit dem von Cic. Verr. Erde ruhen. Aus dem Verzeichnis der troja-
4, 60, 135 erwähnten identisch (Friederichs, nischen Helden kamen beide Namen in das der
Praxiteles 12. Overbeck, Gesch. d. Plastik 2, Argonauten bei Apollod. 1, 9, 16 (anders Jessen,
22, 2); ob in der verderbten Stelle ebendas. Proll. in catal. Argon. Berlin 18S9 S. 14) und
57, 128, wo es keifst, Verres habe aus dem der Freier der Helena bei Apollod. 3, 10, 8 (I. fehlt
Tempel der Libera parinum Caput illud pulcher- bei II yg. f. 81). [Seeliger.]
rimum geraubt, mit Richter für parinum zu Ialouus (-a?). Auf einem Votivaltärchen aus
lesen ist puerinum (= pueri Iacchi; vgl. Ov. Nismes liest Hirschfeld, CIL 12, 3057 add.
Met. 4, 18, wo er puer aeternus heifst), bleibt 20 Ialon I et For \ jJonfif\. Die zweite Zeile scheint
zweifelhaft. Über Iakchos auf Kunstdenkmälern et For(tunae) zu lesen zu sein. Mit der in der
vgl. man Gerhard, Bilder des Iakchos Abh. 2, ersten Zeile genannten Gottheit (im Index des
367 ff. 409 ff. , der gegen Preller, Aufs. 293 Corpus Ialona) ist zu vergleichen der deus
den bärtigen Typus des Iakchos in Abrede Ialonus Contre . . . der Inschrift von Lancaster
stellt (Abh. 2, 409); über geflügelte, gehörnte CIL 7, 284 (vgl. 290 deo saneto Contrcbi).
und mannweibliche (vgl. den Mises-Iakchos der [M. Ihm.]
Ürphiker: Orph.IIyvm.i2. Gerhard, Abh. 2,89) Ialysos (Idlvcog), rhodischer Heros, nach
Darstellungen vgl. Gerhard, Abh. 2, 369, 412. welchem die Stadt Ialysos benannt war. Ker-
Ebend. 410 f. Prodromus 79: Iakchos, Plutos kaphos, ein Sohn des Helios und der Rhodos,
und der mystische Eros (vgl. Archäol. Zeit. 8 30 zeugte mit Kydippe (Lysippe, Eustath. Hom.
[1850], 164) ähnlich dargestellt. Ferner vgl. p. 315, 29), einer Tochter seines Bruders
Archäol. Zeit. 3 (1845), 63 f. 8 (1850), 161 ff. Üchimos, den Ialysos, Lindos und Kameiros,
und Strube a. a. O. 78. Archäol. Ans. 18, 99. welche die Insel Rhodos unter sich teilten und
Archäol. Zeit. 19 (1861) 165. E. Thrämer oben die drei nach ihnen benannten Städte bauten,
unter Dionysos Sp. 1130 Z. 5 ff. Sp. 1148 Z.26ff. Find. Ol. 7, 74 (136) und Schol. Diod. 5, 57.
1149, 40 ff. Förster a. a. O. 266 f. Lenormant Steph. B. v. Käuipog und ,l(vSog. Bei Tzets. zu
a. a. O. 1062. 1070. [Vgl. auch Petersburger L. 923 heifsen die drei Brüder Nachkommen des
Vasens. nr. 1792. Vase d. Samml. Santangelo Helios und der Rhode oder der Rhode und
nr. 11 = Arch.Z. 1867, 220 f. Brit. M. nr. 674. des Poseidon. Syme, nach welcher die Insel
Über das eleusinische Relief vgl. Welcher, A. .10 Syme zwischen Rhodos und Knidos benannt
Derikm. 5, 106 f. Overbeck, K. M.2, 567. Frie- sein sollte, heifst Tochter des I. und der Dotis,
derichs- Wolters nr. 1182. R.] [Höfer.] wegen einer dotischen Kolonie, die nach Rhodos,
Ialemos ('Idltfiog) , Sohn des Apollon und Kuidos und Syme ging, Mnas. bei Athen. 7,296b.
der Muse Kalliope, nach welchem die Klage- Steph. B.\.Ev^v. Müller, Orchom. 195. Aegin.
gesänge (Lältfioi) über frühen Tod in der 41 ff. [Über das Gemälde des Protogenes vgl.
Natur und im Menschenleben benannt sein Brunn, Gesch. d.gr. Künstl. 2, 236 ff. R.] [Stoll.]
sollten, Bruder des Hymenaios und Orpheus. lambadules ('lafißaäovXrig), ein barbarischer
Manche identificierten ihn mitLinos; wie dieser ithrakischer?) Gott auf einem jetzt im kapitol.
galt er für den Gegenstand des Klagelieds, Museum zu Rom befindlichen, mit griechischer
für einen Knaben oder Jüngling, der einen 50 Inschrift versehenen Votivrelief eines Präto-
frühen unglücklichen Tod gefunden, sowie auch rianers, welches zwei Götter (Zßsg&ovgäog und
für den Erfinder des Trauerlieds. Pindar b. 'lafiß.) darstellt, von denen der zur L. ganz als
Schol. Eurip. Blies. 892 (Pind. fr. 116 Bergk. Iuppiter (mit Blitz und Scepter), der andere
Müller hist. gr. fragin. 3, 303, 8. Welcher, als ein nackter reitender Jüngliug mit langem
Kl. Sehr. 1, 50). Schol. Eurip. Or. 1375. Haarschopf dargestellt ist. Vgl. Mats-Duhn,
Suppl. 281. Schol. Pind. Pyth, 4, 313. Schol. Ant. Bildw. in Born nr. 3771. [Röscher.]
Ap. Rh. 4, 1304. Hesych. u. Et. M. s. v. lambe ('Idußrj). Im homerischen Hymnos
Preller, Gr. Myth. 2, 490. Gerharde. §324,3. auf Demeter, v. 195 ft'., erscheint lambe als
[Stoll.] Dienerin im Hause des Keleos und der Meta-
Ialmenos (läl^tvog „der Wehklager" nach co neira in Eleusis, sie bringt der um die ge-
O. Müller, Orchomenos2 S. 241 A. 5, „der Werfer" raubte Persephone trauernden Demeter einen
nach Pape-Bcnselcr), Sohn des Ares und der Sitz und erheitert sie durch allerlei Scherz
Astyoche, der Tochter des Aktor, mit seinem und Mutwillen. Daraus entstand die Sitte,
Bruder Askalaphos Beherrscher des boiotischen bei den Festen der Demeter allerlei Spott, Mut-
Orchomenos, Hom. B 511 ff. Paus. 9, 37, 7. willen und Ausgelassenheit zu treiben. Ebenso
(Eustath, zu Hom. B 511 p. 272.) Hyg. f. 159 Apollodor 1, 5, 1, 3; Diodor 5, 4; Etym. M.
p. 15, 2 Seh. (f. 97 p. 91, 6 beruht der Zu- s. v. 'Icifißri; Hesych. s. v. In der orphisohen
satz „Lyci et Pcrnidis filius" auf Korruption). Poesie, wo die derben Späfse, welche die De-
13
Iarnenos
Ianthe
14
meter aufheitern, ausführlich besprochen wer-
den, tritt Baubo (s. d.) an die Stelle der Iambe.
Die Sage verdankt wohl ihren Ursprung dem
Bestreben, die Verbindung jener Ausgelassen
heit , jenes Scherzens und Spottens , kurz des
ictfißigsiv mit den Demeterfesten zu erklären.
'lafxßri bedeutet eben nichts anderes als Spott.
So sagt das Etymolog. M. s. v. , das Wort
Iccfißi^eiv komme her von ibv ßd'^siv rj mg
ßtXn ßdXXsiv tu Xiyöuivu, was zwar dem Sinne 10
N nach richtig, aber etymologisch unmöglich
ist. Der Name wird vielmehr abzuleiten sein
von laitxa sende, schicke (besonders, von Ge-
schossen gebraucht). So hiefsen auch die
Spottverse der griechischen Lyriker lamben,
weil sie gleichsam wie Geschosse auf die
Gegner geschleudert wurden. Wurden aber
die Spöttereien (lafißiia) der Demeterfeste auf
die mythische Gestalt der Iambe zurückge-
führt, so lag es nahe, auch die Erfindung der 20
Iambendichtung von Iambe-Enipo herzuleiten;
vgl. Sittl, Gesch. d. griech. Litt. 1, 269 f. Anders
Eustath. ad Hom. p. 1684. 48. 54. Jaeobi,
Mythol. Wörterbuch. — Als Eltern der I. erwähnt
das Et. 31. den Pan und die Echo (Thrakerin
ist I. nach Proldos b. Westphal, So: Metr. 1 p. 242).
Auch diese Genealogie scheint aus dem Namen
geschöpft, der dort auch abgeleitet wird von
i'av ßäfeiv, i'a nämlich sei die gemeine Stimme,
das gewöhnliche Geschrei der Menschen. Die 30
lärmende Freude bei ländlichen Festen konnte
wohl allerdings die Vorstellung wachrufen, dafs
das Tosen des Festlärms ein Kind des länd-
lichen Gottes Pan und des Wiederhalls sei.
Etymologisch ist diese Ableitung unmöglich.
Vgl. auch Preller, Gr. Mytli. I3, 648. Ludwich,
Fleckeis. Jahrb. 1890 S. 51 ff. [Weizsäcker.]
Iarnenos ('lafisvög, auch 'lapivög, Schol. LI.
12, 193. Et. M. s. v.), ein Troer, beim Sturm
auf die Mauer des griechischen Lagers von io
Leonteus getötet, 11. 12, 139. 193. [Stoll]
Iamidai {'Iay-CSai), Nachkommen des Iamos
(s. d.). [Röscher.]
Iamnos ("Iaavog), der Heros Eponymos des
phönikischen Städtchens lamnia, Steph. B. v.
'lafivla. [Stoll.]
Iamos ("Iupog), Sohn des Apollon und der
Euadne, der Tochter des Poseidon und der
Pitana, der Stammvater der Iamiden, einer
Weissagerfamilie, die in Olympia dem alter- 50
tümlichen Orakel des Zeus vorstand und dort
ihren Hauptsitz hatte. Paus. 6, 2, 3. Müller,
Vor. 1, 142. 253. Boeckh ad Find. Ol. 6. Expl.
152f. 660. Preller, Gr. Mytli. 1, 113 f. 2, 477.
Curtius, Pcloponn. 2, 110, 55. — Pitana, die
Tochter des Eurotas (der Ort Pitana war eine
Korne von Sparta), hatte ihre neugeborene
Tochter Euadne, um sie zu verbergen, zu dem
Arkader Aipytos nach Phaisana am Alpheios
gesandt. Dort gebar die Jungfrau Euadne von go
Apollon im dunkeln Haine einen Knaben, den,
als die Mutter ihn aus Scham verliefs, durch
göttliche Vorsorge zwei Schlangen mit Honig
nährten. Weil er zwischen blühenden Veilchen
liegend gefunden wurde, nannte ihn die Mutter
Iamos (Veilchenreich). Dem Aipytos, der wegen
des Knaben den delphischen Gott gefragt
hatte, wurde verkündet, derselbe werde ein
herrlicher Seher und Stammvater eines lange
dauernden Sehergeschlechtes werden. Als
Iamos zum Jüngling herangereift war, stieg er
in der Nacht in die Flut des Alpheios hinab
und rief seinen Ahnen Poseidon und den Vater
Apollon wegen seiner Bestimmung an. Apollon
gebot ihm antwortend, seiner Stimme zu folgen,
und führte ihn nach Olympia, wo er ihm ver-
lieh, sowohl die Stimmen der Vögel zu ver-
stehen u. zu deuten, als auch aus den brennenden
Häuten der Opfertiere auf dem Altare des Zeus
zu weissagen, sobald Hepakles die olympischen
Spiele stifte. Seitdem bestand das berühmte
Sehergeschlecht, Pind. Ol. 6, 28—70 (46—120)
mit d. Schol, bes. z. v. 46 u. 111. [Vgl. Gag. arch.
1880 T. 34. Bev. d, reo. 6 p. 227. Dr.] [Stoll.]
lana (= Diana?), zweifelhafter Name einer
römischen Göttin, welche entweder als Diana
oder Luna gedeutet, oder als feminine Par-
allele zu Ianus gefafst wird. Vgl. Varro
r. r. 1, 37, 3: nunquamne rure audisti octavo
Ianam (codd. Lariam) et crescentem et contra
senescentem et quae crescente luna fieri oporteret
[et] tarnen quaedam melius fieri post octavo
Ianam (codd. Lanam) quam ante?. Macrob.
1, 9, 8 : pronuntiacit Nigidins Apollinem Ianum
esse Dianamque Ianam apposita D littera etc.
Tertull. ad nat. 2, 15: et diva Arquis et Lana
(Iana"> 1 et montium Septimontium etc. Vgl. oben
Bd. 1 Sp. 1003; unt. Sp. 48. Preller, Ä.il/.31,167.
2, 221. Buttmann, Mythol. 2, 72. [Röscher.]
Iauassa ('Idvaaaa), eine der Nereiden (s. d.);
II. 18, 47. Hygin. f. praef. p. 29 Bu. Vgl.
Ianeira und Ianthe. [Röscher.]
Iandysos ('Idvdvoog) , König der Skythen
zur Zeit des ägyptischen Königs Sesostris, Arrian
in Phot. Bill. cod. 58. [Stoll]
Ianeira i'ldvsigä), 1) Nereide, II. 18, 47.
Hygin. praef. p. 29 Bunte. Braun, Gr. Götterl.
§ 99. — 2) Okeanide, Hcs. Th. 356. Hom.
Hyrrm. 5, 421. Schümann, Opusc. Ac. 2, 150 über-
setzt Fovela. Hermann, Opusc. 6, 172. Lobeck,
Proleg. pathol. 263. Braun, Gr. Götterl. § 156
(„die Männererfreuende, Männerbeglückende").
— 3) Tochter des Iphis, Gemahlin des Kapa-
neus, gewöhnlich Euadne genannt, Schol. Pind.
Ol. 6, 46. [Stoll]
Ianiskos ('lavicxog), 1) Sohn des Asklepios,
Schol. Aristoph. Plut. 701. Gerhard, Mytli. 1
§ 510. S. unten Sp. 23 Anm. — 2) Nachkomme
des Atheners Klytios, des Schwiegervaters des
sikyonischen Königs Lamedon, welcher, aus
Attika kommend, König in Sikyon wurde, als
Adrastos, (s. d.), seine Herrschaft in Sikyon
aufgebend, nach Argos zurückgekehrt war.
Nach seinem Tode ward der Heraklide Phai-
stos in Sikyon König. Paus. 2, 6, 2. 3. Ger-
hard, Myth. 2 p. 238 f. [Stoll]
lnrmn("lavva), . . nvig öi trjv 'KXivrrv : Hesych.
[Höfer.]
Ianthe ('iäv&ri), 1) Okeanide, Hes. Th. 349.
Hom. Hyrrm. 5, 418. Paus. 4, 30, 3. Hygin.
praef. p. 28 Bunte. Schümann, Opusc. Ac. 2,
147 („Violiflora"). Braun, Gr. Götterl. § 147
(die „Wärineerquickte"). — 2) Eine kretische
Jungfrau, Tochter des Telestes, vermählt mit
der durch die Huld der Isis in einen Jüng-
ling verwandelten Iphis, Ovid. Met. 9, 666 ff.
15 Ianus (röru. Kulte u. Lokalsagen) Ianus (Kult d. Geminus od. Quirinus) 16
— [3) Nymphe (Okeanide?) zwischen zwei Forums, und zwar „ad infimum Argilctum"
tanzenden Silenen stehend auf einer attischen (Biv. 1, 19, 2. Serv; z. Verg. A. 7, 007) nach
streng-rotfigur. Schale in Berlin; Fwtwängler Jordan, Top. 1,2, 351 u. 214 „zwischen d.
nr. 4220. Koscher.] [StolL] Severnsbogen und San Adriano" (anders Richter
Ianuaria Dea s. d. Nachträge. b. Baumeister, Benhn. S. 1467 u. Annali d.
Iauns. Inst. 1885 S. 323 fl'.), d. h. wohl an einer von der
_,.,.. - , , Subura nach dem Forum herabführenden
A. Kultstatten und Lokalsagen. strafse {Jordan a. a. 0.), stand der uralte, der
1) Rom. Wie alt der Ianusknlt zu Rom und Sage nach von Suma gestiftete (Pisa b. Varro
in Italien überhaupt war, ersieht man am besten 10 l. l. 5, 165. Biv. 1, 19, 2 Plin. h. n. 34, 33.
aus der Thatsache, dafs er schon von Romulus Plut. Num. 20. Flor. 1 , 2. Serv. a. a. O.)
eingeführt sein sollte (vgl. Varro b. August. Ianus Geminiis (Macroh. 1, 9, 9 u. 5, 15 f.
c. d. 4, 23: Romulus . . . ergo constituit Ro- Flor. 1, g. 2, 34. Bio C. 54, 36. Eutrop. 9, 2.
manis deos Ianum, Iovem, Martern, Picum, Sud. Nero 14. Vellci. 2, 38, 3. Vita Commodi
Faunum etc. Hcrodian 1, 16: &sbg vlqxuio- 16. Gordiani tres 26. Viri ill. 79, 7), auch
xaxog xrjg 'ixaXiag sitixäqiog. luv. 6, 393: wohl ebenso wie die darin befindliche Statue
antiquissimc divum . . . lane pater. Procop. b. bifrons (Verg. A. 7, 180. 12, 198), biformis
Goth. 1, 25 b "Iavog jrpajros rrv xäv a-p^cuW (Ov. f. 1, 89), oder geminae portae belli
&säv, oi'g äi)'Pa>fiatoi yXäaan xy aeptzegee irsvä- (Verg. A. 7, 607), Iani gemini portae (Viri
xag [Hss. nzvrjxag] ixdXovv), ferner daraus, dafs 20 ill. 79, 7. Aug. c. d. 3, 10), nvXq svväXiog
Ianus in dem Kulte und den Liedern der von (Mon. Anc. Gr. 7, 5), ÖL&vgog vsäg oder nvln
Hninn eingesetzten Salier eine Rolle spielte iioXiuov (Plut. Num. 20, 1), porta Iannalis
(Varroh. Macrob. l,d,li: Saliorum antiquissimis (Varro l. I. 5, 165), porta Iani (Flor. 1, 18),
carminibus Ianus Beorum deus [Varro l. I. mvkai xov 'Iavov (Bio C. 51, 20), oder Ianus
7, 27] canitur. Varro l. I. 7, 26: Buonus cerus Quirinus [Quirini?] genannt (Mon. Anc. Bat.
es, du(o)nus Ianus. Pauli epit. 3, 6. Io. Byd. % 42. Suet. Aug. 22; vgl. Macr. 1, 9, 16. Hör.
de mens. 4, 2: dvoHea'öixa ngvxdviig ■jtQog xov ca. 4, 15, 9: Ianum Quirini [oder Quirinum?
Novuä zovg . . . ZaXwvg OQio&ijvcti qxxoiv*), vgl. Kicfsling z. d. St.] clausit). Wie eng dieses
vavovvxag xbv 'lavbv v.axä xbv xäv 'ixaXwäv „zweifellos uralte Heiligtum (Jordan a. a. O.
pnväv ägi&ijiöv. Tcrtull. Apolog. 10; vgl. unten 30 346), das nie seinen Platz wechselte und sicher
Sp. 30, 54 ff.). Wahrscheinlich hängen mit diesem bis ins 5. Jahrhundert nach Chr. bestand"
lanuskult der 12 palatinischen Salier die 12 (Procop. Goth. 1, 25 S. 122 f. Jordan 349 u.
Altäre des Ianus und seine Feier an den auch 352), mit dem Forum verbunden war, ersieht
der Iuno geheiligten Kaienden zusammen (vgl. man namentlich aus Senecas Apocol. 9 , 2 :
Varro b. Macrob. 1, 9, 16: Iano duodeeim aras Ianus pater %; . . homo quantunwis vafer, gut
pro totidem mensibus dedicatas. Fronteius (?) semper videt ccfia Kai öniooeo. is multa disertc,
b. Byd. mens. 4, 2: äadsKäßco[iov slvai xbv quod in foro vivebat, dixit und aus Procop.
ctixov vabv Kaxd xbv xäv (irjväv aQi&aov. Vgl. a. a. 0. ej;ei äs xov viaiv sv xy ayogü jtjo
Macrob. 1, 15, 19: Ianum Iunonium cogno- ™ü ßovlevTT}oJoy etc. (vgl. auch Bio 13, 13
minatum diximus, quod Uli deo omnis ingressus, 10 (z> J- 193): tä 'lavä xä jrpo xäv fi-vpäv [xov
huic dcae euueti Kalendarum dies videntur ad- avviäQt'ov]). Vgl. Jordan S._ 348. Was die
scripti. ib. 1, 9, 16: Iunonium quasi non solum Gestalt des Gebäudes betrifft, so hat man
mensis Ianuarii sed mensium omnium ingressus darunter genau genommen keine aedes , son-
tenentvm; in dicione autem Iunonis sunt omnes dem eben nur einen doppelthürigen (dt&vqog
Kalcndae. Byd. 4, 2: Bagporv . . . qinalv ctvxbv Blut. Num. 20, 1) ianus oder ein Durchgangs-
. . . liysa&ai . . . Kai TJonävcova [Ov. f. 1, 276 tbor (vgl. die Ausdrücke porta und nvXrj in
u. 127] Stä xb Iv xaig KaXivSaig dvacpigfed-ai den oben angeführten Stellen und xb 'Iavov
noJiava). Die römischen Kulte des Ianus binvXov b. Plut. fort. Rom. 9), an einer sehr
sind folgende: belebten, zu Uvids Zeit zwei Fora (wohl das
a) Am oberen (nordöstlichen) Ende**) des 50 Mische und das grofse; Becker, Top. 368)
verbindenden Strafse (die es teilweise über-
*) wenn Pdkgriao (Andmt. ib. d. ursprüngi. Rcii- spannte) gelegen, zu verstehen (vgl. Ov. f.
gionsuntendiied d. Palric. u. rieb. 1S42 S. 52 f.) und Mar- 1> 257 : OUr stas sacratus in uno, hie ubi iuneta
quardt (it. staatsD. 3 s. 119, io) in diesem Falle an die foris templa duobus habes?). Die genaueste
agonalischen Salier des Quirinus denken, weil in der Vorstellung von diesem Gebäude und seiner
lex über die spolia c-i.ima die drei Hauptgütter der Salier, Einrichtung verdanken wir erstens einer Be-
Iuppitev, Mars und Ianus Quirinus vorkommen und weil Schreibung des PrOCOnius Und zweitens einigen
die Agoualia (s. u.), bei denen die agonalascnen Salier tiT-- -, n . , ,t> „ t t -\t nr tt j 7
n , h , , : ,. /' ..-. , T ,, > Münzen des Au«'ustus (Kev. IAJ\. CLV. stemple
doch wahrscheinlich thatig waren, dem Ianus galten, so , T „ ° _. *>,. 7 . ~ -k
widerspricht dem die Nachricht, daf8 Numa einerseits dC IdHUS fermc"; BouthOWSfCl S. 327 nr. (67;
das Kollegium der 12 palatinischen Salier [Marquanit 60 Vgl. EcMiel VI, 80) Und des Nero (Eclchel VI,
a. a. O. 410,3) anderseits den Ianus Geminus am Forum 373. CullCH 1 T. XI NcrOH 177. Becker, TopOgr.
[ä. u.) gestiftet und seinen Saliern die Pflicht auferlegt Taf. 5, \). JBaillHeistir, DetllCM. S. 234 Hl'. 2UÜ;
haben sollte, den Ianus nach der Zahl der italischon
Monate zu besingen {Lyd. 4, 2), wahrend die agonalischen ersten d. h. Nordregion des Himmels bei 3Iartiama
Salier erst von Tullus Ilostilius eingesetzt sein sollten, Capella und des von Deecke ihiu gleichgesetzten Ani des
(s. d. Stellen b. Ma?-quardt S. 411, 2). l'emplums von Piacenza (vgl. Lyd. de mens. 4, 2 ci/)' ix«-
**) Höchst beachtenswert ist, dafs dieser Ianus gerade tioa^Ldox-tov und Deecket Etr.Forsdt. 4,19 u. 25 ff. Etrusker
am äufsersten Nord - oder Nordosteudo des Forums lag. 2, 135 f., der Etr. F. S. 27 in der ersten Kegion, der
Dies entspricht genau der Placierung des Ianus in der ianzta caeli, auch ianitores caelestes vermutet).
1 7 Ianus (Kult d. Genimus od. Quirinus)
vgl. die beistehende Abbildg.). Nach Procop
(bell. Gotli. 1 , 25 S. 122 f.) war der Tempel
(vscog) ganz von Erz (unag %al%ovg), viereckig
(s v TtTQceymvcp axgfiazi) und nur so hoch, dafs
das 5 Ellen hohe Erzbild des Gottes darunter
stehen konnte. Das Doppelgeaicht der Statue
schaute nach Osten und Westen zu beiden
Thoren heraus (vgl. auch Ov. f. 1, 140 eoas
partes hesperiasque simul. Lutatius b. Io. Lyd.
Ianus (Kult. d. Geminus od. Quirinus) 18
wurden, redet Quid f. 1, 275 (vgl. ib. 127:
ceridle libum farraque mixta sah); in betreff der
12 Altare, die Fronteius (?bei Lyd. 4, 2) wohl
diesem Tempel zuschreibt, s. oben Sp. 15. An
den Ianus geminus knüpft sich eine, wie es
scheint, ziemlich alte ätiologische Lokalsage,
welche einerseits die Entstehung der Lautolae
oder Lotolae, d. i. einer in unmittelbarer Nähe
des Heiligtums befindlich gewesenen warmen
'lavbv Kalff] naga zb £q>' i-xazigctg nvXrß
UQinv, ävazolrjg i'aag neu ävasmg). Auf den
Münzen des Nero „erscheint der geschlossene
Ianus als ein würfelförmiges Gebäude, von
dem die Front und eine Seite sichtbar sind.
Jene besteht aus einem Thor mit geschlossenen
valvae, welches von zwei einen Bogen tragen-
den korinthischen Säulen gebildet wird; von
dem unzweifelhaft die Rückseite bildenden
de mens. 4, 2: o ys f«jv Aovzäziog "Rliov [zbv io Schwefelquelle, andrerseits die Öffnung der
Tenrpelthüren zur Kriegszeit erklären sollte
(vgl. Varro l. I. 5, 156: Lautolae a lavando,
quod ibi ad Ianum geminum aquae cäldae
fuerunt. Ov. Met. 14, 785: Iano loca iuneta
tenebant Naides Ausoniae guido rorantia forde
etc.; hinsichtlich des vulkanischen Charakters
dieser lautolae vgl. Jordan, Top. 1, 1, 122).
Die Geschichte steht ziemlich übereinstimmend
bei Macrobius (1, 9, 17), der wohl aus Varro
gleichen Thor sieht man die Ecksäule; die 20 schöpfte, und bei Ooid (Met. 14, 778 ff. u. F.
beide Thore verbindende Seitenwand ist qua- 1 , 259 ff.). Als die Sabiner, heilst es bei
driert und erreicht nur % der Höhe der Thore, Macrobius, um der ihnen geraubten Jung-
das offene obere Viertel schliefst ein Gitter, frauen willen unter Titus Tatius die am Fui'se
auf den Säulen ruht vorn wie zur Seite ein des Viminalis (vgl. darüber Jordan S. 349
zweigliedriges Gebälk, darüber aber liegt kein Anm. 52) gelegene porta Ianualis stürmten,
deren Thüren sich immer wieder von selbst
öffneten (nach Ovid a. a. 0. öffnet sie die
den Römern feindliche Iuno), und als die
Verteidiger das offene Thor nicht mehr
halten konnten, soll Ianus eine solche Masse
heii'sen Quellwassers aus der geöffneten Pforte
auf die Angreifer geschleudert haben, dafs
die an dieser Stelle arg gefährdete Altstadt
dadurch gerettet worden sei. So sollte die
Sitte entstanden sein, in Kriegszeiten die
Thüren des Ianus offen zu halten (vgl. auch
Serv. V. Ä. 1, 291. 12, 198 = Mytliogr. Tat. 3,
4, 9, wo die Stiftung des Ianus bifrons auf
Münze des Aero mit der Darstellung des Iazmstempels auf dem -,>>•• i - l r> l i rn i- --„l
das Bündnis des Romulus und latius zurück -
Forum Rom. (nacli Baumeister, Uenktn. d. kl. Alt. S. 2i)-l nr
Dach mit Fastigium. Unzweifelhaft also ist
das Gebäude keine aedes, sondern ein dop-
pelter ianus, dessen __ Seitenwände plutea
bilden" (Jordan 351).*) Über ein interessantes
Motiv der in dem alten Ianustempiel stehenden
Statue belehrt uns Plinius 34, 33: Ianus Ge-
minus a Numa rege dicatus .... digitis ita
figuratis, ut CCCLV dierum nota per signi-
fieationem anni, temporis et aevi esse se deum in-
dicaret (vgl. Io. Lyd. de mens. 4, 1 u. Said. 50 B. Jf.3 2, 128).
' geführt wird). Nicht undenkbar wäre es, dafs
auf dieser Nachbarschaft der, wie es scheint,
durch vulkanische Ereignisse zeitweilig zu Tage
getretenen Quelle die Sage von Iuturna als Gattin
des Ianus und Mutter des Fontus beruhte (Arnob.
3, 29), zumal da Iuturna als Nymphe der in
der Nähe des Vesta- und des Kastorentempels
auf der andern Seite des Forums (Jordan,
Topogr. 1, 2, 370) hervorsprudelnden Quelle
gefafst wurde (vgl. d. Art. Iuturna u. Preller,
s. v. 'ictvovaQtog. Macrob. 1, 9, 10. Mommscn
Chron. 34). Im übrigen haben wir uns die
Gestaltung des Kopfes der Statue wohl nach
Mafsgabe der alten römischen Münzen zu
denken (s. u.). Von einer ara parvo eoniuneta
sacello, auf welcher strues und farra geopfert
Endlich haben wir in diesem Zusammen-
hange noch der merkwürdigen, soeben be-
rührten Sitte zu gedenken, die Thore dieses
Ianus geminus während des Krieges geöffnet
zu halten und nur dann zu schliefsen, wenn
einmal im ganzen Gebiet des römischen Reiches
tiefer Frieden herrschte. Vergils (A. 7, 607) Be-
schreibung des von ihm für allgemein latinisch
gehaltenen Brauches bei der Öffnung des Ianus-
*) Wenn Servius zu Aen. 7, 607 diesen Ianus „circa
iiaum Argileturn iuxta theatrum Marceil i" ansetzt
und seine spätere Verlegung an das Forum transitorium
.und Verwandlung in ein temjdum quattuor portarum, ™ ternpels vor ^ Beginn eines Knegszuges macht
d. h. in einen ianus quadrifrons , behauptet, so beruht
das, wie Jordan a. a. O. S. 347 Anm. 46 überzeugend
naebgewiesen hat, auf einer irrtümlichen Interpolation,
welche aus der Verwechselung des numaniseben ianus
mit dem am Theater des Marcellus befindlichen hervor-
gegangen ist. Die irreführenden "Worte iuxta — Marcelli
fehlen in den ältesten Veroneser Scholien, und der die
Verlegung des alten Ianus behauptende Satz lautet im
ITloriacensis ganz anders.
fast den Eindruck, als meine er, dafs der Feld-
herr und das ganze Heer durch den geöffneten
Ianus in den Krieg gezogen seien (vgl. Lyd.
de mens. 4, 2: cpaal 6s zbv avzbv y.ul tcpoQov
zoiv litt itbXigov oq[icüvzcov zvy%äv£Lv /tat
8lk jj,sv zrjg fitäg oipecag (= os Eingang,
ostium?) uiiont fittti v, dia 6s zfjg eztgctg
ä vuxaXc ta&at. zb oz^dziv^ia). Said. s. v.
19 Ianns (Kult d. Geniinus od. Qniriims) Ianus (sonstige iani des For. Rom.) 20
"lavog. Tag nvXag xov 'Iävov 8 ictnsTccoag, doiniquc oder domi militiaeque; vgl. in pace et
ö ßaaiXivg, aineg ini räv jityi'ozmv ttoXsucov domi Cic. rep. 1, 40). Man pflegte demnach
änjvofyovTO, äxlT0 T<?ös rrjv "Ew, d. h. wohl zur Gewährleistung einer glücklichen Heimkehr
durch das östliche, vom Forum wegführende den Ausgezogenen den Zugang zum Gemeinde-
Thor. Schliefsungen fanden statt unter Numa, platze offen zu halten und erst dann zu schliefsen,
der überhaupt den Brauch eingeführt haben wenn alle wieder daheim (domi) waren (vgl.
sollte (Piso bei Varro l. 1. 5, 165: mm in- Myth. Vat. 3, 4, 9 = Serv. V. A. 1, 291:
stitutum a Pompilio . . . ut sit aperta semper, qiiod ad bellum ituri de pace cogitare et re-
nisi quom bellum sit nusquam etc.), ferner im versionem optare debent). Hierzu kommt
J. 519/235 (Varro a. a. 0. Liv. 1, 19, 3), 10 noch, dafs es Sitte gewesen zu sein scheint,
unter Augustus 725, 729, kurz vor 753 (Momm- den ianitor für die aufserhalb ihres Hauses
seil z. Mon. Anc. 7, 5 u. 2, 42), unter Nero weilenden Familienglieder die Hausthüre offen
(vgl. die oben angeführten Münzen) u. s. w. halten zu lassen, bis dieselben heimkehrten,
(Mehr bei Jordan, Topogr. 1, 2, 346 ff.) Über damit sie nicht erst durch Klopfen und Rufen
die Bedeutung dieser Sitte waren schon die wie Fremde Einlafa zu begehren brauchten (vgl.
Alten nicht einig. Abgesehen von der soeben Apul. Met. 9, 20. Becker, Gallus3 2, 190),
behandelten ätiologischen Legende behaupteten während die Hausthür in der Kegel verschlossen
einige, dafs der Dämon des Krieges in Friedens- wurde, wenn der Hausherr und seine Familie
Zeiten im Ianusheiligtum verschlossen sitze, im daheim waren, damit sie nicht von plötzlich
Kriege aber daraus gegen die Feinde hervor- 20 Eintretenden überrascht werden konnten (vgl.
breche (vgl. die Bezeichnung portae belli, nvln die Stellen bei Marquardt, Privatalt. 1, 231,
ivvüXiaq und Verg. A. 1, 293 ff. nebst Serv. z. d. Anm. 53 u. 54; 240 Anm. 97 ff. ; Hermann-
Stelle; Aen. 7, 607), andere umgekehrt, dafs nicht Blümner, Gr. Privatalt. S. 148 f.).
der Krieg, sondern der Frieden im Ianustempel Aufser dem uralten numanischen Ianus am
hause und durch Schliefsung der Thüren am oberen Ende des Marktes gab es aber sicherlich
Entweichen gehindert werden solle (Horat. ep. noch mehrere andere iani auf oder an dem
2, 1, 255: claustraque custodcm pacis cohibtn- Forum Romanum; ja es ist so gut wie gewifs,
tia Ianum. Ovid. f. 1, 281 pace fores obdo, dafs alle nach dem Forum führenden Strafsen
ne qua discedere possit), noch andere meinten: an der Stelle ihrer Einmündung ins Forum
ideo . . . Ianus belli tempore patebat, ut eiusdcm 30 von Ianusbögen überspannt waren (Bichtcr bei
conspectus per bellum patent, in cicius po- Baumeister , 1). 1469;, wie schon aus den An-
testate esset exitus reditusque (Serv. V. sichten auf den Rostrabalustraden hervorgeht.
A. 1, 294; vgl. Ov. f. 1, 279: ut populo rc- So wird öfters namentlich ein Ianus medius
ditus pateant ad bella profccto, tota patct (nach Jordan 1, 2, 215 am unteren Marktende
dcmpta ianua nostra sera), eine Auffassung, in der Nähe des Vesta- und Kastortempels ge-
die manches für sich hat, zumal wenn wir legen) erwähnt, in dessen Umgebung die Geld-
bedenken, dafs aus ähnlichen Gründen auch und Börsengeschäfte abgewickelt wurden (vgl.
der Tempel der Horta oder Hora Quirini (s. d.) Cic. off'. 2, 25, 90. Cic. 01: Philipp. 6, 15. 7, 6, 16.
immer geöffnet gehalten wurde (Phit. Q. Born. Horas Sat. 2, 3, 18. C. I. L. 6, 5845.. 10027
40). Der wesentlichste Grund des Brauches 10 u. s. w. Jordan, Top. 1, 2, 215 f.). Obwohl
scheint aber folgender zu sein. Wie wir ferner, abgesehen von Hör. epi. 1, 1, 53, sonst
später (Sp. 34) sehen werden, sind die alte- nirgends ein unterer oder ein oberer Ianus auf
sten sakralen Verhältnisse des Forums (d. i. dem Forum erwähnt wird (Jordan 215 f.), ist
des Volksgemeindeplatzes), welche in den doch einerseits aus der Bezeichnung medius, die
beiden auf Numa zurückgeführten Kulten des noch 2 andere Iani (oben oder unten? rechts
Ianus und der Vesta gipfeln, aus dem Kult oder links?) auf dem Forum voraussetzt,
des altrömischen Privathauses hervorgegangen anderseits aus den im J. 5S0/174 von den
und diesem nachgebildet*), d. h. wie der Ianus Censoren auf dem Markte einer römischen
des Privathauses über dessen Eingang,- die Kolonie, wohl nach Analogie des römischen
ianua, waltet, so beschützt der Ianus Geminus 50 Forums, errichteten 3 Iani (Liv. 41, 27) auf
den alten Haupteingang des Gemeindeplatzes, die einstige Existenz mindestens dreier Iani
an dessen Gegenseite, uugefähr der Stätte des auf dem römischen Marktplatze zu schliefsen,
Herdes im Atrium entsprechend, der alte Ge- wobei nur das zweifelhaft bleibt, ob der alte
meindeherd, d. h. das Heiligtum der Vesta, er- numanische Ianus in dieser Dreizahl mit in-
richtet war. Da demnach der Ianus Geminus begriffen ist oder nicht. Religiöse Bedeutung
für das Forum und die auf demselben weilende scheinen übrigens die anderen iani des Forums
Bürgergemeinde genau dasselbe bedeutet wie nicht zu haben, da die Worte des Ovid (f. 1,
die ianua für das Privathaus und den Haus- 257) cum tot sint iani, cur stas sacratus in
herm, so wäre es ein schlimmes Omen (vgl. uno? sich wahrscheinlich nur auf den Gegen-
Tac. a. 28,2) für die „draufsen';, d. h. im Kriege 60 satz des numanischen Heiligtums zu den.
befindliche Bürgergemeinde gewesen, wenn man anderen (profanen?) Iani des Forums, nicht
nach ihrem Abmärsche hinter ihr das Ge- aber zu andern Ianusheiligtümern in der Stadt
meindethor verschlossen hätte (man denke (s. u.) beziehen (anders IJeter, Ovid Fast. II
hierbei an den uralten Gegensatz von domus p. 11). Über den von Hora: epi. 1, 1, 54
und bellum (militia) in den Redensarten belli erwähnten Ianus summus und imus s. Jor-
dans Erklärungsversuch Top. 216 f. u. 348.
*) Auch NUsen, Templum S. 142 u. 148 vergleicht aas Jordan glaubt, dafs hiermit der alte (am
lurum mit dem Atrium des Privathauses, obern) und der am andern (untern) Ende
21 Ianus (Curiatius; Tigill. soror.) Ianus (auf d. Ianiculum) 22
des Forums gelegene (sonst Ianus medius ge- schlechter, was insofern nicht unwahrsehein-
nannte) Bogen gemeint sei, welche heide zu- lieh ist, als die ihm parallele Iuno Sororia
sammen die Totalität des Marktes (von einem zweifellos eine Iuno (d. h. weihlichen Genius
Ende bis zum andern) bezeichnen sollen. der Frauen) bedeutet (vgl. den Artikel Iiuto).
Anders Becker, Top. 326 f. u. liiehter b. Bau- Das Sühnopfer fiel nach den Fasti Arvaliuni
meister a.a.O. 1469 (der unt. I. medius mit Recht auf den 1. Oktober, also auf einen zugleich der
denüberdenVicusTuscusgespanntenBogenver- Iuno und dem Ianus geheiligten Tag (Kalendae).
steht). Über dieVesta ad Ianum vgl. C. I. L. c) Auf einen sehr alten Ianuskult deutet
1 p. 395 a; Jordan a. a. 0. 216 Anm. (der ferner der allgemein (Solin. 2, 4) auf Ianus
diesen Ianus für den geminus hält) und Brenner, 10 zurückgeführte Name des Ianiculum, auf
Hestia-Vesta 243 (der ihn für den „summus" welchem schon Ancus Martius zum Schutze
erklärt). Mommsen CLL. 1 p. 395 a meint, es der Flufsschiffahrt und des gegenüberliegen-
sei der „medius" gewesen, und diese Ansicht den römischen Hafens (Jordan, Topogr. 1, 1,
scheint mir in der That das meiste für sich 431 ff. Richter b. Baumeister, D. S. 1437 f.
zu haben. — Wie dem auch sein möge, wir er- 1499) eine Befestigung angelegt hatte (Uio'ti.
kennen aus der Existenz mindestens dreier Hai. 3, 45. Liv. 1, 33, 6). An diese Stätte
Iani auf dem Forum , dessen äufserste Enden knüpfte sich erstens die Legende, dafs in der
(Ein- und Ausgänge?) unzweifelhaft durch ältesten Zeit Ianus als König daselbst geherrscht
Ianusbögen bezeichnet wurden, wie eng der und den vor Iuppiter aus Kreta geflohenen
Begriff des Ianus mit dem des Forums ver- 20 Saturnus gastlich aufgenommen habe (vgl.
bunden war, so dafs Jordan a. a. 0. S. 34S Verg, 8, 319 ff. u. 357: lianc Ianus pater, hanc
den Gott mit Recht den Patron des Marktes Saturnus condidit arcem, Ianiculum huic, Uli
nennen kann. fuerat Saturnia nomen. Ovid f. 1, 245: arx
b) In einer alten Strafse der vierten Region mea collis erat, quem cultrix nomine nostro
der Stadt, „nicht weit vom Colossus Neronis Nuncupat haec aetas Ianiculumque vocat.
bei dem Amphitheater" (Becker, Top. 527) Protarch. u. Hygin. b. Macrob. 1, 7, 19 ff.
stand das sogen. Tigillum sororium, d. h. Plut. Q. Gr. 41. Amol), ade. g. 3, 29; vgl.
wohl ein primitiver aus einfachen Holzbalken 1, 36. Cass. Bio b. Cedren. 1 p. 295, 10 Bckk.
(= ä'dxai'a?) gebildeter Ianus (vgl. Lichter b. Herodian 1, 16. Mythogr. Tat. 3, 1, 2. Lact.
Baumeister, Denhm. 1528), neben welchem zwei 30 inst. 1, 13. Tert. Nat. 2, 12 = Apol. 10. Scrv.
Altäre, der eine der Iuno Sororia, der andere V. A. 8, 319: Saturnus rex f'uit Cretae, quem
dem Ianus Curiatius geheiligt, errichtet waren Iuppiter filius hello pepulit. Hie fagiens ah
(vgl. Fest. s. v. Sororium tigillum . . . duo tigilla lano [rege, qui urbem habuit, ubi nunc Iaui-
tertio super iecto, quae pater eius constituerat, cidum est,] est suseeptus, qui regnabat inlialia;
velut sub iugum missus subit, consecratisque ibi quem cum doeuisset usum vinearum et falcis
aris Iunonis Sororiae et lano Curiatio libe- [et humaniorem victum,] in partem est cedmissus
ratus omni noxia sceleris est auguriis appro- imperii et sibi oppidum fecit ....). Hiermit
bantibus etc. Dion. Hai. 3, 22: kÜksivoi ßoi- verband man die Idee von einem goldenen
fiovg läpvedaBvoi Svo, xov fiiv'Hgag, r)XsXoy%sv Zeitalter in Italien als dessen Vertreter eben
t7iioxo7itiv üösXqHxg, xbv ö' izsQov . . . 'lavov 40 Ianus und Saturnus galten: Varro (?) b. August.
.... i7to>i'i'fiot) dt KoQuximv xcöv äraiqs&ivzcov civ. d. 7, 4: de lano . . non . . . fädle quiequam
x. x. X. xal ftvaiag xivug in' aixoiq Ttotrjaanzig oecurrit, quod ad opprobrium pertineat. Et
xoig Tf cllois na&aQfioCi; iiQrjaavxo xat xs- fortasse talis fuerit, innocentius vixerit et a
Xivzävxss vTtTj'fayov xov 'Oquxiov vtio £vyov. facinoribus flagitiisque remotius. Saturnum
.... zovzo ficv Sri T0 Xu>9^ov xHi aviicpopüs xov [ugientem benignus excepit; cum hospite parti-
avägög ^vqfitlov iv x;j nöltL i'xi tpvXäxxsi, tus est regnum, ut etiam civitates singulas con-
ftvoiuLg ye^aiQÖfitvov vnb 'Pa>u,cticov »a&' ixa- derent; iste Ianiculum, ille Saturniam (vgl.
axov ivtavxovj mehr b. Marquurdt, Staatsv. 3 auch den Art. Saturnus u. Premier, Hestia
S. 560). Wie alt dieses bis ins 5. Jahrhundert S. 380 f. 389). Und zwar gab es von dem auf
(Becker a. a. 0.) nachweisbare Heiligtum war, 50 dem Ianiculum wohnenden Ianus zwei ver-
ersieht man aus der Legende, wonach die Er- schiedene Traditionen: nach der einen sollte
richtung des Tigillum und der beiden Altäre er ein Ureinwohner (indigena Macrob. 1, 7,
auf die Sühne des von dem letzten Horatier 19. Labeo b. Io. Lyd. 4, 1 'lavbv .... LJazQi-
begangenen Schwestermords bezogen wurde. v.iov waü cevzö%&ovu) von Latium, das auch
Zum Verständnis der Legende erinnere ich Camesene hiefs, sein und mit dem sonst ver-
an die von Grimm, D. M.3 1118 erörterte Sitte, schollenen Eponymos dieses Landes, Cameses,
einen verderblichen Zauber (Fluch) dadurch zu zusammen eine Zeit lang auf dem Ianiculum
lösen, dafs man durch gespaltene Bäume, geherrscht haben (Protarch. Troll, u. Hygin
durch Erd- und Felsenhöhlen hindurchging b. Macr. 1, 7, 19: Ianus . . . cum Camcse'*)
oder -kroch. Io. Lydus de mens. 4, 1 erklärt go aeque. indigena terram hanc ita partieipata po-
(nach Labeo) den Beinamen Curiatius als tentia possidebant, ut regio Camesene, oppidum
i'qiOQug ivysväv (vgl. den ebenda erwähnten Ianiculum vocaretur). Die andere vorwiegend
Ianus Patricius und die 30 curiae der patri- griechische Version der Sage läfst dagegen
zischen Altbürger). Kovqiixxioi yap xal 'Oou- den Ianus, ebenso wie den Evander, Aeneas,
Ttot 6v6[Lctxa ivTxuxoiSwv siel. Klausen, Aeneas Saturnus u. a. (vgl. Solin 2, 5 ff. p. 34 f. ed.
u. d. Pen. S. 714 erklärt den Ianus Curiatius
als den Gottder Kurien, Preller, It. M.3 1, 171 », oder sollte Cameso auch hier als Gemahlin des
als den Genius oder Urheber patrizischer Ge- ianus zu fassen sein?
23 Iauus (auf d. Ianioulttm) Ianus (auf d. Ianiculum) 24
Mommsen), zusammen mit seiner Schwester aller dieser Legenden zu erfassen, so kann es
und Gattin Kctui'aq {Kajiaoqvrj, Camesene) aus kaum zweifelhaft sein, dafs ihnen eine Er-
Hellas (nach Flut. 0. B. 22 aus Perrbaibien*) innerung an den am Fufse des Ianiculum ge-
in Thessalien) einwandern und ihn mit dieser legenen und von der schon in uralter Zeit
Gattin zwei Kinder, einen Sohn Ai&qi, (Epo- daselbst gebauten Feste (arx Verg. u. Ovid.
nymos der AÜ&msg in Thessalien?) und eine a. a. 0.) beschützten, für die 'älteste Zeit so
Tochter 'Olictrjvj], zeugen (Dralcon v. Kerkyra wichtigen Handelshafen Roms zu Grunde
b. Athen. 692 DE = Eustath. z. Od. 1533, 3, liegt (vgl. Dion. Hai. 3,45; Bichter b. Bau-
wo die Worte „äjrö rovzov kki zov 'iccvov meiste); Denkm. 1437 f.). Bedenkt man aufser-
{'lavov'i 'luviov'i] nozajibv xai zb bgog iuvbv lu dem. dafs über das Ianiculum die älteste
l'lavov/.Xovt'luvov?] dvoi-iügtodui nuzoiy.rjauvzog Handels- und Verkehrsstrafse zwischen Rom
uvzov inl zov bgovg kaum auf etwas anderes und Etrurien ging (Baul. Fest.]). 104 Müll. Jam-
als auf den auch Sohn des Ianus genannten cidum dictum, quod per eum Bomanus populus
Tiber (s. u.) und das Ianiculum zu beziehen primitits transierit in agrum Etruscum), so be-
sind; vgl. Demoph. b. Lyd. de mens. 4, 2). greift man, dafs dem Eponymos des Ianiculum
Nach Sero. V. A. S, 330 war nämlich Tiberinus, — und das ist eben Ianus — alle die aus dem
der Eponymos des Tiberflusses, ein Sohn dieses Auslande stammenden Segnungen und Kultur-
Paares (vgl. d. Art. Camese). Sehr beachtens- fortschritte zugesehrieben wurden, welche das
wert erscheint, dafs mit dieser Legende von älteste Rom dem am Fufse des Ianiculum be-
den beiden zur See über das Meer nach dem 20 triebenen und von demselben beschützten
Ianiculum gekommenen Göttern Ianus und Handel und Verkehr mit ausländischen und
Saturnus auch die Sage von der Erfindung etruskischen Kaufleuten zu verdanken hatte,
des Schiffsbaus verknüpft und behauptet wurde, Auch die antike Deutung der ältesten römischen
das Schiffsbild, welches den Revers der alt- Münzbilder mit dem lanuskopf auf der einen
römischen, auf der andern Seite den bärtigen und dem Schiff auf der andern Seite ist
lanuskopf tragenden asses schmückt, bedeute keineswegs so einfältig, wie es auf den ersten
das Schiff entweder des Ianus oder des Satur- Blick aussehen mag, wenigstens scheint es, als
nus, mit welchem diese nach dem Ianiculum ob wirklich Ianus und Schiff eine Beziehung
gekommen seien (vgl. Serv. V. A. 8, 357: Ianus zu einander hätten (vgl. Blut. Q. B. 41, der
in laniculo habitavit, qui quod una navi exul 30 zur Erklärung des altrömischen Münzbildes
venu, in peennia eins ex una parte Iani cajjut bemerkt: inti zoivvv av-x.oot.iiuv fiiv 'Juvbg
ex altera navis signata est. Dralcon a. a. 0. xaziozriotv uvzoig, i'^nfitgiöaug zbv ßiov, acp&o-
itaäxov äs .... svgtiv nui ariSiag v.al nloiu viuv äi jraps^Ei zäv uvayxuiav b nozaaög
xui v6fiieg.u %uly.ovv ngäzov %ugu$ui y. z. I. nXcöit.iog cov v.ui zä fiiv iy. itaXuoong zu 61 uno
Hygin b. Mucrob. a. a. 0. cum primus qnoque zijg x°>Qctg xazuv.Ojiit;cov, ovußolov i'axs ro vo-
aera signaret, servavit et in hoc Saturni re- uioact zov jiiv rofio&ixov zb öifiogcpov . . . diu
verentiam, ut, quoniam ille navi fuerat advectus, xr\v psxußolqv, zov 6h norugov zb nog&[itiov).
ex una quidem parte sui capitis effigiem ex Wir glauben kaum zu irren, wenn wir diese
altera rero navis exprimerttur, quo Saturni mc- Beziehung in dem Verhältnisse erblicken, welche
moriam in posteros propagaret. Ov. /'. 1, 239 f. 10 Ianus von jeher zu dem römischen Handels-
Blut. Q. B. 41: inl xipfj zov Kgövov tiloico diu- hafen am Fufse des Ianiculums gehabt hat,
ictguaupzog ti'g 'izali'av). Auch fabelte man, wozu noch kommt, dafs der Börsen- und Markt-
dal's Iauus von seinem Ianiculum aus, entweder verkehr auf dem Forum Rom., wie wir sahen,
selbständig (Diakon a. a. 0. Blut. Q. B. 22 ebenfalls unter dem Patronat des Gottes stand
u. 41) oder vom Saturnus dazu angeleitet, (s. oben Sp. 20_; anders Mommsen, Münzw.
allerlei nützliehe Erfindungen (z. B. Obst- und S. 1S4). Hiermit dürfte nunmehr auch der
Getreidebau, Schiffsbau, Häuserbau, Münz- richtige Standpunkt für die Beurteilung der
prägung, Staatsverfassung u. s. w.) und über- Hypothese Breuers (B. ü£3 1, 177 f.), dafs
haupt eine höhere Kultur in Latium einge- Ianus mit Portunus identisch sei, gewonnen
führt und verbreitet habe (Macrob. S. 1, 7, 50 sein. Breuer beruft sich hierfür auf folgende
19 ff. Athen, u. Eustath. a. a. 0. Demoph. b. Thatsachen. Erstens wissen wir (aus Fest.
Lyd. de mens. 4, 2. Sero. V. A. 8, 319 oben Baut. p. 56, 5), dafs Portunus, der, wie Ianus,
Sp, 22 Z.31. Blut. Q.B.. 19,22 u. 41. Num.lS,S. pater hiefs {Verg. A. 5, 241), für einen deus
Amt. ine. de orig. gent. Born. p. 15 ed. Schröter). portarum galt und mit einem Schlüssel in
— Suchen wir den eigentlichen Sinn und Kern der Hand abgebildet wurde, was entschieden an
Ianus erinnert (vgl. auch Varro b. Intp. Vcron.
*) Vielleicht liogt dieser merkwürdigen Iierleitung Aeil. 5, 241: BorttmuS . . . deus port[uum
aus Eerrliaibien iu Thessalien die Gleichsetzung von Iauus portajrumque p'raeses etc.). Sodann berichtet
undlaniskosfs d.)ZU Grunde, der als Sohn des Askle- y ■> j ? einer ^^ portu)ü in
pios und Bruder dos Macl.aon und rodüleinos (.'Ixjutalls „, ., ' . , -, -,, .
aus Pcrrbaibien, d. i. dem nürdl. Thessalien (5««/«», 60 P<>rtU TlbcriHO und einem daselbst am
Geogr. v. Gr. i, 48), stammen mufs. Auch der Name 17. Aug. gefeierten Feste Portitnaha'-) , was
M9i$ {-'l'Stz) weist auf Thessalien, ist vielleicht in durch eine Notiz des augustischen Kalenders:
yOhoTi'ji)] eine Hin deutung auf V/.oooovjv in Perrhaibien Port [unalio] ,' fevicte PortUHO ; Pöl'tiMO dd
zu erblicken? Auch in Kaiuoij, ICafiaatjVij steckt wohl
eine (tbossalische >) Örtlichkeit; vgl. Suhl. s. v. Kuitaoatj- *) Vgl. auch den flamen Portunalis (b. Fest. p. 217^), der
ro; ifrvuiur. Arcadius p. 111 ed. Barker. Lobeck, rathol. arma Quirini [= Iani Quirtni ; Mar^aardt, Staaisv. 3, 315, 3]
Proll. p. 191 ff. Ähnlich wird Iauus vom Inc. auet. or. unguit; unter den arma Iani Quirini könnten baculum,
gent. Korn. cap. 2 p. 13 Schröter mit Ion, Sohn des Apollon virga und clavis gemeint sein, die Ianus selbst Ov. f. 1,
und der Kreusa, identificiert. -5J: arma nennt.
25 Ianus (auf d. For. transitor.) Ianus ("am theatr. Marcelli; I. Patricias) 26
pontem Aemilium (vgl. Kai. Amit. Voll. u. sich, dafs zu Doniitians und Nervas Zeit, wo
Allif. Eph. epigr. 3, 85) bestätigt wird (vgl. das Forum transitoriuni entstand, dem alten
über die Lage des pons Aem. Richter b. Bau- Quadrifrons von Falerii, wie es scheint, in der
meister, B. S. 1499 u. Jordan, Top. 1, 1, 409 Mitte des neuen Marktes (Stat. sile. 4, 3, 9
u. 430). Aufserdem erfahren wir aus dem Kai. limina . . . lani . . . foro coronat) ein neues
Allif., dafs derselbe 17. Aug. auch dem Ianus stattliches Heiligtum statt des früheren klei-
ad theatrum Marcelli geheiligt war. Was liegt neren erbaut wurde. Anders, und zwar, wie
nun näher als mit Preller anzunehmen, dafs in ich glaube, unrichtig Preller-Jordan, R. M.J 1,
der That der schlüsseltragende Gott des por- 176 u. Anm. 4 und Jordan, Top. 1, 2, 348.
tus*) und der portae, welcher an demselben 10 Vgl. Richter b. Baumeister, B. S. 1472. Von
Tage wie Ianus im portus Tiberinus verehrt Domitianus berichtet übrigens Suetonius (vita
wurde, mit dem Ianus des Ianiculum von Haus Born. 13), dafs er ianos . . .per regiones urbis
aus identisch und ursprünglich nur der auf der tantos ac tot exstruxit, ut cuidam Graece in-
linken Seite des Tiberhafens verehrte Doppel- scriptum sit „arci" (= ägnsi).
ganger des Ianiculensischen Gottes war? Eine e) Ein zweiter Tempel des Ianus Geminus
höchst erfreuliche Bestätigung würde diese An- befand sich beim Theater des Marcellus
sieht durch den Ianus Portunus einer Inschrift am Forum Olitorium (vgl. Becker, Top. 138.
von Spoletium b. Orelli (nr. 1585) finden, wenn 259. C03), Er war errichtet entweder von C.
dieselbe nicht der Fälschung in hohem Grade Duilius (vgl. Tac. arm. 2, 49: Iano templum,
verdächtig wäre.**) Vgl. Sp. 52 Z. 9. 20 quod apuä forum holitorium C. Buiiius struxerat
Endlich haben wir in diesem Zusammen- [Tib. dedieavit] oder noch viel früher, wenn
hange noch der ara des Föns oder Fontus (s. man einer allerdings nicht unverdächtigen
d.) auf dem Ianiculum zu gedenken (vgl. Cic. Notiz Glauben schenken darf (Fest. p. 285:
de leg. 2, 22, 56: guod [haud] proeul a Fonti religioni est quibusdam porta Carmentali egredi
ara regem . . . Nwnam conditum aeeepimus u. et in aede lani, quae est extra eam, Senatum
die von Becker, Top. S. 656, 12 angef. Stellen). haberi, quod ea egressi sex et trecenti Fabii
Da nun von Arnobius (adv. gentes 3, 29) Fontus apud Cremeram omnes interfecti sunt, cum in
ein Sohn des Ianus und der Iuturna genannt aede lani s. c. factum esset, uti proficiscerentnr).
wird und auf den Münzen der Fonteia als In betreff der Tempelfeste vgl. Kai. C'apranic.
jugendlicher unbärtiger Ianus erscheint***) 30 XVI Kcd. Sept. Iano ad theatrum Marcelli.
(Preller, R. M.3 1, 184; Babelon, Monn. de la Kai. Amitern. XV Kai. Nov. u. Ephem. epigr.
re'publ. Rom. 1, 499 f.), so ist es nicht unmög- 3, 85 Iano ad theatr. Marcelli. Vgl. Richter
lieh, dafs auch dieser Mythus sich auf den b. Baumeister S. 1505 und dagegen Jordan,
Ianus des Ianiculum bezieht (s. jedoch ob. Sp. 18). Top. 1, 2, 347 Anm. 46 u. Hermes 4, 234.
d) Nach dem codex Floriac. des Servius Becker, Top. 138 f.
(V. A. 7, 607) und Macrob. 1, 9, 13 ist nach f) Vielleicht gab es auch einen Kult des
der Eroberung von Falerii ein daselbst be- Ianus Patricius in Rom, welchen Babeo b.
findliches „lani simulacrum cum frontibus Io. Byd. de mens. 4, 1 mit uvt6%&uv erklärt
quattuor" nach Rom gebracht und hier in (vgl. Cedren. 1 p. 295, 9: 'lavbv . . . Tlazgiyuov
einem „templum quatuor portarum" auf dem 40 avTU%9ovc(). Man könnte versucht sein, diesen
Forum transito riuru, welches mit 3 anderen Ianus nach dem vicus Patricius (zwischen
Fora in Verbindung stand (Jordan, Top. 1, 2, Cispius und Viminalis), wo auch eine Isis
348. Becker, Top. 374. 376), aufgestellt worden. Patricia (in d. 5. Region Not. Reg.) verehrt
Kombiniert man nun mit dieser Nachricht die wurde, zu versetzen (Richter b. Baumeister
Verse Martials (10, 28, 3 ff.; vgl. auch Stat. S. 1528. Becker, Top. 535), aber nach Analogie
Silv. 4, 3, 9 ff . Io. Lyd. de mens. 4, 1): per- der in einem sacellum verehrten Pudicitia
vius exiguos habitabas ante penates, phi- patricia(Zw. 10, 23, 3), zu welcher die Pudicitia
rima qua medium Roma terebat iter: nunc plebeia einen Gegensatz bildet, ist es auch müg-
tua caesareis cinguntur limina donis et fora tot lieh, einen ausschliefslich patricischen Kult des
numerus, lane, quot ora geris, so ergiebt so Ianus anzunehmen. Vgl. auch die patricische
und plebejische Myrte vor dem Tempel des Qui-
*) Hinsichtlich der Etymologie und Ursprung!. Ee- nnUS (^»'- '<• «■ 15> 120)-
deutung des mit por-ta, »fy-os, 'dii-noQ-o;, nio-ao, etc. ver- S) Phmus h. n. 36, 28 berichtet von einer
wandten Wortes portus (=~domus) vgl. Curtius, Grdz.' 272 vergoldeten (oder in einem vergoldeten
u.Jordan, Top. i, i, 420 f., der portus als „Magazin, Stapel- Tempel aufgestellten?) Statue des Ianus pater in
ort, Eingangsort" fafst. suo templo dicatus ab Augusto, ex Aeggpto
**) Ist vielleicht bei Varn i. i. 5, 14G: seandum advectus (wohl im J. 724 d. Stadt), von welcher
Tiberim ad Iuniuui (so die Hss. ; Jordan, Tov 1, 1 132 „ • \.l ^ rt \. •*. l i
„ ,.„4 „ , . , ' . ' ;""'"""' ■"««■ L< i> m" man nicht wisse, ob er von Praxiteles oder
vermutet J urtiinunit) forum pixcanum zu lesen ad lanum m i -i /-n t-- ,7 7 .. „«..,
oder Ianium (vgl. Prob. Exe. de nomine p. 214, 31 K. ^O^ hexmhre (Brunn KunstkrgCSCh. 1, 32i).
lanius diciiur, non ianus, et deeiinaiur hie ianim, huius co Welcher lempel ist in diesem ialle gemeint?
lanü etc. Paul. epit. 103 ianeus (lantusf) ianitor)'! Auch Etwa (wie Peter in s. Ausg. von Ovids Fasten
die Hss. hahen hisweilen Ianim statt Ianus: vgl. Sera. II p. 11 meint) der unter e) erwähnte beim
V. a. 7, 607 vol. 11 p. 171, 18 Thilo. Theater des Marcellus oder ein zu dem Forum
***) Oder sollte auch auf diesen Münzen eigentlich der Augustum (Becker, Top. 370 ff.) gehöriger
Vater des Föns, d. Ji. Ianus, cremeint seine1 Für eine t l in tvt" ■ x j i x j. i i -
, . . , -o ' ; *uui, gwneu« «aar mi Ianiistempel? Mir ist das letztere wahrschein-
bejanende Beantwortung dieser Frage scheint zu sprechen, ,., ■*■.,■, . - i^. , ■,
dafs auf den Münzen der Fonteia bei Baielon a. a. o! llcb> ZUmal "? ,WU' wlSSen, dafs Augustus das
S. 500 u. 508 bisweilen auch ein bärtiger Ianus Geminus von lnm errichtete Foruni auch sonst mit
vorkommt. Tempeln und Bildwerken aller Art schmückte
27 Ianns (auf d. For. Augustum)
und dabei das Gold nicht sparte (vgl. Becker
a. a. ü. 372, 8), und weil Ocid Fast. 1, 223 ff.
von einem neuen goldenen Ianustempel
redet, was trefflich zu dem iam et auro occul-
tatus des Plinius (36, 28) sowie zu den übrigen
vergoldeten Bauten des Forum Augustum (Clau-
dian. 48, 24. Becker a. a. 0.) pafst. Peter,
Ovids Fasten II p. 11 (vgl. I p. 13) bezieht
die Verse des Ovid auf die zwar schon von
Augustus begonnene, aber erst im Jahre 17 10
nach Chr. vollendete Restauration des Ianus -
tempels am theatrum Marcelli, was jedoch
nicht recht zu der Abfassungszeit der Fasti
stimmt, während das Forum Augusti mit dem
wahrscheinlich darauf errichteten Ianustempel
schon vor dem J. 752 der öffentlichen Be-
nutzung übergeben wurde (Becker, Top. 371).
Über den noch jetzt erhaltenen Ianus am Ein-
gang dieses Forums (Arco de1 Pantani) s. Becker
S. 370 und 372, 10. Wenn Senilis z. Verg. 20
A. 1, 294 sagt: 11011 in aede Iani [in foro
Rom.] sed in alia, in foro Augusti intro-
cuntibus ad sinistram fuit Bellum pictum
et Furor sedens super arma acnis vinetus und
damit Vergils Worte (1, 294) claudentur Belli
portae; Furor impius intus saeva sedens super
arma ... vinetus erklärt, so liegt es nahe Ser-
vius' Worte auf das aus Plinius n.h. 35,27 u.
93 f. bekannte von Augustus („in foro sito cele-
berrima in parte", d. h. wohl in dem Ianus sei- 30
nes Forums (vgl. Serv. a. a. 0. iiitroeuniibus)
aufgestellte Bild des Apelles (Belli imaginem re-
slrictis ad terga manibus;vg\. Brunn, K.-G. 2, 210)
zu beziehen, das vor der Erbauung des neuen
Ianus auf dem Forum Augusti in dem alten im
J. 725 von Augustus geschlossenen Ianus des
Forum Rom. aufgestellt sein mochte (vgl.
auch Manu. 1, 923. Ov, fast. 1, 123 f. 701 f.
Calpurn. 1 , 46). An den Tempel des Mars
Ultor auf dem Forum des Augustus zu denken -to
verbietet der Umstand, dafs dieser erst a. u.
752, also lange nach Vergils Tode, dediciert
wurde, lange nach der Errichtung des Forums
(Becker a. a. 0. 370).
2) Sonstige Kulte des Ianus in Italien und
anderwärts.
Auch aufserhalb Roms mufs Tanus mehr-
fach in Italien und sonst verehrt worden sein.
Darum nennt ihn z. B. Herodian 1 , 16 einen r>0
&Eog u.Q%Q(iöxaTOS rijfg IxaXCag tmxtoQiog, und
aus Diakon b. Athen. 692 D E (= Eustath. z.
Od. 1533, 3) erfahren wir: Kai xäv Kaxa ttjv
'EXXääa noXXag noXsig Kai xiov Kaxa xrjv
'ixaXiav Kai 2iKfXi'cev inl xov voiiiofiaxog
tyjjapärrfu' irgöocoitov dt-KEcpaXov Kai Im &a-
xsgov fitQOvg 7} 0%e8iav rj exiepavov r] nXoiov.
Wir beginnen mit:
a) Etrurien. Nach Lydus de mens. 4, 2
soll Varro im 14. Buche rer. die. von Ianus eo
behauptet haben: aixov naoa @ovaxoi.g ovqa-
v'ov Xeyeo&ui Kai tcpoQOv näat]g nQat,£u>g Kai
llonavwva, Sia xo ev xaig KaXtvdaig ava<p£-
Qeodut, nonava. Auf Grund dieser Stelle mufs
jedenfalls angenommen werden, dafs Ianus
auch in Etrurien verehrt wurde (was auch
durch die Münzen von Volaterrae und Telamon
sowie durch den schon erwähnten Ianus
Ianus (in Etrurien u. d. Provinzen) 28
quadrifrons von Falerii bestätigt wird), doch
mufs es zweifelhaft bleiben, ob der hier als
Ianus verehrte Gott ursprünglich etruskisch
und später mit dem latinischen Ianus ver-
mischt oder nur von italischen Stämmen nach
Etrurien importiert war, da wir leider über
seinen etruskischen Kult zu wenig unterrichtet
sind. Höchstens dies läfst sich aus Martianus
Cap. 1, 45 (vgl. Müller -Dcecke, Etrusker 2,
133 f.) schliefsen, dafs Ianus mit Iuppiter und
anderen Göttern in der ersten (nördlichen)
Region des Himmelstemplums wohnhaft ge-
dacht wurde. Dcecke, Etr. Forsch. 4, 24 f.
will mit diesem Ianus des Martianus Cap. den
Ani in der ersten (nördlichen) Region des
Templums von Piacenza identiticieren. Viel-
leicht bezieht sich auch die Notiz des Prac-
textatus bei Lud. de mens. 4, 2 Svrafiiv avxbv
sivai xiva .... itp' tKaxigag "Jqkxov xsxccyfii-
vrjv k. x. X., auf die etruskische Vorstellung vom
Wohnsitze der Götter im Norden des Himmels
(vgl. Müller -Deecke a. a. 0. 2, 131 f. Dcecke,
Etr. Forsch. 4, 19). Für die mehrfach aus-
gesprochene Ansicht, Ianus sei eine rein etrus-
kische und von Etrurien ans zu den Römern
u. s. w, hinübergedrungene Gottheit, läfst sich
bis jetzt so gut wie nichts anführen (vgl. die
Litteratur bei Miiller-Deecke, Etrusker 2, 58 f.
Gerhard, Ges. ah. Abh. 1, 311 Anm. 29 u. 31 f.).
Über den Ianus quadrifrons zu Falerii,
einer unzweifelhaft mehr italischen als etrus-
kischen Stadt (wie schon aus dem daselbst
herrschenden Dialekte hervorgeht; s. Müller-
Deccke 1,103), vgl. Serv. z. Verg. A. 7, 607 u.
ob. Sp. 25 f.
Auf den Münzen von Volaterrae erscheint
ein jugendlicher bartloser lanuskopf mit
flachem, aber (wie z. B. beim Hermes auf
Münzen von Ainos) in eine Spitze auslaufenden
Petasos, auf der Rückseite oft ein Delphin;
vgl. Gatalogue of greek coins in the Brit. Mus.
Italy S. 9 ff. Abbiklg. S. 11. Mutter -Wieseler,
D. a. K. 1, 63, 327. Oder sollte hier an einen
Doppelhermes zu denken sein? Vgl. den
Hermes mit Petasos auf anderen etruskischen
Münzen (Cataloguc a. a. 0. S. 13) und den
Hermes mit Flügelhut auf Münzen von Popu-
lonia (a. a. 0. S. 4 u. 7).
Ebenso auf den Münzen der Hafenstadt
Telamon mit prora auf dem Revers; vgl.
ISlüller-Dcecke, Etr. 1, 414. Mionnet Suppl. 1,
p. 204, 50 f. Abgesehen von diesen lanus-
bildern sind „doppelköpfige und Hermen-
bildungen im etruskischen Denkmälervorrat
ohne Beispiel" (Gerhard a. a. 0. S. 311, 31).
b) Alb an um; vgl. die Inschrift bei Orelli
nr. 1583: Jana Patri sacrum etc.
c) Sicilien; vgl. die unten zu besprechenden
Münzen von Syrakus und Panormus.
d) In den römischen Provinzen scheint
Ianus verhältnismäfsig selten verehrt worden zu
sein, wenigstens kommen auf ihn bezügliche
Inschriften nur selten vor. Seine gewöhnlichen
Beinamen sind Pater (0. I. L. 3, 2881. 3030)
und Augustus (C. I. L. 3, 2969. 2, 4712. 4701)
oder Pater Augustus (C. I.E. 3, 3158. 8, 4576),
einmal Patro[nus] (C. I. L. 8, 2608), Geminus
(C. I. L. 3, 5092 a), Vaeosus (? G. I. L. 12,
29 Ianus (Gott d. Thürcn u. Thore)
1065). Beachtenswert erscheint, dafs dem
Gotte wie in Rom so auch in den Provinzen
mehrfach iani, namentlich sogen, rjuadrifrontes
an den Ausgangs- und Kreuzpunkten öffent-
licher Heerstrafsen errichtet wurden, offenbar
um dieselben unter göttlichen Schutz zu stellen
und gleichsam zu heiligen (vgl. die Zusammen-
stellung von Graef bei Baumeister, Denkm.
S. 1871ff.). Besonders hervorzuheben ist in
dieser Beziehung der am Ausgangspunkte der
von Baeticas Grenze bis ans Meer führenden Via
Augusta errichtete, wahrscheinlich mit einem
Bilde des Gottes versehene „Ianus Augustus",
welcher in mehreren spanischen Inschriften (G.
I. L. 2, 4701. 4712. 4715. 4721. 4697) erwähnt
wird (vgl. Hübner, C. I. L. 3 p. 627 und I)es-
jardins in der Hernie Ärcheol. 1880 (39) p. 155 tf'j.
B. Funktionen des Ianus.
a) Ianus als Gott aller Eingänge, Thiiren, Tlioro.
Ist auch eine überzeugende Etymologie des
Namens Ianus und der Appellativa ianus und
ianua noch nicht gefunden (s. u. Sp. 43 ff. u. 49),
so ist es doch unzweifelhaft, dafs Güttername
und Appellativum zusammengehören und Ianus
derngemäfs vor allem den Gott der iani und
ianuae bedeutete, so dafs wir in seiner Be-
ziehung zu den Eingängen und Thüren min-
destens eine seiner ältesten und ursprünglich-
sten Funktionen erblicken dürfen. Ja vielleicht
können wir noch weiter gehen und ihn ein-
fach als göttliche Personifikation der iani
und ianuae fassen. Eine solche Deutung, so
sonderbar sie auch auf den ersten Blick er-
seheinen mag, würde sich doch auf mehrere
treffende Analogieen aus dem Bereiche der ita-
lischen Mythologie stützen können. Man denke
vor allem an Vesta (= Hestia), die Göttin des
Herdes und des auf ihm brennenden Feuers,
deren Name noch völlig mit dem Appellativum
zusammenfällt (vgl. aufser dem griech. tazi'a
Nonius p. 53 in primis ingrcssibus tt in spatiis
domoram vestae, hoc est arae ac foci, soleant
haberi. Mythogr. Vat. 3, 5 u. d. Art. 'Eou'a
oben Bd. 1 Sp. 2607), ferner an die dem
Ianus so nah verwandte Cardea (s. d. Art.
Carna), die göttliche Personifikation der Thür-
angeln (cardines), an den Limentinus, den Gott
der limina, an Forculus, den Gott der fores
(Tertull. N.at. 2, 15), endlich an Arquis, Ter-
minus, Fornax u. s. w. Nur mufs man sich
hüten, diese Götter nur als Personifikationen
toter Begriffe zu fassen: sie sind mehr als das:
sie sind lebendige, im Herdfeuer, in den
Eingängen, Thüren u. s. w. waltende numina,
von deren Macht, Gunst und Ungunst der
religiöse Mensch genau so abhängig zu sein
glaubte wie von den Gottheiten der äufseren
Natur: Sonne und Mond, Himmel, den numina
des Waldes und Feldes u. s. w.
Suchen wir uns jetzt der inneren Gründe
der Verehrung solcher Götter der Eingänge,
Thüren und Thore bewufst zu werden, so ist
zunächst darauf hinzuweisen, dafs Eingang
(Schwelle) und Herd (focus) von jeher für die
wichtigsten, bedeutungsvollsten und heiligsten
Teile des italischen Hauses galten. Über dem
Ianus (Gott d. Thüren u. Thore) 30
focus waltete bekanntlich Vesta (Premier,
Hestia-Vesta S. 235, 1), über dem Eingang
(ianua, ianus) Ianus, über den fores Forculus,
über der Schwelle der Limentinus, doch haben
die beiden letzteren Götter sich nie zu der
Bedeutung des Ianus erheben können, wahr-
scheinlich deshalb, weil ursprünglich limen
und fores nur Teile des ianus und der ianua
waren, worunter man nach Analogie nainent-
in lieh des ältesten numanischen ianus an dem
Forum Komanum (s. ob. Sp. 17) die ganze
Eingangsflur (= ostium, aditus) mit der Thür
im engeren Sinne zu verstehen hat, so dafs
also ianus und ianua (seil, porta) von vorn-
herein als der umfassendere Begriff erschien.
Leider sind wir über die religiösen Vor-
stellungen , welche die Italiker ebenso wie
die Griechen mit dem Begriffe des Eingangs
verbanden , nur ungenügend unterrichtet —
20 wir müssen eben das meiste aus der Existenz
von Göttern wie Ianus, Cardea, Forculus,
Limentinus, 'EQfiijg argorpaiog und aus den an
der Thür angebrachten Hekateia schliefsen*) —
doch geht schon aus allerlei Thürinschriften,
wie z. B. nihil intret mali, [irjälv slahco xcexöv,
felix hie locus**), ferner aus den über der
Thüre angebrachten deprecationes incendiorum
und gewissen Glück verheifsenden und Unglück
abwehrenden Symbolen = ttnotgönaia (Tertull.
30 de cor. 13. Marquardt, Privatalt. 1, 229. Jahn,
Her. d. Sachs. Ges. d. Wiss. Phil. bist. Kl.
1855 S. 46 u. 74 f.) , sodann aus der Salbung
der Thürpfosten bei der Hochzeit und dem
Heben der Braut über die Schwelle (h'ofsbach,
rö'm. Ehe 356 ff. 359 f. Premier, Hestia 230 f.),
endlich aus den auf Vertreibung der Steigen
berechneten Gebräuchen bei Ovid f. 6, 155 ff.
(die Thüre wird von Cardea mit Wasser be-
sprengt, mit Arbutuszweigen berührt und eine
40 „virga Ianalis" von Weifsdorn am Fenster an-
gebracht) deutlich hervor, was man von den die
Eingangspforte des Hauses bewachenden Gott-
heiten wünschte und erwartete (vgl. Pauly,
Bealenc. 4, 1408 und Varro b. Non. 135).
Viel genauer als über den Thüraberglauben
der Griechen und Römer sind wir über den-
jenigen der Deutsch e n***) unterrichtet, welche
*) Vielleicht gehören auch die griechischen Dios-
r)Q kuren in diese Klasse der griechischen Tkürgötter;
wenigstens läfst sich eines ihrer ältesten Symbole, das
sogen, dipiönuita (od. die öüy.avu), dessen Gestalt genau den
ältesten Thüren entspricht, auf diese Funktion beziehen
(s. ob. Bd. 1 Sp. 1170 u. O.Jahn, A. Beitr. 92 Anm. 60 f.).
**) Zu den mala (y.ay.ü) , welche Eingang ins Haus
finden können , gehören vor allem büse Winde oder
Lüfte, welche Krankheiten erzeugen. Nun galt in Mittel-
italien wie in Hellas der Ostwind für den gesün-
desten (Eippocral. I p. 530 Kühn. Varro r. r. 1, 12.
Colum. 1, 5), daher wurden die Häuserfronten mit dem
ostium am liebsten auf der Ostseite angelegt {Varro
^o u. Col. a. a. O.), so dafs also die Ostia meist (ebenso wie
der alte Ianus Geminus des röm. Forums) eine west-
üstliche Richtung hatten.
***) Vgl. auch Steniler, Indische Rausregeln II Paraskara
Heft I S. 90 ff. „Dem fertigen Hause naht der Inder, indem
er spricht: „. . . den beiden Thürbre tteru nahe ich ; dies
sind ludras Häuser, schatzreich, schutzgewährend, ihnen
nahe ich" . . . Ein dem Ianus ähnlicher Hausgeist, der wie
Vesta zugleich über dem Herde waltet, ist der russische
Domowoi; Roskoschmj im 'Ausland* 1S8S S. 732 ff.
31 Ianus (Gott d. Thüren u. Thore) Ianus (Privatkult: Patulcius etc.) 32
grofsenteils noch gegenwärtig demselben liul- auf den religiösen Vorstellungen von der Be-
digen. Eine reiche Sammlung hierher ge- deutung der ThüVen beruhenden germanischen
höriger Vorstellungen und Bräuche findet man Rechtsbräuche vgl. die reichhaltige Abhandlung
bei Wuttke, Der deutsche Volksäberglaube1 von Rochhols, Deutscher Glaube 2 S. 130 — 174.
Berlin 1869 (vgl. den Index unter Thür, Thür- Der Privatkult des Ianus tritt ebenso wie
pfosten, Thürschwelle). Auch bei den Deut- derjenige der Vesta (Preimer, Hestia-V. 232 f.)
sehen spielt die Vorstellung, dafs allerlei fast ganz hinter dem öffentlichen zurück, doch
Zauber und Übel zur Thüre hereinkommen dürfen wir deshalb an seiner einstigen Existenz
und von derselben durch allerlei Bräuche ab- ebensowenig wie an dem der Vesta zweifeln,
gewehrt werden könne, eine Hauptrolle. So 10 zumal da alle einzelnen Thatsachen des öffent-
sucht man sich z. B. gegen Berufen und Be- liehen Ianuskults die private Verehrung in den
schreien zu schützen, indem man den Rest Häusern notwendig voraussetzen und nur aus
eines nach bestimmten Vorschriften bereiteten dieser erklärbar sind.
und getrunkenen Wassers auf die Thürangeln Der Privatkult des Ianus ist schon aus
giefst CWuttke § 413), Wechselfieber geht zur seinem etymologischen Zusammenhang mit
Thüre herein und wird durch eine Inschrift ianua, worunter man im Gegensatz zu porta in
über der Thüre vertrieben (vgl. § 509. 616). der Regel den Eingang des Privathauses
Während und unmittelbar nach der Geburt verstand, zu erschliefsen. Wie es scheint, waren
eines Kindes werden alle Thüren fest ver- ihm alle ianuae der Privathäuser geheiligt;
schlössen und die Schlüssellöcher verstopft, 20 vgl. Cic. N. I). 2, 27, 67: ab eundo nomen [IaniJ
ein Messer wird in die Thür oder den Thür- est duetum: ex cquo transitiones perviae ianij
pfosten gesteckt und ein Besen (gegen die foresque profanarum aedium ianuae nominan-
Hexen?) verkehrt an die Thür gestellt, das tur. Macrob. 1, 9, 7: apud nos Ianum om-
Thürschlofs mufs Tag und Nacht mit einem nibus praeesse ianuis nomen ostendit, quoä
blauen Schürzenbande zugebunden sein (,§ 5S1 ; est simile 0vQuüp . . . omnium et portarum custos
vgl. 215 u. 444 und die ähnliche Sitte der et rector viarum. ib. 1,9,2: ob merita introitus
Römer bei August, e. d. 6, 9 vol. I p. 232, et exitus aedium eidem [Iano] consecratos.
19 ff. ed. Dombart). Ein auf die Schwelle Auf Privatkult deuten ferner mehrere Ana-
genageltes Hufeisen oder blühendes Farrnkraut logieen mit den ianitores der Privathäuser,
über der Thür oder ein Rad (Grimm, D. M. 3 30 Vgl. Ovid f. 1, 125: praesideo foribus caeli
1091) bringt Glück (5 123, 176, 419 f.).*) Auch cum mitibus Iloris: | it redit officio Iuppiter
bei den Deutschen sind nächst dem Herde ipse meo. ib. 137 ff. : utque sedens primi vester
und dem Ofen der Thürpfosten und die Schwelle pjrope limina tecti ianitor egressus introitusque
bedeutsame Orte, besonders für schützenden videt, | sie ego perspicio caelestis ianitor aulae I
Zauber und Wahrsagung (§ 330; Iiochholz, eoas partes hesperiasque simul. Wie der ianitor
D. Glaube 2, 154 f.), an dem Eingange und der der Privathäuser für rechtzeitige Öffnung und
Grenze des Hauses bricht sich böser Zauber Schliefsung der Thüren zu sorgen hatte, so
und birgt sich der schützende (§ 107). Die dachte man sich auch den Ianus als custos
Hausschwelle gilt als Sitz des schützenden ianuarum ( Verg. A. 7, 610. Seren, fr. 23 Müller
Genius des Hauses, daher man auf derselben .10 „tuens"), d. h. bald als Öffner (Patulcius;
nicht Holz spalten (§ 57; vgl. auch Rochhole, Ov. f. 1, 129. Macrob. Sat. 1, 9, 16), bald als
Deutscher Glaube 2, 136) und auch die Thüre Schliefser (Clusius, Clusivius*) Ov. u. Ma-
nicht hart zuschlagen darf (liochholz a.a.O. crob. a. a. O. Labeoh. Io.Lyd. mens. 4,1 IJatovl-
153). Will man seinem Feinde Unglück ins kiov xal KXovoiov, oiovn 9vqs6v. Serv. V. A.
Haus bringen, so vergräbt man unter oder vor 7, 610), _ was von Macrobius fälschlich blofs
dessen Schwelle eine tote Katze (§ 177. 388) oder auf das Öffnen und Schliefsen des Ianus geminus
Menschenhaare (§ 395; vgl. Plin. h. n. 28, 86), am Forum Komanum bezogen wird, obwohl
offenbar weil dadurch der Schutzgeist unter ein Öffnen und Schliefsen dieses Gebäudes im
der Schwelle vertrieben oder ein böser Geist Laufe von sieben Jahrhunderten nur zweimal
ins Haus gebannt wird u. s. w. Aber die Thüre 50 erfolgte (vgl. Liv. 1, 19. 3. Ov. f. 1, 281 ff. Vcll.
hat nicht blofs den Zweck, da.s Übel auszu- 2, 38, 3. Suet. Aug. 22) und die übrigen öffent-
schliefsen, sie dient auch dazu, das Glück des liehen iani in Rom, wie es scheint, stets offen
Hauses nicht herauszulassen, darum darf die und gar nicht zum Verschliefsen eingerichtet
Spitze des Messers oder das Brot mit der an- waren (vgl. Cic. Ar. D. 2, 27, 67 : transitiones
geschnittenen Seite nicht nach der Thüre zu perviae iani). Wie ferner der ianitor des
gelegt werden, sonst geht der Segen aus dem Privathauses einen Schlüssel und eine virga
Hause (§ 460. 457), beim Buttern mufs man führte, um mit dieser unbefugte Eindringlinge
der Thür den Rücken zukehren, sonst buttert abzuwehren (Marquardt. , Privatalt. 1, 240.
man den Nutzen zur Thüre hinaus (§ 708) u. s.w. Becker, Gallus3 2, 129), so auch Ianus (vgl.
Wenn die Thür von selbst aufgeht, so kommt co Ov. f. 1, 99: ille tenens baculum dextra clo.vem-
ein Geist herein**) (§ 753). Hinsichtlich der que sinistra. Macrob. S. 1, 9, 7: cum clavi ac
virga figuratur. Io. Lyd. a. a. O. Suid. s. v.
*) Tgl. Plin. It. n. 29, 07: Caput [draconis] limini
ianuarum subditum . . . fortunatam domum facere pro- *) Ganz verkehrt deutet täbeo bei /". Lyd. mens. 4,1
viiUitur. ib. 20, 101: Pythagoras sei/laut in limine quoque den Clusivius als rum qui vias claudit (IQ.Ovalßtov avTl
ianuae stispensam malorum medicamentorum introitum pel- thü 6ä[i]aTov\ eine Erklärung, die übrigens zur Ver-
lerc tradit. Besserung von Ccdren. 1 p. 205 Bonn, benutzt werden
**) Auch den Alten galt es als ein wichtiges rrndigiuni, kann, wo statt \finov . . . Kovaa io r uvti roü ooaiov
wenn sich eine Thür von selbst öffnete: Cic.div. 1,34,74. offenbar zu lesen ist: 'lavbv KXovatßlov ävttloü oöaiov.
33 Ianus (Privaltkult: Matutinus) Ianus (öffentl. Kult d. Forums) 34
'lavovciQtos; vgl. auch die unten angeführten zusammengestellt und erörtert worden. Wir
Bildwerke). Auch das doppelte Gesicht des entnehmen daraus vor allen Dingen, dafs die
Ianus dürfte sich am einfachsten auf die Ana- öffentlichen iani vorzugsweise eine Beziehung
logie der menschlichen Thürhüter zurückfuhren zum Markte hatten, dessen Zu- und Eingänge
lassen, insofern diese in erster Linie wach- sie bildeten. So haben wir gesehen, dafs das
sam sein mufsten (s. unten Sp. 53 f.) und ihre Forum Romanum mit mindestens drei (wahr-
Aufmerksamkeit nach zwei Seiten hin, so- scheinlich aber noch mehreren) iani geschmückt
wohl auf die Hereinkommenden wie auf die war (vgl. Richter b. Baumeister, D. 1469, der
Hinausgehenden zu richten hatten (vgl. Mar- namentlich auf die Fornmsansichten auf den
quardt, Privatalt. 1, 238. Varro r. r. 1, 13: 10 Rostrabalustraden verweist); ein weiterer sehr
villici proxime ianuam ccllam esse oportet cum- alter ianus befand sich am Forum holitorium,
que stire, qui introeat aut exeat noctu. Aristot. ein quadrifrons wenigstens in späterer Zeit am
oec. 1, 6: d-vQmgos ... %Qr\Oifioi; ... itgog Gmrrj- F. transitorium u. s. w. (Sp. 25 ff.); im Jahre 174
qi'uv Toiv tlocptQouivcov xai in(p?QOU£vwv. Petron. v. Chr. wurden nach Liv. 41,27 von den Cen-
28. Apul. Met. 1, 15. Colum. 1, 6 viliico iuxta soren, offenbar nach römischem Muster, auf oder
ianuam fiat habitatio, ut intrantium exeuntium- an dem Markte einer röm. Kolonie tres Iani er-
que conspectum habeat. Procuratori supra ia- richtet u. s. w. (über die an den Eingängen des
nuam ob casdem causas; vgl. auch die oben Forums zu Pompei befindlichen Iani s. Bau-
Sp.31 angeführten deutschen Bräuche). Ferner meisler, Denlcrn. S. 1361 u. die Abb. nr. 1508).
läl'st sich für den Privatkult des Ianus geltend 20 In hohem Grade interessant und bisher noch
machen, dafs er bei allen Opfern und Gebeten, gar nicht ins rechte Licht gesetzt ist das Ver-
d. h. doch wohl nicht blofs den öffentlichen, hältnis, welches offenbar zwischen den beiden
sondern auch den privaten, an erster Stelle Kulten des Ianus Geminus und der Vesta auf
angerufen und geehrt wurde (vgl. Serv. V. A. dem Forum Romanum besteht und ganz unver-
1, 292 ipsa (Vesta) et Ianus in Omnibus sacri- kennbar dem Verhältnis der beiden Götter im
fieiis iniocaniur. Mythogr. Vat. 3, 2, 5. Arnob. Privatkult nachgebildet ist.*) Ich mache darauf
3, 29 quem in eunetis anteponitis preeibus). aufmerksam, dafs auf dem Forum Romanum
Bestätigt wird dies durch die, wie es scheint, dieselben Kulte der Vesta und des Ianus be-
private Verehrung des Gottes als Matutinus deutungsvoll hervortraten, die auch im röini-
pater (Hör. Seit. 2, 6, 20 ff.), als welcher er 30 sehen Privathause die Hauptrolle spielten.**)
in der Frühe des Morgens vor dem Beginn Hierzu kommt, dafs der alte numanische Ianus
des Tagewerkes angerufen wurde, ferner durch den ältesten und hauptsächlichsten Zugang
mehrere erhaltene Gebete bei Festen, die (Schal. Cruq. Hör. Sat. 2, 3, 18: ima [Iani
einen durchaus privaten Charakter tragen; statuaj in ingressu fori, altera in medio) zum
vgl. namentlich Cato r. r. 134 (Privatfeier vor Forum bildete, dessen in der Regel offene
der Ernte); ib. 141 (privata agri lustratio); Thüren der Gott offenbar nach Analogie des
Iuvcnal. 6, 385 f., wo er mit Vesta zusammen menschlichen ianitor bewachen sollte, während
angerufen wird; endlich das interessante Ge- im Hintergrunde des Platzes, an einer Stelle,
bet des Serenus b. Terentian. v. 1889 ff. welche dem Ianus Geminus auf dem Argiletum
= frgm. 23 Luc. Midier: Iane pater, lanc 40 schräg gegenüberliegt (vgl. das Forum Rom.
tucns, dive bieeps, bifbrmis, | o cate rerum sator, auf Taf. LlII bei Baumeister, Denkm.) und
o prineipium deorum | stridula cui limina, cui einigermafsen der Stätte des focus im Atrium
cardinei iumidtus | cui reserata mugiunt aurea des ältesten römischen Hauses entspricht, das
claustra mundi | tibi vetus ara caluit Aboriginco Vestaheiligtum, ebenso wie der Ianus geminus
saccllo, wo freilich auch ein offizielles, dem eine Stiftung des Numa (Liv. 1, 19, 2. 20, 3.
öffentlichen Ianus (des Forums) dargebrachtes Flor. 1,2), erbaut war (Jordan, Top. 1, 2,
Opfer gemeint sein könnte. Endlich ist das 421 Anm. 136). Diese Analogie der sakralen
Verhältnis des Ianus zu Cardea, der öffnenden Verhältnisse des Forums und derjenigen des
und sehliefsenden Göttin der cardines (Ovid Hauses wird noch deutlicher, wenn wir be-
f. 6, 161 f.), hier zu erwähnen; sie wurde als 50 denken, dafs auch die Tempel der Penaten
seine Geliebte oder Gemahlin gedacht, führte, und der Laren des römischen Staates in der
ebenso wie Ianus eine virga aus Weifsdorn Nähe des Marktes lagen (Jordan a. a. 0.
(Ov. f. 6, 129) und gehört ganz entschieden S. 416 ff. 420 ff.) und sicherlich zu demselben
ebenso wie Forculus und Limentinus nur dem in Beziehung standen. Wie nahe der Ianus
Privatkult an. Möglicherweise ist auch die des Forums von vornherein den Penaten oder
von Bemophilos b. Io. Lydus d. mens. 4, 2 be- Hausgöttern stand, zu denen Vesta selbst mit-
zeugte (euhemeristische?) Vorstellung von Ianus gerechnet wurde (Premier, Hestia S. 94 u. 244
als dem ersten Erbauer von Thüren (Thoren) vgl. 265, 1), ersieht man auch daraus, dafs
und Häusern (tzqütov avxbv . . . oi-AOvg Kai
Ttvllmvac, %UXOtOY.£VUGai) auf Seine Bedeutung GO *, Wie dic mci8teu Ostia der Privatl.äuscr auf dem
als Hausgott oder Schutzgeist der Häuser ZU- Lande (s. ob. Sp.30Anm"), hatte auch der Ianus Geminus
rückzulühren, doch ist, wie wir sehen werden, des Forums eine westöstliche Axe (ob. Sp. 17). Ich
in diesem Falle noch ein anderer Ideenzusam- hsite auch diese Übereinstimmung nicht für zufällig,
menhano- denkbar sondern für absichtlich und bedeutungsvoll.
Viel "genauer sind wir dagegen über den **> s: *J' Gebet ™ Ia°"s ™ä v**t\l"!i iu?r„. 6
••«. +,.„, tt li i t l i TT ••-!. 385 f. und vgl. Serv. V. A. 1,292 [Vesta et Ianus in omni-
offeiithchen Kult des Ianus als des Herrn über bm sacrificHs inmtuv, ' Ianula UJ Ve3ta biIden ge_
alle öffentlichen iani Unterrichtet. Schon oben wissermafsen das A und 0 in den rom. Gebeten (Preuner,
Sp. IG ff. ist das meiste hierher gehörige Material Hestia 29).
Koscher, Lexikon der gr. u. rüm. Mythol. II. 2
35 Ianus (abstrakte Auffassungen) Ianus (Consivius; duonus cerus) 36
Ianus selbst der erste der Penaten sein sollte p. 281) Hekate als ftsäv fir]rr}g und Ianus als
(Proeop. b. Gotli. 1, 25: 'iarbg izgätog . . xäv 7iQ07tärwQ, Zsiig äcpd'i.tog oder vnccrog feiert, so
ctQ%ai<ov ftecöv, ovg . . . Ttsväzag ixulovv. Den sebeiut dieser sonst unerhörten Verbindung
Laren u. dem I. wurde am 1. Jan. auf den häus- der beiden Gottheiten einerseits die Auffassung
liehen Altären Weihrauch geopfert nach Anthol. des Ianus als Sonnengott und Weltenschöpfer
Lat. 395, 1 ff. Miese). So verstehen wir auch anderseits als Gemahl der lana (— Diana oder
am besten, warum der alte Ianus des Forums, Hekate) zu Grunde zu liegen (s. Sp. 41 f.). Man
also gewissermafsen des gemeinsamen Atriums suchte sich also in späterer Zeit in möglichst
der römischen Bürgerschaft, im Kriege, also tiefsinnigen und abstrusen Deutungen des alten
in der Zeit, wo die Bürger nicht dorni, sondern 10 einfachen Thürengottes förmlich zu überbieten,
belli, d. h. nicht drinnen, sondern draufsen, Von diesen späten abstrakten und philo-
waren , offen gehalten und nur im tiefsten sophi sehen Vorstellungen von Ianus sehr wohl
Frieden, d. h. nach ältester Auffassung, wenn zu unterscheiden ist die gewifs uralte, sehr
alle daheim und unter sich waren, geschlossen einfache und natürliche Anschauung, dafs vom
wurde: es wäre zweifelsohne ein schlimmes Patuleius und Clusius auch die Schliefsung und
Omen für die Ausgezogenen gewesen, wenn Öffnung des jungfräulichen Leibes bei der ersten
man hinter ihnen das allen gemeinsame ideale Schwängerung und Entbindung abhänge.
Thor der Bürgergemeinde verschlossen hätte Offenbar spielt bei dieser Funktion des Ianus
(s. oben Sp. 19 f.). der sogen, hymen oder die membrana virginalis,
Aus diesem ursprünglich sehr konkreten 20 qua rupta desinit esse virgo (Donat. Ter. Eun.
Begriffe des alten italischen Thürengottes ent- 5, 5, 7. Serv. V. A. 4, 99) die Rolle einer
wickelten sich natürlich im Laufe der Zeit ianua. Denn was liegt näher als diese mem-
verschiedene mehr abstrakte Vorstellungen, brana virginalis als einen Verschlufs anzu-
wouach Ianus als der ideale Öffner und Scbliefser sehen, von dessen Öffnung die weibliche
schlechthin oder als Hüter des Himmels und Fruchtbarkeit abhängt? Dafs in der That die
Weltalls erschien. Vgl. z. B. Ocid f. 1, 117 ff. : Alten die Sache so auffafsten, folgt deutlich
quidguid ubique vides, caelum, mare, nubila, aus den Worten Augustins de civ. d. 7, 2:
terras, omnia sunt nostra clausa patentque ipse primum Ianus cum Puerperium con-
manu. Me penes est unum vasti custodia eipitur , . . aditum aperit reeipiendo se-
mundi, et ius vertendi cardinis omne meum est. 30 mini. Vgl. auch 6, 9 [p. 234 Uonib.] Yarro . . .
Vgl. v. 125: praesideo foribus caeli cum miti- enumerare deos coepit a coneeptione hominis,
bus Horis. Septim. Seren, frgm. 23 Müller: quorum numerum est exorsus a Iano. ib. 7, 3
cui reserata mugiunt aurea claustra mundi. Uli etiam quod aperitur coneeptui non im-
So entstand die philosophische Auffassung des merito adtribui. Tert. ad not. 2, 11: qui con-
Ianus als eines göttlichen Dcmiurgen und sationibus coneubitalibus praesit. So erklärt
Weltordners {mundi sator Martial. 10, 28, 1), sich der Beiname Consivius, den Ianus
der wir in einem Fragment des M. Messala in den Indigitamenta führt (vgl. Macrob. 1, 9,
(eines Zeitgenossen des Cicero) b. Macrob. 1, 16 : Consivium a conserendo i. c. a propagine
'.), 14 begegnen, wo es heifst: qui euneta fingit geueris humani, quae Iano auetore conseritur),
eadcmque regit, aquae terraeque vim ac naturam 40 denn dafs Consivius, Consiva mit serere (säen,
gravem atque prouam in profundum dihibtntem, zeugen) zusammenhängt, kann nicht bezweifelt
ignis atque animae levem in immensum. sublime werden (vgl. Corssen, Ausspr. eto.a 1, 418). Ganz
fugientem copiüavit circumdato caelo, quae verkehrt leitet Labeo b. Io. Lyd. mens. 4, 1 Con-
vis caeli maxima duas vis dispares colligavit. sivius von eonsilium ab. Auch die Öffnung des
Auch nach etruskischer Auffassung soll Ianus Leibes der Schwangeren scheint dem Ianus
ein Himmelsgott gewesen sein (Io. Lyd. d. zugeschrieben worden zu sein, da nach Paul,
mens. 4, 2; vgl. Aug. c. d. 7, 28). Noch andere epit. 56, 6 clavim consuetudo erat mulieribus
(vgl. Macrob. 1, 9, 8 f.), z. B. Nigidius, redeten donare ob signijkandam partus facilitatcm. Der
(offenbar im Hinblick auf die westöstliche Lage Schlüssel aber war, wie wir wissen, eines der
des doppelthürigen Ianus geminus am Forum) 50 wesentlichsten Attribute des Ianus (Sp. 42).
von Ianus als dem utriusque ianuac caelestis Wie alt diese Funktion des Ianus als Gottes
potens, qui e.xoriens operiat diem, oeeidens clau- der menschlichen Zeugungen und Geburten ist,
dat und hielten ihn daher für einen Sonnen- erkennt man am besten daran, dafs er nach
gott oder Apollo. Vgl. Io. Lyd. 4,2: 0 ys Varro l. I. 7, 26 bereits im Liede der Salier als
figv Aovzäziog "Hliov nagä zö icp' tttazi-gag duonus cerus, d. i. als bonus creator, gefeiert
Tzvfojg oLQXBiv, ävuzolrjg i'ocog v.al Svoecog. Arnob. wurde (vgl. d. Artikel Cerus). Vielleicht hängen
3, 39. Noch phantastischere Ausdeutungen auch gewisse auf die Hausthüre und Haus-
des lanusbegrifles finden sich bei Ovid f. 1, schwelle bezügliche Hochzeitsgebräuche,
103 ff. (vgl. auch Fest. s. v. Chaos), wo er als wie das Heben der Braut über die Schwelle,
Chaos, bei Serv. V. A. 7, 610 u. August, c. d. 7, 7 CO das Salben der Thürpfosten mit Fett, das
u. 8 ff., wo er als „mundus" (s.Sp.38f.),u. bei Io. acpia et igni aeeipi, das „in limine" stattfand
Lyd. mens. 4, 2, wo er als drjQ (G.Bassus) und (Itofsbach, Rom. Ehe 356 ff. 359 ff. 361 ff.) mit
övvetuig iq>' EY.aziQKg "Aqkzov TSTctyutvq nal dieser Funktion des Ianuä zusammen.
änoniiMovca (Prlctr.vtatns offenbar nach Py- b) Ian«s als 6ott aller AnlMSe;
tbagoreischer Anschauung; vgl. Proklos hy. 6) Wie eng diese Funktion mit der soeben be-
aufgefafst wird (Sp. 47). Wenn Proldos im sprochenen zusammenhängt, läfst sich am besten
6. hymnus (auf Hekate u. Ianus b. Abel, Orphica an der sprachlichen Verwandtschaft der Begriffe
37 Ianus (Gott aller Anfänge) Ianus (Gott d. Jahres ; Erfinder) 38
Eingang, Thiire, Thor und Anfang, Beginn, Aus- civoi^tg zov iviavzov Suid. s. v. 'lavovügiog;
gang, Ende zeigen, insofern oft dieselben Worte mehr bei Marquardt, Staatsv. 3, 273, 5). Vgl.
zur Bezeichnung der beiden Begriffe gebraucht über die Einzelheiten dieser Neujahrsfeier
werden. So bedeutet initium ursprünglich das Mart. 8, 8. Preller- Jordan, B. M. 1, 179 ff.
Eingehen, den Eingang, sodann den Anfang, Marquardt, Privatalt. 1, 257. Es war eine
Beginn (vgl. inire = hineingehen, beginnen). natürliche Konsequenz dieser Anschauungen,
Den Gegensatz dazu bildete exitus und exitium, dafs man Ianus als Gott des Jahres dachte
eigentl. Ausgang, auch im Sinne von Ausgangs- und die Finger seiner Hände bildlich so dar-
thür, sodann Ausgang im Sinne von Ende, ■ stellte, dafs die Zahl der Tage eines Jahres, also
Ziel, Tod und Verderben. Namentlich er- xo 355 oder 365 herauskam (Plin. 34,33. Macrob.
scheint Urnen oft in der übertragenen Be- 1, 9, 10. Io. Lyd. 4, 1. Suid. s. v. 'lavovügiog.
deutung Anfangspunkt, Eingang, ebenso wie Mythogr. Vat. 3, 4, 9. Amol). 3, 29. Serv. A.
ianua (fores; vgl. Mythogr. Vat. 3, 4, 9: Ianus 7, 607. Mart. 8, 2, 1 fastorum genitor. Schweglcr,
. . . anni ianuam pamdat) im Sinne von Ein- B.G. 1,220, 12). Oder man bezog den Schlüssel
leitung, AnfaDg (vgl. auch introitus, ingressus in der B. des Gottes auf die avoi^ig zov
= Einleitung, Anfang, sonst Eingang, Zugang). iviavzov (Suid. s. v. 'lavovägiog). Auf Münzen
Vgl. auch Butlmann, Mythol. 2, 76 u. 79. des Commodus (abgebildet Arch. Ztg. 19, Taf.
Schwegler, B. G. 1, 221. Auf Grund dieser 147, 6 ff . vgl. dazu S. 137 ff.) erscheint dieser
sprachlichen Analogieen ist wohl nicht zu Kaiser als Ianus stehend mit einer virga in
zweifeln, dafs aus dem Gotte der Eingänge 20 der L.; seine R. legt er auf einen offenen
und Thüren leicht ein Gott der Anfänge werden Bogen (ianus = fores caeli), innerhalb
konnte, zumal wenn man bedenkt, dafs auch dessen die 4 Jahreszeiten (vgl. Uv. f. 1, 125:
die Ausdrücke für Raum und Zeit oft zusammen- praesideo foribus caeli cum mitibus Horts)
fallen (vgl. z. B. spatium und intervallum, stehen; ihnen entgegen schreitet ein nackter
beides vom Räume und von der Zeit gebraucht). Knabe mit einem vollen Füllhorn (= Novus
Dem Ianus als Gott des Anfangs (Aug. Annus). Schliefslich wurde Ianus geradezu in der
c. d. 7, 3 omnium initiorum potestatem habere Bedeutung von annus gebraucht (Auson. epist.
Ianum. Varro ibid. 7, 9: penes Ianum prima. 20, 13; vgl. Martial. 10, 28, 1: annorum mundi-
Mythogr. Vat. 2, 4, 9. August, c. d. 4, 11: in que sator. Lucan. Phars. 5, 6 ducentem ttmpora
Iano sit initiator) waren die meisten An- 30 Ianum). So entstand einerseits die Identifi-
fänge der natürlichen Zeitabschnitte geweiht, cierung des Ianus mit Aion oder dem Vater
d. h. die Morgenfrühe, die Kaienden als Monats- des Aion (Messala b. Io. Lyd. de mens. 4, 1.
anfange, der Ianuarius als Anfangsmonat des Longinus b. Suid. a. a. 0. Nemes. Gyneg. 104
Jahres. Aus Boras Sat. 2, 6, 20 ff. erhellt, timporis auctor, Mart. 8, 2, 1), andererseits
dafs Ianus als Matutinus pater in der Frühe die Vorstellung, er sei tcpogog näang nga'&ag
des Morgens beim Beginne der Tagesarbeit (Varro b. Lyd. 4, 2; vgl. auch Ovid /'. 1>
angerufen wurde (vgl. Myth. Vat. 3, 4, 9: diei 165 ff.) oder der Airfang aller Dinge (Paul,
deus. Serv. V. A. 7, 607: diei dominus). Auf p. 52 s. v. Chaos: a quo verum omnium factum
den Gott der Kaienden oder Monatsanfänge putabant initium), eine Idee, welche mit der
bezieht sich unzweifelhaft der Beiname Iuno- .10 oben besprochenen von Ianus als mundus oder
nius, welcher offenbar den mit der Mond- Chaos sehr nahe verwandt ist (s. Sp. 35 u. 39).
göttin Iuno zusammen an den Kaienden ver- Nach Ovid f. 1, 165 ff. (vgl. aueh/S'oieca ep. 83,
ehrten Gott bezeichnen soll (Macrob. 1, 9, 16 5. Colum. r. r. 11, 2 p. 446 ed. Bip.) mufste jeder
Iunonium quasi non solum mensis Ianuarii, Kömer (ominis causa) am ersten Januar an
sed mensium omnium ingressus tenentem, sein jährliches Geschäft die erste Hand an-
in dicione autem lunonis sunt omnes Kalendae. legen, aber es gleichsam nur kosten, um so
ib. 1, 15, 19). Auf diesen Iunonius bezogen durch einen guten Anfang am ersten Tage des
sieh nach Varro die 12 zu Rom dem Ianus neuen Jahres seiner Thätigkeit einen guten Er-
geweihten Altäre (Macrob. a. a. 0. Io. Lyd. folg für das ganze Jahr zu sichern (vgl. Peter
4, 2: ävonaiäe-na ngvzavtig xgbg zov Novfiä 50 z. Ov. f. a. a. 0.). Diese gewifs uralte Sitte,
rovg xaXoi'fisvovg Ealiovg bgiß&rivai cpaoiv, welche z. B. Varro a. a. 0. veranlaßt, den
vfivovvzag xov Iavbv %ctzu zbv zäv 'Izalmäv Ianus für den s qpopos näarig ngd^icoe zu halten,
(irjväv dgi&fLÖv. b 81 Euqpoiv . . . cprjoCv, sowie der Brauch, den Matutinus pater am
avzov . . . ksysc&cu ««i. IIoTiävoivci, 8iä zb iv frühen Morgen vor dem Beginn der Tages-
zalg KaXiväaig cLvacpaQte&ai ttanuvu. Paul. arbeit anzuflehen (Hör. sat. 2, 6, 20 ff.), hat
p. 104: Ianual libi genus, quod Iano tantum- wohl hauptsächlich die Vorstellung erzeugt,
modo immolatur). Ganz besonders feierlieh dafs Ianus der Urheber oder Erfinder aller
waren natürlich unter diesen Kaienden die möglichen nützlichen Thätigkeiten oder Be-
des Ianuarius, d. i. des dem Ianus ganz rufe sei. So wurde (nach Flut. Q. Born. 22)
speziell (von Numa) geheiligten ersten Monats, go nicht blofs die gebildete Sprache und Lebens-
mit welchem die Tage wieder zunehmen (vgl. weise (yläaaa -acu SCaira; vgl. genitor vocis
Varro l. I. 6, 34 Ianuarius] a principe deo . . . Serv. 7, 610), der Landbau (yeiagysiv) und die
appellatus. Porphyr, antr. Nymph. 23. Mythogr. Staatsverfassung (tioIliiv le&txi), sondern auch
Vat. 3, 4, 9. Io. Lyd. de mens. 4, 1: ägx'lv die Kunst, Häuser und Thore (oiv-ovg v.al
ugazinov Iviavzov zbv 'Iavovügiov firjva . . . Tcvltävag y.azciay.iväeat Bemoph. b. Lyd. de
■nagä roü ßciaü.icog Novjiä bgia9j}vai; vgl. ib. mens. 4, 2) und Tempel zu erbauen (ngätov
3, 15. Ovid. f. 1, 43 u. 65 Iane biceps, anni xuzaoxtvaGai ztfitvr] Lyd. a. a. Ü. 4, 2), ferner
taeile labentis origo; ägxf} zov %govov -Aal der Schiffsbau (s. ob. Sp. 23 f.), die Münz-
39 Iamis (erste Stelle bei Gebeten etc.) Linus (Kriegs- u. Quellengott?) 40
prägung {Athen . 692 DE. Macrob. 1, 7, 22), ja lieh nicht blofs den gewöhnlichen Ehrentitel
sogar der ganze religiöse Kultus {Xenon b. der anderen ~grofsen Götter (vgl. Iuppiter,
Macrob. 1, 9, 3. lo. Lyd. 4, 2) auf das Wirken Maxapiter etc. Zinzow , d. Vaterbegriff' b. d.
des Ianus zurückgeführt. Vgl. auch Macrob. röm. Gottheiten, Pyritz 18S7 S. 6 f.), sondern
1, 7, 21 — 25, wo Ianus in dieser Beziehung bezieht sich wahrscheinlich auch auf seine
als Schüler des Saturnus aufgefafst wird. Der Stellung als Göttervater schlechthin, auf seine
Beiname Cenulus, den Labeo b. Io.Lyd.i, 1 Geltung als prineipium deorum. Vgl. Macrob.
mit eva>%ucorix6s erklärt (vgl. Cedren. 1 p. 295, 7 1, 9, 16 : patrem [invocamus] quasi deorum deum.
Sonn. 'PaiiaLoi xi'ßove ttjv rQoiffjv ixülovv, lij " Cato r. r. 134. Lucü. b. Lactant. i. d. 4,3. Yerg.A.
ob Kai 'lavov KifiovXliov Siä t'o £vayu<iGTi- 10 8, 357. Hör. ep. 1, 16,59. sat. 2, 6, 20. luv. sat. 6,
%6v), dürfte sich am besten aus der Idee eines 393. Plin. h. n. 36, 28. Gell. 5, 12, 5. Macrob. 1, 9,
göttlichen Erfinders der 'ars cenarum' {Hör. 15. Mehr b. Schioegler, B. G. 1, 223, 25. Zinzoxe
sat. 2, 4, 35) im Gegensätze zu dem 'ferus et a. a. 0. 6, 4. Preller, B. M.3 1, 167, 1.
rudis ante fruqes coqnitas victus' {Macrob. 1, ^ T , _ „ , _ . , . ,,
7, 21) erklären. Nicht recht klar ist, wie c) Ianus als Gott «es Krieges (?)n. der QueUen(?).
Ianus dazu kam, als Erfinder der Kränze ge- Schon die Alten selbst haben Ianus für
nannt zu werden {Dral'on v. Kerkyra b. Athen. einen Kriegsgott erklärt und namentlich die
692 DE). Es fragt sich, welche Art von Öffnung des Ianus Geminus in Kriegszeiten
Kränzen in diesem Falle gemeint ist, die zum und seinen Beinamen Quirinus (s. ob. Sp. 16) auf
Apparat des Gastmahls gehörenden, oder die 20 diese Funktion bezogen. Vgl. Ennius b. Hör.
dem religiösen Kultus {Plin. h. n. 21, 11) 1, 4, 60 Discordia taetra Belli ferratas postes
dienenden. Auf den Trientalassen seit 268 portasque refregit. Macrob. 1, 9, 16 Quirinum
(s. unten Sp. 51) erscheint Ianus selbst mit quasi bcllormn potentem ab hasta quam Sabini
Lorbeer bekränzt, und über der Prora des Re- curin vocant. Lucan. Phars. 1, 62 belligeri
verses steht als Beizeichen ein Kranz. — Aus limini Iani. Cedren. 1 p. 295 Bonn, 'lavov
dieser Vorstellung des Ianus als Gott aller KvqIvov äeavst 7CQÖuaxov; Anthol. Bat. ed.
Anfänge und als Stifter des Gottesdienstes so- Biese 394, 1. Hiermit könnte man die auf
wie als Mittler zwischen Göttern und Menschen Numa {Blut. Marc. 8) zurückgeführte Be-
{Ov. f. 1, 171 ff. Serv. V. A. 7, 610. Macrob. Stimmung tertia*) spolia fopima] lanui Quirino
1, 9, 9. Arnob. 3, 29) erklärt sich wohl der 30 agnum marem caedito {Fest. p. 189) wohl ver-
uralte Brauch, bei allen Opfern, Gebeten und einigen, wenn nicht bei Philarch. vita Marc.
Anrufungen zuerst des Ianus zu gedenken und 8 (tk ö'j roha reo Kvqivco) statt des Ianus
ihn an die Spitze zu stellen. Vgl. Cic. N. I). Quirinus der Quirinus als Empfänger der
2, 27, 67 eumque in Omnibus rebus vim haberent dritten Spolien genannt würde, was gegen die
maximam prima . . ., principe!» in sacrificando Lesart des Festus einigermafsen ruifstrauisch
Ianum esse voluerant. Yarro b. August, c. d. macht, zumal wenn wir bedenken, dafs Quiri-
7, 9: pencs Ianum sunt prima, penes lovem nus in diesem Zusammenhange besser zu
summa. Vgl. ferner die Gebete bei Cato r. r. Iuppiter und Mars pafst als Ianus, und dafs
134 u. 141, die Devotionsformel b. Liv. 8, 9, 6, dieser sonst immer im Opferkult und bei Ge-
die Götterreihe der arval. Tafeln Mengen, acta 40 beten die erste, nie die dritte Stelle hat (vgl.
fr. arv. 144 f. Festi epit. 52. Ovid. f. 1, 171 ff. namentlich die Devotionsformel bei Liv. S, 9:
Serv. V. A. 7, 610. Xenon b. Macrob. 1,9,3 Iane, Iuppiter, Mars pater, Quirine, Bel-
u. 9. Io. Lyd. mens. 4, 2. Arnob. 3, 29 u. s. w; lona etc.). Hierzu kommt noch, dafs Ianus
mehr b. Marquardt, Staat sv. 3, 25, 7; 26, 1. ebenso oft auch ausdrücklich als Friedensgott
Schireglcr, B. G. 1, 222 f. Beachtenswert ist angesehen wird (vgl. Hör. ep. 2, 1, 255:
es, dafs ebenso wie im häuslichen und foren- clauslraque cuslodem pacis cohibentia Ianum.
sischen Kult so auch bei allen Opfern und Ge- Ovid f. 1, 281: pnee fores obdo, ne qua dis-
beten Vesta eine Art Pendant zu Ianus bildet, cedere possit. ib. 287 ff. Martini 8, 66, 11 paci-
indem sie als „custos rerum intimarum" {Cic. ficus Ianus. Claudian 28, 638. Plut. Q. Born.
nat. d. 2, 27, 67) die letzte, Ianus die erste so 19: zbv 'lavov tioIizi-aov xal yscOQyiKov
Stelle erhielt (Prcuner, Hestia S. 28 ff. = Mar- fiäV.ov r) noXefuxbv ytvöutvov). Man erkennt
quardt, Staatsv. 5, 26, 3). hieraus auf das deutlichste, dafs Ianus durch-
In nahem Zusammenhang mit diesen und aus nicht als eigentlicher Kriegsgott anzu-
den oben Sp. 35 ff. behandelten Anschauungen sehen ist und seine Auffassung als bellorum
und Bräuchen steht die, wie Preller, B. M.'6 1, potens und belliger sich lediglich auf die oben
166 ganz richtig hervorhebt, gewissermafsen Sp. 18f. behandelte Sitte den Ianus Geminus
theogonische oder kosmogonische Idee von im Frieden zu schliefen, im Kriege offen zu
Ianus als dem Gott der Götter oder Urgott. halten bezieht (vgl. auch Ov. f. 1, 254: nil
Wie alt und ehrwürdig diese Idee war, erhellt mihi cum bcllo. pacem postesque tuebar). Was
am besten aus dem Umstände, dafs Ianus be- 60 den Beinamen Quirinus (vgl. auch Eießling
reits in den Liedern der Salier als Divum zu Hör. ca. 4, 15, 9) betrifft, der einzig und
Dens gefeiert wurde. Vgl. Macrob. 1, 9, 14: allein den am Eingang zu dem Forum der
Saliorum antiquissimis carminibus Ianus Deo- Quirites, d. i. der röm. Bürger, befindlichen
rum Dens canitur. Yarro 1. 1. 7, 27: Divum und daselbst als custos verehrten Ianus be-
Deo. Senn. fr. 23 Müller bei Tercnt. Maur. zeichnet, so ist es mir bei dem unverkenn-
de metr. p. 18S9: 0 catc rerum sator, 0 prin-
eipium deorum. Wenn er Pater genannt ,} Dic prlma sro)ia RaUon dem iuppiter reretrius,
wird , so bedeutet dies Epitheton wahrsebein- die seennda dem Mars (s. d). Vgl unt. Sp. 43 z. 30.
41 Ianus (myth. Verbindungen) Ianus (Attribute, Opfer) 42
baren Zusammenhang von Quirinus mit Quirites elternlos sein mufs (Klausen, Aeneas etc. 713).
(Jordan zu Pi eller, 11. M.s 1, 369, 4) wahr- Offenbar ist ihm Caelus zum Vater gegeben
seheinlich, dal's Quirinus in diesem Falle Ad- worden, weil man Ianus selbst als Hirnmels-
jectivum ist und den Ianus der Quiriten, d. h. gott auffalste (s. unten Sp. 44), und seine
der auf dem Forum versammelten römischen Mutter Hekate erklärt sieh einfach aus der
Vollbürger, bezeichnen sollte (anders Butt- Thatsache, dafs diese häufig wie Ianus mehr-
mann, Mythol. 2, 90 ff). Wenn Servius z. V. A. köpfig dargestellt und als Thürengöttin ver-
7, 610 sagt: quidam Ianum Eanum dicunt ab ehrt wurde (s. Hekate u. vgl. ob. Sp. 35 f.).
eundo eumque esse Martern, so beruht das k) Hinsichtlich des Aithex und der Oli-
wohl einerseits auf der Identificierung von Ora- 10 stene. als Kinder des Ianus s. oben Sp. 23.
divus und Ianus, anderseits auf der Bedeutung, 1) Über das Verhältnis des Ianus zu Picus
welche die Öffnung des Ianus Geminus für die u. s. w. vgl. Verg. A. 7, 180. Jordan. Rom.
römischen Krieger hatte. §39M. Easeb. b. Hieron. Chron. ad a. Abr. 838.
Etwas anders steht die Sache mit der „ , _
Funktion des Ianus als Gottes der Quellen. D- Attribute des Ianus.
Preller, B. M.3 1, 170 bezieht darauf die Sage Nach Analogie der menschlichen Thürhüter
von der Ehe mit der Iuturna, aus welcher führt Ianus zunächst den Schlüssel (clavis) und
Fontus hervorgegangen sein sollte (ob. Sp. 18 u. einen Stock oder Stab (virga, baculum), den
25), und die von Ovid f. 1,269 u. Met. 14, 785 man aber nicht mit dem Mafsstabe des Aion
behandelte Legende von der Abwehr der die 20 verwechseln darf, wie dies Arch. Ztg. 19
porta Ianualis (= Ianus Geminus am Forum) S. 139 geschehen ist. Vgl. Ovid f. 1, 99 =
erstürmenden Sabiner durch plötzlich hervor- illc tenens baculum dextra clavemque sinistra.
brechende heifse Schwefelquellen (s. ob. Sp. 18). ib. 177. 228. 254. Maerob. 1, 9, 7: cum clavi et
Hierzu kommt noch die Sage von der Quell- virga figuratur, quasi omnium et portarum
nymphe Canens (s. d.), die Venilia (s. d.), custos et rtctor viarum. Arnob. 6, 25. Auch
wohl ebenfalls eine Quellengöttin, auf dem auf den erhaltenen Bildwerken (s. u.) erscheint
Palatin dem Ianus geboren hatte (Ovid Met. der Stab in der Rechten mehrfach ganz deut-
14, 333). Obwohl diese Sagen meines Er- lieh, während in der Linken Btatt des Schlüs-
achtens nicht ausreichen, um die Funktion des sels hie und da eine patera vorkommt. Wie
Ianus als eines Quellengottes sicher zu be- 30 aus der Erzählung von Carna = Cardea (Ov.
gründen, wäre es doch im Hinblick auf Redens- /". 6, 101 ff.) hervorzugehen scheint, bestand die
arten wie claudere fontes (Ov. Met. 15, 271), virga des Ianus aus Weifsdorn (spina idba
aquas (Prop. 5,9, 44), rivos (Verg. Ecl. 3, 111), Ov. f. 6, 129 f.), dem man überhaupt eine
recludere ora fontana (Ov. f. 1, 269), recludere segnende, unheilabwehrende Wirkung zuschrieb
fontes (Verg. G. 2, 175), aperire puteum (Dig. (vgl. Bötticher, Baumkultus d. Hell. S. 360 f.
39, 2, 24), aperire fontes (Cic. Tusc. 1, 3, 6), Kuhn, Herabkunft d. Feuers1 237. Wuttke,
puteus patens (Hör. ep. 2, 2, 135) u. s. w. nicht d. dtsch. Volksaberglaube S. 474 unter 'Hage-
unmöglich, dafs Ianus Patulcius und Clusius dorn'. 3Iannhardt, Baumkultus 178. 295. 426).
auch als Öffner und Schliefser der Wasser- Hinsichtlich des Lorbeerkranzes, mit welchem
quellen gedacht worden wäre. 40 I. auf Münzen geschmückt ist, s. Sp.39u. Sp. 51.
C. Mythen u. mythische Verbindungen. E. Opfer.
Da die meisten Mythen und mythischen Als regelmäfsiges Opfer des Ianus an den
Verbindungen des Ianus bereits zur Sprache Kaienden (namentlich des Ianuarius) wird
gekommen sind, so genügt es, auf die betreffen- Kuchen (nonavov, Ianual, strues) genannt, von
den Stellen dieses Artikels und die sonstigen dem Ianus sogar einen Beinamen (griech.
in Betracht kommenden Artikel dieses Lexikons noitdvwv = Libarius?) erhielt. Io. Lyd. mens.
kurz hinzuweisen. Die mit Ianus in mythischer 4, 2: b äs Bciggav . . . (pnolv avzöv . . . Xiysa&ui
Verbindung stehenden Personen sind: ... yial HoTtaviava, äia rö iv rctis KaXsvdaig
a) Iuturna s. d. u. vgl. oben Sp. 18 u. 25. 50 avacpsgte&cei. nö-nava. Paul. epit. Fest. p. 104
b) Venilia s. d. u. vgl. oben Sp. 41 Z. 25. Ianual libi genus, quod Iano tantummodo
c) Fontus s. d. u. vgl. oben Sp. 18 u. 25. libatur. Ov. f. 1, 127 cui Cericde sacerdos im-
d) Tiberinus s. d. u. vgl. Sp. 23. ponit Hb um farraejue mixta sale. ib. 21b ara
e) Canens s. d. u. vgl. Sp. 41 Z. 25. mihi posita est parvo coniuneta sacello: haec
f) Carna und Cardea s. d. u. vgl. Sp. 33. adolet flammis cum strue farra suis (vgl.
g) Cameses, Camesene, Camasene, Ca- Seren, b. Terentian. v. 1889 ff. = frgm. 23
mise s. Camese u. vgl. Sp. 23. Müller u. Fest. p. 310: strues genera liborum . . .
h) Saturnus s. d. u. vgl. oben Sp. 22 f. digitorum coniunetorum non dissimilia). Vgl.
Die nur von Pseudoplutareh parall. 9 berichtete auch Gass. Dio 73, 13: zm'lavät %ä tiqo zäv
Sage von Ianus als Sohn des Kronos (Saturnus) 60 &vqü>v [roü avvsSgiov] &vaeiv Sy.sVi.tv, wo wohl
und der Entoria ist apokryph. ein Kaiendenopfer gemeint ist. Far , vinum
i) Wenn Arnobius adv. nat. 3, 29 sagt: und eine agna werden als Opfer des Ianus und
Ianum, quem ferunt Caelo atque Hecata pro- der Vesta im Privatkult genannt bei Iuvcnal.
creatum, so haben wir darin nicht etwa einen 6, 385 ff. Nach Cato r. r. 134 wurde ihm kurz
echten Mythus, sondern lediglich einen Aus- vor der Ernte zusammen mit Iuppiter und
flufs späterer gelehrter Spekulation zu er- Iuno tus und vinum und sodann ihm alleiu
blicken, zumal da Ianus naturgemäfs , seiner strues geopfert (vgl. Ov. f. 1, 171: cur, quam-
Bedeutung als Gott der Anfänge entsprechend, vis aliorum numina placem, laue, tibi primum
43 Ianus (Priester, Feste) Iarms (antike u. moderne Deutungen) 44
tura merumque fcro? Anthol. Lat. ed. Riese 103 ff.)- Nahe verwandt damit ist die Deutung
1, 395. Martial. 8, 8, 2). Auch beim Ambar- des Ianus als „mundus" (s. Arnob. 3, 29. Aug.
valienfeste wurde er zusammen mit Iupjsiter c. d. 7, 7 ff. 7, 28. Serv. V. A. 7, 610). Als
durch eine Weinspende geehrt (Cato r. r. 141). Gott aller Anfänge wird Ianus mit Aion identi-
Festus p. 189 behauptet, dem Ianus Quirinus ficiert von Mcssala bei Lydus de mens. 4, 1
sei bei der Feier der spolia opima ein agnus (vgl. Plin. n. lt. 34, 33 : temporis et aevi deus).
mas geschlachtet worden (vgl. jedoch oben Neben diesen haltlosen Phantasieen finden sich
Sp. 40). Bei der Feier der Agonalia am 9. Januar aber schon im Altertum auch rationellere
wurde dem Ianus (als prineeps deorum?) in Deutungen. So erklärte schon Kigidius den
der Regia vom res sacrorum ein Leithammel 10 Ianus mit Rücksicht auf die Form Iana = Diana
(prineeps gregis, aries) geopfert (Ovid f. 1, (= Luna) für einen mit dem (ebenfalls als
317 ff. Varro l. 1. 6, 12: agonales (dies) per &vgalog verehrten) Apollon identischen Sonnen-
quos rex in regia arietem immölat etc. Paul. gott (Macrob. 1, 9, 8: Apollinem Ianum esse
p. 10). Auch sonst erscheint der Widder als Dianamque Ianam; vgl. ebenda 1, 9, 5 u. 6.
das dem Ianus heilige Opfertier; vgl. Hennen, 1, 17, 42 u. 64. Plueid. Gloss. p. 471 Mai
acta fr. An. 144: lano arietes II. = p. 462 IQotz. Arnob. 3, 29. Tertull. de cor.
mil. 13). Ahnlich behauptet Lutatius bei Io.
' Priester. Lyd. mens. 4, 2, Ianus sei = Helios nagu xo
Ein eigentliches lanuspriestertum existierte iq>' sxctTEQag ■nilrig uq%siv , ävarolrig i'acog Kai
nicht, doch scheint aufser den Saliern der Rex 20 dvßicog (vgl. Macrob. 1, 9, 9). Nach Varro
sacrorum den Dienst des Ianus bei gewissen bei Lyd. a. a. 0. 4, 2 wäre Ianus bei den
Gelegenheiten versehen zu haben (vgl. Mar- Etruskern ein Himmelsgott (= oigavög) ge-
quarclt, Staatsv. 3,310 Anm.3 — 5. S. 25, 1). Vgl. wesen (vgl. Macrob. 1, 9, 11: alii mundum id
namentlich auch den ordo sacerdotum hei Festus est caelum esse voluerunt etc.). Noch andere
185: maximus videtur rex, dein Dialis, post hielten ihn für einen Gott der Luft (utiq);
hunc Martialis, quarto loco Quirinalis, quinto vgl. G. Bassus b. Lyd. a. a. 0. 4, 2: Bdeaog
Pontif.Max. Diese Ordnung entspricht so genau iv reo izsql dtäv dctiuova ctvzbv tlvai voui^si
der alten von Numa festgesetzten Götterreihe rsrctyiiivov inl rov üigog y.al äi' ccvtov rag
I an u s, Iuppiter, Mars, Quirinus, Vesta, dafs wir tüv av&qd>iia>v iv%ag avcicpsQia&ai roig hqsit-
kaum bezweifeln können, dafs der rex sacrorum 30 zoai. Serv. V. A. 7, 610: alii Ianum aerem
zu Ianus in besonderer Beziehung stand (vgl. credunt; et quia vocis genitor habeatur, ideirco
Prcller, P. M.s 1, 64. Marquardt a. a. 0. 25). mandari ei preces nostras ad deos perferendas.
b) Neuere Deutungen. Auch die neuere
G. Festtage. Mythologie ist im wesentlichen über die
1) Hinsichtlich der regelmäfsigen Feier an Deutungsversuche der Alten nicht hinaus-
den Ealenden s. oben Sp. 15 u. vgl. Varro gekommen; nur hat sie, den Anforderungen
b. Lyd. mens. 4, 2. Macrob. 1, 15, 19. 1, 9, 15. der modernen Wissenschaft entsprechend, ihre
Betreffs der Feier am 1. Januar s. oben Sp. 37. Auffassungen besser und eingehender zu be-
2) Für den 7. Jan. verzeichnet das Kai. gründen gesucht. Bei weitem die meisten
Philocali: lano patri c(irccnses) m(issus). Vgl. 40 neueren Forscher {Buttmann, Mythol. 2, 72;
Mommscn C. I. L. 1 p. 382. Sclnoegler, li. G. 1, 218 ff, der Anm. 2 noch
3) Am 9. Jan. fand die Feier der Agonalia mehrere ältere Vertreter dieser Ansicht an-
statt; vgl. ob. Zeile 8. Marquardt, Staatsv. führt; Preller, R. Myih." 1, 168 ff.) erblicken
3, 310, 5 u. 25, 1. in Ianus einen Sonnengott. Am eingehendsten
4) Am 17. August: lano ad theatrum Mar- haben Sclnoegler und Preller diese Annahme
celli, Cal. Voll, und Allif. (Eph. epigr. 3, 85). zu beweisen versucht. Ihre Gründe sind kurz
Becker, Topogr. 254. 603. Auf denselben Tag folgende: 1) Der Parallelismus der beiden
fielen die Portunalia; s. oben Sp. 24f. u. vgl. Namensformen Ianus und Iana (= Diana),
Marquardt a. a. 0. S. 315, 3. C. I.L. 1, p. 399. worunter nach Varro r. r. 1, 37, 3 der Mond
5) 18. Oktober: lano ad thcatr(um) Mar- 50 (Iana crescens et contra sencscens) zu verstehen
celli. Cal. Amit. ist. — 2) Die nur aus Macrobius (1, 9, 9)
bewiesene Vorstellung, dafs die aufgehende
H. Deutungen des Ianus. gonüe den Tag eroffne (exoriens aperiat diem),
a) Antike Deutungen. Wohl die älteste die untergehende beschliefse (oeeidens claudat).
von ihnen ist die des Cicero, welcher de not. — 3) Die Richtung des Ianus Geminus am
deor. 2, 27, 67 (vgl. Serv. V. A. 7, 610) Ianus Forum von Osten nach Westen. — 4) Seine
ebenso wie ianua und ianus von ire ableiten Verehrung als Matutinus, d. h. als Gott der
will (ab eundo). Cicero erblickt also im Ianus aufgehenden Sonne. — 5) Seine Bedeutung
einen Gott des Gehens, oder wohl besser des als Quellengott, da nach Dion. Hah 1, 55 eine
Ein- und Ausgehens, während Macrobius 1, 9, co Quelle bei Laurentum dem Sol ('Hliog) ge-
ll den Begriff des Gehens auf den ewigen weiht war. — 6) Wenn Ianus nicht Sonnen-
Gang (Bewegung) des Weltalls beziehen will gott wäre, so würde die latinische Religion
(Ianumque ab eundo dictum, quod muiulus keinen solchen gehabt haben, da Sol ein
semper eat, dum in orbem volritur). — Die sabinischer Gott und der Dienst des Apollo
Deutung des Ianus als Chaos (bei Pauli Fest. erst ziemlich spät eingeführt sei.
52), wobei Ianus als Hianus gefafst wurde Eine der Schwegler- Prellerschen Deutung
(vgl. xc'°S T0U zäoxEtv), ist schon oben Sp. 35 nahe stehende Erklärung des Ianus als Him-
zur Sprache gekommen (vgl. auch Ovid f. 1, melsgott hat Deeckc, Etruslc. Forschungen 2,
45 Ianus (neuere Deutungen) Ianus (neuere Deutungen) 46
125 ff. offenbar im Anschlufs an Varros oben nög zs, ^fiiv dvaxlSvai nvKtvov vicpog t)8'
erwähnte Notiz bei Iu. Lydus m. 4, 2 zu geben ini&ilvui. Verg. Geo. 3, 261: porta caeli.
versucht. Deeclce verwirft die gewöhnliche Ennius b. Seneca epist. 108, 34: mi soli caeli
Etymologie von Ianus = Divanus (Dianus) inaxima porta patei). So kommt es, dafs bei
und hält den Namen mit dem Appellativum den Römern so oft von einem caeluin apertum
ianus in der Bedeutung Gewölbe, Bogen für (patens) und clausuni die Rede ist. War näm-
gleichbedeutend. Ianus sei demnach der Gott lieh der Himmel heiter, unbewölkt, so sprach
des Himmelsgewölbes und von den Etruskern, man von einem caelum apertum, im ent-
die wahrscheinlich Erfinder des Bogen- und Ge- gegengesetzten Falle von einem caelum elau-
wölbebauesgewesenseien, von dem ursprünglich 10 sum (vgl. I/ucr. 6, 817: aperta promtaque
etruskischen Ianiculum aus , unter Nurna nach caeli. Cic. de divin. 1 , 1 : patens caelum ex
Rom gekommen. Als Himmelsgott sei er auch omni parte atqite apertum intueri. Vol. Flacc.
Gott des Anfangs, des Ursprungs aller Dinge, 1, 655: emieuit reserata dies caelumquc resölvit
und Quellengott geworden, weil die irdischen arcus; mehr b. Röscher a. a. 0. S. 121 Anm.
Wasser vom Himmel kommen und jvon ihm 469). Was könne nun einfacher sein als die
genährt werden. Den Ianus cpiadrifrons be- Vorstellung, dafs der Wind, welcher den
zieht Deeclce nach dem Vorgange ..der Alten Himmel bald mit Wolken bedeckt, bald davon
auf die vier Weltgegenden. „Das Öffnen und befreit, der Öffner und Schliefser des himni-
Schliefsen des Tempels beim Beginne und lischen Hauses sei? (Vgl. Ovid f. 1, 681: cum
Ende des Krieges" betrachtet Deeclce (S. 127) 20 serimus caelum ventis aperite serenis). Er-
in etwas gesuchter Weise „als Symbol der Off- wäge man nun, dafs der Wind oder Luftzug
nung der Schranken des Weltalls, wenn Ianus, ebenso die als himmlische Thüren gedachten
der Gott der Himmels- und Weltordnung ge- Wolken wie die Thüren der menschlichen
zwungen ist, gegen die bösen Mächte draufsen Wohnungen bald öffnet, bald zuschliefst, so
zu kämpfen, der Schliefsung, wenn die Ruhe dränge sich uns fast von selbst die Vermutung
draufsen hergestellt ist". ' auf, dafs Ianus ein altitalischer Windgott sei,
Corssen {Ausspr. etc. 1 -, 212), der fest an die zumal da es bisher an einem solchen einheit-
Richtigkeit der Ableitung von der Wurzel div lieh gedachten Windgotte in der italischen
(vgl. auch Pott, E. F. 1, 99. 2, 207. Ploix, Kat. d. Religion fehle. Diese Vermutung sucht nun
dieux99. Grafsma/rm, Z. f. vgl. Spr. 11, 9. 16, 161) so Moscher durch die Vergleichung mit dem
glaubt, erkennt dagegen in I. „den Gott der griechischen Hermes, den er als Windgott er-
Grenzen von Raum und Zeit, insbesondere der wiesen zu haben glaubt, zu stützen. Die ver-
Zeitgrenzen, die durch die Lichtwechsel der schiedenen Vergleichungspunkte sind kurz
Sonne und des Mondes bestimmt werden, wie folgende. Dem thürhütenden Ianus dürfte zu-
Anfang und Ende der Jahre, Monate, Wochen nächst deutlich der an der Thüre des grie-
und Tage". Er meint, dafs I. eben mit B.ück- chischen Hauses Wache haltende 'Egurjg ozqo-
sicht auf diese Lichtwechsel als „lichter Gott" yaiog, Ttvlrjdöxog, der als Windgott die Thüre
oder „himmlischer Gott" bezeichnet worden bald öffnet, bald, schliefst (Boscher, Hermes
sei. „Da nun aber Ianus auch die Gottheit 91 f.) und vor allen Dingen wie ein Thürhüter
der Raumgrenzen auf der Erde war, daher der 40 die sich etwa einschleichenden Diebe abwehrt,
Thüren und Thore, so ist es begreiflich, dafs entsprechen. Dem Ianus als rector viarum
von ihm ein Thor oder Durchgang, bei dem (Macrob. 1, 9, 7), dem zu Ehren auf den be-
sein Brustbild zu sehen war(?), Ianus genannt lebtesten Strafsen iani, auf den Kreuzwegen
wurde, wie Wein durch Bacchus, Brot durch iani quadrifrontes mit doppelküpfigen oder
Ceres, Liebe durch Venus, Kampf durch Mars vierköpfigen Ianusbildern errichtet waren, ist
bezeichnet wurde." Härtung {Bei. d. B. 2, 219) der Wegegott Hermes vergleichbar, der eben-
und Klausen (Aeneas 710) halten Ianus für einen falls oft mehrköpfig (E. zgiyjqicüog, rsrQctiis-
Gott des Anfangs, oder für den Urgott schlecht- yalog) dargestellt wurde. Ebenso wie Ianus
hin; Mommsen, B. G.3 1, 163 fafst ihn als wurde auch Hermes öfters als Doppelherme
„Geist der Eröffnung". Eine von allen bis- 50 gebildet. Die Darstellungen beider Götter
herigen Deutungen abweichende Erklärung ist standen sich so nahe, dafs z. B. Augustus
neuerdings, wenn auch mit vorsichtiger Re- einen solchen Doppelhermes des Skopas oder
serve, von Boscher in seiner Schrift Hermes Praxiteles aus Ägypten nach Rom brachte und
der Windgott (Leipzig) 1878 S. 119 ff. versucht hier als Ianus aufstellte (Plin. h. n. 36, 28).
worden. Boscher geht aus von der Griechen Vgl. auch den doppelköpfigen Windgott Boreas
und Römern gemeinsamen Vorstellung einer auf einer Vase (ob. Bd. 1 Sp. 809 f.). Da ferner
Himmelspforte {nvlui ovgccvov, porta caeli), vom Winde das Gelingen der Opfer und die
welche bei Homer von den Hören bald ge- Hörbarkeit der Gebete abhängt*) (vgl. Boscher
öffnet, bald geschlossen wird. Unter den a. a. 0. S. 122), so ist dem Hermes sowohl
Thüren dieser Pforte *) sind natürlich die co wie dem Ianus die Erfindung des Opferritus
Wolken zu verstehen (vgl. II. E 749: avzo- und Götterdienstes zugeschrieben worden. Vgl.
fiazca d's nvlcti (ivy-ov ovqcivov, öis l%ov Hermes als „precum minister" (Welcher, Sylloge
wqcci, zf]g HiizhzQttnzat. fisyag ovQctvög Ovlvu.- epigr. gr. 136) mit Ianus als viam pandens
*) Auch der Rigveda kennt Götterthore (1, 13, C. *) /(. 0 b49 xvUsrpl o" Ix rtiäiov ,'ivi^ioi ipi(ir,r
142, 6. 2, 3, 5 etc.). Ebenso die germanische Mythologie; odnavuv iiow. ib. A 317. Ap. RIi. 1, 43S f. Vayu
MannhanU, Germern. Mythen 255. 266 f. 287. 3S9 ff. (wo heilst im Rigveda 8, 26, 21 Titas pati = Herr des Opfers,
deutlich die Wolken als Himruelsthüren erscheinen, deren Dieselbe Vorstellung scheint dem Opfer Kains und Abels
Pfortner St. Petrus (= Ianus?) ist). 3S4f, 100 ff. etc. zu Grunde zu liegen.
47 Ianus (Kritik d. neueren Deutungen) Linus (Kritik d. neueren Deutungen) 48
deorum ad audientiam (Amol). 3, 29) und als ständnis seinea Wesens zu gelangen. Hierzu
preces supplicum per portas suas ad deos ipse kommt noch, dafs fast alle soeben dargelegten
transmittens (Nigid. b. Macrob. 1, 9, 9). Vgl. vor Deutungen verschiedenen Bedenken unterliegen,
allem auch Serv. 7,610: alü Ianum aerem cre- Namentlich scheint mir dies bei der Deutung
dunt, et qiiia vocis genitor (vgl. Hermes als des Ianus als Sonnen- oder Himmelsgott der
Erfinder der Sprache!) habeatur, idcirco man- Fall zu sein. Um mit dem ersten von Preller
dari ei preces nostras ad eos pterferendas. angeführten Grunde zu beginnen, dafs Ianus
Des Ianus Verhältnis zu den Märkten die maskuline Parallele zu Iana, d. h. der
Italiens und den daselbst verkehrenden Wechs- Mondgöttin, sei, so ist diese Annahme zwar
lern und Händlern erinnert an den Hermes 10 an sich, d. h. lautlich möglich, doch ist erstens
äyogalog der griechischen Städte. Dem Matu- die Form Iana (s. d.) = Diana nur schlecht
tinus pater scheint der ebenso wie der Wind bezeugt und vielleicht nur einer ruythologisch-
am frühen Morgen geborene Hermes zu ent- etymologischen Spekulation zuliebe konstruiert
sprechen. Der Ianus Consivius und duonus (vgl. Varro r. r. 1, 37, 3 and Matcröb. 1, 9, 8 pro-
cerus findet eine Analogie in dem Hermes, nuntiavit Nigidius Apöllinem Ianum esse Dia-
kon welchem die Befruchtung der Pflanzen namque Ianam), zweitens nimmt es wunder,
und Tiere abhängt. Sogar für den \Epfiijs dafs diese etymologische Verwandtschaft zwi-
ipv%07ioa7t6g findet sich eine Parallele im Vor- sehen Ianus und Diana (Iana) keine nrytho-
stellungskreise des Ianus, welcher nach Prae- logische Verwandtschaft beider Gottheiten er-
textatus b. Io. Lyd. mens. 4, 2 zag dttozEQug 20 zeugt hat, und drittens würde die Parallele
ipvxüs stl zbv asXrjvuniiov x°Q°v BMonspnsi, Ianus und Diana (Iana) das offenkundige Ver-
was unverkennbar an den pythagoreischen hältnis des Ianus zu den iani und ianuae
'EQfifie zotjiiag läv ipvxäv ■ ■ ■ [ös] eleitE/uta zerreifsen, zumal da Diana in gar keiner Be-
Ütcö zäv ocoixäzwv rag ^pv^ctg . . . tag v.a&aQocg ziehung zu diesen Begriffen steht.
ini zbv vrpiazov x. z. X. erinnert. Auch im Nicht minder hinfällig oder bedenklich ist
Kultus beider Götter kommen Ähnlichkeiten der zweite von Preller angeführte Grund, der
vor, beiden werden vorzugsweise Widder ge- sich wesentlich auf Macrob. 1, 9, 9 qui. exo-
opfert; beiden sind vorzugsweise die Neumonde riens aperiat diem , oeeidens claudat stützt, in-
(Kalenden) geheiligt. sofern hier eine ganz späte, wahrscheinlich
__.,„, , „ 30 nur aus eingebildeten Theorieen entstandene,
I. Kritik der modernen Deutungen. 80ngt nicht nilcliweisbare Vorstellung eines
Fragen wir jetzt, welche der soeben ange- Mythologen (Nigidius) vorgeführt wird. Wenn
führten meist physikalischen Deutungen An- Preller u. a. drittens aus der von Osten nach
spruch auf unsere Billigung machen können, Westen laufenden Axe des alten Ianus Geminus
so scheint mir keine einzige derselben volle am Forum auf einen Sonnengott schliefsen, so
Befriedigung zu gewähren; ja es ist sogar ist dem nicht blofs entgegenzuhalten, dafs diese
nach unserer oben gegebenen Darstellung in Lage zufällig und lediglich aus örtlichen Ver-
hohem Grade zweifelhaft, ob wir überhaupt hältnissen erklärbar sein kann, sondern auch,
in Ianus einen alten Naturgott anerkennen dafs sie sich möglicherweise aus der gewöhn-
dürfen. Wie wir gesehen haben, lassen sich .10 liehen Anlage der altrömischen Bauten, nament-
alle einzelnen Funktionen des Ianus auf die lieh der Villen, erklärt, deren Front, wie wir
beiden Grundbegriffe eines Schutzgottes oder sahen (Sp. 30 A. **), in der Regelnach Ostenge-
Genius der Thüren und eines solchen der An- richtet war. Vielleicht hängt diese ost-west-
fänge zurückführen, und der letztere Grund- liehe Richtung des alten Markteingangs mit
begriff ist aller Wahrscheinlichkeit erst aus der dem Templum zu Grunde liegenden Vor-
dem ersteren hervorgegangen. Dafs ein solcher Stellung zusammen, dafs die Ostseite die glück-
häuslicher Schutzgeist der Eingänge und An- verheifsende sei (Müller-Deccke , Etruskcr2 2,
fange ganz wohl ohne ein Natursubstrat 131 f.), daher man, um ein günstiges Omen für
wenigstens bei den Italikern denkbar .ist, alle auf dem Markte betriebenen Angelegen-
lehren zahlreiche Analogieen, namentlich Vesta 50 heiten zu gewinnen, durch eine östlich ge-
(= Hestia), die göttliche Personifikation des richtete Pforte ein- und auszugehen liebte.
Herdfeuers und Herdes, Cardea, die Göttin der Auch der vierte Grund, die Verehrung des
cardines, Limentinus der Gott der limina, Ter- Ianus als Matutinus, braucht nicht notwendig
minus der Gott der Grenzen und viele andere auf einen Gott der aufgehenden Sonne bezogen
göttliche Wesen, welche uns namentlich die zu werden, sondern kann sich recht wohl
Indigitamenta kennen lehren (s. oben Sp. 30). ebenso wie die Verehrung an den Kaienden,
Was hindert uns also bei dem völligen Zu- im ersten Monate des Jahres u. s. w. aus der
sammenfallen des Namens und des Appella- Bedeutung des Ianus als Gottes aller Anfänge
tivums (Ianus und ianus) au ein ähnliches erklären (s. oben Sp. 37 ff.). Genau dasselbe
Verhältnis zu glauben, wie es uns bei 'Eazi'a 60 gilt von Ianus als Quellengott, den wir oben
und fffTt'o: entgegentritt, oder, mit anderen auf Grund sprachlicher Thatsachen einfach aus
Worten, was hindert uns anzunehmen, dafs der Vorstellung vom Öffnen und Schliefsen
ebenso wie der Begriff des Herdes und Herd- (der Wasseradern) zu erklären gesucht haben,
feuers in 'Eazia und Vesta so auch der Be- zumal da eine Beziehung des Sonnengottes zu
griff des Eingangs in Ianus zu einem göttlichen Quellen bei Griechen und Italikern sonst so
Wesen sich steigern konnte? Nötig ist es gut wie unerhört ist. Der Gedanke Schweg-
also entschieden nicht für Ianus nach einem lers endlich, dafs, wenn Ianus kein Sonnengott
Natursubstrat zu suchen, um zum vollen Ver- wäre, die altlatinische Religion eines solchen
49 Ianus (in d. Kunst: doppelköpfig)
entbehrt haben würde, ist schon deshalb hin-
fällig, weil Mars (s. d.) aller Wahrscheinlich-
keit nach von Haus aus ein Sonnengott und
mit Apollon nahe verwandt ist. Gegen die
Deutung (Deeckes) des lanus als eines etruski-
schen Gottes des Himmelsgewölbes spricht
nicht blofs der Umstand, dafs Ianus sich durch-
aus nicht als ein rein etruskischer Gott er-
weisen läfst (s. oben Sp. 28), sondern auch,
dafs es sehr fraglich erscheint, ob der Himmel
aufser von Ennius jemals als einfacher Bogen
{ianus, fomix, arcus) gefafst worden ist.*)
Anders läge die Sache, wenn nicht der ein-
fache Bogen, sondern vielmehr das Kuppel-
gewölbe (tholus, hemisphaerium) Symbol des
Ianus wäre. Der einfache Bogen könnte höch-
stens Symbol des Regenbogens (arcus caeli)
sein, zu welchem Ianus jedoch keine nach-
weisbaren Beziehungen besitzt. — Die Corssen-
sche Deutung des Ianus als Gott des Licht-
wechsels beruht einerseits auf einer zweifel-
haften Etymologie**), anderseits auf einer zu
abstrakten, unseres Wissens nie sonst zu einer
göttlichen Persönlichkeit ausgebildeten Vor-
stellung. Was endlich meine eigene, vor Jahren
gegebene Deutung betrifft, so dürfte zwar
nicht zu leugnen sein, dafs sie mehr charakte-
ristische Eigentümlichkeiten des Ianus zu er-
klären vermag als die anderen physikalischen
Deutungsversuche, doch scheint sie mir, wie
schon oben hervorgehoben, bei der eigentüm-
lichen Richtung der römischen Religion auf
Personifikation und Vergöttlichung aller mög-
lichen, im häuslichen Leben wichtigen Begriffe,
unnötig zu sein, womit ich jedoch nicht bestimmt
in Abrede stellen will, dafs doch vielleicht dem
alten Thürengotte ein (nur nicht mit Sicherheit
nachweisbares) Natursubstrat zu Grunde liegen
könne. Vgl. Mannhardt, German. Mythen 236 f.,
wo nachgewiesen wird, dafs der Donner- und
Blitzgott Thor germanischer Thürengott war.
K. Ianus in der Kunst.
A) Doppelköpfiger Typus. Bildwerke,
welche Ianus darstellen, sind, abgesehen von
den Münzen, im ganzen höchst selten. Das
älteste in dem numanischen Ianus Geminus
des Forums aufgestellte Bild (jedenfalls ganze
Figur) mit Doppelkopf kennen wir nur aus Be-
schreibungen von Schriftstellern (s. oben Sp. 17) 50
und vielleicht aus dürftigen Münzbildern (vgl.
Eckhel, D. N. VII 119). Dafs es sich in diesem
Falle um eine sehr alte, noch zu Plinius' Zeit
vorhandene Statue handelt (vgl. Varro l. I.
5, 165) geht deutlich aus den Worten dieses
Schriftstellers (h. n. 34, 33) hervor: fuisse . . .
statuariam artem familiärem Italiae quoque et
*) Vgl. Gic. de orat. 3, 40, 162 quo in genere . . fugienda
est dissimilitudo : ,Cacli ingentes fornices* : quamvis sphae-
ram in scenam . . attulerit Ennius, tarnen in sphaera
fornicis similitudo non potest inesse. Hieraus folgt,
dafs die Bezeichnung des Himmels als fornices (statt
tholus, hemisphaerium, sphaera) ganz Singular und unzu-
treffend war. Oder meinte Ennius etwa den Regen-
bogen ?
**) Eine gauz schlagende Etymologie von ianus,
ianua und Ianus ist noch nicht gefunden, doch kann
man sich allenfalls einstweilen an der alten Ableitung
von i (ire) genügen lassen.
Ianus (in d. Kunst: doppelköpfig) 50
v et us tarn indicant. ... Ianus geminus a rege
Numa dicatus digitis ita figuratis ut CCCLV
(andere lesen CCCLXV) dierum nota, per signi-
ficationem anni , temporis et aevi sc deum in-
dicaret. Vgl. Lyd. de mens. 4, 1: rij fisv ös^iä
TQiuxoeias rf] äs IziQa i^rjv.ovza uivxt
tlir](povg ctQi&novvTa ojansg xov iviavxov; ebenso
Said. s. v. 'luvovctQiog und Macrob. 1, 9, 10.
Ist demnach die Lesart CCCLV bei Plinius
10 richtig, da er ausdrücklich von dem alten von
Numa gestifteten Bilde redet, so dürfen wir
im Hinblick darauf, dafs erst Cäsar im J. 46
das aus 365 Tagen bestehende Jahr einführte,
wohl annehmen, dafs man später (wie es
scheint, erst nach Plinius) die Stellung der
Finger der linken Hand so änderte, dafs statt
LV die Zahl LXV (oder LVVV?) dargestellt
Ianus bartig auf einem rüm. Libralas (nach Mommsen,
Eist, de la monn. rom. trad. par le Luc de Btacas pl. V —
Baumeister, Denkrn. S. 964 nr. 1153).
wurde. Was den Ausdruck und die Auffassung
des Kopfes betrifft, so dürfen wir ihn uns
wohl nach Mafsgabe des Doppelkopfes auf
den ältesten römischen Libralassen etwa aus
der zweiten Hälfte des 4. Jahrb. bärtig (vgl.
Ovid f. 1, 259 propexam ad pectora barbam)
und ernst mit auffallend grofsem , wie es
scheint, aufmerksam beobachtendem Auge vor-
stellen. Vgl. die schönen Abbildungen der
ältesten Ianusmünzen in d. Wiener Kumismat.
Ztschr. 15 (1883) Taf. 1 Fig. 12 u. Tai'. 2
Fig. 1—3. Seit d. Jahre 268 treten an die Stelle
der alten Libralasse die sogen. Trientalasse,
deren Typus ein wenig verändert wird, indem
der Ianuskopf jetzt mit dem Lorbeerkranze
(Claudian. 28, 641 ore coronatus — gemino.
Sidon. ca. 7, 11: dupilicique accingere lauro)
ausgestattet und darüber das Wertzeichen I
gesetzt ist (Baumeister, Derikm. S. 712 hält
dieses Wertzeichen irrtümlich für einen Stab).
Ahnlich auf Gemmen; vgl. Töllccn nr. 1397.
Vielleicht gehört in diese Reihe auch der
51
Linus (doppelköpfig , bartlos)
Ianus (in ganzer Figur)
52
Ianus bärtig auf e. runi.Triental-
as (nach Mommsen, hht. etc.
pl. XXII, 7 = Baumeister, D.
S. 066 nr. 1166).
von manchen für Zeus erklärte Doppelkopf
(etwa lebensgrofs) im Palazzo Spada zu Rom,
abgebildet in E. Brauns Ant. Marmorwerken
1. Dekade Taf. 3a u. 3b, besprochen von
Overbeck, Eunstm. Zeus S. 91 f. Matz-Duliu,
Roms ant. Bildw. 32; vgl. auch Müller, Hdb.
d. Arcli. 407, 2. Sind hierher auch die Ianus-
herme Tmpr. d. I. 4, 86 {Müller a. a. 0.) u. die ob.
(Bd. 1 Sp. 2416) von Scherer auf Hermes bezogene
Gemme (Doppelge-
stalt , bärtig mit
Petasos und Stab)
zu stellen? Neben
diesem bärtigen
Doppelkopf begeg-
net auf Münzen,
z. B. denen von Vo-
laterrae (s. oben
Sp. 28), und auf rö-
mischen Familien-
münzen (Klausen,
Aeneas 715 Anm. r),
sowie auf Gemmen
(Töllcen nr. 139S),
noch ein jugend-
licher, dem un-
bärtigen Hermes ähnlicher Typus bisweilen mit
einem ziemlich flachen, oben in eine Spitze aus-
laufenden Petasos (vgl. Cat. of grecle coins in
the Brit. Mus. Italy S. 9—11. Deiche, Etruslc.
Forsch. 2 S. 90. 125 Taf. III nr. 42. Müller-
Wieseler, T>. a. K. 1, 63, 327). Ganz ähnlich,
nur dafs das eine Gesicht bärtig, das andere
jugendlich ist, sind die beiden oben (Hermes
Sp. 2416) von Scherer auf Hermes SixEyaXos
bezogenen Doppelköpfe auf Gemmen, in welchen
vielleicht auch Ianus anzuerkennen ist. Ebenso
erscheint auf den asses des aes grave von
Mittelitalien ein jugendlicher bartloser Doppel-
kopf (mit Diadem?); vgl. Catalogue a. a. 0.
S. 48 u. 49. S. auch die röm.-campan. Münzen
heiBabelon, Moni),
de la rep. I S. 21 ff.
sowie die Münze
der Fonteia ib. I
S. 499.
Überhaupt ist
Ianus (oder die mit
ihm identificierte
Doppelherme?) zu
einem häufigen
Münzbilde vieler
Städte Italiens, Si-
eiliens u. Griechen-
lands geworden ;
vgl. Drakon von
Kerkyra b. Athen.
692DE(=Ä(sto(/(.
z. Od. 1533, 3): zmv xaT« zriv'EXlcidct noXlctg no-
Xtig Mal räv xara zrjv IzaXCav y.a.i Hiv.sXtav sitl
zov i'Ofxi'cfiaros hy%ctQ<xxz£iVKQÖGa>nov äixicpaXov
Httl EX &IXTEQOV {IZQ0V$ 1] G^SÖiKV 7} GZEtyCtVOV
~rj nXoiov. In der That finden wir diese Notiz
durch erhaltene Münzen bestätigt. Besonders
interessant ist das youthful juniform head,
law. (Hermes?) auf Silbermünzen von Syra-
kus (Head pl. VI, 5) aus der Zeit des Timo-
leon (Cat. of the gr. coins in the Brit. Mus.
Ianus jugeudlich mit Petasos
auf e. Münze v. Volaterrae (nach
Deeoke, Etrusl: Forsch. Taf. 3, 12).
Sicihj 186. Vgl. auch die nach 212 geschla-
gene syrakusanische Münze mit head of Ianus,
bearded and wearing ivreath (Head pl. XIV,
13) Cat. a. a. 0. S. 229. Von panormita-
ni sehen Münzen sind folgende 'Typen zu er-
wähnen: a) 06c. ram Standing r. between his
legs head of Ianus; Period of Decline; Cat.
a. a. 0. 122. — b) Ohr. head of Ianus, law.
above I; Bei: F-R [= PORTVS? PORTVNVS?]
10 mithin laurel-ureath; Cat. a. a. 0. 124; vgl.
ebenda S. 126 ff. Ebenso erscheint Ianus auf
Münzen von Amphipolis (das eine Gesicht
bärtig, das andeie unbärtig? Cat. of greel: coins
Macedon. 50), Thessalonike (ib. S. 112) und
sonst (vgl. Imhoof-Blumcr, Monnaies grecques
S. 252).
Aufser dem alten numanischen Doppelianus
am Forum, der durch die Stellung seiner
Finger die Zahl der Tage des Jahres andeutete,
20 finden sich noch andere doppelköpfige Typen
in ganzer Figur. Hierher gehört der Typus,
welcher nach Analogie der ianitores in der
Rechten einen Stab (baculum, virga; vgl. auch
die Münze des Ant. Pius Ecldiel, D. N. VII, 16, wo
die virga als ha-
sta gedeutet wird;
vgl. Cohen, Med.
imp.-2,S56;eben-
so des Pertinax
30 ib. 141 ; Cohen,
Med. imp."3, 392
mit der Inschrift
lano Conservat.),
in der Linken
einen Schlüssel
oder umgekehrt
hielt (vgl. Ovid
/. 1, 99 illc teneilS Ianus ^ ganzer Gestalt anf e. He-
baculum dextra daillon des Commodus (nach 67er-
■10 Clavemque Sini- liard, Denkm. u. F. Taf. UV, nr. S).
stra; ib. 228 cla-
viger ; vgl. ib. 254. Macrob. 1, 9, 7. Io. Lyd.
de mens. 4: vvv fiiv kXsis [v.XsWa, xlttV?]
zfj Ss^iä cptQovtcc; ebenso Suid. s. v. 'Iavovci-
giog), ferner der höchst merkwürdige, oben
Sp. 38 besprochene Typus auf Münzen des
Commodus*) (Ianus mit Doppelkopf, das eine
Gesicht bärtig, das andere unbärtig, hält
in der L. einen Stab, die R. legt er auf einen
50 Ianusbogen, aus welchem die vier Jahreszeiten
herausschreiten [Mythogr. Vat. 3, 4, 9 Ianus
. . . anni ianuam pandat], ihnen entgegen
kommt ein Knabe mit Füllhorn = Novus
Annus), endlich der Ianus auf den Münzen
des Gallienus (Eclchel , D. N. 7, 396; Cohen,
a. a. 0. 5, 376) : „Ianus bieeps vultu uno bar-
bato cdtero imberbi stans togatus d. patcram,
s. seeptrum." Wie der von Augustus aus
Ägypten nach Rom gebrachte Ianus Pater
fio von der Hand des Praxiteles oder Skopas
(oben Sp. 26) aussah, wissen wir nicht, wahr-
scheinlich war auch dieser ein Geminus und
eigentlich ein Doppelhermes (s. oben Sp. 46).
Höchst beachtenswert ist eine im J. 1847 zu
Cortona aufgefundene und daselbst im öffent-
*) Comniodus liefs sich auf Münzen auch selbst als
Ianus darstellen {Echhel, D. X. 7, 110).
53 Ianus (4köpfig; Entstehung d. Ianustypus)
liehen Museum aufbewahrte „statua aenea Tus-
cae originis", welche Detlefsen, de arte Roman,
antiq. 1 p. 21 (vgl. auch Lorini, di due Sta-
tuette in bronso ed inscritte rinvenute presso le
mura di Cortona; Cortona 1855) folgender-
niafsen beschreibt: „iuvenis bifrons imberbis
nudus, torque tantum et caligis omatus , leni
passu incedens, qici dextram protendit, sin. fe-
mori admovet."
B) Vierköpfiger Typus (quadrifrons,
zizgäpogcpog Lyd. d. mens. 4, 1. Suid. s. v.
'Iavovdgtog). Das älteste Beispiel dieses Typus
ist der alte aus Palerii nach Rom gebrachte
und später auf dem Forum Transitorium auf-
gestellte Ianus.
C) Entstehung der Ianustypen.*)
Schon mehrfach ist behauptet worden, dafs
die Form des Doppelkopfes keine echtitalische
Erfindung (wie Mommsen, B. G.s 1, 163 und
Detlefsen, de arte Born, antiq.^ part. 1 p. 21 an-
nehmen), sondern nur die Übertragung eines
schon der griechischen Kunst geläufigen Typus
(der Doppelherme) sei. Obwohl sich diese
Ansicht nicht mit voller Sicherheit beweisen
läfst, ist sie doch als in hohem Grade wahr-
scheinlich zu bezeichnen, da sich in der That
in der griechischen Kunst schon seit sehr
alter Zeit derartige Doppel-
köpfe nachweisen lassen**),
daher es durchaus falsch ist,
wenn Ovid (f. 1, 90) von Ianus
sagt: nam tibi par nulluni
Graecia numen habet. Natür-
lich berücksichtigen wir in
der folgenden Aufzählung von
Doppelköpfen nicht die, wel-
che zwei verschiedenen Göt-
tern angehörende Gesichter
verbunden zeigen, sondern
nur solche, welche entweder,
wie Lucian (Iupp. trag. 43)
Sagt, SlZZol Mt CtflCpCOZ£gCO&£V
ofiowi sind, oder welche ein und dieselbe
Persönlichkeit in verschiedenem Lebensalter
(d. h. jugendlich ohne Bart oder männlich
mit Bart) darstellen.
a) Arg os doppelköpfig auf einer echt-
archaischen schwarzfigurigen Amphora, be-
sprochen von Overbeck, Kunstmyth. d. Zeus
S. 476; desgl. auf einem späten Vasengemälde
aus Ruvo (Argos hat ein bärtiges und ein
jugendliches, unbärtiges Gesicht), Overbeck
*) Die Alten hatten von der Entstehung des doppel-
kupfigen Ianus die verschiedensten und abenteuerlichsten
Ansichten; vgl. Bio Cass. bei C'edren. 1, 295, 10 ff. Bekk.
Ilerodian 1, 16. Oe. f. 1, 113 ff. Mytliogr. Vat. 3, 4, 9. Aug.
c. <l. 7, 8. Sern. A. 7, 610. Aumn. cd. 9.
**) Auch die ägyptische und phüDikische Kunst kennen
ianusaitige Doppelköpfe; vgl. z. B. den doppelköpfigen
Besä (Bd. 1 Sp. 2887, 64,; Catal. of engrav. gems in the Brit.
Mus. nr. 189), sowie den doppelhäuptigen El oder Kronos
auf Münzen von Mallos {Imhoof- Blumer, Maüos Megarsos etc.
Paris 1S83 S. IC f. u. 36 Taf. 5, 15 = Annuaire de la soc.
Franc, de numismat. annee 1883; oben Bd. 1 Sp. 1226, wo
die Doppelküpfigkeit als Symbol der Wachsamkeit ge-
fafst ist). Vielleicht war auch das älteste Apollonidol zu
Amyklai (mit 1 Armen und 4 Ohren) ursprünglich ianus-
artig gebildet und hatte nur durch Zufall sein zweites
GeBicht eingebüfst, wie M. Mayer, Giganten S. S3 vermutet.
Ianus (Analogieen d. griech. Kunst) 54
a. a. 0. S. 478. Dieser Typus des Argos ist
deshalb für die Entstehung des Doppel-
gesichts besonders bezeichnend, weil es keinem
Zweifel unterliegt, dafs in diesem Falle der
Doppelkopf die unermüdliche, nach verschie-
denen Seiten gerichtete Wachsamkeit und
Aufmerksamkeit des Wächters der Io aus-
drücken sollte.
(3) Boreas erscheint doppelköpfig auf der
io oben Bd. 1 Sp. 809/10 besprochenen Vase
schönen Stils. Wahrscheinlich erklärt sich
diese Doppelköpfigkeit des Boreas aus den
Worten des Theophrast de vent. 27 ff. : ßogiov
Münze v. Athen
(nach Gatalogue of
Greek Coins, Atti-
ca, Taf. 2, Mg. 10).
El (Kronos) doppel
köpfig auf e. Münze
von Mallos (nach
Annuaire de la so-
cie'te frone, numism.
1883. PI. 5, 15).
nvsovzog Ttgog zov poQictv. . . . Evia%ov
. . . avzinvoiai yivovzai zä>
ßogsa dia zr\v itsgMctoiv, coorz
%ai svavziodgoiiEiv za nloia,
xa&äntg xal mgi zov nogov
zov in Xal-xidog elg QgcoTibv,
20 ot!g di] Httlovoi nalifißog sag. Weibl. Doppel-
y) Eine sehr alte Münze köpf auf einer
von Athen ist geschmückt mit hocharchaischen
„janiform fcmale heads of ar-
cliaic style, ivearing earrinys" ;
Catal. of the coins in the Brit.
Mus. Attica p. 5 ; Taf. 2 nr. 10.
ä) „Double Ute de femme", archaische
Münze von Lampsakos bei Imhoof- Blumer,
Monnaies grecques S. 248. Vgl. auch die ozifkn
30 yvvaixst'cc Siv.ägr]vog iv zy nögza zov hixgzqov
flavogfiov bei Codinus de sign. p. 62 Bonn.
i) „Tete de Ballas ä deux faces", kili-
kisehe(?) Münze bei Imhoof - Blumer a. a. O.
S. 371; Taf. G nr. 11.
f) Münzen von Rhegion, beschrieben im
Cat. of greek coins in the Brit. Mus. Italy
S. 381, zeigen „janiform fe-
male heads law. and each wea-
ring modius, Stephane, earring
io and necklace".
n) Hinsichtlich der Darstel-
lungen des ähnlich wie Ianus die
einfachen und die Kreuzwege
bewachenden 'Egf.ifjg Si-nscpulog Doppelkopf des
und zszgaxicpalog, welch letzte-
rem man den Typus des Ianus
quadrifrons vergleichen kann,
Uli
m km
bärtigen u.
bärtigen Diony-
sos auf einer
- Münze von Te-
verweise ich aut den Artikel nedos (n. Gard-
Hermes (Bd. 1 Sp. 2415 f.); vgl. „er, types of Greek
50 auch oben Sp. 53, 10 ff. coins. PI. io, 43).
&) Bärtige geflügelte Doppel-
büste (Kronos oder El) auf einer Münze von
Kainarina (?); Gerhard, Ges. alc. Abh. 1, 160
Taf. 9, 3. Vgl. ebenda Taf. 43, 23, Bd. 2
S. 540. S. oben Sp. 53 Anm.**.
t) Münzen von Tenedos zeigen einen ianus-
artigen Doppelkopf des bärtigen und unbärtigen
Dionysos; Gardner, Typ. Taf. 10, 43, Hcad,
E. N. 476, Imhoof- Blumer, Monn. gr. S.269, der
60 wohl unrichtig den unbärtigen Kopf als 'femi-
nine' fafst. Vgl. Collect. A. Castellani nr. 1082.
k) Auf Münzen von Thasos aus der 1. Hälfte
des 4. Jahrhunderts {Catal. of greek coins in the
Brit. Mus. Thrace S. 221 nr. 51 f.) sieht man
ein „janiform head of bald and beardeel Satyr".
I) Über Hängegewichte in Form von Doppel-
köpfen s. Friederichs , Berlins ant. Bildtc. 2
nr. 923 u. 923b (S. 208).
55 Iao Iapetos 56
Auf Grund dieser teilweise sehr alten Ana- zu erkennen, das ja deutlich durch Deukalion,
logieen der griechischen Kunst ist es allerdings des Prometheus Sohn, der aus der Flut gerettet
in hohem Grade wahrscheinlich, dafs die Ita- wird, auf ihn zurückgeführt wird. Diese Auf-
liker ihre Typen des Ianus bifrons und quadii- fassung des Iapetos bietet auch die einzige
frons an ihnen bekannte ähnliche oder gleiche annehmbare Erklärung für seinen Namen.
Typen griechischer Götter (namentlich des Denn aus dem Griechischen hat sich bis jetzt
Hermes) angeschlossen haben. [Röscher.] keine befriedigende Ableitung desselben finden
Iao {'lad) 1) der Jehova der Juden; Bio- lassen. Das Etym. 31. leitet ihn ab von
dor 1, 94, 2. — 2) Phönikischer Name des Cnxm = ßlänrco, oder von idxzco = i'i]iii, senden,
Dionysos bei den Chaldäern; Lyd. de mens. 4, 10 schicken, schleudern. Bald soll er die Schwer-
es. — 3) Name des Helios in einem Orakel kraft, bald die Bewegung der Himmelskörper,
des Apollo Clarius bei Macrob. 1, IS, 18 ff. oder die Flut, oder den Wind, oder endlich
[Höfer.] — [Lobeck, Aglaoph. p. 461; vgl. auch den Repräsentanten der abgefallenen, unglüek-
ayyili 7igcorsvov{'>) Zrjvbg uiydXoio 'lad in liehen, deni Verderben preisgegebenen Mensch-
dem ersten der von Parthey (Abh. d. Berl. heit bezeichnen, vgl. Schoemann, Die hesiod.
Ak. 1866 S. 109 ff.) herausg. griech. Zauber- Theog. S. 205, Upusc. 2, 269 ff. K. 0. Midier,
papyri Zeile 300 S. 128. Mehr darüber jetzt Griech.I/itt. 1,161 übersetzt: der Herabgestürzte
bei Burcsch, Klaros, Untersuch, z. Orakelwesen = das von seiner Glückseligkeit herabgestürzte
d. spät. Alt. S. 48 — 53, wo auch die neuere Litte- Menschengeschlecht. Vgl. Benfey , Griech.
ratur angeführt ist. R.] 20 Wur:ellexikon 1, 391; Fr. Windischmann,
Iaoii ('iüav) tötet sich selbst beim Heran- Ursagen der arischen Völker S. 8; Schwcnck,
nahen des Deriades; Komi. Bion. 32, 234. Griech. Mythol. S. 2. Ganz zu verwerfen ist
[Röscher.] die Gleichsetzung von Iapetos und Iupiter.
lapetides J('/a7r£Tt(J^g?), kephenischer Sähger Unter solchen Umständen hat am meisten
auf der Hochzeit des Perseus von Pettalos ge- die Annahme für sich, dafs in Iapetos der
tötet. Andere lesen Lampetides für Iapetides, Name des Noachiden Japhet stecke. Diese
Ovid. Metam. 5, 111. [Höfer.] Ansicht haben namentlich Welcher, Griech.
lapetiouides ('lansnoviäng) heifst als Sohn Götterlehre 1, 744 ff., Buttmann uud Schoemann
des Iapetos (wegen der Form des Patronymi- vertreten, und mit guten Gründen. Iapetos
kons s. Göttling zu Hesiod. theog. 528): 1) Pro- 30 wäre dann ursprünglich nicht eine Titanen-
metheus Hesiod. a. a. 0. op. 54. Apoll. Bliod. gottheit, sondern in gewissem Sinne eine
3, 1087. Julian, in Antli. Plan. 88, 6. — historische Persönlichkeit, deren Name den
2) Atlas Ov. Metam. 4, 632. [Höfer.] Griechen von Asien her bekannt geblieben
Iapetionis s. Iapetos. oder von Kleinasien her, wo japhetitische und
Iapetos ('lanEzös), einer der Titanen, Sohn semitische Stämme unter einander lebten, be-
des Dranos und der Gaia. Bei Homer er- kannt geworden sei. Der Name Japhet um-
scheint er mit Namen nur einmal in Gemein- fasst nach der mosaischen Völkertafel (Genes.
schaff mit Kronos als in den Tartaros ver- 10, 2— 5) die Völker des Nordens uud Westens,
stofsener Titane, IL 8, 479. Wen Homer und in derselben erscheinen auch eine Reihe
aufser diesen beiden noch zu den Titanen io von Namen unzweifelhaft griechischer Stämme
zählte, läfst sich aus den wenigen Erwähnungen unter den Nachkommen Japhets.
nicht mit Bestimmtheit ermitteln (s. Titanen). Dazu kommt der Name, der in einigen
Wir sind also auf die späteren theogonischen Stellen der Gattin des Iapetos beigelegt wird.
Systeme angewiesen. Als förmliches System, in Diese heilst bei Apollodor 1,2, 3 f. Schal, vet.
welchem sich Volkssage und theologische Eon- zu Lykoplir. Alex. 1283 Asia, Tochter des
struktion schwer trennen lassen, erscheint bereits Okeanos und der Tethys, was jedenfalls auf
die Genealogie bei Hesiod, Theog. 507. Als Gattin eine enge Verbindung mit Asien hinweist. Bei
des Iapetos erwähnt dieser die Okeanine Kly- Pruklos zu Werke und Tage 48 ff. heilst die-
mene, als Sühne Atlas, Menoitios, Prometheus selbe auch Asopis, Tochter des Asopos, also
und Epimetheus, deren Namen, Epitheta und 50 Enkelin des Okeanos und der Tethys. Proklos
Schicksale in diesem Zusammenhang kaum schreibt dem Iapetos 29 Kinder zu, darunter
eine andere Deutung zulassen, als die von die Anchiale, Eponyme der gleichnamigen
Personifikationen der menschlichen Eigen- Stadt in Eilikien, Stcph. Bys. s. v. Wenn
schatten, die sie bezeichnen, womit nicht aus- dagegen Buphagos. Heros eponymos eines
geschlossen ist, dafs nicht der eine und Flusses in Arkadien (Paus. 8, 27, 11), ein Sohn
andere, z. B. Atlas, in der ursprünglichen des Iapetos und der Thomas heifst, so ist
Sage schon eine andere Bedeutung, nämlich daraus für das Verständnis des Iapetos nichts
die des Trägers des Himmels gehabt habe. zu entnehmen.
Sind aber im hesiodischen System die vier Eine weitere Stütze erhält Welckers Auf-
Iapetiden Repräsentanten der vier Haupteigen- eo fassung durch die Forschungen von E. Suess
schaffen des Menschen, der mutige Träger (Die Sintflut, eine geologische Studie, Prag
Atlas, der übermütige Trotzkopf Menoitios, 1883). Dieser weist nämlich nach, wie die
der klugberechnende, gewandte Vordenker Traditionen anderer Völker keineswegs zu der
Prometheus, und der a^agtivoog Epimetheus, Behauptung berechtigen, dafs die Sintflut über
der zu spät bedenkt, so liegt es nahe in den Unterlauf des Euphrat und Tigris hinaus,
Iapetos neben Kronos, dem Stammvater des oder gar über den ganzen Erdkreis gereicht
Göttcrgeschleehtes, der Zeusreligion, den Ur- habe; es ergebe sich das aus einer Episode
yatcr des ersten Menschengeschlechts des Epos vom Helden Izdubar. Dagegen ist
57
Iapetos
Iardanos
58
es unzweifelhaft, dafs kleinere Sintfluten in
verschiedenen Teilen der alten Welt zu ver-
schiedenen Zeiten stattgefunden haben. „Die
Kushiten," sagt Maspero (Gesch. d. Orient.
Völker, deutsch v. Pietschmann S. 143), „waren
zuerst aus der gemeinschaftlichen Wiege ge-
gangen. Sie kamen von Osten und stiegen
von jenem Hochland herunter, von dem alle
edeln Rassen der alten Welt ausgegangen
sind. Sie brachten die Erinnerung an ihr
jenseits des Oxus gelegenes Vaterland und an
die grofse Sintflut mit, die sie von dort ver-
trieben hatte, und verbreiteten sich allmäh-
lich über Armenien, Arphaxad bis nach Meso-
potamien und an den persischen Meerbusen."
Die Flutsage erscheint demnach um ganze
Völkergenerationen älter als nach dem bibli-
schen und chaldäischen Bericht. Damit ist
nicht ausgeschlossen, dafs in Mesopotamien
selbst durch eine Flut (Suess) die alte Sage
neue Gestalt gewann, und mit Ausbreitung
der Noachiden wanderte dann auch die Flut-
sage nach. Westen. Die mitgebrachte Sage
wurde an Ortliehkeiten der neuen Heimat an-
geknüpft, die den Gedanken an eine ehemalige
Flut nahelegten oder in denen die Einwanderer
selbst eine grofse Flut erlebten (Thessalien);
aber die Generation, über welche die in die
neue Heimat verlegte Flut hereinbrach, mufste
dann naturgemäfs jünger sein, als der Stamm-
vater der Einwanderer, Japhet. So wird der
aus der noachischen Flut gerettete Noachide
Japhet in der griechischen Flutsage seiner-
seits der Stammvater des neuen Noah-Deu-
kalion, des Flutmannes.
Dafs aber Japhet in der griechischen Mytho-
logie aus dem Stammvater eines weitverzweigten
Völkerstammes durch den allein geretteten
Deukalion der des ganzen Menschengeschlechts
wird, bietet der Gleichsetzung von Iapetos mit
Japhet keine Schwierigkeit, da ja im Altertum
jedes Volk gerne sich für den alleinigen Ver-
treter des Menschengeschlechtes nimmt. Aber
wie kommt denn Iapetos unter "die Titanen,
die doch die vor den Olympiern herrschenden
Götter sind? Das deukalionische Menschen-
geschlecht gehört der Periode der Zeusreligion
an. Mit dem Untergang der Herrschaft des
Kronos, sagt Welcher, hat auch das trotzige
Geschlecht dieser Periode , d. h. die unmittel-
baren Nachkommen des Iapetos, einem neuen
Geschlecht (dem des einzig guten Promethiden
Deukalion) Platz gemacht. „Andere Götter
bedingen auch ein anderes Menschengeschlecht,
darum mufste auch Iapetos als Repräsentant
des früheren, und als solcher ein Titane und
Bestandteil der früheren Ordnung, eines ab-
gelaufenen Weltalters, untergehen. Bedeutsam
genug ist, dafs nur er, der Stammvater der
Menschen neben Kronos, demderGötter,
namhaft gemacht wird." Bedeutsam ist aber
auch, und spricht mit für die Richtigkeit von
Welckers Auffassung, dafs die Griechen schon
frühzeitig durch eine abweichende Genealogie
ihr Geschlecht statt auf den Titanen vielmehr
auf Zeus zurückzuführen bestrebt sind, s. Deu-
kalion (Sp. 997, 26 ff.), Ees. frrjm. 5 Goettling
= 2iPsach, Apollod. 1, 7, 3. Der Hymnus auf
Apollon endlich (v. 335) spricht den Satz aus,
dafs von den Titanen die Menschen und Götter
stammen.
Iapetos ist in der griechischen Mythologie
eiue der farblosesten Gestalten, und wird auch
aufser der Homerstelle fast nur als Vater des
Prometheus und seiner Brüder erwähnt; aufser
Klymene (Hesiod. a. a. 0.) und Asia (Apollod.)
wird als seine Gattin noch genannt Asopis
10 (s. o.) und Libye; sonst erscheint sein Name
meist nur unter denen der übrigen Titanen
(s. diese und aufser den genannten Stellen
Biodor 5, 66. ProMos in Plat. Tim. 5, 295 D
= Orph. fr gm. 8, 21 ff. [= fr. 95 Abel].
Teetz. Lylcophr. 1277. Verg. Georg. 1, 279).
Infolge der später häufigen Verwechslung der
Titanen mit den Giganten erscheint er in
späten Quellen auch unter diesen: Hyg. praef,
Serv. ad Verg. Georg. 1, 279. Stat. Theo. 10,
20 916. Nach Silüts Ital. 12, 148 ist er nicht im
Tartaros, sondern unter der Insel Inarime ge-
fesselt. Vgl. endlich Volcker, Mythol. des Iapet.
Geschlechts S. 4 ff. — Max. Meyer, Giganten
und Titanen S. 52 verwirft die Gleichsetzling
des Iapetos mit Japhet und beschränkt sich
auf das Geständnis, derselbe entziehe sich vor-
läufig noch jeder Beurteilung. [Weizsäcker-.]
Iapis, Sohn des Iasos, Liebling des Apollon,
Arzt des Aeneas, Verg. Aen. 12, 391. Die.
so Handschriften und Ausgaben variieren zwischen
Iapis und Iapyx (s. d.); Servius hat Iapix.
Vgl. Iasides 4. [Stoll.]
Iapyx ('/äxro|). 1) Der Heros Eponymos
von Iapygia in Unteritalien, Sohn des Lykaon,
Bruder des Daunios und Peuketios, mit denen
er eine Kolonie nach Italien führte, Anton.
Lib. 31. Oder: ein Kreter, Bruder des Ika-
dios, der nach Italien zog, Serv. V. Aen. 3,
332. 11, 247 (in der 1. St. heifst er Tapys, in
40 der 2. Iapyx). Oder: ein Sohn des Daidalos
und einer Kreterin, der die Kreter anführte,
welche mit Minos, als er den entflohenen
Daidalos verfolgte, nach Sicilien gezogen waren
und von da nach des Minos Tod nach Unter-
italien verschlagen wurden, wo sie sieh nieder-
liefsen, Strab. 6, 279. 282. Plin. N. H. 3, 11,
16. Solin. 8. Vgl. Herodot 7, 170. Atlien. 12,
522 ff. — 2) s. Iapis. [Stoll.]
Iai'bas (Iarba) Sohn des Iupiter Amnion und
50 einer garaniantischen Nymphe, König der Gä-
tuler zu der Zeit, wo Dido nach Afrika kam.
Er verkaufte den Platz von Karthago an Dido,
bekriegte aber die Stadt, da Dido, von Liebe
zu Aeneas erfafst, seine Bewerbung zurückwies.
Verg. Aen. 4, 36. 196. 326. Serv. zu 1, 367. 4,
36. Ov. Her. 7, 125. Fast. 3, 552. lustin. 18, 6.
Meltzcr, Gesch. d. Karth. 1, 477. f Stoll.]
Iardanos ('Idgäavog/lctQSavwg), 1) Vater der
lydischen Königin Omphale, Apollod. 2, 6, 3.
go Steph. B. v/'Tön. C. I. Gr. 5984 B. Bei Hero-
dot 1, 7 heifst sie Sklavin des Iardanos. Nach
Nile. Bamasc. bei Müller, hist. gr. fragm. 3, 372,
28 stand Iardanos im Verdacht, den lydischen
König Kamblitas aus Feindseligkeit durch
böse Künste zu einer solchen Gefräfsigkeit
gebracht zu haben, dafs er sein eignes Weib
verzehrte. [Hinsichtlich des semitischen Ur-
sprungs dieses Iardanos s. Ed. Meyer, Gesch.
59 Iaribolos Iasion 60
d. Alt. § 257 Anm. Röscher.] — 2) Die Wiese griech. Stämme 2, 350; vgl. 0. Crusius, Bei-
und das Grab eines Iardanos {Cuitius, Pelop. träge zur griech. Mythologie und Beligions-
2, 82 vermutet Dardanos) wurde im tnpky- geschichte (Programm, Leipzig 1886) S. 21
lischen Elis am Flusse Akidon oder Akidas Anm. 3.
gezeigt, Strab. 8, 347. 348. Müller, Orchom. 372. Bei Ilom. s 125 ff. wird unter den Sterblichen,
Dieser Flufs Akidas soll früher Iardanos ge- die von Göttinnen geliebt worden sind, Iasion
heifsen haben (lJaits. 5, 5, 5. 5, 18, 2), und die genannt, zu dem sich Demeter auf dreimal
Wiese und das Grab werden wohl auf den geackertem Saatfeld in Liebe gesellt habe;
Flufsgott Iardanos, der hier geherrscht, Bezug Zeus aber habe ihn mit dem Blitzstrahl er-
haben. Iardanos ist übrigens ein semitischer 10 schlagen. Das letztere Motiv gehört gewifs nicht
Flufsnarne in Lydien {Stepih. B. s. v.), in Elis dem ursprünglichen Mythus an, sondern der
und auf Kreta, Preller, Gr. Myth. 2, 226, Bur- daraus entwickelten Sage, die aus dem Dämon
sian, Geogr. 2, 272. [Ed. Meyer, Gesch. d. Alt. 1 einen Heros machte. {(Je. Met. 9, 422 läfst I.
§ 293. R.] [StolL] als Liebling der Göttin alt werden.) Nach Äs.
Iaribolos {'lugißcolog), eine semitische Gott- Theog. 969 ff. wird das Beilager in Kreta ge-
heit, welche auf zwei Inschriften von Palmyra halten, und die Frucht desselben ist Plutos,
erscheint und von einigen mit dem Dens Lunus der auch sonst in Verbindung mit Demeter
identifiziert wird. Vgl. C. I. G. 4483: mg diä genannt und im Gebete angerufen wird (vgl.
ravza [iaQTVQri&?)vui vtzo &bov 'ictqißcoXov etc. Hymn. hom. in Cerer. 488 ff. Ar. Thesm. 295.
ib. 4502: iirifiiXririjg aigs&slg "Ecptag 7t»jyjjs 20 Slcol. 3 aus Athen. 15,694 0). Die agrarische
vitb 'iagtßäXov rov &sov. Mehr unter Hierobo- Bedeutung dieses isgog ydfiog hat zuletzt W.
lus und Ba'al ob. Bd. 1 Sp. 2877. [Röscher.] Mannhardt, Myth. Forsch. S. 238 ff. nachge-
Iarmogius . falsche Lesart bei Urelli 5072 wiesen, indem er, wie Breiter, Gr. M.s S. 638,
statt Harmogius oder Marmogius; s.Harmogius. dafür zugleich die Verehrung der Demeter
[Röscher.] Chamyne zu Olympia {Paus. 6, 21, 1) geltend
Iasens ('Taasvs), ein Phoker, der dem in macht. In Olympia gab es einen Altar der
Phokis einwandernden Phokos, S. des Aiakos, idäischen Daktylen, die von Kreta dahin
ein guter Freund ward. Beide waren auf dem gekommen sein sollten: unter diesen auch
Gemälde des Polygnot in der Lesche zu Delphi Iasos (s. d, und vgl. Paus. 5, 14, 7. 7, 6).
dargestellt. Paus. 10, 30, 2. [Stoll.] so Diodor 5, 77 (vgl. c. 49) führt die tjber-
lasides {'laaiätjg), Beiname 1) des Amphion lieferung an, dafs Plutos von Demeter und
(s. d. 2.) Hom. Od. 11, 28.3 und schol. das. Iasion in Tripolos {vnä Ivi zginolco) auf
Eust. Od. 1684, 5S. — 2) des Dmetor, eines Kreta geboren sei; Ov. Am. 3, 10, 25 erzählt,
angeblichen kyprischen Königs, Hom. Od. 17, die Göttin habe den Geliebten zuerst gesehen,
443. Eust. Od. 1826, 36, vgl. Ameis, Anhang als er am kretischen Ida gejagt habe. Wenn
zur Odyssee z. d. a. St. — 3) des Steuer- endlich Schol. Theokr. 3, 50 Iasion der Sohn
mannes Palinurus, Verg. Aen. 5, 843 und Sere. des Minos und der Phronia(?) genannt wird, so
das. — 4) des Arztes des Aeneas Iapis (bei liegt auch hierin eine Anerkennung des kre-
Serv. keifst er Iapix, noch andere schreiben tischen Anspruchs auf die Sage; von einem Kul-
Iapyx, Verg. Aen. 12, 392. — 5) des Adrastos, 40 tus des I. auf Kreta ist allerdings nichts bekannt.
Stcd. Tlteb. 1, 541. 6, 889. — C) des Phaidi- Dagegen läfst sich ebensowenig der Gegen-
mos, der vor Theben fällt, Stat. Theb. 8,439. — beweis führen, da die Ansprüche von Saino-
Der Plural 'Laaiäai bedeutet allgemein Nach- thrake auf I. noch unsicherer sind. Für
kommen des Iasos = Argiver, Stra.bo 8, 6, 9 diese ist als iältester_ Gewährsmann Hellanikos
p. 371; bei Stat. Theb. 2, 254 sind Iasides zu nennen, dessen Überlieferung sich freilich
= Argiverinnen. [Höfer.] schwer feststellen läfst. Denn dafs er I. einen
Iasion {'laalcov). Diese Form ist überliefert Kreter genannt habe, darf aus fr. 58 {Schol.
bei: Hom. a 125. Theokr. 3, 50. Ski/mnos und Eustath. z. Hom. e 125) nicht geschlossen
681. Strab. 7, 331 fr. 50. Diod. 5, 48 f. 77. werden; eher geht das Gegenteil daraus her-
Apollod. 3, 12, 1. Schol. Apoll. Bhod. 1, 916, so vor, dafs nach ihm Zeus und die Atlantide
917. Eustath. z. Odyss. 1528. Schol. Hom. s Elektra die Eltern des I. sind (HfitgaheiEustatli.
125. Steph. Bys. s. v. Jagöavog u. ndqtov; ist ein offenbarer Fehler), dieselben, die er im
Iasion bei: Ov. Met. 9, 422. Hyg. fab. 270. 1. Buche seiner Atlantis als Eltern des Dar-
poet. astr. 2, 4; 'läaiog bei: Hes. Theog. 970. danos bezeichnet hat (fr. 56 aus Schol. Hom. £
Paus. 5, 7, 6; lasius bei: Verg. Aen. 3, 107 486); wenn dagegen beim Schol. Apoll. Bh. 1,
und Serv. zu Verg. Aen. 1, 380. 3, 15. 167. 916 {fr. 129) Hellanilcos ausdrücklich für die
7, 207. Ov. Am. 3, 10, 25; "Iaaog bei: Dion. Namensform 'HlEY.TQvuvn citiert wird, so löst
Hai. ant. rom. 1, 61 und Baus. 5, 14, 7; end- sich der Widerspruch, wenn wir diesen Namen
lieh fälschlich 'leiaav bei Con. 21 und Iason bei auf die Insel Samothrake beziehen, von der
Hyg. f. 250. Die Ableitung des Namens von co der Name 'HXs-nvQLg bei Schol. Dion. Perieg.
tivai billigt u. a. Welcher, Götterlehrc 1, 693, 524 angeführt wird (vgl. Apollon. Bh. 1, 916:
bestreitet aber Pott, Ztschr. f. vgl. Spr. 0, vfjcog 'HlixrQng 'Ar?.avriSog). Damit erst wäre
341; die von tdoixcu billigt u. a. 0. Müller, Hellanilcos als Gewährsmann für die Lokali-
Orchomenos2 S. 260, bestreitet Düntser, Ztschr. sierung der Sage in Samothrake sicher er-
/'. vgl. Spr. 14, 201 ff.; die von lui'vco hält für wiesen, wobei auch die Möglichkeit nicht aus-
wahrscheinlich u. a. W. Mannhardt, Mythol. geschlossen ist, dafs er die Atlastochter aus
Forschungen S. 240; von ]/i „gehen" leitet Arkadien hat einwandern lassen, wie dies
den Namen ab H. D. Müller, Mythologie der JJion. Hol. antigu. rom. 1, 61 von den Brüdern
Gl Iasion Iasion 62
Dardanos und Iasion selbst erzählt, während 3, 50; weiter aber nichts. Dagegen hält 0.
Demagoras (fr. 1 aus Schol. Eur. Phoen. 7) Müller, Orchomenos'2 S. 452, indem er I. mit
ihre Mutter aus Libyen nach Samothrake ver- dem Argonauten Iason gleichsetzt (vgl. S. 260),
setzte. In Bezug auf die Herkunft des I. ihn für eins mit Kadmilos (Kasmilos = Kad-
stimmen mit Hellanikos fast alle Späteren mos), dem Vater der Kabiren (nach Akusilaos)
überein : er gilt als Sohn des Zeus und der u. nennt wiederum Iasion selbst einen samothra-
Elektra, als Bruder des Dardanos und Be- kischen Kabiren. Auch II. D. Müller, Mythol.
wohner von Samothrake bei Athenikon (b zu der griech. Stämme, zweifelt nicht an der Identi-
Zafio&gaKiix yqut'ag Müller, fr. h. 4, 345) im tat von Iasion und Iason (2, 348 f.), ist aber
Schol. zu Apoll. Rh. 1, 916. Strab. 7, 331 fr. 50, 10 seiner altargivischen Religion zuliebe geneigt,
Apollodor 3, 12, 1 (daraus Tzetz. Lyk. 29), die Insel Kreta für den Vereinigungspunkt
Con. 21. Skymn. 680 ff. Verg. Aen. 3, 167 dieser Sagen zu halten (vgl. S. 344 ff.). Um
und Serv. z. d. St.; dazu kommt nach samo- seiner Pelasger willen, die er in Kreta nicht
thrakischer Überlieferung als Schwester Har- nachweisen kann, kehrt 0. Crusius in dem
nionia bei Mnaseas (fr. 28) aus Steph. Bys. oben Sp. 60, 1 citierten Programm zu O.Müllers
s. v. JägSavog. Diod. 5, 48. Schol. Apoll. Mh. Ansicht zurück und tadelt Mannhardt, dafs
1, 916 (das. ist neben Hellanikos noch Idomc- er die samothrakische Überlieferung für se-
neus [von Lampsakos?], Verf. von Samothraciea, kundär hielt; ihm ist „der Mythus von Iasion
citiert). Schol. Eur. Phoen. 7, 1129. In den in Samothrake zu Hause" (S. 19). „Der Grund-
Apollonios- und Euripides - Schollen a. a. 0. 20 Vorstellung nach deckt sich der Mythus von
wird noch überliefert, dafs I. ursprünglich den der Vermählung des Iasion und der Demeter
Namen Eetion (s. d.) geführt habe, während völlig mit den analysierten Bestandteilen der
Arrian (bei Eustath. z. Odyss. 1528) Eetion Kadmos-Iason-Sage." Dagegen ist zu bemerken:
einen Bruder des Iasion nannte. Die Schuld Erstens kann die Gleichheit des Namens nichts
des I., die seine Tötung durch den Blitz zur beweisen; denn der Name ist in verschiedenen
Folge hatte, wird in dieser Überlieferung da- Formen und Zusammensetzungen sehr häufig
hin vergröfsert, dafs er mit frevelhafter Gewalt und läfst auch etymologisch so viel Deutungen
die Liebe der Göttin begehrt (Dion. Hai. zu, dafs er in verschiedenen Sagen aus ganz
a. a. 0. Apollod. 3, 12, 1. Strab. a. a. 0.: verschiedenen Vorstellungen geflossen sein
äfictQTLa sig zfr/fir/rpa) oder (euhemeristisch) ihr 30 kann (darum mag auch der argivische Iasos,
Bild umarmt habe (Schol. Apoll. Eh., Conon und obwohl auch er durch Triopas in den Demeter-
Skymnos a. a. 0). Am eigentümlichsten ist kreis sich ziehen liefse, hier aufser Betracht
die Überlieferung bei Diod. 5, 48 f. (Quelle bleiben). Zweitens ist das Motiv geschlecht-
noch unbekannt) behandelt: Auf Samothrake lieber Vereinigung, das in der Iasionsage ohne
leben die Kinder des Zeus und der Atlantide jedes andere verwendet ist, vielen agrarischen
Elektra, Dardanos, Iasion und Harmonia. Mythen, die unabhängig von einander an den
Während Dardanos in Asien ein Reich gründet, verschiedensten Orten entstanden sein können,
wird Iasion von Zeus in den Mysterien unter- gemeinsam und kann demnach nicht die Gleich-
wiesen und wird dann selbst der Mystagog heit des Ursprungs beweisen; gerade dasjenige,
für viele Heroen. Bei der Hochzeit seiner 10 was für die Kadmos- und Iasonsage charakte-
Sch wester Harmonia, die die Götter mitfeiern, ristisch ist, fehlt der Iasionsage gänzlich; etwa
spendet Demeter, die in Liebe zu ihm entbrannt Medeia mit Demeter vergleichen zu wollen, ist
ist, die Getreidefrucht; I. selbst heiratet später durch nichts begründet. Ferner hat Samothrake
die Kybele und erzeugt den Korybas. Nach- noch geringere Ansprüche als Kreta an Iasion;
dem er zu den Göttern entrückt ist, begeben der durch die eleusinischen Mysterien, wie es
sich Kybele und Korybas nach Asien und scheint, beeinflufste Kultus daselbst hat schliefs-
bringen den Kult der grofsen Mutter, die von lieh alle Demetersagen in seinen Bannkreis ge-
Kybele den Namen erhält, nach Phrygien; zogen. Nicht bedeutungslos endlich ist, dafs
nach Korybas werden die Korybanten genannt. nicht Iasion für Samothrake der ältere Name,
Am Schlufs fügt Diodor, nachdem er der Sage 50 sondern Eetion scheint.
von der Geburt des Plutos (s. o.) gedacht, Die tyrrhenisch-pelasgischen Kombinationen
hinzu, dafs Iason, die Dioskuren, Herakles und der hellenistischen Gelehrsamkeit haben I. mit
Orpheus die Weihen empfangen haben. Die- seinem Bruder Dardanos nach Etrurien ge-
selbe Bemerkung in Bezug auf Odysseus findet führt, was von der römischen Sage gern auf-
sich Schol. Apollon. Rh. 1, 917, wo Mnaseas genommen wurde: Bei Verg. Aen. 3, 167
von Patrai (Schüler des Eratosthenes) citiert (vgl. 7, 205 ff.) erzählen die troischen Penaten,
wird, der in dem über Asien handelnden Teil dafs sie aus Italien stammen, wo Dardanos
seiner Periegesis darüber geschrieben hat (Müller, und I. geboren seien; daselbst wird auch der
fr. h. 3, 154 f.). In demselben Scholion ist das Name Corythus genannt, der als Gründer von
Athenikonfragment (s. o. nach dem Lauren- go Cortona in Etrurien (über Cortona s. Ed. Meyer,
tianus, verwirrt im Parisinus) in den Abschnitt Philol. 48, 1889 S. 484 ff.) galt und von den
über die Kabiren eingeschoben, woraus fälsch- Auslegern des Dichters (Serv. zu beiden Stellen)
lieh gefolgert worden ist, dafs Athenikon die Vater des Iasion von der Elektra genannt
Brüder Dardanos und Iasion unter die Kabiren wird; von Cortona soll I. nach Samothrake
gerechnet habe. Dafs die Liebe der Demeter gewandert sein (vgl. noch Serv. zu 3, 15 und
zu Iasion in hellenistischer Zeit unter die 1, 380. Die Notiz des Serv. zu A. 3, 167, dafs
Mysterien von Samothrake gehörte, ergiebt sich Dardanos seinen Halbbruder I. getötet habe, ist
aus der geheimnisvollen Anführung bei Theokr. wertlos). Bei Hyg. f. 270 ist Iasion Ilithii filius
63 Iasios Iason (Genealogie; I. in Iolkos) 64
zu verbessern in Corythi filius; von Hyg. poet. Tochter des Laodikos, nach Andron fr. 15 bei
astr. 2, 4 wird Tkuscus (sie) Vater des I. ge- Schol. Ap. Rh. 1, 45; oder Amphinome bei
nannt; auch hier ist unter dem Tusker Cory- Biod. 4, 50 (Bionys. Skytobr.); oder Arne bez.
thus zu verstehen. Unabhängig von dieser Skarphe (die Schol. Hom. B 532 Mutter des
etruskischen Überlieferung ist die Notiz bei Aison keifst), Variante bei Tzetz. Lyk. 872;
Eustath. zur Odyss. 152S, Iasion sei in Sicilien oder Rhoio, Tochter der Staphylos, bei Tzetz.
umhergezogen und habe den Ackerbau gelehrt Chil. 6, 979. Als seine Schwester wird Hippo-
(vgL d. Art. Triptolemos). lyte von Ibykos fr. 39 bei Schol. Ap. Rh. 1, 287
Übrig bleibt noch die Sage von Parios, genannt, als Bruder Promachos, Diod. 4, 50
dem Gründer der Stadt Parion am Hellespont, 10 = Apollod. 1, 9, 27. Über seine Verwandt-
der nach Eustath. a. a. 0. und zu Dion. Perieg. schaff mit Pelias vgl. bes. Hom. I 254 ff. Pind.
517 (vgl. Steph. Byz. s. v. Tlägiov) ein Sohn Pyth. 4, 142 u. Schol.; mit Phrixos: Schol Ap.
des Iasion sein soll (nach Hyg. poet. astr. 2, 4 Rh. 2, 1162. 3, 359. — Ptol. Heph. bei Phot.
Pareas ein Enkel des L). Crusius a. a. 0. bibl. p. 147, 28 (Mythogr. gr. p. 185, 16)
S. 13 scheint geneigt, auch dies mit der pe- nennt einen Sohn des iason: Argos; über seine
lasgischen Überlieferung zu kombinieren; aber übrigen Söhne s. unten Absehn. 4.
vielleicht hängt die Genealogie damit zu- 1) Iason in Iolkos. Als Iasons Heimat
sammen, dafs Bewohner von Paros, einer alten gilt Iolkos, Hes. Thcog. 997. Pind. Pyth. 4,
Kultstätte der Demeter, an der Gründung von 118. Ap. Rh. 1, 906 u. a. Daher Columclla
Parion beteiligt gewesen sein sollen (Strab. 20 10, 368: Iolcus = Iason, Ov. fast. 1, 491:
13, 588). [Seeliger.] Iason Pagasaeus. Nach der ältesten Überliefe-
Iasios s. Iasos u. Iasion.. rung war Pelias (s. d.) rechtmäfsiger Herrscher
Iasis ("Iaatg), 1) Nymphe der gleichnamigen von Iolkos (Hom. I 256. Apollod. 1, 9, 16 [Phere-
Heilquelle bei Herakleia in Elis, Paus. 6, 22, 4; k.ydesf] Val Flacc. 1, 16); nach anderen hatte
vgl. Strab. 8, 356; s. Ionides. — 2) Beiname Aison dem Pelias die Herrschaft bis zur
der Atalante als Tochter des Iasos, Propert. Volljährigkeit seines Sohnes übergeben, d. h.
1, 1, 10. [Stoll.j Pelias folgte dem Aison als Iasons Vormund
Iaso ('iaaä), die Heilung, Genesung, eine (Schol. Od. (i 69 [Asklepiades?]; hyp. Ap. Sh.
Personifikation aus der um Asklepios (s. d.) Arg. p. 533 Keil); nach der vulgären Über-
versammclten Gruppe der Heilgötter. Sie galt 00 lieferung hatte Pelias seinen Stiefbruder Aison
für die Tochter des Asklepios (oder des Amphia- verdrängt (Hes. Theog. 995 ißgior^g IJ^li'rjg
raos) und Schwester der Hygieia (s. d.), Pana- %cA dtaa&alog; vgl. Mimnerm. fr. 11 bei Strab.
keia, Aigle. Zu Oropos in dem Heiligtum des 1,46); die Eltern aber retteten ihren Sohn
Amphiaraos, der hier auch Heilgott war, hatte vor den Nachstellungen des Oheims, indem
sie zusammen mit Aphrodite, Panakeia, Hy- sie ihn dem Kentauren Cheiron übergaben:
gieia und Athene Paionia einen Teil des AI- Pind. Pyth. 4, 111 ff. und Schol. (Tzetz. Lyl;.
tars in Besitz. Paus. 1, 34, 2. Aristoph. Plut. 175). Jedenfalls ist die Überlieferung von dem
701 mit Schol. Hesych. s. v. Lehrs popul. Aufs. Aufenthalt Iasons bei Cheiron und seiner Mutter
26S2. Preller, Gr. Myth. 1, 431. 2, 361, 3. [Vgl. Philyra und seinem Weibe Cbariklo in der
auch Arch. Z. 35, 141 nr. 1. 2; 149 nr. 23 u. d. ±o Höhle des waldreichen Pelion allgemein m-
Artikel Asklepios und Hygieia. R.] [Stoll.] genommen; von Cheiron soll er die Arzneikunst
iason ('läacov, Gen. -oi>og; ionisch 7;J «reo v). erlernt und davon seinen Namen erhalten haben:
1) Sohn des Aison aus dem Geschlechte des Pind. Pyth. 4, 102 ff. 119. Nein. 3, 53 f. Hesiod.
Aiolos (Hesiod. fr. 40 ed. Rzach bei Schol. fr. 40 bei Schol. Pind. N. 3, 92 (nach Theog.
Find. Nem. 3, 92. Pind. Pyth. 4, 118. Hella- 1000 f. wird Iasons Sohn Medeios von Cheiron
nikos bei Schol. Ap. Rh. 3, 335. Ap. Rh. 3, erzogen). Schol. Od. (i 69. hyp. Ap. Rh. Arg.
357; vgl. auch Schal. Pind. Pyth. 4, 190. Schol. p. 553 Keil Schol. Ap. Rh. 1, 554. Steph. Byz.
Ap. Rh. 1, 143); daher genannt AlaoviSrjg s. v. Albcov. — Der angeblich ältere Name
(Hes. Theog. 993. 999. Pind. Pyth. 4, 217. des Iason „Diomedes" bei 0. Müller, Orcho-
Ap. Rh. 1, 33), Aesonides (Ov. Met. 7, 60. 50 menos" 260 Anm. 2, stammt aus Natalis Comes,
Prop. 1, 15, 17), Cretheia (Kretheus, Vater des myth. 6, S. Diomedes wird als Besieger des
Aison) proles (Val. Flacc. 8, 112). — Et. M. 434, kolchischen Drachens im daunischen Phaiakis
18 wird Iason mit Iaso verwechselt und ein genannt von Timaios bei Tzetz. Lylc. 615. Die
Sohn des Asklepios und der Epione genannt. — Inschrift JiOfirjSrig (auf der Vase b. Gerhard,
Der Name der Mutter schwankt: Alkimede, Auscrl V. 3, 155) wird von Gerhard fälschlich
Tochter des Phylakos und der Minyade Kly- auf Iason bezogen; ebensowenig ist im fr. des
mene nach Pherekydes fr. 59 bei Schol Od. Attius bei Non. 238, 1 s. v. aditusdie Lesart Bio-
ti 69. Schol. Ap. Rh. 1, 45. 230. Stesichoros fr. 54 medes (= [ason, Büntzcr,Zeitschr. f. Altertumsiv.
bei Schol. Ap. Rh. 1, 230 (Alk. T. der Eteokly- 1848 S. 487 und Pyl ebend. 1855 S. 506 Anm.)
mene), ebenso bei Ap. Rh. 1,47. 232 f. Hyg. f. 14 co richtig, s. Ribbeck, fr. tr. z. d. Stelle. — Pind.
p. 44, 9 Seh. f. 3 p. 39, 15. f. 13 p. '44, 6. Pyth. 4, 78 ff. erzählt weiter: Vom Pelion
Val Flacc. 1,297. Ov. Her. 6, 105; oder Poly- kehrt Iason nach Iolkos zurück; in der mag-
mede, Tochter des Autolykos bei Apollod. netischen Landestracht, ein Pardelfell über die
1, 9, 16 (Tzetz. Byk. 175. 872) — danach ist Schulter geworfen, zwei Lanzen in der Hand,
wohl Tlolv^t'jlr] in Hesiod fr. 39 bei Schol. so erscheint der herrliche Jüngling, dem die
Od. fi 69 (aber auch Tzetz. Chil. 6,979) und wallenden Locken über dem Nacken schimmern,
Bolvcprifirj in Herodor fr. 36 bei Schol. Ap. auf dem Markt, umdrängt von dem staunenden
Rh. 1,45 zu berichtigen — ; oder Theognete, Volk. Offen und ehrlich stellt er sich dem
65 Iason (in Iolkos) Iason (als Argonaut) 66
Pelias "vor, der besorgt nur den rechten Fufs Vol. Flacc. 1, 12 ff. (aus derselben Quelle, _# wie
des Jüno-lings beschuht sieht; es ist ihm näm- es scheint). Darin stimmt die gesamte Uber-
lich das Orakel geworden, dafs er durch „die lieferung überein, dafs der König von Iolkos,
herrlichen Aioliden" sterben werde, und weiter, Pelias, in arglistiger Absicht seinen Neffen
dafs er sich vor dem Einschuhigen (.fiovoKQrjmg Iason beauftragte, das goldene Vliefs (s. dar-
Pind. Pyth. 4, 75. Lykopin: 1310. aovoaavSaXog über den Artikel „Phrixos") aus dem Lande
Apollod. X, 9, 16. 'oloneäilog Äp. Eh. 1, 7. des Aietes, Aia-Kolehis (s. , .Argonautensage"
fiovOTtiSiloq arg. Ap. Rh. Arg. p. 533, 9 Keil; 1, 532) zu holen, Hes. Theog. 995 f. Pind.
vgl. die Münzen von Larissa bei Head, hist. Pyth. 4, 159 ff. (das säv tyvxäv [sc. Phrixi]
■mim. 253)zu hüten habe. Darnach schmaustlason iu v.ofiit,ai ist dem Dichter eigentümlich nach dem
fünf Tage und Nächte mit seinem Vater und Schal.). Pherek. bei Schol. Pind. P. 4, 133.
seinen Vettern, bis er am sechsten vor Pelias Ap. Eh. 1, 16. Schol. Od. y, 69 (Asklepiadest)
tritt und die Herrschaft fordert. Dieser ver- u. a. ■ — Glücklich kehrt Iason im Besitz des
spricht ihm die Erfüllung seines Wunsches, erbeuteten Vliefses mit Medeia nach Iolkos
wenn er die ipvxv <I>ql£ov (v. 159 und Schol.) zurück. Nach Hes. Theog. 997 f. hat er hier
und das goldne Vliefs des Widders, der den geherrscht und mit Medeia den Medeios er-
Phrixos über das Meer getragen, aus dem zeugt, den er von Cheiron erziehen liefs.
Lande des Aietes zurückhole. So Pindaros Anders die bereits von Eumelos und Simonides
nicht ohne eigne Zuthat, aber gewifs auch mit fr. 48 (Schoh Ein: Med. 20, vgl. Paus. 2, 3, 10)
altertümlichen Zügen. Die einfache Form der 20 vertretene Überlieferung, nach der Iason und
Sage giebt Pherekydes fr. 60 bei Schol. Pind. Medeia nach Korinth übergesiedelt sind. Moti-
P.i, 133: Pelias veranstaltet dem Poseidon ein viert wird die Übersiedlung von- Iolkos nach
feierliches Opfer und fordert allgemeine Be- Korinth in der Sage durch die Ermordung des
teiligung. Iason, der am Anauros den Acker Pelias (s. Medeia und Pelias — die von Sie-
bestellte, überschreitet, die Sandalen in der sichoros fr. 1 besungenen, an der sog. Kypselos-
Hand, den Flufs, bindet sich dann die eine lade dargestellten ä&Xa enl TLzlia, an denen
an den rechten Fufs, vergifst aber die andere; die Argonauten teilnehmen, stehen im Gegen-
so kommt er zum Opfer. Als Pelias ihn be- satz zu dieser Sagenwendung — ), die in der
merkt, gedenkt er des ihm gewordenen Orakels späteren Tradition als Rache dafür galt, dafs
und fragt den Jüngling am nächsten Tage, 30 Pelias lasons Eltern zum Selbstmord genötigt
was er wohl thun würde, wenn ihm der Tod und ihren kleinen Sohn Promachos getötet
von einem Bürger geweissagt worden wäre. habe, Dionysios Skytobrachion bei Diod. 4, 50
Iason antwortet ihm, er würde ihn nach Aia (— Apollod. 1, 9, 27, vgl. Val. Fl. 1, 730 ff.),
schicken, das goldne Vliefs zu holen. Diese Nach Schol. Eur. Med. 20 hat Akastos, Sohn
Antwort hatte ihm Hera eingegeben, welche des Pelias, die beiden aus Iolkos vertrieben,
die Medeia zur Ermordung des Pelias nach ebenso Apollod. 1,9, 27, während hiervon Diod.
Iolkos bringen wollte (Mrjäeiav xav UeXiao 4, 53 mit der Überlieferung abweicht, dafs
qpövov auch Pind. Pyth. 4 , 250). Auf dieser Iason dem Akastos die Herrschaft über Iolkos
Erzählung beruht auch Ap. Eh. 1, 5 ff. , nur freiwillig abgetreten habe. Mit der ersten
dafs hier die eine Sandale im Schlamm stecken 40 Überlieferung vereinigt sich Apollod. 3, 13, 7,
bleibt; ebenso Apollod. 1, 9, 16, wo der wonach Peleus mit Iason und den Dioskuren
nicht direkt benutzte Pherekydes mit Apollo- Iolkos zerstört haben soll, dies nach Pherekydes
nios vermengt ist; aus Apollodoros stammt (Schol. Pind. Nein. 3, 55; vgl. Nikol. Damast:,
Zenol). 4, 92 und Tzetz. Lyk. 175 (mit Citaten Müller fr. li. 3, 389 und aus ihm Suidas. s. v.
aus Pindaros und Apollonios). Der Hafs der 'Axulävtri : für willkürliche Erfindung hält
• Hera wird bei Apollonios dadurch motiviert, diese Sage H. D. Müller, Mythol. d. griech.
dafs Pelias die Göttin beim Opfer übergangen Stämme 1 , 224). Nach Paus. 2, 3, 11 (Eumelos1})
habe. Ebenderselbe erzählt 3, 66 ff., um der kehrt Iason aus Korinth nach Iolkos zurück,
Hera Freundschaft mit Iason zu motivieren, bei Diod. 4, 55 (Dion. Skyt.) übernimmt sein
uugewifs, ob aus älterer Quelle oder eigner 50 Sohn Thessalos als Nachfolger des Akastos
Erfindung, dafs Iason auf der Rückkehr die Regierung von Iolkos.
von der Jagd die in eine alte. Frau ver- 2) Iason als Argonautenführer und
wandelte Göttin über den angeschwollenen seine Schutzgötter; vgl. „Argonautensage'\
Anauros getragen habe. Ebenso Hyg. f. 12 Da Iolkos allgemein als der Ausgangs-
und Yal. Flacc. 1, 81, nur dafs der Enipeus punkt der Argofahrt gilt (dagegen Jessen
an Stelle des Anauros getreten ist (ebenso S. 33 siehe Abschn. 9), so steht 'die Identität
Hyg. f. 13 und Schol. Stat. Theo. 5,336; des Argonauten Iason mit dem von Iolkos, d, h.
Dracont. Mied. 57: Ister). Die Geschichten dem thessalischen, fest. Das in Erinnerung an
von dem Einschuhigen und dem der Hera er- die Abfahrt der Argo zu Ehren des Zeus ge-
wiesenen Dienst sind verbunden in der Hypoth. 60 feierte thessalische Fest der 'Eraigiäsia wurde
von Ap. Eh. Arg. 533, 10 ff. Keil, bei Hyg. f. auf Iason als den Gründer desselben zurück-
13 und Serv. Verg. Ecl. 4, 34 („flumen"'ohne geführt (Hegesander fr. 25 bei Athen. 13, 572 d);
Namen). Diod. 4, 40 (Dionys. Skytolr.) be- ebenderselbe galt als Stifter eines Tempels
richtet, dafs iason freiwillig aus Ruhmbegierde des 'Aicollmv ««rios bei Pagasai; Kallimachos
auf Abenteuer habe ausgehen wollen und fr. 545b bei Hyg. astr. 2, 37. Die älteste Über-
Pelias ihm diese Fahrt nach Kolchis in der lieferung ebenso wie die spätere Erzählung
Hoffnung geraten habe, sich dadurch des macht Iason zum Veranstalter und Führer des
lästigen Prätendenten zu entledigen, ähnlich Argonautenzugs; er hat die Helden berufen
Röscher, Lexikon der gr. u. röm. Myth'ol. II. 3
67 Iason (als Argonaut) Iason (s. Schutzgötter) 68
und versammelt; Hom. ft 72. Hes. Theog. 992 f. 526. 530, insbesondere lustin. 42, 2. 3 (vgl.
Find. Pyth. 4, 169. Ap. Rh. 1 , 347. 3, 356 f. d. Art. „Medeia").
Apollod. 1, 9, 16. 17. Val. Flacc. 1, 240. Orpli. Iason unternimmt die Fahrt unter dem
304. Daher heifst er, wie Agamemnon, noifiijv Schutze der Hera, die den Helden liebt,
laäv Hom. H 469; Hes. Theog. 1000; vavzäv Hom. (i 72. Schol. Find. Pyth. 4, 156 extr.
anzog Find. Pyth. 4, 188; primae ratis molitor vgl. Ap. Rh. 3, 66. 4, 1152. Die Sage fügt
Ov. Met. 8, 302 (vgl. Philostephanos fr. 29 bei als zweites Motiv den Hafs gegen Pelias hinzu,
Plin. hist.nat. 7 ,207); princeps ille Argonaularum PhcreJcydes bei Schol. Find. Pyth. 4, 133 u. a.
Cic. Tusc. 4, 69. Daher ist sein lemnischer Sohn (s. unter 1.). Hera versammelt die Helden,
(s. u. 6) mythisch Euneos „der gute Schiffer" 10 Find. Pyth. 4, 184. Val. Flacc. 1, 69, hilft
genannt; daher bezeiehnet Propert. 2, 34, 85 ihnen durch die Syruplegaden (Plankten)
mit „Iason" die Argonautica des Varro Ata- Hom. p 72, darnach Apollod. 1, 9, 22. 25.
cinits. Übrigens hat man unserem Helden die Val. Flacc. 4, 682 (anders Apollonios) und be-
Feldherrnwürde streitig gemacht und dem Hera- währt sich auch bei Apollonios als Helferin,
kies zugesprochen, Kikander bei Anton. Lib. 26 3, 210. 818. 922 (vgl. Val. Fl. 5, 363). 4, 753.
und P/ionysios Shytobrach. bei Diod. 4, .41; vgl. 784 ff. 1152. 1199. Aufser dem Altar der Hera
Seliol. Ap. Rh. 1, 1289. Apollod. 1, 9, 19. Auch am Bosporos (Ulpian zu Hern. Lept. p. 468)
der Rhodier Apollonios bringt diese Variante wird auch ein Heiligtum der Hqu 'Agycia in
zum Ausdruck, indem er Herakles auf die Lukanien — wohl auf Grund falscher Etyrno-
Feldherrnwürde zu Gunsten Iasons verzichten so logie — als Iasonische Gründung erwähnt,
läfst (vgl. auch die Meidiasvase unter 10 Strab. 6, 252. Vgl. auch die Inschrift bei
und Bd. 1 unter „Herakles" Sp. 2234, 7. 43ff.), Müller, Orchomenos" 246 Anm. 1. Während
. Was Iasons Thaten auf der Fahrt betrifft, die Hülfe der Hera auf ihrem persönlichen
so wird die Tötung des Dolionenkönigs Ky- Verhältnis zu deniFührer beruht, gilt Athene,
zikos ihm zugeschrieben von Ap. Rh. 1, 1032, wenigstens in der späteren Sage, als Patronin
(darnach Val. Flacc. 3, 240. Hyg. f. 16. 273), der Heldenfahrt, während Pindaros nur die
während andere behaupteten, Eyzikos sei von Hera nennt. Apollonios wird wohl nicht zuerst
den Dioskuren (Schol. Ap. Rh. 1, 1040) oder sie als die Leiterin des Baus der Argo be-
von Herakles (Orph. 525 ff.) getötet worden. sungen haben (1, 19. 110. 551. 3, 340); ihm
[Umgekehrt behauptet Ptolemaios Hephaist. bei so folgten Apollod. 1, 9, 16. Val. Fl. 1, 92, vgl. die
Phot. tibi. 150 a 20, Myth. gr. p. 191, dafs Bildwerke, die den Argobau darstellen. Bei
nicht Polydeukes, sondern Iason den Bebryker- Apollonios geleitet sie statt der Hera das
könig Amykos überwunden habe.] Als Führer Schiff durch die Symplegaden: 2, 537. 598.
der Helden wird er von Apollonios auch mit 602. 612 (vgl. Val. Fl. 4, 682); sonst wirkt
andern Abenteuern der Fahrt in Verbindung ge- sie im Verein mit Hera: Ap. Rh. 3, 7 ff. Val.
bracht, so zum Beispiel mit Phineus (2,410ff.), Fl. 1, 73. 91 ff. u. s. w. Anonymus bei Bährens,
mit Lykos (2, 762) insbesondere auf der Heim- poet. lat. min. 5, nr. 117 v. 3: Iunone et Pal-
fahrt mit dem libyschen Triton, 4, 1701 ff. lade faustis. In Eyzikos war ein Heiligtum
(vgl. Find. Pyth. 4, 20); in Bezug auf das letzte der 'A&rjvv 'iusovirj, Ap. Rh. 1, 900 (s. auch
Abenteuer erzählt Herod. 4, 179, dafs Iason 40 v. 721). Schol. Ap. Rh. 1, 955. 959. Vgl. eine
vor Antritt der Fahrt um deu Peloponnes (?) Erzmünze bei Mionnet, descript. des medailles
gefahren sei, um den delphischen Gott zu be- ant. 2, p. 534 nr. 140, auf welcher die Athene
fragen, und, dabei nach Libyen verschlagen, von Eyzikos geflügelt, mit einem Steuer in
dem Triton einen für Apollon 'zum Geschenk der Hand, hinter ihr ein Schiffsvorderteil, dar-
bestiinmten Dreifufs als Lohn für guten Rat gestellt ist. Über die Athene 'Aai'a s. Fans.
geschenkt habe. Als vorzügliches Zeugnis für 3, 24, 7. — Dosiades, ara 2, 5 (Anthol. Pal.) ■
die Führerschaft des Argonautenzugs galt den und PJtilostratos iun. c. 17 bringen Iason in
Alten, dafs der Name Jasons in lokaler Über- Beziehung zur Athene Chryse, worauf Ed. Ger-
liet'erung an mancher Örtlichkeit der von der hards falsche Erklärung der Vasenbilder,
Argo angeblich berührten Küste haftete; vgl. so Auserl. V. 3, t. 155, beruht. Dagegen findet
z.B. bSbg 'laeovio bei Eyzikos Ap. Rh. 1, 1148 f., ' sich Athene auf mehreren Argonautenbildern:
['Iaaovog ctt'xiiri (?) bei Ptolem. Heph. a. a. 0.] insbesondere auf der dem 5. Jahrhundert au-
ä-agov 'Jaaovtov Strab. 12, 548. Xen. Anab. gehörigen Schale des Mus. Gregor, aus Caere
6, 2, 1, «iJÄOi 'idoovog am Pontos, Timonax (Mon. dell. inst. 2, 35), welche Iason aus dem
bei Seliol. Ap. Rh. 4, 1217, oqoq 'Iaaöviov an Rachen des Drachen hervortanchend darstellt
den kaspiscnen Thoren Strab. 11, 503, be- (s. Sp. 83, 60), vgl. auch die ficoronische
sonders aber die zahlreichen 'laaöria, in denen Cista — ein Beweis, dafs Athenes Beziehungen
dem ersten Seefahrer göttliche Ehren erwiesen zu Iason über den Alexandrinisinus hinaus-
wurden, Strab. 1,45. 11, 501. 531. Schol. Ap. gehen. Ein Apollon 'Iaaöviog wird Schol. Ap.
Rh. i, 1217. Ja man fabelte sogar von einer eo Rh. 1, 966 nach Deiochos fr. 3 erwähnt; ihm
zweiten Fahrt, die Iason in Begleitung des wird ebenso als dem Orakelgott (Herodot. 4,
Thessalos (oder des Armenos aus Thessalien; 179. Ap. Rh. 1, 301. 412 f. 4, 529 ff. 1548.
bei lust. 42, 3 Armenius und Thessalus) oder (lavr-q'iog 2, 493), wie als Patron der See-
der Medeia und ihres Sohnes Medos (s. dar- fahrer (tpßäeiog, BKßiiciog, aKTiog, icöog) eine
über Abschn. 4) nach Kolchis unternommen hervorragende Rolle in den Argodichtungen
haben sollte, um die Herkunft der Iberer und zuerteilt, besonders von Apollonios, z. B. 1,
Albaner, der Armenier und Meder zu erklären, 404. 966. 2, 686 mit Schol. zu v. 6S4, wo
Tacit. arm. 6, 34. Plin. 6, 38. Strab. 9, 503. Herodoros fr. 48 citiert ist. Ein Epigramm des
69 Iason (s. Thaten in Kolchis) Iason (s. Thaten in Kolchis) 70
Agaihias von Myrina (Anth. gr. 4, 3) bezieht Lykophr. 1314 f. — Schol Od. fi 69 (Askle-
sich auf die Argofahrt unter dem Schutze des piad.es'>) giebt die Tötung der feuerschnaubenden
Apollon. Die Tempel des Apollon bei Pagasai, in Stiere als Auftrag des Pelias an Iason an. —
Kyzikos, auf der Insel Thynias und Anaphe (vgl. Unerwähnt bleibt bei Pindaros die zweite
„Argonautensage1, Sp. 519. 525 ; s. auch Ampelius, Aufgabe, nach welcher der Held die Drachen-
lib. mein. 8: Apollontempel zu Sikyon) knüpften ziihne zu säen und mit den aus ihnen
in der lokalen Überlieferung ihre Gründung entsprossenen erzgerüsteten Männern
an Iason und die Argonauten. Von Bildwerken (yrjysvzig, terrigenae) den Kampf zu bestehen
wäre nur die ficoronische Cista zu nennen, wo hatte, einen Kampf, den er dadurch glück-
Apollon von einigen angenommen wird, vgl. E. 10 lieh beendigte, dafs er die Gegner durch
Braun, Die Fic. C, Leipzig 1850, dagegen Ed. den heimlichen Steinwurf zum Brudermord
Gerhard, Auserl. Vasenb. 3 S. 167. Eine Be- reizte. Nach Schol. Ap. Rh. 3, 1372 (vgl.
ziehung Jasons zu Zeus (vgl. auch das Gebet Rohde,Gr. RomanS. 104 nr. 3) hat Eumelos von
bei Pirna. Pyth. 4, 194) findet sich nur in diesem Kampfe gesungen; denn aus ihm sollen
der Einsetzung der thessalischen Hetairideien einige darauf bezügliche Verse des Apollonios
(Athen. 13, 572 d) und in der Gründung eines entlehnt sein; ebendaselbst werden einige
Altars am Bosporos, der zu den Altären der hierher gehörige Verse aus des Sophokles
zwölf Götter (vgl. Bd. 1 Sp. 521). gehört, Melal, Kolclterinnen citiert, vgl. auch Eur. Med. 479.
19, 5 (vgl. noch Hes. Theog. 1002 und B.Kenner- Auch Fherekydes fr. 44 hat von den Drachen-
knecht, Zur Argonautensage [Bamberg 1888] 20 zahnen berichtet; nach Schol. Ap. Eh. 3, 1179
S. 19). Hermes erscheint nur auf bildlichen (vgl. Schol. Pind. Isthm. 7, 13) hat er über-
Darstellungen in Beziehung zu Iason ; vgl. Zoega, liefert, Ares und Athene hätten die eine Hälfte
bass. 45, wenn hierher gehörig (Athene und derselben dem Kadmos (s. d.), die andere dem
Hermes mit dem am Schiff bauenden Mann); Aietes übergeben; Kadmos habe sie gesät und dif
Cab. Dur. 256 (Iason dem Hermes opfernd); emporwachsenden, gerüsteten Männer durch
Mülingen, peint. d. vas. cliv. 7. Über Aphro- Steinwürfe zum gegenseitigen Kampfe gereizt
dite vgl. Abschnitt 4. und dadurch autgerieben. Den Kampf er-
3) Die afrloi 'idaovog in Aia-Kolchis. zählen Ap. Rh. 3, 1320 und nach ihm Apollod.
Während Hesiod (Theog. 994 fi'.) nur von den 1, 9, 23. Ov. Met. 7, 121 ff. (vgl. Heroid. 12,
cxovoivzsg &£&Xoi spricht, die Pelias dem 30 95 ff.). Vol. Flacc. 7, 607 ff. Hyg. f. 22. Lucan:
Iason aufgetragen habe, scheint dem Epitheton 4, 552 ff. Orph. 873 ff. — Während nach Pind.
6Xo6q>Qcav, welches Homer (Od. 10, 131) dem Pyth. 4, 429 ff. Aietes dem Iason selbst den
Airjznf giebt, die Kenntnis von den Gefahren Ort, wo der Drache das Vliefs bewacht, zeigte,
zu Grunde zu liegen, welche Iason durch des in der Hoffnung, dafs der Held bei dem Raube
Aietes Tücke zu bestehen hatte. Von den unterliegen werde, berichtet die vulgäre Über-
Aufgaben, die Aietes dem Iason stellte, er- lieferung (die Darstellung der Kaupaktien und
zählten die Kaupaktien (vgl. Schol. Ap. Rh. des Herodoros siehe unter 4), Aietes habe
3, 521. 523) und mit ihnen übeveinstimmend auch nach der glücklichen Lösung der Auf-
die Sage, soweit sie nachweisbar ist; eine Zu- gaben die Herausgabe des Vliefses verweigert
sammenstellung der Aufgaben s. bei Ap. Rh. 40 und Iason ohne sein Wissen mit Hülfe der
3, 401 ff. und darnach Apollod. 1, 9, 23. Hyg. Medeia das im Areshain an einer Eiche (<pijyds
f. 22. Vol. Fl. 7, 61 ff. (Kritik dieser Über- Ap. Rh. 4, 124) aufgehängte, vom Drachen be-
lieferung bei Grüger S. 11 ff. und Jessen wachte Vliefs geraubt (Belegstellen unter 4).
S. 36ff. s. Abschn. 9.) Die erste Aufgabe be- Nach der einen Überlieferung tötet Iason den
stand in dem Anschirren der erzfüfsigen, Drachen, Herodoros fr. 53 bei Schol. Ap. Rh. 4,
feuerschnaubenden Stiere und dem Pflügen 87 (unsicher ob so die Kaupaktien, s. Schol, Ap.
des Aresfeldes mit denselben. Sie allein be- Rh. 4, 86) Pherekydes fr. 72 bei Schol. Ap.
singt Find. Pyth. 4, 224 ff.: „Aber als Aietes Rh. i, 156. Auch Pind. Pyth. 4, 249 f. erzählt,
den Pflug von Stahl stemmte mit den Stieren, dafs Iason den im Dickicht liegenden (v. 244)
welche von den fahlen Kinnbacken die Flammen 50 Drachen (otpiv ylav-näma nonulovcotov) getötet
lodernden Feuers hauchten und mit ehernen habe, allerdings durch die Zaubermittel (zi%vaig)
Hufen den Boden stampften, führte Iason sie der Medeia; vgl. Eur. Med. 480 ff. (Sqa-Aovza
allein unter das Joch, trieb sie gerade Furchen -uzthutsct sc. Medeia). [In einem Bilde (s.
ziehend und spaltete den Rücken der scholligen Abschn. 10) begegnen wir der eigentümlichen
Erde eine Klafter tief." Hiervon berichteten Wendung, dafs Iason vom Drachen verschlungen
Herodoros fr. 51 bei Schol. Ap. Rh. 3, 594 und und durch der Athene Hülfe wieder ausge-
Pherekydes fr. 71 bei Schol. Ap. Rh. 3, 230 spieen wird, s. Gerhard, Iason des Drachen Beute,
(özi i&liioiioStg oi zctvgoi y.ul nvq nviovzsg) Berlin 1835. Wenn Welcher, Alte Denkmäler
und 411 (7t£vzr]y.ovz6yviov sc. xo TtiSCov), Anti- 3, 378 ff. damit Herakles vergleicht, der den
machos fr. 9 bei Schol. Pind. Pyth. 4, 398 60 Drachen von innen tötet, so widerspricht dieser
(zovg nvQi'nvovg zavQOvg ' Hcpaiaxozkvv.zovg Auffassung die Art der Darstellung, F/asch,
liyn = Schol. Ap. Rh. 3, 409), Sophokles fr. 311 Angebliche Argonautenbilder 25 ff.] Nach der
bei Schol. Find. Pyth. 4, 398 (nach Kon- anderen Überlieferung wird der Drache durch die
jekt.), Euripides Med. 478 f. Dazu kommen Zauberkräuter der Medeia nur eingeschläfert,
die Erzählungen bei Ap. Rh. 3, 1284 ff. so zuerst Antimachos (Schol. Ap. Rh. 4, 156)
und (davon abhängig) Apollod. 1 , 9, 23. Ov. und nach diesem Apollonios und die Spä-
Met. 7, 100 ff. (vgl. Heroid. 12, 93 f.). Val. teren. Jedenfalls erfolgt die Gewinnung des
Flacc. 7, 581 ff. Hyg. f. 22. Orph. 873; vgl. Vliefses durch Raub: Iason der cpäj noQcpv-
3*
71
Jason u. Medeia)
Iason (u. Medeia in Korinth1)
12
gtov kqiov Antli. gr. 15, 25. LyJcophron 1310
■nXlipovrag (vgl. Find. Pyth. 4, 250 v.Xtiptv)
vav.r]v ÖQay.ovrocpQOvgoig EGxtnaGutvnv GvOTicxlg.
luven. Sat. 1, 10: furtivae aurum pelliculae.
4) Iason und Medeia. Iason in Ko-
rinth. Die Liebe der Medeia zu Iason wurde
zum Hauptmotiv der Erzählung. Es liegt be-
reits dem besiodeiscben Berichte zu Grunde,
Tlieog. 992 ff.: v.ovgrjv S' AItjtcio diorgtcptog
ßaai?.fjOg AlaoviSrjg ßovXfjGi &£mv äiiysvzTacov
rjyf nag' AifjTta . . . vgl. v. 99S, ebenso dem
der Naupaktien und des Hcivdoros , Schal.
Ap. Eh. 4, 86, sieber auch dem des Eumelos
(vgl. Bd. 1 Sp. 511) und des Pherekydes (Bd. 1
Sp. 513). Vgl. Find. fr. 172 aus Schol. JEur.
Androm. 796: xal rt»' 'lüoovog tvSo'^ov TtXöov
hY.TtXiaaig i^siXs Mi'jSnav Ix KoXywv S6-
ilwv. — Pindar Pyth. 4, 213 ff. erzählt, die
kyprisebe Göttin habe durch die Iynx, das
Symbol zauberisch erregter, heftig glühender
Liebe, die Medeia verführt, über der Liebe zu
Iason die Ehrfurcht vor den Eltern zu ver-
gessen. Sophokles hat dieses Motiv in den
Kolchides behandelt (vgl. Schol. Ap. Bh. 3,
1040), Euripides in der Medeia benutzt, v. 476ff.;
vgl. bes. v. 527 ff. Vgl. auch Antimachos fr. 10
bei Schol, Apoll. Rh. 4, 156 und die ausführlichen
Darstellungen bei Ap. Eh. 3, 1 ff. und nach
ihm Apollod. 1, 9, 23. Ov. Met. 7, 9 ff. (Heroid.
12, 31 ff.) Val. Fl. 6, 427 ff. Hyg. f. 22. Orph.
870 f. (Siehe unter , .Medeia".) Gegen das
Versprechen der Ehe giebt Medeia dem Iason
die prometheische Salbe, mit der er seinen
Leib gegen das Feuer der Stiere schützen soll,
und erteilt ihm Batschläge, wie er diese be-
zwingen und durch den Steinwurf die Drachen-
saat bewältigen könne, Sophokles a. a. 0. Schol.
Find. Pi/th. 4, 393. 412. Ap. Eh. 3, 1014.
1026 ff. und darnach Apollod. .1, 9, 23. Ov.
Met. 7, 74 f. 17(7. Fl. 7, 449 ff. Insbesondere steht
Medeia dem Iason bei der Überwältigung des
Drachen und der Gewinnung des Vliefses bei.
Als nämlich Aietes die Herausgabe des Vliefses
verweigert und den Argonauten nachstellt,
flüchtet Medeia in der Nacht zu Iason und
führt ihn an den Ort, wo der Drache das
Vliefs bewacht; nach der vulgär gewordenen
Überlieferung wird der Drache durch Medeias
Zauberkräuter eingeschläfert; mit dem zwie-
fachen Baub , dem Vliefs und der Königs-
tochter, flüchtet sich Iason auf die Argo und
segeit ab, Apoll. Eh. 4, 146 ff. (in Überein-
stimmung mit Antimachos fr. 10 nach Schol. Ap.
Eh. 4, 156), und nach ihm Apjollod. 1, 9, 23.
Ov. Met. 7, 149 ff. Val. Fl. 8, 68 ff. Hyg. f.
22 vgl. LyJc. 1317 ctvroy.XrjTOv ägndaag xfpci'iJ«.
Im ganzen wird auch Pherekydes so erzählt
haben, nur dafs nach ihm der Drache getötet
wird; darüber und über Pindars Darstellung
s. ob. unter 3. Abweichend davon lauteten die
Erzählung der Naupaktien und des Herodoros
fr. 53; nach letzterem sandte Aietes den Iason
selbst nach dem Vliefs (wie bei Pindar wohl
in arglistiger Absicht); dieser gewinnt es nach
Tötung des Drachen; Aietes aber ladet die
Argonauten zum Mahle ein, um sie dabei
hinterlistig zu überfallen. Hieran schliefst
sich die den Naupaktien und Herodoros ge-
meinsame Erzählung, dafs Aietes durch die
von Aphrodite in ihm erneuerte Liebe zu
seiner Gemahlin veranlafst worden sei, die
beim Mahl sitzenden Argonauten zu verlassen,
so dafs dieselben die Gelegenheit benutzen
konnten, im Besitze des Vliefses mit Medeia
zu entfliehen, Schol. Ap. Eh. 4, 87. 59. 86.
(Ahnlich Sophokles, der den Absyrtos im Hause
des Aietes ermorden läfst, Schol. Ap. Eh. 4,
io 228.) Nach der euhemeristischen Erzählung
des Dionysios Skytohrachion bei Diod. 4, 48
kommt es bereits in Kolchis-Taarike zum
Kampfe, in dem Aietes fällt, während Iason nebst
anderen Helden verwundet und von Medeia ge-
heilt wird (vgl. Schol. Ap. Eh. 4, 223. 228).
— Die willkürliche , in einigen Funkten mit
Diodor übereinstimmende Darstellung bei Dra-
contius, Medea (Bährens, poet. lat. 5, 192 ff.)
kann unberücksichtigt bleiben. — Über die
so Ermordung des Absyrtos, die von einem Teil
dem Iason zugeschrieben wird, wird ausführ-
lich unter Medeia gehandelt werden; eben-
daselbst über die Entsühnung durch Kirke und
die Hochzeit auf Kerkyra (bez. Kolchis oder
Byzantion). Der Sohn aus dieser Ehe ist nach
Hes. Theog. 1001 Medeios, der dem Cheiron
zur Erziehung übergeben wird. (Medos ist der
Stiefsohn Iasons bei Iustimis 42, 1'; vgl. Paus.
2, 3, 8. Diod. 4, 55. Strab. p. 526.) Hellanikos
30 fr. 30 bei Paus. 2, 3, 8 nannte einen Sohn
Iasons und der Medeia Polyxenos. (Oder ist
vor nargog 'iäeovog ausgefallen MrjSov, so dafs
unter avröv vor TJoXvt,svov der Sohn des
Aigeus zu verstehen ist?) Nach der korin-
thischen (?) Sage haben Iason und Medeia zwei
Söhne Mermeros und Pheres, Paus. 2, 3,
6. 9 (letzteres nach den Naupaktien ; die Frage,
ob diese beide Namen genannt haben, verneint
F. Leo im Hermes 15, 312 Anm. 2). Schol. Für.
40 Med. 118. Apollod. 1, 9, 28. Hyg. f. 25 (Dra-
contius Med. 531 f. ; vgl. Abschn. 5) ; nach Diodor
4, 54 drei Söhne: Thessalos, Alkimenes, Ti-
sandros. Dafs Iason und Medeia in Korinth
geherrscht haben, davon berichteten Eume-
los bei Schol. Für. Med. 10. Paus. 2, 3. 11
und Simonides fr. AS bei Schol. Für. Med. 10 '
und 20 (nach Konjekt. : 6 ä' tV.fr' es Kögiv&ov
oval Mayvnoiuv vaisv, aX6%ov ä\ KoXyjdog
ovv&QOvog aozsog Aeyatov t' avaGGSv); von
50 einer fisroiy.rjGig lig Kogir&ov redet auch Hel-
lanikos fr. 34 bei Schol. Für. Med. 10. Der
letztere scheint nur einen gastlichen Aufent-
halt in Korinth anzunehmen, wie auch Euripi-
des und die Späteren. Nach zehnjährigem
Aufenthalt in Korinth (Diod. 4, 54. Apollodor
1, 9, 28) verlobt sich Iason mit der Tochter
des Königs Kreon — nach Sclrol. Eiir. Med.
20 Tochter des Hippotes, des Sohnes des
Kreon (Diod. 4, 55) — in nacheuripideischer
co Überlieferung Glauke oder Kreusa genannt,
vgl. Schol. Für. Med. 19. Hyg. f. 25 (auf der
Münchner Medeiavase nr. 810 Kgiovrsta seil.
TTffiä, wie Hör. ep. 5, 64: Creontis filia) und
verstöfst Medeia, die sich an ihm durch die
grausame Tötung seiner Braut, deren Vater und
der eignen Kinder- rächt. So lautet die Sage seit
Euripides: das Nähere darüber unter „Medeia".
Die dem Euripides folgende Sage begleitet Me-
73 Iason i in Thesprotien u. Lemnos) Iason (kalydon. Jäger; im Drama) 74
deia nach Athen und schweigt von Iasons Aus- 1, 9, 17. Orph. 474 ff. Val. Flacc. 2, 311 ff.
gang. Doch fehlt es auch nicht an solchen, Hyg. f. 15. Stat. Theb. 5, 335 ff. Myth. Vat.
die die Frage nach seinem Ende beantworteten. 2, f. 133. 199, vgl. auch Ov. Heroül. 6. Propert.
Staphylos von Naukratis (fr. 5) erzählte, dafs 1, 15, 17 ff., aufserdem AsJclepiades fr. 13 bei
Iason, nachdem ersieh auf den arglistigen Ptat Schol. Hom. H 468. (Apost. 11, 98) Niköl. Da-
derMedeia unter das Hinterteil der Argo schlafen ' mask. fr. 18. Aufser Euneos wird als Sohn der
gelegt hatte, von dem herabstürzenden Gebälk Hypsipyle von Iason genannt Nebrophonos bei
erschlagen worden sei, Hypoth. Eur. Med. 1 Apollod. 1, 9, 17 (woher?), statt dessen bei
(vgl. die von Nauck eingeklammerten Verse Hyg. f. 15: Deiphilos (Deipylos coni.), bei
Eur. Med. 1386 ff. vgl. dagegen v. 1396). Neo- in Schal. Find. Kern, hypoth. 2 : Thoas (ebenso
phron (s. Nauck fr. tr. 565) legte der Me- Stat. Theb. 6, 342:' Thoas und Euneos, vgl.
deia die Drohung in den Mund, dafs Iasons 5, 463). Dafs es zwei Söhne gewesen sind,
Leben durch Erhängen enden werde, Schol. bezeugt auch Ov. Herold. 6, 121. Über die Ia-
Eur. Med. 1387. Damit könnte Diod. 4, 54 soniden auf Lsmnos vgl. auch Joh. Töpffcr,
übereinstimmen, wonach sich Iason aus der Attische Genealogie S. 185 ff.
brennenden Königsburg rettet, aber nachher 7) Iason als Teilnehmer an der kaly-
aus Gram durch Selbstmord stirbt. Nach donischen Jagd wird genannt von Apollod.
Hyg. f. '25 verbrennt er mit Kreon und Kreusa 1, 8, 2. Ov. Met. 8, 302. Hyg. f. 173 p. 28,
in der Königsburg. Dagegen erzählt lustinus 14 Seit. Auf einer Münchener Vase (nr. 333,
42, 1 , Iason habe die Scheidung von Medeia 20 Ed. Gerhard, Auserl. Vas. 3, 235. 236. C. I. G.
bereut und sei mit ihr und ihrem Sohn Medos 8139) ist Iason inschriftlich nachweisbar, auf
nach Kolchis zurückgekehrt, wo er den ver- einer Berliner Amphora nr. 1022, Gerhard,
triebenen Aietes in sein Eeich wieder einge- Apul. V. 9 p. 14 (vgl. Anm. 35). wird er von
setzt habe, vgl. Abschn. 2 u. „Medeia". — Apol- Gerhard vermutet. Dagegen fehlt er im tegea-
lonios Sophista im lex. Hom. 156, 18 Bk. läfst tischen Giebelfeld (Paus. 8, 45) und auf der
Iason Stierblut trinken: vielleicht hat er Iason Fran9oisvase.
mit Aison verwechselt- (Diod. 4, 60 = Apollod. 8) Iason im Drama.. Hier ist auf die Zu-
1, 9, 27), oder ist Ai'oovog statt 'läaovog zu sammenstellung im Art. „Argonantensage" Bd. 1
schreiben? Ebenso wie Aison, soll auch Iason Sp. 512f. und, was die korinthische Sage be-
von Medeia verjüngt worden sein, Pherekydes 30 trifft, auf den betr. Abschnitt in „Medeia'' zu
fr. 74 und Simonides fr. 204 in der Hypoth. Eur. verweisen. Unter dem Titel 'Iaatav wird ein
Med. 1. Schol. Ar. eou. 1332; Lykophr. 1315; Stück des Tragikers Antiphon angeführt, Nauck,
Dosiades , Anth. gr. 15, 26 nennt Iason äiaaßog. fr. tr. 615, nach Welcher, Tragödie p. 1043 und
5) Iason und die Iasoniden in Meineke, fr. com. 1, 391 des Komödiendichters
Thesprotien. Die Naupaktien bei Paus. Antiphanes; eine Komödie 'läamv von Alexis
2, 3, 9 berichten, dafs Iason sich von Iol- bei Meineke, fr. com. 1, 316. In den Kdßngoi
kos nach Kerkyra begeben habe; auf dem des Aischylos trat Iason mit seinen Gefährten
gegenüberliegenden Festland, d. i. in Thespro- auf Lemnos trunken auf, Athen. 10 p. 428 f.
tien, soll sein Sohn Mermeros von einer 9) Deutungen und Litteratur. Wenn
Löwin auf der Jagd zerrissen worden sein. 10 der für Iason wesentliche Zug in der Führer-
Auch wird überliefert, dafs Iason mit Medeia schaff der Argo liegt, so hängt seine Deutung eng
im thesprotischen Ephyra gelebt und den mit der Auffassung der Argofahrt zusammen.
Pheres gezeugt, habe, der, wie sein Sohn Solange man diese als historisches Ereignis
oder Enkel Ilos, in Thesprotien herrschte, auffafste, blieb Iason eine historische Person
Apollodoros fr. 170 ed. Müller f. h. 1 bei als der erste Seefahrer (vgl. die Citate unter 2),
Schol. Od. a 259. (Nach Hom. a 259 ist Hos als Kaufmann (mercator Iason bei luv. Sat.
Sohn des Mermeros; Proxenos iv 'HnsigcoTixois 6, 135), wohl auch als Seeräuber (pirata bei
fr. 3 nannte ihn Iros, Schol. z. d. St.; vgl. auch Dracont. Med. 210. 248). Heroische Ver-
Schol. Find. Nem. 7, 53.) Dafs Medeia von ehrung empfing er als Beschützer der See-
lason in Buthroton begraben worden sei, 50 fahrten in den 'laoovia genannten Heilig-
lesen wir bei Solimus 2, 28 nach Cn. Gellius, türnern (vgl. unter2). Seinen Namen (von idofioci)
fr. 9 Peter. begnügte man sich von seiner Erziehung bei
6) Ias.on und die Iasoniden auf Lern- Cheiron abzuleiten (vgl. unter 1). Auch die bei
nos. Homer (H 468 f. $41. W 747) kennt auf Weiche: t, Leben und Gedicht des Apollonius von
Lemnos den Herrscher Euneos, den Hypsipyle Ithodus 1821 S. 114 ff. zusammengestellten Er-
dem Iason geboren habe. Find. Pyth. 4, 251 klärungen älterer Mythologen kommen darüber
läfst die Argonauten auf der Rückfahrt hier nicht hinaus; Weichert selbst drückt sich so
landen (vgl. auch Myrsilos fr. 7 bei Schol. Ap. aus : „Iason übernimmt als Aiolide die Blut-
Rh. 1,615) und sich zu den Frauen von Lemnos räche (an dem Mörder des Phrixos, Aietes)
gesellen. Vgl. Herod. 4, 145 (Kampf des Iason 60 oder die Wiedereroberung der Schätze." 0.
gegen die Tyrrhener: Possis bei Atlien. 7 Müller, Orchomenos* S. 260 fafst in seiner
p. 296d). Der Aufenthalt der Argonauten auf ideellen Deutung der Argofahrt den Minyer
Lemnos ist in Tragödie und Komödie behan- Iason als den jungen in die Welt tretenden,
delt worden. Hier scheint, wie bei Herodoros fr. wahrhaft versöhnenden Gott (iacig), während
44 (bei Schol. Ap. Bh. 1, 769) die Landung in die Vertreter der physikalischen Deutung,
'Lemnos auf die Hinfahrt verlegt, wie allge- welche das Vliefs auf die regenspendende
mein in der späteren Sage, Apollon. Bh. 1, Wolke bezogen, den Heros als den „Retter, der
720 ff. 3, 1205 f. 4, 422 und darnach Apollod. zum Heile des dürren Landes den befruchten-
75 lason (Deutungen u. Litteratur) Jason (Kritik d. Überlieferg.) 76
den Regen schafft" (E. Gerhard, Mythologie sehen Poseidon, gleich dem Kadmoa als Re-
§ 689) oder als den „Dämonen des Frühlings Präsentanten eines altargivischen Stammes, der
mit seiner milden Sonne und seinen befruchten- sich mit den Minyern vereinigte. Ursprüng-
den Regengüssen, aber auch der Sühnung und lieh in seinem Mythos seien die Züge, die der-
Befreiung des Landes von der auf ihr ruhenden selbe mit der Kadmossage gemeinsam habe:
Schuld, eine dem Asklepios und Aristaios ver- das Wandern ('idaav von der Wurzel t heifse
wandte Gestalt" {Preller, Gr. M. 3 2, 318) oder „Wanderer", s. dagegen Düntner, Ztschr. f.
auch als einen anderen Zeus /xejU'jjios, ver- vgl. Spr. 14, 201 ff.) nach der ihm bestimmten
gleichbar dem Gotte Indra, welchen man um Braut, Tötung des Drachen, Säen der Drachen-
die befruchtenden Wasser anfleht (WecMein, lo zahne, Kampf mit der Drachensaat. Zu diesen
Euripides' Medea, Leipzig 1880 S. 3), erklären. Zügen seien äolische Elemente hinzugetreten:
Weckleins Deutung führt uns zur komparativen Aia, Aietes, das goldene Vliefs, die Helios-
Mythologie, deren Begründer A. Kuhn in den tochter Medeia; Aia ist aber nach H. D. Müller
Abh. der Berliner Akademie 1873 S. 138 f. Iason die Unterwelt in der äolisehen Religion, aus der
als Sonnenheros auffafst; ihm sind die feurigen sich Iason, wie Kadmos, mit seiner Braut be-
Stiere und die hervorsehiefsenden Männer eben- freit: kurz, er erkennt in der Argonautensage
sogut der Ausdruck für die hervorbrechenden einen chthonischen Mythus. Auch 0. Grusius
Strahlen der Sonne, wie der sie bezwingende hat in dem Programm: Beiträge zur griechi-
Held und der Stein, den er unter sie wirft. sehen Mythologie und Beligionsgeschichte,Levpzig
An diese solarische Erklärung sehliefst sich 20 1886 nur die mit der Kadmossage gemeinsamen
in der Deutung einiger Züge der Argosage Elemente der Iasonsage berücksichtigt und an-
W. Mannhardt an in der Ztschr. f. Ethnologie knüpfend an H. D. Müller a. a. 0. S. 236 und
7 (1875), 243 fl. (wozu vgl. Wald- und Feld- Mannhardt (bes. in den Mythologischen For-
kulte 2, XX, Anm. 2, bes. aber das treffende schlingen S. 75 ff. 130 ff'. — S. 240 wird 'laoiav
Geständnis iu einem Briefe, abgedr. Mythol. von laivui ,, erregen" abgeleitet) das Uru-
Forschungen, 1884 S. XXV). Als Helios fafst pflügen des Ackers, den Kampf der Sparten
auch Myriantheus, Die Acvins S. 95. 98. 122 und das Werfen des Steines als prototypische
den Iason, als Morgenröte die Medeia, und Andeutungen von ländlichen Festgebräuchen,
vergleicht das goldene Vliefs mit dem xqvoovv das Ganze als dem Demeterkreis angehörig
■&igos des Apollon. Dagegen bezieht W.Schwartz, 30 erklärt, wobei mehrere wesentliche Züge ihre
Ursprung der Mythologie (Berlin 1860) S. 12. Deutung nicht gefunden haben und als dichte-
19 Anm. 1. 129. 137. 188, Poetische Natur- rische Ausschmückung gefafst werden müssen.
anschauungen 2, 4. 5. 189. 1, 229. 2, 9 ver- Die Wiege der Kadmos-Iasonsage sucht er in
schiedene Züge der Sage auf das Gewitter dem von ihm angenommenen Pelasgerstamm.
und scheint demnach Iason als Gewitterhelden Wie demnach die komparative Mythologie die
aufzufassen. Verfasser dieses Artikels hat Auswahl unter dem Sonnen-, Gewitter- und
früher geglaubt, in Iason einen dem Hermes Regendämonen läfst, so schwankt die ethno-
ähnlichen Himmelsgott, der dem Lande die logische zwischen dem Minyer, Ioner, Altargiver
fruchtbare Gewitterwolke zuführt und als u. Pelasger, wozu noch der Aioler gefügt werden
Segenspender, und Geleiter der Seefahrer ver- 40 könnte, ein Zeugnis dafür, wie viel Schwierig-
ehrt wird, erkennen zu dürfen, und den Namen keiten die Iasonsage den Forschern bietet,
von der Wurzel vä spirare abgeleitet: fifä- (G. F. Grotefend in der Allgem. Encykl. s. v.
aav (vgl. den indischen Väju). Man erkennt, Iason erklärte Iason für einen Phönizier und
dafs die vergleichende Methode bei der Deutung verglich seinen Namen mit „Jesus- Heiland".)
dieses Heros zn keinem sicheren Ziele führt, Neue Schwierigkeiten erwachsen aus einer
zumal da man sich über den ursprünglichen schärferen Kritik der Sagenüberlieferung. Aus-
Kern der Sage noch lange nicht einig ist. gehend wohl von einer Bemerkung von Wilamo-
Wenn z. B. die Saat der Drachenzähne und mite. Homerische Untersuchungen S. 122 (vgl.
der Kampf mit den erdgeborenen Männern für M. Mayer , De Euripidis mytltopoeia capita
ein aus der Kadmossage erst spät entlehntes so duo, Berol. 1883 S. 9 Anm.) hat O. Jessen, Pro-
Motiv erklärt wird (vgl. Gröger (s. u.) S. 15. legomena in catalogum Argonautarum, Berol.
33), so fällt ein Hauptgrund weg, I. mit Kad- 1889 S. 31 ff. den Beweis versucht, dafs der
mos und dadurch . mit dem samothrakischen älteste Kern der Sage der icgög yäfiog von
Kadmilos zu vergleichen, wie dies zuerst Iason und Medeia und der Ursprung dieser
0. Müller, Orchomenos- S. 260. 443 ff. gethan Legende in Korinth bez. Argos (Iaaov "Agya?)
hat; gegen seine Gleichstellung mit Iasion zu suchen sei. Dagegen hält die gleichzeitig
hat sich Verfasser im Art. „Iasion " aus- erschienene Dissertation von M. Gröger, De
gesprochen. 0. Müllers Gedanken hat H. D. Argonautarum fabidarum historia quaestiones
Müller, Mythologie der griechischen Stämme 2, selectae, Vratisl. 18S9 S. 22 ff. an dem höheren
328 ff. (1869) weiter verfolgt und mit der ihm 60 Alter der thessalischen Sage vom Herbeibringen
eigentümlichen Stammestheorie verbunden. des goldenen Vliefses fest, das S. 19 im Forch-
Während 0. Müller an dem minyeischen Ur- hammersehen Sinne (s. „Argonauten" Sp. 531)
sprung des Iason nicht zweifelt — E. Cuttius, gedeutet wird. Der Artikel „Medeia" wird
Ionier 1855 S. 23 erklärt ihn dagegen als dem Verfasser Gelegenheit geben, näher auf
Vertreter des ionischen Stammes (vgl. Don- diese Frage einzugehen; hier sei nur erklärt,
dorff, Ionier auf Euhoea S. 7) — , fafst H. D. dafs die Gründe Jessens nicht ausreichend sind,
Müller den Helden im Gegensatz zu dem um Iason von dem für ihn in der vulgären
Minyer Pelias, der „Metamorphose" des minyei- Sage charakteristischen Motiv der Herbeiholung
77 Iason (in d. Kunst) Iason (in d. Kunst) . 78
des Vliefses und Medeia von ihrem Zauberin- savzöv; im. 11 wird lediglich seine Bewaffnung
Charakter zu trennen. Je mehr aber die An- hervorgehoben. Die erhaltenen Darstel-
sichten über diese wichtigste Frage auseinander- lungen, die mit Recht oder Unrecht auf Iason
gehen, desto mehr glaubte der Verf. dem Zwecke bezogen worden sind, geben wir sachlich
dieses Werkes zu dienen, wenn er das Mate- geordnet. Eine Statue im Louvre, nr. 710,
rial der Überlieferung nach sachlichen Gesichts- Chirac, Mus. d. Louvre pl. 309 (ähnlich die
punkten sammelte, nicht nach subjektivem Er- Statuette Mus. Pio Clem. 3,48), die, als
messen gruppierte. Als Ergänzung zur Litteratur Cincinnatus falsch ergänzt, von Winckel-
der „Argonauten" (s. Sp. 530,1 seien hinzugefügt: mann als Iason gedeutet wurde — sie stellt
D. Kewnerknecht, De Argonautarum fabula quae 10 einen mit der Chlarnys bekleideten Jüngling
veterwn scripitores Iradiderint, Monach. 1886 dar, der den einen Fufs auf einen Stein stützt,
und Ztir Argonautensage (Ba.mbergevPi-ogra.mm) um sich den Schuh anzuziehen — wird jetzt
1888. K. Hoffmann, De Pseudo-Urphei catalogo nach Lambert; de Mercurii non Iasonis statua,
Argonautarum (Nürnberger Programm) 1888. Bonn 1860 auf Hermes bezogen. — Wenn die
Gianrinaldo Carli, Deüa spedizione degli Argo- Terracotten des Brit. Museums, descr. of anc.
nauti (dem Verf. unbekannt). Ed. Meyer in terrae. 16, vgl. Campana 5, in Villa Albani,
der Allgem. Encykl. unter Kolchis (sect. II Zoega, bass. 45, das Bronzetäfelchen im Mus.
vol. 38 S. 112 ff.). Borgia bei Mulm, gal. myth. 418 den Argo-
10) Iasons Darstellung in der Kunst. bau darstellen (die Deutung wird von Kenner-
(Zu der „Argonauten" Sp. 525 angegebenen 20 kriecht, Zur Argonautensage S. 16 f. durch Hin-
Litteratur kam seitdem besonders H. Hey de- weis auf Vol. Flacc. 5, 435 unterstützt), so
mann, Lason in Kolchis, Hallisches Winokel- wäre Iason einer der am Bau arbeitenden
mannsprogramm 1886, das erst bei der Kor- bärtigen Männer. Bei Zoega, bass. 45 ist Her-
rektur dieses Artikels benutzt worden ist.) mes anwesend. Auf einem tuskischenScarabäus
Ein charakteristischer Typus hat für Iason in bei Micali, ant. mon. 116, 2 ist der nackte
der antiken Kunst kaum existiert, da Sage MannamSchiff durch dieBeisehriftEasun (s.d.)
und Dichtung versäumt haben, die Gestalt erklärt; unsicher dagegen ist die Gemme in
dieses Helden zu individualisieren. Am lebendig- den Impronte gemme deW instit. 3, 64. —
sten ist noch die Schilderung Pindars (Pytli. Cab. Dur. 256: der bewaffnete Held, der vor
4, 78 ff.), der den furchtbaren (t xnayXog) Helden 30 Hermes opfert, ist durch [IJAZQN erklärt, vgl.
vom Pelion herabsteigen läfst in der eng an- C. J. G. nr. 7750; Cab. Dur. 257: der ge-
liegenden magnetischen Kutte, über welche ein panzerte Held, der vor einem nackten Jüngling
Pantherfell geworfen ist, zwei Lanzen in der steht, durch EAIS2N bezeichnet, vgl. C. I. G.
Hand; die herrlichen Locken fallen ihm über nr. 7751 (Heydemann a. a. 0. S. 5 bezieht die
die Schulter herab, und es staunen alle, die Scene auf Apoll. Llh. 3, 1246 ff.). — Lambergsche
diese dem Apollon (vgl. Apoll. Rh. 1, 307) und Vase und zwei Schalen aus Caere im Brit. Mus.,
Ares gleichende Erscheinung sehen. (Apoll. von Gerhard, Arch. Ztg. 1845 T. 35. 36 und
Shod. 3, 1246 ff. schildert die Schönheit und Auserlesene Vasenbilder 3, 155 besprochen: die
Kraft des durch die Zaubersalbe gekräftigten mit_AOEQN (? Millingen: IHIßN), APXENAY-
Helden.) Als jugendlichen Helden mitioTHZ, AIOMHAHZ bezeichneten Figuren sind
herabwallendem Haar und erstem Bartwuchs nicht auf Iason zu beziehen. Vgl. Flusch, An-
(lovlco te i'iSn ßgvti xadtQnovzi -aal r; xoj*7] gebliche Argonautenbilder S. 13 ff. — Attische
gav&i] i-jiioultvsi rä fitxunrco) schildert ihn Amphora von Orvieto, Mon. dell' inst. 11, 38:
auch der jüngere Philostratos, im. 7; Jugend- Robert in den Annali 1882 S. 273 erklärt die
lieh, häufiger bartlos als bärtig, nackt oder Darstellung als Auszug der Argonauten (nach
mit der Chlarnys nur dürftig bekleidet, oft mit dem Gemälde des Mikon) und den neben
Schuhen oder mit Reisehut versehen (s. die Athene stehenden Helden (dem Herakles gegen-
Abbiklung einer Münchener Vase Bd. 1 Sp. 529) über) für Iason. — Ficoronische Cista (Abbild,
findet er sich auf den erhaltenen Darstellungen, unter „Argonauten" Sp. 527): unter den zu-
als Iason durch die Situation bez. die Beigabe 50 schauenden Argonauten kann Iason nicht
der Argo bestimmt. Zur statuarischen Behand- fehlen, nach Gerhard, Arch. Ztg. 1845 S. 167
lung eignete sich am besten der govoaüvdalog; ist es der neben Athene sitzende, lorbeer-
aber kein Beispiel für die Benutzung dieses geschmückte, nackte Jüngling, der von Wie-
Motivs ist uns auch nur litterarisch erhalten. seier u. a. als Apollon erklärt wird ; nach anderen
Denn am Kypseloskasten war der Held ein- ist es der dritte Held von links, der neben
■mal mit Medeia zusammen und ferner im Kastor steht, nackt, nur mit Gürtel und Lanze
Ringkampf mit Peleus dargestellt bei den versehen. Nolanische Kalpis, Gerhard, A. V.
Leichenspielen des Pelias (Paus. 5, 18, 3. 17, 2, 153, 4: der speertragende Held an der Argo
10); von den Bd. 1 Sp. 525 angeführten Argo- wird als Iason erklärt, von Gerhard, Arch.
nautendarstellungen des Lykios, Mikon (siehe 60 Ztg. 1845 S. 166 für Herakles gehalten. —
übrigens Robert in den Annali dell' inst. 1882 Amphora der Sammlung Jatta nr. 1095 Mon.
5. 282 ff.) Kydias u. s. w. fehlen nähere Angaben. d. Lnst. 3, 49: der Argonaut zwischen der
Aus den ebendaselbst citierten philostratischen Argo und Phineus, der bekleidet mit hohen
Schilderungen ist oben ein bemerkenswerter Stiefeln sich auf den Speer stützt, wird als
Zug angeführt; des Helden Kleidung wird Iason erklärt (vgl. Flasch in der Arch. Ztg.
ebendaselbst, Philostr. hm. im. 7, beschrieben: 1880 S. 142). — Amphora Raoul Röchelte; mon.
XtvHov xitüvu ffcoffTtu Xsovzijv t'griQTr^itvos ined. t. XXXV p. 194, Gerhard, Apul. V. Erg.
xal KQrjTiiäa Ivrpizai ä-Kovrim te insQsicag A 6 p. 30; nach Gerhard, Beil. Ant. Sildw.
79
Iason (in d. Kunst*
Iason (in d. Kunst)
80
nr. 1003 p. 285 wäre der eine sitzende Jüng-
ling, der sich mit dem in phrygiseker Tracht
(Phrixos) unterhält, Iason. Diese Erklärung
genügt ebensowenig, wie die Deutung von
Pyl. p. 26, dafs auf dem unteren Teil des Bildes
Iason neben der (sitzenden) Hera dargestellt
sei. — Das mittlere Bild der Ruveser Vase
in München (nr. 805), wenn es mit 0. Müller,
Arch. d. E. § 412, 4 und Pyl, de Medeae fa-
bala p. 18 auf Iasons Ankunft vor Aietes oder 10
mit Panofka {Arch. Ztg. 1844 S. 256) auf sein
Erscheinen vor Alkinoos bezogen wird (vgl.
0. Jahn, Arch. Ztg. 1860 S. 74 ff.) oder endlich
mit Jessen (siehe Abschn. 9) S. 43 als Hoch-
zeit des Iason und Medeia in Eolchis gedeutet
werden sollte: O. Müller (auch Jessen) erklärt
den neben dem Weibe (Medeia) links von der
Säule stehenden Jüngling, der sich auf die
Lanze stützt, für Iason, Pyl den Jüngling vor
dem Könige, lorbeergeschmückt, die Chlamys 20
über die Arme gehängt, mit Schwert und Lanze
bewaffnet, eine tessera mit der Inschrift ZIZY-
<J>OX überreichend. Vgl. dagegen Fleisch p. 3 Off.,
der vielmehr das Bild Mülingen, vas. div. 7 auf
Iasons Audienz bei Aietes bezieht. — Das
Terracottarelief bei Combe, terrae. Br. Mus. 2S, 53
stellt nach O. Müller a. a. O. die Übergabe
der Iynx (Find. Pyth. 4, 213) an Iason durch
Hermes dar, eine falsche Erklärung. — Ebenso
unsicher erklärt Pyl a. a. 0. p. 23 die Dar- 30
Stellung einer Lambergschen Vase (Alex. La-
borde coli. d. vas. gr. de C. Famberg 2, 3) als
Übergabe der Iynx an Iason durch Iris. —
Die erste Begegnung von Iason und Medeia
wird auf mehreren Darstellungen ohne zu-
reichenden Grund angenommen; namentlich
kann die phrygische Tracht des Weibes allein
nicht entscheidend sein. Die meisten der
von Pyl p. 24 f. aufgezählten, sei es von ihm
oder anderen hierauf bezogenen Darstellungen .10
können als höchst zweifelhaft hier übergangen
werden. Hervorgehoben sei nur: Apulische
Amphora im Berliner Museum n. 3258 (1022),
abgebildet Gerhard, Ap. Vas. Taf. 10: Jahn,
Ehein, Mus. 6, 295 ff. und Pyl p. 30 ff. be-
ziehen die Darstellung gegen Gerhard auf die
Unterredung Iasons mit Medeia vor den Bo-
readen. Iason mit Chlamys und Schuhen,
Schwert und Lanze trägt eine Stirnbinde.
Ebenso Heydemann S. 3 f. Die Ealpis der 50
Catalanischen Sammlung zu Neapel, Gerhard,
Ap. V. p. 13 Anm. 20 d, abgeb. bei Heydcmann
nr. 2 trägt eine ähnliche Darstellung1, auf der
Iason mit dem Eetasos bedeckt ist. — Neapo-
litanische Vase der Sammlung Jatta, Gerhard,
Apul. V. Erg. E 8, gegen Gerhard von Pyl
als Iasons Zusammenkunft mit Medeia vor
dem Tempel der Hekate gedeutet ('?). Der mit
der Chlamys bekleidete Jüngling hält in der
einen Hand einen Kranz, in der anderen einen eo
Zweig. Neben beiden soll Aphrodite mit der
Iynx stehen. — Der Graffito eines tuskischen
Spiegels (Mon. d. Jnst. 11 T. 3) wird von Heydc-
mann S. 6 erklärt: Dem Iason (Aeasun) hält
Medeia (Metvia) die Schale mit dem Zaubersaft
an den Muud; anwesend Athene und ein mit
einem Vogel (Iynx) tändelndes Mädchen (?). —
Die Bändigung der feuerschnaubenden
Stiere ist auf mehreren spätrömischen Sarko-
phagen dargestellt, die auf ein im wesentlichen
mit Apoll. Jihod. 3, 1306 ff. übereinstimmendes
Original zurückgehen (Jahn, Arch. Ztg. 1866
S. 233 ff.): Sarkophagrelief aus Neapel in Wien,
nr. 171, Arch. Ztg. 1866 T. 215, 2 (siehe die
: ^iiEJI7^^ Sri
Abbildung) ; Fragment eines Turiner Reliefs,
Mittin, gal. myth. 175, 424; Sarkophagrelief aus
Villa Borghese im Louvre, Zocga, bass. 1 p. 215.
Clarac, mus. de sc. 199, 373; verlorenes Re-
lief, einst in Rom, abgeb. Codex Pighianus
f. 251, Arch. Ztg. 1866 T. 216, 2; über andere
s. Heydcmann S. 6 f. ; vgl. auch Arch. Ztg. 1879
81
Iason (in d. Kunst)
Iason (in d. Kunst)
82
S. 72 (Th. Schreiber, Bildwerke aus dem Mus.
Torlonia nr. 464): Iason, nackt bis auf die
flatternde Chlamys, steht zwischen den beiden
Stieren; mit der Linken fafst er den einen hoch
sich bäumenden beim Hörn, den andern, den er
mit der Rechten am Hörn packt, hat er schon
zur Erde geworfen und, drückt ihn mit dem
angestemmten Knie nieder. Zuschauer sind
einerseits Aietes,- auf dem Relief im Louvre
Arch. Ztg. 1885 S. 112 und Heydemann S. 9 f.
eingetreten. Vase der Sammlung Caputi in
Rom, Jatta Vasi Caputi nr. 377 tav. 7, beschr.
von Heydemann S. 10 f. : Der auf ein Knie ge-
fallene Held packt den Stier an Hörnern und
Schnauze; neben ihm liegt eine Keule; an-
wesend ist Nike, Zuschauer ein greiser Herr-
scher und eine reichgeschmückte Frau mit Um-
gebung. Von Heydemann wird die Darstellung
auch Medeia, anderseits Argonauten. Dieselbe 10 auf Iason, von Jatta auf Theseus bezogen.
Darstellung der Hauptscene findet sich als
Schmuck einer Truhe auf dem den Tod derKreusa
darstellenden römischen Sarkophagreliefe
nr. 3162 {Matz-Buhn) , Annali dell' inst. 1869
Tav. AB. Endlich ein Kontorniat mit dem Bilde
des Nero, Sabatier , Med. cont. 13, 3; Pedrusi,
Mus. Farnes. 5, 3, 6: ein Jüngling im langen
Gewand (Iason) schirrt zwei Stiere an den Pflug.
Die auf die Stierbändigung des Iason bezogenen
Die attische Vase in Petersburg (Errn. nr. 2012,
Antiquites du Bosphorc Cimmerien T. 63 a 2)
wird von K. Purgold ebenfalls auf den Stier-
kampf Iasons bezogen, dagegen von Stepliani,
Vasensamml. d. Ermit. 2, 409, Michaelis, Arch.
Ztg. 1877 S. 75 ff. 1885 S. 231 ff. 281. 291 und
Heydemann S. 11 f. richtiger auf den Stierkampf
des Theseus in Anwesenheit der Medeia. — Die
die Erbeutung des Vliefses darstellenden
im Gegensatz zu der Überlieferung und den
Reliefs den Kampf des Helden mit einem
Vasenbilder sind sämtlich zweifelhaft, weil sie 20 Bilder sind von 0. Jahn in der Arch. Ztg. 1860
S. 74 ff. und Arch. Ztg. 1866 S. 238 ff. zusammen-
gestellt. Auf den römischen Sarkophagreliefs,
den beiden obengenannten
ä^jV^V ^es c°dex Pighianus und in
1 Wien n. 171 (siehe d. Abbildg.
Sp. 80), Relief in der Villa
Ludovisi (Zoega, bass.l p.215.
Schreiber, Antike Bildw. in
V. L. nr. 81) Relief auf dem
Palatin nr. 3196 (Matz-Duhn:
hier ist nur die Figur Iasons
erhalten) stützt Iason in rö-
mischer Rüstung das rechte
Knie auf einen grofsen Stein
und nimmt mit der Rechten
das Widderfell vom Baume,
um den sich die vonMedeia be-
reits eingeschläferte Schlange
windet. Dafs Iason auf dem
erstenRelief sich bärtig findet,
erweist sich durch Verglei-
chung der drei anderen als zu-
fällige Variante oder Ver-
sehen. Terracottarelief im
Brit. Museum, Combe, terr. of the brit. mus. 52
und Campana, ant. op. in plast. 63: Medeia
reicht dem Drachen die Schale, während
Iason, den linken Arm, über den er die Chla-
mys gehängt hat, zum Schutz vorstreckend,
Iasons Stierbändigung in Gegenwart der Medeia; über dem Stier Nike, Neapler
Vase (nach Heydemann, Hall. Winckelmannsprogr, 1886. Taf. nr. 1); s. Sp. Sl,46ff.
Stier darstellen und namentlich auch auf The-
seus oder Herakles gedeutet werden. Neapeler
Vase nr. 2413, abgeb. nach Heydemann nr. 1, ge-
wöhnlich auf Theseus und den marathonischen
Stier bezogen: Ein Jüngling hat einen Stier
an den Hörnern gepackt und will ihn zu Boden 50 heranschleicht (der Kopf ist verstümmelt). An-
wesend sind drei Kolcher. Andere Darstellungen,
namentl. auf geschnittenen Steinen sind von
Heydemann S. 16f. gesammelt und beschrieben;
auch die zweifelhaften sind dort aufgezählt
(s. Nachtrag Sp. 87); hier seien nur genannt
die Darstellung eines Achatonyx in den Samm-
lungen des Goethehauses (Schuchardt, Goethes
Kunstsammlung 2, 6 n. 28) und eine Stoschische
Paste in Berlin, Tölken 4, 141. Deutlicher als
hier 60 das Terracottarelief zeigen den Kampf mit
dem Drachen die Vasenbilder: Unteritalische
Hydria im Louvre, Millingen, peint. de vas. 6:
Iason hält in der Rechten das Schwert be-
reit; sein Kopf ist bedeckt mit einem Pilos.
Aufser Medeia ist anwesend eine Frau(Apbro-
dite? Chalkiope?) und ein Boreade (0. Jahn,
Rhein. 31us. 6, 298). Unteritalische Vase in
Neapel, nr. 3248, abgeb. nach. Heydemann a. a. 0.
drücken; eine Frau in griechischer Tracht hält
in den Händen je einen kleinen Blätterzweig;
über dem Stier schwebt Nike mit einer Schale
in der einen und einem Zweiglein in der
anderen Hand. Heydemann hält die (Lorbeer-)
Zweige für Zaubermittel und deswegen die
Deutung auf Iason für gesichert. Prachtvase
aus Ruvo im Neapeler Museum bei Heyde-
mann nr. 3252, besprochen von K. Purgold
in der Arch. Ztg. 1883 (T. 11) S. 163
greift der Held den einen Stier mit einer
Keule an. Die um einen Baum sich windende
Schlange veranlafst Purgold zu der Erklärung
als Iasons Stierkampf; die zuschauende, reich
geschmückte Frau neben Eros wird als Aphro-
dite oder Medeia {Heydemann) gedeutet. Dieser
Deutung widerspricht G. Robert, Arch. Ztg. 1883
S. 262, dagegen sind für sie M. Lehnert in der
83
Iason (in d. Kunst)
Iason (in d. Kirnst^
84
nr. 3: Der Drache wird von Medeia eingeschlä-
fert; Iason, bärtig, mit Chiton, Stiefeln und
Schwert, stöfst das Schwert gegen ihn, unter-
stützt von zwei Argonauten. Euveser Vase
in Petersburg, Ermit. nr. 422, Mon. d. instit.
5, 12; Arch. Ztg. 1844 S. 231 ff.: Medeia (in-
schriftlich) schläfert den Drachen ein; Iason
(inschriftlich: HAH2N; vgl. C.I. Gr. nr. 8407),
mit Chlamys und zwei Lanzen, greift ihn an,
unterstützt von Kaiais und mehreren anderen
Argonauten (Herakles?). (Nach Petersen, Arch.
Ztg. 1879 S. 13 ist das Bild zum Teil restau-
riert.) Ruveser Vase in München nr. 805 (Ab-
bildung unter Arg. Sp. 529), Archäol. Ztg.
1860 T. 139. 140: Iason mit Chlamys, Petasos
und Stiefeln bekleidet, bekämpft den Drachen
nach Wieseler, Ztschr. f. Altert. 1851 S. 318.
Fleisch 26 ff. — Auf der Meidiasvase des Brit.
Museums, Miliin, gal. myth. 94, 385, ist der
Name cMoxtjJttjs (C. I. G. nr. 8487) von Ger-
hard, Gesammelte Sehr. 1, 59 ft*. auf Iason be-
zogen worden, was mit Recht bestritten wird,
vgl. 0. Jahn, Arch. £ufs. 132 f. Bursian in
der Arch. Ztg. 1851 S. 486 f. Pyl in der Arch.
Ztg. 1854 S. 299 f. Auf dieser Vase wird von
10 Gerhard a. a. 0. die Darstellung der Ankunft
der Argonauten bei Hypsipyle, von anderen, wie
ü. Robert, Bild und Lied S. 40 Anm. 50,
bei den Hesperiden angenommen; auch citiert
Gerhard eine gleiche Scene auf der Vignette
des Cabinet Pourtales nach 0. Müller, Gott,
gel. Am. 1837 nr. 188. Sämtliche Erklärungen
\m wum
■
Iason unterstützt von 2 Gefährten erbeutet das goldene Vliefs, anwesend: Jledeia, Nike, Satyr. Neapler Vase
(nach Beydemann, Hall. Winckelmannsjtrofframm. 18S6. Taf. nr. 3) ; 8. Sp. S3, 1 ff.
mit dem Schwert; hinter ihm Medeia und
Argonauten, darunter die Boreaden, in ruhiger so
Haltung. — Etruskiseher Spiegel, Gerhard F.
Sp. 3, 238: Iason (inschr. Heiasun), in der
Rechten das Schwert haltend, mit der Linken
das Vliefs greifend flieht vor dem Drachen, der
nach ihm schnappt. — Die Wendung der Sage,
nach welcher Iason in den Drachen hinein-
steigt und ihn von innen tötet (s. darüber
unter 3 am Ende), findet sich zu Grunde ge-
legt der Darstellung auf dem Innenbild einer
dem 5. Jahrh.angehörigenVase des Mus. Gregor. 60
aus Caere, Mon. delV inst. 2, 35 (s. Abbildung
Sp. 85/6): Iason (inschriftlich IAION, vgl. C.
I. G. nr. 7749), ein bärtiger Mann, taucht aus
dem Rachen des Drachen hervor; anwesend
Athene mit der Eule; am Baum hängt das Vliefs.
Eine Peruginer Vase, Mon. d. inst. 5, 9, wird
von Pyl so erklärt: Iason stürzt sich in den
Rachen des Drachen ; diese Erklärung ist falsch
sind zweifelhaft. — Ruveser Vase in Neapel,
Bull. Kapol. 3, 26. Arch. Ztg. 1846 T. 44 f.
1848 T. 24: Darstellung von Talos' Über-
windung. Unter den Zuschauern ist der auf
der Leiter an der Argo stehende Jüngling,
lorbeerbekränzt, mit Chlamys bekleidet und
Lanze bewaffnet, als Iason erklärt worden,
Pyl S. 48 findet ihn auf dem 2. Teil der Dar-
stellung, auf welchem die Dioskuren den
Siegespreis von Athene und Aphrodite em-
pfangen, in dem neben Aphrodite stehenden
lorbeerbekränzten Jüngling mit reich gesticktem
Chiton (Apoll. Bh. 1, 722), Petasos und Lanze. —
Millingen, peintur. d. DOS. dir. coli. 7 : Iason über-
bringt dem Peliaa das Vliefs (so nach 0. Müller,
anders nach Millingen und Flasch S. 34). Iason
ist mit Chlamys n. Petasos bekleidet und trägt
eine Lanze. Zugegen ist Hermes. — Hydria
im Britischen Museum nr. 717, bekannt gemacht
von Sam. Birch Class. Mus. 10, 41". Arch. Ztg.
85
Iason (in d. Kunst)
Iason (in d. Kunst)
86
1846 S. 287; vgl. Gerhard, Anserl. V. 3 S. 28:
Die Aufkochung des Iason (?). Der kurzbärtige,
mit Chiton und Mantel bekleidete, auf einen
Krückstock sich stützende Greis neben dem
Kessel ist durch die Beischreift IAZQN (vgl.
C. I. Gr. nr. 7748) bezeichnet. Nach Heyde-
mann S. 19 Anm. 48 ist der Name mit AIIQN
verwechselt. Damit vergleicht Pyl S. 60 ein
anderes Gefäfs im Brit. Museum, bei Birch
1149ff.); in der Darstellung bei Winckehnann,
inon. ined. 91 trägt derselbe eine Lanze und hat
neben sich einen Schild stehen. Auf den ge-
nannten Darstellungen steht zwischen der Ver-
mählungsscene und der Darstellung von Kreusas
Tod ein Jüngling, mit der Chlamys bekleidet,
mit Lanze oder neben sich den Schild, der
sich mit einem zweiten Jüngling unterredet;
auch er ist als Iason im Gespräch mit Aigeus
nr. 1521 mit gleicher Darstellung, nur dafs 10 {Miliin) oder einem Boten (früher Jahn) oder
mit Hippotes (Pyl) gedeutet worden, sehr
zweifelhaft. 3) Kindesmord. Canusinische
Vase in München, nr. 810, 0. Jahn in Archäol.
Ztg. 1847. T. 3. S. 33 ff.: Im unteren Teile der
Vase Iason (inschriftlich, vgl. C. I. Gr.
bärtig, mit der Chla-
ekleidet, mit Schwert
id Lanze bewaffnet
md mit einem Dory-
os zur Verhin-
ung bez. Be-
strafung des
Kindesmords
herbeieilend.
Münchener
Sr|\\ Vase n. 333;
s. Absehn. 7.
Nach-
trag. Zu
den oben
citierten
Medeia-
sarkopha-
gen kam
neuerdings
ein neuent-
deckter in
Rom, von dem
L. v. Ulrichs
dem Pro-
gramm des v.
Wagner' sehen
Kunstinstituts 1888
<h/ !rEin Medea ■ Sarko-
phag" Mitteilung ge-
macht und die Haupt-
scene veröffentlicht hat.
Die linke Nebenseite ent-
Sarkophags bei Winckcl- Attische Vase aus Caere: Iason taucht aus dem Rachen hält die Darstellung von
mann, Mon. ined. nr. 91 desDrachenhervor(na<&j/oB.rfeH,»u(.2,35);s.Sp83,55£f. Iasons Stierkampf, die
(vgl. auch Dütschke, Arch. Vorderseite die Dar-
Ztg. 1876 S. 73) wird auch auf die Ver- Stellung von Kreusa und dem Kindesmord,
mählung von Iason und Medeia bezogen, eine Diese Reliefs stimmen mit den oben genannten
hier der Greis das Feuer knieend anfacht.
Die auf die korinthische Sage bezüglichen
Darstellungen sind besprochen
Arch. Ztg. 1866 S. 239 ff. und 1
Dilthey, Sarcophagi di Medea i
Ann.d. Inst. 1869, 5i
d.i. 1874, 233 (Arch,.
1868, 66), sie finden
unter „Medeia" au:
führlicher behan-
delt: 1) Verrnäh
lung Iasons m'
Glauke-Kreusa
Das Sarko
phagrelief in
den Annali
1869 tav.
AB 1: Iason
im Har-
nisch, mit
Schwert
bewaffnet,
spendet
aus einer
Schale in
die Flamme
des Altars;
anwesend is
ein Opfer-
diener. DieVei
mählungscene
(Iason vor der
hüllten Brau!
den oben ge
Reliefs in Wie
im Louvrebei
373, des code:
unddes jetzt verschollenen
ninnten
Deutung, die namentlich für das Relief des
cod. Pigh. sehr unsicher ist. 2) Kreusa em-
pfängt Geschenke von den Kindern der Medeia.
Das oben citierte Relief des codex Pighianus
= röm. Sark. in den Annali 1869 t. d'agg.
AB 2; der oben angeführte röm. Sark. nr. 316
überein. Urlichs vermutet, dafs der Relief-
cyclus nach dem Vorbilde der Argonauten-
bilder in der Porticus Agrippiana (der Septa
auf dem Campus Martins) geschaffen worden
sei (Werk desKydias?); Iason scheint in diesen
Darstellungen, wie auch auf den Reliefs, die
in den Amiali 1869. t. d'agg. ABl; Sarkophag 60 Hauptperson gewesen zu sein (vgl.: luven.
in Mantua Miliin, gal. myth. 108, 426; Sarko-
phag im Louvre, Clarac 204, 478; römischer
Sarkophag, Winckehnann, mon. ined. nr. 91
und P.-Bochette, mon. ined. 63; der hinter
den beiden Knaben stehende bartlose Mann
mit nacktem Oberkörper, der die Rechte in
die Seite stemmt, die Beine kreuz weis stellt,
wird als Iason erklärt (vgl. Euripides Med.
Sat. 6, 153 cum iam mercator Iason clausus,
Martiad. 2, 14. 3, 20). — Aufserdem verdankt
Verfasser zumeist den gütigen Mitteilungen
des Herrn Dr. Drexler noch folgende Ergän-
zungen: Ein Pompejanisches Wandgemälde
(Sogliano, Le pitture murali campane scoverte
negli anni 1867 — 1879, p. 102 n. 551, vgl. Lu-
eido di Discanno, Notisio d. Scav. d. Ant. 1878
87 Iason 'in d. Kunst) lasos (Iasios) 88
p. 264. Ghirardini, Giasone e Pelia): Auf den Paul de Praun ä Nuremberg p. 317 m\ 672,
Stufen eines Tempels steht ein lorbeerbekränz- Onyx: Iason nimmt das goldene Vliefs; der
ter, graubärtiger König, gestützt auf eine Jung- Drache ist am Fufs des Baumes eingeschlafen,
frau; hinter dieser wird eine zweite sichtbar; Im Brit. Mus. befindet sich unter nr. 1367 ein
beide augenscheinlich die Töchter des Königs. Onyx von zweifelhafter Echtheit: Iason mit
Die Aufmerksamkeit dieser Gruppe ist auf dem Vliefs, rückwärts blickend. 4) Ein Heros
einen jungen Helden gerichtet, der mit einer mit Schild und Helm steht vor einer Säule,
Chlamys bekleidet ist und in der Rechten eine um die sich eine Schlange windet und auf der
Lanze (oder Stab) trägt; sein rechter Fufs ein Vogel sitzt. Am Fufs der Säule steht ein
hat die Sandale, der linke dagegen ist 10 Widder. Die Deutung auf Iason ist sicher
unbeschuht. Neben ihm steht eine dritte falsch, auch die auf Phrixos zweifelhaft; eher
Jungfrau. Die Scene stellt nach allem Zubehör ist eine Opfer- oder Orakelscene anzunehmen,
ein Opfer dar. Ist diese Beschreibung richtig, Zu den von Heydemann S. 17 Anm. 43 citierten
so kann es nicht zweifelhaft sein, dafs hier Exemplaren sind hinzuzufügen: Dresdener Kar-
die Ankunft des Iason zu dem Opfer des Pe- neol nr. 122 {Mettners Katal. v. J. 1856. Herr
lias dargestellt ist, das einzige bisher bekannte Prof. Treu, der dem Verf. freundliche Auskunft
Beispiel bildlicher Darstellung des fiovoaav- erteilte, neigt zu der Deutung auf Phrixos).
dalog. Die Sandale des Iason erkennt man Thorwaldsenmuseum, Katal.ri. 105nr.857(Paste),
auch auf dem Revers von Silbermünzen von 85S (Paste); ebenso Catal. of the coli, of anti-
Larissa in Thessalien, welche Head, Hist. 20 quities formed by B. Hertz, London 1851 p. 40
Num. p. 253 um 480 v. Chr. ansetzt (Mülmgen, nr. 763 (Onyx), 764 (Karneol), 765 (Karneol);
Ancient coins of greek eitles and längs p. 49 f. aufser läppert 2 nr. 70 auch nr. 69. — Will-
pl. 3, 15. E. Muret, Bull, de Corr.Hell. V (1881) kürlich sind die Deutungen bei Lippert 2, 68,
p. 291f. pl. 2, 4. Head a. a. 0.). Der Kopf des 71 — 73 auf Iason und Medeia; dagegen er-
Iason wird von Muret a. a. 0. p. 292 auf einer scheinen Iason (inschriftlich) und Medeia auf
Münze von Larissa angenommen, vgl. Head einem Vasenfragment von St. Colombe: Corp.
p. 254 (hier mit Fragezeichen). Zweifelhaft inscr. Bat. 12 nr. 5687, 13 p. 779.
ist die Echtheit und Deutung einer Gemme, 2) Vater des Apis aus dem arkadischen
Brit. Mus. nr. 1368 (Katalog v. J. 1888): Iason Pallantion nach Paus. 5, 1, 8. [Seeliger.]
die Sandale des. linken Fufses bindend. (Ge- 30 lasos, auch Iasios {"lacog, 'läaiog, beide
fälschte Künstlerbeischrift: Pheidias.) Vgl. Namen sind von gleichem Ursprung und häufig
dazu die Beschreibung einer Paste bei Visconti, verwechselt mit Iasion, Müller, Orchom. 265),
Opere varie 2, 265 nr. 344. — Zu dem oben ein in den ältesten pelasgischen Geschlechtern
citierten Scarabäus Micali 116, 2 (Iason und häufig erscheinender Name, dem wir in Argos,
die Argo) vgl. noch den Cat. of engr. gems in Arkadien, Elis, Böotien, Athen, am kretischen
tlie Brit. Mus. (London 1888) p. 70 nr. 350 und Ida, in Samothrake und im troischen Lande
den Scarabäus der Sammlung Vannutelli in begegnen, Stark, Niobe 357. 1) In der mannig-
Rom, Bull. d. Inst. 1869 p. 55 nr. 1 {Heydemann). faltigen und verwickelten Stammtafel der
— Die Steinbildchen, welche auf Iason und argivischen Könige (s. Gerhard, Gr. Myth. 2
den Raub des goldenen Vliefses gedeutet 40 S. 233) kommt lasos öfter vor: a) als Sohn des
worden sind, teilen sich in vier Typen: 1) Achat- Triopas, Enkel des Phorbas, Urenkel des
onyx im Goethehaus (s. oben), von Julius Argos, Bruder des Agenor, Vater der Io, deren
Friedländer beschrieben : ,, Neben einem Baum, Mutter Leukane war, Paus. 2, 16, 1. Schol.
um den sich eine Schlange windet, steht einer- Eurip. Or. 920. Nach Hellanikos b. Schal.
seits Iason mit einem Wurfspiefse, andrerseits II. 3, 75 teilten die Söhne des Triopas, lasos
Medeia; während diese die Schlange aus einer und Pelasgos, das Land Argos (d.i. den ganzen
Schale trinken läfst, greift Iason nach dem Peloponnes) unter sich, und da ihr Bruder
goldenen Vliefs, welches durch einen Widder- Agenor kein Land, sondern die Pferdezucht
köpf angedeutet ist." 2) Vor dem Baum, an ihres Vaters erhielt, so überzog er später mit
dem das Vliefs hängt und um den sich die 50 seiner Reiterei das ganze Land. Von diesen drei
Schlange windet, steht der Heros, behelmt Brüdern leitet Hellanikos die drei Beinamen von
und mit Chlamys nebst Schild ausgerüstet, die Argos ab: "leecov "Agyog {Od. 18, 246), nsXceayi-
Rechte gegen das Antlitz erhebend. Zwischen kov und 'Tnitoßorov. Dasselbe erzählt nach
ihm und dem Baum ist ein Altar (z. T. mit Hellanikos Eustath. p. 385, 39, nennt aber
einem Widderkopf). Die Scene kann auch auf als Vater Phoroneus. Vgl. Pharorin. v. "Jg-
das Opfer des Phrixos bezogen werden {Paus. 1, yog. Buttm., Mi/thol. 2, 179 f. Gerhard, Gr.
24, 2); vgl. Visconti, OpererarieZ, 265 nr.343 und Myth. 2 § 671. 790 ff. p. 233.— b) Sohn des
Pyl p. 11. Zu den von Pyl p. 11 und Hey de- Argos Panoptes und der Ismene, der Tochter
mann S. 16 Anm. 42 gesammelten Exemplaren des Asopos, Vater der Io, Apollod. 2, 1, 3.
füge: Katalog des Brit. Mus. p. 15S nr. 1366. 60 Preller, Gr. Myth. 2, 39. [Das Haupt des
L. Müller. Dcscr. des intailles et camecs ant. lasos, vollbärtig, mit dem Diadem, einem Teil'
du. Muscc-Thorualdsen p. 104 nr. 853 (Karneol), des Scepters(?) und der Beischrift IACOC er-
854 (Paste), 855 (Karneol), 856 (Paste). 3) Iason, scheint auf dem Obv. von Münzen der gleich-
geharnischt, eilt mit dem Vliefs davon; die namigen Stadt, die im Rev. die Isis führen,
Schlange ist um eine Säule gewunden, auf der Kenner, Die Münzensammlung des Stifts St.
ein Vogel mit gebreiteten Flügeln sitzt. Bar- Florian p. 136—138 Tf. 4. 11, ohne Scepter
thold ij sehe Paste der Berliner Sammlung, To'l- mit der Beischrift IACOC KTICTHC zeigen es
lien 4, 146. Murr, Descr. du cab. de Monsieur Münzen, deren Rs. der Knabe auf denrDel-
89 Iatrci Iber 90
phin einnimmt (Birch, Num. Chron. 4 p. 142, ihrer Heilquelle schrieb man xocficizcov «ai ülyr\-
Head, H. N. p. 528); vgl. nr. 14. Drexler.] — fiäxmv nuvxoiav tdfiaxazu; der gemeinschaft-
c) Sohn der Io, Schol. Od. 18,246. Eustath.p. 1845, liehe Name dieser Nymphen ist sonst 'Icoviäeg (s.
12. 1465,61. Auch von diesem wird der Name d.), sie selbst heifsen Kalliphaeia, Synallaxis (Sy-
"laoov'AQyog hergeleitet. — d) Bei Apollod. 2, 1, 2 naithaxis Lobeck), Pegaia und Iasis, ihre Quelle
und Hygin. f. 145 ist die früher vermutete und ihr Heiligtum lag in unmittelbarer Nähe
Lesart Jasos zu entfernen und dafür Ekbasos des elischen Flusses Kytheros, Paus. a. a. 0.;
zu sehreiben, s. Schal. Eur. Or. 920. — 2) Sohn bei Strabo 8, 3, 32 p. 356 heifsen die Nymphen
des Lykurgos und der Kleophile oder der 'laviädsg, der Flufs Kytherios; auch Strabo
Eurynome, Urenkel des Arkas, Bruder des io schreibt ihnen die Fähigkeit zu nrigaTtiv stv
Ankaios, Epochos und Amphidamas, Gemahl vöoovg xoig väaaiv. Mehr b. Maafs a. a. 0.
der Klymene (s. Stark, Niobe 358), der Tochter • [Höfer.]
des Minyas, Vater der Atalante, Apollod. 3, Iatromantls ('[a\qöfiavxtg), Beiname des
9, 2. Schol. Eurip. Phoen. 150, vgl. Hygin. f. kpoWon, Aesch.Eum.&i (vgl. Bd. 1 Sp. 442, 41 ü'.).
70. 99, wo er Iasios, Aelian V. H. 13, wo er _ [Höfer.]
Iasion, Schol. Ap. Eh. 1, 769, wo er Iasos oder Iatros ('laxgög), 1) 6 rjptos taxQog ö tv äoxst,
Iasion (s. d.) heifst. Gerhard, Gr.Myth.2-p. 236.— der Heros-Arzt, mit Eigennamen Aristo-
3) Iasios, ein Arkader aus Tegea, der zur Zeit machos (Bd. 1 Sp. 2865). Heilkult in Athen
des Herakles mit dem Rennpferd im Wett- neben dem Theseion. Das Grab desAristomachos
kämpfe zu Olympia siegte, Paus. 5, 8, 1. 8, 48, 1. so war in Marathon, von wo der Kult nach Athen
— 4) Iasios, Sohn des Eleuther, Vater des übertragen sein wird, Dem. de falsa leg. 18, 129
Chairesileos, Grofsvater des Poimandros, Grün- (270 E.). Apollon. Vit. Aeschin. Bekker anecd.
ders von Tanagra, Paus. 9, 20, 2. — 5) Iasos p. 262. Hesyeh. v. laxgög. [Nach Bekker anecd.
oder Iasios, Vater des Amphion, Königs von 263, 11 hiefs er Oresiniosund wurde iu Eleusis
Orchomenos, des Vaters der Chloris, welche verehrt. Höfer.] S. d. Inschriften (gefunden an
Neleus heiratete, Od. 11, 283. Paus. 9, 36, 4. der Athenastrafse gegenüber dem Boreasbrunnen
Seine Gemahlin war Phersephone, Tochter des und der Kapelle der H. Maura, vgl. Müchhöfer
Minyas, Pherekydcs b. Schol. Od. 11, 281. in Baumeisters Denkmälern S. 170) des aus-
Vülcker, Iapetos 357. Müller, Orchom. 231. gehenden 3. und 2. Jahrh. v. Chr. bei G.Hirsch-
Stark, Niobe 357 f. — C) Sohn des Sphelos, 30 feld, Hermes 1874, 350. Eustratiades, 'Aq%ui.oX.
Enkel des Bukolos, ein Führer der Athener 'Eqpr/fi. 1874, 490. Kumanudes, 'A%-i)veaov 1874,
vor Troja, von Aineias getötet, II. 15, 332 ff. 202. Koehler, C. I. Att. 2, 1 nr. 403. 404. Vgl.
337 u. Schol. — 7) Vater des Dmetor, König Hermes 20, 42. — 2) Ganz verschieden ist 6
von Kypros, Od. 17, 443. — S) Vater der £ivog larQÖg, nur bei Lucian, Scyth. 1: der
Nepeia, der Gemahlin des mysischen Königs fremde Arzt, Kultbezeichnung des an einem ver-
Olympos , nach welcher das nepeische Gefilde witterten Grabstein vor dem Dipylon zu Athen
benannt war, Schol. Ap. Eh. 1, 1116. — 9) Ke- verehrten Toxaris (s. d.). [v. Sybel.] — [3) Ia-
pheus heifst Iasides, S. des Iasos, Arat. Phaen. tros als Beiname des Apollon findet sich auf
179 (s. dagegen Schol). Orig. Philos. 4, 48 p. 86 kleinasiatischen Münzen (ATTOAAQN. IATPO[I]),
ed. Müler. Buttmann, Myth. 2, 179. — ,10) Iasos do G'rotefend, Hannov. Num. Anz. (1870) p. 192;
oder Iasios, nach Überlieferung der Eleer einer r. Hallet, Ztschr. f. Num. 2 (1878) p. 108; Loeb-
der idäischen Daktylen oder Kureten, P«!«s. 5,7,4. becke, Ztschr. f. N. 12 (1885) p. 319; Michel P.
14, 5 (s. ob. Sp. 60). — 11) Palinurus, der Steuer- iMmbros, Monnaies portant les inscriptions
mann des Aeneas, heifst Iasides, S. des Iasos A10I AITAIOT et ATTOAAftNOI IATPOY, Bull.
oder Iasios, Verg. Aen. 5, 843 u. Serv. z. d. St. de Corr. Hell. 2 (1878) p. 508 — 510; und in In-
n. zu 3, 202. — 12) Iapyx (s. d.) heifst Iasides Schriften, so in einer von Apollonia (Sizopoli),
Verg. Aen. 12, 391. — 13) Iasios = Iasion (s. d.), Jirecek, Arch. Ep. Mitth. aus Oesterr. 10 (1886)
Hes. Theog. 970. Verg. Aen. 3, 167. Ovid. Am. p. 163, 1 Z. 5, Larfeld, Jahresber. üb. d. Fort-
3, 10, 25; s. Iasion. [— 14) Eponymos und sehr. d. cl. A. W. Bd. 52 Jg. 15, 3 p. 548 (AnuX-
Oikist von Iasos, einer argivisehen, durch 50 Xasvi »jrp[<»]); einer aus Südrufsland, C. I. Gr.
ihren Fischhandel berühmten Kolonie an der add. 2134a ('AnoXXcovt. wjTprö); vielleicht einer
Küste von Karien, also verwandt oder identisch aus Olbia, nach Latyschew's (Inscr. ant. orae
mit Iasos I. (s. d.). Er erscheint auf Münzen von sept. Ponti Euxini Gr. et Lat. 1 p. 126 n. 93)
Iasos (Imhoof -Blumer, Monn. gr. 311. Head, Ergänzung vonTOAAfiNI za'Aii]6l7.covi'J[rjXQäi];
Hist. Num. 528) „appuye sur un dauphin, nageant auch in den Inschriften von Pantikapaion kommt
ä Ar", was auf einen der Taras- und Arionsage er nach Latyschew a. a. 0. öfter vor. In einem
ähnlichen Mythus deutet. Roscher.j [Stoll.] Hyrnnos von Delos {Ball, de Corr. Hell. 6 p. 131
Iatroi ('laxQoi), Name gewisser Nymphen Z. 3 ff.) wird er angerufen ["Ati^oXXoV ÜQxtt7f —
in Elis, Hesyeh. s. v., wo ursprünglich stand ßgoxäv laxge; Aristophayies nennt ihn latoüg
lazQoC' vv/Kpai xivig xaXoivxui y.cti mgl tjaiiuv oo Aves 584, Plutos 9 — 11; vgl. über Apollon als
&£Qu7tovxtg. Meineke im Philol. 12 (1857) Heilgottheit unter anderen Wieseler, Gott.
p. 602 verbesserte mit Bezug auf Paus. 6, 22, 7 Nachr. 1880 p. 39 — 40; Evans, Num. Chron.
und Nie. bei Athen. 14 p. 683 a 'Iaxgoi- vv(i<j>ui 1867 p. 1 — 4 PL 1, 1; Wanciek Wroth, Apollo
Zivis kkXovvzch tisqi 'HXilav. Meinekes Ver- with Ihe Aesculapius staff, Num. Chron. 1882
mutung ist evident (s. Maafs im Lektions- p. 301 — 305; Himly, Apollo medicus. Gottingae
katalog von Greifswald Ostern 1890 S. XVII): ' 1820, 4", F. Bruchmann, De Apolline et Mi-
denn die eine der von Paus. a. a. 0. aufgeführten nervo, deis medicis. Vratisl. 1886. Drexler.]
Nymphen hiefs "la aig (s. d.) und dem Gebrauche Iber ("jßrjQ), 1) Sohn des Herakles, der ihn
91
Iboite
Ichthyokentauren
92
samt dem Keltos mit der Tochter eines Bar-
barenfürsten (der Keltine, Parthen. Erot. 30)
erzengte; nach Iber wurden die (hispanischen)
lberes benannt, Eustath. ad Dionys. Perieg.
2S1. — 2) Auf einem Sarkophagrelief aus
Huesca (Osca) vermutet Hühner, Arch. Am.
21 (1863), 6G in einer der gelagerten Orts-
gottheiten den Stromgott Iberus; personifiziert
erscheint der izovzog "lß)jp bei Nonn. Dionys.
43, 292. Vgl. Hiberus. [Höfer.]
Iboite [dat.] Drei in Lambesc bei Arles
gefundene, heute verschollene Inschriften. 0.
1. L. 12, 637 — G39 enthalten die Widmung
Iboite. Die Dedikanten sind Freigelassene.
Zuerst publiciert von Miliin, Voyage dans le
midi II p. 188. 189 (hieraus de Wal, Mythol.
sept. monumenta epigr. nr. 151 — 153). Die
Gottheit ist nicht weiter bekannt. [M. Ihm.]
Ica. Eine Göttin dieses Namens auf der
dalmatinischen Inschrift C. I. L. 3, 3031. 31.
Vipsanius M. l(ibertus) Faustus Icae v. s. I.
m. Die Lesart ist nach Mommsen sicher, die
Göttin unbekannt. [M. Ihm.]
Icaunis dea. In der Altarinschrift Orelli 187
= I)e Wal, De Moedergod innen, Leyd. 1846
S. 119 nr. 154 (Auxerre): Aug sacr deac (so
steht auf der Inschrift, nicht deab, wie Orelli
u. de Wal geben; vgl. de Wal S. 173. J. Becker,
Beiträge z. röm.-Jseltischen Mythologie, in Jahrbb.
d. Ver. von Alterth.-Freunden im Bheinl. 26,
1858 S. 104. M. Ihm, Der Mütter- oder Matronen-
kultus und seine Denkmäler, in Jahrbb. d. Ver.
n. s. w. 83, 1887 S. 104 Anm. 6) leauni | T. Te-
tricius African \ d. s. d. d nimmt man gewöhn-
lich unbegreiflicherweise eine dea leauni an (nur
(/< Wal meint, dafs auf der Inschrift ursprüng-
lich deab(us) Icaunis gestanden habe), wobei
leauni doch nur gen, von Icaunus oder Icau-
uum sein kann, während die Widmung fordert,
in leauni den dat. von Icaunis zu sehen.
Jedenfalls ist dies die Flufsgöttin der Icauna
= Tonne (ähnliche weibliche Flufsgottheiten
führt Becker^ a. a. 0. an). [R. Peter.]
Icliliaia ('ixvctiu), Beiname der Themis, Hom.
Hymn.Ap. 94. Strabo$,5, 14 p. 435. Lycophr. 129
und Tzetz. das. Hesych. s. v .' 'I%vuiriv %ri>Qctv. Steph.
Byz. s.y."l%vai. Nach.S'fra&o a.a.O. hat sie ihren
Namen von der thessalischen, nach Steph. Byz.
von der makedonischen (vgl. Herod. 7, 123)
Stadt lchnai; hier sei sie auf ihrer Flucht
vor Zeus von diesem eingeholt worden und
habe den Namen 'l%vaia bekommen änb zov
dia>x&fivat xar' i'pos; auch Hesych. verlegt
ihre Verehrung zusammen mit der des Apollon
nach Makedonien ^lfvain %wou); nach Tzetz.
a. a. 0. ist sie 'l%vaiu genannt Sia zb uaz'
i'pos x«i xazä noäag zü>v Ti-javzav (vgl.
Bd. 1 Sp. 1647, 47) 'tTtea&ai oder äice zb k<xz' i'%voq
zütv ävägäv noptvio&ai; doch wird man bei
letzterer Deutung eher an die Nemesis zu
denken haben, die selbst 'Ixvain nao&ivog
heilst, Anth. Pal. 9, 405 = Brunck, anal. 2
p. 186. | Höfer.]
Iclinobates ^I%voßätinq), Name eines Hundes
des Aktaion, Ovid. Metam. 3, 207 f. [Höfer.]
Iohor (Jido), die in den Adern der Götter
an Stelle des Blutes befindliche Flüssigkeit,
„Götterblut", das z. B. der Aphrodite nach
ihrer Verwundung durch Diomedes entfliefst.
Hom. II. 5, 339. 416. Eust. ad IL 553, 40.
Plut. vit. Alex. 28. de Alex. M. fort. 9.
Apophthegm. Alex. 16. [Höfer.]
Ichsina (i%siun), etruskischer Name des Ixion
(s. d.) auf einem Scarabäus aus Sicilien, einst in
der Sammlung Castellani; s. Heydemann, Bull.
1 869, 55 ; Fabr., Pr. Spl. 465, u. vgl. Deecke, Bezz.
Beitr. 2, 167, nr. 58; Corssen, Mr. 1, 817. [Cat.
10 of gems Brit. 3Ius. nr. 334 R.]. [Deecke.]
Ichthyokentauren ClxQvoxEvravQoi), jetzt
gewöhnlich See- oder Fischkentauren genannt,
bilden eine besondere Klasse der zahlreiche
Arten [Seeböcke, Seedrachen, Seehirsche, See-
löwen, Seepanther, Seerosse oder Hippokampen
(s.d.), Seestiere u. -Kälber, ja sogar Seeelefanten
(Arch. Ztg. 33 S. 93) u. s. w.; vgl. z.B. die Re-
gister zu Furtwängler, Besehr. d. Berl. Yasens. 2
S. 1092, zu Mate-Huhn, Ant. Bildw. in Born und
20 zu Dütschke, Ant. Bildw. in Oberit. 0. Jahn,
Arch. Z. 18, 115 ff.] umfassenden Gattung von
Meerwesen (cete, hippocampi, Tritones, pistrices
Plin. n. h. 36, 26), mit denen namentlich seit
Skopas (Plin. a. a. 0. Brunn, Eünstlerg. 1,
322) die bildende Kunst der Griechen und
Römer die Darstellungen des Meeres und seiner
Götter ausstattete und belebte. Als charakte-
ristisch für diese Seekentauren werden heut-
zutage gewöhnlich folgende 3 Merkmale be-
30 trachtet: menschlicher Oberkörper, Vorderbug
eines 4 füfs. Tieres (in der Regel eines Pferdes)
und Fischhinterleib, so dafs zwischen den See-
kentauren und Tritonen im wesentlichen nur
der Unterschied besteht, dafs diesen die Tier-
beine am Vorderbug fehlen. Ob freilich schon
die Alten beide Gattungen streng von einander
schieden, mufs dahingestellt bleiben. Aus den
beiden einzigen aus der Litteratur bekannten
Stellen, wo die Gestalt der Seekentauren be-
io schrieben ist, werden sie (wie auch Müller,
Hdb. d. Arch. 3 402, 2 thut) mit den Tritonen
(s. d.) identificiert. Vgl. Tzetz. z. Lykophr. 34:
Tpizcov v.vpiiog v!bg llooEidävog xori AycpizQi'z^g,
zä ulv aveo ut%pi zov öutpaXov avirpanog , to:
dl f| oyrpaXov utxQtg ovpaiov (Jfleplg «ai oiov
ihtsiv ix^V0K^VTKVQ°s. ib. 886: Toixiov zä
filv civco . . . äv&panog r]v ziXuog £3(pas zi
tycov Kai za loiitd, zä Sh iv. Xayoviov v.uxa
öiXiplg , i'xtov Svo iiovovg tfi7ipoß&iovg
50 iröäag Tnnov x. z. X. (vgl. Schol. zu v. 892).
Claudian nupt. Hon. et Mar. 144 ff. läfst die
Venus auf dem Rücken eines solchen See-
kentauren, den er Triton nennt und, wie es
scheint, mit Stierfüfsen ausstattet, über das Meer
reiten: prorupit gurgite torvus | Semifer: undosi
rerrebant bracchia erwies | Hispida tendebat
bifido vestigia cornu, \ Qua pistrix coynmissa
viro. Dieser Schilderung entspricht mehr oder
weniger das von Heibig, Wandgem. unter nr. 308
co beschriebene pompejanische Gemälde (vgl. auch
ebenda nr. 309 — 311. Heradanum u. Pomp,
gest. von Boux aine 4 Taf. 16. Arch. Ztg.
1858 Taf. 112). Häufig finden sich auch Ab-
weichungen von der oben geschilderten Normal-
gestalt des Ichthyokentauren. So sehen wir
z. B. auf dem pergamenischen Altarfriese einen
Seekentauren (Triton?) mit menschlichem Ober-
körper, Pferdebug, Fischleib und Flügeln
93
Ichthyokentauren
Ida
94
(letztere sind seltsamerweise nicht aus Federn,
sondern aus Seegewächsen oder Teilen von See-
tieren gebildet), auf dem berühmten Münchener
Relief (Hochzeit des Poseidon und der Amphi-
trite, Overbeck,K. 31.2, 357) erneu solchen mit
Krall enfüfsen statt der Pferdefüfse erscheinen
(vgl. auch die krebsscherenartigen Klauen*) der
Ichthyokentauren in d. Arch. Ztg. 18, Taf. 143,
S. 117 u. Fruhner, Kotice du Louvre 1 S. 25;
auf pompejanischen Gemälden kommen — nach
Analogie der gehörnten Kentauren (s. d.) — auch
gehörnte Ichthyokentauren vor. Aufser der
Aphrodite und dem Eros (Friedericlts-Wolters
nr. 1907/8; vgl. auch Collection A. Castellani
nr. 667) reiten auf den Ichthyokentauren
häufig Nereiden (so namentlich auf Sarko-
phagen: Frühner, Kotice de la sculpt. mit. du
Louvre nr. 439 — 442; vgl. Chirac 2 pl. 206,
194. pl. 207, 196. pl. 208, 197. pl. 224, 83.
Dütschhe, Ant. Bildw. in Oberit. 1, 45. 70.
Litteratur: Vofs , Mythol. Br. 2, 226 ff. O.
Jahn, Bei: d. Leipz. Ges. d. Wiss. 1854 (V)
S. 179. Birt, Marburqer Lectionsl: Sommer
1885 S. VI. Vgl. d. Artikel Triton. [Röscher.]
Ichthys ('-f^iK's), Sohn der syrischen Göttin
und Königin Ätargatis oder Gatis, samt seiner
Mutter von dem Lydier Mopsos ertränkt,
Xa7ithos bei Athen. 8, 346 e; nach Mnaseas
v. Patrai ebendas. 7, 301 d erzeugte I. mit
10 seiner Schwester Hesychia (s. d.) die Galene,
die Myraina und die Elakatenen, vgl. Eust.
Od. 1488, 35. v. Baudissin, St. z. semit. Bei.
2, 165. [Höfer.]
Icotii (oder Icotiae), unbekannte Gottheiten,
die auf einer fragmentierten südfranzösischen In-
schrift erscheinen. Man hat sie zu den Müttern
oder Matronen in Beziehung setzen wollen.
Beoue e'pigr. 1 p. 78. C. I. L. 12, 2902. Bonn.
Jahrb. 83 p. 103. [M. Ihm.]
20 Icovellauna dea, vermutlich eine gallische
Ichthyokentaur (Triton?) mit Krallenfüfsen, eine Nereide tragend, von dem Relief in München (nach Seemann,
Kunsthislor. Bilderbogen.l 22, 5); vgl. ob. Sp. »3, 3ff.
106. 111. i,119[=Friederichs-Woltersnr.l83i];
vgl. auch Mus. Pio-Clem. nr. 228 etc.), bis-
weilen auch Siiene {Matz-Duhn a. a. O. 2395),
mitunter werden sie von Triton geführt (Matz-
Duhn 3465), sie tragen Ruder, Dreizacke, Stäbe,
Trinkgefäfse, Lyren und blasen Muscheltrom-
peten und Flöten (Matz-Duhn 2357. Friede-
richs, Berl. ant. Bilchv. 2, 677 a, Overbech,
K. 31. 2, 363. Hercul. u. Pomp. gest. von
Botix 4, Taf. 11 u. 16). Sonstige Bildwerke:
^lrc7(. Z. 18 S. 115 f. Taf. 143. Matz-Duhn
580(?). 3391. Heibig a. a. O. 1065 ff. 1319. 1321.
1575. Clarac 4 pl. 745, 1808. pl. 747. Kehde,
Sicil. Terrae, t. XLI, 1. Spanheim, Kum. ant.
5, 12. Arch. Ztg. 1885 (43) S. 26 Taf. 4.
*) Nicht selten finden sich auch Ichthyokentauren,
deren Pferdebeine ganz in flosseniihnliehe Gebilde auf-
gelöst sind: so auf dem Sarkophagrelief bei Clarac, Mus.
de sculpt. pl. 206,192, auf "Wandgemälden Pitture d' Erco-
lano 1 Taf. 44 p. 233 = Heibig 1005. Mus. Borbon. 12, 32
(= Zahn, Ornam. u. Gem. 3, 4), auf dem geschnittenen
Steine Lamy, Cab. de p. gr. 2 pl. 126 nr. CS (Mitteilung
von R. Dresfler).
Lokalgottheit. Die spärlichen Inschriften, die
sie erwähnen (Bronzetäfelchen und Steinfrag-
mente), stammen aus Sablon bei Metz (Bone
in den Bonn. Jahrb. 66 p. 64 ff. und Moeller
so im Korresp.-Bl. der Westdeutschen Zeitschrift 1
p. 29). Man vergleiche gallische Namen wie
Cassi-vellaunus, Vellauno-dunum, die aus Caesar
bekannt sind, u. a. m. (Bonn. Jahrb. 66 p. 66).
[M. Ihm.]
Ida s. Ide.
Idaei Dactyli s. Daktyloi.
Idaia ('iSaia), 1) Nymphe, von dem Flufs-
gott Skamandros Mutter des Teukros, Königs
der Teukrer, Apollod. 3, 12, 1. Diod. 4, 75..
60 Tzetz. L. 29. Serv.V.Aen. 3, 109. — 2) Tochter
des Dardanos, zweite Gemahlin des thrakischen
Phineus, welche durch Verleumdung diesen
veranlafste, dafs er seine Söhne aus erster Ehe
blendete, oder selbst sie blendete, Sophokl. b.
,S'c7ioZ. Ap. Bit. 2, 178, vgL 1, 211. 2, 140.
Soph. Antig. 980 u. Schol. Apollod. 3, 15, 3.
Diod. 4, 43. Ov. Bern. Am. 454. Welcher, Gr.
Tr. 1, 329. Preller, Gr. Myth. 2, 330. Gerhard,
95
Idaios
Idas ^Genealogie u. Thaten)
96
Gr. Myth. 2 p. 245. — 3) Nymphe, nach Be-
hauptung der Erythräer von dem erythräischen
Hirten Theodoros Mutter der Sibylle Herophile,
Paus. 10, 12, 4. — 4) Mutter der Kureten, Biod.
3, 61. — 5) Beiname der am phrygischen Ida
verehrten Kybele, '18aiu /mjr?;p, Eurip. Or. 1453.
Hesych. s. v. Verg, Arn. 10, 252. [Stoll ]
Idaios (Idaiog), 1) Sohn des Dardanos n.
der Chryse, Bruder des Deimas, zog mit seinem
Vater aus Arkadien über Sarnothrake nach 10
Phrygien , wo er sich am Hellespont auf den
Bergen niederliefs, die nach ihm die idäischen
hiefsen. Hier sollte er Tempel und Geheim-
dienst der phrygischen Göttermutter errichtet
haben. Dardanos selbst liefs sich in Troas
nieder, Bion. Hai. 1, 01. Gerhard, Gr. Myth.
2 § 880 u. p. 245. — 2) Sohn des Pria-
mos, Ptol. Heph. 5 p. 324. — 3) Sohn des
Paris und der Heleua, Bruder des Bunikos,
Korythos, Aganos, Tzetz. L. 851. Tzetz. Hom. 20
440 ff. Bikt. 5, 5. — 4) Herold der Troer, II.
3, 248. 7, 276. 381. 413. T:ets. Hom. 166.
Wagenlenker des Priamos, dl. 24, 325. Tzetz.
Hom. 311. Verg. Aen. 6, 485. — 5) Sohn des
troischen Hepbaistospriesters Dares, Bruder
des Phegeus, II. 5, 11. — (i) Führer der kre-
tischen Korybanten, begleitet den Dionysos
nach Indien, Konn. Bion. 14, 34. — 7) Bein,
des Zeus, IL 16, 605. Verg. Aen. 7, 139; [vgl.
Jacobi und Pape- Benseier s. v. Idaios. Der- 30
selbe ist ferner inschriftlich belegt in Kreta,
wo in der Grotte beim Nidafeld im kretischen
ldagebirge, dem Heiligtum des Zeus Idaios,
die Widmung Ja 'läal[m(i)] \ ft^r/v. | Agtijq
'A ltt,u.v öqov gefunden worden ist {Ernst
Fabricius, Mitt. d. B. Arch. Inst, in Athen
10, 1885 p. 280 — 281, vgl. ebenda p. 59—72
Ernst Fabricius, Altertümer auf Kreta 2.
Bie idäische Zeusgrotte), sowie auf Münzen
Domitians, die nach Mionnet von kretischer 40
Fabrik sind und einen Adler mit ausgebreiteten
Schwingen nebst der Aufschrift AIOI • IAAIOY
zeigen, Mionnet 2, 258, 8; Suppl. 4, 348, 327.
Auf Münzen des Commodus von Skepsis er-
scheint er stehend, den Adler auf der R., das
Scepter in der L., mit der Beischrift Z6YC
GIAAIOC, Mi. 2, 669, 254. Gat. Ivanoff p. 28
nr. 247. Head, H. N. p. 474. Münzen von
llion, Head, IL N. p. 473, geprägt unter
Faustina juu., Mi. S. 5, 563, 426 und S. 7, 50
404 = Pellerin, Mel. 2 p. 96, 340 (letztere
fälschlich unter Iulia Phrygiae, s. Cavedoni,
Spicil. num. p. 239) und lulia Domna, Mi. 2,
664, 225 stellen ihn dar thronend, die Statue
der Athena Ilias haltend, begleitet von der
Beischrift AIA IAAION. Drexler.] — S) Bein,
des Herakles, der zu den idäischen Daktylen
gezählt wird, Paus. 5, 8, 1. Müller, Bor. 1,
454. — 9) Gefährte des Aeneas, Verg. Aen.
9, 500. [Stoll.] co
Idalia (Idalie Ov. Metam. 14, 094), Beiname
der Venus von dem ihr heiligen (sacrata sedes
Verg. Aen. 1, 681, 093. Thcokrit. 15, 100. Ca-
tall. 04, 96. 61, 17. 36, 12) Idalion auf Kypros.
Ovid a. a. O. Verg. Aen. 5, 760. Gvid. ars am.
3, 106. [Höfer.]
Idarnas (Iddovag), Name eines Sehers (He-
sych.), nach dem die ldarnaioi ('löagvccioi),
eine W-ahrsagerfamilie, benannt sind; Phot.
s. v. 'läctgvctioi. Idarnas bedeutet nach He-
sych. und Kallistratos bei Phot. ixTOfiLctg (der
Verschnittene). [Höfer.]
Idas ("iSag, gen. -ä Apollod. Plut. Paus.,
-ov Et. M., -avtog Kallim. im Et. M. , -fco
episch). — 1) Sohn des Aphareus und der
Arene, Tochter des Oibalos. Arene heifst
auch eine Stadt in Elis (II. 2, 591. 11, 723.
Strato 8 p. 346. 347. 361) und eine zweite in
Messenien, die von Aphareus gegründet sein
soll (Paus. 4, 2, 5). Nach dem Vater heifst
Idas 'Aepctgriiog (Ap. ffltod. 1, 4S5) mit seinem
Bruder Lynkeus zusammen 'AcpagrjTiciSai
Ap. Ph. 1, 151 oder 'AtpugnziSai (Pind. Nein.
10, 121) nach der Heimat auch 'Agrjvn&sv
Ap. Rh. 1, 152. Ein weiterer Bruder heifst
Peisos. Idas ist Gemahl der Marpessa,
Vater der Eleopatra mit dem Beinamen
Alkyone, so genannt nach den Wehklagen
ihrer Mutter, als Apollon sie raubte; It. 9,
558 — 564. Dies ist die einzige Erwähnung bei
Homer, vgl. dazu ., Sc/10?. Eustath. p. 776, 12.
Nach Apollod. 3, 10, 3,4 wurde Idas vielfach als
Sohn des Poseidon betrachtet. Seine Mutter
wird auch Polydora genannt, Schol. Ap. Phod.
1, 151, oder Laokoossa Theolcr. Id. 22, 206.
Tzetz. z. Lykophr. 511 nennt sie Arne, wofür
wohl Arene zu lesen ist.
Idas wird geschildert als der stärkste der
Menschen bei Homer a. a. O.: og xaQTiotog
tnn&oviav yivtx' avSqäv\ imsoßiog "Idag heifst
er bei Ap. Ph. 1, 151, ibid. jrfpilrßpff)^ uiyäXy
äXy.fj, HotQTsoög Theokr. Id. 22, 140; relox
Idas bei Ovid Met. 8, 305, acer, ferox bei
Hyg. f. 14. Seine Kraft und sein Mut sind
so grofs, dafs er selbst mit Göttern den
Kampf aufzunehmen wagt, so in dem Streit
mit Apollon.
Thaten des Idas. a) Seine Gemahlin
Marpessa war Tochter des Euenos, Sohnes des
Ares. Um sie warb auch Apollon, aber Idas
raubte sie ihrem Vater auf einem Flügelwagen,
den er von Poseidon empfangen (hieran an-
knüpfend mag die Wendung der Sage ent-
standen sein, die ihn zum Sohne Poseidons
macht; übrigens erhält auch Pelops seine
Rosse von Poseidon (Pind. Ol. 1, 109 ff.). Bei
der Verfolgung des Räubers kommt Euenos
an den Flufs Lykormas; da er aber den Idas
nicht einholen kann, tötet er hier seine Pferde
und stürzt sich in den Flufs, der nach ihm den
Namen Euenos erhält (war Euenos ursprüng-
lich ein Flufsgott?). Idas kommt nach Mes-
senien; Apollon sucht ihm nun seine Braut zu
entreifsen; aber Idas spannt gegen ihn den
Bogen (77. 9, 559); da tritt Zeus schlichtend
zwischen die Kämpfenden und überläfst der
Jungfrau die Wahl, welchem sie folgen wolle.
Marpessa wählt den Sterblichen, aus Furcht,
Apollon möchte sie verlassen, wenn sie altere.
So Apolloelor 1, 7, 8 f. Nach Homer II. 9,
564 hatte Apollon Marpessa, als sie schon
Verlobte des Idas war (500), geraubt, und sie war
eine Zeit lang in dessen Besitz, bis Idas sie
ihm wieder abnahm; wenigstens scheint die
Hervorhebung der schweren Klage der Braut,
die mit der des Eisvogels verglichen wird,
97 Idas (u. Marpessa, I. als Argonaut etc.) Idas (Kampf m. d. Dioskuren) 98
diese Auffassung zu erfordern; ebenso das den Kastor in dem Stamm einer hohlen Eiche
Epigramm vom Kypseloskasten (Paus. 5, 18, 2): sitzen sehen, und dies dem Idas mitgeteilt.
>/r„ - . / ,, , « <■,. f.. Nun flohen sie vor Polydeukes, der, um seinen
/dag Magnriaaav -/MliLcqivoov, av o^ Aitoli-wv u i ■• i ■ p i \ i_- j
w *, ' , . ,/ T /,' » >, rsruaer zu rächen, sie vertolgte, bis zu dem
y ' ' Grabmal ihres Vaters; hier rissen sie die Grab-
Nach Simonides bei Schol. Hom. 11. 9, 553, säule herab und schleuderten sie dem Poly-
Bäkchylides bei Schol. Pind. Isthm. 4, 92 deukes auf die Brust; doch dieser durchbohlte
mufsten die Freier der Marpessa mit Euenos den Lynkeus, den Idas aber traf der Blitz-
einen Wettlauf zu Wagen eingehen, wobei er strahl des Zeus, in dessen Flamme sie beide
sie einholte und tötete, wie Oinomaos die 10 verbrannten. Vgl. auch Kypria frg. $ Kinkel.
Freier der Hippodameia. Vielleicht ist der Proklos Chrest. 1, ibid. p. 18. Schol. Pind.
Flügelwagen des Idas und seine Verfolgung Nem. 10, 114. Eine willkommene Ergänzung
durch Euenos noch eine dunkle Reminiscenz dieser Schilderung bietet Apollodor 3, 11, 2.
an diese Wendung der Sage, wie ja auch Nachdem dieser berichtet, Kastor und Poly-
Oinomaos in ähnlicher Weise seineu Tod deukes hätten aus Messenien die Töchter
findet bei der Wettfahrt oder Verfolgung des des Leukippos geraubt und geheiratet, läfst
Pelops. Vom Reigentanze hinweg — also vom er die Dioskuren gemeinschaftlich mit den
Vaterhaus — raubt Idas die Marpessa nach Apharetiden einen Beutezug nach Arkadien
Plut. parall. 40 p. 315 D u. Schol. IL 9, 557. — ausführen. Die Teilung der erbeuteten Rinder
Den Stieit des Apollon und Idas schlichtet 20 wird dem Idas übertragen. Dieser zerlegt ein
Zeus entweder persönlich oder durch Hermes, Rind in vier Teile und bestimmt, wer zuerst
oder Iris, vgl. 0. Jahn, Arch. Aufs. S. 46 — 56. sein Viertel aufgegessen habe, solle die Hälfte
Dafs Apoll die Marpessa entehrt habe,., be- der Beute bekommen, der zweite den Rest,
richtet nur Clemens Alex, protr. p. 9, 32. Über Idas ist mit seinem Teile zuerst fertig, ifst
die bildlichen Darstellungen s. u. Sp. 101. dann auch noch den seines Bruders auf, und
b) Idas erscheint mit Lynkeus auch als nun treiben die beiden die ganze Beute ihrer
Teilnehmer an der kalydonischen Eberjagd, Heimat zu. Darauf ziehen die Dioskuren nach
Apd. 1, 8, 2, 3. Ovid Met. 8, 305. Seine Messenien und holen sich mit Gewalt jene
Tochter Kleopatra ist ja die Gemahlin des Beute und noch viele andere dazu. Dem idas
Meleagros. 30 und Lynkeus aber lauern sie unter einer Eiche
. c) Auch unterden Argonauten(s.d.) werden auf. Lynkeus erblickt jedoch den Kastor, saut
die Aphariden genannt Apd. 1, 9, 16, 8. Ap. Rh. dies dem Idas, und dieser durchbohrt nun den
1,151 ff. Orph. Arg. 178. Bei den Mariandyneru, Kastor. Polydeukes verfolgt die beiden, tötet
im Lande des Königs Lykos findet Idmon (s. d ) den Lynkeus, wird aber von Idas auf der
durch einen Eber seinen Tod; Idas rächt den- weiteren Verfolgung mit einem Steine so
selben durch Erlegung des Ebers, Ap. Eh. 2, schwer getroffen, dafs er die Besinnung ver-
817 ff. 832. Hygin. f. 14. In Mysien wollte er liert. Da erschlägt Zeus den Idas mit dem
den König Teuthras seines Landes berauben, Blitze. Die Abweichung dieser Erzählung von
dieser aber besiegte ihn mit Hülfe des Telephos der Pindars ist gering; Ap. sagt zwar nicht, dafs
und Parthenopaios, Hyg. f. 100. 40 der Stein vom Grabe des Aphareus war, und
d) Der Kampf der Apharetiden mit läfst nicht beide Brüder durch den Blitz Ver-
den Dioskuren wird verschieden berichtet. zehrt werden, aber die Veranlassung des
Der Ort des Kampfes ist nach den älteren Kampfes ist dieselbe wie bei Pindar, und der
Quellen übereinstimmend in der Nähe des Ort ist gleichfalls Messenien. — (3) Die zweite
Grabes des Aphareus, also mit gröfster Wahr- Klasse von Überlieferungen giebt als Ver-
scheinlichkeit in Messenien, und zwar wohl anlassung zu dem Kampf den Streit der
bei Arene, denn die Verlegung dieses Grabes Brüderpaare um den Besitz der Leukippiden
nach Sparta ist nach Paus. 3, 13, 1 jedenfalls an, mit allerlei Variationen im einzelnen. Bei
erst späteren Datums. Auch die Heimat des Ocid (F. 5, 699 — 714), dessen Erzählung mit
Leukippos, wo nach einer Version der Kampf 50 Klasse a mehr übereinstimmt als Theolcrit,
stattfand, wird erst von späteren Quellen nach sind die Apharetiden die Verlobten der Leu-
Amyklai oder Aphidna verlegt (Lykophr. 559. kippiden, welche ihnen von den Dioskuren
Ovid. f. 5, 708. Hyg. poet astr. 2, 22, St. B. geraubt werden. Auf dem Kampfplatz, den
s. v. AtfiSva); die ältere Überlieferung nennt Ovid Aphidna nennt, wird Kantor von Lynkeus
ihn übereinstimmend einen Fürsten in Mes- getötet, Polydeukes rächt seinen Bruder und
senien. Vgl. Böckh, Expl. Pind. p. 472 f. wird nun seinerseits von Idas angegriffen, aber
Hinsichtlich der Veranlassung des Kampfes von Zeus gerettet, der den Idas_mit dem Blitze
zerfallen unsere Quellen in zwei Klassen, die erschlägt. Iheokrit 22, 137 — 211 erzählt die
sich jedoch dem tieferen Sinn des Mythos nach Veranlassung zum Kampf übereinstimmend mit
nicht widersprechen. Pindar, Apollodor und 60 Ovid. Beim Grabhügel des Aphareus holen
Pausanias (4, 31) lassen den Streit über ge- die Apharetiden die Räuber ein. Nun macht
raubte Rinder entbrennen, Theokrit, Ovid und Lynkeus den Vorschlag, den Streit durch einen
Hygin um die Tochter des Leukippos, wobei teil- Zweikampf zwischen ihm und Kastor zu ent-
weise gleichfalls ein Rinderdiebstahl hereinspielt scheiden. Dafs in diesem nicht, wie sonst
(Schol. vet.z. Lykophr. 548 Kinkel). — a) Pindar übereinstimmend, Kastor der Unterliegende
Nem. 10, 60 — 72 erzählt: den Kastor durch- ist (gleichviel ob L. oder I. sein Gegner war),
bohrte um Rinder grollend Idas mit der Lanze. hat seinen natürlichen Grund darin, dafs der
Vom Taygetos aus hatte nämlich Lynkeus Dichter die Dioskuren verherrlichen will, also
EoscuF.n, Lexikon der gr. u. rüm. Mythol. II. 4
99 Idas i,Kanipf 111. d. Dioskuren) Idas (.Deutung d. Idassage) 100
nicht den Kastor fallen lassen kann, was frei- sei in Sparta gezeigt worden : „aller Wahr-
lich, im Zusammenhang mit dem ganzen Mythos scheinlichkeit nach aber, fährt er fort, sind sie
betrachtet, den Übelstand hat, dafs gerade an nicht hier, sondern in Messenien begraben;
diesen Kampf sich die Sage von dem Tode allein das Unglück der Messenier und die
des Kastor und der Heteremerie der Dioskuren lange Zeit ihrer Verbannung aus der Pelo-
knüpft. Der Rest der Erzählung stimmt fast ponnes hat auch, als sie zurückgekehrt waren,
vollständig mit Pindar überein: Idas, um vieles von der alten Geschichte bei ihnen ver-
seinen Bruder zu rächen, will mit der Grab- wischt, und wovon sie dann nichts mehr wissen,
säule den Kastor zerschmettern (Polydeukes das kann leicht jemand anders in An-
bleibt naturgemäfs aus dem Spiele, da es sich 10 spruch nehmen." Es ist sehr bedeutungs-
ja um einen Zweikampf von Lynkeus und voll, dafs es in diesem Fall gerade die Lake-
Kastor handelt), Zeus aber rettet jenen, dämonier sind, die auch das Grabmal des
indem er dem Idas den ti'xtjjs uuquo:qos, die Aphareus für sich in Anspruch nahmen. Denn
Grabsäule, aus der Hand schlägt — denn der es spricht sich darin ihr Bestreben aus, Mes-
sterbliche Kastor hätte diesen Steinwurf nicht senien durch Usurpation seiner Stammsage
ausgehalten wie der unsterbliche Polydeukes ganz zu annullieren und in Lakonien aufgeheu
bei Pindar — und ihn mit dem Blitzstrahl zu lassen. Hieraus ergiebt sich auch die
verbrennt. Man sieht, wie die Abweichung Grundbedeutung der Apharetiden. Es sind
der Theokritischen Erzählung von der gewöhn- ursprünglich messenische Lichtgottheiten, die
liehen Tradition durchweg durch den Zweck 20 dort dieselbe Stellung einnahmen, wie in
des Hymnus motiviert ist. — Ganz abweichend Lakonien die Dioskuren, sie sind in messeni-
erzählt Hygin. f. SO den Hergang. Nachdem scher Sage die Gatten der Leukippiden, die
Kastor den Lynkeus getötet (wie bei Tlieokrit), Besitzer der Rinderherden ; aber mit dem
will Idas den Bruder bestatten, wird aber von Untergang des messenischen Volkstums ver-
Kastor an der Errichtung des Grabmals unter schwinden sie gegenüber den Dioskuren der
höhnischen Worten verhindert („er habe den Sieger, oder rücken in eine untergeordnete
L. wie ein Weib überwunden1'); da erschlägt Stellung, von der aus ihre gleichen Bestrebungen
er ergrimmt den Kastor und wird nun von wie ein unberechtigter Kampf erscheinen: diese
Pollux getötet. Thatsache findet ihren mythologischen Aus-
Gemeinsam ist somit der ganzen Über- 30 druck in dem Kampf der beiden Brüderpaare,
lieferung der Zug, dafs die Apharetiden immer in dem naturgemäfs die Apharetiden als Mes-
die Angegriffenen resp. Beleidigten sind, denn senier unterliegen. Wenn einige unserer
auch wo die Rinderverteilung den Anlafs des QueUen als Veranlassung des Kampfes den
Streites giebt, sind formell die Apharetiden Streit um die Rinderherden angeben, so be-
im Recht, gemeinsam aber auch, dafs trotz- stätigt auch dies die Deutung der Apharetiden
dem die ganze Überlieferung für die Dioskuren als ursprünglicher, mit den Dioskuren iden-
Partei nimmt. Dies erklärt sich nur daraus, tischer Lichtgottheiten. Denn es ist eine bei
dafs die Apharetiden uud namentlich Idas mit vielen Völkern verbreitete Vorstellung, die
roheren Zügen ausgestattet sind ; dahin gehört Himmelskörper als eine grofse Herde zu be-
seine Geträfsigkeit, seine Gewaltthätigkeit und .10 trachten, die von einem Hirten geweidet wird
sein Frevelmut, der selbst vor Verletzung des (Sonne oder Mond) ; so erscheint Helios im
väterlichen Grabes, ja vor dem Kampfe mit Besitze grofser Herden; ebenso die Apharetiden
Apollon nicht zurückschreckt. Woher rührt und Dioskuren; da aber beide gleiche Grund-
aber diese unfreundliche Charakterzeichnung bedeutung haben, so können auf die Dauer nicht
der sonst, wo die Dioskuren nicht ihr Gegen- beide die Herren der Herden sein; so entsteht
bild sind, so gerühmten Helden? Um diese von selbst die Sage vom Kampfe der beiden
Frage zu beantworten, müssen wir eingehen Paare um die Heiden, wie ungefähr gleich-
auf die zeitig die um den Besitz der Leukippiden (vgl.
Deutung der Sage. Idas erscheint in der- Preller, Gr. Myfh. 2 3, 91. 94 — 97. Schwende,
selben durchweg als ein Mensch und Held, so Etym. mythol. Andeut. 194). Da aber die
nirgends als Gott, wie die Dioskuren. Die göttliche Bedeutung der Apharetiden früh ver-
kamen jedoch sowTohl des Idas, des „Sehen- schwand, so teilten sie bis zu einem gewissen
den", als auch des Lynkeus, des „Leuchten- Grade das Los entthronter Götter und wurden
den" (Schwende) oder des „Luchsäugigen", mit widrigen und rohen Zügen ausgestattet,
lassen in ihnen Lichtgottheiten ähnlich den die ihnen ursprünglich nicht zukamen.
Dioskuren veimuten; darauf führt auch ihr Ob auch darin ein Nachklang der ursprüng-
Verlöbnis mit den Leukippiden (s.d.) Phoibe und liehen Bedeutung des Idas als Lichtgott zu
Hilaeira, die ihren Namen nach derselben finden sei, dafs er als Nebenbuhler des Apollon
Sphäre augehören. Bei den Leukippiden wie um die Hand der Marpessa als selbst mit
bei dem Rinderraub erscheinen sie als die un- 60 dem Attribut des Sonnengottes ausgestatteter
glücklichen Konkurrenten der Dioskuien; ihr Bognei eischeint, und diesem mit dieser
Untergang hat trotz der unfreundlichen Züge Waffe entgegentritt, wie Preller will, wage ich
in ihrem Wesen etwas Tragisches, wie der nicht zu entscheiden,
ihres Heimatlandes Messenien: es sind ja mes- _ , , , . „ T ., ,
senische Heroen, wie die Dioskuren lako- Fortleben der Sage in Litteratur
nische, und zwar die einzigen spezifisch mes- u •
senischeu Heroen (Grote übers, v. Meißner 1, Die dichterische Behandlung des Kampfes
138). Pausanias 3, 13, 1 sagt, ihr Grabmal mit den Dioskuren bei Pindar, Tlieokrit und
101 Idas (u. Marpessa in d. Kunst)
Otiid hat bereits Erwähnung gefunden. — Drama-
tisch scheint die Idassage nicht behandelt
worden zu sein. Dagegen bot sie der bildenden
Kunst willkommenen Stoff, a) Das älteste be-
zeugte Bildwerk dieses Kreises ist an dem Kasten
des Kypselos die Scene, wie Idas die willig
folgende Marpessa aus dem Tempel des Apollon
holt, der sie ihm entführt hatte; Paus. 5, 18, 1,
vgl. oben, b) Ein Gemälde des Polygnot im
Anakeion zu Athen, den Raub der Leukippiden 10
darstellend, erwähnt Pausanias 1, 18, 1. Die
Anwesenheit der Apharetiden auf demselben
ist wahrscheinlich, aber nicht gewifs. c) Im
Tempel der Messene zu Messene sah Pausanias
ein Bild des Aphareas und seiner Söhne von
der Hand des Omphalion, eines Schülers des Ni-
kias, Paus. 4,31,9. — Erhaltene Bildwerke:
a) Idas und Marpessa, vgl. 0. Jahn,
Arch. Aufs. 46 — 56. Hier werden 3 Kunst-
werke besprochen, die diesen Gegenstand dar- 20
stellen: o) ein etruskischer Spiegel mit In-
schriften (Apulu, Ite, Marmis) b. G. di Minicis,
conghiettura sopra uno specehio etrusco di
bronzo. Perugia 1838. 8. Gerhard, Etr. Spiegel
t. 80. Braun, Bull. d. inst. 1838 p. 127 f.;
abgeb. in Engebnanns Atlas zum Homer 11,
53. — (3) Vase aus Girgenti, jetzt in München
(vgl. JS. Politi, esposizione di un vaso fittile
Agrigentino. Palermo 1828.^1. Inghirami, Vnsi
fittili t. 282. 283. Mon. ined. d. inst. 1 t. 20
0. Jahn, Münch. Vasensammlung 745. 0. Müller
§ 143, 2i, zuerst auf die Gigantomachie, dann
auf den Dreifufsraub gedeutet (Gerhard, Bullet.
1831, p. 136; Auswies. Vasenb. 1 p. 209; 2
p. 147), oder auf den Kampf des Hades mit
den Göttern bei Pylos (Welcher, Bullet. 1831,
p. 132 ff), zuletzt auf Idas und Marpessa,
Müller, Ann. 4 p. 393 ff. und Jahn a. a. O.
Die Mittelfigur des Hauptbildes nenut M.
Poseidon, Jahn verzichtet auf eine Benennung. 40
Es ist ein bärtiger Mann mit bekränztem Haupt,
mit langem Untergewand, darüber ein schwerer
Mantel, in der R. ein Stab, die Linke ab-
wehrend gegen Idas und Marpessa erhoben;
dieser, bärtig, mit kurzem bekränzten Haar,
hat den Pfeil auf den 1. gegenüberstehenden
Apollon angelegt, dem Artemis zur Seite steht.
Auf der entgegengesetzten Seite Zeus zwischen
Hermes, den er nach linkshin zur Schlichtung
des Streites entsendet und einer rechtshin (auf so
Apollon zu) eilenden Frau, Hera oder Leto dem
Sohne zu Hülfe eilend. — y) Tyrrbenische Am-
phora Gerhard, Auserl. Vasenb. 1 Tat. 46, 1 ; S. 169
= Witte-Lenormant, Elite ceramogr. 3 pl. 57 B.
Ein bärtiger, kräftiger Krieger in Panzer und
Chlamys führt ein langbekleidetes, mit Stephane
und Sehleier geschmücktes Mädchen nach rechts-
hin weg, während ein verschmähter Freier, bart-
los, bekränzt, mit Chlamys, den Bogen in der
L., nach der Mitte zurüekschauend, nach links G0
abgeht, von jenem Paare getrennt durch Iris,
welche durch Kerykeion und Flügel an Schul-
tern und Füfsen kenntlich ist. Die Deutung
auf Idas und Marpessa, welche den Apollon
verschmäht, ist unzweifelhaft, trotzdem Iris
statt Hermes erscheint und Idas keinen Bogen
führt, O. Jahn a. a. 0.
b) Raub der Leukippiden. Wie weit hier
Idas (u. Marpessa in d. Kunst) 102
4*
103
Idban
Idennica
104
die Apharetiden wirklich zur Darstellung kom-
men, ist zweifelhaft; vgl. Bursian, Arch. Ztg.
1852 S. 433 ff. Müller, Handb. § 414, 5; vgl.
insbes. das Sarkophagrelief Mus. Pio-Clem. 4,
4i = Baumeister, Denkm.d. kl. AU. 1 Fig. 499.
[Über eine Vase im Museum von Boulogue
sur Mer, ehemals in der Sammlung Panckoueke,
nr. 73, bemerkt Maxim. Mayer, Jahrb. d. K.
D. Arch. Inst. 4, 1889, Arch. Ans. p. 185:
wir eine dea Idbansa vor uns haben könnten.
Dieselbe Endung weist auf den Namen der
Göttin Vihansa (Schuermanns , Bulletin des
commiss. royales XI 1872 p. 42. Bonn. Jahrb.
83 p. 104). Dagegen hat die Endung -bana
der Name einer anderen unbekannten Göttin
auf einer rheinländischen Inschrift Bonn. Jahrb.
59 p. 39: D.E . AM // BAJE . GA // ; viel-
leicht ist das letzte Wort auch hier Gabiae
„Das nJfsxcdds vertikal hinter Herakles' zweitem 10 gewesen. Denselben Beinamen führen auch
Gegner ist meiner Erinnerung nach vollständig
und schien keine Ergänzung, etwa als Patrony-
mikon, zuzulassen. I8r]g als Name zu fassen und
einen Kampf mit diesem Unhold und seinen
Brüdern anzunehmen, könnte man um so eher
versucht sein, als auch die Schreibung des Haupt-
namens HsaxXitg, d. i. Hf [p]axlE?js aul eine
ionische Vorlage zu deuten scheint." Drexler.]
Andere Träger des Namens Idas.
2) Sohn des Aigyptos von einer Gorgone,
Gemahl der Danaide Hippodike, Tochter des
Apollou, Jris, Marpessa, Idas, Vasenbüd (Dach Gerhard, auserlesene griech. Vasen-
bilder. I. Teil. Tafel XLVI, 1); s. Su. 101, 52ff.
Danaos und der Piereia, Apd. 2, 1, 5, 9. —
3) Einer der idäischen Daktylen (s. d.), die
von dem kretischen Ida nach Elis kamen und
auch Kureten genannt wurden, Paus, ö, 7, 6.
Er hatte einen Altar in Olympia, der von
andern auch der des Akesidas (s. d. u. Daktyloi)
die Matronae und Iunones; vgl. Bonn. Jahrb.
83 p. 27 ff. u. 77. [M. Ihm.]
Ide ('LSr] oder Ei'Sn), Ida, 1) Tochter des
Melisseus (Melissos), Schwester der Adrasteia,
wohl eigentlich Eponyme des kret. Idagebirges
und kaum verschieden von Rhea Kybele, eine
der idäischen Nymphen in Kreta, welchen Rhea
den kleinen Zeus zur Erziehung übergab,
Abel, Orphica frgm. 109 f. (vgl. Philol. N. F. 1,
20 1889 S. 703 ff.), Apollod. 1, 1, 6 f. Phit. a. symp.
3, 9, 2, 2. Mit andern Nymphen dargestellt
am Altar der Athene Alea zu Tegea, Paus. 8,
47, 2. Sie ward auch an
den phrj-gischen Ida versetzt,
der nach ihr benannt sein
soll, Diod. 17, 7, und soll
zuerst in Troas geherrscht
haben, Steph. B. v. 'Aägaazs ta
u. "Idn : Charax frg. 2 Müller.
[Das Haupt der Berggottheit
"ISn erscheint zuweilen mit
der Beischrift IAH auf dem
Obv. von Münzen von Ska-
mandria in der Troas, Zeit-
schr. /'. Num. 1 p. 139, 142.
Head, H. N. p. 474. Sitzend
im Schatten eines Baumes,
von dem sie einen Zweig mit
der R. erfafst, mit nacktem
Oberkörper, begleitet von der
Beischrift IAH, sieht man sie
auf Münzen Caracallas von
Skepsis mit der Darstellung
des Parisurteils, Imhoof-Blumer, Jahrb. d. Ksl.
D. Arch. Inst. 1 p. 291 — 292, Tafel IX, 20.
Drexler.] Vgl. Hygin. f. 182, wo nach Munckers
Korrektur die Töchter des Melisseus Amalthea,
Adrastea, Ida heifsen , und gesagt wird,
dafs sie auch Töchter des Okeanos genannt
genannt wurde, 5, 14, 7. — 4) Gast bei der 50 würden, Schümann, Opusc. Ac.2, 261. S. auch
Hochzeit des Perseus, von Phineus getötet,
Ovid, Met. 5, 90. — 5) Einer der Genossen
des Diomedes, die von der erzürnten Venus in
schwanenartige Vögel verwandelt wurden, Ov.
M. 14, 504. — 6) Sohn des Klymenos und der
Epikaste, Bruder des Theragros und der Har-
palyke, Parthen. Narr. amat. 13. — 7) u. S)
Held im thebäischen Kriege aus Onchestos;
Stat. Theb. 6, 553 ff. und aus Tainaros 7, 588.
[Weizsäcker.]
Dca idban Gabia erscheint auf einer bei
Jülich gefundenen Inschrift Bramb. C. I. Ehen.
625 add. (vgl. Bonn. Jahrb. 39/40 p. 195).
Früher las man deab. Idbanis Gabiab.; s.
Bonn. Jahrb. 83 p. 27 f. Nach einer noch-
maligen Untersuchung des im Bonner Pro-
vinziahnuseum befindlichen Steines scheint auch
die Lesart Idbans. nicht unmöglich, so dafs
Jahrb. d. arch. Inst. 3 S. 291 f. Posnansky,
Nemesis u. Adrasteia. Breslau 1890 S. 70 f. 74.
— 2) Idäische Nymphe, mit welcher Zeus die
idäischen Daktylen zeugte, Stesimbrotos b. Et.
31. v. 'ISccioi, s. Müller, hist. gr. fr. 2, 57, 13.
Ctiarax bei Schol. Ap. Eh. 1, 1129 nennt als
Vater statt Zeus den Daktylos. — 3) Tochter
des Korybas, mit welcher der kretische König
Lykastos, Sohn des Rhadamanthys, den Minos II.
üo zeugte, Diod. 4, 60. Schol. Vatic. Eurip. Blies.
28, wo die Söhne beider Minos, Rhadamanthys
und Sarpedon sind. — 4) Mutter des Nisos,
Yerg. Aen. 9, 177, s. Hyrtakos nr. 2. [Stoll.]
Idennica erscheint als Beiname einer Göttin
Sulivia Minerva auf einer jetzt verscholle-
nen südfranzösischen Inschrift (vgl. Sulivia)
C. I. L. 12, 2974 = Orelli 2051. Statt Iden-
nicae bietet die älteste handschriftliche Quelle
105 Ideus Idomeneus 106
Idemicae. Es scheint ein topischer Beiname Idomcna, eine ismavische (thrakische)
zu sein, vgl. Siebourg, De Sulevis p. 15 zu Nymphe, von Orpheus Mutter des Rhythmonios,
nr. 18. Germer-Durand hat zum Vergleich nach dem der Rhythmus benannt sein soll,
herangezogen den Ortsnamen Eyssen es (heute Nikdkrates bei Censorin. fr. 10 (Hultscli); für
Heynes bei Uzes); Bulletin epigraphiqiie 1885 ldomena vermutete Urlichs Idmonia. [Höfer.]
p. 198. [M. Ihm.] Idomeneus ('Idopsvsvs, s<os, ep. fjog), 1) Enkel
Ideus, Lynkeus und Plexippos heifsen Söhne des Minos und der Pasiphae, Sohn desDeukalion
des Thestios, Brüder der Althaia, Hyyin. f. von Kreta, daher zlev/.aXiärjg IL 13, 307, Kvdaiog
173. 174. Der Text scheint übrigens verderbt Diod. 5, 79. Lyctius, Verg. Aen. 3, 401; durch
und Ideus ist vielleicht ganz zu entfernen, s. 10 Minos Urenkel des Zeus, II. 13,446 — 454. Od.
Bunte zu f. 173. [Stoll.] 13, 181. Ly~kophr. Alexandra 431 und schal, vet.
Idmon (ISficov, ovog), 1) der Seher der Argo- ed. Kinkel, durch Pasiphae Urenkel des Helios,
nauten, nach PhereJeydes fr. 70 der Sohn des daher einen Hahn als Schildzeichen führend,
Apollon und der Asteria, nach Herodoros fr. 41 Paus. 5, 25, 5 (9); Bruder der Krete, Halb-
der Sohn des Abas, Schal. Ap. Bh. 1, 139; beide bruder des Molos, des Vaters seines Kampf-
Traditionen vereinigt Ap. Bh. 1 , 142 ff. (nach genossen und Freundes Meriones, Apd. 3, 3, 1 ;
ihm Orph. 188. 726, wo "ISuov' 'Jßavti.ädt]v (nach Diod. 5, 79 ist Molos ein Bruder des
auf Konjektur beruht; vgl. K. Hoffmann , De Deukalion). Sein Sohn heilst nach Od. 13,
Pseudo-OrjyheicatalogoArgonautarum^iimberg 260 Orsilochos. In der Teichoskopie nennt
1888 S. 26 f. Val.Fl. 1,227: Phoebeius Idmon). 20 ihn Helena als Gastfreund des Menelaos II.
Hyg. f. 14 p. 46, 10 Seh. nennt ihn den Sohn 3, 230, als ein Held von ausgezeichneter
des Apollon und der Nymphe Kyrene, nach Schönheit und Freier der Helena wird er von
einigen ist er Sohn des Abas (Schal. Pind. Hygin f. 81 u. 270 erwähnt. Als solcher
Pyth. 4, 337); bei ihm wie bei Apollonios ist nimmt er auch an dem trojanischen Kriege
er Argiver. Man identifleierte ihn auch mit teil. Als Fürst der Kreter {Ko^xäv äyog II.
Thestor, der nach Phe rekgdes fr. 10 ein Sohn des 4, 265 u. ö.), Herrscher von Knosos, Gortyn,
Apollon und der Laothoe war, dem Vater des Lyktos, Milet, Lykastos , Phaistos, Rhytion
Kalchas; "ISjiwv sei nur ein Epitheton, Chamai- (s. Schiffsliatcdog) führt er mit seinem Waffen-
leon bei Schul. Ap. Bh. 1, 139 (worin ov auf genossen Meriones, Molos' Sohn, 80 Schiffe dem
'AnolXcovog, nicht auf "Iducov zu beziehen ist). — 30 griechischen Heere zu, II. 2, 645 — 652. Hyg.
Eine hervorragende Rolle scheint er in den Nau- f. 97. Nach Philostratos, Her. 7 p. 705 schickte
paktien (Schol. Ap. Bh. 3, 523. 4, 76) und bei Idomeneus eine Gesandtschaft nach Aulis und
Eumelos (Schol. Ap. Bh. 3, 1372) — also in der versprach die Hülfe Kretas, wenn Agamemnon
korinthischen Argonautensage? — gespielt zu mit ihm den Oberbefehl teilen würde, was
haben; beide lassen ihn nach Kolchis gelangen; natürlich abgelehnt ward,
nach der vulgär gewordenen Überlieferung Id. gehört bei Homer unter die ersten Helden
von Herakleia ist er auf der Fahrt bei den des trojanischen Krieges und wird von Agamem-
Mariandynen von einem Eber getötet worden, non hoch geschätzt, 27. 4, 257; sein häufigstes
Herodoros fr. 56 (Nympihis fr. 7, Promathidas Epitheton ist Sovoiv.lvzog; sonstige Epitheta
fr. 2; nach Keil auch KalHstratos) bei Schol. 40 Korjzäv äyog II. 4, 265, Kgrjtäv ßovlrjcpogog
Ap. Bh. 2, 815; nach ihm wäre dies auf der 13, 255, äa'i'qigcov 4, 252, (ployl oder avl sftta-
Rückfahrt geschehen (vgl. fr. 54. 55. 58); die log ulv.rjv 13, 330; 4, 253, uarigonij ival.iyr.10g
Späteren mufsten dies auf die Hinfahrt ver- 13, 242, fisaainoliog 13, 361, uyavog 12, 117;
legen und konnten Idmon nicht bis Kolchis ge- äycnti\vag. Er war unter den neun Helden,
langen lassen: Apoll. Bh. 1, 139 ff. 2, 815 ff. die sich, als Hektor die Griechen zum Zwei-
fach ihm Apollod. 1, 9, 23 — sein Name kämpf herausforderte, hiezu erboten (11. 7,
fehlt im Verzeichnis 1, 9, 16 — Orph. 188. 161 ff) und war mit diesen in der Gruppe des
728. Hyg. f. 14 p. 46, 10. 48, 14. /'. 18 p. 51, Onatas in Olympia dargestellt, welche diese
14. /'. 248 p. 138, 4 — etwas abweichend Yal. Scene zum Gegenstand hatte; gekennzeichnet
Fl. 1, 360. 5, 2: morbis fatisque rapaeibus); 50 war er nur durch das Schildzeichen des Hahns
vgl. auch Ov. Ib. 506. Sein Grab in Herakleia (s.o.), dagegen hatte Onatas auf seinem Schild
wurde später für das des Agamestor aus- seine Künstlerinschrift angebracht, Paus. 5,
gegeben: Ap. Bh. 2, 844 ff. und Schol. zu 25, 5 (9). Im Kampfe erlegt er den Phaistos,
v. 845 (wo auch Promath i las citiert wird), des Maioniers Boros Sohn, IL 5, 43. Auch er
vgl. Ammian. Marcell. 22, 8. — 2) Sohn des hat, wie andere Helden in der Utas, seine
Aigyptos, mit der Danaide Pylarge vermählt, Aristie, und zwar in der Schlacht bei den
Apollod. 2, 1, 5. — 3) Ein Phryger bei Norm. 38, Schiffen, 13,210—517. Hier tötet er nach-
31—46. — 4) Ein kolophonischer Purpurfärber, einander den Othryoneus, Asios, Alkathoos und
Vater der Arachne, bei Ov. Met. 6, 8. 133. — Oinomaos, 13, 361 ff. Sein Hauptgegner ist
5) Ein Epidaurier, Arzt des Adrastos, Stat. 60 Deiphobos, dem er aber immer glücklich ent-
Theb. 3, 398. [Seeliger.] geht (II. 13, 517); zuletzt auch Aineias; diesem
Idinonides ('IäfioviSrig), Sohn des Euklees, tritt er zuerst mit seinen Gefährten entgegen,
Urenkel des Orpheus und Vater des Philo- entgeht dem Speerwurf desselben und tötet
terpes, einer der Vorfahren des Homeros. noch den Oinomaos; zieht sich aber dann er-
Charax bei Suid. s. v. "Ou.rigog. Hellanikos, mattet aus dem Kampfe zurück; denn „nicht
Damastes und Pherekydes bei Proklos Chrestom. mehr waren die Füfse zum Anlauf kräftig und
(Scriptores Metrici ed. Westphal 1 p. 231). sicher, nachzustürmen dem eignen Geschofs,
[Höfer.] und das fremde zu meiden" — langsam wich
107
Idomeneus
I dj'ia
108
er zurück. So ist mit dem Zuge, dafs er dem
troisehen Helden gegenüber gealtert erscheint,
sein Rückgang motiviert; auch sonst erscheint
er als älterer Mann, z. B. Schol. vet. Lykophr.
1218. II. 23, 476 f.; 13, 361 heifst er peoai-
Ttöliog halbergraut. In der Fatrokleia er-
scheint er wieder auf dem Plan und erlegt
den Eryrnas, 16, 345, und im Kampf um Patro-
klos' Leichnam wagt er sogar den Hektor an-
zugreifen, entflieht aber, als dieser ihn be-
droht und des Meriones Wagenlenker Koiranos
getötet hat, auf dessen Wagen zum Lager,
17, 605 — 625. Bei den Leichenspieleu des
Patroklos erscheint er, seinem gesetzteren Alter
gem'afs, nicht unter den Agonisten, sondern
nur unter den Zuschauern, 23, 450 tf. In der
Amazonenschlacht tötet er die Bremusa (Quint.
Sm. 1,247), siegt im Faustkampf bei den Leichen-
Spielen des Achill (4, 284ff.), steigt mit andern
von Kreta aus der Apollonkult sich über die öst-
lichen Küsten des ägäischen Meeres verbreitete ;
wie auch Strabo sagt, das alte Milet sei eine
kretische Gründung; vgl. oben das kretische
Milet. Str. p. 634. Müller, Bor. 1, 216 ff.
Zwei eigentümliche Märchen finden sich
bei Ptolem. Nov. Hist. 5 und Schol. vet. Lykophr.
Alex. 1218 ff. Srsterer erzählt nach Alhe-
noclor v. Eretria (in oySoa vaoßvrjfiä vatv) , in
10 dem Wettstreit der Thetis und Medeia über
die Schönheit sei dem Idomeneus die Ent-
scheidung übertragen worden. Da er der Thetis
den Preis zuerkannte, so habe Medeia erzürnt
ausgerufen: Kgr/rsg chl ipevarai, und ihn dazu
verflucht, niemals mehr die Wahrheit zu sagen.
Daher komme es, dafs die Kreter für Lügner
gelten. Das Scholion zu Lyk. berichtet, Ido-
meneus habe bei seinem Zug nach Troja die
Regentschaft und die Obhut über sein Haus
Helden in das trojanische Pferd (12, 320) und ist 20 dem Leukos, Tantalos' Sohn, der als Knabe
unter den Schiedsrichtern über die Waffen des
Achill, 5, 134 ff.
Nach der Zerstörung Trojas kehrt er glück-
lich nach Kreta zurück, Od. 3, 191, wird nach
seinem Tode ehrenvoll bestattet uud erhält
Idonieneus uud Merioues auf der Tabula Iliaca (uach 0. Jahn
Gr. Büderchron. Tf. I*).
gemeinsam mit Meriones einen Heroendienst,
Diod. 5,79. Ihre Grabschrift lautete nach Diodor:
Kvwot'ov 'idoiitvitog OQa raepov ccvzaQ syc6 rot
Tl\i}oiov i'SQVfiai MrjQiövrjs ö MöXov.
Über die Vorgänge in Kreta während Ido-
meneus' Abwesenheit vgl. Strabo 10 p. 479 f.
und schol. vet. zu Lykophr. Alex. 1218 (s. u.).
Nach späterer Sage wandert Idomeneus, wie
verschiedene andere Helden des trojanischen
Krieges (Diomedes, Philoktet, Epeios) nach
Westen. Er soll bei eiuem Sturme dem Po-
seidon gelobt haben, ihm das zu opfern, was 50
ihm nach glücklicher Landung zuerst begegnen
würde. Dies war sein eigener Sohn (Parallele:
Jephtha und seine Tochter, Buch d. Richter
11, 30 — 39). Infolge des wirklichen oder nur be-
absichtigten Vollzugs des Gelübdes brach eine
Pest aus, und die Kreter vertrieben den Ido-
meneus. Er zog nun nach Italien, wo er sich ,
im sallentinischen Gebiete in Kalabrien nieder-
liefs und der Athena einen Tempel baute,
Vertj. Aen. 3, 121. 400 ff. 531 und Serv. u. 60
Heyne z. d. St. Am. 11, 265. Strab. 6 p. 281.
Schol. Od. 13, 259. Muller, Dorier 1, 276. (228, 1.)
Preller, Gr. Myth. 23, 479. Von Unteritalien
soll sich Idomeneus nach Kolophon begeben
und bei dem Tempel des klarischen Apollon
niedergelassen haben, wo er auch sein Grab
auf dem Berge Kerkaphos fand. Diese Sage
ist offenbar ein Nachklang der Thatsache, dafs
ausgesetzt aber vou Idomeneus aufgezogen
worden war, übertragen. Leukos aber be-
mächtigte sich auf Anraten des Nauplios der
Herrschaft, tötete seines Wohlthäters Gattin
Mede, seine Tochter Kleisithera, die ihm zur
Ehe versprochen war, und seine
Söhne Iphiklos und Lykos.
Idomeneus blendet ihn bei
seiner Rückkehr(v. 1223), daher
wird Leukos ftgenzog dgccKatv
genannt, in Erinnerung an die
bekannte Fabel. Offenbar ver-
danken beide Erzählungen
ihren Ursprung dem Bestreben,
die Entstehung sprichwört-
licher Redensarten zu er-
klären.
In der bildenden Kunst begegnet man Ido-
meneus selten. Sein Bild in der Gruppe der
40 neun Helden von Onatas ist schon oben er-
wähnt. Auf der Tabula Iliaca (s. d. Abbildg.)
erscheint er mit Meriones in dem Streifen zu
II. jV als Sieger über Othryoneus. S. beist. Abb.
nach O. Jahn, Gr. Bilderchr. Tf. I*. [In der
Grabschrift des Ogctovaaiog Asovti'oi von
Knossos (G. Doublet, Bull, de Corr. Hell. 1889
p. 59 ff. nr. 5 v. 9 — 10) heifst es: Tovvsn[a) Gf
<p&iuiva>v HU&' ourjyvQiv ö y.Xvzbg "Aidrjg \ ias
7io\i66ov%(» cvv&govov 'iäojiivsi. Drexier.]
2) Sohn des Priauios, Apollod. 3, 12, 5.
[Weizsäcker.]
Idrieus ('iSgisvg), Sohn des Kar, nach
welchem die karische Stadt Idrias benannt
war (Steph. B. v. 'Idgioig); Vater des Euromos,
des Gründers der gleichnamigen karischen
Stadt, Steph. B. v. EvQmpog. [Stoll.]
Idyia ('Idvla), auch Eidyia (ElSvia Apoll.
Bhod. 3, 243), Tochter des Okeanos und der
Tethys, Hes. Theog. 352. 959, vgl. schol. Apoll.
Bhod. 3, 242, zweite (Apoll. Bhod. a. a. 0. die
erste, die ihm den Absyrtos gebar, hiefs Aste-
rodeia [s. d.]) Gemahlin des Aietes und Mutter
der Medeia, Apollodor 1, 9, 23. Cic. de nat.
deor. 3, 19, 48. Hyg. f. 25. fab. praef. p. 12
(Schmidt). Tzetz. Lyk. 174. Nach Soph. im
schol. Apoll. Bhod. 4, 323 ist Idyia die erste
Gemahlin des Aietes; nach Tzetz. Lyk. 798.
1024 ist Idyia nicht nur Mutter der Medeia,
109 Iedud Ignes aeterni 110
sondern auch des Absyrtos. Idyia ist wohl irjnuiriav einen Gesang zu Ehren des Gottes;
identLeh mit Eidothea (s. d.). [Höfer.] vgl. 0. Müller, Darier 1, 298. [Höfer.]
Iedud s. Ieud. lern (]). Die Inschrift C. I. L. 8, 5673,
Ieios ('iri'Cog), Beiname: 1) des Apollon; 'gravee assez grossierement dans une espeee
Aesch. Agam. 138 (K.). Soph. Oed. B. 154. 1097. de niche sur un rocher isole qui domine le
Aristoph. Lys. 1281. Vesp. 874. Plut de sl plateau Guechegache entre el-Massine et Oul-
ap. Delph. 20. Hephaist. de poem. 8. Apoll. laza ä 16 kiloin. de Constantine', lautet: Icru
Bhod. 2, 712 = Etym. M. 469, 41. Die Ab- Aug sac G Iul \ Crescens vis \ ab fecit, darunter
leitung und Bedeutung des Wortes ist zweifei- '"vir capite radiato altus m. 1' (c. . . potest
haft; manche schreiben es mit Spiritus asper, in esse vis(u). — ar(am) coni. Cherbonneau pro-
irfiog, indem sie es von i'rjjxi ableiten, und er- babiliter' Wümanns"). Es mufs dahingestellt
klären es als To|o'rr;j, wie ja Apollon ü<prizwg bleiben, ob lern der volle oder abgekürzte
(Hom. II. 9, 404), £Y,r}§olog und 1-nuzrjßuXog Name des Gottes ist. [R. Peter.]
heifst (vgl. Hesych. ir'fiog b Anbllav c'aio z?ts Iesioiie (?), Tochter des Eeleos, eine der
ctcpsaswg nal rrjg xo^Ei'ug Etym. M. 469, 48. sieben von Theseus geretteten Jungfrauen, Sern.
Suid. s. v. 'irfiog. Aristarch im Etym. M. 469, zu Very. Aen. 6, 21. [0. Jahn, Arch. Beitr.
53. Schol. Hom. II. 15, 365; vgl. 20, 152. S. 453 liest Hesione. Röscher.]- [Höfer.]
Eust. ad Hom. II. 500, 41; vgl. Etym. M. Ieter ('lrpr\g), Beiname des Asklepios auf
462, 57); andere leiten es von läofiai her Inschriften: 'Aa-/.lr\nias 'Inzr/gi diog .SWijoos G.
(Hesych. s. v. irjiog- iazgbg yäg b fttog- Suid. -20 I. G. 3159. 'Ecp. äg-{. 1883, 155. [Höfer.]
s. v. Inüov = sclwl. Soph. Oed. B. 173 irßog Iend ('iiovä) oder Iedud ('IsSovä), Phil.
6 'AnölXcov, slg ov 7] ayvsCa zwv loipäv ava- Bybl. bei Euseb. praep. ev. 1, 10, 30; in der
(figsrca. Etym. M. 469, 50. 55. schol. II. 20, Mythologie der Phöniker Sohn des Kronos (s. El
152. Eust. a. a. 0. schol. Aristoph. Vesp. 874), Bd. 1 Sp. 1227 f.) und der einheimischen Nymphe
wie denn Apollon selbst auch 'latgog genannt Anobret i'Avoßoir). Als Phönikien durch
wird (Aristoph. av. 584. Lycophr. 1207. 1377. He- schwere Kriegsstürme heimgesucht wurde,
sych. s. v. latQÖg; vgl. Tzele. Lycophr. 1207. G. I. brachte Kronos den mit königlicher Gewan-
G. 2134a). Im homcr. Apollonhymnos 120, wo düng geschmückten Sohn auf einem Altar
die Nebenform rjios steht (?JtE doißs = Hom. dem allgemeinen "Wohl zum Opfer, Phil. Bybl.
II. 15, 365. 20, 152. — La Boche zu II. 13, oo bei Euseb. a. a. 0. und 4, 16, 11. Ieud be-
365 leitet ijiog von slfii (vgl. ijia) ab = der deutet in phönikischer Sprache den einzigen
eilende, wandelnde; vgl. schol. II. a. a. 0. oi oder den eingeborenen Sohn (aovoysvijg Virg,
<5? naget zb livai' r{kiog ycig ioziv, Franlce zu vgl. Bd. 1 Sp. 1227, 56). [Höfer.]
Hymn. Apoll. 120 von r\vg ab), verlangen Ieusdrinus oder Leusdrinus? erscheint als
0. Müller, Darier 1, 298 und Cobet, Mnemosyii. Beiname des Mars C. I. L. 12, 2 add. im Ge-
ll, 293 gleichfalls trj'iE; vgl. dagegen Gemoll biet von Vence, dem alten Vintium, wo der
z. d. St., der irjiog als wahrscheinlich aus ly\ Mars Vintius verehrt wurde (CLL. 12, 3).
entstanden annimmt, wie tviog aus ivoi. Nach • [M. Ihm.]
Phit. a. a. 0. trägt Apollon den Namen Ieios, Ievetus (ievetus) steht von rechts nach links
weil er Einer (slg *al fiovog) ist. — 2) der 10 über der Gestalt des Philoktetes auf einem
Artemis, die von den in Geburtswehen liegen- Carneol-Scavabäus von Chiusi, während über
den Frauen angerufen wird (Suid. s. v. Irfav. dem heilenden Machaon von 1. nach r. a%ers
schol. Soph. a. a. 0. s-jiicf&Ey^a (li\'iog) v.oivbv eingeritzt ist; s. Cunest. Bull. 1859, 32; Fabr.,
sazi iial 'Agziiiidog' ai S\ yvvaiv.sg iv zaig C. I. L. 485; Adr. Milani, II mito di Filottete
dvayv.aig zoiavzag äcpiäai cpaivdg. — 3) des 105. Da jene Helden etruskisch sonst plieltutc
weinspendenden Bakchos, als des wohlthätigen (oder pheliuete) und mayan heifsen — s. d.
heiteren Gottes (Athen. 8, 363 b). [Höfer.] Bronzespiegel in Bologna, Fahr. C. 1. 1. 45 — ,
Ieuisal. Die auf einer Basis eingemeifselte so ist die obige Deutung sehr zweifelhaft:
Inschrift C. I. L. 8,8834 (Tupusuctu in Maure- man könnte ie vetus a%ers lesen, worin die
tania Sitifensis) enthält die Widmung: lern- 50 beiden letzten Wörter Vor- und Familienname
sali | L. Percenius \ L. f. Stel \ Bogatus \ v. im Genitiv wären, ie Abkürzung eines Spiegel,
[$. I. a.], wozu Wümanns bemerkt 'Iemsalis Gabe oder dgl. bedeutenden Wortes. [Deecke.]
id est Hiempsalis nomen cum Numidicae origi- Ifles nur durch eine bei Dormagen gefundene
nis esse videatur, veriloquia ex Punica lingua Inschrift bekannt (Bramb., C. I. Bhen. 292).
petita, quae olim proposita sunt, prudentiores Gleichzeitig wurden zwei Votivsteine an die
iam abiecerunt. ceterum non dubium est hie Nymphen gefunden (G. I. Bhen. 290. 291).
nominari non regem pro deo habitum post Ob die Gottheiten männlich oder weiblich zu
mortem, sed ipsum numen, a quo rex nomen fassen sind, ist vorderhand unsicher. Man hat
traxit.' [R. Peter.] zum Vergleich herangezogen die Matronae
Ienios, zweifelhafter Name eines Giganten 60 Afliae; vgl. Bonn. Jahrb. 83 p. 25. 101. Eine
bei Hygin. fab.praef. p. 10 (Schmidt). [Höfer.] Beziehung auf die „Eifel" ist unwahrscheinlich.
Iepaieon (Irinai/iav), Beiname des Apollon. [M. Ihm.]
Hom. hymn. Ap. 272. Apoll. Bhod. 2, 702. Nach Ignavia, die personificierte Trägheit, mit
dem schol. Apoll. Bhod. a. a. 0. heifst er so ent- der Ruhe (Quies) und der Vergessenheit (Ob-
weder als Bogenschütze (diu zb Wc^itnv zä livio) zusammen an der Schwelle der Wohnung
ßiXn, \g}. schol. Apoll. Bhod. 2, 712. schol. Ar ist. des Schlafgottes, Stat. Theb. 10,90. [Höfer.]
Pac. 453), oder als Heilgott (ort laanag 6 %sbg Igues aeterni erscheinen auf einer Inschrift
aiziog). Im Hum. "hymn. in Ap. 500. 517 bedeutet aus dem Gebiete der gallischen Vocontii (Vif)
111 Ikadios Ikarios 112
C. I. L. 12, 1551 = Kernen 5689: Ignibus Vater begraben ist. Zeus oder Dionysos ver-
Aetcrnis hü. Placidianus .... ex voto posuit. setzen sie als Jungfrau unter die Gestirne,
Hennen scheint nach dem Platze, welchen er ebenso ihren Vater mit seinem Becher als
der Inschrift zugewiesen hat, an einen Zu- Bootes oder _Arkturos und die Maira als
sarnrnenkang der ignes aet. mit Volcanus oder Hundsstern. Über die Athener aber verhängte
Vesta zu denken; viel wahrscheinlicher ist es Dionysos Pest oder Baserei der Jungfrauen,
mir jedoch, dafs Götter der Sterne und Ge- die sich alle, wie Erigone, erhängen. Das
stirne (Sol u. Lnna?) gemeint sind; vgl. Cic. Orakel verheilst Abhülfe, sobald man den
somn. Sei}]. 3, 7: Piominibus] animus datus est Leichnam finde und das Verbrechen sühne.
ex Ulis sempiternis ignibus, quae sidera 10 Da man ihn aber nicht fand, so stiftete man
et Stellas vocatis etc. Nach dem Vorgänge des der Erigone zum Andenken die Feier der
Piaton uod Aristoteles hielten die Stoiker die Jkogct, das Schaukelfest (auch EvSstnvog ge-
Gestirne für vernünftige, .göttliche Wesen; nannt, Et. M. s. v. alcoga); wobei allerlei kleine
vgl. Cic.nat.deor. 2, 16, 39 f. Vielleicht war lul. Bildwerke, Masken, Phallen (in Italien oscilla
Placid. Anhänger der stoischen Philosophie. gen., vgl. 0. Jahn, Arch. Beitr. p. 324; Macr.
[Hirschfeld zu C. I. L. a. a. 0. bemerkt: 'non Sat. 1, 7, 35) an den Bäumen in der Schwebe
recte ad fontem ardentem, unuin ex septem aufgehängt und geschaukelt wurden, unter
Delphinatus miraculis, quinque chiliometra ab Begleitung eines Gesanges, den man auch
oppido Vif distantem, dedicationem referunt 'AXfjng nannte (Athen. 14, 10. Poll. 4, 55),
Long et Yallentin; Ignes aetemi mihi sunt 20 und dem Vater wie seiner Tochter die Erst-
Sol et Luna, quos aeternos dictos coniuuetirn- linge der "Weinlese dargebracht wurden. Vgl.
que eultos esse notum est (cf. Jahn, Archaeolog. Ael. n. an. 7, 28; Luc. sali. 40. Auch den
Beiträge p. 89, Preller, R. M.s 1 p.326, Mommsen Schlauchtanz (day.coXiaafj.6g), eine der beliebte-
in huius operis vol. I p. 400 [zum 28. August]), sten Lustbarkeiten der Weinlese, wobei man
fierique potest, ut titulus ad Aureliauum im- Weinschläuche aufbliefs, mit Ol bestrich und
peratoreni studiosissirnum Dei Solis eultorem darauf sprang, führte man auf Ikarios zurück,
referendus sit', was Hirschfeld weiter aus- der aus dem Felle eines Bockes, welcher seine
führt. R. Peter.] [Koscher.] Reben beschädigte, einen Schlauch gemacht
Ikadios ('Ixciäiog), Sohn des Apollon und und darauf in der Lust der ersten Weinlese
der Nymphe Lykia, der das Land, in dem er 30 getanzt habe [A. Ztg. 5, 130 R.]. Nach Hyg.
geboren war, nach seiner Mutter Lykia nannte p. astr. dörrte der aufgehende Hundsstern die
und dort die Stadt Patara mit dem Orakel Fluren und erzeugte Krankheiten zur Strafe
des Apollon gründete. Als er darauf nach für die Ermordung des Ikarios. Als Aristaios
Italien fuhr und Schiffbruch litt, wurde er von deshalb seinen Vater Apollon befragte, riet
einem Delphin in die Nähe des Parnafs ge- dieser, den Tod des Ikarios mit vielen Opfern
tragen, wo er dem Apollon einen Tempel zu sühnen und den Zeus um die Etesien zu
gründete und nach dem Delphin die Stadt Delphi bitten. Zeus gewährte die Bitte und liefs, wenn
nannte. Nach Cornificius Longus war er ein der Hundsstein aufging, 40 Tage den Wind
Kreter, Bruder des Iapys (s. Iapyx); dieser kam wehen, Apollod. 3, 14, 7; Paus. 1, 2, 4; Luc. d.
nach Italien, Ikadios aber, von eiuem Delphin 40 deor. 18, 2 mit Schol.; Hes. s. v. Jloigix, "Alrj-cig;
geführt, an den Parnafs, wo er Delphi und Schol. Hom. II. 22, 29; Eustath. p. 389, 43;
den Krisäern (Kretäern) den Namen gab, Sen: 1535, 38; Porphyr, de abst. 2, 10; Hyg. f.
Yerg. Acn. 3, 332. Vgl. Itc/en ad Hom. hymn. 130; P. A. 2, 4. Sero, zu Yerq. Georg. 1, 67,
p. 341. Müller, Dor. 1, 209 f. 215. [StolL] 218; 2, 389; Schol. zu Ov. Ibis 609; Tib. 4,
Ikarion ('Iv-agimv), Sohn des Oibalos und 1, 19; Prop. 2, 33, 29; Ov. Met. 6, 126;'
der Najade Bateia, sonst Ikarios (s. d.) ge- 10, 451. Die Sage stellt in sehr durchsichtiger
nannt, Apollod. 3, 10, 4, 5. [Höfer.] Weise das Aufleben der Vegetation im Früh-
Ikarios ('IxÜQiog, "ixtxQog, 'Ikupiojv), 1) ein ling und ihres Hinsterbens unter der Herr-
Athener, der den unter Pandions Regierung schalt des Hundssternes dar. Vgl. Welcher,
nach Athen gekommenen Dionysos freundlich 50 Nachtr. p. 222 f.; Schwende, And. p. 148;
aufgenommen haben soll. Zum Dank dafür Übers, der hom. Hymnen p. 309 f.; Preller,
lehrt ihn der Gott die Kunst des Weinbaus Dem. 21. Fers. 288 A. 17; Mittelhaus, de Baccho
und giebt ihm Schläuche mit Wein. Um diese Attico. Bresl. 1874. p. 5. Über bildl. Darstellungen
Gabe zu verbreiten, fährt nun Ikarios im Lande vgl. v. Kühler, descr. d\tn came'e ant. ; O. Jahn,
(nach Liban. narr. 23 p. 1107 in Thrakien) Arch. Ztg. 1847 nr. 9 t. 9. Die Einkehr des
umher und läfst die Bauern davon kosten. Dionysos glaubte man auf einer Anzahl Re-
Diese werden berauscht, halten sich für ver- liefs dargestellt zu sehen; doch scheinen sie
giftet, töten den Ikarios mit Knütteln oder vielmehr eine allgemeinere Bedeutung zu
stürzen ihn in eine Grube 'ohne Wasser' oder haben in dem Sinne, dafs Dionysos überall
begraben ihn unter einem Baume. Seine oo da, wo er reichen Segen spendet, als ein-
Tochter Erigone ('Hgiyovn, die Lenzgeborene), kehrend gedacht wurde. Vgl. O. Jahn, Arch.
auch Aletis ('AXririg, die Umherirrende) genannt Beitr. p. 198 — 211; Leneken , de Theoxeniis,
(vgl. über diese E. Maafs in d. Piniol. Unters. Berl. 1881 p. 47 — 56; Arch. Ztg. 1881 p. 275 f.
von Kiefsling u. Wilamoicitz Heft 6. 7), sucht, [ob. Bd. 1 Sp. 1144 u. 2541; ferner die schwarz-
von ihrem Hunde Maira (MctCga) geleitet, sein figur. Vasen des Britischen Museums nr. 565
Grab und findet es nach langem Umherirren u. 577 = Arch. Z. 10, 176*. Röscher.]
auf dem Hymettos. In ihrer Verzweiflung er- 2) S. des Perieres und der Gorgophone, Br.
1 ängt sie sich an dem Baume, unter dem ihr des Aphareus, Leukippos, Tyndareos, Enkel des
113
Ikarios
Ikaros
114
Aiolos oder des Kynortas, Apollod. 1, 9, 5;
3, 10, 3; Tzetz. Lyk. 511; oder S. des Oibalos
und der Bateia, Br. des Tyndareos und der
Arene ("Agvr} Schol. Eur. Or. 457), Halbbruder
des Hi]3pokoon, Enkel des Perieres, Apollod. 3,
10, 4; Schol. Eur. Or. 457; Eustath. 293, 11;
oder Sobn des Oibalos und der Gorgophone,
Enkel des Kvnortas, Paus. 3, 1, 4. Nacb
Paus. 2, 21, 8; 3, 1, 4; 4, 2, 3 war Gorgo-
Scliol. Villi, zu II. 2 v. 581 stebt "i-nagog statt
'!%ägiog. Bildlich dargestellt erscheint Ikarios
als Greis auf einer Berliner Vase des Hieron
(Furtwängler nr. 2291 = 0. I. Gr. nr. 8220), bei
der Entführung der Helena neben seinem Bruder
Tyndareos. — 3) s. Ikaros. Boscher.] [Schultz.]
Ikaros ("Ixagog), 1) Sohn des Daidalos (auch
Ikarios genannt, Dio Chrysost. or. 71 p. 626 b,
vgl. Hesych. [Schmidt] 'lxcep[i]os), der nach der
phone zuerst mit Perieres, dann mit Oibalos 10 gewöhnlichen Sage mit seinem Vater Daidalos
verheiratet. Vgl. über diese Genealogieen
Deimling, Lcleger p. 118 ff. Hippokoon ver-
treibt Tyndareos und Ikarios aus Lakedaimon.
Auf der Flucht gelangen sie zu Thestios in
Pleuron und wohnen dort jenseits des Acheloos.
Tyndareos kehrte später,
nachdem Herakles die Hip-
pokoontiden erschlagen,
zurück; Ikarios aber blieb
in Akarnanien (bei Apollod.
3, 10, 5 kehrt auch er zu-
rück). Nach Paus. 3, 1, 4
u. Schol. Eur. Or. 457
standlkarios auf seifendes
Hippokoon und vertrieb
mit diesem den Tyndareos.
In Akarnanien zeugte er
mit Polykaste, der T. des
Lygaios, die Penelope, den
Alyzeus und Leukadios,
Strab. p. 452. 461. Bei
Schol. Od. 15, 16 werden
Dorodoche, T. des Orsi-
lochos, oder Asterodeia,
T. desEurypylos, als seine
Frauen genannt. Oder er
zeugt mit der Najade
Periboia Thoas, Damasip-
pos, Imeusimos, Aletes und
Penelope (Apoll. 3, 10, 6;
Paus. 8, 34, 2 ; Tzetz. Lyi.
511; vgl. Schol.Od. a.a.O.;
Eustath. zu Hom. 1773, 22),
auch Iphthime (OdA, 797).
Elatos heifst sein Sohn bei
Schol. Apoll. Ehod. 1, 102.
Für die Freier seiner
Tochter stellte er einen
Wettlaufan, in welchem
Odysseus siegte (Paus. 3, 12,2),
3,10,9 wirbtTyndareos bei seinem Bruder Ikarios
für Odysseus um die Penelope zum Danke da-
für, dafs dieser den klugen Rat gegeben, die
vielen Freier schwören zu lassen , dem er-
korenen Bräutigam gegen jeden beizustehen,
der ihn angreife. Als Penelope verlobt war,
wollte Ikarios den Od. bewegen, in Lakedai-
mon zu bleiben. Od. aber weigerte sich und
zog mit der Braut ab. Als dennoch Ikarios
(s. d.) vor dem Zorn des Minos aus Kreta ver-
mittelst künstlicher Flügel entfloh, trotz der
Warnung des Vaters aber seinen Flug zu hoch
nahm und, infolge des Schmelzens des Wachses
seiner Flügel beraubt, ins Meer stürzte und
Daidalos u. Ikaros, Wandgemälde (nach Arch. Ztg. 1S77 Taf. II, Fig. -2).
Nach Apollod. so ertrank; Xenoph. Memor. 4, 2, 33. Diod. Sic.
4, 77, 9. Strabo 14, 1, 19 p. 639. Arrian. Anab.
7, 20, 5. Lucian. Gatt. 23. Imag. 21. Navig.
46. Philostephanos und Kallimachos im schol.
Hom. II. 2, 145. Bio Chrysost. or. 4 p. 79 a.
71 p. 626 b. Hesych. Zenob. 4, 92. Eust. ad
II. 193, 4. Anecd. Par. 2, 384. Ovid. Met. 8,
223 ff. Hygin. fab. 40. Serv. ad Verg. Arn.
6, 14. Append. narrat. 32 (Westermann p. 373).
Nach euhemeristischer Sage flohen beide zu
folgte, verlangte Od., dafs seine Braut sich co Schiffe (Palaeph. 13. Phanodikos bei Serv.
erkläre; sie schwieg, aber indem sie sich
schamhaft verhüllte, erklärte sie damit, ihm
folgen zu wollen. An der Stelle errichtete
Ikarios, der nun nachgab, eine Bildsäule der
Schamhaftigkeit, Paus. 3, 20, 10; vgl. Arist.
Poet. 25; Steph. Byz. s. v. 'Alv&iu und Tccivcc-
gog; Eustath. 1417, 21; Athen. 18, 597 e. [Bei
Schol. Eur. Or. 457- Eust. zu II. B. p. 293, 10.
a. a. O. = F. H. G. 4, 472), und Ikaros fand
seinen Tod, indem er durch ungeschicktes
Steuern das ihn tragende Segelschiff um-
schlagen liefs (Paus. 9, 11, 5). oder indem er
bei der Landung tollkühn aus Ufer zu springen
versuchte, dabei aber ins Meer stürzte (Dtod.
Sic. 4, 77, 6). Nach Menekrales bei Serv.
a. a. O. = F. H. G. 2. 344 wurde er nach der
115
Ikaros
Ikaros
116
Flucht des Daidalos von den Athenern vertrieben
und kam auf der Suche nach dem Vater durch
Schiffbruch um. Den von den Wellen ans Land
(Insel Doliche) gespülten Leichnam findet und
bestattet Herakles (Apollod. 2, 6, 3, 4. Paus.
a. a. 0.)i die Insel selbst erhält nun den
Namen Ikaria oder Ikaros (Paus. Apollod.
Strato. Arrian. a. a. 0. Diod. Sic. 4, 77, 6;
vgl. Ovid. Met. 8, 235; bei Aescli. Pers. 876 [K.~]
wird sie 'Holqov iäog genannt). Der Grab- 10
hügel des Ikaros ward auf einer in das
aigaiische Meer vorspringenden Landspitze ge-
zeigt (Paus. a. a. 0.); oder Daidalos bestattet
selbst seinen Sohn, nachdem er dem Ikaros
nach Sicilien vorausgeflogen war und ihn dort
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■yY? \J^ ll Hr. J "^""-^-SSX/"
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Daidalos u. Ikaros, Wandgemälde (nach Arch
vergeblich erwartet hatte (schal. II. a. a. 0.), auf
der Insel Ikaria (Ovid. Met. 8, 235; vgl. Palaiph.
a. a. 0.). Auf den Bernsteininseln hatte Daidalos
seine und des Ikaros Bildsäule aufgestellt (.Ari-
sto*, de mir. aud. 81 p. 836 b. Steph. Byz. s. v.
'HliY.Tei'Szg vriooi) und auf den Thürflügeln
des von ihm zu Cuinae erbauten Apollon-
tempels war wohl auch von seiner Hand das
Schicksal seines unglücklichen Sohnes darge-
stellt (Serv. a. a. 0.; vgl. jedoch Yerg. Aen. <
6, 31); das Meer, in welches Ikaros gestürzt
war, heifst nach ihm das ikarische (s. z. T.
obige Stellen und aufserdem Lucian. IJcar. 3.
Philops. 2. Eust. II. 192,46. Ovid. Met. 8, 230.
Irist. 1, 1, 90. Fast. 4, 283; vgl. Heroid. 17
[18], 50). Ikaros gilt für den Erfinder der kunst-
mäfsigen Verarbeitung des Holzes (Hesych.
Curtius, Griech. Etym.5 461 leitet den Namen
Ikaros vom Stamme in, lat. ic [ictüs] = schlagen,
stofsen ab) und des Segels (Plin. hist. nat. 7,
56, 208. Epigramm des Iiüianos auf ein ehernes
Standbild des Ikaros: Anth. Planud. 107. 108).
Als Person trat Ikaros: in den Kretern des
Euripides auf (schal. Arist. ran. 849), und auch
sonst wurde der Mythos dramatisch behandelt
(vgl. schol. Arist. pae. 141 Tovg tpaytxoig
jra/Jft §iä xa nsgl 'Iy.uqov liyo^uva) oder auch
in Tänzen dargestellt (Luc. Salt. 49; vgl. auch
Suet. Nero 12). Spätere Deutung der Sage bei
Pseudo-Luc. Asirol. 15 = Anonym, bei Wester-
mann p. 324, 14. Eust. IL 193, 6. [Bild-
werke: Vgl. aufser den oben Bd. 1 Sp. 937
Z. 24 angeführten Monumenten noch den Onyx-
kameo Mus. Borbon. 2,
28, 1: „I. auf einem Posta-
mente stehend, während
ihm Daidalos die schon am
Rücken hängenden Schwin-
gen noch durch Ring-
klammern am Arme be-
festigt. Eine links stehende
Frau nimmt man für die
befreundete Pasiphae, oder,
da sie den Hammer hält,
für eine Personifikation der
Skulptur; rechts sitzt die
kretische Göttin Diktynna
oder Britoruartis in phry-
gischer Tracht mit hohen
Jagdstiefeln, Köcher und
Bogen auf dem Rücken, den
Speer in der Hand." Vgl.
ferner die Paste des Brit.
Museums (Catal. of engrav.
gems in the Brit. Mus. nr.
1332: „Icaros Stands half
turned to l. hands raised
to wings; Daidalos Icneels
oehind him with both hands
raised, and droped round
7oins."ib.nr. 1333: „I.flyin'g
to r. over waves. Paste."
Das Relief einer aus der
Gegend von Neapel stam-
menden Thonlampe (ab-
gebildet Arch. Z. 10 [1852]
Taf. 39, 2; vgl. S. 423 f.) stellt
ebenfalls 1. über das Meer
fliegend dar, unter ihm rudert ein Fischer da-
hin (vgl. Ov. Met. 8, 226 ff.), im Hintergrunde
sitzt Minos auf den Zinnen seiner Barg und
schaut dem Flüchtlinge mit erstaunter Gebärde
nach (vgl. Ov. Met. 8, 187). Vgl. in betreff der
Daidalos und Ikaros angehenden Monumente
im allgemeinen MiÜUr,IIdb. d. Archäol. §418, 1.
E. Pottier im Dictionnaire des antiq. sous la
direct. de Daremberg et Saglio Bd. II p. 6 ff.
u. Baumeister, Denhn. d. Id. Altert. S. 403 ff.
Röscher.] — 2) Vater des Elatos, Grofsvater
des Tainaros, Pherclcyd. im schol. Apoll. Bhod.
1, 102. Meinehe zu Steph. Byz. s. v. Tat'vaQog
verlangt Ikarios. — 3) Vater des Alyzos, Steph.
Byz. s. v. 'Alv&La- auch hier schreibt Meineice
Ikarios. — 4) Vater der Erigone, sonst Ikarios
(s. d.) genannt, Pro». 3, 33, 29. Ttbull. 4, 1, 10.
Ov. Ib. 609. — 5) König v. Karien, der die von
Taf. II, Fig. 1).
117
Ikastos
Ilioneus
118
Seeräubern entführte Tochter des Thestor, die
Theonoo , kaufte und zu seinem Kebsweib
machte (das Nähere unter Leukippe, Theonoe,
Thestor). Hygin. fab. 190. [Höfer] — G) s.
Ikarios.
Ikastos ("Iytaatog), Sohn des Aiolos, gewöhn-
lich Iokastos (s. d.), oder auch Akastos (Enst.
ad Dionys. Per. 476) genannt, Bellten anecd.
283, 23. [Höfer.]
Ikelos ("intXog) , ein Traumgott, der nur in
Tiergestalt sich zeigt. Ikelos heifst er bei
den Göttern, während ihn die Menschen Pho-
betor nennen, Ovid. Metam. 11, 640. [Höfer.]
Ikmaios (Txftafos), Beiname des Zeus: der
Befeuchtende (Itifiaivo], befeuchten), der Regen-
spendende (wie vsztog, oußoiog). Auf Keos
feierte man zur Zeit der Hundstage ein Fest,
damit die Etesien erfrischenden Tau und
Regen brächten. Das Fest stand in Verbin-
dung mit dem Kulte des Aristaios (s. d.), der
hier einen Altar des Zeus Ixfiatog gestiftet
und zuerst ihm geopfert und zu ihm gebetet
haben soll. Zeus Iv.uaiog ist derselbe wie Z.
äv-xaiog am Pelion. Ap. Rh. 2, 522 mit Schöl.
Müller, Orehom. 249. 348. Preller, Demeter u.
P. 248, 15. Gr. Myth. 1, 114. 374. Lauer,
System 197. Gerhard, Gr. Myth. 1 § 192, 2,
197, 3. 199, 8. Welcher, Gr. Götterl. 1, 490.
[Für das bärtige Haupt auf dem Obv. von
Münzen von Keos, Karthaia, Koresia und Iulis
läfst Eead, H. N. p. 410ff. die Wahl, ob man
darin den Zeus Ikmaios oder den Aristaios zu
erkennen hat. Drexler.] [Stoll.]
Ikmalios ('ly.aaliog), ein Zimmermann in
Ithaka, der den kunstvollen, mit Elfenbein
und Silber ausgelegten Lehnsessel der Pene-
lope verfertigt hatte; Hom. Od. 19, 57 (JEust.
1855, 16); nach Ourtius, Griech. Etym.5 461
vom Stamme in. latein. ic (ictus) = schlagen,
stofsen; anders Eitst. 1855, 29: 'iv.ficxXtog ovouu
oi'AlLOV XEHTOVl £vl(OV, « XQrj6l^LCi yiVETCCt [lETCi
rö i^iniiaß&rjvoit. [Höfer.]
Hat s. Astarte.
Ilea ('Uta). Auf einer Münze von Pessinus ist
dem Haupte der Kybele beigeschrieben 0£A
IA€A, Num. Chron. 1876 p 79. Zeitschr. f. Nim.
4, 1877 p. 287. Eead, H. N. p. 630. [Dresler.]
Ileithyia s. Eileithyia.
Hin ('IXt'ct), in der gräcisierenden Sage der
Römer die Mutter des Romulus und Remus,
gleich der Rea (Rhea) Silvia in der ge-
wöhnlichen Sage , Verg. Aen. 1 , 274. 7, 659.
Hyg. f. 252. Fest. p. 267 Müller. Plut. Romul.
3. Konon 48; s. Rea Silvia. Perizonius zu
Ael. Var. Hist. 7 p. 510 ff. beweist, dafs die
Mutter des Romulus als Ilia immer Tochter
des Aeneas, als Rea Silvia Königstochter von
Alba ist, dafs Ilia nie Rea heifst. Bei den
älteren römischen Dichtern Naevius und Ennius
ist Ilia noch die Tochter des Aeneas und
dieser der Grofsvater des Romulus und Remus,
Serv. Verg. Aen. 1, 273. 6, 778 (Valden, Enn.
poes. rel. p, 9 ff.), vgl. Dion. Hai. A. Born.
1, 73. In dem ennianischen Fragment bei Cic. de
divin. 1, 20, 40 (Vahlenp. 10 nr. 34; vgl. Robert,
Arch.Z.Sl,2ö) heifstllia eine Tochter des Aeneas
und Stiefschwester der Eurydike, sie selbst ist
also wohl Tochter des Aeneas und der Lavinia.
Bei Ennius ist Ria auch Vestalin, und auch
Amulius wird genannt, ohne dafs abzusehen
ist, wie er die gewöhnliche Tradition, der er
folgt, mit der Voraussetzung, dafs Ilia des
Aeneas Tochter sei, in Einklang gebracht hat.
Nach Ennius bei Porphyrion zu Hör. Carm.
1, 2 wurde Ilia, nachdem sie die Zwillinge
des Mars geboren, auf Befehl des Amulius,
Königs der Albaner, in den Flufs geworfen;
10 der Flufsgott Anio aber oder Tiberinus machte
die zu einer Göttin Erhöhte zu seiner Ge-
mahlin, Serv. V. Aen. 1, 273. 3, 333. Hör.
Carm. 1,2 u. dazu Acro u. Porphyr. Ovid
Am. 3, 6, 45. Fast. 2, 598. Claudian. in Prob,
et OVybr. cons. 225. Sidon. Apoll. Paneij. in
Maior. 28. Mythoqr. Vat. 1 f . 30. — Niebuhr,
R. Gesch.* 1, 220 ff. Schwegler, R. Gesch. 1,
407 f. Preller, R. Myth.1 697. 511. Müller,
Bor. 1, 223. Preuner, Hestia-Vesta 289 f. 378.
20 u. d. Art. Mars u. Rea Silvia. [Auf einem der
Medaillons des zu Aisnay gefundenen Gefäfses
(Caylus, Rec. d'ant. VI PI. CVU, p. 338—341;
Miliin, Voyage dans les depart. du midi de la
France I p. 439 Note 1 zu p. 438; Comarmond,
Descr. des ant. et objets d'art contenus dans les
salles du palais-des-arts de la rille de Lyon
p. 42— 43, nr. 211, pl. II; A. de Boissieu, Inscr.
ant. de Lyon p. 463 ff.; Froehner, Les musc'es
de France p. 65 — 66) sind Mars und Ilia mit
30 den Beischriften MARS und ILIA dargestellt.
Vgl. Bonner Jahrb. 1 p. 45 ff. Tf. 1 f. Drexler.]
[Stoll.]
Ilias (Iliäg), Personifikation des Homerischen
Gedichtes, zusammen mit der Odysseia neben
Homer dargestellt auf dem bekannten Relief
der Apotheose Homers; vgl. Baumeister, D.
d. cl. Alt. S. Ulf. [Röscher.]
Ilias ('Iliäg), Beiname der Athena in Ilion
auf Münzen von Ilion mit dem Kultusbild der
io Göttin und der Revers -Aufschrift AOHNAÜ
IAIAAOZ, Read, H. N. p. 473. [Drexler.] _
Ilieus {'iXistig), Beiname des Apollon in Troja,
Steph. Byz. s. v. "lliov. 'ttisig ö 'JtzoXXcov iv
Tooi'a; auch inschriftlich bezeugt G. I. G.
3614'd 'Anöllavog xov 'lld[a>]g. [Höfer.]
Ilion. Auf einer Münze des Elagabal (?)
von Ilion soll die Stadtgottheit von Ilion, der
Roma die Hand reichend, unter Beifügung der
Beischriften IAION • PQMH dargestellt sein, Mi.
50 S. 5, 574, 187 (nach Vaillant), Head, H. N.
p. 473. Vgl. Schliemann, Ilios 719. [Drexler.]
Ilione ('Iliüvi}), die älteste Tochter des
Priamos und der Hekabe, Verg. Aen. 1, 653.
Hyg. f. 90. Sie war vermählt mit dem thra-
kischen König Polymestor, welchen sie wegen
seiner Treulosigkeit und Feindseligkeit gegen
ihre Familie tötete, Hyg. f. 109. 240. 243.. 254,
vgl. Serv. V. Aen. 3, 15. 49. 1, 653. Über
die Tragödie Iliona des Pacuvius und deren
60 Inhalt s. De'ipylos nr. 3. Welcher, Gr. Trag.
3 p. 1150 ff. Düntzer, Zeitschr. /'. Altsiu.- 1838
p. 57 ff. Riboeck, trag. lat. rell. p. 83 u. 292.
Ribbeck, Die röm. Trag. 232 ff., vgl. Horat.
Serm. 2, 3, 61 u. Sehol. [Stoll.]
Ilioneus ('Iliovsvg), 1) der jüngste Sohn
des Amphion und der Niobe, Ov. Met. 6, 261.
[Über den früher sog. Ilioneus (= Troilos)
der Münchener Glyptothek s. Wieseler, D. d. a.
119 Ilios Ilos 120
K. 1 Taf. XXXIV E und Text dazu; Arch. Z. des Laoinedon, Grofsvater des Priamos uud
26,45. Brunn, Beschreib, d. Glyptothek* S. der Hesione (Apöllod. a. a. 0. II. 20, 232. 236),
176ff. R.] — 2) Sohn des reichen, von Hermes Gründer von] Kos. Hierüber berichtet Apollodor,
geliebten Phorbas, ein Trojaner, von Peneleos llos sei nach Phrygien gekommen und habe
erlegt, 11. 14, 489 ff. — 3) Trojaner, Begleiter in einem von dem dortigen König angestellten
des Aeneas, Verg. Aen. 1, 120. 521. 9, 601. — Kampfspiel im Ringkampf gesiegt. Als Preis
i) Ein troischer Greis, von Diomedes bei der habe er 50 Jünglinge und 50 Jungfrauen
Eroberung der Stadt trotz seiner Bitten ge- bekommen und einem Orakelspruch zufolge
tötet, Quint. Sin. 13, 181. [Stoll.] habe ihm der König auch eine scheckige
llios. Die Aufschrift IH OS auf einer Bronze- 10 Kuh (das heil. Tier der Pallas?) gegeben
kiste von Palestrina (B. Schöne, Ann. deW mit der Bestimmung, dort, wo die Kuh sich
Inst. 1870 p. 334 — 53. Mon. delV Inst. 8 Tav. niederlege, eine Stadt zu gründen. Er sei
XXII — XXV. Vente Castellani nr. 359. Bull. ihr nun nachgegangen, und als sie auf dem
epigr. de la Gaule 4 p. 151) wird von Corsscn, Hügel der sogen, phrygiseken Ate sich ge-
Ann. a. a. 0. p. 338 als Pferdename erklärt, legt, habe er dort eine Stadt gegründet uud
während Schöne p. 340 — 341 auf Grund des llios genannt. Vgl. Steph. Byz. s. v. 'AzioXo-
Punktes zwischen \l \X und IHOS einen Zu- qpo? (Ate, von Zeus vom Himmel herabge-
sammenhang zwischen beiden Namen annimmt schleudert, soll hierher gefallen sein und der
und "lliog für ein Adjektiv, abgeleitet von Hügel davon seinen Namen erhalten haben;
'ilsvg, einer Nebenform von Ollevs, also „der 20 s. Ate). Bemerkenswert ist, dafs dnreh die
Sohn des Oileus" erklärt. [Drexler.] Führuug der Kuh Ilos* wieder in die Nähe
Ilissides (TAicof'iJf s), Beiname der am Ilissos seiner Heimat zurückgebracht wird, denn
verehrten Musen, Apollodor bei Steph. Byz. schon Dardanos siedelte sich von Samothrake
s. v. 'l?.iaaögM in der Nähe des Flusses befand aus auf dem ,. gegenüberliegenden Festlande"
sich ein ßcogog Movaäv EiliaßLccöoiv , Paus. 1, an und gründete die Stadt Dardanos am Hel-
19, 5. [Höfer.] lespont, im Lande des Teukros, eines „Sohnes
Ilissos ('iXtooog, IXiaog), der Gott des gleich- des Skamandros" und der Nymphe „Idaia",
namigen Flusses in Attika, welcher eiu Heilig- und sein Vater Tros ist der Enkel des „Simoeis '
tum in Athen besafs (athenische Inschrift aus und Eidam des Skamandros. In der Ebene
der Zeit des peloponnesischen Krieges, CIA. 30 des Simoeis und Skamandros also, auf einem
1, 210, k, 2 u. 1, 273, f, 16 = Dittenberger, Hügel {Xocpog) ward Ilion gegründet, Diod.
syll. 29, 82); bei Norm. Dion. 39, 190 wird er 4, 75. Nicht zufrieden mit der durch die
als ya/xoacoXog geehrt. [Ober die Darstellung Kuh ihm gewordenen Andeutung bittet Ilos
des Ilissos im westl. Parthenongiebel s. Friede- den Zeus um ein Zeichen und findet am
richs- Wolters, Gipsabgüsse S.262R.] [Steiiding.] folgenden Tage vor seinem Zelt das Simsxsg
Ilixo. Ein Gott dieses Namens erscheint auf naXXaSiov, ein Bild von 3 Ellen Höhe, mit
drei kurzen Inschriften, welche mit Nymphen- enggeschlossenen Füfsen, den erhobenen Speer
steiuen in den Thermen von Bagneres-de- in der R., in der L. Spindel und Pocken.
Luchon zu Tage gefördert wurden. L. Ecnier, [Ganz ähnlich dieser Beschreibung findet sich
Bullet, du comite de la langue, de Thistoire et 40 das Palladion gewöhnlich abgebildet auf Vasen,
des arts de la France III p. 149. Sacaze, in Wandgemälden und Reliefs (vgl. Overbeek,
Epigr. de Luchon p. 18. 20. Mcrimee, De Gall. hero. Bildiv. Taf. 26, 17. 27, 1—4. Arch.
antiquis aquar. relig. p. 63 ff. Man hat den Ztg. 1882 Tf. 8, 2 a), nur dafs die Linke ge-
Namen des Gottes in 'Luchon' wiederfinden wohnlich den Schild hält.] Für dieses Bild
wollen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dafs baute Ilos einen Tempel. Andere berichten,
es der Quellgott der Thermen ist. Mcrimee als Ilos bei einem Tempelbrand das Bild
verweist noch auf ein in Vieune gefundenes rettete, sei er erblindet, weil er das Bild ge-
Thongefäfs mit der Inschrift Illixo (a. a. 0. schaut habe, das von niemand gesehen werden
p. 69 Anmerk. 8). [M. Ihm.] durfte, was sich mit dem Bericht des Apollodor,
Illyrios ('iXXvQwg), Sohn des Kadinos und 50 wonach doch Ilos das Bild ungefährdet sah,
der Harmonia, der ihnen geboren ward, nach- nicht recht reimt. Doch habe sich Athena ver-
dein sie von Theben nach lllyrien übergesiedelt söhnen lassen und ihm die Sehkraft wieder
waren und hier eine Herrschaft gegründet geschenkt: Flut. Parcdl. min. gr. et. vom. 17
hatten. Er wurde der Stammvater der illy- = Moralia ed. Wyttenbach, Tom. 2 p. 269.
rischen Könige und gab dem Lande den Namen. Nach Diodor 4, 74 soll er den Tantalos und
Apollod. 3, 5, 4. Steph. B. v. 'iXXvgCa. Strab. dessen Sohn Pelops wegen des Raubes seines
7, 326. Dionys. F. 95, 389. Schol. Veron. Verg. Sohnes Ganvrnedes aus Paphlagonieu vertrieben
p. 83 Keil. Preller, Gr. Myth. 2, 27, 1. [Stoll] haben. Vgl* Paus. 2, 22, 4. Über sein Grabmal
Ilos ('ilos, ElXog), 1) Sohn des Dardanos in der Ebene vor Ilios vgl. II. 10, 415. 11,
und der Bateia, einer Tochter des Teukros, 00 166. 372. 24, 349. Theokr. 16, 75. Eust.
Bruder des Erichthonios, stirbt kinderlos, 1352, 62. [Eine Münze Caracailas von Ilion
Apollod. 3, 12, 2. zeigt ihn mit der Beischrift 6IAOC auf einem
2) Sohn des Tros und der Kallirihoe, einer Altar vor der Säule mit dem Palladion opfernd,
Tochter des Skamandros, Enkel des Erichtho- Sestini, Mus. Hedervarianum II p. 137 nr. 17,
nios, Urenkel des Dardanos, daher JagSavCSra Mionnet, S. V 572, 475, Carcdoni, Spie. num.
(Hom. 11. 11, 372), Bruder des Assarakos, des p. 153, Head, E. N. p. 473. Drexler.]
Ganymedes und der Kleopatra, Gemahl der Jener Hügel, wo die Kuh sich legte (nach
Eurydike, einer Tochter des Adrastos, Vater Lykophr. Alex. 29 und Steph. waren es zwei),
121 llunnus Imeusimos 122
hiefs auch ßovnlavoY.Tiozog , von dem Umher- d'une sorte de petit temple ou ehapelle, dont
irren der Kuh. Nach Tzctz. zu Lykopin . a. a. 0. on a reconnu l'emplaeement au milieu des
erhielt llos beim Weiden seiner Herden in substruetions qui s'elevaient au dessus de la
Mysien von Apollon Priapeios das Orakel, tete de l'emissaire romain et qui faisaient
dort eine Stadt zu gründen, wo eine seiner partie des bätiments dans lesquels habitaient
Kühe uiederfalle. Dieser Fall trat ein, als les personnes attachees ä l'entretien de l'emis-
ihm einst eine Kuh entlief und er sie ver- saire'): Unesimus Aug. Hb \ proc \ fecit. Ima-
folgte. Beide Versionen der Sage in Verbin- ginibus et Laribus . cultoribus Fucini. Momm-
dung mit dem Stamm seines Namens weisen seil z. d. Iaschr. : rita inscriptionem interpretor,
auf llos als Herdenbesitzer (ilrj) hin. Über 10 ut Augusti libertus ille qui sacellum fecit pri-
Ilos und Assarakos als angeblich assyrische ruum id dedicaverit imaginibus et Laribus,
Gottheiten = „Ilu" und „Assur der Grofse" scilicet dominorum suorum Augustorum, deinde
vgl. den Art. Aineias Bd. 1 Sp. 188 oben und F. collegio funeraticio sive cultoribus, qui Fuci-
Lenormant , Gas. arche'ol. 1675 p. 259 m. Anm. mim sibi elegerant deum tutelarem.' [R. Peter.]
3) llos, Sohn des Mermeros (M^Q^^giä-ng) Imaon, Eriegsgefährte des Haiesos, Führers
von Ephyra in Elis {Strabo 8 p. 338), Enkel der Aurunker, der Bundesgenossen des Turnus,
des Pkeres, Urenkel des Iason und der Medeia Verg. Aen. 10, 424. [Stoll.]
nach Eust. p. 1415, 50 ff. 1416, 2; vgl. Müller, Imbramos (Iiißgctfiog), karischer Name für
Orchom. p. 268. Von ihm wollte Odysseus Hermes nach Steph. B. s. v. "ifißgog. Eust. z.
das Gift zum Bestreichen seiner Pfeile holen, 20 Dion. Per. 524. Vgl. oben 'Hermes' (Sp. 2352)
erhielt es aber nicht, da Hos die Vergeltung und den Art. Kabeiroi. [Röscher.]
der Götter fürchtete; Od. 1, 259. 2, 328. In Imbrasides ('liißQaaiärjg), d. i. Sohn des
diesem Fall kann wohl nur das elische Ephyra Imbrasos (Serv. ad Verg. Aen. 10, 123) heifst:
gemeint sein; es gab jedoch mehrere Städte 1) Peiroos, der Führer der Thraker aus Ainos,
dieses Namens, die als giftreich (nolvcpugfiu-Aog) Hom. II. 4, 520. Strabo 7 p. 331. fr. 58. —
bezeichnet und mit Medeia in Beziehung ge- 2) Asios, ein Genosse des Aeneas, Verg. Aen.
bracht wurden, vgl. Müller a. a. 0. IL 11, 740 10, 123. — 3) Glaukos und Lades, die Söhne
und Krates beim Schal, z. d. St. [Weizsäcker.] des Imbrasos aus Lykien, von Turnus getötet,
llunnus (Ihtnist) durch mehrere Inschriften Verg. Aen. 12, 343. [Höfer.]
der Pyrenäen bekannt. Sacaze, Bevue de Com- 30 Inibrasios ('[ußgadog), ein Trojaner, von
minges 1885 Oktob. erwähnt Inschriften aus Neoptolemos getötet, Quint. Sm. 10, 87. [Stoll.]
Gaut (nr. 16) und Cadeac-les-Bains (nr. 39) mit Imbrasos ('ltxßgc(aog), 1) Flufs und Flufs-
der Dativform Iluni (Fluni deo); vgl. den- gott in Samos, dem die samische Nymphe
selben im Bull, epigr. 2 p. 183. Eine Mar- Chesias die von Apollon geliebte Okyroe ge-
morbasis von Toulouse, welche einst ein Signum bar, Athen. 7, 283 e. [Mit der Beischrift
argenteum des Hercules invictus trug, enthält IMBPACOC erscheint er auf einer Münze Trajans
die Widmung Herculi Ilunno Andose (Mont- von Samos, Gardner, Num. Chron. 1882 p. 283
faucon, Ant. expliq. 2, 1 p. 251 pl. CIV. Mülin, nr. 23; Head., H. N. p. 768. Drexler.] —
Monum. inedits 1 p. 98. De Wal, Myth. sept. — 2) Thrakerfürst in Ainos, Vater des Peiroos,
mon. epigr. nr. 154). Danach scheint llunnus 40 II. 4, 520. — 3) Ein Lykier, Vater des Glaukos
Beiname des Hercules. Die Erklärung von und Lades, der Gefährten des Aeneas, Verg.
Andose ist unsicher; vgl. J. Becker, Rhein. Aen. 12, 343. — 4) Vater des Asios, eines
Museum N. F. 17 p. 14ff. Merimee, F)e anti- Gefährten des Aeneas, Verg. Aen. 10, 123.
quis aquar. religionibus (Paris 1886) p. 73. [Stoll.]
Die Widmung Astoilunno deo steht auf einem Inibreus, Kentaur, auf der Hochzeit des
Stein von St. Beat (Basses-Pyreneea) bei Miliin, Peirithoos von Dryas getötet, Ov. Met. 12, 310.
Monum. ined. 1 p. 97 pl. XII, 1. Orelli 1962. [Stoll.]
De Wal, Mythol. sept. mon. epigr. nr. 20. Vgl. Imbrios ("Ißßgiog), Sohn des Mentor, aus
"wich. Peter ob. Bd. 1 Sp. 3021. [M. Ihm.] Pedaion, Gemahl der Medesikaste, einer Tochter
Ilurberrixo, zu Escugnan und Tibiran in den 50 des Priamos, im Kampfe vor llion von Teukros
Pyrenäen verehrte Gottheit, Sacaze, Bull, de erlegt, II. 13, 171 ff. Paus. 10, 25, 4. Welcher,
la societe des antiquaires de France 1883, 3e Tril. p. 607, 10; vgl. Eustath. p. 926, 42.
livr. Bev. des Bevues 8, 1884 p. 307. [Drexler.] [Stoll.]
Iluro, unbekannter Gott der Pyrenäen, er- Imbros ("Iiißgog), Sohn des Aigyptos und
wähnt auf einer Inschrift aus Mondilhan im der Kaliadne, vermählt mit der Danaide
Gebiet des alten Lugudunum Convenarum (deo Euippe, Apollod. 2, 1, 5. [Stoll.]
lluroni Maxuma Flori fil. v. s. I. m.). Eine Imenarete (?) heifst bei Hyg. f. 97 Mutter des
Stadt Iluro (bei Pomp. Mela 2, 6, 2 Luro ge- Elephenor, Gemahlin des Chalkodon. Der
nannt) liegt in Hispania Tarraconensis. Bevue Name ist korrupt. [Stoll.]
celtique 2 p. 288. Merimee, De antiquis aquar. ou Imeusimos ('Ijisvaifiog), Sohn des Ikarios
relig. (Paris 1886) p. 48. Sacaze, Epigr. de und der Nais Periboia, Bruder der Penelope,
Luchon p. 67. Der Stempel IL VRÜF auf einer Apollod. 3, 10, 6. — Buttmann (zu Schal. Od. 4,
Lampe Bonn. Jahrb. 35 S. 46. [M. Ihm.] 797, wo ein Bruder der Penelope Amasichos
Imagines als göttliche Wesen nennt die heifst) vermutet, dafs dafür und für Imeusimos
Inschrift G. I. L. 9, 3887 (= Orelli-Henzen als wahrer Name Amasiklos herzustellen sei,
5826 a; gefunden am Fucinersee; ccette plaque der sich bei Schol. Od. 1, 277 findet. Bei
de marbre . . . portant ä chaque angle un trou Schal. Od. 1, 275 heifst ein Bruder der Pene-
. . . devait avoir ete fixee au dessus de l'entree lope Damasiklos. [Stoll.]
123 Imhotep Imuthes 124
IiiiUotep, griech. Iuov&ng (s. d.), d. ägyptische kundiger Schüler des Hermes gilt, Pietschmann,
Asklepios. Man sehe über ihn Pierret, Panih. Hermes Trismegistos. Leipzig 1875 p. 44. Louis
ig. p. 78, 101. Lanzone, Die. di mitol. egiz. Menard, Hermes Trisme'giste passim. Als
p. 151 — 154. Tav. 50, 1—3. Brugsch, Bei. u. „oberster Hierograrnmat", wie er in der. zu-
Myth. d. alt. Äg. p. 526 — 528. v. Strauß u. letzt angeführten Inschrift heilst, stand er
Torney , Her altäg. Götterglaube p. 426 — 427. nach Brugsch p. 527— 528 der Leichenbesorgung
Der Name bedeutet „der, welcher kommt vor. In einem Papyrus heilst es von dem
in Frieden". H. de Rouge, Kotice sommaire Toten: „Du vereinigst deine Seele mit lin-
des monum. ig. exposes dann les galeries du hotep, während du bist im Thale des Todes",
musee du Loucre. Kouv. Edit. Paris 1876 10 Lanzone p. 151. Als "Widmung an Imhotep fafst
p. 127 Note 1 vermutet, dafs der von Jambli- man die Tempelinschrift von Philai auf: Baai-
clius (De Myst. p. 158 ed. Gate) angeführte Xevg nxoXstiCtwg xal ßaoiXiooa KXiondrga j
Gottesname Emeph, wofür Gcde Kneph lesen &sol smqiavsig v.cti nroXsuaiog b vibg 'AoxXn-
will, eine Transkription von Imhotep sei. Im- juiü, Letronne, Eec. des inscr. gr. et lat. de
hotep gilt als Sohn des Ptah, den die Griechen l'Eg. 1 nr. 2 p. 7 — 10. C. I. Gr. 4894. Brugsch
ihrem Hephaistos verglichen. In einer In- p. 527. Auch in Theben hatte er eine Kapelle,
schritt bei Le})sius, Denhn. 4, 18. Lanzone Brugsch p. 527. Sein Hauj^theiligtum aber,
p. 153. Pierret p. 101 heilst er: „Imhotep, der Pi-Imhotep, „das Haus des Imhotep", befand
grofse Sohn des Ptah, der wohlthätige Gott, sich zu Memphis am Rande der Wüste nahe
hervorgebracht von Tanen, zur Welt gebracht 20 beim Sarapeion, Brugsch p. 526 — 527. Lanzone
aus seinem Leibe und von ihm geliebt"; in p. 151 — 152. In den Papyri von Memphis wird
einem Text bei Champollion, Notices 1, 15. es als to 'AokXijtiieCov, tu [isya 'ABvXrpiiEiov,
Pierret p 101. Lauzone p. 151 wird er be- 'AouXrim'ov vifiEvog bezeichnet, G. Leemans,
zeichnet als „älterer Sohn des Ptah, zur Welt Papyri Graeci Musei Ant. Publ. Lugduni-
gebracht durch Nut"; in Theben bilden Ptah, Batuvi 1 1843 p. 7; E, 22; p. 33; O, 9; L, 7
Mut-Hathor und Imhotep eine Triade, Lepsius, p. 56. Für Spenden, welche zwei im Sara-
Denhin. 4, 15. Pierret p. 101. Brugsch p. 52S. peion iv xaroxjj befindliche Schwestern dem
Dargestellt wird Imbotep als schreitender Asklepios darbrachten, hatten sie eine Anzahl
oder sitzender Mann, auf dem glattrasierten Brote aus dem Asklepieion zu empfangen,
Kopfe, dessen Kahlheit Synesius (Encom. cal- 30 Bernardino Peyron, Papiri greci del Museo
vitiei cap. 10 p. 15 ed. Krabinger. Ja- Brit. di London p. 7 ff., Pap. XII p. 70 ff.
blonshi, Panih. Aeg. 3 p. 196) hervorhebt, Beuvens, Lettres ä 31. Letronne sur les papy-
die eng anschliefsende Kappe der alten Agyp- rus bilingues et grecs au muse'e d'ant. de l'unic.
ter, Brugsch p. 526. Mit Halsketten, Arm- de Leide 3 p. 88. 96. Brunei de Presle, Mein.
und Fufsbändern ist er reich geziert, in der sur le Sirapeum de Memphis, Mein. pres. pur
flechten führt er nicht selten das Scepter div. sav. ä Vacad. des inscr. et b.-l. 1. ser. su-
Uas, in der Linken das Henkelkreuz, Brugsch jets divers d'erud. 2. Paris 1852 p. 561 — 562.
p. 526. Lanzone Tav. 50, 2, 3. Häufig hat er Lumbroso, Beeil. surl'e'conomie polit. deVEgypte
eine Papyrusrolle auf dem Schofse ausgebreitet, sous les Lagides p. 267. [Drexler.]
Marielte-Bey , Kotice des prineipaux monum. 40 Imiiiarados ('//xjuxpados), Sohn des Eumolpos,
du muse'e d'ant. e'gypt. ä Boulaq. 3e ed. p. 117 im Krieg der Eleusinier und Athener Anführer
nr. 163. Lanzone Tav. 50, 1. Pierret p. 78; der Eleusinier und von Erechtheus getötet,
auch hält er zuweilen in der B. den Schreib- Paus. 1, 5, 2. 27, 5. 38, 3. Schol. LI. 18, 483.
griffel, in der L. die Papyrusrolle Seine Schol. Eur. Plioen. 854. Bei Apollod. 3, 15, 4
Bilder sind gewöhnlich sorgfältig in Bronze- heifst der Sohn des Eumolpos Ismaros (s. d.).
gufs gearbeitet, oft mit Gold, Silber und Edel- Pott in Z. f. vgl. Spr. 9, 415 erklärt 'lu^.aQaäog
steinen ausgelegt, Brugsch p. 526. Lunzone durch isgöcpavog, von üiiöio, so dafs er nur
p. 153; die Arbeit der im Vergleich zu den ein Doppelgänger des Eumolpos wäre. [Stoll.J
Bronzefiguren seltenen Porzellanstatuetten ist Impetus, Personifikation ■ des stürmischen
nach Lanzone viel flüchtiger; eine sehr schöne 50 Angriffs, zusammen mit Metus als 'famulus' der
Granitstatue erwähnt E. de Bouge a. a. O. Nach minervaartig gedachten Roma geschildert von
Brugsch p. 527 erteilte Imhotep im Traume Claudianus 1, 78 ff. Vgl. Dilthey , Arch. Z.
den Kranken, die in seinem Tempel schliefen, 33 S. 69, Anm. 28. Stat. Theb.l, 47. [Röscher.]
Orakel. In einem von Brugsch p. 527 — 52S Iiuporcitor s. Indigitamenta.
angeführten Texte, worin er als „der gut- Impsios (7/xipios), Beiname des Poseidon,
thätige Gott" und als „Urheber der Heil- Hesych., der ihn durch ^vyiog erklärt; das Wort
mittel gegen alle Leiden" bezeichnet wird, sagt scheint thessalischen Ursprungs zu sein, vgl.
er von sich: „Ich beseitige alle Leiden an Hesych.' ijiipctg' £sv£ag- SittuIoC. [Höfer.]
deinen Gliedern". Als „der königliche Schreiber, Impmleutia, die personiticierte Schamlosig-
das Ebenbild des weisen Thoth", wie ihn ein ou keit, griechisch Anaideia (s. d.); Cic. de leg. 2,
Text bezeichnet, berührt er sich mit letzterer 11, 28. [Höfer.]
Gottheit, Brugsch p. 527—528, weshalb cm Imuthes ('ijiov&rig) = ImllOtep (s.d.), d.i. der
im Logos Isidis bei Stobaeus I p. 485 ed. v ägypt. Asklepios; er gilt als Sohn des Pan und der
Gaisförd als Erfinder der Dichtkunst sowohl Hephaistobule (Ätoö. Eclog. 1 p. 282AZeiMeÄ-e)und
als der Heilkunst (larpiKijs äs 6 'JoxXrim.bg b als Erfinder der Dichtkunst, Stob. a. a. 0. p. 348;
'HifiaioTQv 7toL7]zL%r)g di ndXiv 0 'AoxXrim.bg vgl. auch Papyr. Salt, in Letr. reo, 1, 9 bei Pape-
Ifiov&ng) bezeichnet wird und in anderen her- Benseier, wo Imuth ('ifioufl-/ als aigyptiscüer
metischen Schriften als der Natur besonders Name des Asklepios bezeichnet wird. [Höfer.]
125 Inachides Inachos 126
Inachides (^va^id r/s), Sprofs desInachos(s.d.), Aesch. fr. 320). Als seine Tochter Io infolge
heilst 1) Phoroneus, Rhianos bei Steph. Byz. der Verwandlung verschwunden ist, trauert er
s. v. 'Ania. — 2) Epaphos, Ov. Met. 1, 753. um sie (Ovid. met. 1, 583 Inachus unus abest
— 3) Perseus Ov. Met. 4, 719. S. Inachos. [Höf'er.] — natamque miserrimus Io luget ut amissam).
Inacliie ('ivaxLT]), Beiwort der mit lo iden- Er sendet den Kyrnos aus, um sie zu suchen,
tificierten Isis (s. d.) b. Kallim epigr. 58 Sehn. mit dem Verbote der Rückkehr, wenn er sie
und in der Inschrift C. I. G. 4943 add. = Kaibel nicht findet (Diod. 5, 60, 4; da alles Suchen
epigr. gr. nr. 981. Vgl. 'Inachos'. [Röscher.] umsonst ist, läfst sich Kyrnos in Karien nieder
Inachos ('Ivaxog), Sohn des Okeanos und und gründet dort die nach ihm benannte
der Tethys [Aesch. Proin. 636. Dion. Hai. a. r. io Stadt). Vgl. Parthcn. er. 1 iiaazrjgag y.ui igav-
1, 25 "lva%s väzog, na£ zov Kgvväv nazgbg vrjTtxg v.a&fjv.sv (Maller, fr. h. 4, 313). Nach
'SlxEctvov, fisya ngsoßsvaiv 'Agyovg zs yvaig Strabo lfi, 2, 5 dagegen wird zu diesem Zweck
r'Hgag zb ndyoig neti l'vgarjvoiai. JleJ.aeyoig aus Triptolemos von den Argivem ausgesandt,
dem Inachos des Sophokles. Apollod. 2, 1, 1. Nach Ephoros (Müller, fr. h. 1, 258. Schol.
Hygin. f. S. 11 Schm.; vgl. dagegen f. 145 ex Apoll. Bh. 2, ..168) wird ihm zum Ersatz für
[Iriope et] Arestoride Xantleus et Inachus), Io von den Ägyptern ein Stier gesandt; da
gilt als "ältester König von Argos, Geo. Syn- die Überbringer den Inaehos nicht mehr am
cellus Clironogr. 64 B, C (Müller, fr. h. gr. 1, Leben finden, ziehen sie in Griechenland herum
101). Vgl. Paus. 2, 15, 4. Hör. carm. 2, 3, 2 und lassen den Stier, ein bis dahin in Griechen-
divesne prisco natus ab Inacho, vgl. 3, 19, 1 20 land unbekanntes Tier, für Geld sehen. Nach
quantum distet ab Inacho Codrus. Schot Isoer. Pseudoplut. de fluv. 18 (1032) verfolgt Inachos
Euag. 6, wo er mit Erichthonios und Euinolpos den Zeus, den Verführer seiner Tochter, mit
als gleichzeitig angesetzt wird. Nach Schol. Schmähungen. Deshalb wird eine der Erinyen,
Eur. Or. 932 hat er nach der grofsen Flut die Tisiphone, gegen ihn geschickt, infolge dessen
Argiver zusammengeführt, die Ebene gereinigt stürzt er sich in den Plufs Haliakmon, der-
mal den Flufs nach seinem Namen genannt. Aus von ihm den Namen Inachos empfängt; in
seiner Verbindung mit Melia, Tochter des Okea- diesem wächst eine Pflanze Hmvovga, deren
nos, entspringen Phoroneus und Aigialeus (Tzetz. sich die Frauen zum Abortieren bedienen,
ad Eye. 178. Steph. Byg. ethn. 40, 14; vgl. Ov. ferner wird darin ein Stein gefunden, weicher
am. 3, 6, 25 Inachus in Melle Bithynide pal- 30 bei einem Meineid schwarz wird. Ayu&oxlrig
lidus isse dicitur. Et. m. 122, 12; vgl. dagegen ät Mil>\oiog iv zolg nsgi Tioza^äv cpnai,' zov
Hygin. f. 143 u. 145 Inachus Oceani filius ex "lva%ov $ta navovgytav iwö zov Jiog -Asgawüi-
Argia sorore sua proereavit Phoroneum.) Auch &ivza 'giqgbv ysvca&ai.. Dafs Inachos samt Io
die Mykene ist des Inachos und der Melia und Argos ein Gegenstand des Mimus sei, er-
Tochter nach den grofsen Eöen bei Paus. 2, wähnt Luc. de Salt. 43. Vgl. noch Nonn.
16, 3 und nach dem Kyklos, vgl. Schol. Ambras. Dion. 3, 261 u. a. Nach Steph. Byz. ethn.
ad Hom. ß 120; aus ihrer Ehe mit Arestor 636, 7 giebt er der Hekate, weil er sie iv zy
entspringt Argos. Ferner wird Pelasgos Sohn 6dm findet, den Beinamen 'EvoSCa; nach seinem
des I. genannt (Schol. Apoll. Uli. 1, 580), auch Namen wird auch ein Fest der Leukothea in
Argos (Pherek. bei Apollod. 2, 1,3) u. Pegeus (seh. 40 Kreta Inacheia genannt, Hesych. lex. s. v.
Eur. Or. 932). Vor allem aber gilt Io als seine 'Ivccxnct. Zu seiner Zeit, so berichtet African.
Tochter, besonders bei den Tragikern: Aesch. apud Euseb. F. E. 10, 10 p. 490 ß seien die
Prom. 590.663. 705. Soph.fr. des Inachos. Herod. Juden unter Moses von den Ägyptern ab-
1,1. Apollod. 2, 1,3. Kallim. h. 3, 254 ('lva%iB>vri). gefallen. Vgl. Tatian. or. ad Gr. e. 59. Clem.
Er wird als Stammvater eines ganzen Ge- Alex. Str. 1, 22 p. 138, 19 Sylb. Müller, fr. h.
schlechts betrachtet (Apollod. 2, 1. Ov. met. 3, 509, 2.
1,753 heifst Epaphus Inachides, ebenso Perseus Der Inaehos wird als der bedeutendste Flufs
4, 720, selbst Agamemnon Eur. Iph. Aul. von Argos betrachtet und deshalb das Land,
1088. Seneca Thyest. 337). Er wird bei dem ja die ganze Peloponnesos, nach ihm genannt,
Streite zwischen Hera und Poseidon um den 50 Soph. El. 1. Eur. Or. 932. fr. 228 'lvu%ov nolig.
Besitz des Landes neben dem Kephisos und Kallim. lovzg. z. 77. 140. Seneca Phoen. 315.
Asterion zum Schiedsrichter ernannt und er- 444. Ovid. ep. 13, 134. Petr. Sat. 139 Inachia
kennt es der ersteren zu; zur Strafe dafür ira = ira lunonis Argivae. Plin. n. h. 4, 17.
trocknet Poseidon sein Flufsbett aus, so dafs Herod. Techn. rel. 1, 288, 34. Als dem Ver-
er im Sommer ganz trocken liegt, Paus. 2, 15, 4. treter des Landes weiht ihm Orestes eine
Apollod. 2, 1, 4. Kallim. h. in Del. 74 inü Locke, Aesch. Choeph. 7. Er entspringt auf
laitv "Lva%ov "Hgn. Luc. Char. 23 'Ira^ov ovdi dem Avqk'Qiov ogog, Schol. Apoll. Eh. 1, 125
zdqigog k'zt iv "Agyei v.azaZsimzui. Er oder oberhalb von Oinoe in Argos, Paus. 2, 25, 3,
sein Sohn Phoroneus sollen den Dienst der seine Quellen werden im Artemision in Arka-
Hera in Argos eingeführt haben, Paus. 2, 15, 4. eo dien gezeigt; zuerst bildet sein Lauf die Grenze
Hygin. f. 124. 225. Steph. Byz. ethn. 104, 23. zwischen Mantineia und Argos . . azioozgiipag
Nach Ioann. Antioch. fr. 6, 14 (Müller, fr. h. Ss ix zijg oäov zä ccn'o zovzov xäxeioi, Kai iitl
gr. 4, 544, 14 gründet er eine Stadt eig 'övofia zovzm zov "lva%ov älloi zs Kai Ala%v7.og noxu-
zfjg BiXr^vrig 'l(o . ovzia yäg zrjv eslr^vrjv ixd- fibv v.alovotv 'Agyiiov, Paus. 8, 6, 6. Nach
low 'Agyiioi, v.ccl r\yüyizo yvvawu Mrfliav Sophokles im Inachos, einem wohl an Stelle
ä(p' ijg i'axsv tnoüs Svo v.al ftvyazigu 1(6. des Satyrdramas aufgeführten Stück (Naucli,
Seine Töchter werden von Aischylos vificpai fr. tr. 248 — 273. v. Wilamowitz, Eur. Herakles
ßioäcogoL genannt (Schol. Aristoph. ran. 1344. 1 , 88) soll der Flufs auf dem Lakmon im
127
Inatimus
Pindosgebirge entspringen, in den Acheloos
münden, dann aber unter dem Wasser fort
nach Argos gehen, Strab. 6, 2, 4. 7, 5, 8.
Jedenfalls war in Akarnanieu ein gleichnamiger
Flufs, Steph. Byz. ethn. 408, 20. Strabo 7, 7, 7
u. 8, welcher von Älkmaion nach dem argi-
vischen Flusse genannt sein soll. Nach Plut.
quaest. gr. 41 (301 C) gab es auch in Böotien
einen Flufs Inachos, der nachher Skamandros
genannt wurde. Der argivische Inachos ist
XagaäQcoörjg, Strabo 8, 6, 7, er hat rapidas
undas bei Attius (fr. tr. lat. 297), er wird
vohicer genannt Senec. Herc. Oet. 139, als ge-
waltiger Flufs bezeichnet Lucan. Phars. 6, 362,
obgleich er inWirklichkeitmeist einen traurigen
Eindruck macht, Luc. Char. 23; dagegen Tgl.
Kallim. h. 5, 50 Kai yctg är] %qvg& xs Kai av-
fttoiv vfiuxa fu'^ag j i)£?t (pOQßaiatv Iva%og £§
oqicov | xd9dvtx xo Ioixqov äycov kwXöv. Unweit
von ihm tötet Herakles die lernäische Hydra,
Luc. Phars. 4,634. Seine Anwohner heifsen nach
ihm lvu%ieZq, Flut, quaest. gr. 13 (294 A), die von
den Aineianen vertrieben werden. [Engelmann.]
Inatimus wollte J. Becker, Beiträge zur
römisch-keltischen Mythologie in Jahrbb. d.
Ver. von Alter lh.- Freunden im Eheini. 42, 1867
S. 119 ff. als Name eines norischen Gottes, der
mit Mars identifiziert wurde, oder als keltischen
Beinamen des Mars auf einer Inschrift aus
Seckau in Steiermark erkennen, die er nach
deren Veröffentlichung durch B. Knabl in den
Mittheihmgcn des histor. Vereins für Steier-
mark 13, 1864 S. 122 f. folgenderinafsen giebt:
Marti | Latobio | Iarmogio | Toutati \ Inatimo
C \ [.Jtio. C. Val | [Jalerinus \ ex voto ; das
C in Z. 5 verbindet er mit dem Anfang der
folgenden Zeile zu Cetio (Knabl : Cotio). Momm-
sen publieiert jedoch (nachdem Knabl in den
Mittheilungen u. s. w. 15, 1867 S. 206 die In-
schrift nochmals besprochen hatte) im C. 1. L.
3, 5320 die Inschrift nach Abklatschen von
Knabl uud Abschrift von G. Wilmanns in
folgender Form: Marti \ Latobio \ Harmogio
Toutati \ Sinati . Mag enio C Val | Alerinus
ex voto, mit den Anmerkungen zu Z. 5: 'Sinati
Wilm. ; prima tamealittera dubia, item punctum
post id vocabulum', und zu Z. 6: 'enio vel neio
Wilm. Quod proposuit Beckcrus seeundum
ectypum sibi visum cetio. deinde Knablius ita
admisit, ut 5. 6 legeiet Inatimo Coetio vel
Inati Moc\etio, nos reprobavimus; nam in
lapide non et est, sed n.' Danach ist die
Annahme Beckers nicht haltbar. [R. Peter.]
Incubo = Incubus (s. d.).
Inoiibus oder Iucubo. Das asthma noctur-
num zeigt sich durch schwere, Tseängstigende
Träume mit dem Gefühle einer aufspringenden
oder bereits aufliegenden Last, welche den
Atem beklemmt und Erstickung droht. Die
Alten schrieben diese Erscheinung einem ge-
spenstischen Wesen zu (Horat. epod. 5, 95 f.),
welches, der Art des Übels entsprechend,
griechisch als Ephialtes (s. d.), lateinisch als
Incubus oder Incubo bezeichnet wurde (Scribon.
Larg. comp. med. 100. Tertull. de anim. 44;
vgl. 49. Porphyr, bei Prokl. in Tim. 142 D.
Macrob. somn. 1, 3, 7). Dieser I. wurde dem
Geschlecht der Faune, Silvane (s. o. Sp. 1456,
Inderjvehensibilis 128
57 ff.) oder Pane (Serv. V. A. 6, 775. Augustin.
c.D. 15, 23. Isidor. orig. 8, 113f.) zugesellt, offen-
bar well er wie diese die Menschen schreckte und
ängstigte. Von ihnen wurde dann wegen der
Bedeutung des Namens Incubus und unter
Berücksichtigung von ähnlichen Träumen wol-
lüstiger Art die ihm zunächst nicht zukom-
mende Eigenschaft der Geilheit auf den In-
cubus übertragen, und nun behauptet, dafs die
10 Ineubi Frauen in der Nacht zu unzüchtigem
Zwecke beschrieben (Publ. Syr, 110. Plin. n. h.
25, 4, 29. 30, 10, 84. Augustin. c. D. 15, 23;
vgl. 6, 8 nach Varro. Grimm, D. Myth.* 3
S. 415). Deshalb wird er auch dem Inuus
(Serv. V. A. 6, 775. Isidor. orig. 8, 113 f.)
und den gallischen Dusii (Augustin. c. D.
15, 23. Isidor. a. a. 0. Glosse bei Hanka 7b,
IIa nach Grimm, D. M.* 1 S. 397; vgl. 398, 3.
3 S. 139) gleichgesetzt. Unter den Faunen
20 sind es besonders die ficarii, d. b. die in
Feigenbäumen hausenden, welche wegen der
Bedeutung dieses Baumes als Symbol der Un-
keuschheit (Preller , B. M.3 2 S. 265) für
Frauen verfolgende Ineubi gehalten wurden
(Hieronym. comm. in Isai. 13, 21. Isidor. orig.
8, 113 f. Glosse bei Hanka 71', IIa nach
Grimm, D. M.1 1 S. 397; vgl. Lye u. Wright
ebenda 3 S. 140 und Plin. n. h. 27, 12, 107).
Bei Jordanis de Get. orig. 24 ist nach Clofs
30 z. d. St. Faunos vicarios später zur Erklärung
von Spiritus immundi aus der Historia miscella
eingeschoben. Für die Ableitung von ficus
spricht aber auch der Spiritu di ficu in dem
sicilisehen Zauberspruch bei Mannhardt, Ant.
Wald- u. Feldk. S. 31. Nach dem altböhmi-
schen Glossator Wacehrad bei Mannhardt a. a. ü.
S. 178 wären auch die ineubi (moruzzi, pilosi,
panites) wie die Pane oben menschlich, unten
tierisch, d. h. mit Bocksfüfsen vorgestellt wor-
40 den, eine Bildung, welche offenbar den Namen
pilosi veranlafst hat (Hieron. u. Isidor. a. a. 0.).
Als Heilmittel gegen die Faunorum in quiete
ludibria galt die Paeonia, welche aber nachts
ausgerissen werden mufste, weil sonst der picus
Martius dem danach Suchenden in die Augen
hackte (Plin. n. h. 25, 4, 29. 27, 10, 85);
vgl. die deutsche Sage von der Springwurzel
bei Grimm, D. M.* 1 S. 812.
Auf eine ganz andere Vorstellung vom
so Wesen des Incubo deutet Petron. sat. 38: sed
quomodo dieunt — ego nihil scio, sed audivi
— quom Incuboni pilleum rapuisset, [et] the-
saurum invenit. Infolge seines Namens ver-
mischte sich offenbar der Incubo im römischen
Volksglauben mit dem jedenfalls indogerma-
nischen schatzhütenden Hausgeist, welcher die
unsichtbar machende Kappe mit den Zwergen
gemein hat. In der auch von Petroiius an-
gedeuteten Weise bemächtigt sich Siegfried
oo des von Alberich bewahrten Hortes (Grimm,
1). M.* 1 S. 423). Vgl. auch den Hercules
Incubo oben Sp. 2962 und den Lateranus deus
bei Arnob. 4, 6. Weiteres b. Laistner, Das
Bätsei d. Sphinx. [Steuding.]
Iitdepreliensibilis (geschrieben Indeprelieu-
sivilis) deus= Mithras (s.d.) auf einem im Mi-
thraeum zu Ostia gefundenen Relief bei Orelli
1912 = 5000 = C. I. L. 14, 64. [Koscher.]
129 Index Indigitamenta (allgern. Unters.) 130
Index, Beiname des Herakles als Über- cod. Lemovicensis-Leidensis und cod. Mona-
setzung von [irjvvtrig, unter welchem Namen censis 6394, in letzterem von zweiter Hand in
er ein Heroon in Athen besafs, weil er einen nominum verbessert) continent, quae etiam Varro
Dieb, der eine goldene Schale aus dem Heilig- dicit. iiam, ut supra (zu v. 5) diximus, nomina
tum gestohlen hatte, dem Sophokles im Traume numinibus ex of'ficiis constat inpo&ita, verbi
bezeichnet und angegeben haben sollte (Cic. causa ut ab occatione deus Occator dicatur, a
de divin. 1, 25, 54. Vita Sophoel. S. 129 sarritione Sarritor, a stercoratione Sterculinius,
We&term. Hcsych. s. v.). Vgl. aber auch oben a satione Sator. Aus diesen Stellen geht zu-
Bd. 1 Sp. 2961 f. [Steuding.] nächst im allgemeinen hervor, dafs die lndigi-
Indigens s. Indigitamenta. 10 tamenta eine besondere Gattung von Pontifical-
Indiges, Indigetes s. Indigitamenta, be- büchern waren, in welchen eigenartige Gott-
sonders von Sp. 132 an. heiten von ganz bestimmten, beschränkten
Indigitamenta und Indigetes. Litteratur: Funktionen, die sich teils auf das Leben des
a) über Indigitamenta: /. A. Ambrosch, Menschen (Censor.), teils auf den Landbau
Ueber die Bcligionsbücher der Römer, in Zeit- (Serv.) bezogen, verzeichnet standen; als Bei-
schr. f. Philosophie u. kathol. Theol. (Bonn) spiele solcher Gottheiten führt Scrvius den
N. F. 3, 1842 Heft 2 S. 221 ff. und Heft 4 Occator, Sarritor, Sterculiniua und Sator an.
S. 26 ff., als Sonderabdruck Bonn 1843 (kurze Zugleich erfahren wir, dafs zwei römische
Andeutungen seiner Ansichten schou vorher Altertumsforseher über die Indigitamenta ge-
in seinen Studien u. Andeutungen im Gebiet 20 schrieben hatten. Von der an Caesar ge-
dcs altröm. Bodens und Cidtus. I. Bresl. 1S39 richteten Schrift des Gramms Flaccus de in-
S. VII. XVI. 63 f. Anm. 109 und Observationen digitamcntis ist aufser der Erwähnung derselben
de sacris'Bomanor. libris partic. I. Ind. schol. bei Gensorinus nichts Sicheres bekannt; denn bei
Vratisl. 1840 S. 4); bildet die Grundlage aller Huschice, Iurisprudent. anteiustin.i S. 108 f. sind
folgenden Darstellungen. Gh. Walz, Über die die Fragmente nr. 2—8 der Schrift de indigita-
alt-italische Religion, in den Verhandl. der mentis ganz willkürlich, zum Teil sogar unwahr-
7. Versamml. deutscher Phil. u. Sclndm. (1S44), schemlich zugeteilt. Granius Flaccus kommt
Leipz. u. Dresd. 1845 S. 54 f. und in Paulys also für diese Untersuchung nicht weiter in Be-
Realencycl. 4 S. 147 s. v. Indigitamenta und tracht (s. über ihn noch Sp. 131 f. und Sp. 141;
das. 6, 1 S. 432 ff. s. v. Religio. Marquardt, so von der bei Festus S. 339 s. v. [Sequester] an-
Röm. Staatsverw. 3 2 S. 7 ff . mit G. Wissoivas geführten Rede Catos de iudigitibus ist eben-
Zusätzen. Preller, R. M. 3 1 S. 134 ff. 2 S. 204 ff. daselbst nur ein ganz trümmerhaftes Fragment
G. Boissier, Etüde sur la vie et les ouorages erhalten [fr. 76 S. 70 Jord.], welches jedoch
de M. T. Varron. Paris 1861 S. 229 ff. Ders., erkennen tatst, dafs darin von Gottheiten nicht
La Religion romaine d' Auguste aux Antonius die Rede war). Dagegen ist Varro für die
l3. Paris 1884 S. 4 ff. A. Bouche-Leclercq, Les Frage nach dem Wesen und dem Inhalt der
Pontifes de Tancienne Rome. Paris 1871 S. 24 ff. Indigitamenta von der gröfsten Wichtigkeit;
P. D. Chantepie de la Saussaye, Lehrbuch der denn auf ihn ist wohl alles, was wir über-
Religionsgeschichte 2. Freib. i. B. 1889 S. 202 ff. ' haupt von dieser Priesterschrift wissen, zurück-
— b) über Indigetes: I. A. Hartling, Bei. 40 zuführen, wie die folgenden Untersuchungen
d. Römer 1 S. 81 ff. R. H. Klausen, Acneas ergeben werden. Aus Varro stammt bei Servins
und die Penaten 2 S. 905 ff. Metzger in Paidys sicherlich die ganze Auseinandersetzung no-
Bealencycl. 4 S. 146 f. s. v. Indiges. Schwegler, mina . . . Sator. Unter den aus der Schrift
Rom. Gesch. 1 S. 328 Anm. 3. Preller, B. M.3 Catus de liberis educandis unter Beibehaltung
1 S. 91 ff. des ursprünglichen Wortlautes erhaltenen Frag"
Die speziellere Litteratur, besonders die menten Varros sind zwei, in denen er sich auf
grammatische, ist im Verlaufe der folgenden die Indigitamenta beruft: Varro vel de liberis
Untersuchungen namhaft gemacht. educandis (fr. 6 S. 248 Riese) bei Non. S. 352
1) Allgemeine Untersuchungen. Die s.v. numerum: '. . . quod etiam in partu preca-
beiden Hauptstellen der Schriftsteller über die 50 bantur Numeriam, quam deam solent indige-
Indigitamenta sind folgende: Censorin. de die tare etiam pontifices' , wo der Hinweis auf die
nat. 3, 2 eundem esse Genium et Larem multi Indigitamenta deutlich ist; Varro Cato vel de
veteres memoriae prodiderunt , in quis etiam liberis educandis (fr. 13 S. 249 Riese) bei Non.
Granius Flaccus in libro quem ad Caesarem S. 532 s. v. Statilinum: 'uti (so Biese, all und
de indigitamentis scriptum reliquit .. . 3 f. Genio ab die Hss.) Statano et Statilino, quorum no-
igitur potissimum per omnem aetatem quotannis mina habent scripta pontifices, sie cum primo
sacrificamus; quamquam non solum hie, sed et fari ineipiebant , sacrificabant divo Fabulino'
alii sunt praeterea dei conplures hominum vitam ebenfalls mit klarer Beziehung auf die Indi-
pro sua quisque portione adminiculantes , quos gitamenta, wenn man die Stelle des Censorinus
rolentem cognoscere indigitamentorum libri satis 60 im Auge behält. Jedoch auf die Schrift Catus
edocebunt. sed omnes hi semel in uno quoque de liberis educandis kann sich die Angabe des
homine numinum suorum effettum repraesentant, Senilis, die auf eine eingehende Abhandlung
quocirca non per omne vitae spatium novis re- über die Indigitamenta deutet, nicht beziehen
ligionibus arcessuntur. Serv. georg. 1, 21 quod denn in jenem Logistoricus hatte Varro nur
autem dicit 'studium qaibus arva hieri1, nomi na einige auf die Kindererziehuug bezügliche
hnec numinum in indigitamentis inveniuntur, Indigitamentengottheiten genannt (aufser der
id est in libris pontificalibus , qui et nomina Nuineria, dem Statanus, Statilinus und Fabu-
deorum et rationes ipsorum nominum (numinum linus werden in deu erhaltenen Fragmenten
Röscher , Lexikon der gr. u. rüm. Mythol- II. 5
131 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgem. Unters.) 132
noch die Göttinnen Cunina, Rumina, Edusa in dessen Suetonius S. 434; Varro et Granius
und Potina erwähnt, s. Sp. 142). Die Mit- Flaccus zusammen genannt bei Macrob. Sat.
teilungen des Servins sind vielmehr den Anti- 1,18,4); oder endlich dafs Censorinus in einer
quitates rerum divinarum entlehut: in diesem anderen Quelle (Suetonius? vgl. Heifferscheid
Werke hatte Varro ausführlich über die In- a. a. 0. S. 473. 475) die Erwähnung des Granius
digitamenta gehandelt. Augustinus , der zur Flaccus mit dem varronischen Excerpt schon
Abfassung seines Werkes de civitate dei die vereinigt fand.
Antiquitates rerum divinarum selbst in Händen Die Ausführungen Varros über die Indigi-
hatte und auch eine genaue Inhaltsübersicht tamenta waren in dem 14. Buche der Anti-
derselben giebt (6, 3; vgl. über die Benutzung 10 quitates rer. div., das über die dii certi han-
Varros durch Augustinus Erdm. Schwärs, De delte (August. 6,3. 7, 17. Schol. Vcronens.
M. Terentii Varronis apud sanitos patres vesti- Aen. 10 , 76 ; vgl. TertuU. ad not. 2 , 9.
giis capita duo. Cap. II. De Augustmo, in adv. Marcion. 1, 9. August. 3, 12), enthalten;
N. Jahrb. f. Fhü. Suppl. 16 [1888] S. 437 ff., die charakteristische Eigentümlichkeit der In-
der ein Verweisen auf frühere Litteratur ent- digitamentengottheiten bestand ja nach Cen-
behrlich macht; s. über Augustinus weiterhin sorinus und Scrrius in der eng begrenzten
Sp. 139f.), berichtet nämlich (6, 9): denique et Wirksamkeit in fest bestimmten Fällen, dern-
ipse Varro commemorare et enumerare deos gemäfs Varro diese Götter als dii certi, d. h.
coepit a conceptione hominis, quorum numerum als Götter, deren Natur und Bedeutung sich
est exorsus a Iano, eamque scriem perduxit 20 mit Sicherheit ermitteln liefs, betrachten konnte;
usque ad decrepiti hominis mortem, et deos ad s. Sp. 150f. Die von Ambrosch (ReUgionsbiicIier
ipsum hominem pertinentes clausit ad Neniam Heft 2 S.225Anm. = Abdr. S.5Anm.),Marquardt
deam, quae in funeribus senum cantatur; deinde (Staatsrerw. 3- S. 7 Anm. 4 S. 9 f.) und anderen
coepit deos alios ostendere, qui pertinerent non aufgestellte Ansicht, dafs die Indigitamenten-
ad ipsum hominem, sed ad ea quae sunt ho- gottheiten mit den varronischen dii certi iden-
minis, sicuti est victus atque vestitus et quae- tisch seien, ist jedoch falsch, s. Sp. 151. Da-
eumgue alia huic vitae sunt necessaria, osten- mit fällt naturgemäfs zugleich die von Mar-
dern in omnibus, quod sit cuiusque munus et qiiardt (S. 10) ausgesprochene Möglichkeit,
piropter quid cuique debeat supplicari. Ein Ver- dafs jene Gottheiten in den Indigitamenten
gleich der Worte denique. . .cantatur mit der An- 30 selbst den Namen dii certi führten, fort. Der
gäbe des Censorinus zeigt, dafs es sich an beiden Name, mit welchem diese Götter in der Prie-
Stellen um ein und dieselbe Klasse von Gott- stersprache bezeichnet wurden, läfst sich mit
heiten handelt; da nun Censorinus diese Götter- Bestimmtheit angeben.
wesen ausdrücklich als in den Indigitamenta Indigito und indigitamentum bilden
enthalten bezeichnet, so ergiebt sich schon nämlich zweifellos mit Indiges eine Gruppe
hieraus, dafs Varro für denjenigen Teil seines von etymologisch wie sachlich zusammen-
Werkes, auf den sich die Angaben des Augu- gehörigen Wörtern. Indigito bedeutet nach
stinns beziehen, die Indigitamenta benutzt hat, Beiff'erscheids (persönlich mitgeteilter) Erklä-
und dasselbe gilt natürlich auch für die Gott- rung ich mache, schaffe einen Indiges;
heiten qui pertinerent . . . ad ea quae sunt ho- 40 indigitamentum ist hiernach die Gebets-
minis u. s. w. Dafs aber Varro die Indigita- formel, durch welche in den einzelnen
menta als seine Quelle auch genannt und Fällen dieses Schaffen eines Indiges zu
Näheres über den Charakter derselben mit- geschehen hat, während die Handlung des
geteilt hatte, geht aus Servius hervor, der Indigitierens selbst wohl indigitatio (ein Wort,
das, was er über die Indigitamenta sagt, eben das nirgends überliefert ist) geheifsen haben
Varro verdankt, und ergiebt sich auch aus wird. Die dii Indigetes sind also die im
Censorinus; denn wenn dieser Varro auch Vorstehenden vorläufig nur im allgemeinen
nicht nennt, ja sogar sich auf Granius Flaccus charakterisierten Gottheiten der Indigi-
beruft, so kann es doch im Hinblick auf die tamenta. Dieses an sich klare Verhältnis
angeführte Stelle des Augustinus nicht zweifei- 50 ist durch die Erklärungen der Indigetes,
haft sein, dafs bei Censorinus ein Auszug aus welche die Alten aufgestellt haben, ganz ver-
Varro vorliegt, sei es nun, dafs Granius dunkelt und durch die an dieselben anknüpfen-
Flaccus der Vermittler desselben ist, wenn den etymologischen Deutungen der Neueren
derselbe, wie man gewöhnlich annimmt, nach nicht wieder aufgehellt worden.
Varro geschrieben hat (s. Teuffei, Gesch. d. Am häufigsten findet sich bei den Schrift-
röm. Lü.b 1 § 199); oder dafs Censorinus, der stellern die offenbar älteste Ansicht, dafs die
Varro öfter benutzt als er ihn nennt (s. O. dii Indigetes die dii patrii, die Schutzgötter
Jahns Prolegomeua S. VIII f.), auch hier aus Roms sind, also indiges = indigpna: Vcrgil.
diesem schöpft und aus ihm auch den Namen georg. 1, 498 di patrii Indigetes et Eomule Vesta-
des Granius Flaccus entlehnt, so dafs danach co que mater; Ovid. met. 15, 861 ff. di, precor,
die Schrift des letzteren de indigitamentis vor Aeneae comites, quibus ensis et ignis | cesserunt,
Varros Antiquitates rerum divinarum zu setzen dique Indigetes genitorque Quirine \ urbis, et
und vielleicht als eine der Quellen Varros an- invicti genitor Gradive Quirini \ Vestaqueu.s.-w.;
zusehen wäre (gerade das ist eine Eigentum- Luean. 1, 556 f. Indigetes flevisse deos, urbis-
lichkeit des Censorinus. dafs er seinen direkten que laborem | testatos sudore Lares; bei Silius J
Gewährsmann verschweigt, die von diesem er- Italiens, der 9, 287 ff. eine Götterschlacht I
wähnten Schriftsteller jedoch anführt, s. Jahn schildert, stehen auf römischer Seite neben l
a. a. 0. Beifferscheid, Quaestiones Suetonianae Mars, Apollo, Neptunus, Venus, Vesta, Her- l
133 Indigitamenta i'allgem. Unters.) Indigitamenta (allgem. Unters.) 134
cules, Cybele, Castor und Pollux auch Indi- nullius indigent (Schal. Bernens. georg. 1, 498
getesque dei Fannusque satorqueQuirinus(v.2di); und Schal, cod. Leid. Voss. F 29 z. d. St.
Symmach. relat. 3, 10 S. 282 Seeek ergo cliis = P. Nigidii Figuli operum rel. ed. A. Swo-
patriis, diis Indigetibus pacem rogamus; bei boda [Vindob. 1889] S. 85 fr. 71; vgl. M. Hertz,
Claudian. bell. Gild. 128 ff. trauern die Tndi- De P. Nigidii Figuli studiis atque operibus.
getes mit Venus, Mars, Minerva, Cybele, Inno, Berol. 1845 S. 20. 36); dieselbe Erklärung
et si quos Borna reeepit | mit dedit ipsa deos bieten in verschiedener Form Servius Aen. 12,
über die Verheerung des Landes. Paul. S. 106 794 Indigetes . . . dicuntur . . . cptod nullius rei
Indigetes dii, guorum nomina vulgari non licet, egeant, wozu der Interpolator Servii fügt vel
Glosse bei C. Barth, Adversarii Commentarii w quod nos deorum indigeamus, unde quidam
(Francof. 1648) Sp. 1342 Indigetes dii qnorum omnes deos Indigetes appellari volunt; Serv.
nomina non audebant proferre = Glosse im georg. 1 , 498 Indigetes . . . sunt . . . abusive
Thesaurus nov. latinitatis bei Mai, Classici omnes (nämlich dii) gener aliter , quasi nullius
Auciores 8 S. 294, nämlich als Name der rei egentes; Placidus S. 56, 6 ff. Deuerl. dicunt
Schutzgötter Roms (0. Müllers Erklärung zu etiam quidam Indigetes deos naturales et cae-
Paul. a. a. 0. fscilicet ab in et dicendo' ist lestes a contrario, quod nullis indigeant; Ful-
sehr ansprechend; die Namen der Schutzgott- gent. mythol. 3,5 = Mythograph. Vatic. III
heiten Roms müssen verschwiegen werden, s. 2, 1; vgl. Priscian. 6, 10, 55 S. 241, 1 H. in-
z. B. Serv. georg. 1, 498 und Schol. Bernens. digeo indiges, Indiges Indigetis (vielleicht ist
z. d. St., Ambrosch, Studien S. 164 und Be- 20 in dem vorher erwähnten Elogium auf Aeneas
ligionsbücher Heft 4 S. 40 = Abdr. S. 48. die Form Indigens nicht mit Mommsen für
Marquardt, Staatsvenv. 32 S. 21); Interpol. einen Fehler des Steinmetzen zu halten, son-
Servii Aen. 12, 794 alii patrios deos Indigetes dern beruht darauf, dafs der Verfasser des
dici debere tradunt; vgl. Diomedes 3 S. 476, Elogiums diese Form mit Absicht im Sinne
17 K. (Numa Pompilius . . . cum) patrios pla- der ijigidianisehen Erklärung brauchte).
caret Indigetes. Wieder eine andere Erklärung bei Placidus
Eine andere Erklärung geben Servius Aen. a. a. 0. lautet Indiges dicitur interdum hemi-
12, 794 Indigetes sunt dii ex hominibus facti, theus . . . ab indigendo divinitate; dieselbe kehrt
et dicti Indigetes quasi in diis agentes = Serv. wieder in den Glossen Indigetes: jjfu'of'Eot Kov-
georg. 1, 498 und damit übereinstimmend die 30 gfjtsg (Glossae [PhiloxeniJ latino - graecae im
Schol. Bernens. georg. 1, 498 (S. 883 Hagen); Corp. glossar. lat. edd. Loeice-Goet; 2 S. 80,
hierfür führte man das Beispiel des Aeneas 46); Indiges: ijfu'xTEos [Gloss. Labb. S. 90
an, der nach der Sage im Kampfe mit Me- col. 4 [1. Abt.]); ^ftiiTEO?: semideus Indiges
zentius oder Turnus plötzlich verschwand oder (Glossae [Cyrilli] graeco-lat, im Corp. gloss.
in den Flufs Numicius stürzte und hierauf lat. 2 S. 324, 45); rjfitirzoi: Indigetes (Gloss.
unter die Götter erhoben als Aeneas Indiges Labb. S. 87 col. 1 [2. Abt.]). Die Identi-
oder luppiter Indiges an jenem Flusse verehrt ficierung der Indigetes mit den Kureten findet
wurde (s. Bd. 1 s. v. Aineias Sp. 179 ff.; sich auch in den Glossen Kov^gtsg ol tiiqI
Aeneas Indiges: Verg. Aen. 12, 794. Tibull. rfjv 'Piav: Indigetes Corybantes (Glossae [Cy-
2, 5, 44. Ovid. met. 14, 608. Paul. S. 106 s. v. 40 rilli] graeco-lat. im Corp. gloss. lat. 2 S. 354,
Indiges. Sil. Ital. 8, 39. Gell. 2, 16, 9. Arnob. 23) und Karor/reg ol tzsqi zbv Tlaiäva: Indi-
1, 36. Interpol. Serv. Aen. 12, 794. Schol. Vera- getes Corybantes (Gloss. Labb. S. 110 col. 2
nens. Aen. 1, 259. C. I. L. 1 elog. 20 S. 283 [2. Abt.], lortasse Flava'' 0. Müller zu Paul.
= 10, 808, wo das Wort Indigens geschrieben S. 106, 10); vgl. hierzu P. Nigidii Figuli oper.
ist, s. darüber Mommsen im C. I. L. 1 z. d. rel. ed. Swoboda S. 84 fr. 70 mit adnot.,
Inschr.; luppiter Indiges: Liv. 1, 2, 6. woraus hervorzugehen scheint, dafs die Gleich-
Plin. n. h. 3, 56. Serv. Aen. 1, 259. [4, 620 Setzung Indigetes = Curetes mit der anderen
die Italorurn supplementa']; Pater Indiges: Curetes = Dactyli (s. Bd. 1 Sp. 940, 53 ff.)
Dionys. Halic. 1, 64 v.al avrtö Y.araßy.ivd^ovoLv = Digiti im Zusammenhang steht.
oi Aaztvoi ftQföov iniyQacpfj zoiääs v.oauov- 50 Bei Macrob. comm. in somn. Scip. 1, 9, 7
/iivov 'IXaTQog 9eov x&ovCov , og ttozafiov wird der Vers Hesiods (op. et dies 1, 122 [121])
NouiHiov givfia Sl£^Jt£l,, wo narrio xftög %&ö- toi (ilv Saiiiovig ilci Jibg utyäXov äia ßovXug
viog = Divus Pater Indiges (s. Sahnasius, übersetzt mit Indigetes divi fato summi Iovis
Plinianae Exercitationes [Traj. ad Rhen. 1689] hi sunt; dazu vgl. die Glossen daipovsg: Indi-
1 S. 51. Preller, B. M.3 1 S. 94. Bd. 1 s. v. getes (Gloss. Labb. S. 43 col. 1 [2. Abt.]) und
Aineias Sp. 179, 42 ff.), Solin. 2, 15. Origo Indigetes: Suipovtg (das. S. 90 col. 4 [1. Abt.]),
gent. rom. 14, 4; der Name luppiter Indiges sowie Mythogr. Vatic. III 2, 2 apud antiquos
scheint der eigentliche Kultusname gewesen dii sive daemones sivc Indigetes a divitiis dicti
und der Name Aeneas erst dann damit in sunt. Endlich eine nicht aufgeklärte Gleich-
Verbindung gesetzt worden zu sein, als man 60 Stellung der Indigetes mit griechischen Gott-
griechische und einheimische Sagen mischte, heiten in den Schol. Bernens. georg. 1 , 498
vgl. Preller a. a. 0. und 2 S. 142 Anm. 1. (S. 883 Hagen) Indigetes a Latinis, qui a
Bd. 1 s. v. Aineias Sp. 181, 58 ff. ; s. auch Graecis fennichi (sfiiiv^oi Hagen, iixuvxiot Sin-
Frdr. Cauer, Die röm. Aeneassage von Naevius tenis, uvx'oi J. Klein, IVoixot Hertz, enchorii
bis Vergilius, in N. Jhrb. f. Phil. Suppl. 15 K. W. Müller) dicuntur.
[1887] S. 120 f.). Neben diesen größtenteils unsinnigen, deut-
Nigidius Figulus und alii stellten den Satz lieh als etymologische Spielereien der Gram-
auf omnes deos Indigetes cognominari, quia matiker erkennbaren Erklärungen giebt es
135 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitameuta (allgem. Unters.) 136
auch eine, welche Indiges mit indigito zu- einheimischen Götter'; vgl. anfserdem z. B.
sammenhringt, bei dem Interpol. Serv. Aen. Heyne-Wagner und Forbiger zu Vcrg. georg.
12, 794 alii ab inrocatione Indigetes dictos 1,498.
volunt, quod indigeto ett preeor et invoco; aber Mit indigitare brachte Indiges zusammen
auch diese erscheint als ein verständnisloser Klausen, Aen. u. d. Penaten 2 S. 907 ff. ; indi-
Versuch, wie denn alle die angeführten Er- gitare aber, worin er denselben Stamm wie in
klärmigen zeigen, dafs das Bewufstsein von digitus findet (cim Sinn des bald mehr, bald
der Bedeutung des Wortes Indiges und der dii minder bedeutsamen und feierlichen Zeigens',
Indigetes den Römern schon zur Zeit des S. 909), ist ihm 'der eigentliche Ausdruck für
Vergilius entschwunden war, jedenfalls eine 10 die gottesdienstliche Verrichtung' (S. 908, vgl.
Folge davon, dafs die Indigitameuta sehr 9141, die Indigitamenta sind die 'gottesdienst-
früh in Vergessenheit geraten waren (siehe liehen Darstellungen', die 'Verrichtungen zur
unten). Verehrung, zur Verherrlichung, zur wirksamen
Die neueren Gelehrten sehen in den dii Behandlung der Götter', 'Beschwörungen durch
Indigetes gröfstenteils in Übereinstimmung mit Wort und Handlung, vermittelst welcher man
der an erster Stelle angeführten Erklärung der sich der Gewährung seines Wunsches bei
Alten die 'einheimischen' oder 'eingeborenen' den Göttern versichert' (S. 910 f.); Aeneas
Götter: von indu und ago leiten das Wort ab und Anchises sind ihm die einzigen Wesen,
Dacerius zu Feslus S. 186, 6 (ed. Amstelod. welche neben Iuppiter (Indiges) als Indigetes
1696), Salmasius a. a. 0. und Haltung, Bei. d. 20 anzuerkennen sind (S. 906). K. W. Gött-
Böm. 1 S. 81 f., der S. 93 seine Ansicht dahin ling, Gesch. der röm. Staatsverfassung. Halle
zusammenfafst, 'dass der Name indigetes mit 1840 S. 174 und mit ihm Wals in Paulys
penates synonym aber nicht identisch ist, in- Bealcntycl. 4 S. 147 s. v. Indigitamenta leitete
sofern er das Verhältniss der Gottheit zum von Indiges, 'welches zwar einen Heros oder
Land und Volke bezeichnet, so wie jener das Dämon, aber dann auch überhaupt einen Gott
zum Hauss und seinen Bewohnern'; Metsger bezeichnet', den Namen der Indigitamenta,
in Paulys Bealcncycl. 4 S. 147 s. v. Indiges: welche 'die Namen der Götter und die Art
Indigetes = 'einheimische Heroen des Landes', sie beim öffentlichen Gottesdienst anzuwenden,
der Name sei eine Nebenform von indigena; gleichsam ihre Titulatur' enthielten, ab.
H. Ebel in Ztschr. f. vgl. Spr.-F. 1 , 1852 30 Corssen {De Volscorum lingua. Progr. v.
S. 305 'Würz, ge = gen, skr. jan, in indi- Pforta. Naumburg 1858 S. 17 f. Krit. Naeh-
get'; Schioeglcr, Bö'm, Gesch. 1 S. 328 Anm. 3: träge zur lat. Formenlehre S. 254. Ausspr. 22
Indiges (iudigens) = 'Landesgenius, National- S. 540 Anm. *), vgl. S. 591) erklärte indige(t)s
genius, rjgaq STnitagiog', von indi (= indu) als Part. pass. eines Verbuni *indigere — in-
und gens 'Erzeuger' (von gigno), 'wörtlich: vocare von Würz, ag 'sagen, sprechen' (z. B.
der im Lande Zeugende', Aktivform zu indi- in adagium, aio = agio, axare = agsare),
gena; Preller, B. M.3 1 S. 92 f.: Indiges (In- wovon wieder indigitare und weiter indigita-
digens) von indu und geno, 'also eingeborene mentum gebildet sei, dii Indigetes also = dii
Genien oder Heroen, örtliche Schutzgeister, invocati (über diese Ableitung von indigita-
die von einem bestimmten Orte und im engsten 40 mentum s. aufserdem Corssen, Krit. Beitr. s.
Natur- und geschichtlichen Zusammenhange lat. Formenl. S. 425. Ausspr. I2 S. 90; der-
mit diesem Orte verehrt wurden, die rJQaisg selbe hatte Origincs poesis remanae. Berol.
tyiÜQioi oder inixcögtoi. der Griechen; gewisser- 1846 S. 46 f. indigitare und indigitamenta
mafsen die ansässig gewordenen Aboriginer'; = axare und axamenta von agere = orare,
L. Meyer, Vergl. Gramm, der griech. und lat. invocare abgeleitet). Corssens Etymologie von
Spr. 2 S. 320 und in Ztschr. f. vgl. Spr.-F. indigitare und indigitamentum fand den Bei-
14, 1865 S. 82; Bücheier -Windehilde, Giundr. fall von Curtius (Grunds, d. griech. Etym.1'
der lat. Deklin. S. 12 (= S. 51): 'C. I. L. 1 § 611 S. 399), Vanicelc (Etymol Wörterb. d.
elog. 20 indigens von anderer Gruudform als lat. Spr. ° S. 9. Gr.-lat. etym. Wörterb. 1 S. 20 f. ;
indigenus, von vollerer als indiges, gen. indi- 50 Indiges erklärt VaniceJc jedoch anders, s. vorher)
getis . . . die Mittelform indiges ist nicht mehr und Fr. Stols (in Wiener Studien 8, 18S6 S. 157);
nachweisbar'; Beuche -Leclercq, Les Pontifes nicht bestimmt entscheidet sich Bcuche-Leclercq
S. 29. 43 und in seinem Manuel des wstitutions (Les PonUfes S. 28 f.). Preller (B. M.3 1 S. 92.
romaines (Paris 1886) S. 460 Anm. 3 (vgl. 134) hatte einen Zusammenhang des Wortes
S. 462 Anm. 3) 'les indigenes ou dieux locaux'; indigitamenta mit index und indicare angenom-
Vaniceli , Etym. Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 75 men und sich dabei auf den Sol Indiges (vgl.
'indigetes eingeborene Heroen' = Gr.-lat. etym. S. 325 und Marquardt , Staatsvcru: 3 2 S. 580
Wörterb. 1 S. 189; Boissier, La Beligion ro- zum 8. August), der nicht wohl etwas anderes
maine l3 S. 114 'sous le nom de dieux indi- gewesen sein könne als der Späher, der An-
getes ils adoraient Picus, Faunus, Latinus, eo zeiger, der index, bezogen,
qui avaient regne, disait-on, sur le Latium'; Alle diese Etymologieen können indes
W. Glemm in Curtivs' Studien s. gr. und lat. nicht befriedigen, da in ihnen das eigenartige
Gramm. 8, 1875 S. 12 (von Würz, ge, mit n Wesen der Indigetes ebenso wenig zum Aus-
erweitert zu gen); Madvig, Verfass. und Ver- druck gelangt wie die eigentliche Bedeutung
walt. des röm. Staates 2 S. 588 Amn. **): In- von indigitare und indigitamentum in den
digetes = die 'ursprünglichen' römischen farblosen Umschreibungen der Alten indigitare
Götter; Chantepie de la Setussaye, Lehrb. d. = imprecari, invocare (Paul. S. 114 indigi-
Beligionsgesch. 2 S. 202 f. 205: 'die alt- tanto: imprecanto; Interpol. Serv. Aen. 12,
137 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitainenta (allgem. Unters.) 138
794 indigeto est precor et invoco; Glossae tates rer. div. Varros ergeben, welche entweder
abavus im Corp. gloss. Tat. edd. Locwe-Goets 4 wörtliche Mitteilungen aus den Auseinander-
S. 352, 47 indigitat: invocat; Glossar, lat. Setzungen Varros über dii certi enthalten oder in
bibl. Parisinae antiquissimum saec. IX ed. der Forin von Auszügen der Hauptsache nach nur
Ilildebrand [Götting. 1854] S. 171 indigitat: Götternainen und kurze Erklärungen derselben
invocat; Thesaur. nov. latinitatis in Hais Clas- bieten (auf die Zusammenstellung aller, auch
sici Auct. 8 S. 291 indigitare: invocare, in- der zu der vorliegenden Untersuchung ihrem
plorare, exorarc, supplicare, incalare) und in- Inhalte nach in keiner Beziehung stehenden
digitamenta: incantamenta vel indicia, Paul. Fragmente des 14. Buches der Ant. rer. div. bei
S. 114 (ganz wertlos sind die Erklärungen von 10 Merkel, Proleg. zu Uvids Fast. S. CLXXXV ff.
indigitamenta in den Glossae [Philoxeni] la- ist im Folgenden keine Rücksicht genommen
tino-graecae im Corp. glossar. latin. 2 S. 80, worden, da dieselbe den an eine solche Frag-
47 indigitamenta: isgaztwcc ßißXta; Gloss. Labb. mentsammlung zu stellen den Anforderungen
S. 90 col. 4 [1. Abt.] indigitamenta: isgan-nct; nicht mehr entspricht).
was Huschke meint, wenn er lurisprud. ante- Aus dem 14. Buche teilt Gdlius 3, 16, 5 ff .
iust.* S. 105 Anm. 5 zu dem Titel der Schrift eine Stelle mit, welche über die Geburt des
'E^riyrjziKa des Cornelius Balbics bemerkt Menschen und auf dieselbe bezügliche Gott-
''E^rjyjjrixK sunt indigitamenta' ist nicht klar). heiten handelt: § 5 ff. (M. Varro) . . . mense
Trotzdem kommen die Untersuchungen der nonnumguam octuvo editwn esse partum in libro
neueren Gelehrten über indigitare und indigita- 20 quarto deeimo rerum divinarum scriptum reli-
menta im Grunde nicht über die Erklärungen quit, worauf Erörterungen über abnorme Ge-
indigitare = invocare, indigitamenta = in- burtszeiten folgen; g 9 f . antiquos autem Bo-
vocationes, preeationes hinaus, s. Sp. 155 ff. manos Varro dicit non reeepisse huiuscemodi
Indiges, von indu und Würz, ag in agere quasi monstruosas raritates, sed nono mense aut
gebildet, bezeichnet einen in einer be- deeimo neque praeter hos aliispartionemmulieris
stimmten menschlichen Handlung, seeundum naturam fieri existimasse iclcircoque
Thätigkeit, in einer bestimmten Sache, eos nomina Fatis tribus fecisse a pariendo et
Örtlichkeit u. s. w. und zwar, wie sich a nuno atque deeimo mense. nam 'Parca' in-
aus dem oben Gesagten ergiebt, nur in qua 'inmutata una littera a partu nominata,
dieser einen und in keiner anderen 30 item Noua et Dceima a partus tempestivi tem-
Handlung u. s. w. wirkenden Gott. Der pore' . Hiermit steht in innerem Zusammen-
luppiter Indiges oder Aeneaa Indiges ist also hange Gell. 16, 16, 2 ff. esse autem pueros in
der gerade im Flusse Numicius waltende Gott ■ utero Varro dicit capite infimo nixos, sursum
('der Iuppiter gerade dieser Lokalität' Beiffcr- pedibus elatis, non ut hominis natura est, sed
scheid in seinen an der Universität Breslau ut arboris. nam pedes cruraque arboris ramos
gehaltenen Vorlesungen über römische Mytho- appellat, Caput stirpem atque caudicem. ' 'quando
logie und Sakralaltertümer); und wenn in dem igitur' inquit 'contra naturam forte con-
den Pontifiealbücheni entlehnten (s. die Aus- versi in pedes brachiis plerumque diduetis rc-
führungen des Unterzeichneten in Commcn- titwri soleut aegriusque tunc mulieres enituntur,
tationcs in honorem Augusti Eeifferscheidii. 40 huius periculi chprecandi gratia arae statutae
Vratisl. 18S4 S. 75 f.) carmen, durch welches sunt Eomae duabus Carmentibus, quartim altera
P. Decius in der Schlacht am Yesuvius devo- Postvcrta cognomitata est, Prorsa altera, a
viert wurde, bei Liv. 8, 9, 6 ff. auch di Indi- recti perversique partus et potestate et nomine';
getes angerufen werden (Ia)ie, Iuppiter, Mars es kann nicht zweifelhaft sein, dafs dieses
pater, Quirine, Bcllona, Larcs, divi Novensiles, Citat ebenfalls dem 14. Buche entstammt und
di Indigetes, divi quorum est potestas nostrorum daselbst in enger Verbindung mit dem vorher-
Iwstiumque, diique Manes, vos precor u. s. w.), gehenden stand. Mit voller Sicherheit, ist im
so ist dies neben der Anrufung von Gottheiten Hinblick auf diese beiden Stellen auch Gell.
allgemeinerer Bedeutung eine invocatio gene- 16, 17 auf dasselbe Buch zurückzuführen: et
ralis der gerade in der Devotion wirksam ge- so agrum Vaticanum et eiusdem agri deum praesi-
dachten Götter, welche der Priester einzeln dem appellatum aeeeperamus a vaticiniis, quae
mit Namen nicht nennen kaun oder will (vgl. vi atque instinclu cius dei in co agro fieri so-
über die priesterliche Sitte des generaiiter Uta essent. sed praeter hanc causam M. Varro
invocare Interpol. Serv. georg. 1, 10. 21. Serv. in libris divinarum aliam esse tradit istius no-
Aen. 8, 103. Ambrosch, Peligionsbüeher Heft 4 minis rationem. 'nam sicut Aius' inquit 'deus
S. 47 = Abdr. S. 55. Marquardt, Staatsvenv. appellatus araque ei statuta est, quae est in-
32 S. 32. Preller, B. M.3 1 S. 62 f.; der Sol fima nova via, quod eo in loco divinitus vox
Indiges bleibt als verhältnismäfsig späte Er- edita erat, ita Vaticanus dens uominatus, pencs
scheinung hier um so eher unberücksichtigt, quem essent vocis humanae initia, quoniam pueri,
als sein Beiname wirklich den Sinn von indes 60 simid atque partisunt, eam primam vocem edunt,
zu haben scheint [s. Preller a. a. 0. S. 325]). epiae prima in Vaticano syllaba est, iclcircoque
Auf diese Weise ist eine sachlich befrie- vagire dicitur exprimente verbo sonum vocis re-
digende Erklärung von lediges erreicht und centis'. Hierzu kommt der wörtliche Auszug
die Zusammengehörigkeit von Indigetes und bei dem Interpol. Serv. Aen. 12, 139 Varro
Indigitamenta begründet. Weitere Aufschlüsse rerum divinarum quarto deeimo ait ' Iuturna
über die Indigetes und Indigitamenta wird inter proprios deos nymphasque ponitur', und
eirle nun anzustellende genauere Betrachtung das lückenhafte, aber zum Teil sicher ergänzte
derjenigen Reste des 14. Buches der Antiqui- Citat in den Schol. Veronens. Aen. 10, 76 (nach
139 Indigitanienta (allgeni. Unters.) Indigitanienta (allgem. Unters.) 140
der Ausgabe von A. Herrmann, Progr. von welche sich ad ea, quae sunt hominis, wie
Donaueschingen 1869. 1871): [deam Venüiajm Lebensunterhalt, Kleidung et quaecumque alia
alii Venerem, quod in mari nata sit, alii nym- huic vitae sunt necessaria beziehen; bei samt-
pliam quam Grueci Eovvi'jvr^v vocant. \ [Varro liehen Göttern aber hatte er angegeben, welches
rerum dirinJarumXJIII de dis certis 'spes cum das muuus eines jeden sei und weshalb ein
conciliata non frustra esset et evenissi'et credere) \ jeder angerufen werden müsse (vgl. hierzu
/. . Jbantur, quam deam cum Neptuno con- August. 4, 22 quid est ergo, quod pro ingenti
iungunt multi [. . .]ens(is) quo cae(cis) \ [■ ■ ■] beneficio Varro iaetat praestare se civibus suis,
(licet) differre'. Als ein Auszug aus dem quia non solum commemorat deos, quos coli
14. Buche ist schon oben Sp. 130f. die Stelle 10 oporteat a Eomanis, verum etiam dicit, quid
des Serv. georg. 1 , 21 mit der Erwähnung ad quemque pertineat? und die weiteren Äus-
und Erklärung der ländlichen Götter Occator, züge aus Varro in diesem Kapitel und 6, 1).
Sarritor, Sterculinius und Sator nachgewiesen Dafs Varro hierbei sich nicht mit einer trockenen
worden; keinem anderen Buche ist demnach Aufzählung der Gottheiten und ihrer Funktionen
Serv. georg. 1, 315 sane Varro in libris divi- begnügte, wie es wohl nach diesen Angaben
narum dicit deum esse Lactantem, qui se in- des Augustinus und den Auszügen selbst, die
fundit segetibus et eas facit lactescere zuzu- fast nur aus den Namen der Götter und An-
weisen. Eine auch nur einigermafsen deutliche gaben ihrer Funktionen bestehen , scheinen
Vorstellung von der Einrichtung des 14. Buches könnte, ist weiter unten dargethan. Es finden
und einen Schlufs auf den Umfang der varro- 20 sich nun bei TertuUianus (ad nat. 2, 11. 15.
nischen Götterklasse der dii certi kann man sich de anima 37. 39; vgl. über das zweite Buch ad
aus diesen zerstreuten Resten indes nicht bilden; nat. Erdm. Schwarz a. a. 0. S. 409 ff., über die
solche vermitteln erst bis zu einem gewissen beideu angeführten Kapitel der Schrift de anima
Grade die zusammenhängenden Auszüge aus das. S. 431) und bei Augustinus (4, 8. 11. 16. 21.
Varro bei TertuUianus, Arnobius und Augu- 6, 9. 7, 2. 3, vgl. 4, 24. 28. 34. 6, 1. 7; s. über
stinus. Augustins viertes, sechstes und siebentes Buch
Das Verhältnis zu Varros Werk ist bei den Schwarz S. 438 ff.1) Reihen und Gruppen von
drei Kirchenvätern keineswegs ein gleiches. Gottheiten, die einerseits durch ihre Übereiu-
Während TertuUianus und Augustinus ganz Stimmung mit den Angaben des Augustinus
zweifellos die Antiquitates rer. div. selbst in 30 sich als varronisches Eigentum erweisen,
Händen hatten (Tertull. ad nat. 2, 1 quare andererseits aber von TertuUianus und. August i-
senmdum vestros commentarios , quos ex omni nus selbst wiederholt nur als Auszüge aus
theologiae getiere cepistis, gradum conferens, Varros Reihen gekennzeichnet werden (Tertull.
quoniam maior in huiusmodi penes vos auetori- ad nat. 2, 15 ut cetera transvolem; August. 4,
tas literarum quam rerum est, elegi ad com- 8 nee omnia commemoro , quia nie piget quod
pendium Varronis opera, qui rerum divi- illos non pudet; haec autem paucissima ideo
narum ex Omnibus retro digestis commentatus dixi u. s. w. ; 4, 11 haec omnia quae dixi et
idoneum se nobis scopum exposuit; vgl. Erdm. quaecumque non dixi (non enim omnia dicenda
Schwarz a. oben a. 0. Cap. I. De Tertulliano arbitratus sum) u. s. w. ; 4, 21 quos neque
S. 409 ff. ; über Augustinus s. oben Sp. 131 40 omnes commemoravi; 6, 1 quos partim com-
und über das Einzelne das Folgende), liegen memoravi in quarto libro, partim praetereundos
bei Arnobius die hier in Betracht kommenden putavi; 6, 9 ipsa numinum officia tarn viliter
varronischen Fragmente iu einer eigentüm- minutatimque concisa . . . unde non quidem om-
lichen Überarbeitung vor, die es ebenso zweifei- nia, sed multa iam diximus). In dem letzteren
los erscheinen läfst, dafs Arnobius diese Aus- Umstände liegt zugleich die Erklärung dafür,
züge aus Varro einer vermittelnden Quelle dafs die beiden Kirchenväter in der Aufzählung
verdankt (s. darüber weiterhin Sp. 140 f.). Nach von Gottheiten ein und derselben Reihe von
der Mitteilung des Augustinus (s. Sp. 131) einander abweichen, indem Götter, welche
hatte Varro in einer Reihe diejenigen dii certi der eine nennt, bei dem anderen fehlen; jeder
zusammengefafst, welche sich auf das gesamte 50 von ihnen machte seine Auszüge nach Gut-
Leben des Menschen von seiner Erzeugung bis dünken. Augustinus führt überdies neben
zu seinem Tode beziehen; diese Götterreihe seinen Reihen an anderen Stellen (4, 21. 7, 3)
hatte er mit Ianus begonnen und mit der vereinzelt einige Gottheiten an, welche sich
Nenia geschlossen (auf diese Reihe beziehen deutlich als willkürlich abgesonderte Glieder
sich die Worte des Augustinus 7, 2 ipse pri- jener Reihen und somit als Ergänzungen der-
mum Ianus, cum pueiperium coneipitur , undc selben ergeben.
illa euneta opera sumunt exordium minutatim Ganz anders als bei TertuUianus und Augusti-
minutis distributa numinibus , aditum aperit nus steht es bei Arnobius. Dieser nennt haupt-
reeipiendo semini, und des Tertidlianus ad sächlich 4, 3. 7. S und 9 eine Anzahl hierher
nat. 2, 11 ne[c EomaniJ contenti eos deos eo gehöriger, zum Teil auch bei TertuUianus und
asseverarc qui visi retro, auditi contreetatique Augustinus vorkommender Gottheiten mit An-
sunt, [quorum] effigies descriptae. negotia di- gäbe ihrer munera, aber nicht in der Grup-
gesta, memoriac propagatae , umbr[as alijquas pierung der Reihen bei den beiden genannten
incorporales , inanimales et nomina de rebus Kirchenvätern; vielmehr ist die Anordnung,
efflagitant [deosque] sanciunt divklentes omnem wie G. Kettner (Cornelius Labeo. Ein Beitrag
statum hominis singulis jiotestaftibus ab ip]so zur Quellenkritik des Arnobius. Progr. von
quidem uteri coneeptu); sodann hatte er in Pforta. Naumburg 1877 S. 16 f.) richtig -be-
gleicher Weise diejenigen dii certi aufgeführt, obachtet hat, im wesentlichen eine alpha-
141 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgem. Unters.) 142
betische, ohne inneren Zusammenhang der Catus de liberis educandis , in denen neben
zusammengestellten Gottheiten; doch wird die mehreren auch von Tertullianus und Augusti-
alphabetische Ordnung nicht immer mit pein- nus aufgeführten, das Leben des Menschen
lieber Genauigkeit festgehalten und selbst durch im Eindesalter betreffenden Gottheiten einige
Einschiebung von Götternarnen mit abweichen- von den Kirchenvätern nicht namhaft gemachte
dem Anfangsbuchstaben unterbrochen (vgl. 4, 3 Götter erscheinen (Varro Cato vel de liberis
die Zusammenstellung von Praestana, Panda educandis bei Non. S. 352 s. v. numerum
vel Pantica, Pellonia; 4, 7 f. die von Venus, = fr. 6 S. 248 Riese, s. oben Sp. 130; bei
Perfica, Pertunda, Tutunus, Puta, Peta, Ne- Non. S. 167 s. v. rumam = fr. 7 S. 248 Riese;
mestrinus, Patellana, Patella, Nodutis, Nodu- 10 bei Non. S. 108 s. v. Edusam = fr. 10 S. 249
terensis, fVpibilia, Orbona, Nenia, Mellonia, Riese; bei Non. S. 532 s. v. Statüiwum = fr. 13
Ossipago; 4, 9 die von Luerii, Libentina, S. 249 Riese, s. oben Sp. 130). Diese Frag-
t Burnus, Limeutinus, Lima, Limi, Saturnus, mente berechtigen zu der schon oben (Sp. 130 f.)
Montinus, Mureida, Peeunia). Da es ganz un- angedeuteten Vermutung, dafs Varro im Catus
wahrscheinlich ist, dafs der eilig und flüchtig die ganze auf das Kindesleben und die Kinder-
(s. Reiffcrschcid in der Praefatio zu seiner erziehung bezügliche Reihe seiner dii eerti
Ausgabe des Arnob. S. XIV und im Ind. schol. besprochen hatte (s. Ambrosch, Religionsbüeher
Vratisl. 1879/80 S. 9) sein Werk schreibende Heft 2 S. 229 und Heft 4 S. 52 = Abdr. S. 9
Arnobius aus Varros Antiquitates rer. div. sich und 60). Auf denselben Logistoricus die Stelle
dergleichen Zusammenstellungen eigenhändig 20 des Donat. Ter. Pharm. 1, 1, 15 (v. 49) legitur
gemacht habe, so müssen wir annehmen, dai's apud Varronem initiari pueros Eduliae et
er dieselben bei einem Gewährsmanne vorfand: Poticae et Cubae divis edendi et potandi et
dieser ist nach Kettners sehr ansprechender cubandi, ubi primum a lacte et a eunis trans-
Annahme Cornelius Labeo, der Zeitgenosse des ierunt zu beziehen rät das Fragment aus dem
Arnobius, dessen Bekämpfung den Mittelpunkt Catus bei Non. S. 108 s. v. Edusam (fr. 10
der Polemik des Apologeten bildet (über Riese) 'cum primo eibo et potione initiarent
Cornelius Labeo vgl. aufser Kittners Abband- pueros, sacrificabantur ab edulibus Edusae, a
hing und Beiffersöheid im Ind. schol. Vratisl. potione Potinae nutrices,1- anderenfalls wäre
a. a. O. TVissoua, De Macrobii Saturnaliorum die Stelle auf Grund der bisherigen Aus-
fontibus. Diss. Vratisl. 1880 S. 26 ff. 40 ff. Erdm. 30 einandersetzuugen dem 14. Buche der Anti-
Schwarz a. a. 0. S. 469 f. /. Mülleneisen, De quitates rer. div. zuzuteilen (die Kamensformen
Cornelii Labeonis fragmentis , studiis, adseeta- der hier genannten Gottheiten bleiben vor-
toribus. Diss. Marburgi 1S89, der indes die läufig noch unerörtert). Dafs Varro aufserdem
vorliegende Frage gar nicht berührt; von Cor- auch in der Schrift de vita populi Komani bei
nelius Labeo wird weiterhin noch wiederholt der Schilderung des altrömischen Lebens der
die Rede sein). Cornelius Labeo. der Varro auf die Lebensverhältnisse bezüglichen Gott:
wiederholt citiert und ihn vermutlich als seine heiteu gedachte, zeigt Non. S. 528 Picumnus
Hauptquelle benutzt (vgl. z. B. fr. 15 S. 24 ff. et Pilumnus dii praesides auspieiis coniugali-
Kettn. = fr. 15 S. 21 ff. Mülleneis.; fr. 19 bus deputautur. Vcerro de vita populi Romemi
S. 27 f. Kettn.; fr. 23 S. 29 Kettn. = fr. 4 40 lib. LI (lib. II fr. 18 S. 33 Kettner) ' natus si erat
S. 15 Mülleneis. und Kettner S. 11 ff. Wissowa vitalis ac sublatus ab obstetrice, statuebatur in
S. 41. 42 Anm. 2. Mülleneisen S. 43 f.), hat terra ut auspicaretur rectus esse; diis coniugalibus
jedenfalls die Reihen der dii eerti in Varros L'ilumnoetPiciimnoinaedibuslectusstcrnebatur'.
14. Buche einer Umarbeitung zu alphabetischen Die bei Tertullianus und Augustinus sich
Listen mit Beibehaltung der Angaben Varros findenden Reihen und Gruppen sind folgende
über die munera der einzelnen Gottheiten (zu Grunde gelegt ist für Tertull. ad nett, und
unterworfen, und Arnobius teilt hieraus einzelne de anima die Ausgabe von Reifferscheid-
Stücke mit, wobei er jedoch, wie es scheint, Wissowa, für Arnobius die Ausgabe Reiffer-
Labeos Listen erst vom Buchstaben L ab be- scheids, für Augustinus de civ. dei die zweite
rücksichtist und planlos die ausgewählten 50 Auflage von Dombarts Ausgabe, was betreffs
Götter durcheinanderwürfelt (dafs Cornelius der in diesen Ausgaben auf Grund der Uber-
Labeo 'die höchst eigenthümliche Indigita- lieferung festgestellten Namensformen hervor-
mententafel'f!], 'aus der Arnobius Mittheilungen gehoben werden rnufs; die bei Tertullianus in
macht', aus Granius Flaccus, der auch sonst von dem lückenhaften Texte nach den erhaltenen
Labeo benutzt werde, in diesem Falle aus dessen Partieen mit voller Sicherheit ergänzten Namen
Schrift de indigitamentis genommen habe, ist sind in [] geschlossen; über die Funktionen der
eine unwahrscheinliche Annahme Kettners S. 16; einzelnen Gottheiten s. Abschn. 2 u. Sp. 149 f.):
es ist gar nicht ausgemacht, dafs Labeo wirklich a) Die umfangreiche Reihe von Gott-
den Granius Flaccus selbst benutzt hat; s. übri- heiten, welche sich auf das Leben des
gens das Sp. 130 über Granius Gesagte). Der eo Menschen von seiner Erzeugung bis zu
Wert der varronischen Excerpte bei Arnobius seinem Tode beziehen. Aus dem diese
beruht bei dieser Sachlage in der Erwähnung Gottheiten umfassenden Teile von Varros
einer beträchtlichen Anzahl von Gottheiten, die 14. Buche geben Tertull. ad not. 2, 11 und
von Tertullianus und Augustinus nicht genannt August. 4, 11 und 21 gröfsere Auszüge, die unter
werden und daher eine wichtige Ergänzung der sich und mit den sie ergänzenden kürzeren Ex-
Reihen dieser beiden Kirchenväter bilden. cerpten bei Tertull. ad nat. 2, 15. de anima 37.
.Den gleichen Wert haben vier der er- 39. August. 4, 8. 16. 6,9. 7, 2. 3 zusammengestellt
haltenen Fragmente von Varros Logistoricus folgendes Gesamtbild ergeben:
143 Indigitamenta (allgem. Unters.)
Indigitamenta (allgem. Unters.) 144-
Terhäl. ad nat. 2,11
August. 7, 3 (=
7,2)
Consevius
August. 4, 11
Liber
lanus
Saturnus
Liber
5
Libera
Libera
•
Fluvionia
Iuno (Fluviona
Mena
s. unten)
Vituinnus
Vituinnus
Tertull. de an. 37
Sentiuus
10
Sentinus
Aleoiona
Nona
Decima
Diespiter
Diespater
Partula
Candelifera
Mena
August. 4, 21
[Postverta]
Lucina
Luciua
Lucina
15 Prosa
Tertull. de an. 39
20
Opis
Opis
Diana (mit Lucina)
Iuno
Fata Scribunda
August. 6, 9
lntercidona
Pilumnus
Deverra
Farinus
[Locutius]
25 [Cunina]
Levana
Rumina
30 Potina
Edula
Sta[tina]
[Adeona]
35 Abeona
Domiduca
[Mens]
Volumnus
40 Voleta
[Pavejntina
Venilia
Volupia
45 Praestitia
Peragenor
50
Consus
55 | lujvcnta
Fortuna Barbata
Afferenda
Vaticanus
Levana
Cunina
Carmentes
Fortuna
Rumina
Potina
Educa
l'aventia
Venilia
Volupia
Agenoria
Stimula
Strenia
Numeria
Camena
Consus
Snntia
luventas
Fortuna Barbata
Iugatinus
Vaticanus
Cunina
Rumina
Statilinus
Adeona
Abeona
Mens
Volumnus
Volumua
August. 4, 16
Agenoria
Stimula
Murcia
Strenia
Ouies
Virginiensis
Mutunus et Tutunus MutunusvelTutunus
Pertunda
65 Subigus
Prema
Tertull. dt -a«. 39 (s.Z. 15 ff.)
Statina
August. 7, 3
Abeona
Adeona
Iterduca
Domiduca
Mens
Minerva
August. 4,
Volupia.
Lubentina
August. 6, 9
Iugatinus
Domiducus
Domitius
Mauturna
Virginiensis
Subigus
Prema
Pertunda
Venus
145 Indigftamenta (allgem. Unters.") Indigitamenta (allgem. Unters.) 146
August. 6, 0
70 Priapus
Tertidl. ad nat. 2, 15
[Vi]duus
Caeeulus
Orbana
75 'ipsius mortis d[ea]' August. 6,9 (s. Sp. 131)
Nenia
Nach Non. S. 632 s. Y.Statüinum hatte Vurro 10 Vallonia; und Soia, Segetia, Tutilina, Proser--
im Catus de liberis educandis (fr. 13 S. 249 pina, Nodutus, Volutina, Patelaua, Hostilina,
Riese) den Statilinus, Statanus und Fabulinus Flora, Lacturnus, Matuta, Runeina. Eine
dii praesides puerüitatis genannt (an Stelle des andere zu dieser Reihe gehörige Gruppe ist
überlieferten puerüitatis wollten Junius und 4, 34 die der Bubona, Mellona, Pomona.
Preller, It.3I.s2 S. 211 Anna. 4 puerilis aetatis d) Eine besondere Gruppe von Gottheiten
lesen), in dem Sp. 142 angeführten Frag- führt Tertull. ad nat. 2, 15 an: etiam loco-
mente aus dem zweiten Buche der Schrift de rum urbis vel loca deos ar[bitramini, Ianum]
vita populi Bomani bei Non. S. 528 s. v. Pi- patrem (et diva arquis est Jana) et montium
lumnus sind Pilumnus und Picumnus (s. über Septem Septemontium. [geniis eisdem?] Uli
diesen Sp. 147) als dii coniugales bezeichnet 20 faciunt qui in isdem locis aras vel aedes habent,
(vgl. Interpol. Ssrv. Aen. 9, 4 von denselben praetferea aliis qui] in alieno loco aut mer-
Göttern: Varro coniugales deos suspicatur; da- cedibus habitant. taceo Ascensum [a scansione]
gegen heifst es bei dem Interpol. Serv. Aen. et Cliricolam a clivis; taceo deos Forculum a
10, 76 Varro Pilumnum et Pitumnum [lies foribus et Garfdeam a cardijnibus et liminum
Picumnum] infantium deos esse ait eisque pro Limentinum, sive qui alii inter vicinos ap[ud
puerpera lectum in alrio stemi, dum explorctur vos numijimm iauitorum adorantar (Z. 18 las
an vitalis sit qui natus est). Da nun Attgusti- Gothofredus: est et diva Arquis et Iana \lana
nus (4, 34) von dii pueriles und dii coniugales der cod. Agobardinus]; Uartel: ut diva a. s. w.;
mit deutlicher Beziehung auf die auf das Z. 19 ist Septem von Ohler hinzugefügt). Es
Kindesalter und die Ehe bezüglichen Gott- 30 ist schwierig zu entscheiden, ob die hier ge-
heiten der vorstehenden Reihe spricht, und nannten Gottheiten in dieser Zusammenstellung
außerdem Tertullianus (ad nat. 2, 11) sowie sich bei Varro fanden, oder ob erst Tcrtul-
Augustinus (4, 21) von dii nuptiales = eoniu- Hanns sie zusammenfafste; doch ist das erstere
gales reden, so ist mit Sicherheit anzunehmen, das wahrscheinlichere, da einerseits Tertul-
dafs Varro unter den Göttern dieser Reihe lianus auch sonst nur solche Gottheiten zu-
Abteilungen der genannten Art und vermut- sammen nennt, die er bei Varro vereinigt
lieh auch noch andere unterschieden hatte fand, andererseits aber der Ascensus und die
(vgl. unten). Clivicola, welche als Verwandte der Gottheiten
b) Zu den nach Augustinus (6, 9, Sp. 131) in der ersten Gruppe der Reihe c erscheinen
bei Varro auf die soeben genannte Reihe fol- 40 könnten, sehr gut zu dem Septemontius passen,
genden Gottheiten, qui pertinerent . . . ad sobald man sie als die Götter der Abhänge
ea, quae sunt hominis, sicuti est victus at- der Berge Roms und der an diesen hinauf-
que vestitus et quaecumque alia lüde vitae sunt führenden clivi auffafst. Cardea, Forculus,
necessäria gehört bei August. 4, 21 offenbar Limentinus und Ianus nennt Tertull. de idol.
die Gruppe Mars, Bellona, Victoria, Honor, 15; de cor. 13 (wo das im cod. Agobard. nach
Pecunia, Aescolanus, Argentinus. Da diesen ÖMers Angabe überlieferte Carnam in Cardeani
Gottheiten bei Augustinus eine Gruppe von zu verbessern ist); ohne Ianus scorp. 10 (der
Göttern aus Reihe a und die Erwähnung der cod. Agobard. bietet nach Beiff erscheid : Bar-
dii nuptiales (s. vorher) und dii agrestes nitm quendam et Forculum et Limentinum;
(= Reihe c) vorhergeht, so ist es wahrschein- 50 auch hier ist unbedenklich mit Pamelius Car-
lich, dafs die vorstehende Gruppe ein zu- deam quandam zu schreiben). Forculus, Cardea
sammenhängender Auszug aus dem bezeich- und Limentinus nennt auch Augustinus 4, 8
neten Teile des 14. Buches ist. (vgl. 6, 7) in einer eigenen Gruppe.
c) Augustinus 4, 8 führt eine aus zwei in Andere Reihen oder Gruppen sind bei Ter-
sich geschlossenen Gruppen bestehende Reihe tullianus und Augu&tinus nicht erhalten. Ter-
von Gottheiten des Landbaues (nee agro- tull. ad nat. 2, 15 cum et [numina sua] ha-
rum munus uni alicui deo committendum arbi- beant in lupanaribus, in culinis et etiam in
trati sunt; 4, 21: dii agrestes) an, welche von carcere deutet allerdings darauf hin, dafs Varro
dem Kirchenvater in seiner Inhaltsangabe des im 14. Buche auch diese Gottheiten besprochen
14. Buches Varros (s. Sp. 131) nicht besonders eo hatte; doch haben die Kirchenväter hiervon
angeführt wird, vermutlieh weil sie unter die nichts in ihre Schriften aufgenommen.
in den Worten quaecumque alia huic vitae sunt Es zeigt sich, dafs in der Reihe a und in
necessäria angedeutete varronische Götter- der Hauptgruppe der Reihe e die Gottheiten
abteilung gehört (vgl. Ambrosch, Religions- nach bestimmten Prinzipien geordnet sind,
büchcr Heft 2 S. 227 und 240 = Abdr. S. 7 nämlich in Reihe a nach der natürlichen Auf-
und 201, während dagegen Servius (s. Sp. 129 f.) einanderfolge der Zustände des menschlichen
ihrer als in diesem Buche vorkommend Er- Lebens, denen die einzelnen Götter vorstehen,
wähnung thut: Rusina, lugatinus, Collatina, in der genannten Gruppe der Reihe c nach
147 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgem. Unters.) 148
dein Entwicklungsgänge der Feldfracht. Diese 1,21 (s. Sp. 129 f.) gehören an den Anfang der
Ordnnngsprinzipien ermöglichen trotz einiger Gruppe vor Seia, der Lactans (s. Sp. 139) tritt
den Kirchenvätern zur Last fallenden Unregel- neben den Lacturnus. — Dagegen läfst sich
mäfsigkeiten (Mena tritt an zwei verschiedenen von der Fessona und den zusammen genannten
Stellen auf: Z. 7, wohin sie gehört, und Z. 13; Apollo und Aesculapius bei August. 4, 21 nur
ebenso Pertunda: Z. 64 und 66, letztere Stelle so viel sagen, dafs sie zur Reihe a, von der
offenbar die richtige; von geringerer Bedeutung nicht im Zusammenhange genannten Fructe-
sind die Vertauschungen der Stellen von Cu- sea, dem Spiniensis und der Robigo ebenfalls
nina und Levana in Z. 25 und 26, und von bei August. 4, 21, und der Noduterensis bei
Adeona und Abeona in Z. 34 und 35) für einen 10 Arnob. 4, 7. 11, dafs sie zur Hauptgruppe der
Teil der von Augustinus vereinzelt oder Reihe c gehören, ohne dafs sich für dieselben
wenigstens nicht in deutlichem Zusammen- bestimmte Stellen ermitteln lassen. Dasselbe
hange erwähnten sowie der nur von Arnobius gilt nicht nur von den zur Gruppe Rusina
u. in den Sp. 138 ff. angeführten anderweitigen u. s. w. der Reihe c zu stellenden Limi bei
Fragmenten des 14. Buches beziehungsweise Arnob. 4, 9 und den dieser Reihe im all-
des Catus de liberis educandis und der Schrift gemeinen zuzuweisenden Gottheiten Puta (das.
de vita populiBomuni namhaft gemachten Gott- 4, 7. 8) und Nemestrinus (das. 4, 7), sondern
heiten eine mehr oder weniger sichere Ein- auch gröfstenteils von den zu den übrigen
Ordnung in die Reiben und Gruppen. Reihe a: angeführten Reihen und Gruppen gehörigen
der mit Meicurius und 'Minerva zusammen 20 Göttern: Victa und Potua bei Arnob. 3, 25,
genannte Catius pater bei August. 4, 21 ge- Lucrii das. 4, 9 und Pellonia bei Arnob. 4, 4
hört mit diesen beiden zu den Gottheiten in und August. 4, 21, welche alle zur Reihe b zu
Z. 38 — 40 (Minerva s. Z. 39); bei Arnobius ist stellen sind (zur Victa vgl. die Angabe des
die Peta (4, 7. 8) offenbar den Gottheiten in Augustinus über diese Reihe [Sp. 131] quae
Z. 38 — 49 zuzuweisen, der aus der handschrift- suid hominis, sieuti est vietus atque vestitus
liehen Lesart Burnus (4, 9) in einer ununter- u. s. w.); nur der Lateranus bei Arnob. i, 6. Hund
brochenen Reihe von Götternamen mit dem die Lima das. 4, 9 haben ihren bestimmten Platz
Anfangsbuchstaben L mit voller Sicherheit neben dem Forculus und Limentinus in Gruppe d.
herzustellende Gott der libidines Liburnus (so — Der Name einer vermutlich zur Reihe a
Gclenius) stellt sich zu der Lubentina (Z. 44; 30 gehörigen Göttin verbirgt sich unter der ver-
dafs auch bei Arnobius neben diesem Gotte derbten Überlieferung des cod. Parisinus bei
Libentina steht [s. Sp. 141], beruht jedenfalls Arnob. 4, 7 ab erroribus viarum dea fYpibilia
nur auf der alphabetischen Anordnung), die liberal; von den verschiedenen Verbesserungs-
Praestana (4, 3) neben die Praestitia (Z. 45), vorschlagen (Gclenius: Vibilia, Meursius: Ve-
die Unxia und Cinxia (3, 25) gehören zu den hilia, Hildebrand: Viabilia) befriedigt keiner,
Gottheiten in Z. 58 — 62, und zwar Cinxia zur nach dem Sp. 140f. über die alphabetischen
Virginiensis, die Perfica (4, 7. 11) hat ihren Reihen bei Arnobius Gesagten könnte man,
Platz hinter der Pertunda Z. 67 (das Zusammen- da Nodutis und Noduterensis vorausgehen,
treffen beider bei Arnobius ist wie bei Liben- Orbona und Kenia folgen, einen mit N (oder
tina und Liburnus zu erklären); von den Gott- -io 0?) anfangenden Namen vermuten. Ob die
heiten der übrigen Fragmente gehört die Parca Panda vel Pantica bei Arnob. 4, 3 (s. über
(s. Sp. 138) neben die Partula (Z. 12; beide dieselbe unten) und die Iuturna in dem
hatte Varro mit der Nona und Decima zu- Fragmente des 14. Buches beim Interpol. Serv.
sammen genannt), die Numeria (s. Sp. 130) Aen. 12, 139 (s. Sp. 138) den vorstehenden
verlangt ihren Platz bei der Postverta und Reihen angehört haben, läfst sich nicht ent-
Trosa (Z. 14. 15), Picumnus (s. Sp. 145) er- scheiden (stand Iuturna etwa. unter den Gott-
scheint mit Pilumnus (Z. 21) verbunden, der heiten, deren Reste in Gruppe d vorliegen'?).
Fabulinus (s. Sp. 130), stellt sich zu dem Fari- Dies also sind die auf Grund der Über-
aus und Vaticanus (Z. 23), die Cuba ist auf lieferung mit voller Sicherheit er-
Grund der Angaben des Bonatus (s. Sp. 142) 50 niittelten Reste der Reihen der dii
der Potina und Edula oder Educa (Z. 30. 31) certi in Varros 14. Buche. Es gilt nun die
anzureihen, der Statanus (s. Sp. 130) gehört wichtige Frage, in welchem Verhältnisse diese
zu der Statina und dem Statilinus (Z. 32; Götterreihen zu den Indigitamenta stehen, zu
Varro selbst nennt ihn mit Statilinus zu- erörtern. Ein Blick auf die Reihen und
sammen; eine von Marquardt, Staatsvcnc. 3- Gruppen zeigt, dafs dieselben sich aus zwei
S. 13 Anm. 11 angeführte Statilina bei Ter- verschiedenartigen Bestandteilen zusammen-
tull. ad nat. 2, 11 beruht auf nicht haltbarer setzen. Die Hauptmasse der darin enthaltenen
Ergänzung der lückenhaften Worte et sta- Gottheiten ergiebt sich ohne weiteres als In-
tuendi infantis Staf. . .] durch Gothofredus; digetes, d. h. nach dem Obigen als Götter, die
die Stelle de an. 39 dum prima ctiam consti- co nur in ganz bestimmten Funktionen wirken;
tutio infantis super terram Stqtinae deae sacrum dies ist die turba miiiutorum deorum, turba
est rechtfertigt vielmehr Öhlers Ergänzung quasi plebciorum deorum, turba indignissima
Staftina]). — Hauptgruppe der Reihe c: u. s.w. des Augustinus mit ihren dem Kirchen-
die Patella bei Arnob. 4, 7 gehört zu der Pa- vater so verächtlichen officia, s. z. B. 4, 9
telana (die Erwähnung beider zusammen bei turba minutorum deorum; 4, 11 turba quasi
Arnobius ist wieder durch die alphabetische plebciorum deorum; 4, 13. 16 deos singulos
Anordnung veranlafst) , die Götter Occator, singulis rebus et paene singulis motibus adtri-
Sarritor, Sterculinius und Sator bei Serv. georg. bucrunt; nee ipsi potuerunt omnibus bonis hu-
149 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgem. Unters.) 150
manis minutatim singillatimque digestis deos 21; vgl. 21); Carmentes: quae fata nascentibus
minutos et singidos providcre; 4, 23 turba in- canimt (August. 4, 11); Fortuna: praesit for-
dignissima tanta; 4, 34; 6, 1 quibus verum tuitis (ebendas.); Mens: quae faciat pueris
exiguarum singulis singula distribuuntur officia; bonam mentem (August. 7, 3; vgl. 4, 21; Ter-
illa turba vel quasi plebeiorum vel quasi pro- tull. ad nat. 2, 11 [Mentem, quae faciat men-
ccrum deorum; ista ipsa temporalia et cito tem bonam acquje et malam); Minerva: cid per
praetereuutia munera, quibus singulis singuli ista minuta opera puerorummemoriamtribuerunt
praecsse perhibentur; ista opera temporalia, (August. 7, 3; vgl. 4, 21); Murcia (Mureida):
quoniam nimis multos putarunt, ne quisquam quae praeter modum non moveret ac faceret
corum sederet otiosas, minutatim divisa tri- 10 kontinent . . . mureidum id est nimis desidiosum
buerunt; ipsanuminum officia tarn viliter mimt- et inactuosum (August. 4, 16; vgl. Arnob. 4, 9
tatimque concisa, propter quod eis dieunt pro quis segnium 31urcidam? [sc. esse credat]);
uniuseuiusque proprio munere supplicari opor- Quies: quae faceret quietum (sc. Iwminem; August,
tere; 7,2; 7,3 7jaec opera minima; turba vilis; 4, 16); Caraena: quae canere (sc. doceat; August,
cum . . . in his minutis operibus, quae minuta- 4, 11); Consus: a consiliis Consum (Tertull. ad
tim diis pluribus distributa sunt, etiam ipsos nat. 2,ll),deus Consus praebendoconsilia(August.
selectos videamus tamquam senatum cum plebe 4, 11); Iuventas: quae post praetextam excipiat
pariter operari; 7, 4 illam infimam turbam iuvcnüis aetatis exordia (August. 4,11), [Iufccnta
ipsa ignobilitas texit, ne obrucretur opprobrüs; novorum togatorum (Tertull. ad nat. 2, 11);
eos videmus figmentis Immanarum opinionum 20 Fortuna Barbata: quae adultos barba induat
partitis iwfer se operibus distributos, tamquam (August. 4, 11), virorum iam Fortuna Barbata
minuscularios vectigalium conduetores u. s. w.; (Tertull. ad nat. 2, 11); Ergänzungen dieser
istorum humilia opera; 7, 11 iuter Mos mi- Keine: Mercurius: quid doctrinae . . . a Mer-
nuscularios (auch Tertullianus und Arnobius curio . . . petendum esset? (August. 4, 21);
halten mit ihrem Spott nicht zurück, s. z. B. Apollo und Aesculapius: propter aegros medi-
Tertull. ad nat. 2, 11 [Sp. 139]. Arnob. 4, 3 ff. cus vel Apollo vel Aesculapius vel ambo simul
an verschiedenen Stellen; den Ausdruck dii (sc. invocandi; August. 4, 21). Gruppe b:
minuti wendet schon Plautus zur Bezeichnung- Marti et Bellonae, ut bene belligerarent, deae
untergeordneter Gottheiten an: Cas. 2, 5, 23 f. Victuriae ut vincerent (August. &,2l). Reihe c:
[v. 310 f.], wo Lysidamus als Iuppiter seiner 30 Proserpina: praefecerunt . . . Proserpinam fru-
Frau und seinem Sohne = dii minuti gegen- meutis germinantibus (August. 4, 8); Flora:
übergestellt wird; Cist. 2, 1, 46 f. [v. 347 f.]; (praefecerunt) florentibus frumentis deam Flo-
vgl. hierzu Preller, B. M.s 1 S. 69 Anrn. 2). ram (August. 4, 8); Matuta: maturescentibus
Neben diesen treten nun nicht wenige Gott- (sc. frumentis) deam Matutam (sc. praefecerunt;
heiten von allgemeinerer Bedeutung, welche August, a. a. 0.). Ohne Angabe der Funktionen
einen mehr oder minder ansehnlichen öffent- werden genannt Diana, Iuno und Fata Scri-
lichen Kultus genossen ('grofse Gottheiten' bunda (Reihe a Z. 16. 17. 18) bei Tertull. de
Ambroscli), und selbst solche, welche Varro au. 39, Venus (das. Z. 68) bei August. 6, 9, Ianus
im 16. Buche als dii selecti behandelt hatte. pater (Gruppe d) bei Tertull. ad nat. 2, 15 (offen-
auf (vgl. Ambroscli, Beligionsbüeher Heft 2 «f.bar als Gott der arens). Auf die Fata Scri-
S. 251 ff. = Abdr. S. 31 ff.). Augustinus, der buuda, Murcia, Quies, Venus und den Priapus
7, 2 die dii selecti aufzählt (Ianus, Iuppiter, (Reihe a Z. 70) ist weiterhin (Sp. 154 und
Saturnus, Genius, Mercurius, Apollo, Mars, unten) näher einzugehen.
Vulcanus, Neptunus, Sol, Orcus, Liber pater, Dafs die Indigetes dieser Reihen und
Tellus, Ceres, Iuno, Luua, Diana, Minerva. Gruppen aus den Indigitamenta entlehnt sind,
Venus, Vesta), hebt diese Eigentümlichkeit leidet nach den oben Sp. 129 f. zum Ausgangs-
spottend hervor: si propterea (sc. selecti di- punkt genommenen Stellen des Censorinus und
euntur), quia opera maiora ab Ins administran- Servius und dem Sp. 132 über die Zusammen-
tur in mundo, non eos invenire debuimus inter gehörigkeit von Indiges und indigitamentum
illam quasi plebeiam numinum multitudinem 50 Gesagten nicht den geringsten Zweifel. Um
minutis opusculis deputatam (in weiterer Aus- für die Beurteilung der mit ihnen verbundenen
führung 7, 3). Jedoch werden auch diesen rgröfseren' Gottheiten den richtigen Stand-
Göttern fest bestimmte Funktionen beigelegt, punkt zu gewinnen, mul's man davon ausgehen,
wie folgende Obersicht zeigt: Reihe a: Ianus: dafs Varro gemäfs seiner Einteilung der ge-
cum Puerperium coneipitur, . . . ctditum aperit samten römischen Götterwelt in dii certi, dii
reeipiendo semini (August. 7, 2), seminis ad- incerti und dii praeeipui atque selecti (August,
missor (das. 3); Saturnus: propter ipsum semen 6, 3) im 14. Buche de diis certis alle
und seminis dator vel sator (August, a. aa. 00.) ; diejenigen Gottheiten behandelte, deren
Liber und Libera: Liberum a liberamento ap- Natur und Bedeutung sich mit Sicher-
pellatum volunt, quod mares in coeundo per 60 heit feststellen liefs: dies ist die richtige,
eius beneficium emissis seminibus liberentur; von Wissmca (bei Marquardt, Staatsverw. 32
hoc idem in feminis agere Liberum, quam etiam S. 9 f. Anm. 4) hervorgehobene Bedeutung der
Venerem putant, quod et ipsas perhibeant se- dii certi; vgl. Interpol. Sero. Aen. 2, 141
mina emittiere (August. 6, 9, fast mit den- pontifices dieunt singtdis aclibus proprios deos
selben Worten 7, 2; vgl. 7, 3); Diespiter: qui praeesse: hos Varro certos deos appellat. Arnob.
partum perducat ad diem (August. 4, 11; vgl. 2, 65 dii certi certas apud vos habent tutclas
Tertull. ad nat. 2, 11); Opis: opem ferat na- licentias potestates, neque eorum ab aliquo id
scentibus excipiendo cos sinu terrae (August. 4, quod eius non sä potestatis ac licentiae postu-
151 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgeru. Unters.) 152
latis und August. 7, 17 die Worte Varros aus Ianus Sp. 36 ff.; Saturnus als Gott alles Samens,
dem Anfange des 15. Buches de cliis incertis, penes quem sationum omnium dominatus est,
die einen Schlafs auf seine Auffassung der dii Vanv bei August. 7, 13; vgl. Preller, B. 3I.3
certi gestatten (Erdm. Schwarz a. a. 0. S. 418 f. 2 S. 10 ff.; Liber, von dem sogleich die Rede
trifft jedenfalls nicht in jeder Beziehung das sein wird; Opis, die Mutter Erde, vgl. Preller,
Richtige, wenn er meint, dafs Varro nirgends B. 31. 3 2 S. 20 f.; Carmentes als weissagende
genau angegeben habe, wie er seine Einteilung Geburtsgöttinnen, s. Bd. 1 Sp. 851 ff.; Fortuna;
der Götter in dii certi, incerti und selecti Mens; Minerva, s. Preller, B. M. 3 1 S. 289 ff'.;
verstanden wissen wollte; falsche Auffassungen Camena als Göttin des Gesanges, s. Bd. 1
der dii certi bei Merkel, Prolegom. zu Ovids 10 Sp. 846 f.; Iuventas; Fortuna Barbata; Bel-
Fast. S. CLXXXVIIIff. und Preller, B. M.3 1 lona; Victoria; Flora), dafs andere aber mit
S. 71 [ihm folgend K. B. Stark in der Re- Funktionen, welche künstlich aus dem Namen
zension von Prellers Born. Myth. in JV. Jhrb. herausgesponnen sind (Diespiter, s. Sp. 154),
f. Ph. 79, 1859 S. 625 und B. Engelhard, De oder gar auf vollständig falscher Narnens-
pcrsonificationibus cquae in poesi atquc arte Bo- deutung beruhen (Murcia?; Consus; Matuta,
manorum inveniuntur. Diss. Gotting. 1881 S. 5], s: Sp. 153 f.), auftreten. Selbst griechische
der aus Interpol. Serv. Aen. 8, 275 Varro dicit Götter finden sich den Indigetes zugesellt:
deos alios esse qui ab initio certi et sempiterni Apollo und Aesculapius als medici; Proserpina,
sunt, alios qui inmortales ex hominibus facti die unseres Wissens weder inr römischen Staats-
sunt: et de his ipsis alios esse privatos, alios 2u kultus, noch im Volksglauben eine eigentliche
communes u. s. w. mit Unrecht entnimmt, die Verehrung genossen hat, soll als Göttin der
dii certi seien 'eigentliche und ausgemachte 'hervorkrieekenden' (proserpere) Saaten den
Götter, die dazu nicht erst durch Consecration frumenta germinantia vorstehen ('da [der
geworden, sondern von jeher Götter gewesen Name der Proserpina] 'nach sicherer Spur
waren', daher sie Varro auch dii perpetui und auch in den Indigitamenta enthalten war,
proprii genannt habe; vgl. über die dii certi so ist glaublicher und glaubt auch Uscner
und incerti Preuncr in der Anzeige von Prellers jetzt' [derselbe hatte vorher im N. Bh. 31.
B. 31. in Gelehrte Anseigen. Herausg. von 3Iit- 22, 1867 S. 435 f. andere Ansichten aufgestellt],
gliedern der k. hager. Akad. d. Wiss. [München] 'dafs er wie die übrigen Namen jener Ur-
48, 1859 Sp. 406 f£; eine Erörterung über Varros so künden von Haus aus lateinisch und wegen
dii proprii [Tertull. ad nat. 2,9] =privati gehört Ähnlichkeit des Klanges und praktischen
nicht hierher, vgl. darüber Schwarz a. a. 0. Dienstes auf die griechische Göttin übertragen
S. 419 ff. u. Preuner a. a. 0. ; auch Chantepie de ist', Bücheier im N. Bh. 31. 33, 187S S. 284,
la Saussaye, Lehrb. d. Bcligionsgesch. 2 S. 202. also etwa eine ursprüngliche Proserpina?; die
205 urteilt nicht vollkommen richtig über die 'sichere Spur' ist nach den vorliegenden
dii certi; dii certi in einem von dem varro- Untersuchungen ganz in Abrede zu stellen;
nischen verschiedenen Sinne bei Liv. 27, 25, 9. nach Analogie der meisten übrigen von konso-
Fest. S. 351 s. v. sistere fana. Arnob. 2, 62, nantisch auslautenden Verbalstämmen durch
dazu Wissowa bei 3Iarquardt S. 19 f. Anm. 13). einfache Anhängung des femiuinen -a an den
Dafs unter diesen Begriff die Indigetes ihrem 40 Stamm gebildeten weiblichen Indigetennamen
Wesen nach naturgemäfs vor allen anderen [z. B. Cuba, Domiduca, Pertunda, Postverta,
Göttern entfielen, ist schon oben bemerkt Prema] müfste man, wenn der Name von
worden (Sp. 132). Keinesfalls aber darf man proserpere herkäme, nach Jordans Ansicht
mit Ambrosch (Beligiousbiicher Heft 2 S. 225 [Krit. Beiträge s. Gesch. d. latein. Sprache S. 69]
Anm. = Abdr. S. 5 Anm.), 3Iarquardt (Staats- eine Proserpa, oder auch eine Proserpunda [vgl.
verw. 3S S. 7 Anm. 4. S. 9 f. 18), Boissier Adolenda,Commolenda,Coinquenda, Deferunda]
(Etüde u. s. w. S. 232 f.) und Bouche'-Leclercq erwarten); im Sinne der griechischen Vor-
(Les Pontifes S. 44 f. und Manuel des institu- Stellung ist dem Mercurius die Funktion der
tions rom. S. 462 Anm. 3) die lndigitarnenten- doctrina zugeteilt. Von Libera wird ange-
gottheiten mit den varronischen dii certi voll- 50 führt, dafs sie bei der Begattung die Frau
ständig identificieren; denn, wie Wissowa (bei emissis seminibus befreie; dafs Liber und
Marguardt a. a. 0.) richtig bemerkt, bei dem Libera, ihrem Ursprünge nach altitalischo
rein äufserlichen Einteilungsprinzip Varros Gottheiten der üppigen Fülle und zeugenden
mufsten der Klasse der dii certi notwendig Kraft, in Bezug auf die menschliche Frueht-
auch andere Gottheiten zugerechnet werden, barkeit verehrt werden, und zwar Liber als
sotern nämlich Varro ihre Natur und Be- Gott der männlichen Erzeugung, dem das
deutung ermitteln konnte oder ermittelt zu Symbol des Phallus heilig ist, Libera als
haben glaubte. Auf diese Weise wurde für Göttin der weiblichen Empfängnis, der das
eine ganze Anzahl 'gröfserer' Gottheiten die Symbol des weiblichen Geschlechtes geweiht
Einordnung unter die dii certi von selbst go wird (s. August. 6, 9 und mehr bei Preller,
geboten. B. 31. 3 2 S. 47 ff.), erscheint ganz natürlich,;
Nun beachte man bei den in den Reihen die der Libera beigelegte Funktion aber be-
auftretenden Gottheiten allgemeinerer Be- ruht ganz sicher nicht auf einer altrömischen,
deutung, dafs nur ein Teil derselben alt- volkstümlichen Anschauung, sondern auf einer
römische Gottheiten sind, deren Wesen zu der Ansicht griechischer Philosophen, welche auch
ihnen beigelegten Funktion wirklich stimmt der Frau Samen zuschreibt (vgl. z. B. Ccnsorin.
(Ianus [Consivius, s. weiterhin] als Gott aller 5, 4 illud quoque ambiguam facit inter auclores
Anfänge oder als Gott aller Eingänge, s. opinionem, idrwnne ex patris tantuinmodo se-
153 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgem. Unters.) 154
mine partus nascatur, ut Diogenes et Hippon leitung a consiliis vgl. die bei Schwegler, B. 67.
Stoieique scripserunt, an etiam ex matris, quod 1 S. 473 Anm. 5. Preller, B. M.s 2 S. 24
Anaxagorac et Alcmaeoni nee non Parmenidi Amn. 1 und in Bd. 1 s. v. Gonsus Sp. 926,
Empedoclique et Epicuro visum est; dafs Pytha- 53 ff. zusammengestellten Stellen, welche alle
goras, Democritus und Epicurus einen weib- , auf Varro hinweisen; man darf nicht mit
liehen Samen amiahmen, berichtet z. B. Gtdenus Ambrosch, Seligionsb. Heft 2 S. 241 = Abdr.
ed. Kühn Bd. 19 S. 322 f.; bei Hippocrates und S. 21. Walz in Patdys Bealencyel. 6, 1 S.,437.
Galenus ist von dem Samen des Weibes häufig Preller, R. M. :i 2 S. 225. Boissier, Etudc
die Rede, s. z. B. Hippocrates ed. Kühn Bd. 1 u. s. w. S. 238 und Bouche-Leclercq, Les
S. 377. 2 S. 324. Galenits Bd. 4 S. 18S ff. 536. 10 Pontifes S. 37 bei August. 4, 8 den hand-
599 ff. 622 ff. ; nach Aristoteles hat das Weib schriftlich vollkommen sicheren Namen Matuta
keinen Samen, sondern das Menstruationsblut in Matura ändern; denn die hier zusammen-
macht den weiblichen Zeugungsstoff aus, es gestellten falschen Etymologieen stützen sich
ist ein unvollendeter Samen, vgl. Zeller, Pliilos. gegenseitig). Bei Diespiter als Gott qui partum
d. Griechen 2, 22 S. 409 ff). Unmöglich kann perducat ad diem offenbart sich das ebendem-
man den Poniifices die Aufnahme griechischer selben Geiste entsprungene Bestreben, aus dem
Gottheiten in die Indigitamenta oder die Ver- Namen eine Funktion zu gewinnen (das Un-
wendung einer derartigen philosophischen Lehre gereimte einer männlichen Geburtsgottheit
zutrauen. Von Apollo ist es überdies direkt leuchtet ohne weiteres ein). Den hier ge-
bezeugt, dafs er in den Indigitamenta nicht 20 nannten Gottheiten ist jedenfalls auch die
enthalten war: Arnob. 2, 73 non doctorum in Murcia, quae praeter modum non moveret ac
litteris continetur Apollinis nomen Pompiliana faeeret hominem, ut ait Pomponius, mureidum
indigitamenta nescire? (vermutlich geht die id est nimis desidiosum et inactuosum bei August.
Stelle auf Cornelius Labco zurück, s. Kettner 4, 16 (Reihe a Z. 48) anzureihen; allerdings
a. a. 0. S. 30 fr. 25 = Mülleneiscn S. 37 fr. 25). heifst bei Amol. 4, 9 dieselbe Göttin Mur-
•Jene philosophische Lehre aber hatte Varro in eida (quis segnium Mureidam? [sc. esse cre-
seinen Schriften vorgetragen, wie sich aus dat]), aber die Angabe des Interpol. Serv. Aen.
Lactant. de opifle. dei 12 ergiebt: coneeptum 8, 636 alii Murciam a mureido, cquod est mar-
igitur Varro et Aristoteles sie fieri arbitrantur. eiditm, dietam volunt macht es wahrscheinlich,
aiunt non tantum maribus inesse semen, verum 30 dafs Augustinus das Richtige bietet und Varro
etiam feminis, et inde plerumque matribus similes den Namen Murcia nach Pomponius' Vorgange
proereari; sed earum semen sanguinem esse pur- von mureidus ableitete (die Mureida kommt
gatum, quod si recte cum virili mixtum sit, dabei auf Rechnung der Quelle des Arnobius,
utraque concreto et simul coagulata informari d. i. nach Sp. 141 Cornelius Labeo, oder des
u. s. w. (Ch. Chappuis, Fragments des ouvrages Kirchenvaters selbst); eine Göttin der mureidi
de M. Terentius Varron intitules Logistorici. im Sinne von Pomponius' und Varros Er-
Paris 1868 S. 58 f. nr. *93 teilt diese Stelle klärung ist aber die altitalische Murcia nicht
dem Logistoricus Tubero de origine humana (vgl. über dieselbe Becker, Topogr. S. 467 f.
zu, mit grofser Wahrscheinlichkeit, wie der Anm. 972. Paulys Bealencyel. 5 S. 239 s. v.
Auszug aus dem Tubero bei Censorin. 9 [fr. 3 10 Murcia. E. Hubner in N. Jhrb. f. Ph. 77,
S. 257 Riese] lehrt: beide Stellen zeigen, dafs 1858 S. 343ff. mit Nachtrag das. 79, 1859 S. 437.
Varro in diesem Logistoricus eingehend über Preller, B. 21/. 3 1 S. 438 f. Stark in N. Jhrb. f.
die Erzeugung des Menschen und seine Bildung Ph. 79 S. 634; die Annahme zweier Göttinneu
im Mutterleibe nach den Lehren griechischer dieses Namens, von denen die eine die bei
Philosophen gehandelt hatte, also über Gegen- Augustinus genannte ist, und daneben noch
stände, die auch im 14. Buche der Antiquitates der Muvcida des Arnobius bei Georges im Lat.-
rcr. div. besprochen waren; besonders berührt deutsch. Handwörterbuch s. vv. [vgl. auch Hildc-
sich das Fragment bei Censorinus sehr eng mit brand zu Arnob. 4, 9 S. 343] ist nicht zu recht-
dem Sp. 138, 15 ff. mitgeteilten Fragmente des fertigen), es liegt auch hier eine etymologische
14. Buches). Wir können daher zunächst 50 Erfindung vor.
in diesen griechischen oder gräcisie- Auf Kriterien der angegebenen Art kann
renden Gottheiten nur dii certi Varros man sich bei den Sp. 151 f. zusammengestellten
erkennen, welche er mit Angabe ihrer Gottheiten nicht stützen; ob auch diese eben-
Bedeutung den Reihen der Indigetes falls nur als dii certi, welche Varro den Indi-
dort einfügte, wohin sie dieser letzteren getes beigesellte, zu betrachten sind, soll erst
nach gehörten. nach einer weiteren Untersuchung über Indi-
Aber auch bei einigen der übrigen getes, indigitare und indigitamenta festgestellt
'gröfseren Götter' gelangen wir zu werden. Hören wir zunächst im Zusammen-
demselben Ergebnisse. Consus als Gott hange die Ansichten der neueren Gelehrten,
der consilia, Matuta als Göttin der fru- co Aus der Zeit vor Ambroseh sei hier nur
menta maturescentia verraten sich deutlich K. TV. Göttling erwähnt, der {Gesch. d. röm.
als verfehlte Erzeugnisse der varronischen Staatsverf. S. 174) das Wort indigitamenta
Etymologie, die sich der sicher ebenfalls von von Indiges in der Sp. 136 angegebenen Weise
Varro gemachten Ableitung der Proserpina ableitend die Indigitamenta als diejenigen
von proserpere an die Seite stellen (die vor- Pontificalbücher bezeichnet, welche die Namen
stehende Erklärung des Consus hat schon der Götter und die Art, sie beim öffentlichen
Marquardt, Slaatsveriv. 3" S. 10 Anm. 4 als Gottesdienst anzuwenden, gleichsam ihre Titu-
Etymologie Varros erkannt; über die Ab- latur, enthielten.
155 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitarnenta (allgeru. Unters.) 156
Ambrosch nahm an, dafs Varro bei der S. 18. Wissowa, De Macr. Sat. fönt. S. 27. 42.
Einteilung und Darlegung seiner Götterreihen MüUeneisen S. 6 fr. 1 und dazu S. 6 fi.) bei
schwerlich einer von ihm selbst beliebten An- Macrobius (Sat. 1, 12, 21) über Maia: auctor
Ordnung, sondern vielmehr den von Censorinus est Cornelius Labeo Inda Maiae id est Terrae
und Servius in Beziehung auf dieselbe Grund- aedtm kedendis Maus dedicatam stib nomine
einteilung citierten Indigitamenta gefolgt sei; Bonae Deae, et eandan esse Bonam Deam et
'zu Grunde lag für diese Abtheilungen derselben Terram ex ipso ritu oecultiore sacrorum doceri
der scharfe Unterschied zwischen persona und posse conßrmat. hanc eandem Bonam Deam
res' (so schon in Studien und Andeutungen Faunamque et Opern et Fatuam pontificum
S. 63 Anm. 109); 'aus diesem ergaben sich, 10 libris indigitari, woraus sich ergebe, dafs indi-
auf das menschliche Leben augewandt, ganz gitare weder den engeren Sinn von invocare
natürlich die eben angedeuteten Götterreihen' und imprecari behalten, noch auch den von
(Beligionsb. Heft 2 S. 22S = Abdr. S. 8; vgl. eitare völlig angenommen habe, sondern viel-
Heft 2 S. 230. 234. 239. 244 = Abdr. S. 10. mehr ein solches Namhaftmachen bezeichnete,
14. 19. 24). Er schrieb aber die Reihen Varros welches wesentlich in der Subsumption mehrerer
samt den darin enthaltenen Gottheiten all- Qualitätsbestimmungen unter einem göttlichen
gemeinerer Bedeutung den Indigitamenta zu. Hauptbegritfe bestanden habe, wie dies eben
'Alle diese Götter' (d. h. die in den Reihen aus der an Apollo gerichteten Gebetsformel
auftretenden 'grofsen' Gottheiten) '. . . haben der Vestalinnen entwickelt worden sei. Eine
den gemeinsamen Charakter, dafs sie allgemein 20 solche Zerlegung der einen göttlichen Natur
wirkende Naturmächte sind, d. h. nicht, wie in eine Reihe von Qualitätsbestimmungen, die
jene von uns oben genannten dii minuti, nur nun bei dem feierlichen Anruf jener einen
einen einzelnen Moment menschlicher Zustände Gottheit sämtlich vom Priester genannt wurden,
oder Thätigkeiten verwirklichen, sondern eine habe ohne Zweifel bei allen grofsen Gottheiten
ganze Sphäre von Kräften und Erscheinungen des alten Rom stattgefunden. Nur müsse man
bedingen . . . Sie bildeten . . . einerseits im sich wohl hüten, solche Qualitätsbestimmungen
praktischen Cultus der späteren Jahrhunderte eines Gottes, welche, sei es nach pontificischer
einen gewissen Gegensatz mit jenen zahllosen Theorie, sei es im praktischen Kultus, wirk-
Gottheiten niederer Ordnung, während sie lieh zu neuen Göttern wurden, mit blofsen
denselben andererseits nach altrömischer Vor- 30 Beinamen zu verwechseln, was bei der unleug-
stellung nicht so gar fern standen. Auch sie bar inneren Verwandtschaft und häufig ganz
nämlich hatten in gewissen Zuständen des analogen Formenbildung beider nicht immer
Menschenlebens nur einen Moment zu ver- ganz leicht sei (vgl. S. 25 'Auch glaube man
wirklichen, indem ihr allgemeines Machtgebiet ja nicht, dafs jene scheinbar so inhaltsleeren
hier gleichsam nur auf einen besonderen Fall Abstraktionen' [wie Abeona, Adeona u. s. w.]
angewandt wurde' (Heft 2 S. 251 f. = Abdr. 'blofs als cognomina gegolten, etwa wie Gen-
S. 31 f.). 'Fand nun aber zwischen den Gott- tumpeda, Tigillus [August. 7, 11] und ander-
heiten höheren und niederen Ranges eine so weitige Bestimmungen des Iupiter; sie wurden
iuuige Verbindung statt, so läfst sich schwer- in der That im praktischen Cultus beson-
lich glauben, dafs jene in Monumenten anderer 40 ders verehrt'). Bezeichne nun aber indigitare
Art als denjenigen ihren Platz gefunden, in 'einen oder mehrere Götter nach einer im ins
welchen die Götter unteren Ranges mit so divinum bestimmten Norm anrufen und nennen',
serupulöser Genauigkeit verzeichnet standen' so seien wir auch berechtigt, diejenigen Gott-
(Heft 2 S. 253 f. = Abdr. S. 33 f.), d. h. also heiten , auf welche mit Beziehung auf die
in den Indigitamenta. Eine Bestätigung dieser Pont\fices oder deren Bücher jener Ausdruck
Ansicht findet Ambrosch in der 'Art und Weise, angewandt wird , als in den Indigitamenta
wie bei der Anführung gewisser Götternamen verzeichnete anzuerkennen. Zunächst komme
auf die priesterlichen Urkunden hingewiesen das eben angeführte Zeugnis des Cornelius
wird' (Heft 2 S. 254 = Abdr. S. 34); um auf Labeo in Betracht, in welchem der Maia nicht
diese näher eiugehen zu können, stellt er zu- 50 nur als einer in den Indigitamenta stehenden
vor die Bedeutung von indigitare fest (Heft 4 Göttin gedacht, sondern auch mehrere ihrer
S. 26 ff. = Abdr. S. 34 ff. ). Ausgehend von Qualitätsbestimmungen angegeben sind; sodann
der Stelle des Macrobius (Sat. 1, 17, 15) vir- Interpol. Serv. Arn. 8, 330 sed hie Alexandrum
gines Vcstales ita indigitant 'Apollo Medice, sequitur, gm dicit Tiberinum, Capeti filium,
Apollo Paean' (die höchst wahrscheinlich durch verneintem in hunc fluvium (den Tiber) cecidisse
Vermittelung einer neuplatonischen Quelle auf et fluvio nomen cledisse: nam et a pontificibus
Cornelius Labeo zurückgeht, s. Wissowa, De indigitari solet: dies habe den doppelten Sinn,
Macrobii Saturnaliorum fontibus S. 40 f.) findet dafs der Name Tiberinus selbst in den Indi-
er, dafs beim Indigitieren Anrufung des Gottes gitamenta stehe und dafs dort auch die ihm
und Anzeige seiner Eigenschaften verbunden 00 zukommenden Qualitätsbestimmungen genannt
waren, und nennt es daher verständlich, wem seien (danach hätten, wie Ambrosch meint,
Paulus (s. Sp. 137) das Wort indigitamenta auch Spino, Almo, Nodinus und alia propin-
selbst durch incantamenta vel indicia erklärt. quorum fluminum nomina, welche nach die.
Mit der Zeit habe sich die Bedeutung von n. d. 3, 20, 52 in einem Gebete der Augurn
indigitare dahin modificiert, dafs es 'auf mit Tiberinus angerufen wurden, daselbst ihren
priesterliche Weise einen Gott bezeichnen' Platz gehabt). 'So sind wir denn wohl ge-
bedeutete: dies lehre die Stelle des Cornelius nöthigt anzuerkennen, dafs in den Indigitamenta
Labeo (a.jKettner a. a. O. S. 27 f. fr. 19, dazu nicht blofs jene vom Censorinus und Servius
157 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgern. Unters.) 158
angedeuteten Götterreihen, sondern sicher noch Priesterschriften heifsen auch Indigitamenta'
sehr viele andere und der höchsten Wahr- (aber An m. 3: fdie Indigitamenta scheinen nur
scheinlichkeit nach sämintlicbe durch Ursprung einen Theil jener Literatur, die unter dem
oder zeitige Reception dem älteren Staats- Namen libri pontificii zusammengefafst wird,
cultus angehörigen Gottheiten verzeichnet ge- ausgemacht zu haben1), rein Name, der zu-
standen; es müssen diese geistlichen Urkunden, nächst und nach seiner eigentlichen Bedeutung
die mit der Entwickelung des römischen Volkes die Gebetsformeln bezeichnet, nach denen eine
selbst nothwendig im Laufe der Jahrhunderte Gottheit angerufen werden mufste, wenn sie
immer mehr anschwollen, gleichsam ein Corpus nach einer bestimmten Seite ihrer Wirksam-
sämmtlicher oder wenigstens sämmtlicher alte- 10 keit , in Beziehung auf einzelne bestimmte
ren vom römischen Staate und Volke anerkannt- Lebensmomente, Zustände, Thätigkeiten, Be-
ten Götter gewesen sein' (Heft 4 S. 33 = Abdr. dürfnisse des Menschen wirksam angerufen
S. 40 f.; vgl. Heft 4 S. 50 = Abdr. S. 58, wo werden wollte: in welchem Fall eben .jene
Ambrosch ausspricht, rdafs die Indigitamenta besondere Qualitätsbestimmung, jene beson-
nicht blofs einzelne Götterklassen, sondern dere Seite des göttlichen "Wesens in der An-
mindestens sämmtliche von Hause aus römi- rufungsformel besonders und genau benannt
sehen, d. h. lateinische und sabinische Gott- sein mufste.'
heiten umfafsten'; s. auch Studien und An- Gegen Ambroschs Auffassung der Indigita-
deutungen S. VII. XVI. S. 63 Anm. 109 und menta erklärte sich Preller, der P. M . 3 1
im Ind. schob Vratisl. 1840 S. 4). Da nun die »o S. 134 ff. die Indigitamenta nicht als eine Art
Kenntnis der Indigitamenta nicht jedermanns offizieller Protokolle der ältesten Göttemarnen,
Sache gewesen sei, vielmehr diese wie die sondern als eine Sammlung der alten Gebets-
übrigen geistlichen Urkunden von den Priestern formein des öffentlichen, von den- Pontifices
geheim gehalten wurden und es Aufgabe der überwachten Gottesdienstes, in denen die Reihen
Pontifices war, aus ihnen Belehrung zu er- und Namen der Götter nach eigentümlichen
teilen (Heft 2 S. 228. Heft 4 S. 40. 42. 51 liturgischen Prinzipien (s. S. 59) zusammen-
= Abdr. S. 8. 48. 50. 58 f.), so 'mufsten unter gestellt waren, aufgefafst wissen will. Aller-
diesen Verhältnissen die Pontifices gewisse dings seien diese Bücher wohl Verzeichnisse
tabnlae haben, in welchen jene den Leib, die gewesen (indigitamentum = Frequentativuru
Familie und Hanthierung der Bürger betreffen- 30 von index); aber nicht von blofsen Götter-
den Gottheiten nach der Reihe und nach ge- namen, sondern von solchen Gebeten, in denen
wissen, aus dem Verlaufe des römischen Lebens nach altertümlicher Weise bei den versehie-
von selbst hervorgehenden Abschnitten sich auf- denen Veranlassungen des Lebens, Geburten,
gezeichnet fanden: wo also z.B. Kindererziehung, Hochzeiten, Todesfällen, für die Äcker, für das
Mannbarkeit, Hochzeit, Schwangerschaft, Ge- Vieh u. s. w. zu den Göttern gebetet wurde,
burt und Tod, sowie die einzelnen Zweige des Daher das Wort indigitare auch in derselben
Erwerbes, nebst ihren göttlichen Beschirmern Bedeutung wie cbeten' und 'anrufen' gebraucht
und Beschirmerinnen aufeinander folgten, so werde, namentlich von dem priesterlichen, mit
jedoch wohl, dafs, wie Varro es gethan, die religiöser Weihe und bei einer feierlichen
Götter, welche die persönliche Entwickelung 40 Gelegenheit vorgetragenen Gebete der Pouti-
des Menschen selbst betrafen, und jene, die fices, der vestalischen Jungfrauen und der
seinen Besitz und Erwerb angingen, nach der Flamines; ja auch wohl, weil man dem Ge-
Gruudeintheilung von persona und res gesondert bete überhaupt und vollends dem Gebete der
erschienen. Diese tabnlae waren demnach höchsten geistlichen Würdenträger eine magi-
gleichsam ein Katechismus für Haus und Hof: sehe Kraft zuschrieb, in dem Sinne einer
umfafsten trotz ihrer Weitschiehtigkeit einen magischen Beschwörung durch Gebet und An-
verhältnifsmäfsig nur geringen Theil der Staats- rufung {Paul. S. 114 indigitamenta: incanta-
religion, deren Gottheiten in ihnen nur in ihrer menta vel indicia. Tertull. de ieiimio 16:
Anwendung auf das individuelle Leben und magistratus . . . prectm indigitant, hostiam,
Thun erschienen, und nur sie können es ge- 50 instaurant). Es sei ausdrücklich von einer in
wesen sein, welche uns Sermus und Censorinus den Händen der Pontifices befindlichen Samm-
unter dem Namen der Indigitamenta citiren, lung der öffentlichen Gebete des römischen
wie sie denn jedenfalls eine der Quellen des Staatskultus die Rede (Gell. 13, 23, 1 f. con-
Varro gewesen sind. Hiernach aber bedarf precationes deam inmortalium , quae ritu Po-
es wohl kaum noch der Bemerkung, dafs mano fiunt, expositae sunt in libris sacerdotmn
diese geistliche Urkunde nur ein verhältnifs- populi Pomani [= libri pontificii, Murquardt,
mäfsig geringer Theil der vollständigen, den Staatsverw. 3° S. 176] . . . in liis scriptum est
ganzen Umfang des älteren Cultus betreffen- 'Luam Saturni, Salaciam Neptuni, Horam
den Indigitamenta gewesen' (Heft 4 S. 52 f. Quirini, Virites Quirini , Maiam Volcani,
= Abdr. S. 60 f.). 60 Heriem Iunonis, Moles Martis Nerienemquc
Wals schlofs sich in seiner Auffassung der Martis'), so dafs man eben die Indigitamenta
Indigitamenta (Über die alt-ital. Pelig. S. 54, dafür werde halten dürfen, d. h. für einen
in Paulys Pealencycl. 4 S. 147 s. v. Indigita- authentischen Originalcodex sämtlicher in der
menta und das. 6, 1 S. 439 s. v. Religio) an Praxis des römischen Staatsgottesdienstes bei
Ambrosch an. dieser oder jener Gelegenheit vorgetragenen Ge-
Dagegen äufserte sich Sclmegler (P. G. 1 bete (vgl. S. 71 Anm. 2, wo die Stelle Gell. 5, 12, 1
S. 32) bei Besprechung der libri pontificii über in antiquis precationibtis nomina liaec deorum
die Indigitamenta folgendermafsen : fDiese inesse aniinadvertimus: Diovis et Vediovis mit
159 Indigitamenta (allgem. Unters.) . Indigitamenta (allgem. Unters.) 160
der soeben genannten verbunden wird). Der särnmtlicher in der Praxis des römischen Staats-
Form nach werde man sich diese Gebete nach gottesdienstes bei einzelnen Gelegenheiten vor-
Art der alten Liturgieen oder Hymnen zu getragener Gebete und der darin für diese
denken haben, etwa der orphischen Hymnen Gelegenheiten angewendeten Anrufungen des
und der ältesten Gesänge und Liturgieen der allwaltenden numen überhaupt oder der we-
christlichen Kirche, wo auch häufig der Text nigen Hauptgötter, wie wir dies noch näher
nur aus einer Zusammenstellung vieler ein- nachweisen könnten.'
zelnen Namen und Beinamen bestehe. Ohne Boissier steht in seiner ersten Darstellung
Zweifel seien auch diese Texte, noch viel mehr der Indigitamenta (Etüde sur la vie et les
als die Fasten und der Kalender, ursprünglich 10 ouvrages de M. T. Varron S. 233 ff.) zum Teil
geheim, d. h. nur für die geweihten Kreise der auf dem Standpunkte von Ambrosch. Er er-
Priester bestimmt und der Öffentlichkeit sorg- klärt, nachdem er die von Censorinm und
fältig entzogen gewesen, bis später bei der Servins angedeuteten Gottheiten als die dii
allgemeinen Verweltlichung des Priestertums certi Varros bezeichnet hat (S. 232 f.; siehe
und der priesterlichen Bildung auch sie zu- Sp. 151), die Indigitamenta als clivres de prie-
gänglich und ein Gegenstand der gelehrten res' (von indigitare 'prier'), welche nicht etwa
Forschung geworden seien; namentlich scheine nur eine trockene Nomenklatur, sondern auch
Varro sie in dem Buche de diis ceitis durch- die Anrufungsformeln enthalteu hätten. Alles,
gängig excerpiert und auf eigentümliche Weise was Varro über die dii certi berichtet, habe
überarbeitet zu haben. Bd. 2 S. 204f. erörtert 20 er den Indigitamenta entnommen; seine An-
Preller weiter, dafs in diesen Gebeten die hülf- Ordnung aber der Götter sei sein Eigentum;
reichen Lebensmächte, von denen Censorinus von der Sammlung der Pontifices selbst nimmt
(Sp. 129) spricht, nicht allein, sondern zu- Boissier an, dafs sie ' singulierement confus et
sammenge'stellt mit den Hauptgöttern des desordonne ' gewesen sei (S. 233). Die Ent-
älteren römischen Glaubens, welche aber bei stehung der dii certi setzt er (S. 239 f.) in die
solchen Gelegenheiten nicht in ihrer vollen Zeit, wo Sabiner und Latiner zu einem Ge-
Geltung und gesamtem Wirkung, sondern nur meiuwesen auch hinsichtlich ihrer Götterkulte
in der speciellen Beziehung auf den jedesmal sich vereinigt hatten; die Gottheiten beider
vorliegenden einzelnen Fall einer Geburt, einer Stämme (z. B. lanus, Iuppiter von latinischer,
Vermählung u. s. w. angerufen würden, er- 30 Ops von sabinischer Seite) hätten bei dieser
seheinen: ein Beweis mehr dafür, dafs die In- Vereinigung ihren auf das ganze Leben sich
digitamenta nicht priesterliche Verzeichnisse erstreckenden Wirkungskreis eingebüfst und
des ältesten Götterglaubens gewesen seien, seien in ihren Funktionen auf bestimmte Fälle
sondern für gewisse Veranlassungen des Le- beschränkt worden. In den zahlreichen Gott-
bens bestimmte Gebets- und Anrufungsformeln heiten von eng begrenzter Bedeutung sieht
(in denen die Namen jener 'vielen kleineren Boissier, wie Ambrosch, ursprüngliche Mani-
Hülfsgötter' den Zusatz divus pater und diva festationen (potestates) höherer Gottheiten
mater erhielten, wie Preller 1 S. 56 aus der (S. 241 f.), die ihrer Entstehung nach in die
Stelle des August. 7, 3 unde dich ctiam ipse ältesten Zeiten Roms hinaufreichten (S. 243).
Varro, quod diis quibusdam patribus et deabus 40 Für die zweite Behandlung des Gegenstandes
matribus, sicut hominibus, ignobilitas aecidissct, (La Beligion romaine l3 S. 4 ff.) hat Boissier
die er auf die Götter der Indigitamenta be- sich mehr an die nun in den Hauptzügen
zieht, schliefst). Es müsse dahingestellt bleiben, wiederzugebende Darstellung Bouche-Leclercqs
ob Varro die vielen Götternamen des 14. Buches gehalten (eigentümlich ist S. 5 die Anschauung
in jenen priesterlichen Urkunden zu einem ahn- 'ils' [d. h. die Gottheiten der Indigitamenta]
liehen Ganzen zusammengestellt gefunden habe, 'ne possedent pas de nom veritable; celui
wie er selbst sie in seinem Werke zusammen- qu'on leur donne ne les designe pas eux-memes,
stellte, oder ob sie nicht vielmehr in den In- il indique seulement les fonetions qu'ils rem-
digitamenta in viele einzelne Gruppen zerfielen plissent'; ähnlich Chaittepie de la Saussage,
und je nach den besonderen Veranlassungen 50 s. weiterhin).
des Kultus oder des Lebens in verschiedenen Ge- Bauche -Leclercq (Les Pontifes S. 24 ff.) be-
beten und Liturgieen zusammengestellt waren, zieht, wie Preller, die angeführte Stelle des
welches letztere Preller für das Wahrschein- Gellius 13, 23, 1 f. auf die Indigitamenta (S. 27 f.)
liebere hält. und übersetzt, indem er indigitare als = in-
Prellers Auffassung fand den Beifall B.Slarls vocare auffafst, indigitamenta mit cListes d'in-
(in der Anzeige der Prellerscken R. M. in vocations' oder ' Renseignements sur les in-
N. Jhrb. f. Phil. 79, 1859 S. 628): 'Mit vollem vocations' und bezeichnet als Inhalt derselben
Recht erklärt sich Preller gegen die von Am- 'les noms des dieux qui jouaient un röle dans
brosch aufgestellte, von Marquardt aeeeptirte l'existence humaine, avec la formule d'invoca-
Ansicht, dass sie ' (die Indigitamenta) ' ein Ver- 60 tion particuliere ä chaeun d'eux, le tout ränge
zeichniss der ältesten Götternamen gebildet; wir dans un ordre qui devait reproduire assez
begreifen überhaupt nicht, wie man diese pein- exaetement l'ordre dans lequel se succedent
liehe Casuistik, die in jenem Verzeichuiss sieh les actes de la vie' (S. 29). 'Les Indigita-
ausspricht, jemals als den ältesten Ausdruck menta etaient nne sorte d'indicateur dans le-
eines Volksglaubens an die Mächte des Himmels quel etaient notees les principales circonstances
und der Erde hat auffassen können; nein, ganz de la vie humaine, avec le nom des auxiliaires
gewiss sind sie ein von einem einfachen Kern surnaturels qui y president, et la formule ä
aus erweiterter, überarbeiteter Originalcodex employer pour demander leur Cooperation'
161 Indigitamenta (allgem. Unters.)
(S. 30f. ; vgl. dessen Manuel des institutions
romaines S. 520 Anuu. 6 cLes Indigitamenta
ou reeueil de prieres' und S. 4G7 rLe Recueil
d'invocations (Indigitamenta), redige, disait-
on, par Numa et tenu au oourant par les Pon-
tifes, etait comme un code de procedure oü
chacun venait apprendre l'art de traiter pour
son compte avec les dieux. Toutes les puis-
sanees cataloguees dans cet eucologe etaient
au Service des individus, mais la ä la condi-
tion d'etre invoquees suivant la formale pre-
scrite'). Varro habe für seine Aufzählung der
Götter die Indigitamenta zum Führer genom-
men und die Anordnung der Gottheiten in
denselben als wesentlichen Bestandteil der
pontificalen Tradition beibehalten (S. 29 f.).
Aus der Stelle des Lactantius inst. diu. 1, 22, 4
(Numa) deos per familias discripsit, die er auf
Varro zurückführt, möchte er den Schlufs
ziehen, dafs Varro seine Einteilung der Gott-
heiten als eine aus den libri Numae geschöpfte
gegeben habe ; es handle sich hier nicht um
Genealogieen der Götter, die der römischen
Mythologie fremd seien, sondern um Götter-
klassen, denen bestimmte Funktionen zugeteilt
sind (vgl. aber die in der [in der erhaltenen
Form von Lactantius selbst gefertigten?] epi-
tome instant. 17, 2 vertretene Auffassung der
Stelle: [Numa] deos familiis gcntibusque distri-
buit). Die in den Indigitamenta aufgezeich-
neten Anrufungsformeln anlangend entnimmt
Bouche-Leclercq (S. 38) der Stelle des Serv.
georg. 1,21 (oben Sp. 129f.), dafs dieselben die
speziellen Funktionen der Gottheiten in einer
Weise ausgedrückt enthielten, dafs das Gebet
gleichsam eine Art Kommentar des Namens
gewesen sei. Die Redaktion der Indigitamenta
setzt er in eine durch den Namen des Ancus Mar-
cius gekennzeichnete Entwickelungsstufe der
religiösen Einrichtungen Roms (S. 42; über die
von Bouche-Leclerccq unterschiedenen Epochen
des Numa und Ancus Marcius s. S. 39 ff.). Die
Aufgabe der Poutifices, aus den Indigitamenta
dem Volke auf Befragen Rat zu erteilen (S. 42),
habe zu Klassifikatiouen der Gottheiten geführt.
Die einfachste sei die schon in der alten For-
mel der Fetialen (bei Liv. 1, 32, 10) sich findende
in dii superi, inferi (vgl. August. 7, 28) und
terrestres oder medioxumi (vgl. Interpol. Serv.
Aen. 3, 134); diese scheint Bouche-Leclercq als
eine von den Pontifices in Bezug auf die Gott-
heiten der Indigitamenta gemachte Einteilung
zu betrachten. Ausdrücklich bezieht er (S. 43)
auf die Indigitamenta die Götterklassen der
dii Indigetes ('les dieux indigenes du Latium';
s. Sp. 135, 52 ff.) und dii Novensiles. Das prak-
tische Bedürfnis habe die Einteilung der Gott-
heiten nach Mafsgabe der Funktionen, die sie
im menschlichen Leben versahen, veranlafst;
die Pontifices hätten nur nötig gehabt, den in
den Indigitamenta von Anfang an vorhandenen
Götterklassen dieser Art Namen zu erteilen:
praesides puerorum, dii nuptiales, dii coniugales,
dii agrestes (s. Sp. 145, 10 ff. 54 ff.); auch die dii
penates stellt er hierher (S. 43 f.; neben den
praesides puerorum führt Bouche-Leclercq mit
Unrecht die auf einer Münze des Kaisers Sa-
loninus [bei Eckliel , Doctr. num. 7 S. 421.
Röscher , Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II.
Indigitamenta (allgem. Unters.) \Q'2
Cohen, Med. imp. Salonin 15 (Bd. 4 S. 481)]
genannten dii nutritores an; schon das Bild
der Münze, das Iuppiter dem Kaiser eine
Victoria darreichend vorstellt, läfst erkennen,
dafs hier durchaus eigenartige Vorstellungen
zu Grunde liegen). Einen ganz anderen Charakter
trage die von dem Pontifex Q. Mucius Scae-
vola vorgenommene Einteilung der römischen
Götter (s. August. 4, 27 relatum est in läteras
10 doctissimum pontificem Scaevolam disputasse
tria gcnera tradita deorum) in Götter der
Dichter (unum a poetis), der Philosophen (alte-
rum a philosoplüs) uud Götter des Staates
(tertium a principibus civitatis; das Nähere
über diese dreifache Religion des Scaevola s.
bei Krahner, Grundlinien S. 45 ff. Marquardt,
Staatsrerw. 32 S. 60. Preller, B. M.3 1 S. 34),
da sie auf philosophischer Grundlage beruht:
das tertium genus des Scaevola (rles dieux
20 civils ou officiels') seien die Götter der Indi-
gitamenta = dii certi Varros (S. 44 f.; s.
Sp. 150 f.). Nachdem Bouche-Leclercq (S. 45)
noch die Einteilung der Götter in dii boni
nnd mali des Antistius Labeo (August. 2, 11,
vgl. Amob. 7, 23; es ist jedoch ein Irrtum,
in dem von Augustinus genannten Labeo den
Antistius Labeo zu erkennen, diese ganze
Lehre gehört vielmehr dem Cornelius Labeo
an, s. Kettner, Cornelius Labeo S. 8. 20 ff. 32.
30 Mülleneisen a. a. 0. S. 18 ff. 35 f. 45; zur Ver-
wechselung des Cornelius Labeo mit Antistius
Labeo vgl. Wissowa, De Macrobii Saturnalio-
rum fontibus S. 26 ff'.) besprochen, sagt er
rmais il est permis de douter que ces erudits
aient consulte les Indigitamenta eux-memes,
oü ce polytheisme complique et surcharge
d'additions posterieures se trouvait peut-etre
reduit ä un dualisme compose des deux forces
crfetrices representees dans les etres Vivantes
•10 par les sexes, et oü ils auraient pu surprendre
ä l'oeuvre l'esprit etroit et formaliste qui
faconna une multitude de dieux avec les debris
meconnus du couple divin' (S. 45 f.). Alle
Anrufungen der Indigitamenta hätten sich ur-
sprünglich an die Gottheit im allgemeinen
gewandt, um ihre Wirksamkeit auf einen be-
stimmten Fall zu beschränken; daher seien
die Namensformen der Indigitamentengott-
heiten die von Epitheta, welche stets mit dem
DO Zusatz divus pater und diva rnater verbunden
worden seien (S. 46, vgl. S. 38 und Manuel
S. 462 Anm. 1; das. S. 467 Anm. 1 nimmt
Bouche-Leclercq au, dafs in den Indigitamenta
die Götter in Paaren [z. B. Volumnus-Volumna,
Domiducus-Domiduca, Iugatinus-Iuga u. s. w.]
zusammengestellt gewesen seien). Aber schon
vor der Redaktion der Indigitamenta habe die
Umwandlung der Epitheta zu selbständigen
Göttern begonnen und sich dann unter den
60 Händen der Pontifices noch weiter entwickelt;
zur Zeit der Aufzeichnung der Indigitamenta
sei die Zahl der Gottheiten relativ gering ge-
wesen, sehr zahlreich aber die Attribute der
einzelnen Götter, die in der Art der Litaneien
des katholischen Kultus in Reihen dem Namen
der Gottheit angeschlossen worden seien: die
grofse Bedeutung, welche den Epitheta zu-
kam, habe zunächst zu einer Einzelanwendung
163 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgcm. Unters.) 164
derselben und dann zu ihrer Erhebung zu tischen Schmuckes in einem geraden Gegen-
selbständigen Götterwesen geführt, und die satze zu den griechischen Göttern steht, und
Pontifices selbst hätten, das Verständnis der das Erzeugniss reflectirenden Verstandes ist,
heiligen Urkunden immer mehr verlierend, welcher alle menschlichen Verhältnisse einem
dieser volkstümlichen, aber irrtümlichen Fort- speciellen, positiv auf das Genaueste fest-
bildung sich angeschlossen: Interpol. Serv. gesetzten Cultus zuweist'), doch sei es ungewifs,
Aen. 2, 141 pontifices dieunt singulis actibus ob diese Götter in den Indigitamenta selbst
proprios deos praeesse (S. 46 f.). Dafs die den Namen der dii certi führten oder ob diese
Pontifices für den praktischen Gebrauch sich Benennung von Varro herrührt (s. Sp. 132, 21 ff.
Auszüge (tabulae) aus den Indigitamenta 10 und 150 f.); am wenigsten Wahrscheinlich-
machten, wie Ambrosch annahm (Sp. 157), ist keit habe es, dafs die Erklärungen der Namen,
auch die Ansieht von Bouche-Leclercq (S. 47 f.); welche Varro giebt, aus den Indigitamenta
in diese tabulae hätten sie nur das Not- geschöpft seien; denn hierfür spreche weder
wendigste, d. h. die Anrufungen und die Epi- die Beschaffenheit dieser Erklärungen, noch
theta, mit Hinweglassung der Namen der der Zweck der Indigitamenta: die Erklärungen
Gottheiten von allgemeinerer Bedeutung, zu seien deutlich als Etyrnologieen Varros zu
denen dieselben gehörten, aufgenommen, und erkennen, der auf diesem Felde nicht glücklich
diese dem Handgebrauch dienenden Auszüge gewesen sei (S. 9 f., wozu Wissowa S. 10
hätten sich so vollständig an die Stelle des Anm. 4 bemerkt, dafs dies indes von den
Originalwerkes gesetzt, dafs die gelehrtesten 20 meisten Erklärungen nicht gelte, da ja nach
Pontifices und nach ihnen die Altertumsforscher dem eigenen Zeuguisse Varros bei Serv. georg.
sich mit ihnen begnügten. 1, 21 [Sp. 129f.] die Indigitamenta et nomina
Marquardt hatte seiner ersten Darstellung deorum et rationes ipsorum nominum, welche
der Indigitamenta (Becker-Marquardt, Handb. Varro seinen Erklärungen zu Grunde legen
d. rd'm. Altcrthümcr 4 [Lpzg. 1856] S. 7 ff.) die konnte, enthielten V Unter den Tausenden von
Untersuchung von Ambrusch zu Grunde gelegt, Namen, welche die Indigitamenta enthalten
deren 'Resultate und Hauptbeweise' er, 'wenn haben mögen, habe man, wie Ambrosch ge-
aueh mit einiger Freiheit im Einzelnen', be- zeigt habe (Sp. 156), ursprünglich wenigstens
nutzte (s. S. 7 Anm. 12); in der Neubearbeitung nur Bezeichnungen verschiedener Funktionen
dieser Darstellung [Staatsverw. 3 2 S. 7 ff.) macht so (potestates) zu verstehen, welche auf eine ver-
sieh daneben der Einflufs von Prellers Aus- hältnismäfsig kleine Anzahl göttlicher Wesen
führungen geltend. Marquardt erklärt (S. 7) zurückzuführen sind (S. 18). Zunächst nämlich
die Indigitamenta als 'eine officielle Sarnm- sei das Indigitieren seinem Begriffe nach eine
lung von GebetsformelD, in welchen diejenigen Art des Gebetes, in welcher man einen oder
göttlichen Mächte zusammengestellt waren, mehrere Götter nicht im allgemeinen, sondern
deren Hülfe in einem bestimmten Falle in mit Bezeichnung derjenigen Eigenschaften an-
Anspruch genommen werden musste, und von rief, von welchen man Hülfe erwartete; man
denen keine übergangen werden durfte, wenn machte daher ein und denselben Gott mehr-
ein günstiger Erfolg des Gebetes eintreten mals und zwar mit verschiedenen Attributen
sollte'. 'Nach . . . Regeln des ius divinum 40 namhaft (S. 18 f.). Ferner sei man auch gar
die geeigneten Götter anrufen heisst indigitare, nicht zweifelhaft darüber gewesen, dafs ein
und dazu gaben die indigitamenta die An- Teil der Sp. 143 ff. aufgeführten Namen Bei-
leitung. Allein in das Publikum ist von namen bekannter Götter seien (vgl. hierzu
diesen Formularen, so viel rnan.aus der uns Sp. 172 ff.); dafs diese Beziehung nicht bei allen
zugekommenen fragmentarischen Überlieferung Namen ohne weiteres klar war, werde ans
schliessen kann, niemals mehr als ein kleiner dem Umstände erklärlich, dafs mit der Nanien-
Theil gekommen, der mit dem Privatleben in trennung auch eine Vereinzelung des Kultus
unmittelbarer Beziehung steht und dem einzel- verbunden war, denn ein grofser Teil der dii
nen Bürger für häusliche Culthandlungen als certi erhielt seine eigenen sacella und sacra
Regulativ dienen konnte, also Gebete bei der 50 (S. 20; vgl. hierzu Sp. 186, 51 ff.).
Eheschliessung, der Geburt eines Kindes, Ge- Madvig äufsert sich über die Indigitamenta
bete in verschiedenen Perioden des Lebens- folgendermafsen ( Verfass. und Verwalt. d. röm.
alters und für den Beginn aller Berufsgeschäfte; Staates 2 S. 682 Anm. 1): 'Einige neuere
der bei weitem grössere Theil, welcher für den Schriftsteller haben ein ganz besonderes Ge-
Gebrauch der Priester und die Verehrung der wicht auf eine gewisse Klasse von Pontifikal-
G ötter des Staates bestimmt war, ist weder büchern, indigitamenta, gelegt und behauptet,
im Alterthum profanen Schriftstellern bekamit dass Varro vorzugsweise und unmittelbar aus
geworden, noch uns . . . weiter verständlich' ihnen geschöpft habe; aber einmal ist die Be-"
(S. 8 f.). Dafs Varro die Indigitamenta selbst schaffenheit dieser indigitamenta äusserst un-
benutzte, ist nach Marquardts Ansicht (S. 9) 60 klar' (in Anm. *) führt Madvig die Definition
nicht zu bezweifeln; seine dii certi seien die des Serv. georg. 1,21 [Sp. 129 f.] an mit dem Be-
Gottheiten der Indigitamenta (vgl. S. 5, wo merken: 'Servius kannte gewiss nicht selber die
Marquardt sagt, dafs die Götterklasse der dii indigitamenta, aber wohl Varros Etymologien,
certi 'nicht aus einer unbewussten Entwiche- Der Name selbst stammt von indigitare, an-
hing hervorgegangen, sondern auf bettimmten rufen nach einem bestimmten Formular') 'und
Satzungen beruhend, und auch traditionell auf der Beweis für Varros umfassenden Gebrauch
die ersten Könige zurückgeführt, durch den derselben höchst unsicher' (Anm. **): 'So be-
Mangel aller plastischen Form und alles poe- ruht z. B. die Eintheilung der Götter in ver-
165 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgern. Unters.) 166
schiedene Klassen augenscheinlich auf Varros mische Religion angefüllt ist, und wenn man
eigenen Einfällen und Grübeleien'). 'Das was die räumliche Spaltung in gleicher Weise
man als daraus entnommen zusammengestellt auch auf die Zeit überträgt, so ist die Genesis
hat, betrifft durchaus nicht das Wesentliche der Indigitamenten-Götter erklärt '
des römischen Staatsknltus, sondern die spätere Wenn in dem gröfsten Teile der vorstehend
Symbolik.' aufgeführten Ansichten einerseits die Bedeutung
Chantepie de la Saussaye ist (Lehrb. d. der Indigitamenta unter dem Einflufs der von
Beligionsgesch. 2 S. 204) der Ansicht, dafs die den Alten übernommenen Erklärung von in-
Zahl der Gottheiten, welche in den priester- digitare = invocare so weit gefafst wird, dafs
liehen Indigitamenta aufgezählt waren, nicht 10 sie entweder als Verzeichnisse der altrömi-
zu bestimmen sei. Die Tausende von Wesen, sehen Götter mit ihren Anrufungen (Ambrosch
welche jene Urkunde aufführte, seien keine Sp. 155 ff. Wals Sp. 157. Boissier Sp. 160.
untergeordneten Geister gewesen, obgleich ihr Bouche- Leclercg Sp. 160 f. Marguardt in seiner
Wirkungskreis auf ein bestimmtes Moment ersten Darstellung, Sp. 163. Chantepie de la
beschränkt war. Ambrosch habe die Namen Saussaye Sp. 165) oder als Sammlung von
in diesen Gebetsformeln aufgefafst als die Be- Gebeten (Preller Sp. 158 f. Stark Sp. 159 f.
Zeichnung derjenigen Eigenschaften oder Funk- Marguardt Sp. 163; vgl. Schicegler Sp. 157 f.)
tionen der Götter, welche man um Hülfe in erklärt werden, und andererseits die Götter-
bestimmten Fällen anrufen müsse; allein die reihen Varros ohne weiteres als den Indigi-
Zusammengehörigkeit dieser Indigitationen mit 20 tamenta entlehnt betrachtet werden (Ambrosch
den mehr persönlichen Göttern sei nur in Sp. 155. Bouche'- Leclercq Sp. 161. Marguardt
einigen Fällen nachweisbar, und die Person- Sp. 163), wobei man Varro höchstens die
lichkeit der italischen Götter sei selbst zu Anordnung der Gottheiten als Eigeutum zu-
schwach gewesen, um sich in so viele Funk- schreibt (Preller Sp. 159. Boissier Sp. 160;
tionen zu zersplittern; diese letzteren hätten vgl. Madvig Sp. 163f.), so mufs dies von dem
wohl von Anfang an unabhängig für sich Standpunkte der vorliegenden Untersuchung
existiert. Es sei mehr als wahrscheinlich, dafs aus als falsch bezeichnet werden. Dieses aus
sämtliche altrömischen Gottheiten in den Indi- den Ausführungen Sp. 132, 34 ff. 137, 24 ff.
gitamenta ihren Platz hatten. Die Namen, 150 ff. sich ergebende Urteil wird eine jene
unter welchen man die in beschränkter 30 Erörterungen vervollständigende Entwickelung
Wirksamkeit auftretenden Götter indigitierte, des Wesens der Indigetes (die von Ambrosch,
sollten nach Chantepie de la Saussaye (S. 205) Bcligionsbücher Heft 2 S. 222 = Abdr. S. 2.
lediglich ihre Funktionen bezeichnen; die Preller, B. M.3 1 S. 92. Bouche'-Leclercij, Les
eigentlichen Namen der Götter seien ein Ge- Pontifes S. 28 f. und Chantepie de la Saussaye..
heimnis geblieben (s. hierzu Sp. 133, 8 ff.). Die Lehrb. d. Beligionsgesch. 2 S. 202 f. ausdrück-
Zusammenfassung und Benennung von dii con- lieh von den Indigitamenta getrennt werden)
iugales, praesides pueiilitatis , dii nuptiales, und der Indigitamenta sowie des Begriffes von
dii agrestes u. s. w. schreibt er (S. 203) den indigitare und des Verhältnisses Varros zu
Indigitamenta zu. den Indigitamenta noch näher begründen
Die Indigitamenta hat offenbar Mommsen 40 Eine Betrachtung der Indigetes in den
im Auge (B. G. 1 ' S. 165): 'Die national- varronischen Reihen zeigt, dafs die fest be-
römische Theologie suchte nach allen Seiten stimmte, eng umschriebene Funktion
hin die wichtigen Erscheinungen und Eigen- eines jeden Indiges auch in dem Namen
schaffen begrifflich zu fassen, sie termino- desselben ausgedrückt ist (dies heben
logisch auszuprägen und schematisch — zu- Tertull. ad nat. 2, 11 nomina de rebus ef/lagi-
nächst nach der auch dem Privatrecht zu tant [deosque] sunciunt dividentes omnem sta-
Grunde liegenden Eintheilung von Personen tum hominis singulis potesta [tibus] und August.
und Sachen — zu classificiren , um darnach 4, 24 quorum deorum nomina non inveniebant,
die Götter und Götterreihen selber richtig carum rerum notninibus appellabant deos, cpias
anzurufen und ihre richtige Anrufung der 50 ab eis sentiebant dari, aligua vocabula inde
Menge zu weisen (indigitare).' #_ flectentes . . . aut certe nulla vocabuli declina-
Schliefsliel^ sei noch (mit Übergehung ge- tione sicut res ipsae nominantur besonders
legentlicher Aufserungen neuerer Gelehrten hervor). Nun enthielten die Indigitamenta
über die Indigitamenta von geringerer Be- nach Serv. georg. 1, 21 et nomina deorum et
deutung, wie z. B. der von Chr. Petersen, Bas rationes ipsorum nominum (so die bessere
Zwölfgöttersystem der Oriech. u. Bömer. 2. Ab- Überlieferung [s. Sp. 129 f.], die durch die
theil. Progr. des Academ. Gymn. Hamburg vorliegenden Ausführungen bestätigt wird), d.h.
1868 S. 25. 32. 38. 41) der Erklärungsversuch jedenfalls Erklärungen der Namen ('Gründe
H. Nissens (Das Templum. Antiquar. Unter- der Namen' Ambrosch, Beligionsbiicher Heft 2
suchungen. Berl. 1869 S. 8) betreffs der Ent- co S. 226 = Abdr. S. 6), welche Varro seinen
stehung der Indigitamentengottheiten erwähnt: Angaben über die officia der Indigetes zu
'Die Gottheit wird erkannt an ihren Wirkungen Grunde legte (quae etiam Varro dicit, Sp. 130,
und ihrer Umgebung. Deshalb gewinnt jeder 3 f.; vgl. die von Marguardt betreffs der Na-
Geist, der in einen Raum gebannt ist, eine menserklärungen Varros geäufserten Bedenken
Individualität und einen bestimmten Namen, und Wissowas Bemerkung dagegen Sp. 164,
bei dem der Mensch ihn anrufen kann. Dies sowie Madvig Sp. 164, dessen Ausdruck ' Var-
ist die räumliche Ableitung jener unendlichen ros Etymologien' erkennen läfst, dafs er die
Reihe von Abstractionen , mit denen die rö- Erklärungen der Indigetennamen als varronische
6*
167 Indigitarnenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgeni. Unters.) 168
Etyniologieen ansieht). Dafs aber auf die Fin- libri pontificum nicht zu finden waren, ist
düng und Nennung des richtigen Na- selbstverständlich (natürlich hat Cornelius
mens beim Indigitieren alles ankam, ja dafs Labeo die libri pontificum selbst gar nicht
das Indigitieren, d. h. das Schaffen eines Indiges gekannt, geschweige denn benutzt, was Kettner
(Sp. 132), seiner äufseren Seite nach über- S. 32 'mit Vorliebe ging er . . . zurück auf
haupt im richtigen Bilden eines dem be- die libri pontificales , an sie knüpfte er am
treffenden Momente des menschlichen liebsten seine eigene Ansicht an' und Miillen-
Lebens, einer Thätigkeit, Sache, Ort- eisen S. 37 zu fr. 25 und S. 43 gegenüber
lichkeit u. s. w. möglichst genau ent- hervorgehoben werden möge). Somit ist auch
sprechenden Götternamens bestand, er- 10 dieser Stelle die ihr von Ambrosch beigelegte
hellt bei der von Augustinus (s. Sp. 148, 64 ff. Bedeutung abzusprechen; hier wie in der vor-
149, 1 ff.) so stark betonten und selbst in den her genannten, dem Cornelius Labeo zuge-
Trümmern der varronischen Reihen noch sehriebeneu Stelle (s. Sp. 155, 55 ff.) ist indi-
deutlich erkennbaren Zerlegung des mensch- gitare nur ein von diesem Autor (oder vielleicht
liehen Lebens in eine erstaunlich grofse Menge erst von Macrobius?) gewählter hochtrabender
von einzelnen Momenten am besten aus den- Ausdruck für czu einem Gotte beten, ihn an-
jenigen Indigetennamen, die durch verschiedene rufen'. Aber auch aus der dritten Stelle,
sprachliche Mittel von ein und demselben Interpol. Serv. Aen. 8, 330 (Sp. 156, 53 ff.),
Wortstamme gebildet sind: Lactans und Lac- ergiebt sich nicht das, was Ambrosch daraus
turnus, Liburnus und Lubentina, Lima und 20 entnimmt. Betrachtet man nämlich den Wort-
Limentinus, Parca und Partula, Patella und laut genauer, so zeigt sich, dafs das 'indigi-
Patellana, Peragenor und Agenoria, Potina tari' des Flufsgottes des Tiber durch die
und Potua, Praestana und Praestitia, Sentia Pontifices damit in Verbindung gebracht wird,
und Sentinus, Statanus, Statina und Statilinus, dafs Tiberinus, des Capetns Sohn, in den Flui's
Voleta und Volumna; und aus solchen Namen, gestürzt sei und ihm den Namen gegeben
die von eng verwandten Thätigkeiten her- habe. . Dies erinnert sofort an Aeneas, der in
genommen sind, wie Fabulinus, Farinus, Locu- den Numicius stürzt und als Aeneas Indiges
tius: denn alle diese Namen bezeichnen ver- an jenem Flusse verehrt wird (s. Sp 133, 32 ff.),
schiedene Götter, durch die Anwendung des Demnach scheint aus der in ihrer Fassung
richtigen Namens allein wurde die Anrufung 30 nicht gerade klaren Stelle der Schlufs zu
des richtigen Indiges bedingt. ziehen, dafs der Flufsgott des Tiber, wie jener
Wir können in den Indigitamenta Aeneas Indiges, von den Pontifices mit dem
demgemäfs nur Verzeichnisse von den Beinamen Indiges verehrt wurde, so dafs sich
Pontifices festgesetzter Indigetenna- wieder nur ein Zusammenhang von indigitare
inen, welche in den diesen beigegebe- mit Indiges ergeben würde,
nen rationes ipsorum nominum eine Nunmehr kann es nicht zweifelhaft sein,
Anweisung gaben, wie die Namen zu wie die Sp. 154, 51 ff. offen gelassene Frage,
gebrauchen, d. h. welcher Indiges im ob die in den varronischen Reihen auftreten-
einzelnen Falle anzurufen war, er- den Gottheiten allgemeinerer Bedeutung Ianus,
kennen, und an dieser allerdings eng be- 40 Saturnus, Liber, Opis, Carmentes, Fortuna,
grenzten Bedeutung können auch die von Mens, Minerva, Camena, luventas, Fortuna
Ambrosch (Sp. 155 f.) ausführlich besprochenen Barbata, Bellona, Victoria, Flora (Sp. 151,
drei Stellen, in denen indigitare auf Gottheiten 67 — 152, 11\ denen noch Mars und Honor
allgemeinerer Bedeutung angewendet wird, (Sp. 145, 45), Pomona (Sp. 146, 14), Robigo
nichts ändern. Die Stelle des Ilacrobius (Sat. (Sp. 148, 8 f.) und Iuturna (Sp. 138, 63 ff.,
1, 17, 15; Sp. 155, 53 ff.) nämlich, die ein Gebet vgl. 148, 40 ff.) beizuzählen sind, in den Indi-
der vestalischen Jungfrauen an Apollo enthält, gitamenta verzeichnet standen oder erst von
fällt ganz aufser Betracht, da Apollo, wie Varro hinzugefügt worden sind, im Zusammen-
oben (Sp. 153, 19 ff.) nachgewiesen ist, über- hang der vorliegenden Erörterungen zu beant-
haupt nicht in den Indigitamenta vorkam. 50 woiten ist. Wenn auch diese Götter, wie
Die andere, einen Auszug aus Cornelius Labeo Ambrosch bemerkt hat (Sp. 155; vgl. Preller
enthaltende Stelle des Macrobius (1, 12, 21; Sp. 159. Boissier Sp. 160. Beuche -Leclercq
Sp. 155, 67 ff.; nicht richtig beurteilt von Sp. 162), in jenen Reihen nur gewisse einzelne
Pouche -Leclercq, Les Pontifes S. 48) beruft Momente des Menschenlebens u. s. w. zu ver-
sieh allerdings für die Identität der Maia, wirklichen haben, indem ihr allgemeines
Bona Dea, Fauna, Ops und Fatua mit Terra Maehtgebiet hier nur auf einen besonderen
sehr unumwunden auf die libri pontificum; Fall angewandt wird, so fehlt doch hierbei
wie übel es jedoch mit dieser Quellenangabe gerade das Charakteristische des indigitare,
bestellt ist, zeigt das in der ganzen Stelle nämlich das Schaffen einer Gottheit, welche
erkennbare und auch sonst bekannte Be- 60 aufserhalb der betreffenden Indigitation gar
streben des Cornelius Labeo, irgendwie mit nicht vorhanden ist (Sp. 137, 24 ff.). Bei den
einander verwandte Götter zuerst unter sich Funktionen dieser Götter handelt es sich viel-
und sehliefslich mit solchen Gottheiten zu mehr deutlich um Beziehung ihrer vollständig
identificieren, deren physische Grundbedeutung sicheren und gröfstenteils auch schon im Na-
völlig klar war (s. Kettner a. a. O. S. 32. men ausgedrückten Bedeutung auf einzelne
Mülleneisen S. 9. 11. 46; vgl. Wissoica, De Momente des menschlichen Lebens u. s. w.,
Macrobii Saturn, fontib. S. 35 ff.); dafs der- wie sie den Reihen zu Grunde liegen. Auch
gleichen philosophische Spekulationen in den diese Gottheiten sind, wie die Sp. 152 ff.
169 Indigitamenta (allgem. Unters.) ' Indigitamenta (allgem. Unters.) 170
besprochenen, dii certi (vgl. Sp. 150 f.), sicherlich das Werk Varros, von dessen Be-
welche Varro den aus den Indigita- streben, auch innerhalb der einzelnen Bücher
menta entnommenen Indigetes einge- eines Werkes die Gegenstände nach einer an-
reiht hat. Eine Bestätigung dieser Auffassung gemessenen Disposition zu behandeln, die er-
bietet August. 4, 16, wo es nach Anführung haltenen Bücher der Schrift de Ungua latina
der Agenoria, Stimula, Muroia, Strenia (Sp. 144, (vgl. die Übersichten in den Ausgaben von
46 ff.) heifst Ins Omnibus (Ins et deabus publica 0. Müller S. XLI ff. und L. und A. Spengel
sncra faccre susceperunt, Quietcm vcro appel- S. XXXIV ff.) Zeugnis ablegen (vgl auch z. B.
lantes, quae faceret quietum, cum acdem haberct Varro de vita populi Bomani Üb. I [lib. I
extra portam Cöllinam, publice itlam suseipere 10 fr. 22 Kettner] bei Kon. S. 494 s. v. victuis:
nolucrunt; hieraus geht hervor, dafs Varro 'primum de re familiari ab partibus, seeundo
eine Gottheit, welche schon deswegen, weil de victuis consuetudine primigenia, tertio de
sie in den Staatskultus nicht aufgenommen diseiplinis priscis necesmriis vitae,) was keines-
war, in den Indigitamenta nicht hätte ver- wegs eine Inhaltsangabe der einzelnen Bücher
zeichnet sein können (s.Sp. 186, 46 ff. ; über Quies der Schrift de vita populi Bomani, sondern
vgl. Preller, B. M.3 2 S. 222), offenbar nur eine Disposition innerhalb der einzelnen Bücher
ihrer fest bestimmten Bedeutung wegen in ist, s. H. Kettner in seiner Ausgabe der
seinen Reihen aufführte. Fragmente dieser Schrift [Halae 1863] S. 6 f.).
Nicht Auszüge aus Indigetenreihen Wenn irgendwo auf dem Gebiete der rö-
also, sondern solche aus Reihen von dii so mischen Religionsaltertümer, so gilt vou den
certi, welche Varro nach einem selbst- Indigetes und den Indigitamenta der Aus-
erfundenen Prinzip (s. Sp. 150, 54 ff.) und spruch Hartwigs {Bei. d. Böm. 1 S. 275),
mit teilweise sehr fragwürdigen Mit- dafs Varro recht eigentlich das Fernrohr ist,
teln (s. Sp. 152, 16 ff. 153, 59 ff. 154, 14 ff.) durch welches wir in den Religionszustand
aus der ihm bekannten römischen Göt- der Römer hineinblicken {Preller, B. M.3 2
terwelt zusammenbrachte, deren weit- S. 206 weifs das gut zu würdigen, während
aus gröfster Bestandteil allerdings Madvig Sp. 164 falsch über Varro urteilt).
Indigetes sind, liegen uns in den oben In die Art und Weise, wie Varro im 14. Buche
mitgeteilten Götterreihen hei Tertul- der Antiquitates rerum divinarum die dii certi
lianus, Arnobius (in Überarbeitung, s. 30 und, worauf es hier hauptsächlich ankommt,
Sp. 140f.) und Augustinus vor. Mit gutem unter ihnen die Indigetes behandelt hatte,
Grunde läfst sich aber vermuten, dafs Varro gestatten die wörtlichen Anführungen aus
seine Aufstellung von Reihen auf Anordnungen diesem Buche und die Mitteilungen des Au-
der Indigetes, die er in den Indigitamenta gustinwi einen Einblick. Varro hatte sich
vorfand, gründete, dafs also etwa, wie Am- nicht auf eine einfache Aufzählung der Götter
brosch (Sp. 157, allerdings für die von ihm mit Angabe ihrer Funktionen beschränkt,
vermuteten tabulae), Preller (Sp. 158 f.), Bouche- sondern eine so eingehende Darstellung ge-
Leclercq (Sp. 161) und Chantepie de la Saussaye geben, dafs Augustinus (6,4) sich zu dem
(Sp. 165) annehmen, in dieser Priesterschrift Ausspruche veranlafst fühlte quid, quod in
die auf den Menschen und sein ganzes Leben 40 Ulis tribus novissimis libris deos certos et in-
bezüglichen Indigetes nach der Zusammen- certos et selectos diligenter explicans nullam
gebörigkeit und natürlichen Aufeinanderfolge deorum naturam praeter inittere videtur? Er
ihrer officia in Gruppen geordnet waren, die hatte ausführlich über den Kult der einzelnen
sich auf Zeugung, Schwangerschaft, Geburt Götter und die auf denselben bezüglichen Ge-
u. s. w. des Menschen (Reihe a), ferner auf wohnheiten der alten Zeit gesprochen (vgl.
dessen einzelne Thätigkeiten im übrigen Leben die an Varros eigene Worte sich eng an-
(Gruppe b), besonders auch iu dem Landbau schliefseuden Auszüge bei August. 6, 9 über
nach seinen vielen Seiten (Reihe c mit ihren die Gottheiten Intercidona, Pilumnus und De-
verschiedenen Gruppen), bezogen; und so ist verra [s. Abschn. 2 s. vv.; clafs dies ein Auszug
überhaupt für die gesamten Indigitamenta 50 aus dem 14. Buche ist, erörtert Erdm. Szhwarz
eine Gliederung nach sachlichen Gesichts- a. a. 0. S. 453 f.] , sowie über Liber und Li-
punkten zu vermuten, denn ohne eine solche bera, und das Fragment bei Non. S. 480 s. v.
wäre eine wirkliche Brauchbarkeit dieser um- sacrificantur : Varro antiqaitatum rerum divi-
fangreichen (s. Sp.l75,12ff.)Götterverzeichnisse narum lib. XIIII 'biviris nuptis [so Popma,
schlechterdings undenkbar (ganz willkürlich viris oder viri die Hss., viri nuptiis Merkel]
und überflüssig ist Ambroschs [Sp. 157] von sacrificabantur in cubicido viduae', das offenbar
Bouche- Leclercq [Sp. 163] aeeeptierte Annahme in den Abschnitt über die dii coniugales ge-
von Auszügen [tabulae] aus den Indigitamenta hört). Vor allem aber hatte er das Wesen
zum praktischen Gebrauch in den Händen der und die Bedeutung der einzelnen Gottheiten
Pontifices). Einen streng durchgeführten Unter- go nach seiner Art in gelehrten Auseinander-
schied zwischen persona und res, den man den Setzungen erörtert (vgl. die Fragmente Sp. 138,
Indigitamenta zugeschrieben hat {Ambrosch 15ff.3lff.47ff.; s. auch Sp. 187, 25ff.; August.
Sp. 155. 157. Mommsen Sp. 165), also ein 4, 16 citiert Varro für die Bedeutung der
juristisches Prinzip, kann man aber kaum an- Murcia den Dichter Pomponius, s. Sp. 154, 21 ff.)
nehmen; die Unter-cheidung von Göttern ad und dabei nicht nur die verschiedenen An-
ipsum hominem pertinerdes und dii qui perti- sichten anderer berücksichtigt (vgl. das Frag-
ncrent non ad ipsum hominem, sed ad ea quae ment über Venilia in den Schol. Veronens. Aen.
sunt hominis (Sp. 131, 17 ff.) ist in dieser Form 10, 76, Sp. 139, 2 ff.), sondern auch, und zwar
171 Iudigitamenta (allgem. Unters.) Indigilamenta (allgem. Unters.) 172
offenbar in weitgehendster Weise, über das B. M.^ 2 S. 209 f. spricht ebenfalls von Va-
Wesen der Götter eigene Ansichten und Deu- gitanus, indem er [S. 210 Anni. 1] bei August.
tungen aufge.-tellt: so gelten ihm die Parca, 4, 8 Vagitanus schreibt, 4, 21 aber Vaticanus
Nona und Decinia als Fata tria (s. Sp. 138, 15 ff.), stehen läfst, mit dem Bemerken ' Varro wollte
die Prorsa und Postverta nennt er Carmentes nehmlich auch den Deus Vaticanus wie Vagi-
(s. Sp. 138, 31 ff. und TertulL ad nat. 2, 11, tanus erklären'; Bouche-Leclercq, Las Pontifcs
dem jenes von Gellius erhaltene Stück des S. 32 giebt ohne nähere Erklärung 'Vagitanus
14. Buches vorgelegen hat; allerdings werden (Vaticanus)'; auch Marquardt, Staatsoirw. 32
Porrima, eine der Prorsa eng verwandte Göttin, S. 12 nennt den Gott Vagitanus, aber wie die
und Postverta an den Carmentalia mit Car- 10 übrigen hier angeführten Gelehrten ohne Er-
inenta zusammen verehrt, s. Bd. 1 Sp. S53, 4ff. kenntuis des vorstehend klargestellten Sach-
und unten Abschn. 2 s. vv. Porrima und Post- Verhalts).
verta); den Mutunus Tutunus identificiert er Besonders bemerkenswert ist es, dafs Varro
mit dem griechischen Priapus (August. 4, 11. in dem Buche de das selectis die officia ein-
34. 6, 9; s. Abschn. 2 s. v. Mutunus Tutunus); zelner Indigetes als Funktionen von dii selecti
auch die neben Priapus bei August. 6, 9 ge- und die Namen jener Indigetes als Beinamen
nannte Venus (Sp. 144 Z. 68) wird nur auf dieser dii selecti aufführte. Augustinus (7, 2
eine von Varro vorgenommene Gleichstellung und 3) bezeugt dies für Fluvionia (jedoch mit
einer Gottheit des ehelichen Beilagers mit Verwechselung von [Iuno] Fluvionia und Inno
Venus zurückzuführen sein (vgl. August. 6, 9. 20 Lucina, wie 7, 2 et hunc provinciam fluorum
7, 2. 3 [Sp. 149, 59 ff.], wo nach Varro Libera menstruorum in libro selectorum deorum ipsi
als Venus erklärt wird). Bei den Fata Scri- Iunoni idem auctor [d. i. Varro] adsignat,
buncla, welche nach Tertull. de an. 39 am quae . . . hie tamquam Iuno Lucina cum eadem
letzten Tage der ersten Lebenswocbe des neu- Menü . . . eidem cruori praesidet zeigt, denn
geborenen Kindes angerufen werden (Sp. 144 die hier angegebene Funktion ist das officium
Z. 18), könnte man im Hinblick darauf, dafs der [Iuno] Fluvionia, nicht das der Iuno Lu-
die Vorstellung des Fatum uncl der Fata cina), ferner (c. 3) für Iterduca und Domiduca,
(neutr. plur.) sich wahrscheinlich erst unter deren Funktionen und Namen Varro im
Einwirkung griechischer Ideen gebildet hat 16. Buche der Iuno zuteilte; und bei Martian.
(s. Bd. 1 Sp. 1447, 24 ff. 1449, 17 ff), dagegen so Gap. 2, 149 an einer Stelle, die jedenfalls auf
ein geschlechtlieh differenzierter Fatus und Varro zurückgeht (s. Eysserihardts Praefatio
eine Fata echt römische Götterfiguren sind in Martianum Capellam S. XXXXVIII), erhält
(s. Bd. 1 Sp. 1452 f. s. v. Fatus, Fata), und Iuno dieselben Beinamen Fluonia, Iterduca,
eine in der Einzahl auftretende Fata Scribunda Domiduca (jedoch Iterduca und Domiduca in
auch viel besser zu den übrigen Indigetes anderer Beziehung ihrer Bedeutung, s. Abschn. 2
pafst, sich versucht fühlen, an eine von Varro s. vv.). Bei Arnobius 3, 30, wo ebenfalls offen-
vorgenommene Umdeutung einer weiblichen bar varrouische Doktrin vorliegt, führt Iuno
Fata zu einer Mehrzahl (wohl Dreizahl, s. die Beinamen Fluvionia und Ossipagina. Ferner
Bd. 1 Sp. 1449, 5 ff.) von neutralen Fata zu hatte nach Augustinus (7, 11 und 12) Varro
denken, wenn nicht das Bd. 1 Sp. 1444 ff. über 40 unter den Beinamen Iuppiters im 16. Buche
die Fata Scribunda Gesagte es wahrscheinlich auch Pecunia aufgeführt mit der Erklärung
machte, dafs diese Gottheiten überhaupt nicht et Pecunia . . . vocatur, quod cius sunt omnia;
zu den Indigetes gehören und den Sp. 168, 36ff. und 4, 11, wo Augustinus 'de multis diis, quos
zusammengestellten Göttern anzureihen sind. doctores paganorum unum eundemque Iovem
Eine grofse Rolle spielt bei seinen Deutungen esse defendunt' handelt, wird sogar jene ganze
die Etymologie, die er jedoch höchst Unglück- turba quasi plebeiorum deorum als Manifesta-
lich handhabt (s. die Sp. 153 f. angeführten Bei- tionen Iuppiters betrachtet mit der Bemerkung
spiele und Abschn. 2 s. vv. Panda, Busor, Ve- hi omnes dii deueque sit unus Iuppiter, sive
nilia). Auch an Irrtümern fehlt es nicht: es sint , ut quidam volunt, omnia ista partes eius
ist gar nicht zu bezweifeln, dafs in dem 50 sive virtutes eius, sicut eis eidetur, quibus eum
Sp. 138, 47 ff. mitgeteilten Fragmente Varro placet esse mundi animum, quae sententia velut
den Gott Vaticanus, den praeses agri Vaticani, magnorum multumque doctorum est. Aber auch
infolge von Verwechselung mit einem In- schon bei der Besprechung der dii certi im
diges Vagitanus (in älterer Zeit Vacitanus 14. Buche mufs Varro in ähnlicher Weise
geschrieben) zum göttlichen Beschirmer des verfahren sein. Als ersten Gott der Reihe a
vagitus der Kinder macht (August. 4, 8. 11 (Sp. 143/144 Z. 2) führt Tertullianus (ad nat.
und 21, der ebenfalls den Vaticanus als Gott 2, 11) aus Varro einen Indiges Consevius, qui
des vagitus nennt [Sp. 143/144 Z. 23], hat con [satio] nibus coneubitulibus praesit an, wäh-
jedenfalls dieses zufällig erhaltene Stück beim rend Augustinus (7, 2 und 3), der doch eben-
Excerpieren als Vorlage gehabt; falsch ist es, oo dieselben Auseinandersetzungen Varros excer-
wenn Härtung, Bei. d. Büm. 2 S. 240 Anm. ff), piert, als ersten Gott mit der gleichen Funktion
der den Gott Vagitanus nennt, sagt cmau hat, Ianus nennt (c. 3 confert . . . Ianus aditum et
weil die Hdschr. schwanken, diesen Namen quasi ianuam semini); dies berechtigt zu der
mit Vaticanus verwechselt', also den Grund Annahme, dafs Varro au der von beiden Kir-
des Irrtums in Abschreibefehlern sucht; Wals chenvätern excerpierten Stelle wohl einen -
in Paulys Bediene. 0, 1 S. 434 führt Vagitanus Indiges Consevius namhaft machte, denselben
in einer Weise an, als ob bei August. 4, 11 aber zugleich als Manifestation des Ianus be-
diese Namensform überliefert wäre; Preller, zeichnete. Diese eigentümliche Behandlung
173 Indigitamenta f'allgem. Unters.) Indigitamenta (allgeiu. Unters.) 174
der Indigetea (beziehungsweise der dii certi) S. 20) sagt 'Endlich war man auch gar nicht
beruht, soweit es sich um Zurückführung der- zweifelhaft darüber, dass ein Theil der vorher
selben auf Iuppiter handelt, auf dem theolo- angeführten Namen Beinamen bekannter Götter
gischen System Varros, das die theologischen seien, dass also z. B, die Iterduca, Domiduca,
Lehren der Stoiker auf die Erklärung der Fluonia, Ossipago, Cinxia, Lucina auf Iuno,
römischen Religion anwendet, um dieselbe zu Stercutius auf Saturn' (August. 18, 15), 'Lu-
einem inneren Verständnis zu bringen (vgl. cetius auf Iuppiter' (ßerv. Aen. 9, 567), 'be-
L. Kr ahner , Grundlinien zur Geschichte des zogen werden müsse'; denn die Indigetes
Verfalls der röm. Staatsreligion bis auf die Iterduca u. s. w. sind nicht identisch mit
Zeit des August. Progr. Lat. Hauptsch. Halle 10 Iuno Iterduca u. s. w. (die Beispiele des
1837 S. 51 ff. Merkel, Prolegorn. zu Ovids Fast. Stercutius und Lucetius bleiben hier aufser
S. CCXX ff. Marquardt, Staatsverw. 32 S. 62 ff. Betracht, weil es sich dabei nicht um sicher
Preller, B. 21/. 3 1 S. 35 f. Boissier, Etüde bezeugte Indigetes handelt), und die soeben
S. 273 ff. Erdm. Schwarz a. a. 0. S. 455 ff. mitgeteilte Auffassung sowie überhaupt die
473 ff. ; über die Theologie der Stoiker vgl. von Ambrosch (Sp. 156), Schwegler (Sp. 157 f.;
Zeller, Philos. d. Griech 3, \- S. 288 ff. [über vgl. Böm. Gesch. 1 S. 226 f), Marquardt (in
Varro das. S. 594 ff.]). Die stoische Lehre, der ersten Bearbeitung a. a. 0. S. 18. 22;
dal's die eine Gottheit, je nachdem sie in Sp. 164, vgl. Staatsverw. 32 S. 24), M. Voigt
mannigfachen Obliegenheiten thätig ist, ver- (Das jus naturale, aequwm et bonum und jus
schiedene Namen hat, d. h. dafs die verschie- 20 gentium der Bmner. 2 [Leipz. 1858] S. 564),
denen Götter nur Manifestationen der einen Stark (Sp. 159 f.), Boissier (Sp. 160) und Bouehe-
Gottheit sind (Serv. Aen. 4, 638 et sciendum Leclercq (Sp. 162 f.) in verschiedener Weise ver-
Stoicos dicere unum esse deum, cid nomina tretene (bei Preller aber sich nicht findende,
variantur pro actibus it offieiis; georg. 1, 5 von Chantepie de la Saussaye Sp. 165 aus-
Stoici elieunt non esse nisi unum deum et unam drücklich zurückgewiesene) Ansicht, dafs die
eandemque potestatem, quae pro ratione officio- Indigetes ursprünglich nur Qualitätsbestimmun-
rum nostrorum variis nominibus appellatur = gen oder Bezeichnungen verschiedener Punk-
Mythogr. Vatic. II prooern.; Macrob. Sat. tionen einer beschränkten Anzahl 'gröfserer'
1, 17, 4 et sicut Maro, cum de una Iunone Gottheiten gewesen seien, verkennt den Ur-
diceret (Aen. 1, 8) 'quo numine laeso'', ostendit 30 sprung der Indigetes.
unius dei effectus varios pro variis censendos Klar und deutlich ist derselbe ausgedrückt
esse numinibus , ita diversae virtutes solis no- in den Worten pontifiecs clieunt singulis actibus
mina dis dederunt, wahrscheinlich aus Cornelius proprios deos praeesse (Interpol. Serv. Aen.
Labeo, s. Wissowa. De Macrobii Saturn, fontib. 2, 141; ganz unhaltbare Auffassung dieser
S. 41 f., vgl. S. 37; Mythogr. Vatic. III prooern.), Stelle bei Bouche-Leclercq Sp. 163). Die Pon-
wandte Varro in der Weise auf die römische tifices also waren die Schöpfer der eigenartigen
Götterwelt an, dafs er die dii selecti als Aus- Götterwelt und der bis ins Kleinste gehenden
flüsse, die dii certi, also auch die Indigetes, Kasuistik der Indigitamenta, indem sie lehrten,
als verschieden bestimmte Bethätigungen Iup- dafs jeder Moment des menschlichen Lebens,
piters betrachtete, so dafs dieser sich in drei- 40 jede Thätigkeit u. s. w. unter dem Schutze
hundert Funktionen vorfindet (Tertull. apol. 14. einer nur diesem einen Momente u. s. w.
ad nat. 1, 10; vgl. Kreditier S. 52. Marquardt eigenen Gottheit (proprius deus), d. h. eines
S. 63. Erdm. Schivarz S. 427 f.; unhaltbare Indiges (Sp. 137) stehe, und indem sie diese
Auffassung bei Bauche- Leder eq, Les Pontifes Gottheiten nun mit Namen, die ihre Funktionen
S. 46). Anders scheint dagegen über die var- möglichst genau ausdrückten (Sp. 166, 40 ff),
ronische Auffassung der Domiduca, Fluvionia, bezeichneten. Nicht lebendiger Volks-
Iterduca und Ossipagina als Bethätigungen glaube an die Mächte des Himmels und
der Iuno zu urteilen. Wenn man nämlich der Erde, sondern eine von Priestern
berücksichtigt, dafs in der Reihe a die Namen erfundene und vorgenommene Vergött-
Lucina (Tertull. de an. 37. August. 4, 11. 21.50 lichung abstrakter Begriffe liegt in
34; Sp. 143/144 Z. 14) und Cinxia mit Unxia den Indigetes und Indigitamenta vor
(Arnrjb. 3, 25; Sp. 147, 35 ff.), die sonst der ('es gehört die ganze Begriffsspalterei eines
Iuno als Beinamen zukommen, als Bezeich- römischen Juristenverste'ndes dazu, um nur
nungen selbständiger Indigetes genannt werden, alle diese Sondergottheiten auszusinnen und
so liegt die Vermutung nahe, dafs bei Domi- von einander zu unterscheiden' 0. Pfleiderer,
duca, Fluvionia, Iterduca und Ossipagina das- Die Religion, ihr Wesen und ihre Geschichte
selbe Verhältnis besteht, d. h. dafs diese u. s. w. 2 [Leipz. 1869] S. 168; Nissens ge-
Namen nicht nur selbständigen Indigetes, son- künstelte Erklärung der Genesis der Indigetes
dem auch der Iuuo, zu deren Wesen die in ist Sp. 165 f. mitgeteilt; unhaltbare Ansicht über
diesen Namen ausgedrückten Funktionen gut so den Ursprung der Indigites bei J. Weisieeiler
passen, als Beinamen zukamen, und dafs aus in der Abschn. 2 bei Adolenda angeführten
diesem Grunde Varro im 16. Buche von Iuno Abhandlung S. 40 f.). Jeder von den Ponti-
Domiducau. s. w. gesprochen hatte (vgl. die ver- fices geschaffene Indiges ist also von Natur ein
schiedenen Auffassungen dieses Gegenstandes in jeder Beziehung selbständiger Gott, auch
bei Marc[uardt S. 20. Preller 1 S. 275. 2 S. 207. wenn seine Funktionen und sein Name mit
Boscher, Iuno und Hera S. 67. Schwäre S. 456 ff.). der Bedeutung und dem Beinamen einer
Jedoch kann es nicht als richtig bezeichnet 'gröfseren' Gottheit übereinkommen; Indigetes
werden, wenn z. B. Marquardt (Staatsverw. 3- wie Cinxia, Lucina u. s. w. sind Erfindungen
175 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitainenta (allgem. Unters.") 176
der Priester, eine Iuno Cinxia, Lucina u. s. w. nach der Niederlage der Römer durch die
gehört dem Glauben des Volkes an. Gallier zur Sühnung des begangenen Frevels
Dafs die genannte Lehre der Pontifices an der Stelle, wo die Stimme gehört worden
ihren Ursprung hat in einer tiefen Religiosität, war, dem Aius Locutius ein Altar oder kleines
welche sich des göttlichen Schutzes in jedem Heiligtum gebaut (s. das Nähere und die Be-
Augenblicke des Lebens versichern will, ist legstellen in Abschn. 2 s. v. Aius Locutius).
kaum zu bezweifeln; der auf das Abstrakte Diese Gottheit ist unzweifelhaft ein Indiges
gerichtete Sinn der Römer veranlagte es, dafs (s. die Ausführungen Sp. 137 u. 166, 40ff.), der
diese Religiosität in einer unbegrenzten An- ganze Vorgang zeigt, dafs die Pontifices
zahl von Begriffsgöttern und in einem damit 10 schon im Jahre 363/391 ihre schöpfe-
verknüpften endlosen System gottesdienstlicher rische Thätigkeit übten. Im Jahre 543/211
Observanz aufging. Die praktische Durch- kehrte Hannibal, als er auf Rom loszog, durch
führung nämlich der Anschauung, dafs jeder Visionen erschreckt kurz vor der Stadt plötz-
Lebensmoment, jede Thätigkeit u. s. w. ihren lieh um; an der Stelle, wo dies geschehen war,
Indiges habe, mufste naturgemäfs zur Fest- wurde ein fanum eines Gottes, der den Doppel-
stellung einer nahezu unendlichen Anzahl von namen Redieulus Tutanus oder Tutanus Redi-
Indigetes führen und die Indigitamenta zu ge- eulus geführt zu haben scheint, erbaut (s. das
waltigem Umfange anschwellen lassen : August. Nähere und die Stellenangaben in Abschn. 2
4, 8 quando autem possunt uno loco libri Indus s. vv. Redieulus, Tutanus). Auch hier handelt
commemorari omnia nomina deorum et dearum, 20 es sich deutlich um einen Indiges, wobei es
cßiae Uli grandibus voluminibus vix com- jedoch unentschieden bleiben mufs, ob dieser
prehendere potuerunt singulis rebus proprio, dis- Gott damals erst geschaffen oder einem schon
pertieiites officio. miminum?(iedenfa.\U}i&tAugu- vorhandenen die Verscheuchung Hannibals zu-
stinus die Indigitamenta selbst, nicht Varros geschrieben wurde. Die letztere Möglichkeit
Antiquitates rerum divinarum im Auge; eigen- nicht unberücksichtigt zu lassen rät folgendes,
tümliche Auffassung der Stelle bei Bouche'- Wie aus August. 4, 21 und 28 hervorgeht, hatte
Leclercq, Les Pontifes S. 57; Preller, R. M.3 1 Varro im 14 Buche ausdrücklich angegeben,
5. 134 Anm. 1 und Boissier , Etüde S. 238 f. dafs, während Gottheitendes Kupfer- und Silber-
Anm. 2 beziehen auf die Indigitamenta die geldes, Aescolanus und Argentiuus, existierten
Stelle Cic. n. d. 1, 30. 84 deinde nominum non 30 (s. Sp. 145 Gruppe b), es einen Aurinus, Gott
magnus numerus ne in pontifieiis quidem no- des Goldgeldes, nicht gegeben habe. Danach
stris, deorum autem innumerubilis, wohl nicht müssen wir annehmen, dafs die Pontifices für
mit Recht, denn von den Indigitamenta hätte das Goldgeld, welches in Rom zuerst i. J.
Cicero, wenn er sie wirklich kannte, unmöglich 537/217 (s. Eultsch, Griech. u. rüm. Metrologie2
so sprechen können). S. 302) geprägt wurde, keinen Indiges fest-
Es ist nicht zu bezweifeln, dafs die Indi- setzten, während sie für das nicht gar so lange
gitamenta, deren Ursprung auf Numa zurück- vorher, i. J. 485/269 oder 486/268 (s. Htdtsch
geführt wurde {Arnob. 2, 73 Pompiliana indi- a. a. 0. S. 267 f.), zuerst geprägte Silbergeld
gitamenta, s. Sp. 153, 21 ff.), wie alle mit dem einen solchen aufgestellt hatten. Demnach
Namen dieses Königs bezeichneten Schriften 40 scheint es, dafs zur Zeit des zweiten
zu den ältesten Urkunden im Archiv der Pon- punischen Krieges der Indigetenkult
tifices gehörten; dafs ein so künstliches Er- im Kollegium der Pontifices selbst in
Zeugnis der Priesterweisheit aber wirklich bis Verfall geriet, insofern das Schaffen neuer
in die Köuigszeit, von deren Götterkult wir Indigetes aufhörte und vielleicht nur bei ganz
uns ganz audere Vorstellungen machen müssen, aufsergewöhnlichen, wichtigen Gelegenheiten
hinaufreichte (vgl. Ambrosch , Religionsbücher noch stattfand (anders urteilen Ambrosch, Re-
Heft 2 S. 247 ff. = Abdr. S. 27 ff. Heft 4 S. 35. ligionsbücher Heft 4 S. 37 = Abdr. S. 45 und
38 f. = Abdr. S. 42 f. 46 f. Preller, R. M.3 1 Preller, R. M.3 2 S. 222 Anm. 2). Ein Priester-
S. 134. 2 S. 204. Bouche-Leclercq Sp. 161 und tum, welches, wie es bei den Pontifices der
die phantasiereichen, Sp. 160 nur kurz angedeu- 50 Fall war, sich immer mehr verweltlichte (vgl.
teten Hypothesen Boissiers, Etüde S. 239 f.), ist Marquardt, Staatsverw. 3- S. 64 ff.), wird aber
durchaus unwahrscheinlich. Glücklicherweise den komplicierten und mühsamen Indigeten-
lassen sich aus einigen chronologisch genau kult und die äufserst umständlichen Indigita-
bestimmten geschichtlichen Ereignissen, mit menta gar bald ganz in Vergessenheit haben
denen der Kult gewisserlndigetes im Zusammen- geraten lassen. Daher konnte verhältnismäfsig
hange steht, Anhaltspunkte gewinnen für eine früh der Begriff der Indigetes aus dem Bewufst-
ungefähre Bestimmung der Zeit, in welche das sein des Volkes entschwinden (s. Sp. 135, 4 ff),
auf das Schaffen von Indigetes gerichtete Wir- umsomehr als die Indigetes, wie sie Schöpfungen
keu der Pontifices und die Entwickelung der derPontifices waren, so offenbar niemals recht in
Indigitamenta zu setzen ist (Ambrosch, Reli- co denVolksglaubengedrungen(vgl.d.Sp.l74,46ff.
gionsbücher Heft 4 S. 34 ff. = Abdr. S. 42 ff. Gesagte) und stets mehr Götter der Priester
Pidler, R. M.3 1 S. 61. 2 S.222. Bouche-Leclercq, geblieben sind; das Volk war, wie jedenfalls
Lis Pontifes S. 51 ff. Marquardt, Staatsverw. 3" richtig bemerkt worden ist (Ambrosch Sp. 157.
S. 31 besprechen die hier anzuführenden That- Preller Sp. 159. Bouche-Leclercq Sp. 161), immer
Sachen aus anderen Gesichtspunkten). Als im darauf augewiesen, sich bei den Pontifices be-
Jahre 363'391 eine nächtliche Stimme das An- treffs der Verehrung der Indigetes Rat ein-
rücken der Gallier verkündet hatte, aber un- zuholen (vgl. Liv. 6, 1, 10 quae . . . ad Sacra
beachtet geblieben war, wurde i. J. 364/390 pertinebant, a pontifieibus maxime ut religione
177 Iudigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgern. Unters.) 17S
obstrictos haberemt multitudinis animosoppressa; bar aus Vcurro stammender Indigetennamen,
Marquardt nimmt jedoch an, dafs ein Teil der von den oben Sp. 143 ff. angeführten Namen
Gebetsformulare der Indigitamenta Volkstum- folgende: Agenoria S. 50, Lacturius [sie!] d. i.
lieh geworden sei, s. Sp. 1C3). Laeturnus S. 327, Limentinus S. 328, Numeria
Die vorliegende Untersuchung hat es. bei S. 384, [Vaticanus paganorum deus S. 626 etwa
der Ermittelung des Inhaltes der Indigitamenta = Vagitanus? vgl. Sp. 171, 49ff.; der Thesaurus
und des Wesens der Indigetes bisher (von den hat auch den Cunsus consiliontm <te<sS. 143. 151;
soeben erwähnten, den Aius Locutius und Re- S. 152 s. v. considium, vgl. dazu das Sp. 153,
diculus Tutanus oder Tutanus Rediculus be- 59 ff. Gesagte]; danach kann die Odoria und
treffenden Erzählungen einstweilen abgesehen) 10 die sogleich für Reihe c anzuführende Göttin
nur mit den in den direkten Fragmenten des unbedenklich für die Indigitamenta in An-
14. Buches von Yarros Antiquitates rcrum di- Spruch genommen werden). Ein zur Gruppe b
vinarttm , in den Auszügen aus diesem Buche (Sp. 145) gehöriger Gott ist der Arculus qui
bei TertuUianus, Arnobius und Augustinus, tutelum gereret arcarum bei Paul. S. 16 s. v.
und in Fragmenten der varronischen Schriften Arculus; die z.B. von Cicero de leg. 2, 11,28 und
Calus de liberis educandis und de vita populi Livius 2, 7, 12 genannte Vica Pota, nach Aus-
Romani enthaltenen Göttern zu thun gehabt. weis ihres Namens eine Siegesgöttin (s. Abschn.
Es finden sich aber bei den Schriftstellern 2 s. v.), ist mit der Sp. 148, 21 angeführten
auch sonst noch Gottheiten genannt, welche Pellonia zusammenzustellen und der Gruppe b
nicht nur dem Sp. 137 und 166 entwickelten 20 zuzuweisen. Der Hauptgruppe der Reihe 0
Begriffe eines Indiges vollständig entsprechen, (Sp. 146, 10 ff.) einzureihen ist die von Macrob.
sondern auch zu den in den Reihen und Grup- Sat. 1, 16, 8 erwähnte Semonia, die als eine
pen Sp. 142 ff. aufgeführten Gottheiten so gut Göttin der semina (s. Absehn. 2 s. v.) mit dem
passen, dafs sie mit voller Sicherheit als aus Sator vor die Seia zu stellen ist (s. Sp. 147, 68.
den Indigitamenta stammend zu betrachten 148, 1 f . ; diesen Platz hat sie auch bei Macro-
sind. Bei einigen dieser Götter läfst sieh bius, der folgende Indigetes aufzählt: Semonia,
mit grofser Wahrscheinlichkeit Varro als die Seia, Segetia, Tutilina [Seia, Segetia und Tu-
Quelle ihrer Erwähnung bei den Schriftstellern tilina in derselben Reihenfolge bei August.
vermuten, jedoch soll hierauf nicht das Haupt- 4, 8, s. Sp. 146, 10]); die Segesta a segetibus
gewicht gelegt werden, da vielmehr der so- 30 bei Plin. n. h. 18, 8 ist der Segetia in der-
eben bezeichnete Charakter der Gottheiten hier selben Reihe (Sp. 146, 10) eng verwandt, die
das Aus=chlaggebende ist. Messia a messibus bei Tertull. de spect. 8 findet
Zu den Geburtsgottheiten der Reihe a ihren Platz vor der Tutilina, der Beschützerin
(Sp. 143/144 Z. 12 ff.) tritt die schon oben des eingeernteten Getreides (Sp. 146, 10; die
Sp. 171, 8 ff. beiläufig erwähnte, von Ovid.f. 1,683 Stelle Tertullians geht zurück auf die Ludiara
und Interpol. Serv. Aen. 8, 336 mit Postverta historia des Suetonius [fr. 188** S. 335 ff. Reiff.],
(s. Sp. 143 Z. 14) zusammen genannte Porrima der seinerseits jedenfalls Varros neuntes Buch
(s. Abschn. 2 s. v.) und die bei Maerob. Sat. der Antiquitates rerum divinarum de ludis cir-
1,7,20 ebenfalls mit Postvorta verbundene censibus als Quelle hat, Tgl. Beifferscheid, Quaest.
Antevorta (s. Abschn. 2 s. v.); zu denjenigen 40 Suetonianae in dessen Suetonius S. 463 f.); die
Gottheiten derselben Reihe, welche in den Frugeria dca frugum im Thesaur. nov. laiin.
ersten Tagen nach der Geburt des Kindes in a. a. O. S. 240 erscheint als eine der Fructesea
Wirksamkeit treten (Sp. 143/144 Z. 18 ff.), ge- Sp. 148, 7 ff. verwandte, zur Reihe c zu stellende
hört die Göttin Nundina a nouo die nascentium Göttin.
mmeupala, qui lustricus dicitur , bei Macrob. Vergleichen wir nun mit dieser beschränkten
Sat. 1, 16, 36 (aus Sxietonius de anno populi Zahl von Göttern, welche sich mit Sicherheit
Romani, s. Wissowa, De Macrobü Sat. fontib. als Indigetes bezeichnen (über Gottheiten,
S. 26 ff. ; Suetonius vei bindet verrianische und welche nur mit Wahrscheinlichkeit oder ver-
varronische Doktrin mit einander, Wissowa mutungsweise zu den Indigetes zu zählen sind,
S. 32 ff. , in dem bei Macrobius vorliegenden 50 vgl. Sp. 183ff.) und den Resten der varronischen
Fragmente seheint nach Wissowa S. 34 verria- Reihen hinzufügen lassen, diejenigen Gottheiten,
nisehes Eigentum zu überwiegen); zu dem Per- welche hauptsächlich von Ambrosch (Religions-
agenor .und der Agenoria (Sp. 143/144 Z. 46) bücher Heft 2 S. 231 ff. = Abdr. S. 11 ff), Preller
tritt der deus Agonius bei Paul. S. 10 s. v. (R. M.3 2 S. 206 ff.), Bouche-Leclercq (Les Pon-
Agonium: Agonium . . . putabant deum dici tifes S. 31 ff.) und Marquardt (Staatsvenv. 32
praesidentem rebus agendis (0. Müllers Berner- S. 11 ff. ; es genügt, diese vier Hauptdarstel-
kung z. d. St. rde hoc nihil alii, et apparet lungen hier heranzuziehen, da Walz in Paulys
inventum eum esse studio etymologico' enthält Realencycl. 6, 1 S. 432 ff. s. v. Religio. Boissier,
eine ungerechtfertigte Verdächtigung). Ferner Etüde S. 234 ff. und Chantepie de la Saussaye,
ist der Reihe a zuzuweisen die ihrer Bedeutung CO Lchrb. d. Rdigionsgesch. 2 S. 204 f. im wesent-
nach klare Viriplaca, in deren sacellum, wie liehen von Ambrosch und Preller abhängig
Valer. Maxim. 2, 1, 6 erzählt, Ehegatten gingen, sind) noch aufserdem zur Ergänzung der Reihen
wenn unter ihnen ein Streit ausgebrochen war, des lertullianus und Augustinus in ihre Zu-
um dort sich zu versöhnen; und die Odoria sammenstellungender Indigitamentengottheiten
dea odoris im Thesaur. nov. latinitatis bei Mai, aufgenommen worden sind, so zeigt es sich,
Class. Auct. 8 S. 399 (dieser viel zu wenig be- dafs dies sämtlich Götterwesen sind, welche
achtete Thesaurus birgt unter anderen Resten wohl unter den varronischen Begriff eines deus
vortrefflicher Erudition auch eine Anzahl offen- certus, nicht aber unter den eines Indiges ent-
179 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (allgem. Unters.) 180
fallen. Zu den Geburtsgottheiten (Sp. 143144 agricoles' (! Bouche-Leclercq S. 30, vgl. Preller
Z. 12 — 16) werden gestellt: Egeria (Preller S. 222); zu der Gruppe Rusina u. s. w. (Sp.
S. 209. Bouche-Leclercq S. 32. Marquarelt S. 12) 145, 68. 146, 1) stellt Ambrosch (Heft 2 S. 243
auf Grund der Stelle Paul. S. 77 Egeriae nym- = Abdr. S. 23) die Velinia, die Göttin des
phae sacrificabant praegnantes, quocl eam puta- lacus Velinus (Varro l. I. 5, 71), von der wir
bant facile conceptam olvum egerere (vgl. aber indes gar niebt wissen, ob sie in den rörni-
über das von der Bedeutung eines Indiges sehen Staatskultus aufgenommen war; Haupt-
ganz verschiedene Wesen dieser Göttin Bd. 1 gruppe dieser Reihe (Sp. 146, 10 ff.): Robigus
Sp. 1216 f.); ferner die Natio (Preller S. 209. und Robigo (Bouche-Leclercq S. 37. Marquardt
Bouche-Leclercq S. 32), obgleich diese von Cic. 10 S. 17), uralte ländliche Gottheiten, die ihren
ii. d. 3, 18, 47 als eine in Ardea verehrte Göttin eigenen Kult besafsen (s. Marquardt S. 574
bezeichnet wird; und die Nixi dii bei Fest. zum 25. April. Preller, R. M.32 S. 43 f. ; über Ro-
S. 174 s. v. Nixi dii (Ambrosch Heft 2 S. 233 bigo ist schon Sp. 168, 36 ff. gesprochen); Picus,
= Abdr. S. 13; Preller S. 209 und Marquardt der alte Wald- und Erddämon (Ambrosch Heft 2
S. 12 Anm. 4 schliefsen dieselben jedoch aus- S. 242 = Abdr. S. 22); Fornax (Ambrosch Heft 2
drücklieh aus; die eigentliche Bedeutung der S. 241 = Abdr. S. 21. Bouche-Leclercq S. 37),
Nixi dii hat Wissowa bei Marquardt a. a. 0. ebenfalls eine alte Gottheit mit eigenem Kultus
und in Philol. Abhandhingen Martin Hertz zum (s. Bd. 1 Sp. 1499 f.); Vertumnus (Preller S. 227.
70. Geburtstage von ehemaligen Schillern dar- Bouche-Leclercq S. 37), dessen Wesen (s. Preller,
gebracht. Berl. 1888 S. 157 f. erkannt). Der 20 B. M.s 1 S. 451 ff.) von dem eines Indiges
Gruppe derjenigen Götter, welche von der Ge- ganz verschieden ist; Meditrina (Preller S. 226.
burt an über der Entwickelung des Kindes Bouche-Leclercq S. 37) als Göttin des Wein-
und der heranwachsenden Jugend wachen (Sp. baues, nach Ausweis ihres Namens jedoch eine
143 144 Z. 17 ff.), werden zugerechnet: Genita Heilgöttin mit altem Kultus (s. Preller, B. 31. 3
Mana (Marquardt S. 13), eine, wie es scheint, 1 S. 197); Gruppe Bubona u. s. w.: Epona
sehr alte Geburts- und Todesgöttin, von der (Ambrosch Heft 2 S. 242 = Abdr. S. 22. Preller
sich auch Spuren bei den Oskern finden (vgl. S. 221. 227. Bouche-Leclercq S. 37. 3Iarquctrdt
über sie Bd. 1 Sp. 1612); Cama (Ambrosch S. 17), die jedoch jedenfalls eine keltische
Heft 2 S. 235 = Abdr. S. 15. 3Iarquardt S. 13), Göttin ist und mit den Indigitamenta nichts
von welcher es bei 3Iacrob. Sat. 1, 12, 32 heifst 30 zu thun hat (s. Bd. 1 Sp. 1286 ff.); Pales (31ar-
lianc deam vitalibus humanis praeesse credunt. quardt S. 17, vgl. Preller S. 227) als Göttin
ab ea denique petitwr , ut iecinora et corda der Lämmerzucht, eine alte Hirtengöttin mit
quaeque sunt intrinsecus viscera salca conservet, eigenem Kultus (s. Preller, B. 31. 3 1 S. 413 ff);
welche aber trotzdem kein Indiges ist, da sie rles troupeaux paissaient et se multipliaient
seit alter Zeit einen allgemeinen Kultus und sous la garde de Pales, Faunus, Inuus, Lnper-
ein Fest am 1. Juni hatte (vgl. Bd. 1 Sp. 854 f. cus, Silvanus, Ruminus et Rumina' (! Bouche-
und über Ovids Verwechselung der Göttin mit Leclercq S. 37, vgl. Preller S. 227). Den in
Cardea Abschn. 2 s. v. Cardea); Valentia (Preller Gruppe d (Sp. 146, 15 ff.) genannten Gottheiten
S. 213. Bouche-Leclercq S. 33), nach Tertull. fügt Bouche-Leclercq (S. 35) hinzu: Iuppiter
apol. 24 eine Göttin der Ocriculaner (vgl. über 40 Fagutalis (Plin. n. h. 16, 37), Iuppiter Vnni-
sie Ambrosch, Studien S. 179 Anm. 100. Paulys nalis (Varro l. I. 5, 51, wo der Gott aber Iup-
h'ealencycl. 6, 2 S. 2288 f. s. v. Valentia). Den piter Viminus heifst) und Virae Querquetu-
dii miptiales oder coniugales (Sp. 143/144 lanae (Fest. S. 261 s. v. Querquetulanae Virae),
'/.. 57 ff.) weiden zugezählt: Iuno Iuga epuam bei denen natürlich an Indigetes nicht zu
putabant matrimonia iungere nach Paul. S. 104 denken ist. Aufserdem ist in den Zusammen-
s. v. Iugariiisvicus (Marquardt S.lii.; vgl. das Stellungen Ambroschs, Prellers und Bouche-
Sp. 180, 45 ff. Gesagte); die rätselhaften Camelae Leclercqs manches Falsche enthalten: eine rdea
virgines bei Paul. S. 63 Camelis virginibus sup- Iuga' (Preller S. 214. Bouche-Leclercq S. 33.
plicare nupturae solitae erant (Ambrosch Heft 2 Manuel des inst. rom. S. 467 Anm. 1. S. 469
S. 239 = Abdr. S. 19, s. Preller S. 214; vgl. 50 Anm. 6) ist ebensowenig bezeugt wie eine
über diese Gottheiten Härtung, Bei. d. Hörn. 2 Göttin Lubia (Preller S. 212; auch Marquardt
S. 71. 0. Müller zu Paul. a. a. 0. Ambrosch S. 14 nennt sie) und Virginalis (Bouche-Leclercq
und Preller a. aa. 00.); Talassio oder Talas- S. 34; Iuga ist nur als Beiname der Inno be-
sius bei Catull. 61 v. 134 (Bouche-Leclercq kannt [s. Sp. 179, 44ff.], Lubia ist bei dem Inter-
S. 34; im Manuel des inst. rom. S. 469 Anm. 6 pol. Serv. Aen. 1,720 Beiname der Venus, Vir-
fügt Bouche-Leclercq noch Concubinus [Catull. ginalis heifst Fortuna [s. Bd. 1 Sp. 1519, 18 ff.]);
61 v. 128 ff.] hinzu; Preller hat jedoch S. 215 f. eine diva Arquis (Preller S. 221. Bouche-Leclercq
gezeigt, was es mit diesen beiden für eine Be- S. 35) beruht nur auf einem unbegründeten
wandtnis hat). Den Gottheiten Sp. 145 Z. 72 ff. Emendationsversuche des G othofredus bei Ter-
wird die Libitina beigesellt (Ambrosch Heft 2 tso tull. ad nat. 2, 15 (Sp. 146, 16 ff.) , ein Hono-
S. 238 = Abdr. S. 18. Preller S. 220. Bouchc- rinus (Ambrosch Heft 2 S. 244 = Abdr. S. 24.
Leclercq S. 35. Marquardt S. 15), die jedoch Preller S. 222. Bouche-Leclercq S. 38) auf
als eine allgemein verehrte Todesgöttin (s. schlechter handschriftlicher Überlieferung bei
Preller, B. M.3 1 S. 440) keiu Indiges ist. Die August. 4, 21 (anstatt Honor, Sp. 145, 44 ff).
Reihe der dii agrestes (Reihe c Sp. 145 f.) wird Es leuchtet ein, dafs Götterreihen mit derartigen
um folgende Gottheiten bereichert: cLes giands Zuthaten wenig dazu geeignet sind, ein richtiges
noms de Tellus Mater, de Ceres, de Saturnus, Bild von dem wahren Zustande der überlieferten
et d'Ops . . . ouvrent la serie des divinites lndigetenreihen und -gruppen zu vermitteln.
181 Indigitamenta (allgem. Unters.! Indigitamenta (allgem. Unters.) 182
Eine besondere Besprechung erfordert eine ruular vereinigt finden' [?], fehlen, ist unrichtig;
Anzahl von Indigetes, welche in Verbindung der Flamen ruft überhaupt keine 'Saatgottheiten'
mit bestimmten priesterlichen Opfern genannt an); der Pontifes nennt in seinem Gebete zwei
werden und deswegen nicht ohne weiteres Indigetes, von welchen der eine (Altor) durch
zu den Reihen und Gruppen gestellt werden seinen Namen deutlich als Nahrungspender
konnten: bezeichnet ist; die Arvalen richten ihre Opfer
1) Interpol. Serv. georg. 1,21 im Anschlufs an vier Indigetes, welche der Entfernung der
an die Sp. 129 f. mitgeteilten Angaben des Ser- Bäume und gewissen Verrichtungen bei derVer-
vius: Fabius Pictor hos cleos enumcrat, quos nichtung derselben vorstehen (s. über die Bedeu-
invocat flamen sacrum cereale faciens Telluri 10 tung der einzelnen Gottheiten Abschn. 2 s.w.).
et Cereri: Vervactorem, Redaratorem (so Mar- Hiermit ist das Sp. 171, 8 ff. erwähnte Opfer
quardt, Staatsverio. 3 2 S. 8 mit Salmasius ; an den Carmentalia zu verbinden, bei welchem
überliefert ist Reparatorem, Mommsen in Ann. die Priester neben Carmenta die Porrima und
d. inst. 20, 1848 S. 428 und Unterital. Dial. Postverta, Indigetes der verschiedenen Lage
S. 138f. Anm. 25 liest Aratorem), Inporcitorem, des Kindes bei der Geburt, anrufen (Ovid. /'.
Insitorem, Obaratorem, Occatorem, Sarritorem, 1, 631 ff. ; s. Bd. 1 Sp. 853, 4 ff.). Es ist nicht
Subruncinatorem, Messonm, Convectorem , Con- glaublich, dafs die hier angeführten Opfer die
ditorem, I'romitorem (falsche Beurteilung der einzigen waren, bei denen neben der Haupt-
Stelle bei Ambrosch, Religionsbäeher Heft 2 gottheit, welcher das Opfer galt, Indigetes
S. 241 = Abdr. S. 21). 20 verehrt wurden; es gab jedenfalls noch andere
2) August. 7, 23 cur ergo pontifices , ut Opfer, bei welchen das Sakralrecht die An-
ipse (d, i. Varro) indicat, additis quoque aliis rufung von Indigetes, welche sich nach dem
duobus quattuor diis faciunt rem divinum Zwecke des Opfers bestimmten, forderte. Wir
Telluri Tellumoni Altori Rusori? ("wahrschein- dürfen auf das Vorhandensein einer
lieh aus dem 16. Buche der Antiquitates ganzen Klasse von Indigetes, welche
rerum divinarum , fr. 22c bei Schwarz a. a. 0. im Gegensatz zu den oben Sp. 142ff. und
S. 491). Sp. 177f. aufgeführten, ihrer Natur nach
3) In den Arvalakten wird bei Sühnopfern, nicht nur für die priesterliche, son-
welche i. J. 183 n. Chr. wegen Entfernung dem auch für volkstümliche Verehrung
eines auf dem Giebel des Tempels der Dea 30 bestimmten Indigetes ausschliefslich
Dia gewachsenen Feigenbaumes von den Fratres bei dem priesterlichen Gottesdienst in
arvales dargebracht werden, auch ein Opfer an Anwendung kamen, sehliefsen. Diese
die Göttinnen Adolenda, Conmolanda oder nur für die Kreise der "Priester ge-
Commolenda und Deferuuda erwähnt; bei einem schaffenen Indigetes scheinen nicht
i. J. 224 n. Chr. gelegentlich d'er Entfernung in den Indigitamenta verzeichnet ge-
einiger vom Blitz getroffener Bäume aus dem wesen zu sein; da nämlich ihr Kult sich auf
Haine der Dea Dia veranstalteten Sühnopfer bestimmte 0]jfer beschränkte, zahlreiche Spuren
berichten die Akten auch von einem Opfer an aber darauf hinweisen, dafs sowohl die Ponti-
Adolenda und Coinqnenda; s. das Nähere in fices als auch die übrigen Priesterschaften
Abschn. 2 s. v. Adolenda. 40 Ritualbücher mit genauen Vorschriften und
Dafs diese neben Ceres und Tellus, Tellumo Gebeten für die einzelnen Opfer besafsen (vgl.
(vgl. August. 4,10 in ipsa terra aliud Tcrram, Marquardt, Staatsverio. 3- S. 299 f. und die
aliud Tellurem, aliud Tellumonem putant\_Antiq. vorläufigen Andeutungen des Unterzeichneten
rer. div. üb. XVI fr. f22b S. 491 Schwarz]) in seinem Quaestionum pontificalium speeimen.
und in den Arvalakten genannten Gottheiten Diss. Argentor. 18S6 S. 32), so ist es höchst
Indigetes sind, bedarf nunmehr keines beson- wahrscheinlich, dafs in diesen Ritualbüchern
deren Beweises (Marquardt , Staatsverio. 3 - bei den einzelnen Opfern auch die zu denselben
S. 19 rdie Pontifices bringen ein Opfer Telluri, gehörigen Indigetes angegeben waren. Da nun
Tellumoni, Altori, Rusori, d. h. der Erde in auch die Sp. 175 f. erwähnten Indigetes Aius
vier verschiedenen Qualitätsbeziehungen, und 50 Locutius und Rediculus Tutanus oder Tutanus
der Flamen, wenn er das sacrum Cereale an- Rediculus allem Anscheine nach Gottheiten
stellt, nimmt zwölf verschiedene Functionen waren, deren Verehrung in ihren Heiligtümern
der angerufenen Gottheit in Anspruch' [vgl. zum Staatskultus, also zu den Obliegenheiten
Ambrosch, Studien S. 63 Anm. 109. Religions- eines der staatlichen Priestertümer gehörte, so
bücher Heft 4 S. 29 = Abdr. S. 37]; s. dagegen mufs es zweifelhaft erscheinen, ob diese beiden
Sp. 174, 31 ff.; ganz willkürlich erklärt Härtung, Indigetes in den Indigitamenta enthalten waren.
Sei. d. Rom. 2 S. 128 f. die Namen der beim sa- Wir können somit nach dem Stande der
crum cereale angerufenen Gottheiten und des Überlieferung als uns bekannten In-
Sator, Nodutus und Lacturnus als Beinamen des halt der Indigitamenta mit Sicherheit
Saturnus): der Flamen ruft beim sacrum cereale 60 nur die in den Sp. 142ff. mitgeteilten
eine Reihe von Indigetes an, welche sich auf Trümmern der varronischen Götter-
die Hauptthätigkeiten des Landmannes vom reihen des 14. Buches der Antiquitates
ersten Pflügen des Brachfeldes bis zum Aus- rerum divinarum enthaltenen Indigetes
fahren der neuen Saat nach dem Einbringen mit den Ergänzungen Sp. 177f. bezeich-
der Ernte beziehen (Marquardts Auffassung nen, d. h. die zufällig erhaltenen Reste jener
S. 7 Anm. 4, dafs unter den Indigetes, die der ungeheuren Zahl von Götterwesen, welche nach
Flamen nennt, eine ganze Anzahl von rSaat- der Lehre der Pontifices über dem gesamten
gottheiten, welche ... sich in einem anderen For- Dasein eines jeden Menschen wachten. Viel-
183 Iudigitamenta (allgem. Unters.) Imligitamenta (allgem. Unters.) 184
leicht waren die Indigitarnenta in der That Morta: Gell. 3, 16, 11 Caesellius autcm Vindex
nur das, worauf die Nachrichten hindeuten, in lectionibus suis antiquis 'tria' inquit 'no-
nämlich ein unter den Händen der Pon- mina Parcaium sunt, Nona Decuma Morta' et
tifices entstandener Codes aller der- versum hune Livii, antiquissimi poetae, ponit
j enigen Indigetes, welche das Volk Ter- ex 'OSveesia 'quando dies advenitt, quem pro-
ehren sollte, mit den Anweisungen zu fata Morta est' (Liv. Od. fr. 12 Müll. fr. 12
ihrer Anrufung. Bahr.), sed homo minime malus Caesellius Mor-
Den sicheren Indigetes lassen sich mehrere tarn quasi nomen aeeepit, cum aeeipere quasi
Gottheiten anreihen, welche nur mit Wahr- Moeram deberet. Jedoch scheint es, wie schon
scheinlichkeit als Indigetes zu betrachten 10 Preller (E. M. 3 2 S. 193) vermutet hat, dafs
sind. So vor allem die Stata mater, die man von den ursprünglichen Geburtsgottheiten
Göttin, welche bei Feuersbrünsten das Feuer Nona, Decima, Parca, um dieselben den grie-
zum Stehen bringt (vgl. die Stellenangaben iu einsehen Moiren gleichzustellen, die Parca
Absehn. 2 s. v.); denn wenn Festus (S. 317 weggelassen und an ihre Stelle eine Todes-
s. v. Statae matris) angiebt, dafs ein Bild göttin Morta hinzugefügt hat, wobei der Ver-
der Göttin auf dem Forum verehrt und ihr dacht nicht ausgeschlossen ist, dafs diese
Kult erst später in die einzelnen vici über- Göttin eine gräcisierende Erfindung ist (Vor-
tragen worden sei, so scheint es, dafs die tung, Bd. d. Born. 2 S. 233 hielt Morta für
Stata mater ursprünglich eine nur bei be- eine Erdichtung des Caesellius Vindex; der
stimmten Veranlassungen verehrte Göttin, d. h. 20 von diesem angeführte Vers des Licius Andro-
ein Indiges gewesen ist, der allmählich eine nicus ist eine Übersetzung von Hom. Od. 2,
Art stehenden Kultes in den vici erhielt. 99 f. slg özs v.tv ixiv | uol-/ ölorj v.a&ilrjai
Ferner scheint die von Livius (39, 7, 8 [567/187]) zttV7}ltyio$ ftctiäroio = 3, 237 f. 19, 144f. 24,
genannte Göttin Pollentia, welche ein Bild im 134Ö; ganz unsicher ist, was Preller (B. M.s2
Circus hatte, ein von den in den Wettkämpfen S. 220 Anm. 1; vgl. dens. in Archäol. Ztg. 16,
des Ciicus Auftretenden verehrter Indiges des 185S Sp. 194 f. = Ausgeu. Aufsätze S. 306) an-
pollere gewesen zu sein, welcher der Praestitia zunehmen scheint, dafs bei Tertull. ad nat. 2,
(Sp. 143 Z. 45) und der Praestana (8p. 147, 34) 15 (Sp. 145 Z. 71fF.) unter ipsius mortis d[ea] die
zu vergleichen ist. Neben den Sterculinius Morta zu verstehen sei. Den Namen des in der
(Serv. georg. 1, 21, Sp. 129 f.) ist als ein Indiges so Altarinschrift C. I. L. 6, 3732 genannten Gottes
mit Wahrscheinlichkeit Stercutus zu stellen Verminus (Vermino \ A. Postumius. A. f. A.
(vgl. Abschn. 2 s. v. , wo auch die verschie- n. Albi(nus) | duo. vir. lege. Pluetoria, d. i.
denen überlieferten Namensformen besprochen vielleicht der Consul des Jahres 603,151; die
sind). Die Namen zweier weiteren hierher ge- Inschrift ist pnbliciert und besprochen von
hörigen Gottheiten beruhen allerdings auf Text- Lanciani im "Bull. d. comm. arcli. munic. 4,
Verbesserungen neuerer Gelehrten, die aber 1876 S. 24ff. mit Taf. 3. Fiorelli in Kotizie
jedenfalls das Richtige treffen. Bei Plaut. degli seavi 1S76 S. 25. Henzen im Bull. d. inst.
Pseud. 1100 nämlich schrieb Berg!:: ut det no- 1876 S. 85f.) bringt Lanciani (a. a. O.) mit
men ad Molas coloniam statt der gewöhnlichen vermina (Fest. S. 375 vermina dieuntur dolores
Lesung ad molas coloniam (s. Abschn. 2 s. v.); 40 corporis cum quodam minuto motu, quasi a ver-
die Göttin Mola, der Indiges der Mühlen, stellt mibus scindatur) und verminatio (bei Plin.
sich dem Lateranus und den verwandten Gott- n. h. 28, 180. 30, 144 eine Krankheit des Viehes,
heiten der Gruppe d (Sp. 146, 15 ff. und Sp. wohl Würmerkrankheit) zusammen, stellt den
14S, 26 ff.) an die Seite. Das Fragment von Gott zu den dii agrestes der Indigitamenten-
Varros menippeischer Satire S-niciuaxia bei gottheiten (Reihe c Sp. 145f.) und vermutet,
Gell. 13, 23,4 (fr. 1 S. 219 Riese) hat Mommsen dafs ein häufiges Auftreten jener Krankheit
folgendermafsen hergestellt ted Anna Pcrenna, die Veranlassung zu der Dedikation eines
Panda Ctla, te (die besseren Hss. bieten panda Altars gegeben habe. Ob diese von Henzen
te lato, pandate lato und pandatelato, die (im Bull. a. a. O. und im CLL. z. d. Inschr.)
schlechteren Panda Celato) Pales \ Nerienes et 50 beifällig aufgenommenen Vermutungen das
Minerva, Fortuna ac Ceres (vgl. das Nähere Richtige treffen, bleibt dahingestellt. Ebenso
Absehn. 2 s. v. Panda nr. 2). Panda ist schon ist es nicht sicher zu entscheiden, ob Am-
ob. Sp. 141, 7 f. 148, 40 ff. als Name eines Indiges brosch (Eeligionsbücher Heft 4 S. 32 = Abdr.
aus Arnob. 4, 3 angeführt werden; der durch S. 40), Bouche'-Leelereq (Lcs Pontifcs S. 48) und
Mommsen hergestellte Name C'ela (von celare), Marquardt (Staatsverw. 3- S. 19) recht haben,
der das Gegenteil von Panda (von pandere) wenn sie bei Serv. Aen. 8, 63 stringentem ripas]
ausdrückt, ist entweder der Name eines be- rudentein, inminuentem; nain hoc est Tiberini
sonderen Indiges, der mit Panda zusammen fluminis proprium, adeo ut ab antiquis Bumon
genannt wird, oder, was wahrscheinlicher und dictus sit, quasi ripas rwuinans et exedens (vgl.
auch Moinmsens Annahme ist, Panda Cela be- 60 8, 90 nam, ut supra di.ximus, Bumon dictus
zeichnet einen ludiges (über die Doppelnamen est), in sacris etiam Serra dicebatur, unde ait
von Indigetes s. Sp. 186), der wohl zu den nunc 'et pinguia eulta secantem' und bei dem
dii agrestes, wie sie die Hauptgiuppe der Itderpol. Serv. Aen. 8, 95 Tiberim libri augu-
Reihe c (Sp. 146, 10 — 12) enthält, gehört (s. rum Colubrum loquuntur, tamquam flexuosum
darüber Abschn. 2 s. v. Panda nr. 2). in den Namen Rumon, Serra und Coluber
Viel ungewisser ist es, ob folgende Gott- selbständige 'Qualitätsbestimmungen' des Flufs-
heiten hierher zu stellen sind. Den Eindruck gottes des Tiber, also selbständige Götter, er-
eines Indiges macht an und für sich die Göttin kennen (Ambrosch a. a. 0. Scheiffele in Paulys
185 Indigitamenta (allgeru. Unters.) Indigitamenta (allgern. Unters. 1 186
Realencycl. 6,2 S. 1704 s. v. Terentus. Bouche- diva mater verbunden gewesen seien, gewinnt
Jjeelercq und Marquardt a. aa. 00. stellen hier- durch die Beobachtung, dafs Varro in dem
zu nach Serv. Aen. 8, 63 noch den Namen Fragmente aus dem Catus de liberis educandis
Terentus, doch lautet die betreffende Stelle bei Non. S. 532 s.v. Statilinum (Sp. ISO, 52ff.)
nach der Überlieferung in aliqua etiam urbis von dem divus Fabulinus spricht (vgl. die Be-
parte Tarentum dicitur eo quod ripas terat). Zeichnung der Edulia, Potica und Cuba als
Preller (R. M.3 2 S. 132) hält jene Namen divae eclendi et potandi et cubandi in dem Sp.
für Beinamen des Tiberinus; waren sie dies 142, 19ff. mitgeteilten Fragmente einer Schrift
jedoch nicht, so sind sie nach dem Sp. 166, 40 ff. Varros und die jedenfalls aus Varro unver-
u. 174, 31 ff. Gesagten als Namen von Indigetes, 10 ändert herübergenommenen diva Iana bei
welche sich auf das verschiedene Wirken (Ru- Tertull. ad nat. 2, 15, diva Educa bei August.
mon, Serra) des Tiberflusses oder seine Gestalt 4, 11, diva Fructesea bei August. 4, 21, diva
(Coluber) beziehen, zu erklären (Rumon be- Potina bei August. 4, 11, diva Rumina bei
deutet aber wohl nicht ripas ruminans et exe- August. 4, 11) und in den Auszügen aus Varros
dens, sondern nach Preller a. a. 0. wie der 14. Buche der Antiquität es rerum divinarum
Name des Flusses Almo cder Nährende' [vgl. bei August. 4, 21 von Catins pater und 6, 9
Rumina] , s. auch Vaniecl; , Etijm. Wörterb. von deus pater Subigus und dea mater Prema
der latein. Sprache- S. 342; Gr.-lat. etym. (vgl. die Stata mater) die Rede ist, anWahr-
Würterb. 2 S. 1212 und über andere Ablei- scheinlichkeit (vgl. über die Benennung römi-
tungen z. B. Corssen, Krit. Beitr. zur lat. 20 scher Gottheiten als pater und mater Preller.
Formenl. S. 427. Ausspr* 1 S. 364. 2 S. 85 R. M.s 1 S. 55f. A. Zinsoio , Der Vaterbegriff
Anm. S. 169. 1012. Jordan, Topogr. d. Stadt bei den rö'm. Gottheiten. Progr. Pyritz 1887).
Rom 1, 1 S. 197 Anm. 76; Serra ist der das Ob diese divi patres und divi matres zu Götter-
anliegende Land nach Art einer Säge bear- paaren verbunden waren, wie Bouche- Leclercq
beitende). Zweifel anderer Art, als bei den (Sp. 162) annimmt, ist nicht zu entscheiden,
im Vorstehenden genannten Gottheiten, lassen Eine Eigentümlichkeit einiger Indigetes
es fraglich erscheinen, ob Anibrosch (Religions- ist der Doppelname, welchen sie führen: Aius
Melier Heft 2 S. 243 = Abdr. S. 23) und Mar- Locutius, Mutunus Tutunus, Panda Cela, Redi-
quardt (Staatsverw. 3ä S. 18) den Vaticanus, eulus Tutanus oder Tutanus Rediculus, Vica
den deus praeses des ager Vaticanus {Gell. 16, so Pota (die Bedeutung der Namen s. in Abschn. 2
17; Sp. 138, 48 ff.), und den Gott Aventinus s. vv.). Eigentlich sind es die Namen zweier
(s. Bd 1 Sp. 739 s. v. Aventinus nr. 1, wo je- zu einer Einheit verschmolzenen Indigetes;
doch sowohl Varro l. I. 5, 43 als auch die entweder sind zwei Namen verbunden, welche
einzige Stelle, in welcher von einem Gotte synonyme oder nahezu synonyme Ausdrücke
Aventinus die Rede ist, fehlt: August. 18, 21 für ein und denselben, dem doppelnamigen
Aventinus autem [der Albanerkönig] . . . cum Götterwesen zu Grunde liegenden Begriff sind
esset prostratus in bello et sepultus in co monte, (Aius Locutius, Vica Pota); oder die beiden
qici etiam nunc eius nomine nuneupatur, deorum Namen bezeichnen verschiedene, aber innerlich
tedium, quales sibi faciebant, numero est additus. irgendwie verwandte Begriffe (Rediculus Tu-
alii sane noluerunt eum in proelio scribere occi- 10 tanus oder Tutanus Rediculus); oder endlich
sum, sed non comparuisse dixerunt) mit Recht die verbundenen Namen drücken entgegen-
unter die Indigitamentengottheiten gestellt gesetzte Begriffe aus (Mutunus Tutunus?, Panda
haben. Beide sind zwar Gottheiten bestimmter Cela; vgl. hierzu die ähnliche Vereinigung von
Örtlichkeiten (falls der Aventinus nicht ganz Gegensätzen in der Genita Mana [Bd. 1 Sp.
und gar eine Erdichtung ist), aber doch von 1612]).
Indigetes wie Ingatinus, Montinus u. s. w. ganz- Die Indigetes gehören nach dem Sp. 167, 32 ff.,
lieh verschieden; überdies seheint das Beispiel 174, 31 ff. u. 182, 23 ff. Gesagten zu den dii publici
der diva Palatua, der alten Schutzgöttin des populi P^omani (vgl. August. 4, 16 ... cum
Palatiums, die sogar ihren eigenen Flamen cleos singulos singulis rebus et paene singulis
und ihr eigenes Opfer hatte (s. Härtung, Reh 50 motibus attribuerent . . . his Omnibus diis et
d. Rom. 2 S. 150. Preller , R. M.3 1 S. 414. deabus publica sacra facere suscepierunt). Eine
Marquardt, Staatsverw. 3 2 S. 190. 327 Anm. 6), ganze Anzahl der uns bekannten Iudigetes
zu beweisen, dafs die Vorstellung derartiger hatte ihre eigenen sacella oder arae und
Ortsgottheiten der altrömischen Religion über- mithin auch wohl gewisse sacra: Aius Locu-
haupt angehört. Es mag also unentschieden tius, Mutunus Tutunus, Nenia, Orbona, Post-
bleiben, ob Vaticanus und Aventinus als In- verta (ara) , Prorsa (ara), Rediculus Tutanus
digetes zu betrachten sind. oder Tutanus Rediculus, Rumina, Stercutus
Bezüglich der inneren Einrichtung der In- (ara), Strenia, Tutilina {Tutilinne loca auf dem
digitamenta ist Sp. 169 vermutet worden, dafs Aventinus, Varro l. I. 5, 163), Vica Pota, Viduus,
die Indigetes darin nach sachlichen Gesichts- CO Viriplaea, Volupia (s. Abschn. 2 s. vv.); natür-
punkten angeordnet waren. Die auf die Stelle lieh wird man nicht annehmen, dafs dies die
August. 7, 3 unde dicit etiam ipse Varro, quod einzigen Indigetes waren, welche Heiligtümer
diis quibusdam patribus et deabus matribus besafsen. Von einigen Indigetes ist es sogar
sicut hominibus ignobilitas aeeidisset gegrün- überliefert, dafs sie bildlich dargestellt wurden:
dete ansprechende Vermutung Prellers (Sp. 159; Messia, Mutunus Tutunus, Pollentia, Segesta,
vgl. R. M.3 2 S. 207) und Bouche- Leclercqs (Segetia?), Seia, Stata mater, Tutilina (siehe
(Sp. 162), dafs die Götternamen in den Indi- Abschn. 2 s. vv. ; man kann Ambrosch nicht
gitamenta mit den Zusätzen divus pater und beistimmen, wenn er Religionsbücher Heft 2
187 Indigitamenta (allgem. Unters.) Indigitamenta (Abeona — Adolenda) 188
S. 245 = Abdr. S. 25 meint, dafs nur solche und Bildung der Namen beschränken sich in
Indigetes, welche mit einigermaßen analogen den meisten Fällen auf Graßmann, Die ita-
Gottheiten der Griechen sieh -vergleichen Tischen Güttemamen. Ente Abhandlung, in
liefsen, in Bildern dargestellt wurden; dies Zeitschrift für vergl. Sprachforsch. 16, 1807
pafst unter den vorstehenden Gottheiten nur S. 101 ff. und die einschlägigen Werke von
auf Mutunus Tutunus, insofern derselbe dem Corsseu und Vanicek (wo weitere Litteratur-
Priapus entspricht, während eine Messia u. s. w. angaben); nur bei einigen Indigetes erschien
ohne jede nähere Analogie in der griechischen es nützlich, mehr Litteratm' anzuführen.
Religion sind; aus Lnctant. inst. die. 1, 20, Abeona die Göttin, welche die Kinder bei
36 f. colitur . . . et Cunina, quae tnfantes tuetur io ihren ersten Gängen aus dem Hause (abire) be-
in cuiiis ac fascinum submovel , et Stercutus, schützt, Tertull. ad hat. 2, 11. August. 4,21. 7, 3.
qui sterccrandi agri rationein primus induxit, Sp. 143 144 Z. 34. 35. Falsche Auffassung der
et Tutinus, in cuius sinu pudendo nubentes Göttin bei Härtung, Fiel. d. Rom. 2 S. 71 und
praesident . . . et mille alia portenta, ut iam in Pautys licalencycl. 1, 1 S. 12 s. v. Abeona;
vaniores qui haec colencla suseeperint quam auch Prelltrs Erklärung (Fl. 3F.'S 2 S. 212), dafs
Aegyptios esse dicamus, qui monstruosa et ridi- Abeona und Adeona (s. d.) die Beschützerinnen
cula quaedam simulacra venerantur. et haec der Kinder bei den ersten Laufversuchen 'mit
tarnen habent dliquam imoginem ist nicht mit dem bekannten Ab- und Zulauf zwischen zwei
Ambrosch a. a 0. Anm. 132 zu entnehmen, Paaren schützender Arme' sind (so auch
dafs auch Cunina ihr Bild hatte, denn der 20 Georges, Latein.- deutsches Handwörterb. s. v.
Satz et haec . . . imaginem bezieht sich, wie Abeona. Marquardt, Siaotsveric. 3- S. 13 f.
der ganze Zusammenhang zeigt, auf das in Bouche'-Feclercq, Les Pontifes S. 33 und Eoschtr
§ 37 ff. angeführte Beispiel des unter dem Bd. 1 Sp. 3 s. v. Abeona und Sp. 67 s. v.
Bilde eines Steines verehrten Gottes Terminus). Adeona), ist in den Angaben der Kirchenväter
Einzelne Indigetes erscheinen mit sagen- nicht begründet (vgl. die bei Iterduca mit-
artigen Zügen ausgestattet: Aescolanus, Ar- geteilte Stelle August. 7, 3). Zum Namen vgl.
gentinus, Cardea, Mena, Panda vel Pantica, Grafsmann S. 111 m\ 12.
Pieumnus, Pilumnus, Porrima, Fostverta, Prae- Adeona die Göttin, welche die Rückkehr
stana, Stercutus, Venilia. Bei dem Ursprünge (adire) der Kinder bei ihren ersten Gängen aus
und Wesen der Indigetes (Sp. 174, 31 ff.) wird man so dem Hause beschützt, August. 4, 21. 7,3; bei
von vornherein keine echte Sugenbilduug er- TtrtuUian. ad ' nat. 2, 11 statuendi infantis Sta-
warten; das wenige Vorhandene ist als Er- [tina. adeundi Adeona, ab abeunfdo Abeona est
Zeugnis gelehrter Erdichtung, zum Teil ätio- von Ohler (nach Gothofredus1 Vorgang) mit
logischer Richtung, leicht zu erkennen (vgl. Sicherheit ergänzt. Sp. 143 144 Z. 34. 35. Falsche
das Nähere in Abschn. 2 s. vv.). Auffassung der Göttin bei Härtung, Bei. d.
Schliefslich sei eine Angabe des Serv. Aen. Fiöm. 2 S. 71 und in Paulys Ftealencycl. 1, 1
7, 678 erwähnt, welche von praenestinischen S. 12 s. v. Abeona; über Prellers u. s. w. Er-
Indigetes berichtet: ibi (d. i. in Praeneste) erant klärung s. Abeona. Zum Namen vgl. Graßmann
/ (Ditiftces et dii Fndigetes, sicut ctiam Eomae. S. 111 nr. 12.
Aller Wahrscheinlichkeit nach ist aber hier in Adolenda. Nach den Arvalakten (Henzen,
der Name Indigetes nicht in der Bedeutung, Acta f rat r. anal. S. CLXXXVI f. = C. I. L. 6, 1
welche die vorliegende Untersuchung festge- S. 560) bringt am 8. Februar des Jahres 183
stellt hat, sondern in einer der den Alten ge- n. Chr. der Magister der Arvalen operis in-
läufigen, Sp. 132 ff. mitgeteilten Erklärungs- chuandi causa, quod in fastigio aedis Deae Diae
weisen gebraucht, so dafs die Stelle einen ficusinnata esset, eruendam et aedem reficiendam
Schlufs auf das Vorhandensein wirklicher In- im Haine der Dea Dia ein Opfer von suove-
digetes in Praeneste nicht gestattet. Der taurilia maiora und opfert beim Tempel der
gleiche Verdacht trifft die Inschrift C. F. L. Göttin folgenden Gottheiten: Dea Dia, Ianus
10, 5779 aus Caereatae Marianae (Casamare): pater, Iuppiter, Mars, Iuno Deae Diae, sive
C. Galvisio L. Passieno cos (750,4) M. Menius 50 deus sive dea, Virgines divae, Famuli divi,
M. f. Flufus [s]ac(erdos?) VF F. Vibidius L. Lar'es, Mater Larum, sive deus sive dea in
f. sac(erdos?) FF Fovi aerfijs et dis Fndigeti- cuius tutela hie lucus locusve est, Föns, Flora,
bu[s] cum aediclfa] et base [et aejdi et por- Vesta, Vesta mater; dann heilst es itefm]
ticu d s [.] {Mommscn z. d. Inschr.: cnon con- Adolendae Conmolandae Deferundae
stat, utrum vere intellegatur Fupiter acris an oves FF. Am 13. Mai opfert der Magister operis
aliud quoddam cognomen subsit'). perfecti causa, quod arboris eruendae et aedis
2) Alphabetisches Verzeichnis der In- refeetae, im Haine wieder suovetaurilia maiora
digetes. Die Namen der Sp. 177 f. mit Sicher- und beim Tempel denselben Gottheiten, wie
heit den Indigetes zugezählten Götter sind mit vorher angegeben, item Adolendae Com-
* versehen; mit ? sind diejenigen Gottheiten «0 molendae Defc rundae oves FF. Nach einem
bezeichnet, welche Sp. 183 mit Wahrscheinlich- Fragmente der Akten vom Jahre 218 (Henzen
keit als Indigetes erklärt werden; bei den mit S. CCII = C. F. L. 6. 1 S. 568) wurde, wie das
V? bezeichneten, Sp. 183 ff. besprochenen Göttern Fragment erkennen läfst, in diesem Jahre eine
ist es ungewifs, ob sie als Indigetes zu be- gleiche Feier, vermutlich aus derselben oder
trachten sind. Bei den einzelnen Göttern ist einer ähnlichen Veranlassung, veranstaltet; die
auf die für sie in Betracht kommenden Stellen Namen der Adolenda, Commoleuda und Defe-
der allgemeinen Untersuchungen verwiesen. runda sind nicht erhalten, die Göttinnen waren
Die Litteraturnachweise für die Etymologie aber wahrscheinlich genannt (s. die Ergänzungen
189 Indigitam enta (Adolenda) Indigitamenta (Aescolanus — Agonius) 190
bei Hennen und im C. I. L. S. 569). Im Jahre 224 vernichtende genannt werden ' (! ? S. 48) hat
opfern nach den Akten (Hensen S. CCXIII ff. den Unterzeichneten in keiner Weise überzeugt.
= CLL. 6,1 S. 574) die Arvalen im Haine Der Name Adolenda ist, wie die anderen
quod vi tenipestat(is) ictu fuhnin(is) arbor(es) auf dieselbe Weise gebildeten Indigetennamen
sacrft) l(uci) D(eae) JD(iae) attact(ae) arduer(int), (aufser den im Vorstehenden genannten Göt-
ear(um)q(ue) arborfum) eruendar(um), ferr(o) tinnen noch Afferenda), mit dem gerundivischen
[f 'Jendendar(um) adolendar(um) commolenelet- Doppelsuffix -un du, -en-da, urapr. -an-da ge-
r(am), item aliar(um) restüuendar(um) causa bildet (vgl. über diese Bildungen Corssen, Krit.
operisqfue) irtcfhjoandi arafsj temporal(es) sa- Beitr. zur lat. Formenlehre S. 125 f. Krit. Naeh-
cr(as) D(eae) Dfiae) reficiendfi) ein Sühn- 10 träge z. lat. Formenl. S. 139. 150. Ausspr. 22
Opfer von suovetaurilia inaiora, ferner vor S. 181. Beiträge zur ital. Sprachlcunde S. 595 f.
dem Tempel der Dea Dia der Göttin selbst A. Dohrvng, Die Etymologie der sogenannten
und an den arae temporales den Gottheiten Gerundivformen. Progr.d.Friedriclis-Kollegiums
Ianus pater, Iuppiter, Mars pater TJltor, in Königsb. i. Pr. 1888, besonders S. 5), und
sive deus sive dea, Iuno Deae Diae, Vir- zwar von adolere verbrennen (vgl. über ado-
gines divae, Famuli divi, Lares, Mater La- lere die in den Lexika aus der Litteratur an-
rurn, Föns, Flora, Summanus pater, Vesta geführten Stellen und Kon. S. 58 a. v. adolere,
mater, Vesta deorum dearumque; dann heifst S. 247 s. v. adolere. Serv. Aen. 1, 704. buc. 8, 65
es item Adolend(ae) Coinq/uendae) ov(es) = Lactant. Piaeid. Stat. Theb. 1, 514; Hennen
IL Am 10. Dezember opfern sie eßwd ab ictu 20 S. 142. Vemicelc, Etyni. Wörterb. d. lat. Sp»:3
fulminis arbores luci sacri D(eae) D(iae) attaetae S. 28. Grieeh.-lat. etym. Wörterb. 1 S. 53; die
arduerint, earumq(ue) arborum aelolefactarum von Corssen, Krit. Beitr. S. 125 f., S. Bugge in
et coinquendarum , et [quod] in eo luco sacro K. Jhrb. f. Ph. 105, 1872 S. 107 und Vanicek,
aliexe sint rcposüae et eirae iemporal(es) refeetae, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 21 und Griech.-
ferri effer(endi), flijuius oper(is) perfecti causa lat. etym. Wörterb. 1 S. 44 nach Corssen auf-
lustrum missum suovetaurüibfusj maioribus et gestellte Deutung der Adolenda als Göttin des
cetera q(uae) sfupra). Die Bedeutung der bei Wachstums der Bäume [also von adolere =
diesen aufsergewöhnlichen Opfern angerufenen adolescere] ist nach den klaren Angaben der
Göttinnen Adolenda, Commolenda, Deferunda Akten sicher falsch).
und Coinquenda ergiebt sich aus den Akten so Aescolanus (so Dombart mit den besseren
mit voller Sicherheit von selbst. Bei dem Opfer Handschriften , Aesculanua die Vulgata) der
des Jahres. 183 war der auf dem Tempel ge- Gott des Kupfergeldes (aes), August. 4, 21. 28.
waehsene Feigenbaum herabzunehmen (deferre), Sp. 145, 39 ff. ; vgl.Sp. 176, 26 ff. An beiden Stellen
zu zerstücken (commolere) und zu verbrennen wird er von Augustinus Vater dea Argentinus
(adolere); bei dem Opfer des Jahres 224 waren (s. d.) genannt (4,21 mit der Bemerkung nam
die vom Blitz getroffenen Bäume zu verputzen ieleo patrem Argentini Aescolanum posuerunt,
(coinquere) oder ebenfalls zu verbrennen: diesen quia prius aerea peeunia in usu esse coepit,
Handlungen standen also die Göttinnen Defe- post argentea); vgl.hierzuSp.l87,25ff. IrrigeAn-
runda, Commolenda, Adolenda, Coinquenda vor; sichten über Aescolanus bei Klausen, Aeneas
vgl. Preller, B. M.3 2 S. 228. Henzen S. 147 f. 40 u. die Penaten 2 S. 1001. Alte Abhandlung
H. Olelenberg, De sacris Fredrum aroalium quae- über den Gott: J. G. Bidermann, De Aeseulano
stiones. Diss. Berol. 1875 S. 45 f. H. Jordan, fodinarum metedlicetrum deo, in dessen Otia
Krit. Beiträge zur Gesch. d. lat. Sprache. Berl. lüteraria varii argumenta Pars 1. Lips. 1751
1879 S. 279 ff. (über Coinquenda, Commolenda, S. 25S ff. Zum Namen vgl. Grafsmann S. 111
Deferunda s. weiterhin s.w.). Marini (Gli atti nr. 11.
e monumenti de' fratelli Arvali. Roma 1795 Afferenda die Göttin, welche dem Zu-
S. 381 f.) erkannte zuerst in Adolenda u. s. w. bringen der Mitgift vorsteht {Afferenela est ab
Gottheiten und hielt sie für Götter der Indi- afferendis dotibus), Teitull. ad not. 2, 11. Sp. 143
gitamenta; dagegen vgl. das Sp. 181 f. Gesagte. Z. 57. Ganz ungerechtfertigte Verdächtigung
Henzens Ansicht (S. 147) rbinarius victimarum 50 der Namensform bei Weisweiler in der bei
numerus ostendit de uno numine agi' ist nicht Adolenda angeführten Abhandlung S. 38 f. Zum
haltbar; Adolenda, Coinquenda, Commolenda, Namen s. Adolenda (vgl. aufser der dort an-
Deferunda sind vier selbständige Gottheiten geführten Litteratur Vanicek, Etym. Wörterb.
(s. Sp.l74,31ff.);als untergeordnete Götterwesen d. lat. Spr.'' S. 186. Griech.-lat. etym. Wörterb.
erhalten sie wie die in einer Vielheit gedachten 2 S. 601).
Famuli divi (s. Bd. 1 Sp. 1444, 38 ff.) und Vir- Agenoria. August. 4, 11 unter den Gott-
gines divae in ihrer Gesamtheit nur zwei Opfer- heit'en des Kindesalters : . . . nuneupetur . . . de
tiere (vgl. auch Oldenberg a. a. 0.). Der Versuch aetu Agenoria; 4,16. Thesaur. nov. latinitalis
J. Weisweilers (Zur Erklärung der Arralaeten, bei Mai, Class. Auct. 8 S. 50: Agenoria dea
in N. Jahrb. f. Ph. 139, 1889 S. 37 ff.) darzu- eo ageneli (darauf folgt die unbrauchbare Glosse
thun, dafs die Ausdrücke adolendae u. s. w. Agonalia festa Agenoriae). Sp. 143 Z. 46. In
der Arvalakten das sine), 'was sie sein müssen, Paulys Bealencycl. 1, 1 S. 541 s. v. Agenoriei
die passiven Futurparticipia der Verba, welche und bei Georges, Lat.- deutsch. Handwörterb.
die an den zu entfernenden Bäumen vorzu- s. v. Agerona ist eine nirgends überlieferte
nehmenden Handlungen bezeichnen. Sie ent- Namensform Agerona aufgeführt. Zum Namen
halten die erforderliche und . . . auch in ihrer (ag-ere) vgl.Sp. 167, 1 ff. GrafsmannS. 110 nr. 2d.
Fassung correcte Bezeichnung dieser Baumgott- * Agonius. Paul. S. 10 Ayonium . . . putei-
heiten, die dadurch als zu beseitigende und zu baut deum dici praesidentem rebus agendis. Vgl.
191 Indigitamenta (Aius Locutius)
Indigitamentä (Alemona — Antevorta) 192
Sp. 177, 52 ff. Zum Namen (ag-ere) vgl. Grafs-
mann S. 110 nr. 2 c.
Aius Locutius. Yarro in libris divinarum.
bei Gell. 16, 17, 2 (Sp. 138, 49 ff.), Cicero (de
dir. 1, 45, 101. 2, 32, (59), Livius (5, 32, 6 f. 50, 6.
52, 11) und Phitarchus (Canüll. 14. 30; de fort.
Rom. 5) erzähleu, dafs i. J. 363/391 M. Caedicius,
ein Plebejer, den Tribunen meldete, er habe
auf der Via nova in der Nähe des Vestatempels
(a luco Veitae, qui a Palatii radiee in novam 10
viam devexus est. Cic; supra aedem Veitae, Liv.)
nächtlicher Weile eine Stimme, stärker als die
eines Menschen, gehört, welche befohlen habe,
den Obrigkeiten zu melden, dafs die Gallier
anrückten (nach Cicero befahl die Stimme 'ut
muri tt portae reficerentur ; futurum esse, nisi
provisum esset, ut Borna caperetur', nach Plu-
tarchus '«)'£, Mciont Klätxis , liys ngög rot'?
cioxovzfxg eca&tv zl&cäv ol.iyov %oovov Valcitag
itQoaöf yt g&ul'); man achtete indes nicht auf 20
diese Warnung. Nach der Niederlage der Römer
durch die Gallier jedoch wurde i. J. 364/390
die Sache im Senat zur Sprache gebracht und
(jedenfalls auf Geheifs der Pontifices; 'iussum-
que' Liv.) zur Siihnung des begangenen Frevels
von Camillus bei der Via nova an der Stelle,
wo die Stimme gehört worden war (infima
nova via, Varro), dem Aius Locutius ein Altar
(Yarro, Cic.) oder ein kleines Heiligtum (tem-
plum Liv., vicäg Flut., beide offenbar in un- 30
genauer Ausdrucksweise) errichtet (über die
Lage vgl. Ambrosch, Studien S. 124. Becker,
Topogr. S. 244 f. 0. Gilbert. Geschichte und
Topogr. d. Stadt Born 2 S. 115 Anm.; 3 S. 422 f.
Anm. 1. 0. Richter in Baumeisters Denkmal, d.
Mass. Altert. 3 S. 1485, in Müllers Handb. d.
läass. Altertums- Wiss. 3 S. 828 f.). Cicero nennt
den Gott Aius Loquens; dafs aber Aius Locu-
tius der richtige Name ist, geht aufser den
oben angeführten Stellen des Livius 5, 50, 6. 10
52, 11 aus Arnob. 1, 28 hervor, der den Gott
ebenfalls Aius Locutius nennt; Yarro spricht
ungenau nur von Aius. Phitarchus übersetzt
den Namen mit $>)uri v.ai KXrjäär. In der
Gegend, wo man sich die infima nova via zu
denken hat, ist ('in vinea quondam Nussiner')
ein Altar von altertümlicher Form mit der In-
schrift sei. deo. sei. deivae. sac. \ C. Sextius. C.
f. Calvinus. pr | de. senati. scntentia. \ restituit
(C.L.L. 1, 632 = 6, HO; abgebildet bei Beber, 50
Die Ruinen Borns und der Campaqna. Leipz.
1863 Taf. bei S. 372, dazu S. 375), die nach
Mommsen (z. d. Inschr.) wahrscheinlich in die
Zeit Sullas zu setzen ist, gefunden worden.
Diesen Altar halten Nibby, Mommsen und
Mengen (z. d. Inschr.) für eine Erneuerung des-
jenigen Altars, der nach den angeführten Stelleu
dem Aius Locutius errichtet wurde; Mommsen
meint, dafs der Name des Aius Locutius auf
jenem alten Altar gar nicht gestanden habe, co
sondern eben die Formel sei deo sei deivae.
Dem gegenüber mufs man die Frage aufwerfen,
woher denn in die Berichte der Schriftsteller
der Name Aius Locutius hätte kommen können,
wenn nicht von den Pontifices jene nächtliche
Stimme diesem fest bestimmten Gotte, der
dann natürlich auch nur unter seinem Namen
einen Altar erhalten konnte, zugeschrieben
worden wäre. Vgl. auch Jordan in Prellers
B. M.3 1 S. 62 Anm. 1 u. Richter a. aa. 00. S. zu
Aius Locutius Sp. 175f., 182, 48 ff. und 186, 26 ff.
Zum Namen a) Aius vgl. Grafsmann S. 109
nr. 2. Corssen, Ausspr. I2 S. 306. Vaniceh, Etym.
Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 9. Grieeh.-lat. etym.
Wörterb. 1 S. 20; b) Locutius: Grafsmann a.
a. 0. Vaniceh, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.* S. 25.
Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 775. Curtius,
Grunde, d. griech. Etym.6 § 85 S. 160.
Alemona die Göttin, welche das Kind im
Mutterleibe ernährt, Tertull. de anima 37. Sp.
144 Z. 9. Zum Namen (uraltes Participium
mit ursprünglichem langen o von alere) vgl.
Grafsmann S. 112 f. nr. 15. Corssen, Ausspr. 2!
S. 171. Vaniceh, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.-
S. 21. Griech.-lat. etym. Wörterb. 1 S. 43; be-
sonders aber H. Usener, Grammat. Bemerkungen.
III. Zur Geschichte des latein. Partiapiums,
in N.Jhrb. f. Ph. 117, 1878 S. 51 ff. (daselbst
S. 53 Übersicht der Bildungsstufen: l*alümö-
nus, synk. alumnus. 2a *alemönus, Alemona.
2 b *alimönus, alimonium, alimonia. 3 *alimenus
alimen-tum; die Formen Alimona, welche z. B.
Georges, Lat.- deutsch. Handwörteib. s. v. Ale-
mona. Bouche-Leclercq, Les Pontifes S. 31, und
Alimonia, welche Marquardt, Staatsveric. 32
S. 11 auffuhrt, sind bei Tertullianus nicht über-
liefert, also ganz ohue Gewähr) und zu diesen
partizipialen Bildungen überhaupt z. B. Corssen,
Ausspr. 22 S. 170 ff. 0. Bechstein, De nominibus
latinis suffixorum ent- et mino- ope formatis in
Curtius' Studien z. griech. und lat. Gramm. 8
(1875) S. 37S ff., besonders S. 387 ff. (Alemona:
S. 388). K. Brugman in Osthoff- Brugmans
Morphol. Unters, auf d. Gebiete der indogerm.
Sprachen 2 (1879) S. 1S4 f.
Altor.JAw0Msi.7,23(Sp.l81,21ff.)cw.. ponti-
fices, ut ipse (sc. Varro) indicat, additis quoque
aliis duobus quattuor diis faciunt rem divinum,
Telluri Tellumoni Altori Busori? . . . Altori
quare? quod ex terra, inqu.it, alunlur omnia
quae natu sunt. Busori quare? quod rursus,in-
quit, euneta eodem revolvuntur. Vgl. Sp. 182, 3 ff.
Ganz falsch Paulys Benlencycl. 1, 1 S. 811 s. v.
Altor: 'Beiname des Pluto.' Die Etymologie
Varros (von alere) ist sicher richtig; vgl.
Grafsmann S. 113 f. nr. 21- Vaniceh, Etym.
Wörterb. d. lat. Spr.° S. 21. Griech.-lat. etym.
Wörterb. 1 S. 43.
'■'•'Antevorta. Macrob. Sat. 1, 7, 20 post ad
lanum solum regnum redactum est, qui creditur
geminam faciem praetidisse, ut quae ante quae-
que post tergum cssent intueretur: quod procid
dubio ad prudentiam regis sollertiamque refc-
rendum est, qui et praeterita nosset et futura
prospiecret , sicut Antevorta et Postvorta, dici-
nitatis scilicet aptissimae conütes, apud Boma-
nos coluntur. Dauach wäre Antevorta eine Art
Schicksalsgöttin, welche in die Zukunft schaut
(vgl. Marquardt, Staatsverw. 3- S. 12 Anm. 2
und weiterhin Porrima). Aber ihre Zusammen-
stellung mit Postvorta (s. d.) zeigt, dafs sie
jedenfalls wie diese ein Indiges, und zwar
einer nach vorwärts gewandten Lage des Kindes
bei der Geburt, ist (vielleicht meint dies auch
Jordan in der unklaren Bemerkung in Pfeilers
B. M.3l S. 406 Anm. 3). Vgl. Sp. 177, 33 ff. Zum
193 Indigitamenta (Arculus — Cardea) Indigitamenta (Cardea) 194
Namen (von altem ante-vortere) vgl. Grafsmann ergänzt et Carfdeam a cardijnibus; de cor. 13
ö. 108 f. nr. 1. Vanicek , Etym. Wörterb. d. ist nach Öhlers Angabe im cod. Agobardinus
lat. Spr.2 S. 274. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 überliefert Forculum et Carnam a foribus et
S. 926. cardinibus, und scorp 10 bietet der cod. Agobard.
* Arculus der Gott der Truhen und Kasten nach Reifferscheid: Barnum quendam et For-
(arcae), Paul. S. 16 s.v. Arculus. Vgl. Sp. 178, 12 ff. eulum u. s. w,; an beiden Stellen ist unbedenk-
Falsche Auffassung des Gottes bei Haltung, lieh Cardeam zu schreiben, wie schon Pamelius
Ret. d. Rom. 1 S. 59 Anm. ***) Zum Namen für scorp. 10 vorgeschlagen hat. Sp. 146, 15 ff.
vgl. Grafsmann S. 114 nr. 22. Vanicek, Etym. Die Stelle des Cyprian. qitod idola dii non
Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 25. Griech.-lat. etym. 10 sint 4: est . . . et Cardea a cardinibus u. s. w.
Wörterb. 1 S. 56. ist eine alte, aus Tertull. ad nat. 2, 15 (s. Sp.
Argentinus der Gott des Silbergeldes, 146, 16 ff.) genommene Interpolation der cypria-
August. 4, 21. 28. Sp. 145, 39 ff. An beiden nischen Schrift, s. Ascensus. Bei Ovidius
Stellen wird er von Augustinus Sohn des Aes- (/'. 6, 101 ff.) findet sich eine Erzählung von
colanus(s.d.) genannt, vgl. dazu Sp. 187, 25ff. und der Liebe des Ianus zu Carna, der spröden
zu Argentinus überhaupt Sp. 175, 52 ff. a.Corssen, Nymphe, die sich allen Bewerbern durch einen
Beiträge zur ital. Sprachsünde S. 88 ff. Zum Kunstgriff zu entziehen weifs, indem sie die-
Namen vgl. Grafsmann S. 111 nr. 13. Corssen selben auffordert, ihr in eine Grotte voranzu-
a. a. 0. Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.- gehen, -and dann hinter ihrem Rücken im Ge-
S. 27. Griech.-lat. etym. Wörterb. 1 S. 58. 20 büsch verschwindet (v. 113 ff.), bis ihr derselbe
Ascensus der Gott der allmählichen Er- bei dem doppelgesichtigen Ianus mifslingt und
hebungen des Terrains, der Bergabhänge (as- sie diesem sich hingeben mufs (v. 119 ff.), wo-
census), Tertull. ad nat. 2, 15 mit Öhlers Er- für er sie mit der Herrschaft über die Thür-
gänzung: taceo Ascensum [a scansionej. Sp. angeln betraut (v. 127 f., siehe die genauere
146, 15 ff. 37 ff. Die Stelle des Cyprian. quod Inhaltsangabe in Bd. 1 Sp. 854 f. s. v. Carna).
idola dii non sint 4: est et Scansus ab ascen- Dafs die ganze Geschichte kein 'naiv drolliges
sibus dictui et Forculus a foribus et a limini- Volksniährchen ' {Preller, B. M.a 1 S. 183), son-
bus Limentinus et Cardea a cardinibus u. s. w. dem, wie die in ihren Elementen herrschende
ist eine alte, aus Tertull. ad nat. 2, 15 (s. Sp. Verwirrung zeigt, eine Erfindung Ovids ist (vgl.
146, 16 ff.) genommene Interpolation der cypria- so Sp. 187, 25ff.), hat G. ~\}rissowa (in Piiilologische
nischen Schrift, vgl. v. Ilartel in seiner Aus- Abhandlungen. Martin Berts zum 70. Geburts-
gabe des Cyprianus Praef. S. XV ff. XVI11 und tage von ehemaligen Schulern dargebracht. Berl.
adnot. crit. zu der Stelle (S. 21). 1888 S. 164f.; vgl. dens. in Bd. 1 Sp. 854f.
??Aventinus. S. Sp. 185, 25ff. s. v. Carna) dargethan. Gemeint kann, wie
Bubona die Göttin der Rinder, August. Wissotoa ausführt, als Geliebte des Ianus nur
4, 24. 34. Sp. 146, 12 ff. Preller (R. M.3 2 S 227) Cardea sein, damit die Gottheiten der Thüren
meint, dafs Bubona durch eigene Spiele, die und der Thürangeln als Liebespaar verbunden
ludi Bubetii (Plin. n. h. 18, 12), gefeiert wurde; werden; mit dieser Cardea hat aber, wie schon
doch hat dieses alte Fest mit dem Indiges Härtung (Bei. d. Rom. 2 S. 228), Merkel (Proleg.
Bubona offenbar nichts zu thun. Zum Namen 40 zu Ovids Fast. S. CXCV) und H. Peter (in seiner
vgl. Corssen, Krit. Nachträge z. lat. Formenl. Ausgabe der Fasti la S. 244 zu v. 101 ff. und
5. 180 f. Ausspr. 1" S.116. 126. 2S S. 135. Grafs- 2'2 S. 77 f. zu v. 101 ff.) richtig erkannt haben,
mann S. 111 nr. 12. Vanicek, Etym. Wörterb. Ovidius die ganz und gar verschiedene Carna
d. lat. Spr.~ S. 86. Griech.-lat. etym. Wörterb. 1 vermengt (v. 101 prima dies tibi, Carna, datur;
S..229 f. dea cardinis haec est; darin folgen ihm z. B.
Caeculus der Gott, der den Menschen des Haakh in Paulys Beahncycl. 2 S. 148 s. v.
Augenlichts beraubt, Tertull. ad nat. 2, 15. Sp. Cardea. Preller, B. M.3 1 S. 183 2 S. 237 ff.
145 Z. 73. Terlullianus nennt den Caeculus in Vanicek, Griech-lat. etym. Wörterb. 2 S. 1098.
einer Gruppe von Todesgöttern (Viduus [s. d.], Curtius, Grands, d. grieeh. Etym.b § 39 S. 143)
Caeculus, Orbana [s. d.], ipsius mortis clfeaj); 50 und zum Überflufs noch einen dritten Namen
daher wird als Funktion desselben nicht sowohl Crane (von ngciviia) eingeführt, den Merkel
das Erblinden, als vielmehr das Erlöschen des (Proleg. a. a. 0.) mit Recht für seine Erfindung
Augenlichts am Lebensende zu betrachten sein. erklärt. Wenn nun Oeidius nur das Märchen
Mit Caeculus, dem Gründer von Praeneste von Ianus und Cardea fälschlich am Feste der
(Bd. 1 Sp. 843 f.), hat dieser Gott natürlich Carna erzählte, so könnte man, wie Wissowa
nichts als den Namen gemein. Zum Namen hervorhebt, das für ein leichtes Versehen seiner-
vgl. Grafsmann S. 114 nr. 22. Vanicek, Etym. seits halten und immerhin glauben, dafs die
Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 65. Griech.-lat. etym. Erzählung selbst auf älterer Überlieferung be-
Wörterb. 2 S. 1056. ruhe. Aber diese Annahme wird unmöglich
Candelifera. Tertull. ad nat. 2, 11 Cande- 60 gemacht durch die Thatsache, dafs in der Er-
lifera, quoniam ad candelae lumina pariebant Zählung selbst fortwährend Züge, die der Carna
(vgl. hierzu Preller, R. M.3 2 S. 208. Bd. 1 zukommen (z. B. v. 131 ff. die Angabe, dafs
Sp. 850 s. v. Candelifera). Sp. 143 Z. 13. Die die Göttin die striges, welche den Kindern das
Namenbildung ist klar (candela, ferre). Blut aussaugen, abwehre; vgl. Marquardt,
Cardea die Göttin der Thürangeln (cardc), Staatsverio. 32 S. 13 Anm. 9 und mehr bei
Tertull. de idol. 15. August. 4, 8. 6, 7. An diesen H. Peter a. a. 0. 22 S. 77 f.), mit solchen, welche
Stellen ist Cardea überliefert; demgemäfs hat nur auf Cardea passen (wenn Ovidius die Göttin
bei Tertull. ad nat. 2, 15 Gothofredus richtig Carna zu Abwehrung der striges Beschwörungen
Koscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol II. 7
195 Indigitarnenta (Catius — Comniolenda)
au den postes, den limina und den acutus vor-
nehmen läfst [v. 155 ff.], so hat er dabei, wie
Peter [S. 78] mit Recht annimmt, ohne Zweifel
an Cardea gedacht), vermengt werden; es mui's
sich also bereits der Erfinder der Erzählung
über die Verschiedenheit der beiden Gottheiten
nicht mehr klar gewesen sein, was bei Ovidius
ebenso natürlich, wie in einer Volkssage un-
möglich ist. Zum Namen vgl. Grafsmann
S. 110 nr. 3 (sowohl die S. 109 nr. 1 angeführte,
auch bei Georges, Lat.- deutsch. Handicörterb.
s. v. Cardea sich findende Form Carda als auch
die Form Cardinea S. 110 nr. 3 existiert nicht).
Curtius, Grundz. d. grieeli. Etym.'0 a. a. 0.
Catius pater qui catos id est acutos face-
ret, August. 4, 21. Sp. 147, 20 ff.; zur Bezeich-
nung pater s. Sp. 185, 61 ff. Zum Namen vgl.
Grafsmann S. 109 nr. 2. Vanicek, JStym,
Wörtei-b. d. lat. Sp;-.2 S. 65. Griech.-lat. etym.
Wörterb. 1 S. 98.
? Cela s. Panda nr. 2.
Cinxia ist bei Arndb. 3, 25 Name eines
Indiges: superest ... cingulorum Cinxia repli-
cationi. Sp. 147, 35ff. Vgl. Sp. 172ffi, wo aus-
geführt wird, dafs der Indiges Cinxia von
Iuno Cinxia verschieden ist. S. Preller, B. 3I.S
2 S. 218 und Iuno.
Clivicola die Göttin der an den Bergen
hinaufführenden clivi, Tertull. ad nat. 2, 15
(acc. Clivicolam Bigaltius, leuico iam cod.
Agobard). Sp. 146, 15 ff. 37 ff. Zum Namen
(clivus, colere) vgl. Grafsmann S. 108 nr. 1.
Coinquenda die Göttin des Verputzens,
Verschneidens (coinquere) der Bäume, welche
von den Arvalen bei einem i. J. 224 n. Chr.
wegen Entfernung vom Blitz getroffener Bäume
aus dem heiligen Haine der Dea Dia darge-
brachten Opfer verehrt wird , s. das Nähere
und die Litteratur bei Adolenda. Es scheinen,
wie Semen (Acta fratrum arvalium S. 142)
hervorhebt, bei dieser Gelegenheit nicht alle
vom Blitz getroffenen Bäume entfernt und
verbrannt, sondern von denjenigen, die weniger
gelitten hatten, nur die beschädigten Teile
entfernt, also die Bäume verputzt worden zu
sein. Über die Bedeutuug des dem Namen der
Göttin (Bildung wie bei Adolenda) zu Grunde
liegenden coinquere (auch coinquire) s. Treba-
tius de religionibus libro septimo (fr. 5 S. 100
Huschke4) bei dem Interpol. Serv. Aen. 11, 316.
Paul. S. 64 s.v. coninquere. S. 65 s. v. coinquere;
Corssen, Krit. Beiträge z. lat. Formen!. S. 126.
Ausspir. 2S S. 181. Beiträge zur ital. Sprach-
kunde S. 595. BLtnzen S. 22. 142. Jordan, Krit.
Btitr. z. Gesch. d. lat. Spr. S. 279 ff. und in
Prellers B. M.a 2 S. 32 Anm. 1.
Collatina die Göttin der colles, August.
4, 8. Sp. 145, 54 ff. Härtung, Bei. d. Böm. 2
5. 86 Anm. *): 'Durch Verwechselung ist' bei
Augustinus cdie Hügelgöttin Collatia für Col-
lina genannt' (!).
?? Coluber. S. Sp. 184, 51 ff.
Commolenda oder Conmolanda die
Göttin des Zermalmens der Bäume, welche. die
Arvalen bei einem i. J. 183 n. Chr. wegen Ent-
fernung eines auf dem Tempel der Dea Dia
gewachsenen Feigenbaumes dargebrachten
Opfer verehren, s. das Nähere und die Litte-
Indigitamenta (Conditor — Decima) 196
ratur bei Adolenda. Die Arvalakten bieten
einmal die Form Conmolanda und einmal
Commolenda. Der Name ist von commolere
(Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.' S. 213.
Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 709 f.) gebildet
wie Adolenda von adolere, s. Adolenda.
Conditor der Gott des Einspeicherns (con-
dere) des eingefahrenen Getreides, welchen
nach dem Sp. 181, 7 ff. mitgeteilten Fragmente
10 des Fabius Pictor bei dem Interpol. Serv. georg.
1, 21 der Flamen bei der Darbringung des
sacrum cereale anruft. Vgl. Sp. 181, 41 ff. Zum
Nameu vgl. Grafsmann S. 113 f. nr. 21. Vanicek,
Etym. Wörterb. d. lat. Spr.- S. 128. Griech.-
lat. etym. Wörterb. 1 S. 381.
Convector der Gott des Zusammenfahrens
oder Einfahrens (convehere) des abgemähten
Getreides, welchen nach dem Sp. 181, 7 ff. mit-
geteilten Fragmente des Fabius Pictor bei dem
20 Interpol. Serv. georg. 1, 21 der Flamen bei der
Darbringung des sacrum cereale anruft. Vgl.
Sp. 181 , 41 ff. Zum Namen vgl. Grafsmann
S. 113 f. nr. 21.
Cuba die diva cubandi der Kinder, ubi pri-
mum . . . a cunis transierunt, Varro bei Donat.
Ter. Pharm. 1, 1, 15 (v. 49). Sp. 142, 19 ff. 147,
49 ff. Zur Bezeichnung diva s. Sp. 185, 61 ff.
Zum Namen vgl. Grafsmann S. 108f. nr. 1.
Cunina die Göttin, welche das Kind in der
so Wiege beschützt, Varro Catus de liberis edu-
candis (fr. 7 S. 248 Biese) bei Kon. S. 167 s. v.
rumam: 'hisce numinibas (so Preller, B.M.3 1
S. 59; hisce manibus codd. Lugdun. prior,
Harleian., Gnelferbit. ; andere Emendationen
s. in L. Müllers krit. Apparat z. d. St.) lade
ß, non vino, Cuninae propter cunas, Buminae
propter rumam' (s. Sp. 141, 67 ff.). Lactant.
inst. dir. 1, 20, 36. August. 4, 8. 11. 21. 24. 34.
Sp. 143/144 Z. 25 f. Über Anibroschs irrtümliche
40 Annahme, dafs aus Lactant. a. a. 0. auf bild-
liche Darstellung der Göttin zu schliefsen sei,
s. Sp. 187, 9 ff. Wenn Bofsbach (Untersuchungen
üb. die röm. Ehe. Stuttg. 1S53 S. 307) aus
August. 4, 11 eine Cunnina als Iuno Cunnina,
welche cüber die weibliche Keuschheit' (cunmjs)
wacht, anführt, so entbehrt dies jeder that-
sächlichen Begründung. Gefälschte Widmungs-
inschrift an Cunina C. I. L. 10, 254* (falsae).
Decima die Göttin, welche angerufen
50 wurde, wenn die Geburt im zehnten Monate
der Schwangerschaft erfolgte, Gell. 3, 16, 10 f.
(Sp. 138, 15 ff.) 'Parca' inquit (sc. Varro) 'in-
mutata una littera a partu nominata, item
Nona et Decima a partus tempestivi tempore'.
Caesellius autem Vindex in lectionibus suis
antiquis 'tria' inquit 'nomina Parcarum sunt,
Kona Becuma Morta' u. s. w. (s. Sp. 184, lff.).
Tertull. de anima 37 . . . Konam et Decimam
a sollicitioribus mensibus. Sp. 144 Z. 11. Gegen
go Marquardts Annahme (Staatsverw.3- S. 19), dafs
Parca als Nona und Decima angerufen worden
sei, die in den vorstehenden Stellen keine
Stütze findet, vgl. das Sp. 174, 31 ff. Gesagte.
In dem Fragmente des Caesellius Vindex er-
scheint die ursprüngliche Geburtsgöttin zu
einer Schicksalsgöttin im Sinne der griechi-
schen Moiren umgedeutet, vgl. Sp. 171, 3 f.
184, 9 ff. ; siehe auch weiterhin Parca.
197 Indigitamenta (Deferunda — Edusa) Indigitamenta (Fabulinus — Fluvionia) 198
Defernnda die Herabbringende (deferre), (v. 49), s. Sp. 142, 19 ff. Tertull. ad nat. 2, 11.
eine Göttin, welche von den Arvalen bei einem August. 4, 11 (diva Educa). 34. 6, 9. Sp. 143 Z. 31.
i. J. 183 n. Chr. wegen Entfernung eines auf Zur Bezeichnung diva vgl. Sp. 185, 61 ff. Die
dem Tempel der Dea Dia gewachsenen Feigen- Überlieferung des Namens schwankt zwischen
baumes dargebrachten Opfer verehrt wird, s. den Formen Edusa (bei Nonius an beiden
das Nähere und die Litteratur bei Adolenda, Stellen in den Worten Varros und in Nonius'
wo auch über die Bildung dieser Art von eigenen Worten), Educa (August, a. aa. 00.;
Indigetennamen gesprochen ist (zu Deferunda die z. B. in Paulys Realencycl. 3 S. 56 s. v.
speziell vgl. noch Vanicek, Etym. Wörterb. d. Edusa, von Grafsmann S. 110 nr. 6 und Georges
tat. Spr.2 S. 186. Griech.-lat. etym. Wörter!). 2 10 im Lat.-deutsch. Handwörterb. s. v. Eduliea aus
S. 601). Augustinus angeführte Form Eduliea hat keine
Deverra. August. 6, 9 mulieri fetae post andere Gewähr als einige alte Drucke), Edula
partum tres deos custodes commemorat (sc. Varro) (Tertull.) und Edulia (Donat.). Jordan (Krit.
adhiberi, ne Sihanus deus per noctem ingre- Beitr. z. Gesch. d. lat. Spr. S. 120, vgl. in
diatur et vexet, eorumque custodum significan- Prellers R. M.s 2 S. 211 Anm. 2) meint, dafs
darum causa tres homines noctu cireuire limina auf Edula und Edulia nicht viel zu geben sei,
domus et primo Urnen securi ferire, postea pilo, da diese Formen leicht aus der Ableitung ab
tertio deverrere scopis, ut his datis eulturae edulibus entstanden sein können; Educa be-
signis deus Silvanus prohibeatur intrare, quod zeichnet er als sicher unrichtig, cmag es von
neque arbores caeduntur ac putantur sine ferro 20 edu-cere, oder, was freilich allein möglich
neque far conficitur sine pilo neque fruges coa- wäre, von ed-uc-us (vgl. cad-ueus . . .) abge-
cervantur sine scopis; ab his autem tribus rebus leitet werden. Denn offenbar wäre so der
tres nuneupatos deos, Intercidonam a securis Name, das Kompliment zu Potina, undeutlich
ireisione, Pilumnum a pilo, Deverram ab und die Göttin unwillkürlich als eine educens
scopis, quibus diis custodibus contra vim dei oder educans aufgefafst worden'; er ist der
Silvani feta conservaretur. Sp. 144 Z. 22; vgl. Ansicht, rdafs das mindestens eben so gut wie
Sp. 170, 42 ff. Zu der die Göttin Deverra Educa bezeugte Ed-ü-sa, gebildet neben, nicht
betreffenden Cerimonie s. 0. Müller zu Paul. von ed-ü-lia, eine vereinzelte, aber nicht zu
S. 78 Anm. zu exverrae und Preller, R. M.3 1 beanstandende alte Bildung ist'. Vgl. zu den
S. 377. Zum Namen (von deverrere) vgl. Grafs- 30 Namensformen noch Preller, R. M.1 S. 579, der
mann S. 108 nr. 1. Vanicek, Griech.-lat. etym. Educa als die richtige Namensform annahm;
Wörterb. 2 S. 910. Grafsmann S. 109 nr. 2 (Edulia). Vanicek, Etym.
Domiduca die Göttin, welche die Kinder Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 11 (Edulia). Griech.-
nach Hause führt, Tertull. ad nat. 2, 11. Sp. 143 lat. etym. Wörterb. 1 S. 25 (Edulia, Edusa).
Z. 37. Bei August. 7, 3. Martian. Gap. 2,149. Fabulinus der Gott, welchem man opfert,
Mythogr. Vatic. III 4,3. Thesaur. nov. latini- wenn das Kind zu sprechen (fabulari, nicht
tatis bei Mai, Class. Auct. 8 S. 177 (Domiduca, fari) anfängt, Varro Catus de liberis educandis
qui [sie] novam sponsam ducit domum; nomen (fr. 13 S. 249 Riese) bei Non. S. 532 s. v.
quoque est Iunonis aus Martian. Cap. a. a. 0., Statilinum (Sp. 130, 52 ff.), wo der Gott divus
der S. 161 als Quelle dieser Glosse genannt 40 Fabulinus genannt wird. Sp. 147, 47 ff.; vgl.
wird) ist Domiduca Beiname der Iuno, an Sp. 167, 1 ff. Zur Bezeichnung divus s. Sp. 185,
allen Stellen jedoch, mit Ausnahme von 61 ff. Zum Namen vgl. Grafsmann S. Ulf.
Augustinus, in der Bedeutung als Heimführerin nr. 13. Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.2
der Braut in das Haus des Mannes. Vgl. S. 180. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 577 f.
hierzu Sp. 172 ff., wo ausgeführt wird, dafs der Farinus der Gott des fari, von Tertull. ad
Indiges Domiduca von Iuno Domiduca ver- nat. 2, 11 unter den Gottheiten des Kindes-
schieden ist. Zum Namen vgl. Grafsmann alters aufgeführt. Sp. 143 Z. 23; vgl Sp. 167,1 ff.
S. 108 nr. 1. Die von Ambrosch (Religionsbücher Heft 2
Domiducus der Gott, der die Neuvermählte S. 2.35 = Abdr. S. 15), Walz (in Paulys Real-
in das Haus des Mannes geleitet, August. 6. 9. 50 encycl. 6, 1 S. 435) und Pouche -leclercq (Les
Sp. 144 Z. 59. Härtung, Reh d. Rom. 2 S. 70: Pontifes S. 33) aufgeführte falsche Namens-
'Iupiter Domiducus' (!). form Farmus beruht auf der Edit. prino. der
Domitius der Gott, der die Neuvermählte Schrift ad nat. von Gothofredus (1625) und
im Hause des Mannes zurückhält, August. 6, 9. der Ausgabe des Rigaltius vom Jahre 1634.
Sp. 144 Z. 60. Namenbildung offenbar von Fessona (die schlechteren Handschriften
domus (vgl. Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat. Fessonia) die Göttin der Ermüdeten (fessi),
Spr.2S. 117. Griech.-lat. etym. Wörterb.18. 342). August. 4, 21. Sp. 148, 3 ff. Zum Namen vgl.
Edusa (Educa, Edula, Edulia) die Göttin, Grafsmann S. 110 nr. 2 c. Vanicek, Etym.
unter deren Schutze die Kinder das Essen Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 88. Griech.-lat. etym.
lernen, Varro bei Non. S. 108 s. v. Edusam (s. 60 Wörterb. 1 S. 238 (wo überall die Namensform
Sp. 142, '25 ff.): Edusam et Potinam deos prae- der schlechteren Überlieferung angenommen
sides vult haberi puerorum (s. Sp. 145, 10 ff.) wird).
Varro Cato vel de liberis educandis (fr. 10 Fluvionia. Tertull. ad nat. 2, 11 Fluvionia,
S. 249 Riese) 'cum primo eibo et potione ini- quae infantem in uterfo nutriat] '. Sp. 143 Z. 6.
tiarent pueros, sacrificabantur ab edulibus Das eigentliche officium der Göttin ist jedoch
Edusae, a potione Potinae nutrices' = Varro in Tertullians Worten nicht ausgedrückt;
Cato vel de liberis educandis S. 480 s. v. sacri- dasselbe ergiebt sich a,us Paul. S. 92 Fluoniam
ficantur; Varro bei Donat. Ter. Pharm. 1, 1, 15 Iunonem midieres colebant, quod eam sanguinis
7*
199 Indigitamenta (Forculus — Iana) Indigitamenta (Inporcitor — Iugatinus) 200
fluorem in conceptu retinere pu'.abant (vgl. Die übrigen Stellen, wo Iana erwähnt wird
hierzu Preller, B. M.s 2 S. 207); denn der (Varro r. r. 1, 37, 3, wo Politianus Iana aus
Indiges Fluvionia kanu keine andere Funktion dem handschriftlich überlieferten Jana her-
gehabt haben, als Iuno Fluonia. Den Bei- stellte; Nigidius [fr. 73 S. 85 Swoboda] hei
narnen Fluvionia (Fluonia) hat Iuno auch bei Macrob. Sat. 1, 9, 8), enthalten gelehrte Deu-
Amob. 3, 30 (flubionia [b in u verbessert] die tungen der Göttin, s. das Nähere Sp. 14 s. v.
Handschrift) und bei Martian. Cap. 2, 149 Iana; wir müssen uns daher auf die Stelle
(fluuoniam der cod. Bamberg, und cod. des Tertullianus beschränken, der Iana in der
Üeichenauens., Fluoniam Grotius). Vgl. hierzu eng begrenzten Bedeutung eines Indiges an-
Sp. 172 ff., wo ausgeführt wird, dafs August. 7,2 10 führt: Iana die Göttin der iani. Zur Bezeich-
Iuuo Fluvionia oder Fluonia mit Iuno Lucina nung diva s. Sp. 185, 61 ff.
verwechselt, und dafs der Indiges Fluvionia Inporcitor der dem Ziehen der Furchen
von Iuno Fluvionia verschieden ist (irrtüm- (Paul. S. 108 imporcitor, qui porcas in agro
lieh ist Sp. 144 Z. 6 die nirgends in den Hand- facit arando. porca autem est inter duos sul-
schriften überlieferte Form Fluviona, welche cos terra eminens) nach dem zweiten Pflügen
sich z. B. auch bei Georges, Lat. -deutsch. Hand- des Feldes vorstehende Gott, welchen nach
wörterb. s. v. Fluonia. Ambrosch, Beligions- dem Sp. 181, 7 ff. mitgeteilten Fragmente des
bücher Heft 2 S. 232 = Abdr. S. 12. Walz in Fabius Pictor bei dem Interpol. Sero, georg.
Paulys Bcalencycl. 6, 1 S. 433. Preller, E. M.3 1 1, 21 der Flamen bei der Darbringung des
S. 275 und Bouelie-Leclercq, Les Pontifes S. 31 20 sacrum cereale anruft. Vgl. Sp. 181, 41 ff. Zum
findet, gebraucht). Zum Namen vgl. Grafs- Namen vgl. Grafsmann S. 113 f. nr. 21. Vanicek,
mann S. 109 nr. 2 c (die daselbst genannte Form Etym. Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 163. Griech.-
Fluvonia bieten nur zwei Handschriften des lat. ttym. Wörterb. 1 S. 524.
Martianus Capella, s. vorher). Vanicek, Etym. Insitor der Gott des Einsäens (inserere) der
Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 19S. Griech.-lat. etym. Saat, welchen nach dem Sp.l81,7ff. mitgeteilten
Wörterb. 2 S. 625. Fragmente des Fabius Pictor bei dem Interpol.
Forculus der Gott der Thüren (fores), Serv. georg. 1,21 der Flamen bei der Darbringung
Tertull. de idol. 15. ad nat. 2, 15. de cor. 13. des sacrum cereale anruft. Vgl. Sp. 181, 41 ff.
scorp. 10. August. 4, 8. 6, 7. Sp. 146, 15 ff. Die Zum Namen vgl. Grafsmann S. 113f. nr. 21.
Stelle des Cyprian. quod idola dii non sint 4: 30 Intercidona. Über die Bedeutung und Ver-
est . . . dictus . . . et Forculus a foribus u. s. w. ehrung dieser Göttin s. die an Varro sich eng
ist eine alte, aus Tertull. ad nat. 2, 15 (s. anschließenden, bei Deverra vollständig mit-
Sp. 146 , 16 ff.) genommene Interpolation der geteilten Angaben des August. 6, 9. Sp. 144
C3'prianischen Schrift, s. Ascensus. Zum Namen Z. 20. Zum Namen (intercidere) vgl". Grafs-
vgl. Grafsinann S. 114 nr. 23. mann S. 111 nr. 12.
Fructesea nicht Fruetiseia, wie Preller Iterduca. Aus August. 7, 3 haec (d. i. Iuno)
(B. i)/.8 2 S. 223) und Bouehe - Leclercq (Les tarnen Iterduca est 2]ue>'is et opus facit cum
Pontifes S. 36), indem sie in dem Namen nur deabus ignobilissimis Abe^na et Adeona ist zu
eine andere Bezeichnung der Göttin Seia (s.d.) schliefsen, dafs Iterduca ein Indiges war, welcher
sehen, schreiben, bei August, 4, 21 (wo man 40 die Kinder auf ihren Wegen beschützte (Sp. 144
früher et maxime ipsi divae Fruti Seiae las, Z. 36), dafs der Name Iterduca aber auch zu-
vgl. hierzu Härtung, Bei. d, Möm. 2 S. 251 gleich Beiname der Iuno war, wie dasselbe
Anm. •**)) Name einer Göttin der Früchte auch bei Domiduca (s. d.) und Iuno Domiduca
(fruetus). Sp. 148, 6 ff. Augustinus nennt sie der Fall war. Diese letztere läfst sich auch
diva Fructesea, vgl. hierzu Sp. 185, 61 ff. insofern zum Vergleich heranziehen, als Iuno
* Frugeria dca frugum, Thesaur. nov. lati- Iterduca wie Iuno Domiduca nur bei August,
nitatis bei Mai, Class. Auct. 8 S. 240. Vgl. 7, 3 als Beschützerin der Kinder erscheint,
Sp. 178, 40 ff. während die übrigen Stellen sie wie Iuno
Hostilina. August. 4, 8 cum segetes novis Domiduca als die Göttin, welche die Braut
aristis aecquantur, quia veteres aequare hostire 50 in das Haus des Mannes heimführt, erklären:
dixerunt, deum Hostilinam (sc. praefecerunt). Martian, Cap. 2, 149 (jedenfalls aus Varro, s.
Sp. 146, 10 ff. Zum Namen und der Wort- Sp. 172, 29ff.), daraus der Thesaur. nov. latinitatis
familie, zu der er gehört, vgl. Corssen, Krit. bei Mai, Class. Auct. 8 S. 292 (Interduca [sie]
Beiträge z. lat. Formenl. S. 221 f. Ausspr. I2 nomen Iunonis, quas domum ducebat virgines;
S. 100. 797. Grafsmann S. Ulf. nr. 13. Vani- dieselbe Namensform auch hei C. Barth, Ad-
eck, Etym. Wörterb. d. lat. Spr* S. 90. Griech.- tersarii Commmtarii [Francof. 1648] Sp. 1341:
lat. etym. Wörterb. 1 S. 258 f. , Interduca nomen Iunonis). Vgl. Sp. 172 ff., wo
Iana hat Guthofredus bei Tertull, ad nat. ausgeführt wird, dafs der Indiges Iterduca von
2, 15 (Sp. 146, 16 ff.) et diva arquis est Iana Iuno Iterduca verschieden ist. Zum Namen
an Stelle des im cod. Agobard. überlieferten 60 vgl. Grafsmann S. 108 nr. 1.
Iana hergestellt, und die Angabe der Bedeutung Iugatinus 1) ein Gott, der bei Schliefsung
dieser Göttin als diva arquis (woraus Gotho- des Ehebundes angerufen wird, August. 4, 11.
fredus allerdings eine diva Arquis machte [s. 6, 9. Sp. 143 Z. 58. Zum Namen (iugare ehe-
Sp. 146, 26 f. u.Sp. 180, 57 ff.], die ihren Platz unter lieh verbinden, vgl. Iuno Iuga) vgl. Grafsmann
den Indigitamentengottheiten bis in die neueste S. 111 f. nr. 13. Vanicek, Etym. Wörterb. d.
Zeit behauptet hat, vgl. z. B. Prellcr, B M.3 lat. Spr.'- S. 226. Griech.-lat. etym. Wörterb. 1
2 S. 221. Bouchc-Leclercq, Les Pontifes S. 35) S. 762. — 2) der Gott der iugamontium, August.
rechtfertigt diese Emendation vollkommen. 4, 8. Sp. 145, 54 ff.
201 Indigitamenta (Lactans — Libentina) Indigitamenta (Liburnns — Limi) 202
Lactans. Serv.georg. 1, 315 (Sp. 189, 14 ff.) Libitina {Härtung, Bei. d. Böm. 2 S. 88 f.
seine Varro in libris divinarum dicit deum esse Prellet, B. M.3 1 S. 440) ist durchaus falsch,
Lactantem, gui se infmulit segetibus et eas facti wenn beide Namen auch denselben Ursprung
laetescere. Sp. 148, 2 f.; vgl. Sp. 167, lff. Name: haben. Lubia ist in der Stelle des Interpolator
Participium von lactare Milch geben. Servil deutlich genug als Beiname der Venus
Lacturnus. August. 4, 8 praefecerunt . . . namhaft gemacht, so dafs Marquardt {Staats-
frumentis . . . lactescentibus deum Lacturnum. veno. 32 S. 14) und Preller (B. M.3 2 S. 212)
Sp. 146, 10 ff.; vgl. Sp. 167, lff. Lacturnus ist mit Unrecht dieses Wort als Namen einer In-
gemeint in der Glosse des Thesaur. nov.latini- digitamentengottheit aufführen. Die von Plaut,
tatis bei Mai, Class. Auct. 8 S. 327 I.acturius 10 Asin. 268 ut ego illos lubentiores faciam, quam
deus segetis adhuc lactescentis (vgl. Sp. 177, 66 ff.). Lubentiast genannte Göttin Lubentia (die auch
Die von Härtung {Hei. d. Böm. 2 S. 132), in den von Th. Hublich, De diis Plautinis Teren-
Paulys Bealencycl. 4 S. 717 s. v. Lactans, von tianisque. Diss. Regim. 1883 S. 54 ff. erhobenen
Preller {B. M.1 S. 592), Grafsmann S. 109 Einwendungen gegenüber als eine Göttin zu
nr. 2 a und Bouche- Leclercq {Les Pontifes betrachten ist) ist vielleicht = Lubentina, vgl.
S. 37) aus Augustinus angeführte dea Lacturcia Paventia neben Paventina (s. d.). Zum Namen
beruht auf der schlechten Textrecension alter vgl. Grafsmann S. 1 1 1 f. nr. 13. Vanieek, Etym.
Ausgaben; ebenso die von Walz (in Paulys Wörterb. d. lat. Spr} S. 254. Griech.-lat. etym.
Bealencycl. 6, 1 S. 437) an Stelle des Lac- Wörterb. 2 S. 852.
turnus aufgeführte Lactantia? Zum Namen 20 Liburnus ist Sp. 147, 25 ff. als eine sichere,
vgl. Grafsmann S. 111 nr. 10 b. Vanieek, von Gelcnius herrührende Emendation der ver-
Griech.-lat. etym. Wörterb. 1 S. 221. dorbenen handschriftlichen Lesart burnum in
Lateranus der Gott der Ziegelsteinöfen der Stelle des Arnob. 4,9 quis Libentinam,
(later Ziegelstein), Kamine, Herde, Arnob. 4, 6. quis burnum libidinum superesse tutelis . . .
11. Sp. 148, 26 ff. Zum Namen vgl. Grafsinann (sc. crcdat)1 bezeichnet worden {Elmenhorst
S. 111 nr. 11. Corssen,Ausspr. 22 S. 151. Vanicelc, wollte Liburnam lesen; andere Emendations-
Elym. Wörterb. d. lat. Spr.- S. 173. Griech.- versuche: Liberum Meursius, Prurium Hilclc-
lat. etym. Wöiterb. 1 S. 554. brand). Die Bedeutung des Gottes giebt^nio-
Levana die Göttin, welche die Kinder von 6ms selbst an (Liburnus gebildet wie Lac-
der Erde aufhebt (levare), Tertull. adnat. 2, 11 30 turnus). Vgl. Sp. 167, lff.
(wo Gothofredus mit voller Sicherheit Levana Lima die Göttin der Schwellen (limina),
schrieb für das überlieferte albana; trotzdem Arnob. 4, 9. Sp. 148,26 ff. Für die überlieferte
haben Ambrosch, Beligionsbücher Heft 2 S. 235 Namensform Lima schlug Stewechius Limentina
— Abdr. S. 15 und Walz in Paulys Bealencycl. (vgl. Limentinus) vor, und mit diesem Namen
6,1 S. 434 das sinnlose Albana als Name einer nennen die Göttin Ambrosch {Beligionsbücher
Göttin beibehalten). August. 4, 11. Sp. 143 Heft 2 S. 243 = Abdr. S. 23), Grafsmann S. Ulf.
Z. 25. 26. Preller {B. M.3 2 S. 210) erklärt (wie nr. 13. Bouche- Leclercq {Les Pontifes S. 35);
schon Härtung, Bei. d. Böm. 2 S. 244; vgl. auch auch Prelhr {B. M.3 2 S. 221 Anm. 4) und Mar-
Georges, Lat.-deutsch.Handwörterb. s.v. Levana) quarclt (Staatsverw. 32 S. 17) nehmen an, dafs
Levana als die Göttin, 'welche die Kinder von 40 Limentina zu lesen sei. Es Hegt jedoch kein
der Erde wieder aufbebt, nach der bekannten Grund vor, von der überlieferten Form abzu-
Sitte das neugeborne Kind vor dem Vater auf gehen, da Lima (neben Limentinus; vgl. Iuno
die Erde zu legen, worauf dieser es aufhob Iuga neben Tugatinus) eine vollständig richtige
und damit seine Pflege und Erziehung über- Bildung ist; vgl. dazu Sp. 167, lff. Grafsmann
nahm, aber auch alle Eechte der väterlichen S. 108f. nr. 1. Vanieek, Etym. Wörterb. d.
Gewalt sich vorbehielt'; die Stellung der Göttin lat. Spr.- S. 246. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2
bei Tertullianus macht diese Erklärung nicht S. 825 f.
wahrscheinlich. Zum Namen vgl. Grafsmann Limentinus der Gott der Schwellen (li-
S. HOf. nr. 11. Vanieek, Etym. Wörterb. d. lat. mina), Tertull. deidol. 15. adnat. 2,15. decor. 13.
<S'p»\2 S. 231. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 50 scorp. 10. Arnob. 4, 9. 11. 12, vgl. 1,28. August.
S. 785 f. 4, 8. 6, 7. Thesaur. nov. latinitatis bei Mai,
Libentina oder Lubentina die Göttin der Class. Auct. 8 S. 328. Sp. 146, 15fV. Die Stelle
libidines, Arnob. 4, 9 (Libentina). August. 4, 8 Cyprian. quod idola dii non sint 4: est . . .
(Lubentina). Sp. 144 Z. 44. Varro l. I. 6, 47, dictus . . . et a liminibus Limentinus u. s. w.
Varro de lingua latina lib. V bei Non. S. 64 ist eine alte, aus Tertull. ad nat. 2, 15 (siehe
s.v. fprolübiumj und Oic.n. d. 2,23, 61 sprechen Sp. 146, 16 ff.) genommene Interpolation der
von Venus Lubentina (/. I. 6, 47: Libentina), cyprianischen Schrift, s. Ascensus. Zum Namen
und auch der Interpol. Serv. Aen. 1,720 führt vgl. Sp. 167, lff., Grafsmann und Vanicelc an
Lubentina als Beiname der'Venus auf: dicitur den bei Lima aa. 00. und Corsscn, Ausspr. I2
. ..(sc. Fenns) et Lubentina, quae hibentiam menti- 60 S. 499. 22 S. 222.
bus novam praestat,quamvis aliihancLubiam di- Limi. Arnob. 4, 9 quis curatorcs obliquita-
cant, quod co numine consilia in medullas laban- tum IAmos . . . (sc. credat)? Sp. 148, 12 ff. Die
tur. Dafs der Indiges Libentina von Venus Handschrift bietet bei Arnobius lemons; Sabaeus
Libentina verschieden ist, geht aus dem verbesserte Limos, Hildebrand las Limones
Sp. 173, 45 ff. über das Verhältnis von den (angenommen z. B. von Georges, Lat.-deutsch.
Indigetes Domiduca u. s. w. zu Iuno Domi- Handwörterb. s. v. Limones. Bouche-Leclercq,
duca n. s. w. Gesagten hervor. Vgl. Sp. 167, Les Pontifes S. 35); Beifferscheid nahm die
lff. Die Vermengung von Libentina mit Emendation des Sabaeus in den Text auf. Zum
203 Indigitarnenta (Locutius — Mena) Indigitamenta (Messia — Mutunus Tut.) 204
Namen (limus = obliquus) vgl. Vanicek und Sp. 975, 41 ff. ('ursprünglich wohl eine Göttin
Corssen an den hei Lima und Limentinus des Mondes [pqvrj]- ['?]).
aa. 00. * Messia eine Göttin der Ernte, Tertull. de
Loeutius der Gott des loqui, von Tertull. spect. 8, der von einem Bilde der Göttin im
ad nat. 2,11 [deus est dictusj et ab eff'atu Circus spricht. Sp. 178, 31 ff. ; vgl. Sp. 186, 63 ff.
Fariuus et alius a lofquendo Locutius] unter Zum Namen vgl. Grafsmann S. 109 nr. 2.
den Gottheiten des Kindesalters aufgeführt; Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat. Spr* S. 19.
Sp. 143 Z. 24; vgl. Sp. 167, lff.. Die von Gotho- Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 673.
fredus herrührende Ergänzung des Namens Messor der Gott des Mähens des Getreides,
Locutius ist ohne Zweifel richtig; alius schrieb 10 welchen nach dem Sp. 181, 7 ff. mitgeteilten
Be'ff'ei scheid für das im cod. Agobardinus über- Fragmente des Fabius Pictor bei dem Interpol.
lieferte aliis. rIch vermag die Vermuthung Strv. georg. 1, 21 der Flamen bei der Dar-
nicht zu unterdrücken, dass Aius in aliis stecke bringung des sacrum cereale anruft. Vgl.
und hier wie sonst gewöhnlich der Gott mit Sp. 181, 41 ff. Zum Namen vgl. Grafsmann
seinen beiden Namen genannt worden sei: et S. 114f. nr. 21 und die bei Messia angeführte
Akts a loquendo Locutius'' W. v. Hartel, Pa-- Litteratur.
Pristische Studien III. S. 58 (aus Sitzungsber. ? Mola die Göttin der Mühlen, ist nach
der W'iener Akad. philos.-hist. Cl. 121 , 1S90). Eergks (Beiträge zur lat. Grammatik. 1. Halle
Dabei übersieht aber v. Hartel, dafs Locutius, 1870 S. 99 f.) sehr ansprechender, von Götz in
der Indiges der ersten Anfänge des loqui beim 20 den Text aufgenommener Emendation bei Plaut.
Kinde, und Aius Locutius (s. d.) verschiedene Pseud. 1100 facere, ut det nomen ad Molas
Gottheiten sind und der Aius Locutius hierher coloniam (für die gewöhnliche Lesung molas
gar nicht gehört. Zum Namen s. Aius Lo- coloniam) genannt. Sp. 183, 34ff. Die von Bergk
cutius. ausgesprochene Vermutung, dafs diese Göttin
Lucina ist bei TertuV.de anima 37. August. identisch sei mit den von Gellius (13,23,2)
4, 11. 21. 34 der Indiges, der (partum) pro- und im Feriale Cumanum zum 12. Mai (Ü. I.L.
ducat in lucem (Tertull.). Sp. 143/144 Z. 14. 10, 8375 v. 16: [supplieajtio Molibus Märtis)
Vgl. Sp. 172ff., wo ausgeführt wird, dafs der erwähnten Moles Martis (bei Gellius bieten
Indiges Lucina von Iuno Lucina verschieden die schlechteren Handschriften Molae), ist
ist. S. Preller, B. M.3 1 S. 271 f. und Iuno. 30 zunächst deswegen nicht haltbar, weil in
Lucrii die Gottheiten des Gewinnes (lucrum), Moles das o lang ist, wie sich aus der
Arnob. 4, 9. Sp. 148, 12 ff. Zum Namen vgl. Schreibung des Feriale Cumanum ergiebt,
Grafsmann S. 109 nr. 2. Vanicek, Etym. Wörterb. während es in Mola (mölere; vgl. Vanicek,
d. lat. Spr.° S. 253. Griech.-lat. etym. Wörterb. Etym. Wörterb. d. lat. Spr." S. 213. Griech.-
2 S. 847. lat. etym. Wörterb. 2 S. 709 f.) kurz ist (s.
Manturna die Göttin, welche bewirkt, dafs Mommsen im Hermes 17, 1882 S. 637, der
die Vermählte bei ihrem Manne bleibt, August. Moles auf moliri zurückführen und als cSire-
6, 9. Sp. 144 Z. 61. Härtung, Bei. d. Rom. 2 bungen' den Virites Quirini 'Kräften' an die
5. 39 : cIuno Manturna' (!). Zum Namen (manere) Seite stellen will).
vgl. Grafsmann S. 111 nr. 10a (rwohl eher zu 40 Montinus der Gott der Berge, Arnob. 4, 9;
man, moneo gehörig, und mit Mivtcoq zu ver- gehört zur Gruppe Rusina u. s. w. der Reihe c,
gleichen, als zu maneo' [!]). Corssen, Ausspr. Sp. 145, 5 4 ff. S. Septemontius. Zum Namen
l2 S. 418. Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat. Spr." vgl. Grafsmann S. 111 f. nr. 13. Vanicek, Etym.
S. 208. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 667. Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 210. Griech.-lat. etym.
Mellona (August.) oder Mellonia (Arnob) Wörterb. 2 S. 689.
die Göttin des Honigs (mel), Arnob. 4, 7. 8. 12. ??Morta. S. Sp. 183, 66ff.
August. 4, 34. Sp. 146, 12 ff. Zum Namen vgl. Mutunus Tutunus oder Tutinus (Mu-
Grafsmann S. 110 nr. 2 c. S. 111 nr. 12. Vanicek, tunus vel Tutunus August.; Mutunus atque Tu-
Etym. Wörterb. d. lat. Spr.'2 S. 213. Griech.-lat. tunus Arnob. 4, 11; et Mutunus et Tutunus
etym. Wörterb. 2 S. 709. 50 Tertull. ad nat. 2, 11; Mutunus Tertull. apol. 25;
Mena die Göttin der Menstruation, August. Tutunus Arnob. 4, 7; Tutinus Lactant.) oder
4, 11 dea Mena, quam praefecerunt mtnstruis Mutinus Titinus (Fest.) ein zu den dii con-
feminarum; 7 , 2 et hanc provinciam fluorum iugales gehöriger Indiges, Sp. 143 Z. 63. Wäh-
menstruorum in libro selectorum cleorum ipsi rend bei Tertull. ad nat. 2, 11. apol. 25. Arnob.
Iunoni idem aucior (d. i. Varro) adsignat, quae 4, 11 (dat. Mutuno Gelenius: hoc e uno cod.
in diis selectis etiam regina est tt hie tamquam Parisinus; dat. Tutuno Sabaeus: est ut uno cod.
Iuno Lucina (vielmehr Fluvionia oder Fluonia, Paris.) den Gott nur einfach nennen, geben
s. Fluvionia) cum eadem Mtna privigna sua folgende Stellen über ihn näheren Aufschlufs :
tidem cruori praesidet; 7, 3 confert selecta Iuno Arnob. 4, 7 . . . Tutunus, cuius inmanibus pu-
. . . cum Mena, filia Iovis, ftuores menstruos 60 dendis horrentique fascino vestras inequitare
ad eius, cpiod coneeptum est, incrementum. Sp. matronas et auspicabile ducitis et optatis?
143/144 Z. 7. 13; vgl. Sp. 147, 4 f. Zur Be- Lactant. inst. div. 1, 20, 36 Tutinus, in cuius
Zeichnung als filia Iovis und privigna der Iuno s. sinu pudendo nubentes praesident, ut illarum
Sp. 187, 26ff. Zum Namen (zu mensis, menstruus pudicitiam prior deus delibasse videatur. August.
u. s. w. gehörig) vgl. Corssen, Ausspr. 1- S. 432. 4, 11 Mutunus vel Tutunus, qui est apud Graecos
Vanicek, Etym. Wörterb. cl. lat. Spr." S. 201. Priapnis, woraus hervorgeht, dafs Varro, aus
Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 655. Curtius, dem Augustinus schöpft, den Mutunus Tutunus
Grund:, d. griech. Etym.5 § 471 S. 333. Bd. 1 dem griechischen Priapus gleichgestellt hatte
205 Indigitamenta (Mutunus Tutunus) . Indigitamenta (Mutunus Tutunus) 206
(vgl. Sp. 171, 13ff.); demnach ist auf Mutunus das griechische pvzzog s. uvträv d.i. zb yvvcti-
Tutunus zu beziehen August. 4,34 sine cultu v.siov, Tutunus durch das griech.noo&rj, noe&av,
Priapi coniugibus mixti (sc. Iudaei); 6, 9 adest aeol. nöft&eiv = mentula, lat. Pnttunus = Tut-
enim dea Virginiensis tt deus pater Subigus et tunus erklären will. Vielleicht liegt in dem
dea mater Prema et dea Pertunda et Venus et Namen Tutunus eine Beziehung zu dem weib-
Priapus(yg\. Sp. 171, 16ff.)... sed quid hoc dicctm, liehen Geschlechtsteil; in diesem Falle würde
cum ibi sit et Priapus nimius masculus, super der Gott, wie Panda Cela und z. B. Genita Maua,
cuius inmanissimum et turpissimum fascinum die Vereinigung zweier entgegengesetzter Be-
sedere nova nupta iubebatur, more lionestissimo griffe darstellen; vgl. hierzu Sp. 186, 26flf. Den
et religiosissimo matronarum? 7, 24 in celebra- 10 Versuch Brauns (Muthunim Priapus, in Jahrbb.
tione nuptiarum super Priapi scapum nova d. Ver. von Alterthums freund, im Blieinl. 25,
nupta sedere iubebatur. Aus diesen Angaben 1857 S. 54 ff. zu 22, 1855 Taf. 1 nr. 1, la, lb),
der Kirchenväter ergiebt sich, dafs Mutunus Name und Kultus des Mutunus aus Afrika her-
Tutunus ein Indiges der Begattung und mann- zuleiten, hat schon 0. Jahn (a. a. 0.) als ver-
liehen Befruchtung war, der seinem Wesen fehlt bezeichnet. Von einem Heiligtume des
nach sehr wohl mit dem griechischen Priapus Gottes berichtet Festus S. 154, nach 0. Müllers
verglichen werden konnte, wie auch Lucilius Text folgendermafsen lautend: Mutini Titini
(2 v. 13 S. 8 Müll.) nam quid Moetino (d. i. sacellum fuitinVelis adeersumfmutum Mustel-
Mutino) subrectoque huic opu' signo den Namen linum (murum für mutum Scaliger, vicum O.
des Gottes ganz in diesem Sinne gebraucht. 20 Müller, lucum? Jordan, Topogr. d, Stadt Rom
Dafs er aber ein echt römischer Gott war, er- 1, 2 S. 419 Anm. 134. 2 S. 257) in angi[portu],
giebt sich aus dem seiner Etymologie nach de c±uo aris sublatis balnearia sunt [fjaeta do-
sicher deutbaren ersten Bestandteile des durch mus Cn. Dfomiti] Calvini, cum mansisset ab
Festus (s. weiterhin) aufser Zweifel gestellten urbecondita [ad prijncipatum Augusti [Caesar is
Doppelnamens des Gottes. Mutunus oder Mu- inviolatum religioscque] et sanete eultum [fuisset,
tinus ist nämlich gebildet vom Stamme müt- ut ex pontificum librisj manifestum est, [in
in muto (mutto) = mentula (Lucil. 8 v. 7 S. 40 quibus significatur fuisse ad sacrarium s]ex-
Müll. Hör. sat. 1, 2, 68; vgl. die Glosse eines tum et vicensimum, dextra v[ia iuxta diverjti-
cod. Leidensis bei Loewe, Prodromus corporis cidum [. . .] ubi et colitur et [midieres sacri-
glossar. latin. S. 304 muto: priapus), mutonium 30 ficantj in e[o togis praetextis] ula[taej (lies
(muttonium), mutunium = mentula (Gloss. velatae). Die Worte nach manifestum est er-
latino-graec. [Philoxeni] im Corp. glossar. latin. gänzte Ursinus folgendermafsen : [nunc habet
edd. Loewe-Goetz 2 S. 131, 61. 62. 132, 5. 12. aediculam ad miliarium ab urbe sjextum et
Loeive a. a. 0. S. 302 ff. G. I. L. 4, 1939. 1940; vicensimum, dextra v[ia iuxta diverjticulum
vgl. mutuniatus mit starkem Penis versehen [viaej, ubi et colitur et [mulieres u. «. w. Paul.
Martial. 3, 73, 1. 11, 63, 2. Priap. 52, 10 Buch.3); S. 155 Mutini Titini (s. die Lesarten der Hand-
vgl. Vanieel; Etym. Wörterb. d.lat. Spr.- S. 206. Schriften in 0. Müllers Ausgabe) sacellum fuit
Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 736. Die Her- Eomae, cui midieres velatae togis praetextatis
kunft des Namens Tutunus, Tutmus, Titinus (vielmehr praetextis) solebant sacrificare. Da-
ist noch nicht aufgeklärt; Härtung meint (Bei. « nach hatte der Gott auf derVelia (vgl. Ambrosch,
d. Born. 2 S. 258), dafs derselbe aus tutus und Studien S. 125. Gilbert, Gesch. u. Topogr. d.
tueri abzuleiten und mit Tutanus (! ; s. d.) Stadt Born 1 S. 156 ff. Anm. 2, der in dem
einerlei sei; den Begriff der tutela sieht auch sacellum eine Kultstätte der fveliensischen
0. Jahn (in Jahrbb. d. Ver. von Alterthums- Sondergemeinde' sieht; Jordan, Topogr. d. Stadt
freunden im Bheinl. 27, 1859 S. 48 Anm. 7) in Tu- Born 1,2 S. 419) ein als uralt geltendes sa-
tinus ausgedrückt; 0. Gilbert (Gesch. u. Topogr. cellum, das durch den Bau des Hauses des
d. Stadt Born 1 S. 157 Anm.) bringt Tutunus Domitius Calvinus beseitigt wurde; ist die Text-
zusammen mit dem umbrischen Worte der herstellung des Ursinus wenigstens der Haupt-
iguvischen Tafeln tota = Gemeinde, civitas, sache nach richtig (wie Jordan, Topogr. 1, 2
osk. tovto = populus u. s. w. , und betrachtet 50 S. 419 Anm. 134. 2 S. 241 f. meint; andere Be-
als eigentlichen Namen nur Mutunus, 'welcher urteilung bei Gilbert, Gesch. u. Topogr. 2
durch das beigefügte Tutunus als der eigent- S. 369 f. Anm. 1), so war in der Stelle des
liehe oder Hauptgott der Gemeinde — ohne Festus von einem aufserhalb Roms befindlichen
Zweifel speziell der veliensischen Gemeinde — Heiligtum des Gottes die Rede. Für die bild-
charakterisiert wird'. Aber alles dies sind Ver- liehen Darstellungen des Mutunus Tutunus,
mutungen ohne innere Wahrscheinlichkeit, welche durch den von den Kirchenvätern be-
und ein Hinweis Jrjrdans (im Hermes 16, 1881 schriebenen Hochzeitsbrauch vorausgesetzt wer-
S. 242) auf den ganz und gar zweifelhaften den, haben vermutlich die jedenfalls früh nach
Beinamen der Ops Toitesia (s. Preller, B. M.3 Rom gelangten Bilder des Priapus das Vorbild
2 S. 22 Anm. 1) fördert die Frage ebensowenig 60 abgegeben. Ein vermeintliches Amulett in Ge-
wie die in den früheren Erklärungsversuchen stalt eines Pferde- oder Eselhufes mit Bild-
des Mutunus Tutunus aufgestellten Ableitungen ; werken (Satyrköpfe auf dem gewölbten Rücken,
vgl. z. B. die von Öhler (zu Ttrtull. apol. 25 ein Phallus auf der Unterseite, Brustbild einer
S. 221) angeführte Erklärung des Bigaltius zu jugendlichen männlichen Figur auf der Rüek-
ad nat. 2, 11, 'qni vocabula Mutunus et Tutu- seite) und der Inschrift PREMA ARIMN MV-
nus derivat a meo et tuo inter venereos am- TINO (mit Abbildung veröffentlicht von E.
plexus vocabulis'; ferner Salmasius, Plinianae Braun in Monum. Ann. Bull. d. inst. 1854
Exercitationes 1 S. 219 f., der Mutunus durch S. 83 ff.; Orelli- Henzen 6110; angeblich bei
207 Indigitamenta (Neniestr. — Noduterensis) Tndigitamenta (Nodutus — Occator) 208
Bimini gefunden) ist eine Fälschung (C. I. L. terere) wie Candelifera, Domiduca u.s. w. ; vgl.
11, 40* [falsae]). Ganz willkürlich ist die An- zu -terensis Corssen, Graßmann und Vanicek
nähme, dafs ein auf einem Denar der gens a. aa. 00.
Titia abgebildeter bärtiger Kopf mit Flügeln Nodutus (Nodutis Arnob.), nicht Nodotus
an den Schläfen Mntinus Titinus darstelle, den (Vulgata bei Augustinus). Arnob. 4, 7 Nodutis
jene gens der Namensähnlichkeit wegen auf (doch wohl Nodutus zu lesen) dicitur deus, qui
die Münze gesetzt habe {Walz in Paulys ad nodos perducit res satas. August, 4, 8 prae-
Eealencycl. 5 S. 285 s. v. Mutinus, wo Litte- fecerunt . . . giniculis nodisque cuhnorum deum
ratur angegeben; Babdon, Description histor. Nodutum. 4, 11. Sp. 146, 10 ff. Zum Namen
et chrono!, des monnaies de la republ. rom. 2 10 vgl. Grafsmann S. 110 nr. 7. Corssen, Ausspr.
[Paris 1886] S. 489 f. zu S. 490 nr. 1; andere 23 S. 173. Vanicek, Etym. Wöiterb. d.lat. Spr.-
Erklärungen jenes Kopfes bei Eckliel, Doctr. S. 89 f. Griech.-lat. etym. Wörterb. 1 S. 240.
num. 5 S. 325). Ambrosch (Studien S. 156 Anru.) Nona die Göttin, welche angerufen wurde,
schlägt für den Fall, dafs bei Yarro 1. 1. 5, 52 wenn die Geburt im neunten Monat der
der im cod. Florentinus überlieferte Name des Schwangerschaft erfolgte, Yarro bei Gell. 3,
collis Mucialis (wofür Scaliger Atartialis las) 16, 10 (Sp. 138, 15 ff.). Tertull. de anima 37
einer Emendation bedürfe, vor zu schreiben (s. Decima). Sp. 144 Z. 10. In dem Fragmente
collis Mutinalis mit Beziehung auf Mutinus. des Caesellius Yindcx bei Gell. 3, 16, 11 (s.
Altere Litteratur über Mutunus Tntunus führen Sp. 184, 1 ff . und Decima) erscheint die ur-
Hildebrand zu Arnob. 4, 11 (S. 346) und Öhler 20 sprüngliche Geburtsgöttin zu einer Sehieksals-
zu Tertull. apol. 25 (S. 221) aD. göttin im Sinne der griechischen Moiren um-
Nemestrinus der Gott der nemora, Arnob. gedeutet, s. Sp. 171, 3f. 184, 9 ff. Vgl. bei
4, 7. Sp. 148, 12 ff. Zum Namen vgl. Corssen, Decima die Bemerkung gegen Marquardt utd
Krit. Seitr. z. lat. Formen!. S. 413 f. Ausspr. weiterhin Parca.
2ä S. 215. Grafsmann S. 112 nr. 13 (falsch Ne- Numeria. 1) Yarro Catus de liberis edu-
mestrina). Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.2 candis (fr. 6 S. 248 Riese) bei Non. S. 352 s. v.
5. 141. Griech.-lat. etym. Wörterb. 1 S. 433. numerum (s. Sp. 130, 43 ff.): 'ut qui contra cele-
Nenia (Naenia Fest.). Arnob. 4, 7 in tutela riter erant nati fere Numerios praenominabant,
sunt . . . Neniae, quibus extrema sunt tempora. quod qui cito facturum quid se ostendere vole-
August. 6, 9 (Sp. 131, 17 ff.) Yarro commemo- so bat diccbat num er 0 id fore; cpwdetiam in partu
rare . . . deos coepit a conceptione hominis ... precabantur Numeriam, quam deam solent in-
eamque serieni perduxit usque od decrepiti ho- digetare etiam pontifces.' Sp.147, 44 ff. Davon ist
minis mortem, et deos ad ipsum hominem per- nach der pontiflcisehen Lehre (vgl. Sp. 174, 31 ff.)
tinentes clausit arl Xiniam deam, quae in fune- wohl verschieden 2) Auguit. 4,11 Numeria,
ribus senum cantatur. Sp. 145 Z. 76. Festus quae numerare doceat. Thesaur. nov. latinitatis
S. 161 s. v. [Naeniae deaej und Paul. S. 163 bei Mai, Class. Auct. 8 S. 384 Numeria dea
s. v. Naeniae erwähnen ein sacellum der Göttin numeri. Sp. 143 Z. 51. Nach Schicench (Mythol.
aufserhalb der Porta Viminalis (vgl. über das- d. Rom. S. 120) ist Numeria die Geburtsgöttin,
selbe Becker, Topogr. S. 567. Preller, B. HL3 2 welche die Geburt mit der richtigen Zahl der
S. 220, der es in der Nähe des lucus Libitinae 40 Tage eintreten läfst und verhindert, dafs sie
vermutet). Das Wort nenia ist ein griechisches darüber hinaus aufgehalten werde; danach wäre
Lehnwort (Saalfdd, Tensawus italograecus es allerdings ein und dieselbe Numeria, welche
Sp. 737 f.), aber offenbar so früh aufgenommen, bei der Geburt und beim Zählen angerufen
dafs es zuletzt ganz zum römischen Worte ge- wird. Zum Namen vgl. Grafsmann S. 109 nr. 2.
worden ist. Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 141.
Noduterensis. Arnob. 4, 7 quae praeest Griech.-lat. etym. Wörteib. 1 S. 433.
frugibus terendis, Noduterensis; 4, 11. Sp. 148, *Nundina. Macrob. Sat. 1,16,36 est etiam
3 ff. Salmasius wollte bei Arnobius 4, 7 statt Nundina Bomanorum dea a nono die nascen-
Noduterensis lesen Tcrensis, 4, 11 für Nodu- tium nuncupata qui luitricus dicitur; est autem
terensem: Nodutim, Tcrensem. Diese Änderung 50 lustricus dies (vgl. Paul. S. 120 s. v. lusirici
fand vielfache Aufnahme (Härtung, Bei. d. Rom. dies; 2Iarquardt, Privatleben 1- S. 83) quo ;'«■■
2 S. 132. Ambrosch, Beligionsbüclur Heft 2 fantes lustrantur d nomen accipiunt, sed is
S. 241 = Abdr. S. 21. IValz in Paulys Beeilen- maribus nonus, oetavus est feminis. Sp. 177,40ff.
cycl. 6, 1 S. 437. Marquardt , Staatsverw. 32 Obarator der Gott des Überpffügens (ob-
S. 16 f. Preller, B. M.1 S. 437. Boissier, Etüde arare) des Feldes nach der Einsaat, welchen
S. 238. Corssen, Krit. Bcitr. z. lat. Formenl. nach dem Sp. 181, 7 ff. mitgeteilten Fragmente
S. 478. Grafsmann S. 114 nr. 25. Pouche- des Fabius Pidor bei dem Interpol. Serv.georg.
Leclercq, Les Pontifes S. 37. Vanicek, Griech- 1, 21 der Flamen bei der Darbringung des
lat. etym. Wörterb. 1 S. 290); es liegt jedoch sacrum cereale anruft. Vgl. Sp. 181, 41 ff. Zum
ganz und gar keiu Grund vor, den an zwei 60 Namen vgl. Grafsmann S. 113 f. nr. 21.
Stellen übereinstimmend überlieferten Namen Occator der Gott des Eggens (occare) des
anzuzweifeln; derselbe wird sogar geradezu als Ackers nach dem auf die Einsaat folgenden
richtig erwiesen durch seine Stellung 4, 7 in Überpflügen, welchen nach dem Sp. 181, 7 ff.
einer Gruppe von Götternamen, welche mit mitgeteilten Fragmente des Fabius Pictor bei
N oder 0 beginnen (s. Sp. 141, 8 ff.); vgl. das dem Interpol. Serv. georg. 1, 21 der Flamen bei
Sp. 140 f. über die alphabetische Anordnung der Darbringung des sacrum cereale anrnft.
der Indigetennamen bei Arnobius Gesagte. Vgl. Sp. 181, 41 ff. Auch Serv. georg. 1, 21
Der Name ist eine Zusammensetzung (nodus, (Sp. 129, 64 ff.) nennt den Gott; vgl. Sp.147, 67ff.
209 Indigitamenta (Odoria — Ossipago)
Zum Namen vgl. Grafsmann S. 113 f. m\ 21.
Vanieek, Etym. Wöiterb. d. lat. Spr." S. 5.
Griech.-lat. etym. Wörterb, 1 S. 7.
* Odoria dea odoris vel pro odore, Thesaitr.
nov. latinitatis bei Mai, Class. Auct. 8 S. 399;
vgl. Sp. 177, 64ff.
Orbona (Cic, Plin.), Orbana (Tertulh, Ar-
nob.'!). Tertulh adnat.2, 15 [Orjbana, quae in
orbitatem semina extinguat. Arnob. 4, 7 in tutela
sunt Orbonae (oder Orbanae? die Handschrift
bat urbanane; Orbonae Sabaeus) orbati liberis
parentes. Sp. 145 Z. 74. Die Stelle des Cyprian.
quod idola dii non sint 4: . . . ut sit apud Mos
Viduus deus, qui anima corpus viduet, qui quasi
feralis et funebris intra muros non habetur, sed
foris conlocatur et nihilominus (is vel deus fügt
Vonck hinzu), quia extorris fattus damnatur
potius Bomana religione quam colitur. est tt
Scansus . . . (s. Ascensus) . . . et Cardea a car-
dinibus et ab orbitatibus Orbona (suborbana
cod. Monacens. 208) ist eine alte, aus Tertulh
ad not. 2, 15 genommene Interpolation der
cyprianischen Schrift, s. Ascensus. Nach den
angeführten Stellen des TertulUanus und Arno-
bius ist also Orbona die Göttin, welche die
Kinder tötet, so dafs die Eltern kinderlos
(orbus) werden (nicht 'die Göttin des Verwaist-
seins, von solchen Eltern angerufen, die ver-
waist wieder Kinder zu erhalten wünschen' [!],
Georges im Lat.- deutsch. Handicörterb. s. v.
Orbona; falsche Auffassungen auch bei Härtung,
Bei. d. Born. 2 S. 257 und in Paulus Bealencycl.
5 S. 963 s. v. Orbona). Die Änderung Prellers
(Archäol. Ztg. 16, 1858 Sp. 194 ff. = Ausgew.
Aufsätze S. 306 ff. und B. M.s 2 S. 219 Anm. 3)
lumina für semina bei TertulUanus und Deu-
tung ' welche das Licht der Augen vollends
auslöscht' hat C. Bursian (in der Anzeige von
Prellers B. M.1 im Literarischen Centralblatt
1859 Sp. 609) zurückgewiesen. Cicero (n. d.
3, 25, 63) = Plinius (n. h. 2, 16) erwähnen ein
fanum der Orbona bei der in summa sacra via
gelegenen aedes Larum (vgl. dazu Ambrosch,
Studien S. 51). Zum Kamen vgl. Grafsinann
S. 111 nr. 12. Corsstn, Ausspr. I2 S. 147. 162.
Vanieek, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.s S. 27.
Griech.-lat. etym. Wörterb. 1 S. 62. Curtius,
Grundz. d. gricch. Etym.5 § 404 S. 294.
Ossipago die Göttin, welche den Kindern
die Knochen kräftigt, Arnob. 4, 7. 8 (wo beide
mal die Handschrift ossilago [danach Ossilago
bei Georges, Lat.- deutsch. Bandwörterb. s. v.
ossüago und in Paulys Bealencycl. 5 S. 1016
s. v. Ossilago] bietet, Ossipago verbesserte Can-
terus); gehört zu den Gottheiten Sp. 143/444
Z. 23 ff. Bei Arnob. 3, 30 führt Iuno den Bei-
namen Ossipagina (wofür Preller, B. M.3 1
S. 275 f. Anm. 5 ohne Grund Opigena lesen
will); vgl. hierzu Sp. 172 ff. Jeder Begrün-
dung in der Überlieferung entbehrt die bei
Härtung (Bei. d. Böm. 2 S. 241) angegebene
Form Ossipanga und die in Paulys Bealencycl.
a. a. 0. aufgeführte Form Ossipango. Zum
Namen (von ossa und pangere, altlat. pagere)
vgl. Grafsmann S. 108 nr. 1 (wo ebenso wie
bei Härtung a. a. 0., Ambrosch, Beligions-
bücher Heft 2 S. 235 = Abdr. S. 15, Walz in
Paulys Bealencycl. 6, 1 S. 434 und Boissier,
Indigitamenta (Panda)
210
Etüde S. 235 der Name falsch Ossipaga heifst).
Corssen, Ausspr. I2 S. 393. Vanieek, Etym.
Wörterb. d. lat. Spr} S. 148 f. Griech.-lat. etym.
Wöi terb. 1 S. 460.
Panda. 1) Arnob. 4, 3 et quod Tito Tatio,
Capitolinum ut capiat collem, viam pandere
atque aperire permissum est, dea Panda est ap-
pellata vel Pat.tica. Sp. 148, 40 ff. Von der
Göttin Panda war offenbar die Rede in einem
10 von Nonius (S. 44 s. v. pandere) unverständig
gekürzten Citat aus Varro de vita populi Bo-
mani lib. I (Hb. I fr. 4 S. 21 Kettner): pandere
Vano existimat ea causa dici, quod qui ope
indigerent et ad asylum Gereris confugissent,
panis [is] daretur, pandere ergo quasi panem
dare tt quod numquam fanum tahbus claudtrc-
tur, de vita popmli Bomani lib. I 'haue deam
Aelius putat esse Cererem, sed quod in asylum
qui confugissent panis [is] daretur, esse nomen
20 fictum a pane dando pandere quod est aperire''
(die Stelle ist offenbar stark verderbt, vgl.
L. Müllers Ausgabe und Mommsen, Unteritul.
Dial. S. 135 f. Anm. 19; Kettner bemerkt in
der Anmerkung zu dem Fragmente 'Varro for-
tasse addiderat ideoque a pandendo dictum
Pandam'). Gloss. Labiaei (Abt. 1 S. 129 col. 1)
Panda tlgr'ivr}g &i6g. Die eigentliche Be-
deutung der Göttin ist weder aus der ätio-
logischen Fabelei (s. Sp. 187, 25 ff.), welche
30 Arnobius mitteilt, noch aus der etymolo-
gischen Spielerei Panda von panem dare
(s. Sp. 171, 44ff.) und der damit zusammen-
hängenden Gleichsetzung mit Ceres mit Sicher-
heit zu entnehmen; es ist nur so viel klar,
dafs der Name Panda und jedenfalls auch Pan-
tica mit pandere zusammenhängt, also eine
Göttin des Eröffnens bezeichnet, vgl. Corssen,
Krit. Beitr. z. lat. Formenl. S. 115. Krit. Nachtr.
z. lat. Formenl. S. 111. Krit. Beitr. zur ital.
40 Sprachkunde S. 324. Grafsmann S. 108 nr. 1.
Vanieek, Etym. Wörterb. d. lat. £pr.2 S. 332.
Griech.-lat. etym. Wörterb. 1 S. 471. Denselben
Urspiung hat jedenfalls der Name der Göttin
Empanda, Paul. S. 76 Empanda paganorum
dea, über welche sich natürlich nichts Weiteres
sagen läfst {Härtung, Bei. d. Böm. 2 S. 76:
Empanda = Panda). Mommsen ( Unterital. Dicd.
S. 135 f.; vgl. Ann. d. inst. 20, 1848 S. 424)
unterscheidet die Panda vel Pantica, die dem
so Titus Tatius den Weg zum. Capitolium öffnet,
als Lokalgottheit, als Genius der Porta Pan-
dana auf dem Capitolium (S. 135 Anm. 18)
von der Panda, cdie als Ceres charakterisirt
wird, und wahrscheinlich auch sabinisch war'
(S. 136 Anm. 20 'Wenn Serv. ad Virg. Georg.
1, 7' [vielmehr der Interpolator Servil] 'sagt:
quamvis Sabini Cererem Panem appellant, so
möchte hier auch eben die Panda gemeint
sein und eine confuse Beziehung auf die Stelle
60 des Varro zu Grunde liegen'; Preller, B. M.3
2 S. 224 Anm. 4 will für Panem direkt Pan-
dam schreiben und Thilo hat diese Kon-
jektur sogar in den Test aufgenommen; s. da-
gegen S.Bugge. Altitalische Studien. Christian.
1878 S. 45 f.); diese erklärt er als eine Göttin,
welche die Erde erschliefst und die Saat ihr
entlockt; er vergleicht die Göttin LJccväiva
(S. 136 f.), welche auf Münzen von Hippon und
211 Indigitamenta (Pantica. Parca) Indigitaineiita (Partula — Patellana) 212
Terina als eine Frau, die in der Linken einen sammenbringt {Härtung, Bei. d. Rom. 2 S. 231 f.
Stab, in der Rechten zwei Mohnköpfe oder Georges im Lat.- deutsch. Handivörterb. s. v.
zwei Ähren hält, und unter deren rechter Hand Parca) oder auf die Wurzel park flechten zu-
eine Mohnblume sprofst, dargestellt ist (s. die rückführt (vgl. Grafsmann S. 108 nr. 1. Vanicek,
Angaben über die Münzen bei Mommsen S.136). Etym. Wörterb. d. lat. Spr.° S. 162. Griech.-lat.
Preller {R. 2lf.s2 S. 224) meint, dafs die Porta etym. Wörterb. 1 S. 520. Curtius, Grundz. d.
Pandana am Abhänge des Capitoliums nach grieeh. Etym.b § 103 S. 165f.), sieht man in der
der Panda benannt gewesen und die Göttin, Göttin von vornherein eine 'Zutheilerin' oder
deren Namen auf den Kult einer Erntegöttin 'Flechterin' (des Schicksalsknäuels; vgl. A7<b-
(Anm. 3 'die p. Pandana war mit der p. Saturnia 10 ifro), also eine Schicksalsgöttin. Diese grie-
identisch, . .. daher es nahe liegt bei der chischen Vorstellungen können aber unmöglich
Panda an die Ops zu denken') zurückführe, das ursprüngliche Wesen der Göttin ausmachen,
dort verehrt worden sei; doch ist ein Zu- Parca ist vielmehr jedenfalls- thatsächlich ein
sammenhang der Porta Pandana mit Panda ursprünglicher Indiges der Geburt (Par-ca von
sehr unwahrscheinlich (s. Jordan, Topogr. d. par-ere, par-tus), der wie Nona und Decima
Stadt Rom 1, 2 S. 122). Unhaltbare Ansichten durch Umdeutung zur Schicksalsgöttin ge-
über Panda bei Härtung, Rel. d. Rom. 2 S. 76 f. macht und in einer Dreizahl gedacht mit den
Der Name Panda kehrt wieder in dem Namen griechischen Moiren identificiert wurde (vgl.
2) ? Panda Cela, den Mommsen als Doppel- hierzu Sp. 171, 3f. 184, 9ff.; s. Parca, Parcae;
Damen einer Göttin in dem bei Gell. 13, 23, 4 20 nicht richtig Härtung a. a. 0. S. 232 f.: 'Um
erhaltenen Fragmente der menippeischen Satire Uebereinstimmung mit der griechischen Vor-
Varros Zy.Lafiaxia (fr. 1 S. 219 Riese, fr. 1 S. 215 Stellung herzustellen, bat Varro diese Bei-
Büch.3) Ted Anna Perenna, Panda Ccla, te namen' [d. i. Nona uud Decima] 'als beson-
Fales | Xerienes et Minerva, Fortuna ac Ceres dere Individuen gerechnet, und die Parce, der
hergestellt hat, s. Sp. 183, 44ff. (von Riese und sie beigelegt waren, als ein von jenen ge-
Bücheler in den Text aufgenommen; vgl. über trenntes Wesen betrachtet, und auf diese Weise
die verschiedenen Herstellungsversuche der richtig eine Dreiheit herausgebracht'). Vgl.
beiden Verse den kritischen Apparat in 31. Sp. 167, 1 ff.
Hertas gröfserer Ausgabe des Gellius). Be- Partula eine Göttin der Geburt, Tertull. de
deutet der Name Panda die Eröffnerin, so be- so anima 37. Sp. 144 Z. 12; vgl. Sp. 167, 1 ff. Zum
zeichnet Cela (von celare) die Verbergerin, Namen vgl. Grafsmann S. 114 nr. 22. Vanicek,
Schliefserin. 'Panda Cela molto bene si di- Etym. Wörterb. d. lat. Spr" S. 159. Griech.-
rebbe Proserpina' {Mommsen in Ann. d. inst. lat. etym. Wörterb. 1 S. 504 f.
a. a. 0.); 'wir dürfen . . . die TlarSiva = Ceres Patella. Arnob. 4, 7 Patellana nunun est
auch mit Proserpina identificiren, welche be- et Patella, ex quibus una est patefactis, pate-
kanntermassen der Sage nach in Hippon geboren faciendis rebus altera praestituta; 4, S. Sp. 147,
war und . . . dort eifrig verehrt ward. Dass die 63 ff.; vgl. Sp. 167, lff. Preller {R. M.3 2 S. 224)
Pandina vorzugsweise auf Münzen von Hippon erklärt Patella als 'die Göttin der hervorge-
vorkonimt, weist ebenso wie die Embleme der tretenen und im Liebte des Himmels reifenden
Münzen auf ein Zusammenfallen derselben mit 40 Ähre' indem er bei Arnobius patefaeündis
Proserpina hin, und wenn die Panda, die ja frugibus statt patefaciendis rebus liest (Anm. 1) ;
auch Cela ist, andrerseits als Ceres erscheint, 'also wäre diese die eigentliche Erndtegöttin,
so sind Mutter und Tochter mythologisch so die blonde Ceres der Griechen . . . und in der
innig verwandt, dass hierin kaum eine ver- That scheint die Erndtegöttin in dem alten
schiedenartige Auffassung liegt' {Unterital. Italien meist unter diesem Namen verehrt
Dial. S.136 f.). Marquardt {Staa'sveric. 3SS. 19) worden zu sein. Wenigstens nennen die igu-
meint, dafs Tellus als Panda Cela angerufen vinischen Tafeln eine Göttin Padella' (Taf.
werde. Alle diese Deutungen sind aber un- Via 14 Padellar [gen.], Bücheier, UmbricaS. 49,
haltbar, denn Panda und Panda Cela sind, dazu S. 48. 183) 'und die oskische Weihinschrift
wie überhaupt die Indigetes, nur für sich be- 50 von Agnone eine Patana' (Vorderseite Z. 14,
stehende Vergöttlichungen abstrakter Begriffe Rückseite Z. 17, Mommsen , Unterital. Dial.
(s. Sp. 174, 31 ff.); wahrscheinlich ist es aller- S. 128 f. Zvetajeff, Sylt hiscr. ose. S.7. Mommsen
dings, dafs beide Gottheiten des Landbaues übersetzt den Namen mit Panda als die 'dea
(Sp. 145, 54 ff. Reihe c) sind. Zum Doppel- . . . quae patat s. pandit', vgl. S. 135 f. 285;
namen Panda Cela vgl. Sp. 186, 26ff. S. auch 'so ist denn die Patanü . . . die Göttin, welche
Patella. den Schoos der Erde öffnet und die Saaten
Pantica s. Panda nr. 1. ihm entlockt' S. 137; vgl. dens. in Ann. d. inst.
Parca nennt Varro bei Gell. 3, 16, 10 (Sp. 20, 1848 S. 424 und Henzen das. S. 403), 'die
138, 15 ff.) mit Nona (s. d.) und Decima (s, d.) höchst wahrscheinlich mit jener Patella iden-
zusammen als Göttin der Geburt: nam 'Parca' 60 tisch sind.' Dafs Patella zu den Indigetes
inquit ' itimutata una littera a partu nominata'. des Landbaues gehört, zeigt die eng verwandte
Sp. 147, 40 ff. Dies ist offenbar die eigentliche Patellana (s. d.). Zum Namen (patere) vgl.
Bedeutung der ursprünglich nur einen Parca, Grafsmann S. 108. Vanicek, Etym. Wörterb.
die allerdings gegenwärtig aufser von Preller d. lat. Spr.- S. 153. Griech.-lat. etym. Wörterb. 1
{R. M.3 2 S. 193; in etwas anderer Auffassung S. 470 f.
vorher in Paulys Realencycl. 3 S. 435 f.) kaum Patellana {Arnob.), Patelana {August.).
noch richtig festgehalten wird; denn indem Arnob. 4, 7, bei Patella im Wortlaut mitge-
man den Namen Parca entweder mit pars zu- teilt; August. 4, 8 {praefecerunt ergo) . . . cum
213 Indigitamenta (Paventina — Pilurnnus) Indigitamenta ^Pilumnus) 214
folliculi patescunt, ut spica exeat, deam Pate- bus deputantur. Varro de vita populi Bomani
lanam. Sp. 146, 10 ff.; vgl. Rp. 167, lff. Offenbar lib. II (lib. II fr. 18 R. 33 Kettner) r natus si
haben Arnobius und Augustinus nicht verschie- erat vitalis ac sublatus ab obstetrice, statueba-
dene (Ambrosen, Beligionsbücher Heft 2 R. 240 tur in terra ut auspicaretur reetus esse; düs
= Abdr. S. 20. Marquardt, Staatsveriv. 32 R. 16 coniugalibus Pilumno tt Picumno in aedibus
Anm. 91, sondern ein und dieselbe Göttin im lectus sternebatur' (vgl. Interpol. Sero. Aen. 9, 4
Auge (die geringe Abweichung in den Namens- von denselben Göttern: Varro coniugales deos
formen beruht vielleicht nur auf der Über- stispicatur); darauf bezieht sich das Rp. 145,
lieferung; die von Ambrosch a. a. 0., Walz in 23 ff. mitgeteilte Excerpt des Interpol.Serv.Aen.
Paulys Bealencycl. 6, 1 S. 437, Preller, B. M.1 10 10, 76 aus Varro, wo es jedoch heifst, dafs
R. 591 und Bouche-LicJercq, Les Pontifes R. 36 Varro den Pilumnus und Picumnus infantium
aufgeführte Form Patelena entstammt älteren deos genannt habe. Picumnus und Pilumnus
Ausgaben des Augustinus). Zum Namen (zu werden außerdem verbunden genannt von
patere u. s. w. gehörig) vgl. Grafsmann R. 111 Fabius Pictor iuris pontificii lib III bei Non.
nr. 11. Vanieek an den bei Patella aa. 00. R. 518 s. v. Picumnus: 'Pilumno et Picumno''
Paventina oder Paventia die Göttin der (Pilumnus allein erwähnt von Minuc. Fei.
Furcht der Kinder, Ttrtull. adnat. 2,11 [Imbent Oct. 25). Der Interpol. Serv. Aen. 10, 76 be-
et Pavejntinam patoris u.s.w. August. 4, 11 de richtet Piso Pilumnum dictum (so. ait), quia
pavore infantium Paventia nuneupetur. Rp. 143 pellat mala infantiae (fr. 44 Peter S. 137 ed.
Z. 41. Zum Namen vgl. Grafsmann R. 109 nr. 2. 20 mai., R. 86 ed. min.). Dies bezieht sich allem
R. Ulf. nr. 13. Vanieek, Etym. Wörterb.d. lat. Anscheine nach auf den von Augustinus 6, 9
Spr.- R. 170. Griech.-lat. etym. Wörterb. 1 R. 541. nach Varro geschilderten Brauch, in welchem
Pecunia die Göttin des Geldes, Arnob. 4, 9. Pilumnus als Beschützer der Frauen nach der
August. 4, 21. 24. 7, 3. 11. 12. Rp. 145, 39ff. Über Geburt und des neugeborenen Kindes eine Rolle
Pecunia als Beiname Iuppiters vgl. Rp. 172, 38 ff. spielt, s. die wörtliche Mitteilung der Rtelle
Pellonia die Göttin, welche die Feinde bei Deverra. Picumnus und Pilumnus erscheinen
vertreibt, Arnob. 4, 4. Augutt. 4, 21. Rp. 148, bei diesen Gelegenheiten als Beschützer des
21 ff. Zum Namen (pellere) vgl. Grafsmann ehelichen Kindersegens, aber nicht, wie Preller
R. 110 nr.-2c. Vanieek, Etym. Wöiterb. d. lat. (B. M.3 1 S..376) erklärt, 'vermöge der ge-
Spr.° S. 335. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S.1183. 30 wohnlichen Übertragung der Aussaat und des
Peragenor. Tertull. ad nat. 2, 11 ... ab Gewächses der Feldfrucht auf die Frucht des
actu Peragenorem u. s. w. Rp. 143 Z. 46; vgl. Menschen'; denn solche Beziehungen der
Rp. 167, lff. Zum Namen (peragere) vgl. Grafs- beiden Götter treten auch an denjenigen
mann R. 113 nr. 20. Rtellen, wo Picumnus und Pilumnus als dii
Perfica. Arnob. 4, 7 etiamne Perfica una est agrestes (Non. R. 518 s. v. Pilummis: Aemüius
e populo numinum, quae obscenas illas et luteas Macer in Ornithogoniae lib. I 'et nunc agrestis
voluptates ad exitum perficit chdeedine inoffensa inter Picumnus habetur') erscheinen, nicht her-
procedere? 4, 11. Rp. 147, 37 ff., zu den dii con- vor: Isidor. or. 4, 11, 6 (vgl. dazu H. Kettner,
iugales gehörig. Bei Tertull. ad nat. 2, 11 ordi- Varron. Studien. Halle 1865 S. 27 f.): Varro . . .
nati [» * pro pujdorl et Mutunus et Tutunus 40 refert Pilumnum quemdam in Italia fuisse, qui
et dea Pertunda et Subigus et Prema mater pinsendis praefuit arvis: unde et pilumni et
[. . .] parcite dei impudentes! hat Ohler will- pistores. ab hoc ergo pilum et pilum inventa,
kürlich und falsch Prema [dea et Perfica.] quibus far pinsitur , et ex eins nomine ita ap-
parcite u. s. w. geschrieben; vgl. Prema. Zum pellata. Serv. Aen. 9, 4 Pilumnus et Pilumnus (lies
Namen vgl. Grafsmann R. 108 nr. 1. Vanieek, Picumnus) fratres fuerunt dii. horum Pitumnus
G-riech.-lat. etym. Wörterb. 1 R. 384. (lies Picumnus) usum stercorandorum invenit
Pertunda. Tertull. ad nat. 2, 11 (iLrleuer- agrorum, unde et Sterculinius (s. d.) dictus est,
tuncle cod. Agobard., dea Pertunda Bigaltius). Pilumnus vero pinseneli frumenti: unde et a
Arnob. 4, 7 etiamne Pertunda, quae in cubiculis pistoribus deus eolituv. ab ipso tt pilum dictum
praesto est virginalem scrobem effodientibus ma- 50 est. = Mythogr. Vatic. II 183; Interpol. Serv.
riiis? 4, 11. August. 6, 9. Rp. 143/144 Z. 64. Aen. 10, 76 sed Pilumnus idem Stercutius, ut
67, vgl. Sp. 147, 6 f. Zum Namen (pertundere) quidam dieunt, qui propiter pilum inventum, quo
vgl. Grafsmann S. 108 nr. 1. Vanieek, Etym. fruges confici solent , ita appellcUus est. Mart.
Wörterb. d. lat. Spr.- S. 328. Griech.-lat. etym. Cap. 2, 158 comminuendae frugis farrisque frag-
Wörterb. 2 S. 1156. Curtius, Grunds, d. griech. menta Pilumno assignat Italia (vgl. Plin. n. h.
Etym.5 § 248 R. 226 f. 18, 10 cognomina etiam prima inde: Pilumni
Peta. Arnob. 4, 7 rebus petendis Peia (sc. qui pilum pistrinis invenerat). Der Name Pi-
praesto est); 4, 8. Sp. 147, 23 ff. Zum Namen lumnus wird in diesen Stellen richtig mit pi-
vgl. Grafsmann S. 108 nr. 1. Vanieek, Etym. lum Mörserkeule in Zusammenhang gebracht:
Wörterb. d. lat. Spr.'' S. 151. Griech.-lat. etym. 60 Pilu-mnu-s ist das Participium (s. über diese
Wörterb. 1 S. 467. Bildungen die bei Alemona angegebene Litte-
Picumnus und ratur) eines vom Stamme in pilum abgeleiteten
Pilumnus hatte Varro in der Schrift de Verbum auf o oder u und bezeichnet den mit
vita populi Bomani als dii coniugales (Sp. 144 der Mörserkeule thätigen Gott, der dem Ge-
Z. 21. J 147, 46 f.) bezeichnet und angegeben, treidestampfen vorsteht und mit seiner "Waffe
bei welcher Gelegenheit dieselben verehrt die Frau nach der Geburt und das neugeborene
wurden: Non. S. 528 (Sp. 142, 37 ff.) Pilumnus Kind behütet (vgl. Corssen, Ausspr. I2 S. 528.
et Picumnus dii praesides auspieiis coniugali- 652 Anm. 22 S. 173 f. Vanieek, Etym. Wörterb.
215 Indigitamenta (Pitunmus) Indigitamenta (Pollentia — Postverta) 216
d. lat. Spr.s S. 169. Griech.-lat. etym. Wörterb. ? Pollentia. Liv. 39, 7, 8 f. (567/187) ludis
1 S. 538. Beckstein in der bei Alemona angef. Bomanis eo anno, quos P. Cornelius Cethegus
Abhandlung S. 391. 394. Curtius, Grundz. d. A. Postumius Albinus faciebant, malus in circo
griech. Etym.6 § 365 b S. 276 f.; anders Grafs- instabilis in Signum Pollentiae proeidit atque
mann S. 112 m\ 15). Mit Stereutius, mit dem id deiecit. ca religione moti patres et diem unum
er bei dem Interpol. Serv. (Aen. 10, 76) identi- adiciendum ludorum censuerunt et signa duo
ficiert wird, hat demnach Piluinnus nichts zu pro uno reponenda et novum auratum facien-
thun. Picumnus wird ebenfalls falsch mit Ster- dum. Sp. 183, 23ff.; vgl. Sp. 186, 63ff.
culinius identificiert und als ein Gott des *Porrima. Ovid. f. 1,633 ff. (von der Feier
Düngens hingestellt (Serv. Aen. 9, 4). Name 10 der Carinentalia) Porrima placatur Postverta-
und Bedeutung dieses Gottes wird durch die que, sive sororcs | sive fugae comites, MaenaH
Ansieht Haitungs (Rel. d. Rom. 2 S. 175 f.) : 'Es diva (d. i. Carmenta), tuae. \ altera quod porro
ist wahrscheinlich, dafs auch Picumnus, der fuerat cecinisse putatur, \ altera versurum post-
stete Gesellschafter des Pilumnus, eine solche modo quiequid erat. Interpol. Serv. Aen. 8, 336
Waffe führte, und die Form seines Namens alii Imius (der Carmentis) comites Porrimam et
scheint dies anzudeuten. Pinna (welches Wort Postvertam tradunt, quia vatibus et praeterita
wahrscheinlich aus piena verändert ist) nannte et futura sunt nota. Sp. 177, 33 ff. Da Postverta
man im älteren Latein die Schärfe der Axt' (s. d.) als Indiges bezeugt ist; kann es keinem
(Quint. 1, 4, 12, wo aber von pinnum, nicht Zweifel unterliegen, dafs auch Porrima nicht
von pinna die Rede ist), 'otk<jos bedeutet so 20 ein Beiname der Carmenta (Härtung, Bei. d.
viel als wie acer oder acerbns, nzißnco im Grie- Rom. 2 S. 199, der auch Antevorta, Postverta
chischen, pinso im Lateinischen, pinashmi im. und Prorsa so erklärt; H. Peter z. d. St. des
Indischen heifsen stofsen, stampfen: davon Ovidius; vgl. auch Marguardt, Staatsvertv. 32
scheint die ulaaa — pica benannt zu sein, deren S. 19. Wissowa s. v. Carmenta in Bd. 1 Sp. 853,
Schnabel eine lebendige Hacke ist' nicht rieh- 4 ff. 854, lOff. und dagegen das Sp. 174, 31 ff.
tig erklärt. Pic-u-nmu-s ist ein Participium Gesagte), sondern der Name eines selbständigen
von spicere (Pic-u-mnu-s aus *pic-o-meno-s für Indiges ist. Die beiden Stellen zu Grunde lie-
*spic-o-meno-s; vgl. Corssen, Krit Beitr. z. lat. gende Etymologie sowie die ganze Auffassung
Formenl. S. 457 f. Ausspr. 1- S. 528. 22 S. 173. des Wesens der Porrima und Postverta als
Vauiceh, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.3 S. 333. 30 Schicksalsgöttinnen, welche in die Zukunft
Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 1174. Beckstein und in die Vergangenheit schauen (s. Ante-
a. a. 0. S. 388 f.; anders Grafsmann a. a. 0.) vorta), ist aber falsch und wie die Erzählung
und bedeutet wie Picus (*spic-us), mit dem von den beiden Göttinnen als Schwestern und
Picumnus eng verwandt, aber nicht identisch Begleiterinnen der Carmenta ein Erzeugnis ge-
(Non. S. 518 Picumnus et avis est Marti dicata, lehrter Forschung (vgl. Sp. 187,25ff). Wie der
quam picum vel picam vocant; Härtung , Bei. Name (Porrima eine Bildung mit dem Super-
d. Rom. 2 S. 173 f. Schivegler, B. G. 1 S. 214. lativauffix -imo von porro, vgl. Corssen, Krit.
233 f. Preller, B. M.3 1 S. 375 f. Bubino, Bei- Beitr. z. lat. Formenl. S. 402. Grafsmann S. 113
träge z. Vorgesch. Italiens S. 210 Anm., der nr. 17. Vaniceh, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.-
auch Pilumnus mit Gerhard in Hyperboreiseh- 40 S. 157. Griech.-lat. ttym. Wöiterb. 1 S. 490)
röm. Studien für Archäologie 2 S. 96 Anm. 26 zeigt, ist Porrima vielmehr wie Antevorta und
als = Faunus betrachtet) ist, den 'Späher', Prorsa (s. d.) der Indiges einer nach vorwärts
den 'Vorsorglichen', also zunächst einen länd- gewandten Lage des Kindes bei der Geburt
liehen Schutzgeist, dann einen Beschützer des (Kopfgeburt), wie schon Preller (R. M.3 1
Kindersegens. Der Auffassung Prellers (a. a. 0.), S. 406) richtig erklärt hat. Vgl. Sp. 182, Uff.
dai's in Picumnus und Pilumnus die Volkstum- Postverta (Postvorta Macrob.). Varro
liehe Unterscheidung 'der zwei nahe ver- (14. Buch der Antiq. rcr. div.) bei Gell. 16,
wandten, sonst oft verwechselten' (?) 'Vögel, 16, 4 ff. (Sp. 138, 32 ff.) ' quando igitur . . .
des Stänkers Wiedehopf . . . und des Stampfers contra naturam forte conversi in pedes bra-
Specht' zum Ausdruck gelange, kann man nach 50 chiis plerumque diduetis retineri solent aegrius-
dem Vorstehenden nicht beistimmen. Wenn que tunc midieres enituntur , Imius periculi
Picumnus und Pilumnus als ein Brüderpaar deprecandi gratia arae statutae sunt Romae
bezeichnet werden (Serv. Aen. 9,4), und Pi- duabus Carmentibus (s. Sp. 171, 3 ff), quarum
lumnus als Gemahl der an der Küste von La- altera Postverta cognominata est, Prorsa altera
tium gelandeten Danae, Vater des Rutuler- a recti perversique partus et potestate et no-
fürsten Daunus (Bd. 1 Sp. 964, 59 ff.) und mine.' Demnach hat Gothofredus bei Tertull.
Grofsvater des Königs Turnus von Ardea gilt ad nat. 2, 11 sicher richtig ergänzt perverse
(Vcrg. Aen. 9, 3 f. 10, 76. 619. 12, 83. Serv. nato [partu Postvertae, rede vejro Prosae Car-
zu 10, 76. 619. 12, 83 und Interpol. Serv. zu mentis esse provinfeiam voluerunt]. Sp. 143
10, 76; s. das Nähere Bd. 1 Sp. 948, 37 ff), 60 Z. 14. Die Postverta war also der Indiges der
so sind dies Erzeugnisse gelehrter Legenden- rückwärts gewandten Lage des Kindes bei der
dichtung (s. Sp. 187, 25 ff.). Denselben Ur- Geburt (Steifsgeburt), wie es auch der Name
sprung gelehrter Bearbeitung hat die An- deutlich ausdrückt (vgl. zu demselben Grafs-
gabe des Interpol. Serv. Aen. 9, 4 quidam mann S. 108 nr. 1. Vanicek, Etym. Wörterb.
Pilumnum et Pitumnum (lies Picumnum) Ca- d. lat. Spr.- S. 274. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2
storem et Pollucem aeeipiunt: non nulli lau- S. 926). Bei Ovid. f. 1 , 633 ff. und Interpol,
dum (? s. Thilos Bemerkung im krit. Apparat Serv. Aen. 8, 336 erscheint Postverta mit Por-
z. d. St.) deos. rirna als in die Vergangenheit schauende
217 Indigitamenta (Pota — Prema mater) Indigitamenta (Promitor — Rediculus) 218
Schicksalsgöttin und Schwester und Begleiterin Gotliofrcdus). August. 6, 9 adest . . . dea mater
der Carmenta, bei Macrob. Sat. 1, 7, 20 mit Prema . . . adest dea Prema, ut subacta, ne se
Antevorta (s. d.) ebenfalls als Schicksalsgöttin commoveat, conprimatur. Sp. 143/144 Z. 66.
im angegebenen Sinne; hierüber vgl. das bei Zur Bezeichnung mater s. Sp. 185, 61 ff. Zum
Porrima Gesagte. Bei dem Interpol. Serv. Aen. Kamen vgl. Grafsmann S. 108 nr. 1.
1, 720 dicitur etiam Obsequens Venus, quam Promitor der Gott, welcher dem Heraus-
Fabius Gurges post per actum bellum Samniti- nehmen (promere) des Getreides aus dem
cum ideo hoc nomine consecravit, quod sibi fue- Speicher, jedenfalls (wie Marquardt, Staatsrerw.
rit obsecuta: hanc Itali f Postvotam dicunt 32 S. 8 erklärt) um es zur neuen Saat auszu-
stellt Fr. Scholl Postvortam her. 10 fahren, vorsteht; er wild nach dem Sp. 181, 7 ff.
Pota s. Vica Pota. mitgeteilten Fragmente des Fabius Pietor bei
Potina die Göttin des Triukens der Kinder, dem Interpol. Serv. georg. 1, 21 vom Flamen
welcher die nutrices opfern, cum prima potione bei der Darbringung des sacrum cereale an-
initiarent pueros, Varro Catus de liberis edu- gerufen. Vgl. Sp. 181, 41 ff. Zum Namen vgl.
candis bei Non. S. 108 s. v. Fdusam = S. 480 Grafsmann S. 113 f. nr. 21.
s. v. sacrificantar, s. Edusa; Varro bei Donat. Prorsa, Prosanach Varro bei Gell. 16, 16,
Ter. Phorm. 1, 1, 15 (v. 49), s. Sp. 142, 19 ff.; 4 ff. (Prorsa . . . a recti . . . partus et potestate
Tertull. ad nat. 2, 11. August. 4, 11 (diva et nomine; s. Postverta) und Tertull. ad nat.
Potina). 34. G, 9. Sp. 143 Z. 30; vgl. Sp. 167, lff. 2, 11 (perverse nato [partu Postvertae, rede
und zur Bezeichnung diva Sp. 185, 61 ff. Bei 20 vejro Prosae Carmentis esse provinfciam vo-
Donatus a. a. Ü. ist Potica überliefert; aber luerunt]) die Göttin der richtigen, nach vor-
die Übereinstimmung der übrigen angeführten wärts gewandten Lage des Kindes bei der Ge-
stellen in der Form Potina zeigt, daß Potica burt (Kopfgeburt). Sp. 143 Z. 15. Vgl.Sp. 171, 3ft'.
nur ein Fehler der Überlieferung sein kann Varro (a. a. 0.) giebt an, dafs sie, wie Post-
(beibehalten von Corssen, Ausspr. 22 S. 205). verta, einen Altar in Rom hatte. Zum Namen
Zum Namen vgl. Grafsmann S. 111 f. nr. 13. (Prorsa = Provorsa von *provortere) vgl. Va-
Vanicelc, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.'2 S. 146. nicelc, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.- S. 274.
Griech.-lat. etym. Wörterb. 1 S. 453. S. Potua. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 926.
Potua die Göttin des potus im allgemeinen, Puta die Göttin, welche dem Beschneiden
Amob. 3, 25 Victa et Potua sanctissimae victui so (putare) der Bäume vorsteht, Arnob. 4, 7. 8.
potuique procurant. Sp. 148, 20 ff. ; vgl. Sp. 167, Sp. 148, 12 ff. Scheifj'ele in Paidys Eealencycl.
lff. Ambrosch (Eeligionsbücher Heft 2 S. 235 6, 1 s.v. Puta: 'Beiname der Ops'(!). Zum Namen
= Abdr. S. 15), Georges (Lat.- deutsch. Hand- vgl. Vanicelc, Etym. Wörterb. d. lat. Spr."* S. 171.
wörterb. s. v. Potua) und Marquardt (Staats- Griech.-lat. etym. "Wörterb. 1 S. 544.
verw. 32 S. 13 Anm. 6) halten Potua falsch für Redarator hat Marquardt mit Salmasius
identisch mit Potina (s. d.). S. auch Vica Pota in dem Sp. 181, 7 ff. mitgeteilten Fragmente
am Ende. Zum Namen vgl. Grafsmann S. 108 f. des Fabius Pictor bei dem Interpol. Serv. georg
nr. 1. Vanicek au den bei Potina aa. 00. 1, 21 an Stelle des überlieferten Namens Re-
Praestana. Arnob. 4, 3 Pracstana est, ut parator mit voller Sicherheit hergestellt
perhibetis, dicta, quod Quirinus in iaculi mis- 40 (Mommsen: Arator); Redarator ist der Gott
sione cunctorum praestiterit viribus. Sp. 147, 33 f. ; des zweiten Pflügens (*redarare) des brach
vgl. Sp. 167, lff. Die Zurückführung des Ur- liegenden Ackers vor dem Furchenziehen, wel-
sprunges der Göttin auf einen Lanzenwurf eben der Flamen bei der Darbriugung des
des Romulus ist eine ätiologische Erfindung, sacrum cereale anruft, während Reparator
vgl. Sp. 187, 25ff. 0. Gilbert (Gesch. u. Topogr. d. nicht den durch die Reihenfolge der Götter
Stadt Rom im Altert. 1 S. 52) bringt (wie schon in jenem Fragmente geforderten Sinn ergiebt.
vorher Eubino, Beitr. z. Vorgesch. Italiens S. 219 Vgl. Sp. 181, 41 ff. Zum Namen vgl. Grafsmann
Anm.) die Göttin 'Praestitia oder Praestana' S. 113 f nr. 21.
(s. Praestitia) mit den Lares Praestites in innere Rediculus. Als Hannibal i. J. 543 211 sich
Verbindung (?); cda der heilige Kirschbaum 50 Rom näherte, kehrte er plötzlich, durch nächt-
... als die Lanze des Romulus selbst galt, so liehe Visionen erschreckt, wieder um; an der
scheint der Zusammenhang der Praestana oder Stelle, wo dies geschehen war, erbaute Corni-
Praestitia mit dieser Stelle' (d. i. der Süd- ficius vor der Porta CapeDa beim zweiten
westecke des Palatinus) 'unabweislich zu sein Meilensteine der Via Appia ein fanum des
und daraus auch für die Ansetzung der ara Rediculus (Ftst. S. 282 s. v. [Itediculi fanum].
der Lares praestites der Schlufs sich von selbst Paul. S. 283 s. v. Pedieuli fanum Plin. n. h.
zu ergeben' (?). Eubino (a a. 0.) nahm an, 10, 122, der jene Gegend eampus Rediculi
dafs Praestana bei dem Kornelkii-schbaume nennt). Da Varro in der menippeischen Satire
verehrt worden sei. Zum Namen (praestare) E-Mau.u%iu die Verscheuchung Hannibals einem
vgl. Grafsmann S. 110 f. nr. 10. 60 Gotte Tutanus (s. d.) zuschreibt, so ist es
Praestitia. Tertull. ad nat. 2, 11 habent wahrscheinlich, dafs der volle Name des Gottes,
. . . [praestanjtiae Praestiliam u. s. w. Sp. 143 dem jenes Ereignis zugeschrieben wurde, Re-
Z. 45; vgl. Sp. 167, lff. und Praestana. Zum diculus Tutanus oder Tutanus Rediculus war,
Namen (praestes) vgl. Corssen, Krit. Nachtr. wie der Gott, der die Ankunft der Gallier ver-
z. lat. Formenl. S. 249. Ausspr. 22 S. 429. Grafs- kündete. Aius Locutius (s. d.) biefs. Vgl.
mann S. 109 nr. 2. _ Sp. 175 f.' 182, 48ff. 186, 26ff. und über den Gott
Prema mater. Tertull. ad nat. 2,11 (premat überhaupt die bei Ambrosch, Edigionsbüehir
cod.Agobard., Prcmamater Eei ff er scheid, Prema Heft 4 S. 36 f. Anm. 179 = Abdr. S. 44 Anm.
219 Indigitamenta (Rumina) Indigitamenta (Rumon — Rusor) 220
179 angeführte Litteratur ; unnütze Erörterungen Schwegler S.424f. u.Romulus). Zur Bezeichnung
über Rediculus (und über Tutanus) von Scheitele der Rumina als diva vgl. Sp. 185, 61 ff. Seneea
in Paulys Realencycl. 6, 1 S. 422 s. v. Redi- (de superstitioneh. 39 S. 426 Haase) bei August.
culus. Zum Namen (redire) vgl. Corssen, Krit. 6, Kl rechnet diva Rumina mit Populonia und
Nachtr. z. lat. Formenl. S. 263. Grafsmann Fulgora (Bd. 1 Sp. 1559) zu den deae vidaae.
S. 114. Dr. 23. Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat. Gegen Schicegkrs Vermutung (S. 422 ff.), dafs
Spr.- S. 37. Griech.-lat. etym. Wörterb. 1 S. 80. die Rumina nur eine besondere Seite und ein
Rumina die Göttin des Säugens der Kinder, besonderer Name der Fauna Luperca war (vgl.
August. 4, 11 (diva Rumina). 21. 34. 7, 11 Preller, R. M.3 2 S. 419), vgl. das Sp. 174, 3lff.
(diva Rumina). Bei Tertull. ad nat. 2, 11 [est 10 Gesagte. Manches Falsche über Rumina bei
educatjrix tt Levana (s. d.) et una Rumina Seheiffele in Paulys Bealencycl. 6, 1 S. 564 f. s.v.
ist der Name der Göttin von Gothofredus mit Rumina. Über Iuppiter Ruminus vgl. August.
voller Sicherheit hergestellt aus der Über- 7,11. Preller, R. M.3 1 S. 194. 418 f. (wo ange-
lieferung des cod. Agobardinus runcinia (Am- nommen wird, dafs bei dem Lupercal Iuppiter
brosch, Religionsbücher Heft 2 S. 235 = Abdr. Ruminus und Rumina als ein Paar von Hirten-
S. 15 und Walz in Paiüys Realencycl. 6, 1 göttern verehrt worden seien). Eineluno Romina
S. 434 machen daraus eine Göttin Rucinia [!]; oder Rumina (Röscher, Iuno und Hera S. 49)
Reiß'erscheid schreibt Runcina, mit Unrecht, beruht nur auf einer Konjektur statt der kand-
denn die Göttin dieses Namens hat eine ganz schriftlieh überlieferten Pomana bei Arnob.
andere Bedeutung [s. d.]). Sp. 143/144 Z. 29. so 3, 30 (von Iuno) nulla Fluvionia, nulla jPo-
Bezüglich der Verehrung der Göttin giebt mana, nulla 'Ossipagina u. s.w. (Preller, R. M.3
Varro r. r. 2, 11, 5 an non negarim, in- 1 S. 275 f. Anm. 5 will Lucina für Pomana
quam, ideo apitt divae Ruminae (so Schneider, lesen). Zum Namen, der von Varro zweifellos
diuae rumniae cod. Marcianus, diua erum mae richtig mit rnma = mamma in Verbindung
cod. Paris. 6842 A, diuae runniae cod. Lauren- gebracht wird, vgl. Corssen, Krit. Beitr. z. lat.
tianus 51, 4; Rumiae die Vulgata) sacellum a Formenl. S. 429. Ausspr. I2 S. 279. 364. Grafs-
pastoribus satam ficum. ibi emim solent sacri- mann S. 111 nr. 13. Vanicek, Etym. Wörterb.
ficari lade pro vino et [pro] lactentibus. mamma d. lat. Spr.- S. 342. Griech.-lat. etym. Wörterb.
enim rumis n. s. w., woraus hervorzugehen 2 S. 1212. Curtius, Grunde, d. griech. Etym.5
scheint, dafs Rumina auch dem Säugeu der 30 § 517 S. 352 f.
Herden vorstand; und in dem bei Cunina ?? Rumon. S. Sp. 184, 51ff.
gröfstenteils mitgeteilten Fragmente aus dem Runcina. August. 4,8 (praefecerunt ergo .. .
Oatus de liberis educandis (fr. 7 S. 248 Riese) frumentis . . .) cum runcantur, id est a terra
bei Non. S. 167 s. v. rumam sagt Varro, dafs auferuntur, deam Runcinam. Sp. 146, 10 ff. Mit
man wie der Cunina, so auch der Rumina Unrecht ist der Name der Göttin von Reiffer-
nicht mit Wein, sondern mit Milch opferte scheid bei Tertull. ad nat. 2, 11 (1 S. 115, 12
propter rumam ; id est prisco vocabulo mammam ; Reiff) an einer Stelle, wo Rumina zu lesen
dasselbe berichtet von den Opfern an Rumina ist, hergestellt worden, s. Rumina. Runcina
Plutarch. q. r. 57 und Rom. 4 (wo in den ist eine Göttin des Mähens; die Stelle des
Worten Y.ai &iöv xivcc rrjg itToocprig räv vn- 40 Augustinus ist die einzige, an welcher das
Ttitnv inifislsiG&ai dov.oveav ovoud^ovai 'Pov- Verbum runcare die Bedeutung mähen hat,
(iiXiav selbstverständlich zu schreiben ist 'Pov- sonst heilst es jäten (Georges im Lat.-deutsch.
(itvav, wie die Überlieferung in den quaest. Handwiirterb. s. v. Runcina. Härtung, Rel. d.
rom. richtig bietet; an beiden Stellen ist ohne Rum. 2 S. 132. Seheiffele in Paulys Realencycl.
Zweifel Varro die Quelle). Mit dem sacellum 6, 1 S. 565 s. v. Runcina und Preller, R. M.3
der Rumina stand die nach der Göttin be- 2 S. 225 nennen Runcina nicht richtig eine
nannte fleus Ruminalis (vgl. z. B. Varro 1. 1. Göttin des Jätens). Zum Namen vgl. Grafs-
5, 54. Liv. 1, 4, 5. Plin. n. h. 16, 77. Fest. mann S. Ulf. nr. 13. Vanicel;, Etym. Wörterb.
S. 266 s. v. Romulum. S. 270 s. v. [Buminalem d. lat. Spr.'2 S. 242. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2
ficum]. Paul. S. 271 s. v. Ruminalis. Serv. Aen. so S. 820.
8, 90; Plut. a. aa. 00.; Härtung, Rel. d. Rom. 2 Rusina die Göttin der Gefilde (rura), August.
S. 242. Schwegler, R. G. 1 S. 385. 392f. 420. 4, 8. Sp. 145, 54 ff. Zum Namen vgl. Grafs-
Preller, R. M.3 1 S. 418 f. 2 S. 342; vgl. Romu- mann S. 111 f. nr. 13 (der neben Rusina eine
lus) in Verbindung (Schwegler S. 421 f.); beide nicht existierende Form Rurina anführt),
zusammen befanden sich dicht bei dem Lupercal Rusor ein mit Altor (s. d.) zusammen von
am untersten Abhänge des Cermalus (Varro den Pontifices bei einem Opfer an Tellus und
7. 7. a. a. 0.) an der Nordwestseite des Pala- Tellumo angerufener Indiges, Varro bei August.
tinus (vgl. Becker, Topogr. S. 292 ff. 417 f. 7, 23. Sp. 181, 21 ff. 4lff. Die Etvniologie
Gilbert, Gesch. und Topogr. d. Stadt Rom 1 Varros (a. a. 0.) Rusori quare? quod rursus,
S. 53 ff. Richter in Baumeisters Denkmal, d. 60 inquxt , euneta eodem (zur Mutter Erde) revol-
klass. Altert. 3 S. 1482, in Müllers Handb. d. vuntur ist natürlich unsinnig (Härtung, Bei.
klass. Alhrt.-Wiss. 3 S. 823 f.). Jedenfalls war, d. Rom. 2 S. 85: Rusor der 'Rückkehrer', 'aus
wie Gilbert (a. a. 0. S. 56) bemerkt, das Heilig- rursor oder reversor verkürzt' ; Georges, Lat.-
tum uralt und hat auf die ganze Ausbildung deutsch. Handwörterb. s. v. Rusor: 'die Gott-
der Sage von den Zwillingen Romulus und heit der regelmäfsigen Wiederkehr aller Er-
Remus, von ihrer Nährung unter der ficus Zeugnisse' [!]; vgl. Sp. 171, 44ff.); der Name'
Euminalis durch eine Wölfin u. s. w. eine be- geht entweder auf ru- in rurna, Rumina (s. d.)
deutende Einwirkung ausgeübt (vgl. auch u s. w. zurück und bedeutet, wie Altor, den
221 Indigitamenta (Sarritor — Seia) Indigitamenta (Semonia — Septemontius) 222
Nahrungspender, oder er ist von rus gebildet, er von einer Seeia, einer dem Schneiden des
so dafs dieser Gott das männliche Gegenstück Getreides vorstehenden Göttin, bei Tertull.
zu Eusina (s. d.) wäre. a. a. 0. spricht [! ; also etwa nur irrtümlicher-
Sarritor, besser Saritor zu schreiben (vgl. weise Seia statt Secia?]; und a. a. 0. S. 918
Fleckeisen in N. Jhrb. f. Ph. 60, 1850 S. 262. s. v. Scgetia scheint er anzunehmen, dafs Ter-
97, 1868 S. 212; bei Serv. georg. 1, 21 bietet tullianus a. a. 0. von Segetia spreche [!]; dafs
eine Handschrift Saritor), der Gott des Be- bei Tertullianus von einer Göttin des Schnei-
hackens (sarrire, besser sarire) der Saat zum dens Secia die Rede sei, meint Härtung, Reh
Hefausschaffen des Unkrautes, welchen nach d. Rom. 2 S. 131 ' Tertullian . . . scheint falsch
dem Sp. 181, 7 ff. mitgeteilten Fragmente des 10 verstanden zu haben, indem er die Secia zu
Fabius Pictor bei dem Interpol. Serv. georg. einer Sessia macht'). Nach Macrobius {Sat. 1,
1, 21 der Flamen bei der Darbringung des 16, 8) hielt in alter Zeit derjenige, der den
sacrum cereale anruft. Vgl. Sp. 181, 41 ff. Namen der Seia aussprach, feriae. Bei Liv.
Auch Serv. georg. 1, 21 (Sp. 129, 64 ff.) nennt 24, 47, 16 und 25, 7, 6 wollte J. F. Böttcher
den Gott; vgl. Sp. 147, 67 ff. Zum Namen durch unnütze Konjektur Seia herstellen. Über
vgl. Grafsmann S. 113 f. nr. 21. Vanicek, Etym. die vermeintliche Fortuna Seia s. Bd. 1 Sp. 1510,
Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 300. Grieeh.-lat. etym. 61 ff. Zum Namen (Se-ia von se- in se men
Wörterb. 2 S. 1030. n. s. w.) vgl. Grafsmann S. 109 nr. 2. Corssen,
Sator der Gott des Säens, Serv. georg. 1,21. Ausspr. 1' S. 306. 417. Vanicek, Etym. Wörterb.
Sp. 147, 67 ff. Zum Namen vgl. Grafsmann 20 d. lat. Spr.2 S. 286. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2
S. 113 f. nr. 21. Corssen, Ausspr. I2 S. 417. S. 977.
Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 286. *Semonia eine Saatgöttin, wie der Name
Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 977. (seinen, Se-m-on; vgl. Grafsmann S. 109 nr. 2.
*Segesta eine Göttin der Saaten, Plin. n. h. Vanicek an den bei Seia aa. 00.) zeigt.
18, 8 von der Zeit Nunras: hos enim deos tum Sp. 178, 20ff. In alter Zeit hielt derjenige,
maxime noverant Seiamque a serendo, Segestam der ihren Namen aussprach, feriae (Macrob.
a segetibus appellabant , quarum simulacra in Sat. 1, 16, 8). Aus der lückenhaften Stelle
circo videmus; tertiam ex his nominare sub des Festus S. 309 s. v. supplicium, ist zu ent-
tecto religio est. Sp. 178, 2 9 ff. Falsch sagt nehmen, dafs in alter Zeit bei Hinrichtung
Bücheler (Archiv für lat. Lexikographie 1, 1884 30 eines Bürgers der Semonia ein Sühnopfer ge-
S. 114) cZu seges gehört die Saatgöttin Se- bracht werden mufste. S. Tutilina.
gesta, identisch mit der von seget abgeleiteten Sentia. August. 4, 11 dea Sentia sententias
Segetia' (so auch Georges, Lat.-deutsch. Hand- inspirando, zu den Göttern des Kindesaltera
wörterb. s. v. Segetia. Preller, R.M.^i S. 223); gehörig; Sp. 143 Z. 54; vgl. Sp. 167, lff. Har-
Segesta ist ein besonderer Indiges neben Se- tung (fiel. d. Rom. 2 S. 240) und Scheiffele (in
getia, vgl. hierzu Sp. 167, lff. Zum Namen Paulys Realencycl. 6, 2 S. 2695 s. v. Vitumnus)
vgl. Grafsmann S. 110 nr. 7. Vanicek, Etym. nennen die Göttin falsch Sentina. Zum Namen
Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 290. (von sent-ire) vgl. Grafsmann S. 108 nr. 1.
Segetia eine Göttin der Saaten, die dann Sentinus der Gott, der dem Kinde im
angerufen wurde, cum . . . iam essent (sc. fru- 40 Mutterleibe Empfindung verleiht, Tertull. ad
menta) super terram et segetem facerent, August. nat. 2, 11. August. 7, 2. 3. Sp. 143/144 Z. 9;
4, 8; 24. 34. 5, 21. Sp. 146, 10 ff. Nach Ma- vgl. Sp. 167, lff. Zum Namen vgl. Grafsmann
crobius (Sat. 1, 16, 8) hielt in alter Zeit der- S. llOf. nr. 10. Vanicek, Etym. Wörterb. d.
jenige, der den Namen der Göttin aussprach, lat. Spr.2 S. 296. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2
feriae. Auf einer Münze der Salonina (Eckhel, S. 1018 f.
Doctr. num. 7 S 419. Cohen, Med. im/p. Salo- Septemontius. Tertull. ad nat. 2, 15 (Sp.
nine 26 [Bd. 4 S. 466]) ist mit der Legende 146, 15 ff.) : etiam locorum urbis vel loca deos
TJeae Segetiae eine Frau rdebout dans nn temple arfbitramini, Ianum] patrem (et diva arquis
ä quatre colonnes, nimbee , tenant de denx est lana) et montium Septem Septemontium.
mains son voile au-dessus de sa tete' abge- 50 Im cod. Agobardinus steht montium septe-
bildet; soll dies der alte Indiges Segetia sein? montium; Septem hat Öhler hinzugefügt. Preller
Zum Namen vgl. Grafsmann S.109nr. 2. Vanicek, (R. M.3 2 S. 221) sagt, nachdem er von den
Etym. Wörterb. d. lat. Spr.2 S. 290. Griech.-lat. in der Stelle genannten Gottheiten Ianus,
etym. Wörterb. 2 S. 989. cDiva Arquis' (s. Sp. 180, 57 ff.) und lana
Seia eine Göttin der Saat, die man anrief gesprochen hat: 'Dann wurde vermuthlich das
sata frumenta quamdiu sub terra essent, August. sehr alte städtische Fest Septimontium er-
4, 8. Sp. 146, 10 ff. Plinius (n. h. 18, 8) er- wähnt'; nicht bestimmter drückt sich Bouche-
wähnt sie mit Segesta (s. d.), von der Zeit Nu- Leclercq (Les Pontifes S. 35) aus: cLe Septi-
mas sprechend, und giebt an, dafs sie ein Bild montium de la Rome primitive et les collines
im Circus hatte (vgl. Sp. 186, 63ff.); daher hat 60 de la Rome historique avaient leurs patrons.'
Scheiffele (in Paulys Realencycl. 6,1 S. 912 s.v. Nichts hindert aber, in der Stelle des Ter-
Secia) bei Tertull. de spect. 8 columnae Sessias tullianus einen Gott Septemontius zuerkennen;
a sementationibus, Messias a messibus, Tutulinas ein solcher entspricht einerseits ganz dem
a tutelis fructuum sustinent, wo offenbar von Charakter der Indigetes als Verkörperungen
denselben Bildsäulen im Circus die Rede ist, von Begriffen ( Sp. 174, 31 ff. ), anderer-
das Sessias wohl richtig in Seias verbessert seits der durchaus geschlechtlichen Auffassung
(Reiff'erscheid hat Sessias im Texte beibehalten; dieser Gottheiten. Die vorstehende Annahme
übrigens verbessert Scheiffele a.a.O. Seia, wo hat zur Voraussetzung, dafs das Wort Septem
223 Indigitarnenta (Serra — Stata mater) Indigitarnenta (Statanus — Sterculinius) 224
mit Recht von Öliler hinzugefügt ist. Man Hülfe leisten, nämlich Volcanus, (Iuturna), die
könnte indes die Worte noch in anderer Weise Nymphen und Ops Opifera, stattfindenden
zu emendieren versuchen, indem man den Fehler sacriticium publicum (Fasti arvales in Ephem.
an anderer Stelle suchend schreibt et montium cpigr. 1 S. 35. C. I. L. 6, 2295) auch Stata
Septem Montinum oder et Montinum Septem mater verehrt worden sei; doch ist dies un-
montium , wonach eine Erwähnung des Indiges beweisbar. Die Göttin erwähnt auch Cicero
Montinus (s. d.) in den Worten enthalten wäre. {de leg. 2, 11, 28). Verschiedene falsche Auf-
?? Serra. S. Sp. 184, 51ff. fassungen der Stata mater stellt Scheiffele in
Spiniensis (die schlechteren Handschriften Paulys Reahncycl. a. a. 0. zusammen (hinzu-
Spinensis) der Gott der Dornen (spinae), den 10 zufügen ist Preller, Die Regionen der Stadt
man anfleht, dafs er dieselben aus dem Acker Rom S. 84 Anm. *)) ; unhaltbare Ansichten
entferne, August. 4, 21. Sp. 148, 8ff. auch bei 0. Gilbert, Gesch. u. Topogr. d. Stadt
1 Stata mater die Göttin, die bei Feuers- Rom 1 S. 256 f. Anin. 2. Zum Namen vgl.
brünsten das Feuer zum Stehen bringt. Sp. 183, Grafsmann S. 110 nr. 7. Cvrssen, Ausspr. ls
Sff. Fest. S. 217 Statae matris simulacrum in S. 414. 416. 22 S. 429. Vanicek, Etym. Wörterb.
foro colebatur. postquam id f collastravit (Gutta d. tat. Sp?-.2 S. 321. Griech.-lat. etym. Wörterb.
stravit Huschkc, Sidla stravit H. Jordan in 2 S. 1134.
FJphem. epigr. 1 S. 231 und Topogr. d. Stadt Statanus und
Rom 1, 1 S. 525f. Anm. 51), ne lapides igne Statilinus zwei Götter, welche den Kin-
corrumperentur , qui plurimus (so Ursinus, plu- 20 dem das Stehen lehren. Beide zusammen
rimis die Handschrift) ibi fiebat (so Ursinus, nennt Varro Catus de liberis educandis (fr. 13
fiebant die Handschr.) noctumo tempore, magna S. 249 Riese) bei Non. S. 532 s. v. Statiiinum
pars populi in suos quisque vicos rettulerunt (Sp. 130, 52ff.), den Statilinus allein August,
cius deae cultum. Die Stelle ist verschieden 4,21. Sp. 144 Z. 32. 147,52ff.; vgl. Sp. 167, 1 ff.
aufgefafst worden; im Gegensatz zu der Er- Eine von Walz (in Paulys Realencycl. 6, 1
klärung Hartwigs (Bei. d. Rom. 2 S. 110) und S. 435) erwähnte Statana giebt es nicht. Zu
Schciffeles (in I'aulys Realencycl. 6, 1 S. 1394 den Namen vgl. Grafsmann S. 111 nr. 11 (Sta-
s. v. Stata Mater), dafs das Bild der Göttin tanus). S.lllf.nr. 13(wo eine nicht existierende,
auf dem Forum allnächtlich durch angezündete auch von Härtung, Rel. d. Rom. 2 S. 241 an-
Feuer verehrt, und dafs nach der Pflasterung 30 gegebene Form Statulinus neben Statilinus auf-
des Forums dieser Dienst, um das Pflaster geführt wird), Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat.
nicht zu verderben, in die einzelnen Stadt- Spr.'2 S. 321. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2
quartiere verlegt worden sei, und der Auf- S. 1134 (Statulinus!).
fassung Prellers (R. M.3 2 S. 153), dafs die Statina eine Göttin, welche den Kindern
Göttin 'sowohl die Häuser als das Strafsen- das Stehen lehrt, Tertull. de anima 39 : prima
pflaster gegen seine' (des Feuers) 'verheeren- . . . constitutio infantis super terram Statinae
den Wirkungen schützte. Das erste Beispiel deae (Gelenius. statin* aedeae cod. Agobard.)
eines Bildes dieser Stata Mater sah man auf sacrum est; danach hat Oliler jedenfalls richtig
dem Forum, nachdem dieses durch Cotta ge- den Namen der Göttin ad nat. 2,11 staiuendi
pflastert worden war' sagt Jordan (Ephem. 40 infantis Staftina . . .] est hergestellt (Statilina
epigr. a.a.O.) 'vides illum quiscumque fuit Gothofrcdus, vgl. Marquardt, Staatsvcrw. 32
stravisse hoc est deposuisse statuam, ut ar- S. 13 Anm. 11). Sp. 143 144 Z. 32; vgl. Sp. 167,
bores aliaque id genus sterni dieuntur, quo 1 fl'. Zum Namen vgl. die bei Statilinus an-
facto vicatim dea illa coli coepta est'. Auf gegebene Litteratur und Corssen, Atisspr. ls
jeden Fall ergiebt sich aus der Stelle, dafs S. 415 f. 2- S. 152. 429.
die Göttin zum Feuer in Beziehung stand, Sterculinius ein Gott des Düngens, Serv.
dafs ein Bild von ihr auf dem Forum verehrt, georg. 1, 21 (Sp. 129, 64 ff.): a stercoratione
und später der Kult der Göttin in die einzelnen Sterculinius (so cod. Caroliruhens. 116; ster-
vici übertragen wurde. Die letztere Angabe culinus cod. Hamburg. 52; stercilinius cod.
des Festus wird durch eine Anzahl von Wid- 50 Lemovicens.; sterquilinius codd. Parisin. 7959,
mungsinschriften an Stata mater (C. 1. L. Vatican. 3317, Monacens. 6394). Sp. 147, 67ff.
6, 763 — 766; 802 Volcano Quitto Augusto et Bei Sere. Aen. 9, 4 wird Picumnus falsch mit
Statae Matri Augustae sacrum u. s. w. ; über Sterculinius (so cod. Caroliruhens. 116, codd.
die Verbindung des Vulcanus mit Stata mater Sangaliens. 861 und 862, cod. Lipsiens. rep. I
vgl. Preller S. 153 f.) insofern bestätigt, als nr. 36b; sterquilinius cod. Reginens. 1674, cod.
dieselben von Magistri vicorum dargebracht Monacens. 6394; stericuUnius cod. Hamburg. 52)
sind: diese Beamten, die in den ersten Jahren identificiert, s. den Wortlaut der Stelle bei
ihres Bestehens, d. h. bis zum Jahre 6 n. Chr., Pilumnus. Die neueren Gelehrten nennen den
den Feuerlöschdienst versahen, werden wohl Gott vielfach nach den verschiedenen Lesarten
im Zusammenhange damit den Kult der Stata co der Handschriften Sterculinus (z. B. Preller,
mater besorgt haben (Marquardt , Staatsverw. R. M.ä 1 S. 375), Stercilinus (z. B. Härtung,
32 S. 205). Weitere Widmungen an Stata mater Rel. d. Rom. 2 S. 128. Scheiffele in Pauli/s
CLL. 6,762. 11,3321 (Statae Augustae Matri Realencycl. 6, 1 S. 1417 Anm.**; im cod. Le-
sacrum u. s. w.); gefälschte Widmung Statae movicens. steht aber stercilinius), Sterquilinius
Fortunae Augustae u. s. w. G. I. L. 11, 59* (z. B. Schwegler, R. G. 1 S. 234. Marquardt,
(falsae). Marquardt (a. a. 0. S. 9 Anm. 2) Staatsverw. 38 S. 17; Sterquilinus Scheiffele
scheint anzunehmen, dafs bei dem am 23. Au- a. a. 0.). Zum Namen vgl. die bei Stercutus
gust für die Götter, welche bei Feuersbrünsten angeführte Litteratur.
225 Indigitamenta (Stercutuä) Indigitamenta (Stimula) 226
? Stercutus (Sp. 183, 29 ff.) ist die der bes- gebildete Namensforin betrachten {Jordan in
seren handschriftlichen Überlieferung ange- Prellers B. J/.3 2 S. 11 f. Anm. 3 über diese
hörige Naniensfoiin eines Gottes des Düngens Form: 'vielleicht spielend und vulgär'; vgl.
an folgenden Stellen: Plin.n.h 17,50. Lactant. zu derselben Grafsmann S. 114 nr. 22. Vanicek
inst. dir. 1, 20, 36 (stercutus codd. Parisin. Eeg. und Corssen a. aa. 00.), während die häufig
1663. Parisin. 1664. Parisin. Puteani 1662 von angeführte Form Sterculius (z. B. bei Tertull.
zweiter Hand; stereus cod. ßononiens. 701; apol. 25 in alten Ausgaben, von Gothofredus
sterculus codd. Palatino -Vaticanus 161. Parisin. ad nat. 2, 17 unnütz hergestellt; aufserdem
Puteani 1662 von erster Hand, Valentianens. z. B. bei Härtung, Bei. d. Born. 2 S. 128.
140) und imt. epit. 16 (21), 2. Macrob. Sat. 10 Scheifj'ele in Paulys Bedienend. 6,1 S. 1417
1, 7, 25 (acc. stercutian die mafsgebenden Hand- s. v. Sterculius. Grafsmann S. 110 nr. 2 e.
Schriften cod. Bamberg. M. L. V. 5 nr. 9 von Bauche- Leeler cq, Les Pontifes S. 36. Vanicek
erster Hand, cod. Parisio. 6371; sterculium und Corssen a. aa. 00.; Klausen, Aen. u. d.
cod. Bamberg, von zweiter Hand, von Eyssen- Penaten 2 S. 862 Anm. 1646 meinte sogar,
hardt in den Text aufgenommen [!]); bei dafs an sämtlichen Stellen Sterculus oder Ster-
Interpol. Sero. Aen. 10, 76 weisen die Lesarten culius herzustellen sei) durchaus schlecht be-
strietus des cod. Floriacens., struetus des cod. zeugt ist (z. B. von zweiter Hand im cod.
Autissiodorens., und gen. stricuti des cod. Bamberg, des Macrobius , s. vorher). Ster-
Floriacens. auf ursprüngliches stercutus und cutus, der naturgemäfs als Erfinder des Düngens
stercuti hin, während der cod. Turonens. ster- 20 auftritt (Plin., [Teitull. ad nat. 2, 9], Lactant.
cutius und gen. stercutii hat (von Thilo in den mit epit., Macrob., Isidor., der ihm auch die
Text aufgenommen). Die Form Stercutius wird Erfindung von Ackergeräten zuschreibt), wird
von den besseren Handschriften geboten bei von Pludus als König und Sohn des Faunus
August. 18, 15 und Isidor. or. 17, 1, 3 (nach bezeichnet; er ist Vater des Picus (Interpol.
der Ausgabe des Arevalus). Danach war also Serv. Aen.), der ihm nach Isidor us einen Altar
der eigentliche Name des Gottes Stercutus in Rom stiftet. Augustinus erzählt (nach Varro,
(Stercutus gebildet wie Nodutus, Matuta; vgl. wie vorher angegeben), dafs der Vater des
zum Namen Grafsmann S. 110 nr. 7. Vanicek, Picus Sterces war, der das Düngen erfand:
Etym. Wörtern, d. lat. Spr.2 S. 312f. Griech.- hunc quidam Stercutium voealum fcrwnt. Dieser
lat. etym. Worterb. 2 S. 1091 [an beiden Stellen 30 Sterces ist wohl sicher eine gelehrte Erfindung
wie bei Georges, Lat.-deutsch. Handwö'rterb. s. (Jordan a. a. 0. vergleicht ihn mit den Albaner-
v. Stercutus sicher falsch Stercutus]. Corssen, königen [Aremulus u. s. w.]), wie es auch jeden-
Beiträge 3. ital. Sprachkunde S. 52) ; doch müssen falls die vorher genannten legendarischen Züge
wir hauptsächlich auf Grund der Stelle des sind (vgl. Sp. 187, 25 ff.). Die Gleichsetzung
Augustinus, die auf Varro de gente populi Bo- des Stercutus mit Saturnus (August., Macrob.,
mani zurückgeht (Buch 2 fr. f 22 bei H Ktttner, Isidor.; danach Härtung, Klausen a. aa. 00.
Varronische Studien. Halle 1865 S. 73, vgl. Wuh in Paulys Beahncycl. 6,1 S. 437. Schwegler,
dazu S. 40ff.), daneben eine Form Stercutius B.G.X S. 233. Marquardt, Staatscerw. 32 S. 20.
anerkennen (vgl. zu derselben Grafsmann S. 109 Preller, B. M.3 2 S. 11; Ambrosch, Beligions-
nr. 2b. Vanicek und Corssen a. aa. 00.). Nun 40 bucher Heft 2 S. 242 Anm. 97 = Abdr. S. 22
ist bei Tertxdl. apol. 25 Sterculus et Mutunus Anm. 97 : 'Dafs er eine Qualitätsbestimmung
et Larentina provexit Imperium, weiterhin: des Saturnus gewesen, scheint sicher; aber
quem coluerat Saturnus et Iupiter? ahquem, eben darum, weil er einer einzelnen Funktion
opinor, Sterculum; ad nat. 2, 17 nimirum Ster- innerhalb des Machtgebietes jenes Hauptgottes
eulus et Mfutunus et Larentina provexit] hoc vorstand, kann man ihn nicht identisch mit
Imperium, die Namensform Sterculus fast ein- demselben nennen' ; vgl. dagegen Sp. 174, 31 ff.)
stimmig von den Handschriften überliefert (nur wie die des Pilumnus mit Stercutus (Interpol,
apol. 25 haben an der zweiten Stelle einige Sero. Aen.; s. oben Pilumnus) sind nicht minder
Handschriften tttreolum) und demgemäfs ad Erzeugnisse gelehrter Bearbeitung. Ein z. B.
nat. 2, 9 quid Stercuflus meruitj ad divinita- 50 von Härtung, Sclieiffele und Vanicek (a. aa. 00.)
tem? si agros stercoribus iuvando diligens fuit, angeführter Stercenius beruht auf der von
plus fimi [Aujgias conferebat von Bigaltius Daniel in der verderbten Stelle Interpol. Serv.
richtig hergestellt worden (Bei '/fei scheid hätte Aen. 11, 850 regis DercenniJ quidam fdester-
. nicht der Ergänzung Stcrcuflinus] des Gotho- cenü (derteenu cod. Autissiodorens.), rege Ab-
frtdus durch Aufnahme in den Text den Vorzug originum, hoc romen fichem putaut hergestellten
geben sollen). Dafs hier wohl nicht, wie in Lesung de Stercenii (de Sterce Masvicius); da
der Überlieferung des Lactantius (s. vorher), hierdurch aber die Schwierigkeiten der Stelle
nur handschriltliche Fehler vorliegen, sondern in keiner Weise gelöst sind (vgl. Thilos Ver-
ein Name Sterculus wirklich existierte, ergiebt mutung, dafs das ganze Scholion zu schreiben
sich aus Prudent. perist. 2, 449 ff. Ianum bi- 60 sei Dercennii] regis Aboriginum. hoc nomen
frontem et Sterculum (so alle Handschriften) fictum est), so mufs dieselbe aufser Betracht
| eolit senatus (horreo \ tot monstra patrum bleiben.
dictre) j et festa Saturni senis. Da nicht an- Stimula. August. 4, 11 de stimulis, quibus
zunehmen ist, dafs bei Tertuüianus und Pru- ad nimium actum homo inpellitur, dea Stimula
deidius ein anderer Gott gemeint sein könnte, nominetur; 4, 16. Sp. 143/144 Z. 47, unter den
als an den vorher angeführten Stellen, so Gottheiten des Kindesalters. Es ist selbst-
müssen wir Sterculus ebenfalls als eine neben verständlich, dafs diese Göttin mit der bei
Stercutus bestehende, aber ganz verschieden Ostia in einem Haine an der Tibermündung
Röscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. LT. 8
227 Iudigitanienta (Strenia — Tutanus) Indigitamenta (Tutilina — Venilia) 228
verehrten Stimula = Semele (vgl. über dieselbe Tutilina dieGöttin, welche das eingeheimste
Müller-Beecke, Etrusker 2 S. 78 und Scheiffele Getreide beschützt (Augut-t.). Varro 1. 1. 5, 163;
in Paulys Eealencycl. 6,1 S. 1427 s. v. Sti- ders. Hercules tuam fidem (fr. 2 S. 148 Kiese,
mula, welche beide Göttinnen nicht recht aus- fr. 4 S. 184 Buch.3) bei Non. S. 47 s. v. Tuti-
einander halten; Preller, B. M.3 1 S. 324. lina. Tertull. de spect. 8, der von einem Bilde
2 S. 366) nichts als den Namen gemein hat. der Göttin im Circus spricht (Tutulina cod. Ago-
Zum Namen vgl. Grafsinann S. 108 nr. 1 ('besser bard); August. 4, 8 (ncc. tuUinam cod. Corbeiens.,
aus stimulare, als unmittelbar aus Stimulus tutelinam cod. Monacens. 3831). Sp. 146, lOff.
abzuleiten'). Vanicek, JEtym. Wörterb. d. lat. Nach Macrobius (Sat. 1, 16, 8) hielt in alter Zeit
Spr. 2 S. 327. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 10 derjenige, welcher den Namen der Tutilina
S. 1154. nannte, feriae; die Göttin ist wohl in der bei
Strenia die Göttin, quae faceret strenuum, Segesta mitgeteilten Stelle des Plinius (n. h.
August. 4, 16; 11. Sp. 143 Z. 49, unter den 18, 8) bei den Worten tertiam ex Ms nominare
Gottheiten des Kindesalters. Ein sacellum sub teeto religio est gemeint (dies ist deswegen
Streniae lag an der Via sacra, Varro l. I. zu vermuten, weil sowohl bei Macrobius a. a. 0.
5, 47. Fest. S. 290f. s. v. sacram viam (vgl. als auch bei Augustinus a. a. 0. Seia, Segetia
Ambrosch, Studien S. 3 f. 79. Becker, Topogr. und Tutilina in dieser Reihenfolge genannt
S. 224ff. 530. 0. Gilbert, Gesch. u. Topogr. d. werden, Plinius aber von Seia und Segesta
Stadt Born 1 S. 217 mit Anm. 5. 0. Bichter in vor jener tertia spricht; Härtung, Bei. d. Böm.
Baumeisters Denkmal, d.klass. Altert. 3 S. 1448, 20 2 S. 131 bezog die Worte des Plinius auf Se-
in Müllers Handb. d. Mass. Altert. - Wiss. monia). Wahrscheinlich ist aus der Angabe
3 S. 762). Mit demselben hängt vielleicht zu- Varros (l. I. a. a. 0.): Porcius...de Ennio scri-
sammen der lucus Streniae bei Symmach. relat. bens dicit cum coluisse Tutilinae loca auf ein
15,1 S. 291, 26f. Seeck: ab exortu paene urbis Heiligtum der Göttin zu schliefsen, welches,
Martiae strenarum «sms adolevit auctore Tatio da Ennius auf dem Aventinus wohnte (s. Teuffei,
rege, qui rerbenas felicis arboris ex luco Streniae Gesch. d. röm. Tit.b 1 §100,2), auf diesem
anni novi auspices primus accepit (vgl. Gilbert Berge zu suchen wäre (vgl. Becker, Topogr.
a. a. 0. Anm. 5); vgl. Ioliann. Laur. Lyd. de S. 165 f.). Manches Falsche über die Göttin
mens. 4, 4, der von der Festfeier beim Amts- bei Scheiffele in Paulys Eealencycl. 6,2 S. 2267
antritt der Konsuln berichtet: rpvXla äs Sdtpvns 30 s. v. Tutelina. Gefälschte Widmung an Tuti-
idiSoßav, a'jrfp J y.dlovv azqf)va, zig zißrjv Sai- lina C. I. L. 6, 5 nr. 3155* (falsae). Zum Namen
fiovög Ttvog ovtco TigoaayoQSvoiiivng, r\xig f'<p°" V"gi. Grafsmann S. Ulf. nr. 13. Vanicek an
gög ieri xmv vi-xäv. In beiden Nachrichten den bei Tutanus aa. 00.
wird Strenia mit den zu Neujahr gewechselten Tutunus s. Mutunus Tutunus.
strenae in Zusammenhang gebracht; in diesem Unxia ist bei Amob. 3, 25 Name eines In-
Sinne zählt Preller (B. M.3 2 S. 234) sie zu diges: unctionibus ... superest Unxia. Sp. 147,
den rHeilgöttern'. Es läfst sich nicht ent- 35f. Vgl. Sp. 1 7 2 ff . , wo ausgeführt wird, dafs
scheiden, ob die Strenia, nach welcher der der Indiges Unxia von Inno Unxia verschieden
lucus benannt war, im Grunde identisch ist ist. S. Preller, E. M.3 2 S. 217 und Iuno.
mit der Strenia der Indigitamenta, oder ob 40 Vagitanns. Dafs es einen Gott Vagitanus,
hier zwei verschiedene Göttinnen vorliegen. Indiges des vagitus der Kinder, gab, ist Sp. 171,
Subigus pater der Gott, welcher bewirkt, 49 ff. gezeigt worden, wo nachgewiesen ist, dafs
ut viro subigatur (sc. virgo), August. 6, 9; Varro bei Gell 16, 17, 2 (Sp. 138, 48ff.) den
Tertull. ad nat. 2, 11. Sp. 143/144 Z. 65. Zur deus Vaticanus, den deus praeses agri Vati-
Bezeichnung pater s. Sp. 185, 61 ff. Zum Namen cani, mit einem Vagitanus verwechselt, und
vgl. Grafsmann S. 108 nr. 1. dafs dieselbe Verwechselung in den Auszügen
Subruncinator der Gott des Jätens (*sub- aus Varro bei August. 4, 8 . . . Vaticano, qui
runcinare), welchen nach dem Sp. 181, 7 ff . infantum vagitibus praesidd; 4, 11. 21 wieder-
mitgeteilten Fragmente des Fabius Ptctor bei kehrt. Sp. 143/144 Z. 23 (zu der Sp. 171, 60ff.
dem Interpol. Serv. georg. 1,21 der Flamen 50 angeführten Litteratur ist Scheiffele in Paulys
bei der Darbringung des sacrurn cereale anruft. Eealencycl. 6, 2 S. 2287 s. v. Vagitanus hinzu-
Vgl. Sp. 181, 4lff. Zum Namen vgl. Grafs- zufügen). Zum Namen vgl. Grafsmann S. 110 f.
mann S. 113f. nr. 21. Vanicek, Etym. Wörterb. nr. 10.
d. lat. Spr.- S. 242. Griech.-lat. etym. Wörterb. Vallonia die Göttin der Thäler, August.
2 S. 820. 4, 8. Sp. 145, 68 f. Zum Namen vgl. Grafsmann
Tutanus. Varro Hercules tuam fidem (fr. 1 S. 110 nr. 2c. Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat.
S. 148 Riese, fr. 1 S. 184 Buch.3) bei Non. Spr." S. 267. Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 901.
S. 47 s. v. Tutanus: ' noctu Hannibalis cum f ? Vaticanus. S. Sp. 185, 25ff.
fugavi exercitum, \ Tutanus ob tutandum Eomae Venilia. [Varro rerum divinjarum XIIII
nuncupor ; \ hacpropter omnes , qui laborant, 00 de dis certis in Schol. Veronens. Aen. 10, 76
invocant'. Sp. 175, 52ff. 182, 48 ff. Da sich (Sp. 139, 2 ff.) von Venilia: ' spes cum con-
diese Angabe auf das bei Rediculus ange- ciliata non frustra esset et evenissfet cre-
führte Ereignis bezieht, so ist es wahrschein- dere) [. . Jbantm'; Tertull. ad nat. 2,11 fha-
lich, dafs der volle Name des Gottes Rediculus beut et Pavejntinam pavoris, spei Veniliam
Tutanus oder Tutanus Rediculus war, s. Re- (so Gothofredus, speiue- neleiam cod. Agobard.).
diculus. Zum Namen vgl. Vanicek, Etym. August. 4, 11 de spe quae venit Venilia.
Wörterb. d. lat. Spr." S. 111. Griech.-lat. etym. Sp. 143 Z. 42. Aus diesen Stellen geht her-
Wörterb. 1 S, 314. vor, dafs Varro im 14. Buche der Antiq. rer.
229 Indigitamenta (Venilia) Indigitamenta 'Verminus — Vica Potaj 230
divin. die Venilia unter den Indigitamenten- aus Varros 14. Buch der Antiq. rer. divin., bei
gottheiten als eine Göttin der Hoffnung auf- Tertullianus und Augustinus als eine Göttin der
geführt und inren Namen von venire abgeleitet Hoffnung, des Verlangens, vielleicht nicht ohne
hatte. Aufserdem hatte er aber noch andere den Nebenbegriff der Liebe, denn Preller (a,. a. 0.
Deutungen der Göttin aufgestellt: August. 7,22 Anm. 1) und Vanicek (Griech.-lat. etym. Wörterb.
iam utique habebat Salaciam Neptunus uxorem a. a. 0.) haben offenbar richtig den Namen
. . . ut quid Uli adiuncta est et Venilia . . . ? Ven-ilia mit Ven-us (vgl. Preller 1 S. 435) in
. . . ' Venilia ' inquit (sc. Varro) ' unda est, Zusammenhang gebracht. Für die Deutungen
quae ad litus venu; Salacia, quae in salum der Göttin waren vermutlich die falschen Ety-
redit' (= Thesaur. nov. latinitatis bei Mai, 10 mologieen des Namens das Bestimmende. Bei
Class. Auct, 8 S. 604 Wide Varro 'Venilia es-tf Vergiliiis (Aen. 6, 90. 10, 76; 10, 615 f. 12, 22.
inquit 'unda u. s. Vf.), vgl. Varros Worte in 90. 933 f.; 12, 138. 222. 813. 844; vgl. Serv.
den Schol. Veronens. a. a. 0. 'quam deam cum Aen. 12, 29. Serv. und Interpol. Serv. Aen.
Neptuno coniungunf ; etwas anders l. I. 5, 72 12, 139) ist Venilia, die Schwester der Amata
Venelia a veniendo et vento illo, quem Plautus (Serv. Aen. 6, 90. 12, 29; über Amata s. Bd. 1
dicit (Cist. 1,1, 15f.) 'quod ibi dixit qui secundo Sp. 266f.), Gattin des Rutulerfürsten Daunus
[vento] vectust tranquillo muri < ventum gaudco"1 . (Bd. 1 Sp. 964, 59 ff.) und Mutter des Turnus
Neben Varros Erklärungen (vgl. zu denselben und der Iuturna. Üvidius (met. 14, 333 f.) er-
das Sp. 171, 44 ff. Gesagte) gab es noch andere: zählt, dafs Venilia auf dem Palatinus dem
Interpol. Serv. Aen. 10, 76 sane hanc Veniliam 20 Ianus die Nymphe Canens (Bd. 1 Sp. 850f.)
quidam Salaciam accipiunt, Neptuni uxorem: geboren habe. Diese Erzählungen sind wohl
Salaciam a salo, Veniliam quod veniam det wie die Verbindung der Göttin mit Neptunus
f negentibus (exigentibus Daniel, vehentibus als dessen Gattin und die verschiedenen Deu-
F. Scholl, navigantibus oder egentibus Thilo; tungen Erzeugnisse gelehrter oder dichterischer
sollte etwa zu lesen sein quod ventum det Erfindung (vgl. Bd. 1 Sp. 851, 9ff. und oben
navigantibus und somit die Stelle die Er- Sp. 187, 25 ff.).
klärungen Varros enthalten?); Schol. Veronens. ?? Verminus. S. Sp. 184, 29ff.
a. a. 0.: [deam Veniliajm alii Venerem, quod Vervactor der Gott des ersten Pflügens
in mari nata Sit, alii nympham quam Graeci der Brache (vervagere) , welchen nach dem
Bowr{V)]v vocant. In allen Deutungen erscheint 30 Sp. 181, 7 ff. mitgeteilten Fragmente des Fabius
Venilia als Meeresgöttin, und in diesem Sinne Pictor bei dem Interpol. Serv. georg. 1, 21 der
ist sie auch meistens von den neueren Ge- Flamen bei der Darbriugung des sacruni cereale
lehrten unter Beibehaltung der Namensablei- anruft. Vgl. Sp. 181, 41 ff. Zum Namen vgl.
tungen der Alten aufgefafst worden. Härtung Grafsmann S. 113 f. nr. 21.
(Bei. d. Born. 2.S. 82f. 99; so auch Zeifs, *Vica Pota (Sp. 178, 15f£), nach Ausweis
Buperti [vgl. Scheiffele in Paidys Bealeneycl. ihres Namens eine Siegesgöttin (Vic-a zu vic-tor,
6,2 S. 2442 s.v. Venilia]; Corssen in Zeitschr. vi-n-c-ere u. s. w. gehörig: Corssen , Krit.
f. vgl. Sprach forsch, 3, 1864 S. 300) hält sie Beitr. z. lat. Formenl. S. 61. Aicsspr._ l2 S. 88.
für eine Göttin der Seewinde (rVenilia . . . aus 499. Grafsmann S. 108 nr. 1. Vanicek, Etym.
einerlei Stamme mit ventus'), Klausen (Aeneas 40 Wörterb. d. lat. Spr.- S. 281. Griech.-lat. etym.
u. d. Penaten 2 S. 783. 818. 878) und Scheiffele Wörterb. 2 S. 961; Pot-a zu pot-ens, potiri
(a. a. 0.) für die Göttin der glücklichen An- u. s. w. gehörig: Corssen, Krit. Beitr. S. 80.
kunft (also Venilia von venire). Zu venire Krit. Nachtr. z. lat. Formenl, S. 248. Ausspr.
stellt den Namen auch Vanicek, Etym, Wörterb. 1- S. 425. Grafsmann a. a. 0. Vanicek, Etym.
d. lat. Spr.'' S. 73 mit Hinweis auf August. Wörterb. d. lat. Spir.2 S. 144. Griech.-lat. etym.
7, 22 unda est quae ad litus venit, während er Wörterb. 1 S. 447. Curtius, Grunds, d. griech.
Griech.-lat. etym. Wörterb. 2 S. 883 Venilia Etym.5 § 377 S. 282), hatte nach Livius (2, 7, 12)
als 'Göttin der Hoffnung, des Verlangens' mit und Plutarchus (Pabl. 10) ein Heiligtum in der
venia (Gunst, Huld, Gnade, Erlaubnis, Nach- Nähe der Velia (infra Veliam et ubi nunc Vicae
sieht, Verzeihung), Venus zusammenstellt. 50 Potae est, domus [des Valerius Publicola] in
Preller (B. M.3 2 S. 121) hält Venilia für eine infimo clivo aedificata; Plutarchus sagt von
der Liebesgöttin Venus verwandte Quellen- demselben Hause des Valerius oizov vvv icgöv
göttin (als eine ' Nebengöttin ' [!] der Venus iativ Ovinag TLözag övo(iu'c,öy,svov); vgl. -Aro-
bezeichneten Klausen a a. 0. 2 S. 1226 und brosch, Studien S. 120 f. Becker, Topogr. S. 249 ff.
Scheiffele a. a. 0. in unklarer Weise die Venilia). Gilbert, Gesch. u. Topogr. d. Stadt Born 1
Ambrosch (Beligionsbücher Heft2 S.237Anm.51 S. 108 Anm. 1. S. 156 Anm. 2. Jordan, Topogr.
= Abdr. S. 17 Anm. 51) trennte Venilia die d. Stadt Born 1, 2 S. 416. Bichter in Bau-
Göttin der spes quae venit (Varro in Schol. meisters Denkmal, d. klass. Altert. 3 S. 1489,
Veronens. a. a. 0., Tcrtull,, August.) von Venilia in Müllers Handb. d, klass. Altert. -Wiss. 3
der Gattin des Neptunus; der gleiche Name co S. 835. Die Gö'ttin wird aufserdem von Cicero
berechtige keineswegs, beide Göttinnen für (de leg. 2, 11, 28; vgl. dazu E. Hoffmann in
identisch zu halten. Dies ist aber wohl nicht N. Jhrb. f. Ph. 117, 1878 S. 715f.) erwähnt;
richtig; wir haben es hier offenbar mit mannig- ferner bei Seneca apocol. 9 Diespiter Vicae
fachen Deutungen ein und derselben Göttin zu Potae filius . . . nnmmulariolus . allerdings in
thun. Diese Göttin erscheint an denjenigen scherzhafter Weise (Preller , B. M.3 2 S. 245
Stellen, welche für die Ermittelung ihrer wirk- Anm. 1 vermutet, dafs hier eine Göttin des
liehen Bedeutung allein in Betracht kommen, Erwerbs gemeint sei; vgl. auch Ambrosch,
nämlich in dem oben angeführten Fragmente Studien S. 121 Anm. 72). Ascon. Pison. 52
8*
231 Indigitamenta (Victa — Virginiensis) Indigitamenta (Viriplaca — Voluninus) 232
S. 12, 8 K. u. Seh. sagt, von dem Hause des zona soluitur, . . . dea Virginiensis vocetur. 6,9
Valerius redend, tub Veliis ubi nunc aedis adest ... dea Virginiensis et deus putcr Subigus
Victoriae est, nennt also der Sache nach ganz (s. d.) . . . adtst Virginiensis dea, ut virgini zona
richtig die Vica Pota Victoria (von einem solcatur. Sp. 143/144 Z. 62.
cMifsverständiiis.-e'[tri7öe)ia. a. 0. S. 108Anm. 1] *Viriplaca die Göttin, welche die erzürnten
kann ebensowenig die ßede sein wie von einer Männer besänftigt und Frau und Mjnn ver-
Notwendigkeit der Umänderung des Namens söhnt, Valer. Max. 2. 1, 6, wo angegeben wird,
Victoria in Vica Pota [Becker a. a. 0. S. 251]). dafs bei entstandenen Zwistigkeiten die Ehe-
Zum Doppclnamen vgl. Sp. 186, 26 ff. Jordan gatten in das Heiligtum der Göttin in Palatio
(in Prellers R. M.s 2 S. 245 Anm.l) erklärt, dafs 10 (vgl. Becker, Topogr. S. 421. Richter in Bau-
bei Arnobius 3, 25 Victa (s. d.) et Potua (s. d.) meisters Dtnhn. d. Mass. Altert. 3 S. 1484, in
sanetissimae victui potuique procurant zu lesen Müllers Rum Ib. d. Mass. Altert. -Wiss. 3 S. 828.
sei Vua und fügt hinzu 'es war also ein Gilbeit, Gesüi. u.Tupogr.d. Stadt Rani 3 S. 430)
schlechter Witz, wenn man den veralteten gingen, dort wechselseitig ihre Anliegen aus-
Namen nach seiuem letzten Theil so umdeutete'; sprachen und versöhnt zurückkehrten. Sp. 177,
ähnlich Georges, Lot. - deutsch. Handivörterb. 5aff. Haltung (Rel. d. Rom. 2 S. 39) will in
s. v. Vica Pota, nach welchem Vica Pota = Viriplaca die luno erkennen. Zum Numen
Victa und Potua, und E. Hoffmann a. a. 0. vgl. Grafsmann S. Iu8 nr. 1.
S. 716 Anm. 5: 'die Potica als diva potandi' Vitumnus der Gott, welcher dem Kinde
hei D< nat. Ter. Pharm. 1, l, 15 (s. Potina) 20 im Mutterleibe das Leben verleiht, Tertull. ad
'ist eben nur die dem trivialen Verständniss nat. 2, 11. August. 7, 2. 3. :-p. 143/144. Z. 8.
näher gerückte Pota, und wie auch Vica neben Der Name Vitu-mn'u-s (für *Vito- meno-s) ist
Pota die gleiche Ausdeutung uud Umänderung das Participium (s. über die=e Bildungen die
erfuhr, zeigt Arnobius 3, 25' (s. Victa). Das bei Alemona angegebene Litteratur) eines vom
Abgeschmackte und Falsche solcher Annahmen Stamme in vita abgeleiteten VerbaLtaninies
liegt auf der Hand. *vito-, vgl. Corssen, Ausspr. \- S. 435 Anm.
Victa die Göttin des victus, Arnob. 3, 25 S. 528. 2S S. 174. Vanicek, Etym. Wörterb. d.
Victa (so Sabaeus, vita die Handschrift, Victua lat. Spr.2 S- 84. Gritch.-lut. etym. Wöiterb. 1
Ursinus) tt Potua sanetissimae victui potuique S. 227. Beckstein in der bei Alemona an-
procurant. Sp. 148, 20ff. Uie Emendation des so geführten Abhandlung S. 391 f. 394; anders
Sabaeus ist jedenfalls richtig, der Gedanke an Grafsmann S. 112 f. nr. 15 (eine daseibot neben
Vica Puta (s. d. am Eude) ist durch die Er- Vitumnus aufgeführte Form Vitunnus existiert
klärung des Arnobius vollständig ausgeschlossen ebensowenig wie die von Georges, Lut.-deutsTi.
(vgl. August. 6, 9 | Sp. 131, 17ff.J deinde coepit Hundwärterb. 8. v. Vitumnus angeführte Form
[sc. Varro] deos alias ostendere, qui peitmtreut Vitunu»).
non ad ipsum hommtm, sed ad ta quue sunt Voleta eine Göttin des Willens, Tertull. ad
hominis, sicuti est victus u. s. w.). Marquardt nat. 2, ll unter den Göttern des Kindesalters.
(Stautscerw. 32 S. 13 Anm. 6) hält Victa falsch Sp. 143 Z. 40; vgl. Sp. 167, 1 ff . S. Volumna.
für identisch mit Edusa (s. d.). Zum Namen Zum Namen vgl. Grafsmann S. 110 nr. 7.
(Vic-ta) vgl. Grafsmann S. 108f. nr. 1 ('"Victua, 40 Volumna eine Göttm des Willens, August.
wie wohl statt des undenkbaren Victa ... zu 4, 21 unter den Göttern des Kindesalters (ut
lesen ist'). Vanicek, Griech.-lut. etym. Wörterb. bona vellent). Sp. 144 Z. 40; vgl. Sp. 167, lff.
1 S. 227. Härtung {Rel. d. Rom. 2 S. 240) nennt die
Viduus der Gott, der beim Tode die Seele Göttin, die er für luno hält (!), falsch Volumnia.
vom Körper scheidet, Tertull. ad nat. 2,15 Preller (R. ili.3 2 S. 212) unterscheidet: 'JJiyus
fViJduus, qui animnm corpore viduet, quem Volumnus' (s. d.) 'und Diva Volumna ... sind
intra muros cludi n[on admitjtendo damnastis, die Götter des Verlangens' (?), 'während die
woraus auf ein Heiligtum des Gottes aufser- . . . Diva Voleta mehr das sittliche Wollen
halb der Stadt zu schliefsen ist. Sp. 145 Z. 72. (velle) im Gegensatze zu dem Nicht -Wollen
Die Stelle des Cyprian. quod iaola dii non 50 (nolle) ausdrückt.' Der Name Vol-u-mna ist
sint 4: ut sit apud illos Viduus deus, qui anima ein Participium (s über diese Bildungen die
corpus viduet, qui quasi feralis tt funebris in- bei Alemona angegebene Litteratur) von vol-o;
tra muros non habttur, sed foris conlocatur et vgl. Grafsmann S. 112 f. nr. 15. Corssen, Ausspr.
mhilominus (is vel deus fügt Vonek hinzu), 1- S. 528. 22 S 171. Vanicek, Etym. Wörterb.
quia extorris factus damnatur ist eine alte, d. lat. jSpr.2 S. 265f. Grtech.-Iat. etym. Wörterb.
aus Tertull. ad nat. 2, 15 genommene Inter- 2 S. 889. Beckstein in der bei Alemona an-
polation der cyprianischen Schrift, s. Asceusus geführten Abhandlung S. 3S9.
und Orboua. Härtung (Rel. d. Rom. i S. 90) Volumnus ein Gott des Willens, Minuc.
will Viduus als Beinamen des Orcus auflassen; Fei. Oct. 25; Tertull. ad nat. 2, 11 und August.
andere unhaltbare Ansichten bei Scheiffele in 60 4, 21 unter den Göttern des Kindesalters (ut
Pauh/s Realencijel. 6, 2 S. 2593f. s. v. Viduus bona vellent, August.). Sp. 143/144 Z. 39; vgl.
(= Pluto! u. s. w.). Eine von Bouche -Leclercq Sp. 167, lff. Hurtung (Rel. d. Rom. 2 S. 240)
(Les Pontifes S. 34) angeführte Göttin Vidua und Scheiffele (in Paulys Realencycl. 6, 2 S. 2744
ist nirgends bezeugt. s. v. Volumnus) halten Volumnus für Iuppiter
Virginiensis (Virginensis cod. Monaeensis (! ; bei Scheiffele überdies falsche Auffassung
lat. 3831) die Göttin, welche die Braut anruft, des Gottes). S. Volumna. Naniensbilduug
wenn sie im Begriff steht, ihre Jungferschaft (Vol-u-mnu-s) wie bei Volumna, s. die daselbst
preiszugeben, August. 4, 11 cum virgini uxori angegebene Litteratur.
233 Indigit. (Volup., Volut.) — Indulgentia Inferi (älteste Vorstellungen) 234
Volupia die Göttiu des behaglichen Wohl- 324ff.; S. 502, Salonine 54. — 6 S. 5, Macrien
seins, des Vergnügens, Tertull. ad nat. 2, 11. jeune 6. S. 7, Quietus 6). Dagegen ist sie in
August. 4, 8. 11 unter den Gottheiten des der Gestalt der Spes auf Münzen des Alexander
jugendlichen Alters. Sp. 143/144 Z. 43. Nach Severus, des Gallienus. Probus und Florianus
Macrobius (Bat. 1, 10, 7) brachten in saollo (Cohen, m. i.2 4 S. 408, Alex. Se'v. 65 ff. — 5 S. .376,
Volupiae die Pontifices am 21. Dezember der Gallien 321 ff. — 6 S. 243, Flor 29. S. 283, Prob.
Augerona ein Opfer dar (s. Bd. 1 Sp 348,55ff); 303 , einmalaneh in der der Providentia gebildet
dieses sacellum Volupiae erwähnt auch Varro (5 S 377, Gallien 331 ). Ihr, als der Indulgentia
7. 7. 5. 164. Masurws, den Macrobnts (§ 8) an- domini, errichtete in derselben Zeit der Qnin-
führt (fastonon fr. 12 S. 125 Huscbke'), spricht 10 quenDalis Caecilius Natalis in Cirta eine Kapelle
von einem in ara Volupiae befindlichen Bilde mit einer ehernen Statue (C. /. L. 8, 7095 ff. ;
der Angerona (mit der Erklärung der Verbin- vgl. 6996). [Auf Münzen des Septirnius Severus
düng dieser beiden Göttinnen: quod qui suos und Caracalla ist neben der Inschrift Indul-
dolores anxietatesque dissimulunt perveniant pa- gentia. Augg. in. Italiam oder in Carth. nicht
tientiae beneficio ad maximam eohiptatein ; zur etwa die Ind. sondern vielmehr die personi-
ara Volupiae vgl. Mbmmsens Supplemente zu ficierte Itaba oder die Stadtgöttin von Carthago
den Faxti Praenestini zum 21. Dezember G. I. (vgl. Inno Caelesti*) oder neben Indulg. fecunda,
L. 1 S. 319, dazu S. 409 zum 21. Dezember) Da der reichen Gnade, eine verschleierte, auf einem
Varro (2.7.6,23 jenes Opfer der Angerona in kuruli>chen Stuhl sitzende, mit Mauerkrone
curia Acculeia dargebracht werden läfst, so ist 20 und Scepter versehene Frau (Iulia?) dargestellt
anzunehmen, dafs das sacellum und die ara Vo- (Cohen, m. i.- 4 S. 27, Sept. Severe 228. S. 153,
lupiae t-ich in der curia Acculeia befanden; vgl. Caracalla 102)]
hierzu u. überhaupt zu der Göttin Becker, Topogr. Endlich findet sich auf Münzen des Postu-
S. 114. 492. Preller, E Mä2S. 36 f. Mommsen mus (Cohen, m. i.2 6 S. 31, Postume 145 f.)
im C.I. L.l S. 409 zum 21. Dezember. Gilbert, die Indvlg. pia Postumi Aug. so verkörpert,
Gesch. und Topogr. d. Stadt Rom 1 S. 56 ff. 2 dafs der Kaiser selbst einer vor ihm knieenden
S. 104 ff. Eiehttr in Baumeisters Denkmal, d. Frau die Hand reicht. Diese Frau trägt auf
Mass. Altert. 3 S. 1496, in Müllers Ha-udb. d. einer ähnlichen Münze des Victorinus ein Füll-
klnss. Altert -Wiss. 3 S. 846; manches Falsche hörn (Cohen 6 S. 73, Victorine pere 43), so
über die Göttin bei Scheiffele in Paulys Peal- 30 dafs sie Vertreterin eines Landes zu sein
encycl. 6, 2 S. 2744 s. v. Volupia. Eine ge- scheint. [Steuding.]
fälschte Widmung Voluptiae dene piotentiu. s.w. Inferi, die Unterirdischen, die Bewohner
C /. L. 11, 47* (falsae). Zum Namen vgl. Grafs- der Unterwelt bei den Piömern.
mann S. 109 nr. 2. Corsstn, Avsspr. 22 S. 597. _ »,. . t, , .. -,
1024. Vanicek, Etym. Wörterb. d. lat. Spr.- L älteste aus den Bestattungsbrauehen
S. 266. Griech.lat. ttym. Wörterb. 2 S. 890. lmd ,dem Grabkultus ersichtliche Vor-
Volutina. August. 4, 8 praefecerunt ergo Stellungen über das Wesen der Inferi.
. . . inroluwenlis folliculorum deam Volutinam. Bei dem Schwanken der Meinungen und
Sp. 146, 10 ff. Zum Kamen vgl. Grafsmann der Unklarheit und Unvollständigkeit der Be-
S Ulf. nr. 13. Vanicek, Etym. Wörterb. d. 40 richte über die in Bezug auf das Fortleben
lat Spr.2 S. 270. Grieeh.-lat. etym. Wörterb. 2 des Menschen nach dem Tode in ältester Zeit
S. 916. [R. Peter.] in Rom herrschenden Vorstellungen bieten uns
Indos ('ivSög), 1) Sohn der Ercle, Stamm- einen Anhalt für eine einigermafsen zuver-
vater der Inder, von Zeus getötet; Nonn. lä-sige Beurteilung nur die im Laufe der
Dionys. 18, 271. — 21 Gemahl der Nymphe Jahrhunderte fast unverändert gebliebenen Be-
Kalauria und Vater des Ganges; Pseudo-Plut. stattungsbräuche und die den Gräberkult be-
cle fluv. 4. — 3) Ein angesehener indischer treffenden Sitten und Vorschriften, insoweit
.Jnngling, welcher der Damasalkida, der Tochter sie einen Schlufs auf jene zu Grunde liegen-
des Königs Oxyalkes, Gewalt anthat und sich den Anschauungen gestatten. Von ihnen mufs
aus Furcht vor Strafe in den Flufs Mausolos 50 also ausgegangen und die spätere Überlieferung
stürzte, der nun nach ihm Indos benannt nur zur weiteren Ausführung der aus jenen
wurde; Pseudo-Plut. de fluv. 25. — 4) Ein Bräuchen erschlossenen Grundzüge verwendet
König in Skythien, der zuerst das Silber ent- werden,
deckt haben" soll; Hyg. fab. 274. [Höfer.] Wenn nun auch die Frage, welche der
1 ml u In ent i ■> . die personificierte Nachsicht beiden Hauptarten der Bestattung, Beerdigung
und Gnade, eine der Clementia (s. d ) ähnliche oder Verbrennung der Toten, in Bezug auf den
Gestalt, welche wohl in der Zeit des Hadrianus latinischen Stamm in Mittelitalien die absolut
und in Rücksicht auf diesen (vgl. C. I. L. 8, ältere ist, noch nicht als endgültig gelöst be-
8813 f) entstanden ist. Auf Münzen erscheint trachtet werden darf, so kann doch für Be-
sie als Indulgentia Aug., selten absolut als 60 urteilung der f'ir uns erkennbaren Anschauungs-
Indnlgentia bezeichnet, sitzend mit ausge- weise der alten Römer durchaus nur die erstere
streckter Rechten und mit Scepter. Schale in Betracht kommen; denn auch bei der später
oder Zweig (Cohen, med. imp. 2 2 S. 176, gewöhnlichen Verbrennung wurden die eigent-
Adrien 845 ff.; S. 250, Sabine 36 f.; S. 314, lieh sakralen Gebräuche durchaus von jener
Autonin 452 ff. — 3 S. 146, Faustine jeune entlehnt, wie z. B. die Weihung der Ver-
118. S. 181, Lucius Verus 114. — 4 S. 26, brennungsstätte nur durch das Werfen einer
Septime Severe 216. S. 154, Caracalla 103. Erdscholle auf das Antlitz des Toten erfolgte
S. 507, Maximin I 16 ff. — 5 S. 377, Gallien (Varro bei Non. S. 163 s. Proeädaneum. Fett.
235 Inferi (älteste Vorstellungen) lnferi (älteste Vorstellungen) 236
S. 218. Paul. S. 223 s. Praecidanea), und in iacent 12, 3464. haec certa est domus, haec
älterer Zeit deshalb sogar irgend ein Teil der colenda nobis . . ■ Orelli 4850), so dafs es als
Leiche, wenigstens aber ein Finger, unver- domus aeterno, oder aeternalis (C. I. L. 1, 1008.
brannt für sieh beerdigt werden rnufste ( Yarro 1059. 8, 5168 u. öfter. 10, 2066. 12, 1686.
de l. 1. 5, 23. Cic. de leg. 2, 22, 55 ff. 24, 60. 4123. 14, 229. 785. 1335 u. s. w.), leti domus
Tusc. 1, 12, 27. Paul. Diae. S. 148 s. v. menibrwm. (1, 1009), domicilium (12, 4924), sacrata sedes
Plin. n. h. 2, 63, 154. 7, 54, 187. Plut. quaest. (12, 5271) oder patria (8, 79) bezeichnet und
Rom. 79. Nima 22; vgl. M aller, Etr. - 2 S. 164. nach Art einer Kammer, eines Hauses (Mar-
Marquardt, Handb. 5, 1 S. 575 f.). Dasselbe guardt, H. d. r. A. 6, 1 S. 367 fl. Deecke bei
beweist der Glaube, dafs nur die regelrecht 10 Müller, Etr.- 1 S. 239, 26. 2, 242, 46; vgl.
beerdigten Toten (manes rite conditi) im Grabe Jordan, Topogr. 1, 1 S. 549 f. Schreiber, Kulturh.
Ruhe finden (Plaut. Biostell 2, 2, 6S. Ennius Bilderati. Tf. 96 ff.) oder auch als kleiner Tempel
bei Cic. pro Mil. 33, 91. Tusc. 1, 44, 107. (Bergan in d. Arch. Zeit. 24, 1866 S. 261* ff.
Verg. Aen. 4, 620. 6, 333. Plin. ep. 7, 27, 11. CLL. 10, 7566. 7574. 7719; vgl. 7578. 14,480,
Suet. Calig. 59. Tertull. de anima 56. Serv. V. meistens freilich in Versen) angelegt wird. Vgl.
Aen. 4, 386; vgl. unten Sp. 248 n. 254), offen- auch die Aschenkisten iu der Gestalt eines
bar ■weil der Aufenthaltsort des Leibes den Hauses oder einer Hütte bei Daremberg et
der Seele mit bestimmt (Propert. 4, 5, 3; vgl. Saglio Dict. des ant. s. v. domus. Oft wird
die Bewachung der manes des älteren Scipio daher eine arca (C. L. L. sehr oft), ein forum
Africanus durch einen draco, Plin. n. h. 16, 20 oder vestibulum sepulcri (12 Tafelgesetze bei
44, 85, der wohl eigentlich sein genius ist, Cic. de leg. 2, 24, 61. Orelli- Henzen 7365),
siehe Bd. 1 Sp. 2467, 14 ff. ; vgl. auch die d. h. ein Versammlungsraum der Verstorbenen,
ähnliche ägyptische Vorstellung, nach welcher der häufig mit Bäumen bepflanzt wurde (Serv.
der Seelenvogel des Osiris über dessen Leiche V. A. 1, 441. 3, 302. 5, 760. 6, 673), ein accu-
im Grabe schwebt, Brugsch, Bei. u. Myth. d. bitorium (C. I. L. 14, 1473), triclinium und cu-
a. Äg. S. 652), so dafs manes und cinis auch bicula (14, 671. 1302. 2636 II u. öfter) erwähnt,
später noch zuweilen einander geradezu gleich- Vgl. die wie Triclinien eingerichteten etruski-
gesetzt werden (Propert. 2, 13, 31 f. 57 f. C. L. sehen Gräber (Deecke bei Müller, Etr." 2 S. 164,
L. 11, 1624. 12,3464; vgl. Verg. Aen. 2, 586. 129 b. Lippert a. a. O.). Ja in ältester Zeit
Fers. sat. 1, 38). Aus dem gleichen Grunde, quod 30 diente der Boden des Hauses selbst, ebenso
os supra terram non exitaret, galten nach altem wie bei den Griechen und Germanen (Lippeit
Rechte die im Meere versenkten Leichen als a. a. 0. S. 310. 135. 160 f.) als Begräbnisstätte,
richtig bestattet (Cic. de leg. 2, 22, 57), und so dafs die Seelen der Vorfahren daselbst als
sogar für iu der Fremde Verstorbene wird zu Hausgeister (Penates, Lares) ihre Wohnung
Hause nach Pontifikalrecht eine terrae iniectio behielteu (Serv. V. A. 5, 64. 6, 152; vgl. 11, 206
vorgenommen (Sern. V. A. 6, 366; vgl. Bd. 1 u. unten Sp. 245, 10). A_n diese Voi-stellnng
Sp. 2454, 25 ff.). Ebenso war es heilige knüpft auch später noch der Glaube an, dafs
Pflicht für jeden Vorübergehenden, auf Haupt Geister, die im Grabe keine Ruhe finden, be-
ilud Gebeine eines unbestatteten Leichnams sonders in der Nähe derselben umgehen (Apul.
drei Hände voll Staub zu streuen (Verg. Aen. -io de mag. 44 S. 535; vgl. Bd. 1 Sp. 2478, 60) und
6, 365 f. Horat. ca. 1, 28, 23 f. 36. Petrin. 114. beschworen werden können (s. unt. Sp. 254, 30).
Quintil. decl. 5, 6. Serv. V. A. 6, 176. Claud. Da aber der Tote selbst, wie wir unten
in Ruf. 1, 371). sehen werden, als Gott betrachtet wird, so
Dagegen kann die auf Numa zurückgeführte gilt seine Wohnung selbstverständlich als
Bestimmung aus einer lex PoBtumia: Vino heilig und unverletzlich (Cic. de leg. 2, 22, 57.
rogum ne respargito (Plin. n. h. 14, 12, 88) 26, 64. Tusc. 1. 12, 27. Yarro bei Plut. quaest.
ganz abgesehen von der Berechtigung des Rom. 14. Non. Marc. S. 464 s. v. templum;
Zweifels an ihrem Alter nichts beweisen, ob- vgl. Verg. Aen. 4, 457. Liv. 26, 13, 13. Sil.
wohl Gräberfunde das frühzeitige Vorkommen Ital. 1, 81 ff); auch wird das Grab oft geradezu
der Verbrennung zu bestätigen scheinen (Heibig 50 unter den Schutz der Inferi gestellt (C. I. L.
in der Arch. Zeit. 42 (1884) S. 287 ff.). Übrigens 1, 1241 = 10, 4265. 3, 191, 9, 5813. 12, 4725.
erzählte man, dafs Numa selbst beerdigt wor- 14, 2535).
den sei (Cic. de leg. 2, 22, 56. Plut. Numa 22). Dafs man sich jedoch auch das gesamte
Dementsprechend knüpfen alle altrömischen Leben nach dem Tode ebenso wie bei
Vorstellungen über das Fortleben des Menschen anderen Völkern (vgl. Brugsch, R. u. 31. d. a.
nach dem Tode an die Versenkung der Leiche Ag. S. 174; siehe Bd. 1 Sp. 2453, 55ff.) geradezu
in die Erde an. Offenbar betrachtete man ur- als eine Fortsetzung des irdischen Da-
sprünglich ebenso wie in Ägypten (Brugsch, seins dachte, beweist die Ausstattung dieser
JB. u. M. d. a. Äg. S. 174), Babylonien, Wohnung mit Speise, Trank und dem dazu
(R. Eoldewey in d. Zeitschr. f. Assyr. 2 S. 403 ff. co nötigen Geschirr, sowie mit Waffen, Werk-
Erman im Arch. Ans. 1889, 2 S. 55), Phöni- zeug und Toilettegegenständen aller Art (Mar-
zien, Griechenland und Etrurien (s. Bd. 1 Sp. guardt a. a. O. S. 369; vgl. Verg. Aen. 6,
2466, 27 ff. Heibig a. a. 0. E. Sclndse im 232 ff). Dem entspricht ferner die Dar-
Progr. d. Gymn. s. Gotha 1870 S. 6 ff. Lippert, bringung des silicemium , das zwar all-
L>. Rel. d. eur. Kulturv. S. 415 f.) das Grab mählich zu einem im Hause gefeierten Leichen-
ais Wohnung des Verstorbenen (Petron. schmaus mit circumpotatio (Cic. de leg. 2, 24, 60)
sat. 71; vgl. Propert. 4, 5, 3. 2, 13, 31 f. 57 f. wurde (Festus S. 294 s. v. silicernium. Paul.
5, 151; hie habitat C. I.L. 9, 2893. ibi Manes JJiac. S. 295. Non, Marc.S.iä. Tertull. apol.iS.
237 Inferi (Aufenthaltsort) Inferi (Aufenthaltsort) 238
•
Donat. zu Terent. Adelph. 4, 2, 48), Ursprung- Grunde war die Darbringung jener Gaben den
lieh aber und oft auch später noch am Grabe Verwandten bei Strafandrohung gesetzlich ge-
selbst stattfand (Varro bei Non. a. a. 0. ad boten (C. I. L. 1, 1409).
sepulcrum antiquo more. Serv. V. A. 5, 92; vgl. In alter Zeit waren endlich beim eigeut-
Orelli 3999. Marquardt, Handb. 4 S. 257 = liehen Totenopfer, au welches sich offenbar
Staatsverw. 3 S. 300) und als ein Opfer für das silicernium anschlofs, ebenso wie in
den Verstorbenen zu betrachten ist (vgl. Wattke, Griechenland (s. Bd. 1 Sp. 2503f.) und ander-
Deutscher Volksäbergl. 740 u. Bd. 1 Sp. 2507 f.), wärts (Lippert, I). Bei. d. eur. Kultv/rvöTker
dessen Anteil wohl den an den angeführten S. 56 ff. 178 u. öfter) auch Menschen ge-
Stellen mehrfach erwähnten Greisen überlassen 10 schlachtet worden und zwar diejenigen, deren
wurde, eigentlich aber von ihm selbst ge- Dienste der Tote im Leben zu seinem Wohl-
nossen werden sollte, was eine Narbonenser sein nötig gehabt hatte, seine Lieblingsfrau
Grabschrift aus der Zeit des Augustus geradezu und seine Lieblingssklaven ( Verg. Aen. 5, 95
ausspricht, G. I. L, 12, 5102: L. Bunnius u. Serv. dazu. Tertull. de spect. 12. Serv. V. A.
Pa(r) | Cn. f. Pollio [ cupidius. perpoto. in. 3, 67. 5, 78; vgl. Paul. S. 103 s. v. Humanuni
monumento . meo quod . dormiendum . et .perma- sacrificium. Gell. 5, 12. Plut. quaest. Born. 83.
nendum \ heic. est. mihi. Plin. n. h. 30, 1, 16 u. oben Bd. 1 S. 1032, 16);
So kostet beim Leichenbegängnis des An- jedenfalls sollte er also diese ebensowenig wie
chises eine Schlange von dem dargebrachten die ihm ins Grab mitgegebenen Gegenstände
Opfer, die der Dichter allerdings entweder 20 oder seine Pferde [Serv. V. A. 5, 95) im Tode
für den genius loci oder für einen Diener missen; vgl. Bd. 1 Sp. 2451, 15 ff.
seines verstorbenen Vaters hält (Verg. Aen. An die Stelle der Opferung von Sklaven
5, 84 ff.; vgl. Bd. 1 Sp. 2468, 12 ff.), die aber oder Gefangenen (Liv. 7, 15. Tertull. a. a. O.)
wahrscheinlich eigentlich als der genius des traten später, wahrscheinlich nach etruskischem
Toten selbst zu betrachten sein dürfte (vgl. Vorbild [Müller, Etr.° 2, 224; vgl. Athen. 4,
Bd. 1 Sp. 1624 und 2467, 14ff 36 ff. 2468, 25 ff. 39 S. 153 F. Isidor. orig. 10 S. 247 Bas.), neben
Schreiber, Kulturhist. Bilderati. Tf. 98, 8). Tieropfern die Gladiatorenkämpfe bei den
Jedenfalls zeigt die in Gräbern oft wieder- Leichenspielen (Liv. ep. 16. Liv. 23, 30. 28,
holte Darstellung eines Familienmahles (Mar- 21. 31, 50. 39, 46. 41, 28. Yal. Max. 2, 4, 7.
quardt a. a. O. 5, 1 S. 367), wie auf den 30 Tertull. a. a. O.; vgl. C. I. L. 1, 1199), die
gleichartigen griechischen Bildern (s. Bd. 1 Frauen aber kratzten sich dann wenigstens
Sp. 2571 ff.), den Verstorbenen beim Genüsse das Gesicht blutig, um so den Inferi genug
des ihm dargebrachten Speiseopfers (vgl. zu thun (Zwölftafelgesetz bei Cic. de leq. 2,
Wernicke in d. Arch. Zeit. 43, 1885 S. 222, 23, 59. 25, 64; bei Festus S. 273 s. v. Badere;
wo auch die neuere Litteratur hierfür angeführt bei Plin. n. h. 11, 37, 157. Propert. 3, 13 b, 11.
ist), und auch bei den alljährlichen Wieder- Serv. V. A. 3, 67. 5, 78. 12,606), eine Milderung
holungen des Totenmahles ist er selbst als des Kultgebrauchs, wie sie ähnlich auch sonst
Teilnehmer vorgestellt, da diese Mahlzeiten oft nachweisbar ist (siehe Bd. 1 Sp. 1182, 36 ff.),
immer wieder am Grabe selbst stattfanden; n Die Inferi als Bewohner eines gemein-
gehorten doch, wie aus zahlreichen Inschriften 40 caTne„ „„taWi.,1,«, Anftantl^.n-t™.^«.
hervorgeht, in späterer Zeit nicht nur coena-
samen unterirdischen Aufenthaltsortes.
cula (C. I. L. 9, 1938. 10, 6069), sondern auch 1- Entwicklung des Ortshegriffes und all-
culinae (6, 14614. 9, 4079. 10, 4765. 14, 1869), gemeiner Pestzeiten,
piscinae (14, 396), Gärten (1, 1059. 14, 2139 u. Aus dem Begriffe des Einzelgrabes ent-
öfter) und Äcker (14, 1304. 2148. 3340. 3343 wickelte sich allmählich der eines unterirdischen
u. öfter) zu den Gräbern, letztere, um aus ihrem Aufenthaltsortes aller Verstorbenen (qui nunc
Ertrag die Kosten für die jährliche Speisung abierunt hinc in communem locum, Plaut. Casin.
zu bestreiten (5, 7454). prol. 19; vgl. me ad plures penetravi, Trin.
Ebenso ist das Speise- und Trankopfer, 291; abiit ad plures, Petron. 42), d. h. die Vor-
weiches für die inferi (Varro d. I. I. 6, 13; 50 Stellung von der Unterwelt (Cic. Tusc. 1, 16,
vgl. Cal. Farnes. 21. Febr. im C. T. L. 1 36), auf welche naturgemäfs die charakteristi-
S. 386) aufser an den öffentlichen Festen der sehen Eigenschaften des Grabes selbst, be-
Feralia, Rosaria, dem „dies violae" und beim sonders die Lage unter der Erdoberfläche und
Schlachten der porca praeeidanea, besonders die Dunkelheit des Ortes, übertragen wurden
auch privatim am Todes- und am Geburts- (Plaut. Aul. 2, 7, 6. Alte Tragiker bei Cic.
tag des Verstorbenen auf den Gräbern auf- Tusc. 1, 16, 37. 12, 27. Verg. Aen. 8, 246.
gestellt, verbrannt oder ausgegossen wurde Horat. carm. 4, 7, 26. Ovid. met. 10, 17. ex
(das Nähere siehe unter Manes und vgl. Mar- Pont. 4, 14, 12. Plin. n. h. 2, 63, 158. 33
quardt, Handb. 4, 257 ff. = Staatsveriv. 3, 298 ff. praef. 2. Non. Marc. S. 45 s. v. Inferum; vgl.
5, 368 f.), nur als Speisung und Tränkung der 60 oben Aquili dii). Wie aber später die Götter
im Grabe selbst wohnenden Toten zu be- in jedem ihrer Tempel wohnend , daneben je-
trachten (Ovid. fast. 2, 566. Serv. V. A. 5, 78; doch auch als überall anwesend und helfend
vgl. Orelli 4781), so dafs man annahm, Tote, • (praesens deus, Cic. Tusc. 1, 12, 28) gedacht
welche diese Labung nicht erhielten, würden wurden, so wird auch den Verstorbenen eine
im Grabe von Durst gequält (Propert. 4, 5, 2), Doppelexistenz, wohl infolge einer Vermischung
oder es kämen dieselben heraus und ver- der Anschauungsweise der verschiedenen Zeiten,
anlafsten den Tod der Säumigen (Ovid. fast. zugeschrieben. Der fortbestehende Gräberknlt
2, 547 ff. ; vgl. Bd. 1 Sp. 2479, 30 ff.). Aus diesem erhält die- alte Vorstellung von dem Aufent-
239 Inferi (Feste} Inferi (Eigenschaften) 240
halte der Einzelnen in ihren Gräbern lebendig, Luft für den Naturmenschen ebenso unsichtbar
daneben versetzt man die Toten aber auch in ist wie die Seele (Cic. Cato M. 22, 79), eine
die gemeinsame Unterwelt, welche durch den Anschauung, aus der später jedenfalls auch
einzigen lapis manalis geöffnet und geschlossen der Glaube an den Aufenthalt der Seelen im
(s. unten Sp. 250, 24) und vou eignen Göttern Luftraum hervorging (s. unten Sp. 260).
beherrscht wird (Sp. 245). Und aufser an Wegen der Dunkelheit des Grabes dagegen
diesen doppelten Aufenthaltsort glaubt man werden die Seelen selbst als dunkelfarbig
an regelmäfsiges und auch an unregelmäfsiges oder schwarz (s. o. Aquili dii und vgl. nigri Le-
Emporkommen der Toten auf die Oberwelt (s. mures Pers. 5, 185. Proserpina furva Horat.
unten Sp. 249 ff.), sowie zuletzt auch an ein 10 od. 2, 13, 21. fuscae deus. aulae Propert. 4,
Wohnen im Himmelsraum (s. unten Sp. 260). 11, 5) vorgestellt, und es wurden ihnen, ebenso
Seitdem nun aber die Inferi als Bewohner der wie den griechischen Todesgöttern, dunkel-
Unterwelt, d.h. als Gesamtheit aufgefafst wer- farbige Opfertiere geschlachtet (Verg. Aen. 5,
den, wird ihnen auch neben der früheren pri- 736. Paul. Diac. S. 93 s. v. furvum bovem.
vaten Feier ein gemeinsames Fest gewid- Val. 3Iax. 2, 4, 5. Plin. n. h. 30, 1, 16. Amol).
rnet. Vor dem alten durch die Terminalia 7, 19 f. Serv. V. A. 3, 118. 6, 238), schwarze
und die Einachiebung des Schalttages bezeich- Bäume oder solche mit schwarzen Früchten
neten Jahresschlufs (Varro de 1. I. 6, 13) geheiligt (atra cuprefsus, Verg. Aen. 3, 64 u.
feierte man nämlich vom 13. bis 21. Februar, Serv. dazu; vgl. Horat. od. 2, 14, 23. epod.
dem saerificiurn novendiale der einzelnen Be- 20 5, 18 und Bd. 1 Sp. 1185, 16 ff.); bei einem
gräbnisfeier entsprechend , als gemeinsames zauberartigen Brauch werden schwarze Bohnen
Totenfest die dies parentales (siehe Manes). und ein mit Pech bestrichener Kopf einer
Der bedeutendste Tag derselben war der maena verwendet (Ovid. fast. 2, 575 ff. 5, 436),
21. Februar, die Feralia, an welchem das und endlich auch hei der Trauer um Ver-
Hauptopfer den die infer(is) (Cal. Farnes. storbene schwarze Kleider getragen (Verg.
21. Febr., C. I. L. 1 S. 386) dargebracht wurde Aen. 3, 64. Cato bei Serv. z. d. St. Propert.
(Varro d.i. 1.6, 13; siehe Mania, Muta, Tacita). 4, 7, 28; vgl. Horat. carm. 4, 12, 26).
Es schlössen sich dann noch die Caristia oder Aus demselben Grunde wurde auch die
der Tag der cara cognatio an, der aber wohl Nacht zu den Inferi in Beziehung gesetzt, da-
nicht als ein eigentlich öffentliches Fest be- 30 her die Bestattung ursprünglich, die translatio
gangen wurde (Mommsen im C. I.L. 1 S. 386 f.). cadaveris immer zur Nachtzeit stattfand (Paul.
Für einige Familien fiel dagegen, jedenfalls Diac. S. 368 s. v. Vespae. Dionys. Hai. 4, 40
aber nur wegen des später geänderten Jahres- S. 743. Serv. V. A. 11, 142. 143. Donat. z.
Schlusses, ein ähnliches Fest in den Dezember Terent. Andr. 1, 1, 81. 88; vgl. Marqitardt,
(Cic. de leg. 2, 21, 54. Plut. quaest. Born. 34) Staatsveno. 3 S. 297. Privatalt. 5, 1, 352), die
vielleicht auf den Tag der Larentalia (s. Bd. den Inferi geltenden Lectisternia und Spiele
1 Sp. 5, 39 ff), da dieser als dies parentum (s. unten Sp. 252), sowie die Lemuria um
(nach Mommsens Verbesserung) bezeichnet wird Mitternacht gefeiert wurden (Ovid. f. 5, 429),
(Varro d. 1. 1. 6, 23). Vgl. Manes. und die Geister der Verstorbenen selbst nur
Über die Lemuria, die wohl als ein altes 40 zur Nächtzeit auf die Oberwelt heraufkamen
Auferstehungsfest zu betrachten sein dürften, (Ovid. fast. 2, 552. Propert. 4, 7, 89. Apul. de
siehe Lemures. mag. 44 S. 535; vgl. Verg. Aen. 8, 246 und unten
Sp. 248, 20). — Diese beiden Eigenschaften
2. Wesen der Inferi. führten zu dem Vergleiche mit dem Schatten-
Die Vorstellung einer von dem zu Staub bild, da man sich auch in dieser späteren
zerfallenden Körper sich loslösenden Seele Zeit die Seelen natürlich nur in einer dem
bildete sich auf dieser zweiten Stufe der Ent- Körper ähnlichen Gestalt denken konnte (Cic.
wicklung naturgemäfs im Anschlufs an die l'use. 1, 16, 37. Plin. ep. 7, 27, 1), so dafs sie
Betrachtung der beim Tode eintretenden Ver- dann häufig geradezu umbrae (vgl. ciuct,
änderung des menschlichen Körpers aus, welche 60 Schatten) genannt werden (Verg. Aen. 5, 81.
man als eine Folge des Ausscheidens derselben 734. Horat. carm. 4, 7, 16. Tibidl. 3, 2, 9.
ansah. Ovid. fast. 5, 434. met. 11, 660. Propert. 4, 7, 2.
Zunächst stellte man sich demnach die 89. 96. 11, 18. 25. 91. Suet. Cal. 59. Petron.
Inferi, d. h. die fortlebenden Seelen der Ver- sat. 62. Apul. de mag. 64. Serv. V. A. 4, 654.
6torbenen (Paul. I)iac. S. 128 s. v. Manalem Georg. 4, 502 und sonst oft), wie man sie aus
lapidem. Cic. Tuse. 1, 12, 27. Plin. n. h. 7, ähnlichen Gründen gelegentlich auch mit Rauch
55, 188), welche auch geradezu als animae vergleicht (Verg. Aen. 5, 740, vgl. Hom. IL
in/eron«» bezeichnet werden (Paul. Diac. a. a O. 23, 100).
Cic. in Vatin. 6, 14; vgl. den alten Tragiker Die Körperlosigkeit in Verbindung mit deui
bei Cic. Tuse. 1, 16, 37), luftartig vor (Cic. co Umstände, dafs man im Schlafe häufig Ver-
Tusc. 1, 9, 19. Verg. Aen. 2, 794. 6, 702 und storbene zu sehen glaubte [Plaut. Mostell. 2,
sonst oft), offenbar weil Leben und Atem zu- 2, 59 ff. Verg. Aen. 2, 270. 5, 722. Cic. somn.
gleich entschwindet (Cic. Verr. 5, 45, 118. Verg. Scip. 1, 2. Ovid. met. 11, 653. Propert. 4, 7, 3 ff.
Aen. 4, 685 u. Serv. Horat. carm. 4, 8, 14), Plin. ep. 7, 27, 13. Tertv.ll. apol. 23. Orelli
so dafs beides identisch zu sein schien (Spiritus 4775. 7346 und sonst oft; vgl. Lobecl;. Aglaoph.
= Seele, Verg. A. 4, 336. 6, 726. Ovid. Met. S. 302) veranlagte dagegen die Zusammen-
8, 523. 15, 167. Trist. 3, 3, 62. Tacit. Ann. Stellung mit den T raumb ild ein (Verg. Aen.
16, 34 C. I. L. 14, 2934), besonders da die 2, 791. 6, 702. 10, 611 f.) und auch mit den
241 Inferi (Eigenschaften) Inferi (Eigenschaften) 242
Bildern (simulacra, imagines) überhaupt 2, 2, 20S. Augustin. c. D. 9, 11), so dafs sie
(Liieret. 1, 123. Virg. a. a. 0. Ovid. fast. 5, 468. an Mord und Verbrechen Gefallen finden
trist. 3, 11, 30 f. Propert. 4, 11, 83. Plin. ep. (Lucan. Phars. 6, 706 ff.; vgl. 529 ff. 560) und
7, 27, 6. 7. Serv. V. A. 4, 654 und öfter). Ob- in der Nähe des Eingangs zur Unterwelt
wohl nun aber dieselben Vorstellungen auch Menschen, Vieh und Früchte zu Grunde gehen
in Griechenland nachweisbar sind (vgl. z. B. (Plaut. Trin. 523 ff. Ovid. met. 5, 477 ff.); vgl.
Bd. 1 Sp. 2374'!, so ist doch nicht an Ent- das Töten der Opfertiere durch die Dünste des
lehnung zu denken, da die Vergleiche zu nahe urabilicus Italiae, oben Sp. 1185, 4, und siehe d.
liegen und auch bei anderen Völkern selb- Art. Larvae. Aus gleichem Grunde stören sie die
ständig gemacht worden sind (Lippert, D. Bei. 10 andern Göttern dargebrachten Opfer (Lucan.
d. eur. Kulturv. S. 40 u. öfter). Auf denselben Phars. 1, 633 f.); auch dürften deshalb die
Vorstellungskreis geht endlich die Annahme tieffliegenden Vögel (aves inferae, Nigid. bei
zurück, dafs die Seelen leicht, flüchtig Gellius 6, 6. Serv. V. A. 3, 361), welche man
(Verg. Aen. 6, 292. 10, 636. Tibull. 3, 2, 9. wohl von den Inferi gesendet dachte, als Un-
4, 1, 68. Propert. 4, 11, 14 und sonst oft) und glück, d. h. den Tod, verkündend gegolten
unfafsbar seien (lubrica umbra, Ovid. fast. haben; vgl. nigra avis, Prop. 3, 28, 38. Da-
5,476. inanis, Ovid. trist. 3,11,25. fast. 2, 554; gegen werden sie audererseits dii avertentes
vgl. Verg. Aen. 2, 792 ff. 6, 700). (Tarquit. bei Macrob. sat. 3, 20, 3) genannt,
In Rücksicht auf die Eigenschaften des offenbar weil sie neben der Macht zu schaden
Leichnams erscheinen sie dagegen als färb- 20 auch die Macht Schaden abzuwenden besafsen.
los oder blafs (Lucret. 1, 123. Ovid. met. 11, Über ihr sonstiges Wesen hat man sich
654. Prop. 4, 7, 2. Claudian. in Ruf. 1, 128 in älterer Zeit keine klare Vorstellung ge-
und sonst öfter), als stumm (Verg. Aen. 6, 264. macht, nur persönliche Fortdauer und
480 Ovid. fast. 5, 483. met. 14, 411. Lucan. Empfindung wurden den Seelen der Ver-
3,29. Claudian. in Ruf. 1,125; vgl. Dea Muta, storbenen bestimmt zugeschrieben (Cic. Tusc.
Tacita und die taciti Manes) und ungestalt 1, 12, 27. 13, 30. 16, 36; siehe oben Sp. 1613,
(deformes animae, Ovid. fast. 2, 554), Auch 57 ff.). Damit wurde ihnen aber göttliches
der Umstand, dafs ihnen unfruchtbare Tiere Wesen beigelegt (nisi maiores cos, qui ex hac
(Colum. R. R. 2,22 und unten Sp. 252, 43; vgl. vita migrassent, in deorum numero esse voluis-
Hom. Od. 10, 522. 11, 30), Bäume und Dorn- 30 sent, Ctc de leg. 2, 22, 55; vgl. Cato M. 22,
büsche heilig sind (Cic. pro Mil. 13, 33; vgl. 81 f. Paul. u. Fest. S. 128 f. s. v. Mamas.
pro Rab. perd. reo 4. Catull. 36, 8. Liv. 1, Augustin. c. d. 7, 35), wie solches auch dem
26, 6. — Cato bei Paul. S. 92 s. v. Felkes Personalgenius zukam (s. 0. Sp. 1615, 65 ff.
arbores. Tarquit. bei Macrob. sat. 3, 20, 3. 1618, 26 ff), so dafs sie regelrecht, wie dies
Plin. n. h. 16, 26, 108. 24, 9, 68; vgl. Horat. auch schon im Vorhergehenden vielfach ge-
epod. 5, 17 u. das homerische äliaUaQitoi Od. sehehen, als dii bezeichnet werden. Nach
10, 510), dürfte auf derselben Vorstellung be- späterer Vorstellung hing freilich der Über-
ruhen. gang der Seelen in göttliche Wesen (dei ani-
Überhaupt behalten die Verstorbenen die males) von gewissen, bestimmten Gottheiten
Gestalt, in welcher sie aus dem Leben ge- 40 dargebrachten Opfern ab (Labeo bei Serv. V.
schieden und bestattet worden sind (Verg. Aen A. 3, 168. Arnob. 2, 62; vgl. Müller, Etr.'
2, 270. 6, 450. 495. Ovid. met. 10, 49. 11, 655. 2 S. 94); diese Anschauung hat sich aber
Tibull. 1, 10, 38. 2, 6, 39. Prop. 4, 7, 7 ff. offenbar nur aus dem alten Glauben entwickelt,
Sil. It. 11, 348. 12, 547. Senec. Troad. 181). dafs die Toten erst nach Vollendung der Be-
Deshalb erscheinen sie nackt (Ovid. met. 11, stattung' und der Totenopfer in die Unterwelt
654 n. öfter) oder mit der weifsen Tunika be- gelangen und so zu Göttern werden (-^avoavttg
kleidet (Plin. ep. 7, 27, 13), zuweilen auch als rovg yoveilg, oretv oarico ngärov ivzv%a)6i,
blofse Gerippe (turpia ossa, Prop. 4, 5, 4. 11, &£ov ysyovivtu zbv ze&vrjHÖza liyovai, Plut.
20. Petron. sat. 34. Sencca epist. 24, 18. Treu, quaest. Rom. 14. non ante ad inferos redigi
de ossium humanorum larvarumque apud anti- 50 quam iusta pereeperint , Tertull. de anima 56.
quos imaginibus im Arch. Am., Beibl. d. Arch. apolog. 10. de Corona 10; vgl. Cic. de leg. 2,
Jahrb. 1889, 3 S. 106; vgl. Larvae). 22, 57. debita iura, Horat. carm. 1, 28, 32' und
Die Trauer, welche der Tod hervorruft, ist unten Sp. 248, 33 ff.),
wohl die Ursache, dafs auch die Inferi selbst q a + a t f •
für traurig und finster (tristes, Varro bei d' Arxen Qer imen"
Macrob. 1, 16, 18. Senec. Herc. Oet. 1069; vgl. a) Seelen Verstorbener.
luvenal. 13, 52) gelten; sie erhalten deshalb Neben den erwähnten allgemeinen Bezeich-
tristia dona (Verg. Aen. 3, 301), werden ca.e- nungen der fortlebenden Seelen treten ver-
dibus et tristibus supplicationibus versöhnt und schiedene speziellere Namen für dieselben auf;
selbst als mali dei (Labeo bei Augustin. c. I). au so werden zunächst die Inferi geradezu den
2, 11; vgl. Vedius = Vetis (s. d.) = malus Manes gleichgesetzt von Paul. Diac. S. 128
deus, oben Sp. 1188, 22), oder sogar als impii s. v. Manalem lapidem und S. 122 s. v. Matrem
dei bezeichnet, welche infelicibus preeibus an- Matutam (vgl. S. 156 s. v. Manes. Festus
gerufen werden (Tacit. arm. 16, 31). Selbst- S. 157), sowie von der einen Überlieferung bei
verständlich sind daher die Todesgötter und Serv. V. A. 3, 63, und verbunden erscheinen
die Toten selbst, wie vielfach auch die Heroen beide Bezeichnungen vielfach auf Inschriften:
(s. o. Sp. 2478, 38 ff.), den Lebenden feindlich Hei Manes inferi oder D. M. I. (C. I. L. 2,
gesinnt (Arnob. 7, 20. Porphyr, zu Horat. ep. 4424. 10, 138. 2936. Bull. d. inst. arch. 1860
243 Inferi (= Seelen^ Inferi (= Seelen) 244
S. 70; vgl. Preller in der Arcli. Z. 19, 1861 Varro bei Non. S. 136 s. v. Lemures), sowie
S. 167) und dei inferi Manes (C. I. L. 2, 238. die Gleichsetzung von Larvae und Manes bei
2464. 2640. 2686. 2722. 2725. 10, 2322. 2565. Paul, und Fest. S. 128 f. s. v. Mamas beweist.
12, 2699. 2712?. 5416?; vgl. inferi Si/anorum Über Lavvae und Lemures, die nicht versöhnten
manes, Tacit. ann. 13, 14). Ähnlich werden Spukgeister, vgl. die Einzelartikel,
bei der Devotion bald die dii Manes, bald Aus der Gesamtheit der Inferi sondern sich
auch allgemein die dii inferi (s. unten Sp. 257) endlich noch die als Schutzgottheiten der
angerufen, und statt des gewöhnlichen ad Familien und Geschlechter zu betrachten-
inferos = in die Unterwelt steht bei Verg. den dei inferum parentum (C. I. L. 1, 1241
Aen. 4, 387 sub Manis imos. 10 = 10, 4255) oder divi parentum (lex regia bei
Andererseits werden aber auch beide Be- JTe&tus S. 230 b Z. 14 u. 16) aus, die als Ver-
zeichnungenbestimmt von einander geschieden, treter der Unverletzlichkeit des Grabes und
so auf einer doppelsprachigen Inschrift aus der Eltern angerufen werden (vgl. obenSp. 1186,
Haleb in Syrien, C. I. L. 3, 191: . . . diis 52 ff.). Aus Rücksicht auf diese Götter war es
3Ianibus suis et Fl. Titiae uxoris suae in- offenbar verboten, einen Fremden mit den sacra
ferisque Hier liegen freilich , wie aufser seiner gens in das eigne Familiengrab aufzu-
dem Fundort auch die Hinzufügung der Über- nehmen (PontifikalrecM u. Zwölftafelgesetze bei
Setzung andeutet, griechische Anschauungen Cic. de leg. 2, 22, 55. 26, 64; vgl. C. I. L. 14,
zu Grunde, jedenfalls werden aber die einzelnen 766 und sonst oft), und andererseits mufsten sie
dii Manes des Verstorbenen und seiner Frau 20 (xdönoi dsoi) durch Opfer versöhnt werden,
(vgl. dis deabus Manibus auf dem Grabmale wenn ein Mann seine Frau verstiefs {Flut. Rom.
eines Ehepaares, C. I. L. 5, 6053, Manes 22). Ihnen spenden als den di generis diejenigen,
Hectorei bei Serv. V. A. 3, 303; oben Sp. 1620, welche sich nicht gegen ihre Verwandten ver-
53 ff), welche in der Übersetzung wie gewöhn- gangen haben, am Feste der Caristia, am
lieh als äaiu-ovts erscheinen (s. o. Sp. 939, 2 f. 22. Februar {Ovid. fast. 2, 631; vgl. Yerg. Aen.
u. vgl. Sp. 1620, 4 ff.), den durch fttoi natu- 6, 609) und wohl auch an den Larentalia, am
xdoiLoi übertragenen Inferi entgegengesetzt, 23. Dezember (s. 0. Bd. 1 Sp. 5, 39 ff.), da dieser
eine Vorstellung, welche auch in den jüngeren Tag als dies parentum (nach üfoHnHsens Verbesse-
Scholien des Serv. V. A. 3, 63 durch die rung) Accae Larentinas bezeichnet wird, und
Worte quidam alios manes, alias deos Infernos 30 weuigstens Acca Larentia an diesem sicher
dicient zum Ausdruck kommt; ähnlich steht Totenopfer erhielt (Varro d. I. I. 6, 23. Plut,
der den Einzelmanen gleiche genius (s. 0. quaest. Born. 34). Sonst nennt man diese zu
Sp. 1618, 38 ff.), der sonst wohl selbst auch Göttern gewordenen Seelen der Ahnen dei pa-
geradezu als genius infernus bezeichnet wird rentes (C. I. L. 5, 3283 ff. 6, 9659 ff. Bull. d.
(Orelli 4577; vgl. oben Sp. 1619, 18), der Ge- inst. 1S76, 193; vgl. die dca'u-ovss u/jTpräcH Kai
samtheit der Manes inferi gegenüber in der jrarpräoi bei Lucian Peregr. 36) auch geradezu
Inschrift einer Lampe im Bull arch. 1860 mit Beifügung des Genitivs der Person: dibus
S.70 und bei Preller, Arch. Z. 19 (1861) S. 167: parentibus il(l)ius (C. I. L. 10, 8249), wie sich
Helenus suom genio Manib. inferis mandat. sonst regelmäßig Bis Manibus alieuius findet,
Als Bewohner der Unterwelt erscheinen 40 oder patrii dei (s. d. und vgl. C. I. L. 3, 231.
ferner, von den eigentlichen Unterwelts- 3668, die animae paternae , Ovid. fast. 2, 533,
göttern zunächst abgesehen, die Lemures und und die Manes paterni, Ovid. fast. 5, 443). An
Larvae, denen wegen ihrer Wesensverwandt- ihrer Spitze steht wohl der Geist des Urahnen
schaft schon frühzeitig auch die Genii (s. o. als deus parens (Nepos fr. 16 bei Peter, Inst.
Sp. 1618) und die eigentlich als Flurgötter Rom. fr. S. 222), der mit dem parens generis
zu betrachtenden Lares (s. d.) zugerechnet (Laber. bei Non. S. 119 s. v. genius; vgl.
wurden (Varro bei Amob. 3, 41. Paul. Diac. o. Sp. 1620, 37), dem genius Patris (0. Sp. 1618,
S. 239 s. v. Pilae). Nach späterer Überliefe- 50) und den Genitales di (s. d. u. vgl. Geni-
rung nannte man nun zunächst jeden den tores di), in deren Kreis Romulus nach römi-
Körper verlassenden Geist Lemur; diejenigen 50 scher Auffassung fortlebte (Ennius bei Cic.
von ihnen, denen die Sorge für ihre lebenden Tusc. 1, 12, 28. Serv. V. A. 6, 763; vgl. Plüt.
Familienangehörigen zukam, wurden pilacato Ro7it. 28), in Zusammenhang stehen dürfte, ob-
et quieto numine (d. h. wohl nachdem ihnen wohl diese in den Himmel versetzt und als
die gehörigen sacra dargebracht waren, s. 0. fortzeugende Götter betrachtet werden, was
Sp. 242 und cuius vix sustinetis furias in- dem Wesen der Unterirdischen zunächst wider-
sepulti, Cic. Mil. 33, 91) zu Lares familiäres, spricht. Die Beziehung zwischen ihnen ist
die Seelen böser Menschen wurden dagegen aber jedenfalls dieselbe wie die zwischen dem
zu Larvae. Im Zweifelsfalle bezeichnete man Genius und den Manes (s. 0. Sp. 1618). Mit
alle als Manes (Varro bei Amob. 3, 41. Apul. einem ähnlichen Begriffswechsel glaubte man,
de deo Socr. 15 S. 152. de mag. 44 S. 535. 60 dafs diese eigentlich der Unterwelt angehören-
Plotin. bei August. c.D.9, 11; vgl. Mart. Cap. den Familiengottheiten die einzelnen Familien-
2, 9, 162 f. S. 40. Müller, Etr. 2 2 S. 95). Diese mitglieder auch auf Erden beschirmten (vgl.
Unterscheidung bedeutet aber wohl nur, dafs 0. Sp. 1616 u. 2477, 37 ff. , sowie den Saifitav
Manes als euphemistischer, jedenfalls erst spät vvxzoqivXa^, iAician. Peregr. 27 f.), wie eine
gebräuchlich gewordener (s. Manes) Gesamt- Inschrift aus der Nähe von Pest (C. L. L. 3,
name zu betrachten ist, was auch die Anrede 3429) beweist, die den dis redueibus patriis
der umbrae, d. h. der Larvae und Lemures gewidmet ist; vgl. Fortuna redux oben Sp. 1525f.
als Manes paterni (Ovid. fast. 5, 443; vgl. und Mercnrius reducens.
245 Inferi (= Gottheiten) Inferi (= Gottheiten) 246
Schwerlich sind von diesen Göttern endlich Aen. 6, 106. 138. Stat. silv. 2, 1, 147. Claud.
die etruskischen penates inferorum (Nigidius in Buf. 1, 27 u. s. w.). Über Wesen und Kult
bei Arnob. 3, 40) zu trennen, denen freilich dieser Götter im besonderen sind die einzelnen
penates des Himmels, des Wassers und der Artikel zu vergleichen; im allgemeinen scheinen
Menschen auf der Erde gegenüber stehen, aber die Unterweltsgöttinnen alle nur Personi-
doeh dürfte dies mit Müller, Etr.- 2 S. 89 fikationen der die Toten aufnehmenden mütter-
so aufzufassen sein, dafs zu den im penus liehen Erde zu sein (vgl. C. I. L. 5, 7454:
wohnenden Schutzgöttern des Hauses auch die . . . mater genuit materque reeepit . .__.), eine
Seelen der verstorbenen Familienmitglieder, Vorstellung, die sieh z. B. auch in Ägypten
d. h. eben die dei parentes, gehörten; vgl. io ■wiederfindet, Brugsch, B. u. M. d. a. Ag. S. 229.
auch die dii penates meum parentum , Plaut. 580. 651), während Orcus die das Leben zer-
Merc. 5, 1, 5 und die Bestattung im Hause, störende Macht des Todes selbst darstellen
oben Sp. 236, 29. dürfte. Vgl. Gaia als Todesgöttin, Bd. 1,
Neben dieser auf alten Vorstellungen be- Sp. 1571.
ruhenden Einteilung der Inferi findet sich Im Kultus und Glauben treten dieselben
später ebenso wie in Griechenland die ab- durchaus hinter die göttlich verehrten Seelen
straktere Scheidung in pii und impii (Cic. or. der Verstorbenen selbst zurück oder sie werden
Phil. 14, 12, 32. Sali. Cat. 52, 13. Prop. 4, 7, wenigstens ganz mit ihnen vermischt und ver-
55; vgl. Plato Phaed. 62 S. 113 D. Hegesipp. bunden vorgestellt, so dafs alles, was von den
in d. Anth. Pal. 7, 545. Verg. Aen. 5, 734. so Toten gilt, auf sie übertragen wird. Vgl. oben
6, 543. Propert. 4, 7, 55 ff. Plin. n. h. 2, 7, 15). Sp. 241.
So rief nach Awrel. Vict. Caes. 33 das Volk Die wenigen allgemeinen Züge, welche
die Terra mater und die dei Inferi an sedes sonst über Wesen und Verehrung dieser Götter
impias uti Gallieno darent, und von einem überliefert werden, erklären sich ans dem
Aufenthaltsort für die Manes der Frommen Gegensatz derselben zu den oberen Göt-
bpricht Tacit. Agr. 46, während die Seelen tern. So können die Zeichen in Bezug auf
schlechter Menschen nach Apul. de deo Socr. jene die der gewöhnlichen entgegengesetzte
15 S. 152 als Larvae nullis bonis sedibus um- Bedeutung annehmen (s. o. Sp. 1185, 22). Auch
herschweifen mufsten; vgl. unten Sp. 261. gofs man, während man sonst das Opfer mit
, , „ . , , . . _ , , , , , , . , 30 der rechten Hand darbrachte (Serv. V. A. 8,
b) Eigentliche Unter weltsgottheiten. 106. vgl_ petwn 30)) den Infevri da3 Trank_
Wie der Mensch alles, was er auf Erden opfer mit der Linken oder auch mit nach links
gehabt hat, in der Unterwelt wieder zu finden hin gewandter Hand aus (Septim. in d. pottae
erwartet, so denkt er sich daselbst auch herr- min. lat. bei Wernsdorf 2 S. 288. Serv. V. A.
sehende Götter (vgl. o. Sp. 1180). Schon seit 6, 244) und schnitt das Haar des Opfers mit
ältester Zeit werden daher unter Inferi auch der linken Hand ab (Lucan. Phars. 6, 563),
eigentliche Unterweltsgötter mit verstanden, so dafs sie auch selbst dii laevi oder numina
denn bereits Liv. Andrem, spricht von einem latoa genannt werden {Gell. n. A. 5, 12, 14.
inferus an superus deus (Prise. 3, 606), und Arnob. 7, 19. 23; vgl. 4, 5; aber in anderem
Plautus stellt aufser den superi inferique [Merc. 40 Sinne bei Verg. Georg. 4, 7). Zu vergleichen
5, 1, 1 ; vgl. Liv. 10, 28. 24, 38. 31, 31. Prop. ist damit die Vorstellung Piatons, nach der
2, 1, 37. C. I. L. 9, 5813. 12, 4725. 14, 2535. die Seelen der Ungerechten den Weg zur
Orelli 4773. 4777. 4783 f. 7382 u. s. w.) schon Linken in die Tiefe gehen (de re publ. 10,
die dii deacque superi atque inferi et medioxumi 614 C).
einander gegenüber (Cist. 2, 1, 36 ; vgl. Serv. Derselbe Gegensatz spricht sich darin aus,
F. A. 3, 134), denen die dei superi, terrestres, dafs an den Festen der Inferi die Tempel der
inferni oder inferi in der uralten Formel Superi geschlossen waren (Ovid. fast. 2, 563.
der Fetialen (Liv. 1, 32, 10; vgl. Varro bei 5, 485), und dafs es dem fiamen Dialis ver-
Serv. V. Luc. 5, 66) entsprechen. Ihnen boten war, die den Toten heiligen Bohnen zu
gelten jedenfalls die Inschriften C. I. L. 5, 50 berühren oder überhaupt das Wort faba aus-
1071. 12, 659. Bull. d. inst. arch. 1873, 55, zusprechen (Paul. Biae. S. 87 s. v. fabam);
23; vgl. Mitt. d. Ath. Inst. 9, 1884 S. 302. vgl. auch die regna pallida dis invisa, Verg.
Sil. It. 2, 426. — Von bestimmt persönlich Aen. 8, 245.
vorgestellten Gestalten dieser Art scheinen Dagegen scheint die Annahme, dafs den
freilich nur Orcus, Mania, Genita Mana, Avia Superi die ungerade, den Inferi aber die gerade
Larvarum , Lara, Larunda, die dea Muta Zahl heilig sei (Pontific. libri bei Serv. V.Buc.
oder Tacita, Tellus oder Terra mater und 5,66; vgl. 8, 75. Solin. 1, 40. Serv. V. A. 3, 305.
die vielleicht auch hierher gehörigen Fu- 5, 78. Macrob. seit. 1, 13, 7; vgl. Paul. Biae.
riae, Furina und Laverna wirklich römisch S. 109 s. v. Imparem numenan. Verg. Ciris 372.
zu sein, während Dis pater, Proserpina, Li- 60 Laur. Lyd. de mens. 4, 44) pythagoreischen An-
bera, Aera Cura (siehe diese o. Sp. 1813, 12 ff. schauungen entlehnt zu sein (Plut. Numa 14.
1185, 47 ff.), Ataeeina und andere fremden Iamblich. 28, 156), da bei wirklich römischem
Ursprungs sind; Saturnus (Plut. Quaest. Born. Kultgebrauch auch in Bezug auf die Inferi die
34), Consus, Ceres und ähnliche treten aber Zahlen 3, 7 und 9 von besonderer Bedeutung
zunächst nur als Gottheiten der Saat zu sind (Verg. Aen. 4, 510. Ovid. fast. 2, 573. 576.
dem Erdinnern in Beziehung. Ihnen kommen 5, 435. 439. 443. met. 7, 153. 189. Tibull. 1, 2,
daher die Beinamen inferus, internus, in- 56. Plin. n. h. 26, 9, 93. 27, 12, 131. 28, 2,
fernalis zu (s. o. Sp. 1185, 15. 1186, 63. Verg. 21 und sonst oft).
247 Inferi (in der Unterwelt) Inferi (als Spukgeister) 248
III. Thätigkeit und Machtbereich der selbst auf die Fortdauer ihres Ruhmes im Ge-
Inferi. dächtnis der Nachwelt einwirkten (vgl. Xenoph.
Cyropaed. 8, 7, 18), so ist dies kaum als alter
1. Leben in der Unterwelt. unci volkstümlicher Glaube zu betrachten, son-
Wie sich die alten Römer das Leben und dem aus der Sehnsucht der Lebenden nach
die Thätigkeit der Inferi an ihrem unterirdischen Fortdauer ihres Namens zu erklären (Varro
Aufenthaltsort selbst gedacht haben, ist nur d. I. 1. 6, 45. Cic. Tusc. 1, 14, 31. Propert. 3,
im allgemeinen aus vereinzelten Andeutungen 16, 30), ein Wunsch, der auch in den Grab-
der Grabinschriften zu schliefsen, da alle litte- Schriften zuweilen zum Ausdruck kommt (Orelli
rarische Überlieferung in dieser Beziehung nur 10 4836. C. I. L. 1, 1007. 1009).
die griechischen Vorstellungen wiedergiebt.
Wie wenig diese letzteren aber zu Rom in den 2- Nocn nicnt in die Unterwelt gelangte
eigentlichen Volksglauben übergegangen waren, Seelen.
geht aus der Thatsache hervor, dafs die Grab- Entschieden eigentümliche Vorstellungen
schrifteu, von den wenigen griechischen Brauch hatte man in Rücksicht auf das die Phantasie
nachahmenden metrischen abgesehen, dieselben des Naturmenschen lebhafter beschäftigende
fast völlig unberücksichtigt lassen. Im Volke Treiben der noch auf der Oberwelt umgehen-
blieb offenbar der oben Sp. 235f. entwickelte den Seelen, welches man besonders in der un-
Glaube an das Fortleben der Toten im Grabe heimlichen, für die Regungen der Furcht zu-
selbst lebendig, und zwar meinte man jeden- 20 gänglicheren Nachtzeit oder in Fieberphanta-
falls wegen der Ähnlichkeit, welche der Tote sieen und im Traume wahrzunehmen glaubte
mit einem Schlafenden zeigt (Cic. Tusc. 1, 38, (Lucret. 1, 132 ff. Cic. Tusc. 1, 13, 29. de
92), dafs derselbe im Grabe ewig sorglos, divin. 1, 57, 129. Horat. epod. 5, 92. epist.
ruhig und glücklich schlummere (re- 2, 2, 209. U.V. 26, 19. Non. Marc. S. 135
quieseere, Ennius bei Cic. Tusc. 1, 44, 107; conni- s. v. Lemures: vgl. Plut. Dio 2 und oben
ventem somno consopiri sempiterno, Cic. a. a. O. Sp. 240). Und zwar meinte man, dafs das Ein-
1, 49, 117). Auf diese Anschauung deuten auch gehen der Verstorbenen in die Unterwelt durch
die auf Grabschriften häufig vorkommenden Bestimmte Umstände überhaupt verhindert wer-
Ausdrücke: quieti aeternae (C. I. L. 12, 1720. den könne, da, wie oben Sp. 242 erwähnt, der
1723 und öfter; vgl. 3, 1552. 10, 7962), paci 30 Übergang der Seelen in göttliche Wesen (dei
et quieti aeternae (12, 758), pax tecum aeterna animales) von gewissen ihnen dargebrachten
(12, 831. 833 f. 782. 878), securitati aeternae Opfern, d. h. von der feierlichen Bestattung
oder perpetuae (12, 409. 747 und öfter) odpr abhing. So bleiben also die Seelen derjenigen,
requietorium (12, 843). Vgl. die oben Sp. 236 die nicht regelrecht begraben sind (rite con-
angefiihrten Inschriften. diti, Serv. V. A. 3, 68. 6, 325; animamque
Da vielfach hervorgehoben wird, dafs der sepulchro condimus, Yerg. Aen. 3, 67 f. 5, 77ff.;
Verstorbene fromm und ehrbar gelebt und vgl. Ovid. fast. 5, 451. C. I. L. 1, 1051), auch
niemand unrecht gethan habe, so mufs dies für nach römischer Vorstellung auf der Oberwelt
den Zustand des Lebens nach dem Tode von (Suet. Cal. 59. Tim. ep. 7, 27, 11), da ja die
Bedeutung sein (vgl. oben Sp. 245 die Scheidung 40 strenge Beobachtung der für die Bestattung
in pii und impii), und zuweilen wird dies auch geltenden Vorschriften (s. 0. Sp. 235) offenbar
wirklich ausgesprochen, z. B. Orelli 4837: den Zweck hat, dies gerade zu verhindern,
.... vixi, quod volui , semper bene pauper ho- während freilich alle ausführlicheren Angaben
neste; fraudavi nulluni, quod iuvat ossa mea . . .; über den Zustand solcher Seelen, wie sie uns
vgl. Propert. 4, 11, 101. Man fürchtete näm- z. B. bei Verg. Aen. 6, 325 entgegentreten,
lieh, dafs die Seelen der Gottlosen von den durchaus griechisch sind.
Larvae gequält werden würden (Plin. n. h, 1 Zu dieser Art von ruhelosen (Ennius bei
praef. 31. Senec. Apocol. 9), obwohl eigentlich de. Tusc. 1,44, 107. Serv. V. A.S, 68) Geistern
auch diese selbst nur Seelen solcher impii gehören besonders dipSeelen vonSelbstmördern
sind; vgl. auch unten Sp. 261, 18ff. 50 (Serv. V.A. 4, 384. 386) und Ermordeten über-
Endlich findet sich zuweilen die Hoffnung haupt (Plaut. Most. 2, 2, 67 ff. Plin. ep. 7,
auf Wiedervereinigung mit den Angehörigen 27,11. Tertull. de anim. 56. Porphyr, zu Borat.
im Grabe angedeutet (C. I. L. 12, 5193. Orelli epist. 2, 2, 208), welche letzteren zunächst die
4847). Mörder (Horat. epod. 5, 91 ff. Ovid. fast. 5,
Somit scheint der römische Glaube auch 46 f. met. 9, 410. Liv. 3, 58, 11. Tacit. ann.
in späterer Zeit keine ins Einzelne durch- 13, 14. Suet. Nero 34. Serv- V. A. 1, 276.
gebildete Lehre über das Leben in der eigent- 292), dann aber auch die Bösen überhaupt
liehen Unterwelt besessen zu haben, vielmehr verfolgen (Liv. 3, 58, 11. Apul. inet. 9, 29
dürften überall da, wo der Glaube an ein dem S. 649. Lobeck, Aglaoph. 1 S. 302) und wohl
irdischen Dasein ähnliches Fortleben im Grabe 60 in allerlei furchtbaren Gestalten (terrificationes
schwand, zunächst die Vorstellungen der griechi- imaginum et bestiarvm, Non. Marc. S. 135 s. v.
sehen Mythologie zum Ersatz angenommen wor- Lemures; vgl. oben Sp. 1S94, 24 ff. und die all-
den sein, bis auch diese in den gebildeten gemein indogermanische Vorstellung von der
Kreisen von den Anschauungen der späteren Schlangen- oder Drachengestalt der aus dem
griechischen Philosophie verdrängt wurden Körper geschiedenen Seele, so wie den Wer-
(vgl Cic. Tusc. 1, 5, 10 f. 16, 37 f. und siehe unten wolf- und Vampvrg-lanbeu, läppert, D.Bel. d.
Sp. 260). Wenn aber Cicero (Cato M. 22, 80) cur. Kulturv. S. 41 ff.) schrecken. Die bei V«l.
annimmt, dafs die Seelen der Verstorbeneu Flacc. Arg. 3, 386 geschilderte Form des
249 Inferi (mimdus) Inferi (lapis manalis) 250
Emporkommeus der Verstorbenen in Begleitung Erstlinge aller Früchte, deren Genufs das Ge-
einer der Furien ninfs als dichterische Aus- setz vorschreibt und die Natur zum Bedürfnis
schmückung oder als griechische Vorstellung macht, Bowie Erde von der früheren Heimat
betrachtet werden. der Ansiedler geworfen wurden (Ovid. fast.
Durch gewisse Opfer und Bräuche (resolu- 4, 821 f. Flut. Moni. 11. Laur. Lyd. de mens.
toria sacra) konnten diese Seelen jedoch ver- 4, 60; vgl. die Anspielung auf dieses Opfer
söhnt und zur Ruhe gebracht werden (Sera. V.A. bei Flaut. Aulul. 2, 7, 5 f.). Diese war jeden-
3, 63. 4, 518 Lobcclc, Aglaopli. S. 303, vgl. 302 k), falls mit einem Kuppelgewölbe übermauert, da
nachdem sie beschworen worden waren (Sueton. der niundus von Leuten, welche hineingestiegen
Nero 34). Sonst aber vermochte man sich 10 waren (introvere), seiner Gestalt nach mit dem
gegen ihre Macht, wie gegen allen anderen Himmelsgewölbe verglichen wurde (Cato bei
Zauber durch eine obseöne Gebärde, z. B. die Fest. S. 157). Dafs dieses umgekehrt und
fiea {Ovid. fast. 5, 433 f.) oder auch durch nach unten gerichtet gewesen sei, wie Müller,
Schwerthiebe (Petron. sat. 62; vgl. Verg. den. Etr.'2 S. 99 annimmt, wird nicht überliefert;
6, 260. 290 f. Hom. Od. 11, 48, wo die Geister auch hätte man ja dann, um die Gestalt zu
als körperlich verletzbar vorgestellt sind) zu sehen, nicht erst hineinsteigen müs.-en. Der
schützen, wie nach germanischem Glauben das untere Teil des mundus war den di Manes ge-
Messer vielfach zauberlösend wirkt {Wuttke, weiht (vgl. inferorum vero mundos, Serv. 3,
D. deutsche Yolksaberglaube 444 u. öfter), wäh- 134), und eine Öffnung des Gewölbes, die viel-
rend dagegen Knoten von der Kleidung fern 20 leicht so wie in dem in Rücksicht auf seine
gehalten werden mufsten (Ovid. fast. 5, 432); ursprüngliche Bestimmung noch immer nicht
vgl. die ligamenta und Hexenknoten bei Grimm, sicher gedeuteten (Jordan, Top. 1, 1 S. 284;
D. Myth.* 1 S. 982 f. 3, 345. Tullianum angebracht war, wurde mit einem
Im Gegensatz zu diesen furchtbaren Geistern Stein, dem lapis manalis, verschlossen ge-
glaubte man aber auch an Schutzgeister halten und nur an den oben erwähnten Tagen
(vgl. die dii reduces patrii ob. Sp. 244, 66), welche geöffnet (Fest. u. Faul. a. a. O. und Faul.
ihre Freunde und die Guten überhaupt trösten S. 128 s. v. Manalem lapidem). Die ganze
und ermahnen (Prop. 4, 7, 71 ff. 11, 82 f.), Grube war mit Erde angefüllt, und darüber
ohne dafs man bei ihnen an einen besonderen ein Altar errichtet (Ovid. fast. 4, 823); an
Grund für ihr Verweilen auf der Oberwelt 30 jenen drei Tagen wurde diese Erde aber wohl,
dachte, wie ja auch die Heroen ihren Stammes- wie zu bestimmten Zeiten der Altar des Consus
genossen und Freunden in der Gefahr beizu- und Dis (s. o. Sp. 925, 7 ff . 1181, 3 ff.), immer
stehen pflegten (s. o. Sp. 2477, 23 ff. 2479, 53 f.). wieder ausgegraben; hierauf beziehen sich
„„,..„. _ , ,,-,.. vielleicht die zweifelhaften Worte des Festus
3. Regelmäßiges Emporkommen der Inferi. s;u2: mundus .... dktus est quod terra mo-
Nicht nur solche Geister, welche aus irgend vetur; vgl. Paul. S. 143 s. v. Mundus.
einem Grund keine Ruhe finden konnten, ver- Auch die Sage von der Schlief5nng des
kehrten auf der Oberwelt, zu bestimmten auf dem Forum entstandenen lacus Curtius
Zeiten des Jahres kamen auch alle übrigen dürfte vielleicht auf der Erinnerung an einen
aus der Unterwelt herauf. Zunächst stand am -10 mundus beruhen, da diese Erzählung in allen
24. August, 5. Oktober und 8. November der wesentlichen Zügen mit den in Hinsicht auf
muu du s, die Pforte der Unterwelt offen (Ateius letzteren herrschenden Vorstellungen überein-
Capito bei Festus S. 154 s. v. Mundus; vgl. stimmt. Ist er doch auch eine zu den dei
S. 142. Paul. S. 156. Mommsen, C. I. L. 1 Manes hinabführende Grube in der Mitte des
5. 373), so dafs diese Tage als relisjiosi und Forums, d. h. der Stadt, welche mit Erde, mit
nicht für wichtige Geschäfte tauglich galten Früchten und Gaben aller Art, überhaupt dem
(Cato bei Ftst. S. 157; vgl. Paul. S. 156 s. v. Besten, was .es in Rom giebt, gefüllt wird
Mundus. Varro bei Macrub. sat. 1, 16, 18; (Varro d. I. I. 5, 148. Dion. Hol. exe. 14, 11,
vgl. 16 f.), da die Macht der Inferi, wie oben 21. Liv. 7, 6. Val. Max. 5, 6, 2. Bio Cass.
Sp. 241 f. ausgeführt ist, als .eine den Menschen so /';•. 30, 2 S. 531 Mai. 1 S. 40 Dind.; vgl.
feindliche angesehen wurde. Über die Schliefsung jedoch Jordan, Top. 1, 1 S. 122. 1, 2 S. 399).
der Tempel der oberen Götter siebe oben Dafs ursprünglich auch Menschenopfer, die zu
Sp. 246. Der mundus, der auch deorum tristium Schutzgeistern der Stadt werden sollten, in
atque inferum quasi ianua (Varro bei Macrob. den mundus gestürzt wurden, ist in Rücksicht
sat. 1, 16, 18; vgl. ostium Orci, Paul. S. 128 auf das häufige Vorkommen von solchen beim
s. v. 3Ianalem lapidem) oder faux Plutonis ge- Kult der Inferi durchaus wahrscheinlich (vgl.
nannt wird und dem Dis und der Proserpma auch die Menschenopfer bei Bauten, Grimm,
heilig war (s. o. Sp. 1184, 45 ff. und vgl. 1). Myth.* 1 S. 37. 956, sowie das Begraben
Cereris qui mundus appellatur vor einer Lücke im Hause, unter der Schwelle und dem Grenz-
bei Fest. S. 142, sowie den operae messoriae r>o stein, Lippert a. a 0. S. 135). Für diese Auf-
mundus der eleusinischen Mysterien, der auch fassung spricht auch der Umstand, dafs noch
als Cereris mundus bezeichnet wird, Apul. met. zur Zeit des Augustus alljährlich vom "Volke
6, 1 S. 883. de mag. 13 S. 418), bildete den Spenden in den lacus Curtius geworfen wurden
Mittelpunkt jeder neu zu gründenden Stadt (Sueton. August, hl). Vgl. die ähnliche Sage
(vgl. den umbilicus Italiae oben Sp. 1185, 4); von Anchuros, oben Bd. 1 Sp. 340, 8 ff.
er bestand in einer runden, bis zum festen Offenbar ist der mundus, ebenso wie die
Grunde gegrabenen Grube, in welche cireapjjßt Grube bei der Totenbeschwörung (a. unten
aller möglichen guten und nötigen Dinge, die Sp. 253, 52) ein künstlicher Ersatz für die hie
251 Inferi (mundus patet) Inferi (Spiele) 252
und da in gewissen Gegenden (s. oben Sp. 242) endlieh bei Gelegenheit der ihnen wohl in
in Form von Höhlen erscheinenden natür- Anlehnung an die oben Sp. 238 erwähnten Gla-
lichen Eingänge der Unterwelt (s. o. Sp. 1184, diatorenkämpfe bei Bestattungsfestliehkeiten
57 ff. ; vgl. Ephoros bei Strabo 5, 4, 5 S. 244. gefeierten Spiele, der ludi Tarentini und der
Klausen, Aen. S. 967); man errichtete ihn nach mit diesen zusammenhängenden ludi Saecu-
etruskischer Vorschrift {Varro d. I. 1. 5, 143; lares (siehe oben Sp. 1180, 63 ff.), sowie der
vgl. Paul. u. Fest. S. 284 f. s. v. Rituales. Plut. ludi Taurii, wenn dies auch nur in Beziehung
Born. 11) bei einer Stadtgründung, jedenfalls auf die letzteren ausdrücklich überliefert wird
um mit den Inferi der Heimat, wie auch die (Fest. S. 351 s. v. Tauri ludi). Erstere mögen
hineingeschüttete heimische Erde andeutet, in 10 ihren Ursprung in einer vulkanischen Erschei-
Verbindung zu bleiben, obwohl man sonst das nung haben (Jordan, Top. 1, 1 S. 122), so dafs
Heraufrufen derselben intra muros zu vermeiden das Terentum ursprünglich als ein Eingang
pflegte (Paul. S. 351 s. v. Tauri ludi). zur Unterwelt zu betrachten iat, jedenfalls
Eine ganz ähnliche Vorstellung findet sich sind beide Spiele nahe mit einander verwandt
bei den alten Germanen, die ebenfalls meinten, (Marquardt, Rom. Staatsverw. 3 S. 378), da
dafs das Reich der Toten durch einen Stein beide zur Hebung der offenbar von unversöhnt
wie den lapis manalis, den Dillestein, d. h. gebliebenen Verstorbenen gesendeten Unfrucht-
den flachen, eine Höhlung bedeckenden Dielen- barkeit der Frauen und Heilung von schwerer
stein (Fick , Vergl. Wörterb.3 2 S. 371) ver- Krankheit seit Ende der Königszeit nach Befehl
schlössen werde (Grimm, D. 3t.1 1 S. 672 f.). 20 der libri fatales gestiftet sein sollen (oben
Andererseits ist der wahrscheinlich einen Sp. 1181 und Fest, und Paul. S. 350 f. s. v.
magischen oder symbolischen Verschlufs des Taurii. Serv. V. A. 2, 140); auch liegen das
Wolkenhimmels, d. h. des ebenfalls mundus Marsfeld (oben Sp. 1181, 34. Becker, Handb. 1
genannten Himmelsgewölbes, bildende lapis S. 628) und der Circus Flaminius (Varro d.i.
manalis zu vergleichen, der bei anhaltender 1. 5, 154. Fcstus a. a. 0.), wo diese Spiele ab-
Dürre von seinem gewöhnlichen Standort ent- gehalten wurden, nahe bei einander. Die Zeit
fernt und in die Stadt gezogen wurde, um so beider war ursprünglich wahrscheinlich nicht
dem Regen freie Bahn zu lassen (Yarro bei fest bestimmt (Marquardt, Staatsverw. 3 S. 375),
Non. Marc. S. 547, 10; vgl. 559, 19. Paul. jedenfalls wurden die Taurii nur als aufser-
S. 128 s.v. Manalem lapidcm. S. 2 s. v. Aquae- 30 ordentliche Sühnfeste, d. h Allerseelenfeste,
licium. Serv. V. A. 3, 175), wobei daran religionis causa gefeiert (Liv. 39, 22), während
erinnert sein mag, dafs Hydromantie und der Name der Saeculares andeutet, dafs sie in
Nekromantie einander sehr nahe stehen (PI in. jedem Menschenalter nur einmal stattfanden.
n. h. 37, 11, 192. Augustin. c. D. 7, 35. Klausen, Aus ihrer Beziehung zu den unterirdischen
Aen. 2 S. 959 f.). Vgl. unten Sp. 258, 11 ff. Gottheiten erklärt sich der unterirdische Altar
Warum aber der mundus gerade an den (vgl. oben Sp. 925), das Anbieten des eignen
erwähnten drei Tagen geöffnet wird, ist nicht Lebens für das der Kinder, die Einsetzung zum
klar. Preller, R. M. s 2 S. 68 bezieht dieselben Zwecke der Hebung von Unfruchtbarkeit und
auf die Zeit der Ernte und neuen Aussaat, Krankheit, die nächtliche Feier und das Opfer
was durch die Verbindung der Proserpina und 40 schwarzer Tiere (Val. Max. 2, 4, 5, Zosim.
Ceres mit dem mundus empfohlen wird; aber 2, 3 ff. ; vgl. oben Sp. 1181. Marquardt, Staats-
für ein Opfer der Erstlingsfrüchte (s. o. Sp. 250) veno. 3 S. 377), welch letzterem bei den tau-
ist es am 24. August viel zu spät, denn nach rischen Spielen das der unfruchtbaren Stiere
F. Olck bei Fleckeisen, Jahrb. 1887 S. 465 ff. entspricht (Serv. V. A. 2, 140). Auf einstige
beginnt iu Mittelitalien die Weizenernte bereits Knabenopfer bei diesen scheint das Einbinden
Mitte Juni. von Knaben in die frischen Häute der Stiere
Dafs ein Heraufkommen der Inferi zu deuten (Fest. S. 351); die folgenden ver-
ferner auch an den übrigen Festen der- derbten Worte des Festus beziehen sich viel-
eelben, besonders den dies parentales (siehe leicht auf einen unserem Sackhüpfen ent-
Manes) für möglich gehalten wurde, beweist die so sprechenden Festbrauch. Vgl. auch das Bannen
auf die Stiftung derselben bezügliche Erzählung von Geistern in Säcke, Wuttke, Deutscher Volks-
bei Ovid. fast. 2, 547 ff. , nach der sie wegen abergl. 774.
Unterlassung der ihnen gebührenden Opfer _ , .. „ . „ , , T „ .
aus den Gräbern hervorkamen und allgemeines 4- ünregelmafsiges Emporkommen der Inferi.
Sterben verursachten. Der Opferbrauch zeigt Wie gewisse Opfer und Bräuche das Ein-
jedoch, dafs dieses Fest nicht den Bewohnern der gehen der Seelen in die Unterwelt bewirkten
eigentlichen Unterwelt, sondern den im Grabe (s. o. Sp. 235 und 242), so konnten die Toten
selbst fortlebenden Verstorbenen gilt. Ebenso durch andere entsprechende Handlungen auch
erschienen die Schatten in ihren alten Wob- wieder willkürlich auf die Oberwelt empor-
nungen regelmäßig am Feste der Lemuria, in 60 gerufen werden, besonders da sie, wie wir ge-
den Nächten des 9., 11. und 13. Mai (siehe sehen, zu gewissen Zeiten überhaupt regel-
Lemures) gleichfalls die Lebenden bedrohend, mäfsig auf dieselbe heraufkamen und auch
so dafs sie am Schlufs des Festes, nachdem sonst die Vorstellung von einem Wiederauf-
sie ihr Opfer empfangen hatten und versöhnt leben Verstorbener verbreitet war (Cic. in
waren (vgl. Serv. V. A. 3, 63), wieder aus dem Catil. 2, 9, 20. pro Mil. 29, 27. Orator 25, 85.
Hause hinausgewiesen wurden. Über den dies Brut. 93, 322. Liv. 26, 32; vgl. ne intra muros
parentum siehe oben Sp. 244, 28. evocentur di inferi, Fest. S. 351 s. v. Tauri
Das Emporkommen der Inferi fürchtete man ludi). Diese Vorstellung von der Möglich-
253 Inferi (Totenbeschwörung) Inferi (Totenbeschwörung) 254
- keit der Totenbeschwörung (vsxvofiuvzsia, Durch das Blut, das als wesentlichstes Er-
vEHQopuvzEia oder tpvxofiavrei:a, Cic. Tusc. fordernis des Lebens gilt und mit dem Herzeu
1, 16, 37. 48, 115. de div. 1, 58,132; vgl. oben zuweilen geradezu für die Seele des Menschen
Bd. 1 Sp. 1033, 54 ff.) beruht so vollkommen auf erklärt wird (Cic. Tusc. 1, 9, 18. Serv. V. A.
dem in Rom alteinheimischen Vorstellungs- 3, 67. 5, 79; vgl. Lippert a a. 0. S 41. 48 f.),
kreis, dafs die Angabe des Varro (bei Augustin. soll dem Toten selbst wieder auf kurze Zeit
c. D. 7, 35), die v£xvoy.avziiu stamme aus Leben eingeflöfst werden (Lucan. Phars. 6,
Persien, ihren Grund nur in einer späteren 667. 750 ff. Serv. V. A. 3, 67 f.; vgl. d. alten
Verbindung der heimischen Bräuche mit per- Tragiker bei Cic. Tusc. 1, 16, 37), weshalb
Bischer Magie (Plin. h. n. 30, 1, 8. 14. 28, 1, 10 natürlich Menschenblut dazu am geeignetsten
5 f.), wie Bolche auch noch in der Kaiserzeit ist, .doch wurde aufserdem auch Wein und
vorkam (vgl. z. B. Plin. h. n. 30, 1, 16 f.), Milch gebraucht (Ovid. met. 7, 245 ff. Tibull.
haben dürfte. Den italischen Ursprung ahn- 1, 2, 50; vgl. Apul. met. 3, 18 S. 206). In
liehen Zaubers beweisen aber die von Plin. Ermangelung von frischen Menschenopfern be-
h. n. 28, 2, 17 aus den 12 Tafeln angeführten nutzte man aber bei der Beschwörung auch
Bestimmungen, und der 30, 1, 12 in Verbin- Totenschädel (Apul. de mag. 34 S. 473) oder
düng damit erwähnte Senatsbeschlufs aus dem andere bei Mondschein (vgl. Hekate, oben
Jahre 97 v. Chr. , durch welchen Menschen- Bd. 1 Sp. 1894) gesammelte Teile von Leichen
opfer verboten werden, scheint sich geradezu (Horat. sat. 1, 8, 21 f. Lucan. 6, 533 ff. Apul. met.
auf Beschwörungen dieser Art zu beziehen. 20 2, 20 S. 140. 3, 17 S. 206), wie solche auch bei
Allerdings geht die Überlieferung auf römi- der jüngeren Art der Devotion angewandt wur-
schem Gebiet nicht weit zurück, auch ist sie den (s. unten Sp. 258, 25). Doch glaubte man,
offenbar mit griechischen Vorstellungen ge- dafs die Wiederbelebung bei erst kürzlich
mischt (vgl. Pouche -Leclercq, histoire de la Verstorbenen leichter sei als bei schon länger
divinat. dans l'antiquite, 1 S. 330ff. 3 S. 363ff.), Abgeschiedenen, weil ihre Seelen noch nicht
dabei erscheint aber die Sache so volkstümlich, in der Unterwelt seien (Lucan. 6, 619 ff. 712 ff.
dafs an vollkommene Entlehnung schwerlich Serv. Verg. A. 6, 152; vgl. Tibull. 1, 2, 48. Ovid.
zu denken ist. Heroid. 6, 90), und offenbar gilt dies aus dem-
Eine solche Mischung zeigt schon ein my- selben Grunde von gewaltsam Getöteten (vgl.
thisches Beispiel von Erweckung vom Tode, 30 oben Sp. 248), weil man voraussetzte, dafs diese
die Sage von Virbius (s. d.), und ähnlich steht nicht regelrecht bestattet wären (Pacuv. bei
es mit der an den ältesten italischen Sitz der Cic. Tusc. 1, 44, 106), wie ja Hingerichtete
Nekromantie am Avernus bei Cumae ge- und Selbstmörder überhaupt nicht begraben
knüpften Überlieferung, bei welchem Aeneas werden durften (Seneca contr. 8, 4. Serv. V.
in die Unterwelt hinabstieg (s. 0. Sp. 1184, A. 12, 603. Big. 48, 24, 1; vgl. Marquardt,
61 ff., wo auch die übrigen italischen Eingänge Staatsverw. 3 S. 295), und dafs sie deshalb
der Unterwelt angeführt sind). nicht in die Unterwelt gelangen könnten.
Die Beschränkung der Nekromantie auf Wesentlich ist bei der Beschwörung die An-
solche Orte (necromantia vel sciomantia non wendung von Zauberformeln, durchweiche
nisi ibi poterat fieri, Serv. V. A. 6, 107; vgl. 40 der Boden gespalten und dieToten heraufgerufen
d. alten Tragiker bei Cic. Tusc. 1, 16, 37) wurden (Horat. sat. 1,8, 19. 45. epod. 17, 6. 78f.
dürfte jedoch nicht alteinheimisch sein, denn Tibutt. 2, 1, 47 f. Ovid. am. 1, 8, 17f. Tacit. arm.
wie an Stelle des natürlichen Eingangs der 2, 28 ; vgl. Verg. A. 4, 490) ; gewifs waren diese
Unterwelt der künstliche des mundus trat, so Formeln alteinheimisch, da solche vielfach
wurde auch die Totenbeschwörung an dem auch bei anderem italischem Zauber, besonders
nach italischer Vorstellung ursprünglichen aber bei der verwandten Devotion (s. unten
Wohnort der Toten, an den Gräbern selbst Sp. 255) in Gebrauch waren (Cato B. B. 160.
vorgenommen (Verg. ecl. 8, 98. Horat. sat. Plin. h. n. 17, 28, 267. 28, 2, 10 ff. 21. 29)
'l, 8, 8 ff. Tibull. 1, 2, 47 f. Ovid. amor. 1, 8, und hauptsächlich den Sabellern und Marsern
17. Stat. Tlieb. 4, 507. Apul. met. 2, 20 S. 139). 50 zugeschrieben wurden (Horat. epod. 5, 76. 17,
Dabei wird, wie bei der Anlage des mundus eine 28 f. Ovid. med. fac. 39. Sil. Ital. 8, 497 ff.
Grube gegraben und das Blut der Opfer in Gell. 16, 11, 1). Ausgeübt wird der Zauber
dieselbe gegossen (Horat. sat. 1, 8, 26. Ovid. meist durch Weiber, welche dabei in schwarzem
met. 7, 243; vgl. Varro bei Augustin. c. D. 7, Gewand, mit nackten Füfsen und gelöstem Haar
35. Ovid. met. 7, 259. Quinet. decl. 10); als erscheinen und ihre Beschwörung dreimal mit
solche wurden dem alten Totenopfer ent- lauter Stimme rufen oder heulen (Verg. Aen.
sprechend aufser schwarzen Tieren auch Men- 4, 509 f. Horat. sat. 1, 8, 23 ff. epod. 5, 16.
sehen, besonders unschuldige Knaben, die zu- Ovid. Hiroid. 6, 89 f. met. 7, 182. 190), doch
weilen sogar noch ungeboren aus dem Leibe treten auch Beschwörer auf (Cic. Tusc. 1, 16,
der Mutter herausgeschnitten wurden (Lucan. 60 37. de div. 1, 58, 132. in Vatin. 6, 14), und
Phars. 6, 558 f. Amm. Marc. 29, 2, 17. Mar- letzteres ist vielleicht sogar der eigentlich
qiiar dt, Staatsverw. 3 S. 110, 6), geschlachtet (Cic. römischen Sitte entsprechender. Daneben
in Vatin. 6, 14. Lucan. Phars. 6, 529 ff. 562 f. scheint jedoch auch die Wahl des Tages für
Plin. h. n. 30, 1, 16. TertuU. apol. 23. Dio den Erfolg der Beschwörung nicht bedeutungs-
Cass. 73, 16, 5. 79, 11, 3. Serv. V. A. 6, 107. los gewesen zu sein (Plin. h. n. 30, 1, 16),
Lobeck, Agl. S. 223; vgl. die Tötung von sicher aber wurde sie immer zur Nachtzeit
Knaben bei anderem Zauber, Horat. epod. 5, vorgenommen (Verg. Aen. 4, 490 u. Serv.; vgl.
91 ff. Iuvenal. 6, 652. Lamprid. v. Hei. 8). Apul. met. 3, 16 S. 201). Zweck derselben ist
255 Inferi (Devotion) Inferi (Devotion) 256
zuweilen die Versöhnung der heraufgerufenen und bei den privaten Formen der Devotion
Schatten (Suet. Nero 34. Dio Cass. 77, 15, 4), wahrscheinlich gar nicht dargebracht worden
gewöhnlich aber beabsichtigt man sie zu be- ist. Dies ist aber erklärlieh, da es sich bei
fragen (animas responsa duturas, Horat. sat. der Devotion überhaupt nicht um ein Herauf-
1, 8, 28 f.; vgl. Propert. 4, 11, 84. Lucan. 6, rufen der Inferi aus ihrem unterirdischen
761 ff. Plin. h. n. 30, 1, 14 f. 2, 18. Lactant. Aufenthaltsort handelt, und den Verstorbenen
4, 27, 18), und es gehörte besondere Kraft also nicht wieder irdische Lebenskraft einge-
dazu, sie so lange zurückzuhalten, als man flöfst zu werden braucht. Die Devotion be-
wünschte (Tibull. 1, 2, 49); nach freilich sicher steht vielmehr darin, dafs man Menschenleben
griechischer Vorstellung konnte dies auch durch 10 in die Macht der Unterirdischen giebt, ohne
die Macht eines Steines Synochitis geschehen dafs jedoch der Devovierende selbst etwas
{Plin. n. h. 37, 11, 192). Auf schriftliche Beant- Thatsächliches für die Opferung derselben
wortung der Fragen deutet Cic. Tuse. 1, 48, 115. ausführt oder auch nur andeutet, wie die
Griechisch ist jedenfalls auch der Glaube, dafs Tötung, an deren Stelle später zuweilen auch
jeder Schatten nur einmal gerufen werden nur Senden von Krankheit und dergl. (s. unten
dürfe, da dies ausdrücklich als mystisch be- Sp. 259) tritt, erfolgen soll. Die ganze Aus-
zeichnet wird {Lucan. 6, 823 f. Serv. V. Georg. führung des gewünschten Vorgangs bleibt
4, 502), dafs die beschworenen Seelen zu durchaus den angerufenen Göttern überlassen,
ständigen Dienern (nägsSgoi, Spiritus familiäres) und es wird ihnen dafür gewöhnlich auch
der Zauberer werden könnten {Lobeck, Agl. 20 kein weiterer Lohn in Form eines Gelübdes
5. 222 f.), sowie die Benutzung von pontischen versprochen (siehe jedoch unt. Sp. 259, 22 ff.),
oder thessalischen Kräutern (Vera. ecl. 8, 95. . _ ,. _ . , , „,
Horat. sat. 1, 8, 19. epod. 6, 21). Auch die a) Devotion von Feinden des Staates.
Ansicht, dafs jemandem, der Sommersprossen Wie aus den ältesten Quellen, den beiden
habe, die Geister nicht gehorchten, gehört bei Liv. 8, 9 und Macrob. sat. 3, 9, 10 er-
hierher {Plin. n. h. 30, 1, 16). Vgl. Grimm, haltenen Verfluchungsformeln, hervorgeht, be-
I). M. '3 S. 25. ruht der ganze Gebrauch auf der dem Alter-
_ _ ,. . ,. tum durchaus geläufigen Vorstellung des stell-
5. Devotio und consecratio. vertretenden Opfers. Decius sagt bei Liv.
In nahem Zusammenhang mit der Beschwö- 30 ausdrücklich, dafs er sieh selbst für das Heer
rung der Inferi stehen die uralten Bräuche und zugleich pro republica Quiritium, exercitu,
der devotio und consecratio, denn auch diese legionibus, auxiliis populi Romani Quiritium
beruhen ebenso wie jene wesentlich auf der die legiones auxiliaque hostium mit sich zu-
magischen Wirkung bestimmter Formeln (car- sammen diis Manibus Tellurique oder matri
mina, verba concepta, sollemnia, prccationes sol- Terrae devoviert (Liv. 8, 6. 9. 10), und ebenso
lemnes, meditatae compositaeque dirae), welche erklärt der Diktator bei Macrobius a. a. 0.,
den Gegenstand dieser Handlungen in die dafs er die Feinde als Stellvertreter für sich,
Macht der Unterirdischen geben. Die Zauber- das römische Volk und Heer den unterirdischen
kraft, welche dem Worte ebeusowohl im Ge- Göttern weihe, damit sie diese unversehrt lassen,
bet (siehe Indigitamenta Sp. 167) als im Fluche 10 Vgl. Cic. de nat. deor. 3, 6, 15. Liv. 10, 28.
beigelegt wird, beruht wohl auf der wunder- Dabei ist es eigentlich gleichgültig, ob der
baren Wirkung, welche demselben als Träger Feldherr, wie es nach der ersten Formel der Fall
des Gedankens und Vermittler des Willens ist, sich selbst an Stelle seines Heeres mit
überhaupt innewohnt. Dementsprechend ist weiht (vgl. das Opfer des Kodros und das
es bei jeder Beschwörung, um Mifsverständnis Königsopfer bei den Germanen, Lippert a.
auf Seiten der angerufenen göttlichen Wesen a. 0. S. 186 f. Frans, myth. Stud. II. Weihe-
zu vermeiden, aufserordentlich wichtig,, die früMing u. Königsopfer. Wien 1888), oder ob
richtigen Worte und Namen zu kennen, deren er dies nur mit den Feinden thut; auffallen
Wirksamkeit der Erfolg im Laufe der Jahr- könnte nur, dafs er überhaupt etwas weiht,
hunderte bewiesen hat {Plin. n. lt. 28, 2, 12; 50 über das er keine thatsächliche oder rscht-
vgl. Cic. de nat. deor. 2, 3, 10. Liv. 10, 28. liehe Verfügung hat; dafs dies aber auch
Senec. ep. 7, 5, 9 = 67. Auct. de vir. ill. 27), sonst nicht unbedingtes Erfordernis bei Dar-
daher diese bei der Devotion vom Pontifex bringung von Geschenken für die Gottheit
vorgesprochen werden mufsten (Liv. 5, 41. ist, beweisen die bei Cic. Verr. 4, 29, 67. 32,
8, 9. 10, 28). In den erhaltenen Formeln 71. Strabo 8, 6, 23 S. 381 erzählten Beispiele,
deuten auf diese Vorsicht die Ausdrücke: sive für die der Devotion verwandte Konsekration
quo alio nomine fas est nominare, — quem ego aber besonders Cic. pro domo 49, 127 ff. Des-
me sentio dicere, — seive ea alio nomini(e) est, halb kann auch neben den Feinden als Stell-
sowie die ständige Verwendung von Synonymen Vertreter des gesamten Heeres irgend ein
und die vollständige Aufzählung aller Einzel- co anderer Bürger als der Feldherr devoviert
heiten und Teile (Liv. 8, 9. Macrob. sat. 3, 9, werden, welcher, falls er nicht wirklich fallen
10. C. I. L. 10,_1604. 8249; vgl. Mommsen zu sollte, sich von den Unterirdischen abermals
1, 820). Die Übereinstimmung mit den Be- durch ein stellvertretendes Opfer loskaufen
schwörungsbiäuchen zeigt auch das bei der mufs (Liv. 8, 10). Bei den ersten, freilich der
Devotion dargebrachte Opfer von drei schwarzen Sage angehörenden Devotionen des M. Curtius
Schafen (Macrob. sat. 3, 9, 11), das jedoch hier (siehe jedoch oben Sp. 260) und der römischen
nicht von wesentlicher Bedeutung gewesen zu Greise nach der Schlacht an der Allia opfern
sein scheint, da es anderwärts nicht erwähnt sich diese dagegen nur selbst an Stelle der
257 Inferi (Devotion) - Inferi (Devotion! 258
vom Untergang bedrohten Stadt (Liv. 5, 41. Aufzeichnung, was wohl einerseits auf das
8, 10; vgl. Schwegler, Beim. Gesch. 3 S. 251). Vorbild des gleichen griechischen Gebrauchs
Historisch beglaubigt sind nur die Devotionen ( Wachsmuth a. a. 0. Wessely, Ephesia Gram-
von P. Decius Mus Vater und Sohn, weniger mala; die neuere Litteratur bei Dieterich, Pa-
die des Enkels (Cic. pro Sest. 21, 48. pro Bob. pyrus magica mitsei Lugdunensis etc.), anderer-
post. 1. div. 1, 24, 51. de nett. deor. 3, 6, 15. seits auf das geringere Alter derselben deutet.
Parad. 1, 2. Liv. a. a. 0. Vol. Max. 1, 7, 3. Gewöhnlich wurde nämlich die Verfluchung
5, 6, 5 f. Plin. n. h. 28, 2, 10. Seneca ep. 7, auf einer Tafel aus Blei oder Bronze ein-
5,9 = 67. Frontin. strat. 4, 5, 15. Aristid. geritzt und diese dann zusammengeklappt
Mil. bei Phtt. parall. min. 18. Zonar. 7, 26 10 und vernietet in ein Grab, zuweilen auch in
S. 363. — Cic. de fin. 2, 19, 61. Txisc. 1, 37, Quellen (Zangemeister im Hermes 15, 1880
89). Eine Anzahl devovierter Städte zählt S. 594. C. I. L. 12, 5367) gelegt, welche wohl
Macrob. sat. 3, 9, 13 auf; vgl. Iul. Capit. wegen ihres Hervorkoinniens aus dem Brd-
Max. et Betlb. 8, 6. — In Bezug auf ähnliche De- innern als Eingänge zur Unterwelt betrachtet
votionsbräuche bei den Galliern und Germanen wurden (vgl. Tacit. arm. 13, 57); hie und da
vgl. Caes. b. G. 6, 17, 3 und Tacit. arm. 13, 57. ist noch ein kleines Abbild des Verfluchten
Aus späterer Zeit finden wir eine wirkliche beigegeben (C. I. L. 10, 8249). Offenbar stand
stellvertretende Selbstdevotion an die Todes- der Verstorbene, dessen Grab benutzt wurde,
götter bei einer Erkrankung des Caligula be- selbst in keiner Beziehung zu der Devotion
zeugt, welche nach Wiedergenesung desselben 20 (Wachsmuth im Bh. M. 18, 1863 S. 566);
auf seinen Befehl durch Tötung des Devo- das Grab wurde nur gewählt, um die Ver-
vierten zur Ausführung gebracht wird (Suet. fluchung an die Inferi, in deren Machtbereich
Calig. 14. 27. I)io Cass. 59, 8, 3), bald darauf dasselbe liegt, gelangen zu lassen, denn das
aber wird dieselbe zu einer blofsen Form der Gleiche suchte man zu erreichen, wenn man
Schmeichelei gegen die Kaiser (Dio Cass. 53, die Bleitafel mit Leichenresten zusammen in
20. Veget. epit. 2, 5). dem Hause des Verfluchten vergrub (Tacit.
Von unterirdischen Göttern, denen devoviert arm. 2, 69; vgl. 3, 1.3. Dio Cass. 57, 18, 9.
wird, werden in den Formeln besonders die WuttJce, D. Volkjabergl. 731 ff. 739; vielleicht
dii Manes und die Tellus oder Terra mater auch Cic. pro Mil. 27, 75). Ebenso wie man
(vgl. Terra mater dtique inferi, Aurel. Vict. 30 aber ein Bild des Devovierten beigab (s. o. u.
Caes. 33), dann auch Dis pater (s. oben Sp. 1185, vgl. Ovid. Her. 6, 89ff.), so geschah dies auch
37 ff.), Vejovis und die Lares oder auch mit Haaren desselben (C. I. L. 10, 511) und
neben den inferi die caelestes genannt (Liv. wahrscheinlich mit Eier- oder Muschelschalen,
7, 6. 8, 6. 9. 10, 28. Macrob. sat. 3, 9, 10 f.), welche er geleert hatte, daher man diese
doch werden aufserdem auch die Kriegsgott- sofort selbst zu zerbrechen pflegte (Plin. n. h.
heiten Mars pater, Quirinus und Bellona, so- 28, 2, 19). Eine Lampe mit Devotionsinschrift
wie die divi Novensiles, die dii Indigetes, deutet dagegen auf den Brauch, dafs eine
Ianus und Iupiter angerufen. Ianus steht da- solche als symbolischer Ausdruck für das
bei wohl nur infolge alter Gewohnheit wie bei Lebenslicht des Verfluchten bei der Ceremonie
allen Gebeten als Anfangsgott voran, Iupiter 411 ausgelöscht wurde (Preller, Arch. Zeit. 19,1861
aber scheint insbesondere als Schwurgott zu S. 167); vgl. die brennenden Lampen auf
gelten (Macrob. sat. 3, 9, 11 f.). Gräbern (C. L. L. 10, 633. Mwrquardt, Staats-
, . _. , . - . ,. . . verw. 3 S. 300, 8).
b) Devotion von Prrvatfemden. Zuweilen scheinen auch besondere geheime
Aus der Devotion der Feinde des Staats Zauberzeichen verwendet worden zu sein
hat sich später, jedenfalls unter Mitwirkung (Tacit. ann. 2, 30; vgl. die Verwünschungstafel
eines ähnlichen griechischen Brauchs, die De- aus Karthago, Epiliein. epigr. 5, 317 = Schreiber,
votion von Privatfeinden entwickelt, deren Kulturhist. Bilderati. 1 Tf. 91, 9), und da
häufiges Vorkommen in der Kaiserzeit neben natürlich auch sonst dabei viele nicht allge-
den Nachrichten der Schriftsteller (Seneca de 50 meiu bekannte Vorschriften beobachtet werden
benef. 6, 35. Herc. (Jet. 456 f. Plin. n. h. 28, unufsten, so finden sich später Leute, welche
2, 19. Tacit. ann. 2, 69. 3, 13. 4, 52. 12, 65. dieses Geschäft ebenso wie die Totenbeschwö-
16, 31. Dio Cass. 57, 18, 9. Paul. rec. sent. 5, rung für Bezahlung ausübten (Tacit. ann. 2, 28.
23, 15) besonders durch eine Anzahl inschrift- Apul. mei. 9, 29 S. 649).
licher Funde erwiesen wird. Vgl. Wachsmuth Die auf Metalltafeln geschriebenen und in
im Bh. M. IS, 1863 S. 560ff. Bächeier, osle. Blei- Gräbern gefundenen Verfluchungen sind wohl
tafel, ebenda 33, 1878 S. 1 ff . Marquardt, Beim. stets an eine unterirdische Gottheit gerichtet
Staatsverw. 3, 109, 6. C. I. L. 1, 818 f. = 6, {Wachsmuth, Bh. M. 18, 1863 S. 565. 568),
140 f. 1, 820. 2, 462. 7, 140. 10, 511. 1604. wenn dieselbe auch nicht immer genannt wird
3824. 8249. 12,5367? Orelli-Henzen 3726. 6115. 60 (C. I. L. 10, 511. 1604. 3842), dagegen wird
7408 f. Hermes 4, 1869 S. 302. 15,1880 S. 588 ff. auf Grabsteinen zuweilen auch Sol zur Rache
Bull. d. Instit. 1880 S. 6 fl'. 188 — 191. Kotizie für ein Vergehen aufgefordert (Ber. d. Sachs.
d. seeeoi d. accad. d. Lincei 1880 S. 147. Arch. G. d. W. Phil.-hist. Kl. 7, 1855 S. 54 f.).
Zeit. 19, 1861 S. 167. 39, 1881 S. 309 ff. Bonner Nur auf einer einzigen, aber freilich der
Jahrb. 24, 1882 S. 181 ff. Ephem. epigr. 2, 1881 interessantesten Bleitafel dieser Art (C. Z L.
S. 158. 5, 1884 S. 317 ff. 441 tf. 10, 8249 aus Minturnae), welche als Muster
Abweichend von der älteren Form bedient ihrer Gattung ganz wiedergegeben zu werden
sich diese Art der Devotion stets schriftlicher verdient, werden die dii inferi im allgemeinen
Röscher, Lexikon der gr. u. röm. Hythol. II. 9
259 Inferi ^Consecratio) Inferi (spätere Vorstellungen') 260
angeredet: DU i(n)feri, vobis com(m)e(n)do, si Füm. Staatsverw. 3 S. 266. Dareniberg et Saglio,
quic(q)ua(m) sactitates (= sanctitatis) h[a]betes Dict. des antiqu. gr. et rom. s. v. Devotio
(= liabetis), ac tadro (== tvaäo) Tieene (= Ty- S. 114 f.), wenn dieselben dabei auch oft in
dienern oder Tychen) Carisi, quodqu[o]d agat, Betracht kommen mögen (Dion. Hai. 2, 10
quod incida(n)t omnia in adversa. DU i(n)feri, S. 258); besonders verfielen aberKiuder, -welche
vobis com(m)e(n)do ihljius mem(b)ra colore(m) die Hand gegen ihre Eltern erhoben hatten,
figura(m) Caput eapilla (== capülos) umbra(m) sowie derjenige, der ein Grab schädigte, den
cerebru(m) fru(n)te(m) supefrciljia os nasu(m) divi parentum (lex regia bei Fest. S. 230b,
me(n)tu(m) bucas la[bra vejrba (h)alitu(ni) Z. 14 u. 16. C. I.D. 1, 1241 = 10, 4255;
col(l)u(m) iocur umeros cor pulmonesiimtestinas 10 vgl. o. Sp. 244), der Mann, welcher seine Frau
('= intestina) ve(n)treim) brac(li)ia digitos manus verkaufte, den Unterirdischen (Flut. Born. 22;,
u(m)b(ijlicu(m) visica (— vesicam) f ernenn f= fe- und ähnlich waren Patrone und Klienten,
mina) genua crura talos planta(s) tigitos (= cli- welche ihre Pflicht gegeneinander schwer ver-
gitos). DU i(n)feri, si iUa(m) videro tabesce(n)- letzten, dem Dis pater geweiht (Dion. Hai. 2,
te(m) , vobis sacrificiu(m) lubens ob anfnhwer- 10 S. 258. Serv. V. A. 6, 609; vgl. oben
sariu(m) facere dibus (= diis) parentibus Sp. 1186, 50 ff.).
il(l)iu[s] voveo (?) .... peculiul'm?) tafbejscas.
Bemerkenswert ist hier die den alten De- xv. Spätere Entwicklung der Vorstellung
votionsformeln ähnliche Genauigkeit der Be- „_—, t qkq„ „„„\, j™, rn„jQ u„i jqt,
. , .... . 6 , : vom .beben nach, dem Tode bei den
Zeichnung und die dreifach wiederholte Anrede 20 _ ..
(vgl. die Tafel von Pozzuoli in der Arch. Z. üomern.
39, 1881 S. 309 ff.); abweichend vom gewöhn- Wahrscheinlich infolge der Einführung oder
liehen Gebrauch wird aber hier für den Fall Verallgemeinerung des Brauches der eine
der Erfüllung des Fluches den Inferi ein jähr- schnellere Trennung der Seele vom Leichnam
liehes Opfer versprochen. Letztere werden bezweckenden (Serv. V. A. 3, 68) Leichen-
dabei zugleich als die dii parentes der Ver- Verbrennung (s. o. Sp. 2351 einerseits, anderer-
fluchten bezeichnet, so dafs es diesen also be- seits durch die Einwirkung der Anschauungen
sonders zukam, ihre devovierten Familien- griechischer Philosophen (Cic. Tusc. 1, 17, 40.
mitglieder in die Unterwelt hinabzuziehen. 18, 42. 26, 65 und sonst oft; vgl. Foscher,
Aus ähnlichem Grunde werden die Manes einer 30 Hermes der Windgott S. 54 ff. Marquardt,
Verstorbenen gebeten, die hinterlassenen Ver- Staatsverw. 3 S. 56 ff.) verbreitete sich in Rom,
wandten zu verschonen (C. /. L. 0, 13101; wie es scheint, schon seit der Zeit des Plautus
vgl. Apul. met. 9, 29 S. 649). und Ennins die allerdings an sich auch schon
In anderer Beziehung zeigt sich die bei uralte (s. o. Sp. 205S f.) Ansicht von dem feurig-
solchen Verfluchungen gebrauchte ängstliche luftartigen "Wesen der Seele (scintillulam
Vorsicht auf einer oskischen Bleitafel (Bücheier animae, Flaut Trin. 2, 4, 91.492. Verg. Aen.
im Fh. M. 33, 1878 S. 37), indem ausdrück- 6, 726. 747. Cic. somn. Scip. 3, 7. Serv. V. A.
lieh die Möglichkeit ausgeschlossen wird, dafs 6, 340; seni animam exstinguerem, Terent.
der Verfluchte durch Versöhnung der unteren Adelph. 3, 2, 16; vgl. die brennende Lampe
oder oberen Götter das Verderben von sich 40 als Symbol des Lebenslichtes , oben Sp. 258),
abwende (vgl. die an die Manes inferi ge- wobei die Beobachtung des Schwindens der
richtete Devotion auf der oben erwähnten Lebenswärme nach dem Tode unterstützend
Lampe bei Preller, Arch. Z. 19, 1861 S. 167: mitwirken mochte. Schon in der letzten Zeit
. . . . ne quis eum solcat nisi nos qui ligamus . der Republik ist der alte Glaube an das
und Horat. epod. 5, 89), doch gab es auch Vorhandensein der Inferi und eines unter-
Zaubermittel, welche gegen die Wirkung der irdischen Aufenthaltsortes der Seelen in wei-
Devotion schützten (Ovid. fast. 2, 581). teren Kreisen des Volkes geschwunden (Lu-
Zweck dieser privaten Devotion ist nicht cret. 3, 36 ff. Cic. pro Cluent. 61, 171. Tusc.
immer der Tod, sondern oft nur Krankheit 1, 5, 10. 16, 37. Horat. epist. 2, 2, 208. Ovid.
(Ovid. amor. 3, 7, 27 ff. Dio Cass. 77, 15, 2 f. 50 met. 15, 153 f. Iuvenal 2, 149 ff. 13, 49 ff.
C. I. L. 7, 140. 8, 2756. 10, 8249. Unglück. Seneca cons. ad Marc. 19; vgl. Flut. Dio 2.
im allgemeinen (C. I. L. 10, 8249; vgl. o. Sp. C. I. L. 2, 1434. 8, 3463), und so weist man
1185,36) oder Festbannung und Fesselung (vgl. den abgeschiedenen Geistern, der neuen Auf-
die oben augeführte Lampeninschrift und fassung ihres Wesens entsprechend, ihren
Grimm, D. Myth.4 1 S. 9S2 f.) durch die an- Aufenthaltsort im Luftraum (in coelo, Cic.
gerufenen Gottheiten (. . . demon . qui lh)ic ■ somn. Scip. 3, 5. 8. 7, 17. Tusc. 1, 11, 24.
conver sans . (= saris) trado . tibi (h)os \ quos . 34, 82. 12, 27 f. und Ennius ebenda, sowie bei
(scripsi) ut deteneas \ illos . et . inplicentur ] (n)ec Serv. V. A. 6, 764; vgl. Verg. Aen. 5, 722.
se movere possint, Ephem. epigr. 5, 1884 S. 317. Arnob. 2, 62. Macrob.comm 1, 12, 2. 2, 17, 14)
Schreiber, Kulturh. Bilderati. 1 Tf. 91, 9; vgl. 60 oder auf den der Seele wesensverwandt ge-
Mommsen, Arch. Z. 40, 1882 S. 178). dachten Gestirnen an (Cic. somn. Scip. 3, 8.
Tusc. 1, 19, 43. Platonici bei Macrob. comm.
c) tonsecratio. h ^ l7 11; 4ff)) w0 sie ak Götter oder
Der Devotion nahe verwandt ist die conse- wenigstens in Gemeinschaft mit den Göttern
oratio, welcher sowohl Menschen und Tiere, ewig fortleben (Cic. Tusc. 1, 31, 76) oder,
als auch Sachen verfallen können, doch wird wie man im Anschlufs an griechische An-
der Konsekrierte nicht notwendig Eigentum schauung meinte, auch selbst zu Gestirnen
gerade der unterirdischen Götter (Marquardt, werden (Ovid. met. 15, 749. 840f. Augustus bei
261 Ingeniculus Inuus 262
Plin. n. h. 2, 25, 93f. Iitl. Obsequ. 68. Sero. gefundenen Musenmosaik, Wochenschr. f. Tel.
V. A.S, 681. cd. 9, 46; vgl. Cohen med. imp.'1 2 PMoZ. 1889 Sp. 82. Jahrb. d. arch. Inst. 5
S. 246, Adrien Trojan et l'lotinel — 3). Übrigens (1890) 8.1. [Drexler.]
berührte sich diese Ansicht mit der alten Lehre, Iiiiochcurius (?) E/ihem. epigr. 4 S. 196 nr. 665
dafs der Genius dem Menschen von Iuppiter ausGloucester: Deo\ Iniochcurio\ . .orivendus* ai.
gegeben werde und nach dem Tode zu ihm Dazu Hübner: 'v. 2 latet fortasse Mercurio' .
zurückkehre (antiqui bei Maerdb. sat. 1, 10, [R. Peter.]
16; vgl. o. Sp. 1614, 35 ff.). Ino s. Leukothea.
Endlich suchte man beide Vorstellungen Insania, der personificierte Wahnsinn, mit
zu vermitteln, so dafs man meinte, die Men- 10 Luctus, Pavor und Terror im Gefolge der
sehen gewöhnlichen Schlages kämen in die Tisiphone; Ov. Meiam. 4, 485. [Höfer.]
Unterwelt, die vorzüglichen und ausgezeich- Insidiae, personificiert und mit dem Grausen
neten aber in den Himmel (Cic. somit. Scip. (Formido) und den Zorngöttinnen (Irae) zu-
3, 5. 5, 10. 9, 21. Tusc. 1, 12, 27; vergleiche sammen im Gefolge des Mars; Verg. Aen. 12,
30, 72. Tacit. Agr. 46. Flut. Moni. 28), oder 336, vgl. Stat. Hieb. 7, 50. [Höfer.]
die bewufste Seele lebe in der Luft, die Insitor s. Indigitamenta.
Schatten in der Unterwelt fort (Plin. n. h. Intarabus deus auf einer Inschrift aus der
7, 55, 190). Gegeud von Trier bei OrelU 2015 (— C. I.
Hierauf beruht jedenfalls auch die oben Riten. 855): deo Intarabo \ ex imperio Q. \
Sp. 245 erwähnte Scheidung zwischen sedes 20 Solimabius Bitus ■ aedem . . . consa'cravit . I. m.
piorum und impiorum, so dafs ersteren die [Röscher.]
Wohnung im Himmel, letzteren die in der Lutercidona s. Indigitamenta.
Unterwelt zukam (Propert. 4, 11, 101; vgl. Inuus, ein altlatinischer Gott der tierischen
jedoch auch sedes beatae = Etysium, Verg. Begattung, eine Neben- oder Lokalform des
Aen. 6, 639). Zuweilen wird dann die neue Faunus (s. o. Bd.l Sp. 1455,39ff). Dielatinische
Anschauung ohne weiteres mit den älteren Herkunft des Inuus wird einerseits durch die
mythischen Bildern in Verbindung gebracht, rein lateinische Namensform (Gorssen, Ausspr.-
so dafs Charon die Seelen in seinem Nachen 1 S. 313; vgl. besonders Fatuus und Februus),
auf die Gestirne führt (Propertius 3, 18, andererseits durch einen alten Kultort, den
31 ff.). 30 Flecken Castrnm Inui im Gebiet der Rutuler
Ganz vereinzelt findet sich endlich die an der Küste nahe bei Ardea ( Verg. Aen. 6,
griechische Vorstellung (s. o. Sp. 2470, 28 ff.) 775 u. Serv. dazu) erwiesen. Dagegen beruht
von einem Aufenthalt der Verstorbenen auf die Anführung eines Castrum Inui in Etrnrien
den Inseln der Seligen (Plaut. Trin. 2, 4, 148. (Servias V. A. 6, 775. Butil. Kamat. 1, 227)
549; vgl. Cic. Tusc. 1, 19, 44. 41, 98. Hortens. jedenfalls auf Verwechselung mit dem dort
fr. 40. Plin. n. h. 4, 22, 119. 6, 32, 202], sowie gelegenen Castrum novum, da der Flecken der
von dem ruhelosen, trabantenartigen Um- Rutuler öfter auch blofs Castrum genannt
treiben der Geister der Bösen um die Erde wird (Ovid. mct. 15, 727. Sil. lt. 8, 361.
(Cic. somn. Scip. 9, 21), während die vom Ely- Martial. 4, 60); vgl. JDeecke bei Müller, Etr.1
sium öfter vorkommt (Verg. Aen. 5,735. 6,542. 40 2 S. 63. Bonnann im C. I. L. 11 S. 531.
637 ff. u. s.w.). Seiren Namen führt er ab ineundo, be-
Aber auch die Ansicht, dafs die Seele über- springen (Serv. V. A. 6, 775 ; vgl. Paul. Diac.
haupt nicht fortlebe, ist schon zur Zeit des S. 110 s. v. mit), und diesem Grundzug seines
Cicero stark verbreitet, wie abgesehen von Wesens entsprechend erscheint er neben der
Lucret. 3, 417 — 827 besonders die Bekämpfung altlatinischeu und überhaupt altitalischen Pales
derselben z. B. im 1. Buch der Tusculanen und als Schützer des Viehstandes (Aruob. 3, 23).
später selbst manche Grabschriften erkennen Gewöhnlich wird er dem Faunus, Fatuus oder
lassen (Orelli-Henzen 4809 ff. 7346. 7382. C. I. Fatnclus und dessen griechischem Vertreter,
L. 11, 1616), während allerdings die grofse dem lykäischen Pan völlig gleichgesetzt (Liv.
Masse der letzteren die auf den alten An- so 1, 5, 2. Serv. V. A. 6, 775. Aurel. Vict. or. 4.
schauungen beruhenden Formeln bis in die Maerdb. sat. 1, 22, 2 ff.), und nach Livius
christliche Zeit hinein beibehält. Vgl. E. Spiefs, a. a. 0. galt die römische Luperealienfeier
Entwicklungsgesch. d. Vorstellungen v. Zustande (s. o. Sp. 1457) geradezu dem Inuus. Sind
nach d. Tode auf Grund vergl. Religions- aber nun auch, wie aus Mannhardts mi/th.
forschung. Jena 1877. Schröter, d. Totenreich d. Forsch. S. 72 ff. hervorgeht, die in Bocksfelle
Indogerm. Wongrowitz 1888. W. Caland, über gehüllten Luperoi eigentlich Vertreter der in
Totenverehrung bei einigen indogerm. Völlcern. Bocksgestalt vorgestellten Wachstumsgeister
Amsterdam 1888. B. Hirsch, de animaruin der neu erwachenden Natur (Mannhardt, Ant.
apud antiquos imaginibus. Leipzig 1889. *) Wald- u. Fehlk. S. 200. Myth. Forsch. S. 96f.),
[Steuding ] 60 so wird doch diesen der Einfiufs auf den Er-
• Ingeniculus s. Sternbilder. trag des Getreides selbstverständlich erst wegen
P Ingenium, mit Homer und Calliope zu- der Bedeutung des Bocks für die tierische
sammen dargestellt auf dem 1884 in Trier Fruchtbarkeit beigelegt, und leicht kann also
der Gott der tierischen Zeugungskraft selbst
t, .,.,_,, , _ .. . . , .. , in den Vegetationsgeist übergehen; jedenfalls
*) Viele l'arullelen aus dem Gebiete der griechischen • t i ■• 1 • 1 l • i T -n , ± i,
Mythologie bietet E. RoMes Psyche, welches Werk der wlrd *beI Ursprünglich beiden die Bocksgestalt
Verfasser dieses Artikels leider nicht mehr hat benutzen gemein sein, wenn auch die Spaten Belege
können. dafür (Diomed. 3 S. 472 Putsche. Maerdb. sat.
9*
263 Invictus lo (Genealogie; Mythus) 264
1, 22, 2 ff.) ib&n nur auf der Gleichsetzung 112, 21. Arat. 179, wo das Schol. thöriehte Er-
des Inuus mit Pari beruhen mögen. klärung dafür abgiebt, dafs Eepheus als 'la-
Mit ähnlicher Übertragung auf die mensch- aiärjg bezeichnet wird. Val. Fl. Arg. 4, 356
liehe Fortpflanzung dürfte demnach unter dem nennt sie Iasia virgo und Inachis gleiehmäfsig
sacer hircus in der alten Formel: Italidas neben einander. Oder lo ist T. des Ares tor, der
matres, inquit, sacer hircus inito (Ovid. fast. 2, sonst als Vater des Argos genannt wird, Myth.
441) Inuus zu verstehen, und die befruchten- ed. Westerm. S. 324. Anonym. de inered. 15. Dafs
den Schlage, welche die Luperci mit den aus sie bei Istros (Giern. Alex, ström. 1 S. 322 C)
dem Bocksfell geschnittenen Riemen den Frauen als Tochter des Prometheus, und im Et. m.
auf den Rücken gaben (Ovid. f. 2, 445), ahn- 10 205, 35 als Tochter des Kadmos bezeichnet
lieh aufzufassen sein, wie der symbolische wird, sei nebenbei erwähnt. Als Mutter gilt
Brauch, nach welchem die Neuvermählte auf gewöhnlich Melia, die Gattin des Inachos
das fascinum des Mutunus Tutunus (s. d.) ge- (s. d.), oder Argia, Hygin. f. 145, doch wird
setzt wurde. Vgl. Mannhardt, Myth. Forsch. von Pherekydes auch Peitho ffr. 40), nach Für.
5. 93. 140. 154. Ür. 930 schol. auch Asvv.avsr\ genannt. Sie
Über die Zusammenstellung mit dem ur- war Priesterin der Hera, Aesch. suppl. 291
sprünglich nicht verwandten Ephialtes und In- -ulySoviov "Hgag. Apollod. 2, 1, 3. Jiesych. lex.
cubo siehe letzteren. [Steuding.] S. 380 s. v. 'Im xaXXi&vsoaa (xaXliaTvioBa ina-
Invictus, verschiedenen Gottheiten beige- l'dzo r\ ngmzn Ugna zr]g 'A&rjväg, wofür jeden-
legter Beiname, wofür besonders die Register ao falls zi]g "Hgag zu schreiben ist; vgl. dem.
zum C. I. Fat. zu vergleichen sind. Ohne Alex, ström. 1 S. 418. Aristid. schol. 2, 3, 8.
Zusatz des Namens des Gottes findet sich In- Mythogr. ed. Westerm. S. 324 'im r\ 'Agsazogog
victus als Bezeichnung des Sol auf Münzen hgäzo zy "Hga. Flut. Daed. fr. 10. Euseb. 2,
des Gällienus, Coh^yi 5 -, 378, 337, 338. Victo- 20 Seh.)'. Wegen ihrer Schönheit entbrennt
rinus Pater 6 2, 73, 44 — 50. Tetricus Pater 62, Zeus in Liebe zu ihr; als er sich ihr naht,
98, 60 — 62. Tetricus iun. 6 ", 121, 19. Quin- wird Hera aufmerksam; um nicht von ihr auf
tillus 6 s, 168, 35. Auch inschriftlieh begegnet frischer That ertappt zu werden, verwandelt
invictus allein ohne Beifügung des bestimmten er die Jungfrau in eine Kuh, welche Hera für
Gottesnamens, z. B. C. 1. F. 3, S79; ebenda sich als Geschenk fordert und von Argos be-
4802 invictus patrius; ebenda 1955. 3478. 3479. 80 wachen läfst, Apollod. 2, 1, 3. Hygin. f. 145.
4417. 4419 deus invictus ; 3477 d. i ; 3476. 3921. Eibbeck, fr. tr. lat. 386 (Attius) custodem
4538. 4540 invictus deus; 1788. 4296 i. d. Es adsiduum Ioni adposuit virgini. Dafs Zeus
bezeichnet dann meist den Mithras, vgl. Mi- sich durch einen Eid gegen die Verbindung
ville, Die Religion zu Rom unter den Severern mit der neugeschaffenen Kuh verwahrt, geht
p. 287 Anm. 3. [Drexler.] auf Hesiodos zurück (Apollod. 2 , 1 , 3 Siö
Invidia, Mifsgunst, Eifer, blinde Leiden- qn/joiv 'Haioäog, owt inioncto&cii zijv und zäv
Schaft, Personifikation, Ov. Met. 2, 760. Nach 9säv 6gyr\v zovg ytvouivovg ogtiovg vnsg i'gco-
Hyg. praef. (p. 30 Bunte) ist sie Tochter des tos. Schol. Fiat, sytnp. 45 [374 Bekk.]. Hesych.
Giganten Pallas und der Stj'X, Schwester der s. v. acpgoSiatog ogxog). Die Kuh wird meist
Vis, Potestas, Victoria. — Fies. Thcog. 383 und 40 als weifs bezeichnet (ßoüs XftwjJ bei Apollod.
Apollod. 1, 2', 4 nennen als Kinder der Styx 2, 1, 3. nitens iuvenca Ov. met. 1, 610. nivea
und des Pallas: Zi^og, Ninrj, Ägdtog und Biet, 652. 743. Val. Fl. i,_ 380. Verg. Am. 7, 8),
wonach Invidia und Zfjkog sich entsprechen. doch vgl. Suid. s. v. lag' Zsis — ^isrißaXi v
Vgl. &&6vog. [Stoll.] avzrjv nozi fiiv sig livxrjv ßovv, böte os slg
Involuti Dii, Gottheiten der Etrusker, iSe»e«!, psluivciv, nozi d« lägovoav. Die Liebe des
Q. Not. 2, 41: adhibitis in consüium diis, quos Zeus zur lo soll vonlynx, der Tochter der
superiores et involutos voeavit. Gerhard, Ges. Echo oder Peitho, durch Bezauberung erregt
A%. Abh. 1 p. 287 u. Anm. 17 auf p. 30S. sein; sie wird zur Strafe dafür von Hera in
[Drexler.] Stein oder in einen Vogel verwandelt, Phot.
Io ('icö), Tochter des Inachos, nach Aesch. 50 ed. Pors. 118, 11. Schol. Pind. Nem. 4, 56.
Prom. 589 zqg olazgoSi-vrizov -nogiqg zrjg 'Iva- Schol. Theokr. 2, 17. Nach Aesch. Prom. 640
plag. Sqp/>. El. 4. fr. 248 ff.; vgl. Fco: 1, 1. wird Io durch nächtliche Traumgebilde auf-
Kallim. h. 3, 254. ep. 57. 58. Diod. Sic. 3, gefordert zum lernäischen Wasser zu gehen,
74, 1. 5, 60, 4. Lue. de sedt. 43. Aristid. 1, 3S. um dort in den Armen des Zeus zu ruhen;
Fhilostr. vit. Ap. T. 1, 19. Et. m. 206, 25 s. v. als sie dies dem Vater erzählt, sendet Inachos
Bovßaozig. Suid. s.y. 'icö. Paus. 1,25,1. 3,18,13. Boten nach Delphi und Dodona, um zu er-
Steph. Byz. ethn. 178. Schol. Apoll. Eh. 2, 168. fahren, was zu thuu sei; die Orakel befehlen
Pseudoplut. de fluv. 18 (1032). Parth. er. 1. dem König, seine Tochter aus dem Hause und
Nonn. Dion. 3, 261 u. a. Ov. met. 1, 584. art. dem Lande zu treiben, wenn er nicht durch
am. 3, 464. fast. 1, 464. 3, 658. Fuc. Phars. 60 Blitzstrahl vernichtet werden wolle; und er,
6, 362. Verg. Georg. 3, 153. Martial. ep. 11, wenn auch widerwillig, gehorcht dem Befehle.
47,4.2,14,8. Val. Fl. 4, 350. Hygin. /'.155. Nach Io ist sofort verwandelt" und bald in der Be-
Hesiodos und Akusilaos dagegen ist sie Tochter wachung des Argos. Was ihre jungfräuliche
des Feiren, Apollod. 2,1,3. Herodian. techn. Schadhaftigkeit vei-schweigt, wird deutlicher
rel. 1, 17, 10. 2, 923, 7; vgl. Maafs, comm. de in den Suppl. 291 ff. bezeichnet. Danach wird
Aesch. Sujtyl. (Greifswald 1890) S. 31. Andere sie von Hera in eine Kuh verwandelt (ßovv
nennen den Iasos als ihren Vater, Plut. de zi]v yvvaC-K.' t&rjKsv 'Agyst'a fl'fo's), und Zeus
mal.Ser. 14 (857F). Puws.2,16. Steph Byz. ethn. naht Bich ihr als Stier (irgt-novza ßov&ogm
265 Io (Mythus) Io (Mythus) 266
ravga Sifiag; vgl. Mart. ep. 11, 47, 4 mtctari Tochter Io, in die sich Zeus verliehte. Sein
melius tauro, pater optime divum, tunc poteras, Diener Hermes erschien in Argoa und unter-
Io cum tibi vacca fuit. Die Übereinstimmung hielt König und Volk, während der Herr mit
ist wohl nur scheinbar und zufällig), Norm. Io koste; Plutos selbst sollte eingezogen sein.
Dion. 1, 335; erst dann stellt Hera als Wächter Das Wasser des Inachos schwoll, befruchtete
xbv 7iuv&' bgmvxa Argos hin. Auch Luc. deor. die Ebene, sie trug hundertfältige Frucht, alle
dial. 3 läfst durch Hera die Verwandlung vor- Scheuern füllten sich, jedes Haus bot jedem
nehmen (^rjlozvnriaaaa [LSxzßaXsv avxrjv; Ovid gedeckten Tisch, es war eitel Herrlichkeit wie
met. 1, 590 benutzt die Dichtung des Aeschylos, im Schlaraffenland. Aber die eigentliche Landes-
insofern Zeus bei ihm die Io auffordert in den io herrin Hera ward mit Zorn der bösen Dinge
Wald zu kommen, schliefst sich aber sonst der inne, die ihr Gatte trieb, sie sandte ihre Dienerin
gewöhnlichen Sage an. Auf die Verwandlung Iris, die die Eindringlinge vertrieb, und es kam
durch Hera scheint auch das Relief am Thron eine schlimme Zeit. Die belebenden Gewässer
des arnykläischen Apollo hinzuweisen (Paus. blieben aus, die Felder verdorrten, Inachos
3, 18, 13 "Hga äl äcpogä ngbg 'la zrjv 'lvä%ov selbst ward fast zu einer trockenen Mumie,
ßovv ovaav r\Sri). Argos läfst die Io in der Spinneweben füllten die leeren Scheuern. Io
Nähe von Mykene weiden (nach Schal. Hom. ß ward zur Kuh und ein schauerlicher Wächter
120 ist die Stätte nach Mykene , der T. des safs neben ihr und blies die Schalmei, während
Inachos, Gemahlin des Arestor, benannt, nach die Menschen die gute alte Zeit feierten. —
Steph. Byz. aber hat es vom Brüllen der Io 20 Dafs ein glückliches Ende kam, indem Argos
seinen Namen), wo noch in späterer Zeit der durch Hermes erschlagen ward und Hera sich
Hain, ja der Baum gezeigt wurde, an welchen versöhnte, ist selbstverständlich." Von Mit-
der Hirt die Kuh angebunden hatte (vgl. Soph. leid für Io ergriffen sendet Zeus den Hermes
El. 4 T/js oiexgoxXrjyog aXcog 'lva%ov nögrig. ab, um den Argos zu töten und die Geliebte
Plin. n. h. 16, 239 Argis olea etiamnum du- zu befreien. Hermes tötet denselben (im Prom.
rare dicitur ad quam Io in taurum mutatam 680 wird Hermes nicht genannt), Aesch. suppl.
Argus adligaverit ; vgl. Steffen, Karte von My- 290. Ov. am. 2, 2, 45, nach Et. m. 136, 53
kenae S. 39 [oder in Nemea] nach Luc. deor. Xi&cp ßaXcöv, oder mit der Harpe (Ov. met. 1,
dial. 3). Von andern wird der Weideplatz nach 718. Yaler. Flacc. Arg. 4, 350 f. Lucan. Phars.
der Insel Euboia versetzt, Hesiod fr. 47 die 30 9, 663 harpen alterius monstri iam caede ru-
Insel sei früher Abantis genannt und habe den buntem); über Argos s. Bd. 1 Sp. 537; nach
Namen erst durch die Io erhalten (Lobeck, Et. Guä. ed. Sturz 72, 54 war Argos ein mit
Aglaoph. 1131), oder weil xf/ "Iolöi. sig ßovv vielen Augen versehener Hund, den Hermes
fitzttßlri&tiori iy.Eias nollug ßotavag r\ yrj tötete (davon der Name 'Agysicpöwris), offenbar
ißldotrjGi Et. m. s. v. Evßoia u. äipsaiog durch Annäherung an Hom. g 292. Hera ver-
Zeus. Vgl. Steph. Byz. ethn. 114, 1 tönog wandelt den Argos in einen Pfau, oder schmückt
rijs Evßoiag'Agyovga öitov Soxsi xbv Ilavoiixrjv den Schwanz des Pfau mit den vielen Augen
'Ep/xijs iiztpovsvKhvcti. Strabo 10, 1, 3 erwähnt desselben, Schal. Aristoph. av. 102. Oppian
dort Bobg avXrj , so genannt, weil dort Io ixeut. 1, 24. Mosch, rel. 1, 55. Westermann,
Mutter des Epaphos geworden sei; vgl. Eustath. 40 myth. S. 347 Anonym, misc. 6. Ov. met. 1, 722.
ad Hom. 278, 30. Maafs, Comm.de Aesch. suppl. Nach Ov. met. 1, 690 schläfert Hermes den
Greifswald 1890 S. 21. 28. Auch nach Afrika Argos durch seine Erzählung von der Syrinx
wird der Weideplatz verlegt, Lycoph.r. 835 Schal. ein. Durch den Tod des Argos erhält Io
qiaal Ss ort iv Al&ioniu 'Egfiijj cpvXdxxoiv v.ctxd noch nicht die ersehnte Freiheit; Hera sendet
ßovlrfiiv diog xriv 'Ico, Iva (irj ßXctßy vno xrjg nämlich den olaxqog, eine Bremse, welche die
"Hgag, Kai Sitpi^aag iXänxias xr/v yt[v xai ävi- Kuh über Länder und Meere treibt (Aesch.
Somtv vScog' 6&ev xal 'Egfj,ov nxigva -naXsixai. Prom. 589 olaxgoSiviqxog, 681 OLaxgo-nXrj^. Suppl.
Dafs die Erde Blumen und Gräser für die Ge- 541 oi'oxga igseaotiiva, 572 olaxgoSovrjxog.
liebte des Zeus emporspriefsen läfst, wird aufser Verg. Georg. 3, 153; vgl. Arcli. Zeit. 1873
im Et. m. auch bei Westermann, myth. S. 373 50 S. 87. Nach Vol. Fl. Arg. 4, 350 wird Io
append. narr. 33 erwähnt, und zwar la mit von der Tisiphone über das Meer gescheucht.
Anspielung auf den Namen. Mit der von Argos Auch bei Pseudoplut de fluv. 18 (1032) ist
bewachten in eine Kuh verwandelten Io läfst Tisiphone die Scheuchende; sie wird aber
Vergil Aen. 7, 789 den Schild des Turnus nicht gegen Io, sondern gegen den Inachos ge-
verziert sein; auffällig ist dabei die Gegenwart sandt, weil er den Zeus mit seinen Schmähungen
des Flufsgottes Inachos (caelataque amnem verfolgt; s. 0. 'Inachos'. Nach Aesch. Prom. 829
fundens pater Inachus urna). Eigentümlich kommt sie auf ihren Irrfahrten zuerst nach
ist die Gestaltung der Sage, welche Sop>holcles Dodona, wo sie als Gattin des Zeus begrüfst
in seinem Inachos vorgenommen hat. Nach wird, und geht darauf durch das Meer, welches
v. Wilamowitz , Euripides Heroldes 1, 88, 53 60 nach ihr 'ioviov genannt wird. Weiterkommt
war das Stück, welches von andern (s. Nauclc, sie zu dem angeschmiedeten Prometheus,
fr. Soph. 248 ff.) als Satyrdrama betrachtet welcher ihr die weiteren Irrfahrten und Schick-
wird, vielmehr eine an Stelle des Satyrspiels sale verkündet (703—734. 790—815). Auch
gegebene Tragödie mit folgender Hypothesis: in den Suppl. 538 ff. werden ihre Irrfahrten
,,In Argos herrschte König Inachos, der Gott aufgezählt, vgl. Schütz zu dessen Ausgabe des
des Flusses, dessen Gewässer vom fernen Acschylus 1 S. 170 — 178. Vgl. Eur. Iph Taur.
Pindus stammen, und soweit reichte denn auch 394 i'v' olaxgog 6 Ttoxtifievog 'Agyo&ev a'gtvov
des Königs Herrschaft. Er hatte eine schöne ht ' oiS/j.a ÖLinsgaai 'Aetrjxiäa yaiav Ei gwnag
267 Io (Mythus-) Io (Mythus) 268
Sictß si'ip ctg. Athen. 14, 619 zovg Xiyonivovg 'iovg Entschädigung für sie habe der König von
ägöuovg; vgl. Eoschcr, Lex. 1, 2817. Von den Ägypten dem Inaehos einen Stier gesandt; da
Irrfahrten der Io soll den Namen erhalten Inaehos inzwischen gestorben sei, hätten die
haben zb 'iöviov nelnyog (Aesch. Prcm. 839. Boten des ägyptischen Eönigs den Stier im
Schol. Apoll. Eh. 4, 308\ ferner der Bosporos, Lande umhergeführt und den Einwohnern ge-
Acsch. Prom. 732, Schul. Apoll. Eh. 1, 1114. zeigt. Palaiph. de incred. 43 läfst sie, weil
2, 168. Et. m. 205, 35. Steph. Bf/z. ethn. 177, 8. sie während ihres Priesteramtes die Keuseh-
Appian. de hello Mithr. 101. Müller , fr. hist. heit verletzt hat, mit Kaufleuten nach Ägypten
3, 593, 35. Eustoth. ad Dion. 140 vctl nvrj/ia fliehen und dort Mutter werden; Argiver,
rov nögav zovzov riczrjii£ ßovg xaXv.ij, vozigm io welche nach ihr ausgesandt sind, fesseln sie
nozs iQÖvrp v-nb Xahtrj&ovtmv iSgv9ltea, vgl. und sagen ciicnig ßovg olezgfjcaaa äiacpsvysi
dagegen Steph. Byz. ethn. 178. Dort wird auch tlg Ai'yvnzov. Ahnlich bei Mythogr. ed.
ein Ort JcifiaXig erwähnt, in Bezug auf welchen Westerm. 324 (Anonym, de incred. 15), wo sie
Niatas Clwn. Man. Com. S. 140 A. Leo gramm. T. des Arestor genannt wird; als Priesterin
S. 490 A. Cinnamus S. 58 A. Tzitzes Chil. 1, der Hera wird sie schwanger, vnb zfjg etepgo-
829 zu vergleichen sind. Polyh. 4, 43. 44 nennt Siaiov äxiir]g fisCi.cov aal -AaXXicov avzijg scpai-
den Ort Bovv, vgl. Anth. Pal. 7. 169. G-illius vszo, d>g v.ai (3oü<; vnb zäv 'Agysicov Inovofid-
de Bosp. Thrac. 3, 9. Forbiger, Gecgr. S. 390. ff Girat. Arestor läfst sie bewachen, cpvXctv.a
Müller, fr. hist. 4, 148, 6 avzi] äi Trgbg zb iniazr^aag ctvzfj zbv rfjg finzgbg äSfXcpbv "Agyov.
y.aXovfiivov Kfgag fnavfX9ovca, zoig ivoiy.ovai 20 Ein t7itywgiog, 'Egficicov, tötet ihn. Io steigt
7rQo&soitt'£ovea zd ieb/ifva naget zbv Zsusorgrjg zu Schiff, wird vom Sturm durch das ionische
ßwnbv zr)v _ Xsyoiisvrjv Kfgöfaactv eins y.vrjas Meer getrieben und nach 'Aiglct gebracht, wo
■ungrjv , ff rg y.al Kfgag b zönog wvr'uctBrai. sie wegen ihrer Schönheit als Göttin verehrt
Von dieser Krgoeßoa oder Kgsovca und Poseidon wird.
entstammt dann Bvtag, von welchem Byzanz Eine abweichende Sage findet sich bei Suid.
den Namen hat, vgl. Et. m. 217, 27. Norm. s. v. 'im. Danach wird Io, T. des Inaehos, von
Dion. 3, 366. Steph Byz. ethn. 189, 20. Andere LTrjyog b y.a\ Zfü? geraubt und wird von ihm
lassen Io sofort nach dem Tode des Argos Mutter der Aißvn; Xvitrftslea snl zfj ätacpogä
nach Ägypten gelangen, Luc. deor. dial. 3 (Her- f'cpvysv sie tö SiXnwv bgog Kctv.sC zfXfvzä.
mes soll die Io Sid zov nfXayovg nach 30 Ihr zu Ehren wird von ihrem Vater und ihren
Ägypten führen, vgl. dial. mar. 7); dafs Poseidon Brüdern in Syrien 'lomoXig gegründet, zu ihrem
bei der Liebschaft des Zeus hülfreiche Hand Andenken schlagen sie dort jährlich an die
bietet, sagt auch Aristid. 1. 38. Nach Suid. Thüren und rufen 'Im, 'icö, oder 'iovg tyvxb,
s. v. 'Iaig begleitet Zeus selbst die in eine Kuh owt,io9m; vgl. Malala 28. Müller, fr. hist. 3,
verwandelte Io auf ihren Wanderungen. Die 640. Chron. Pasch, ed. Par. 41. Cedren. 21.
Ankunft derselben in Ägypten wird bei Mosch. Liban. 287. Dafs Io nach ihrem Verschwinden
rel. 1, 44 geschildert. Tisiphone, welche ihr gesucht wird, berichten auch andere; vgl.
voraneilt, um ihr das Land zu verschliefsen, Maller, fr. hist. 4, 313; so wird Kvgvog aus-
wird vom Nil fortgetrieben, Val. Fl. Arg. i, gesandt, nach Diod. Sic. 5, 60, 4, welcher
409. In Ägypten wird sie freundlieh auf- io nach langem vergeblichen Suchen in Karien
genommen, von Zeus durch Auflegen der Hand die Stadt seines Namens gründet, ferner Tripto-
geheilt und wird Mutter des Epaphos (mit lemos nach Strabo 16, 2, 5, dessen Begleiter
falscher Deutung des Namens), Aesch. Prom. Tarsos gründen (ebend. 14, 5, 12), während er
846. Suppl. 1065. Nonn. 3, 285 u. a. St., vgl. selbst bis nach Antiochia geht; von seinem
Maafs, de Aesch. supplieibus commentatio, Sohn Gordys soll bei dieser Gelegenheit Gor-
Greifswald 1890. Mcsch. rcl. 1, 50, nachdem dyaia gegründet sein (vgl. Steph. Byz. ethn.
Hera versöhnt ist, Ov. inet. 1, 738. am. 2, 19, 211, 17). Auch nach Gaza soll Io gekommen
29. Luc. dial. mar. 7 dagegen läfst die Heilung sein, vgl. Steph. Byz. ethn. 194, 1. 333, 11
durch Hermes vornehmen. Et. m. 206, 25 s. V. 'imvrj yctg nal fj rd£a iyaXfizo etnb 'Iovg, ßovv
Bovßaeig wird erzählt, dafs bei der Landung 50 f%ovaa nXnowv iv zfj elxovi. Selbst in Ninos
der Io in Ägypten der König von den Spuren, wollte man wegen eines mit Hörnern ver-
die sie im Sande zurückliefs, ihr den Namen sehenen Frauenbildes Spuren der Io finden,
Io gegeben und den Ort änb zfjg zov ßobg Phil. vit. Apoll. Tyan. 1, 19.
ßaofcog Boiißaots genannt habe. Nach diesen Orten soll Io übrigens auf
Frühzeitig ist der Mythus pragmatisch ge- einer zweiten Wanderung gekommen sein, auf
deutet worden; schon Ilerod. 1, 1 erzählt, dafs der Suche nach Epaphos, vgl. Hygin. f. 150
nach der Behauptung der Perser die Tochter postquam Ltino vidit Epapho ex pellice nato
des Königs Inaehos von phönizischen See- tantam regni potestatem esse, curat in venaiu
räubern auf ihr Schiff gelockt und nach Ägypten ut Epapihus necaretur Titanesque hortatur Lo-
weggefübrt worden sei; dagegen (5) werde von 60 rem ut regno pellant. Apollod. 2, 1, 3 zovzov
den Phöniziern erzählt, dafs Io, weil sie eine (zbv "Enatpov) "Hgct Sflzcti Kovgi]zmv ctcpavrj
unerlaubte Verbindung mit dem Führer des itoifjaaf ot äs r)q>ävtoav avzbv y.al Ztt>? ai'o&6-
Schiffes eingegangen war und die Folgen fiti'og xrftVft Kovgnzag, 'la> ds snl £rirnatv
fürchtete, freiwillig mit den Phöniziern wegge- izgcinizo; vgl. Lobeck, Aglaoph. 1131. Nach-
segelt sei; vgl. Plut. de mal. Her. 11 (856 E). dem sie den Epaphos in Syrien gefunden
Ahnlich lautet die Sage bei Ephoros (Schol. hatte, vermählte sie sich mit Telegonos, dem
Apoll. Eh. 2, 168, sie sei von Phöniziern ge- König von Ägypten (Apollod. 2, 1, 3); erst aus
raubt und nach Ägypten geführt worden; als dieser Ehe soll nach Euseb. chron. ad a, 481
269 Io (Mythus; Deutung) Io (Deutung) 270
Epaphos geboren sein, s. Burmann ad Ov. Die ursprünglich in Argos heimische Sage ist
mit. 1, 747; vgl. Pott, Stucl. zur griech. Myth. frühzeitig mit Euboia in Verbindung gebracht
Jahns Jahrb. Suppl. 3, 293. Heyne, obscrv. worden, so dafs Io dort selbst den Sohn ge-
ad Apoll. S. 103. Nach Sehol. Eur. Or. 932 boren und ihre Gestalt wieder erlangt haben
dagegen ist Telegonos der Sohn des Epaphos. soll; erst als nach der Ersehliefsung Ägyptens
Erwähnt sei noch, dafs nach Schol. Arat. 161 die Griechen in Ägypten die Isis kennen
Io als Priesterin der Hera den Trochilos ge- lernten, glaubten sie in dieser ihre heimische
biert, qui aurigandi arte inventa in caelo Io wieder zu finden, und so entstand die
Aurigae sidus fattus. Auch Dionysos soll von Meinung, dafs Io auch nach Ägypten ge-
Io geboren sein, vgl. Diod. Sic. 3, 74, 1 xov io kommen sei und dort ihre menschliche Gestalt
äsvzsgov diovvaöv q>aaiv j£ 'Iovg xrjg 'Iväxov wieder gewonnen habe. Dafs sie geradezu mit
Jii ysvig,svov ßcxaiXsvocu fiiv xrjg Aiyinxov, ,der Isis gleichgesetzt und dafs sie als Göttin
y.uxct§si%ai Ss rag xsXsxag, jedenfalls indem verehrt wurde, scheint aber erst das Werk der
man Io„der Isis gleichsetzte, Diod. Sic. 1, 24, alexandrinischen Zeit zu sein, wo der Kultus
8; vgl. Io. Lyd. de mensura S. 78. Kallim. ep. der Isis sich auch über Griechenland verbrei-
58. Et. m. 476, 50. tete {E. View, Neue Jahrb. 102 S. 669). Dafs
Durch Epaphos wird Io Stammmutter des Ägypten an Stelle von Euboia getreten sei,
Danaos u. s. w., Aesch. suppl. 17. Pollux onoin. ist auch die Ansicht von Maafs, de Aeschyli
3, 60, daher heifst sie ngöyovog ßovg (Aesch. suppl. comment. Greifswald 1890. Die weitere
suppl. 42), TTQOiiäxcoQ (Eur. Phoen. 677. 829), 20 Hineinziehung von Iones Iopolis, Antiochia,
TzaXcttojiärcoQ (Eur. suppl. 628). Als ansQfiax' Gaza u. s. w. ist offenbar gleichfalls in der
svxsxvov ßoog bezeichnen sich die Danaiden Zeit entstanden, wo griechischer Einflufs sich
bei Aesch. suppl. 275. über den Orient verbreitete und die Griechen
Io wird schliefslich als Sternbild an den überall bemüht waren, _ auch bei fremdartigen
Himmel versetzt, vgl. Hygin. astr. 2, 21 non- Völkern in zufälligen Übereinstimmungen An-
nulli ahmt, cum Io in bovem sit conversa, itt klänge an ihre eigene Religion zu finden.
Iupiter ei satisfacere videretur, inter sidera Dafs man bei diesen neuen Wanderungen der
constituisse , quod eins prior pars appareat ut Io sich bewufst an die Wanderungen der Isis
tauri, sed reliquum corpus obscurius vidcatur. anlehnte, liegt deutlich zu Tage.
Eratoith. catast. 14 sxsooi äs qpa« ßovv slvai 30 Dafs der Mythus der Io von Argos sieh
xr)g 'Iovg fii'firjfia. Bei den Römern wird sie über ganz Griechenland verbreitet hat und ein
für Anna Perenna erklärt (Ov. fast. 3, 658 einigermafsen volkstümlicher geworden war, das
sunt quibus haec luna est, quia mensibus im- zeigt der Umstand, dafs Tragiker und Komödien-
pleat annum, Pars Tliemin, Inachiam pars dichter ihn öfter bearbeitet haben; des Aschylus
putat esse bovem). Prometheus und die Supplices sind vielfach oben
Dafs Io den Mond bedeutet, der von Argos erwähnt, ebenso der Inachos des Sophokles;
dem gestirnten Himmel bewacht wird, ist auch Euripides nimmt vielfach auf den Io-
vielfach angenommen; es heifst geradezu, dafs mythns Bezug; vgl. aufser den angeführten
in der Sprache der Argiver das Wort £ü den Stellen Phoen. 247 rag xsQaecpögov 'iovg, ebd.
Mond bezeichnet habe, vgl. Herod. techn. rel. 40 1115 Argos als Schildzeichen des Hippomedon,
1, 347, 30 lea rrzoi asXr]vr], im yo>Q r\ asXr\vr\ ferner wird erwähnt eine Tragödie des Ghai-
■hutu xr\v xäv 'Aqyslav SiccXskxov; vgl. Suidas remon 'ld> (Athen. 13, 608D); von den Komödien-
s. v. 'Im. Eustath. zu Dionys. 92 (S. 23). Auch dichtem hat Aristophanes häufig auf diesen
koptisch soll ioh = Mond sein (Eofs, Italiker Mythus angespielt, andere, wie Plato (Corp.
u. Gräben S. 84 nimmt den Mondgott loh I. Gr. 1, 230), Anaxilas, Sannyrion scheinen,
weiblich als die gehörnte Io an). wenn anders Meinekes Vermutungen richtig
Doch hat Pleiv wohl recht, wenn er (Neue sind (com. fr. 674), ganze Stücke daraus ge-
Jahrb. 1870, Bd. 102 S. 665) behauptet, dafs nommen zu haben. Von den lateinischen
diese Bedeutung des Wortes lä eine falsche Tragödiendichtern hat Attius die Fabel be-
Annahme sei, und sich gegen die Beziehung 50 handelt (Bibbeck, fr. tr. 386). Dafs noch zu
der Io auf den Mond und des Argos auf den seiner Zeit der Stoff für Tragödien üblich
gestirnten Himmel erklärt. Auch Ovtrbeck war, beweist Horaz, indem er unter anderen
(commentatio de Ione telluris non lunae deo. Stoffen auch die losage anführt (ep. 2, 3, 123,
Progr. der Univers. Leipzig 1872) weist die vgl. Ov. am. 1, 3, 21 Carmine nomen habent
Zurückführung auf den Mond zurück; seine exterrita cornibus Io) , und auch der Mimus
eigene Deutung als Erdgöttin wird aber von liefs sich die vom Ärgos bewachte Io nicht
E. Pleiv (Neue Jahrb. 107, 1873 S. 697) mit entgehen (Lucian. de salt. 43). Nicht weniger
Erfolg bekämpft; neuerdings ist von Stecke im zahlreich sind die Behandlungen des Stoffes
Progr. des Friedrichsgymn. zu Berlin 1885 bei den Alexandrinern (Kcdlimachos dichtete
(Beiträge zur genaueren Erkenntnis der Mond- w'fovg aqu'^tg, Moschus läfst den Korb der
gottheit bei den Griechen) die Deutung auf den Europa mit dem Mythus der Io verziert sein,
Mond wieder aufgenommen, aber nicht be- auch bei Nonnus wird auf den Mythus viel-
wiesen worden. Man wird gut thun, mit fach angespielt, u. a. m., und von den Lateinern
E. Plew zu behaupten, dafs die Naturbedeutung haben Vergil , Ovid, Valer. Flacc. u. a. die
des Mythus noch nicht mit Sicherheit auf- Sage vielfach erwähnt, ja ausführlicher er-
gefunden worden ist. zählt.
In Bezug auf die allmähliche Entwickelung Über die Art, wie Io von den Alten dar-
des Mythus scheint folgendes sich zu ergeben. gestellt wurde, habe ich in meiner Disser-
271
Io (Bildwerke')
Io (Bildwerke1)
272
tation de Tone dissertatio archaeologica , Halle
1868, nachgewiesen, dafs drei Perioden zu
scheiden sind; in der ältesten Zeit stellte man
sie als Kuh dar; darin ist wohl durch den
Einflufs der Tragödiendichter, welche eine Kuh
nicht auf die Bühne bringen konnten (vgl. de
Ione S. 33) ein Wandel eingetreten, man hat
an Stelle der Kuh eine kuhgehörnte Jungfrau
gesetzt, ßovnsgmg nag&svog, wie Aesch. Prom.
588 sagt, vgl. suppl. 569 ßozbv SGogävzsg
Sv6%iQtq u(|öfi(3poToi', zav jiej' ßoog, zav 8' av
yvvai-nög. Ob Aschylus zuerst dies gethan
hat, kann fraglich erscheinen, es hängt zum
Teil davon ab, welcher Zeit der Prometheus
angehört. Da nämlich iu den Suppl. die
Person der Io nur erwähnt, nicht auf die
Bühne gebracht wurde, lag für dies Stück
keine Nötigung vor, von der alten Form der
Kuh für Io abzugehen; für den Prometheus
dagegen, wo Io selbst auftrat, war die Änderung
nötig; demnach wäre nur unter der Voraus-
Hermes, Argos, Io, Vasenbild (nach Mon. d. I. 2 Taf. 59 Fig. 1); vgl. Ocerbeck,
Runstm. Zeus S. 137.
setzung, dafs der Prometheus früher aufgeführt
wurde als die Supplices, die Schilderung der
Gestalt der Io in den Supplices erklärlich.
Sind aber die Supplices älter als der Pro-
metheus, dann würde die Einführung der neuen
Gestalt wohl einem Vorgänger des Aschylus
zuzuschreiben sein. Zu der angegebenen Zeit
gelangt man auch durch die Betrachtung der
Vasengemälde; während nämlich die schwarz-
flgurigen und die frühesten der rotfigurigen
die Io als Kuh dargestellt zeigen, erscheint
sie auf den späteren Denkmälern als kuh-
gehörnte Jungfrau. Eine Schwierigkeit bleibt
allerdings bestehen. Wie oben ausgeführt,
ist es wahrscheinlich, dafs die Ausdehnung
der Irrfahrten auf Ägypten erst angenommen
werden konnte, nachdem Ägypten erschlossen
war: dadurch, dafs die Griechen ihre Io in
der dort vorgefundenen Isis wiederfanden.
Dann mufste Io aber schon als kuhgehörnte
Jungfrau gebildet worden sein, da man zwischen
der Iokuh und der bis auf die Mondsichel
menschlich gebildeten Isis (vgl. Herod. 2, 41
zo yäg rijg Ioiog ciyt(Xi.ia iov ywaturiiov ßov-
negmv tezi, Kcizäriig "EXXrjvsg zrjv 'Iovv ygd-
cpovai) keine Ähnlichkeit finden konnte. Man
darf in diesem Punkt wohl auf Grund der
Denkmäler, die eine ziemlich sichere Datierung
gestatten, auf den mythologischen Vorgang
zurückschliefsen und annehmen, dafs die Ver-
knüpfung der Io mit Ägypten ungefähr am
Anfang des fünften Jahrhunderts zur Zeit der
Perserkriege stattgefunden hat, nachdem einer
der frühesten Tragiker zum Zweck scenischer
io Vorführung die Kuhgestalt der Io aufgegeben
und durch die einer kuhgehörnten Jungfrau
ersetzt hatte. Sollte eine verhältnismäfsig so
junge Verbindung der Io mit Isis nicht für
möglich gelten, würde man zu der Vermutung
geführt werden, die Furtivängler , Jahrb. ä.
Inst. 3 S. 223 in Bezug auf die berühmte
Dioskuridesgemme in Florenz ausspricht; an
Stelle der bis dahin üblichen Benennung als
Io möchte er die der Artemis Tauropolos
20 setzen, indem er meint, dafs „die entsprechende
Bildung der Io, die man als Andeutung der
Verwandlung fafst, vielmehr
eigentlich die eines Kult-
bildes gewesen sein wird,
aus welchem ätiologisch erst
die Verwandlungssage ent-
stand. Die zur Heroine herab-
gedrückte Io wird im Wesen
der Tauropolos gleich ge-
wesen sein". Bei dieser An-
nahme würden die oben an-
gedeuteten Schwierigkeiten
verschwinden, aber gegen die
Richtigkeit derselben spricht
doch entschieden der Um-
stand, dafs die ßovxsgcog 7cag-
fi-hog in Wort und Bild erst
mit Beginn des fünften Jahr-
hunderts auftaucht, während
sie vorher immer als Kuh
erscheint. — In der dritten
Periode endlich, derjenigen
der schwindenden Kunst,
kehrt man wieder zu der alten Form zurück
und stellt die Io als Kuh dar.
Aus dem Altertum werden folgende Dar-
stellungen der Io erwähnt: Die älteste fand
sich am Thron des amykläischen Apollo, Paus.
3, 18, 7 Hga ät icpogü itgog 'ld> ttjv 'lvct%ov
50 ßovv oveav rjäij. Ob nur die beiden erwähnten
Figuren zugegen waren, oder ob auch Argos
anwesend war, läfst sich nach der dürftigen
Notiz nicht mit Bestimmtheit sagen; es wird
die Entscheidung hierüber erst dann möglich
sein, wenn es gelingen sollte, zu bestimmen,
welches Bild dem der Io genau entsprach.
An die zweite Stelle dürfte das von Plin. n. h.
35, 32 erwähnte Bild des Nicias gehören (fecit
et grandis picturas in quibus sunt Calypso et
60 Io et Andromeda), an dritter die von Paus.
1, 25, 1 erwähnte Statue des Deinomenes auf
der Akropolis yvvaixctg öi nXr\oiov Ast,vo^Bvrjg
'ia zr\v 'Iva%ov v.ai KctXXiozri zf]v Avxciovog
ntTToirjxEv, txig autpoztguig sGzlv eg aTtav Ofiota
bii]yrifittza' i'gcog Aibg hk! "Hgctg ögyi] xai äX-
Xaxh, z>j iiiv Ig ßovv, zfi Ss ig ag-nzov. Aus
den Worten aXXu%h, zfj fiiv ig ßovv, zfj Ss ig
dg-nzov darf man nicht schliefsen, dafs Io und
273
Io (Bildwerke)
Io (Bildwerke)
274
Kallisto als Kuh bez. Bärin
dargestellt seien, sondern
da es sich um Einzel-
statuen handelt, ist es
ohne weiteres klar, dafs
Frauengestalten darge-
stellt sein rnufsten, denen
nur durch Hinzufiigung
besonderer Kennzeichen,
also der Hörner bei Io, des
Bärenfelles bei Kallisto,
der individuelle Name ge-
sichert war. Zu diesen
ehemals wirklich vorhan-
denen Denkmälern kom-
men noch mehrere von
Dichtern erwähnte , bei
denen es fraglich bleiben
mufs, wie weit die Dich-
ter sieh an wirklich vor-
handene Kunstwerke an-
geschlossen haben, 1) das
Schildzeichen des Hippo-
medon bei Ew. Phoen.
1115 gtixtois navonzr\v
'6fX(iaaiv SiSoQxoTa, xa
usv avv aatQmv tmxolui-
etv ofiiiaxa ßlinovxa, rä
Ss KQV11XOVXU SwOVXlOV
fiixu. Dafs die Beweglich-
keit der Augen jedenfalls
dichterische Zuthat ist,
braucht nicht erst beson-
ders hervorgehoben zu
werden. 2) Der Mythus
der Io wird von Mosch.
\el. 1, 44 als Schmuck
des Korbes der Europa
benutzt; man unterschei-
det drei Scenen, a) Io
setzt über das Meer , b) sie
erlangt ihre frühere Ge-
stalt wieder, c) Tötung
des Argos durch Hermes
und Verwandlung des er-
steren in den Pfau. 3 > Vera.
J.ew.7,789 läfst den Schild
des Turnus mit einer Dar-
stellung d. Io geschmückt
sein : at levem clipeum
sublatis comibus Io auro
insignibat, iam setis obsita,
iam bos, argumentum in-
gens, et eustos virginis Ar-
gus caelataque amnem futi-
dens patcr Inachus urna.
4) Quint. Smyrn. 10, 190
läfst einen Köcher ver-
ziert sein mit der Tötung
des Argos : 'Epftfüjs 'ivä-
%ov äficpl git&Qct nuxa-
■nxfivtov (iiyav "ÄQyov, oq
ocpftctliiolciv afioißad'ov
V71VCÖ£GK£V.
Die uns erhaltenen
Denkmäler können am
besten in drei Klassen
eingeteilt werden , die
275
Io (erhalt. Bildwerke)
Io (erhalt. Bildwerk ei
276
erste enthält die auf die Brautwerbung des
Zeus bezüglichen, die zweite die Bewachung
durch Argos und dessen Tod, die dritte die
Ankunft in Ägypten.
Mit Rücksicht auf mein
Verzeichnis der bekann-
ten Denkmäler in der
oben erwähnten Disserf.
de lone (Halle 1868),
einen Kranz: vor ihr steht, mit ihr im Ge-
spräch begriffen, Zeus mit Scepter, hinter ihm
eine Frau, welche einen Vogel in der Hand
hält. Links vom Eultbild steht Argos mit
Keule und Diptychon, weiter zurück Hera, im
Hintergrund wird Eros mit Reifen und Stab
und ein Satyr sichtbar. Es handelt sich offen-
bar um das Liebeswerben des Zeus; Io sucht
Zuflucht bei dem Bild der Hera, diese selbst
a ein Verzeichnis, welches io kommt überraschend hinzu, und die Gegen-
Hermes (als Argostoter),
Argos und Io (als Kuh),
Gemme (nach ihn. d. Inst.
2, 59, 9).
von Overbeck in seiner
Gr.Kunstmythol. 2 S. 465
wesentlich vervollstän-
digt ist, und auf die von
mir gegebenen Nach-
träge Arch. Zeit. 1870
S. 37. 1873 S. 1-24, vgl.
noch Arch. Zeit. 1868
S. 112. 1874 S. 112, kann
ziehten, ein vollständiges Verzeichnis zu gebeu,
sondern kann mich damit begnügen, diejenigen
Denkmäler, welche hier abgebildet oder be-
sonders wichtig sind, zu besprechen.
wart des Argos deutet auf die bevorstehende
Verwandlung der Io und ihre Bewachung
durch den Jüngling bin. In Bezug auf das
Diptychon mufs ich trotz Overbecks Wider-
spruch an dem, was ich de lone S. 8 ausgeführt
habe, festhalten, dafs uns darin ein dem Drama
entlehnter Zug erhalten ist.
Für den zweiten Teil, die Bewachung
durch Argos und die Tötung desselben durch
ich hier darauf ver- 20 Hermes, ist vor allem das palatinische Iobild
wichtig (Overbeck, Atlas T. 7, 11). Io mit kleinen
Hörnern auf der Stirn (das eine wenigstens
ist deutlich zu erkennen) sitzt in trauriger
Haltung vor einer Säule, auf welcher ein
Bild jedenfalls der Hera steht;
neben ihr steht, sie aufmerk-
sam betrachtend, der jugend-
liche Argos, einen Speer auf-
stützend ; hinter der Säule
kommt mit Kerykeion , was
in eine Spitze auszugehen
scheint, versehen, Hermes her-
vor. Dem letzteren ist der
Name beigeschrieben. Ein ähn-
liches Bild (s. Sp. 271) scheint
Propert. 1, 3, 19 vor Augen
gehabt zu haben (sed sie in-
tentis haerebam fixus ocellis,
Argus ut igtwtis cornibtis Ina-
chidos), und es ist nicht un-
wahrscheinlich, dafs Heibig
recht hat, wenn er (Unter-
such, über die camp. 'Wand-
malerei S. 140) dieses Bild auf
ein Original des Nicias zurück-
führt (s. o.).
An Zahl der Figuren über-
legen ist diesem Bilde das
von Gargallo Grimaldi, Mon.
d. Imt. 2 T. 59 veröffentlichte
Ruveser Vasenbild (s. Sp. 274).
Io (hier mit Hörnern und Tier-
ohren gebildet), als Tochter
des Flufsgottes durch den
Schilfstengel bezeichnet, sitzt,
man könnte sagen, in erstarrter
Haltung da, hinter ihr sitzt
der mit mehrfachen Augen
ausgerüstete und mit einer
Keule bewaffnete Argos, im
Gespräch mit der Hera be-
ihn zu immer reger Wach-
Io, vom Neilos getragen, wird von der Göttin des Landes (neben derselben
Harpokrates) bewillkommnet, im Hintergrunde zwei Isispriesterilinen (?), Wand-
gemälde (nach Mus. Borb. 10 T. 2).
Vase bei Overbeck, Atl. zur Eunstmyth. T. 7,
8, im Berliner Museum. Auf einem Altar unter
einem altertümlichen Tempelbild sitzt lo als kuh-
gehörnte Jungfrau (der Deutlichkeit wegen hat
der Maler auch schon vor der Verwandlung
die Kuhhörner zugefügt); sie hält in der L.
ein Schmuckkästchen, in der gesenkten R.
griffen , welche
samkeit antreibt. Von links her eilt Hermes,
vor dem Satyrn erschreckt beiseite eilen, um
mit dem Schwert dem Wächter der Io das
Leben zu nehmen. Als Zeugen des Vorganges
sind Götter zugegen. Zeus selbst und seine
Gemahlin, neben Zeus Aphrodite, neben Hera
277
Io (erhalt. Bildwerke)
Io (erhalt. Bildwerke)
278
vielleicht Iris oder Demeter, die Figur hinter
Argos, welche dem anstürmenden Hermes die
Siegerbinde entgegenhält, kann vielleicht als
Peitho, jedenfalls als eine der Aphrodite sehr
nahe stehende Göttin bezeichnet werden.
Gleichfalls mit dem Schwert greift Hermes
(bävtig) den mit vielen Augen gebildeten
Argos auf einer Vase der Sammlung Castel-
lani (jetzt wohl in London, Ann. d. Inst. 1865
T. d'agg. JK; siehe Sp. 279/80) an; Argos ist zu
Boden gestürzt und verteidigt sich nur noch
schwach mit der r. Hand. R. davon sitzt
Zeus mit Scepter. Hinter Argos steht ein
Stier. Maafs (comm. de^Aesch. suppl. S. 29, 2)
sehen des Vasenmalers beruht, welcher eine
Kuh zeichnen wollte oder seine Vorlage nicht
verstand , festgehalten werden.
Die Tötung des Argos und seine Verwand-
lung in einen Pfau sind auf einer Gemme
(Mo», d. Inst. 2, 59, 9; s. Sp. 275) dargestellt;
Hermes hat mit der Harpe dem vieläugigen
Argos das Haupt abgeschnitten; die Iokuh
sprengt, wohl schon vom oiOTQog getrieben,
io in eiligem Laufe nach r. davon; auf dem
Baum über Argos sitzt ein Pfau zur An-
deutung der Verwandlung.
Der dritte Teil (Aufnahme in Ägypten) wird
durch zwei pompejanische Wandgemälde (Milbig
Io auf einem von Aj abeskeu umgebenen Palmenstamm sitzend, unediertes Vasenl ild in Neapel (nach Originalzeichnung). £
glaubt, dafs der Vasenmaler sich an die von
Äschylus in den Svpplices vorgebrachte Ab-
weichung vom Mythus, wonach Zeus in einen
Stier verwandelt der Iokuh sich naht (v. 301
nuinovza (JoutröpM TKtSp« Sejiag), angeschlossen
hat, d. b. den Zeus und zugleich den Stier,
in den er sich verwandelte, dargestellt hat.
Doch spricht dagegen (abgesehen von dem
Umstand, dafs Zt-us doppelt vorhanden wäre,
einmal als Gott und zweitens als Stier) schon
die ganze Situation: in dem Augenblick, wo
Argos getötet wird, verlangt man die Gegen-
wart der Io, dagegen würde die Gegenwart
des Zeusstieres unbegreiflich sein. Es mufs
deshalb an der von Hchöne (Ann. 1365 S. 145)
aufgestellten und von mir (de Ione S. 18) und
Overbeck (Kunstmyth. 2 S. 478) angenommenen
Erklärung, dafs der Stier nur auf einem Ver-
nr. 138 — 139) vertreten. Das hier abgebildete
(Mus. Borb. 10 T. 2; s. Sp. 275) zeigt Io, die
nach langem Umherirren vom Nil aufgenommen
und ans Ufer getragen wird, wo die Göttin
des Landes, welche die Uräosschlange in der
Hand hält, während sie den r. Fufs auf ein
Krokodil setzt, sie durch Handschlag bewill-
kommnet. Die beiden Gestalten im Hinter-
grund mit dem Sistrum, dem im Isisdienst
60 verwendeten Klapperinstrument, deuten wohl
auf die zukünftige Verehrung der Io als Isis.
Neben der Landesgöttin sitzt Harpokrates,
welcher mit dem an den Mund gelegten
Finger die Gebärde des Schweigens macht;
das Henkelgefäfs, das die Person mit dem
Heroldstab am Arme trägt, sowie das rechts
stehende Gefäfs mit Schlangenhenkel spielen
beide imfclsisdienst eine Rolle.
279
To (erhalt. Bildwerke')
Iobakchos
280
Von Einzeldarstellungen der lo geben wir
das noch nicht veröffentlichte Neapler Vasen-
bild (Heydemann nr. 2922; s. Sp. 277/278).
Auf einem weifsen Palmenstamm sitzt eine
weifsgenialte gehörnte Frau, mit einem Hals-
band geschmückt und unterwärts mit rot-
Sicil. T. 49, 1 S. 77; s. oben), dafs der antike
Teil am besten als lo erklärt werden kann.
Vgl. noch 'Etp. KQx. 1889 S. 69 ff. [Engelmann.]
Iobakchos ('iößaKxog), Beiname des Diony-
sos von dem lärmenden Festjubel seiner Ver-
ehrer, Hcsych. b Jiövvaog cjrö xfjg ßaK%ttag.
Ilermcs tötet den Argos in Gegenwart des Zeus, Vase in London (?) nach Annali d. 1. 1865 Tav. d'agg. IK; s. Sp. 277,6ff.
braunem Mantel verhüllt. Aus dem Palui-
stamm lösen sich Arabesken ; r. u. 1. vom
Stamm springt je ein Tiger davon. Ferner
sei noch das von L. Stepliani im Gompte
rendu de St. Pctersbourg 1869 T. IV, 21 veröffent-
lichte kleine Relief einer Schale (man erblickt
lo, Tcrracotta (nach Kekule, Terrae, o. Sicil. Taf. 10 Fig. 1).
die wie gewöhnlich mit Kuhhörnern gebildete
lo, über welcher zur Hindeutung auf Zeus ein
Adler angebracht ist) und die Terracottafigur
von Karlsruhe erwähnt (de Ione S. 32. AreJi.
Zeit. 1868 S. 112), welche neuerdings in ihre
Bestandteile, eine moderne Kuh und eine
antike Terracottabüste , aufgelöst ist. Man
mufs Kekule recht geben (Terracotten von
Komutos 30 (p. 175 Osann) BQÖjiiog Ss Kai
"iaKjjos xal Evtog Kai Baßdxxrjg Kai 'IößaKxog
30 Haleirai (Dionysos) Sia zo Ttolld xoiavxag
epcovag xovg itaxovvxag ctvtov . . . cttpisvai.
Lcontios in Anth. Plan. 289; oft findet sich
der Name Iobakchos bei Nonnos Dionys. 9,
182. 11, 64. 14, 2S6. 19, 116. 29, 22. 319. 30,
137. 247. 47, 587. 657. Ihm zu Ehren wurde
das Fest der loßaKxsta geleiert; in der un-
echten Rede gegen Neaira (Demosth. 59, 78
p. 1371 ist uns der Eid, den die vierzehn
Geraren (Gerairen), attische zum Dienste des
■lo Gottes bestimmte Frauen (Hesysch. BelcJcer,
Anccd. 231), der Gemahlin des Archon Basileus
in Gegenwart des Hierokerys ablegten, er-
halten: äyiaxsvco Kai si'fil Ka&aQ<x Kai üyvr}
dnö tüv ulXmv xiov ov Ka&agivövxcov Kai an'
avdqhg ovvovoCag Kai xä &ioyvia (v. 1. $■£ olvia,
was Gerhard, Alcad. Abh. 2, 166 vorzieht) %al
xä loßaKxzia yfpapä (Dindorf für ysQaigm)
reo ^Jtovvocp v.axa. xa ndxQia Kai sv xoig Ka&)]-
kovoi jcpoi'oi?. Die Ansichten über Bedeutung
50 und Zweck der loßäxxtia sind verschieden;
gegen Einclc, Sei d. Hell. 2, 82, der »sot'via
uud toßdxxBta als allgemeine Bezeichnung der
Dionysien annimmt, siehe Gerhard a. a. Ü. und
übend. 204, der unter loßÜKxna das Schwärmen
der Thyiaden auf dem Pavnafs und den Zug
der bakchischen Frauen nach Delphoi versteht
und die Feier der &8oivt.a und ioßuxxsict auf
der Vase Vivenzio des Neapler Museums dar-
gestellt sieht. Mommsen, Heortdl. 359 erklärt
60 Theognia (vgl. a. a. 0. 327) als das Fest der
Wiedererzeugung des Bakchos durch Zeus und
vermutet, dafs 'die loßaKytia die groföen My-
sterien und zunächst die von den Geraren am
Iakcbostage zu erfüllenden Pflichten bezeich-
nen'. Ein Gedicht des Archilochos zu Ehren
des Gottes hiefs 'Ioßanx01 , Hephaist. de metr.
15, 9 p. 98 Gaisford edit. 2; wahrscheinlich
ward er in demselben neben Demeter und
281
Iobas
lobes
282
Köre (vgl. den von Hephaistion angeführten
Vers /dTjiarjtQOg ayvr,g nal KÖQrjg rqv navr]~
yvQLV asßcov) als lakekos (? vgl. auch oben
Sp. 10 Z. 55) gefeiert; hierdurch würde Momm-
sens obige Vermutung unterstützt werden ;
vgl. ferner Menand. bei Wals Bhet. 9, 129:
öi&VQcifißovg v.al 'loßav.%ovg -neu oau Toiuvra
siQTjzaLzliovvaov. Proklos Chrestom. 2 ( We&tphal,
Script. Metr. 1 p.246, vgl. 243) rjdtzo b toßatixog
tv soQTttig ucil &v6Lcag -1lovv6ox>, ßtßcaiTiGß&vog
nollcö cpqväyficczi' also auch hier ist wie bei
Iakchos (Sp. 7 Z. 26 ff.) für den Gott und den
ihn preisenden Gesang die gleiche Bezeichnung
angewendet. [Höfer.]
& Iobas (?) s. lobes.
v. Iobates ('loßaziqq), König von Lykien, Vater
der Anteia oder Stheneboia. Als Akrisios
den Proitos aus Argos vertrieben hat, flieht
dieser nach Lykien zu Iobates, wird von diesem
als Eidam angenommen und mit Heeresgewalt
Hygin. astr. 2, 18. Hygin. f. 57; bei Apollodor
heifst sie Philonoe' (vgl. Schol. Lyk. 17), sonst
Kasaudra (Schol. Hom. Z 155 fj Se lgtoqi'(x tzuqü
'Aat.'kri'HiaSrj iv Tgctycodoviiivotg), auch Alci-
mene bei SchoL Stat.' Theo. 4, 689 oder Anti-
kleia im Schol. Find. Ol. 13, 61. Nach Plut.
de miil. virt. 9 (248 A) zeigt sich Iobates auch
nach Lösung der Aufgaben dem Bellerophon
gegenüber als üätHoirctTog, darauf geht Bell.
10 an das Meer und fleht Poseidon um Strafe
für das Land an. An Stelle des Iobates wird
auch Amphianax genannt (Apollod. 2, 2, 1.
Schol. Hom. Z 200), eine Abänderung, die,
ebenso wie die Benennung Stheneboia, wohl
auf Euripides zurückzuführen ist. Die Fabel
des Iobates war auch von Sophokles in dem
gleichnamigen Stücke behandelt (Nauck, fr.
tr. 275 — 276; vgl. Schol. Hom. Z 155). Die
auf die Ankunft des Bellerophon bei Iobates
20 gedeuteten Monumente sind meist fälschlich
Bellerophon überreicht dem Iobates den Brief, hinter Iobates dessen Tochter (Vasenbild nach Wiener Vorlege-
Blätter 8 Taf. 9 nr. 1).
nach Tiryns zurückgeführt; von da an herrscht
Akrisios in Argos und Proitos in Tiryns
(Apollod. 2, 2, 2). Infolge der Verleumdung
seiner Gattin schickt dieser den Bellerophon
mit einem in geheimnisvollen Zeichen ge-
schriebenen Briefe (Hom. Z 169 yQuipug iv
nivav.i Tfivxrä &vij,oq>&6Qa noXXa) zu seinem
»Schwiegervater nach Lykien, damit er dort
den Tod finde; allein Iobates nimmt ihn
gastfreundlich auf und erfährt erst am zehnten
Tage den Auftrag seines Schwiegersohnes. Er
schickt nun den Bellerophon auf gefährliche
Abenteuer aus, zum Kampf mit der Chimaira,
den Solymern und den Amazonen; als der
Held aus allen diesen Abenteuern als Sieger
hervorgegangen und auch dem ihm gelegten
Hinterhalt entgangen ist, erkennt Iobates die
Unschuld des Bellerophon, giebt ihm seine
andere Tochter zur Frau und teilt mit ihm
das Reich. Diese Tochter ist, ebenso wie der
Vater, bei Homer Z namenlos, ebenso bei Diod.
Sie. 6, 7, 8. Apollod. 2, 2, 3. Snid. s. v. 'Ioßdzrig.
so gedeutet worden, sie stellen fast regel-
rnäfsig den Abschied des Helden von Proitos
dar; "eine unzweifelhafte Darstellung des lyki-
50 sehen Königs, wie er den von Bellerophon
überbrachten Brief liest, findet sich dagegen
auf der Wien. Vorl. 8. Ser. T. 9, 1 abgebildeten
Vase (vgl. ob. Abbildg.). Hinter dem Stuhle
des voller Erstaunen von dem Inhalt des Briefes
Kenntnis nehmenden Königs steht die Tochter
(Philonoe oder Kasandra), deren Gegenwart
auf die schliefsliche Lösung der Schwierig-
keiten hindeutet. Vgl. 'Anteia', 'Bellero-
phon', 'Stheneboia'. [Engelmann.]
60 lobes (Icßrjg), Sohn des Herakles und der
Thespiade Kerthe, Apollod. 2, 7, 8, wo BeTiker
Jtioßrjg schreibt. [Auf einer Vase in Neapel,
Fiorelli, Notiz, dei vasi del Conte di Siracusn
Tav. 8; Bull. Kapol. N. S. 4 Tav. 8; Mus.
Borb. 4 Tav. 18; C. I. Gr. 4 p. XVIII, ist The-
seus zusammen mit 6 Genossen im Kampf gegen
7 Amazonen dargestellt. Die Namen der Mit-
streiter des Theseus sind: 0AAHPOS, MONI-
283
Iobolehoseth
lokaste
284
+OZ, OYAAKOS, ACTYO+OS. Über den 6.
bemerkt. Stephani, Compte-rendn p. V a. 1866
p. 170: ,,Der sechste Hellene nimmt bereits
keinen Anteil mehr an dem Kampfe, sondern
hat sich, schwer verwundet, auf einem Fels-
block niedergelassen. Ihm ist der Name IOPAS
beigeschrieben, den man wohl 'Ioßag zu lesen
haben wird, und nicht unmöglich wäre es,
dafs der Künstler den bekannten Sohn des
Herakles loßrjg im Sinne hatte." Drexler.]
[Stoll.]
Iobolehoseth ('Itoßolxoafft), Name des Set
in den Zauberpapyri, so im Leidener Papyrus
V. 11, 20 [Pap. Gr. Mits. ant. Lugd.-Bat. ed.
Leemans Vol. II) = Wessely, Ephesia Ghram-
mata nr. 241. Col. 14, 18. Col 16, 9 (?) = Wes-
sely, Eph. Gr. 234 = Papyrus magica Mitsei
Lugd.-Bat. V denuo ed. Dieterich p. 817—818;
ferner Beuvens, Lettres ä M. Letronne sur les
pap. bilingues et grecs du muse'e d'ant. de
l'univ. de Leide 1 p. 39. Liegte, La Religion
des Pre-Israe'lites. Pecherches sur le dieu Seth
p. 114; im grofsen Pariser Papyrus {Wessely,
Griech. Zauberpapyri von Paris und London)
Z. 279 = Wessely, Eph. Gr. 232; 2223 = Eph.
Gr. 236; 3261; 3266 = Eph. Gr. 238; im
Pap. nr. 2391 des Louvre Z. 115; in der Form
'itoßoXoat'ft im grofsen Pariser Papyrus Z. 279;
als Bollxootfö im Leidener Pap. V, Col. 11,
22. Col. 14 Z. 8, 22. Das IQ erklärt Leemans
2 p. 71 für das koptische JCI) oder 6ICÜ „Esel",
und beruft sich dafür auf die Unterschrift
IQEPBH6 und BOAXOCH0 unter einer esels-
köpflgen als ZH0 bezeichneten Figur am Ende
der Col. 14 des Pap. V; in BOAXOCH0 vermutet
er koptisch S^JS-^tUOT-CHO, ägyptisch
Bai „Baal", Xau „schlecht", Set „Seth-Typhon".
Wirklich ist seit der Hyksosperiode Set dem
Baal nicht selten gleichgestellt worden, Ed.
Meyer, Set- Typhon. Leipzig 1875 p. 54 ff.
Derselbe s. v. Ba'al in diesem Lexikon Bd. 1
Sp. 2873- Brugsch, Bei u. Myth. d. alt. Ag.
p. 7 IG. [Drexler.]
Iocheaira ('lozecugu), epischer Beiname der
Artemis, seit Homer bald mit dem Haupt-
namen verbunden (It. 5, 53. 0(7. 6, 102. Res.
Theog. 14, 918. Cert. Hes. et Hom. p. 317, 9 ed.
Götti,), bald alleinstehend (II. 21, 480 [einge-
schobener Vers]; Od. 11,198 ivay.onoe'loxBctiga ;
Find. Pytlt. 2, 16 (9) loxiatga nag&ivog. Kaibel,
epigr. gr. 1046, 53 iv&govog 'Ioxtatgct. Nonn.
U. 5, 343 u. öfter). Die Alten erklärten den
Namen als zo^oepogog. rj lovg yjovoa. r) la%ijqa.
i) fJf'ÄEct ictigovctt (Hesych.). Vgl auch Apoll.
Soph. p. 92, 2 Bekk. iotg yaigovaa v.ai cpiqovaa.
Et. M. 473, 4 r\ Ttzgl lovg v.ctl xö^a %algovoa.
r] naget t'o %&siv tovg lovg. Gegenwärtig hält
man 'loysaiga für ein Kompositum aus log
(Pfeil) und ^fLi^to, entstanden aus loyJ{J-)aiga
•= sagittas fundens, indem man sich dafür auf
Redensarten wie ßslea erovÖBvza %bovto O590;
iii%svat' oioroi'g ^ 3. co 178. E 618 u. s. w. be-
ruft. Vgl. Lobeck, Proll. p. 259. Döderlein,
Hom. Gloss. § 2065. Dürdzer , Kuhns Ztschr.
12,8. Curtius, Grdz. d. gr. Etym.b S. 204 f.
Ameis. Anhang z. Od. J 102. [Koscher.]
locus, der Gott des Scherzes, der mit Cupido
zusammen die Venus umflattert (vgl. Hesiod.
theog. 201: xfj 6' "Egog coacigTr/OB Kai 'lusgog
iartiTO v.aXög). locus trauert mit Risus und
Ludus über den Tod des PJautus Epigr. bei
Gell. 1, 24, 3 Vgl. Hör. od. 1, 2, 34 und Stat.
Silr. 1, 6, 6: rideits locus. [Höfer.]
Imbun;! i'lodäua), Tochter des Itonos, Sohnes
des Amphiktyon, gebar von Zeus die Thebe;
diese heiratete den Ogygos, nach welchem
10 Theben Ogygia genannt ward, Tzelz. Lyk. 1206.
lodama und ihre Schwester Athene kamen bei
ihren Waffenübungen aus Eifersucht in Streit,
und Athene tötete die Schwester, Tzetz. Lyk.
355. Et. M. 'Iravig. Nach böotischer Sage
war lodama Priesterin der Athene Itonia an
ihrem Tempel im Gebiet von Koroneia. Als
sie einst des Nachts in den Tempel ging, er-
schien ihr die Göttin mit dem Gorgoneion vor
der Brust, wodurch sie in Stein verwandelt
20 wurde. [Vgl. die Münzen von Koroneia bei
Head, Hist. num. 292. R.] Sie hatte in dem
Tempel einen Altar, auf welchem beständig
Feuer brannte, und ein Weib sprach dabei
dreimal des Tages: lodama lebt und ver-
langt Feuer. Paus. 9, 34, 1. Forchhammer.
Hellen. 143 ff. Gerhard, Gr. Myth. 1 § 266, 4.
Bursian, Geogr. 1, 235. — Welcker, Tiil. 128
erklärt lodama als Mond, Biickirt , Athene
74 f. als „Volkspriesterin"; wahrscheinlich war
30 es eine Nebengestalt der Athene. [Vgl. die
Nolaner Vase im Brit. Mus. nr. 857: Iod. vor
Athena fliehend. Elite ce'ram. 1 pl. 75. Arch.
Z. 10, 183*R.]_ [Stoll]
Iodoke ('loböv.rf), Amazone im Gefolge der
Penthesileia, vor Troja erschlagen, Tzetz. Posth.
17S. [Stoll.]
Ioerbeth ('Ions eßr,&), Name des Set, Leidener
Pap. V, Col. 11, 20. Col. 14, 8 (?). 22 = TT'es-
sely, Eph. Gr. 233. Grofser Pariser Papyrus
40 (II essely, Griech. Zauberpapyri von Paris u.
London) Z. 185 (icosgßtjx). 279. 3261. 3266.
Pap. nr. 2391 des Louvre Z. 71. 115. Beuvens
a. a, O. Pleyte a. a. O.; als 'Icoitotgßrft, Wessely,
Eph. Gr. 242 aus Parthey, Zwei griech. Zauber-
papyri des Berliner Museums (aus d. Abh. d.
Ak. d. W. 1865) nr. 2 Z. 110, wo Parthey
ia . tco . igßr,& abteilt. Auch auf einer zu
Karthago gefundenen Bleitafel mit Verwün-
schung gegen einen Wagenlenker und Renn-
50 pferde, Bull, de Corr. Hell, 12 p. 300 Z. 2,
wo Delattre p. 301, Note 1 irrig punische
Worte zu erkennen meinte, kommt 'lmigßi)&
vor. Leemans 2 p. 71 erklärt den Namen mit
„asinus maleficus", vom ägyptischen aa „Esel",
er, ar „thun", bt, betu ,, schlecht", „ver-
abscheuungs würdig". [Drexler.]
Iokallis ('lo-xaV.ig), eine auf der Insel Leros
göttlich verehrte Jungfrau, Suid. und Phot.
s. v. MiXiaygiSig; ('n den Handschriften steht
GO nicht iv Asgco, sondern sv Aigin, doch ist
iv Aigia zu lesen, da, wie Suidas und Plwtius
berichten, die Meleagrides, die sich bekannt-
lich auf Leros befanden, Genossinnen der Io-
kallis gewesen seien, vgl. Bernhardt/ zu Suid.
a. a, O.). [Höfer.]
lokaste {'IoKciarrj), 1) Tochter des Thebaners
Menoikeus, Schwester des Kreon, Gemahlin de3
Laios und Mutter und Gemahlin des Oidipus.
285 Iotastos Iolaos 286
lokaste heifst sie bei den attischen Tragikern, eingesetzten olympischen Spielen (Paus. 5,
dagegen bei Homer und den älteren Dichtern 8, 1) und bei den Leichenspielen des Pe-
Epikaste; vgl. Oidipus, Epikaste, Euryganeia. lias (ib. 5, 17, 4; Hyg. f. 273) und war über-
Nach Fherekydes b. Schol. Eur. Phoen. 53 haupt einer der berühmtesten Wagenlenker
zeugte Oidipus mit seiner Mutter lokaste die der Vorzeit, Find. Isthm. 1, 14. Iolaos zu
Söhne Phrastor und Laonytos, welche im Wagen, Athene ihm zusprechend, auf Vasen,
Kriege mit den Minyem von Orchomenos Roulez, choix t. 9 p. 35. Er wird aufgeführt
fielen. Nach dem Tode der lokaste heiratete unter den Argonauten, Hyg. f. 14 (p. 39 Bunte),
er die Euryganeia, welche von manchen ihre unter den kalydonisehen Jägern, Hyg. f. 173.
Schwester genannt wird, und diese gebar ihm io Paus. 8, 45, 4. Ov. Met. 8, 310. Als Herakles
Antigone und Ismene, Eteokles und Polynei- die Absicht hatte, um Iole zu werben, gab er
kes. [Bildwerke bei Overbeck, Bildic. z. theb. seine bisherige Gattin Megara dem Iolaos zum
u. troj. Sagerikr. S. 64 ff. Baumeister, Benkm. Weibe, Apollod. 2, 6, 1. Biod. 4, 31. Eine
d. kl. AH. S. 1052 f. Vgl. den Art. Oidipus u. Tochter des Iolaos war Leipephile, Gemahlin
Brunn, Kiinstlergesch. 1, 394 ff. R.] — 2) Von des Phylas, Hesiod. b. Paus. 9, 40, 3. Er beglei-
Zeus Mutter des Agamedes, der auch Sohn tete den Herakles, Iphikles und die Alkmene,
des Apollon und der Epikaste heifst, Scliol. als sie von Eurystheus aus Tiryns vertrieben
Aristoph. Nub. 508. Schneidewin, Sage v. Oidi- wurden, nach Pheneos in Arkadien, I)iod. 4, 33,
pus 20. [Stoll.] er begleitete den Herakles auf seinem letzten
Iokastos ('loy.aatog), Sohn des Aiolos, des 20 Gange zum Scheiterhaufen auf dem Oeta, Biod.
Sohnes des Hippotes, König an der italischen 4, 38. Nach Sardinien, wo das Barbarenvolk
Küste in der Gegend von Rhegion, das er ge- derlolaier wohnte, sollte Iolaos den gröfsten Teil
gründet haben soll, Kallimachos (fr. 202 Bentl.) der Kinder des Herakles und der Thespiaden
bei Tzetz. Byk. 45. 738. Eustath. zu Bionys. und eine Zahl von Athenern (Thespiai ward zu
P. 462. Biod. 5, 8. Schol. Od. 10, 2. 6. Er Attika gerechnet) als Kolonisten geführt haben;
starb durch den Bifs eines Drachen, HerakUd. er wurde dort verehrt, Biod. 4, 29. 5, 15.
Pont. fr. 25 [Mütter, fr. liist. gr. H p. 219). Paus. 7, 2, 2. 10, 17, 4. Strab. 5, 225. Preller,
[StolL] Gr. 31. 2, 284. Auch soll er dort gestorben
Ioke ('lcox»j), die Verfolgung, Personifikation sein, Paus. 9, 23, 1. Solin. p. 19, 1 ff. M. An
auf der Aigis der Athene, 11. 5, 740. [Stoll.] 30 der Stelle der Stadt Oibia, die eine Gründung
Iokles ('IoKXfjg), des Amphiaraos Vater, der des Iolaos hiefs, soll ein Bild desselben ge-
sonst Oikles (s. d.) heifst; schol. Hom. 11, 326. funden sein, Maltzan, Sardinien p. 115 f. 388.
[Vgl. Scliol. Eur. Phoen. 133 u. 173 Bind. R.] Rhode, Rhein. Mus. 35, 157 ff. 37, 465. Nach
[Höfer.] anderer Angabe jedoch kehrte er von Sardi-
Ioklos Cloxlog) , Sohn des Demoleon von nien zurück und verweilte auf der Heimkehr
Argos, führte eine Kolonistenschar nach Kar- lange Zeit in Sicilien, wo er wie Herakles
pathos; Biod.b,bi. Vgl. Tümpel, Jahrb. f. kl. in vielen Städten Heiligtümer und heroische
Philol. Supplementbd. 16 (1887) S. 158 u. 162. Ehren hatte, Biod. 4, 24. 30. [Fragweise be-
[PbOscher.] zeichnet Head, H. N. p. 109 ein jugendliches
Iokritos ('Iokqltos), Sohn des Lykurgos, 40 männliches Haupt auf dem Obvers von Münzen
Vater des Botachos, nach welchem der tegea- von Agyrium als das des Iolaos. Auf Münzen
tische Gau Botachidai (oder Potachidai, Paus. derselben Stadt erscheint er in ganzer Gestalt,
8, 45, 1) benannt sein sollte, Steph. B. v. entweder in Jägertracht, mit Hörn und Peium,
B w Ttt%i$ui. [Stoll.] zu seinen Füfsen ein Hund, oben Nike, oder
Iolaos ('löXaog, dor. 'loXag, ion. 'löXiag), mit einem heifsen Eisen den Hydranacken
1) tapferer Sohn des Iphikle3 und der Auto- brennend, Head a. a. O. Drexler.] Auch in den
medusa, der T. des Alkathoos, Bruderssohn, Mythus des phönikisch-karthagischen Herakles
treuer Freund und Kampfgenosse des Herakles, ward Iolaos eingeführt. Er soll den von Typhon
dessen Wagenlenker er war, Apollod. 2, 4, 11. getöteten Herakles durch den Geruch der
Patts. 8, 14, 6. 1, 19, 3. 8, 45, 4. Hesiod. Scut. 50 Wachtel, eines dem Herakles besonders lieben
74 ff. Tzetz. Byk. 830. Preller, Gr. M. 2, 182. Tieres, wieder zum Leben zurückgerufen haben,
Als innigst verbundener Waffenbruder des He- weshalb die Phöniker dem Herakles Wachteln
rakles wurde I. auch in dem Hymnus des Archi- opferten, Eudoxos b. Athen. 9, 392 e. Eustath.
lochos auf Herakles Kallinikos neben diesem ge- II. 1702, 50. Müller, Bor. 1, 453. — [Vgl.
feiert, Schol. Aristoph. Av. 1764 (fr. 118 Bergk1). Starck, Mythol. Parallelen, Bie Wachtel, Sternen-
Preller, Gr. M. 2, 262. Er wird genannt als insel und der Ölbaum im Bereiche phünikischer
Wagenlenker und Helfer des Herakles beim u. griech. Mythen, Ber. üb. d. Verh. d. Kgl.
Kampf mit der Hydra (Hesiod. Theog. 317. Sachs. Ges. d. W. h. ph. Kl 1856 p. 32 — 120;
Apollod. 2, 5, 2. Qaint. Sm. 6, 216. Herodoros Movers, Phoen. 1 p. 536—538; 386; Holm, Ge-
rt. Hellanikos b. Schol. Fiat, (ad Phaedon. 60 schichte Siciliens im Altert. 1 p. 93 ; Baethgen,
p. 89c) p. 381. PreTler, Gr. M. 2, 192. Welcher, Beitr. z. semit. Religionsgesch p. 46. Letzterer
A. B. 3, 260. 264, s. Hydra); beim Kampf hält den im Vertrag Philipps von Make-
gegen Kyknos, Hesiod. Sc. 74 ff. (siehe unten donien mit den Karthagern bei Pulyb. 7, 9,
Sp. 288). Er begleitet den Herakles auf der 2 — 3 zusammen mit Scilfioiv KaqirtSoviav (Ta-
Fahrt nach den Rindern des Geryones, Biod. nit) und 'Hguy.Xrjg (Baal Chamman) angeführten
4, 24, im Kriegszug gegen Troja, Pind. Nem. 'lolaog für Eschmun. Dresler.] Als nach
3, 36. Er siegte als Wagenlenker mit dem dem Tode des Herakles Eurystheus dessen
Gespann des Herakles bei den von diesem Kinder verfolgte und ihre Auslieferung von
287
Iolaos
Iolaos
288
den Athenern forderte, worauf es zu einem
Kriege des Eurystheus gegen die Athener und
Herakliden kam, war Iolaos ein treuer Be-
schützer der Herakliden und that in der Sehlacht
Wunder der Tapferkeit; er tötete den besiegten
und fliehenden Eurystheus, Paus. 1,44, 13. Strdb.
8, 377. Preller, Gr. M. 2, 280, s. Eurystheus.
In den Herakliden des Euripides (v. S43 ff.)
fleht der Greis Iolaos bei der Verfolgung des
sammen mit Alkmene neben einem Altar des
Herakles und der Hebe, Paus. 1, 19, 3. .Vgl.
*C. I. Alt. 1 nr. 210 fr. K.
[Bildwerke. Sehr häufig erscheint Iolaos
als Begleiter des Herakles (s. d.) bei dessen
Abenteuern auf älteren Bildwerken, insbeson-
dere auf Vasen. Die betreffenden Scenen sind
folgende:
a) Der Kampf mit dem nein eischen Löwen:
Eurystheus zu Zeus und Hebe, dafs ihm nur 10 vgl. die Münehener Vasen nr. 44(?). 64. 69. 134
auf einen Tag die alte Jugendkraft geschenkt
werde, damit er Rache an dem Feinde nehmen
könne; da deckten zwei Sterne den Wagen
des Iolaos mit einer finsteren Wolke, aus der
er selbst in jugendlicher Gestalt hervortrat,
um den Feind zu erjagen. Vgl. Ov. Met. 9,
399. 430. Schol. Find. Pyth. 9, 137. Welcher.
Gr. Trag. 2, 711. Bei Find. Pyth. 9, 79 (137) und
u. s. w.; die Berliner Vasen (nach Fuiticäng-
lers Katalog) nr. 1693. 1713. 1717. 1720. 1725.
1800. 1841. 1890. 1895. 1905. 2004; die Peters-
burger Vasen nr. 25. 50. 65. 184. 219. 282.
291; die Neapler Vasen (nach Heydemanns
Katal.) nr. 2503. 2516. 2614. 2745. Santangelo
126; die Vasen des Britischen Museums (nach
dem Katalog von Birch a. Newton) nr. 449.
450. 454. 458 u. s. w.; die Athenische Vase
Schol. findet sich die thebanische Sage, dafs
Iolaos, schon gestorben, aus dem Grabe auf- 20 nr. 269 (nach Collignons Katalog),
erstand, um den Herakliden gegen Eurystheus b) Der Kampf mit der Hydra: Berliner
beizustehen, und dann wieder, nachdem er Vase nr. 1854; vgl. ob. Bd. 1 Sp. 2198 u. 2224.
==3 c) Das Abenteuer des eryrnantni-
:|jP2 sehen Ebers: Münchener Vase nr. 1219.
S 13l'5. Berliner Vase nr. 1860. 1855. 2034.
Petersburger Vase nr. 49. Vase des Brit.
Mus. nr. 5S7. Vergleiche oben Band 1
Sp. 2199.
d) Der Kentau renkam pf auf der
Pholoe: Athen. Vase nr. 403.
e) Die Ereilung d. Hirschkuh: Peters-
burger Vase nr. 1926.
f) Die Erlegung der stymphalisehen
Vögel: vgl. oben Bd. 1 Sp. 2201.
g) Die Bändigung des Stieres: Mün-
chener Vase nr. 614. Petersburger Vase
nr. 184. Vasen d. Brit. Mus. nr. 464. 819.
h)Amazonenkampf (Hippolyte): Vase
in München nr. 567; in Berlin nr. 2263;
im Brit. Mus. nr. 624. 614.
i) Kampf mit Geryoneus: Vase in
' München nr. 337.
k) Kampf mit Alkyoneus: Schale in
Corneto: Arch. Ztg. 42, 46.
1) Kampf mit Eryx: Vase des Brit. Mus.
603.
m) Hesperidenabenteuer: Vasen in
'"■T»
Lipara, Herakles und loleos auf der Meidiasvase (nach Gerhard
Ges. ak. Ab/,. Taf. U ; Tgl. oben Bd. 1 Sp. 2G02).
diesen getötet, starb, worauf er in dem Grabe
seines Ahnen Amphitryon zu Theben bestattet
wurde. Zu Theben versicherten Freunde und
Liebende an dem Grabe des Iolaos, als des Neapel nr. 2893; im Brit. Mus. nr. 1264; vgl.
treuen Freundes und Kampfgenossen des He- oben Bd. 1 Sp. 2600 und 2602.
rakles, einander ihre Treue, Aristoteles b. Plut. 50 n) Kampf mit Antaios: Vase des Brit.
Pelop. 18. Er wurde oft neben Herakles als Mus. nr. 471.
sein Beistand (na^aarcirris) verehrt und an-
gerufen, Plut. de frat. am. 21. Zu Theben
hatte er vor dem proitidischen Thore iu der
Nähe des Hauses des Amphitryon ein Heroon,
daneben war ihm ein nach ihm genanntes
Gymnasium, das Iolaeion, und eine Rennbahn
geweiht, und man feierte ihm dort ein Fest
loküsia mit Kampfspielen, das auch 'H$<ixX£ia
hiefs, „so dafs also auch im Kultus und in go
den Erinnerungen der Jugend die beiden
Freunde verbunden . blieben" (Preller, Gr. M.
2, 184). Paus. 9, 23, 1. Arr. An. 1, 7, 7.
Schol. Find. Ol. 7, 153. 13, 148. Pyth. 9, 156.
New. 4, 32. Istlim. 1, 11 u. 79. C. I. G. nr.
1068. Schol. Aristoph. Ach. 867. Said. v.
'folaog. Zu Athen hatte Iolaos im Kynosarges,
dem Heiligtum des Herakles, einen Altar zu-
o) Heraufholung des Kerberos: Vase in
Athen nr. 271.
p) Kampf mit den Hippokoontiden: Vase
des Brit. Mus. nr. 4SI.
q) Mit Herakles bei Oineus u.Deianeira:
Neapler Vase nr. 3359; beim Nessosaben-
teuer: Neapler Vase, Sammlung Santangelo
nr. 144.
r) Argonautenzug: Petersburger Vase
nr. 422.
s) Mit Herakles beim Kentanren Eury-
tiou: Münchener Vase nr. 772.
t) Kampf mit Kyknos: Berliner Vase
nr. 1732; vgl. oben Bd. 1 Sp. 2210 und Heyde-
mann, Gr. Vasenb. 1, 4.
n) Die ä&Xa InlTlslia auf dem Kypselos-
kasten: Paus. 5, 17, 11 'lökaog äs, og s&sXovrrig
289
Iolas
Ion
290
fi£x(t%iv 'HqaxXiL | tüv tgytov, saziv injicov
cIqiiuii avrjQTjfievog vi"M\v. Vgl. Roulez, Choix
de vases peints pl. IX S. 35 ff.
v) Gigantomachie: Vase des Brit. Mus.
nr. 560.
w) Herakles' Auszug: Tgl. die Neapler
Vase nr. 3359 und oben Bd. 1 Sp. 2215.
x) Iolaos als Wagenlenker des Herakles:
Mü'nchener Vase nr. 373. 379; vielleicht gehört
hierher (nach Robert, Arch. Z. 42 S. 54) auch
eine Parthenonmetope (vgl. auch Bd. 1 Sp.2219).
y) Herakles und Athena: Münchener
Vase nr. 145. 159. Berliner Vase nr. 1689; vgl.
oben Bd. 1 Sp. 2216.
z) Bekränzung des Her. durch Nike:
Petersburger Vase nr. 845. Vase in Athen nr. 553.
aa) Der ausruhende Herakles: Vase in
Athen nr. 202.
bb) Der rasende Herakles: Vase des
Assteas aus Paestum: Mon. d. I. 8, 10 = Bau-
meister, D. d. Id. AU. S. 665 Fig. 732.
cc) Apotheose des Herakles: oben Bd. 1
S. 2240.
dd) I. u. Herakles neben dem palaistritischen
Eros an den Füfsen der Ficoronisehen Cista;
vgl. Baumeister, D. d. kl. AH. Fig. 500 S. 453 f.
Iolaos erscheint in diesen Darstellungen
bald als bärtiger Mann , bald als unbärtiger
Jüngling, bald nackt, bald bekleidet, bald voll-
gerüstet. Vgl. Herakles u. Ioleos. [Röscher.]
2) Bei Hyg. f. 103 heilst es, dafs Iolaos, der
Sohn des Iphikles (Iphiklos) und der Diome-
deia, bei der Landung der Griechen an der
trojanischen Küste zuerst von allen ans Land
gesprungen und von Hektor getötet worden
sei, weshalb ihn alle Protesilaos nannten.
Protesilaos (s. d.) bat mit Iolaos das gemein,
dafs er nach seinem Tode auf kurze Zeit wie-
_der ins Leben zurückkehrte. [Stoll.]
'-' Iolas, ein Trojaner, Gefährte des Aeneas,
Verg. Aen. 11, 640. [Stoll.]
i Iole ('ioXrf) [auf der altertümlichen Vase von
Caere, Mon. d. Inst. 6, 33 J-ioXet. Bei Hesiodos
(in Schal. Soph. Track. 263) fr. 70 Gocttl. und
Kallimachos, epigr. 6 heifst sie 'folsta, beide-
male mit dem Epitheton ^av&r'i, d. i. die blonde;
daher der Name ,,(Gelb,veigelein", Viola. We-
niger.]. Iole, des Königs Eurytos schöne
Tochter, lies, bei Schol. Soph. Track. 263.
Pherek. bei Schol. Soph. Track. 354 und Sclwl.
Od. 21, 23. Herodor bei Schol. Hur. Hippol.
545. Apollod. 2, 6, 1. Biod. Sic. 4, 31, 37.
Athen. 13, 560 c. Zenob. 1, 33. Schol. II. 5,
392. Nachdem sie Herakles gewaltsamer-
weise entführt hat (s. Eurytos und Herakles),
wird sie nachmals die unschuldige Ursache
zu dem Tode des Helden, indem Deianeira dem
Her. das tödliche Giftgewand zuschickt, um
seine Liebe wiederzugewinnen. Her. übergab
der Iole bei seinem Tode den Hyllos. Nach
Hggin 65, 24. 67, 7 sträubte sich Iole anfangs
wider des Herakles Liebe und liefs lieber ihren
Vater durch Herakles töten, als dafs sie sich
ihm ergeben hätte. Nach Plut. Barall. 308,
48 stürzt Bie sich bei der Zerstörung Oicha-
lias von der Mauer der Stadt, bleibt aber,
durch ihr bauschendes Gewand gehalten, bei
dem Falle unversehrt. Das übrige, sowie die
Röscher, Lexikon der gr. u. rom. Mythol. II.
Belegstellen s. unter Eurytos, Herakles, Iphitos.
Eine Darstellung des Kampfes um Oichalia auf
einer Vase bei Minervini, Nap. 1851. Preller,
Gr. 31. 2, 254, 3. [Vgl. auch Cat. of the greeh
vases in the Brit. Mits. nr. 920* = C. I. Gr. 8037
u. ob. Bd. 1 Sp. 2206. Heibig, Wandgemälde
nr. 1142.] Derselbe Kampfliegt der Tragödie
des Ion EvQitiäai zu Grunde. [Bernhard.]
Ioleos (fioXsmg C. I. Gr. 7559) = I ol ao s (s. d.).
10 Iolkia ('imXxia), Beiname der Artemis auf
der Halbinsel Magnesia, inschriftlich vorkom-
mend in Zeile 6 der von Lolling, Mut. d. D.
Arch. Inst, in Athen 7 p. 73 nr. II mitgeteilten
Inschrift. Gustave Fougeres, La confe'deration
des Magnetes, Bull, de Gorr. Hell. 1889 p. 277
bezeichnet als Iolkia die einen Bogen haltende,
auf einem Schiffsvorderteil sitzende Artemis
auf dem Revers von Silbermünzen der Magneten,
Cat. of Greeli Coins in the Brit. Mus. Thcssah/
20 p. 34 nr. 1, 2, PI. VH, 2, 3. Auch das Haupt der
Artemis erscheint auf dem Obv. von Münzen der
Magneten, Head, H. N. p. 256. [Drexler.]
Iolkos ('icaXxög), Sohn des Amyros, eines
Flusses, der, im dotischen Gefilde entspringend,
das amyrische Feld der Larissäer durchfliefst,
Heros Eponymos der Stadt Iolkos, Steph. B.
s. t. Müller, Orckom. 249. [Stoll.]
Iolmos ("toXuog), Sohn des Menelaos und
der Helena, Bruder des Sosiphanes und des
ao Nikostratos (schol. Theolr. 18, 45; doch ist
vielleicht mit Berglc für Iolmos Aithiolas zu
schreiben; vgl. sckol. Hom. II. 3, 175); auch
Sosiphanes als Sohn des Menelaos ist höchst
zweifelhaft; es wird im schol. Iheolcr. a. a. O.
mit Uiibner statt avayQciqjovTai nuL§£g £aoi-
tfcivriq NixooTQcetog k. t. X. zu lesen sein o:. n.
Staoicpävei (d.h. von Sosiphanes) Nlxootq.x.t.X.,
vgl. Nauck, trag. Gr. frgm.1 p. 638. [Höfer.]
Ion ('Iwv, avog), 1) Sohn des Xuthos und
40 der Kreüsa, Tochter des attischen Erechtheus,
Stammvater der Ionier, nach welchem diese
benannt waren und ihre Wohnsitze, Attika
und die Nordküste der Peloponnes , Ionia
hiefsen, Herodot 7, 94. 9, 44. Apollod. 1, 7, 3.
Stcpk. B. 'Imvicc. Strab. 8, 383. 9, 397. Sckol.
II. 1, 2. — Xuthos, Sohn des Hellen, Bruder
des Aiolos und Doros, nach des Vaters Tode
von seinen Brüdern aus Thessalien vertrieben,
floh nach Athen, heiratete die Tochter des
so Erechtheus (Kreüsa) und zeugte mit ihr den
Ion und Achaios. Nach des Erechtheus' Tode
wurde Xuthos, weil er dem ältesten Sohn des-
selben, Kekrops, als Schiedsrichter die Herr-
schaft zugesprochen, von den übrigen Söhnen
des Erechtheus aus dem Lande gejagt. Er
liefs sich in Aigialos, der Nordküste des Pelo-
ponnes, nieder; nach seinem Tode zog Achaios
nach Thessalien zurück, und als Ion sich zum
Heereszuge gegen die Aigialeer rüstete, gab
go ihm Selinus, der König derselben, seine einzige
Tochter Helike zum Weibe und ernannte ihn
zu seinem Nachfolger. Als König der Aigialeer
gründete er eine Stadt, die er nach seinem Weibe
Helike nannte, und die Aigialeer erhielten den
Namen Ionier. Die Athener, damals im Kriege
mit Eleusis, riefen den Ion zu Hülfe und
machten ihn zu ihrem Anführer. Er starb in
Attika, und sein Grab wurde gezeigt in dem
10
291
Ion
Iopakerbeth
292
Demos Potanios , in der Gegend von Prasiai
und Thorikos (vgl. Paus. 1,31,2. Schoemann,
Opusc. Ac. 1, 177; siehe auch C. I. Alt.
1, 210 fr. K). Die Nachkommen des Ion
erhielten die Herrschaft in Aigialos, wurden
aber später von den Achäern vertrieben, nach
denen das Land Achaia benannt ward, Paus.
7, 1, 2. Xuthos, aus Thessalien kommend,
heiratete die Tochter des Erechtheus und
siedelte sich in der attischen Tetrapolis an;
von da floh sein Sohn Achaios wegen eines
Mordes in die Peloponnes, Ion aber besiegte
die Thraker des Eumolpos in Eleusis und ge-
wann solchen Ruhm, dafs die Athener ihm
die Herrschaft übertrugen. Von Attika aus
zog er nach Aigialos, das nun Ionien genannt
ward, Strdb. 8, 383. In Attika soll er zuerst
das Volk in 4 Pkylen geteilt und nach seinen
vier Söhnen Geleon, Aigikores, Argades und
Hoples benannt haben, Herodot 5, 66. Strab.
a. a. 0. Er unterrichtete die Athener in reli-
giösen Dingen, wie Deukalion die Hellenen,
Lykurg die Lakedaimonier, Numa die Römer,
Phd. adv. Colot. 31. Wie im europäischen
Griechenland da, wo Ionier gesessen, Ion ein-
mal gewohnt haben soll, so ist er von manchen
auch für den Anführer der ionischen Ansied-
lungen in Asien erklärt worden, Vell. Pal. 1, 4.
Vitr. 6, 1. Eurip. Ion 74 "iatvct, xtiotoq'
'AciaSoq yßovog. — Die attische Sage, welche
nach des Sophokles Kreusa {Welcher, Gr. Trag.
1, 391. Nauch, trag. gr. fr. p. 164) von Euripi-
des im Ion behandelt wird, hat den Ion aus
einem Sohn des Xuthos zu einem Sohn des
Apollon (des ionischen Apollon Patroos, Schol.
Aristoph. Nub. 1468. Av. 1527) und der Kreusa,
der jüngsten Tochter des Erechtheus, gemacht,
so dafs Ion nicht als fremder Eindringling,
sondern als einziger Sprofs des Ereckthiden-
stammes weiblicher Linie erscheint und somit
die Autochthonie der Athener gerettet wird.
Der Inhalt des Ion des Euripidcs ist folgen-
der: Apollon zeugte mit des Erechtheus
Tochter Kreusa einen Sohn in einer im athe-
nischen Burgfelsen befindlichen Grotte , in
welcher auch der Knabe geboren ward. Die
Mutter läfst ihr Kind in der Grotte in einem
geflochtenen Körbchen ausgesetzt zurück, in
der Hoffnung, dafs Apoll seinen Sohn nicht
werde untergehen lassen [vgl. Arcli. Ztg. 11
(1853) S. 346 f. R.]. Hermes trug noch in
derselben Nacht das Kind in dem Körbchen
auf Apollons Bitten nach Delphi, wo es von
der Priesterin zum Tempeldiener aufgezogen
wurde. Erechtheus gab später seine Tochter
Kreusa dem eingewanderten Xuthos zur Frau,
zum Dank für die im Krieg mit den Chalko-
dontiden auf Euboia geleistete Hülfe. Da
die Ehe kinderlos bleibt, so gehen Xuthos
und Kreusa nach Delphi, um den Gott zu be-
fragen, und dieser befiehlt dem Xuthos den als
Sohn anzuerkennen, der ihm beim Austritt aus
dem Heiligtum zuerst entgegentreten werde.
Der zum blühenden Jüngling herangewachsene
Sohn der Kreusa, der dem Xuthos begegnet,
wird von diesem als Sohn angenommen und
Ion genannt weil er iövti avvr\v%ito (v. 661.
831). Kreusa, die anfangs den aufgedrungenen
Erben vergiften wollte, erkannte zuletzt nach
manchen Verwickelungen mit Hülfe des von
der Priesterin herbeigebrachten Körbchens den
eigenen Sohn; doch hielten Mutter und Sohn
die Entdeckung vor Xuthos geheim. Zu-
letzt verkündet Athene die neue Blüte des
alten in Ion wieder auflebenden Erechthiden-
stammes und die einstige Gröfse der Ionier
und Athener. Welcher, Gr. Tr. 2, 725. Tri-
10 log. 296. Arcli. Ztg. 10, 401. Buttmann, My-
thol. 2, 323. Müller, Bor. 1, 237. 244 uud
Götting. Ans. 1828 S. 1074 ff. Preller, Gr.
31. 2, 154. Gerhard, Gr. M. 2 § 752. 769.
[Milchhüfer, Üb.d. att. Apollon. München 1873,
S. 47 ff. Arch. Ztg. 10 (1S52) 401 f. Taf. 37, 1.
11 (1853) S. 13 f. G. Kirchner, Attica et Pelo-
ponnesiaca. Greifswalder Diss. 1890 S. 13 ff.
R.] — 2) Sohn des Gargettos, siehe Ionides. —
3) siehe Ionios. [Stoll. 1
20 Ione ('lovr]), 1) eine Nereide, Apollod. 1,
2, 7. — 2) 'Itovn, eine Bakchantin, JS'onn. Dion.
14,221, wo G. Hermann 'irjvcö vermutet. [Stoll.]
lonides ('Icovi'äss), Heilnymphen, die bei
Herakleia in Elis (einer Ortschaft der Pisaier),
an der Quelle des Kytheros (oder Kytherios),
welche eine Heilquelle war, ein Heiligtum
hatten. Sie sollten ihren Namen von Ion, dem
Sohne des Gargettos, der aus Athen dorthin
übergesiedelt war, erhalten haben und hiefsen
so Kalliphaeia, Synallaxis, Pegaia, Iasis. Paus.
6,22,4. Strdb. 8, 356. — Meinehe vermutet, dafs
der Kytherios auch den Namen 'idcov geführt
habe, Diatr. in Callimach. S. in Iov. 22
(p. 125). Exercit. philol. in Athen. 2, 40. Cur-
tius, Peloponn. 2, 72. Eursian, Geogr. 2, 288.
Gerhard, Gr. Myth. 1 § 545. — Kihandros bei
Athen. 15, 681 d u. 683 a u. b sagt, dafs die
'icoviäSsg Nvficpca oder 'laoridig oder 'iuäsg N.
in den Feldern von Pisa dem Ion, als er sich
10 nach der Erlegung eines Ebers im Aipheios
(in welchen der Kytherios fliefst) badete, in
sehnsüchtiger Liebe zuerst das Veilchen (tov)
als Kranzblume geschenkt hätten. Vgl. Iatroi.
[Stoll]
Ionios (Jloviog), ein illyrischer König, Sohn
des Adrias, nach welchem das ionische Meer
benannt war, Theopomp. b. Schol. Ap. Eh. 4,
308 (anders App. bell. civ. 2, 39). Tzetz. Lyh. 630.
Schol. Find. Pyth. 3,120. Steigt. B. v.''loviov.
50 Eustath. zu Dionys. Perieg. v. 92. Strab. 7,
317. Serv. Verg. Aen. 3, 211. Neben Ionios
nennt Steph. B. a. a. 0. als Epouymos des
ionischen Meeres den Italer Ion (jj dno "Iovog
'izaXov), welcher bei Eustath. a. a. 0. 'Iäcov
heifst, Vater des Adrias. [Sein bärtiges Haupt
erscheint mit der Beischrift loNloS auf dem
Rs. einer Münze von Issa oder Pharos, Cat.
of Greeh Coins in the Brit. Mus. Thessaly to
Actolia y.Sim. 1,P1. 15,9. Drexler.] [Stoll.] —
co Oder S. des Dyrrhachos. Als dieser von seinen
Brüdern bekriegt wurde, kam ihm Herakles,
der gerade aus Erytheia zurückkehrte, zu Hülfe,
tötete aber im Kampfe unabsichtlich seinen
Sohn Ionios. Den Leichnam warf er in das
Meer, das seinen Namen . von ihm erhielt,
Appian, bell. civ. 2, 39. [Schultz.]
Iopakerbeth ('lio7ra%£Qßrj&), Name des Set,
Leidener Pap. V, Col. 11, 20. Col. 14, 9 (? ['la>-
293 Iopas Iope 294
iza]-/jQßri%f\. 15. Grofser Pariser Pap. Z. 3261. aber zuerst bei Euripides erscheint, statt der
3266. Pap. des Louvre irr. 2391 Z. 71 = Tl'es- Stadt foppe vielmehr Aithiopia, und statt der
sely, Eph. Gr. 237 (hier 'latoßrft 'iiaitav.iQßrfi Aiolidin Iope die Kassiepeia als Kepheusgattin
'iauTtofiip), 115 (bier, wie im Grofsen Pariser und Mutter der Andromeda genannt ward;
Pap. 2223 ff. 3261. 3266 und im Leidener V. ferner darin, dafs der Opfertod der Andromeda
11, 20 'lco£gßri& 'iaitaxtQßrjfy und 'laßoXxoorjd- nicht durch den Wettstreit einer Mutter Kassie-
zusammen); vgl. Eeuvens a. a. 0.; Pleyte peia mit den Nereiden verschuldet und von
a.a.O.; vielleicht auch auf dem Bleiplättchen Poseidon, Amphitrite und den Nereiden ge-
aus Karthago, wo Delattre. B. C. H. 12 p. 300 heischt wird, sondern im Rahmen einer Opfer-
Z. 3 IO3TTAIC6PBH0 hat. [Drexler.] 10 bandlung an 'Aphrodite' bez. Derketo (= Atar-
Iopas t'lcöitag), ein karthagischer Sänger, gatis; Tgl. Stark, Gaza S. 257) erscheint. Auch
der zu Karthago bei dem von Dido dem ist das Lokal der ioppensischen Version eine
Aeneas zu Ehren veranstalteten Gelage seine Insel (Paria), wovon in der hellenischen Ver-
von Atlas gelernte Weisheit vortrug, Verg. sion nichts zu merken ist; Konon: uqhu^tui
Aen. 1, 740. [Stoll.] äitö nvog vrjcCdog igrjuov r\ 'AvbqouiSu = Plin.
Iope ('Iöirn). 1) T. des Iphikles, G. des The- N. E. 5, 31 (34), 129: In phoenicio mari et ante
seus (Flut. Ihes. 29, offenbar nach den hesio- Iopen Paria (insula) toti oppidum, in qua ob-
dischen Eoien) *), aus denen Athenaios 13 iectam behtae Andromedam ferunt: dazu 5, 14:
p. 557 a."lititnv (Sclnceiyli. animadv. 7, 9 : 'loitnv) insides collem piraeiacente saxo, in quo vincu-
%al JiyXnv nennt. Ihr Mythos ist nicht be- 20 lorum Andromedae vestigia ostendunt. Auch
kannt. Als Heroine der 'thessalisehen' (?) Stadt wird Iope nicht, wie Kassiepeia, verstirnt
Iope (ßteph. Byz. s. v.) wird man sie nicht an- worden sein, da in dieser ioppensischen
zusehen haben. Denn bis auf die Kretafahrt Form der Sage weder Kepheus noch And.ro-
spielt sich Theseus' ganzes Leben im nächsten meda, noch das y.ijros verstirnt wird, wie in
Umkreis des saronischen Meerbusens ab, und dem 'hellenischen' Mythos von 'Kepheus in
gegen den praktischen Euhemerismus der Py- Aithiopia'. Mit diesem suchte eine spätere
thia, welche Theseus' Gebeine aus Skyros zu ki'instliche Etymologie von Aifi-wnn aus 'löitij
holen riet, und Kimons Ausgrabungsexpedition Fühlung zu gewinnen {Et. M. p. 473, 14. Steph.
fällt Roberts Beobachtung ins Gewicht, dafs Byz. 'loitr\; vgl. Tzetzes zu Byk. 836), welche zn-
hinter dem 'Skyrios' als Grofsvater des The- 30 erst auftritt bei Konon: Al^ionia (cod. öi'
seus, Vater des Aigeus (ps.-apollod. Bibl. 3, oitu)aiib:'ldititr]g;vg\.cA.ithioperiländer'S. 139f.).
15, 1, 5), sich ein Skirios (= Skiros, -on, Die ioppensische Tradition, deren Abweichungen
Eponym von Salamis-Skiras) birgt (Hermes 20, von der griechischen man wohl beachten inufs,
18S5, S. 354). Auch ihr Vater Iphikles ist von wurde in Griechenland bekannt durch Theo-
dem thessalisehen Iphiklos verschieden und pompös (bei Stiabon 1 p. 43, vgl. 'AithiopenV
erscheint blofs in der Peloponnes (vgl. auch S. 134ff.), bekämpft durch Apollodoros (tisqi
des Unterzeichneten ' Aithiopenländer' etc. Fleck- viäv II, ebda), verteidigt aufser den oben Ge-
eisens Suppl. 16, 1887, S. 145), und so wird nannten durch Aristonikos (it. MtvtXüov iiXavrfi,
sie eine argolische oder megarische Ortshero'ine bei Strab. 1 p. 38, vgl. 42 f.), aus dem Strdbon
sein, zumal ihr Bruder Iolaos Gatte der Megara 40 und die Vorlage des Steph. B. abschrieben
ist (apollod.Bibl. 2,6,1) — 2) T. des Aiolos.G.des (letzterer den von Schubart gestrichenen, von
Kepheus, nach welcher die philistäisehe Stadt Meineke eingeklammerten Passus -.Krjcptmg. .tot;
benannt sein soll: Steph. B. 'Ioitr[. Dionys. Y.aTuaziQia&'cVTog y.xL oi"EXXr]vt gnctY-äg cpaaiv).
Per. 910 = Geogr. G. M. 2, 375. Diese Notiz Vgl. überhaupt ' 'AithiopenV S. 147 u. sonst;
ist das ergänzende Fragment zn der aus Ps.- daselbst ist im Anschlufs an FL. I). Müller
Shylax (104 = Geogr. Gr. M. 1, 79), Strabon (Mythol. 1, 56) der Nachweis versucht, dafs
(16 p. 759, 1, 42. 43 C), Iosepihos (B. 1. 3, 9, 5), schon vor Theopompos der griechische Mythos
Konon (c. 40), Plinius (N. H. 5, 14. 6, 35), durch argivisch-rhodische Ostfahrer auf Joppe
Pausanias (4, 35, 5), Pomp. Mela (1, 11), übertragen und dortigem Astartekult ange-
Tacitus (Hist. 5, 2)**) bekannten Tradition 50 pafst ward. Dann würde schon in der argo-
von der Opferung der Andromeda an das -drjzog lischen Heimat des Mythos (entsprechend dem
in Ioppe. Wenn nach Photios (zu Konon, s. oben unter 1. über die argolisch- megarische
Westermann, Mv&oyg. p. 193, 5) Konon (also Iope Ausgeführten) eine Kepheusstadt 'loitn,
doch wohl auch die anderen Parallelzeugen; ähnlich der thessalisehen des Steph. Byz. und
latoQSt i-.xEQiog rj ag 6 'EXXrivcov iiv&og, so lag der lakonischen jbok 'icoitlg oder 'loitlg des
der Unterschied hauptsächlich darin, dafs in Heros "ioip, vorauszusetzen sein, deren Name
jener 'hellenischen' Vulgata, welche schon im Anschlufs an den obigen Mythos die grie-
von den hesiodischen Katalogen, Pherekydes chische Umnennung der alten philistäischen
und Stesichoros behandelt sein mufs, für uns Iapho (j. Iaffa) in 'löii(ii)r\ veranlafste; und
co während die sog. „hellenische" Vulgata, welche
', Flui. The). 29: yrjfiai (Sj [0i;<jsa] xui . . . TÖÄij» statt Iope die Kassiepeia nennt, .nach dem
r'itv 'Iyt/Mov;, xa'i ... t'uv A'iy'/.ii; ioürta ti,i Haroitiej; vom Unterz. geführten Beweis (Aithiopenlünd.
(zu Theseus) xri. fehlt his jetzt im Htsiodfrgm. 125 m., S. 158 ff., vgl. Artikel 'Kassiepeia') den Argeier-
obgieich auch c. 20 inm; navomjtöos AXyli$ aus He- kolonieen auf Rhodos angehört, würde Theo-
HodlL ci'ieu Z"' r , o„„ , ■ ■ . ■ ■ , pompös bei seiner späten Übertragung des
**) Nach Tzetzes zn Lyk. 8S6 auch citiert von Aristeida ir ,4 c T„ , Tr . ° .?..
(dem Milesier? f. h. G 4, 325, 27), Kto»«» (? vgl. des }lJtho%T au.f ^pho - Ioppe nur eine a teste
Unterz. • Aithiopeniän.kr' etc. S. 133 ■-), Fnkopim C? Tgl. /owr; - Version des argolischen Mutterlands
ebda s. 117 ''). wieder zu Ehren gebracht haben. Da nun bei
10*
295 Iophossa Iovos 296
Eustath. zu Dionys. Perieg. 910 der Namen Jahrbb. d. Ver. von Altertimmsfreund, im Skid.
der Stadt Iope auch auf Io, die argivische 49, 1870 S. 187f. nr. 11. [R.Peter.]
Heroine, zurückgeführt wird, was Tzetzes (zu Iovis = Iuppiter (s. d.).
Lyh. 836) mit dem Zusatz wiederholt, dafs Io Iovis Axur s. Iuppiter u. Anxurus, wo
daselbst "Agyov viY.ricctaa £v&gco7tog ytyovs Babelon, Monn. de la re'p. 2, 541 u. 546 nach-
(doch vgl. 'AithiopenV S. 148 49), so wagte zutragen ist. [Röscher.]
der Unterz. mit E. Maafs (de Eratosth. Sri- Iovis eiistos, Name einer geflügelten Jüng-
gona p. 130), 'Ionn als den Vollnamen für das liugsfigur, die Speer und Schild trägt, auf
Hypokorisma 'Im zu erklären, im Gegensatz einer Münze des Septimius Severus, Haver-
zu 0. Crusias ('Beiträge'' etc. S. 21 3), der im io camp, num. reg. Christ. 27, 3. Gerhard, Ant.
Anschlufs an H. D. Müller (Myth. 2, 350) die Bildu: Tat. 302, 9. Letzterer, Gottheiten der
Demeter- 'im als Gattin des Hermes-7a<x(oi' aus Etrusker (Alcadem. Abh. 1, 300. 338.), identi-
der Demeter-'EjuaGco: (Hesych. s. v.) erklärt. ficiert den Iovis custos mit dem etruskiscken
Umgekehrt hält O. Gruppe (Piniol. N. F. 1,92 ff.) Tages, dem Sohn des Hercules und Enkel des
an der Auffassung der Alten fest, dafs die Iuppiter, der auch Epeur (Epiur) = sniovgog
Heroine 'lönn wirklich nichts weiter bedeute, (= custos) heifst, vgl. Gerhard, Akad. Abh.
als die gräcisierte Namensform der persönlich 1, 338. 2, 55. [Höfer.] [Wie Havercamp selbst
gedachten philistäischen Stadt Iapho-\Zo'jrjt?j, p. 183 — 1S4 zu der Münze des Caracalla, nicht
also einer thatsächlichen Unterlage auf grie- des Septimius Severus bemerkt, hat schon
chischem Boden entbehre. Phönizisch Iapho 20 Vaillant, Kum. Imp. Born, praest. 1 p. 121
= „Schönheit" ist ihm das Original zu der den Typus als Iupiter iu einem Tempel auf
griechischen KceGBLExiiu' fj ■nalloviq (Suidas), einem Cippus in der R. den Blitzstrahl, in der
und der griechische Kassiepeianrythos nur die L. die Lanze beschrieben. Ebenso giebt ihn
Übersetzung eines älteren Iaphomythos der Cohen 42, 155, 112 aus Vaillant als „IOVIS
Philistäer. Vgl. d. Art. Eassiepeia. — [3) Eine CVSTOS C. V. Temple ä huit colonnes; au
Lesart statt Antiope oder Iole bei Propert. milieu, Iupiter sur un tippe, tenant im foudre
2, 28, 51. Stoll.] [K. Tümpel.] et une haste". Gold- und Silbermünzen des
Iophossa (locpmaca), Tochter des Aietes, die Vespasian mit der Aufschrift IOVIS . CVSTOS
dem Phrixos vier Söhne gebar, identisch mit zeigen Iupiter nackt vor einem Altar stehend,
Chalkiope, Hesiod, Akusilaos u. Pherekydes b. 30 in der R. eine Schale, in der L. das Scepter,
Schol. Ap. Eh. 2, 1122. 1149. Hesych. s. v. Eckhtl, D. Ar. V. 6 p. 337; Grofsbronzen des
Müller, Urchom. 172. Schoemann, Opusc. Ac. 2, Domitian mit der Aufschrift IOVI . CVSTODI
247, 67. Preller, Gr. Myth. 2, 319. Gerhard, oder IVPP1TER . CVSTOS . S . C führen ihn
Gr. Myth. 2 § 688, 1. 690, 2. [Stoll.] vor sitzend, in der R. den Blitzstrahl, oder
Iops ("ioi/>), ein Heros der Lakedaimonier, eine Victoria, Eckhel, D. N. V. 6 p. 393.
der zur Zeit des Lelex gelebt haben sollte S. Iuppiter. Drexler.]
und zu Sparta ein Heroon hatte, Paus. 3, 12, 4. Iovius Coinpagns (y). In der Inschrift CLL.
Gerhard, Gr. Myth. 2 § 835. Curtius, Pelop. 2, 1, 571 = 10, 3772 (Recale bei Caserta; aus
231. Vgl. Iope 2. [Stoll.] dem Jahre 660/94): Pagus Herculaneus scivit
Iopsaphos ('ioipacpog), Beiname des Apollon, .10 a(nte) diiemj X Ttrminaflia]. conlegium, seive
Hesych. Der Name, wenn richtig überliefert, magistrei Iovei Compagei s[untj, utei in porti-
bezeichnet den Apollon als Orakelgott (s. Bd. 1 cumpaganam reficiendam pequniam consumerent
Sp. 434), speziell als solchen, dessen Wille durch ex lege pagana, arbitratu Cn. Laetori Cn. f.
dunkelfarbige Steinchen (i/)Jjijpoi) erforscht wurde magistrei pageiei [lies pagei]; uteique ei coti-
(vgl. auch Thriai). Schmidt liest dafür 'iaö- legio, seive magistri sunt Iovei Compagei, locus
<I>ucpog, andere 'lötyotpog, d. h. rder mit den in teatro esset tarn quasei sei lu[d]os fecissent
Pfeilen Rasselnde'. [Höfer.] u. s. w. nimmt Mommsen (C. I. L. 1 S. 159
Iorios Theos. 6GC0 ICOPICO soll auf einer und im Index S. 617 s. v. Iovius compagus)
Gemme der Sammlung Capello nr. 215 stehen, einen 'Iovius compagus collegii pagi Campani
welche den Zeus auf dem Rücken zweier 50 deus tutelaris' an. Später zweifelte er aber
Schafe sitzend darstellt, Sycophantia mugica daran, dafs hier ein Iovius Compagus genannt
nr. 172 in Gorius, Thes. gemm. ant. aitrif. 2 sei (CLL. 10 im Index S. 1133: 'Iovius com-
p. 278. Kopp, Palaeogr. crit. § 843, vol. 4 pagus [si recte sie aeeipitur]'). Vielleicht haben
p. 326 — 327. Letzterer übersetzt „Leo mon- wir in der Inschrift einen Iuppiter Compagus
tano", indem er an das Wort (topos bei He- als Schutzgott des pagus Herculaneus zu er-
sychios = „Berg" erinnert. [Drexler.] kennen (vgl. den Nominativ Iovos auf der prae-
Iovantucarus, Beiname des Mercurius auf nestmischen Cista Ephem. epngr. 1 S. 14 nr. 21
einer zwischen Tholey (Kreis Ottweiler, Reg.- = Garrucci, Syll. inser. lat. nr. 528. C I. L.
Bez. Trier) und Osenbach (Kreis St. Wendel, 14, 4105; abgebildet Monum. d. inst. 9, 1873
Reg.-Bez. Trier) i. J. 1755 gefundenen Inschrift: c.o Taf. 58/59, besprochen von A. 3Iichaelis in
Leo Mercurio lovantucaro pro salute Eomaniac Ann. d. inst. 45, 1873 S. 221 ff., über Iovos
Eomanae et Eomani Severi Iulius Bomamis S. 237). [R. Peter.]
pater vissu [sie] monitus v s l l m. Die In- Iovos, ^OVOI, Name des Iuppiter (s.d.) auf
schritt stand nach dem Fundbericht auf einem einer Bronzekiste von Praeneste, welche den
viereckigen metallenen 'Kästgen, so in der Gott sitzend, die R. auf die Schulter der Iuno
mitten, auf welchen beyden seythen ohngefähr legend und einen Blitzstrahl haltend, umgeben
ändert halben schuhe von einander zwey von Apollo, Liber, Mercurius, Hercules, Mars,
kleiner Statuen oder Götzenbilder gefunden.' Minerva, Diana, Victoria und Fortuna dar-
297 Ioxeia Iphigeneia 298
stellt, Eph. epigr. 1 p. 14 nr. 21. Garruccius, n. Veno. S. 2 Anm. 3. — 2) Euadne als die
Syllogc Inscr. Lat. nr. 528 („In Iovos Tochter des Ipbis, Ov. ep. ex P. 3, 1, 111.
metapilasmus est declinationis tertiae in seeun- [Stoll.]
dam"). Vgl. Iuppiter u. Iovius. [Drexler.] Iphidamas ('IcpiSäfiag), 1) Sohn des Antenor
Ioxeia ('lö^na?), Amazone im Gefolge der (daher 'JvzrjvoQiSijg, Hom. IL 11, 221. Eust.
Penthesileia, vor Troja erschlagen, Tzetz. Posth, 840, 1. Paus. 4, 36, 4. 5, 19, 4) und der Theano,
179. [Stoll.] der Tochter des Kisseu's (IL 11, 224. scJwl. IL
Ioxippe (la'ghntri) = Dioxippe (s. d.), vgl. 11, 226. Eust. Tl. 840, 10. 59), Bruder des
iWfj und äuov.ri; Etym. M. 426, 47. [Höfer.] Koon, 27. 11, 250. 257. Schon als zarter Knabe
Ioxos ("Ia^og), Sohn des Melanippos, Enkel 10 ward er seinem Grofsvater Kisseus, der König
des Theseus und der Perigune, der mit Orny- in Thrakien war, zur Erziehung übergeben,
tos eine Kolonie in Karien gründete. Da Peri- 27. 11, 223. Strabo 7 p. 330 fr. 21; ebendas.
gune, die Tochter des Sinis, nach der Erlegung fr. 24; später heiratete er die Tochter des
ihres Vaters durch Theseus, vor diesem fliehend, Kissens, also die Schwester seiner Mutter (II.
sich an einem dicht mit Pimpernellen und 11, 226 und schol.), die er durch reiche Eraut-
Spargeln bewachsenen Orte verborgen und in geschenke gewann, 27. 11, 244. Paus. 4, 36, 4.
kindlicher Unschuld diesen Sträuchern mit Kurz nach der Hochzeit (77. 11, 243) zog er
Schwüren gelobt hatte, sie nie zu verletzen mit zwölf Schiffen (II. 11, 228) nach Troia
und zu verbrennen, wenn sie von ihnen ver- und fiel hier von der Hand des Agamemnon,
deckt und gerettet würde, so war es bei den 20 IL 11, 240. 250. Paus. 5, 19, 4. Hygin. f. 113.
Nachkommen des Ioxos Sitte, weder Spargel- Der Kampf des Koon mit Agamemnon um die
stengel noch Pimpernellen zu verbrennen, Leiche seines Bruders Iphidamas (27. 11, 248ff.)
sondern sie als heilig zu verehren, Flut. Thes. 8. war auf dem Kasten des Kypselos dargestellt,
[Stoll.] Paus. a. a. 0. — 2) Sohn des Busiris, der
Ipheus ('iqnvg), ein Lykier, vor Troja von auch Amphidamas (Apollod. 2, 5, 11, 9) heifst,
Patroklos erlegt, 27. 16, 417. [Stoll.] samt seinem Vater am Altar des Zeus von
Iphialos ('iyCaXog), ein anderer Name für Herakles getötet, Pherehjd. im sc7(0?. Apoll.
'Etfidlzrjg, den Alp, den italischen Incubus, Rhod. 4, 1396. [Höfer.]
Hesych. s. v. vgl. Eidymos b. Schol. Aristoph. Iphigeneia ('icpr/ivEict, auch 'Icpr/ovr], Eurip.
Vesp. 1038. Er heifst auch 'EitiaX^g, 'EniäUrjg, so El. 1023; abgekürzt '2915, Tzetz. L. 323. 324.
'EtpiXrjg (äol.), 'Eit(ü(pilr]g , Hesych. v. imulrjg. Et. 712. v. "Aiitfig), Tochter des Agamemnon
Preller, Gr. Myth. 1, 617, 4. [Stoll.] und der Klytairnnestra, vgl. Iphianassa. Als
Iphianassa ('Iquävacaa), 1) eine von den das nach Troja ziehende Heer der Griechen
Töchtern des argivischen Königs Proitos (s. d.), durch eine Windstille, welche die von Aga-
welche von Melampus von ihrer Raserei ge- memnon oder Menelaos erzürnte Artemis ge-
heilt und ihm zum Weibe gegeben ward, sandt hatte, in dem Hafen von Aulis zurück-
Apollod. 2, 2, 2. Pherelcyd. bei Schol. Od. 15, gehalten wurde und Kalchas erklärte, dafs Iphi-
225. — 2) Tochter des, Agamemnon und der geneia der Göttin geopfert werden müsse, liefs
Klytaimnestra, Schwester der Chrysothemis und Agamemnon, von Menelaos und dem ungeduldi-
Laodike, 27. 9, 145. 287. Zu diesen dem Homer 40 gen Heere bedrängt, die Tochter unter dem Vor-
bekannten Töchtern des Agamemnon fügten wand, dafs sie mit Achilleus vermählt werden
die Kyprien (fr. 12 Kinkel) noch als vierte die sollte, vom Elternhause ins Lager kommen
Iphigeneia, welche auch bei SophoJcles von und bereitete mit schwerem Herzen das Opfer.
Iphianassa verschieden ist. Wie aber bei den Artemis aber, der Jungfrau sich erbarmend,
Tragikern Elektra an die Stelle der Laodike schob während des Opfers eine Hirschkuh an
getreten ist, so bei Euripides Iphigeneia an die Stelle der Jungfrau und entführte diese in
die der Iphianassa, Soph. El. 157 u. Schol. einer Wolke nach Taurien, damit sie dort ihre
Schol. IL a. a. 0. Preller, Gr. Myth. 2, 419, 4. — Priesterin werde, Kypria (p. 19 Kinkel). Eurip.
3) Gemahlin des Endymion, Mutter des Aitolos, Iph. Aul. 1540. Iph. T. 1. 20. 30. 783, vgl. Aeschyl.
Apollod. 1, 7, 6. [Hinsichtlich der Beziehungen 50 Ag. 1534. Soph. El. 565. Find. Fyth, 11, 23. Ov.
dieser I. ebenso wie der unter 1) und 2) an- Met. 12, 24 ff. Paus. 9, 19, 5. Schol. Eur. Or.
geführten zur Selene vgl. Poscher, Selene u. 647. Hyg. f. 98. 238. 261. DiM. 1, 17. Schol.
Verwandtes S. 2 Anm. 3. S. 71 Anm. 274. S. Ü9^ 27. 1, 108. Ant. Lib. 27. Sero. Verg. A. 2, 116.
A. 396ff. R.] — 4) Von Medon Mutter des Tzetz. Lyk. 183. Anteil, 191. loann. Antioch.
Troers Menalkes, der vor Troja von Neopto- fr. 25 (Müller hist. gr. fr. 4 p. 551). Lucret.
lemos erlegt ward, Quint. Sm. 8, 295. — 1, 85 ff. Cic. off. 3, 25. Verg. A. 2, 116. Hör.
5) Nereide, LuMan. Dial. D. Mar. 14. [Stoll.] sat. 2, 3, 199. Propert. 3, 5, 64. Der Dar-
Iphianeira ('icptdvstQa), 1) Tochter des ar- Stellung der Kyprien (nach Prolcl. Chrest.) folgte
givischen Königs Megapenthes, vermählt mit die Iphigeneia des Aischylos, diesem wieder
Melampus, dem sie den Antiphates und Bias, 60 die Iphigeneia des SoplwMes, deren Inhalt
die Manto und Pronoe' gebiert (Diod. 4, 68; vielleicht bei Hyg. f. 98 erhalten ist, Welcher,
vgl. Iphianassa 1). — 2) Tochter des Oikles, Gr. Trag. 1, 107. Nauch, trag. gr. fr. p. 23.
eines Sohnes des ebengenannten Antiphates 156. Die Iphigeneia des Ennius (Vahlen, Enn.
und der Hypermnestra, Schwester des Amphia- poes. rel.-p. 119) folgte dem Einendes, Welcher,
raos und der Polyboia, Diod. 4, 68. [Stoll.] a. a. 0. 1, 110. Bibbeck, Rom. Trag. S. 94 ff.
Iphias ('lepidg), 1) eine alte Priesterin der Bildwerke: Overbeck, Pompeji 527 (pompe-
Artemis zu Iolkos, in der Argonautensage ge- janisches Wandgemälde, Nachbildung des be-
nannt, Ap. Rh, 1, 312. Vgl. Röscher, Selene rühmten Bildes des Timanthes von Kythnos).
299
Iphigeneia
Müller, Handb. d. Arch. § 415, 1. 0. Jahn,
Arch. Beitr. 378 ff. Overbech, Galt. 314 ff.
Brunn, Urne Etr. t. 35 ff. Schlie, Troischer
Sagenkreis 60 ff. Prellet; Gr. Myth. 2, 419 f.
Baumeister, D. d. hl. Altert. S. 754ff. Manche
behaupteten, Iphigeneia sei nicht in Aulis,
sondern zu Brauron in Attika von Agamemnon
geopfert worden, und ein Bär, nicht ein Hirsch,
sei statt ihrer getötet worden. Schal. Aristoph.
Iphigeneia 300
ant. Sarkophagrel. 2, Berlin 1890, S. 177 ff.,
Taf. 57 ff., s. Orestes. Sophokles hat die Ge-
schichte der Flucht der Iphigeneia in eigentüm-
licher Umbildung behandelt in seinem Chryses,
den Pacuvius überarbeitete, Naeke, Opusc. 1, 91.
Welcher, Gr. Tr. 1, 210. Bibbeck. trag. lat. rel.
p. 71. 284. TJeis., Böm. Trag. 248 ff Den Inhalt
giebt Hyg. f. 121 : Orestes kommtmit Iphigeneia
und dem geraubten Bilde der Artemis von
' Lysistr. 645. Iphigeneia ward bei dem Opfer 10 Taurien zu der troischen Insel Sminthos (oder
von Artemis in einen Bären oder einen Stier, Stadt Sminthe) zu dem Apollonpriester Chryses,
oder ein Rind, oder in ein altes Weib ver- dem Sohn des Agamemnon und der Chryse'is
(Astynome), also
Enkel des homeri-
schen Chryses (vgl.
Hyg. f. 120). Der
beraubte taurische
König Thoas ist
den Flüchtigen ge-
folgt und verlangt
von Chryses ihre
Auslieferung. Als
Chryses dazu be-
reit ist, offenbart
der ältere Chryses,
dafs Iphigeneia u.
Orestes Kinder des
Agamemnon u. Ge-
schwister des Chry-
ses sind , worauf
dieser mit Orestes
den Thoas tötet.
Orest und Iphige-
neia kommen mit
demBilde der Arte-
mis glücklich nach
Mykenai. Nach
Tzetz. £.183 waren
Iphigeneia u. Chry-
ses Kinder d. Aga-
memnon und der
Chryse'is. Auf der
Rückfahrt d. Grie-
chen nach Trojas
Zerstörung starb
Chryses zu Chryso-
polis in Bithynien,
Byzanz gegenüber;
Iphig. aber wurde
von Tauroskythen
geraubt u. in Tau-
rien zur Priesterin
der Artemis oder
Iphigeneias Opferung; anwesend Agamemnon und Kalchas, pompej. Wandgemälde (nach Mus
Horb. 4, 3 = Baumeister. Denkm. S. 755 Fig. S07).
wandelt nach Ant. Lib. 27. Tzetz. L. 183. 194.
— In Taurien versah Iphigeneia viele Jahre
lang "den grausamen Dienst der Artemis, in-
dem sie die Fremden, die an der Küste Schiff-
bruch gelitten, der Göttin opfern mufste {Tzetz.
L. 194. Diod. 4, 44), bis sie endlich mit ihrem
Selene gemacht. Die Chrysopoliten leiteten
von diesem Chryses den Namen ihrer Stadt
her, Steph. B. v. XQvaonoln;, oder von Chryse,
der Tochter des Agamemnon und der Chry-
se'is, der Schwester der Iphigeneia, Et. M.
v. Ä'QvconoXig. Müller, Dorier 1, 384 f. Ger-
Bruder Orestes, der im Auftrag des delphischen 60 liard, Gr. Myth. 1 § 345, 8. — Das Bild der
Gottes das dort vom Himmel gefallene Bild
der Artemis holen sollte, entfloh und mit dem
geraubten Bilde nach Griechenland zurück-
kehrte, Eurip. Iph. Taur. vgl. Hyg. f. 120- 122.
Kaevius, Iphig. vgl. Bibbeck a. a. O. S. 50 f.
Tzetz. L. 1374. Bildwerke: Müller, Handb. d.
Arch. 416, 2. Ocerbeck u. Baumeister a. a. 0.
Die Sarkophagreliefs jetzt bei C. Bobert, D.
Artemis brachten Iphigeneia und Orestes nach
Lakonieu, wo es zu Sparta im Tempel der Ar-
temis Orthia oder Orthosia stand, Paus. 3, 16, 6.
Nach Servius war Orestes König in Sparta und
heiratete, ein Sohn des Menelaos und der
Helena, die Iphigeneia, Serr. V. A. 11, 267.
Auch nach Argos, wo ebenfalls ein solches
Bild der Artemis war, soll Iphigeneia gekommen
301
Iplrigeneia
Ipkigeneia
302
sein, Paus. 1, 33, 1. Zu Megara soll sie ge-
storben sein, auch sie hatte dort ein Heroon,
Paus. 1, 43, 1. Die Athener behaupteten, dafs
Orest und Iphigeneia nach Halai Araphenides
Euphorion, Alexander Aitolos b. Paus. 2, 22, 7
zeugte Theseus mit der von ihm geraubten
Helena die Iphigeneia; nachdem Helena von
ihren Brüdern aus Aphidna befreit worden
Bruchstück eines Sarkophagreliefs iu Yüla Albani: Iphigeneia, Orestes und Pylades (vgl. C.Robert, Die
ant. Sarkophagreliefs 2 Tal 57 nr. 1CS und Text S. 179 ff., sowie Zoega, Bass-iril. 2 tav. 56).
bei Brauron an der attischen Ostküste gekommen
und dort einen Tempel der Artemis Taurike
oder Tauropolos gestiftet hätten, in welchem
das taurische Bild derselben aufgestellt ward u.
Iphigeneia Priester-
dienste verrichtete ;
dort sei sie gestorben
und begraben, und
man brachte ihr als
Weihgeschenke die
Gewänder der in Ein-
desnöten verstorbe-
nen Frauen dar, Eur.
Iph. T. 1446 ff. Strab.
8, 399. Eallim. Bian.
173. Paus. 1, 23, 9.
1, 33, 1. Ptol 3, 15,
8. Hermann, Gottes-
dienstl. Altert. § 62,
9 ff. Bursian, Geogr.
1, 349. Pretter, Gr.
Myth. 1,251,2. — Eu-
phorion nannte Brau-
ron ein leeres Grab
der Iphigeneia, Schot.
Aristoph. Bys. 645,
vgl. Nonn. Bion. 186.
Auch an Orten aufser-
halb Griechenlands,
wo sich Kulte von
Göttinnen fanatischen
Charakters fanden,
wurden diese auf Stif-
tungen der Iphigeneia und des Orestes zurück-
geführt, wie in Kappadokien zu Komana der der
syrischen Enyo, Strab. 12, 535. Müller, Bor. 1,
385,5. Preller,Gr. Myt7l.l,2hl. — Von Brauron
aus wurde Iphigeneia in die attische Genealogie
eingereiht, indem man sie zur Tochter d. Theseus
machte, Müller, Bor. 1, 382. Nach Stesiclwros,
war, gebar sie das Kind in Argos und übergab
lo es der schon mit Agamemnon vermählten
Klytaimnestra, die es wie ihr eignes Kind
aufzog, vgl. Buris b. Tzetz. B. 103. 143. 183.
Iphigeneia (iu Tauris) ühergiebt dem Pylades den Brief; anwesend Orestes, ein Satyr,
Artemis und eine Opferdienerin, apulisches Vasengemälde (nach Arch. Zeit. 1849 Tat. 12
= Baumeister, D. S. 757 Fig. 808).
851. Ant. Eib. 27. Schol. IL 13, 626. Et. M.
v. 'Itpig. Helena baute wegen ihrer glücklichen
Entbindung zu Argos einen Tempel, der in der
Nähe des Tempels der Dioskuren und des der
Hekate stand, Paus. a. a. 0. — Hesiod sagte, dafs
Iphigeneia nicht gestorben, sondern nach dem
Willen der Artemis zur Hekate geworden sei,
303
Iphigeneia
Ipbigeneia
304
und damit stimmten die Kyprien a. a. 0. über-
ein; auch Herodot, nach welchem die Taurier
die Schiffbrüchigen einer Jungfrau ' opferten,
welche für die vergötterte Ipbigeneia gehalten
wurde, Paus. 1, 43, 1. Herodot 4, 103. Philod.
n. £va. 52 a. Nach Ant. Lib. 27 wurde Iphi-
geneia von Artemis mit Unsterblichkeit und
ewiger Jugend begabt und unter dem Namen
'OQ6ilo%ia ('OgaiXixr] Weitermann, Mythogr.
10 p. 201, 9) nach der Insel Leuke im Pontus ge-
bracht, wo sie Gemahlin des Achilleus wurde,
s. d. Art. Achilleus, Ammian 22, 8, 34f. Maoß,
Index Scliol GryjihiswalJ. 1890 S. 19, Preller,
Gr. Mytli. 2, 438, 3. Gerhard, Gr. Myth. 2
§ 8S9. Auch während ihres irdischen Le-
bens war Iphigeneia schon mit Achilleus zu-
sammengebracht worden. Nach des Euripides
Iph. Aul. war sie unter dem Vorwande, mit
Achilleus vermählt zu werden, nach Aulis ge-
20 bracht worden. Dunach erzählten manche,
Achilleus habe mit Ipbigeneia den Neopto-
lemos erzeugt; nach Duris hatte er die Iphige-
neia (von Aulis^ nach Skyros entführt, oder
er brachte den mit Iphigeneia erzeugten
Neoptolemos nach der Opferung der Iphige-
neia nach Skvros und übergab ihn der De'ida-
meia, Tzete. L. 183, vgl. 323. Schol. und
Eustath. zu IL 19, 326. Achilleus soll der
ihm verlobten Ipbigeneia, als sie von Aulis
30 nach Skythien gebracht worden war, dorthin
gefolgt sein und lange dort verweilt haben;
der 'A%CXXcios dgotiog (Laufbahn des A.), eine
Landzunge am kimmerischen Bosporos, um
welche er, die Ipbigeneia suchend, gelaufen,
hatte davon den Namen, Eustath. zu Dionys.
P. 306. — Ipbigeneia war ursprünglich Arte-
mis selbst, die den Beinamen Iphigeneia hatte,
wie z. B. zu Hermione, Paus. 2, 25, 2. Hesych.
v. 'itptysvsta, zu Aigeira in Achaia, Paus. 7,
40 26, 3. Diese uralte Mondgöttin ist die-
selbe, welche zu Sparta unter dem Namen
Orthia, Orthosia, zu Brauron als Aithopia
(Mondgöttin, Kallim. fr. 417 Bentl. Welcher,
Gr. Götterl. 1, 571, Selene Tzetz. L. 183.
Anteil. 201) und an den genannten Orten, die
von dem Mythus der Iphigeneia berührt wer-
den, zu Argos, Megara, Aulis verehrt wurde
und auch mit ausländischen Göttinnen ähn-
lichen Charakters identificiert worden ist,
50 namentlich mit der von den Skythen in Tauiis
verehrteu Göttin, welche Tavgiy.rj, Tcivgoi, auch
TavQonöXos und Hekate genannt ward, ur-
sprünglich aber den einfachen Namen Tlag-
divog hatte, Herodot 4, 103. Strab. 7, 308.
Dies Tauris wurde, seitdem die in Byzanz und
an den pontischen Küsten angesiedelten Hel-
lenen den Kult jener skythischen Göttin kennen
gelernt, angesehen als der Ort, wohin Ipbi-
geneia entrückt ward, während man in ältester
60 Zeit an Lemnos, wo ein ähnlicher Kult be-
stand (Müller, Orch. 311. Bor. 1, 3S4), oder nur
ganz allgemein an den hyperboreischen Norden
(Preller, Gr. 31. 1, 251) gedacht haben mag.
Die Artemis Iphigeneia oder Orthia hatte in
alter Zeit, wo die humane Sitte noch nicht
mildernd eingewirkt, einen wild aufgeregten,
mit Menschenopfern verbundenen Kult, und
als nun Iphigeneia als Heroine von der Göttin
305
Iphigone
Iphiklos
306
getrennt wurde, ward sie einerseits eine Jung-
frau, die man der Göttin opferte, andererseits
eine ihr dienende Priesterin, die ihr Menschen-
opfer schlachtete; vgl. d. Art. Artemis; Müller,
Bor. 1, 381 ff. Orch. 310ff. Boeclch, G. I. 2 p. 89.
Deimling, Beleger 160 ff- Welcher, Gr. Götterl.
1, 571 ff. 587 f. Lauer, System 293. 296. Preller,
Gr. Myth. 1, 250 ff. Gerhard, Gr. Myth. 1
§ 330, 4. 342, 2—4. 345, 7. 8. Wilamcwitz im
Hermes 18. Bd. 2. Hft. (1883) p. 249 — 263.
Riegel, Beil. z. Allg. Ztg. 1890 Nr. 105/6. S.
auch d. Art. Iphias. [Stoll.]
Iphigone = Iphigeneia (s. d.).
Iphikles ('icpiy.Xfig, bisweilen auch "icpmlos,
Apollod. 2, 7, 3. Biod. 4, 33 f.): 1) Sohn der
Alkmene und des Amphitryon, in
Theben geboren, Zwillingsbruder des
Herakles, Apollod. 2, 4, 8. Pherekyd.
b. Schol. Od. 11, 266. Schol. II. 14,
323. Tzetz. L. 33, s. Alkmene und
Herakles. Dem Herakles, dem Zeus-
sohn, stand er sehr nach an Kraft
und Mut, Hesiod. Sc. 48 ff. 87 ff. Der
Unterschied der Brüder zeigte sich
schon, als Hera die Schlangen ins
Lager der Knaben schickte, um den
Herakles zu verderben; während
dieser die Schlangen mutig erwürgte,
floh Iphikles furchtsam davon, Apol-
lod. 2, 4, 8. Theökrit. Id. 24, s. Hera-
kles. Bildwerke: Preller, Gr. Myth.
2, 178, 2 [Goldstater von Kyzikos,
Waddington, Bev. num. 1863 p. 234
bis 235, PL 10, 6. Drexler]. Aber
Iphikles war doch ein tapferer Krie-
ger; er zeichnete sich ans in der
Schlacht des Herakles und der The-
baner gegen Erginos und die Orcho-
menier, weshalb ihm der thebanische
König Kreon seine jüngere Tochter
zum Weibe gab, während Herakles
die ältere, Megara, erhielt. Vorher
hatte Iphikles die Tochter des Alka-
thoos, Automedusa, zum Weibe ge-
habt, die ihm den Iolaos, den tapferen
Freund und Genossen des Herakles,
geboren, Apollod. 2, 4, 11 f. Als He-
rakles im Wahnsinn seine eignen
Kinder tötete, mordete er auch zwei
Kinder des Iphikles; aber den älte-
sten, Iolaos, und die Megara, rettete Iphi-
kles, der selbst von Athene gerettet ward,
Apollod. 2, 4, 12. Tzetz. L. 38. Schol Od. 11,
269. Nikol Dam. fr. 20 (Müller, fr. hist. gr.
3 p. 369). Darauf trat er mit Herakles in
den Dienst des Eurystheus, der ihn selbst
freundlich aufnahm, dem Herakles aber von
vornherein feindselig gesinnt war, Nikol. Dam.
a. a. 0. Nach Hesiod. Scut. 89 ff. dagegen
verliefs er, während Herakles und Iolao
er fiel, Diod. 4, 33 f. Apollod. 2, 7, 3. Oder
er wurde in der Schlacht gegen die fürAugeias
kämpfenden Molioniden verwundet, nach Phe-
neos gebracht, von Buphagos und Promne ge-
pflegt, starb aber daselbst und erhielt Heroon
und Verehrung, Paus. 8, 14, 6. [Stoll.] —
2) Vater der lope (s. d.).
Iphiklos ("/qpijdos), 1) Sohn des Phylakos
aus Phylake in Thessalien, als Vater des
lo Protesilaos und Podarkes genannt bei Hom.
B 704 ff. N 698 (Herod. 9, 116). Seine Mutter
ist Klymene, die Tochter des Minyas, nach
Schol Od. I 326 (vgl. Eustath. z. d. St. p. 1689),
Apoll. Eh. 1, 45 f. und Schol, Hyg. f. 14 p. 44,
18 Seh. (Clymene für Periclymene coni.). Bei
Herakles und IphiUles als Kinder; anwesend: Alkmene, Amphitryon u.
Padagog, Wandgemälde (vgl. Roitx u. Barn: , Hercul. u. Fomp. 2 Taf. 9).
Theben aus gegen Kyknos zogen, seine Familie
und seine Eltern, um dem Eurystheus zu
dienen, was er seufzend bereute. Iphikles
war kalyd.oni8ch.er Jäger, Apollod. 1, 8, 2 und
zog mit Herakles gegen Troja, Diod. 4, 48. Er
zog mit dem aus Tiryns vertriebenen Herakles
nachj Pheneos in Arkadien, von da in den
Kampf gegen die Hippokoontiden, in welchem
Paus. 10, 29, 6 (Fragment der Nosten 4) wird Iphi-
klos der Sohn der Klymene und des Kepha-
los, des Sohnes des Dion, genannt: hier ist
Kephalos mit Phylakos, der ebenfalls ein Sohn
des Deion heilst, verwechselt; nur an dieser
Stelle ist überliefert, dafs Kephalos, der Gatte
der Prokris in zweiter Ehe mit Klymene ver-
mählt gewesen sei. Bei Eustath. zu Hom.
B 693 p. 323, 41 werden zwischen Phylakos,
von 60 dem Gründer von Phylake, und Iphiklos, dem
Vater des Protesilaos und Podarkes, ein erster
Iphiklos und ein zweiter Phylakos einge-
schoben. Schol Q zu Od. I 290 (Dind.): Iphi-
klos, Sohn des Herakles (?). — Seine Gemahlin
war Astyoche nach Eust. zu Hom. B 693
p. 323 (Hyg. f. 103 p. 95, 5: Diomedeae ver-
dorben und irrtümlich). Als Bruder der Alki-
mede ist Iphiklos Oheim des Argonauten Iason
307 Iphiklos Iphiniedeia 308
nach Apollon. Rh. 1, 46. — Bei Hom. B 705 den Eber zuerst getroffen habe. — Zu den
heifst er nolvfirjXog; die Rinder des Iphiklos Ai-gonauten wird Iphiklos gezählt von Ap.
oder seines Vaters Phylakos bilden den Gegen- Rh. 1, 201 (aus ihm Orph. 161. Hyg. f. 14
stand einer Sage, die sich bei Hom. X 289 ff. p. 47, 9. Vdl. Fl. 1, 370, wenn nicht Iphitus
angedeutet findet, in der hesiodischen Melam- et frater zu lesen ist) und Apollod. 1, 9, 16. —
podie ausgeführt war (ein Fragm. daraus bei 3) Iphiklos für Iphikles (Bruder des Herakles)
Athen. 9 p. 498 b nr. 194 Rz., auch in den bei Biod. 4, 33, 6. Apollod. 2, 7, 3. Diod. 4,
grofsen Eoien, fr. 168 aus Schol, Ap. Eh. 1, 118) : 34, 1. 49, 3. [Seeliger.] — 4) Ein Sohn des
und nach Pherelcydes (fr. 75) mit kleinen Va- Idomeneus von Kreta, welchen Leukos, der
rianten erzählt wird von Schol. Od. I 287. 290 10 Sohn des Talos, während Idomeneus vor Troja
(Eustath. p. 1685). Schol. Theokr. 3, 43. Apollod. abwesend war, tötete, um sich der Herr-
1, 9, 12 (vgl. Eobert, de Apollodori bibl. p. 39 f.) schaft zu bemächtigen, Tzetz. L. 1218. —
und von Paus. 4, 26, 2 ff. 10, 31, 10. Danach wird 1 5) Ein griechischer (dorischer) Anführer, der,
die durch einen unglücklichen Zufall bewirkte nachdem die Phöniker schon die ganze Insel
Unfruchtbarkeit des Iphiklos durch den Rat Rhodos verloren, den noch in der Burg von
des beim Rinderdiebstahl ertappten und ge- lalysos, Achaia, sitzenden Phöniker Phalan-
fangen gehaltenen Melampus (s. daselbst) ge- thos belagerte. Phalanthos hatte den Orakel-
heilt. Über diese eigentümliche Sage , in spruch, er werde im Besitz der Festung bleiben,
welcher der Eichbaum den Doppelgänger des solange nicht die Raben weifs geworden und
Iphiklos spielt, siehe W. Mannhardt , Antike 20 in dem Wasser der Mischkrüge der Belagerten
Wald- und Feldkulte S. 30 f. Sprichwörtlich sich nicht Fische zeigten, und war guten
war ferner die Schnelligkeit des Iphiklos (vgl. Mutes. Iphiklos aber, der das Orakel erfahren,
den Namen seines Sohnes Podarkes und Hom. veranlafste den ungetreuen Diener des Phalan-
W 636); es hiefs, dafs er über ein Ährenfeld thos, Fische in den Mischkrug desselben zu
laufen könne, ohne die Halme zu knicken, bringen, und liefs Raben fliegen, die er mit
Hesiod, bei Eustath. zu 11. B 693 p. 323 (fr. 143 Gips weifs angestrichen hatte. Jetzt verlor
Bz.); vgl. Schol. Od. 11, 325. Eust. zu II. T 227 Phalanthos das Vertrauen und bat um freien
p. 1281 und zu Od. I 325 p. 1689. Schol. Ap. Abzug. Beim Abzug verhinderte Iphiklos die
Eh. 1, 45 (mit einem Citat des Demaratos, fr. 5 Phöniker auch, List gegen List setzend, ihre
ed. Müller, wonach er auf dem Meere laufen 30 Schätze mitzunehmen. So ging die Herrschaft
konnte; vgl. Norm. Hionys. 28, 284 f.; dasselbe der Insel an die Griechen über, Ergias v. Eho-
gilt von dem Argonauten Euphemos Apollon. dos b. Athen. 8, 360 e. Nach der ebendaselbst
Rh. 1,1 82 ff.). Auf der sog. Kypseloslade war mitgeteilten Sage des Rhodiers Polyzelos hiefs
Iphiklos unter den Wettläufern bei den Leichen- der Phöniker Phakas (Phalas?), und seine
spielen des Pelias dargestellt, wie ihm Akastos Tochter Dorkia schaffte aus Liebe zu Iphiklos
den Siegerkranz darreicht, Paus. 5, 17, 10. die Fische in den Miscbkrug des Vaters und
Vielleicht ist es derselbe Iphiklos, den die liefs weifs angestrichene Raben fliegen, Movers,
schnelle Läuferin Harpalyke (siehe Harpalyke Phönizier 2, 2, 219 ff. Huncker, Gesch. d.
nr. 3) liebte (Athen. 14, 619e). Als Enkel des Altert. 3, 225 * [StolL]
Minyas zählt er zu den Argonauten bei Ap. 40 Iphiloche ('lq}ilö%rj), Tochter des Spartaners
Eh. 1, 45 (aus ihm Orph. 140. Val. Flacc. 1, Alektor, welche dem Sohne des Menelaos
473. Hyg. f. 14 p. 44, 12 Seh.), dagegen fehlt Megapenthes zur Gemahlin gegeben ward,
sein Name im Verzeichnis des Apollod. 1, 9, Andre naunten sie Echemela, Schol. Od. 4, 10.
16, wozu vergl. Schol. Ap. Eh. 1, 45, wonach [StolL]
weder Homer noch Hesiod noch Pherekydes Ipliimachos (ltf(ya%os), Hirte des lemnischen
Iphiklos einen Argonauten genannt habe; über Königs Aktor, Sohn des Dolopion; er ernährte
diese Stelle vgl. Hiller im Rhein. Mus. 1887 den auf Lemnos ausgesetzten Philoktetes, Hyg.
S. 344 und Jessen. Prolegomena in Catalogum f. 102. [StolL]
Argonautarum (Berl. Diss. 1889) p. 7 f. — Iphimedeia ('Icpiusäsia , auch 'Icpifieäri),
2) Sohn des Thestios aus dem aitolischen so Tochter des Triops, Gemahlin des Aloeus, von
Pleuron, Bruder der Althaia und Oheim des Aloeus oder Poseidon Mutter de3 Otos und
Meleagros: Ap. Rh. 1, 201. 199. Schol. Ap. Eh. Ephialtes, der Aloaden. Sie liebte den Posei-
1, 201, wo Deiadameia, die Tochter des Pe- don, wandelte deshalb oft zum Meere und
rieres, als Mutter genannt wird, während nach schöpfte die Wogen in ihren Busen. So er-
Schol. Ap. Eh. 1, 146 Pherekydes (fr. 29) die zeugte Poseidon mit ihr die Aloaden, Od. 11,
Mutter der Althaia Laophonte* die Tochter des 304. Find. Pyth. 4, 89 (156) u. Schol. Apollod.
Pleuron (Apollod, 1, 7, 7), nannte; bei Apollod, 1, 7, 4. Schol. Ap. Eh. 1, 482. Schol. II. 5,
1, 7, 10 heifst sie Eurythemis, bei Hyg. f. 14 385. Hyg. f. 28. Nach Eratosthenes b. Schol.
p. 47, 9 Sch. Leucippe. Nur im Schol. IL 9, 567 Ap. Rh. a. a. O. waren die Aloaden Erd-
wird er namentlich als einer der vom Melea- 60 geborene und wurden von Iphimedeia aufge-
gros getöteten Brüder bezeichnet (Diod. 4, 34 zogen. Als Iphimedeia mit ihrer Tochter Pan-
und Apollod. 1, S, 2 sagen allgemein naCäsg kratis (Pankratö) auf dem Berge Drios im
f)tGTi'ov; andere, nicht Iphiklos, werden nament- phthiotischen Achaia die Orgien des Dionysos
lieh aufgeführt bei Ov. Met. 8, 440 f. Hyg. f. 173 feierte, wurden beide von thrakischen See-
p. 28, 18 Sch. f. 244 p. 136, 20). In einer ab- räubern der Insel Strongyle (später Naxos)
weichenden Überlieferung bei Apollod, 1, 8, 3 (ot geraubt und nach Strongyle gebracht, wo der
äs rpaeiv) wird er als derjenige Thestiade be- Köuig Agassamenos die Iphimedeia eiuem
zeichnet, der nach der Behauptung der Brüder Freunde zur Ehe gab und selbst die Pankratis
309 Iphiniedon Iphitos 310
heiratete. Die beiden Räuber (Skellis und (mit anderen Namen dieselbe Geschichte bei
Kassamenos oder Sikelos und Heketoros) hatten Nikander, Ant. Lib. 17). [Seeliger.] — [4) Ein
sich vorher im Streit um Pankratis gegen- Jüngling in Kypros von niederer Herkunft,
seitig getötet. Die Aloaden, von Aloeus aus- dessen Liebe zu einer vornehmen Jungfrau aus
geschickt, die Geraubte zu suchen, kamen dem Geschlecht des Tenkros, Anaxarete (s.d.),
nach Naxos, besiegten die dortigen Thraker zurückgewiesen wurde. Er erhängte sich an
und bemächtigten sich der Herrschaft, Diod. ihrer Thür. Als Anaxarete aus dem Fenster
5, 50 f. Parthen. 19. Das Grab der Iphimedeia ihres Hauses auf die vorübergetragene Leiche
und ihrer Söhne wurde in Anthedon gezeigt, des Iphis mit kaltem Stolze herabsah, ward
Paus. 9, 22, 5. Verehrt wurde sie zu My- 10 sie von Aphrodite in Stein verwandelt. Ihr
lasia in Karien. In der Lesche zu Delphi war Bild stand in Salamis auf Kypros im Tempel
sie von Polygnot gemalt, Paus. 10, 28, 4. [StolL] der vorschauenden Aphrodite, Ov. Met. 14,
Iphimedon ('itpipidav), Sohn des Eurystheus, 698 ff. Vgl. Anton. Lib. 39, wo der Jüngling
in dem Krieg seines Vaters gegen die Athener Arkeophon, die Jungfrau Arsinoe heifst. [StolL]
gefallen, Apollod. 2, 8, 1. [StolL] Iphis, iilis, fem. ('itpig , tos), 1) eine der
Iphimediisa (Icpifitäovaa) , eine Danaide, Töchter des Thespios, von Herakles Mutter
verlobt mit dem Aigyptiden Euchenor, Apollod. des Keleustanor, Apollod. 2, 7, 8. — 2) Ge-
2, 1, 5. [StolL] liebte des Patroklos vor Troja, eine Gefangene
Iphinoe ('lepivorj), 1) Tochter des Proitos, aus Skyros; in der Lesche zu Delphi von
Apollod. 2, 2, 2, s. Proitos. — 2) Gemahlin des 20 Polygnot gemalt, 11. 9, 667. Paus. 10, 25, 2.
Metion, Mutter des Daidalos, Schol. Sopll. Philostr. Her. 10, 10. Arch. Ztg. 39, 141.
Oed. Col. 468. — 3) Gemahlin des Antaios, Neapler Vase nr. 3254. — 3) Tochter des Pe-
Pherck.fr. 33 6 im Etym. M. 679,51 und Tzetz. neios, Gemahlin des Aiolos, Mutter des Sal-
Lyk. 663. Nachdem Herakles den Antaios moueus, Hellanikos b. Schol. Plat. p. 376. —
niedergerungen, zeugt er mit Iphinoe den Po- 4) Tochter des Ligdos und der Telethusa, aus
lemon (Palaimon Tzetz.). Vgl. auch Apollod. Phaistos in Kreta, von der Mutter als Knabe
2, 7, 8. Arch. Ztg. 7, 79, 4. — 4) Tochter des aufgezogen, weil der Vater vor der Geburt
Niso6, Gemahlin des Megareus, des Sohnes befohlen hatte, das Kind, wenn es ein Mädchen
des Poseidon, Paus. 1, 39, 6. — 5) Tochter des sei, zu töten. Der Ianthe verlobt, wird sie durch
Aktor, Schwester des Eetion, Schol. II. 1, 30 die Huld der Isis m einen Jüngling verwandelt,
18 u. 366. — (>) Tochter des Alkathoos Ov. Met. 9, 666 ff. Vgl. Galateia. — 5) Iphis,
(s. d.), Paus. 1, 43, 4. — 7) Eine von den abgekürzter Name für Iphigeneia, Iphianassa,
lemnischen Frauen, welche die Argonauten in Tzetz. L. 323. 324. Et. M. v. "Jficpig. [StolL]
Lemnos aufnahmen, nachdem sie ihre eigenen Iphistios (Ycptorios) , ein athenischer Heros,
Männer gemordet (s. Argonauten Bd. 1 Sp. 503 ff. nach welchem der Demos 'Itpiauddai (auch
und Thoas). [Bernhard.] 'HtpaiGriddai) benannt war, Hesych. s.v. [StolL]
Iphinome ('Icpivourj), Amazone, Hygin. fab. Iphitides ('icpiziSrjg) heifst Archeptolemos
163. [Klügmann.] (nach Zenodot im schol. II. 8, 158 Erasipto-
Iphinoos ('icpivoog), 1) Sohn des Dexios, lemos), der Wagenlenker des Hektor, Hom. IL
vor Troja von Glaukos erlegt, IL 7, 14, vgl. 40 8, 128. [Höfer.]
Schol. Tzetz. Hom. 133. — 2) Ein Kentaur, Iphition ('Itpixiiov), 1) Sohn des Otrynteus
von Peleus auf der Hochzeit des Peirithoos und einer Najade, aus Hyde am Tmolos in
erlegt, Ov. Met. 12, 379. [StolL] Lydien, von Achilleus erlegt, II. 20, 382 ff. —
l\)hi$ ('Iipig; Hesych. lepig- xa%vg), ma.se. , 1)S. 2) Ein Trojaner, von Neoptolemos getötet,
desAlektor, ein argivischer König (Aras. 2, 18, 4) Quint. Sm. 11, 36. [StolL]
dessen Sohn Eteoklos vor Theben fiel (Aischyl. Iphitos ("icpixog; auf der altertümlichen Vase
Sept. 457. Apollod. 3, 6, 3. Paus. 10, 10, 3), von Caere, 3Ion. d. Inst. 6, 33 (Welckcr , A.
und ' dessen Tochter Euadne (laneira) sich D. 5 Tafel 15) inschriftlich fitpixog; C. I. Gr. 3,
auf den Scheiterhaufen ihres Gemahls Ka- 4248. 4, 7077 Eiq,ixog).
paneus (Bruder des Iphis) warf (Schol. Pind. so 1) Iphitos, der Sohn des Naubolos (II. 2,
Ol. 6, 46. Apollod. 3, 7, 1. Sern. Verg. Aen. 518. Apd. 1, 9, 16), des Herrschers von Phokis
6, 447); daher tritt er als /verwaister Vater und Tanagra (Orph. Ära. 146), und der Peri-
in des Euripides 'iv-ixiStg: (v. 1031 ff.) auf. neike, der Tochter des Hippomachos (Ap. Rh.
(Bei Stat. Theb. 8, 445 ff. fällt ein Iphis auf 1, 207 und dazu Schol.), Enkel des Ornytos
argivischer Seite.) Sein Unglück erscheint als (Ap. Rh. a. O.) oder Ornytion (Schol. Hom. IL
Strafe dafür, dafs er dem Polyneikes geraten, 2, 517), Gemahl der Hippolyte (Hygin. f. 97),
die Eriphyle durch das Geschenk des Halsbandes Vater des Schedios und Epistrophos, welche
zu bestechen (Apollod. 3, 6, 2). Bei seinem Tode vor Troia die Phoker führten (IL 2, 517 ff. 17,
hinterliefs er die Herrschaft seinem Neffen 306. Paus. 10, 4, 1. 36, 4), und der Eurynome,
(wenn nicht a.d£\tpov ncaöi durch ävtipiov itaiSi 60 der Mutter des Adrastos (Hygin. f. 69. 70).
zu verbessern ist) Sthenelos (Paus. 2, 18, 5). — Er war ein Gastfreund des lason und nahm
2) Sohn des Sthenelos, Bruder des Eurystheus, am Argonautenzuge teil (Ap. Eh. a. a. 0. Apd.
aus Argos, der unter den Argonauten im Kampf a. a. 0. Valer. Fl. 1, 363. 3, 480. Hygin. f. 14).
gegen Aietes gefallen sein soll nach Hionysios Von andern wird dieser Iphitos als Sohn des
Skytobr. bei Schol. Ap. Uli. 4, 223. 228 (Diod. Hippasosaus demPeloponnesbezeichnet(Hj/<7i)i.
4,48 ["/qpitov irrtümlich]. Val. Flacc. 1,441). — f. 14; s. oben Bd. 1 Sp. 2665 s. v. Hippasos).
3) Grofsvater der Iphis, der Tochter des 2) Iphitos, älterer (Apd. 2, 6, 1) Sohn
Ligdus und der Telethusa, Ov. Met. 9, 709 des Eurytos von Oichalia und der Antioche
C
311 Iphitos Iphitos 312
oder Antiope, der Tochter des Nauboliden schmählich versagt wird, zerstört er Oichalia;
Pylon. Er hatte mehrere Brüder und eine Sehöl. Eur. Hippol. 545. — Menekrales, verruut-
jüngere Schwester Iole (Ioleia, Viola, Welcher, lieh der Nysaier, ein Schüler des Aristarch
A. TD. 5, 263), auch eigene Kinder (Diod. 4, 31). (Strabo 14 p. 650), giebt als Grund der Zurück-
Näheres über Eurytos und die Eurytiden und Weisung an, Eurytos habe die Tochter selbst
über die Lage von Oichalia s. unter Eurytos geliebt und sich mit ihr vereinigen wollen,
Bd. 1, 1434 ff. Iphitos soll mit seinem Bruder Schol. Soph. Trach. 354. Nach Pherelydes {ebd.)
Klytios am Argonautenzuge teilgenommen haben hätte sie Herakles für seinen Sohn Hyllos be-
(Ap. Rh. 1, 86 ff. 2, 114. Hygin. f. 14). Ton gehrt und, als er sie nicht erhielt, Oichalia
Eurytos, der, wie sein Vater Melaneus, ein 10 eingenommen und die Söhne des Eurytos ge-
trefflicher Bogenschütze war und von Apollon tötet; nur Iphitos sei nach Euboia geflohen,
selbst den Bogen erhalten hatte, erbte Iphitos Nach anderer Darstellung soll der grofseBogen-
diese Waffe; es ist derselbe Bogen, mit welchem schütz einen "Wettkampf im Schiefsen veran-
später Odysseus die Freier erlegt hat. Denn staltet und die Tochter als Preis ausgesetzt
Odysseus war ein Gastfreund des Iphitos ge- haben; Herakles gewann den Sieg, wurde aber
wesen, und dieser hatte ihm in Lakedaimon schmählich abgewiesen, und nun eroberte er
Bogen und Köcher geschenkt. In Mes-jene, im Oichalia und tötete die Brüder der Iole; Eu-
Hause des Orsilochos, hatten sie einander ge- rytos entkam nach Euboia: so Herodoros von
troffen, als der junge Odysseus dorthin abge- Berakleia, derMytholog, in seinem Werke über
sandt war, um eine Schuld einzutreiben, Iphitos 20 die Thaten des Herakles bei Schol. Eur. Hippol.
aber verlorene Rosse und Maultiere suchte. 545 (Müller, fr. h. Gr. 2 p. 36); vgl. Schol.
Odysseus gab dem Iphitos als Gegengeschenk Soph. Trach. 266. Über die Abbildung des
Schwert und Lanze und bewahrte den Bogen Wettkampfes auf einer schwarzfigurigen at-
als wertes Andenken; Hom. Od. 21, 11 ff. — tischen Amphora s. Bd. 1 Sp. 2206; Iphitos und
Vielberühmt ist die Erzählung von dem Tode einer der Brüder liegt besiegt am Boden, Eu-
des Iphitos durch Herakles. Nach Od. 8, 226 f. rytos und einer der Söhne naht bittend dem
war Eurytos in seinem Hause gestorben, und Herakles. Bei Diodor 4, 37 wird von Eurytos
zwar hatte Apollon ihn erschossen, weil er selbst nichts gesagt; getötet werden die Söhne
vermessen den Gott zum Wettkampfe im Bogen- desselben, Toxeus, Molion und Pytios; Iole
schiefsen herauszufordern gewagt hatte. Dem 30 wird gefangen; Iphitos ist nicht erwähnt.
Iphitos aber sollten, wie Odyssee 21, 24 ff. Apollodoros 2, 7. 7 läfst Eurytos samt seinen
weiter berichtet, die gesuchten Bosse zum Kindern durch Herakles getötet werden. —
Todesverhängnis werden; denn er kam auf der Endlich finden sich beide Sagenzüge, nämlich
Suche auch zu Herakles, und dieser, im Be- die Geschichte von dem zurückgewiesenen An-
wufstsein des unrechten Erwerbs (ytyalwv spruche des Herakles an Iole und die heim-
t7ia'aroQct t'oycov — ; nach den Schollen hatte tückische Ermordung des Iphitos, als dieser
Autolykos sie gestohlen und an Herakles ver- kam, um die Herden zu suchen, vereinigt
o"»
kauft), tötete ihn, den Gast, in seinem Hause zugleich wird daran die nach vergeblichen
ohne Scheu vor der Götter Gerichte und ohne Versuchen erlangte Reinigung und Sühnung
Rücksicht auf den gastlichen Tisch, den er 40 des Herakles angeknüpft. So bei PhereJci/des,
selbst ihm vorgesetzt hatte; die Rosse aber der im 3. Buche seines mythologischen Werks
behielt er (vgl. C. I. Gr. 5984 B: [rjX&s 6i die Thaten des Herakles behandelt hatte, nach
dfrififvog] "icpitog [Evqvzov tnbg iig] Tigvv&a Schol. Hom. Od. 21, 20, und damit im wesent-
noliv, [6v 'Hga-xlfig ävslmv vn~\ oXs&Qictg liehen übereinstimmend Sophokles in den
[A?/qDtr£is] vöo\ov imo Jrj^irpoßov ixa&ag&ri iv Trachi nierinnen (vv. 38. 74. 244. 248 ff. , be-
'JyvxXaig]). Dies ist die einfachste und, wie sonders 262 ff., 353 ff.), ausführlich auch bei
es scheint, älteste Überlieferung vom Tode des Apollodoros 2, 6, 1 , Diodoros 4, 31, Schol. II.
Iphitos. Nach der Erzählung des Alexandriners 5, 392. Danach stellt also Eurytos die schöne
Lysimachos in den Paradoxa Thebana sollen Iole als Preis im Bogenkampf auf. Herakles
die Angehörigen des Iphitos 30 Talente als 50 siegt und wird schimpflich abgewiesen, sei es
Bufsgeld für den Totschlag gefordert haben wegen seiner Dienstbarkeit bei Eurystheus,
und darauf Herakles gegen sie zu Felde ge- oder weil Eurytos und dessen Söhne fürchteten,
zogen sein; Schol. Eur. Hippol. 545. Anders er möchte, wenn Iole Kinder bekäme, mit
berichtet Skythinos von Teos in seinem igzoqiyj diesen ähnlich verfahren, wie mit seinen
betitelten Buche den Tod des Iphitos. Eurytos Kindern von der Megara; nur Iphitos, der ältere
und sein Sohn — unter diesem ist ohne Zweifel der Söhne, rät bei Apollodoros dazu, die Iole
Iphitos gemeint — hätten Abgaben von den dem Herakles zu geben, aber vergebens. Bei
Euboiern eingetrieben, da habe Herakles beide Schol. II. 5, 392 schliefst sich unmittelbar
gefangen genommen und getötet; Athen. 11 hieran die Zerstörung von Oichalia durch den
p. 461. — In der gewöhnlichen Erzählung vom 60 erzürnten Herakles und die Gefangennehmung
Schicksal der Eurytiden tritt Iphitos in den der Iole; damit noch nicht zufrieden begeht
Hintergrund; es ist die Form der Sage, welche, er dann erst den Frevel gegen Iphitos, als
wie es scheint, den Hauptinhalt des durch dieser, die Rosse suchend, zu ihm kommt.
Kreophylos von Sainos gedichteten Epos Ol- Nach den andern Berichten treibt der über
%ulCaq ciXacig gebildet hat (Callimach. epigr. 6; seine Zurückweisung erbitterte Held die Stuten
ausführlich darüber Welcher, Ep. Kyll. 2. Aufl. des Eurytos davon, so Diodoros; nach Apollo-
1, 214 ff.). Herakles wirbt um Eurytos1 Tochter doros handelt es sich um Rinder; der durch
Iole, und als ihm diese von Vater und Brüdern seine Listen bekannte Autolykos hatte sie ge-
313
Iphitos
Ipliitos
314
stöhlen, Eurytos aber glaubte, Herakles sei der
Dieb (vgl. Schal. Rom. Od. 21, 23; eben darauf
bezieht sieh auch Plutarch. de sera num. vind,
7 p. 553). Iphitos zieht nun aus die Herden
zu suchen. Der Seher Polyidos warnt ihn nach
Tiryns zu ziehen, aber Iphitos hört nicht auf
den guten Rat und kommt zu Herakles, der
dort wohnte. Dieser lockt ihn mit List auf
eine hohe Mauer, um von dort nach den Herden
auszuschauen, und stürzt ihn von oben hinab, 10
sei es aus Rache für den erlittenen Schimpf, .
oder, nach Apollodoros (vgl. dazu Anacreonteia
8, 10 f. Bergk) von Wahnsinn ergriffen. Über
diese Frevelthat ergrimmt selbst Zeus und be-
fiehlt dem Hermes den Herakles zur Strafe in
die Knechtschaft zu verkaufen. Hermes bringt
ihn nach Lydien, wo die Königin Omphale den
Helden für drei Talente erwirbt. So Pherc-
Jcydes; nach andern ward Herakles infolge
seiner Übelthat von schwerer Krankheit be- 20
fallen (hierauf bezieht sich Rerodors Bemer-
kung, dafs Herakles zweimal vom Wahnsinn
ergriffen wurde, Schol. Find. Isthm. 3, 104; das
erste mal geschah es nach der Ermordung
seiner Kinder) und zog nun ans, um von dem
Morde gereinigt zu werden; zunächst nach
Pylos, wo Neleus wegen seines eigenen Freund-
schaftsverhältnisses zu Iphitos ihn zurückwies.
Auch in Sparta, im Hause des Hippokoon, er-
reicht er seine Absicht nicht; Paus. 3, 15, 3. Erst 30
in Amyklai wird er durch Deiphobos, den Sohn
des Hippoly tos, gereinigt (s.Sp. 311,42). Indes ist
er dadurch noch nicht von der Krankheit befreit
und wendet sich nun nach Delphi; dort zu-
nächst nicht angenommen, sucht er den Drei-
fufs zu entführen ; endlich wird durch das
Orakel bestimmt, dafs er verkauft und das
Geld den Kindern des Iphitos gegeben werden
soll (Diod.); so kommt er in den Dienst der
Omphale, nach dessen Vollendung er schliefs- 40
lieh gegen Oichalia zieht, die Stadt zerstört.
Eurytos und dessen Söhne tötet, Iole gefangen
davonführt. So Sophokles in den Trachinierinnen.
Im einzelnen vgl. noch Schol. II. 2, 336. Paus.
10, 13, 4. Plut. Thes. 6, sowie oben Bd. 1 Sp. 1435
und 2206 unter Eurytos und Herakles. — Prüft
man die im Vorstehenden zusammengestellten
Überlieferungen , so lassen sich zwei unter-
schiedene Züge aus dem Sagengewirr heraus-
lösen ; nämlich erstens das Suchen der abhanden- 50
gekommenen Herden und die dabei erfolgte
Ermordung des Iphitos, dann aber das viel-
besungene Geschick von Oichalia und seinem
Königshause; beide, zunächst für sich bestehen-
den Überlieferungen sind später verbunden
worden. Für Iphitos ist das wohlwollend
freundliche Wesen bezeichnend, das sich in
dem Verhältnis zu Odysseus, wie auch zu
Herakles, äufsert, und dem gegenüber das
Frevelhafte des Mordes um so stärker hervor- co
tritt. Dieses freundliche Verhältnis zu Herakles
läfst sich auch auf dem merkwürdigen caere-
taner Vasenbilde erkennen, welches unter Bei-
fügung der Narnensinschriften den Eurytos und
seine Kinder beim Zechgelage mit Herakles
darstellt; Mon. d~. Inst. 6, 33. Welcher, A. D. 5
Taf. 15. Vgl. oben Bd. 1 Sp. 2206. Während
Eurytos (inachriftl. Evqvtws) und seine drei
anderen Söhne auf zwei Speiselagern gepaart
beisammen ruhen, bilden Iphitos und Herakles
mit Iole in der Mitte eine Gruppe für sich,
Iphitos (ficptrog) und Herakles(7/f paxJUs) liegen
je auf einer Kline neben einander, die Gesichter
freundlich sich zuwendend, zwischen ihnen
steht Iole (ßioXa) mit dem Körper nach He-
rakles hin, das Antlitz dem Bruder zugewandt,
entsprechend der bei Apollodoros erhaltenen
Überlieferung, nach der Iphitos der Werbung
des Helden um die Schwester günstig ist. Vgl.
O. Müller, Bor. 1, 418. 448. B. Matthiae in
Ersch u. Grubers Encyld. s. v. Iphitos. Preller,
MythoU 2, 224 ff.
3) Iphitos, bei Diodoros 4, 48 der sonst
Iphis (Iqiig) genannte Bruder des Eurystheus
(s. d. u. Iphis), Teilnehmer am Argonautenzuge,
von Aietes getötet. Vgl. Iphitos 4.
4) Iphitos, wurde von Kopreus, dem
Sohne des Eleiers Pelops und Vater des Peri-
phetes, getötet Apd. 2, 5, 1. Der Mörder floh
nach Mykene und ward von Eurystheus ge-
reinigt, dem er als Herold diente, vgl. Rom.
11. 15, 640. Vielleicht war dieser Iphitos mit
dem sonst Iphis genannten Bruder des Eury-
stheus identisch. Vgl. B. Matthiae in Ersch
und Gräbers Encyld. s. v. Iphitos.
5) Iphitos, Vater des Archeptolemos,
eines Wagenlenkers des Hektor. II. 8, 128.
C) Iphitos von Elis, nach Ansicht der
meisten Griechen Sohn des Praxonides, nach
den yquiifiata äp^oria der Eleier des Iphitos,
nach der Inschrift seines in Olympia aufge-
stellten Standbildes des Haimon (Paus. 5, 4, 4.
Phlegon Ol. 1 bei Müller, fr. Mst. Gr. 3 S. 602).
Bei Eusebios (xqovoyq. avvr. Schoene 1 app.
p. 64) steht statt Iphitos Hephaistos, sein
Vater Praxonides aber heifst ein Sohn des
Haimon. — Iphitos stammte in gerader Linie
von dem elischen Eönige Oxylos ab; Pausa-
nias kannte die Reihe der Ahnen, verschweigt
sie aber absichtlich, da keiner von Bedeutung
war. A.ls Nachkomme des Oxylos war I. dem
Geschlechte des Herakles verwandt (s. unter
Oxylos); geradezu ein Heraklide heifst er Schol.
Plat. resp. 5, 465 D ; vgl. Phlegon a. a. O. —
Iphitos soll das grofse Fest des Zeus in Olym-
pia neubegründet und fest geordnet haben,
und zwar nach den drei Seiten des Agon, der
Panegyris und der Ekecheiria (Paus. a. a. 0.
Ephoros bei Strabon 8, 358. Vellej. Paterc. 1,
8, wo mercatus gleich navi'iyvqig ist). Seit
dem Tode des Oxylos waren nämlich die
Olympien nicht mehr begangen worden (Paus.
5, 8, 2); nach Schal, Pind. Ol, 3, 20 sogar
seit Herakles nicht. Über den Hergang der
Stiftung wird folgendes Einzelne berichtet:
Ganz Hellas, insbesondere die Peloponnes, war
zu jenen Zeiten von inneren Unruhen zerrüttet
und überdies von einer pestartigen Krankheit
heimgesucht. Daher wandte sich Iphitos an
den delphischen Gott um Hülfe, und die Pythia
befahl, er selbst und die Eleier sollten den
olympischen Agon erneuern (Paus, und Phle-
gon a. a. 0. Euseb._chron. 1 p. 192 ff. Schoene).
Nach allgemeiner Überlieferung hat Lykurgos,
als Heraklide dem Geschlechte de3 Iphitos
verwandt, an der Einrichtung sich beteiligt
315 Iphitos . Iphitos 316
und mit I. zusammen die erste gezählte Feier Agonotliet und auch nach ihm verblieh diese
der Olympien veranstaltet (Athenaios 14, 635. Würde lange Zeit den Nachkommen des Oxylos
Euseb. cliron. 1 p. 19-2). Insbesondere wird (Paus. 5, 9, 4). Der Agon war damals noch
beiden die Ekecheiria zugeschrieben, so von auf den Lauf im Stadion beschränkt (Paus.
Aristoteles nach Plutarch Lycurg. 1 (vgl. über 5, 8, 3. 8, 26, 3. Euseb. cliron. 1 p. 192). Nach
Lykurgos Heraclidcs Pont, de reb. publ. 2 bei Phlegon a. a. 0. wurde in den ersten fünf
Müller, fr. last. Gr. 2 p. 210). Der Geschieht- Olympiaden niemand bekränzt. In der sechsten
Schreiber Hermippos erzählte nach Plutarch beschlofs man dieserhalb das Orakel zu be-
Lyc. 23, dafs, wie manche berichteten, Lykurgos fragen und sandte König Iphitos zu dem Gotte;
anfangs mit Iphitos keine Gemeinschaft gehabt 10 dieser befahl fortan als Preis für den Sieger
habe. Als er aber einst in Olympia war und das Reis eines wilden Ölbaums zum Kranze
den Spielen zusah, vernahm er hinter sich eine zn winden, den man, von dünnem Spinngewebe
Stimme, die ihn rügte, dafs er seine Bürger überzogen, unter vielen herausfinden werde,
nicht zur Teilnahme an der Panegyris veran- Es geschah, und von diesem Baume wurde
lasse, und da niemand zu sehen war, erkannte seitdem der Siegeskranz entnommen. Der erste,
er einen Wink der Gottheit, schlofs sich nun- der den Kranz erhielt, war Ol. 7 der Messenier
mehr an Iphitos an und sorgte gleich diesem Da'ikles (Phlegon a.a.O. Dion. Hai. H.A. 1,71).
für Steigerung des Festglanzes und dessen — Von Iphitos bis zu der ersten gezählten
Sicherung. Bei Phlegon a. a. 0. u. Schal. Piaton. Olympiade, in welcher Koroibos im Stadion
resp. 5, 465 D, die beide aus derselben Quelle 20 siegte, rechnete Aristodcmos von Elis 28 Olym-
schöpfen, wird neben Lykurgos von Sparta piaden, Kallimachos nur 14 (Euseb. chron. 1
und Iphitos von Elis auch Kleosthenes, des p. 192. Phlegon a. a. 0., vgl. Clem. Alex. Str.
Kleonikos Sohn, von Pisa als Erneuerer der 1, 145 Sglb.). Vermutlich hatte Kallimachos
Panegyris nach den alten Satzungen und als Oktaeteriden im Sinne, deren 14 gleich 2S
Veranstalter des gymnischen Agons genannt. tetraeterischen Olympiaden sind. Dafs in der
Auf deren Anfrage in Delphi erklärte der Gott gezählten Ol. 6, also 34 Olympiaden nach seiner
seine Zustimmung und fügte den Befehl hinzu, Einsetzung des Agons, Iphitos noch gelebt
dafs man den Staaten, welche an dem Agone habe, ist nicht möglich. Schrieb man ihm
teilnehmen wollten, eine Ekecheiria ansagen daher die Einführung des Kranzes Ol. 7 zu,
solle; Phlegon a. a. 0. Nach Eusebios chron. 1 so so erklärt sich das entweder aus dem Ansehen
p. 192 f. hatte Iphitos aus der ganzen Pelo- seines Namens, welches wohl bewirken konnte,
ponnes Theoren nach Delphi geschickt, und dafs ohne Rücksicht auf die Zeitrechnung eine
der Gott hatte sowohl den Peloponnesiern als derartige Neuerung auf den berühmten Her-
den Eleiern insbesondere seine Weisung er- steller des alten Festes zurückgeführt wurde,
teilt, deren Wortlaut angeführt wird. Phlegon, oder es mufs ein jüngerer Iphitos arge-
dessen Darstellung auf eine alte Quelle zurück- nommen werden, der diese Einrichtung traf,
geht, die unverkennbar den Einflufs des olym- M. P)uucl;er (nach Car. Müller, Chronogr. 130)
pischen Sehergeschlechtes der Iamiden verrät, beseitigt die Schwierigkeit dadurch , dafs er
giebt die Orakel ebenfalls; er weifs überdies die Olympiadenfeier des Iphitos mit der ersten
von mehreren wiederholten Befragungen und 40 von 776 v. Chr., in welcher Koroibos siegte,
führt den Wortlaut einer dem Lykurg erteilten identificiert (vgl. Paus. 8, 26, 4). Ihm folgen
Antwort in 14 Hexametern an. — Die Ein- Unger, Philo!. 29, 247 ff. u. andere, schwer-
richtung der Ekecheiria galt als das Hauptver- lieh mit Recht, siehe Curtius , Gr. C?.6 1
dienst des Iphitos. Ihr Inhalt war in kreis- S. 658, 58. — Iphitos ist eine jener halb ge-
förmig herumlaufender Schrift auf einem Dis- schichtlichen, halb sagenhaften Gestalten, an
kos verzeichnet, den Aristoteles als Zeugnis welche die Überlieferung von den Anfängen der
der Teilnahme des Lykurg, dessen Name noch Olympienfeier anknüpft, ein elischer. Heros aus
darauf zu lesen war, anführt (Plut. Lyk. 1. ätolischem Stamm, und als solcher der Ver-
Phlegon a. a. 0. Paus. 5, 20, 1). Dieser Diskos treter von Koile Elis, während Kleosthenes für
galt als uraltes Stück aus des Iphitos Zeit 50 die Pisatis und Lykurgos für Lakedaimon ein-
und wurde im Heraion zu Olympia aufbewahrt, tritt. Die Vereinbarung der drei Landschaften
wo ihn noch Pausanias sah. Wie hoch man geschah unter delphischem Einflufs. Auch die
dies Verdienst des I. schätzte, geht aus der bedeutsame Überlieferung, dafs durch Iphitos
Bildergruppe hervor, welche im olympischen der Dienst des Herakles in Elis eingeführt
Zeustempel nahe dem Eingange stand und wurde, scheint die Verbrüderung der ätolischen
den Iphitos darstellte, welcher von der Frauen- und dorischen Stammgenossen, das ist Elis
gestalt der Ekecheiria bekränzt wird, wie dies und Sparta, durch die Feier am gemeinsamen
die angebrachte Inschrift in Versen bezeugte Bundesheiligtume des pisäischen Zeus zu be-
(Paus. 5, 10, 3. 26, 2; [vgl. Michaelis, Arch. deuten. Die Vereinigung wurde durch den
Z. 34 S. 172 f. R.]). — Ein anderes Ver- co Gottesfrieden befestigt, welcher zur wieder-
dienst des I. bestand darin, dafs er, selbst ein kehrenden Festzeit allen Peloponnesiern auf-
Heraklide, die Eleier mit dem einst feindlich erlegt ward, für Elis aber dauernd währte.
gewesenen Herakles aussöhnte und sie über- Diese folgereiehen Stiftungen sind es, welche
redete, dem Heros Opfer zu bringen (Paus. 5, von der Überlieferung an Iphitos den Eleier
3,1 f. 4,4). — Als Iphitos den Agon erneuerte, geknüpft werden. — Vgl. 0. Müller, Dorier
waren die alten Gebräuche bei den Menschen 1, 129 ff. 449. M. H. E. Meyer bei Ersch u.
vergessen und kamen erst allmählich wieder Gruber, „Olymp. Spiele" 3, 3, 296 ff. Krause,
in Erinnerung (Paus. 5, 8, 2). Er war allein Olympia S. 31 ff. E. Curlius, Griech. Gesch.6
317 Iphthe Irene (= Eirene) 318
1,212 f. 658, 58; derselbe, Sparta und Olympia, dem Datuni LE (Mi. 6,65 — 66, 179. Feuardent,
Hermes 14 S. 129 ff. Duncker, Gesch. des Altert. 6 Egypte anc. 2, 27, 684. PI. XIV, und L?, Mi.
5 S. 281 ff. Unger, Philologus 1885 B. 44 S.183f. 6, 66, 184. Feuardent 27, 687), auf denen die
Busolt, Griech. Gesch. 1 S. 130 ff. [Weniger.] Göttin stehend, das Kerykeion in der R., einen
Iphthe ("Icp&rf), eine der sechs Töchter des Helm auf der L. dargestellt ist. — Ich gebe bei
Aiolos und der Telepora, Apostol. 1, 83; beim dieser Gelegenheit einige Notizen über oben
schol. Hom. Od. 10. 6 heifst sie Iphe (v. 1. nicht verzeichnete Münztypen der Eirene. Mit
"Ecptj) und ihre Mutter Telepatra. [Höfer.] der Beischrift EIPHNH erscheint sie ganz in
Iphthime ('Icpdt'jiTi), 1) Tochter des Ikarios der eben beschriebenen Weise auf alexandri-
und der Asterodia, welche T. des Eurypylos, 10 nischen Silbermünzen des Nero mit dem Datum
Sohnes des Telestor, war, Schwester der Pene- l_r (Mi. 6, 64, 165 = Zoega, Numi Aeg. Imp.
lope, Gemahlin des Eumelos, Herrschers im p. 23 nr. 8. Feuardent 25, 670); den Helm in
messenischen Pherai. Die Schwester der Pene- der R. , den Caduceus in der L. auf einer
lope hiefs auch Mede, Hypsipyle, Laodameia, alexandrinischen Potinmünze des Vespasian
Od. 4, 797 n. Schol. [Stephani, Compte-rendu aus dem 2. Jahr, RH. 6, 80, 304 = Mus.
p. l'a. 1860 p. 51 ist geneigt, Iphthime zu Thewpöli p. 1107, Auf alexandrinischen Kaiser-
erkennen auf einer von ihm a. a. 0. p. 39 — 53 münzen kommt sie ferner, durch die Beischrift
Tafel 2 besprochenen Amphora. Drexler.] — EIPHNH kenntlich gemacht, in folgenden Dar-
2) Tochter des Doros; sie gebar dem Hermes Stellungen vor: stehend, eineu Olivenzweig in
mehrere Satyrn, Nonn. Dion. 14, 114. 18, 315. 20 der R., das Kerykeion in der L. , auf Potin-
[Stoll.] münzen des Vespasian aus dem ersten (Mi.
Iphys (lepvg) hiefs in dem Argo betitelten 6, 79, 300. 301), zweiten (Mi. 6, 80, 303. Zoega
Stücke des Aischylos der sonst Tiphys (s. d.) p. 42 nr. 11. Feuardent 36, 777) und dritten
genannte Steuermann der Argo, Schol. Apoll. Regierungsjahr (Mi. 6, 81, 311. Feuardent 36,
Rhod. 1, 105 = frgm. Aesch. 22 Nauck. 782); sowie auf solchen des Titus aus dem
[Höfer.] ersten (Mi. 6, 85, 351) und zweiten Jahr (Mi.
Ipta (MtJvtiq "lata). Eine der MHTPI ITTTA 6, 80, 357. Tristan, Gomment. Tust. 1 p. 299);
KAI AIEI 2[aßa't;i'm] gewidmete Inschrift aus stehend, in der R. eine Ähre, in der L. das
Göldis ist verzeichnet Movaeiov v.al ßißl. rf/g Kerykeion auf einer Potinmünze des Vespasian
ivayy. c%olrjg 3, 1/2 p. 169 nr. rfiß', vgl. Bochl 30 aus dem ersten oder vierten Jahr (Mi., Suppl.
in Bursians Jahresber. 36. Bd. 11. Jg. 3. Abt. 9, 35, 63 nach G. di S. Quintino, Med. Aless.
p. 86 und Voigt in diesem Lexikon Bd. 1 ined. del Mus. Egis. di Torino p. 8 nr. 19);
Sp. 1085, der in ITTTA eine Verschreibung für in der R. Ähren, in der L. das Kerykeion auf
"liina, den Namen der Amme des Dionysos, einer Bronzemünze des Vespasian aus dem
sieht. [Drexler.] neunten Jahr (Mi. 6, 84, 345 = Mus. Theupoli
Ira, Personifikation des Zorns, ein Kind p. 1109) nnd auf einer Bronzemünze der Do-
des Äthers nnd der Erde, Hyg. praef. Vgl. mitia mit der Aufschrift 6IPHNH • C6BAT
Stat. Theb. 3, 424 u. 9, 832. Arch. Z. 33, 69 (wohl C6BACT[H] = Pax Augusta), L IA,
Anm. 28. [Stoll.] Mi. S. 9, 39—40, 90 (Cab. de Lagoy); stehend,
Irbos ('Igpog), Sohn des Amphisthenes (s. d.), 40 der Homonoia die Hand reichend, mit Ähren
Vater des Astrabakos (s. d.) und Alopekos in der R. auf alexandrinischen Kaisermünzen
(Paus. 3, 16, 9). Ist auch die Bd. 1 Sp. 659, 9 des Trajan, s. oben unter Homonoia Bd. 1
angeführte Zusammenstellung des Namens Irbos Sp. 2703; sitzend 1. h., in der R. eine Schale,
mit hircus sprachlich sehr zweifelhaft, so deuten zu Füfsen ein Füllhorn auf Alexandrinern des
doch die übrigen Elemente der Erzählung auf L. Veras mit dem Datum LA (Mi. 6, 320, 2216.
den Kreis der Vegetationsdämonen, da Fuchs Feuardent 156, 2173); sitzend 1. h., eine Schale
und Esel neben dem Bock häufig als solche in der R. , die L. gestützt auf ein Füllhorn,
erscheinen (Mannhardt, Myth. Forsch. S. '93 ff. welches auf den Stuhl gelegt ist, auf einer
108 ff. 170 und sonst), Artemis Orthia zur Silbermünze des Marc Aurel und L. Verus mit
Befruchtung in naher Beziehung steht (s. Bd. 1 50 dem Datum LA (Feuardent 148, 2098, PI. XXV);
Sp. 586, 57 ff.), nnd die in ihrem Kulte dar- sitzend 1. h., im Doppelchiton und Mantel, das
gebrachten Menschenopfer dem Töten der Ge- Haupt bekränzt, in der R. eine Schale, den 1.
treidedämonen und ihrer menschlichen Ver- Arm gelegt auf die Lehne eines Stuhles, die
treter (Mannhardt a. a. 0. S. 29 ff. u. öfter) von einem Adler mit ausgebreiteten Flügeln
entsprechen könnten. Auch der Wahnsinn, gebildet wird, vor einem flammenden Altar,
welcher nach Auffindung ihres Bildes den unter dem Sessel das Füllhorn auf einer Grofs-
Astrabakos und Alopekos befallen, dürfte viel- bronze des L. Verus mit dem Datum Lr
leicht als eine der Begeisterung der Luperei (Kenner, Die Münzsammlung des Stifts St. Flo-
und der ihnen ähnlichen Umbildungen von rian p. 193—194, Tfl. VIII, 8); sitzend 1. h.,
Getreidedämonen (Mannhardt a. a. 0. S. 154; eo opfernd mit der R. vor einem Altar, in der
vgl. den in der Gestalt eines tollen Hundes L. ein Füllhorn auf einer Grofsbronze des M.
vorgestellten Vegetationsgeist, S. 103) analoge Aurel mit dem Datum Lr (Mi. 6, 297, 2038) ;
Erscheinung aufzufassen sein. [Steudiug.] sitzend, einen Olivenzweig haltend auf einer
Irene (IPHNH) ist der Eirene beigeschrieben Grofsbronze des L. Verus mit dem Datum LH,
auf einigen alexandrinischen Silbermünzen des (Mi. 6, 331, 2292 nach Harduin'Op. sei. p. 781
Claudius mit dem Datum Lr (Eckhel, Cat. N. ex museo Foucault); sitzend, die R. erhoben
V. Mus. Caes. Vind. 1 p. 265. I). N. V. 4 auf einer Grofsbronze der Lucilla, Mi. 6,
p. 51. Mionnet G, 56, 98) und des Nero mit 2316 (Ccdj. Töchon).
?.?.?.
319 Iria Iris (= Göttin d. Regenbogens) 320
Die Büste der Göttin erscheint auf Bronze- lesen Iriae, so dafs in beiden Inschriften eine
münzen der Agrippina jun. mit dem Datum LIB Göttin Iria genannt wäre. [R. Peter.]
(Mi. 6, 62, 149 MorelJ. Imp.); verschleiert, Iris (igig, etrusk. Irisis [s. d.] 1) Fem.
mit Ölbaumzweig bekräuzt, dahinter ein Kerj--
keion auf Potinmünzen des Galba aus dem A> Der Regenbogen,
ersten Jahr (Mi. 6, 74, 255. Feuardent 32, 1. i\ Igig kommt in der Ilias an zwei
740. Cohen, Cat. Greau 249, 2958); ebenso auf Stellen vor, beidemal in Vergleichen. P 544
solchen des Otho aus dem ersten Jahr (Mi. stürmt Athene auf Zeus' Geheifs vom Himmel
6,76 — 77, 277); verschleiert, mit dem Lorbeer- herab, um neuen Streit zu erwecken: „wie
kränz, davor ein Stern auf Potinmünzen aus 10 ein purpurner Regenbogen, den Zeus am Him-
Galbas zweitem Jahr, Feuardent 33, 749; vgl. mel ausspannt vor den Menschen, einSchreckens-
Mi. S. 9, 33 — 34, 53 aus Sestini, Mus. Hederv. zeichen (rtgag) zu sein von Krieg oder kaltem
3. Cont. p. 16 nr. 5; ebenso mit eiuem Sim- Regensturm u. s. w. : also tauchte umhüllt
puluin statt des Sterns , Feuardent nr. 750. mit purpurner Wolke Athene unter das Volk
Auch auf Bronzemünzen des L. Verus mit dem der Achäer u. s. w." Der Vei-gleich, für
Datum Ls (?) kommt die Büste der Eirene welchen auch der Scholiast nur das frsiöztgoi'
vor, Cat. Greau 269, 3216. Feuardent 160, 2233. als Berührungspunkt linden kann, i>t keiner
Auf Silbermünzen der epizephyrischen der sinnlich ansprechendsten im Homer und
L okrer sieht man sie, begleitet von der Bei- läfst nur an das Aufleuchten einer Götter-
schrift EIPHNH AOKPRN, ein Kerykeion in 20 erscheinung in der Höhe denken. A 26 wird
der R., auf einem Cippus sitzend, Carelli, Num. der Brustschmuck vom Panzer Agamemnon«,
Ital. Vet. T. CLXXXIX, 13. Cat. of. Gr. Coins einem Geschenk des Königs von Kypros, wie
in the Brit. Mus. Italy p. 364 nr. 1. Gardner, folgt beschrieben: xvüvtoi äi ägdxovTf g ögeogi-
Types of Greel; Coins p. 122 PL V, 11. Head, xaT0 ngorl dsigriv | rgsig £xdrig&' igiaaiv
H. N. p. 86. Nach Head a. a. 0. p. 98 er- iomortg, ag xi Kgovicov | ir »f'qpfi' crrjpijf,
scheint sie möglicherweise auch auf Münzen rigeeg (itgönav ctvirgcSncov. Die Ähnlichkeit
von Terina. liegt nicht in cden schillernden Farben der
Stehend, bekleidet mit Chiton und Peplos, Drachen' (Welcher, Gr. Götterl. 1, 690), son-
in der R. das Kerykeion, mit der Beischrift dem in der Wölbung (to3 y.vgrcafiari Schal.
EIPHNH kommt sie vor auf Münzen des Augustus 30 schwankend, bestimmter Hesych. ig. echx.] ov ra>
von Nikornedeia (Eclchel , D. N. V. 2 p. 400 xgcofiaTL äXXa zä ejjrjuar;. o'Aot yäg eiei avv-
aus Fellerin, Mel. 2. Mi. 2, 466, 303. Cat. (argaa^ivoi) der auf den Brustwarzen liegen-
of Greel: Coins [in the Brit. Mus.] Pontus, den, mit ihren Enden sich in der Mitte be-
Puphlagonia , Bithynia and the Kingdom, of gegnenden oder ineinander laufenden Spiralen,
Bosporus p. 179 nr. 5); stehend, in der R. sei es, dafs wirklich Schlangen gemeint waren
Ähren, in der L. das Kerykeion, mit der Bei- oder der Beschreiber sie nur dafür hielt;
schrift 6IPHNH . KAAZOMGNK2N auf solchen darauf kommt nicht soviel an wie auf die
des Vespasian (Mi. 3, 71, 86) und des Titus Parallelität der drei Linien (rj icgog -cijv
und Domitian (Mi. 3, 72, 87 nach Wise, Num. didctaoiv <xvto>i> rj ofioiaaig Schöl.), welche au
Bodlej. Tab. XIII Fig. 4 p. 61 von Klazome- 40 die Farbenstreifen der Iris erinnerten.*) Be-
nai); stehend, mit dem Schleier, mit der R. kanntlich sind derartige Ornamente auf den
aus einer Schale über einem flammenden Altar Metallgegenständen der mykenischen Gräber,
libierend, mit der L. ihr Gewand haltend, mit wo die Spirale überhaupt vorherrscht, durch-
der Beischrift 6IPHNH ■ e^ECIQN auf einer aus nichts Ungewöhnliches; man vergleiche
Münze des Gordianus Pius von Ephesos (Mi. aufser dem Brustschild aus dem 5. Grabe,
S. 6, 183, 681); stehend, Ähren in der R., ein abg. bei Schuchhardt,SchHemamis Ausgrabungen
Füllhorn in der L., mit der Beischrift C6- 1890, nr. 256, namentlich nr. 252 (S. 285) und
BACTH • 6IPHNH (=Pax Angusta) ■ MArNHTQN • (dasselbe umgekehrt) nr. 170 (S. 220). Die Her-
ATTO ■ CITTY auf einer des Vespasian von kunft dieses Waffenstückes verweist der Dichter,
Magnesia ad Sipylnm, Mi. 4, 73, 396 aus 50 wie alle wertvollere Metall- und Textilware,
Gab. Cousine'ry; vgl. Head, H. N. p. 551. in den phönizischen Kulturkreis (vgl. Heibig,
Ihr Haupt mit der Beischrift 6IPHNH • NY- Hom. Ep°s'~ 19)> "wobei zu berücksichtigen ist,
CA6QN findet sich auf dem Obv. autonomer M. dafs die homerische Tradition ja nur den
von Nysa (Liebe, Gotha num. p. 336, woher Namen Sidonier kennt, nicht den der Tyrier,
bei Eckhcl, F). N. V. 2 p. 586 und bei Mi. der bei den historischen Schriftstellern über-
3, 363, 348. T. Combe, Vet. pop. et reg. numi wiegt, sich also vor dem Aufkommen dieser
qui in Mus. Brit. adseroantur p. 178 nr. 1); Macht, d. h. vor Schlufs des zweiten Jahr-
auch verzeichnet Mi. 365, 361 eine Münze tausends festgesetzt haben mufs. Zcnodot, der
des Domitian von dieser Stadt mit der an- offenbar an dem Plural i'gieaiv Anstofs nahm,
geblichen Obvers-Urnschrift EIPHNH ■ AOMI- go vielleicht auch das Bild nicht ganz begriff,
TIANOY ■ AYTOKPATOPOI. [Dresler.] schrieb igi'äsaaiv, vielleicht ohne darum —
Iria(y) Auf Grund der Inschrift C. I. L. was ihm seine Gegner, s. Schol. z. H., in-
3, 3033 (aus Fianone) Irie . Veneri \ C . Vale .
Uptati . f\ Felicula I V. S. 7. m will Mommsen *> Die Auffassung einiger Seholien, welche i sich
in der folgendermafsen überlieferten Inschrift ™^™^ und 2 darüber sich aufbäumende .Schlangen-
-. f,/\n« / i r n tt \ -r/ • 4 ' köpfe unterscnemi'ii, sclu-mt. soweit man urteilen kann,
das. 3032 (ebenfalls aus Fianone) Ikiae . Aug \ ohne dle erkläl.ende' Zeiclmung im Tu,,ni<nan,ls geseheu
m . memonam | Vfijbiae . Portiae \ matns \ zu habeil] auf eine i-orm äblliiCh der Schuchharm, SchUe-
Aquilia . Q . f . Colatina \ d . d für' Ikiae manm Ausgr. nr. 169. 170 hinzuführen.
321 Iris (Beziebg. z. Regen u. Flufswasser) Iris (aus der Styx schöpfend) 322
sinuieren — beides für identisch zu halten, nien, mochte dies auch vielleicht nur griechi-
wie es einer späteren Etymologie beliebte. sehe Umformung eines barbarischen Namens
2. Iris und die Feuchtigkeit. (der frühere klang angeblich 'EgCSiog Arrian
a) So einfach die Naturvorstellung be- b. Eust. z. Dion. Per. 783) sein; sowie die
schaffen ist, 'Zeus spanne den Bogen am Inder-Mythologie des Hellenismus, wo Iris und
Himmel aus', oder, wie es bei den LXX Mos. Hydaspes zu Kindern des hesiodischen Paares
1,9,13 heifst, 'siehe, meinen Bogen habe ich Thaurnas und Elektra gemacht sind: fjg <xnb
gesetzt (vgl. exr/gt^i) in die Wolken', so haben Xiv.xgiov \ v.al jtoxaubg ßXctGxrjOS y.al äyysXog
sich doch beide eine Umdeutung gefallen Ovgavtcövcov, j Igig atlh)scocc -nal iöy.vgh9gog
lassen müssen: die homerische als ein Kriegs- 10 'Täctonyg, Norm. 26, 359. Vgl. noch die sonder-
bogen der Göttin Iris (El. H. Meyer, Gandharven- bare Etymologie (Etym. Qua. 'Igig) von §siv
Kentauren 161), die hebräische als ein solcher v.cel v.ivsiv xbv bfißgov (die La. des Etym. M.:
des alten 'Regengottes Joseph' (Goldziher,Mytli. nagü xb xngtiv ■/.. x. r. o. ist für Dittographie
bei d. Hebr. 157). Ohne darauf einzugehen, des xb zu erachten). Vgl. auch Suid. s. v. xrjg
notieren wir blofs den verschiedenen Eindruck i'giSog xb %Xoigbv äigog aqu.uvxiv.6v xb nvggbv
des Phänomens bei den zwei Völkern selbst. nv^vauxeov xb äi fiiXavi^ov vSäxcov. — Zu
Für das heitere Farbenspiel, welches etwa dem Wassersaugen aus den Flüssen vgl. He-
nach schwerem Gewitter 'der unter Thränen siod. O.etD. 545 ff., wo die Winde dies thun,
lächelnde' Himmel entfaltet, für 'das Zeichen und die ziemlich alten Münzen von Mallos
des Bundes' oder der Versöhnung zwischen Gott 20 mit Iris und Winden, letztere über einen
und Menschen, hatte, wie es scheint, der stierleibigen Flufsgott dahinjagend (Svoronos,
Grieche kein Gefühl. Es war und blieb ihm Ztschr. f. Num. 1888 Taf. 10 p. 231). Damit
ein xigctg, eine Unruhe erweckende Monstrosi- hängt vielleicht die seltsame Vorstellung bei
tat. Die ganz einseitige Auffassung als ein Aetius zusammen, deren Vertreter übrigens-
Vorzeichen von Regenwetter (über deren nicht mit Lobeck, Agl. 895° unter den Pytha-
etwaige klimatische Berechtigung vgl. Cor- goreern zu suchen sind (vgl. Aelian, V. H.
nelius, Meteorologie § 311 S. 647 f.) beherrscht 4, 17. Diels, Doxogr. Gr. 372).
das ganze griechisch-römische Altertum. ''Igig b) Au einer jüngeren Stelle der hesio-
ä' ix TciXdyovg avtyov cpsgfi r] tityuv bußgov dischen Theogonie 775 ff. wird die in den Re-
sagt 'Eji7rErVo>di]s ti'xe xig xeov ixigcov beiTzetzes 30 gionen der Nacht und des Hades gelegene
(Allegor. Hom. II. 15, 82, vgl. 24,' 71), der nur Behausung der Styx beschrieben, welche
diesen Anfangsvers in seiner^ Quelle vorfand*) letztere dort eigentlich eine Quelle und nur
(Matranga, Anecd. gr. 1). Ähnlich behauptet oberflächlich mit der Hülle der Personifikation
Anaxagoras von der Iris: y^nicovog oiv iaxi umkleidet ist. Wenn einer der Götter lügt,
cviißoXov xb yag nigiyiofiivov väcog reo vtcpsi heifst es da (v. 785), sendet Zeus die Iris iiiyuv
üvifiov InoirjOtv r) i£s%ssv bu.ßgov (Schol. Hom. og%ov ivslxui, xrjXo&tv iv %gvairj iigo%6co,
P 647; das vollständige Citat intakt nur im noXvcovvuov väcog x. x. X., ein Wasser, welches
Townleianus ed. Maafs). Schol. Hom. W 199 den Meineidigen in einen todesähnlichen Schlaf
lag rj Igig cpavtica noXXdv.ig uviticov v-ivveiv versetzt, dem Unschuldigen aber offenbar nicht
örjXoi v.xX. Schon am Altar des amykläischen 40 schadet. So unrichtig es wäre, Bildwerke des
Apoll war die Figur der Iris mit Meergott- 5. Jahrhunderts, welche die schwebende Iris
heiten verbunden, wie sie es auch auf er- mit Kanne in der Hand darzustellen scheinen,
haltenen Monumenten des 5. Jahrhunderts ist auf die Theogonie und das Styx -Wasser zu
(s. unten Sp. 340). Später macht sich die beziehen, so erwägenswert ist die Meinung,
Idee geltend, dafs Iris die Feuchtigkeit zu dafs der Dichter dieser Episode solche Dar-
den Wolken heraufziehe: Plaut. Cure. 1, 2, 41 Stellungen der Feuchtigkeit sammelnden oder
ecce autem bibit arcus; hercle credo hodie pluet. spendenden Göttin bereits gekannt habe (wenn
Verg. G. 1, 380 bibit ingens arcus. Ovid Met. auch nicht die von Müchhöfer, Anf. d. Kunst 69
1, 270 coneipit Iris aauas alimentaque nubibus auf Iris bezogenen Mischgestalten der Insel-
adfert. Senec. trag. Oed. 319 imbrifera iris. 50 steine, s. Bildwerke § 7). Vgl. Welcher, Götterl.
Stat. Theb. 9, 405 beschreibt den Flufsgott in 3, 43, dessen Warnung vor einer Verwechse-
seiner Grotte, unde aurae nubesque bibunt atque lung der beiden Vorstellungen auch auf seine
imbrifer arcus pascitur. Aetius (Pseudo-Plut.) Ausgabe von O. Mißlers Handb.d. Arch.ip.6bl, 6
plac.phil. 3,5 (vgl. Diels, Doxogr. Gr. 371 ff.) Sib auszudehnen ist. Übrigens sind gegenüber dem
v.al iuv&^vaavxö xtvig, avxrjv xavgov y.scpaX.rjv neuesten Herausgeber der Theogonie (Bzach)
txovaav cevaggocpiiv xoig noxay,ovg. Tzetz. die vv. 780 — 782 mit älteren Kritikern als
Allegor. Hom. II. 24, 51 r\ d' 'Igig üvtggocfiriesv Interpolation zu verwerfen; sie unterbrechen
iygbv £k xov nsXäyovg. Nur bei dem späten die Beschreibung der Styx und ihrer Bedeu-
Quintus Smyrnaeus, in einer sonst ganz home- tung für die Götterwelt und nehmen das aus-
risch gehaltenen Stelle 1, 64, freuen sich die 60 führlich zu beschreibende Mysterium sum-
Landleute wenigstens beim Anblick des Regen inarisch vorweg, indem sie zugleich die
verheifsenden Zeichens. — Wie weit sich die Person der Iris ungeschickt in den Vorder-
Verwandtschaft der Iris mit dem feuchten grund stellen.
Element erstreckte, zeigt der Name Iris (s. 3. Iris und Zephyros. Auf Grund jener
Iris 2) eines reifsenden Flusses in Paphlago- weitreichenden Vorstellung, für welche Iris
und der Regenwind unzertrennlich sind, dichtet
*) 15, 87 ist statt ifiol ßißZto9jxn zu lesen i,u, Alkaios (oder berichtet wenigstens als der erste),
fiifiXio»ijx>). Iris habe sich dem Zephyros vermählt und den
Koscher, Lexikon der gr. u. rüm. Mythol II. 11
323 Iris (und Zephyros) Iris (und die Winde) 324
Eros geboren (BergJc, fr. *13B, 4. Aufl.). Mit Sinn der hesiodischen Genealogie trifft Cic.
Zephyros ist der befruchtende, nach manchen not. deor. S, 20, 51 und Aetius (Ps.-Plut.) plac.
heftige, nach anderen sanfte, im Elysium phil. 3, 5, der nur nicht hatte den Plato dafür
wehende Regenbringer gemeint, mit dem Sohne anführen sollen. Was die Mutter anlangt, so
vielleicht der 'Trieb des Wachstums' (Welcher, können bei der Wahl eines so verbreiteten
Götterl. 3, 43), doch gewifs nicht ohne den Ge- Namens wie Elektra, hinter der sich immer
danken an die schillernden Farben und goldenen Gestirnglanz verbirgt (s. Wilamowite , Herrn.
Flügel der Mutter, die man später kuf Gemmen 14, 457 ff.), die verschiedensten Traditionen
auch mit Scbmetterlingsfiügeln sieht {Bild- mafsgebend gewesen sein, vielleicht gar die
werke § 7; vgl. Fleckeisens Jahrb. 1875 S. 605ff.). 10 samotbrakische Mutter der windebeherrschen-
Eine so zarte Dichtung war ganz nach dem den, Schiffe errettenden Göttin; vergleiche
Geschmack der Alexandriner, die ihr denn Sp. 335 f. Da aber das hesiodische Elternpaar
auch zu weitester Verbreitung verhalfen (IVieocr. nur zur Iris, nicht zu den Harpyien erkenn-
Id. 17, 134. Nonnus Dion. 31, 106 ff. 47, 341 f. bare Beziehung hat, so müssen die Geschwister
Flut. Amat. 20. Etym. Gud. 278, 17. Schol. unter einander um so enger verknüpft sein.
Tmvnlei. Hom. W 203. Eustath. II. 391, 24. Alles Gewicht fällt hier also auf die Sehnellig-
555, 30, wo 'einige' ■ — aus diesem Grunde und keit, welche Iris schon nach den homerischen
weil Iris bei Homer die Venus rettet — sogar Beiworten der Götterbotin mit den Sturm-
einen erotischen Charakter bei ihr heraus- dämoninnen teilt. Unter anderem ist Iris
geklügelt haben). Noch Marianus, Anth. Pal. 9, 20 äsXXönog in & und ß, die leibliche Schwester
668 benutzt diese anmutigen Motive: H v.albv der hesiodischen Agllo; vgl. Norm. 31, 111
äXaog "Egoazog, oirof xaXä SsvSgsa zavza | Igig — äeXXr)ivzi tziSlXco. 26, 359 üiXXr]£OGu.
7iQ7}vg inmvtiwv äiAcptdovei Ztyvgog . . . biiTio&i Wenn die Harpyien sich fit zct%göviui bewegen,
äi vSgiqsvza -\ysga>v nagctvri%tzai lote*) | %S>- d. i. zwischen Himmel und Erde (fiszecogoi,
gov *. z. X. Ich glaube das weitbekannte Ge- wie man nach Schol. z. St., Apoll. Rh. 2, 300.
dicht auch bei lohatines Lydus de mens. p. 117, 587 Scholl, und Nonn. 20,289. 42, 1. Suid. s. v.
16 Beide, citiert zu sehen: "Egazi., 6v 01 fiv&i- wohl allgemein versteht; s. Schömann, Op.Ac.2
nol Zsrpvgov zov yiyavzog slvai naiSct a|ioD- p. 150), so möchte sich damit vergleichen
aiv, äg cprjGLV fEvgvzog b AAK[iSai(ioviog fi\s- lassen, was Hom. hymn. in Cer. 317 von Iris
konoiög' äg%szai <5f ovrcog' dyaXuoeiSlg "Egag, 30 selbst gesagt wird: xul tb jiser/yv Si.fSgai.iev
wo der apokryphe Dichtername doch wohl das cohck ttoSs ootv. Vielleicht ist es hier am Platze,
aus der vorigen Zeile eingedrungene -neu Ei'gi- an den Namen Aiolos des Windebeherrschers
d'og**) verbirgt und der wahre, b AAKutog, gar zu erinnern und daneben das Citat aus Achaios,
nicht zu verkennen ist; sollte die Lücke, wie es dem Dichter der Iris, zu stellen: ctiöXr]' r) za-
nach dem Text des Herausgebers scheint, für #£?<*. ovzcog 'A%aiog (fr. 46 Nauck, Trag. Frgm.1
einige Buchstaben mehr Baum bieten, so p. 587; -fr. 48 p. 757); leider ist der Name
würde ein Adjektiv kein Bedenken haben. Das des Stückes nicht angegeben ; vgl. aber Ari-
neugewonnene Citat ist natürlich zusammen- ttoph. Av. 1204 'Igig ta%iia. Es ist dies die
gezogen und ist so: 'Ay. _ u ^ _ "Egmg oder: einzige Göttin, welcher Homer Flügel giebt, mag
'Ay. _ ^ "Egcog u _ zu ergänzen. Da jene Ver- 40 auch eine veraltete Theorie (von Vofs, wieder-
sion, wie Eustathios und das Tlieokrit-Scholion auflebend in langbthris Flügelgestalten 1881)
z. St. zeigt, in die Kommentare aufgenommen dieses Attribut zum symbolischen Ausdruck
und durch die verschiedensten Hände gegangen verflüchtigen. Dafs die Utas ein paar Mal
war, so hat es nichts Befremdliches, dafs bei 'fliegen' in dem Sinne gebraucht wie wir
Lydus eine bekannte und in den Lexicis glos- von Bedienten, verschlägt nichts gegenüber
sierte Tragikeratelle Zeyvgov yiyavzog avga einem xgvoönzzgog (vgl. C § 1); ebensowenig
(Aesch. Ag. 669, vgl. Hesych. v. yiyavzog) sich die Vergleichung der Bewegung zweier eilen-
angesetzt hat. den Göttinnen mit dem Schritte der Tauben,
i. Iris und die Winde. Anstatt des home- E 778, ein Vers, der hymn. in Apoll. Del. 114
rischen zigag betont in uns sympathischerer 50 für Iris und ihre dortige Begleiterin be-
weise das ftctvfia Hcsiod Theog. 265, indem nutzt ist und im letzteren Sinne von Ari-
er von dem Elternpaare Thaumas und Elektra Stoph. Av. 575 verwertet wird. — Sehr merk-
ausgeht: r; ä' ärnsiav ziiiiv 'Igiv \ gvxofiovg &' würdig ist eine Scene der Ilias W 198 ff., also
'Agnviag 'AfXXco z' 'SlHvnizrjv ze, | ai g' ävifuav aus einer alten und wertvollen Partie, wo
nvoiijei iiul olcovoig aft inovzai \ üxit'yg nzsgii- Achill zu den Winden Boreas und Zephyros
yicef (Ltzuxgoviai yag i'aXXov. Vgl. Apollod. fleht, sie möchten kommen, Patroklos' Scheiter-
bibl. 1, 2, 6. — Plato (Theact. 135 D) spielt häufen anzufachen, und Iris in etwas anderer
mit dieser Genealogie, um vom Q-av^d^iv den Funktion als sonst bei Homer dieses Gebet hört
Ursprung der Himmelsbotin Philosophie ab- und den Winden überbringt. Sie findet die
zuleiten (vgl. weiter unten). Den richtigen (io Winde im Hause des Zephyros schmausend,
widersteht aber deren Drängen zum Verweilen
*) [Hier ist offenbar nicht die Göttin, sondorn der mit der Ausrede, sie müsse fort zum Gölter-
Fiufs Iria gemeint, der an Amaseia vorüberfliefst, wo mahle ins Aithiopenland; aber Achill flehe
sieb das von llarmnos besungene ittao; "Eguno; be- u. s. w. Darauf kehrt sie um, und die wilden
fand. Gewifs mit Kocht hat deshalb Scaüffer statt des C;esellen stürmen ihr nach, dichte Wolken vor
unverständlichen y^v vermutet: $«im E] ; h nertreibemi Wiv werden sehen, dafs die
**) Dies die spater gewöhnliche Schreibung; z, B. ... T,. , ,, T ■ j. i m 1
miojem. de piet. p. 30 o. und die unten Sp. 337 an- beiden Ihasstellen, wo Ins sonst noch Sterb-
gefübrten Beispiele. liehe aus eigenem Antrieb aufsucht und unter-
325 Iris (d. Götterbotin in d. Ilias)
stützt, wie hier den Achill, viel jüngeren Ur-
sprungs und mit dieser nicht auf eine Linie
zu stellen sind. Hier möchte man wirklich
mit den antiken Kommentatoren jene weit-
verbreitete physikalische Idee erkennen , dafs
Iris die Winde herbeiführe. Ihre Verbindung
mit diesen Elementen ist so weitverzweigt,
dafs Alkaios nicht einmal nötig hatte, sich
gerade auf W zu stützen. Spätere haben
jedenfalls den Homer in diesem Sinne ver-
standen; nicht erst Quint. Smyrnaeus, bei dem
12, 193 Iris die Winde an den Wagen des
Zeus spannt und 14, 466 dieselben vom Aiolos
herbeiholen mufs; schon Apollonios Mliod. Arg.
2, 764 ff. schickt sie zu solchem Zwecke zum
Aiolos, wie er sie ebenda nach dem Vorbild
von Sl 78 zur Thetis gehen läfst. — Wollte
man eine besondere Beziehung der Iris zum
Achill und seiner Familie betonen (s. unten),
so würde sich damit nicht viel ändern; denn
dieser wird auch sonst von Windgöttern be-
dient, wie seine Bosse, die Geburten der
Harpyie , zeigen. Wenn Ptolem. Heph. N.
H. 6 p. 195, 25 Westerm. behauptet, Achill
habe rcoädg-ung nach einer gewissen "4pxij ge-
heifsen, einer Tochter des Thaumas und
Schwester der Iris, so spielt diese späte
Fiktion zwar mit dem lateinischen Worte für
Regenbogen (arcus, rö'gov), braucht aber ihrem
Kerne nach (d. i. der Verbindung Achills mit
Iris) ebensowenig von dem Fälscher herzu-
rühren wie die Geschichte von Achills Rossen
5 p. 192, 2, die sich zum Teil schon bei
Diodor 6 fr. 3 Dindf. Eustath. II. p. 1190, 55
findet.
E. Die Götterbotin.
1. Ilias. O 143: Als Zeus sieht, dafs die
Achäer mit Poseidons Hülfe die Troer zurück-
drängen, läfst er durch Hera eiligst Iris und
Apollon herbeirufen, jene, dafs sie dem Posei-
don Einhalt gebiete, diesen, um Hektor zu
neuem Kampfe anzustacheln. So geschieht
es: H.Q7] ä 'AtiÖWowcl v.aX^GGaxo dcoatxtog
txrij | 'Igi'v &', fjrf &10101 pstäyyilog cc&ctvd-
ioieiv. Die beiden finden Zeus auf dem Gargaros
in einer Wolke thronend. Iris, die zuerst die
Befehle empfängt, eilt herab, 170: d\g S' oV
dv EX VS(pi(OV TtTTjTtti vitpctg iji ydla^a | ^'VXQfj
vno girtfjg ciL&gnysvsog Boghto, | cog Hgumväg
titjiaviu Siintazo cöxia *Igig. 0 397 — 425
werden ihre Funktionen als bekannt voraus-
gesetzt. Zeus sendet sie aus, der Athena und
indirekt auch der Hera Einhalt zu gebieten,
aber das Ganze ist kürzer gehalten und erinnert
in der Ausdrucksweise an O, welches Buch
sich überhaupt mehr in die Götterverhältnisse
vertieft. Übrigens sind die Verse 0 420 — 424
teils als zu schroff im Munde der Botin (Sehol.),
teils als Übertreibung von Zeus' Worten (vgl.
Kayser, Homer. Ahhandl. p. 50) längst als Inter-
polation erkannt. Farblos ist A 285, wo Zeus sie
entsendet, um Hektor zum Kampf gegen Aga-
memnon anzutreiben. Dahingegen wird Iris
E 166, nach dem Tode des Patroklos, heimlich
(■ngvßSa Jtbg) von Hera zum Achill gesandt, der
sie fragt, wer von den Göttern sie schicke. Sonst
tritt sie als Botin, und zwar des Zeus, noch in £1
Iris (d. Götterbotin in d. Ilias) 32G
mehrmals auf, aber sie teilt in jenem ganz
späten Buche ihre Rolle bereits mit Hermes,
den — dahin ist Boschers Darstellung Bd. 1
Sp. 2388, 38 ff. zu modificieren — die Hias
sonst überhaupt nicht, sondern erst die Odyssee
als Götterboten kennt, Schal. Od. s 29. Die
antiken Erklärer bemerken zu den Worten des
Zeus Sl 334 'Egfitia, aol ydg ts fidliatd ye
cpUzaröv iexiv dvSgl itctigCaaai. — folgendes:
10 'Der Dichter überhebt uns der Frage, warum
Hermes und nicht wie sonst Iris als Bote der
Götter auftritt.' Wir werden dies heute viel-
mehr so ausdrücken: der Dichter dieser Partie
empfindet die Notwendigkeit gegenüber dem
Gebrauch der Ilias, die Einführung des seiner
Zeit bereits vertrauten Boten zu motivieren;
die ganze Beschreibung seiner Person, Attri-
bute und Potenzen 340-348 trägt dieser Neu-
heit Rechnung. Die Erwägung, dafs es sich
20 um Entfernung eines Leichnams handelt (der
Diebstahl nach Muster von E 390), darf uns
über die veränderten Anschauungen nicht
täuschen: bei einem mit Hermes' Botenamt
nicht vertrauten Dichter würde Iris den Leich-
nam des Hektor ebenso unbedenklich auf-
gehoben haben, wie Eos den ihres Sohnes.
Auf die Rolle der Iris in fl kommen wir noch
zu sprechen. — Selbständig, auf niemandes
Geheifs, greift sie, aufser in dem bereits be-
30 sprochenen ^F, an drei Stellen ein, die sich
aber meines Erachtens auf eine reducieren.
E 353—369 führt sie die verwundete Aphro-
dite aus dem Kampf und fährt dieselbe auf
Ares' Wagen zum Olymp, wo sie die Pferde
ausspannt und füttert. In einer weit jüngeren
und nebenbei aus der Kleinen Ilias ungeschickt
interpolierten (143. 144) Partie T 121 tritt
Iris in Gestalt von Antenors Gattin zu Helena
ins Zimmer und ruft sie, sich den Kampf ihrer
40 beiden Gatten Menelaos und Paris anzusehen,
der über ihr eigenes Schicksal entscheiden
werde. Keiner der Götter hat an dieser rein
weiblichen Angelegenheit ein Interesse aufser
etwa Aphrodite; und es seheint, dafs der
jüngere Dichter die Dienstleistungen, welche
Iris in E der Göttin erweist, hier auf deren
Schützling übertragen hat; es ist aber etwas
sehr Verschiedenes, ob die Göttin eiue andere
Göttin durch die Luft trägt oder einer sterb-
50 liehen Frau eine derartige Boudoirmitteilung
macht. Von r wiederum ist, wie Hüntzer, Homer.
Ahhandl. 207 erkannt hat, die ganz schlechte
Iris -Partie in B abhängig (wegen des in
die Ratsversammlung nicht passenden Verses
790 = T 129); es ist dies (v. 786 — 806) die
Meldung von dem Anrücken des Griechen-
heeres, welche Iris den versammelten Troer-
fürsten bringt und zwar, wie die interpolierten
Verse 791 — 794 besagen, indem sie die Stimme
CO des schnellfüfsigen Prianiossohnes Polites an-
nimmt, der als Späher auf hoher Warte sitzt.
Eine Schilderung des überwältigenden Ein-
druckes , den das anrückende Heer auf die
Troer resp. den Kundschafter machte (beson-
ders 798 ff.), im Munde der Göttin auffallend
ungeeignet, kann in einem troischen Epos
nicht gefehlt haben, wenn sie auch nicht erst
im zehnten Jahre vorkam : die hier so schlecht
11*
327 Iris (d. Götterbotin im alt. Epos)
verwendeten Bestandteile werden um so eher
in einem alten Gedicht von der Art der Kyprien
gestanden haben, als wir durch die Troilos-
scene der Francoisvase wissen, dafs die Bolle
des Polites dort eine ganz ähnliche war
{Robert, Bild u. Lied 17). Iris ist in B und
V nicht viel mehr als sonst eine tprjiir) oder
oaca (Tgcoaiv ö' ciyytXog rfi&s it. tu. 'Igig nag'
Jiog aiyiöxoio. — '[gig ö' . . ayyiXog rfidsv),
und so scheinen einige Grammatiker die
Stellen aufgefafst zu haben: vgl. Etym. M. und
Hesych. s. v. ""Igig = <j>r}ft7j (unter anderen
Erklärungen). Ob dies aber im Sinne der
alten Dichter war, darf man sehr bezweifeln.
Die alten und echten Irisscenen trafen einen
ganz anderen Charakter, so auch in Sl, wohin
wir uns zurückwenden. — Die Sendung an
Priarnos, wo Iris obenein nur das Kommen
des Hermes anmeldet (182), ist unbedeutend.
Aber voraus geht eine Episode, wo Hera ein-
gehend der Hochzeit von Peleus und Thetis
gedenkt: 60 ff. , wo auf Zeus' Anregung, ob
nicht jemand die Thetis herbeiholen wolle,
Fig. 1: Iris in dem Hochzeitszuge den Güttern voran-
achreitend,Scene d. Francoisvase (n. Wiener Vorl.-Bl.\SSS,2).
Iris sich ins Meer stürzt, wie ein losgeschnellter
Schlenderstein unter die Fische, und Thetis
gramerfüllt in ihrer Grotte findet, tief in ihren
dunkeln Schleier gehüllt, über den man in
den Scholien vergebens eine genügende Er-
klärung sucht; denn so trauert nur eine Mutter,
die ihr Kind verloren. Deutet hier alles auf
Benutzung eines besonderen Gedichtes vom
ytiuog flrjXhog Kai ftiTidog {M'ilamoieits, Hermes
14, 201), die tiefe Trauer auf die ehemals an
Sl 704 angeschlossene Aithiopis {Kinkel, fr.
ep. p. 34, vgl. Sehol. Townl. z. St.), wo die
Mu.-en den dgtjvog sangen, wie dort das Hoch-
zeitslied, so bringt die Francoisvase noch
weiteres Licht in die Scene. Iris, nicht Her-
mes, ist es, die auf dem Hochzeitszuge den
Göttern voranschreitet (s. ob. Abbildg.), an der
Seite Cheirons , dessen hesiod ische Gattin
Chariklo nebst Dionysos, Demeter und Hestia
den weiteren Vortrab bilden. Der Zug holt,
wie gegenüber anderen Auffassungen zu be-
tonen ist, die Braut aus ihrer Wohnung ab
und wird sie schliefslich nach dem Pelion
hinaufgeleiten, wo nach der altepischen, auch
anfderKypselosladebenutztenVersion(iosc/(cA;e,
Borpat. Programm 1880. 6) in Cheirons Höhle
das Beilager stattfindet. Was ist hier die
Iris (d. Götterbotin im alt. Epos) 328
Bedeutung der Iris? Erscheint sie nur als
Heroldin, wie in einem anderen Berichte Her-
mes (s. MarJcseheffel , Hesiod. cett. Fragm.
p. 157, 2)?*) Das ist möglich, läfst aber noch
Baum für eine weitere Vermutung. Theokrit
13, 131 beruft sich, um die Ehe eines fürst-
lichen Geschwisterpaares zu beschönigen, auf
das Beispiel der Rheakinder: ;'i» di Xixog
GTOQVvsiv lavtiv Zr]vl Kai "Hgn, \ %eiQctg qpo<(3rj-
10 aaaa (.Lvgoig i'zi nag&ivog Igtg.**) Man wird,
absehend von der in letzten Worten ent-
haltenen Anspielung auf Älkaios' Gedicht (ob.
A § 3), eine möglichst ehrwürdige Quelle anzu-
nehmen haben, welche bei diesem starken
politischen Anlafs wieder zu Ehren kam. Auch
ein pompejanisches Gemälde zeigt Iris als
Brautführerin der Hera bei jenem Beilager
(gewöhnlich sagt man bei der änäzrj auf dem
Ida a). Das Motiv, welches sich bei einem
20 jüngeren Moment aus dem Botendienst un-
schwer erklären würde, scheint hier nicht der
mythologischen Bedeutsamkeit zu entbehren,
wo mit einer in der Kunst seltenen Be-
wufstheit und Absichtlichkeit die Götter nach
ihrer Bedeutung (Brot, Wein, häuslicher
Herd; vgl. Eurip. fr. 8841 = 892-) ausgewählt
sind. Sollte sich darin nicht etwas Ahn-
liches aussprechen wie in 3 346 'H ga nal
ccynctg zuagnzs Kgovov nalg r\v TtagaKOiziv^ \
total 8' vno x&mv Sia cpviv vto&rjXtu noirjv, |
Xcozöv &' sgarjEvra CSi KgoKOV rjä' vuy.iv&ov \
itvKvbv Kai ^laXaKÖv , os änb x&ovog vrpöa'
ssgysv. \ zä ivi Xih,äo%i)v , stA äs vscpsXriv i'a-
oavzo | HaXr/v %Qvosirtv' eziXnval S' ävinnrzov
iigoai? Mau könnte hier an die Nais, Chei-
rons Gattin (Hesiod fr. 104 Kinkel) oder
Mutter (Xenoph. Gyn, 1, 4), oder die Najaden
in seiner Behausung (Ap. Rh. 4, 812, vgl.
Gatull. 64, 287), an seine Tochter 'SlKvggöij
(Ovid Met. 6, 637) erinnern, sowie an das
Kommen der Götter iisz' ofißgov Kai £E<jl«3j>os
zur Peieushoehzeit {Schol. Ap. Rh. 4, 816
p. 507, 19). Die Vermählung des Zeus, welche
zuerst mit der Thetis stattfinden sollte, hing
auch litterarisch mit den Dichtungen von
Peleus' Hochzeit eng zusammen. Jedenfalls
würde ich Iris als Bereiterin des Brantlagers
auf der feuchten Berghöhe, sei es des Ida,
oder de3 Pelion, oder beider, festhalten, wenn
50 wir auch zu einem litterarischen Ergebnis
nicht gelangen. Iris und die Kentauren stellt
z. B. Cicero (oben Sp. 324, 1) zusammen; vgl.
auch Colvin, Journ. of hell. stud. 1, 140 und
unten Bildwerke § 4. Nebenbei bemerke man,
für den Zusammenhang der Theogonie und der
Peieushoehzeit, den Okeanos der Francoisvase,
welcher in der von Aeschylos benutzten Titano-
maehie vorkam, in der späten Nachdichtung
60 *) Berglc, Jahrb. f. Phil. Sl (1SC10), 311, 42 veufste,
dafs in dem Becher, der {einfach zur Spende) auf dem
Altar steht, sich Styxwasser befinde, mit welchem Iris
bei der Trauung dem Bräutigam den hesiodischen Götter-
eid abnehmen werde ; Iris mit dem entliehenen Fell der
Athene etc. Eine ernsthafte Widerlegung giebt Weizsäcker,
Rhein. Mus. 32, 35.
**) Meinehe uud Röscher (in Fleckeisens Jahrb. f. cl.
PltilOl. Ed. 111 (1875) S. G05 ff.) lesen hier ivitttQ&evos: vgl.
Verg. A. 5, G10 virgo. Kallim. hg. a. Delos 233 ff.
329
Iris (im jung. Epos)
Iris (in den horuer. Hymnen)
330
wenigstens vor Eleusis' Vereinigung mit Athen
entstand (o. Wilamowits, Aus Kydath. 125; Hom.
Untersuch.), entsendet Zeus 314 erst die Iris zur
Erde, uud gleich darauf 334 Hermes zum Hades;
dies mit nicht unfeiner Unterscheidung. Im li.
in Apoll. Del. 103, wo es sich um Herbeiholung
der Geburtshelferin handelt, ergab sich für diu
Hom. T 7 tendenziös*) von der Götterversamm-
lung ausgeschlossen ist, während sich alle
Flüsse einstellen wie in der Peleushochzeit des
Catull. G4, 281, wo gleich dahinter Prometheus
folgt: dies alles unter dem Einflüsse der Titano-
machie. Dafs Aeschylos den Okeanos dem guten
Geschmack und den zeitgemäfsen^uiußffTrfia zu-
liebe auf einem Greif,
statt auf einem The-
aterlindwurm reiten
liefs, bedarf keines
Wortes. — 2. Das
jüngere Epos lehrt
uns wenig Neues. In
der Odyssee kommt Iris
nicht vor, nur Hermes.
Die lyypricu kennen
schon Hermes, z. ß. im
Parisurteil, als Boten
des Zeus und scheinen
auch darin mit IliasSl
auf einem Niveau zu
stehen, dafs sie ihn
mit Iris abwechseln
lassen. Unmittelbar
nach Paris' und He-
lenasAnkunftinTroja jjfß
heilst es bei Prolclos :
' Währenddessen wur-
den Kastor und Poly-
deukes bei dem Dieb-
stahl der Kinder u.s.w.
(das verhängnisvolle
Abenteuer war aus-
führlich erzählt), und
Zeus gewährte ihnen
einen Tag um den
andern Unsterblich-
keit. Darauf meldet
Iris dem Menelaos
das zu Hause Vor-
gefallene. ' Der Zu-
sammenhang in die-
sem Bericht ist enger
als es aussieht. Von
Troja wendete der
Dichter seinen Blick
zum Hause des alten
Tyndareos zurück, der
damals auch noch an-
deres Leid erfuhr. So
mag auch der Schlufs
inneren Zusammen-
hang haben und
Iris' Botschaft von
Zeus ausgehen. Zeus
wünscht ja den Krieg,
während von Iris, die
in r die Helena mit den Worten vvaqxx cpp.r] Göttinnen leicht die Wahl des weiblichen Boten,
anredet, kaum anzunehmen ist, dafs sie die frei- go Die Bildwerke dieser Epoche werden ein ähn-
willige Angeberin machte.— Die sog. homerischen
Hymnen zeigen dieselbe Praxis. Im h. in Cer., der
*) Mit Rücksicht auf seine geographische Fixierung
und die Theorie vom Okeanos als $tüiv yivtaiz; .E* 201.
302. Der Schot. Laur. z. Aesch. Prüm. 287 K. notiert den
Unterschied, aber ohne des Tragikers Quelle zu kennen;
über diese s. Welcher, Ep. Cykl. und v. Wilamowits, Rom.
Unters. 345, 22, der ihm beizustimmen scheint.
liches Alternieren erkennen lassen, und verraten
nur noch hin und wieder die Neigung, Iris den
Meergöttern beizugesellen. Vielleicht werden
dieselben (namentlich die des 6.U.5. Jahrh.)noch
einige Rückschlüsse auf die Litteratur zulassen.
Aber der mythologische Etwickelungsprozefs ist
abgeschlossen. — 3. Die Zeit seit der Mitte des
5.Jalirh. Ganz von selbst verteilen sich nunmehr
331 Iris (in d. spät. Poesie d. Griech. u. Röru.) Iris (Verhältn. d. Götterbotin z. RegenbogO 332
die Botenrollen so, dafs Hermes dem Zeus, Iris Dichter beruft: nam praeter Homerum et Her-
der Hera dient (s. Abbildg. Sp. 330), wenn auch gilius hoc probat, dicem (2, 800) ac'riam Caelo
jener häufiger zur Verwendung kommt: Es nam luppiter Irim | dimisit, germemae haud
seheint, dafs sich diese Teilung, die der Töpfer mollia iussa ferentem, so übersieht er, dafs
Brygos, auch der Maler des grofsen Pandora- die letzten Worte einfach eine Übersetzung
kraters (s. B § 1) noch nicht kennen, gegen von ovv äyysXhj älsysivij B 787 sind, so gut
Ende des 5. Jabrh. vollzogen hat. Zuerst läfst, wie supra Caput astitit 4, 702 von JS 20 und
soviel ich sehe, Euripides Herc. 823 Iris im die Verwandlung der Iris in eine befreundete
Auftrage der Hera auftreten und durch sie die Sterbliche 4, 620 eine Nachahmung der Iris-
Lyssa hereinführen. T5eiKaTlimaeh.il. in Del 67 10 episoden in B und V ist. Eher hätte er sich,
mufs im gleichen Dienste Iris auf hoher Berg- wie in neueren Zeiten geschehen ist, auf 5, 618
warte aufpassen, dafs der kreifsenden Alkmene haud ißnara nocendi berufen können, obwohl
keine Hülfe werde; schon auf einer rf. Le- es, sachlich genommen, lediglich im Charakter
kytkos steht sie {Brit. 3Ius. nr. 1535 [des alten ihrer Herrin liegt, wenn Iris bei Eurip. oder
Katalogs] , Memorie della acad. Ercolan. 6) Kallim. (und dergleichen schwebte doch wohl
hinter der das Herakleskind säugenden Hera dem Verg. vor) zu keinen freundlichen Sen-
und spricht mit Alkmene. Derselbe Dichter düngen verwendet wird. Übrigens aus Aen. 4,
schildert, wie die stets dienstbereite Jung- wo Iris — immer nur im Dienst der Göttin —
frau am Thron der Gebieterin kauert und den Todeskampf der Dido sanft beenden hilft,
die Müdigkeit bezwingt, indem er nach Euri- 20 unterweltliche Beziehungen zu folgern, ist den
indes' Vorbild {Herc. 860) den Vergleich mit Alten nicht eingefallen, wie Tölken, Iris
einem Jagdhund gebraucht (v. 228ff.). Ebenso (Berlin 1845) behauptet, sondern erst ein Mifs-
wird sie bei Apollon. Bh. 4, 753ff. von Hera mit Verständnis der Neueren. Vgl. II. Bergstedt,
den verschiedensten Sendungen betraut — wo- Studia archaeol. Upsala 1881 p. 8. 15.
neben sie 2, 284 ff. ihre hesiodischen Schwestern,
die Harpyien, vor den verfolgenden Boreaden c- Verhältnis des Regenbogens und der
schützt (vgl. Serv. Verg. A. 3, 209), was, wie Götterbotin zu einander,
wir bei dieser Gelegenheit aus den Kommen- 1. Beide untrennbar. Vergil ist für uns
taren ersehen, bei llesiod, natürlich nicht dem derjenige, welcher die Naturerscheinung des
Theogoniedichter, Hermes gethan hatte: Schal. 30 Regenbogens wieder in ihr Recht einsetzt und
286. 297. Dem Apollonios war übrigens die mit der Funktion der Himmelsbotin äufserlich
Ungeschicklichkeit vorbehalten, die Himmels- verbindet, was von da an das Übliche bleibt,
botin Kunde von der Erde an die Götter Sehr wirkungsvoll wird der Iris Kommen und
bringen zu lassen. In diese Epoche oder Gehen stets von dem Phänomen begleitet, das
etwas früher fällt die Ruveser Vase (Fig. 2), ihren Pfad andeutet. Sie schwirrt, den
während die Petersburger Vase mit Iris auf Menschen als Person unsichtbar, an dieser
dem Wagen der Hera (Sp. 327) in den Anfang Brücke gewissermafsen auf und nieder, ohne
des 4. Jahrh. gehören mag. Am Parthenonfries übrigens darum ihre Flügel abzulegen. Der
(Fig. 5) steht Iris an der Seite Heras, anders in Vergil- Kommentator hat vollkommen recht in
den Giebelfeldern. — i. Die römischen Dichter io Bezug auf arcus quem non Irim, sed viam
halten sich in denselben Geleisen. Fast immer Iridis dixit (Serv. A. 5, 610).*) Aber man
ist Iuno Gebieterin der Thaumastochter, die kann dies unmöglich mit Baumeister, JDenkm.
darum selbst bisweilen Iunonia heifst {Verg. S. 760 zum Ausgangspunkt mythologischer
A. 4, 693 ff. 5, 606—659. 9, 2—23. Ovid Met. Erklärung nehmen und daraufhin eine Son-
1, 270. 11, 585. 14, 85. S30. Stat. Hieb. 10, derung von Person und Sache verlangen. Es
70. Val. Elaec. 4, 75. SU. Itäl. passim. An- ist nicht zu erkennen, inwiefern für diese
thol. lat. rec. Biese (1879) 550), weit seltener Auffassung Hom. P 547 bezeichnend sein
luppiter {Verg. A. 9, S03. Sil. Ital. 9, 470. soll, wo Athenas plötzliche Erscheinung mit
551). Es war also damals nicht so falsch, wie dem Phänomen verglichen aber doch nicht
bei Serv. A. 5, 606 behauptet wird: quod dici- 50 von einem solchen begleitet ist. Die römische
tu/r ministra esse tantum dearnm: wer weifs, Dichtuug zieht das Facit der gesamten grie-
ob das tantum in dem dort bekämpften cbischen Mythologie, und wenn ihr oft genug
Scholion überhaupt stand und nicht eher das echte Gefühl für dieselbe mangelt, so hat
plerumque lautete. Denn die Quelle, die offen- sie doch auch bisweilen Mythen, die uns nur
bar unter dem Einflufs der soeben betrachteten in trümmerhaften und disparaten Resten vor-
Periode steht, ist gut und läfst sich bis zu liegen, mit richtigem Instinkt oder mit Hülle
den alexandrinischen Kommentaren zurück- besserer Quellen vervollständigt und berichtigt,
verfolgen; Servius (vgl. Mythogr. Vat. 2, 6. 3, Z. B. bezog sich die Umkehr der Sonne aus
4. 6).- ex magna parte servatur, ut Mercurius ad Abscheu über die Atridengreuel auf das Mahl
concordiam , Iris ad discordiam mittatur (vgl. 60 des Thyest, was aber erst von den Römern
zu 9, 2) : unde et Iris dieta est quasi"Egig. Schol. ausgesprochen wird; die hundertarmigen Riesen
Hom. s 29 ev fiiv 'HidSi t»; "Iqlöi jjjpjjrat dict- kämpften ursprünglich nicht für, sondern gegen
xdito" Y.azaitXrnizi%T\ ydg, Kai roig 7io?.8ßixoig den Olymp; hier läfst sich der Vorzug der
ioiKviof r\ 6h OSvaact'a fiv&coäng IotIv, ms v.ccl lateinischen Darstellungen vor der hesiodischen
b 'Egutjg. Schol. A 27 ovk i'ort Sa }j avrrj"Egig noch erweisen. Ein ähnliches Verhältnis finden
Htxl 'Igig y.ctir' Ofiijgov, tög vnsXaßsv (seil. Z/j- wir hier; auf der einen Seite die unzweifel-
voSozog). — Wenn freilich der Vergil-Kommen-
tator a. a. 0. und 9, 2 sich für beides auf seinen *; vgi. a,ü/wI. tat. 5« R. 1879 per ruMia dnoiat arcu Iris.
333 Iris (Verhältn. d. Götterbotin z. Regenbog.) Iris (Kult; Verhältn. z. Ino-Leukothea) 334
haften Merkmale einer Naturkraft , speziell Merkwürdig genug blickt solche Natur-
einer Hegen- und Windgöttin, auf der andern bedeutung in O durch, ohne im übrigen, ja
Seite die homerische , in die üblichen Götter- auch nur in derselben Scene, der Anmut ihres
formen gekleidete Abstraktion, welche in der Charakters irgendwie Abbruch zu thun. Ihr
Dichter- Tradition die erstere auf lange Zeit bescheidenes und zugleich kluges Verhalten
verdrängt, bis ein fähiger Römer den im in der schönen Scene mit Poseidon hat die
Volksmunde schwerlich je vergessenen Zu- Bewunderung der Alten erregt, Dionys. Hai.
sammenhang wieder betont. — Man hat wieder- rhct. 9, 3. Die Teilnahme für Helena in V ist
holt bezweifelt, dafs die homerische Iris als durchaus weiblich, und zu dem trauernden Pria-
Regenbogen zu fassen sei {Welcher, Götterl. 1, 10 mos ß 170 tritt sie leise redend heran, damit
690. Matz, Arch. Ztg. 1875 S. 20), und sich auf der Greis nicht erschrecke; qxiae ei proprio,
das zweimalige Vorkommen des Appellativs Igig est mornm lenitas bemerkt Lehrs z. Herodian
berufen. Schon El. H. Meyer, Gandharven- S. 480. Die Charakteristik, welche der Odyssee-
Kentawen 197 hat gegen diese Begründung scholiast giebt (B § 4), war also verkehrt
eingewendet, dafs auch Eos bald als Person und widerlegt sich durch den Hinweis, dafs
bald als Himmelserscheinung auftrete. Nur ist die Ilias nur Kämpfe schildere. Es ist auch
das Problem von vornherein anders zu stellen: nicht zuzugeben, dafs 'Iris regelmäfsig erwähnt
nicht ob Iris bei Homer als Regenbogen werde, wo stürmische Vereinigungen (?) des
zu fassen sei — das ist sie gewifs nicht — , Zeus und der Hera oder ihre und anderer
sondern ob der Dichter noch von ihrer ehe- 20 Götterkämpfe (?) meist ganz deutlich als Ab-
maligen Naturbedeutung Kenntnis hatte, wird bilder des Unwetters geschildert werden' (El.
die Frage lauten müssen. Wir bejahen dieselbe H. Meyer, Gandharven 197). Diese obenein
mit Rücksicht auf die Beiworte ätXlonog, na- mit der interpolierten Hesiodstelle Tlieog. 780 ff.
dtjvifiog, ojKf'a, Ta%iia, vor allem %Qva6-itTfQog, operierende Auffassung konnte nur aus einer
da bei Homer keine andeie der zwischen Himmel Theorie entspringen, welche hinter den epi-
und Erde hin- und herwandernden Göttinnen sehen Heroenkämpfen Naturmythen wittert.
Flügel hat. Die sehr weitgehende Vermensch- Uns mufs es genügen, den im weitesten um-
lichung seiner Götter hält den Dichter nicht kreis nichthomerischer Traditionen erkennbaren
ab, der künstlerischen Zeichnung ihrer Gestalten Elementar-Charakter auch unter der homeri-
gewisse Merkmale beizufügen, zu welchen Ob- 30 sehen Hülle der sanften Götterbotin wieder-
servanz oder Erinnerung ihn nötigt, wenngleich gefundeu zu haben. — Welckers Meinung
sie in den Grundton nicht mehr passen. Da (Götterl. 1, 690), von der Botin sei der Name
hat der genasführte Ehemann Zeus eine Wolke erst auf die Sache übergegangen, ist damit
ums Haupt, da wird Artemis als ein würgender von vornherein ausgeschlossen. Sie stützt sich
'Löwe für die Menschheit' gekennzeichnet in auf die Herleitung des Namens von e?qco, über
derselben Scene, wo sie von Hera Ohrfeigen die das Folgende Licht verbreiten mufs.
erhält; da ist die malitiöse Haustyrannin des 2. Kult der Iris. Cicero a. a. 0. wun-
Olympos selbst ßoäntg in dem halbvergessenen dert sich, dafs nicht auch der Regenbogen
Sinne der argivischen Io. So widerstrebt es so gut wie das Meer und andere Natur-
dem Dichter nicht, der Iris Schwingen zu 40 kräfte und Erscheinungen göttlich verehrt
geben; aber sie dieselben entfalten und dem werde. Athenaeus 14, 645b jedoch berichtet
Gebrauche ihrer Füfse entsagen zu lassen, uns ausdrücklich aus dem Lokalschriftsteller
wird ihm schwer. Nur ein einziges Mal Semos ( siehe Müller , Fr. H. G. 4 , 492 ),
fliegt sie, statt zu 'gehen', und das ist in dafs die Delier auf der kleinen Nachbar-
O, der auch sonst wichtigsten Iris -Partie insel Hekatesnesos der Iris opferten. 'Des
der llias (siehe oben B § 1). In dem dorti- bösen rsgag wegen' bemerkt Welcher, Götterl.
gen Vergleich mit Boreas und Schneesturm 1 , 692 hierzu. Damit fafst man aber den
glaubten die antiken Erklärer eine Andeutung Begriff der Iris zu eng. Man opferte nicht
dessen zu finden, was Iris eigentlich bedeute. einem blofsen Phänomen, sondern der darin
Nach reiflicher Erwägung werden wir dieser 50 vermuteten Kraft, einer Göttin, die sich da-
Auffassung ihr Recht einräumen müssen, ob- hinter zu verbergen schien, und die, wenn
wohl oder gerade weil die Vergleichung in sie Regen brachte, auch ihre wohlthätigen
schiefer Weise auf die Schnelligkeit zugespitzt Seiten hatte. Galt sie doch auch als Gattin
und mehr dunkel gefühlt als klar gedacht ist. des Zephyros (s. oben A 3), des niözaxog
Es würde uns schwer fallen, bei der Iris, selbst ävifitav, der gleichfalls seiner Opfer nicht ent-
der als Regengöttin gedachten oder geahnten, behrte. Es würde zudem ganz gegen griechische
gerade an Schnee und Hagel zu deuken, wenn Gewohnheit sein, wenn nicht auch diese Gottheit
nicht Homer selbst eine Kontrolle für die Rieh- sich irgendwo und -wie mit einer anderen be-
tigkeit böte: dies nicht sowohl in der Scene rührte und vermischte. Eine solche Nachbarin
der Winde (?f), die wie eine selbständige so glauben wir in Ino-Leukothea zu finden.
Parallele betrachtet sein will, als darin, dafs Es ist wahrscheinlich, wenn auch nicht sicher,
er den Regenbogen für ein Anzeichen des dafs am amykläischen Altar sich beide ein-
nahen xsifiävog övo%aXitiog nimmt (A § 1). ander gegenüber befanden, obwohl auch dann
Oft genug wird man die Iris selbst als eine noch die Beziehung der Ino auf eine andere
Wolke bezeichnet haben: Xenophanes r]v z'^Iqlv Nachbarfigur (Semele) ebenso möglich ist (s.
■aaXsovci, vEtpog -Aal zovto itscpvxs | noQ<pvQ£ov unten Sp. 314); um so wichtiger bleibt dort
h<x! tpoivUsov v.al ilcagbv ISicd-ai (Schal. Hom. die Verbindung der Iris mit Poseidon und
A 27); vgl. Cic. Nat. D. 3, 20, öl. Araphitrite. Die delische Huldigung an die
335 Iris (Verhältnis zu Ino-Leukothea) Iris (und Iros) 336
Regengöttin sieht nun ganz aus wie ein Über- suchen, da ja auch das Meer 'purpurn' ist*);
bleibsel oder Parallelkult eines lno- Kultes. seltsam genug ist freilich eine Vorstellung
Wenn auch nicht lno - Leukothea selbst dort des Pseudo- Plutarch de fluv. 18, 4, wo (nach
angetroffen wird, so doch der längst als namens- einem fingierten Dichter) die Iris zaig tSiaig
verwandt erkannte Inopos, ein Flufs wie In- gcovctig einen fremden Körper umschlingt (liti-
achos (vgl. Weinher, Götterl. 1, 644), und der ccpt^aaa) und zur Erde trägt — gleichviel ob
mit jener Göttin eng verbundene Odysseus, dies zu den eingestreuten Wahrheiten des
welcher an eben jener Stätte (vgl. Prcller, Gr. Fälschers gehören mag oder nicht. Ebenso sei
Myth. ls, 193, 2 = 4238, 1) geweilt hat (Hom. davor gewarnt, etwa mit dem zot,ov, d. i. der
J 164 u. Schol.), was spätere Dichtung zu moti- 10 prosaischen Bezeichnung des Regenbogens, den
vieren suchte. lno wurde ferner als Bvvrj bei Hesych. erwähnten sikyonis,chen zoI,iov ßov-
(Etym. M. 217, 5. 564, 44) oder Bovvrj in vög zusammenzubringen. Mit ßovvig, der Hügel,
Dodona, sowie in Odysseus' uralter Heimat hat Bovvrj, Bvvrj nichts zu thun. Für letzteres
Thesprotien ( Wüamowits, Hom. Vnt. 189, 30) könnte man eher das makedonische 'Tvia (lang
und Unteritalien verehrt (Lylophr. 107. 757; v vorausgesetzt) in Betracht ziehen. Dahin-
vgl. Schol. 800. Steph. B. Tgtxpnva), und zwar, gegen führen die samothrakischen Götternamen,
wie aus den Zeuguissen deutlich hervorgeht, welche Aristoteles (Schol. Ap. a. 0.) und Diodor
an denselben Orten, wie Odysseus selbst. Dafs 6, 48 statt des Hermessohnes Kasmilos und der
sie eine Regengöttin war, folgt aus Eupho- Leukosia überliefern, der Hermessohn Saos oder
rion fr. dl Mein.*) nolvzgorpa (lies etwa: rtolv- 20 Saon und 'Prjvrj, um so bestimmter nach dem
zgocpa?) ätixgvct Bvvrjg in Verbindung mit Kultbereich der Iris, d. i. Delos mit seiner
dem, was ein Schriftsteller gleicher Epoche Kheneia, zurück. Und man wünschte wohl zu
aus orphischer Quelle anführt ädxgva Jto? wissen, durch welche jetzt fehlenden Mittel-
«o» ofißgov SijXovv (Loh., Agl. 836). In Mittel- slieder das Etym. 31. und Gud. dazu kam,
italien begegnet dieselbe Göttin unter dem Iris von gstv herzuleiten. — Sao kommt auch
Namen der weissagenden Quellnymphe AI- weiblich vor, vielleicht als eine thrakische
hunea (Prcller- Jordan, Rom. Myth. 1, 383. 2, Göttin des Thamyris gedacht, wenn die In-
139. 145; besonders Serv. Verg. A. 7, 83). Dafs schritt vorn vollständig ist, auf einer rf. Vase,
diese, den Römern durchaus nicht sehr be- Böm. Mitt. d. Inst. 3 Tafel 9; und sicher als
kannte Identifikation erst nachträglich vorge- so Nereide Hes. Theog. 243. Schliefslich notiere
nommen sei, ist nicht anzunehmen; die Ahn- ich, dafs Iris bei Hom. Sl 77 die Thetis im
liebkeit der beiden war nicht mehr deutlich Meere bei Samothrake findet (Aristarch. Schol.
genug, um zu einer Fiktion einzuladen. Um- z. St.) und der dunkle Schleier auch dort (92)
gekehrt nötigt uns vielmehr alle mythologische betont wird, aber in anderer Verwendung.
Analogie zu dem Schlüsse, bei Ausprägung Die ganze Irisfrage läfst sich unseres Er-
jenes Namens habe der aus Leukothea und achtens nicht sondern von der nach dem Iros
dem Quellnamen Leukosia herausklingende Be- der Odyssee. Der Name ist in Nordgriechen-
griff mitgewirkt und etwas an Alburnus, AI- land zu Hause (siehe Steph. B. 'Ellüg, "iga;
bula u. dgl. Erinnerndes zuwege gebracht. vgl. Lykophr. 905) und von da in verschie-
Eine Mittelform 'Aßvvrj mit Vorschlags-«, wie 40 dene Heroengeschlechter eingedrungen. In der
sie sich im. Griechischen bekanntlich leicht Odyssee c 5 wird der Bettler Arneios darum [gog
einstellt, fehlt uns leider. Aber sollte sie genannt, ovvsy.' änctyyii.).saxs xtcöv, ozt tcov
nicht etwa in dem Namen der delischen Opfer- zig avayoi. Man glaubte also aus dem Worte
gaben an Iris stecken, welche die Vulgata des Igog etwas wie si'gsiv im Sinne von Xsytiv
Athenäustextes als zovg ßacvvCag xaXovfnvovg (s. Schol.) herauszuhören, eine Volksetymologie,
(seil, ■nlaxovvzctg) bezeichnet, und statt dieses die früher oder später auch bei Iris Platz ge-
sonst unbezeugten Wortes vielmehr zovc'o c>- griffen hat. Unmöglich kann der gefräfsige,
ßvvCctg zu schreiben sein? — Bleibt dies nur betrunkene Proletarier von Ithaka, wie der
eine Vermutung, der man etwa eine dorische Scholiast sich zu denken scheint, von der
Bildung von ßa&vg entgegenstellen könnte, so 50 Götterbotin hergeleitet sein. Der Gedanke an
ist doch damit der Zusammenhang beider sie hat höchstens insofern mitgewirkt, als er
Göttinnen mit Delos einer- und Nordhellas dazu führte , sie, die in der Odyssee ebenso-
andererseits nicht erschöpft. Zunächst einige gut neben Hermes Platz gehabt hätte wie in Sl
Präklusivbemerkungen. und den Kypriet], vollkommen auszuschliefsen.
Man weifs heute, dafs der Schleier oder Beide haben eben ihre gesonderte Entwicke-
Gürtel, welchen die 'Kadmostochter' (s 333) lung gehabt. Die Differenzierung ist stark,
dem ertrinkenden Odysseus reicht, aus dem nichtsdestoweniger mag der Bote Arneios-Iros
samothrakischen Kult des Kasinos oder Kad- einst ebenso respektabel gewesen sein, wie
milos und der Leukosia, d. i. dorisch = Leu- der Stammvater der Epeer, Epeios, der in der
kothea, stammt: Schol. Apollon. 1, 917. In go Ilias Sl 664 noch an ritterlichen Künsten ber-
jenem, von seiner Farbe nogtpvQi'g genannten vorragend beteiligt, dann aus einem Herolde
KQijäffivov wird aber wohl niemand eine Be- der Atriden zu einem Handwerker und Feig-
ziehung auf die nocpvgsrj igig Homers P 547
*) Bei Ausdrücken wie Anthol. tat. rec. Riese (1S7D)
*) Vielleicht gehört demselben Dichter Ueineke, An. 545 picturafo caelum velamine cingit, vgl. 548, 3. Sense.
Alex. p. 153 ßiivtjs /ata Xetctp' Yev aud^föaijZi so G. Diu- trag. Oedip. 320 parte quac magna poli eurvata. picto nuntiat
dorf statt des überlieferten nud verdorbenen aatatextpia nimbos sinn schwebten vielleicht Kunatdarstellungen der
z. Henr. Stephan, s. v. Man denkt am ehesten an eine Göttin mit halbkreisförmig geblähtem Gewände vor (s.
Farallelsage zur Kalypso. unten Sp. 339, 53 ff. u. 349).
337 Iris (Etymologie) Iris (Etymologie) 338
ling geworden und bei Stesichoros schon zu erfunden, sondern klingt schon in der Hesiod-
einem Knechte herabgesunken ist, welcher Interpolation Theog. 782 an, in einer Manier,
die niedrigsten Arbeiten verrichten mufs. Es die sich in jenem Gedicht öfter beobachten
scheint sogar, dafs der Iris selber ein gleiches läfst. — G. Curtius bekennt, zu keinem Er-
Schicksal nicht erspart geblieben, wenn wir gebnis gelangt zu sein, will aber, dafs man
den Plato, wie billig, zu den Dichtern rechnen: von 'der bei Homer wahrscheinlichen Form
er giebt seinem Eros anstatt der bekannten Ftpts' ausgehe, die er auch in Bigig (Paus. 3,
Iris (ob. A § 3) die Armut zur Mutter, indem 19, 4) am amykläisehen Altar zu erkennen
er zwar an Iros denkt, aber die Femininform glaubt. Es ist richtig, dafs jene Schreibung
vermeidet, für die er anderwärts -eine passen- 10 direkt aus der Inschrift des Altars zu erklären
dere und edlere Verwendung hat (oben A § 4), ist, nicht etwa aus einer Verderbnis unseres
ähnlich wie er bei dem Vater an Plutos Textes. Allein paläographisch führt die Trans-
denkt, aber statt dessen den abstrakteren skription B nicht auf ein F, sondern auf ein
Porös einsetzt. — Einen wichtigen Finger- p, wenn der Verfertiger ein Lakone, oder auf
zeig giebt für die hier vorliegenden Fragen 13, wenn er ein Korinther war, oder aber auf
der Name 'Agviiog selbst. Allgemein und mit Q, d. h. im einen Falle auf Elgtg, im andern
gutem Grund wird das delische 'Prjvsia aus auf higig. Ist somit dem B der Boden ent-
(nqv, vgl. noXvQgr]v und dgvtiog, erklärt (Curtius, zogen und das homerische F nur eine 'Wahr-
JUtym.* 347). . Was für P^veia gilt, mufs na- scheinlichkeit', so eröffnet sich der weite Aus-
türlich auch für die samothrakische 'Pr\vr\ gel- 20 blick auf die Gruppe Stgtg, Z(t)igiog, Zsigrjv.
ten, 'die Göttin der Schafherde' (Preller Robert, Für diesen Zusammenhang scheint sich ein
Gr. M. 1, 398), die Gattin des Hermessohnes. wichtiger Anhaltspunkt darzubieten. Die sebö-
Hier hätten wir denn also die oben vermu- nen Münztypen von Terina in Brnttium zeigen
teten Spuren der Iris — in einem männlichen ein geflügeltes Mädchen, welches bald auf einer
Korrelat, unter welchem sich Bevmes-KaSfiijlog Hydria oder einem Altar oder bei einer Säule
d.i. HuTtxn>iXiog selbst verbergen mag. und Stufenbasis sitzend, einen flatternden Vogel
O. Müller, Aegin. 170 wollte Iris mit der auf der Hand hält, bald aufrecht steht oder
Uekate, auf deren Insel sie verehrt ward, iden- aus einer Quelle schöpft, immer aber ein Kery-
tificieren, doch sprechen die Zeugnisse, die er keion mit sich führt. (Vgl. Poole, Numism.
anführt, namentlich eines des Semos selber 30 Chron. 1883, 11.) Nur die älteren, halbarchai-
eher dagegen. Bergstedt p. 9. Vgl. Kap. B 4. sehen Münzen weisen, statt dessen eine flügel-
lose, aufrecht stehende Göttin mit einem Zweig
Etymologie. in del. Ruhten und der Beischrift NChu auf.
Wie aus allem Vorangehenden ersieht- Nicht ohne Grund haben die englischen Nu-
lich, ist die Herleitung von itgeiv = leynv mismatiker gezögert, diese Bezeichnung auch
nicht erst durch die Grammatiker aufge- auf den jüngeren Typus zu übertragen, welcher
bracht worden (Schol. Od. a 6. Iuterpolator handgreiflich mehr enthält als eine blofse Um-
von Plat. Cratyl. 408. Hesycli. v. s i'gv und bildung im Stil der athenischen Nikebalustrade,
'Jgog. Etym. M. 'Igig; vgl. Welcher, Götterl. 1, und unverkennbar auf das feuchte Element,
690), sondern wird bereits von dem homeri- 40 vielleicht auch auf einen Singvogel anspielt;
sehen Epos vertreten. Aber sie hat keinen vgl. Hcad, Hist. num. 97. Das ergiebt sich
sprachlichen Wert und nur den einer Volks- aus der Lylcophr. 726 und Schol. 722 vorlie-
etymologie, welche die Ausprägung der Regen- genden Lok-alsage von Terina (vgl. Steph. B.
wind- und Seegöttin zur Götterbotin befür- s. v.), wonach 'die Sirene Ligeia' dort aus
derte. Sie ist auch von G. Curtius, dem ein- dem Meere ans Land gespült wurde.*) Diese
zigen Sprachforscher, der sich unseres Wissens eigentümliche , deutlich als Wassernymphe
über die Frage geäussert (Arch. Ztg. 1880, 133, bezeichnete 'Sirene' führte dort den Namen
5), verworfen worden, ebenso wie die Hermann- Leukosia, das ist also Leukothea: eine Orts-
sche von Eigoi, scro und die eines Andern von tradition, die noch eine weitere Stütze in der
ilfii. Antik ist auch die Gleichsetzung mit 50 nur zu Terina und dem benachbarten Hipponeion
"Egig, bei welcher noch die nachklassische vorkommenden Göttin des Strudels, Tlaväiva,
Schreibung Elgig für 'Igig*) und dadurch ver- findet, einer schlichten Gestalt, aber mit Kery-
anlafste Verschreibuug (z. B. Are/um. Theolcr. keion. Hier also, im Bereich des Siris (oder
13. Athen. 14, 646d; vgl. ob. Sp. 323,32) mit- Zigivl vgl.' d. Münzen u. Steph. B. s. v.; ein
wirkte; s. Elym. M. und Gud., sowie Suicl. Flufs Iris A § 1), scheint in der That eine Spur
v. 'Igig. Hesychs sonderbare Glosse "Egiäag' vorzuliegen, welche auf die Verwandtschaft
Tag sv ovgctvä i'giäctg ' 'Azziv-üsg würde erst etwa von Elgtg und Ziignv hinführt: beide hängen
in folgender Fassung Sinn bekommen: Ei'gi- mit Lichterscheinungen (vgl. Zsigtog) zusammen
Sag' zeig iv ovgavä ^dvcig' 'Azttiiäg di i'gidag, und beide doch auch mit dem Feuchten (die
vgl. das vorhergehende Lemma; auch in igi- 60 Sirenen sind ja von jeher Töchter des Aoheloos:
onnnTcc isga ßozävn, E^g tjv dv tgig (1. sigig)
E7llGH'nty7] möchte man £Lgiav.n7tra erwarten, *) Die Beischrift auf dieser Seite der Münzen lautet
wenn die Erklärung zutrifft. Übrigens ist auch bald TE bald TEPINAinx bald TEPINA (s. d. engl.
diese Etymologie nicht von den Alexandrinern, Zata'.og Itaiy p. 3S6ff.). Mag die Figur damit immerbin
WO sie unter Zenodots Namen berichtet wird, zurA Vertreterin d« Stadt gestempelt sein [Imhoof-Blumer
' U.A.; s. Wie/t. Num. Ztschr. 3, 19 f.) : die Charakteristik hebt
sie über eine so gewöhnliche Rolle hinaus, und das uvtjfia
*} Aufscr den im Text angeführten Stellen Hesych. der Seireu, ein Wahrzeichen der Stadt (Schol. z. Lyk.),
v. eif}}] (1. ewig?) und oben A g 3. fiudet Imhoof selbst häutig auf den Miiuzen augedeutet.
339 Iris (in d. Kunst; Allgemeines) Iris (am amykl. Altar; in episch. Scenen^ 340
Stepita ni, Campte Bendu 1866). Es ist seltsam hervorgegangener Einwand, dafs die Reprä-
genug, dafs erst die jüngere Münzprägung sich sentantin des letzteren ruhig stehen müsse,
auf jene alten, zur Bereicherung des Typus Man vergleiche übrigens die sogen. Iris des öst-
wohl geeigneten Traditionen besann, und diese liehen Parthenongiebels (unten § 5).
der älteren, wahrscheinlich aus Olympia über- 1. Am amykläischen Altar, über oder
nommeiien Nike anheftete. Die verwandte, aus dem sich das unterhalb formlose Idol er-
Kerykeion führende Elgr]vn auf den Münzen hob, und den man sich, wie andere altgrie-
der lokrischen Nachbarschaft legt zugleich den chische Altäre, oblong vorzustellen hat, läfst
Gedanken nahe, dafs hier auf Grund der alten Pausanias' Beschreibung 3, 19 vier Relief-
populären Herleitung von si'ga jene Ter- 10 streifen erkennen (Trendelenburg, Bull. d. Inst.
wechsehmg von Ei'qtjvt] und Efpis wirklieh 1871, 124, besser als Klein. Osten: Epigr.-Arch.
stattgefunden, welche man seit Welcher und Mut. 1885, 161); an den Längsseiten Herakles'
Luynes auf den Vasen ohne Grund und Methode Einführung in den Olymp und Hyakinthos'
angenommen hat. Vgl. unt die Bildwerke § 3. Emporführung aus der Unterwelt, an der rech-
ten Schmalseite mehrere Frauengruppen, an
.Bildwerke. ,jer linken, wo sich die Grabesthür hefand und
Die geflügelte Botin (über deren Darstel- die Beschreibung anhebt, folgendes: Zeus, vor
lung Ar. Av. 1213 ScJwJ. s. unten Sp. 346 und Hermes, Dionysos, Semele und Ino, also, was
Porphyr, de dbst. 3, 16), von Nike meist nur ich nirgends ausgesprochen finde, die Herauf-
dureh das Kerykeion, seltener durch kurze Ge- 20 führung der Semele durch ihren Sohn unter
wandung, unterschieden, hat in der bildenden Leitung des Psychopompos. Hinter Zeus stan-
Kunst, wo das Wort weniger gilt als die That, den Iris, Poseidon und Amphitrite in nicht
nicht entfernt die Bedeutung erlangt wie jene, mehr bestimmbarer Eeihenfolge — wenngleich
ist aber andererseits auch von der Trivialität Iris den Anfang zu machen und der Eckfigur
verschont gehlieben, zu welcher, wenigstens lno zu entsprechen seheint — , immerhin aher
in der Vasenmalerei, die Figur ihres mann- vergleichbar der schon dem 5. Jahrh. ange-
lichen Amtsnachfolgers herabsank. Sie gesellt hörigen Pandoravase, Brit. Mus. 1265 (d. alt.
sich nicht wie jener den Menschen zu, und ihr Katalogs), wo sich um die lehlose Mittelfigur
Erscheinen verkündet mehr die unmittelbare von rechts her Ares, Hermes, Hera, von links
Nähe oder das Eingreifen der Götter. Nicht 30 Zeus, Iris, Poseidon versammeln. Auf der viel
wenige Scenen, in denen sie auftritt, zeichnen strengeren rf. Hesperidenvase Ann. d. Inst.
sich durch eine gewisse Gewähltheit aus. — 1859 tav. GH ist das bei I sich begegnende Per-
AViederum die Göttin des Lichtphänomens hätte sonal folgendes, von links nach rechts aufge-
die Malerei auf entwickelter Stufe nur allenfalls zählt: Poseidon, königliches Paar j Herakles,
in der Weise Virgils zur Anschauung bringen Athena, (Baum), Atlas. Hesperide, Iris (letz-
können, durch eine vor dem Bogen schwe- tere herbeieilend). — Den Zephyrosmythus,
bende Gestalt, wie etwa auf den Lykurgos- welchen Welcher, A. D. 4, 211 mit dargestellt
vasen (z.B. Müller- Wieseler, A. JD. 2. 38, 442. glaubte, erwähnt Paus, im Anschlufs an die
Welcher, A. D. 2, 104. Baumeister, Denkm. 2 Reliefs nur, weil er denselben, gleichwie die kurz
S. 834) Lyssa vor dem Sonnenkreise schwebt.*) 40 vorangehenden Notizen über Hyakinthos, in
Das scheint nicht geschehen zu sein, soweit seiner Quelle fand; aus der Benutzung solcher
wir sehen können, und von dem unvollendeten Hülfsmittel macht er gerade beim amykläischen
Bild des Aristides (Plin. 35, 145) weifs man Thron kein Hehl, wiewohl er daneben seine
nichts. Der bisweilen buntfarbige Halbkreis, Autopsie betont; vgl. aufser den von Kalk-
welcher auf einigen jüngeren Vasen den Horizont mann, Paus. S. 121 herausgehobenen Stellen,
umrahmt, dient einem rein formalen Zwecke. Kap. 18 § 6 (9) ozov Ss — 7iagtr,ui. Vermut-
Ein Versuch, diese Seite der L-is zu erfassen, lieh lagen ihm auch hier zwei Quellen vor
scheint nur in dem Relief Colonna (Matz-Duhn, und erklären sich daraus die Verwirrungen
Aid. Bildw. 3562. Arch. Ztg. 1875, Taf. 4) vor- und evidenten Wiederholungen, auch die über-
zuliegen, wenn man nicht gelegentliche Attri- so schüssigen Slgat in Kap. 19, die man deshalb
bute wie Kanne oder später vielleicht Schmet- nicht notwendig mit ^iebelis aus dem Text zu
terlingsflügel dahin rechnen will. Dort ist eine entfernen braucht, über die Inschrift Btgig
lebhaft bewegte Göttin mit halbkreisförmig über s. Sp. 338.
dem Haupte geblähtem Gewände dargestellt, zu '2. Iris in epischen Scenen. Die Vase
ihren Füfsen als Andeutung der Elemente Adler, des Klitias und Ergotimos mit der Peleus-
Schildkröte, Schilf und Sumpfvogel, und auf hochzeit wurde schon besprochen. Iris ist aus-
sie zukommend von jeder Seite ein Windgott nahmsweise (aber nicht nur dort) flügellos, in
mit Wolkenandentungen am Reliefgrund und Stiefeln und Fell über dem (langen) Gewand,
gewissen unerklärlichen Lanzenspuren. Matz's wie Hermes. Auf der Schale des Oltos und Euxi-
Gedanke (Arch. Ztg. 1S75, S. 20) an eine Per- 60 theos, Berlin 2264 (s. die dort angeführten Abb.'i
Bonifikation des Nebels, der 'Opizlrj, ist ebenso mit dem Tode des Patroklos ist auf der andern
ausgeschlossen, wie sein nur aus prinzipieller Seite, wo Achill zum Kampf auszieht, Iris,
Scheidung der schnellen Botin und des Phä- wieder inschriftlich bezeichnet, teilnehmend
nomens, sowie Verkennung der Mittelglieder zugegen; sie hält aufser dem Kerykeion eine
Blume in der Hand, ein archaisches Zieriich-
.. T.. ,., u, , , , , .. keitsattribut, welchem man zur Zeit Gerhards
) Diese selbst, hinter welcher manchmal nur die , . ,. _.' . , . , . -,,
untere Hälfte eines Strahlenkreises sichtbar wird, hat (d^ die Figur einzeln _ ungenau wiederholt
man seltsamerweise als Iris^geäeutet; s. WelckerjL. a. O. Ges. Abh. 11, 4,) noch eine besondere Bedeu-
341 Iris (in epischen Scenen) Iris (in epischen Scenen) 342
tung beimafs. Mag man den Moment aus den Oltos und Euxitheos findet. Ist auf diesem
nachfolgenden Epen mit Luckenbach , Verh. d. Revers Iris durch eine kredenzende Frau
Vas. Z. Ep. Cgkl. 547 zu fixieren suchen, oder und aufserdem durch Hermes mit Absicht
allgemeiner mit daher entlehntem Personal als ersetzt, so wird sich daraus die Einschiebung
Rachezug für Patroklos' Tod auffassen: Iris war der Iris auf der sonst von Euphronios ab-
es jedenfalls, die den Achill zuerst aus seinem hiingigen Vorderseite erklären. Noch flüch-
Zelte in den Kampf hinauslockte (2 166). tigere Wiederholungen der Memnonscene fügen
Ihre eindringliche Rede hatte doch wohl auch den Hermes hinzu. Alles, ohne dafs der
Du/ris im Auge bei dem schönen Rundbild Mythus der Aithiopis für einen Götterbefehl
Berlin 2283 = Arch. Ztg. 1883, 1 (vgl. auch 10 Raum böte. Vollends die absurde sf. Vase
Vorl.-Bl. C 7, 2 b uud Ann. d. I. 1844, tav. G), Berlin 1895, Jahn, Tcleph. u. Troil. III, welche
wo der Herausgeber P. J. Meier trotz des weg- den drei Göttinnen auf dem Wege zum Paris
gebrochenen Kerykeions die Götterbotin, die aufser Hermes noch eine flügellose Iris {Jahn
Aufforderung zum Kampf und den Charakter S. 79, 96) vorausmarschieren läfst, wie sie bei
des Helden, vor dem sie steht, richtig be- Herakles und dem Löwen einen kauernden
stimmt und diesen dennoch unbenannt lassen Hermes beifügt, verdient kaum die ernsthaften
will: aber zu sogen, heroischen Genrescenen Erwägungen Trendelenburgs , Arch. Ztg. 1880,
stellt sich Iris, wenigstens in dieser Stilperiode, 130 A., der für die Bezeichnung der flügellosen
so leicht nicht ein. Wenn sie auf einer spä- Figur Anahjgieen aufser auf der Francoisvase
teren Vase Tischbein, V. P. 3/4 einem Jugend- 20 vermifst. Ahnlich mag die Pariser Vase Arch.
liehen Helden Waffen reicht, so ist der einzige, Ztg. 1853 p. 400, 9 sein. Vgl. auch Ann. d. I.
auf den sich das beziehen läfst, immer nur Achill, 1845 p. 158, 41. Merkwürdigerweise erscheint
mag der einzelne Töpfer dies gewufst und be- gerade beim Parisurteil zur Seite der Hera
dacht habeu oder nicht. Selbst wo in diesem eine geflügelte Gefährtin, die sich nicht wohl
jüngeren Stil, der die Fühlung mit dem Epos anders denn als Iris erklären läfst; so auf der rf.
immer mehr verliert, dem Helden ein beliebiger Pyxis Berlin 4043, Samml. Sabnroff' Taf. 61,
Name, der kredenzenden Flügelgöttin mit Kery- wo sie der Hera eine Tänie reicht (zu den
keion 'Nike' beigeschrieben ist (Nolanische schweren Goldplättchen dieses Colliers vgl.
Pelike Brit. Mus. 721. Gerhard, Auserl. V. 150), das für das Haar bestimmte Geschmeide bei
würde ich den Gedanken an Iris und Achill noch 30 Dumont et Chaplain 1 pl. 9; zu dem, welches
nicht ganz aufgeben (vgl. § 7). — Zu beachten Hera in der Hand hält, damit es aufgezogen
ist noch Laborde, Vas. L. 1 p. 6, 4 Vignette werde, ebenda 8), und hinter ihr, von einer
(nicht in Wien befindlich); vgl. Roulez, Choix 4. Terrainwelle halb bedeckt, auf der rf. Pelike
Auch bei der Schleifung Hektors auf den sf. Collignon, Vases d'Athenes 522; ferner auf den
attischen Vasen wird die in andern Mythen- apulischen Vasen Berlin 3240. 3290 (s. a. a. O.
kreisen so selten erscheinende Iris gern hin- die Abbildd). Auf dem berühmten Parisurteil
zugesetzt (s. A. Schneider, Troisch. Sagenkr. des Kraters Petersburg 1807, Vorl.-Bl. A 11,
28), offenbar um ihres häufigen Auftretens in 1, Stephani, Gompte liendu 1861, III, vgl. S. 44,
den Büchern 2 WH willen, gerade wie in dem wo im Hintergrunde Themis und Eris beraten,
daneben fliegenden Schattenbild des Patroklos .10 konnte man die seitwärts haltenden Gespanne
die nazQoxJ.ua nachwirkt. mit einer beschwingten und einer flügellosen
Sonst begegnet Iris auf troischen Scenen so Lenkerin nur darum auf jene beiden, doch nur
gut wie gar nicht. Bei der Wegschaffung des im Hintergrunde der Ereignisse gedachten Göt-
gefallenen Memnon durch die Winde, die hesio- tinnen beziehen (Brunn, Troisch. Miscetl. 52),
dischen Söhne der Eos (Theog. 379), hat der weil jene Lenkerinnen im Profil gezeichnet sind
Töpfer Pamphaios {Wien. Vorl.-Bl. D 3; im- und nach der Mittelgruppe hinzublicken schei-
genügend Gerhard, Auserl. Vas. 3, 221) ein- nen, während eine teilweise Enfacestellung und
mal Iris d. h. eine Frau mit Kerykeion links Senkung des Hauptes zu ihren wahren Gebie-
hinzugesetzt als Pendant zu der hier gleichfalls terinnen der eleganten, etwas abgeschliffenen
flügellosen Eos. Doch erwartet man an ihrer 50 Manier dieses Schwierigkeiten gern vermeiden-
stelle vielmehr Thetis, die übrigens einmal den Stiles entgegen gewesen wäre. Nike gehört
(Brit. Mus. 811, Gerhard, A. V.-B. Taf. D) der zu der darunter sitzenden Aphrodite (wahr-
Eos zu liebe Flügel erhalten hat (Kekule, scheinlicher als zu der in der Mitte stehenden
Hebe 29, 1). Wohl nach Vorbild der Memnon- Athene), die andere Lenkerin, Iris, welcher um
bilder ist das Grundschema einer Kampfscene Überladung zu vermeiden, keine Schwingen
durch zwei lebhaft gestikulierende Frauen er- gegeben sind, zu der darunter sitzenden Hera,
weitert auf der Schale Gerhard, Auserl. V.-B. Die Beobachtung, dafs diese schon eine Be-
2, 84, die im Stil wie hinsichtlich der flankie- gleiterin in Hebe hat, und die Frage, wie diese
renden Pferde der andern Seite ganz wie frei eingefügte Person nach Hause kommen
eine Nachahmung nach Pamphaios aussieht. 60 wird, wäre ebenso überflüssig, wie die gleiche
Dieser letzteren wiederum ähnelt durch die Frage bei dem seitwärts stehenden Zeus und
um die Kämpfer gruppierten Frauen (links der rüstigen Athena. Man beachte im Gegen-
Athena und Iris, flügellos mit ausgestrecktem satz zur Nike das lang wallende Haar der Iris
Arm, rechts eine ähnlich gestikulierende Frau) hier wie auf dem neugefundenen Stück des Par-
die Schale Koel des Vergers 38, Klein, Ektphron.- thenonfrieses (Sp. 348). Vgl. auch Knapp,
81, welche Klein an Pamphaios erinnerte, Nike in der Vasenmalerei 45, der in den Belegen
während er in dem Revers richtig Anklänge für die ungeflügelte Iris allerdings fehlgreift,
an den oben erwähnten Auszug Achills von Als Dienerin der Hera steht sie mit einem
343
Iris (im Satyrspiel)
Iris (im Satyrspiel)
344
(nach dem alten Katalog) als Knotenstab ge-
ratenen oder mifs verstandenen Kerykeion *)
auf dem rf. Gefafs Brit. Mus. 1535, Memorie
d. Acad. Ercölcm. 6, wo die Göttin in Alkme-
nens Gegenwart das Herakleskind säugt. Es
empfiehlt sieh dabei eine Vergleichung der
beiden stilistisch nah verwandten rf. Gefäfse
Gerhard, A. V.-B. 3, 174 — Parisurteil —
und Gazette arch. 1875 pl. 15 — Herakles'
Kindheit — ; Rev. dort Nike oder Iris kre- 10
denzend zwischen Poseidon und Dionysos, hier
Zeus zwischen Hermes und Iris, indem jener
einen Auftrag des Z. vollführend nach links,
Iris, ihrer Herrin nach, rechtshin eilt.
Bedeutend und ausdrucksvoll ist die Er-
scheinung der Götterbotin auf der noch ziem-
lich strengen rf. Amphora, Gerhard, Austrl.
Vas. 1, 46 (vgl. Baumeister, Denkm. S. 760,
oben Sp. 103), wo sie den Schiedsspruch des
Zeus überbringt, infolge dessen links Apollon 20
entweicht und rechts Idas die Braut heim-
führt. In kurzem, doppelt geschürztem Chiton
und Flügelstiefeln steht sie da, den Arm in
die Seite gestemmt**), mit energischer Kopf-
wendung gegen Apollon. Nach dem Bericht
Schot. Hom. I 559, welchen die Subscriptio
in mehreren Hss. dem Simonides zuteilt, war
es Hermes, welcher den Befehl überbrachte.
In ähnlicher und vielleicht nicht willkürlicher
Variation erscheint Iris statt Hermes bei der 30
Bestrafung Ixions (als entsprechende Eckfigur
zu Zeus) auf dem Schulterbild der Unterwelts-
vase Petersburg 424, abg. z. B. Arch. Ztg.
1844, 13, Müller-Wieseler 2, 863, hier allerdings
in einer Epoche, wo der bezügliche Stoff be-
reits durch das Drama hindurchgegangen.
3. Iris im Satyrspiel. Drei höchst er-
götzliche Vasen des 5. Jahrh. schildern die
Verlegenheit, in welche die jungfräuliche Botin
gerät, wenn ihr Beruf sie unter das lüsterne 40
Volk der Satyrn führt, a) Schale des Brygos,
Brit. Mus., abg. Mon. d. I. 9,46, Wien. Vorl.-
Bl. 8, 6; vgl. Matz, Ann. d. I. 1872, 294.
b) rf. Skyphos, Berlin 2591; Gerhard, Ant.
Bildiv. 48; Welcher, A. D. 3, Taf. 16, 2,.. wo
aber nur die Hauptseite abgebildet ist. c) Ähn-
liches Gefafs, abg. bei Luyncs, V. P. 30, die
eine Seite bei Welclcer, Taf. 16, 1. Auf Nr. a,
dem weitaus umfangreichsten- Bild , wird die
dort inschriftlich bezeichnete Botin , die eine 50
Rolle in der Hand trägt (offenbar die Bot-
schaft des Zeus, wie sie auf der Pariser,
&p. 350 abg. Lekythos ein Diptychon über-
bringt), von einer ganzen Horde Satyrn an-
gefallen, während Dionysos würdevoll am Altar
steht und zusieht; auf der andern Seite gilt
der Angriff der ebenso erschreckten Hera;
Hermes erscheint begütigend, Herakles in sky-
thischem, also Polizeikostüm, in grofser Hast
einschreitend. Den evidenten Einflufs des Sa- oo
tyrspiels betont der Herausgeber, nachdem
i Ein Stab ist ihr aus Unverständnis gegeben Arch.
Ztg. 1853 p. -100, 9.
**) Vgl. die viel spätere, in Gerhards Hljperb. Rvut.
Straf. 1, 175 nr. 11 beschriebene Vase: Iris in kurzem
Chiton, die Linke in die Seite gestützt, in der
Beehten den Caduceus und auf dem Kopfe vielleicht
eine Lotosblume. Eev. Herakles im Phlyakenkostüm,
schon O.Jahn, Tcleph. u. Troil. 91, angesichts
der zwei andern, inschriftslosen Vasen, wo die
Göttin nur von je einem Satyr bestürmt wird,
an die Iris des Achaios (Nauch, Trag, fr.1
p. 582, 8p. 751) erinnert hatte, und zwar ohne
noch das Fragm. 220 (Philodem, de piet. p. 36 G.)
zu kennen , wonach Dionysos dort eine wenig
göttliche Rolle gespielt zu haben scheint.
Nr. b hat als Revers Dionysos zwischen zwei
Satyrn, Nr. c eine erschreckte, von zwei Sa-
tyrn belästigte Nymphe, die zu ihrer Ver-
teidigung einen Thyrsos ganz von der Form
führt, wie er auf b erscheint (kurzer Stamm
mit Zweig, dicke buschige Krone). Es geht
nicht wohl an, b und c zu trennen, obwohl
die Flügelfigur in c keinerlei Attribut führt
und nur ihre Rockschöfse ausbreitet, wie es
Sehet. Arist. Av. 1203 von der Iris sagt (s.
Sp. 346). Die auf b führt aufser dem Kerykeion
eiil umgekehrtes Stier- oder Bockshorn, welches
als Gefafs zu fassen ist, wie auf dem Revers
der Schlauch des Satyrn. Ein Ochsenschwanz,
den Furtwängler hier erkennen will, müfste
Fig. 3: Iris, von einer Lekythos iu Athen (nach Original-
zeichnung).
schlaff herunterfallen, statt aufgebogen zu sein,
und mindestens an dem Ende Haare zeigen. Es ist
eines der gewöhnliehen Trinkhörnerbakckischer
Scenen; vgl. die Mainade bei Laborde 1, 35. 51.
65 (letztere fackeltragend und als Eirene be-
zeichnet). Man hat um dieses Attributs willen
die Göttin früher Eirene benannt (Politi, Luy-
ncs, Welcher), während gerade die Eigrjvr] Ao-
Y.oäv der bruttischen Münzen, auf die man sich
berief, keine Flügel hat, wie dies auch das
einzig Passende für eine solche Gestalt ist und
es die inschriftlich bezeichneten Eirenefiguren
der Vasen oben Bd. 1 Sp. 1222 nr. 3 bestätigen.
(Vgl. O. Jahn. Arch. Beitr. 11 1,62.) Welche Vasen
hiernach Trendelenburg, Arch. Ztg. 1880, 130, 1
noch im Sinne haben kann, ist nicht zu er-
kennen. Wenn das umgekehrte Schöpfgefäfs
nicht etwa irgend eine spezielle, im Drama
gegebene Beziehung hatte, die wir nicht mehr
erraten, so könnte es nur ein Substitut für
die Kanne sein, welches die Regengöttin auf
einer andern Vase, nach einer allerdings nicht
zweifelsfreien Auffassung, kennzeichnet. — Mit
b) und e) sind übrigens zwei weifsgrundige
Lekythen im Athen. Central-Muscum zu ver-
gleichen. Auf der einen hier abgebildeten
fliegt ein geflügeltes Mädchen mit Haube,
345
Iris (im Satyrspiel)
Iris (im Satyrspiel)
346
sich ängstlich umblickend, davon, indem sie
die Rocksehöfse mit den Händen seitwärts
symmetrisch ausbreitet. Man vergleiche Jl'eZ-
clcers Tafel und unsere Figur. Auf der andern,
wo die Entleh-
nung aus einer
vollständigeren
Scene unver-
kennbar, stehen
Hermes (bärtig)
und ein Flügel-
mädchen mit
Haube wie Sta-
tisten neben-
einander, nach
1. hin blickend,
wo aber nichts
mehr folgt, die-
ser (en face) das
Kerykeiou, jene
(im Profil) ein
Trinkhorn dort-
hin präsentie-
rend. Das erste
Bild kann man
wohl sicher, das
zweite mit eini-
ger Wahr-
scheinlichkeit
auf Iris bezie-
hen. — Ob ge-
rade die Iris
des Achaios
jene Bilder in-
spiriert hat,
läfst sich nicht
unbedingt ent-
scheiden. Die
burlesken Büh-
nenmotive wie-
derholten sich
nicht selten, wie
man zur Genüge
weifs und hier
beispielsweise
an der hübschen
Irisscene der
aristophani-
schen Vögel
1207 erproben
kann, die jeder
für höchst ori-
ginell halten
würde , wenn
er von Achaios
und den Vasen
nichts wüfste. Viele vou den Scherzen, äieAristo-
phanes selbst als banal zu verschmähen be-
kennt, sind ihm aus seinen eigenen Stücken
nachgewiesen worden. Dafs er gerade den 60
gleichaltrigen Achaios benutzte, dessen. Satyr-
dramen sich nächst denen des Pratinas wohl
der meisten Beliebtheit erfreuten, darauf
scheint (aufser dem bekannten Citat, Frö. 184
= fr. 11 bei Nauck, Tr. Fr.), Frö. 847 ver-
glichen mit den Wutausbrüchen des rasenden
Alkmaion (Ach. fr. 14) hinzuweisen.'
Es ist hier nötig, ein Stück des Sophokles
ausdrücklich auszuschliefsen, da die fehlerhafte
Überlieferung schon nach mehreren Richtungen
hin irregeführt hat. Wer bist du, ein Schiff
oder eine Klappenmütze (tiXoiov r\ jcwjj), fragt
Ar. Vöij. 1203 Peithetairos
die mit ausgebreiteten Flü-
geln und Kleidern herab-
schwebende Figur. Zu jenen
Worten bemerken die Scho-
llen: IllOLOV flSV, MßlTO
c7rrt£corß:i xtu e^cöyKCO^LEvov
(vgl. das ■/.M.olnwcfrat. des
and. Schob) £%£* tov %iTtäva,
■Hai rä TiTfQix öunzinruzcu dg
tucncn. Diese Erklärung mufs
auch für y.vvii vollkommen
ausreichen, wenn auch in
dem Athen des 5 Jahrh.
solche Kopfbedeckung nicht
üblich war. Es ist vollkom-
men schief und zerstört den
von dem Gesamtbild der Iris
hergenommenen Witz, wenn
der Schol. fortfährt: v.vvfi äs,
ort £%ei niQiHicpaXaLav xhv
TciraGov (Frauen tragen üb-
rigens keinen solchen Hut.)
dg b 'Equ-fig üyyilog äv tckqcc
- -
5 .= ra
Hocponlei: ev 'lvd%q) inl xr)q Y'lgtdog fyvvr\ zig
i}ÖE ■favlrjvttg 'AouaSog v.vvrig'' . <&ao\ da %al
HWECtv xov nixo.Gov XäySG&cci iv Tlt:Xo7rovvr>Go).*)
*) Bei Btümncr z. Sermanns Privatalter thümern § 21
S. ISO, 3 steht die seinem Texte -widersprechende Ver-
weisung auf das Scholion unhthelligt in der Anmerkung
347
Iris (bei den Kentauren)
Iris (am Parthenon)
348
Gedacht ist nicht an einen Petasos, sondern an
eine hohe Mütze, einen Pilos wie HesycJi s. v.
'AQxrig y.vv>] richtig erklärt, mit aufgebogenen
Seitenklappen. Worauf es uns ankommt ist
lediglich das Citat. Gewöhnlieh wird das im,
trotzdem sowohl Hiibner p. 491 und noch be-
stimmter Martin, Schol. Ar. p. 106 es aus dem
Bavennas bezeugt, völlig ignoriert und dadurch
die ohnehin schon vorhandene Verwirrung
noch vergröfsert. Allein auch der Name ist 10
fehlerhaft. Hermes wird doch wohl die Iris
kennen. Es mufs heifsen 'iovg. Hermes von
Zeus abgesandt den Argos zu töten, findet eine
Frau, welche nach der allgemeinen Bühnen-
sitte des 5. Jahrhunderts (schon der 1. Hälfte)
mit Hörnern (nicht mit Kuhhaupt) dargestellt
war. (Vgl. die Belege bei Balte, De monu-
mentis ad Odyss. pert., Berol. 1882, 44.) Alle
Versuche, das korrekte Citat herzustellen (s.
Nanck, Tr. Fr. Soph. fr. '251, 2250, auch Wi- 20
lamouitz, Herald. 1, 89) mufsten scheitern,
solange die Person nicht richtig erkannt war.
Dem Sinne nach steckt in dem Vers wohl dies:
yvvrjri'g i/cVf; a^X-^vrj (oder oslnvig); (j (?)'AQ-xäg
Y.vvrj; wenn es mir auch nicht gelingen will,
die Verbindung der beiden Fragen prosodisch
korrekt herzustellen. Jedenfalls hat das So-
pholäeische Stück nichts mit der Iris zu thun.
Etwas anderes wäre es, wenn man die Eris
desselben Dichters, welche nach Fr. 190, 2189 30
ebenfalls ein Satyrspiel war, Eiqis lesen wollte,
da unter 3 Fragmenten wenigstens eines (190)
die Variante 7p<s aufweist. Doch bleibt dies
ganz unsicher.
4. Iris bei den Kentauren. Von der Be-
liebtheit des Motivs, die Götterbotin in rohe
Gesellschaft geraten zu lassen, zeugt auch die
Vase, welche hier nach Joum. of. hell. Sind. 1,
pl. 3 (Atlas) wiederholt ist. Der Kopf mit der
Haube, seine Haltung wie die des ganzen 40
Oberkörpers erinnert an den Berliner Skypbos.
Achaios selbst, der sich so gut wie seine Be-
rufsgenossen wiederholt haben könnte, schrieb
einen Peirithoos, wie es scheint eine Burleske,
worin dem Hochzeits-Essen und -Trinken (vgl.
das erhaltene Fragment) mit den Kentauren
von selbst die Hauptrolle zufiel, und Iris neben
der Braut so gut figurieren konnte, wie bei
Brygos neben der Hera. Es ist schwer zu ent-
scheiden, ob die ernsthafte Dichtung, beispiels- r.o
weise das Epos, wagen konnte, die Götterbotin
solcher Behandlung auszusetzen, ohne Zeus
selber, der sie entsendete, der Lächerlichkeit
preiszugeben. Jedenfalls lassen sich nicht wohl
an solche Darstellungen mythologische Be-
trachtungen knüpfen, wie sie S. Colvin, Joum.
of hell. Stud. 1, 140 anstellt über den an und
für sich nicht uninteressanten Zusammenhang
der Iris mit den wie immer verstandenen
Kentauren des Pelion und wiederum der Ken- co
tauren mit den Satyrn. Immerhin ist es
Petersen {Osten: Epigr.-Arch.-Mitt. 1885, 85) zu-
zugeben, dafs der erste litterarische Anstofs
von der Iliasscene >F ausging, welche beiläufig
auch Konnos veranlafat hat, eine Scene cIris
bei den Kureten' in verwandtem Stile Zu
dichten. Die Vermutung des Homer- Schol 'tasten,
dafs die Winde vielleicht betrunken waren
und deshalb iqäaiv avrrjg, ist schon mehr
durch die Analogieen der komischen Bühne als
durch die Scene selbst gerechtfertigt.
5. Parthenon. Die Pointe solcher Scherze
lag in dem Kontrast einer halbtierischen Horde
und dem ausgesprochen jungfräulichen Charak-
ter der Iris, welchen nach Homer vielleicht
niemand mit größerer Zartheit erfafst hat als
die Künstler des Parthenon, wenn wir das
anmutige Flügelmädchen richtig verstehen,
welches am Götterfriese der Hera zur Seite
steht und beistehend in anspruchsloser Skizze
nach dem Berliner Gipsabgufs wiedergegeben
ist. Ihre Charakteristik, von Flach- zuerst auf
die Iris bezogen, hat neuerdings in dem dazu
gefundenen Kopf mit dem freiwallenden Haar,
Fig. 5: Iris und Hera vom Farthenonfriesc (nach Original-
Zeichnung).
dem Kennzeichen eines zarten Mädchenalters
(s. Waldstein, Americ. Journal of Arcli. 1889,
p. 5 uivd die vorzügliche Publikation Taf. 2),
eine Vervollkommnung und Vertiefung er-
fahren, angesichts deren der Gedanke an das
alter ego der Stadtgöttin, an die Schlachten
schlagende, Tropaia errichtende, Stiere opfernde
Nike kaum noch aufkommen kann. Wahr-
scheinlich ist die 1. Hand nicht rnüfsig er-
hoben, wie der amerikanische Herausgeber an-
zunehmen geneigt ist, sondern ihre Bewegung
im Zusammenhang mit der im Handgelenk ge-
beugten Rechten zu verstehen, so dafs sie etwa
eine gemalte Tänie gehalten haben wird(ll'o?r<TS
z. Friederichs Bausteine S. 275), ähnlich wie wir
dies bei der Dienerin der Hera auf der Pyxis
Saburoff § 2 Sp. 342 beobachten konnten.
Auf der Sosias- Schale Berlin 2278 hiefs die
geflügelte Götterdienerin Nike oder Hebe; aber
sie bedient dort den Zeus, die unsrige hin-
349 Iris (allein fliegend od. laufend)
gegen blos die Hera; vgl. B § 3. — Über die drei
Giebelfiguren, welche abwechselnd den Namen
Iris führen, ist es schwer in ihrem jetzigen
Zustand ein Urteil abzugeben. Am bestän-
digsten hat diesen Kamen trotz mancher
Einwände das nach 1.
hineilende Mädchen des
Ostgiebels behauptet (Mi-
chaelis , Parthenon -Atlas,
Taf. 6G), welches ohne
Flügel , nur durch den
mächtigen Gewandbausch
ihre Windeseile bekun-
dend, zwischen dem Er-
eignis der Mitte und
der harrenden Zuschauer-
gruppe links vermittelt.
Sie ist vielleicht nicht ab-
sichtslos an eine Stelle des
Giebels placiert, wo nur
eine nicht ausgewachsene
Person in voller Höhe ge-
zeigt werden konnte. Da-
hingegen würde die ro-
bustere, ganz anders aus-
schreitende Göttin mit
dem entblöfsten Bein,
welche schon darin an be-
kannte statuarische Nike-
Typen erinnert (vgl. Pe-
tersen, Ath. Mitt. 1886
p. 395), als Iris aufgefafst,
mit dem Charakter der
schwerlich anders zu be-
nennenden Friesfigur in empfindlichem Wider-
spruch stehen. Diese hatte allerdings einst
grofse Schwingen. Wenn man wegen des
heraustretenden Beines, wofür sich uähere
Analogieen bieten, das Relief Colonna ver-
glichen hat {Trendelenburg , Arch. Ztg.
1880, p. 132), so liefse sich die dortige
Figur mit gleichem Rechte neben die
sogen. Iris stellen, nämlich um des
bogenförmig hinter ihr geblähten Ge-
wandes willen, welches in beiden Fällen
die Flügel zu ersetzen scheint. Be-
denken mufs es allerdings erregen, dafs
die ' Nike ' des Pheidias kurzen Chiton
trug {Newton, Guide to tlie sculptures of
the Petrth. p. 16, 2. edit. , Petersen a. a.
0.), obwohl man auch diese Freiheit
dem grofsen Künstler zutrauen kann,
während die Einzelstatuen fliegender Ni-
ken schon aus technischen Gründen das
lange schwere Kleid behielten. Endlich
sind an der Wagenlenkerin Poseidons
im Westgiebel die Flügelspuren der Car-
reyschen Zeichnung viel zu unsicher, um
daraufhin mit Brunn, Trendelenburg und
Loeschcke (Dorpat. Prgr. 1884 p. 11) Iris zu
erkennen. Der Versuch, an einer Metope
Iris als Wagenlenkerin des Zeus zu er-
kennen, ist wohl jetzt allgemein aufgegeben.
6. Iris allein fliegend oder laufend.
Vorausgeschickt sei Fig. 6: die Dr. Wolters
verdankte Zeichnung einer an den Seiten
schwach umgebogenen Bronzeplatte, vielleicht
eines Rüstungsstückes (Br. 0,20, H. 0,156) in
Iris (allein fliegend od. laufend) 350
der Sammlung Santangelo zu Neapel; eines
Werks, das ich trotz gewisser Eigentümlich-
keiten an der sorgfältig eingravierten Frauen-
iigur nicht für etruskisch zu erklären wagen
würde. An den Fufsflügeln, dem Kerykeion,
Jris auf e. Bronzeplatte in Neapel (nach einer Originalzeichnung von Wolters).
der sprechenden Gebärde und dem eiligen
Schritt läfst dieses noch heimatslose und
nur aus sich selbst zu beurteilende Stück die
Götterbotin deutlicher erkennen, als manches
anspruchsvollere Monument. — Die hier Fig. 7
Fig. 7 : Iris von einer polychromen Lekythos auf schwarzem
Grund in Paris (nach Originalzeichnimg).
zum erstenmale abgebildete Lekythos mit po-
lychromem Bilde auf schwarzem Grunde (aus
Athen, jetzt im Louvre, beschr. von Six, Gaz.
arch. 1888, p. 204, nr. 17, 6), wo die Götter-
botin die Befehle des Zeus in einem Diptychon
überbringt, gehört gleich der in diesem Punkt
351 Iris (allein fliegend od. laufend)
verwandten Biygossckale und der des Oltos
und Euxitheos einer Epoche an, wo die be-
flügelte Nike in Athen zwar schon bekannt
war, aber diese Lieblingsfigur der reiferen und
überreifen Gefäfsmalerei die niemals sehr po-
puläre Iris noch nicht völlig verdrängt und
selbst ihr Heroldsattribut an sich gerissen
hatte. (Vgl. § 7.) Leider läfst sieh dies von
der schönen rf. Hydria Gerhard, Auserl. V.-B.
2, 82 nicht sagen. En face gestellt, in
ruhiger Schwebe-Bewegung, die bereits mit
hoher Sicherheit erfafst ist, hält sie in der
einen Hand das Kerj-keion, in der andern eine
Kanne und schaut nach der einen Seite um.
Dieses Bild ist aber doch in dem ganzen Motiv
und der Sorgfalt der Durchführung recht ver-
schieden von den mehr und mehr aufkom-
menden Kredenz-, Kranz-, Fackel -Niken und
Fig. 8: Iris, ein Kind tragend, rf. Vasenbild (nacli Ger-
hard, Auserl. V.-B. 2 nr. S3).
wie ihie Funktionen alle heifsen mögen. Die
in ihrer Zierlichkeit auch sorgfältig gemalte
Figur der nolanisehen viel jüngeren Amphora
De Wüte, Elite 1, 72, welche mit gleichen
Attributen aber in kurzem Chiton und Fufs-
flügelu zur Athena heranschwebt, ist trotz
dieser beiden unterscheidenden Merkmale vor
der Verwechselung mit Nike nicht so ge-
schützt — weil sie in dieselbe Reihe wie
Elite 68 — 70 gehört — wie die einsam schwe-
bende jener strengeren Zeichnung. Der Dichter
von Hesiod Thcog. 775 ff., oben Sp 322 seheint
derartige Darstellungen bereits gekannt zu
haben; und auf zwei Vasen des 5. Jahrh.
glaubten wir (s. § 3) Iris mit Trinkhorn zu
erkennen. Man möchte also trotz der nahe-
liegenden Bedenken, die Knapp, Nike in d.
Yasennt. p. 25 und Kieseritzky , N. i. d. V.
p. 13 äufsern, die Möglichkeit, dafs hier
(wie sich die älteren Erklärer dachten) die
Regengöttin charakterisiert sei , nicht gänz-
lich ausschliefsen, mögen auch, was bisher
nicht eingewendet ist, die Gefäfse, aus denen
Iris (allein fliegend od. laufend) 352
Eos, Hyaden und Winde ihre Feuchtigkeit
ergiefsen, umfangreicher, meist urnenartig,
gestaltet sein.*) Etwas mehr Sicherheit bie-
tet wohl die hier Fig. 8 nach Gerhard,
Auserl. Vasen-Bilder 2, 83 wiederholte Ge-
stalt einer rf. Hydria, wo Iris — die z.B. nach
einer apokryphen Erzählung ob. Sp. 336, 6 den
nemeischen Löwen vom Monde herabtrug i—
ein Kind, wie es scheint einen Knaben, in ihren
10 Armen trägt. Der nicht sehr geschickte, noch
fast archaische Maler, dem schon die Zeich-
nung der Flügel beträchtliche Schwierigkeit
bereitete, verschmäht zwar, den archaischen
Laufschritt, der auf der polychromen Lekytbos
nur schwach verhüllt ist, in der Weise wie
diese zu einer Pseudo-Flugbewegung zu ver-
wenden; er ist, dünkt mich, auf dem besten
Wege zum Schweben. Aber er hat es noch
nicht gewagt, die Figur von dem Boden
zu lösen und läfst sie wie Homer seine
XQvooTiTtQog nur eilig schreiten, was
aber wohl im Sinne beider zu einer
Reise zwischen Himmel und Erde völlig
genügt. Von dieser Auffassung, über
die man streiten kann, hängt zum
Teil die Benennung des Kindes ab. Mit
der Eirene der Satyrvasen, an welche
Frühere dachten, ist auch Plutos be-
seitigt; vgl. Jahn, Arch. Beiir. 111, 62.
Zur Vergleichung bietet sieh vielmehr
die sf. Vase München 611, Arch. Ztg.
1876, Taf. 17, wo Hermes im Fluge
das inschriftl. bezeichnete Herakleskind
dakerträgt, um es dem auch littera-
risch bezeugten Erzieher Cheiron zu
übergeben, welcher auf dem Revers dar-
gestellt ist. Aber ein solcher Flug pafst
in dem engen Rahmen eines archaischen
Bildes nicht zusammen mit einer ruhig
stehenden Figur und jener Typus ist,
wie Klein bemerkt (Oster r. Epigr. Mitt.
1885, 154), nur äufserlich kombiniert
mit dem des Cheiron, welcher aus der
Scene der Übergabe des kleinen Achilles
stammt. Möglicherweise war der ur-
sprüngliche Sinn der, dafs einer bekannten
Sage entsprechend das von Alkmene geborene
Kind zu seiner göttlichen Halbmutter herauf-
gebracht wurde, die ihn auch auf der oben
50 Sp. 343 erwähnten Vase in Gegenwart der Iris
und Alkmene nährt und, wiederum mit Iris
im Gefolge, bei der Scene aus Herakles' Kind-
heit Gag. arch. 1875 pl. 15 (streng rf. Vase)
erscheint. Nur hat die umgekehrte Richtung
des Fluges a priori mehr für sich, und be-
zog sich das älteste bekannte Beispiel solcher
Gruppe, am amykläiseben Thron, vielmehr
geradezu auf Dionysos, der seinen irdischen
Ammen zugeführt ward. Die bei Pausanias
CO stehende Erklärung des Reliefs, Hermes trage
das Dionysos -Kind zum Himmel, hat Brunn
mit Recht abgewiesen. Auch im vorliegenden
Falle möchte man am liebsten an ein zur
Erde, nicht in den Himmel gebrachtes Kind
denken, wenn nicht als Träger des Bakchos-
Ä) Dagegen klein und kannenfürmig auf dem Panzer
des Augustus von Prima Porta , Mon. d. I. G. 7 Taf. 84.
353 Iris (allein fliegend od. laufend) Iris (mit Nike verwechselt) 354
kindes die alte Kunstüberlief'erung den Hermes die Bezeichnung als 'Nike' unsicher und die
gar zu bestimmt fixiert hätte, wohingegen Erwägung wenigstens ebenso statthaft, ob nicht
bei der selteneren Sage vom Herakleskinde vielmehr Iris gemeint sei, die bekanntlich von
sich eine so konstante Tradition nicht ge- den Deliern und zwar nur von ihnen verehrt
bildet zu haben scheint. Es ist schwer zu wurde (s. ob. C§ 2). Yg\. Brunn, Sitz. d.Münclt.Ak.
einem Resultat zu gelangen. — Die oben (A § 2a) 1884 p. 522. In welchem Verhältnis dazu kunst-
erwähnten Münzen von Mallos in Kilikien bei geschichtlich die altattischen Niken stehen und
Imhoof- Blumer, Annuaire d. 1. Soc. d. Num. et wie sich die Personifikation der Nike dort und
d'Arch. 1883 p. 89 pl. 5. Svoronos, Ztsehr. f. anders gestaltet (s. zuletzt Robert, Hermes 1890
Num. 1888 p. 219 Taf. 10 zeigen nach des 10 p. 449) ist eine besondere Frage. Was die Vasen
letzteren evidenter Erklärung Windgötter mit anlangt, so steht thatsächlich den zahlreichen
dem Sonnendiscus (wahrscheinlich des Hya- rotfig. Niken mit Beischrift bis heute noch
kinthosniythos), manchmal über einen Flufs keine schwarzfigurige als solche bezeichnete
hinsausend, sodann das Sternbild des Schwa- gegenüber; dariu hat sich seit den Arbeiten
nes, ferner die Symbole des Zeus-(3ai'rt4os Knapps und Kieseritzlcys nichts geändert. Die
und der Plejaden, dazu als ßev. ein nach 1. einzigen Beischriften, welche die ältere Technik
laufendes Mädchen mit Kerykeion in der R. bei rennenden Flügelwesen, soweit es nicht Gor-
und Kranz in der L. Trotz des entwickelten gonen sind, aufweist, siud EPIS (Bd. 1 Sp. 1338)
Stils der Körper- und Gesichtsformen, der und minder deutlich IPIS (Gerhard, Auserl. Vas.
Gewand- und Haar -Behandlung erkennt mau 20 1, 20; beide Gerhard, Ges. Abh. Taf. 10, 5. 6;
ohne weiteres, dafs ein alter Typus ver- vgl. Studniczka, Jahrb. d. Inst. 1890 p. 144, 9.
wertet ist. Man kann Svoronos in der Be- Vgl. noch die ßjpig oben § 1). Im allgemeinen
nennung Iris beistimmen, obwohl sich in dem wird man unter den vielfachen Bedeutungen,
Kranz, über welchen er keine Auskunft giebt, welche jener hocharchaische Typus angenom-
bereits der Einflufs der immer dominierender men, auch Iris erwarten dürfen,
auftretenden Nike geltend macht. Es lassen 7. Iris und Nike verwechselt. Die Un-
sich für Iris noch Umstände anführen, welche in Sicherheit, welche schon am Parthenonfries
jenem Artikel übersehen sind. Die allerältesten hervortrat, weil Iris in dieser Periode aus einer
Münzen der Stadt bei Imhoof Taf. 5, 1 (3 ge- Heroldiu des Zeus zur häuslichen Dienerin der
hört nicht nach Mallos), geben den Typus der 30 Hera wurde, macht sich auf den Vasen dop-
rennenclen Figur in seiner primitiven Gestalt, pelt fühlbar, da hier der Heroldsstab nicht
ohne Attribute, die r. Hand erhoben, die Linke nur der Iris genommen, sondern zugleich der
an die Hüfte gelegt, die Brust von vom, den Nike (nicht Eirene) zugeteilt wird, während
Unterkörper im Profil. Diese Figur ist aber deren Funktionen, wie Kranzreichen und Kre-
sicher männlich, nackt und langgelockt. Zu- denzen, nicht selten auf die Botin übergehen,
gleich erscheint in diesen frühesten Prägungen Negativ besitzen wir zwar ein gewisses Ünter-
(welche als Rev. einfaches quadratum iueusum seheidungszeichen in dem kurzem Gewand und
haben) eine weibliche Figur mit kurzem Chiton den Fufsflügeln, mit welchen nur Iris, selten
und Fufsflügeln ( Imhoof Taf. 5,2), welche nach Nike ausgestattet wird. Jedoch um eine lang-
der andern Seite hinläuft und als Pendant zu 40 bekleidete Flügelfrau mit Kerykeion, wie sie
jener geprägt ist; vgl. die andern Typen von uns auf den Vasen des 5. Jahrb. einzeln oder
Mallos mit einander und zahlreiche Beispiele in blofs dienender oder begleitender Rolle
anderer Städte (Sroronos/AQx.'Etprjii. 1890 p. 99). wiederholt entgegentritt, bestimmt als die
Äufserlich schliefst sich nun die 'Iris '-Figur eine oder andere zu bezeichnen, fehlt uns jeder
an jenen männlichen Typus an, nicht an Anhaltspuukt. Vasen wie etwa die sf. Amph.
den minderwertigen weiblichen, welcher ver- München 351 (mir des näheren nicht erinner-
schwindet, während der Windgott sich differen- lieh), die rf. HydriaBi*??. d. I. 1866, 186, die rf.
ziert und neue Typen erhält. Es ist aber höchst Pelike Athen Polytechn. 2065, die rf. Amph.
wahrscheinlich, dafs jenes älteste Paar aus den Berlin 2163, die nolauischen Gefäfse Karls-
verjüngten Typen zu erklären sei, also einen 50 ruhe 203, Neapel 3122, die solche Gestalt
Windgott und Iris bedeute; vgl. A § 3 u. 4. für sich allein oder als Revers zu Zeus oder
In Mallos wurde der Boreas unter dem Namen zu Zeus und der ihn bedienenden Athene vor-
Pagreus verehrt, und man erinnert sich dabei, führen, mag man noch, weun man will, auf
dafs Homer die Iris mit dem Boreas vergleicht. Iris beziehen. Aber es ist damit wenig ge-
— Statuarisch wird der hier zu Grunde lie- holfeu. Steht doch genau dieselbe Figur ein-
gende Typus bekanntlich durch die archaische schenkend vor Apollon auf der rf. Pariser
Nike aus Delos repräsentiert {Bull. hell. 1879 Hydria Luynes pl. 26, De Witte, Elite 2, 47,
pl. 6 u. 7, Furtic., Arch. Ztg. 1882, 324), und Gerhard, Ant. Bildw. 58, Welcher, A. D. 3, 8,
etwas weiter entwickelt namentlich hinsichtlich und wird geradezu als NC%r] bezeichnet auf den
der Gewandplastik in mehreren archaischen go beiden zusammengehörigen Peliken i>erK« 2166.
Niken von der Akropolis (wovon zwei, die eine u. 2167 (Arch. Ztg. 1875, 10), jedesmal zwischen
noch ohne den zugehörigen Kopf, bei Sophu- den thronenden Göttern Zeus und Poseidon,
lis, 'Aq%. 'E<prifi. 1888 p. 90f. abg.), abgesehen ersterem einschenkend, und gleichfalls in der
von den kleinen altattischen Bronzen bei Götterversammlung auf dem rf. Stamnos Peters-
Petersen, Ath. MM. 1886 Taf. 11. Nachdem bürg 1641, ferner kredenzend vor einem kriegs-
durch Sauers Beobachtungen (ib. 1891) fest- bereiten, von dem Vater begleiteten Helden (als
gestellt ist, dafs die delische Archermos-In- Lykaon u. Antandros inschr. bezeichnet) auf dem
schrift nicht zur Statue gehören kann, wird nolanischen Gefäfs Brit. Mus. 721 (d. alt. Kat.),
Röscher, Lexikon der gr. u. rüm. JNIythoL II. 12
355 Iris (mit Nike verwechselt) Iris (in der jüngeren Kunst) 356
Gerhard, Aus. V.-B. 2, 150, daraus Ges. Abh. keion bewirkt, wurde schon bei der Sosias-
11, 3 (vgl. die ähnlichen Gruppen ohne Kery- Schale § 5 wahrgenommen. So wird es unmög-
keion und ohne Inschr. bei Kieseritzky , Nike lieh auf der Triptolemos- Schale des Brygos
in d. Vasemn. p. 12 f.). Andererseits wird man (abg. z. B. Welcher, A. D. 3, 12. Wien. Vorl.-
bei eurer thronenden, Hera- ähnlichen Göttin Bl. 8, 2) oder bei Gerhard, Trinkseh. Taf. D*)
wie Elite 1, 32 und verschlechtert 3, 38 = Ger- oder Boulez, Clwix d. Vas. 4 oder Gerhard,
hard, Ant. Bildw. 50 (Berlin 2317) oder Ger- Auserl. V. 1, 7) die geflügelte Mundschenkin
hard, Ant. Bildiv. 49 (Berlin 2381) eher an- zu benennen, obwohl gerade die an letzter
nehmen, dafs sie von Iris als dafs sie von Stelle genannte, welche der Hera, nicht dem
Nike bedient werde, auch wenn die Dienerin 10 daneben thronenden Zeus einschenkt, mit ihren
kein Kerykeion führt. Wenn auf den zwei Fufsflügeln, dem ganz kurzen Chiton und frei-
zusammengehörigen rf. Gefäfsen (Staninos)ibToM. wallendem Haar wohl den Gedanken an Iris
d. I. G, 5S die Mundschenkin des Zeus ein erwecken kann, der bei all solchen Bildern
solches Abzeichen führt, die der Hera (wo- mit mehr oder weniger Bestimmtheit geäufsert
zwischen hier störend ein stehender Apollon ein- worden ist.
geschoben ist) dasselbe entbehrt, und statt 8. Jüngere Kunst. In der unterita-
dessen ihren Rockzipfel fafst, so erkennen wir lischen Vasenmalerei, die an geflügelten Fi-
lediglich das Streben nach Abwechselung, zu- guren überhaupt Gefallen hat, tritt Iris wieder
gleich auch wohl den Umstand, dafs bei der etwas hervor, wenn auch mehr und mehr mit
zweiten, en face gestellten Figur die Anbrin- 20 anderen bedeutungslosen Dämoninnen dieses
gung des Kerykeions diesem Stile minder leicht Stils vermischt. Sie trägt den kurzen Chiton,
gefallen wäre. Auf der flüchtigen rf. Lekythos auch wohl das Kerykeion, obschon sie sieh
Berlin 2248 (Abb. s. dort) läuft eine kurzge- häufiger mit Thymiaterion oder Salbgerät zu
kleidete, sogar an den Füfsen beflügelte, also schaffen macht. Erwähnt sei Arcli.Ztg. 1 Taf. 13
doch gewifs der Iris sehr ähnliche Flügelfrau S. 199, Gerhard, Mysterienbilder 2 (Bestrafung
auf einen roh gezeichneten altarähnlichen Ixions), wo Jahn, Ber.el. Sachs. Ges. 1856,282 ihre
Gegenstand zu, wo man wie vor Apoll viel- Anwesenheit (statt der des Heimes) aus dem
mehr Nike erwartet; und wie manches fackel- Vergehen an Hera erklären will; ich würde
tragende Flügelmädchen liefse sich , wie auch hierin wie in der anwesenden Furie mehr die
geschieht, einfach als Nike registrieren, wenn 30 Vorliebe für Figuren der oben bezeichneten
nicht eine derartige Person (sehr verschiedent- Art erkennen: so ist bei Gerhard, Apul. Vas. 13
lieh gedeutet, s. Kieseritzky p. 23) schon auf (Parisurteil) wohl eine der beiden gt Bügelten
dem Luynesschea Gefäfs, ohne ersichtlichen Frauen aus der in dieser Scene öfter an-
Grund von Nike und Apoll hinwegliefe und den getroffenen Iris entstanden. Mit Hermes zu-
gleichberechtigten Einflufs eines jetzt nicht sammen oder als Pendant erscheint sie oben
mehr so vereinzelten Artemis- Typus geltend Fig. 2, Gerhard, Apul. V. 11. Mon. d. I. 6, 66.
machte. Ein ähnliches Abwechseln zwischen Stark, Niobe 2. Berlin 3240 u. ö. Auch hier läfst
Kerykeion und Fackel findet sichBull. d. 1. 1869, sich beobachten, wie sie mit Nike abwechselt:
nr. 252. 253. Es bestätigen sich hier eben nur z. B. auf der Amphora Keapel 3256. Mon. d.
— und auch die vollständigste Sammlung des 40 I. 2, 30. 31 (stark ergänzt, vgl. Gerhard, Ges.
undankbaren Materials könnte hieran nichts Abh. Taf. 6, 2) ist einmal (30) Nike zwischen
ändern — die alten Erfahrungen von der Sorg- Zeus und Hera dargestellt, hinter welcher
losigkeit der einmal in Schwung gekommenen letzteren vielleicht noch mit dem Ergänzer
Produktion und der Vergeblichkeit, solche Hermes anzunehmen ist, das andre Mal (31) Zens
Neben- oder gar blofse Ürnamentfignren zu mit Ganymed und Hera mit Iris, welche aber
interpretieren oder aus evident willkürlichen aus Raummangel unterhalb placiert ist, wo sie
Beischriften historische Schlüsse zu ziehen — nun keinen Anschlufs findet. Dem Wagen des
es sei denn der, dafs der Name Iris bei den durch Athene zum Olymp geführten Herakles
att. Vasenmalern des 5. Jahrb. in Vergessenheit scheint auf der etwas älteren Vase Millingen,
gerät, was eigentlich in solchem Mafse doch 50 Feint, d. F. 36 Iris voraus-, Nike nachzufliegen,
nur möglich war, wenn Nike als Botin gedacht vgl. Trendelenburg, Arch. Ztg. 18S0, 132, 4.
wurde: eine Vermischung, die nicht wohl aus Von den darauf bezüglichen Notizen Cat. Cam-
■ dem mythologischen Gedanken heraus, sondern pana Serie 4ff. 793. Kieseritzky p. 25, 45. La-
cher durch die Plastik entstanden sein kann, borde 1, 85 (Sacken u. Kenner 184). Bull. d. I.
als diese der Lieblingsgöttin der Agonistik 1868, 184 kann ich gegenwärtig nur die letzte
Flügel verlieh. Die Verwechselung schien sich kontrollieren.
nicht nur in Athen sondern auch in Grofs- Auf pompejanischen Gemälden liefs
griechenland (vgl. C am Schlüsse), in Mallos sich Iris nur einmal (Heibig 114; vgl. oben
und vielleicht auch in Delos geltend zu machen. Sp. 328) mit Wahrscheinlichkeit erkennen (lang-
Erst in nachklassischer Zeit wird auf den Münzen co bekleidet). Das von Trendelenburg, Arch. Ztg.
das Kerykeion auch andern Personen als Iris, 1880 p. 133, 6 erwähnte Gemälde läfst sich nach
Eirene, Nike gegeben, s. Imhoof-Blumer in der der Beschreibung und Deutung Panofkas allein
Wiener Num. Ztschr. 1871 und Otto Jahn, Tele- nicht beurteilen. Entschieden unrichtig wurde
phos u. Troilos p. 79, 96. Dafs nebenbei auf den Heibig 1227 von Welcker . A. D. 4, 97 hierher
streng rf. Vasen auch die Mundschenkin Hebe
durch eine ihrem Wesen völlig widersprechende ,S) Vgl ^^ mbe p 2S f und ^ wie mir scheUl^
beflugelung die Ins überflüssig macht, wie es millieI befriedigende Deutung Be,i„dor/s,Jal,rb. der Kaveri.
die geflügelte Nike durch Annahme des Kery- Osterr. Kumt-Sammig. Bd. 11 p. 1:;.
357 Iris (in der jüngeren Kunst) Isckenos 358
gezogen. Dagegen scheint für die Gemmen, Schal. Hyg. 7. 14 (p. 40 Bunte). Tsetz. Lyk.
die eine ruhig stehende, langbekleidete Frauen- 175 (p. 447 Müller). Sehol. Tl. 23, 88. Heyne,
gestalt darstellen mit kurzen Schmetterlings- Apolloä. Observ. p. 311. Als Peleus den Eury-
flügeln am Rücken (Iris multicoloribus alis, tion, welcher ihn von dem Morde des Phokos
Anth. lat. 554 Biese 1879), mit Kerykeion und gereinigt, auf der Jagd wider Willen getötet
Mohn in den Händen, sich keine bessere Er- hatte, brachte er später dem Iros als Sühne
klärung zu bieten: Tölken, Berlin. Progr. z. des Mordes viele Schafe und Rinder. Iros
Eckhelfeier 1845. Ar eh. Ztg. 1851,94*. C'ades nahm sie nicht an; deshalb liefs Peleus sie
Bd. 27/28. auf Geheifs des Orakels frei davon laufen.
Von den römischen Sarkophagreliefs 10 Ein Wolf, der nachher in einen Stein ver-
scheinen nur die mit dem Raub der Perse- wandelt ward, frafs sie auf der Grenze zwischen
phone (s. Förster) eine Iris zu enthalten: so Lokria und Pnokis, Anton. Lib. 38. — 2) Iros
erklärt man die über (bezügl. neben) dem (der Botengänger, vgl. 'Iqis), Beiname des
Wagen schwebende FlügelgeBtalt, nicht aber unverschämten Bettlers Arnaios in Ithaka,
die Endymion- (s. Matz- Huhn, Amt. Bildw. vom zurückgekehlten Odysseus im Faust-
2715f.) und die Phaethonsarkophage (s. Ann. kämpf überwunden, Od. 18, 1 ff . 239. Hyg.
ä. I. 1869 F p. 130). f. 12G. Preller, Gr. Myth. 2, 457, 1. [Bild-
Milchhöfer , Anf. d. Kunst p. 68 hat be- liehe Darstellung auf einer Vase in Wien :
kanntlich gewisse kannentragende Tierfiguren Arcli Ztg. 12, 495*. R.] — 3) Ein Heros, nach
auf Inselsteinen als Iris deuten wollen im 20 welchem Ira, eine Stadt der Malier, benannt
Sinne von Hesiod (vgl. A 3), indem er einen war, Steph. B. v. 'Iqu. — 4) Vater des lesbi-
Pferdekopf zu erkennen und darin die Ver- sehen Heros LampetO;:, Steph. B. Aa^itizsiov. —
wandtschaft mit den Harpyien zu finden glaubte. 5) Nach Schal. Od. 1, 259 schrieben in dieser
Widerspruch hat 0. Boßbach erhoben, Arch. hom. Stelle manche Iros statt Ilos, wie auch
Ztg. 1883, 173. Ann. 1885, GH, 8 p. 188, zu- Proxenos in seinen Epiroticis Iros einen Sohn
letzt Tzuntas, 'Aq%. 'Etprjfi. 1889 Tat. 10 nr. 35. des Mermeros nannte. [Stoll.]
36. Die fraglichen Figuren sind, wie sich aus Isaia ('leaia), Tochter des phönikischen
einem kyprischen Gefäfs ergiebt (Ann. a. a. 0. Königs Agenor und der Damno, einer Tochter
p. 197), aufrecht stehende Löwen, und die eigen- des Belos. Sie ward Gemahlin des Aigyptos,
tümliche Rückenbedeckung ist wahrscheinlich 30 während ihre Schwester Melia den Danaos
als mifsverstandene Mähne zu betrachten. heiratete; ihr Bruder war Phoinix, ihr Stief-
Litteratur. Töllcen, Berl. Progr. Eclhel- bruder Kadmos, Pherelydes b. Schol. Ap. Bh.
feier 1845. Programm. • Hugo Bergstedt, Studio, 3, 1 186. [Stoll.]
archaeologica. comm. acad. Upsalae 1881. Isaiakos ('iaaictKÖs) nach den „Phrygischen
[Maxim. Mayer.] Schriften", deren Glaubwürdigkeit Plutarch.
Iris 2 (mascul.). Der Flufsgott Iris in Pontos bestreitet, Sohn des Herakles und Vater des
erscheint auf Münzen von Amaseia gelagert, mit Typhon, Plut. De Is. et Os. c. 29 p. 48 ed.
Barke und Schilfstengel, unter Faustina jun. Parthey. [Drexler.]
Mi. 2, 335, 7. S. 4, 420, 12 (nach Vaillant, lsandros ("lactvSgos), Sohn des Bellerophon-
N. Gr. p. 59). Zusammen mit dem Skylax 40 tes; er fiel in einem Krieg gegen die Solymer,
zeigen ihn Münzen des Commodus, Mi. S. 4, II. 6, 197. 203. Strab. 12, 673. 13, 630, wo er
421, 17 (nach Vaillant p. 67). Head, H. N. Peisandros genannt wird. [Stoll.]
p. 424. [Drexler.] Isaras ('Iccigag), lykischer Name des von
Irisia (IPISIA = ElgiGictl), beigeschriebener Bellerophontes getöteten Amisodaros, Plut. de
Name einer Nereide, welche der Entführung mul. virt. 9. [Höfer.]
und Bändigung der Thetis durch Peleus bei- Isanria nebst Lykaonia und einer dritten
wohnt, auf einer rotfig. Vase in München: Provinz, die gewöhnlich für Karia, von Wadding-
0. Jahn,Beschr.d.Vasens. König Ludwigs u.s. w. ton aber für Kilikia erklärt wird, erscheint,
nr. 331. C. I. Gr. 7398. [Röscher] " gekennzeichnet durch die Beischrift ICAYPIA
Irisis (irisis), etruskischer Name der Iris 50 etc., als Frauengestalt mit der Mauerkrone auf
(s. d.) auf einem Bronzespiegel von Praeneste Münzen des Septimius Severus von Tarsos.
(Sammlung Barberini), zwischen teecrun (Teu- Isauria und (nach Waddington) Kilikia sind
kros, d. i. Paris, nach Bugge, Etr. Fo. u. St. dargestellt der Tyche von Tarsos (mit dem
4, 27) und crisi&a (Chryseis); daneben noch Kydnos zu Füfsen) einen Kranz reichend, Ly-
■menle (Menelaos), turan (Aphrodite) und eine kaonia hinter ihr stehend, einen Kranz über
dritte Figur ohne Namen (Helena?); s. P. ihr Haupt haltend, Mionnet 3, 630, 451 (nach
Cicerchia, Bull. 1859, 37; Garrucci, Ciste Pre- Vaillant, N. Gr.). S. 7, 265, 429 (nach Sestini, B.
nestine 163. Gerhard, Etr. Sp. 4, 24, t. 378. N. V. p. 409 nr. 5). Kenner, Die Münzsammlung
Fabr., C. I. I. 2726 bis; und vgl. Deecke, d. Stifts St. Florian p. 153 — 155,Taf. V, 12. Wad-
Bezz. Beür. 2, 164 nr. 14. [Deecke] 60 dington, Bull, de Corr. Hell. 7, 1883 p. 283— 285.
Iros (~Iqos), 1) Sohn des Aktor in Opus, Siehe auch Not. Dign. 1 p. 55. [Drexler.]
Bruder der Polymele, welche Peleus vor der Isclienos ("Ioxtvog), ein Erdgeborener zu
Thetis zum Weibe hatte, und des Menoitios, Olympia, oder der Sohn des Gigas, eines Sohnes
des Vaters des Patroklos. Mit Demonassa des Heimes und der Hiereia. Als während
zeugte er die Argonauten Eurydamas und einer Hungersnot ein Orakelspruch kundthat,
Eurytion (nach Apollod. 1, 8, 2 ist dieser ein dafs zur Abwendung derselben ein Edler des
Sohn des Aktor, nach Ap. Bh. 1, 67 Euryda- Landes geopfert werden müfste, bot sich Tschenos
mas S. des Ktimenos); Ap. Bh. 1, 72 und freiwillig zum Opfer dar-. Man erwies ihm da-
12*
359 Isehepolis Isis ( Wesen d. ägypt. Göttin) 360
her hohe Ehren und setzte ihm Wettklimpfe [vgl. De Witte, Le ge'ant Valens. Extr. de la
ein. Sein Grab wurde zu Olympia am Kronion Mev.num.18i9. Paris 1850, bes. p. 8 ff. Drexler.
in der Nähe der Rennbahn gezeigt, und er galt Crusius, Pltilol. 49, 2 S. 120. R.]; ebenso
als Taraxippos, der die wettkärnpfenden Rosse steht bei Anton. Lib. 20 extr. der gleiehbe-
scheu machte, Lykopin. 43 und Tzetz. LyJc, deutende Alkyoneus. — 2) 'Igxvs, Bia und
38. 42 — 43; vgl. Paus. 6, 20, 8; den Art. Mri%avrj, bei Äs. Theog. 146 genannt, werden
Taraxippos [ferner Max. Mayer, Giganten u. von Braun, Gr. Gülterl. § 59 persönlich ge-
Tit. S. 138f. u. 410, wo Ischecos (Taraxippos) fafst und für die Weiber und Gehülfinnen der
als Hypostase des Poseidon gefafst wird. Öru- Kyklopen Brontes, Steropes und Arges erklärt,
sius, Piniol. 49, 2 S. 120. R.]. [Stoll.] 10 vgl. Ischys, Phronesis, Sophrosyne und Themis
Isehepolis (lo%inolig), Sohn des Alkathoos bei Eustath. Erot. 2, 3 u. 6. Erot. gr. ed.
ans Megara, kam auf der Jagd des kalydo- Herclier 2, 171 u. 173. [Stoll.]
nischen Ebers um, Paus. 1, 42, 6. 43, 2. [Stoll.] Iseitlns, ibero aquitanische Gottheit, be-
Isehoniache — Hippodameia (s. d.). kannt durch zwei früher über dem Portal der
Isehylla ('loivlla), Tochter des Myrmidon, zerstörten Kirche Unserer Lieben Frau in der
Gemahlin des Triopas und Mutter des Phorbas, Gemeinde Garin, 8 Kilometer westlich von
Hi/g. poet. astr. 2, 14. Ischylla ist eine Kon- Bagneres de Luchon, jetzt im Museum von
jektuv Sehneideicins; in den Handschriften steht Toulouse (nr. 170, 171) befindliche Altare mit
Hiscilla, Hyocla, Hysocla oder Hischela. [Höfer.] den Inschriften: ISC1TTO DEO | HVNNV
Ischvros {&sog !oXvq6q), 1) wahrschein- 20 VL0H05IS FIL VSLM und ISC1TTO DE//////
lieh eine Bezeichnung des deus invictus Mi- SAB1NVS | MANDATI ///// | Y. S. L. ////, E.
thras auf einer Weihinschrift aus Dulgheru Desjardvm , Geographie hist. et admin. de la
bei Hirschova, jetzt in Bukarest (Toiilescu, Gaule rom. 2 p. 393 — 394, jedenfalls auch
Arih -epigr. Mitt. 11, 1887 S. 64 nr. 134). besprochen von Julien Sacaze, Epigraphie
[2) Als &eo\ fiiyäl.oi | &sol äviarol [ laxv- de Luchon. Paris 1880, vgl. Bull, epigr. 1
goi werden die Kabiren bezeichnet in einer p. 87. [Drexler.]
Inschrift von Imbros, Conze , Eeise auf den Isis ägyptiSch geschrieben [j
Inseln des thrakischen Meeres p. 91, Tfl. XV, ' 6J1 ° JJ O
9. K. Keil, Zur Sylloge Inscr. Boeot. 4. Sujp- 'st, gesprochen etwa 'es? t, die Hauptgottheit
pltbd. der Jahrbb. für class. Philo!, p. 616. — 30 Ägyptens in der letzten Epoche seiner reli-
3) Der Gott Zavigyrjg erhält den Beinamen giösen Entwickelung.
iaxvQüi in einer Inschrift aus der Nähe von Isis gehört zu denjenigen Göttergestalteu
Phanagoria, C. I. Gr. 2119; Stephani, Ant. du Ägyptens, die ausschliel'slich dem Mythus ihren
Bosph. Cimm. nr. 5. K.Keil a.a.O. p. 615 — 616. Ursprung verdanken und erst von hier aus zu
Dittenberger, S. I. Gr. 104. — 4) Typhon wird einem Kult gelangt sind. In dem Pantheon
angerufen im Leidener Papyrus V, Col. 11 des alten Reichs, der Pyramidenzeit, hat sie
Z. 24. Pap. Graeci Musei ant. publ. Lugd.- keine Stelle, während andere Göttiunen, wie
Bat. ed. Leemanns 2 p. 37 (oxvQs Tvcpcov. Hathor, die grofse Göttin von Dendera, und
Dieses Beiwort entspricht der ägyptischen Be- Neit, die grofse Göttin von Sais, eifrig Ver-
zeichnung des Set als ä pahuti „starker", 40 ehrt werden. Auch im mittleren Reich ist,
Biugsch, Bei. 11. Myth. d. alt. Äg. p. 541. soweit ich sehe, von einer Verehrung der Isis
705, vgl. 714 „Seth, der starke von Theben", nirgends die Rede. Erst mit dem neuen Reich
ein Titel, den auch Horuer, Aroeris führt. — tritt sie uns im Kultus entgegen, und von da
5) Im Grofsen Pariser Zauberpapyrus v. 2031 an ist ihr Ansehen ständig gewachsen, bis
— 2033 lautet ein Exorcismus: £|opx[J&> ce sie zu der grofsen, allumfassenden Göttin des
vstvdaifiov ««ta tod ioxvqov v.ai ßjraprvttijrou Landes geworden ist, als welche sie die Grie-
&sov «. t. X. — 6) Im Leidener Papyrus W, chen kennen lernten.
Col. 24 Z. 6 — 9 heifst es: 'Eni-nalovp.cfi zöv Es ist ein fundamentaler, aber in den bis-
iv reo © (= ovgavä) fiiyiarov □ (= ovofia), herigen Darstellungen der ägyptischen Religion
y.vQiov loxvqÖv, /isyao&svri, iixa, oveo, lco, auo, 50 völlig übersehener Unterschied, den wir hier
ovai, ocov. Drexler.] [Steuding.] berühren (vgl. meine „Geschichte des alten
Ischys ('lexvg), 1) nach der Sage der Phle- Ägyptens" in den Abschnitten über die Re-
gyer Sohn des Elatos, mit welchem sich Ko- ligion). Die Gottheiten, welche das Volk ver-
ronis, die Tochter des Phlegyas, vermählte, ehrt, sind lokale Mächte, welche an einer
als sie schon von Apollon den Asklepios unter Kultusstätte hausen, ihre Verehrer beschirmen
dem Herzen trug, wofür Korouis von Apollon und dafür die Opfergaben empfangen. Sie mani-
(oder Artemis) und Ischys von Apollon (oder testieren sich in den verschiedensten Natur-
Zeus) mit dem Tode bestraft wurden, Pind. Objekten, vor allem in Tieren und Bäumen,
l'yth. 3, 8 ff. und Schol. zu v. 14ff. 60. Paus. 2, aber auch in Steinen, Pfählen n. ä. ; durch das
26, 5. 8, 4, 3. Hyg. f. 202. Poet. Astr. 2, 40. 60 Ritual des Kultus vermag der Mensch auf sie ein-
Apollod. 3, 10, 3. Od. Met. 2, 542 ff. Hom. H. zuwirken. Wohl mögen sich ihre Verehrer auch
in Ap. Pyth. 32. Hesiod, fr. b. Schol. Pind. von ihren Thaten und Schicksalen mancherlei er-
Pyth. 3, 14 und Strab. 9, 442. Müller, Orch. zählt haben, aber das ist durchaus nebensächlich;
195 f. 199 ff. Völcker , lapet. Gcsihl. 176. 180. die Gottheiten der Volksreligion bedürfen eines
Preller, Gr. M. 1, 424, s. Asklepios. — Bei Mythus so wenig wie einer bestimmten ihnen
Cic. d. nat. I). 3, 22 ist für Ischys der gleich- zustehenden und sie von anderen unterscheiden-
bedeutende Valens gesetzt, der mit Koronis den Funktion: dafs sie lebendige Mächte sind,
den zweiten Hermes oder Trophonios zeugte welche ihre Freunde beschützen und ihre Feinde
361 Isis (Wesen d. ägypt. Göttin)
bestrafen, darin besteht ihr Wesen. Neben
ihnen kennt man die Mächte, welche im grofsen
Getriebe der Welt wirken, welche den Wechsel
von Licht und Finsternis, die Folge der Jahres-
zeiten, das Anwachsen des Nils u. s. w. her-
beiführen, die daher eine bestimmte Funktion
haben und einen Mythus entwickeln. Diese
Gottheiten sind daher universell; weder haften
sie an einer bestimmten Lokalität, noch sind
sie lediglich auf einen engbegrenzten und mit
ihnen unmittelbar verwachsenen Kreis von Ver-
ehrern beschränkt. Aber eben deshalb stehen
sie dem Menschen, dem Geweinwesen wie dem
Einzelnen, fern, um seine Geschicke haben sie
sich nicht zu kümmern, und vor allem, sie
sind seinem Einflufs unzugänglich: den Lauf
der Sonne kann kein Gebet und kein Opfer
Isis (ägypt. Himmelsgöttin) 362
abmüht. Das Ende ist die Ausbildung eines
mystischen, in der Geheimlehre überlieferten
Pantheismus; alle Götter sind nur Erscheinungs-
formen des Einen, des allein wirklich existie-
renden Sonnengottes.
Isis ist ihrem Wesen nach eine der zahl-
reichen Himmelsgottheiten Ägyptens. Rein
abstrakt betrachtet ist der Himmel für die
Ägypter das Urwasser, aus dem alle Di^ge
10 hervorgegangen sind, und als solches der kos-
mogonische Urgott Nunu, ,,der Vater aller
Götter", d. i. der Himmelsocean, in dem der
Sonnengott in einer Barke einherfährt. [Daneben
ist der Himmel den Ägyptern auch ein ehernes
Gewölbe (ba), über das der Schlitten des Sonnen-
gottes von Schakalen gezogen wird; nach einer
anderen Auffassung sind die Lichtsterne Vögel,
Himmelskuh (nach Erman, Ägypten 2 S. 365).
ändern. Daher sind sie ursprünglich nicht
Gegenstände des Kultus. Über der ganzen
Götterwelt steht als der Herrscher der Welt
der grofse Gott Re', der sich in der Sonne
manifestiert.
Die ursprünglichen Verhältnisse, wie sie
bisher geschildert sind, haben sich im Lauf
der Entwickelung mannigfach geändert. Die
Lokalgötter assimilieren sich den mythischen
Göttergestalten und erhalten zum Teil gleiche
Funktionen wie diese, die letzteren werden in
ähnlicher Weise gedacht wie die Lokalgötter.
Allmählich entwickelt sich daraus eine voll-
ständige Verschmelzung der verschiedenen
Gottheiten zu einer mystischen Einheit. Teils
die Rivalität der einzelnen Kultusstätten, die
Verbreitung angesehener Götter über weite
Gebiete, "ja über das ganze Land, teils das
fortschreitende religiöse und spekulative Be-
dürfnis hat diese Entwickelung immer wieder
gefördert, aber auch immer neue Probleme
geschaffen, welche die Theologie zu lösen sich
oder die Augen des Horus.] Sonst aber wird
der Himmel immer als weibliches Wesen auf-
gefafst, im Gegensatz zu dem männlichen
U> Sonnengott; sie ist dessen Mutter oder Ge-
mahlin und in der Regel beides zugleich. Da-
her erklären sich auch die Namen dieser
Göttinnen: Isis bedeutet „der Sitz" (oder
Thron), nämlich des Sonnengottes, ihre Schwe-
ster Nebthat(Nephthys) „die Herrin des Hauses",
Hathor die Gemahlin oder Mutter des Horus
,, das Haus des Horus". Sie alle werden ständig
— wie in späterer Zeit überhaupt jede ägyp-
tische Göttin — als „Herrin des Himmels" be-
60 zeichnet. [Eine andere Himmelsgöttin ist Nut,
das dem eben erwähnten Nunu entsprechende
Femininum, die Gemahlin des Erdgottes Qeb
(Ki]ß bei Joh. Antioch. fr. 1, 21 Müller) und
Mutter des Osiris, der Isis und ihrer Ge-
schwister; daher wird das Paar Qeb und Nut von
den Griechen als Kronos und Rhea bezeichnet.]
Andrerseits werden Isis und Hathor als
Kühe dargestellt, und unendlich oft ist von
363
Isis (in Ägypten als Kuh)
der grofsen Himmelskuh (s. Abbild. Sp. 361/62)
die Rede, aus deren Schenkeln der grofse
Sonnengott geboren wird, und auf deren
Rücken sich der Weltenherr Re' zurück-
gezogen hat, während sein Sohn Schu (bei
Joh. Antioch. 2<äg), der löwenköpfige Luft-
gott, sie mit seinen Armen oder mit vier an
den Enden der Erde aufgerichteten Pfählen
stützt. Aller Wahrscheinlichkeit nach beruht
dies nicht auf einer mythischen Apperception, :
sondern darauf, dafs bei den Ägyptern wie bei
allen Ackerbauvölkern die Rinder und ganz
besonders die Kühe heilige, göttlicher Natur
teilhafte Tiere sind (vgl. Inder, Iranier, Kaffern
u. a.; die gleiche Anschauung bildet meiner
Meinung nach den Ausgang der Sage von Io [=
Hera]), und es war daher etwas ganz Natürliches,
sich eine Göttin in Kuhgestalt zu denken
— ebenso wie zahlreiche ägyptische Götter
als Stiere dargestellt werden. Im
Kultus der Hathor von Dendera
tritt diese Verbindung ganz be-
sonders hervor; hier ist offenbar
schon in sehr früher Zeit eine in
Kuhgestalt verehrte anonyme Lo-
kalgöttin mit der Himmelsgöttin
Hathor verschmolzen worden. Nur
so ist es zu erklären, dafs diese
Heilige Kuh (nach Ebers, Ayypten in Bild und
S. iüt).
mythische Gestalt schon in der ältesten Zeit
zu den angesehensten Verehrungswesen Ägyp-
tens gehört (vgl. das Bd. 1 Sp. 2744 über
Horos Bemerkte). Die Gestalt der Isis ist so
deutlich von der der Hathor abhängig. Li
der bildlichen Darstellung sind beide nicht
von einander geschieden.
Wenn auch Hathor und Isis sehr oft als
Kühe, oder nach ägyptischer Art als Frauen mit
Kuhkopf (s. Abbild. Sp. 363 u. 366) abgebildet
werden, so ist es doch weitaus gewöhnlicher,
sie in voller menschlicher Gestalt darzu-
stellen, mit einem Kopfschmuck, der aus den
Kuhhörnern mit der Sonnenscheibe dazwischen 60
(s Abbild. Sp. 366) besteht — eine Vor-
stellung, die dann von den Phönikern auf ihre
Göttinnen übertragen und vielleicht gelegent-
lich auf den Mond bezogen ist (Bd. 1 Sp. 652).
Es ist aber ein arger, wenn auch noch immer
weit verbreiteter Irrtum, wenn man meint, die
ägyptischen Göttinnen oder ihre Hörner hätten
mit dem Monde irgend etwas zu thun — der
Isis (in Ägypten: Mutter d. Horus) 364
Mond ist bei den Ägyptern wie bei den meisten
andern und uamentlich bei allen vorderasia-
tischen "Völkern immer ein männliches Wesen.
Wenden wir uns jetzt zu den mythologischen
Funktionen der Isis. Ihre Hauptbedeutung be-
steht darin, dafs sie die Mutter des Sonnen-
gottes Horus ist, des eigentlichen ägyptischen
Nationalgottes (s. Horus). Ihr Gemahl ist Osiris,
der Sonnengott von Abydos, der den Mächten
der Finsternis, seinem bösen Bruder Set, er-
liegt, und den sein Sohn Horus am nächsten
Tage rächt. Dafs Horus daneben auch noch
in zahlreichen anderen mythologischen Be-
ziehungen erscheint und z. B. als Haruer
auch der Bruder der Isis und des Osiris
ist, dafs Horus und Set als Zwillingspaar auf-
gefafst werden u. ä. , ist im Artikel Horus
ausgeführt. Die solaren Erscheinungen lassen
sich ebeu mythisch auf die verschiedenste Weise
auffassen. Für Isis ist die Hauptsache,
dafs sie wohl überall, wo sie vorkommt,
die Mutter des Horus ist, während sie
nicht notwendig als Gemahlin des Osiris
gedacht zu werden braucht.
Die Himmelsgöttin, welche die Sonne
gebiert, übt ihre Thätigkeit vor allem
des Morgens heim Sonnenaufgang. Da
wird der junge Gott geboren, seine
Mutter umfafst ihn beschirmend und zieht
ihn auf (s. Abbild. Sp. 368), bis er zum
Manue, zum „kräftigen Stier", herange-
wachsen ist und nun siegreich und trium-
phierend über seine Feinde über den
Himmel zieht. So wird Isis speziell zur
Göttin des östlichen Horizontes. Als
solche hat sie ein Gegenstück in ihrer
Schwester Nebthat, griech. Nephthys, d. i.
die „Hausherrin", der Göttin des west-
lichen Horizontes, welche ihr helfend zur
Seite steht, indem sie bei der Geburt
des Horus die Funktion der Amme ver-
richtet und das Horuskind, den Harpo-
krates, säugt — denn natürlich werden
die himmlischen Vorgänge ganz nach irdi-
schem Vorbilde gestaltet. Und wenn Osiris der
Tücke seiner Feinde erlegen ist und auf der
Bahre liegt, treten sie an die beiden Enden der
Leiche und stimmen die Totenklage an — ein
Vorgang, der bei den Osirismysterien alljährlich
dargestellt wird (hierher gehört wohl Piatos
Angabe de legg. 2, 657, dafs die alten ägypti-
schen Melodieen als Lieder der Isis gälten).
Die Rolle der beiden Göttinnen spielen dabei
zwei Mädchen; die Klagegesänge, die sie zu
recitieren haben, sind uns noch erhalten (de
Horrack, lamentations d'Isis et de Neph-
thys 1866, vergleiche Herodots Angaben über
das in Busiris zu Ehren der Isis gefeierte
Trauerfest um den toten Osiris 2, 61). Im
genealogischen Göttersystem ist Nephthys die
Gemahlin des Set, des bösen Gottes der
Finsternis; eine uns nur in späterer Fassung
(Bd. 1 Sp. 386) bekannte Sage erzählt, Osiris
habe in heimlicher Ehe mit Nephthys den
Anubis, den schakalköpflgen Gott der Toten-
welt, gezeugt. Beide Erzählungen sind mytho-
logisch ganz korrekt, siebestätigen, dafs Neph-
thys die Göttin des Westhorizontes ist.
365
Isis (in d. Osirissage)
Aus diesen Elementen setzen sich die Sagen
zusammen, in denen Isis eine Rolle spielt. Vor
allem die Osirissage, die im Artikel Osiris
ausführlicher besprochen werden soll und die
uns durch zahllose Anspielungen in allen
ägyptischen Texten von der Pyramidenzeit an
sowie durch Plutarchs Schrift de Is. et Osir.
bekannt ist. Schon in den ältesten Testen
wird die Geschichte des grofsen Gottes durch-
aus als ein historisches Ereignis der Vorzeit
aufgefafst: seine segenbringende Herrschaft
über Ägypten, seine Ermordung durch Set, die
Zerstückelung und Ausstreuung seiner Leiche,
die Aufsuchung und Bestattung der Stücke
durch Isis und ihre Totenklage mit Nephthys,
die Geburt des Horus und seine Aufziehung
im Verborgenen, „in den Sümpfen" des Delta
(bei Buto, wo die Göttin üazit [bei Hero-
dot 2, 155 f. Leto, sonst Buto genannt] den
Knaben vor den Nachstellungen des Set be-
schützt) — die beiden Göttinnen werden hier
auch oft als zwei schützende Vögel betrachtet,
die den Knaben in ihrem Nest aufziehen —
der Kampf des Horus mit Set, der grofse
Prozefs, den er gegen ihn vor dem Gerichtshof
der grofsen Götter der einzelnen Hauptstädte
des Landes führt und in dem er unter dem
Beistande des Thoth „Recht" erhält, die Ge-
winnung der Doppelkrone und des Throns
seines Vaters, und die Vereinigung der beiden
Lande unter seinem Scepter. Überall ist die
Erzählung mit Anspielungen auf lokale Ver-
hältnisse, Kulte und Festgebräuche, die häufig
im Widerspruch mit einander stehen, durch-
setzt. Danebenher geht aber überall die Be-
ziehung auf die tägliche Laufbahn der Sonne.
Man kann schwanken, ob der Mythus wirklich
aus einem primitiven Versuch, die Schicksale
der Sonne zu begreifen, erwachsen ist, oder
ob nicht vielleicht die Osirissage in ihrer
ältesten Gestalt einen ganz anderen Ursprung
hat und einem Kultusmärchen der Osirisstadt
Abydos entstammt, das dann von der Theo-
logie auf die Sonnenlaufbahn gedeutet wurde
und so erst seinen eigentlich mythischen Cha-
rakter erhielt. Jedenfalls ist im Lauf der Ent-
wickelung die Beziehung auf die Sonne immer
mehr in den Vordergrund getreten; für die ge-
bildeten Kreise des neuen Reichs ist der Usiris-
mythus nichts anderes als eine Einkleidung der
täglichen Schicksale der Sonne. Dafs daneben
die rein euhemeristische Auffassung immer
krasser ausgebildet ward, ist begreiflich genug.
Der Widerspruch, der zwischen beiden An-
schauungen liegt, ist nicht empfunden worden.
Auf der Osirissage beruht die Stellung,
welche Isis im offiziellen Göttersysteme ein-
nimmt. Qeb und Nut haben fünf Kinder, die
der Reihe nach an den fünf Epagomenen ge-
boren sind, Osiris, Haruer (Horus der ältere),
Set, Isis, Nephthys. Osiris heiratet die Isis,
Set die Nephthys. Das Kind der beiden
ersteren ist der junge Horus, der Rächer seines
Vaters. Man denkt sich dieselben durchaus
als eine Dynastie alter Herrscher, deren jeder
nach Jahrhunderte langer Herrschaft (der Tu-
riner Papyrus giebt dem Set 200 J, dem Horus
m
Isis (Sage v. Kampfe d. Horus u. Set) 366
Wie in der Osirissage greift Isis auch in
der Sage von dem „grausigen" Kampfe des
Horus und Set am Tage der Sonnenfinsternis
(Bd. 1 Sp. 2745) helfend ein; sie heilt die
Wunden, welche die beiden Götter sich bei-
gebracht haben, die Ho-
den des Set und das
Ange des Horus. Nach
einer Sage, welche in
10 einem mythologischen
Papyrus des neuen
Reichs, dem Kalender
der Glück und Unheil
bringenden Tage, auf-
gezeichnet ist , rettet
Isis ihren Bruder Set,
als er sie um Gnade
anfleht, vor der Ver-
nichtung durch Horus,
20 und darüber wird dieser
„ zornig gegen seine
Mutter wie ein Panther
des Südens. Da floh
sie vor ihm. Da, an
diesem Tage (26. Thoth),
trat ein ein grausiger
Kampf: siehe er schlug
der Isis das Haupt ab.
Thoth bildete seine Ge-
30 stalt durch Zauber, er
setzte es ihr wieder auf
als Haupt einer Kuh".
Diese Sage kennt auch
Plutarch dels. 19 in spä-
terer Abschwächung:
Horus reifst der Isis,
weil sie den gefesselten
Typhon entlassen hat,
die Königskrone ab,
40 Hermes setzt ihr einen
kuhköpfigen Helm auf;
und im nächsten Ka-
pitel sagt Plutarch, er
habe in seiner Erzäh-
lung tec §vOfpri^.6zaxa
übergangen, darunter
zov "loiöog anoy.ecpu-
liOjiov. Der zweite Teil
dieser Erzählung ent-
60 hält einen sehr
interessanten . . 1
Versuch , die
der späteren
Zeit völlig un-
verständliche
Tiergestalt der
Götter zu er-
klären (vgl.
auch Philo
60 Bybl fr. 2, 24
über Astartes
Kopfschmuck). Dafs aber Set gerettet wird,
ist eine religiöse Notwendigkeit. Denn er ist
ja noch immer der mächtige Gott, der Horus
die Wage hält, der Herrscher über das Wüsten-
land, über die Landesfeinde, über alle Mächte
des Bösen und der Finsternis, und nach einer
Auffassung auch der König von Uuterägypten.
Uli
3^
MStm
w
Ibis in Menschengestalt mit Kuhkopf
(nach Perrot-Chipiez, Bist, de l 'art etc. 1
p. G0 Fig. 40).
367 Isis (grofse Naturgöttin d. Ägypter)
Wie nach einer in den Pyramidentexten
vorkommenden Anschauung die Seelen der Ver-
storbenen in den Sternen wohnen, so auch die
der Götter. Der Stein des Horus ist der Orion,
der der Isis der Sirius, die Sothis (Sopdet) der
Ägypter (vgl. Plut. de Is. 21). Dieser Stern
hat für die Ägypter eine besondere Bedeutung,
weil sein Frühaufgang den Eintritt der Über-
schwemmung verkündet, als deren Bringer er
daher betrachtet wird. 10
Es beruht auf der Stellung, welche Isis im
Mythus einnimmt, dafs sie allmählich zu der
grofsen Göttin der Natur erwachsen ist.
Der Osirismvthus durchsetzt seit derPyramiden-
Isis (Göttin d. Magie)
368
Isis (.nach Ebers, Ägijjjten in Bild und Wort 2 S. 61).
zeit mehr und mehr alle Anschauungen der
Ägypter: beruht doch auf ihm die Möglich-
keit der Auferstehung und der ganze unend-
liche Zauberap parat, der die Unsterblichkeit
sichert. In ihm ist Isis die schützende, hel-
fende, rettende Göttin, die „Gottesmutter",
welcher der lebenspendende siegreiche Gott
entstammt. In dieser Gestalt lebt sie im
Glauben des Volkes und greift als solche tag-
täglich ein in die Schicksale der Menschen.
So erzählt ein Märchenpapyrus (Westcar-
Lejisius), welcher die Sage von der Thron-
besteigung der fünften Dynastie behandelt, wie
Isis, begleitet von Nephthys und anderen Göt-
tinnen, der Mutter der drei zu Königen be-
stimmten Knaben bei der Entbindung hilft und
bei der Geburt eines jeden ein paar Worte
spricht, nach denen sie ihren Namen erhalten.
Vor allem aber ist sie die grofse Herrscherin
über die geheimnisvollen Kräfte der Natur,
die zaubermächtige Göttin der Magie. Denn
durch Zauber hat sie alle ihre Grofsthaten
vollbracht, den Leichnam des Osiris gerettet,
den Horus beschützt, die Wunden des Horus und
Set geheilt. So ist „die grofse Zauberin"
ihr gewöhnlichster Beiname; sie ist „klüger
als alle Götter". Natürlich hat sie von ihrer
Kraft auch sonst Gebrauch gemacht. Eine
Sage erzählt, wie der Gott Re', da er alt
und gebrechlich war, auf ihre Veranstaltung
durch einen giftigen Wurm gebissen und, um
die Heilung zu gewinnen, gezwungen wird,
seinen geheimnisvollen, verborgenen Namen
zu nennen, den niemand wufste (s. Erman,
Ägypten und ägypt. Leben im Altertum 359 ff.).
Isis mit dem Horuskind (nach Ebers a. a. O. 1 S.36).
Dieser geheimnisvolle Name ist das mächtigste
aller Zaubermittel, den herauszufinden die
ägyptische „Wissenschaft", je mehr sie aus-
schliefslich in krasse Magie ausartet, um so
mehr sich abgemüht hat — ohne doch je zum
Ziele zu gelangen: denn jede neue Erfindung
konnte natürlich immer wieder durch eine
noch absurdere übertrumpft werden.
Wesentlich dem Ansehen, das sie als die
grofse Göttin der Magie genofs, verdankt es
Isis, dafs sie zu immer größerer Bedeutung ge-
langt ist. Schon im Papyru s Ebers (geschrieben
eu 1553 v. Chr.) ruft der Arzt ihre Hülfe für seine
Kuren an, wie sie dem Horus und Set geholfen
hat. Als dann mit dem fortschreitenden Verfall
des ägyptischen Geisteslebens seit der Rames-
sidenzeit die Magie immer mehr die absolute
Herrschaft gewinnt, tritt auch Isis, die grofse
Zauberin, mit deren Hülfe die Magier ihre
Künste ausführen, immer mächtiger hervor
und gewinnt ein stets steigendes Ansehen.
369 Isis (spät. Auffassung d. Ägypter)
In den anderthalb Jahrtausenden, die von
der Pyramidenzeit bis auf die Blütezeit des
neuen Reichs verlaufen sind, hat die ägyp-
tische Religion innerlich wie äufserlich tief-
gehende Wandlungen durchgemacht. Die alten
Naturrnächte, die gewaltigen, launischen und
durchaus nicht menschenfreundlichen Götter
der ältesten Zeit, die als solche in den Sagen,
z. B. in der von der Vernichtung des Menschen-
geschlechts durch Re! und die in Strömen 10
Blutes watende Hathor, fortleben, setzen sich
um in ethische Wesen, die dem Menschen
wohlwollen und ihm alle Segnungen der Natur
wie der Kultur spenden. Andrerseits führt
die Entwiekelung der Theologie, deren Wur-
zeln früher angedeutet sind, zur Lehre von
Isis (spät. Auffassung d. Ägypter) 370
Griechen, namentlich bei Diodor 1, 13 ff. (der
auf Hekataios von Abdera, den Zeitgenossen
des ersten Ptolemaios, zurückgeht) und bei
I'lutarch. „Die Grofse", „die Gottesmutter",
„die grofse Mutter'" sind neben der „Zauber-
mächtigen" die Hauptepitheta der Isis. Es ist
begreiflich, dafs Isis jetzt auch beginnt, einen
Kult zu entwickeln, dafs sie in den Inschriften
der Tempel des neuen Reichs immer häufiger
angerufen wird, zunächst zusammen mit den
Göttern ihres Kreises, im Gefolge des Osiris
(z. B. in Abydos), dann auch allein, dafs sie
eigene Kultusstätten erhält — wie wir seit der
21. Dynastie einen Tempel der Isis, „der
Pyramidenherrin" bei Gize kennen, den man
früher fälschlich für uralt gehalten hat.
Horus, Isis und Osiris, denen der König Seti I. Opfer darbringt (nach Erman, Ägypten 2 S. 367).
der Wesenseinheit aller Gottheiten. Sie alle
sind nur Erscheinungsformen des einen leben-
digen Sonnengottes (vgl. Art. Amnion). Beide
Richtungen haben auch die Gottheiten des
Osiriskreises und besonders die Isis umge-
staltet. Isis wird — ebenso wie Hathor, die
ganz die gleiche Entwiekelung durchmacht —
die grofse Göttin der Natur, das Prototyp
aller weiblichen Göttinnen, was von diesen
gilt, gilt auch von ihr, und umgekehrt: jedes
ihrer Attribute wird an den einzelnen Kultus-
stätten auf die lokalen Göttinnen übertragen,
so dafs die spätere Gestalt der Religion einen
unterschied zwischen den einzelnen Gottheiten
nicht mehr in der Idee, sondern nur noch im
Namen kennt — das ist ja aber auch das fin-
den Kultus allein Wesentliche. Zugleich aber
ist Isis die wohlthätige, segenspendende, mütter-
liche Göttin — vgl. die Ausführungen der
50 Und nun tritt der grofse Wendepunkt in
der ägyptischen Religionsgeschichte ein, der
den Beginn ihres Niederganges bezeichnet. In
der Theorie hat der mystische Pantheismus
gesiegt, aber der Versuch Chuenatens (Ende der
18. Dyn.), Ernst damit zu machen, alle Götter
zu Gunsten des einen wahren Sonnengottes
zu beseitigen, scheitert, die orthodoxe Priester-
lehre siegt über die Reformation; die Folge
ist, dafs sie vollständig erstarrt. Solange die
60 thebanischen Könige herrschen, gilt Aniun von
Theben wenigstens offiziell für die wahre Form
des Einen (wenn auch seine Ansprüche von
Ptah von Memphis und Aturn von Heliopolis
nie anerkannt sind). Aber mit dem Untergang
der Grofsmacht und der Auflösung des Reichs
sinkt er von seiner Höhe herab, und nun
können die lokalen Gottheiten, die für die
Masse des Volkes immer die Hauptsache ge-
371
Isis (griech. Auffassung')
Isis fgriech. Auffassung)
372
blieben waren, wieder frei ihr Haupt erheben
und samt und sonders das Erbe der theo-
logischen Entwickelung antreten, jede für sich
den Anspruch erheben, die wahre Gestalt des
geheimnisvollen Urgottes zu sein. Zu Gunsten
gekommen ist diese Entwickelung vor allem
auf der einen Seite den rohesten, konkretesten
Formen der Gottheiten, den heiligen Tieren,
deren Dienst jetzt erst die krasse Gestalt an-
nimmt, in der er uns in den Berichten der 10
Griechen entgegentritt — obenan steht jetzt
der Apisstier von Memphis — , andererseits
den Gottheiten des
Osiriskreises , die
überall im Lande
anerkannt und ver-
ehrt werden , und
in deren Dienst die
universaleren Be-
dürfnisse der Reli- 20
giou theoretisch und
praktisch befriedigt
werden. Erst jetzt
sind dieselben die
eigentlich allgemei-
nen und — wenn man
davon bei dem wir-
ren Pantheon Ägyp-
tens überhaupt re-
den darf — höchsten 30
Gottheiten Ägyptens
geworden, als wel-
che sie uns bei den
Griechen entgegen-
treten (Herodot. 2,
44). Obenan steht
unter ihnen jetzt
Isis, und wie an
sie die weiteren re-
ligiösen Spekulatio- 40
nen anknüpfen, wel-
che nun nicht mehr
von den Ägyptern
selbst aus innerem
Triebe, sondern von
den Fremden aus-
gehen, die ins Land
lais od. Isispriesterin, Statue in kommen , um hier
Wion (Ciarac, pi. 991 nr. 2577; die geheimnisvolle
vgl. Friederic/is- Wolters nr. 1550). Weisheit der Vor- 50
zeit zu suchen und
zu finden, so entwickelt sich auch ihr Kult
zu immer gröfseren Dimensionen. Die erste
Stelle unter den ihr errichteten Heiligtümern
nimmt in der späteren Zeit der Tempel auf
der Insel Philae, an der Südgrenze Ägyptens,
ein, begründet von Amasis, ausgebaut von
Nuktanebos, dem letzten einheimischen Pha-
rao (360—342). Ebenso hat Amasis der Isis
in Memphis ein grofses Heiligtum gebaut 00
{Her. 2, 176).
In eine neue Phase ist die ägyptische Re-
ligion nicht mehr getreten, wenn man nicht
den Sarapiskult als eine., solche ansehen will.
Der Isisdienst hat in Ägypten geblüht bis
zum Siege des Christentums, ja in Philae hat
er sich noch weit länger behauptet. Denn aus
Rücksicht auf den wilden nubischen Volks-
stamm der Blemmyer, für den der Tempel
von Philae das gröfste Heiligtum war, haben
die Kaiser nicht gewagt, diese Stätte anzu-
tasten; sie haben hier den heidnischen Kult
nicht nur geduldet, sondern beschützt, bis
endlich Justinian um 560 n. Chr. ihm auch
hier ein Ende gemacht hat.
Während andere ägyptische Götter, nament-
lich Osiris, Horus, Thoth, von den semitischen
Nachbarn adoptiert und in Phönizien und Sy-
rien vielfach verehrt sind, begegnen wir dem
Namen der Isis hier nicht. Dagegen sind
nach ihrem Bilde oder wohl mehr noch nach
dem der Hathor mehrere phönikische und
syrische Göttinnen (Bd. 1 Sp. 652 f.) gestaltet.
Um so mehr wissen die Griechen von ihr. Als
sie zuerst ins Land kamen, glaubten sie in der
Isis die argivische Sagengestalt der Io wieder
zu erkennen, und stellen diese seitdem nicht
mehr als Kuh, sondern nach dem Bilde der Isis
als ßovxtQios nceg&svos dar (Aesch. Prom. 588.
Herod. 2, 41 to yap rijs "ieioq äyaXfia ibv
yvvafAT]iov ßovK£Qcov eGrl war« 7t£p EXXrjvzg
zr\v 'Iovv yQciqiovoi). Im übrigen wird Isis der
grofsen griechischen Mysterien- und Natur-
göttin Demeter gleichgesetzt, wie Osiris aus
denselben Gründen dem Dionysos, während
ihr Sohn Horos mit Apollon identificiert
wird (Her. 2, 42. 59. 156). Frühzeitig ist
dann auch der Name Isis den Griechen ganz
geläufig geworden. Die enge Verbindung des
aufständischen Ägyptens mit der griechischen
Welt, namentlich mit Athen, hat dazu wesent-
lich beigetragen. Zuerst durch ägyptische
Kaufleute sind ihr auf griechischem Boden
Heiligtümer errichtet worden. Im Peiraieus
besteht ein vom Staate konzessioniertes Isis-
heiligtum der Ägypter schon im Jahre 333
(O. I. A. 2, 168). Unter den Ptolemäern
verbreitete sich dann der Isiskult durch
die ganze griechisch-orientalische Welt. An
die grofse Göttin schliefsen sich die an-
deren Götter ihres Kreises an, Osiris, Anubis,
Horus (Harpokrates [Amon dagegen ist auf
ganz anderem Wege, über Kyrene — wo natür-
lich auch Isis verehrt wurde, Herod. 4, 186 — ■
in die griechische Welt gelangt, s. das.]; aber
durchaus steht sie im Vordergrund; nur der
neue ptolemäische Gott Sarapis gewinnt ein
gleiches Ansehen wie sie, während die übrigen
Götter nur Fremdlinge in der griechischen
Welt geblieben sind. Dagegen erlangt Isis das
Bürgerrecht hier so sehr, dafs Personennamen
wie Isidoros, Isidotos, Isidike, Isias ganz ge-
wöhnlich werden, und dafs Plutarch (de Is. 2)
allen Ernstes glauben kann, Kult und Namen
der Isis seien griechischen Ursprungs. Durch
den Handel gelangt Isis früh auch nach
Italien, zuerst nach Campanien, dann seit der
Zeit Sullas nach Rom. Es ist bekannt, wie
vielfach und wie vergeblich die römische Re-
gierung gegen die ägyptischen oder isischen
sacra, deren Mysterien Anlafs zu den ärgsten
Unsittlichkeiten, Betrügereien und Verbrechen
gaben, einzuschreiten versucht hat.
Ein näheres Eingehen auf die Verbreitung
des Isiskults in der griechisch römischen Welt
und die Versuche, die ägyptische Überlieferung
373 Isis (Kult in Byblos) Isis (Kult in Tyrus etc.) 374
alä theologische und philosophische Weisheit 117; Reichardt, Num. Zeitschr. 2 p. 9 — 10;
zu deuten, ist mir zur Zeit unmöglich; vgl. M. Aurel, Sestini, Mus. Hed. 3, 82, 2 = Mi.
einstweilen die zusammenfassende Darstellung S. 8, 254, 68; Comiuodus, Mus. Theupoli p. 920
von Lafaye, histoire du cultc des divinites = Mi. S. 8, 252, 71; Noris, De epoeh. Syroma-
d'Altxandrie hors de l'JEgypte {BibJ. des ecoles ced. p. 468; Slg. Lübbecke; Septimius Severus,
fraug. d'Athenes et de Borne fasc. 33, 1884) u. Vaülant p. 81 = Mi. 5, 353, 122; Caracalla,
den folgenden Artikel Drexlers. Mi. 5, 354, 127; Geta, M. Theup. p. 994= Mi.
[Eduard Meyer.] S. 8, 252, 73; Elagabal, Bev. Num. 1861 p. 97,
.... .. . „ ,. 11, PI. 4, 11; Maerinus, Mi. 5, 355, 128, 8. 8,
Aufseragyptxsche Kulte. 10 253, 76; Cot. Greau 215, 2589; Gab. Greppo
Über die Grenzen Ägyptens hinaus nahm 199, 1426; Slg. Lübbecke; Diadumenian, Mi. 5
iler Isiskultus seinen Siegeszug im grofsen und 355, 129; <S7<7. Imhoof; Isis und Horus stehend
ganzen erst in der hellenistischen Zeit. unter Tiberius, Sest., M. Hed. 3, 82, 1 = Mi.
Zu den Phönikern war er aber, wie über- S. 8, 256, 67; Imhoof, M. Gr. 444, 26a.; Slg.
baupt die ägyptische Religion (s. Drexler, Mi/- Lübbecke; angeblich auch unter Augustus, Kckhel
thol. Beiträge 1 p. 8 Anm. 1), bedeutend früher 3, 360; Mi. 5, 352, 116; Boutkowski 1, 928 und
gedrungen, sodafs Darstellungen der Isis bereits M. Aurel, Sest. a. a. 0. 3, 82, 3 = Mi. S. 8, 251, 69 ;
auf phönikischen Metallschalen des 7. oder Horus allein, autonom, Imh. 443,24, PI. J, 4;
6. Jh. v. Chr. vorkommen. Besonders die Stadt Kopfputz der Isis, autonom, Imh. 443, 25, PI. J, 5.
Byblos stand seit alten Zeiten in Verbindung 20 Tyrus zeigt auf seinen Münzen den stehen-
mit Ägypten, worüber einiges bereits oben den Harpokrates mit flammendem Altar zur
s. v. Halhor 1 Sp. 1866 f. bemerkt ist; ein- Seite unter Caracalla, Vaülant, Num. Col. 2,
gehend handelt darüber Krall, Sitzungsber. d. 48, 2, vgl. Mi. 5, 430, 628 oder Elagabal, Mi.
Wiener Ahad. Ph. H. Gl. vol. 116 p. 633 ff. 5, 434, 562 = Cohen 42, 366, 434; ferner unter
Unter „der Hatkor,_ der Herrin von Byblos, der Plaütilla, Imh. M. Gr. 446, 41, nach dem auch
Herrscherin von Äthiopien " eines oben er- die den Horus säugende Isis des Gat. Greau
wähnten thebanischen" Testes ist allerdings 2627 und Cat. de Moustier 2383 einfach diesen
nach Wiedemann, Herodots 2. Buch p. 588 Typus darstellt; sowie unter Gordianus Pius,
nicht die Göttin des phönikischen, sondern die Sammlung Lübbecke. Sehr fraglich ist es, ob
eines ägyptischen Byblos zu verstehen. Über so Ledrain, Notice des monum. phenic- du Muse'e
das ganz ägyptische Gepräge der Baalat Gebal du Louvre p. 19 nr. 33 mit Recht in einer nur
vgl. auch Büthgen, Beitr. z. semit. Bei. p. 31, teilweise erhaltenen Flügelfigur eines Sarko-
62. Die Verschmelzung des Osiris- und Adonis- phags der römischen Periode aus Eneifedh
kultus in Byblos behandeln auch Baudissin, bei Tyrus bei Renan, Miss, de Phe'n. p. 670,
Stucl. 1 p. 302 Anm. 1; 2 p. 214; Benan, Miss. 842 nr. 30, PI. 57, 4 die Isis erkennt. Sehr
de Phe'n. p. 215; Movers 1 p. 62, 235 — 238; wenig wahrscheinlich ist es auch, dafs nach
Paul Scholz, Gützendienst u. Zauberwesen bei Benan, M. de Ph. p. 428 Isis auf einem Blei-
den alten Hebräern p. 226, 231 — 232; Mann- Sarkophag aus Sidon dargestellt sein soll, ob-
hardt, Ant. Wald- u. Feldkulte p. 274; Greve, wohl daselbst zahlreiche ägyptische Altertümer
De Adonide p. 36— 37, 52; Stark, Gaza p. 301 ; io gefunden worden sind, vgl. Bäthgen p. 63.
Maury, Hist.des rel. delaGrece an*. 3 p. 284, 6; Auch Movers' 2, 2 p. 66 u. Anm. 29 Deutung
de Ste-Croix , Rech. s. les myst. du paganisme einer Münze des Elagabal von Sidon, Eckhel
1 p. 104 ff.; Gh. Lenormant, Chefs -d' Oeuvre de 3, 371; Pellerin. Ltttres 1 PI. 1, 8 p. 16; Mi.
l'art ant. 2e ser. 4 p. 17; Wiedemann a. a. 0. 5, 387, 343; Cohen 42, 364, 409; Gat. Greau
p. 588. Zur Erzählung der Klassiker von der 216, 2599; Sest., M. Hed. 3, 88, 33 auf Isis mit
Reise der Isis nach Byblos vgl. man Eckhel, Horus auf der Flucht vor Set ist wenig an-
I). N. V. 3 p. 359; G. Ebers, Durch Gasen nehmbar. Die Büste des Harpokrates erscheint
zum Sinai p. 474, Äg. u. d. B. M. p. 238 — 239 auf einer Tessera aus Berytos, Blanchet, Bev.
u. E. äg. Königstochter Sp. 294— 295 Anm. 134; Arch. 3. ser. 13, 1889 p. 237 nr. 9.
Brugsch, D. Adonisklage u. d. Linoslied p. 12 50 Wenig ist speziell vom Kultus der Isis
u. Die Ägyptologie p. 310; G. Colonna Ceccaldi, in Palästina zu berichten. Auf Philä ver-
Rev. Arch. 1872. 24 p. 312, 1878. 35 p. 15— 18; ehrt ein Mann aus Caesarea Panias die
Erman, Äg. 1 p. 367; V. v. Straufs, D. altäg. Göttin, C. I. Gr. 4921. Eine Isisstatue wird
Götterglaube 1 p. 78—80; Wiedemann a. a. Ö. in Phaena geweiht, C. I. Gr. 4546 = U'ad-
p. 587—588 und Die Bei. d. alt. Äg. p. 110 f. dington, Syrie 2527. Ob das säugende Weib
Dafs diese Sage, wie Zoega, Numi Aeg. Imp. auf sphinsgeschmücktem Thron eines aus Pa-
p. 136 annimmt, nur auf dem Wortspiel, der lästina stammenden Silberrings Isis zu benennen
Leichnam des Osiris sei im Byblosschilf {iv ist, erscheint fraglich, Arch. Zeit. 1882 p. 282,
ßvßla) der Nilmündungen gefunden worden, vgl. aber Furtwänglcr , Jahrb. d. d. a. I. 4
beruhe, oder, wie Dinicker, Gesch. d. Ä. I1 co p. 83 Anm. 29. Die von de Saulcy , Num. de
p._48 behauptet, eine Erfindung der Griechen la Tcrre Sainte p. 208 nr. 2. 3 frageweise so
sei, ist nicht wahrscheinlich. bezeichnete Büste einer Münze des Maximinus
Für den Fortbestand des Kultus in der von Askalon, aus welcher Stadt Clermont-
Kaiserzeit zeugen die Münzen. Auf ihnen Ganneau, Arch. d. miss. scientif. et litt. 3. ser.
erscheint Isis ein Segel entfaltend, wie auf 9, 1885 p. 164 nr. 1 den Fund einer ehernen
autonomen, Imhoof, 31. Gr. p. 443 nr. 23, PI. Osirisstatuette angiebt, stellt, obwohl auch
J, 3, so auf solchen unter Claudius, Sammlung Sestini, M. Hed. 3, 74, 2; Mi. S. 8, 225, 5 u.
Lübbecke; Vaülant, N. Gr. p. 13 = Mi. 5, 353, Cavedoni, Spie. num. p. 274 auf einem von
375 Isisf- u. Sarapiskult in Gaza etc.) ■ Isis(- u. Sarapiskult in Bostra etc.) 376
ihnen fälschlich unter Canatha verzeichneten Auf den Münzen von Bostra in Arabia
Ex. die Büste der Isis erkennen wollen, diese soll das Haupt des Sarapis vorkommen unter
Göttin sicher nicht dar. Gegen Mionnets 5, Coinuiodus, de Saulcy 363, 4; Annia Faustina,
513, 154 Bezeichnung der weiblichen Gestalt Lcake, N. 11. p. 35; Severus Alexander (?),
einer Münze des M. Aurel von Gaza als Isis de Saulcy 368, 4 und Iulia Maruaea (?) a. a. 0.
erklären sich mit Recht de Saulcy 222, 5 und 368, 3 (auf letzteren angezweifelt von de S.);
Stark, Gaza p. 585. der Gott in ganzer Gestalt in einem Tempel
Weit häufiger ist auf den Münzen der pa- stehend unter Elagabal, Cat. d'Enmry 606,
lästinensischen Städte Sarapis anzutreffeu, so 4261; Bamus 1, 346, 5; Mi. 5, 581, 19, aber
sitzend unter Gordianus Pius auf Münzen von 10 von de Saulcy 366, 1 für Dusares gehalten.
Gaza (Beichardt, Num. Chron. 1862 p. 122 In Teimä kommt der Personenname PetoBiris
nr. 87, de Saulcy 233, 2), wie denn auch eine vor in einer nach Euting noch vor 500 v. Chr.,
bei Gaza gefundene Kolossalstatue im Arch. nach Hale'vy dagegen in der Zeit nach Alexander
Am. 1879 p. 198 für Sarapis, dagegen von dem Gr. gesetzten Inschrift, Nöldeke, Sitsungs-
Beinach, Bev. crit. 1880, 2 p. 460 u. Premier, her. d. Preufs. Alcad. 1884, 2 p. 813—820, ffl.
Bursians Jahresber. 25. Bd. Spplt.-Bd. p. 144 6, 7, Zeile 11; Bei: arch. 1884, 4 p. 176. Wie
für Marnas erklärt wird. Ferner erscheint er einzelne Inseln und Örtlichkeiten au der afri-
auf den Münzen von Aelia Capitolina von kanischen Küste und binneuwärts, südlich von
Antoninns Pius bis Decius, Eckhel 3 p. 443, Ägypten, so Isius Mons (Ras Roway nach
und zwar sein Haupt bis Severus Alexander: 20 Sprenger, D. alte Geogr. Arabiens p. 41 § 21;
de Saulcy p. 88 nr. 7 u. 8; p. 91 nr. 4 u. 6; vgl. 6'pog iiqov bxov xfjg "Iaidos Zsacöcrgiog
p. 92 nr. 1; p. 94 PL 5, 6; p. 95, 3; 97, 1; 98, dcpiäQvua. Strabo 16, 770); Isidis portus (Plin.
2, 3; 100, 4; 101, 6, 8, 7; 103, 1; Madden, n. h. 6, cap. 9, sect. 34, § 174) noraui'a rijs
Coins of the Jews = Tlie international Numis- "iaiäog Xtyoij.hr] (Droysen, Gesch. d. Epig. 2S
mata Orientalia 2, 1881 p. 254, 7, 9; 255, 70, p. 346), die Insel Menuthias (Forbiger in Paulys
71; 257, 4, 5; 258, 6; 259, 1; 261; 262,3; 264, B.-E. 4 p. 1837, so benannt nach der in Me-
1; 266, 4; 268, 5 — 7; 270; stehend unter Dia- nuthis bei Canopus verehrten Isis, Letronne,
dumenian (de Saulcy 100, 7; Madden 267, 6 Bec. de Inscr. de l'Eg. 1 p. 434 — 437 zu nr. 45,
u. 7) und Elagabal", Cab. Greppo 209, 1488; Frans zu C. I. Gr. 4683 b, tom. 3 p. 331) bei
sitzend unter Decius, de Saulcy 106, 3; Madden 30 Gelegenheit des Handelsverkehrs der Ptolemäer
272, 3; ferner auf denen von Caesarea sein mit Arabien und Indien nach der Isis benannt
Haupt von Domitian bis Gordianus Pius, Eckhel wurden, so erhielt auch eine Insel an derWest-
3 p. 431; de Saulcy 120, 1; 122, 3; 123, 3 u. küste Arabiens (nach Sprenger p. 22 § 15 das
4; 124, 1, 4, 5; 125, 0 u. 7 ; 126, 1; 127; 128, heutige Barahkän) als "IaiSoi, isgä (Agathar-
5; 129, 6, 7; 129, 3; 130, 1; 132, 1; er selbst chides in den Geogr. Gr. Min. ed. Müller 1
stehend unter Decius, de Saulcy 134, 13 und p. ISOf., Diod. 3, 44, vgl. Droysen a.a.O. p. 350,
Hostilian a. a. 0. 137, 7. Desgleichen ist sein Bitter, Erdkunde 14 p. 222) von der Isis, und
Kult zu belegen durch die Münzen in Dora eine andere an der Ostküste (nach Sprenger
unter Elagabal (Haupt), de Saulcy 147, 2; p. 102 § 135; p. 253 Anm. 1 §383 das beutige
Ptolemais, Eckhel 3, 424; unter Septirnius 40 Macyra) als vfjaog Zagämöog Isyo/iEVTj (Piripl.
Severus, de Saulcy 161, 6, vgl. 161, 4 PL 8, 8; Mar. Erythr. in Geogr. Gr. Min. 1 p. 283,
Caracalla, de Saulcy 162, 4, wohl = 163, 2 Piol. § 33, Amin. Marc. 1. 23 cap. 6 § 47 [„in
Elagabal (Haupt), vgl. auch Eckhel, Cat. N. V. qua Serapidis maximum esse dicitur templum"~\\
Mus. Caes. Vind. 1, 241, 3 = de Saulcy 167, 1 vgl. Forbiger, Hdbuch. 2 p. 762) ihren Namen
Philippus jun, Frau und angeblich Harpokrates, von Sarapis. Das Grab der Isis war nach
nach de Saulcy aber Asklepios; ferner inDios- Diod. 1, 27 zu Nysa in Arabien, Wiedemann,
polis unter Iulia Domna, de Saulcy 170, 1 Herod. 2. Buch p. 19; iTesscly, Zu d. griech.
und Caracalla a. a. 0. 171, 1 (Haupt); in Nea- Papyri des Louvre p. 7 ff .
polis und zwar das Haupt von Marc Aurel Die Seleukiden in Syrien, die Rivalen
bis Elagabal, Eckhel 3, 435; de Saulcy 249, 1, 50 der Ptolemäer, zeigen auf ihren Münzen ver-
Pl. 13, 2; 2 — 4; 259, 1, PL 13, 6; 260, 4; schiedene Spuren des ägyptischen Einflusses.
261, 5; in ganzer Gestalt stehend unter Cara- Die Isis Pelagia auf einem Stück des Anti-
calla a.a.O. 257, 3; Maximinus (?) 265, 1; Vo- ochos IV. Epiphanes, Sest., M. Hed. 3, 7, 7
lu-ian 274, 3, PL 14, 3; thronend unter Cara- = Mi. S. 8, 27, 143 = Lenormant, Kam. des
calla {de Saulcy) oder Elagabal (Mi.) de Saulcy rois grccs PI. 42, 3 p. 94 verdient freilich hin-
257, 5 = Mi. 5, 505, 10S; de Saulcy 258, 6. sichtlich der richtigen Zuteilung wohl nähere
Der angebliche Harpokrates auf einer Münze Prüfung. Auch darf man nicht mit Eckhel 3,
des Trebonianus Gallus, Eckhel, Cat. Mus. Caes. 225, Scstini, D. N. V. 493, 14, Barthelemy,
Vind. 1, 247, 3 = de Saulcy 271, 4 ist nach Kouv. manuel de num. ant. p. 275 eine sitzende
einer des Philippus jun. de Saulcy 270, 14 60 weibliche Gottheit mit Nike auf der R. und
vielmehr eine Frau; auf einer Münze des Com- einem von Fundi, Mus. Theupoli p. 1228 und
modus von Tiberias (Huber, Num. Zeitschr. 1 Sanclemente, Num. sei. 1 p. 77, Tab. 3, 49 für
p. 401; Beichardt, Num. Chron. 1876 p. 315) einen Ibis gehaltenen Vogel zu Füfsen auf
erscheint das Haupt des Gottes, dagegen der Münzen desselben Königs für Isis erklären; im
in einem Tempel stehende Sarapis auf einer Cat. Thomsen 1, 137, 1616 wird sie als Hera
des h. Verus bei Vaillant, N. Gr. p. 63 = mit dem Pfau, von Percy Gardner, A Cat. of
Mi. S. 8, 229, 20; de Saulcy 300, 2 ist nach the gr. c. in the Brit. Mus. The Seleucid Kings
des letzteren Ansicht 299, 1 'vielmehr Zeus. of Syria 36, 23—30, PL 12, 1—4 als Kybele
377 Isis (Kult in Syrien) Isis (Kult in Syrien) 378
oder Stadtgöttin gedeutet. Auch die stehende erscheinen auf Münzen des Caracalla und des
Frau mit Schleier auf dem Haupt und Lanze Elagabal (oder nur des einen von beiden?)
in der R. wird fälschlich von Eckhel, D.N. V. von Gabala (Mi. 5, 238, 652; S. 8, 165, 194);
3, 225 und Cat. Mus. Caes. Vinci. 1, 212, 4, das Haupt des Sarapis auf autonomen Münzen
Bamus 1, 297, 6 und Barthelemy 275 für Isis von Laodikeia ad mare, Pelkrin, Bec. 2
gehalten, während Mi. 5, 35, 306, 307 sich PI. 79, 55 p. 198; Mi. 5, 241, 677; 678 =
einer näheren Bezeichnung enthält, Lenonnant Sestini, D. N V. 518, 10; Mus. Num. Lavy
PI. 41, 13, 14 an Aphrodite Urania und Gardner 1, 275, 2921; Dumersan, Cab.'Allier de Haute-
38, 41, PI. 12, 10 frageweise an Hera denkt. röche p. 109; Cat.Northwick 1, 143,1426,1427;
Dagegen haben wir auf in Ägypten geprägten 10 ebendaher kennen wir einen aQxiicinoQog des
Bronzemünzen dieses Königs das Haupt des Sarapis, C. I. Gr. 4470. Vgl. B. C. H. 6 p. 335.
Sarapis mit Lorbeerkranz und Kopfputz des In Antiocheia errichtete Seleukos Kalli-
Osiris (Gardner 38, 42, PI. 12, 11; 43 — 44; nikos ein Iseion und erhielt dazu von Ptole-
St. Poole, Coins of the Ptol. N. Chron. 1866 maios III. Euergetes ein besonders heiliges
p. 15 — 16 nr. 34—38 und Cat. Brit. Mus. The Isisbild aus Memphis gestiftet, Libanius 1
Ptolemies, Kings of Egypt. p. 81; Feuardent, p. 136 ed. Baske, Mittler, Hdb. d. A. d. K.s
Eg. anc. 1, 74, 274, PI. 11, 275; Imhoof, M. p. 150 und Antiquitates Antiochenae 1 p. 51.
Gr. 431, 77) und auf anderen die Büste der Anm. 3 p. 70; Droysen, Gesch. d. Bell. 32 p. 14.
Isis oder (Feuardent, St. Poole im N. Chr.) Der Sage der Antiochener von der Io, die, aus
der Kleopatra, _d er Schwester des Antiochos IV., 20 Ägypten verjagt, nach dem Gau Ione oder Io-
als Isis mit Ährenkranz, über dem sich der polis auf dem Berge Silpios gekommen sei,
Kopfputz der Göttin erhebt, Eckhel 3, 224, um dort zu sterben (Preller, Gr. M. 23 p. 44f.)
Duane, Coins of the Seleucidae Tb. 8, 13; Mi. möchte Müller, Antig. Antioch. p. 18—19 aus
5, 33, 291; S. 8, 29, 153; Lenonnant PI. 41, 6 gewissen Riten der Isisverehrung erklären.
p. 93; St. Poole, N. Chr. 1866 p. 16 nr. 39 — 42, Als Beizeichen erscheint der Lotos, d. i. doch
The Ptol. p. 81, cfr. p. LXIIIf.; Gardner 38, 45, wohl der Isiskopfputz, auf einigen Münzen
-46, PI. 12, 12, 47; Feuardent 1, 74, 276, PL 11, dieser Stadt, Mus. Hunter 28, 1, Mi. 5, 154, 58.
vgl. p. 69 — 70. — Zahllose Münzen des An- In einer von Böckh jedenfalls mit Recht
tiochos VII. Sidetes vom Jahr 139 v. Chr. an nach Delos gewiesenen Inschrift weiht ein
haben im Rs. den Isishauptschmuck mit ver- 30 Otoqjilog @toq>ilov 'Avxio%svq fisXavrjcpogog ver-
schiedenen Daten und Beizeichen, Mi. 5, 75, schiedene Gegenstände an Sarapis, Isis, Anubis
654—656, S. 8, 57, 289; 5, 75, 657—660; S. 8, 57, und Harpokrates (vgl. Georgii in Paulys B.-E.
290; 5, 75, 661—664; 76, 665; 666; 667, 668; 4 p. 289), nur ist es gerade wie bei den zahl-
669; 670; S. 8, 57, 292; 5, 76, 674; S. 8, 57, 293; reichen von Isis und Sarapis abgeleiteten
5, 76, 675; Gardner p. 73 nr. 50, 49, PI. 20, Personennamen von Antiochenern zweifelhaft,
11, 51; 52 — 54; 55, 56; 57; 58; 59; 60; 61; welches Antiocheia gemeint ist, wenn nicht
Duane Tb. 15, 2; 14; 18, 3; 7; 11. Dasselbe wie bei dem Olympioniken 'Iaicov (Arch. Zeit.
Symbol erscheint auf den Münzen des Anti- 1880 p. 164 nr. 366a) ein ä-nb dayvnq oder
ochos VIII. und seiner Mutter Kleopatra, wie bei der Niv.-n 2[£]Qctnt'iavos (Le Bas et
Mi. 5, 86. 759; 87, 760; 761; 762; 763; Le- 40 Waddington, Asie-Min. 461) ein 'Avzioxr\ag tjjs
normant PI. 51, 4; 5; Gardner 86, 9, PL 23, 6. itqög Jcitfivn zum Ethnikon hinzutritt. An-
Dagegen eine von Eckhel, Cat. 1, 217, 1, D. N. V. gebliche Münzen von Antiochia mit Sarapis-
3, 241 der Kleopatra Selene, der Gemahlin köpf gehören nach Hierapolis und führen das
des Antiochos VIII. zugewiesene Münze mit Haupt des Hadad, s_.# Zeitschr. f. Num. 15
Isissymbol im Rs. wird von von Sollet, Num. p. 89 — 91. Über die Überlieferung, der Sara-
Zeitschr. 3 p. 91 — 96 mit Hubers Anm. 2 p. 94f. pisdienst sei in Ägypten aus Seleukeia ein-
für nicht sicher bestimmbar erklärt, wie auch geführt (Tac. h. 4, 84; Clem. AI. Protr. p. 14
schon Sestini, D. N. V. p. 500 Eckhels Zutei- ed. Sylb.) vgl. Pleic, De Sarapide p. 9, Krall,
lung bezweifelt hatte. Die angebliche „Isis Tacitus u. d. Orient 1 p. 21 ff. Die von Mi.
adv. tutulata stans d. hastam" auf einer Münze 50 S. 8, 117, 35 = Pellerin, Bec. 2 PL 75, 5,
des Demetrios I. Soter bei Bamus 1, 298, 7 Eckhel 3, 251 unter Samosata verzeichnete
wird von Mi. 5, 47, 413 einfach als Frau, Münze mit Ammonhaupt im Obv. und Isis-
von Lenonnant PL 43, 14 p. 96 als Aphrodite Symbol im Rs. ist von ihm selbst bereits im
Urania bezeichnet; das unbärtige Haupt mit Bec. des Fl. Nouv. Ed. p. 101 dieser Stadt
Diadem auf dem Obv. einer Münze des De- wieder abgesprochen worden; Imhoof, M.Gr.
metrios IL Nikator, das Fundi, M. Theup. 457, sub 12 giebt sie einem der späteren Pto-
p. 1231 und Mi. S. 8, 47, 243 für das der Isis lemäer. Die von Mi. 5, 146, 1 für Sarapis
halten möchten, ist nach Gardner 60, 23, PL 18, angesehene Büste auf Münzen von Palmyra
5 das des Königs. Auffallend ist es, dafs Mi. (vgl. Mordtmann im Anhang zu den Sitzungs-
5, 107, 933, 934, Lenonnant PL 55, 6 p. 113, 60 her. d. K. Bayr. Äk. 1875. 2. Heft 3 p. 73 ff.)
Visconti, Iconografia gr. 2 Tay. 23, 9 p. 491— 494, stellt jedenfalls eine einheimische syrische
Cohen, Cat. Greau 199, 2443 eine Palmzweig Gottheit dar, s. de Sauley, Bev. Arch. 1870/71,
und Füllhorn haltende Frau auf Münzen des N. S. 22 p. 291—303, speziell p. 294—295 u.
Antiochos XII. Epiphanes Dionysos als Kopf- Num. de la T. S. p. 64 ff. — Unter 6 Bronze-
putz den ,, Lotos" tragen lassen, wovon indes Statuetten der Coli. Fejeroary-Pulszky Paris 1868
Gardner 102, 4, PL 27, 2, der die Figur Tyche p. 22 nr. 352 ä 357 vom Libanon befindet sich
nennt, nichts bemerkt. auch ein Osiris; über Bronzefigürchen aus
Isis sitzend, den Harpokrates säugend, soll Syrien, die mit dem Typus der Aphrodite den
379 Isis (Kult in Kleinasien u. Kypros) Isis (Kult auf Rhodos etc.) 380
Kopfputz der Isis verbinden, s. Num. Zeitschr. rion, Dumont et Chaplain, Les ceramiques de
21 p. 71, Anm. 7 zu p. 70; über eine eherne la Grece propre p. 119 nr. 33, p. 120 nr. 34;
aufgerichtete Uräusschlange mit Isishaupt- Heibig, Ann. d. Inst. 1876 p. 199 nr. 3, p. 200
schmuck Clcrmont- Ganneau, Arch. d. Miss. nr. 4. — AI. Emnan, Kypros u. d. Urspr. des
scient. et litt. 3. ser. tome 11, 1885 p. 233 Aphroditekultus, Mein, de l'Ac. des sc. de St.
nr. 107, Schreiber, Z. d. H. Paläst. Ver. 10, 1887 Petersbourg, 7e ser. 34, 1886 p. 29 Anm. 3 will
p. 191; über einen Ohrring in Gestalt des für ägyptisierende Statuen, wie sie besonders
Isiskopfputzes Coli. H. Hoffmann. Paris 1886 von Cesnola bei Athienu zahlreich gefunden
p. 54 nr. 211, über einen Karneol mit den ver- wurden, die Namen Osiris, Isis und Horos in
einigten Büsten des Sarapis und der Isis Cha- 10 Anspruch nehmen; auch unter den Kalkstein-
bouillet 261, 2016; über den Chalcedon des und Terracottafiguren kyprischer Gräber läfst
Lykomedes mit der Büste einer ptolemäischen er zahlreiche Bilder dieser Gottheiten vor-
Herrscherin, nach Furtirängler vielleicht der kommen. Eine Gruppe der Isis und des Horos
Berenike I. mit Isisattribut, Jahrb. d. H. A. im ägyptischen Stil aus Bronze von Dali wird
Inst, 3 p. 206; 4 p. 80—84, Tfl. 2, 2. verzeichnet Arch. Zeit. 1871 p. 122 nr. 29a.
Über das Vorkommen des Sarapis auf Münzen In epichorischer Schrift sind erhalten Wid-
von Fars unter Orodes I. u. I'hraates IV. mungen an Osiris aus Kourion und Athienu,
und auf solchen des indoskythischen Herrschers II". Heecke, Hie griech. Inschr. in epichor.
Ooerki s. Hrexler,Myth.Bexbr. 1 p.4 Anm. 3,4. Schrift = Collits , Slg. d. gr. I) iah- Inschr. 1
Ob Gardner, Parthian Coinage p. 21 mit Recht 20 p. 24 nr. 45, p. 34 nr. 72 und, freilich aus make-
den Harpokrates auf einer Münze des Parther- donischer Zeit, an Horos aus Paphos a.a.O.
königs Vardanes I. erkennt, lasse ich dahin 1 p.._20 nr. 41.
gestellt sein. Ein in Teheran gefundener Über phönikische von den Namen ägyp-
Onyx griechischer Arbeit später Zeit zeigt die tischer Gottheiten abgeleitete Personennamen
Isis, Per. Arch. 1874 p. 247 nr. 76; Intailles auf Cypern siehe Bätligen p. 63. Aus der Zeit
asiat. Coli, de M. le Comte de Gobineau. Paris nach Alexander M. haben wir Widmungen an
1882 p. 9 nr. 76; desgleichen ein Onyx aus Sarapis, Isis und Anubis aus Arsos, 1 Stunde
Ekbatana, Bev. Arch. a.a.O. p. 385 nr. 294, von Golgos, Arch. Zeit. 1863, Am. p. 7*, le
im Katalog v. 1882 p. 18 nr. 249 als Sard- Bas it Waddington 3, 2837, 2838; an Sarapis
onyx mit dem Haupt der Osiris verzeichnet. 30 und Ptolemaios III. nebst Berenike aus Sala-
Der Name Isidoros in der Form Isiduru be- mis, Bev. arch. 3e ser. 6 1885 p. 351, Gas. arch.
gegnet sogar in Keilschrift, beigegeben einem 1883 p. 107 nr. 3, Arch. Zeit. 1883 p. 1S5, The
Männerkopf von griechischer Arbeit auf einem Greck Inscr. in the Brit. 3Ius. 2 p. 152 nr. 383.
unter Demetrios Soter (162 — 151) abgeschlos- Eine Bronzestatuette der Isis aus später Zeit
senen Vertrag aus Orchoe (Erech, Warka), ist verzeichnet Coli. I. Greau. Cat. des bronzes
I. Menant, Arch. d. Miss. 3e se"r. 9 1882 ant. Paris 1885. 4°. p. 169 nr. 840; eine Gemme
p. 411 — 412 Fig. 106; aus viel früherer Zeit mit Sarapiskopf bei Cesnola, Salaminia p. 143
stammt ein assyrisch -ägyptisches Siegel mit Fig. 156.
dem Harpokrates auf der Lotosblume, Menant Auch auf Rhodos lassen sich schon in
a. a. 0. p. 396 Fig. 53. 40 voralexandrinischer Zeit Spuren des ägyptischen
Über den ägyptischen Kultus in Klein- Einflusses nachweisen; es wird verzgjchnet aus
asien vgl. man meine Abhandlung 'Her Isis- dieser Periode 'Isis with Osiris in her lap,
u. Sarapis-Kultus in Kleinasien', Num. Zeitschr. egyptian porcellain7 Brit. Mus. Guide to the
21 p. 1—234 Taf. 1. 2, p. 385—392; sowie 7m- first vase room. London 1883 p. 18 und eine
hoof-Bluiucr,Abhdl.d.K. Bayer. Ak.dAY.plülos.- Isis mit Horos, ägyptisch, aus Jade gefertigt,
philol. Cl. 18, 1890 p.587, 592, 668, 711, 712, 720, aus Kameiros im Bull. arch. du 3Iuse'e Parent
733, 740, 741, 748, 771. B. C H. 14 p 61ö'f. nr. 1. Paris 1867. 2°. p. 34; dagegen stammt
Die Inseln des ägäischeu Meeres, von denen eine Bronzebüste der Isis auf dem Phönix bei
eine Anzahl eine Zeitlang unter der Herrschaft Fr. Lenormant, Coli, d'ant. gr. rec. par 31. Eng.
der Ptolemäer stand, nahmen gröfstenteils in 50 Pfiot.J Paris 1870 p. 45 nr. 143 aus der Zeit
der Zeit nach Alexander den fremden Gottes- nach Alexander. Ein Tempel der Isis in
dienst an. Kypros aber, schon unter Thnt- Rhodos wird erwähnt von Appian, Be b.
mes III. (1600 v. Chr.) Ägypten tributpflichtig Mithr. 27, M. II". Heffter, H. Götterdienste auf
(Brugsch, Gesch. Äg. p. 320—322), später von Bhodus 3 p. 83 f., Xenoph. Eph. de Anthia et
Amasis erobert (Hunclcer, Gesch. d. Ä. 4 p. 393, Habrocomc ed. Peerlkamp p. 41; ein Priester
Maspero, Gesch. d. Morgenl. p. 507), unterlag ZctgdmSog v.ul Ei'aiSog iv 'PoSco in einer In-
in Religion und Kunst schon früh dem Ein- schritt von Lindos, Foucart, Bev. arch. 1867,
flufs des Nillandes, vgl. Perrot, H. de l'art n.s. 16 p. 30f. nr. 71 Z. 12— 13, Pleic, De Sara-
dans Vant. 3 p. 522, 523, 526, 527, 529, 530,31, pide p. 34; ein Kollegium von 'Ioiaozui Iqcc-
33—35, 554, 675ff. 862 f. ; Heueey, Cat. des fig. eo vigzcü in der Inschrift Bull, de Corr. Hell. 13,
ant.de terre cuite du Muse'e du Lourrc 1 p. 119, 1889 p. 363—366; eine Widmung an Sarapis
125, 126f.,130ff. — Movers 1 p. 62 läfst in der und Isis im Wiener Kabinett, vom Sacken u.
saitischen Periode einen Isistempel in Soloi Kenner p. 61, C. I. Gr. 6842, wird von K. Keil,
(Strabo 14, 6 p. 245) errichtet werden und den Philol. 16 p. 32—33 ohne genügenden Grund
Adonis in Amathus den Charakter des Osiris nach Rhodos gewiesen. Der Kopfputz der Isis
annehmen (vgl. 2, 2 p. 221 Anm. 36; 241). Mög- erscheint als Beizeichen auf Silbermünzen mit
licherweise ist Isis (geflügelt) zu erkennen auf dem Namen : ArAöAPXOZ, Cat. Welü de Wetten-
den Silberschalen von Amathus und Kou- heim 1, 271, 6057; ATTOAAQNIOI, Friedländer,
381 Isis (Kult auf Samos , Chios etc.) Isis (Kult auf Lesbos, Delos etc.) 382
Ztsehr.f. Num. 7,1880p. 214— 215; APTEMQN, G. I. Gr. 2294: auf Münzen mit den Namen
Beyer, Thes. Brandeb. 1 p. 412, 8; Thes. exthes. des AIOAQPOX, Mi. 3, 269, 40 = Whitte 94,
Pal. sei. p. 230, 8; JEcM. Cat. 1, 181, 14; Mi. 164 u. MHNO 4>IAO[s], Whitte 90, 128 erscheint
3, 414, 113, PL 52, 1; 114; Brandis p. 482—3; als Beizeichen der 'Lotos' d. i. der Isiskopf-
EY0ANHI, Eclch.Cat. 1, 181, 17; Sestini, M. putz. In Methymna auf Lesbos wird inschrift-
_EM. 2 243, 4; Mi. 3 415, 120; Brandis p. 482 , lieh erwähnt die evvoSog zmv itsyulcov Zagct-
ire/rf271,6O65;ZHNßN-EÄ18;0PAXYME*riS, nteitov, Kaibel, Eph. ep. 2 p. 7. 29 nr. 29, vgl.
Mus. Hunter 249, 17 = Mi. 415, 134 u. Bran- p. 17, und in Mi tylene werden Dankinschriften
dis a.a.O.; MAHI, Hunter 249, 40; Combe, Mus. errichtet der Eloig ntlayiu svä-noog, C. I. Gr.
Brit. 181, 12; Mi. 415, 129; Sest., M. Hed. 2, 10 2174, und (von einem Alexandriner) dem grolsen
243, 6; ohne Namen Mi. 3, 422, 219; ein Sis- Zeus Helios Sarapis und der Herrin Isis, Lol-
trum soll vorkommen auf einem Stück mit ling , Mitt. d. H. Ar eh. Inst in Athen 11, 1886
ATTOAAßNIOI, Ämter 250, 54; Brandis p. 484. p. 265 nr. 3; eine Münze mit Tyche und Sara-
Das Haupt des Sarapis, oft mit dem Strahlen- pis giebt Dumersan, Cab. AUier de Hauteroclie
kränz, zeigen Bronzemünzen, Mi. 3 427, 274, p. 82, PL 14, 4, Mi. 6, 63, 77. Auf Silber-
275; Combe, Mus. Brit. 182, 26, Tab. 14, 20; münzen von Tenedos, die Head, H. N.p. 476
Mus. Hunter 252, 91, Tab. 45, 20; 92. Sarapis- etwa nach 200 v. Chr. ansetzt, erscheint Har-
priester von Lindos begegnen in mehreren pokrates als Beizeichen, Mi. 3, 672,273, de
Inschriften, 1) Bofs, Arch. Aufs. 2 p. 603 nr. 12; Dominicas, Bepert. num. p. 1, SIg. Lübbecke.
Keil, Phil. 16 p. 33; Plew p. 34; 2) Lötvy, so Für Thasos s. M. Beitr. 1 p. 122, 152; auf
AEMl, 1883 p. 136 nr. 72 Z. 6. 7; 3) Holleaux, einer Münze des Geta von Aigina sieht man
Diehl, B. C. H. 9, 18S5 p. 103/4 nr. 8 [b] Z. 4 die Isis, Imhoof, Gardner, Num. Comm. on
= Löwy, Künstlerinschr. p. 390 nr. 174b; Pausanias, Supplt., Journ. of hell. stud. 7,
4) (aus der rhodischen Peraia) Durrbach, Badet, 1887 p. 57, 7. Hinsichtlich des Hauptsitzes
B. O. H. 10 p. 248f. nr. 1 Z. 14/15; SsQctniaazai des ägyptischen Kultus im ägäischen Meer,
in Kameiros, Greeh Inscr. in the Brit. Mies. Delos, s. die. in M. Beitr. 1 p. 4 Anm. 5 ver-
2 p. 129f. nr. 353 Z. 10 — 11; die Widmung zeichnete Litteratur.
eines Solensers an Hekate und Sarapis in In Astypalaia werden ein Naos und
Kastellos, AEM 7, 134, 7; Journ. of hell. Götterbilder dem Sarapis und der Isis geweiht,
stud. 4, 138, 2. 30 Dubois, B. C. H. 7, 1883 p. 478 nr. 3; in
Auf Syme fand sich eine Weihinschrift an Anaphe kennen wir einen Priester des Sara-
Sarapis und Isis, Aristarchis, 'O iv Kcovav.'EXl. pis und der Isis, Biemann, B. C. H. I, 1877
<&ilol. Svll. IJaqa.Qzrip.cc xov iy' Tofiov. 1881 p. 286 nr. 62 Z. 5 — 7; auf los wurde ein Isis-
p. 78 nr. r"; auf Kos wird inschriftlich er- Hymnus gefunden, Weil, Mitt. d. T). A. Inst.
wähnt ein %oivbv zäv SsQuniaozäv , Lüders, i. Athen 1877,2 p. 80 u. 189, U. Kühler ebenda
Die dionys. Künstler p. 199, vgl. Num. Ztschr. 1878, 3 p. 162, M. Fränkel, Arch. Zeit. 1878
21 p. 125; in Samos ein Lsgevg zf,g"laLog, auf p. 131 — 132, Kaibel, Epigr. Gr. p. XX[ sub
dessen Antrag man beschliefst tfji 9scöl y.u&6zi nr. 1028; ebenso schon früher auf Andros,
«ai irpoTf gov äysigtiv), Eittenberger, Syll. I. Gr. Bofs, Inscr. Gr. ined. 2 p. 3 — 6 nr. 96, Sauppe,
nr. 393; ebenda erhalten Sarapis u. Isis eine 40 Hymnus in Isim. Turici 1842; Welcher, Bli.
Weihinschrift, Bev. arch. 1872, n. s. 24 p. 37 Mus. N. F. 2, 1843 p. 326—334, 3, 1845 p. 133—
nr. 3; und auf den Homonoia-Münzen von Sa- 138, Kl. Sehr. 3 p. 27lff. , Bergk, Z. f. A. W.
mos und Alexandria unter Gordianus Pius er- 1, 1843 p. 36 — 46, 49 — 52 , G. Hermann, Z. f.
scheint Isis Pelagia, Pellerin, Me'l. 2 p. 308; A. W. 1843 p. 377—383, Schmitz, Class. Journ.
Mi. 3, 293, 236; Gardner, Num. Chr. 1882 p. 287 1843 p. 34ff, Le Bas 2 nr. 1796, Kaibel 1028
nr. 137; Eckhel 2 p. 570; Isis mit Harpokrates u. p. XXI, Orphica rec. Abel p. 295 — 302; eben-
ist nach Gardner möglicherweise zu sehen in dort zeigt ein Relief einen gewissen JoiQÖ&tog
einer der beiden nemesisartig gekleideten als Isisdiener ('iuvenis Isiacus') C. I. Gr. 2348
Frauengestalten auf Münzen des Decius, Gard- u. eine Bleitessera den Anubis, Ann. d. Inst,
ner, PI. 6, 9 p. 287 nr. 33, Mi. 3 298, 269, 50 1868 p. 281 nr. 266. Sagani^Ca, in den April
270; Valerianus sen., Banduri 1 p. 116, Anm. 2, fallende Festlichkeiten zu Ehren des Sarapis,
vgl. Musellius 3 Tab. 220, 8, 1 p. 276, Vaillant, sind inschriftlich für Naxos bezeugt, E. Cur-
N. Gr. p. 178, Mi. 3, 300, 296; Gallienus, Mus. tius, Eh. Mus. 2 p. 95, C. I. Gr. 2416b, Le
Tlteupoli p. 815 ('Diana et Isis'), Mi. 3, 301, Bas 2, 2155, Fritz Bechtel, D. Inschr. d. ion.
303 ('Iunon = Pronuba et Nemesis'). — Head, Dial. Abh. d. h. ph. Cl. d. K. Ges. d. W. z.
H. N. p. 518 u. Gardner, Types of greeh coins Güttingen 34. Bd. p. 40 nr. 28, Lafaye p. 128.
PI. 15, 5 (auf einer des Commodus) nennen Auf Syros wurde der Isis ein Tempel von
die Figur Nemesis; vielleicht ist es die in- Claudius Secundus Viator errichtet, 'Aftijvcaov
schriftlich erwähnte EvayyBlig, Foucart, Mim. 3, 1873 p. 647f. nr. 11. Münzen zeigen die
de l'Ac. Sav. Etr. le ser. Tome 9, 1 p. 3S9; 60 Büste der Göttin unter Domitian, Dumersan,
Sarapis stehend vor dem Kaiser zu Rofs er- Cab. AUier p. 60; Leake, N. H. Swppl. p. 173;
scheint unter Decius, Mi. 3, 297, 266; Gardner Trajan, C. G. C. B. M. Crete and the aegean
p. 286 nr. 35; Head, H. N. p. 518. islands p. 125 nr. 23; Hadrian, Leake, N. H. S.
Von Chios kennt man eine Weihinschrift p. 173, Finder, Num. ant. ined. p. 34f. Tab. 2,
an Isis, Sarapis, Anubis und Harpokrates, 8, vgl. Dumersan p. 60; Marc Aurel (zweifel-
C.I.Gr. 2230, K.Keil, Philol. 16 p. 33, Whitte, haft), Cohen, Cat. Greau 134, 1586; M. Aurel
De rebus Quorum publ. p. 65, und auf Delos und L. Verus, Cat. Welzl de Wellenheim 195,
huldigt ein ^elavqrföqog aus Chios der Isis, 4615, Mi. S. 4, 408, 300, 301, 302 = Wiczay 1
383 Isis (Kult auf Kreta etc.) Isis (Kult in Athen) 384
Tab. 30, 658, 7412 u. Sestini, M. Hed. 2, 173, 4; auf religiösem Gebiet zeigten sieb bald. Zwar
Caracalla und Geta, Sest., M Hed. 2, 174, 7 = war die Einführung fremder Kulte dem Gesetz
Wiegay 7412 = Mi. 8. 4, 409, 306; Mi. S. 4, nach bei Todesstrafe verboten (A. Maury 3
409, 307, vgl. Le Bas, Hin. p. 28 Note 15, und p. 71 Note 2, Foucart, Des assoc. rel. p. 136—
die ganze Gestalt unter Commodus, C. G. C. 137, Lafaye p. 13), aber den Fremden war es
Br. M. 126, 28, PL 38, 9, und Severus Alexan- erlaubt ihre heimischen Götter zu verehren,
der, Wiegay 345, 7451 Tab. 30, 660, Mi. S. 4 Schümann, Opusc. acad. 3 p. 433—434, Fou-
409, 308, Sest, M. Hed. 2, 174, 8. Über ein cart p. 137, Lafaye p. 14. Schon vor dem
Relief mit Sistrum und lotosumwundenem Ge- Jahre 333 v. Chr. war, nach Vermutung U.
fäfs s. 'A&r)v. a.a.O. p. 649, Exp. sc. en Moree 10 Köhlers, Hermes 5 p. 352, Pleu-s, Die Griechen
PI. 15, F. V. ; Wieseler, Abh. d. K. Ges. d. 17'. in ihrem Verhältnis zu d. Gottheiten fremder
z. Gott. 19, 1874 p. 79 Anm. 5, der noch von Völker. Danzig 1876. 4°. p. 11, Dittenbergers,
einem ähnlichen spricht. Die 'A&r)v. p. 649— Syll. I. Gr. p. 494 Anm. 5 auf Antrag des von
650 erwähnte Figur mit einem Füllhorn in der denKomikernalsÄgypterverspotteten(jimfop/j.
L. stellt jedenfalls Isis nicht dar. Seefahrer Av. 1292, F. G. Gr. 2 p. 257, 2 p. 31 sq.)
verewigten sich '-nugäzm Zegum v.ccl zfj okojt?)' älteren Lykurgos, des Grofsvaters des Redners,
'A&r'/v. 4 p. 16 nr. 17. Ein Sarapiasten-Dekret den ägyptischen Kaufleuten gestattet worden,
ist erhalten aus Keos, 'Eq>. 'Ag%. 2629,3003, im Peiraieus ein Heiligtum der Isis zu errichten,
Foucart, Des assoc. rel. p. 222f. nr. 42; Luders, Kumanuclis, IJciXiyysvsBia 1870, 10. Sept.,
D. dionys. Künstler p. 160 nr. 27; Hicks, 20 'A&fyaiov 5, 1876 p. 330, 6, 1877 p. 488, U.
The Coli, of anc. gr. inscr. in the Brit. Mus. Köhler, Hermes 5 1871 p. 351 ff. , G. I. A. 2,
1 p. 42. 1, 168, Foucart, Des assoc rel. p. 187, Ditten-
In Kreta, welches den Ptolemäern zahl- berger, S. I. Gr. p. 493 — 494 nr. 355, vgl.
reiche Söldner lieferte (Luvibroso,Mech.s. l'econ. Bull. d. Inst. 1872 p. 103—104, Schümann,
pol. de VEg. p. 151) mufs nach G. Doubltts Griech. Altert. 23 p. 407 Anm. 1, Lafaye p. 14,
Ergänzung der Inschrift B. G. H. 13, 1889 Curt Wachsmuth, D. Stadt Athen im Altert. 2,
p. 74 f. nr. 10 zu EioiSl .... ['Avo-ißi oder 1 p. 152 f. Anm. 4. Dies war ein Privatbeilig-
'Ooi'qlSl] 'AqzsjiiSi I %agiGzijov Isis in der tum von Ausländern. Von den Athenern selbst
Nähe des heutigen Tibaki verehrt worden sein, wurde der ägyptische Kultus angenommen
doch ist vielleicht das 61CIAI zu 6ICIAC0POC 30 unter dem Einflufs der Ptolemäer, die mit Athen
zu ergänzen; für Phaistos vgl. Ocid Mtt. 9, freundschaftliche Beziehungen unterhielten.
666 — 797, Lact. Placid. narr. fabb. 9, 10 p.855 — Paus. 1, 18, 4 berichtet: svtsv&sv lovaiv ig
856 ed. Staveren; für Sarapiskult in Poiki- za xärco zftg nolicag, ZagcmiSog iaziv [tgov,
lassos s. Sprait, Trav. and Researches in Creta ov 'A&rivctLoi Ttagä Tlzolifictiov %-iov iorjydyovzo.
2 p. 244, 428, 429 nr. 16, PI. 2, Conze, Arch. Ob der erste oder zweite der Ptolemäer ge-
Z. 1864. Anz. p. 169* nr. 2, Bursian 2 p. 548 meint ist, steht nicht ganz fest: Welcher, Kl.
Anm. 2; in Phönice (Lutro) C. I. L. 3, 3. Re- Sehr. 3 p. 100, Droysen, Gesch. d. Hell. 32, 1
liefbildchen des thronenden Sarapis aus ge- p. 48 Anm. 2, Lüders, D. dionys. Künstler p. 15,
brannten! Thon aus der Idäischen Zeusgrotte Lenormant, Rech, ä Eleusis p. 216, Letronne,
verzeichnet E. Fabricius , Milt. d. D. A. Inst. 40 Mein, de V Inst. (Ac. d. I. et B. L.) 19, 1851
i. Athen 11 1885 p. 69. Der Lyktier Menoitas p. 94 — 95 sind für Soter, dagegen Boeckh, C.
weiht dem Sarapis Bogen und Köcher bei I. Gr. 1 p. 120, p. 162, Rathgeber, Ann. d. Inst.
Kallimachos, Anth. Gr. 1 p. 216 nr. 18, Pleic, 1838 p. 43, Meier, Comm. epigr. 1 p. 34 zu
De Sarapide p. 92; den Kreter Basilis heilt nr. 29, Plew , De Sarapide p. 32 — 33, Rhan-
der Gott von der Schwindsucht, Ael. de n. a. gäbe, Ant. hell. p. 433 zu nr. 811, Preller, Ber.
11, 35. — Auf Bronzemünzen von Leukas mit d. Sachs. Ges. 1854 p. 196, Hicks, The coli, of
dem Beamtennamen TIMO06OC erscheint der anc. greek inscr. in the Brit. Mus. 1 p. 41 zu
Isiskopfputz als Beizeichen, Mus. Theupoli p. nr. 21, Curt Wachsmuth, D. Stadt Athen i.
1276, Mi. S. 3, 468, 110, 111, Leake, N. H. Eur. Altert. 1 p. 625, ü. Köhler, Mitt. d. D. A.
Gr. p. 63, Postolakas, Kar. zäiv äg%. vr]catv 50 Inst. i. Athen 6, 1881 __p. 370 und Lafaye
Kegxvgug, Aiv-ndSog k.z.I. p. 85 nr. 862, 863; p. 311 für Philadelphos. Über die Lage dieses
desgleichen auf einer Silbermünze mit AAMO- Heiligtums stellen Vermutungen an Rofs, De-
KPATHI, Postolakas 65, 676, Pinax F. Eine men p. 84 nr. 127, p. 95, 164 u. Arch. Aufs. 2
Widmung an Sarapis und Isis auf Corcyra p. 654 zu nr. 7, Rhangabe, Ant. hell. p. 749
teilt mit Curt Wachsmuth, Rh. Mus. N. F. 18, nr. 1097, Pi eller u.&.O., Dyer,Anc.Athensrj. 268 —
1863 p. 550; eine Gemme der Sammlung Wood- 269, C. Wachsmuth a.a.O. 1 p. 223 — 224, Bur-
house mit Sarapis-Helios-Ammonkopf Vischer, sian, Geogr. d. a. Gr. 1 p. 295, vgl. Anm. 3,
Kl. Sehr. 2 p. 6, O. Riemann, Rech. arch. s. les iles Cwrtius, Att. Stud. 2 p. 52, J. A. Murdtmann,
ioniennes 1. Corfou. Bibl. d. ecoles fr. d'Ath. et Rtv. arch. 1879, 37 p. 261 — 262, L. Petit de
de Rome fasc. 8 p. 55, § 14 nr. 3, vgl. p. 58 über eo Juleville, Archivcs d. Miss, seient. et litt. 2e ser.
kleine ägyptische Statuetten der Sammlung Tome 5. Paris 1868 p. 483—484.
Panayotis Patrikios. Jilz. üg%. 4, 43, 20. Ein Isisheiligtum setzt man an auf dem
Für das griechische Festland vgl. die in Südabhang der Akropolis , ü. Köhler, Mitt.
M. Beitr. 1 p. 4 Anm. 2 verzeichnete Litte- d, D. A. Inst. i. Athen 2, 1877 p. 246-249,
ratur. Hier ist natürlich Athen ein Haupt- 256 — 258, C. I. Att. 2, 3, 1671; Kovu.avovdi]g,
sitz des ägyptischen Kultus. Im 4. Jahrh. 'A&rjvatov 5, 1876 p. 330 nr. 11, i\ Sybel, Kat.
v. Chr. stand es durch Politik und Handel in d. Skulpt. z. Athen p. 335 nr. 4979, P. Girard,
lebhaftem Verkehr mit Ägypten. Die Folgen L' Asclepieion d'Athenes p. 8 — 10, 19. Auf die
385 Isis (Kult in Athen) Isis (Kult in Athen) 386
Restauration dieses Tempels, in dem ein Bild nete ant. di Atene p. 17, 21 u. Bull. arch. nap.
der Aphrodite aufgestellt gewesen sei, bezieht n. s. 1859 p. 125, 128, Grotefend, Chronol. An-
Köhler, Mitt. 2 p. 256-257 die In.-chrift C. Ordnung der ath. Silbermünzen p.. 8, 18, 20, Pa-
1. A. 3, 1, 162 = G. I. Gr. 481, Keil, Rh. Mus. nofka, V. e. Anzahl ant. Weihgeschenke. Berlin
19 p. 216_, E. L. Hicks, The Coli, of Gr. Inscr. 1842. p. 52. Als Typen der meist iu der Um-
in the Brit. Mus. 1 p. 126 ff. nr. 57, die von gegend von Athen gefundenen Bleitesseren
anderen so gedeutet wird, als habe die Stifte- der athenischen Sammlungen werden verzeich-
rin ein Bild der Aphrodite in einer Nische bei net: Haupt des Sarapis, Postolakas, Aun.d. Inst.
dem Isistempel geweiht. Ein Isistempel wird 1866 p. 354 nr. 283, 344, 75; 1868 p. 303, 5;
auch erwähnt C. I. A. 3, 896 (£is"loiSos) ; in- 10 Synopsis n. v. qui in Mus. Num. Athen, publ.
schriftliche Widmungen haben wir an Isis adservantur p. 38 nr. 7; p. 86 nr. 3; Engel, B.
C. I. A. 3, 905; an Isis-Dikaiosyne C. I. A. 3, C. H. 8 p. 13 nr. 98, PI 3; Akerblad, Iscriz.
203 = K. Keil, Philol. 16 p. 33 Anm. 33 u. Rh. greca sopra una lamina dipiombo trorata inun
Mus. N. F. 19 p. 261, Lenormant, Rech. arch. sepolcro neue vicinanze di Atene. Roma 1813.
ä Elcusis p. 217; an dieselbe nach Ditienberger, p. 24 = C. I. Gr. 7042 (mit der Aufschrift
G. I.A. 3, 204; an Sarapis und Isis, G. I. A. Etg Zeus 2Jigunis); Sarapis in ganzer Gestalt,
2, 3, 1612; an Isis und die ägyptischen Götter Postolakas, Synopsis p. 88 nr. 2; Haupt der Isis,
C.I.A. 3, 204 = K Keil, Rh. Mus. N. F. 19, Engel a.a.O. p. 10 nr. 64, PI. 3; Isiskopfputz,
1864 p. 261- 262; u. (nach JDütenberger) C. I. A. Postolakas, Ann. 1868 p. 299 nr. 704, Synopsis
3 233; an Sarapis allein C. I. A. 3 145a 20 p. 93, 6, 36, Engel, B. C. H. 8 p. 10 nr. 64,
p. 487. Von Priestern begegnen Stolibten, so PI. 3; Sistrum, Engel p. 21 nr. 221.
ein teQ£v(g) CToki6zi)g "Iaidos v-al EtqontiSog Zahlreich sind die Reliefdarstellungen der
C. I A. 3, 140 = Arch. Zeit. 1875 p. 105 attischen Damen im Typus der Isis (s. v. Sybel,
Anm. 4, Wieselet; Gott. Nachr. 1874 p. U— 1 5 ; Mitt. d. D. A. Inst. i. Athen 8, 1883 p. 26,
ferner C. I. A. 3 163 = K. Keil, Rh. Mus. Milchhiifer, I). Museen Athens p. 26), welche
1864 p. 257, 261, C. I. A. 3 162; C. I. A. 3 beide sich gegen die übliche Bezeichnung der-
699 = K. Keil a.a.O. p. 259 — 260, C. I. Gr. 394, selben als Isispriesterinnen erklären; es sind
und Kanephoren, so des Sarapis und der Isis, zu verzeichnen Rev. Arch. 1883, 3e seV. 1 p. 247
C. I. A. 3, 923 = K Keil a. a. 0. p. 261 und der (Patissia); Chirac 5, 295, 2590; v. Sybel, Kat.
Isis allein, C. I. A. 2, 3, 1355 = Milchhiifer, 30 d. Skulpt. l. Athen 94, 530; 124, 876; 142,
M. d. D. A. I. i. Ath. 12, 1887 p. 328 nr. 487. 111S; 148, 1307; 152, 1468; 156, 1549; 157,
— Ein %r,ivbv x]üv Saganiaazoiv erscheint 1571; 168, 2008(?); 183,2295; 248,3395; 252,
G. I. A. 2, 1, 617 = C. I. Gr. 120, Foucart 3480; 256, 3535; 266, 3685; 331, 4835(9); 389,
p. 207 nr 24, Hicks a a.O. p. 40—42 nr. 21; es 6262; 390, 6275; 395, 6398 (?); 396, 6414; 398,
wird von Plew p 33 und Flicks p. 42 fälschlich 6443; 402, 6552; 413, 6717; 433, 7007; 437,
mit dem Sarapieion in Athen, das, wie C. Wachs- 7067; 444, 7170; 81, 447 = Milchhiifer p. 26 =
muth, D. Stadt Athen 2,1 p. 163 Anm. 1 be- Lafaye 298, 114 = C. I. A. 3, 1898; 82, 451 =
merkt, ein öffentliches Heiligtum war, in Zu- C. I. A. 3, 2199; 83, 456 = C. I. A. 3, 2723
sammenhang gebracht; von Foucart p. 101 wird (Milesierin); 84, 461 = C. I. A. 3, 1557;
es ohne Grund in den Peiraieus verlegt; Keil, 40 85, 467 = G. I. A. 3, 1752; 85, 468 = C.
Schedae epigr. p.39— iO und Lüders p. 159 nr. 26 I. A. 3, 1340; Rev. Arch. 1876 p. 346 nr. 6
Anm. 1, vgl. Wachsmntha,. a.O. sprechen Zweifel = G. I. A. 3, 1740; Rev. Arch. 3e ser. 6, 1885
hinsichtlich der attischen Herkunft des Steines p. 108 = Michaelis, I. H. Stud. 5, 1884 p. 153 f.
aus. Die von Lafaye p. 14 Note 2 für Horos- nr. 19 (Sülammierin). Ein Architekturfragment
kult in Laurion citierte Inschrift Rh. Mus. N. F. mit angeblich Isis und Sarapis in Schlangen-
24, 1869 p. 476 — 477 ist eine Grenzstein-Inschrift. form verzeichnet Lafaye 270, 18; Sarapisköpfe
Eine Opferliste erwähnt Gaben an Nephthys v. Sybel 268, 3715 = Milchh. p. 44 u. Heyde-
und Osiris, C.I.A. 3, 77 = C. I. Gr. 523 mann, Die ant. Marmorbildwerke z. Athen -p. 293
Z. 4— 6; das von Hesychios angeführte athe- nr. 794; v. Sybel 254, 3512; Harpokrates v. Sybel
nische Fest XaQyoovva bezieht Waddington, 50 267, 3713, einen Pastophor v. Sybel 7, 38 =
As. Min. zu nr. 1143 auf den Isiskult. Unter Milchh. p. 3. Einen Elfenbeingriff mit der
den Münzen führt Reihe 58 des Cot. of. Gr. sitzenden, den Harpokrates säugenden Isis auf
Coins in the Brit. Mus. Attica-Megaris- Aeyina , der einen und einem Uräus auf Altar in einem
Demeas-Hermokles den Hauptschmuck der Isis, Tempel auf der andern Seite s. in Coli. H.
p. XL VII, p. 44 nr. 360, 361, Beule, Les monnaies Hoffmann. Vol. 2. Paris 1888 p. 151 nr. 572,
d'Athenes p. 245 — 246; Reihe 77 Architimos- abgeb. p. 152; ein goldnes Leichendiadem mit
Demetri Isis stehend in langem Chiton und Harpokrates und Isis neben zahlreichen an-
Peplos, eine Lotosblume haltend, p. L, p. 40 deren Götterügürchen Coli H. Hoffmann. Paris
nr. 339, PI. 12, 6; nr. 340; Imlioof and Card- 1886 p. 52 nr. 196. Einen Sims mit Sistrum am
ner, Num. Comtn. on Paus. 3, I. H- Stud. 8, 60 Schaft verzeichnet v. Sybel 448, 7233; den
1887 p. 47, 22, PI. EE 9; Reihe 79 Derneas- Fund eines Sistrums in einem Grab aus später
Kallikratides__ Isis oder Demeter im langen Zeit Rofs, Arch. Aufs. 1 p. 37 — 39; Sistra im
Chiton und Überkleid, Kornähren und lange Varvakeion Wieseler, Abhcll. d. K. Ges. d. W.
Fackel oder Scepter haltend, mit dem Haupt- 2. Gott. 19, 1874 p. 119 Anm. 31, Revue arch.
schmuck der Isis, p. L; Imhoof- Gardner p. 47 — 17 1868 p. 467— 68. Die zahlreichen mit den
48, 22, PL EE 10, Beule p. 248; vgl. noch Namen der ägyptischen Gottheiten zusammen-
über die Münzen Hase, Ann. d. Inst. 1839 gesetzten Personennamen findet man becpjem
p. 276, Cacedoni, Kuovi studi intorno alle mo verzeichnet im Register zum C. I. A.
Koscher, Lexikon d. gr. u. röm. Mythol. II. 13
387 Isis (Kult in Thessalien, Epirus etc.) Isis (Kult zu Tithora, Chaironeia etc.) 388
Ferner sind zu nennen als Stätten ägyp- Perlhühner opferten, Paus. 10 c. 32 § 9 mit
tischer Gottesverehrung in Thessalien Hypata, der Note von Siebeiis 4 p. 288 — 299, vgl.
das auf den Münzen der Aiuiauen aus der Zeit Gcorgii in I'aulys R.-F. 4 p. 293, Preller,
von 168—146 v. Chr. (NIKAPXOX) den Isiskopf- Bei: d. Sachs. Ges. 1854 p. 196—197, Sauppc,
putz prägt, 0. G. C. Br. Mus. Thessäly p. 11 Hymnus in Isim p. 8, Reiche!, De Isidis apud
nr. 12, Sestini, Bescr. d'alc med. gr. del Mus. Romanos cultu p. 22—25, Gerhard, Gr. M. 2
del sig. Fontana 2 p. 15, Tav. 3, 3, und auch p. 320- 321 § 999, A. Maury, Hut. des rel. de
ein Zeichen von Sarapisverehrung hinterlassen la Gr. ant. 3 p. 276 — 277, Büchsenschütz, Bc-
hat, Rofs, Arch. Aufs. 2 p. 475 nr. 5; Deme- sitz und Erwerb im gr. A. p. 475; Bursian,
trias auf der Halbinsel Magnesia mit einem 10 Geogr. v. Gr. 1 p. 167, Schotmann, Gr. A. 23
Sarapieion nach Lolling, Mitt. d. B. A. Inst. p. 407; Hertzberg, Gesch. Griechenlands unter
i. Atli. 7 1882 p. 335 ff., wogegen J. H. Mordt- d. Herrsch, d. Römer 2 p. 272-273; L. P. A.
mann ebenda 14 p. 198; Larissa, wo Apul. Gaulhier, Rech. hist. s. Vexercice de la me'decine
Met. 2 p. 143 ed. Hildtbr. einen ägyptischen dans les temples chez les peuples de l'ant. Paris
propheta primarius erwähnt (vgl. Lafaye p. 77— 1844 p. 95; Panofka , Asldepios u. die Askle-
78), Sarapis, Isis und Anubis eine Weihinschrift piaden p. 297—298. Über eine Weihinschrift
erhalten (G. Fougires, B. C. H. 13, 1889 p. 392 aus dieser Stadt s, oben Bd. 1 Sp.2305 =Bechlel
nr. 8), die Grabplatte einer Frau Sistrum und nr. 1554. Ebendaher stammen sechs Freilas-
Situla (Lolling, Mitt. d. D. A. I. i. Alh. 11, 1886 sungs Urkunden (Bcchtel p. 83—89 nr. 1555 a— f,
p. 125 f. nr. 70), die Grabstele eines Mannes ein 20 vgl. Curtius a a. 0 p. 21) in Form des Verkaufs
Sistrum zeigt, Lolling ebenda 11 p. 53, Blümiur an Sarapis, über welchen Brauch man vgl.
ebenda 14 p. 158 f.; wo aufserdem zahlreiche Wdllon, Hist. de V esclavage 1* p. 193 n. Note 4;
Personennamen von Isis abgeleitet sind (vgl. p. 337 — 346, 349—350; Boissicr, La rel. rom.
auch Ztschr. f. äg. Spr. 1890 p. 60). a" Auguste aux Antonins 2- p. 319 f. Note 3;
In Epirus haben wir eine Widmung des Scltocmann ls p. 145; 2 p. 219; Henzcn, Bull,
■xoivbv xäv Si.aY.6vav an Sarapis, Isis, Anubis, d. Inst, 1844 p. 31 — 32; Beule, Fouilles et de-
Harpokrates, aber wohl nicht Kanopos, wie com: 1 p. 113 — 192; Weil, Mittig. d. B. A.
Boeckh will (G.I.Gr. 2, 180, X Keil, 4. Suppltbd. Inst. 1879, 4 p. 26—29; Rangale, Ant. hell.
d.Jahrbb. f. cl. Phil. 1864, p. 653 Anm, 72, le p. 642—644; Foucart, Mein. s. l'aff'runchisse-
Bas 2,1060) in Ambrakia. Auf den Münzen 30 ment des esclaves d'apres les inscr. de Delphes.
von Neikopolis erscheint Isis stehend mit Paris 1867 u. s. v. Apeleuthcroi in Barembergs
Scepter und Situla unter Augustus (unter dem et Saglios Biet, des ant. — Besonders in Böotien
Namen MYPKONYMOC), L. Müller, Mus. Thor- trifft man derartige Sklavenverkäufe an Sarapis
veddsen p. 251 nr. 36, PL 3, Cavedoni, Bull. häufig an, so in Koroneia, Rofs, Inscr. Incd.
arch. nap. 6, 1358, p. 93; vgl. Mus. Sandern. 1 p. 38 nr. 86; Curtius, Anecd. Bclph.-p. 21 — 22;
N. Sei. 1, p. 21, Tab. 13, 12, Mi. S. 3, 372, 87, K. Keil, S. I. Boeot. p. 88- 89 nr. 21; Le Bas
Boutkoicski 1298, 2219; Hadrian, Vaillant, N. 2 p. 148 nr. 666; in Chaironeia, 1) G.I. Gr.
Gr. p. 35, Mi. 2, 57,85; Seslini, Mus. Fontana 1608, a— h = Le Bas 2 p. 164 nr. 797, a, b,
1, 38, 9 = Mi. S. 3, 378, 133; Cat. Knobelsdorff c, e, f, g, n = Leakc , Travels in Northern
p. 89; Aelius, Vaillant p. 38 = Mi S. 3, 380, 40 Greece 2 p. 62S— 629 nr. 1 — 7; Keil, S. I. B.
151; C. G. C. Br. Mus. Thess. p. 104 nr. 21, p. 107—108 nr. 1608, a— h; 2) Preller, Bei: d.
PI. 19, 6; Sarapis thronend unter Plautilla, Sachs. Ges. 6, 1854 p. 198—202, Tf'l. 9, 10 =
Cat. Northwick 1, 70, 746; ein silbernes Figur- Conzeu. Michaelis, Ann. d. Inst. 1861 p. 77 — 78
eben dieses Gottes wurde zu Paramythia ge- nr. 1 — 3 = Larfeld, S. I. B. p. 51 — 52 nr. 54,
funden, Spec. of anc. sc. 1 pl. 63, Müller, Hdb. 55 A. B; Latischew, B. C. H. 8, 1884 p. 56—57
d.A.d.K3. p. 671, §408 Anm. 2; Michaelis. J. nr. 2, a— c = Meister, B. boot. Inschr. Slg.
IL Stud. 6, 1885 p. 303-304. In einem zwei- d. gr. Bial. Inschr. ed. Collitz 1 p. 153 — 154
säuligen Tempel erscheint Sarapis auf einer nr. 400—404; 3) Stamatakis, 'A9i]venov 9 p. 320
Münze des Septimius Severus von Kalydon = Larfeld 53 c = Meister 382; Stamatakis a.a.O.
(M. 2, 189, Mi. 2, 89, 23) in Aitolien, dessen 50 p. 353 — 360 = Larfeld 53 d A. B. C. D. E;
Bewohner ein Hauptkontingent der Söldner der 53 e; 53 f. A. B. C; 53 g. A. B; 53 h. B; 53 i.
Ptolemäer stellten (vgl. den "Iaiog bei Polyb. A. E. K = Meister 383—389, 391—399; 4) Be-
ll, 3). Für Ambryssos in Phokis s. oben charme, Rec. d'inscr. ine'd. de Bc'otie (S.A. aus
1 Sp.2305, desgl. für Hyampolis oder Opus. Arch. d. Miss, scientif 1867) p. 32 nr. 17, 18
Ein Sarapistempel stand in Daulis, Rofs, = Larfeld nr. 56- 57 = Meister nr. 405 — 406;
Inscr. Incd. 1 p. 35-36 nr. 81 Z. 24—25; Cur- 5) Latischew, B.C.H. 8, 1884 p.53— 63 nr. 1-8,
Mus, Anecdota Belphica p. 23—25, le Bas 2 wovon la; 2a, b, c; 3a, b; 4; 6, Cotö A, nr.
p. 168 nr. 812, Bechtel, Die loh: u.phok. Inschr. c u. f; Cote B, nr. 1, m, n; 7, Cote a = Meister
Slg. cl. gr. Bial. Inseln: 2, 1 p. 66—67 nr. 1523. 406 c; 400 a, 401, 402; 406 a, b; 406 d; 406 f,
In Delphi war jene Klea, der Plutarch 60 g; 406 h, i, k; 4061; sowie in Orchomenos,
seine Schrift über Isis und Osiris widmet, Meister nr. 497 — 501; Becharme p. 494 — 497
schon von den Eltern her xoiq 'OaigictKoig «a- nr. 4 = Latischew, B. C. H. 1884 p. 71 — 73
aJ-coeicofifj'jj tBQOis, Plut. de ls. et Os. c. 2 u. nr. 4. Aufserdem kennen wir aus Chaironeia
35. Tithora besafs in einiger Entfernung eine äyvozätn isgacpögog zijg äyi'ag Ei'atöog, ti-
von seinen Mauern den heiligsten von Griechen pf ta 8ta ßiov zijg ano aiiQiäSog Ei'aiäog. Hennen,
der Isis errichteten Tempel mit 2 Festen im Ann. d. Inst. 1866 p. 139 — 149; Bull. d. Inst.
Frühling und Sommer, andenen die Reicheren 1866 p. 103; Arch. Anz. 1866 p. 233*; G. Wölff,
Kühe und Hirsche, die Ärmeren Gänse und Arch. Zeit. 1867 p 55 — 56; E. Pleic , Johrbb.
389 Isis (Kult in Böotien, Megara, Korinth) Isis (Kult in Sikyon, Argos etc.) 390
f. Ja. Phil. 14. Jahrg. 1868 p. 839— 840 nr. 109; Mi. 2, 139,226; Coli. 22, 98, 15; I.-G. 1, 17,
Deckarme, Arch. d. miss. sc. et litt. 2e s. t. 4, 11; Antoninua Pius, Mi. S. 4, 88, 592; Cat.
1867 p 509—513 nr. 16, und Weihinschriften Wehl 1, 173, 4164; von Kenner, D. Münzs. d.
an Sarapis, Isis und Anubis, Meister p. 149 Stifts St. Florian p. 95 für Aphrodite Euploia
nr. 381; p. 150—151 nr. 390; p. 391 nr. 406e; gehalten, nach Cvh. 2-, 400, 1213 auf einem
aus Orchomenos einen früheren Priester des Schiffsvorderteil stehend; L. Verus, Sestini, M.
Savapis, der Isis und des Anubis, s. oben Bd. 1 Hed. 2, 102, 212; I.-G. 1 p. 17, 12, PL D, 64;
Sp. 2305; indessen mit Deckarme a. a 0. p. 497 Plautilla, Coh. 42, 250, 40. Irrig will Wieseler,
— 498 nr. 5 das reo deiner Weihinschrift (ülmfer Gott. Nachr. 1871 p. 656 Isis Pelagia in der
505) zu T« £[iQtt7T£io> zu ergänzen ist zu kühn. 10 Leukothea Imh., M. Gr. 159, 15; Choix PI. 2,
Dagegen ist ein Sarapistempel in Kopai durch 50; Comm. 1, 12, 2, PI. B, 18; Scstini, C. N. V.
Paus. 9, 24, 2, vgl. Plew, De Sarapide p. 34; Mus. Arig. Gast. p. 38 auf Münzen des Ant.
Ledke a. a. 0. 2 p. 307 bezeugt, u. in Tanagra Pius und L. Verus sehen; irrig auch erkennt
ein üymv r[äv] ZagaTiiit'cov , Haussoullier , B. Caronni den Sarapis auf einer Münze des
CM. 2, 1878 p. 590 nr. 22; ebendort fand Commodus, Wicmy 1, 157, 3956, s. Seit., M.
sich ein Relief, darstellend eine Isisdienerin, Med. P. Eur. 2, 103, 222; und Mi. S. 4, 119,
G. Körte, Mitt.d. D. A. Inst. i. Ath. 1878, 3 815 und Cohen (42, 129, 281) auf einer der Iulia
p. 342 nr. 54; in Plataiai huldigt man in- Domna, Mus. Arig. 2 Co]. 10, 100. Eine an-
schriftlich dem Sarapis , der Isis und dem geblich aus Korinth stammende Inschrift auf
Anubis, Hermes 7 p. 424 nr. 22; in Theben 20 Isis Pelagia verzeichnet Villoison, Hist. de
der Isis, Bangabc', Ant. Meli. p. 778 nr. 1213; V Acad. 1809 p. 306, Curtius, Pelop. 2 p. 593,
K. Keil, 4. Suppltbd. d. Jnlirbb. f. kl. Phil. Anm. 83; einen Scarabäus mit Sistrum, Pappa-
1864 p. 583 nr. 1. Ebendort droht eine Uqa- dopjmdos , üsgiyg. tv.xvn. kq%. GcpQuyiSoli&mv
yoQOs für etwaige Verletzung des Sarges mit uvty.d. Athen 1855 p. 26 nr. 505.
einer an Isis zu zahlenden Strafsumme, Lealce Sikyon prägt Isis stehend auf seinen
2 p. 225 Anm. 2 PI. 10, 43; K Keil, S. I. B. Münzen unter Geta, Imk.-Gardner N. C. Suppl.
p. 151 — 152 nr. 36; Le Bas 2 p. 115 nr.548. Über p. 158, Sarapis sitzend unter Plautilla, Eckh.
eine Isis- und Anubispriesterin in Thespiai 2, 263, Mi. S. 4, 171, 1137, Cat. Korthwick 1,
siehe oben Bd. 1 Sp. 2305, wo fälschlich 80, 848, IG. p. 31. Ein itgov der Isis in
Plataiai steht. 30 Phlius kennt man aus Paus. 2, 13, 7, Curtius
In der Megaris ist ein vaog der Isis be- 2 p. 475, Sauppe a. a. 0. p. 8, Mertsberg 2
kannt in Megara aus Paus. 1, 41, 4; Hertz- p. 272 Anm. 49. Auf den Münzen von Kleonai
berg, Gesch. Gr. u. d. Rom. 2 p. 272, 49 a; erscheint Isis stehend mit Sistrum und Situla
Sauppe, Hgmn. in Isim p. 8, und zu Pagai unter Plautilla, I.-G. p. 32, C. G. C. Brit.
durch eine Münze des Commodus, die sie in Mus. Peloponnesus 115, 15, PL 29, 10, Isis
einem Tempel stehend zeigt, Mus Arigoni 1. Pelagia mit dem Segel unter Caracalla, Kenner
N. Gr. Impp. al. Tb. 6 fig. 94; Mi. 2, 144, a. a. 0. p. 95 Tfl. III, 9 („Aphrodite Euploia"),
336; Sest., M. Hed. P. Eur. 2, 78, 1; Wiczay Imh., M. Gr. p. 159 zu nr. 16, I.-G. p. 32.
1, 149, 3786; Sest., L. X. 8 p. 46; Musellius InArgolis prägt Argos Isis stehend unter
Tb. 142, 5; Imhoof-Blumer and P. Gardner, 40 Hadrian, l.-G. p. 42, Antoninus Pius, Vaill.,
Num. Comm. on Pausanias p. 154, 1, PL FF, 4, N. Gr. p. 41, Mi. 2, 234, 41, vgl. S. 4, 243, 45,
während sie auf einer Münze des Septimius leake, N. H. Enr. Gr. p. 14; Commodus, Mus.
Severus von dieser Stadt dem Asklepios gegen- Arig. 2, 17, 209, Sestini, C. N. V. M. Arig.
über steht, I.-G. a. a. 0. Cast. p. 49, Mi. S. 4, 246, 70; Septimius Se-
in Korinth gab es 2 Tempel der Isis, verus, Mus. Fontana 65, 17, Mi. S.i, 247, 45;
nämlich der nsXctyi'u und der Alymixia und Maesa, Sestini a. a. 0. p. 50, Mus. Arig. 1 al.
2 des Serapis, wovon der eine den Beinamen 2, 186, Mi. S. 4, 254, 118; Mamaea, IG. p-42;
sv Kav<aßov (vgl. Guigniaut , Le dieic Serapis sitzend, den Horos säugend (?) unter Hadrian,
p. 25; Jablonski, Panth Aeg. 3 p. 136; Visconti, I. G. p. 42 PI 50, 12, C. G. C. Br. Mus. Pelop.
Musee Pie-Clementin 6 p. 111 Note 2 zu p. 109; 50 148, 151 PL 28, 13. In Epidauros errichtet
Plew p. 33 — 34) führte, Paus. 2, 4, 7; Curtius, nach Paus. 2, 27, 7 Antoninus (nach Eckh. 7
Peloponnesos 2 p. 532f., p. 593, Anm. 83; Hertz- p. 33, Buttiger, Kl. Sehr. 2 p. 121, Cavcdoni,
berg, Gesch. Griechenl. unt. d. Römern 2 p. 269 Spie. num. p. 105, Panofka, Asklepios und die
Anm 40; Sauppe, Hymnus in Isim p. 8; Pauhjs Asklepiaden p. 286, Hertzberg 2 p. 358 f., Bur-
R.-E. 2 p. 648. Das uqov der Isis im Hafen- sian 2 p. 15, Friedländer 23 p. 117 im Wider-
ort Kenchreai (Paus. 2, 2, 3; Curtius 2 p. 53S) sprach gegen Sievers, Stud. z. Gesell, d. röm.
ist bekannt durch die Schilderung des Apul. Kaiser p. 182 Anm. 45 der spätere Kaiser A.
Met. 10. 11, vgl. Jablonski , Panth. Aeg. 3 Pius) der Hygieia, dem Asklepios und Apollon
p. 114, 197, und Münzen des Antoninus Pius, mit Beinamen der ägyptischen, in denen Pa-
Millingen, Bec. de quelques med. gr. ined. p. 46 60 nofka p. 286 und TT. Furtwängler, D. Idee d.
nr. 2, PL 2, 19; Imhoof- Gardner , Numismatic Todes in den Mythen u. Kunstdenkmälern d.
Commentarg on Pausanias 1 p. 17, PL D, 60. Gr. p. 148 Anm. 3 Isis, Sarapis uud Horos er-
Aut den Münzen erscheint Isis stehend mit kennen, einen Naos. Hermione hatte einen
Sistrum und Situla unter Hadrian, Mus. Arig. Tempel der Isis und des Sarapis, worin man
1 col. al. 4, 39; Mi. S. 4, 81, 546; Collen 22, Mysterien der Demeter beging, Paus. 2, 34,
237, 1536; Imh.-Gardn. 1 p. 25 nr. 31, PL F, 10, Silvestre de Sacy zu St. Croix , Beck. s. I.
119, und Isis Pelagia, ein Segel ausbreitend myst. du paganisme 2 p. 35, Curtius 2 p. 458,
unter Plotina, Vaill. CA. 1 p. 151 ed. 1695; Bursian 2 p. 96, Sauppe p. 8, Plew p. 34,
13*
391 Isis (Kult in Latonien etc.) Isis i Kult in Sardinien; I. geflügelt) 392
Hertzberg 2 p. 267 Anm. 33, p. 271 Anm. 44; 1495, Boutkoicski 1, 197, 470, Feuardent, Eg.
Methana hatte ein Hieron der Isia, Paus 2, anc. 1, 127, 443, I.-G. p. 82, 15, C. Gr. C.
34, 1, Sauppe p. 8, Curtius 2 p. 442, Hertzberg 2 Pelop. 23, 14 PI. 5, 9; auf Philai brachte ein
p. 271, A. 45; ebenso Troizen, Paus. 2, 32, 6, Patrenser bei der Isis sein ngoay.vvriua dar,
Sauppe a. a. 0., Curtius 2 p. 437, Hertzberg 2 C. ,1. Gr. 4899, Letronne, Rech. p. s. ä l'h. de
p. 272 A. 46; desgl. in Lakonien Boiai, das VEg. p. 134 ff.
auf eine Münze der Iulia Domna die stehende Gehen wir hinüber in das westliche Becken
Isis setzt {Vaill., K. Gr. p. 90, App. alt. 4, 3, des mittelländischen Meeres, so finden wir
Mi. S. 4, 229, 51, I. G. Num. Comm. p. 67 lange vor der hellenistischen Zeit auf Sar-
Pl. 0, 14), einen Xaos des Sarapis und der Isis, 10 dinien, besonders in den Nekropolen von
Paus. 3, 22, 9, Bursian 2 p. 139, Curtius 2 Tharros, Sulci und Cagliari neben echt ägyp-
p. 296. Pleiv p. 34, Hertzberg 2 p. 272 A. 47, tischen Denkmälern eine Unzahl nach ägyp-
Sauppe a. a. 0.; Oitylos ein Hieron des Sa- tischen Mustern gefertigter Gegenstände. Mit
rapis, Paus. 3, 25, 7, Curtius 2 p. 283, Bur- den Schardana, die unter _pamses IL, Mene-
sian 2 p. 152 f., Hertzberg 2 p. 267 A. 32, Plew ptah I. und Rarnses III. teils Ägypten bekriegten,
p. 34; desgleichen Sparta, Paus. 3, 14, 5, teils als Söldner in den Heeren des Pharao
Curtius 2 p. 234, For biger in Pauh/s E.-E. 6 standen, haben diese Darstellungen, auch wenn,
p. 1360, Hertzberg 2 p. 267 A. 32, Picw p. 34, was kaum anzunehmen ist, ein Zusammenhang
von wo auch eine Marmorstatuette im Isis- des Namens dieses Volkes und der Insel Sar-
kostüm (Dressel u. Milchhöfer, D. a Kunstw. 20 dinien bestünde, nichts zu thun; an ägyptische
aus Sjjarta u. Umgebung , M. D. A. Inst, in Kolonieen in Sardinien ist nicht zu denken.
Ath. 1877 p. 349 nr. 99) und ein Sistrum Es stammen diese Altertümer von Phönikern
(W'eidner zu Juvenal 13, 93 p. 265) verzeichnet und zwar lassen sie Heibig, Ann. d. Inst. 1S76
wird, ein Hieron des Sarapis, Paus. 3, 14, 5, p. 219 ff., 235 ff. , Ed. Meyer, Gesch. d. A 1
Curtius 2 p. 234, Farbiger in Pauh/s B.-E. 6, p. 339, Perrot, H. de l'art. 3 p. 659 f., Beule,
1360, Hertzberg 2 p. 267 Anm. 32, Plew p. 34; Fuuilles et De'couvertes 1 p. 215—221, 235 f.
desgl. in Messenien Messene ein Hieron von den Karthagern zur Zeit ihrer Herrschaft
des Sarapis und der Isis, Paus. 4, 32, 5, Cur- über Sardinien eingeführt sein. Ebers, Ann.
tius 2 p. 146, Bursian 2 p. 167, Hertzberg 2 d. Inst. 1883 p. 132 läfst, ohne diese Annahme
p. 267 Anm. 36, p. 272 Anm. 43, Plew p. 34, 30 zurückzuweisen, doch einen Teil schon aus
Sauppe p. 8. Ferner prägt die Isis in Mes- früherer Zeit von den Phönikern des Ostens
senien Asine unter Septimius Severus, Cat. stammen, Sihiaparelli , Xot. d. seavi di ant.
Huber 39, 437; Mothone unter Iulia Domna, 1887 p. 126 läfst die echt ägyptischen Alter-
I.-G. p. 69, 4 und unter Plautilla I.-G. a. a. 0. türuer von den Phönikern des Ostens und den
und C. G. C Br. Mus Pelop. 117, 5, PI. 23, Karthagern während eines ziemlich langen
19; in Arkadien Thelpusa unter Septimius Zeitraums, dessen Höhepunkt er nicht lange
Severus (mit Altar zu Füfsen), Mus. Sand. JV. vor dem 7. Jahrh. ansetzt, eingeführt, die
S. 2 p. 285 Tb. 24, 215, Mi. S. 4, 295, 124, ägyptisierenden Gegenstände gleichfalls von den
I.-G. p. 102; den Sarapis in Arkadien Ph eneos Phönikern und Karthagern gebracht oder wahr-
unter Caracalla, Mus. Theupoli p. 969, Mi. 40 scheinlicher in den Kolonieen derselben auf der
S. 4, 286, 82 und Plautilla, Mi. 3, 252, 55, Insel selbst und zwar in einer sehr ansge-
Spanhanius , De V. et Pr. N. V. lä p. 264, dehnten bis auf die Römerzeit herabgehenden
wohl = Vaillant, K. Gr. p. 116 u. Mi. S. 4, Periode gefertigt sein. Unter den rein ägyp-
287, 86; Cavidoni, Spie. p. 110, I.-G. p. 98 tischen Typen verzeichnet Ebers a. a. 0. p. 79
(beide „Hades"). den Horos, Tav. 52, 2, 3; Tav. C 4. 5, der
In Achaia zeigt eine Münze des M. Aurel auch auf den ägyptisierenden Gemmen wieder-
von Aigeion Sarapis und Tyche neben ein- kehrt, Ebers p. 87 — 88 nr. 1 — 3 Tav. F 1, 2, 3;
ander stehend, Kenner a, a, Ö. p. 59 PI. 2, 8 p. 88—89 nr. 5 Tav. F, 9; p. 90 nr. 12 Tav. F,
(„Isis-Tyche" Aigai Ciliciae), IG. p. 88; in 15; Heibig, Ann. d. Inst. 1S76 p. 218. Aufser-
Aigeira waren Statuen des Sarapis und der 50 ordentlich häufig erscheint auf diesen phöniko-
lsis aus pentelischem Marmor in Gesellschaft ägyptischen Gemmen Isis den Horos säugend,
des Asklepiosbildes im Apollontempel aufge- Ebers p. 89 nr. 6, Heibig p. 218. Coli. Fejer-
stellt, Paus. 7, 26, 3, Bursian 2 p. 339, der varg-Pulszky p. 52. S41, Bull. areh. sardo 5
irrig von einem Tempel der I. u. des S. redet, p. 185, der bald vor ihr steht (G. Cara, Mon.
Plew p. 34, Panofka, Askl. p. 293; ein Hieron d'ant. di reeente trovati in Tharros e Comus
der Isis stand in Boura, Paus. 7, 25, 5, Bur- p. 21 nr. 11, Cat. of engr. gems in the Brit.
sian 2, 337, Curtius 1 p. 470, Hertzberg 2 p. 271 Mus. p. 54 nr 192 PI. C [geflügelt]; Bull. sard.
Anm. 43, Sauppe p. 8; zwei des Sarapis, das 7 p. 77 [gefl.]), bald auf ihrem Schofse sitzt,
eine mit dem Denkmal des Aigyptos, des Sohnes Spano, Cat. della raecolta sarela p. 12 f. nr. 2,
des Belos, in Patrai, Paus. 7, 21, 6, Cuitius 1 60 p. 14 nr. 4; Cara a. a. 0. p. 19—20 nr. 1, 2,
p. 442, 454 Anm. 20, Bursian 2 p. 328—329, p. 23 nr. 22; Cat. Brit. Mus. p. 56 nr. 219.
Hertzberg 2 p. 267 Anm. 35, Plew p. 34. Als Ferner kommt vor Isis die Flügel breitend
Antonius und Kleopatra dort im Winterquar- über den stehenden Horos, A. della Mar-
tier lagen, wurden Münzen mit dem Haupt der mora, Sopra alc. ant. sarde Tav. A 38, 39, vgl.
letzteren und dem Isiskopiputz geschlagen, 31, 33, wo sie, gleichfalls geflügelt, die Brust
Scfoültr, Gesch. d. r. Kaisirzeü 1 p. 126 Anm. 5, drückt und Horos neben ihr steht; ferner Isis
Sestini, L. N. Cont. 4 p. 67 Tb 5, 5, Mi. 6, stehend, die Flügel über Harpokrates auf der
605, 56, San demente 1 p. 10, Cat. Greau 125, Lotosblume breitend, Crespi, Cat Chessa p. 9,
393 Isis (Kult in Sardinien; I. geflügelt) Isis (Kult in Melite) 394
5, della Murmora A 43, vgl. 41, 45 wo zwei Le Bas bei della Marmora, Voyage de la Sar-
ganz ähnliche Gottheiten die Flügel über daigne 2 p. 585 — 586, Crespi, Eph. epigr. 4
Harpokrates auf der Lotosblume breiten, und (p. 484—494) p. 485 und Lafaye p. 57 in jener
Cut. Brit. Mus. p. 55 nr. 210, wo die Stelle Ätilia PoinptiÜa, deren Geschick an den Wän-
der zwei Göttinnen durch zwei Geier vertreten den der „Schlangengrotte" bei Calaris in
wird; sowie Marmora A 42, wo Isis auf einer lateinischen und griechischen Hexametern be-
Basis mit kleiner knieender und stehender schrieben ist (C. 1. L. 10, 7563 — 7578, Kaibel,
männlicher Figur die Flügel ausbreitet. Wei- Ep. Gr. 547) eine Isisdienerin zu sehen, kann
tere Beispiele der geflügelten Isis verzeichnet ich mich nicht entschliefsen. Ob eine zugleich
Heibig p. 215, Spano, Bacc. sarda p. 16 nr. 18. 10 mit einer mit lateinischer Aufschrift versehenen
Geflügelt und zugleich ein Lotosscepter in jeder Ceres zusammengefundene Isis von Terracotta
Hand erscheint sie bei della Marmora A 55, aus Sassari (Not. d. scavi di ant. 1881 p. 222)
Bull, sardo 8 p. 134, Spano, Bacc. sarda p. 19 wirklich diese Göttin darstellt, ist ohne Ab-
nr. 75, Cnspi, Cat. Chessa p. 10 nr. 9; geflügelt bildung schwer zu sagen. Die von Spano,
und ein Scepter haltend auch Cut. Brit. Mus. Bull, sardo 1 p. 97 — 105 als Sarapis beschrie-
p. 55 nr. 209; geflügelt, vor ihr Osiris, Cat. bene Bronzestatuette aus G estori stellt sieher
Brit. Mus. p. 51 nr. 164 PI. C, p. 53 nr. 183, denselben nicht dar. Der vom Chronisten
Spano, Bacc. sarda p. 16 nr. 2S, p. 24 nr. 40; Dcca^tro iu Blubium (Plubium, Ploaghe) er-
mit beiden Händen das Scepter haltend, Spano, wähnte Sarapistempel (Spano, Bull, sardo 9
r.s. p. 16 nr. 20; auf dem Lotos, ein Scepter hal- 20 p. 55) läfst sich nicht nachweisen,
tend, Spano, r.s.p. 19 nr. 70; sitzend mit Scepter, Münzen von Melite aus dem 2. oder
vor ihr ein Altar, Spano, r. s. p. 16 nr. 22, 23; 1. Jahrb. v. Chr. zeigen im Obv. ein weibliches
knieend, in der Linken einen runden Gegenstand, Haupt mit modiüciert ägyptischem Kopfputz,
Spano, r. S.p. 20 nr. 87 ; knieend, in jeder Hand ein Mi. 1, 342, 17 — 20, worin das der Isis erkennen
Lotosscepter, della Marmora A 47, Crespi, Cat. Eckliel, I). N. V. 1 p 268 (oder Iuno), Spon,
Chessa p. 10 nr. 10; stehend, neben ihr Horos Beck. cur. d'ant. p. 457 — 458, LeaJce, N. Hell.
und eine dritte Person, della Marmora A 26; Eni: Gr. p. 62 (oder Demeter, wohl, weil auf
vgl. Spano, r. s. p. 20 nr. 90 (angeblich Isis, einigen Exemplaren z. B. Mi. 18, Hunter
Osiris, Horos); angeblich kuhköpfig, Bull, sardo p. 195, 1 Tab. 36, 23 dem Kopf eine. Ähre
7 p. 108; schlangenleibig mit ausgebreiteten 30 beigegeben ist), Payne Knight, Mus. P. K.
Flügeln, darüber Horos, darunter ein Löwe, p. 219 nr. 3, Böttiger, Arch. Ährenlese p. 2,
Bull. arch. sardo 10 p. 91. Goldplättchen, Caronni, Mus. Hedervar. 1, 68,1921, Head, H.
darstellend die Büste einer Göttin mit langen N. p. 743, Perrot, H. de VA. 3 p. 292 nr. 218,
Locken, ägyptischem Kopfputz und an die der in dem auf einigen Exemplaren dem Haupt
Brüste gelegten Händen, die jedenfalls als beigegebenen viel verkannten, als Kerykeion
Amulette getragen wurden, stellen nach Spano, (Burnus 1, 94, 1, 2, T.Combe, Mus. Brit. 87, 1,
Bull, sardo 1 p. 26-29, 4 p. 71 und Perrot, C. Combe, Mus. Hunter 195, 4 Tab. 36, 24,
H. de VA. 3 p. S28 Fig. 582 die Isis dar. Viel- Leake a. a. O.) oder Tropaion (Paternö , Bac-
fach, aber kaum mit Recht, werden für Isis colta Fischer 37, 1; Fiorelli, Coli. Santangelo,
gehalten Frauengestalten, welche einen runden 40 Man. gr. 87, 9869—9871, Mi. 7, Cohen, Coli.
scheibenförmigen Gegenstand an die Brust Greau 79, 986) erklärten Gegenstand, richtig,
drücken, so von Benan, C. I. Semit. 1 p. 195 wie schon L. Müller, Arch. An:. 1866 p. 221*,
— 196 nr. 148 die Figur einer kleinen von das häufig auf Weihstelen der Tanit zu Kar-
Baaljaton geweihten Marmorädicula aus Sulci, thago erscheinende Symbol erkennt. L. Müller
von Ebers p. 100 nr. 12 Tav. E, 1 die Gestalt bezeichnet das Haupt als das der Astarte
in einer ähnlichen mit der geflügelten Sonnen- mit Isisattributen, wie auch de Witte, Cat.
Scheibe und acht üräen gezierten Adicula, Greppo 37, 299, de Longperier, Gab. Mutffton-
ferner von Spano Terracotten aus Than-os, cour 20, 181, Bres, Malta antica p. 240 und
Bull, sardo 1 p. 182, 6 p. 157, von Crespi eine Creuzer, Symbolik 22 p. 272 Anm. 334 Astarte
Granitstatue aus Caralis, Bull, sardo 8 p. 7 50 erkennen. Die viergeflügelte männliche Ge-
Anm. 4. Die von v. Maltzan, Beise auf der stalt mit Geifsel und Scepter der Rückseite
Insel Sardinien für eine Widmung an Isis ge- wird für Osiris gehalten von Eckhel a. a. 0.,
haltene Inschrift aus Sulci C. I. Semit. 1 Baffei, Diss. da s. di suppl. all' op. dei monum.
nr. 152 p. 200—202 hat nichts mit dieser ined. di Giov. Winckelmann. Roma 1821. p. 140,
Göttin zu thun. Auch an Denkmälern des 250, Kopp, Paläogr. crit. 4 p. 233 § 770, K. 0.
Isisdienstes aus griechisch-römischer Zeit fehlt Blüller , Hdbch. d. A. d. K.s p. 302 § 241, 4,
es nicht. Eine griechische Gemme mit der Gerhard, Ges. Akad. Abh. 2 p. 543 Anm. 37,
den Harpokrates säugenden Isis verzeichnet Leake a. a. 0. (oder Dionysos), Ebers, Äg. u.
Ebers p. 98. Eine Weihinschrift an Isis aus die B. Moses p. 159, Bauch, Cat. Heideken
Turris Libisonis kennen wir aus C. I. L. 60 26, 630, Payne Knight a. a. 0. (abgeb. Culte
10, 7948, die Widmung eines Tempels der Isis de Priape, Brnxelles 1883, PI. 20,2), Caronni
und des Sarapis in Sulci s aus C. I. L. 10, a. a. 0. Durch eine phönikische Inschrift (C.
7514; ebendaher eine Lampe mit den Büsten /. S. 1 p. 155 nr. 123 bis) ist der Personen-
beider Gottheiten, della Marmora Tav. B, a; name Malak- Osiris bezeugt; die oft citierte
Lampen aus Cornus mit der Büste des Sa- Bilinguis C. I. S. 1, 122 u. 122 bis, C. I. G.
rapis beschreibt Cara a. a. 0. p. 57 nr. 1, 2, 5753 mit den Namen Abdosir und Osirs'amar,
die mit angeblichen Isisbüsten, nr. 3 und 4 griechisch durch Jiorvoiog und Zaganiav
stellen aber wohl kaum diese Göttin dar. Mit wiedergegeben, beweist nichts für Osiriskult
395 Isis (Kult in Sicilien) Isis (Kult in Katane, Syrakus) 396
auf Malta, da die Träger derselben Tyrier sind. mit, bald ohne Sistrurn im Feld, Mi. 1, 227,
Osirisfigürchen von Bronze sind nach da Witte, 158, 159, S. 1, 380, 160, 161; Hunter 88, 16,
Bull. d. Inst. 1842 p. 43 öfter gefunden worden; Tab. 16, 2; 17; 18, Tab. 16, 3; 19; C. B. M.
eine eherne Harpokratesstatuette giebt Abela, Sic. 54, 87 — 90, Munter p. 154 Airm. 8, 9, Mo-
Descrizione di Malta Isola 1647 p. 191, wo- vers 2, 2 p. 329 Anm. 69, Panofha, Dionysos
nach Eres p. 125 und Munter, Ant. Abh. u. d. Thyiaden Tf. 3, 1, Stephani, Nimbus u.
p. 163; eine andere Ciantar in seiner Ausgabe Strahlenkranz p. 43 nr. 18, p. 44, Visconti, Mus.
des Abela, Tav. 3. Dafs der Sarapistempel des Pie-Cle'm. 4 p. 9S Note 2, Holm 45, 35. Die
Padre Amico, Lcxic. topogr. Siculum s. v. Me- stehende Frau mit Vogel auf dem Rs. von
Tita nur in der Phantasie des Autors existiert 10 Münzen mit Apollonhaupt im Obv. {Mi. 1, 229,
zeigt JSresp. 144-145. Über ein Goldplät-tchen 174—176, S. 1, 381 f., 168 — 172, Hunter 90, 33—
(Amulett) mit ägyptischen Gottheiten in phö- 37, Tab. 16, 9, 10, Torremuzza Tab. 22, 9—11,
nikischem Stil, gefunden 1693, s. Montfaueon, Auct. 1, Tab. 3, 4) wird nur von Head, H. N.
L\mt, expl. 2, 2 PI. 136, 5, Bres p. 122 f., p. 117 u. frageweise C. G. C. Br. Mus. Sic.
Mü/nter p. 163 — 166, Keerl, Siziliens vors. 51 f., 64 — 69 als Isis, im Cut. Northicick 1, 39,
Münzen und Steinschriften aus dem Altert. 2 387 gleichfalls frageweise als Sarapis bezeich-
p. 236 f. net. Die Wage u. Füllhorn haltende Frau im
Münzen von Gaulos mit phönikischer Auf- Rs. von Münzen mit Ammonhaupt im Obv.
schrift aus dem 2. oder 1. Jahrh. v.Chr. (Bres (Torremuzza Tab. 21, 8, 9) nennt nur Fiorelli,
p. 42—44, 49, 117, 118, 162—164, 169—172, 20 Coli. Santangelo Mon. Gr. 70, 7562—7565 Isis,
Mi. 1, 341, 8, 9; della Marmora, S. alc. ant. Head, H. N. p. 118 u. C. G. C. Br. Mus. Sic.
sarde p. 234) zeigen auf der Rückseite drei 53, S5, 86 dagegen Aequitus. Das bärtige
Gottheiten in ägyptischer Tracht, von denen doppelköpfige Haupt auf dem Obv. einiger
die mittlere mit Geifsel und Rrummstab ver- Bronzemünzen (Mi. 1, 227, 156, S. 1, 380, 159,
sehene JEcWiel (D. N. V. 1 p. 268, 3 p. 418) Hunter 88, 20, Tab. 16, 4, Torremuzza Tab. 22,
und Head (H. N. p. 743) an Osiris erinnert. — 4, 5, Dorrille, Sicula Tab. 4, 5) wird nur von
Munter p. 152 f., Taf. 1, 6, v. Bauch, Cat. v. Head, H. N. p. 118 u. G. G. C Br. Mus. Sic.
Heidecken 26, 626, Fiorelli. Coli. Santangelo, 54, 91, 92 als 'Ianiform head of Sarapis\ sonst
Mon. gr. 87, 9845 — 9846, Postolakas, Cat. d. als Haupt des Ianus verzeichnet, vgl. die Doppel-
Athen. Münzslg. 1, 93, 700 nennen die Gestalt 30 herme des Sarapis bei Benndorf u. Schöne, Ant.
geradezu Osiris, wie denn auch Ebers, Ag. u. Bildw. d. Lateran. Mus. p. 279 nr. 405.
d. B. Mos. p. 159 die Osirismumie darin er- Syrakus bezeugt seine Isisverehruug durch
kennt. Bronzemünzen, die Head, Hist. of the coinage
Auf Sicilien ist ein Hauptplatz des ägyp- of Syracuse (S.-A. aus Num. Chr. 1877, Heft 1)
tischen Kultus Katane. Die ägyptischen Denk- p. 75 u. H. X. V. p. 164 in die Zeit der rö-
mäler dieser Stadt z. B. die Obelisken sind be- mischen Herrschaft setzt, während Holm, D.
schrieben von Gir. Pistoiio, Lettera in cui si alte Gutania p. 11, 44 u. Weil, Bursians Jähres-
assegna ragione per la quäle sianvi non pochi her. 1 p. 243 den ägyptischen Kultus schon
monumenti egizi nella cittä di Catania, Opusc. unter Agathokles oder (Holm, Gesch. Siciliens
d'ant. sicil. Vol. 15. Palermo 1774 p. 169 — 194; 40 1 p. 81) Hieron II. auf Sicilien Eingang finden
Zoega, De or. et usu obeliscorum p. 86 - 87, 616, lassen. Die Typen sind : Haupt des Sarapis
647; H. Keerl a.a.O. 2 p. 223— 224; Bres p. 119 — mit Tänie und Kopfputz von Hörnern, Diskus
120; Munter p. 176 — 178; Bartels, Briefe üb. u. Federn, von Mi. 1, 312, 922, Postolakas 89,
Calabrien u. Sizilien 2 p. 307 — 309; Ad. Holm, 671 u. a. für das des Zeus gehalten; Rs. Isis
D. alte Catania. Lübeck 1S73 p. 28, 40; Gius. stehend mit Sistrnm, die R. oben ans Scepter
Bccupero, Monumenti ant. inediti della coli. gelegt, Head, Coinage 76, 6, PL 14, 5, C. B.
Bcci^eriana descritti. Cataua 1808. 4°. p. 40. M. Sic. 227 f., .701 — 703; Haupt der Isis mit
vgl. Holm in Bursians Jahresber. 1,1873 p. 71. — langem Haar, Ähren u. ägyptischem Kopfputz,
Hohn, Cat. p. 11 u. 44 leitet die Einführung Rs. Isishauptschmuck, Mi. 1, 315, 951, 952,
des ägvptischen Kultus von der Heirat des 50 Coli. Santangelo, Mon. Gr. 83, 9074 — 76, Head,
Agathokles und einer Stieftochter des Ptole- Coin. 76, 7, PL 14, 7, C. G. C. Sic. 228, 704,
maios I. her. Ein beredtes Zeugnis für die Ver- 705. Ein Götterbild mit Fackel auf einem
ehrung der Götter des Nillandes legen die Triumphal -Viergespann wird nur von Head,
Münzen ab, Head, H. N. p. 117, 118. Es er- Coin. 75, 1, PL 14, 1 und H. N. p. 164 frage-
seheiuen darauf folgende Darstellungen: Obv. weise als Isis bezeichnet. Eine Figur im ägyp-
Häupter des Sarapis und der Isis, Rs. zwei tischen Stil mit Kranz und Zweig (oder nach
Ähren, Michaelis, Journ. ofhell. stud. 6 p. 291 f, Mi. 1, 311, 912 u. Paternd, Bacc. Fischer p.
Anm. 1, Ccd.Brit.3Tus.SuUy p. 51 nr. 59, 60, 33, 39 Scepter) wird von Fiorelli als Isis, im
Mus. Hunter 90, 38, 39, Tab. 16, 11, Mi. 1, O. G. G. Sic. 229, 719— 721 frageweise als Osiris,
227/8, 164, 165, Holma, a. O.p.46, 44 oder Apol- 60 von Payne Knight p. 260 nr. 82 als sigillum
Ion, Mi. 1, 227, 162, 163, Suppl. 1, 380, 162, cuiusdam cornua Isiaca super caput ferentis
Hunter 89, 26, Tab. 16, 6, C. B. Mus. Sic. 51. aufgeführt. Einen scopariuslsidis lehrt kennen
62, 63, Movers 2, 2 p. 329, Holm 46, 43; Obv. C. I. L. 10, 7129; einen Sarapistempel Cic. in
Haupt des Sarapis, mit Lorbeer, Strahlen und Verr. 2, 56, 160; nach Lupus, D. Stadt Syra-
Koplputz bestehend aus Diskus, Hörnern und kus im Altertum. Strafsb. 1887 p. 248 ist die
Federn, Rs. Isis stehend, verschleiert mit dem Lage desselben unbekannt, Schubring, Bull. d.
gewöhnlichen Kopfputz und Ähren, in der R. Inst. 1864 p. 205 u. Eh. Mus. N. F. 20. 1865
langes Scepter, neben ihr Harpokrates, bald p. 42 sucht ihn in der Gegend der Agoia;
397 Isis (Kult in Tauromenion etc.) Isis (Kult in Süditalien, Campamen) 398
über eine äg. Granitstatue vgl. Holm, D. a. wo auch Terracottafiguren der Göttin gefunden
Cat. p. 11, Schubring, Philol. 23, 1865 p. 366. sein sollen, Not. d. sc. 1884 p. 283ff.; Lecce
Nur von Head, C. G. C Sic. 93, 61, H. N. V. (C. I. L. 9, 17), eine Inschrift, die nach Lan-
p. 131 wird eine verschleierte Göttin mit dem ciunis Vermutung Süll. d. Inst. 1868 p. 237
Modins auf dem Haupt, zwei Mohnköpfen aus einem megarum der Isis stammt; Brun-
in der R. u. langer Fackel in der L. auf einer disium (C. I. L. 9, 6099), wo ein sacerdos Ma-
Münze von Leontinoi frageweise für Isis tris Magnae et Suriae deae et sacrorum Isidis
(oder Demeter) erklärt. Das von Lafaye 319, vorkommt; Labellum, C. I. L. 9, 649; Aecla-
187 als Münze von Panormos verzeichnete num, C. I. L. 9, 1153. Das ipvxQov vSioq
Stück mit Isishaupt Mi. S. 1, 416, 389 gehört 10 eines Goldplättchens aus einem Grab vonHip-
zu den von L. Müller, Num. de l'anc. Afrigue ponium ergänzt Liaoul-Bochette, Mem. del'Ac.
3 p. 176ff. unter die unbestimmten Maureta- d. I. et B. L. 13, 1838 p. 576f. zu b "Oolqis
niens gerechneten. Auf nach Head zur Zeit SoCri aot x. ip. v. Frageweise und jedenfalls mit
der Eömei'herrschaft geprägten Bronzemünzen Unrecht wird im G. Cr. C. Br. Mus. Italy p. 308
von Menainon erkennen in einem bärtigeD, nr. 1, 2 das Haupt der Isis auf einer Münze
von den meisten (z. B. von Mi. 1, 251, 359, von Copia verzeichnet. Eine Thonform mit
360, S. 1, 399, 267) für das Haupt des Zeus Sarapisbüste aus Tarent wird aufgeführt
gehaltenen Kopfe T. Comhe, Mus. Brit. 68, 1 Coli IL Hoffmann. Paris 1886. p 33 sab nr.
den des Osiris, Leake , N. H. Eur. Gr. p. 62, 95-99; eine Lampe mit Sarapisbüste aus Sa-
Postolakas 71, 585, Head, C. G. C. Sic. 98, 8, 9, 20 lernum, Not. d. sc. 1884 p. 113; eine Silber-
H. N. V. p. 132 den des Sarapis. Statuette des Harpokrates aus Süditalien
In Tauromenion ist bei der Kirche S. Bull. d. Inst. 1868 p. 86; Knochenreliefs aus
Panciazio eine Widmung an Dis und Sarapis den Abbruzzen, das eine mit Demeter-Isis u.
(0. /. L. 10, 6989) zusammen mit der Marmor- Pluton-Sai apis (ohne Modins) u. Uräusschlange
statue eiuer jetzt im Museum von Palermo auf Altar, das andere mit Harpokrates: Heibig,
befindlichen Isispriesterin gefunden worden, Bull. d. Inst. 1870 p. 67, Milchhöfer-Hressel,
Schöne, Bull. d. Inst. 1867 p. 173, Arch. Zeit. MM. d. D. A. Inst. Atli. 1877 p. 470. In wie
1868 p. 131, Salinas, Brcce guida del Mus. naz. weit die Behauptung des Giaeomo Antonio del
di Palermo 1. Pal. 1875 p. 15 und Del real Monaco in einem Briefe über die Geschichte
viuseo di Palermo p. 39, Lafaye p. 287 f. nr. 87, 30 von Saponara (gedruckt zu Neapel 1713, p. 15
PI. 4; ein schon früher entdecktes griechisches Marangoni , Delle cose gentilesche e profane
Epigramm berichtet von der Widmung eines trasportate ad uso ed ad ornamento delle chiese
Hestia-Altars im Sarapistempel , Schuhring, p. 281), dafs in Grumentum ein Sarapistempel
Jahrbb. f. M. Phil. Swppl. 4 p. 672 nr. 10, Ritschi, gestanden habe, an dessen Platz die 'Chiesa
Uli. Mus. 21 p. 140, Kaibel, Ep. Gr. praef. p. 18, Colleggiata' getreten sei, begründet ist, ver-
824 a, He Spuches, H'una greca inscr. trov. in mag ich nicht zu entscheiden.
Taormina e d'un tempio di Giove Sarapide In Campanien war einHauptort des ägyp-
lettere illustrative. Pal. 1863. Dafs aber das tischen Kultus Puteoli, der Haupthafen für
Not. d. sc. 1889 p. 370 f. mitgeteilte Fragment den Verkehr mit Ägypten und dem Orient
eine Weihinschrift an Isis enthalte, ist mir 40 (Lumbroso , Beck. s. l'e'con. polit. des Lagides
nicht recht glaublich. Was sonst von Isis- p. 126, 157, Mommsen, B. G. 2 4 p. 401). Schon
Statuetten in Sicilien verzeichnet wird, ver- in einer lex vom Jahre 649 a. u. c. wird hier
dient diesen Namen kaum; so wird die 'Iside' ein Sarapistempel erwähnt, C. I. L. 10, 1781,
aus Solunt bei Serradifälco, Cenni sugli avanzi I. 5. 6; Bauten am Sarapistempel C. I. L. 10,
d'ant. Solunto. Pal. 1831. Tav. 6, Ant. di Sicilia 1594; eine Widmung an den Gott 0. L. L. 10,
5, Tav. 41 p. 66 von K. 0. Müller, Hdb. d. 1593; aber das noch jetzt hin u. wieder für
A. d. Es. p. 302, §241, 4 für ein kai'thagisches ein Sarapuum gehaltene Gebäude hat mit dem
Idol, von Gerhard, Ges. ah. Abh. 2 p. 8f. Anm. 35 Kultus dieses Gottes nichts zu thun, s. M.
für eine Bona Dea italischer Kulte gehalten, Beitr. 1 p. 34 Anm. 1 zu p. 33.
vgl. über sie Salinas, Hei real mus. di Pal. 50 In Puteoli ist gefunden eine Sarapisstatuette
p. 38; und die geflügelte Isis aus Akragas zu Neapel, Lafaye 273f., 31, Whickelmann,
bei Fr. Avolio, Helle ant. fatture di argilla che Stl. Werke ed. Eiselein 4 p. 127, 10 p. 543,
si ritrovano in Sicilia. Pal. 1829, p. 151, Holm, Monaco, Guide gen. du mus. nat. de Naplesi
Gesch. Sic. 1 p. 446 verdient diesen Namen p. 41 nr. 975; eine Büste des Gottes, Matz u.
ebensowenig wie ein bei Kekule, I). Terra- v. Huhn, Ant. Bildic. in Born 1 p. 10 nr. 39;
cotten v. Sicil. p. 66 Taf. 21,2 im Register eine Lampe mit Heliosarapis, s. oben s.v.;
p. 86 frageweise als Isis bezeichneter Frauen- eine Lampe mit zahlreichen Figuren, darunter
köpf aus Kentoripa und eine sitzende Frau Harpokrates. Aus Neapel wird verzeichnet
mit Kind im Cat. du Mm. Fol. Ant. 1 p. 97 die Widmung einer Apollo-Horus-Harpokrates-
nr. 437. Eine Iside Triforme (Hekate?) von 60 Statue an Isis, C. I. Gr. 5793, Cavedoni, Bull.
Polizzi behandelt A. Gagliarclo, Protesta dei d. Inst. 1852 p. 76f.; Beloch, Campanien p. 53f.
cittadini di Polizzi Generosa scrxtta' Tanno nr. 40, der indessen die Herkunft der Inschrift
1775, dopo la p^rduta dell'ant. statua di Iside aus Puteoli nicht für ausgeschlossen hält; eine
Triforme. Palermo 1880. 4°. Statue der Isis auB schwarzem Marmor in
In Süditalien können wir Isiskultus in- Wien, Lafaye 278, 51, Amtth, Beschr. d. zum
schriftlich nachweisen in Regium Lepidum k. k. M. u. A.-C. geh. Statuen p. 19 nr. 158,
(C. L. L. 10, 1, Logoteta, II tempio di Iside e Friederichs, Berlins A. Bildw. 1 p. 497 nr. 798,
Serapide di Beggio illustrato. Napoli 1794. 8°), Kenner u. v. Sacken p. 39 nr. 157; aus Capua
399 Isis (Kult in Pompeji etc.) Isis (Gesch. d. Kults in Rom) 400
die Widmung einer Isisstatue an die Göttin, p. 109—111; Helbig p. 220 nr. 1106, Boux 1,
welche eine in Allem ist, C. I. L. 10, 3S0O; 1. Ser. d. Mal. Taf. 48 p. 37, B. Mus. Borb.
aus dem Ager Falemus eine Weihinschrift 9. Roma 1845. PL 80 p. 503 — 504; Ara-
an Isis, C. I. L. 10, 4717; in Acerrae gab es beske: Harpokrates auf Blume, Boux 4. Bd.
einen sacerdos pübliem deae Isidis et Sera- Abt. 1. Ser. 4 d. Mal. PI. 31 p. 30-32; Ch.
pidis, C. I. L. 10, 3759. Ein Halsband aus Lenormant, Chefs- d'oeucre de l'art ant. 3 PI.
Cumae mit Harpokratesfigürchen, Mon. d. ant. 118 p. 79; B. Mus. Borb. 6. Roma 1842. Tab.
e belle arti Kap. 1820 p. 25 tav. 3 ist nach 59 p. 379—382; für Stabiae: Helbiq p. 218
Abelen, Mittelital. vor d. Zeiten d. röm. Herr- nr. 1098 = Laf. 330, 227; Helbig p. 2-20 nr.
Schaft p 343 Anm. von römischer Arbeit. 10 1101 = Laf. 331, 228. — Die Litteratur über
Zahlreiche Reste des ägyptischen Kultus die Marmorstatue der Isis aus dem Isistempel
finden sich in Pompeji, Herculaneuni und s. M. Beitr. 1 p. 23 Anm. 1 zu p. 22; eine
Stabiae. Pompeji hatte seinen Isistempel, Isis von Bronze Giorn. d. seavi di Pomp. nr. 25
dessen Gründung Kissen, Pompej. Stud. p. 671 p. 172; die Isis-Fortuna-Darstellungen oben 1
in die Periode der Blüte der oskischen Kultur Sp. 1530ff., 1551 ff.; Auubis 1 Sp. 2307.
200 — 80 v. Chr. setzt ; nach der Zerstörung der Eine Bronzebüste des Sarapis, angeblich
Stadt durch das Erdbeben 63 n. Chr. war dies aus Herculaneuni, bezeichnet Wieseler, D.
der einzige Tempel, der bis zur völligen Ver- Sign. d. arch..-num. Inst. d. Georg- Augusta-Univ.
schüttung 79 n. Chr. wiederhergestellt worden Gott. 1859 p. 33 Anm. 51 als nicht nnverdäch-
war, Kissen p. 170ff. Es handeln über ihn 20 tig und Hubo, OriginalwerJce hat sie nicht auf-
Lafaye (p. 179 — 199, mit Grundrifs nach Kiceo- genommen; eine testina ad erma di Serapide
Uni, Tempio d'Iside) Fiorelli, Deser. di Pompei. aus Pompeji ist verzeichnet Kot. d. sc. 1882
Napoli 1875 p. 358 — 362, Pomp. ant. Jiist. 1,1 p. 139; Harpokratesstatuetten aus Pompeji,
p. 164—194, B. Mus. Borb. Descr. di Pomp. in Silber: Fiorelli, Ant, Pomp, bist, 1, 2, Add.
racc. da Erasmo Pistolesi. Vol. 2. Roma 1840. 1 p. 94; Giorn. d, sc. di Pomp. nr. 25 p. 172,
p. 322—336, Breton, Pompeia p. 41—46 (3e. ed. 1875, 16 Aprile; in Bronze Fiorelli a. a. Ü. vol.
p. 46 ff.), Kissen a.a.O. p. 170 — 175, 344—355, 1 p. 233, 1769, 15 Luglio; Fiorelli, Descr. di
Mazois-Gau, Les ruincs de Pompei. Paris 1S18. Pomp. 203 = Gli sc. di Pomp, dal 1S61 al 1S72
2°. 4p.24ff., P1.7— l\,Oferbeck,Pump.3\\ lOOff., p. 41; Fiorelli, Gli sc. di Pomp. p. 161, 1S67,
Beichel, De Isidis apud Born, eultu p. 42—45, 30 17 Sett. ; Kot. d. sc. di ant. 1880 p. 231 f.,
Hamilton, Archaeologia Brit. 4 PL 11, 18, D. 1 Giugno; Muse'e de Bacestein, Cat, descr. 1
Migliacci, Riflessioni sopra il tempio d'Iside p. 369f. nr. 485; Gebhard, Braunschweig. Ant.
in Pompei. Nap. 1765. 4°; C. Justi, Winekel- 1 p. 28 ur. 204; Friederichs. Berlins Ant. Bildu:
mann 2, 2 p. 399 — 401, Georgii in Pauly< B.-E. 2 p. 288 nr. 1339 e; aus Herculaneuni in Bronze
4 p. 299, Bötliger. Kl. Sehr. 3 p. 24S— 250 Boux u. Barre 5 Taf. 97 nr. 2,3, p. 104 f.;
u.a.m.; die Inschriften s. C, I L. 10, 846ff. Taf. 103 nr. 2. 3, p. 107-108, Laf. p. 2S3 nr.
Die Wandgemälde aus den drei Städten mit 69, 70; eine Harpokratesbüste auf einem Ca-
Scenen des ägyptischen Kultus sind, für Pom- meo aus Pompeji Fiorelli, Gli sc. di Pomp.
peji: Isistempel, Porticus, Helbig, D. Wand- p. 155; Sistra aus Silber und Bronze D. Mo-
gem. d. v. Yes. versch. Städte Campaniens p. 1 — 40 naco, Guide gen. du Mus. nat. de Kaples. 4e ed.
2, p. 480, p. 218 nr. 1096, 1097. p. 219 nr. 1099, p. 199 nr. 25722, p. 183 nr. 76945; Fiorelli, Gli
p. 220 nr. 1103, Ustwand des Porticus, p. 3 sc. d. P. p. 169; Giorn. d. sc. di Pomp. K. S.
nr. 1, p. 481, Raum an der S.-W.-Ecke p. 3 — Vol. 3 nr. 22, 1S74 p. 55; Kot. d. sc. di ant.
5 nr. 2 — 5, Raum an der N.-W.-Ecke p. 40 1880 p. 103, E. Hübner, D. ant. Bildw. in
nr. 138, p. 394 nr. 1571; HaupUeite, Wieseler, Madrid p. 190; eine Bronzehand mit Sistrum
Gott. Kachr. 1871 p. 574 nr. 20; Casa _delle aus Herculaneuni J. Becker, Drei röm. Votiv-
Amazoni p 27 nr. 80 = Lafai/e p. 327, 217; heimle p. 7 nr. 3, Piroli et Piranesi 4 PL 5,
Casa del duca d'Aumale p. 40f.'nr. 139 = Laf. Boux u. Barre 6, 3. Ser. d. Br. Taf. 97 p. 102
327, 218; Haus der Eumachia p. 218 nr. 1094c —103, Chefs-d' Oeuvre de l'art ant. 1. ser. Tom.
= Laf. 327, 219; Strada d'Olconio nr. 12 p. 50 1 PL IS 19 p. 20—21; B. Mus. Borb. 9 Tav.
218 nr. 1095 = Laf. 32S, 220 = Fiorelli, Gli 31, 32 p. 294—343.
seavi di Pomp, dal 1S61 cd 1S72 p. 131 nr. 294; Die Litteratur über die Geschicke des Isis-
Haus nebeu der Casa di Lucrezio nr. 78 = Laf. kultus in Rom s. in M. Beitr. 1 p. 5 Anm. 4;
326, 215; Haus der Iulia Felix p. 26f nr. 79 es kommt noch hinzu Gilbert, Gesch. u, Topogr.
= Laf. 326, 216 = Breton a. a, 0. p. 291 und d, Stadt Born im Altert, 3. Abt. p. 109 u. 112
Gell., Pomp. 2 p. 207; ferner A. Sogliano, Le und Ersilia Caetani Lovatelli, H eulto d'Iside
pittwe mur. Camp. p. 80 nr. 487 — 490; für in Bonui, K. Antologia ser. 3 vol. 28 p. 37 — 51.
Herculaneum: Helbig p. 27 nr. 81 = Laf. Vou einigen wird, indem sie die Angabe
330, 224; Helbig p. 217 u. 458 nr. 1094 = L. des Tal. Max. 2, 3, 4 von der Zerstörung der
330, 225 = Boux u, Barre, Herc. u, Pomp, uo Isis- und Sarapisheiligtümer durch den Konsul
2. Bd. 2. Ser. d. Mal. Taf. 137 p. 170-171 = L. Aemilius Paullus auf deu Kousul der Jahre
Piroli ei Piranesi, Ant, d' Herc. 1, PL 44; 219 und 216 (Fabricius zu Dio Cass. 40, 47,
Helbig p. 218 nr. 1094b, Boux u. B. 1. Bd. Not. 18S, Burigny, Hist. de l'Ac. d. I. et B.-L.
1. Ser. d. Mal. Taf. 48 p. 34— 37; Helbig p. 220 32 p. 116, Matihiae s. v. Isis in Ersch u.
nr. 1104, L. 330, 226; Helbig p. 221 u. 458 Grubers Enc. p. 432, Guigniaut , Le dicu Se-
rn:. Uli, L. 329, 223, Boux u. B. 2. Bd. rapis p. 26 Note 1, Letronne, Ann. d. Inst.
2. Ser. d. Mal. Taf. 68 p. 106—109; Helbig 1845 p 337, Mc'm. de VInst. 19, 1S51 p. 106,
p. 222 nr. 1112, L. 328, 222, Boux Taf. 69 Labus Mus. della r. acc. di Mantova 2 p. 121,
401 Isis (Gesch. d. Kults in Rom) Isis (Gesch. d. Kults in Rom) 402
Schwende, D. M. d. A. p. 274, Weber in s. Ja- 3 p. 77 Anm. 7 des Iseum Campense, anord-
venal- Übersetsimg p. 421, Gauthier, Rech, liist. neten. Erwähnen will ich aber, dafs Caveäoni,
s. l'exercice de la med. dans les temples p. 123, Bull. d. Inst. 1853 p. 140 als Zeichen des
Filon,, Me'm. de l'Ac. des scienc. mor. et pol. Isiskultus in Eom in der ersten Hälfte des 1.
Sav. Etr. 1 p. 781, Brumann, Gesch. Roms vorchristlichen Jahrb. ein mit den Attributen
2 p. 67, cfr. 1 p. 380 Anm.. 89, T'h. A. Visconti verschiedener Gottheiten, darunter dem Lotos,
et I. Guattani , JSIon. du Mus. Chiaramonti geschmücktes Haupt auf Münzen des curu-
p. 38 Note 3, Renan, Apötres p. 146, Krafmer, lischen Ädilen vom Jahre 69 M. Plaetorius
Varronis Cuiio de cirftu deorum p. 16) oder M. F. Cestianus (Riccio, Le inmiete d. ant.
182 und 168 (Becker, Hdb. d. r. A. 4 p. 85, 10 famiglie di Roma. 2da ediz. p. 170 nr. 5 Tav. 36
Nissen, Pump. St. p. 174, Marquardt, R. St.- nr. 4, Cohen, M. de la rep. rom. Plaetoria 11
V. 3 p. 76 Anm. 5, Tit. Keim. Rom und das PI. 32, 9, Mommsen, H. de la monn. rom. 2
Christentum p. 95 Anm. 2) beziehen, die Ein- p. 481 f.) anführt; doch Lafaye p. 240 f. hält
führung des ägyptischen Kultus in Rom schon es für unmöglich, dafs zu dieser Zeit ein Be-
in das 3. oder 2. vorchristliche Jahrhundert amter Münzen mit dem Bild der Isis schlagen
gesetzt. Da aber jedenfalls mit Chifletius, liefs, und kann höchstens, wenn das Haupt ja
Abraxas p. 136, Gibbon, Gesch. d. Sink, d. r. Isis vorstellen sollte, darin eine Anspielung
Weltr. (Sporschil) ll p. 43 Anm. 1, Georgii in etwa auf eine diplomatische Sendung de s Plae-
P. R.-E. 4 p. 289 f., Sauppe, Hymn. in Isim torius nach Ägypten erblicken; und Babelon,
p. 9 Anm., Reichet p. 27, Preller, R. M.2 20 Monn. cons. 2 s p. 310 ff. Plaetoria nv 4 erkennt
p. 727 Anm. 4, Mommsen, R. Gesch. 34 p. 556, in dem Haupt die sabinische Göttin Vacuna.
Lanciani, Bull. d. Inst. 1868 p. 231 f., Lafaye Die Verehrung eines Plaetorius PJiodo für Isis
p. 42 — 4.3, 45, Wissowa zu Marquardt, R. St.- kennen wir aus C. I. L. 6, 347. Als Beizeichen
V. 3S p. 77 Anm. 4, 0. Gilbert p. 110 Anm. 1 erscheint der Isiskopfputz hinter dem Apollo-
(vgl. auch Cuper, Harp. p. 150, Zoega, N. Aeg. haupt auf Denaren des L. Calpurnius Piso Frugi,
Imp. 253, Droysen, Gesch. d. Hell. 32, 1 p. 49 Triumvir monetalis um 89 v. Chr. (Rev. num.
Anm. 3) die Notiz vom Konsul des J. 50 v. Chr. 1851 PL 15, 4 bis, Fabretti, Rcccc. num. del r.
zu verstehen ist, so kann die betreffende Stelle mus. di ant. di Torino. Mon. Consol. p. 77
nicht als Zeugnis für das frühe Bestehen des nr. 1268; p. 88 nr. 1512; Babelon, Monn. Cons.
Isisdienstes in Rom verwertet werden. Auch 30 1 p. 294 nr. 230) und hinter einem jugend-
auf die angeblich bereits von Ennius erwähnten liehen Haupt mit Dreizack an der Schulter
Isiaci coniectores bei Cic. de div. 1, 58 darf (Apollo Vejovis nach Babelon) auf Denaren
man sich nicht, wie dies noch M'achsnuilh, des L. lulius Bursio (nach Lenormant, La
Magic, quaestion. Spec. 1 p. 8, Friedländer, monn. dans Vant. 3 p. 152 84, nach Babelon
Sittengesch. 3 p. 447 und Bouche-Leclercq, Hist. 88 v. Chr. Münzmeister), Babelon 2 p. 7 nr. 129;
de la divination dans Vant. 1 p. 69 thun, be- Fabretti p. 150, 2765—2767, vgl. 152, 2815,
rufen, sondern mufs auf die Autorität Bothes, wo an Stelle des fiore di loto ein Sistrum tritt,
0. Ribbecks und Vahlens hin mit Boissier, La welches nach Fabretti 227, 4354 und Babelon
rel. rom. d' Auguste aux Antonius 1 p. 392 u. 2 p. 403 nr. 140 auch auf dem Rs. eines De-
Lafaye p. 40 Note 3, p. 42 diese Worte dem 40 nars des L. Roscius Fabius, Münzmeisters um
Cicero zuschreiben. Man wird, gestützt auf 64 v. Chr., und zwar verbunden mit dem Kopf-
die Angabe des Apul. met. 11, 30, dafs zur putz des Osiris vorkommt, sowie denn auch
Zeit Sullas ein Collegium der Pastophoren zu der Isiskopfputz hier, nr. 123 auftritt. Auch
Rom entstand, mit St. Croix, Rech. s. les myst. auf Denaren des L. Papius, Münzmeisters um
du paganisme 28 p. 170, Heinrich zu Juvenal 79 v. Chr., erscheint als Beizeichen der Isis-
6, 489 vol. 2 p. 266, ./. Burckhardt, Die Zeit Kon- und Osiriskopfputz (fiore di loto): Fabretti 202,
stantins des Gr. p. 201, Hoeck, Rom. Gesch. 1, 2 3820, Babelon 2 p. 281 nr. 65, und nicht min-
p. 372, v. Besnard in seiner Arnobius-Über- der das Sistrum: Babelon 2 p. 281 nr. 36,
setsung 'p.420, Heibig, Unters, üb. d. camp. Wand- Morelli 1 Papia Tab. 2, 13, Riccio p. 162
maierei p. 138, Lafaye p. 44 annehmen dürfen, 50 nr. 89, Borghesi, Oeuvres compl. 1 p. 226 nr. 56;
dafs zur Zeit Sullas der Isisdieust in Rom sich Fabretti 203, 3844; Carouni-TTiczay 2 p. 38
einbürgerte, wenn man auch nicht, wie Reichet nr. 863. Ein C. lulius Papius, Legionspräfekt,
und Gerhard, Gr. M. 2 p. 320 § 999 thun, zu verehrt im Jahre 25 v. Chr. die Isis auf Philä,
vermuten braucht, die Soldaten des Diktators C. I. G. 4931 , 4932. Viel Anklang fand der
hätten ihn aus Griechenland (Tithorea) einge- ägyptische Gottesdienst bei der römischen
führt. Ich will hier die wechselnden Geschicke Damenwelt, Lafaye p. 48 — 49, Calull 10, 26.
des Kultus in der letzten^Zeit der Republik Dagegen die Bewunderer der guten alten Zeit,
nicht näher schildern. Überall kann man wie besonders Vario, verhöhnten ihn, Mar-
finden, wie 58 v. Chr. die Altäre des fremden quardt, R.St.-V. 3 p. 77 Anm. 4, Röper, Piniol.
Gottesdienstes auf dem Kapitol, 53 Privat- 60 17 p. 86, Öhler zu Varros Satiren p.82f. Anm. 27,
kapeilen auf Senatsbeschlufs zerstört, 50 u. 48 O. Ribbeck, Rh. Mus. N. F. 14, 1859 p. 105,
ähnliche Mafsregeln ergriffen wurden, wie trotz- 110 f., Vahlen, In M. Ten: Varr. sat. Menipp.
dem aber schon 43 die Erscheinung eines Isiacus rel. Coniectanea. Lipsiae 1858, vgl. Mercklin,
so wenig auffällig war, dafs sich ein Ädil in Philol. 13 p. 720, Bücheier, Rh. Mus. N. F.
dieser Verkleidung aus Rom retteu konnte; 20, 1865 p. 427—430 und 14, 1859 p. 430.
wie endlich die Triumvirn selbst den Bau Noch einmal liefs der römische Nationalstolz
eines Tempels, nach Preller, R. M. 23 p. 379, die Abneigung gegen die fremden Eindring-
Gilbert p. 109 Anm. 2, Marquardt, R. St.-V. linge aufflammen, als im Kampfe zwischen
403 Isis (Gesch. d. Kults in Rom) Isis (Gesch. d. Kults in Rom) 404
Octavian und Antonius es zur Entscheidung Comtn. de numo Hadriani plumbeo p. 135 und
kommen sollte, ob Rom oder Alexandria der Baumgarten-Crusius in seiner Sueton-Ausgabe
TVelt gebieten würde. Die römischen Dichter 2 p. 327 irrig behaupten; vgl. noch über die
f'afsten den Kampf als ein Ringen der ita- Verehrung Domitians für Isis Miglia/rini, Ann.
lisehen mit den ägyptischen Gottheiten, B. d. Inst. 1842 p. 1S1 nach TJngardli, Interpr.
Bauer , Vierteljahr ssehr. für Völkstoirtseh. und ohelise. urbis; und für die seiner Zeitgenossen
Kulturgesch. 43 p. 133 f., Lafoye p. 49 ff. Wie Merivale 4 p. 264 u. Anm. 44, Lafaye p. 61,
schon Caesar die Collegia der Isisdiener in Friedländer 3 p. 446. Unter Hadrian, der
Rom nicht aufkommen liefs (Suet. Iul. Caes. seinen schönen Liebling Antinous unter dem
c. 42), so duldete auch Augustus, sorgfältig 10 Bilde ägyptischer Gottheiten darstellen liefs,
auf die Herstellung des alten Kultus bedacht (Bietrichson, Antinoos passim) und seine Villa in
{Merivale, Gesch. d. B. unt. d. Eaisert. 2 p. 368) Tibur mit ägyptischen Denkmälern anfüllte,
innerhalb des Pomeriums den Isisdienst nicht erscheinen zum erstenmal die Gottheiten des
(Brumann 1 p. 3S0 Anm. 89, Lafaye p. 51), Nillandes auf den Münzen eines römischen
mochte er immerhin den Alexandrinern nach Kaisers. Seine und seiner Gemahlin Sabina
Einnahme der Stadt aus Achtung vor Sarapis (die auf alexandrinischen Münzen den Isiskopf-
verzeihen (Lumbroso, Bull d. Inst. 1880 p. 176 f., putz führt, Feuardent, Fg. anc. 2, 100, 1529,
Jung, B. roman. Bandseil, d. r. Seiches p. XIII Mi. 6, 203, 351 ; vgl. St. Quintino, Descr. delle
Anm. 1), ja in Rom selbst den Privatleuten die med. imp>. alcss. ineel. del r. mus. egiz. eli Torino
Unterhaltung der von ihren Vorfahren gestif- £0 p. 19 nr. 89 = Mi. S. 9, 67, 242 und Mi. 6,
teten Heiligtümer der ägyptischen Gottheiten 204, 1357) Ankunft in Alexandria verewigen
anbefehlen (Cass. Bio 62, 2). Agrippa ferner Münzen mit den den Kaiser und die Kaiserin
verbot 21 v. Chr. die Errichtung von Kapellen bewillkommnenden Gottheiten Sarapis und Isis,
in den Vorstädten innerhalb eines Umkreises Cuhen 2S, 108, 18, 19, Feuardent 2, 338, 2623
von 7 ' » Stadien, Bio 54, 6, 1!" A. Schmidt, PI. 35 bis, Hobler, Becords of roman hist. and
Gesch. d. Denk- u. Glaubensfreiheit im 1. Jdhrh. coinage 1 p. 374 nr. 774; mittlere Bronzen
p. 159, Marguardt 3 p. 77 f., Madvig, Verf. u. zeigen Isis auf dem Siriushund, Felix. , D. N.
Veno. d. r. St. 2 p. 729, Lafaye p. 52f. Streng V. 6 p. 512; 8 p. 138, Cohen 2=, 219, 1369,
ging Tiberius (19 n. Chr.) mit Zerstörung der vgl. auch den von Cohen 2?, 231, 1496 frag-
Tempel, Hinrichtung der Priester und Verhau- so weise als Isis bezeichneten Typus. Ob mit
nung der Eingeweihten gegen unsittliche Aus- Eeeht Garrucci, I piombi ant. raccolti dalV
wüchse des Kultus vor, s. oben s. v. Herma- Alticri p. 93 Hadrian in der mit einer Uräus-
nubis, Lafaye p. 53 ff., Merivcüe 3 p. 195, 5S6. schlänge gekrönten Büste einer Teasera er-
Für die Verhältnisse unter Gaius, Claudius u. kennt, ist zweifelhaft; ebenso fraglich scheint
Nero vgl. Lafaye p. 58 — 59; Otho beging mir Carlo Ludovico Viscontis Vermutung, auf
öffentlich Opfer im Linnengewand, Suet. Otho einem Krater von schwarzem Granit mit Figuren
c. 12. Vespasian, dem Sarapis seine Erhebung des ägyptischen Kultus aus der Vigna Bonelli
zum Kaiser angedeutet hatte und der durch (Ann. d. Inst. 1860 p. 437 — 439 Tav. d'agg. Po)
von diesem Gott anbefohlene Heilungen zu sei die Einweihung des Kaisers in die ägyp-
einein übernatürlichen Ansehen gelangt war 10 tischen Mysterien dargestellt. Auf Münzen der
(Tac. H. 4, 81, 82, Suet. Vesp. c. 7), hatte allen älteren Fanstina sehen wir Isis Sothis, Cohen
Grund, dankbar zu sein, C. A. Reumann, De 22, 434, 273, Eclli. 7 p. 41; 8 p. 139; sehwer-
miraculis Vesp isiani. Jenae 1704. 4°, Felhcl, lieh aber die Häupter der Isis und des Sara-
I). N. V. 4 p. 32, Zoega, N. Aeg. Inip. p. 42 pis auf der Münze bei Cohen 22, 441, 311;
Note zu Vesp. 5, Guigniaut p. 27, Friedländer über eine grundlos als Faustina sen. gedeutete
3 p. 428, Merivale 4 p. 106, Lafaye p. 60—61, Frauenbüste im Isiskostüm s. Lafaye 2S7, 85.
B. Bauer a. a. O. p. 137 — 141. — Julian, Caes. Von Marc Aurel berichtet Iul. Capit. 31. Ant.
p. 310 f. ed. Spanh. läfst geradezu den Zeus Philos. c. 23: sacra Serapidis a vulgaritate
dem Sarapis den Auftrag erteilen, Vespasian Pelusiae submovit, Mommsen C. I. L. 1 p. 389,
nach Italien zu senden, um dort die Flamme 50 Preller-Jordan, B. M. 23 p. 377 Anm. 2. Die
des Bürgerkrieges auszulöschen. Im Iseurn Müuzen der Faustina jun. zeigen Isis Sothis,
Campense brachten er und Titus die Nacht Burnus 2, 322, 150 Tab. 3, 11, Gräber, Born.
vor dem Triumph zu, Lafaye p. 61. Domitian medallions in the Brit. Mus. p. 16 nr. 3 PI. 24,
baute diesen 79 n. Chr. verbrannten Tempel 2, Cohen 3", 165, 300; Isis stehend mit Sistrum
im J. 92 neu auf, Imhof, Bomitian p. 93—94, (u. Ähren?), zu Füfsen Pfau u. Löwe, Grüber
Lafaye p. 61; er war im J. 69 in der Ver- 16, 4 PI. 24, 3, Cohen 32, 165, 298; Isis Pelagia,
kleidung eines Isispriesters den Truppeu des vor ihr Schift, hinter ihr Leuchtturm, Frühner,
Vitellius entkommen, Tac. h. 3, 73, 74, Sust. Les medaillons de Tempi, rom. p. XIII, p. 369,
Domit. c. 1, Zoega a. a. 0 p. 51 Note zu Cohen 32, 165, 299; über eine nach Gerhard
Dom. 6; dafs er sich aber auf einer Münze eo und Panofka allenfalls die Faustina, nach
im Gewände eines solchen habe darstellen Finati die Sabina darstellende Büste im Isis-
lassen, wie Obrecht, Be nummo Domitiani dienerinnenkostüm s. G. u. P. , Neapels ant.
Isiaco. Argentorat. 1675. 4°, Patin zu Sueton Bildie. p. 17 nr. 41, Laf. 287, 86. Commodus,
ed. Graevius 1691 p. 72, ed. Burmann 2 p. 199f., dessen Anubisverehrung schon oben Bd. 1
Cannegieter, Be gemma Bentinclciaua p. 21 und Sp. 2311 erwähnt ist, hat nach Wietersheim,
Imhoof x>- 25 behaupten, ist ganz haltlos; ebenso Gesch. d. Völkerwanderung 3 p. 219 u. Burck-
wenig erscheint das heilige Schiff der Isis auf hardt, Bic Zeit Konstantins d. Gr. p, 203 durch
Denaren dieses Kaisers, wie I. C. Schläger, sein Beispiel die höhere Gesellschaft zur Teil-
405 Isis (Gesch. d. Kults in Rom) Isis (Gesch. d. Kults in Rom) 406
nähme am Isiskult angelockt, vgl. auch Fried- 166, 211—215; 169, 241; 175, 295, 296; 180,
länder 3 p. 177, Renan, Marc-Awele p. 491, 849; sitzend mit Ähren und Scepter 183, 384
Gilbert p. 111 Anm. 3. Auf seinen Münzen —386; mit Cerberus 169, 240; 170, 253; 175,
erscheinen Isis und Sarapis, an einem Altar 297, auf welcher Münze trotz Cohens Versiche-
stehend, dem Ton der Victoria gekränzten rung nicht der Minotaurus, auch nicht, wie
Kaiser die Hand reichend, Eckh. 7 p. 131, ich Ztschr. f. Kum. 13 p. 259 vermutete, Apis,
Cohen 3-, 310, 592 — 595, Smyth , Descr. Cat. sondern einfach Cerberus dargestellt sein wird;
of rom. imp. coins p. 164 nr. 305, Hobler 2 298, 299, 300; 181, 352; 183, 387. Über die
p. 599 nr. 1393, Stepliani , C. r. p. l'a. 1861 Marmorstatue der angeblichen Plautilla als
p. 82, Ghabouület, Bev. num. 1841 p. 356; ferner 10 Isispriesterin s. Chirac 5 PI. 308, 2590, p. 295.
Sarapis stehend als Conservator Augusti (s. Als ein Wunderzeichen unter der Herrschaft
Myth. Beiträye 1 p. 34 Anm. 1) oder am Steuer Elagabals führt Dio 79, 12 an, dafs das Bild
eines Schiffes der Getreideflotte, s. Mythol. der Isis-Sothis am Aetoma ihres Tempels den
Bcitr. 1 p. 143 f. Nach King, Ant. gems and Kopf nach innen wendete. Die von Tristan,
rings 1 p. 229 nr. 267 u. p. 4S PI. 12, 5 zeigt Comm. hist. 2 p. 328, Patin, Kum. Impp. p. 322,
der Marlborough Cornea und ein 'sapphirine Vaillant, Kum. Col. 2 p. 106 für Sarapisver-
Cälcedony' der Sammlung King die Büste des ehrung dieses Kaisers angeführten Inschriften
Commodus mit den Attributen des Zeus-Arn- sin.l gefäUcht oder beziehen sich auf Cara-
mon-Sarapis, und ähnlich ein Lapis-lazuli der calla, Henzen zu C. I. L. 6, 570. Severus
Sammlung Blacas die Büste des Pescennius 20 Alexander schmückte das Iseum und Serapeum
Niger, welcher auf einem Mosaik in den Gärten aus, Lamprid. AI. Sev. c. 26, Zoe'ga, K. Aeg.
des Commodus mit anderen Freunden des p. 267 zu nr. 27, Be'ville p. 59, Lafaye p. 62.
letzteren der Isis opfernd dargestellt war (Spart. Seine Mutter Iulia Mamaea erscheint auf einer
Pesc. c. 9j, als Sarapis, King 1 p. 229. Septi- Münze mit dem Kopfputz der Isis geziert,
mius Severus äufserte oft, dafs ihm seine Reise Ztschr. f. Kum. 13 p. 263 ff Von Gordiauus
nach Ägypten u. a. wegen des Sarapis Ver- Pius verzeichnet Cohen 5S, 40, 91 eine Münze
gnügen bereitet habe, Spart. Stpt. Sev c. 17, mit dem st henden Sarapis, desgleichen solche
vgl. Letronne, Oeuvr. chois. 2 p. 48, Be'ville, von Gallienus 52, 422, 833; 424, 839; 435, 975
I). Bei. z. Born mit. d. Severern p. 58, Laf. (,,comes Aug."), vgl. Eckhel 7 p. 393, 400;
p. 62 Anm. 2', Hoefuer, Unters, s. Gesch. d. 30 sowie von Claudius Gothieus, Myth. Beiträge
Kaisers L. Septimius Severus p. 237 ff. ; ~M.il- 1 p. 43 Anm. 1 (Conservator Augusti); Cohen
man, A hist. of chrütianity 1 p. 350 f. Für 62, 136,59 mit Isis zusammen, die auch allein
die ihren Fufa auf ein Schiffsvorderteil setzende, als SALVS AVG erseheint, 62, 155, 255 — 257,
ein Kind haltende Frauengestalt auf Münzen der Eckhel 7 p. 473. Diocletian errichtete das
Iulia Domna mit der Rs.-Aufschrift SAECVLI wieder abgebrannte IseumCampense von neuem,
FELICITAS wird zwar von Cohen 4'-, 119, Biichel p. 41, Pellcgrini, Bull. d. Inst. 1870
174—176 Caronnis Bezeichnung als Isis und p. 118 f. Auf eint-m Bronzemedaillon Diocle-
Horus angenommen; es ist aber, wie Coh°n tians bei Vaillant, Kum. Impp. Born. Praest.
selbst, wenigstens frageweise, vermutet, die 3 p. 225, das aber Cohen nicht aufgenommen
Felicitas Saeculi hier personificiert. Besonders 40 hat, sitzt Sarapis am Steuer, vor ihm steht
war Caraealla dem fremden Kultus ergeben; angeblich Victoria; auf mittleren Bronzen des
er zog vor dem Partherkrieg nach Alexandria, Maximian kehrt dieser Typus wieder, nur dafs
um den Sarapis dort zu befragen, weihte ihm hier die Stelle der Victoria durch Isis ersetzt
das Schwert, mit dem er seinen Bruder er- wird, die in Wirklichkeit vielleicht auch auf
mordet hatte, und nahm im Serapeion Quartier, der Münze bei Vaillant erscheint, Cohen 62,
Herodian 4, 8, Cuss. Dio 77 c. 23, vgl. Fried- 561, 667, Myth. Beiträge 1 p. 143. Aus dem
länder 3 p. 740. Er zuerst nahm den Isiskult breviar. Born. 3. Kai. Sept. führt Bartoli, Mus.
innerhalb des Pomeriums auf und erbaute der Odescalcum 2 p. 81 an, wie der Märtyrer Felix,
Göttin überall prachtvolle Tempel, Spart. Carac. unter Diocletian zum Sarapistempel geführt,
9, Gilbert p. 111 Anm. 3, Lafaye p. 62 Note 3, so statt dem ehernen Götterbild zu opfern, es
Preller -Jordan, B. 31. 23 p. 380 u. Anm. 1, anspie, worauf dasselbe zusammenbrach. Die
Parisotti, Studi e doc. di st. e dir'. 9, 1888 Acta Sinuessana, nach denen Papst Marcel-
p. 56 f. Seine römischen Münzen stellen ihn linus unter Diocletian im Isis- und Vestatempel
dar auf ein Krokodil tretend gegenüber der geopfert hat, Palrol. IM. 6 p. 11 ff. , werden
ein Sistrum haltenden und ihm Ähren reichen- von Baronius, Ann. pol. eccl. 2 p. 738ff., 770ff.,
den Isis (Eckhel 7 p. 215, Cohen 42, 177, 319; Pagi, Critica in ann. Baronii 1 p. 326—327,
179, 334), während die alexandrinischen ihn Basnagius, Ann. pol. eccl. a Caes. Aug. ad
durch Sarapis bekränzt werden lassen, Eckhel Phocam itsque 2 p. 460 -462 für untergeschoben
4 p. 84, Feuardent 2, 169, 2309 PL 28, Mi 6, erklärt. Hart stiefsen in späterer Zeit auch
356, 2490, vgl. S. 9, 103, 485. Die von Eckhel 60 in Rom Christentum und Isiskultus zusammen.
7 p. 207 für Isis gehaltene Frauengestalt auf Die oben citierten christlichen Schriftsteller,
Münzen mit der Umschrift VICTORIAE BRI- welche den Anubis verhöhnten (Bd. 1 Sp. 2314),
TANNICAE stellt vielmehr Britannia vor, richteten ihre Angriffe ebenso gegen Isis.
Arneth, Mus. Vinci. 2, 135, 141, Cohen 42, 210, Nach dem Siege des Christentums aber waren
639—641, Smyth p. 192 f. Aufserordentlich es gerade die edelsten und vornehmsten Römer,
häufig erscheint Sarapis auf seinen Münzen: welche an den heidnischen Kulten festhielten,
stehend mit Ähren, Coh. 43, 183, 381—383; Noch Ambrosius bei Baronius 2 p. 241 (ed.
die R. erhoben, in der L. ein Scepter 165, 195; Antverpiae 1597) sagt von römischen Adligen
407 Isis (Gesch. d. Kults in Rom) Isis (Kult in Rom: Widmungen) 408
seiner Zeit: 'Et cum ipsi capita et supercüia des Hellenismus bald ein Ende, Allard-p. 143ff.,
sua radant, si quando Isidis suscipiunt Sacra, de Bossi p. 63.
si forte vir Christianus attentior sacrosanctae Widmungen an Isis enthalten C. I. L. 6,
religionis vestem mutaverit, indignum facinus 344; 345 = Fröhner, Not. de la sculpt. ant. du
appellant: equidem doleo tantam esse in nun- Muse'e du Louvre p. 493 nr. 563; 346; 347;
dacio obserrantiam.' Eine der würdigsten Er- 349; an Isis frugifera 851; Isis (?) invicta 352;
scheinungen jener späten Zeiten war Vettius I. regina 354 = Fröhner 1 nr. 561; I. trium-
Agorius Praetextatus , den Macrob. 1, 17, 1 phalis 355; I. salutaris 436; I. Lydia educatrix
sacrorum omnium pracsul nennt und der zu- Bull. Gomun. 1889 p. 37; 'I. Tv%t} C. I. Gr.
gleich augur, pontifex Testete, pontifex Solls, lo 6005 (6004 I. exorata und 6003 gefäLcht,
XVvir sacris faciundis, curialis Herculis, Mommsen, Ber. d. Sachs. Ges. 1852 p. 256);
ferner sacratus Libero et Eleusiniis hierophania, an Isis u. Osiris (eine mansio) C. I. L. 6, 348;
ncocorus, „was freilich ein oft vorkommender I. invicta und Serapis 353; Seiapis u. I. 3709;
Titel, aber vorzugsweise dem Dienst des Sa- invictus deus Serapis u. I. regina 574 u. add.;
rapis eigen ist" (Jahn), taurobolieitus, patcr die Widmung eines lsqsvs xara tiilivaiv Ei-
patrum oder patrum sacrorum war, s. 0. John, ocimäog C. I. Gr. 5994; Widmungen an Sara-
Bcr. üb. d. Verh. d. Sachs. Ges. d. W. 1851 pis C. I. L. 6, 570 (von Caracalla); 571; 572
p. 338—342, Beugnot, Hist. de la destruetion = Laf. 291, 98; 402 von Scipio Orfltus, der
du paganisme 1 p. 442 ff., V. Sehultze, Gesch. 295 n.Chr. sich einem Taurobolium unterzieht;
d. Untergangs des griech.-röm. Heidentums 1 so 573 (S. conservator); 707 (nebst anderen Gott-
p. 231 ff., 252, Henzen, C. I. L. 6 p. 398 zu heiten); C. I. Gr. 5993 = Waddington, Fastes
nr. 1779. Eine treue Gefährtin fand er in des prov. asiat. p. 218, 178; 6002, b. Not. d.
seinen Bestrebungen an seiner edlen Ge- seavi 1879 p. 332 = Bull. Comun. 8, 1880 p.
mahlin Aconia Fabia Paulina, welche in- 13f. nr. 160; 5996 (freilich Ungewisser Her-
schriftlich bezeichnet wird als sacrata apud kunft, vgl. Dessau, Bull. d. Inst. 1882 p. 155
Eleusinam cleo Iaccho Cereri et Corae, sa- Note 1); 6002 (aus dem Jahre 299 n. Chr.,
crata apud Laernam dio Libero et Cereri et auch ungewisser Herkunft, aber nach Dessau
Corae, sacrata apud Aeginam deabus, tauro- a. a. 0. u. C. I. L. 14 p. 18 wahrscheinlich
bolitda , Isiaca , hierophantria dcae Heeatae, aus Rom; dagegen 5999 gefälscht, Mommsen
C. I. L. 6, 1780, vgl. 1779 d, Jeden p. 340-341. 30 a. a. 0. p. 256, Dessau p. 155); an Apollo Har-
Der Freund des Symmachus Virius Nicomaehus poerates (?) C. I. L. 6, 31. Von Priestern und
Flavianus, Konsul im Jahre 394, suchte nach Er- Eingeweihten des Kultus erscheinen: sacerdos
mordung des Valeutinian IL durch Arbogastes Isidis et.... CLL. 6,466; Isidis Capitolinae
unter der Herrschaft des Eugenius den alten 2247; 2248; sacerdos Isidis reginae megale-
heidnischen Kultus wieder in Rom zur herr- phorus Eph. epigr. 4 p. 302, 875; propheta
sehenden Religion zu machen. Das Carmen 846; naatocpögog &täg Nitliöti.Sog Ei'atäog uyrijg
Codicis Parisini 8084 (Morel, Bev. arch. 17, C. I. Gr. 6202, Kaibel 586, Eph. ep. 4 p. 301
1868 p. 451—459; 18 p. 44-55, de Bossi, Bull. nr. 874; sacrorum Isidis C. I. L. 6, 2224; 2245 ;
di archeol. crist. 1868 p. 49—58, 61—65, Ellis, 2246 = Lumbroso, Birista di fllol 1875 p. 18S
Journ. of pliil. 2 p. 66 — 80, Mommsen, Hermes 40 — 189; fanaticus ab Isis et Serapis 2234; Gal-
4, 1S70 p. 350 — 63, Biese, Anth. Lat. 1 p. 13 Ins Diasuriaes ab Isis et Serapis, Bull. Comun.
— 17 nr. 4, E. Baehrens, Bh. Mus. N. F. 32, 8, 1880 p. 9 nr. 152, A, Bull. d. Inst. 1880
1877 p. 211—225, vgl. Schnitze 1 p. 288 Anm. 3, p. 65, Eph. ep. 6, 300, 873; sacerdos Bubastium
Allard, L'art paien sous les emp. chictiens. C. I. L. 6, 2249; Bubastiaca 3880. C. I. Gr.
Paris 1879 p. 136 — 147) schildert anschaulich 5995 u. 6656 b. mit viaKÖgog und isgoxogog
'ce curieux revived paien', wie eine dreimonat- des Sarapis sind gefälscht, Mommsen a. a. O.
liehe Lustration angestellt (v. 28, 29\ aus Etru- p. 256f. ; zweifelhaft ob auf Isis-Kult bezüg-
rien Wahrsager berufen (v. 50), der Florakultus lieh ist Not. d. sc. 1877 p. 82, Bull. Comun.
erneuert (v. 112 — 114), die Feste der Isis mit 1877 p. 6, 1, Eph. ep. 6, 271, 767;jGrab-
Pump gefeiert wurden (v. 98 — 101, Allard 50 inschriften mit der Formel 8oi'[n] col 6 "Oaigig
p. 140), wie Flavianus sich des Nachts in den zo U'V/gov vdag C. I. Gr. 6562; svxpvx(^)i
Tempel des Sarapis begab (v. 91, Allard-p. 140), fitra zov' 'OasigiSog 6650; vgl. 6256 u. 6267;
wie er sich in deu Mithraskult einweihen liefs Altäre mit Sistrum Gruter p. 82, 3 u. 4.
(v. 47), dem Taurobolium sieh unterzog (v. Über die Heiligtümer in der 2., 3., 5., 6.,
57—62); wie ein Teil der römischen Aristo- [8.], 9. u. 12. Region s. Lafaye p. 200—228
kratie bei den Megalensia dem Löwengespann u. Add., Gilbert p. 112, Prcller-Jordan 23 p.
der Cybele folgte (v. 103— 109). Nach Sehultze 380 Anm. 3; über den Kult auf dem Capitol
p. 288 gehört in diese Zeit auch das aus 85 auch Bücheier, Bh. Mus. N. F. 19, 1864 p. 639
Hexametern bestehende Gedicht ad stnedorem nach einem Scholion zu Vergil Am. 2, 714;
ex christ. rcligione ad idolorum servitutem con- 60 über das Heiligtum der 9. Region (Marsfeld)
rirsum in den Opp. Cypricud ed. Hartcl. Gilbert p. HOf. Anm. 2, Leenciani, Le recenti
Appendix p. 302 ff., welches einen vor einigen scoperte dell' Iseo Gampensc deserüte edittustrate.
Jahren zum Christentum übergetretenen Se- Roma 1883 (Estr. dal Bull. Comun.), Barnabei,
nator tadelt, dafs er reuig sich dem Kultus Academy 1883 July 1, 7, Aug. 18, Maiuechi,
der alten Götter, besonders der Isis („Göttin, Nwva antologia. 2aa serie vol. 40. 1883 p. 160
ich habe gesündigt, vergieb, ich bin zurück- - 166, 494—504; über die Feste Mommsen,
gekehrt"), wieder zugewendet hatte. Freilich C. 1. L. 1 p. 387 ff. Aus Mangel an Raum
machte der siegreiche Theodosius dem Triumph verzeichne ich nicht die Unzahl der bildlichen
409 Isis (Kult in Ostia etc.) Isis (Kult in Praeneste etc.) 410
Denkmäler, welche der Boden Roms geliefert buch , D. Dianaheiligtum in Nemi, Verh. d.
hat; einiges davon findet man bei Lafaye pas- 40. Vers, deutscher Piniol, p. 147 — 164) ent-
sim; die Thonstempel mit Namen von Frei- hält C. I. L. 14, 2215. Isispriester kennen wir
gelassenen der Domitier u. Sistrum bei Desce- aus Privernum 0. I. L. 10, 6445; Tuscu-
met, Inscr. doliaires latines nr. 72, 73, 74, 87, lum, C. I. L. 14, 2589; Tibur C. L L. 14,
103; Bleitesseren, meist aus dem Gebiet von 3033, an dessen Heilquellen nach F. Gori, Ar eh.
Rom und den Städten Latiums mit ägyptischen stör. art. e lett. vol. 3 p. 335 eine Statue der
Darstellungen u. a. bei Garrucci, I piombi Isis gefunden sein soll und in dessen Nähe
ant. racc. dall'Alticri p. 66, 67, 69, 75, 79, Hadrians Villa stand mit Canobus (Spart, v.
88, 91, 92. 10 Haar. o. 26) und einer Unzahl Nachbildungen
Natürlich war Roms Hafenstadt Ostia mit ägyptischen Stils ( Winchelmann, Sämtl. Werke
Portus dem ägyptischen Gottesdienst in hohem 6 p. 279ff., Gregorovhts, Gesch. d. r. Kais.
Mafse ergeben. Isis hatte ibr Hauptheiligtum Iladrian p. 222 ff. , Nibby , Descr. dclla villa
in Ostia, Sarapis das seine in Portus, C. L. Adriana. Roma 1827, Bcsclir. d- Stadt Rom 3,
Visconti, Ann. d. Inst. 1868 p. 381, Dessau, 1 p. 146), darunter auch Darstellungen der
C I. L. 14 p. 18, Gatti, Ball. Comun. 1886 Isis, Lafaye p. 244, 280f. nr. 57-60 (Statuen);
p. 175. L. Valerius Firmus war zugleich Mem, per le belle arti 1788 p. CI, Welckers
sacerdos Isidis Ostensis et M(atris) D(eum) Ztschr. f. Gtsvlt. u. Ausl. d. a. Kunst 1 p. 291
Trastib(erinae) d. h. der Cybele in Portus, C. nr. 2 (erhabene Mosaikarbeit) u. des Harpo-
I. L. 14, 429; einen anderen sacerdos Li(dis 20 krates, Lafaye p. 282, 65, Chirac 4 PL 763,
Ostensis) lehrt kennen C.I. L. 14, 437; einen 1876, Muniagnani-Mirabili 2 tav. 72 p. 14 — 16,
sacerdos san tae reginae iudieio maiestatis Beschr. d. St. Born 3, 1 p. 238 nr. 35, Winckel-
eius electus Anubiacus G. I. L. 14, 352; die- mann 9 p. 312, Fea, Mise. crit. 1 p. CLX, 87.
selbe Inschrift u. C. I. L. 14, 343 je einen Cultores Isidis giebt es in Atina G, I. L. 10,
Isiacus; Eph. ep. 7 p. 356, 1194 einen Isiacus 5049; ein collegium Isidis in Aternum vicus
et Anubiacus, der der Isis regina, der restitu- (Pescara) im Vestinergebiet, G. I. L. 10, 3338.
trix salutis suae eine Bildsäule des Mars weiht. Praeneste, bekannt durch seine phöniko-
In der zu Poi tus gefundenen Inschrift C. 1. L. ägyptischen Altertümer (Fernique, Etüde sur
14, 18 errichtet ein sac(erdos) deae Isidis und Pre'neste p. 170 nr. 11; p. 174 nr. 4, 5, 7;
die übrigen Isiaci ein magar(um) u. zwei Frauen 30 p. 176 nr. 22; p. 178, p. 180; Fabiani, Bull.
erweitern dasselbe, CLL. 14, 19. Eine Isiaca d. Inst. 1881 p. 83; Not. d. sc. 1876 p. 40—
tritt uns entgegen 302 und nach den Reliefs zu 41, 113 — 126; Heibig, Ann. d. Inst. 1879 p. 5 —
urteilen auch 1044; eine Bubastia, die der Isis 18, Fabiani ebenda p. 18-23), seine Obelisken
Bubastis eine silberne Venusstatue, weiht 21 (Zoega, De orig. et usu ob. p. 83 — 84, Not. d.
u. add. Die Weihung einer ara an saneta Isis, sc. 1881 p. 247, Maruechi, Bull. d. Inst. 1881
numen Serapis sanetum, Silvanus, Lares meldet p. 255 — 256, 1882 p. 248 — 252), seine Mosaik
20. Ein Schiff führt nach der seewaltenden mit ägyptischen Landschaftsscenen (Lumbroso,
Göttin den Namen Isis Giminiana 2028. Die Borna e V Fgitto cap. 2. Bappr. di cose nilo-
auf die Neokoren des grofsen Sarapis in Por- tiche Musaico di I'alestrina p. 11 — 18), hatte
tus bezüglichen Inschriften hat Dessau, Bull. 40 nach C. I. Gr. 5998, G. I. L. 14, 2901, Fer-
d. Inst. 1882 p. 152-156 = C. I. L. 14, 188, nique p. 118 nr. 1 einen Tempel des Sarapis
47 u. p. 18 zusammengestellt. Eine griechische und seiner ovvvuoi &soC; auch wurde dort eine
Widmung an dieselbe Gottheit u. die avvvaoi Statue der Isityche der Fortuna Prirnigenia ge-
ftioi giebt Gatti, Bull. Com. 14, 1886 p. 173— weiht, C. I. L. 14, 2867, Maruechi, Bull. d.
180, 1207. Cultores Serjapis will Lunciani, Inst. 1881 p. 253. Weihinschriften an Sarapis
Bull. d. Inst. 1870 p. 21 in der von ihm, ab- hat man auch aus Cercatae Marianae (Ca-
weichend von Dessau, für eine Widmung an samare), C. I. L. 10, 5780 u. Auximum CLL.
Isis und die Mater Deurn gehaltenen fragmen- 9, 5824. Nach Marangoni p. 283 und Lisi,
tarischen Inschrift C. I. L. 14, 123 entdecken. Historia Sorae. Roma 1728 (citiert von Nico-
Ferner haben wir Widmungen an Isis und 50 lucci, Not. d. sc. 1880 p. 391) hatte Serapis
Sarapis aus Marino (zwischen Bovillae, wo einen Tempel in Sora; ein Bronzeplättchen
eine Kolossalbüste des Sarapis, Overbeck, Zeus mit der Aufschrift HMeTePI-<t>l;AeiCe C6PATT
p. 307 nr. 1 u. ein Thongefäfs mit eingepräg- ist in Velitrae gefunden, Cardinali, Iscr. ant.
tem Sistrum, Fabrctti, Inscr. quae in aedib. Velit. p. 181, Ct. 5, 115, Frans, Mem. ep. gr.
paternis asserv. p. 491, gefunden sind, und p. 371, Duc. ined. p.s. a. st. d. Mus. d'Italia 3
Castrimoenium) C. I. L. 14, 2427; Nomen- p. 480, Xdiv. nr. 3 (vgl. 1 p. 350 §25 nr. 249;
tum (La Mentana), C. I. L. 14, 3941; Forum p. 380 § 52 nr. 251). Die von Gruter p. 85, 8
Novum (Vescovio im Sabinerland) C.I.L. 9, u. Orelli 1887 verzeichnete Weihinschrift an
4772; an Isis aus Terraeina, C. I. L. 10, Sarapis aus Cures ist gefälscht C. I. L. 9,
6303, de la Blanchere , Terracine. Paris 1884 60 Fah'ie 456*; die von Orelli 2308 nach Reate
p. 116; Aquinum C. I. L 10, 5387; Telesia gewiesene Inschrift gehört nach Rom, C.I.L.
C. I. L. 9, 2196; Corfinium G. I. L. 9, 3144; 6,2244. Aus der Sabina stammt eine Lampe
Asculum Picenum C. I. L. 9, 5179. Bilder mit den Büsten des Sarapis und der Isis als
des Sarapis und der Isis werden gestiftet in AAGEIKAKOI, Bull. d. Inst. 1862 p. 35; aus
Aequiculi C. I. L. 9, 2196; ein Verzeichnis Pratica eine grüne Porzellanfigur der den
der in die Heiligtümer der Isis u. Bubastis Horus säugenden Isis, Lafaye 286, 80; aus
geweihten Gegenstände aus dem Dianaheilig- Circeji ein Canopus aus grünem Basalt,
tum von Nemi (vgl. über dasselbe 0. Bofs- Winchelmann 3 p. 218, Beschr. d St. Born 3,
411 Isis (Kult in Etrurien etc.) Isis (Kult in Helvetien u. Gallien) 412
2 p. 522, Fea, Inclic. ant. per la villa suburbana und Eegium Lepiduru, sowie im transpada-
dell Em. Casa Albani ed. 2a nr. 586. Über nisehen Oberitalien habe ich in meinen Myth.
Anubiskult in Antium s. ob. 1 Sp. 230G. Bcitr, 1 p. 6—8 gesammelt. Die einschlägigen
Etrurien, das besonders in den Nekro- Inschriften von Bononia, wo die Kirche des
polen vonCervetri und Vulci reiche Fund- h. Stephanus nach Massimi. Bologna Perlu-
stätten phöniko-ägyptischer Altertümer besitzt, strata p. 312 bei Marangoni p. 270 an Stelle
schlol's sich in der Kaiserzeit von der Ver- des Iseums stehen soll, sind verzeichnet C. I. L.
ehrung der Isis und des Sarapis nicht aus. 11, 693 — 695; Orelli 2315 gehört nach C.L.L.
Aus Falerii, wo einst Rutilius Numatianus 11, 819 nach Mutina, wo auch die an die
an der Festfeier des 'renovatus Osiris' teil- 10 Auxilia gerichtete Weihiuschrift G. L. L. 10,
nahm [de reditu suo vs. 371 ff.), wo eine Bronze- 816 (vgl. Apul. met. 11, 10) gefunden ist; die
Statuette der Isis, De Witte, Descr. de la coli. Iuschrift von Veleia C. L. L. 11, 1160.
d'ant. de M. Beugnot p. 127 nr. 377 und des In der Schweiz kennen wir die Errichtung
stehenden Sarapis, Michaelis, Anc. Marbles in eines Isistempels in Aquae aus einer Inschrift
Great Britain p. 600 nr. 4 gefunden wurde, von Wettingen, Orelli 457 u. lnscr. Ltele. nr. 264,
ist inschriftlich ein sacerdos Lsidis et Matris Mitt. d. ant. Ges. in Zürich 2, 1844 p. 167,
Deum bezeugt 0. 1. L. 11, 3123. In Florenz Keller ebenda 12 p. 300, Momtnsen, Lnscr. con-
wurden gefunden 'nel farsi il nuovo convento fed. Helv. lab. nr. 241, Schaaffliausen, Bonner
de' paclri delV oratorio diS. Firenze' die Marmor- Jalirbb. H. 82. 1886 p. 214. Funde von Sta-
basen G. I. L. 11, 1577 — 1586 mit Weihinschrif- 20 tuetten der Isis weiden verzeichnet aus der
ten an Isis regina; u. hinter der Kirche des h. Gegend von Aarau (mit Horos, Bronze), Arch.
Blasius ein Marmorkopf des Sarapis, Gori, Lnscr. Zeit. 1880 p. 39, vgl. Bemoulli, Mus. in Basel
ant. quae in Etruriae urbibus extant 3 p. 312; p. 61 zu nr. 206; Vindonissa, wo auch ein
in Faesulae zwischen der Kirche des h. Agath Onyx mit dem Kopfe des Sarapis ge-
Alexander u. dem Seminar, vermutlich an der funden wurde , Hcdler v. Königsfelden, Hclvet.
Stelle des Iseums, die Inschriften C. L L. 11, unt. d. Mömem 2 p. 385, 402; vgl. auch Keller,
1743 geweiht dem Dominus Osiris und 1544 Mitt.lb p. 158 nr. 7, 21 Taf. 11; Aventicum,
geweiht der Domina Isis Taposiris; zu beiden H. Hagen, Avcntikum (S.-A. aus den Alpen-
gehörten Statuen; _die zu 1544 gehörige der rosen) Bern 1876 p. 27; Angst (mit Horos,
sitzenden Isis mit Ähren und Situla ist bis auf 30 Bronze), Bemoulli a. a. 0. p. 61, 206, welcher
das Haupt und den 1. Arm vollständig er- von ebendort verzeichnet die Bronzestatuetten
halten, s. Gamurrini, Not. d. sc. 1883 p. 75— des Amor mit harpokratesartig zum Kinn er-
76, Barnabei, Acadcmy 1883, March 31. In hobener R p. 52, 147, des Osiris 61, 204, einer
Perusia scheint sich ein ministerium lsidis Statuette im ägypt. Stil 61, 208, eiuer mumien-
befunden zu haben, C. L. L. 11, 1916 p. 353. artigen Figur 62, 209, sowie die Statuetten
Aus anderen Orten sind wenigstens Funde von eines Verstorbenen als Osiris in blauem Thon-
Denkmälern zu verzeichnen, so aus Caere schmelz 62, 213; 63,218. Die Bronzestatuette
eine Reliefplatte mit Isis auf dem Siriushund, der 'Isis mit dem Modius bedeckt, in etrus-
Matz u. v. Duhn, Ant. Bildw. in Born 3 p. 48 kischem Stil' auf dem Mont Joux, H. Meyer,
nr. 3534; Lafaye 290, 93 u. Mel. d'arch. et 10 Mitt. 13 p. 126 hat mit der ägyptischen Göt-
d'hist. 1, 1881 p. 192—214, PI. 6; aus Pisa tin nichts zu thun; dasselbe gilt von einem
ein Marmorkapitäl mit Acanthusblättern und von Keller, Mitt. 15 p. 157 Taf. 4, 6 als 'Kopf
Victorien, zwischen denen Harpokrates her- einer Statue der Isis aus Sandstein' mitgeteilten
vorragt, mit einem gleichen den Iupiter dar- weiblichen Porträtkopf aus Stein egg im Thur-
stellenden im vorigen Jahrh. an der Aufsen- gau, s. Benndorf, D. Ant. v. Zürich, Mitt. 17
wand der Kirche des h. Felix, Gori a.a.O. 2 p. 128 nr. 9. Der angebliche Isistempel auf
p. 2, jetzt an der Facade eines Privathauses dem Isenberg bei Ottenbach im Kanton Zü-
angebracht, Chanot , Gaz. arch. 1877 PI. 29,30 rieh ist nach F. Keller, Mitt. 15 p. 109 f. eine
p. 184 — 185, Lafetye p. 269, 16, Thcdenat, Bull. Villa; den Fund einer Gemme mit Sarapiskopf
de la soc. not. des ant. de Fr. 1883, 3e livr., 50 zwischen Victorien bei Zürich verzeichnet
Ben. d. Bev. 8 p. 207. Nach einer Notiz Thioly, Schweiz. Anz. 1870 p. 154, Arch. Zeit,
de Wittes aus dem Jahre 1838 gab es an dem 1871 p. 12*.
Hause noch vier andere Kapitaler mit den Bil- In Gallien fanden sich zahlreiche Reste
dern von Isis, Ceres, Minerva und Venus. Un- des fremden Kultus in Massilia, so Inschrift
weit Cosa wurde ein Sistrum, Bull. d. Lnst. eines profeta, C. I. L. 12, 400 add., Gamille
1829 p. 7, 1830 p. 254; Micali , Mon. ined. Jullian, BvXl. epigr. de la Gaule 6, 1886 p. 117—
p. 109 tav. 17, 10, Dennis, D. Städte u. Be- 127, Isisstatue, gefunden in den Trümmern
gräbnisplätze d. alten Etr. 2 p. 537 Anrn. 5; eines Isistempels (?), Jullian p. 124, Basrelief,
in Veji eine Votivhand mit Sarapisbüste ge- darstellend Isis mit Füllhorn, Siriushund und
funden, Becker, Drei röm. Votivhändep. 8 nr. 11. co nicht zu deutender Persönlichkeit (Anubis?),
In Forum Popili in der Romagna war ein Schiff rettend, p. 124, Bronzebüste des Sa-
Fullonia Tertulla in den Isisdienst eingeweiht, rapis p. 124, Bronzestatuette des Harpokrates,
0. L L. 11, 574; nach Marangoni p. 274 be- Grivaud de la Vincelle, Bec. de monum. ant.
hauptet Matteo Vecchiazsani in der Geschichte decour. dans l'anc. Gaule 2 p. 242 PL 30, 4,
von Forlimpopoli p. 1 1. 3, dafs Bischof Ruh- 'un cornet ä jouer aux des dont une face pre-
lius den Isistempel daselbst der Vergine An- sentc la figure du dieu cg. Harpocrate'' , Jullian
nunciata geweiht habe. Die Spuren des ägyp- p. 124; sowie inNemausus, wo sich inschrift-
tischen Kultus in Bononia, Mutina, Veleia lieh ein Tempel der Isis und des Sarapis mit
413
Isis (Kult in Gallien)
Bildern dieser Gottheiten, C. I. L. 12, 3058,
Widmungen an Isis, 3059; 3060; 4069 (u. an
Luna); eine Isispriesterin 3224 n. add.; und
Anubiaci3043 nachweisen lassen. Weihinschrif-
ten an Isis sind auch gefunden in Mons Se-
leucus C. I. L. 12, 1532; Dea Augusta
Vocontiorum (Die), 1562; Gratianopolis
2217, vgl 2215; Sextantio 4184; Soissons,
Orelli 1877, Ch. Robert, Epigr. gallo rom. de la
Moselle 1 p. 29 (u. an Sarapis); angeblich auch ro
in Tolosa, Orelli- Mensen 5856 (aber nicht im
C. I. L.); u. Lyon, Lafaye p. 162, aber aus
Iteinesius 289 'ex schedis Langermanni' ; sicher
nicht der Isis ist geweiht die von Lafaye a.a.O.
für Langres citierte Inschrift Gruter 84, 5.
Pastophoren und ein Pausarius der Isis sind
nachweisbar in Arelate, C. I. L. 12, 714 fr.
10 et 11, 734 (über dessen Obelisk s. Zoega,
de or. et u. ob. p. 87); ein Anubofo. us in
Vienna, C. /. L. 12, 1919 p. 219; eine mater so
sacroium in Vesontio, Lafaye p. 162, nach
Eeinesius p. 362, 14, Orelli 2313, wo auch eine
bronzene Isisstatuette gefunden ist, Coli. I.
Grcau, Brouses ant. p. 237 nr. 1112. Bronze
Statuetten der Isis-Fortuna hat man aus Lyon,
Grivaud de la Vincelle 2 PI. 19, 4 p. 183, 1S5,
in dessen Nähe auch ein Thongefäfs mit den
Büsten des Sarapis und der Isis gefunden ist,
s. Myth. Beitr. 1 p. 14; eine silberne geflügelte
Isis-Fortuna aus Südfrankreich wird verzeich- 30
net bei Dubois, Detcr. des ant. faisant partie
des coli, de M. Ic comte de Pourtulis-Gorgier.
Paris 1841 p. 114 nr. 612, Cat. des objets d'art.
compos. hs coli, de feie le comte de Pourtales-
Gorgier. Paris 1865 p. 122 nr. 631, Vente
Charvet. Paris 18S3 p. 171 nr. 1831. Die an-
gebliche Isis aus Bronze von Toulouse, Bev.
dreh, 1846 p. 576 — 582 stellt wohl ebenso
wenig diese Gottheit dar, wie die bei Bolard
im Flufsgebiet der Saone gefundenen Thon- 40
figuren, Arch. Ans. 1866 p. 166*, R-ev. Arch,
1866, 1 p. 71. Die Echtheit eines in Toulouse
gekauften Bleigefäfses mit Harpokrates u. Isis-
Hygieia in Basrelief wird von Hirschfeld , 0.
I. L. 12, Falsae 323 nicht anerkannt, von
Lebegue, Bull, epigr. 4, 18S4 p. 16—18, Bev.
Arch. sei: 12, 1888 p. 140—143 verteidigt. Das
Isisbild in der Abtei St. Germain des Prez
wurde 1514 durch Kardinal Briconnet zerstört,
Spion, Becli. cur. p. 302 — 306, Patin, Impp. 50
Born. num. 1671 p. 483, Tristan, Comm. bist.
3 p. 735, Morellius zu Statins Silvae ed. Eme-
ricus Cruceus. Paris 1618. 4°. p. 337 f, Scliö'pflin,
Alsatia ill. 1 p. 498 u. Note k, Piper, Mythol,
d. christl. Kunst p. 55, Foibiger 3 p. 219 Anm.
36, Reichet p. 41; vgl. sontt für Isiskult in
Paris die bei Lafaye p. 163 citierten Autoren
u. Deal, Diss. s. les Parisii ou Parikiens it
sur le eulte d'Isis dies les Gaulois. 1826; über
einen Thalamaphoros und ägyptischen Priester, 60
gefunden 'dans les fondations de Tiglise Saint-
Euslache ä Paris' Chirac 5 p. 300 f. nr. 2553,
2558, 3 PI. 335, 404. Eine eherne Sarapis-
statuette aus Cernay-les-Reims (Marne)
wird besprochen Soc. nat. des ant. 'de Fr.
seance du 28 avril 1886, Bev. Arch. 1886, 7
p. 368; Bull. mens, de l'ac. des inscr. seance
du 14 mai 1886, Bev. Arch, 1886, 8 p. 104.
Isis (Kult in Germanien etc.) 414
Harpokratesstatuetten sind gefunden worden
bei Narbonne, Grivaud de la Vincelle 2 p. 37
PI. 4, 3; in Sedan, Grivaud 2 p. 38 nr. 4
PI. 4, 4; an der Nordwestspitze von Loc-
mariaker im Departement Morbihan (über
dessen sonstige angeblich ägyptischen Alter-
tümer vgl. Antiquites egyptienncs dans le depart.
du Morbihan, Vannes 1812. Fol.), Caylus, Bec.
d'ant. 6 p. 378 PI 119, Grivaud 2 p. 37, A.
Andre, Cat. rais. du mus. arch. et de ce'rain
de la rille de Bcnnes. Rennes 1876 p. 121 nr.
531; in Corseul, Andre p. 21 nr. 14; in Dijon,
Coli. I. Gre'au, Bronses ant. p. 199 nr. 948
PI. 20, 2. Über Anubis s. oben 1 Sp. 2307;
über Leichensteine mit Sistren in Lothringen
Lafaye p. 162; über ein Relief aus Lorry-
Vigneules, das angeblich Isis nebst Horus,
Schlange, Ibis, Widder u. Gans darstellen soll,
Victor Simon, Notice sur un monument de la
dc'esse Isis, Extr., des Mem. de l'Acad. nat. de
Mets, 1851—52 p. 1—7 Fig. 1-3; über sonstige
ägyptische Funde Lafaye p. 162 — 164 u. add.;
Cli. Bigarne, Considerations sur le eulte d'Isis
dies les Ecluens Beaunel862; Fr. Lenormant,
Bull. Comun. 5, 1877 p. 10; Noettas, Bull. arch.
du comite des trav. hist. et scientif. 1886 nr. 3,
Bev.desrev. 11 p. 221 (Roanne); über einen an-
geblichen Isistempel in Rennes Toulmouche,
Hut. arch. de l'epoque gallo-rom. de la rille de
Beiines. Rennes 1847 p. 287 Note 2 p. 296—297.
Noch sei erwähnt, dafs auf Münzen des
Postumus Sarapis als Comes Augusti erscheint,
Cohen 6ä, 55, 357—360, de Witte, Rech. s. les
empereurs qui ont regne dans les Gaules au
IIIe siede de l'ere chretienne PI. 18 p. 71 — 72
nr. 294—296, und dafs Venantius Fortunatus
den Dämon, welcher die Ruhe des h. Martin
von Tours gefährdete, auch die Gestalt des
Anubis (nunc se mentittis Anubem) annehmen
läfst, Venant, Fort, de v. s. Mart. ed. Brouve-
verus. Moguntiae 1617. 4". p. 296.
Über die Verehrung der ägyptischen Gott-
heiten in Rätien, Noricum, Pannonien,
Dalmatien, Dacien, Mösien, Thracien
und Macedonien handelt das 1. Heft meiner
Myth. Beitr. 'Der Kultus d. Äg. Gottheiten in d.
Donauländern' . Leipzig 1890; über den Isisknlt
in den Rheinlanden H. Schaaffhausen, Bonner
Jalirbb. Heft 76, 1883 p. 31-62 Taf. 1, vgl.
H. 80, 1888 p. 285, A. Wiedemann ebenda H. 78,
1884 p. 84—125, H. 83 p. 247— 251, H. 88 p.
238 — 241 (Fund einer Apisstatuette in Köln),
über die Isis-Verehrung an der Mosel Arnoldi
ebenda H 87, 1889 p. 33—52; erwähnt sei
auch ein Bronzesistrum aus Heddernheim
im Mainzer Museum, GL Rh. 1485; ein Stein-
relief des Sarapis in Medaillonform aus einem
der Rheinbrückenpfeiler zu Mainz, erwähnt
von Schaaffhausen, Jahrbb. H. 53/54, 1873 p. 116,
J. Becher, Castellum Mattiacorum d. rom. Kastell
p. 93 Anm. 24, W. Hein, Abbild, v. Mainzer
Altertümern 6 p. 6 nr. 3 ; ein Canobus, Fuchs;
Alte Gesch. von Mains 1, 1771 p. 73—75,
Kupfertafel 7 nr. 37, J. Clw. Wagner, Hdbuch
d. vors, in Deutschi. entd. Altert, aus heidn.
Zeit p. 414 Fig. 738 aus Mainz; ebendaher
ein angeblicher Apis von Bronze, Wagner
p. 314 Fig. 739; ein Thonfigürchen aus einem
415 Isis (Kult in Germanien etc.) Isis (Kult in Britann., Hispania etc.) 416
Grabe der Umgegend, gegen dessen Bezeich- in Nederland, Belgie etc. gevonden romeinsche,
nung als Isis mit Apis bei Wagner p. 414 germaansche of gallische oudheden. Leyden 1845
Fig. 740 sich mit Recht J. Freudenberg, Jahrbb. p. 60 mit einem Fragezeichen versehen; die
H. IS p. 104, 117 erklärt; ägyptische Idole in Sarapis- Isis -Inschrift von Voorbnrg Orelli
Göttweig, die Dach v. Sacken, Arch. Wegweiser 1891, Steiner 1468 ist unecht, C.I.Rh p. 395, 5.
durch Niederüsterr. 2 p. 145, vgl. 39 vevniut- Die 'Isis' an einem Altar zu Heitert, Wilthe-
lich durch den Abt Gottfried Bessel von Mainz »ums, Luciliburgensia p. 287 Fig. 363 PI. 83,
dorthin gebracht sind, ohne dafs freilich sich Engling, Piibl. de la soc. p. 1. rech, et la cons.
ihr Fundort feststellen läfst; eine Statuette d. mon. hist. dans le Grand- duche de Luxim-
der Isis und eine des Apis von Bronze aus 10 bourg 10 p. 71 nr. 13, 16 p. 95, Van Dessel,
Bingen: L. Lindenschinit , Bingen zur Zeit Topogr. des voies rom. de la Belgique p. 60,
der Römer p. 315; Aphroditestatuette mit (auf Beuvens, Leemans, Janssen a. a. 0. p. 38 stellt
derTafel freilich nicht sichtbarem) Isiskopfputz sicher diese Gottheit nicht dar; ebeuso wenig
aus Rückingen: A. Duncker, D. Boinerkastell wie der 'Canopus' von Gerouville, Wilthe-
u. d. Totenfeld in der Kinzigniederung bei rnius p. 310, /. Felsenhart, Le Laxembourg
Bückingen. Hanau 1873 p. 21 h, p. 41 Taf. 2, Bilge. Bruxelles 1874 p. 307 etwas mit dem
27 p. 43; angebliche Horas- und Isis^tatuetten ägyptischen Canopus zu thun hat.
des Römerkastells zu Gengenbach im Einzig- Britannien ist vertreten mitWeihinschrif-
thal : de Bing, Mein. s. les e'tablissements rom. ten an Sarapis aus Rirkby Thore, G. I. L.
die Bhin et du Danube 1 p. 207; Mosaik von »o 7, 298, York C. I. L. 7, 240, J Klein, Bh.
Trier mit Darstellung der Monatsgottheit des Mus. N. F. 32, 1878 p. 132, Pcgge, Archaeo-
November mit Isisattributen: Wochenschr. f. kl. logia 3 p. 151; silberner Harpokrates-Statuette
Plülol. 6 Sp. 82, A. Biegl, AEM 13 p. 9—10". aus London, C. Boach Smith, Illustration of
AusBelgien, Holland u. Luxemburg ist Boman London PI. 22, Arch. Zeit. 1869 p. 69;
zu verzeichnen eine Weihinschrift an Isis aus Bronze-Apis aus Penwyth in Cornwall, Arch.
Flandern: de Bast, Bec. d'ant. rom. et gaul. Zeit. 1850 p. 174, Sam. Birch, Observations on
trouvees dans la Flandre proprement dite. a bron:e figure of bull found in Cornwall, Arch.
Nouv. ed. p. 196, Schedius, de diis Germ. p. 228; Journ. nr. 25; üsirisstatue aus Hamden Hill,
bronzene Isis-Fortuna, Mus. Bavestein 3 p. 486f. Korris, I'roceedings of the Soc. of Antiquaries
nr. 1778 b; angebliche Isisstatuette aus Bronze, 30 at London 11, 1886 nr. 1, Bev. des Bev. 11
Henr.Canncgieter, De gemma Bentinckiana item p. 227; Ring (Karneol) mit den Häuptern der
de Iside ad Turnacum inventa. Traj. ad Rh. Isis, des Sarapis und Harpokrates u. der Auf-
1764 p. 19 — 36, I. de Bast p. 185—191 PI. 5, schrift EJg) Z(ei>s) Z(uQa7tiS) aus Castle-
11, A. G. B. Schayes, Les Baijs-Bas avant et steads, Eph. ep. 7 p. 351, 1175, Inscr. Gr. Sic.
durant la domination rom. 2 p. 246 Note 4; et Ital. etc. Nr. 2573, 2; Gemme doch wohl mit
Mus. de Bavestein l p. 42; 'Statuette e'gyptienne' , Isis oder Isispriesterin aus Uriconium, J.
Westd. Zcitschr. f. Gesch. u. Kunst 7, 188S Corbet Anderson, The roman city of Uriconium
p. 3i0; sowie eine Bronzehand mit Sistrum, at Wroxeter, Scdop. London 1867; wie denn
de Bast p. 191 — 196 PL 6, 1; J. Becker, D. auch auf einem Goldring aus dem römischen
Ileddernheimcr Votivhand p. 14 nr. 26, p. 19 40 Lager zu Silchester der Abbildung nach
aus Tournay; Gufsforrnen angeblicher Isis- eher Isis mit Sistrum und Situla, als (wie es in
Statuetten aus Arrangy zwischen Germigny der Beschreibung Illustrirte Zeitung 72. Band,
u. Romany, Mus. de Bavestein 1 p. 42; angeb- 1879 p. 285 heifst) eine weibliche Figur, welche
liehe Isisstatuen u. andere ägyptische Alter- Früchte und Getreide trägt, dargestellt zu sein
tümer aus Antwerpen, de Bast p. 390 ff. scheint; Ring (Karneol) mit Anubis aus einem
PL 15, 15, Mus. de Bavestein l p 42 (sicher Grab auf der Insel Mona, M us. Münterianum 3
falsch benannt); M. Schuermans, Dicouverte p. 105 nr. 73.
d'ant. egypt. ä Anvers, S.-A. aus Bull, de VInst. Spanien u. Portugal mit Weihinschriften
arch. de Liegeois 1872, 15 Octobre; Anubis an Isis aug(usta) aus Bracara Augusta
von Tronchiennes s. oben 1 Sp. 2307; sil- 50 (Braga), C I.L. 2,2416 u. Tarraco 4080; Isis
bernes Harpokratesfigürchen, Io. Smetius, Anti- puel^aris) aus Acci (Guadix) 3386, Hübner,
guitates Neomagenses. Noviomagi Bat. 1678. 4°. Bull. d. Inst. 1862 p. 101, Arch. Ans. 1861
p. 127 — 137, Öuperus, Harpocrates p. 1, 2 und p. 185*, A. Bildw. in Madrid p. 323 nr. 870,
de Mercurü Harpocratis alisque Bomanorum Friedländer, Sittengesch. 3 p. 501, Lafaye 291,
sigillis ad Neomagum erutis. Neomagi 1783; 97, A. de Longpcrier, Oeuvres 2 p. 457 — 460;
Gemmen mit thronendem Sarapis, Janssen, Isis ohne Beiwort ebenda 3287; Isis Domina
Nederlandisch-BomeinscheDactyliothceklpAnT.'2, aus Torre del Conde de Feria 981 u. Sa-
Büste des Sarapis Ammon, Janssen a. a. 0. lste lacia (Alacer do Sal) 33; Weihinschrift an
Suppl. p. 5 nr. 4, Herme, Sistrum und Cape- Sarapis aus Valentia 3731, wo auch ein soda-
duncula, Smetius p. 31 aus Nijmegen; ein co lieiwn vernarum colentes Isidem nachweisbar,
Harpokratesbildchen von grüner Paste, Janssen, 3730; vgl. Augustinus Salesius in Fidel Fita,
Bonner Jahrbb. H. 46, 1869 p. 117 u. angeb- Estudios histeirieos — Colecciön de articulos.
liehe Isispriesterin in Bronze, Schayes 2 p. 403 Madrid 1884, 'Antigikdades de Valencia',
aus Vechten. Die angebliche Isis-Figur von Schiller iu Bursians Jahrcsber. 44. Bd. 13,
Nordwijkerhout bei Pars, Katwyksche Oud- 1885, 3 p. 103; sowie an Serapis Pantheus aus
heden p. 244, 474, 507, vgl. de Bast p. 196 Pax Inlia (Beja) 46; Inschrift einer Isiaca
Note 4 wird von Beuvens, Leemans, Janssen, aus Igabrum (Cabra) 1611; Steintafel mit der
Alphab Nuamlijst,behoorendebij deKaartvande Aufschrift Elg Zivg Zs^amg aus Asturica
417 Isis (Knlt in Nordafrika, Karthago) Isis (Kult in Nordafrika) 418
Augusta, Eph. ep. 4 p. 17, 22, von Eaibel, Bull. ep. 1, 1881 p. 272, vgl. Cagnat, Arch. d.
Inscr. Sic. et Bai. nr. 373* allerdings für ge- miss. sc. 3e ser. 9, 1882 p. 156 f. nr. 3. Den
fälscht gehalten; Isisstatuen aus Clunia, Hüb- Sarapis stellen dar Lampen aus Hadrurnetum,
ner, D. mit. Bildw. i. Madrid p. 343 nr. 945 und Vercoutre, Rev. arch. 3e ser. 3, 1884 p. 25
Italica, Hübner a. a. 0. p. 316. PI. 2 Fig. 6 und Thysdrus, Cagnat p. 156;
Noch einen Blick auf Nordafrika. Hier Terracottastatuetten eben daher, Cagnat p. 155 f.
war der Isiskult schon vor der hellenistischen nr. 1, 2 PI. 8; Münzen von Sabrata, Gqsenius,
Zeit nach Kyrene gedrungen. Die Frauen Monum. Bhoen. 2 p. 322; 3 Tab. 43, 24 A,
in Kyrene und Barka afsen schon zur Zeit Müller, Num. de Vauc. Afrique 2 p. 27 f. nr. 49,
Herodots (4, 186) infolge ihrer Verehrung der 10 50, 56—60, Suppl. p. 36 nr. 58, vgl. 2 p. 28
Isis kein Kuhfleisch, A. Wiedemann, Herodots nr. 63, 64, wogegen Cavedoni, Bull. arch. ita-
2. Buch p. 98, Ihrige, Bes Cyrenensium p. 293. liano 1, 1862 p. 171, Heron de Villefosse, Bull.
Eine Büste der Göttin in Alabaster und eine ep. 1 p. 263, Müller, Suppl. p. 38; Thaena,
Statue derselben, letztere gefunden im Aphro- Müller 2 p. 40 nr. 1, Biondelli, N. serie di
ditetempel zu Kyrene, verzeichnen Murdoch monete e medaglioni greci nel medagliere del r.
Smith and Borcher, Hist. of discov. in Cyrene. gab. num. di Milano 1883 p. 21 nr. 123, Head,
Lond. 1864 p. 102 nr. 69, 70, Brit. Mus. A H. N. p. 736; aber nicht von Hadrurnetum,
Guide to the graeco-roman sciüptures in the wie Head p. 736, wenigstens fragweise, angiebt.
depart. of gr. and r. ant. 2, 1876 p. 10; vgl. Ter- Auch ist dem Sarapis geweiht eine Inschrift
racotten mit ägyptischem Kopfputz aus der 20 ans Vallis, Eph. ep. 7 p. 73 nr. 273, und eine
Cyrenaica, Clarac 4 PI. 632 J nr. 1449; 1 p. 371; Örtlichkeit in der Syrtica hiefs xo Zegcaitiov,
Martha, Cat. d. fig. en t. c. du mus. de la soc. arch. Geogr. Gr. Min. ed. Müllerus 1 p. 453. Wenig
Bibl. des ec.fr. d'Ath. et de Borne 16 p. 148 nr. 089. ist von Numidien zu berichten. In der
Dafs das handelsmächtige Karthago lange Lagerstadt Lambaesis wurde 158 n.Chr. der
vor der Gründung von Alexandria mit Ägypten Tempel der Isis und des Sarapis von den Sol-
in Verkehr trat und die Einwirkungen der daten vollendet, G. Wilmanns, Comm. phil. in
ägyptischen Kunst und Religion erfuhr, ist hon. Mommseni p. 195. Es bezieht sich auf
von selbst einleuchtend, s. oben unter Sardi- Isis die Inschrift C. I. L. 8, 2631, auf Isis u.
nien und über Funde in Karthago selbst Sarapis 2630, auf Iuppiter Pluto Serapis 2629
M.de Vogüe, Bev. arch. 3e se"r. 13, 1889 p. 167 30 = Hirschfeld, Ann. d. Inst. 1866 p. 41 u. 51.
— 168, 176. Auf seinen Münzen erscheint eine Eine Lampe aus Hippo regius zeigt die
etwas niodificierte Darstellung der Sonnen- Büsten des Sarapis und der Isis, Explor. scient.
Scheibe mit den Uräen zu beiden Seiten, de V Algerie. Archeol. par Ad. H. AI. Delamare
Müller, Num. de Vanc. Afrique 2 p. 70, 85, PI. 193 nr. 3, eine aus Calama, die des Sa-
87, 88, 92, 93, 118, 119, ebenso wie auf Stelen rapis allein, ebenda PI. 182 nr. 22; letzterem
von Hadrurnetum, Berrot et Chipiez, H. de geweiht sind Inschriften von Theveste C. I.
l'a. d. l'ant. 3 p. 461 nr. 337, vgl. Ebers, Ann. L. 8, 1884; Cuicul, Eph. ep. 7 p. 140, 454
d. Inst. 1883 p. 111 f. Die Inschriften lehren und Mascula, Eph. ep. 7 p. 236, 740; sein
uns kennen Karthager mit den Namen „Knecht Haupt erscheint auf Münzen von Suthul,
der Isis", „Knecht der Göttin Bast", Bäthgcu, 40 Head, H. N. p. 745 nach Müller 3 p. 59. In
Beitr. z. semit. Beligion p. 64. Inschriftliche Mauretanien wurde der Isiskult wenn nicht
Widmungen aus der Kaiserzeit sind an Sarapis eingeführt, so doch gefördert durch die Ge-
gerichtet, C. I. B. 8, 1002 = de S. Marie, mahlin Iubas IL, Kleopatra Selene, die
Miss, ä Carthage p. 21 ; 1003—1005, vgl. 1007, Tochter des Antonius und der Kleopatra,
Lafaye p. 16 Note 1; Eph. ep. 7, 53, 160 = Monceaux, Bull, de corr. afric. 3, 1884 p. 346 ff.,
Bull. ep. 4 p. 267; 161 = Bull. ep. 4 p. 109, Head p. 747. Silbermünzen des Iuba II. zei-
268; 102; auch ein Kopf dieses Gottes ist ge- gen die Uräusschlange auf einem Altar, Müller
funden worden, Bev. des rev. 1883 p. 231; die 3 p. 105 nr. 47 — 49; p. 121; Silbermünzen des
Büste der Isis findet sich an einer Lampe, Königs und der Königin den Isiskopfputz,
Janssen, De gr. rom. en etr. monum. van hei 50 Müller 3, 108, 89, Suppl. 74, 89 a, wozu zu-
mus. van oudheden to Beyden p. 109 H 571; weilen noch ein Sistrum tritt, 108, 90; 109,
der Monat November ist mit dem Sistrum der 91. Auch auf den Bronzemünzen erscheint
Isisverehrer ausgestattet auf einem Mosaik, der Isishauptschmuek (3, 110, 101, 102, Suppl.
Brit. Mus. Guide to the gr.-r. sculpt. 2 p. 75 74, 102 a, PL 3) und nicht minder auf unter Cn.
nr. 78, XLIII*, Strzygowski, Bie Kalenderbilder Atellius und Iuba als duumviri quinquennales
des Chronographen vom Jahre 354 p. 50, 79, in Karthago Nova geschlagenen Bronzen, 3,
vgl. C. I. L. 8-, 1072; Osiris (?) soll vorkom- 111, 108, Heifs, Descr. gen. des monn. ant. de
men auf einem Goldring, Bev. des rev. 1883 l'Espagne p. 269, 5, Boutlcowski, Biet. num.
p. 231. Eine Weihinschrift an Isis in Mactar 1 p. 579, 1236, 1238. Über mehrfach der
erwähnt Heron de Villefosse in der Sitzung der 60 Kleopatra Selene ohne hinlängliche Sicherheit
Soc.nat.des ant. de Fr. vom 18. Juni 1884, Rev. zugewiesene Münzen mit der Büste der Isis s.
arch. 3. ser. 4 1884, p. 113; eine Widmung an Müller 3, 176—180, 284—290, Sitppl p. 81,
eine Regina zubenannte Göttin aus der Civi- 290a — 292, der sie unter den unbestimmten
tas Zuccharitana wird C. I. B. 8, 921 auf Mauretaniens beschreibt. Den Isistempel der
Iuno oder Isis bezogen. Über eine Bronzebüste Residenz Caesarea erwähnt Blin. 8, 37, Eried-
in Isistracht s. Reuvens, Bettres ä M. Betronne länder, Sittengesch. 2- p. 165. Über Funde
p. 29, über Lampen mit der Büste der Isis ägyptischer Altertümer daselbst vgl. die bei
aus der Landschaft Tunis Heron de Villefosse, Müller 3 p. 120 Note 10 und Heron de Ville-
Roschek, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 14
419 Isis (ägypt. Kultorte) Isis (auf ägypt. Nomenmünzen) 420
fosse, Archivcs 3e ser. 2 p. 396 Note 1 ver- In Edfu, Apollinopolis Magna wurde ge-
zeichnete Litteratur und Comptes rendus de la funden eine Weihinschrift des Lichas an Ptole-
soc. frang. de num. et d'arch. 2, 1870 p. 153 maios IV., Sarapis und Isis, Arch. Ann. im
und Cliaudruc de Crazannes , Bcv. de la num. Jahrb. d. D. Arch. Inst. 1889 p. 44. Über
beige 3e ser. 2 p. 157 f. Nach Victor Waille. Isis auf Abaton s. Gl. Gr. 4896; adcl. 4915 c;
Bull, de Corr. afric. 5, 1S86 p. 128 sind auch 4919; add. 4941; Bmgseh, G. J. 1 p. 156;
Sistren und Isisstatuen darunter; Lampen, B. Bevillout, Zeit sehr. f. äg. Spr. u. A. 1880 p. 144
a. 1891 p. 143 nr. 39. 42. Ob das SIDE —145; Sercius zu Verg. Am. VI, 154 vol. II
der in Suik gefundenen Inschrift C. I, L. 8, p. 33— 34 ed. Thilo; in Nubien C. I. Gr. 4979;
1047 zu fsanetae IJsidfi] zu ergänzen ist, ist 10 4986; 4992; 5041; (5113?); (5115?); ganz un-
natürlich äufserst fraglich; eine Sarapisinschrift sicher will man auch in der <I>oißriTQCa 4987
aus Zuceabar (Affreville) findet sich Eph. und in der üqovtttix'S 4989; 5032; 5033, s.
cp. 5 p. 479, 1039, Philol. 42, 1884 p. 574. die Note zu 4980 und Göhler, Wochenschr. f.
Orte der Verehrung der Isis in Ägypten M. Phil. 1885 Sp. 264 Isis erkennen,
führt an Brugsch , Geogr. Inschr. altägypt. Auf den Nomen m ünzen erscheint Isis ver-
Denkmälcr I passim, so p. 70 — 71; 77 — 78; hältnismäfsig selten. Man will sie erkennen
100 ff.; 133; 137; 142; 151—152; 155—156; in einer stehenden Gestalt mit Federn auf dem
159; 176; 176—177; 179; 186; 190; 195; 198; Haupt, Scepter in der R., Nike (Münze des
200; 201 — 203; 207; 209; 210; 213—214; 215; Trajan) oder Krokodil (Hadrian) auf der L.
220; 223; 226; 227; 230; 232; 233; 234—235; 20 auf Münzen des Nomos Antaiopolites, J. de
237; 238; 244; 245-246; 249; 253; 255 — 256; Bouge, Monn. des nomes de VEg., Bei: num.
271; 274; 276; 281; 283; 284; 287; 289; 290; n. s. 15 p. 19 nr. 2, PI. 1, 10 = Feuaräent,
291; 296; 298; 299 und bei .Bn/#sc7t, Biet, geogr. L'Eg. anc. 2 p. 301 nr. 3514; nr. 3; Head
passim, so p. 19; 34; 57; 59—60; 89—92; p. 723; nach W. Golenischeff , Zeitschr. f. äg.
98-99; 103—104; 106—108; 166—167; 178; Spr. u. A. 20, 1882 p. 136, 137, Taf. III, IV
181; 183; 208—209; 214—216; 225—226; 229; erscheint aber auf zwei Gemälden einer Hohle
242; 282—283; 286; 293; 296; 298; 311; 328; bei Gau-el-Kebir, Autaiopolis als Begleiterin
342-343; 366—367; 378—379; 444; 456—457; des Antaios Nephthys, und dieser selbst trägt
464—466; 489; 507; 513—514; 519; 568—571; auf dem Haupte 2 Federn — die Doppelfeder
609; 653— 659; 660; 661; 666; 719 — 720; 727— 30 des Schu — (auf III; auf IV den Strablen-
729; 779; 790; 791; 794; 795 — 796; S03; 810; kränz), breites Schwert, mit 2 Bändern ge-
818— 819; 828; 829- 831; 841— 844; 856; 864— schmückten Speer und Stiefel. Brugsch. Bei.
866; 901-902; 933—934; 940; 1092; 1100; d. a. Äg. p. 378 bemerkt über diese 'Gottheit:
1117 — 1118; 1284; 1321—1322; 1345. Nach „Es läfst sich schwer angebm, aus welchen
den ägyptischen Denkmälern verzeichnet sie Gründen und zu welchen Zeiten der fremde
Lanzone, Dizionario di mitologia egizia p. 829 Ba'al-Antäus in die ägyptische Göttergesell-
— 833, nach den klassischen Autoren und In- schaft von Antäopolis eingeführt worden ist,
Schriften Parthey in seiner Ausgabe von Plut. - nur seine Gleichstellung mit dem lokalen
De Is. et Os. p. 152 — 153 und A. Wiedemami Hör- Schu ist zweifellos." Nach Brugsch ist
in seiner Ausgabe von Herodots 2. Buch p. 190. 40 seine Mutter Bast, die zugleich Anta. Cher-
Zu nennen ist u. a. Menuthis, 12 Miglien sekit und Heqit hiefs, vgl. p. 665 — 666. Isis
von Alesandria mit einem Tempel der Heil- oder Hathor sieht man in einer stehenden Göttin
göttin Isis, G. I. Gr. 4683b, Lumbroso, L'Egitto mit der Sonnenscheine zwischen den Hörnern
cd tempo clei Grcci et clei Bomani p. 114 — 120; auf dem Haupte, einem Sistrum in der R.
vgl. Brugsch, Biet, geogr. p. 151, p. 654 — 657 und einem Widder auf der L. (Trajan) oder
und Geogr. Inschr. I p. 290. In der Bev. arch. Scepter in der L. und Widder mit Sonnen-
3e ser. 15, 1890 p. 268 und in The american seheibe in der B. (Hadrian) des N. Hypselites,
Journal of archaeology II 1886 p. 151 nr. 2 J. de Bouge p. 20 nr. 1; Feuardent a. a. O.
wird verzeichnet eine Inschrift zu Ehren 302, 3516; de Bouge nr. 2; Head p. 723. Ihre
eines Ptolemäers, gewidmet der Isis, dem Sara- 50 Büste mit langen Locken und Geierbalg, dar-
pis und Apollon von einem ohovöi-iog zäv kcik über 2 Federn und Sonnenscheibe, erscheint
NavxQotTiv; aus Taposiris parva stammt auf Münzen des N. Memphites (Hadrian1), J. de
die Inschrift vittQ ßaailiag \ Tlzolifiaiov -aal | Bouge p. 36 nr. 6; Feuardint 310, 3538. Auf
ßaoiliaarig KitonazQag dsäv ixicpctväv xori Münzen desselben Nomos (Hadrian) wird sie
£ v ictQioTav 'Oaogcp Tf j xctl SctQtinidi y.al "taiSi ' abgebildet stehend mit gleichem Kopfputz, in
*at 'ArovßcSt , aTfofs | Tiüoi Hai mioetts, t6u t der R. eine Schlange, auf der L. eine kleine
ßm/ibv mcm rag JtfpofVj | Ärapjg Kai of Kmfis- Figur, die de Bouge und Feuardent fragweise
y\izai nai of ftiaotixai , Ne'routsos-Bey, Bev. als Phthah bezeichnen, J. de Bouge p. 36 nr. 5;
Arch. 1887, 2 p. 214 nr. 56. Eine Isis Ta- Feuardent 310, 3539; desgl. in der L. das
posiria kennen wir aus einer Inschrift von co Scepter, in der R. eine Schlange, zu Füfsen
Faesulae (s. oben). Für Ptolemais s. die In- den Apis mit der Sonnenscheibe zwischen den
schrift Bec. arch. 3° ser. 1883 2, p. 174 nr. 1. Hörnern (Head p. 723), wohl schon unter Do-
Aus Gebelein, welches Gcorgts Daressy, mitian, J. de Bouge p. 36 nr. 4; unter Trajan
Becueil de trav. rel. ä la phü. et ä l'arch. p. 34 nr. 1. 2; Antoninus Pius nr. 3 PI. 2, 15;
cg. et ass. 10, 1888 p. 140 mit Phathyris Feuardent 311, 3541. Auch auf Bleimünzen,
identificiert, teilt er mit die Inschrift Ntxovxrrjg die nach Adrien de Longpe'rier dem Sarapeion
/7fTtKpoti(Joig «i'fihjxfv azr'jlrjv "Iaido? dtüg | von Memphis angehören, erscheint Isis. Da-
(isyiarrjs nä&VQig L iß Tgaiavov zov kvqiov Tz. von sind folgende Typen bekannt: 1) Apis auf
421 Isis (auf ägypt. Nomenmünzen) Isis (u. Horos auf Nomenrnünzen.i 422
Baris zwischen zwei Hernien, vor ihm ein Altar; Brugsch, Bei. p. 674—078; HPAKAGOTTOAITHC.
darüber ein Blumengewinde und ein Halbmond, Herakles iu Tempel; Harpokrates-Herakles mit
im Feld einUräus. Rs. OBOAOI B. Isis stehend, Keule, worauf ein Sperber sitzt; Herakles mit
mit der Schlange in der R. , in der L. einen Keule und Greif; 6TTTAKC0M. Horos-Supt-achom
undeutlichen Gegenstand, vor dem sitzenden mit Speeru. Sperber; Sperber; CEOPOGITHCoder
Nil, de Longperier, Oeuvres II p. 508—9, PL 11, 1 ; C60PWITHC NOMOC. Horos sperberköpfig mit
2) M6M0IC. Göttin stehend vor Apis. Rs. Isis Scepter oder mit Scepter und Sperber; Sperber,
stehend vor dem sitzenden Nil, de Longperier Wie die Abbildungen von nr. 3548, 3549 bei
a. a. 0. 2 p. 510 PL 11, 2, vgl. Sestini, Museo Feuardent p. 314/5 zeigen, ist der Gott dar-
Fontana 2 Tav. 1 1, 22 p. 67 nr. 22 und Feuardent 10 gestellt in römischer Kriegertracht, wie in der
334, 3596, die wohl denselben Typus geben und schönen Bronzestatuette der Coli. Gre'au PL 17
nach deren Abbildung der Nil auf einem Flufs- p. 170 nr. 848 (' Empereur romain Auguste ou
pferd sitzt; 3) angeblich 'Scrapis in throno ad Hadrien en Horus'1) und im Brit. Mus. A
s. sedens d. demissa, s. hastam: ex adverso stat guide to tl\e first and second egyptian rooms
Isis d. sceptrum , s. duas spieas. Bs. Cymba, p. 104 — 105, sowie auf einem bei Lanzone,
in qua ad s. stat Anubis, ante quem Bos Apis Dis. dimit. egis. p. 582 abgebildeten Sandstein-
basi quadratae impositus, in area supeme hinc relief in Turin; ähnliche Typen zeigen die
astrum, inde lunula' , Sestini 2 p. 68 nr. 24, Münzen desTANITHC: Horos mit Pschent, Lanze
Tab. 11, 24, vgl. de Longperier p. 511, C. Auch in der R., Sperber auf der L.; Horos in Krieger-
eine Glasmünze mit der Büste der Isis mit 20 tracht mit Pschent, Lanze in der L. und
Sonnenscheibe zwischen den Hörnern, in der Sperber auf der R.; Sperber mit Pschent, J. de
R. ein Gefäfs, im übv. und dem Haupte des Bouge p. 44 nr. 1 — 3, PL 2, 10; vgl. Brugsch,
Nils im Rs. weist de Longperier p. 512—513 Bei. p. 390 — 391. Ferner verzeichnet Head:
PL 11, 3 dem Sarapeion von Memphis zu; A60N r[OTTOAITHC], Horos mit Scepter und
vgl. über Isiskult in Memphis Brugsch, G. I. Löwen; Löwe; A0PIBITHC. Hathor mit dem
1 p. 234 — 235; 237—238; Wiedemann, Her. 2. Sperber des Horos und Scepter; Sperber;
B. p. 190; Anth .Lat. ed. Biese 1, 395; Hijm- TTPOCM[niTHC]. Büste oder ganze Gestalt des
nus von Andros vs. 3. Auf Münzen mit der Harpokrates mit zum Munde erhobenem Finger;
Aufschrift 06OY TTANOC und weiblichem Haupt Harpokrates-Herakles mit Keule, worauf ein
mit Hörnern, Sonnenscheibe und Federn im 30 Sperber sitzt; (p. 724) OOEM0OEY NOMOI.
Obv. und Sistrum im Revers, die vielleicht Hathor mit Lotosblume, worauf Harpokrates;
von dem Heiligtume des Min (Chem) in Pano- Harpokrates-Herakles auf der Lotosblume;
polis geprägt worden sind, wird man sieher CGBe[NNYTHC] oder NOMOC C6BeNNYTHC.
besser mit Mionnet, Suppl. IX 153, 22 das Horos mit Schwert und Speer, ,,Anhur, der Speer-
Haupt der Isis, die dort unter dem Namen träger, Schu, Sohn Rä's, der grofse Gott in
Apersit einen bedeutenden Kultus hatte, Sebennytus, der gutthätige Sprofs als Bahudti",
Brugsch, Bei. p. 674—679, als mit Feuardent Brugsch, Bei. p. 488—492; <J)Q6N£OY[THC].
332, 3595 das des Pan erkennen. Ferner Horos nackt mit Sperber und Widder; zwei
sieht man Isis in einem lockigen Haupt mit Sperber; Harpokrates auf der Lotosblume. Über
Binde und ägyptischem Kopfputz (de Bouge: 40 den Kultus des Horos im Phtheneotes (Peto en
diademe atef) auf Münzen Hadrians von Pelu- uati, rLand der Göttin Uati', mit der Haupt-
sium, das als eine Gründung der Isis galt, stadt Buto, Pa-uati, 'Wohnung der Göttin Uati')
J. de Bouge p. 41 nr. 1; Feuardent 314, 3545; und seine Aufziehung daselbst durch Isis und
Head p. 723; sowie in einer stehenden Frau Uati (Ouadj, Utit, Leto), die selbst nur eine
mit Krokodil auf der R. auf Münzen des N. Onu- Form der Isis ist — Msis ist dort unter der
phites (Hadrian), de Bouge p. 60 nr. 1, PL 6, 16; Form der Buto, der Herrin von AM', heifst es
Head p, 724; Isis oder Hathor in einer stehen- im grofsen geographischen Texte von Edfu,
den Göttin mit Sperber auf der L. und Sistrum in Brugsch, Dict. ge'ogr. p. 25, p. 178, p. 940 —
der R. auf Münzen des N. Metelites (Hadrian), vgl. man A. Wiedemann, Herodots zweites
J. de Bouge p. 65 nr. 1; Head p. 724; desgl. so Buch p. 557 — 558 und Bec. de trav. rel. ä la
Isis (de Bouge, Head) oder Hathor (Feuardent) phil. et ä l'arch. eg. et ass. 6 p. 23; Lauth,
in einer stehenden, das Gewand mit der L. Sitzungsber. d. philos. u. philol. u. hist. Kl. d.
raffenden Göttin mit Widder auf der R. auf k. b. Ak. d. W. z. München 1881. 2. Bd. p. 279 ff.,
Münzen des N. Gynaikopolites (Hadrian), speziell p. 284 — 285; Ebers, Abh. d. k. sächs.
de Bouge p. 67 nr. 1; Head p. 724; Feuardent Ak. d. W. z. Leipzig, phil.-hist. Kl. 9, 1884
328, 3584. Viel häufiger als Isis erscheint ihr p. 232 f.; Brugsch, Biet, ge'ogr. p. 89— 92, p. 214,
Sohn Horos auf den Nomenmünzen. Headver- p. 568—571, p. 810, p. 901 — 902; in Schlie-
zeichnet (p.722): ATTOAAG)NOTTOAITHC. Hör- manns Ilios p. 818; Bei. u. Myth. der alten
Hut, der Horos von Hut oder Apollinopolis M. Äg. p. 327 — 330, 391 ff.; Eine geogr. Studie,
stellend mit Scepter und Sperber; KOTTT[ITHC]. 60 Vier Texte der Metternichstele, Ztschr. f. äg.
Horos-Chem, als verhüllte Figur mit Antilope Spr. u. Altertumside. 1879 p. 1 — 29; Goleni-
und Harpa; vgl. Brugsch, Bei. p. 678— 679 und scheff', Die Metternichstele. Leipzig 1877. 2°
für Isiskult in Koptos aufser Wiedemann, Her. p. 15 Anm. 7; Ztschr. f. äg. Spr. 20, 1882
2. B. p. 190 die Inschriften Bev. Arch. 3B ser. p. 133. Ferner führt Head noch auf: KABA-
1883, 2 p. 176-178 nr. 1. 2. T£-NTYP[ITHC]. G[THC]. Horos halb bekleidet, mit Speer und
Hathor mit dem Sperber des Horo3 und Scepter; Sperber; Sperber; AHTOTT[OAITHC]. Horos mit
Sperber; (p. 723) TTANO[TTOAITHC]. Gestalt mit Ichneumon oder vielmehr mit Spitzmaus, vgl.
Ichneumon und Statuette des Horos-Chem; vgl. Wiedemann, Die Bei. d. a. Ag. p. 16: „Hor-^ent-
14*
423
Isis (Kult in Alexandria)
Isis (Kult in Alexandria)
424
nen-ma, „Horua, der Herr des nicht Sehens,"
eine in Letopolis auftretende, als blind ge-
dachte und die Sonnenfinsternis symbolisierende
Gottheit, der die Spitzmaus heilig waru welche
man nach Plutarchs Behauptung in Ägypten
göttlich verehrte, weil sie als blind galt und
die Finsternis älter war als das Licht"; MGN6-
AAITHC. Nil stehend mit Schilf und Harpo-
krates, dessen Unterkörper in einen Krokodil-
schwanz endet; Harpokrates mit Krokodil-
schwanz vor einem Altar, wie er auch auf
römischen Kaisermünzen von Alexandria mit
Krokodilschwanz, die R. an den Mund gelegt,
in der L. eiu Füllhorn, Trajan L. IT, Mionnet
6 nr. 628, Feuardent 57, 995, 996, Trajan L . IE,
Mionnet 6 nr. 675; Feuardent 59, 1035 uns ent-
gegentritt. [Vgl. hinsichtlich der Darstellungen
auf ägyptischen Nomenmünzen jetzt W.Fröh-
ner, Le nome sur les monnaies d'Fgypte.
Extr. de Vannuaire de la Soc. de Numism.
1890 S. 6 ff. Fröhner erkennt in den bald
männlichen bald weiblichen Gestalten „le nome
devenu dieu, le nome pcrsonnific comme on
persownifi.au les provinccs, les villes etc. II
s'appuie sur un sccptre, et sa main tendue en
avant portc le Symbole religieux, qui caracte-
rise le nome et son culte special etc." Röscher.]
In Alexandria hatte schon Alexander M,
das Vorbild der Ptolemäer hinsichtlich eines
ehrerbietigen Verhaltens gegenüber den Landes-
gottheiten, die Stelle bezeichnet, an der sich
der Tempel der Isis in der nach ihm benannten
Stadt erheben sollte, Droysen, Gesch. Alexan-
ders d. Gr.3 p. 164; Grote, Gesch. Griechenlands 62
p. 484; F. I'leiv, Die Griechen in ihrem Verhält-
nis zu den Gottheiten fremder Völker. Danzig
1876. 4° p. 12; G. W. Göttimg, Ges.Abh. aus d.
Mass. Altert. 1 p. 219— 221; 2 p. 270; Letronne,
Pech, p. s. ä Vhist. de VFgypte p. 337; Oeuvres
choisies 1. ser. 2 p. 289, 357; Becueil des Inscr.
gr. et lat. de VEg. 1 p. 270; Lumbroso, liech. sur
Veconomie politiquc de VFgypte sous les Lagides
p.265; Pierret, Dict. d'arch. ig. p. 18 — 19 u.a.m.
Es gab hier in der Kaiserzeit einen Tempel
der %iu fisyLOtr) Iaiq nXovaCa (Neroutsos, 'A&rj-
vaiov 2, 1873 p. 88-89, Bull, de V Inst. egyptien
12 p. 77, L'ancienne Alexandrie. Paris' 1888.
p. 5 — 6; Lumbroso, Ann. dell' Inst, di Corr.
arch. 1875 p. 14—15, L'Fgitto al tempo dei
Greci e dei Romani p. 135) am Kreuzungs-
punkte der Strafse Nebi-Daniel mit der Strafse
des giiechischen Hospitals. Ferner, an der
Stelle der neuen Börse lag nach einem 1885
gefundenen bilinguen Goldplätteheu, dessen
griechische Inschrift lautet Saqäni Sog xul "lai-
öog xcä ßaaiXscog Ilrolfficiiov x«i ßcteiXiaong
'Agaivong &säv cpiXonatoQcov, ein dem Sarapis,
der Isis, dem Ptolemaios IV. und der Arsinoe
Philopator (222—204 v. Chr.) geweibtes Heilig-
tum, Maspero, Itee. de trav. rel. ä la phil. et
ä Varch. e'g. et ass. 7 p. 140 — 141; Neroirfsos-
Bey , ljcinc. Alexandrie p. 21 — 22. Ein Altar
der Isis, des Amnion und des Harpokrates
(F. Miller, JRev. arch. 1874, n. s. 27 p. 51—52;
Lumbroso, Bull. delV Inst, di Corr. arch. 1878
p. 54—59; Kautel, Epigr. Gr. 833; Drexler,
Wochinschr. f. kl. Phil. 1886 Sp. 1082—1084)
trägt die metrische Inschrift:
"latSog iVTcXondfioio «ort 'Ayiuavog «fpaioto
K'AQnoKQtttov zs SiTtXolg £i'<5[?o]i cpaivopsvov
ßa>[iög iyci. aiv Ttaiei ä' B&rj^sv KXCvog 'Avov-
ßicov,
avysXov ivasßtng rjSi QvnJtoXCrjg.
Die alexandrinischen Kaisermünzen zeigen die
Göttin in mannigfaltigen Bildungen, z. B. ihr
Haupt, Zocga, Numi Aegyptii Imperatorii
Tab. 3, 12; 10, 5. 8; 16, 3; Feuardent PI. 15,
10 769; 17, 933; 23, 1574; 28, 2337; 31, 2872;
33, 3153; Wange an Wange mit dem des
Sarapis, Zocga 8, 13; gegenüber dem des
Sarapis, zwischen beiden Harpokrates stehend,
darunter ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln,
Nicasius, De nummo pantheo Hadriani im-
peratoris. Lugduni 1690. 4°; Wange an Wange
mit dem des Nils, Zoega 19, 11; Feuardent
PI. 19, 2393; Isis in ganzer Gestalt, thronend,
in der R. das Sistrum, Feuardent 20, 1431;
so thronend, in der L. das Scepter, die R. über
den vor ihr stehenden Harpokrates haltend,
Zoega 5, 7; sitzend, den Horos säugend, Zocga
10, 1; 12, 2. 9; 13, 1. 7. 10; Feuardent 20,
1371; ein Segel entfaltend, Zoega 6, 9; 7, 16;
19, 1409; Feuardent 19, 1409; auf einem Schiff
ein Segel entfaltend, mit Sarapis und Demeter,
Kenner, Die ant. Münzen des Stifts St. Florian
Taf. 8, 2; als Sothis auf dem Siriushund sitzend,
Fckhel, D. N. V. 4 p. 66; Zoega p. 207 nr. 140;
30 Mi. 6,275, 1892 ; Feuardent 131, 1906 ; Cat. Huber
108, 1095; u. a. m.
Noch im 4. Jahrh. n. Chr., nachdem schon
das Christentum zur Staatsreligion erhoben
war, erscheint sie auf (in Alexandria geprägten)
Vota -Publica -Münzen (mit lateinischer Auf-
schrift) in einem überraschenden Reichtum der
Darstellungen, so stehend mit Sistrum und
Situla unter Constantinus M., Cohen, Med. imp.
6 nr. 553, 554; Crispus 145; Julian 99, PI. 11,
40 99, Suppl. (vol. 7) 8; Julian und Helena 4. 5,
PI. 12, 5; Helena 7. 8. 9; Valens 77; Gratian 65;
ferner, wenn den Beschreibungen zu trauen ist,
mit Sistrum und Discus, Constantinus IL 200;
die R. ausgestreckt, in der L. einen Globus (?)
Julian 11. 102, vgl. aber Julian und Helena 8
'Femme debout avec le modius, levant la m. dr.
et tenant un globe' und Helena 23 'Se'rapis
radie avec le modius sur la t., levant la m. dr.
et tenant un globe'' ; die R. erhoben, die L. in
50 die Stola gehüllt, Helena 21. 22 aus Tanini;
mit Zweig (wenn nicht Sistrum?) und Gefäfs,
Julian 103 aus Tanini; mit
Sistrum und Lotosblume, He-
lena Suppl. 2; schreitend, über
der Schulter ein Stab mit Nil-
pferd, Julian 110 aus Tanini;
das r. Knie auf der Erde, um et-
was aufzunehmen(?), Julian 111
aus Tanini; stehend mit Sistrum
CO auf einem Maultiergespann, Ju-
lian 106, 107, PI. 11, 107; 108;
Suppl. 9; Helena 10; Jovian
24; Gratian 66 aus Tanini; ebenso, dabei
Anubis , Julian 109 aus Tanini; Jovian 25;
ohne das Gespann, mit Anubis, Helena Suppl. 5;
sitzend auf Nilpferdgespann mit Sistrum (?),
Helena 12. 13, wenn hier wirklich Isis und
nicht etwa der Nil dargestellt sein sollte;
Isis auf einem
Maultiergespann.
Cohen n, PI. 11, 107.
425
Isis (Kult in Alexandria)
Sarapis und Isis
schlangenleibig.
Cohen 6, PI. 11,
117.
auf einem von zwei Flügelsphinxen über die
Fluten gezogenen Wagen mit Harpokrates und
dem Siriushund, Julian 133 aus Tanini; 134;
Berliner El. f. Münz-, Siegel- u. Wappen-
kunde 1 Taf. 6, 8; auf dem Siriushund
sitzend, Julian 104. 105; Julian und Helena 6;
Helenall, PL 12, 11; Valetitinian I. 60; Valens
76; zu Schiff ein Segel entfaltend (s. unten);
den Horos säugend (s. unten).
Interessant ist der Typus: Isis und
Sarapis mit in einen Schlangen-
schwanz auslaufendem Unter-
körper, ein heiliges Gefäfs hal-
tend, Julian 117, PL 11 , 117;
Supph 11, PI. 8, 11; Jovian 23
aus Wicz.ay; sowie angeblich
'Detix prctresses drapees et
coiffees d'aspics agitent des sistres
en relevant leurs manteaux de
fagon ä ce qu'ils forment wie espece de rideau',
Fröhner, Choix de monn. anciennes. Paris 1869.
p. 48 nr. 80, PI. 13 Coli. Greau 4487, Julian
und Helena; Cohen, Julian und Helena 9,
PI. 12, 9; Supph 1; Julian 119. 120, ein Typus,
der in Wirklichkeit Isis und Nephthys mit aus-
gebreiteten Flügeln darstellt.
Erst unter Theodosius M. wurde von dem
herrschsüchtigen Bischof Theophilos durch Zer-
störung des Sarapeions, des Hauptbollwerks des
Heidentums {caput ipsum idololatriae, Bufinus
2, 24), dessen Fall der eifrige Heide Eunapios
mit dem Sturz der Giganten verglich, der
offenen Verehrung der Landesgottheiten in
Alexandria ein Ende gemacht, Gibbon, Gesch.
des allmähl. Sinkens — des röm. Weltreichs
5 p. 262 — 266 (SporschiT) ; Keander, Gesch. d.
ehr. Bei. 34 p. 121 — 123; Mihnan, The history
of christianity 2 p. 173—178; J. H. Stu/f'ken,
De Theodosii M. in rem christianam meritis.
Lugd. Bat. 1828. p. 57 — 63; Lasaidx , Der
Untergang des Hellenismus p. 103 — 105; Chastel,
Bist, de la destruetion du paganisme dans
Tempire d' 'Orient p. 195 — 198; Sharpe, Gesch.
Ägyptens 2 p. 243—246; P. Allard , L'art
pa'ien sous les empereurs chre'tiens. Paris 1879.
15. 104 — 111; V. Schultee, Gesch. des Untergangs
des gr.-röm. Heidentums 2 p. 261 — 266 u. a. m.
Auch die Tempel in Kanopos fielen dem Fana-
tismus des Theophilos zum Opfer, Allard,
p. 110—111; Schultze-p. 266—208. Jetzt konnte
es scheinen, als sei erfüllt die sibyllinische
Weissagung 5, 484 ff. ed. Friedlieb:
[ai&ia zqizdXaiva, ftEVftg 8 snl %ivficzci NiiXov
Movvri,[iuivu<s äzuxzos,i7iL tyttuü&oiq'A%£QOVzo$,
Kovhszl oov [ivEta ys [itvti ncczcc yaiav anaoav
Kai av, EtQctm, li'ftoig imxit'iifvs, noXXä fioyjjcf <s'
Ksiorj jrrcöfi« uiyiazov iv Alyvnzm zgizaXaivr/'
OaaoL 8' Alyvnzov no&ov rjyayov ilg Ol cmavztq
KXavGovzaC oe höäwj.
Doch nicht so leicht liel's sich ein nach
Jahrtausenden zählender Götterdienst an allen
Orten des Nillandes vernichten. Claudian, der
Zeitgenosse Stilichos, schildert noch lebhaft
die Prozession der Götterbilder in Memphis,
de cons. Hon. 4, 570 ff. :
— Sic numma Memphis
In vulgus proferre solet, penetralibus exit
Effigies, brevis illa cjuidem, sed plurima infra
Isis (Ende d. ägypt. Kultes) 426
Liniger imposita suspirans veste sacerdos
Tcstatur sudore deum. Nilotica sistris
Bipa sonat, variosgue modos Aegyptia ducit
Ttbia. Submissus admugit cornibus Apis.
Und am südlichen Ende des Reiches, auf der
kleinen Insel Philae (nach pumiehen, Gesch. d.
alt. Ag. p. 31 entstanden aus Äa-lak, Hak, mit vor-
gesetztem männlichen Artikel p Päalak, Pilak
'die am Ende liegende Insel, die Grenzinsel')
10 wird noch in einem Vertrag, den der Feldherr
Maximinus 451 mit denBlemmyem schlofs, den-
selben zugestanden, dafs sie zu gewissen Zeiten
die heiligen Isisbilder aus dem dortigen Tempel
nach ihrem Lande führen dürfen, um sie zu
Erteilung von Orakeln zu benutzen. Erst um
560 liefs Justinian durch Narses die Tempel
schliefsen, die Priester gefangen setzen und die
Isisbilder nach Konstantinopel schaffen, worauf
nicht lange nachher durch Bisehof Theodoros
20 das Heiligtum in eine Kirche des h. Stephanus
umgewandelt wurde, vgl. über den Dienst der
Isis und seine Schicksale auf Philae: Döllinger,
Heidentum u. Judentum p. 413; Sharpe, Gesch.
Ag. 1 p. 197; G. Parthey, De Philis insida
eiusepte monumentis commentatio und dazu
Letronne, Oeuvres choisies 1. ser. 1 p. 352
— 364; G. Parthey, Wanderungen durch Siei-
lien u. die Levante 2 p. 354, 368 — 373; Lttronne,
Bec. des inscr. gr. et lat. de VJEg. 2 p. 1 ff.,
30 speziell über die Inschriften der letzten Zeiten
p. 198 — 217 nr. 149—151; Letronne, Obser-
vation sur l'epoejue oü le paganisme a ete de-
finitivement aboli ä Philes dans la Haute- Egypte,
Mem. de TInst. Boy. de France, Ac. des Inscr.
et B.-L. 10, 1833 p. 168— 217 = Oeuvres choisies
1. ser. 1 p. 55—99; Chastel a. a. ü. p. 291-293;
Ch. Lenormant, Muice des antiquitc's egyptiennes.
Paris 1841. 2°. p. 57; Carle Wescher, Bev. arcli.
n. s. 10 p. 223—224; Bevillout, Mem. sur les
40 Blemmyes etc., Comptes-rendus de T Ac. des
Inscr. et B.-L. 1871, n. s. 7 p. 30—43, speziell
p. 42 — 43 und Mem. s. les Blemmyes ä propos
d'une inscr. copte trouve'e ä Denbur. Paris 1874.
4°; Lepsius, Briefe aus Ägypten, Äthiopien u.
der Halbinsel Sinai p. 108, 111; Ebers, Cicerone
durch d. cüte u. neue Äg. 2 p. 332 — 341 ; Brugsch,
Ztsclir. f. äg. Spr. u. Altertumskde. 26, 1888
p. 57 — 69; Theod. Harten, Philä u. s. Um-
gebung, Westermanns Illustr. Monatshefte 34. Jg.
50 1890 p. 245 — 266. Nach einer Ankündigung
von Maspero, Compites-rendus de l'Acad. des
Inscr. 4« ser., t. XIV, Mars—Avril 1888, vgl.
Bev. des rev. 13 p. 258 hat Baillet die grie-
chischen auf den Isiskult in Philä bezüglichen
Inschriften von neuem kopiert.
Übrigens waren die Beziehungen zwischen
dem Christentum und dem ägyptischen Heiden-
tum nicht ausschliefslich feindlicher Natur. In
den griechischen und demotischen in Ägypten
60 entstandenen Zauberpapyri treten neben den
hellenischen und ägyptischen Götternamen auch
biblisch-christliche auf, Wessely, Exposit.
3 p. 194ff., Wiener Studien 8 p. 183 und Griech.
Zauberpapyrus von Paris u. London p. 27,
35 — 36; Dieterich, Papyrus magica Musei Lug-
dunensis Bat. V. p. 765 ff.; E. Bevillout, Me-
langes d'arch. ig. et ass. 3, 1875 p. 36 — 40;
vgl. Benan, Les origines du christianisme 7
427 Isis (im Gnosticismus u. Christentum) . Isis (in christl. Legenden") 428
p. 142 Note 2 u. 3, p. 143 ; Crusius, Wochenschr. f. Ferner erkennt Ludwig Conrady, Die ägyptische
Tel. Phil. 1888 Sp. 1092. Über die Beziehungen des Göttersage in der christliehen Legende. Beilage
ägyptischen Gnosticismus zur alten Landes- zu 'Vier rheinische Palästina- Pilgerfahrten des
religion giebt interessante Belehrungen M. E. XIV. XV. u. XVI. Jahrhunderts'. Wiesbaden
Amelineau, Essai sur le gnosticisme egyptien, 1S82, in den Legenden der Heiligen: Onuphrius,
ses developpements et son angine e'gyptienne. Paulus von Theben und Katerina eine christ-
Paris 1887. 4°. Deuxieme partie, chapitre 111 liehe Modiflcierung ägyptischer Mythen; so
Sources egyptiennes du Systeme de Basilide sieht er in Onuphrius Un-nofer 'das gute
p. 139 — 152, speziell p. 141 — 146; Troisieme Wesen' d. i. Osiris, p. 4. Wenn die vita Unu-
partie, chap. V Des rapports du Valentinianisme iu plirü, wie sie sich in dem nach ihm genannten
avec les doctrines de la vieille Egypte p. 281 Kloster auf dem Ianiculum in Rom fand, Onu-
— 322; Amelineau, Les traites gnostiques d'Ox- phrius den Sohn eines Perserkönigs sein, ihn
ford, Revue de Vhist. des religions 21, 1890 wegen Verdachts unedler Abkunft bald nach
(p. 176—215, p. 261—294) p. 203 ff.; E. Beeil- der Geburt ins Feuer geworfen, aber nach Zer-
lout a. a. 0. p. 40 — 44 und Mcl. d'arch. ig. et Streuung des väterlichen Argwohns durch einen
ass. nr. 5. 1874 p. 166 — 167, sowie über ägyp- Engel unversehrt herausgezogen, nach der Taufe
tische Götternamen als Namen christlicher vom Vater nach Ägypten gebracht und von
Kopten p. 186; vgl. auch den Brief Hadrians einer Hirschkuh gesäugt werden läfst, so er-
an Servianus, Vopiscus, v. Saturnini c. 8, der klärt Jacoby p. 11 — 12 diese Version für eine
ob echt oder unecht, jedenfalls für die Reli- 20 geschickte Benutzung des in Byblos spielenden
gionsmischung zeugt. Epiphanios hat uns Teils der Isissage. Vollends in der Legende
einen interessanten Bericht hinterlassen, wie der h. Katharina hält er schon den Namen der
die Gnostiker in Alexandria — er glaubt in- Heiligen für eine Nachbildung des Namens
dessen von Heiden zu sprechen — die Epi- ihres angeblichen Urmusters der Hathor p. 25 f.
phanie in der Nacht vom 5./6. Januar, die Ge- Wenn Katerina, führt Jacoby aus, als Pliilo-
burt des Aion durch Köre, d. h. die Jungfrau, im sophin bezeichnet wird, so nennt Plutarch de Is.
Korion begingen, 0 eider , Philologus 16 p. 354 c. 2 die Isis i$ai@Ezüig eocpijv Kai qnlöaoqpov,
— 355, Corp. hacreseol. 2, 3 p. 632, Epiphanios p. 26 — 27; wenn Katerina enthauptet wurde,
ed. Dind. 3 p. 483. — Usoier, Bei igionsgeschichtl . so wird nach Plut. de Is. cap. 19 und Pap.
Untersuchungen!. DasW'eihnachisfestKenß.l — 3. 80 Sallier der Isis von Horos der Kopf abge-
Bonn 1889. p. 27 ff. hebt die Mischung von schlagen, p. 27 — 28; wenn der Leichnam der
Christlichem und Heidnischem darin als echt Heiligen nach dem Sinai gebracht wird, so
gnostisch hervor; Gustav Bosch, Das synlcre- wurde im nahen Sarbut el Chädem und im
tistische Weihnachtsfest zu Petra ZDMG. 1884, Wadi Magkära Hathor, die Herrin von Mafkat,
38 [p. 643 — 654] p. 643, vgl. p. 651, deutet verehrt, p. 28—29; fällt endlich der Todestag
diese Erzählung auf die Geburt des Horos der Heiligen auf den 25. November, so ent-
durch Isis. spricht dieser Tag dem 17. Athyr, dem Todes-
Aus Hippolyti Befutationis omnium haere- tag des Osiris, p. 29 — 30. Freilich dürften
siuin lihrorum decetn qtiae siqjersunt rec. diese Ausführungen wenig Zustimmung finden.
Duncler et Schneidewin lib. V cap. 7 p. 142 in t_ Vielfach hat man auch hingewiesen auf die
(vgl. Dieterich a. a. 0. p. 772) erfahren wir Ähnlichkeit zwischen der Isis und der h. Jung-
von den Naassenern: Aiyovoiv ovv, ort Alyv- ff au in Beinamen, Kultus und Darstellungen,
nzioi, ndvzmv äv9gc6no3v /iszä zovg ^gvyag s. besonders Trede, Das Heidentum in der röm.
äg%ai6zigoi k(x&8gto)t£s Kai näoi zoig aXXoig Kirche 1 p. 17, 110, 283; 2 p. 45, 367; 3 p. 142,
äv&gumoig bjioXoyovyiviag zsXszdg Kai bgyia 145, 146, 158, 408; 4 p. 295, 445; B. T. Hampson,
ftsäv navzcov öfioü pszadovzsg ngäzoi Kai Medii Aevi Kalendarium p. 16 — 17, 145 — 146.
KaznyyiXKÖztg idsag Kai ivsgytiag, fegä v.al Eine Reihe ähnlicher, zum Teil freilich falsch
eißda/xca x«l ävs^ayogavza zoig afj ztzsXsofii- gedeuteter Beinamen der Isis und der Madonna
voig zu "laidog "i%ovoi (iveziJQicf za d' slelv stellt zusammen Beauregard, Les divinites
ovx aXXo zi r; Jigitaauivov Kai ^zovfiivov vnb 50 egyptiennes p. 174, 175, 341. Es entspricht
zrjg tnzaoxuXov Kai fiskaveiiiovog aidoCov 'Ooigi- z. B. Isis Regina der Sovrana, Sovrana dell'
äog. Oeigiv äe liyovciv vdoig. 'H <Je cpvaig Universo, Regina, Trede 2 p. 45, 2 cap. 15
Inzdozolog -nsgl avzrjv 'iiovaa Kai zozoliGfiivi] ' die Himmelskönigin' p. 338 — 371, speziell
iTtza azoläg afösgi'ovg (zovg nXavrjzas ydg p. 367 — 369; 3 p. 142; der cRrigina di lu celu
äazigag ovzco ngoeayogivovoiv äkljjyogovvzig terra e inari', Vigo, Baccolta di canti popolari
Kai al&igiovg KaXovvzt g) Kaz' avzovg t] (isza- siciliani* p. 518 nr. 3409 vs. 2; vgl. Hampson
ßXnzr] yivtaig Kai vnb zov dggrizov v.al ävi%- p. 40; ferner Isis mater, Isis pnellaris der
iiKoviazov kkI ävsvvorjzov Kai äfiögyov fisza- Mater Domini, Trede 2 p. 108, 380; 4 p. 177;
liogqiovfiivrj Kziaig ävadtiKvvzaf Kai zovzo iazl Madonna del Parto, Trede 3 p. 162; Isis furva
zb iignfiivov, qprjBi'v, iv zy ygarpy iTtzaKig 60 der Madonna Addolorata, Trede 2 p. 384, 3 p. 162,
ntcsizai b StKawg Kai dvaeziJBEzat, vgl. p. 144. 383; Isis pelagia der Regina Maris, Madonna
Auch die Gestalten einiger christlichen del porto salvo, Trede 1 p. 283, Maris Stella,
Heiligenlegenden glaubt man auf Isis zu- Trede 3 p. 144 — 145, Jlavayia {ralaoengia,
rückführen zu können; so will Usencr (Die B. Schmidt, Das Volhsleben der Neugriechen
Legende der h. Pelagia. Bonn 1879) die h. Pe- u. d. hellen. Altert. 1 p. 39; vgl. auch Fr.
lagia als eine ins Christliche übersetzte Aphro- Lenormant, Monographie de la voie sacree
dite Pelagia, zu deren Bild auch die Isis Pe- cleusinien-ne p. 217 — 218; Isis Dikaiosyne dem
lagia (p. XXIV) einige Züge lieh, erklären. Miroir de justice, Beauregard p. 341 ; Isis Nike
429 Isis (mit Jungfr. Maria identificiert) Isis (mit Jungfr. Maria identificiert) 430
der Madonna della vittoria, Trede 2 p. 370; Isisbilder (vgl. auch den der Hathor, die in
die Dea potens, praepotens, omnipotens {Apul. Karnak heilst „die Ilerrin des Silbers, die Be-
Met. 11, 22; 1; 16) der Maria della Potenza, herrscherin des Goldes, sie hält [in ihrer Hand]
Trede 2 p. 394; Isis Soteira, sancta et humani alles kostbare Geschmeide", Brugsch, Hicr.-
generis sospitatrix perpctua, Apul. 11, 25, der Demot. Wörterb. 1 p. 208, C. I.D. 2, 3386,
Madonna del! ajuto, Trede 2 p. 370, Notre- Friedländer, Sittengesch. 38 p. 603) ist oft mit
Dame de Bon-Secours, Beauregard p. 341; die dem der Madonnenbilder verglichen worden,
dea providens {Apul. Met. 11, 18, vgl. 11, 10 Boissier, La rel. rom. d' Auguste aux Antonius
dcae summatis auxiliaris Providentia) der Divina ls p. 362; Beville, I). Bei. zu Born unter den
Providenza u s. w. So kann Beauregard p. 148 10 Severern p. 54; Benan, Lcs origines du christia-
erklären: 'Isis enfin serait, par ses perfedions, nisme 7 p. 581; Ch. Lenormant, Musee des ant.
une copie exacte et fidele de la vierge Marie ig. p. 57 sagt: 'La dccoration inte'rieure du
des croyances chrc'tiennes si la vierge Marie temple d'Isis ä Philae porte encore aujourd'hui
l'eüt precedce' und A. Maury, Les religions de les traces des clous au moyen desquels on fixait
la Grece ant. 3 p. 280: 'Le portrait cpie nous des vetements sur cliacune des figures d'Isis.
eu a tracc l'auteur du traite sur son culte Beaucoup d'imagcs de la Vierge, dans les eglises
attribue ä Blutarguc, est certaincment une des catholiques out ainsi des demi-robes adhcrentcs
conceptions les plus elcvees que nous offre le ä Ja muraille, et qui figurent un habillcment
polytheisme antique, et Von est frappe de la complef; s. die Gewiinder der Isis in Nerni, C. I.
ressemblance qu'il präsente arec celui de la Vierge 20 L. 14, 2215 ; vgl. ferner auch Trede, Piedigrotta.
Marie'', etc. Und welche Ähnlichkeiten im Flugschriften des evang. Bundes 16, Halle 1888,
Kultus! 'Im gesamten Madonnakultus ver- p. 16 f.; Buttiger, Die Isisvesper nach einem
nehmen wir das Echo des Isiskultus', sagt Herculan. Gemälde, Kleine Schriften 2 p. 210 —
Trede 3 p. 146; 'Weihungen, Gelübde, Tonsur 230; 3 p. 259; Böttiger, Arch. Ährenlese 1 p. 1;
der Geistlichen, Fasten, Büfsungen finden auf Meester de Bavestcin, Musee Bavestein 3 p. 366
beiden Seiten statt', Trede 3 p. 143 — 144; 'Der — 367; Boßmann, Vom Gestade der CyMopenu.
Isiskult kannte schon die Elevation, das weifse Sirenen p. 55 ff. ; Lafaye p. 138; Note 4; E.
Priesterkleid, das Weihwasser, den Weihrauch, Benan, Lcs oi'igines die ehristianismc 7 p. 572
die brennenden Lampen und die „glatzige — 573, u. a. „apres V Initiation , on äprouvait
Herde'' der tonsierten Geistlichen', Trede 3 30 une vive devotion comme celle du mögen dge
p. 146; Jean Beville, Die Beligion zu Born envers la Vierge", p. 580 — 581; Boissier, La
unter den Severern p. 58 Anm. 1 bemerkt: 'Die rel. rom. d' Auguste aux Antonius 1- p. 365 1'.,
Analogieen zwischen den katholischen Pro- 374, 383. Zuweilen gingen auch Heiligtümer
Zessionen und denen der Isiaci sind zahlreich. der Isis an die h. Jungfrau über, so das auf
Man denke an die oft reich geschmückten der Halbinsel Methana, Curlius, l'cloponncsos 2
pausae oder Ruheplätze, an den Weihrauch, p. 442.
das Einherführen der Gottheit u. s. w.' Nach Mehrfach wird behauptet, dafs die Dar-
"Welcker, Griech. Götterlehre 2 p. 493 verläfst Stellungen der Madorjna durch die der Isis
in Rom eine Madonna ihre Kirche und macht beeinflufst sind, s. z. B. Lecky , Geschichte des
in einer andern einer andern Madonna einen 10 Geistes der Aufklärung in Europa p. 138 Anm.
Besuch; ähnlich stattet nach IL Brugsch-Bey, Hugo von Lomnitz, Solidarität des Madonna-
Drei Fest-Kalender des Tempels von Apollino- u. Astarte- Kultus p. 73 — 74. Wenn aber
polis 3Iagna in Ober -Ägypten. Leipzig 1877. Sharpe, Gesch. Ägyptens p. 246 meint, dafs
p. 4, 7, 17 Hathor von Tentyra Besuche ab im die Figuren der h. Jungfrau auf der Mond-
Heiligtum der sieben Hathoren in Pechi und scheibe Isisdarstellungen nachgeahmt seien,
beim Horus von Hud. Mackenzie Wallace, so irrt er; es beruht vielmehr diese Dar-
Bufsland 2 p. 122 erzählt, dafs das Heiligen- Stellung auf Offenbarung Joh. 12, 1, wonach
bild der Iberischen Madonna von einigen der der Mond zu Füfsen der Madonna ist, Munter,
reichen Einwohner Moskaus von Zeit zu Zeit Sinnbilder und Kunstvorstcllungen der alten
in ihr Haus eingeladen wird; in einer Inschrift 50 Christen 2 p. 28; Steitz s. v. Maria in Herzog-
von Kios ehren die Thiasoten den Anubion, Plitts B.-E. f. prot. Theol. u. Kirche 9 2 p. 318;
den Sohn des Nikostratos ' {yäi^dpsvov rec Joh. Christian Willi. Augusti , Beiträge zur
XccQuoavva xfis "Iaidos', was nach Foucarts christl. Kunstgeschichte u. Liturgik 1 p. 97.
Deutung heifst: weil er am Freudenfeste der Besonders werden die schwarzen Marienbilder
Göttin ihr in Prozession urnhergetragenes Bild (vgl. über diese besonders Nork, Mythologie
in seine Wohnung aufgenommen hatte, s. Kum. der Volkssageu ?t. Volksmärchen. Stuttgart 1848.
Zeitschr. 21 p. 26 — 27. Den Gebrauch des = Scheible, Das Kloster 9. Bd. p. 872—880),
Schellenkranzes, dessen Geklingel in mehreren wie das zu Einsiedcln, von einigen (so von
süditalischen Kirchen die einzelnen Akte des Sauppe , Hymnus in I&im p. 13, Böttiger, Kl.
Madonnakultus ankündigt, vergleicht Trede 3 60 Schriften 3 p. 271 Anm., Klemm, Die Frauen
p. 146 der Verwendung des Sistrums im Isis- 4 p. 91; Trede 2 p. 94 — 95) für Isisbilder oder
dienst; Joseph Bonomi, Cat. of the coli, of Kopieen derselben gehalten. Doch fehlt es auch
egyptian antiquitics belonging to the late Bobert nicht an anderen Deutungen ; Steitz a. a. 0.
Hay. London 1869 p. 8 zu nr. 78 behauptet p. 316 erklärt die schwarze Farbe aus dem
geradezu von dem Sistrum: „This Instrument Hohenlied 1, 4 'Ich bin schwarz, aber schön';
is still used in Abyssinia in religious cere- Menzel, Christi. Symbolik 2 p. 95 mit Martens,
monies," vgl. Ch. Cournault, Bev. arch. n. s. 18 Itcdien 3 p. 27 aus dem Umstände, dafs die
1868 p. 56 — 57. Der reiche Schmuck mancher Statuen aus dunklem Holze geschnitzt sind und
431 Isis (= Jungfr. Maria; Horos = Christus) Isis (= Jungfr. Maria; Horos = Christus") 432
die Gemälde von dunkler Farbe sich teils als zu lesen ist. Ncroutsos-Bey, L'anc. Alexandrie
Kopieen solcher altern dunklen Holzbilder, teils p. 45 — 49 sieht darin eine Nachahmung der
aus der Nationalität der Maler oder der Ge- Darstellung der bekannten Horosstelen: „voilä
meinden, für welche sie bestimmt waren, ver- donc, dans les catacombes chrc'tiennes d'Alexan-
stehen lassen; vgl. Th. Mundt, Völkerschau auf drie, la reproduction de la figure d'Horus, fite
Meisen 1, p. 227, bei Nork p. 873. — Grimm, d'Isis marchant sur les crocodiles et maitrisant
Deutsche Mythologie 1*, p. 260, Anm. 1 und les serpents et le Hon, sous la forme de Jesus-
Piper, Myth. u. Symb. d. ehr. Kunst 1 p. 157 Christ, fils de Dieu et de la Vierge, marchant
sind der Ansicht, dafs die h. Jungfrau durch au milieu de ccs memes animaux malfaisants,
die dunkle Farbe als trauernde Erd- oder Nacht- 10 faisant taire le Hon et rompant le cou aux
göttin charakterisiert werden soll. Piper a. a. crocodiles." Vgl. Arcli. An». 1S52 p. 223 : „Lon-
0. erinnern sie an das Bild der Artemis von don Museum, nr. 5. Ein kleines glattes zwei-
Ephesos, von dessen Farbe sie auch G. Bosch henkliges Gefäfs von blasser Erde zeigt einer-
( Astarte- Maria, Theol. Stud.u.Krit. 1888 p. 296; seits eine stehende Figur des Harpokrates,
vgl. H. Schaaffhausen, Bonner Jahrbb. .Heft 89 welcher vierfüfsige Tiere an ihren Schwänzen
p. 145) herleitet. Wie dem auch sei, die Ahnlich- gefafst hält; daneben ist ein kreuzförmiges
keit zwischen den Madonna- und Isisbildern ist Abzeichen und als Revers die Inschrift Evlo-
trotz Cr. Kinkels (Über den verschied. Charakter yia rov-ayiov M-nva f zu bemerken", sowie
der antiken u. der modernen Kunst, Bonner John Lee, Catal. of the egyptian antiquities
Jahrbb. 10, 1847 p. 123) Behauptung, den Unter- 20 in the Museum of Hartwell House. 1858. 4°.
schied zwischen einem antiken Isisbild und p. 65, nr. 473 „Budely - executed vase, of a
einer Maria des Mittelalters nehme auch das liyht-buff colour, bewring the same device in low
ungeübte Auge wahr, eine so bedeutende, dafs relief, on both sides. A man in ample robes
nicht selten ein Isisbild aus Unkenntnis als Standing, and Holding in both hands something
Madonna verehrt wurde, so das von Kardinal {hat appears like a scoipion: over each Shoulder
Brieonnet zerstörte in St. Germain des Prez. is a cross. Tliis device is very analogous to
Chr. TFa?;, Das Antiken- Kabinett der Univer- the Egyptian tablets described at Nos. 20 and
sität Tübingen, Bonner Jahrbb. 10, 1847 p. 79 21 [Horus-Stclai], and is not improbably the
verzeichnet ein in einem Grabe zu Pfullingeu Christian Interpretation of the same idca. Such
gefundenes Isiabildchen mit dem Horos auf 30 rases have been made to contain a remedy,
dem Arme, „das der Finder, in der Meinung, fancied or real, for the bite of a snake or the
es sei eine heilige Jungfrau mit dem Kinde, sting of a scoipion''. Auf einem Jaspis (bei
in Silber fassen liefs"; vgl. auch Leemans, Keusch, Capita deorum et illustrium hominum
Description rais. des monum. egypt. du musee in gemmis quas coli. I. 31. ab Ebermayer. 1727.
d'ant. des Pays-Bas. Leide 1840 p. 21 nr. 1437; 2 ". Tab. 16, 420 p. 204-5, Montfaucon, Kant.
Kopp, Palaeogr. crit. 3 p. 651 § 545; Baronius, cxpl. 2 p. 292, sowie bei Pignorius, Vetustissimae
Annales politico-ecclesiastici 4 p. 125; King, tabulae aeneae sacris Aegyptiorum siniulachris
l'he Gnostics p. 149. coelatae aecurata explicatio. Venetiis 1605. 4.
Ahnlich wie Isis mit der Madonna, berührte Tab. I, 2 und im British Museum, Imhoof-
sich Horos mit Christus. Ebers, Zeitschr. f. 40 Blumer u. 0. Keller, Tier- u. Pflanzenbilder
äg. Spr. u. A. 1877 p. 48 teilt aus einem kopti- auf Münzen u. Gemmen des kl. Altertums Tfl. 22,
sehen Manuskript der Pariser Bibliothek folgen- 48 p. 13S) sieht man Christus, gleichfalls mit
den Vers eines in vierzeiligen Strophen abge- dem Nimbus, auf einem Krokodil stehend,
fafsten Gedichtes, mit, welches die Fahrt dos in der L. einen Fisch haltend. Auf einer
Heilands durch Ägypten schildert : 'pietra di paragone stata una volta in possesso
„Drauf ist er fortgefahren di madama Mertens Schafhausen'' bei Garrucci,
Nach Schinun, der Doppelstadt, Storia delV arte cristiana 6 Tav. 492 nr. 14
Und seiner Feinde Scharen p. 169 und auf einem grünen Jaspis in Würz-
Er dort vernichtet hat." bürg (/>. Urlichs , Vers. d. Antikensammlung
Er weist darauf hin, dafs in gleicher Weise 50 der Univ. Würzburg. 2. Heft. Würzburg 1868.
die Inschriften von Edfu den Rä Harmachis p. 39 nr. 42) erblickt man auf der einen Seite Har-
und Hör -Hut (s. Naville, Textes relatifs au pokrates auf der Lotosblume mit der Peitsche
mythe d'Horus rccueillis dans letemple d'Edfou. und darum die Inschrift XPICTOC, auf der
Ueneve 1870. 2°; Brugsch, Die Sage von der andern den guten Hirten zwischen [4] Sternen
geflügelten Sonnenscheibe nach altäg. Quellen und 2 Lämmern [darunter nach Garrucci noch
dargestellt. Göttingen 1870. 4°, Wiedemann, c. Anker mit 2 Fischen zur Seite] und darum die
D. Bei. d. a. Ag. p. 38 — 45) siegreich das Inschrift IHCOYC. Über Denkmäler, welche
Nilthal durchziehen lassen. An der AVand des den Horos zu liofs, ein Krokodil mit der
Arcosoliums einer Krypta in Alexandria ist Lanze tötend, vorführen, und die Ähnlichkeit
dargestellt Christus, jugendlich unbärtig, mit 60 derselben mit Darstellungen des den Drachen
dem Nimbus, (nach der Abbildung) mit dem erlegenden h. Georg s. E. Meyer oben 1 Sp.
einen Fufs auf einen Löwen, mit dem andern 2748, 2749; Premier, Ber. üb. d. auf d. gr. u.
auf einen Drachen tretend, während zu beiden r. Myth. bez. Litt, der J. 1S76 — 1SS3 = Jahres-
zeiten mit nach unten gerichteten Köpfen eine ber. üb. d. Fortschr. d. kl. A.-W. Suppltbd.
Schlange und ein anderes Tier (Ichneumon?) (25. Bd.) p. 54; vgl. auch M. Mayer, Über die
angebracht sind und darunter Ps. 90, 13: Verioandtschaft heidnischer u. christl. Drachen-
XC : €17 ACTTIAA KAI BACIAICKON eniBHCH toter, Verh. d. 40. Vers, deutscher Piniol, u.
KAI KATATTATHCeiC AGONTA KAI APAKONTA Schulmänner 1889 p. 336, 337; und A. v. Gut-
433
Isis (Herrin cl. Himmelst
Isis ("Göttin d. Hundssterns'»
434
schmid, Ber. iib. d. Verh. d. Kgl. sächs. Ah. d.
W. 1861 p. 192; Brugsch, Bei. p. 490; so-
wie Amelineatt, Le christianisme chez les an-
dern Coptes, Bev. de l'hist. des religions 8e
annee, t. 15. 18.87 p. 52 ff. , der die Verwandt-
schaft des Horos nicht mit St. Georg, sondern
mit St. Michael betont, während Barzillai,
Gli Ahraxas. Trieste 1873 p. 10 f. Harpokrates
aar mit Moses zusammenstellt. Sarapis und
Joseph endlich sind schon von den Kirchen-
vätern und der jüdischen Legende identifi eiert
worden, Baronius, Ann. pol.-eccl. 4. Antv. 1601
p. 611 f.; Petrus Sehr der , Diss. hist. de Sera-
pide . . . contra seriptores in daemonis illius
eultu ä-no&iaGiv Iosephi propugnantes. Witteb.
1666. 4"; Bertoli, Le antichitä di Aejuileja
p. 45; Marangoni, Delle cose gentilesche . . .
trasportate ad uso . . . delle chiese cap. 24
p. 86 — 87; F. Piper, Einleitung in die monu-
mentale Theologie p. 121; Benan, Mein, de l'Ac.
d. I. et B.-L. 23, 2 p. 322; B. Schröter, Z. D.
M. G. 24. 1870 p. 535 f. Anm. 47; vgl. auch
/. IL Bondi, Dem hebr.-phön. Spraclizweicie. an-
gehörige Lehnwörter in hierogl. u. hierat. Texten
p. 119—128.
Nach ägyptischer Auffassung ist Isis eine
der Himmelsgottheiten, s. Ed. Meyer oben s. v.
Isis. Wie sie in ägyptischen Texten als , .Herrin
des Himmels" (Brugsch, Bei. p. 646) bezeichnet
wird, so heilst sie auch bei Apul. Met. 11, 2
regina coeli. Bei Apul. 11,5 nennt sie sich u. a.
prima coelitum — quae coeli luminosa culmina
— mitibus meis dispenso. Im Hymnus von
Andros sagt sie in einer sehr verderbten Stelle
vs. 22 ff. nach Saujypes Übersetzung: „in pelaao
fvasto et in terra animantium altrice et in coeli]
sideriferis [plagis certis legibus omnia ordinavij",
vgl. Kaibel, Epigr. Gr. p. 441, u. vs. 28 ff. „Isis
ego consiliosa [aerem temperavi] et tellurem
humidam fatque temporum anni aecuratum] in
discrimen coelestibus [sideribus sedes fixi aliis,
aliis] errabundum iter [praescripsi utque mo-
veatur per circulum] obliquum splendor eorum
perfeci, et igneorum rectorem equorum solein in
lucentem circulorum rotationem direxi, ut bene
ordinatis cursibus axes vertieibus suis in curri-
culo circumsono noctem discernant a die." Im
Hymnus von los Z. 13 ff. erklärt sie „iyd>
cc[oTQaßi]v öSovg fdft|K' iyco rjkiov y.al I aslr/vris
■rtoQiiccv ovviza£a". Entsprechend dieser ihrer
Bedeutung als Beherrscherin und Ordnerin des
Himmelsgewölbes sind auf ihrer Stola Sterne
und Halbmond zu sehen, s. Apul. Met. 11, 4:
„per intextam extremitatem et in ipsa eius
planitie stellae dispersae coruscabant, earumque
media semestris luna flammeos spirabat ignes."
Eine Illustration zu dieser Stelle giebt ein
Relief im Vatikan, worauf eine Anhängerin des
Isiskultus, Galatea, dargestellt in der Tracht
der Göttin, die Stola mit zwei Sternen zwischen
je zwei Halbmonden verziert trägt, Visconti,
Musee Pie- Clementin 7 PI. 19 Tp- 112—118]
p. 114—116, Lafaye p. 299 nr. 115. (Sonnen-)
stern und Halbmond befinden sich im Feld auf
einer Gemme mit Darstellung des Hermes und
der Isis, Visconti, Opere varie 2 p. 239 — 240,
Coli. Cliigi ser. 2 § 1 nr. 271. Ein Karneol
der Sammlung Stosch zeigt Sarapis und Isis
stehend neben einem Altar, worunter sich ein
Halbmond befindet; und hinter jeder der beiden
Gottheiten einen Stern, Winclcelmann , Descr.
des p. gr. du feit baron de Stosch, 2. cl.
3. sect. § 4 nr. 66 p. 43 = Stl. TVerlce ed.
Eiselein 9 p. 330.
Wenn auf einer Anzahl von Gemmen der Isis
ein oder mehrere Sterne ohne den Halbmond
beigegeben sind, so kann man zweifeln, ob sie
10 dadurch als Herrin des Himmels, oder speziell
als Göttin des Hundssterns in (welcher
Eigenschaft
Isis-Sothis Cohen 6
sie von der
griechischen
Kunst ge-
wöhnlich auf
einem Hunde
reitend dar-
gestellt wird)
20 charakteri-
siert werden soll. Über die ägyptische Auffassung
der Isis als Sothis s. u. a. Lanzone, Dizionario
di mitologia egizia p. 825—827, p. 842, tav. 313
fig. 1; p. 1058— 1063, tav. 359, 1. 2; v. Straufsu.
Torney, Der altäg. Götterglaubc 1 p. 119—120;
Erman, Ägypten u. äg. Leben im Altertum 2
p.368 u. Anm. 2; Brugsch, Die Ägyptologie p. 317,
339, 352; Bei. u. Myth. d. a. Äg. p. 42—48,
646, 648 — 649; Chabas, Le papyrus magique
30 Harris p. 85 Note 1 ; und besonders auch
Gr. Maspero in der ausführlichen Besprechung
von Lefebure, Les hypogecs royaux de Thebes.
Bevue. de l'hist. des religions IX. annee. Tome
17. Paris 1888 p. 263 ff., der gegen Plutarchs
(de Is. et Os. c. 21) Behauptung, dafs die Seele
der Isis am Himmel als Sothis-Stern glänze,
polemisiert, indem er nachweist, dafs nach
ägyptischer Vorstellung die Sterne als Lampen
(Khabisou) am Firmament betrachtet werden,
40 in denen keine Seele oder Gottheit wohnen
könne. Die Stellen der klassischen Autoren
hat gesammelt Jablonslci, Panth. Aeg. 2 p. 34 —
54 (vgl. Bolle, Myst. de Bacchus 2 p. 136—140
und Andre, Cat. du musee de Bewies - p. 40—41
zu nr. 73; Letronne, Mem. de l'Inst. Imp. de
Fr. Ac. d. I. et B.-L. T. 24, 2 p. 10 f.; 40;
128 ff.); hinsichtlich der griechisch-römischen
Denkmäler s. G. Lafaye, Un monument romain
de l'ctoüe d'Lsis. Bas-relief inedit ätt Musee
so Kircher, Melanqes d'arch. et d'hist. Ecole fr.
de Borne 1, 1881 p. 192 — 214, PI. 6; Ger-
hard, A. Z. 1849 p. 149 Anm. 1 und Drexler,
Über eine Münze Julians des Apostaten mit
der Isis u. dem Siriushund u. einige andere
Isis-Sothis betr. Denkmäler, Zeitschr. f. Num.
13 p. 299 — 313. Der Siriushund ist Isis
auch beigegeben auf einem Relief von Mar-
seille, Camille Jullian, Bull, epigr. de Ja
Gaule 6, 1886 p. 124. Die auf einem mit
G0 Strahlen versehenen Hunde reitende Frauen-
gestalt auf Münzen von Stratonikeia, die Head,
H. N. p. 530 als Isis Sothis oder als Hekate
deutet, ist, da Stratonikeia, bezüglich Lagina,
eine Hauptkultusstätte der letzteren war, jeden
falls als Hekate zu fassen, s. Num. Zeitschr.
21 p. 138.
Von den Gemmen nun, die Isis unter Bei-
fügung eines oder mehrerer Sterne zeigen,
435 Isis (Beziehung zu Sternen') Isis (Beziehung zu Sternen) 436
gehören die von Lafaye p. 202 aus Gori, melsgewölbe, nach ägyptischer Auffassung als
Thes. g. astrif. 1 Tab. 25, 27, 42 als Dar- Wasserfläche gedacht (Le Page Renouf, Vor-
stellungen der Isis - Sothis angeführten gar lesungen über Urspr. u. Entwickelung der Re-
nicht hierher ; denn auf nr. 25 sind die Sterne ligion p. 103) andeuteu; Raspe p. 28 nr. 305:
die der Dioskuren, aufserdem ist wohl eher „Soufre de Stoseh. Isis le sistre dans Ja g. et
Harpokrates als Isis hier zu erkennen; ferner un sceptre dans la dr., descendant d'en haut et
erinnert der Kopf mit sternbesätem Schleier adoree par Anubis, ä tele du chien, qui est ä
auf nr. 27 vielmehr an Darstellungen des Attis, genoux devant eile, et lui prcsente son caducee.
als an Isis, und auf nr. 42 gehören die Sterne . , ,. ., BA ,,
nicht zur Isis allein; man sieht hier die fünf 10 Aw chamP Cm1 et0ÜeS et NA"
Planeten, Halbmond, Helios, Isis, Demeter u. Merkwürdig ist ein grüner Jaspis äev Datti-
Triptolemos. Isis mit Beifügung eines Sterns lioteca de la Turbie nr. 106, Visconti, Op. var.
erscheint auf einem Sarder des Brit. Mus., 3, p. 416, welcher das Sistruni der Isis mit
A Cat. of engr. gems in tlie Brit. Mus. p. 145 dem Zeichen des Wassermanns in Verbindung
nr. 1221: „Isis Standing to 1. having sceptre in setzt: „Sur le devant le signe du Verseau, avee
1. liand, sistrum in r.; tcears feathers; crested un bonnet semblable ä celui de Castor et d'Isis,
serpent at her side ; star in fiele!. Inscribed un sistre et un vase; au revers, les sept voyelles
TPYOCONA" und auf einem Stein des Mus. grecques, avec d'autres caracteres et signes ex-
Francianum, Mus. Franc. Descr. 1 p. 252 primant des parolcs superstitieuses."
nr. 806 „Prasius. Isis capite velato et duobus 20 Unter dem Namen Hesmut oder Berit hält
Ivti floribw ornato, gestans d. baculum, s. vas Isis nach Brugsch, Bei. p. 203, 211, 649, 711,
aheneum. Pone caput magna Stella. Bs. <J)MIIA | 712 in Nilpferdgestalt den „Vorderschenkel des
N<DHI IHN | XTCAMT | TKNHAA | IAC0ITPC"; Set am nördlichen Himmel", d.i. den grofsen
vgl. auch die sitzende weibliche bekränzte Bär, an einer Kette gefesselt. Grieehiscb-rö-
Gottheit, mit Kind im Arm und drei Ähren, mische Darstellungen der Isis in Nilpferd-
Stern _vor dem Haupt, vor der ein Modius mit gestalt sind mir unbekannt; in ägyptischen
drei Ähren steht und die von der Beischrift Denkmälern erscheint auch Isis-Apet, „Isis, die
IAC0 (rückläufig) begleitet ist, Montfaucon 2, Nilpferdgöttin, die göttliche Mutter in der
158 aus Capello nr. 102, Kopp Pal. crit. 3, Metropole des Tentyritischen Nornos'' so ge-
p. 648 — 650, § 545; Isis stehend, von Sternen 30 bildet, Höh. Dümichen, Bauurkunde der Tempel-
umgeben, auf einem Lasurstein in Wien, anlagen von Dtndera. Leipzig 1865. 4". p. 3 — 4;
v. Sacken u. Kenner, I). K. K. Münz- u. Ant.- Lanzone, Die. p. 21 — 23, Tav. 8, 2; 9, 2. Auf
Kab. in MTkn p. 431 nr. 134; Isis ganz von einem Nilpferdgespann soll Isis auf späten
einem Sternenschleier umgeben, beide Hände Vota -Publica- Münzen vorkommen (s. oben);
auf die Schulter des Sarapis legend auf einem aber auch Harpokrates erscheint auf einem
roten Jaspis in Berlin, Tölken p. 21, 1, 2, 77. von zwei Nilpferden gezogenen Wagen auf
Interessante Darstellungen haben wir auf den einer Marmorbasis des British Museum, Museum
geschnittenen Steinen des Museo Denh bei Odescalchum 2 Tab. 48 p. 114; Anc. Marbles
Dolce, Descr. istor. del museo di Cristiano Denh. of the Brit. Mus. Part 10, PI. 52; Lafaye
A nr. 17 p. 5: „Iside in piedi con — diverse stelle 10 p. 295 nr. 106.
nel campo tenendo con una mano un Asta, sovra Auch in dem Sternbild der Jungfrau, die
della cquale vi c il Bue Apis, c con l'altra mano Hesiod für Dike erklärte, sahen eiuige die
tiene il suo Figlio Ovo in piedi. Intaglio an- Isis, s. Eratosthenis catasterismorum reliquiae
tico di stile Fgizio in Viaspro negro originale ree. Carolas Robert p. 84: 01 uav yag avnjv.
nel Museo" u. des Museo Borgia, Documenti rpaoiv ilvctt, JrjfititQa diä rö i%£iv azdxvv, of
inediti p. s. alla storia dei Musci d'Italia. äi 'law, 01 S\ 'Axagyaziv, 01 81 Tv%r]v, S16 xat
Vol. III p. 425, 3. Cl. 1. div. nr. 14: „Diasqtro ä-uhcpaXov avtrjv ox'jfiazi^ovaiv u. Avienus reo.
verde. Iside in piedi — . Ella colla destra alsata Alfred Holder 2, 282 ff.
s'apipoggia a un bastone lungo, sulla cui eima Aut Pelusiaci magis es dca litoris Isis,
cvvi un piecolo simulacro d'Apidea lei cohverso; 50 Digna poli, consors et cura latrantis Anubis.
sulla sinistra avanti se porretta porta una Scu tu diva Ceres, sie nam tibi flagrat arista
aspide a lei rivolta — . Nel campo alla sua Et, ceu Siriaco, torretur spica calore
dtstra sono cinque Stella, alla sinistra tre; Protentata manu, scu quae pernieibus alis,
tutt' attorno come un soleo ovato, con varie . Nee sat-certa gradum, viduataque vertice summo
oudulazioni irregulari"; nr. 15: „Diaspro verde. Flu.ca pilae vertis vestigia, lubricum ut acvwn
Iside nel. costume di num. li in piedi, la destra tiors agat et subitis obrepat mobile fatum
appoggiata ad una asta, nella sinistra un pic- Temporibus.
colo serpe; nel campo alla sua destra tre stelle, Vgl. E. Maa/'s, Analecta Eratosthenica = Philol.
alla sinistra cinque. 11 tutto circondato d'un Unters. Berlin 1883. 6. Heft. p. 86; p. 136
soleo ovato, con varie ondulazioni irregolari'1 ; CO Anm. 120; Gaedechens, Der marmorne Himmels-
nr. 16: „Ematite. Mezza fignra di Iside, vestita globus des F. Waldeckischen Antike nkabinets
ed ornata come in num. 14, l'alzata destra ap- zu Arolsen p. 20, 21 Anm. 1. Eine Darstellung
poggiata ad una asta lunga con un pomolo in der mit Isis identifizierten Jungfrau haben wir
eima, sulla sinistra una aspide col qictto cretto wohl auf einem roten Karneol der Coli, de M.
ed a lei conversa, di qua e di la della testa un de Montigny. Picrres gr. p. 37 nr. 508: „üeesse
astro a otto raggi: in arco attorno la figura drap.ee, coiffec d'une tteur de lotus, un dpi ä la
corre un soleo ondulato", vgl. p. 426 f. nr. 19; m. dr., uue come d'abond. au bras g. Elle est
die wellenförmige Furche soll wohl das Hirn- assise sur un monstre forme d'une protome de
437 Isis (mit Selene identificiert) Isis (mit Selene identificiert) 438
taurcau et d'une protome de chevre;" denn das Schleier den Halbmond, 0. L. Visconti, Bull.
ist, abgesehen von dem Kopfputz, genau der dclla commiss. arch. comun. 15 p. 133 nr. 3
Typus, den King, The Gnostics2 PI. M., 5, u. 4; eine Terracottabüste des Museums in Aix
p. 445 so beschreibt: „Astrological Trine, or wird von H. Gibert, Le Musee d'Aix 1 p. 471
figure produced by dividing tJie circle of the nr. 1539 beschrieben: „Isis. Tunique. Cheveux
Zodiae into equilateral triangles. Here Virgo en boueles. Croissant et fleuron sur le front" ;
(Astruea) at the Apex of a triangle, is borne eine Bronzebüste des Museo Borgiano § 55
v/p by Taurus and Capricorn", vgl. Müller, nr. 516, Doc. ined. 1, p. 399 hat „in testa
Mus. Thorvaldsen p. 91 nr. 723; Tölken 3, 1429. i soliti cincinni , un diademo. ossia una
Von den Griechen wurde Isis mehrfach mit 10 Stefane, sul cui margine sopra la fronte della
Selene identificiert. Dafs diese Auffassung dea posa una mezza luna fra due spighe.
nicht ägyptisch war, ist schon von verschie- In mezzo alle spighe sollevansi due corna
denen Seiten, so vonEd. Meyer (s. oben) u. Wiede- spiralmente vergüte, includendo un globo fregi-
mann, Herodots 2. Buch p. 192 hervorgehoben ato di un aspide annodato e dictro questo globo
worden. Zwar wollen nach Lanzone, Diz. si alzassero due penne ora corrose". Eine
p. 818, p. 845, Anm. 18 immerhin einige Ägypto- Bronze der Sammlung Greau, Coli. J. Gre'au.
logen (S. Birch in Wilkinsons 31. a. C. vol. 3; Bronzes antiques p. 237 nr. 1112 zeigt Isis mit
W. Pleyte, Chapitres suppl. du Livre des Morts Diadem, darüber den Halbmond und inmitten
162, 162*, 163 p. 24; A. Mariette, Denderah desselben ein Blatt. Auf einer Bleitessera bei
Texte p. 208 und Bev. arch. 1884 3e ser. 4 20 Ficoroni, De plumbeis ant. numismatibus p. 102
p. 347, vgl. auch Naville, La litanie du Soleil cap. 29 nr. 13 erscheint „Isis cum luna falcata
p. 37) eine lunare Bedeutung der Isis gelten supra eaput, sistrum dexteratenens." Auf einem
lassen, doch scheint mir das von ihnen Vor- Karneol in Coli. Schaaffhausen p. 4 nr. 79 soll
gebrachte, soweit ich es beurteilen kann, allzu dargestellt sein „Isis sur son träne allaite le
unsicher zu sein. Auch den Beinamen der Cynoce'phalos, devant eile se tient un gargon
Isis von Apollinopolis Hatit „die weifse, nie, les mains elevees. En bas ä dr. le crois-
leuchtende" erklärt Brugsch, Bei. p. 663 nur saut". Der Kynokephalos war dem Thot ge-
frageweise aus einer etwaigen Auffassung der- weiht, welcher lunare Bedeutung hatte; in-
selben als Luna. Die Stellen der klassischen dessen de Murr, Descr. du cab. de Mr. Paul de
Autoren findet man bei Boscher, Selene p. 14 30 Praun p. 296 nr. 355 bezeichnet die Figuren als
Anm. 40, p. 76 Anm. 293, p. 77 Anm. 297, p. 78 Aphrodite den Anteros [?] säugend nebst Eros.
Anm. 306, p. 125 Anm. 532, p. 168, vgl. Wiede- Ein Karneol des Museum Meadianum p. 247
mann, Her. 2. B. p. 189, Jablonski, Panth. zeigt die einander ansehenden Häupter des Sa-
Aeg. lib. 3 cap. 1 , Georgii in Paulys B.-E. 4 rapis u. der Isis über einem Adler und über dem
p 281 — 282, 297 — 298; Kopp, Palaeogr. crit. 4 Haupte der Isis einen Halbmond; ein Chalcedon
§ 614 p. 35, Suidas s. v. Jöyfiara; Law. der Sammlung Stosch, Winckelmann, Descr.
Lydus de mensibus 4, 32: rj äs Iais xfj Alyv- des p. gr. de feu baron de Stosch p. 43, II, 4, 67
itziiav cpcovji nalaiu crjuaivsTai, rovrianv r\ = Sil. Werke 9 p. 330 Sarapis und Isis über
etXrivn Hai ngoariKÖvrcag avrqv rifiäoiv ivctQxö- einer Art Dreifufs libierend, zwischen ihnen
fisvoi bSäv; Scriptorum mythic. Lat. tres ed. 40 die Köpfe der Diana [Selene?] u. des Apollon
Bode 3, 7, Proserpina c. 4 p. 199: Dicitur et mit Strahlen umgeben; ein Lampengriff bei
Luna sistrum habere propter primum mundanae Santi Bartoli Parte 2 Tav. 34, Lafaye p. 304
harmoniae tonum, qui a terra usque ad lunam nr. 133 vereinigt auf einem Lectisternium
<?sf,etc; zu Diog. Laert. 1, 10 und Euseb. Praep. Sarapis, Isis, Sol und Luna; auf einem Bronze-
ev. 3, 2 vgl. Lepsius, Über die Götter der vier plättchen bei Caylus , Bec. d'ant. 1, PL 86, 1
Elemente bei d. Äg. (Abh. d. Kgl. AJc. d. W. zu p. 213 — 214 sieht man neben einander die
Berlin 1856) p. 213 ff. Von der _Scheibe ihres Büsten des Helios und der Isis; auf einem
Hauptschmuckes, die bei den Ägyptern die Sardonyx des Cat. du musee Fol. 2 p. 87 nr. 1598:
Sonnenscheibe repräsentiert, sagt Äpul. met. 11 „Tetes d' Apollon et de Diane (He'cate), la tele
c. 3: cuius media quidem super frontem plana 50 d' 'Apollon est entoure'e de rayons et celle de
rotunditasinmodumspeculivelimmo argumentum Diane surmontee d'une fleur de lotus(?);" auf
{Haupt, Opuscula 3, 1 p. 620: argenteae) lunae einem Stein bei Papipadopoulos p. 17 nr. 269:
candidumlumenemicabat,Yg\.Petschenig,Wiener ,','Avcoftiv nqotog.ri Jiog Higaniog, ftoftocpopoD,
Studien 4, 1S82 p. 140; u. Ovid, Met. 9, 687 ngbg äigukv ■clvxi.-k.qv olvtov irpoTOfiij Ssh]vi]g
singt: inerant lunaria fronti \ Cornua, cum kq. <x., cpoQovaqg aotsQa nal podiov ■ Hdrco&tv
spicis nitida flaventibus auro. Eine Anzahl atzbg bg&iog tiq. ä. avan'cnza^ivag i'xav rag
Denkmäler habe ich verzeichnet Zeitschr. f. iiTSQvyas." Ein Altar in Apulum ist ge-
Num. 14 p. 101 — 105. Mit dem Halbmond an weiht Sarapidi Iovi Soli Isidi Lunae Dianae
den Schultern erscheint Isis auf Münzen von dis deabusq(iie) conservatorib(us) , Arch. Epigr.
Aphrodisias, Herakleia Salbake, Bagis, Hyr- <io Mut. aus Österr. 9 p. 246, Drexler, Myth.
galeia, Themisonion, Tripolis, Num. Zeitschr. Beitr. 1 p. 55; die Widmung an Luna und
21 p. 122, 130, 143, 171, 180, Tfl. 2, 10, 181, Isis Aug(usta) Herzog, Galliae Narb. hist. n.
Tfl. 2, 11. Die von mir Zeitschr. f. Num. 14 207 s. jetzt C. I. L. 12, 4069; der Leichenstein
p. 103 citierte Münze des Antoninus Pius eines pausarius der Isis in Arelate zeigt über
von Argos stellt dagegen schwerlich Isis dar. der Inschrift einen Halbmond, Henzen 5835 =
Eine nur im obern Teil erhaltene Marmor- C. I. L. 12, 734.
statue u. ein gleichfalls von einer Statue ab- Da von einigen, wie z. B. von Siccke (s.
gebrochener Kopf in Rom haben über dem oben 2 Sp. 269) u. G. Secchi, Ann. delV Inst.
439 Isis (identificiert mit Iol Isis (identificiert mit Io) 440
di Corr. arch. 1838 p. 322—324 auf Grund der tronne, Bec. nr. 120 = C. I. Gr. add, 4943 =
oben a. a. 0. und Ann. a. a. 0. p. 323 ange- Kaibel 981 ; Callimachea ed. Schneider 1 p. 95
führten Notizen, dafs Iw in der Sprache der nr. 58; römische Dichter bezeichnen sie als
Argiver den Mond bezeichne, Io als Mond- Inachis, Ovid Fasti 1, 454; Met. 9, 686; Martlal
göttin erklärt wird, soll an dieser Stelle einiges 11, 47,4; Properz 2, 24,4. Aufserdem bezeugen
über die Identificierung von Isis und Io unzahlige Stellen die Identifikation beider,
bemerkt werden, obwohl der Gleichklang von Prop. 2, 21, 19 — 20, 61; 2, 24, 13—16; Ovid,
Io mit dem koptischen loh „Mond", worauf sich de a. a. 1, 77—78; Am. 2, 46; Met. 1, 747;
Sccchi a. a. 0. und Hofs (s. oben) berufen, nur 5, 619 ff.; Trist. 2, 297—298: Heroid. 14, 107 f.;
ein ganz zufälliger ist u. Io u. Isis Ursprung- 10 Lucan. 6, 362 — 363; luv. 6, 524 — 526, wozu
lieh gar nichts mit einander zu thun haben, vgl. das Scholion mit Schopens Konjektur in
s. Wiedemann, Her. 2. B. p. 192 — 193. Die Heinrichs Atisgabe 1 p. 227, 387; Val. Flacc.
Ähnlichkeit der Io u. Isis in dem Punkte, dafs 4, 346f., 416—420; Statins, Silvae 3, 2, 101;
beide Hörner trugen, war schon Herodot 2, 41 Anthol. Bat. 3, 323 Burmann = 2, 997 Meyer
(vgl. Betronne, Bec. des Inscr. gr. et lat. de = 2, 732, 10 Biese; Butatius zu Stativs Theb.
l'Eg. anc. 2 p. 167) aufgefallen. In Ägypten, 1, 265; vgl. Jablonski, Panth. Aeg. 2 p. 11;
so sangen seit Aischylos u. Pindar die griechi- Servius zu Verg. Aen. 7, 790 ed. Bion 1 p. 444;
sehen Dichter, habe Io ihre natürliche Gestalt zu Georg. 3, 152 ed. Bion 2 p. 273 — 274; Phi-
zurückerhalten u., vom Zeus berührt, den Epa- largyrius zu Georg. 3 , 153 ed. Bion 2 p. 336 ;
phos geboren, Preller, Griech. Myth. 23 p. 43; 20 Augustinus De civ. Bei 1. IS, 3; 37; Mythogr.
Gerhard, Gr. Myth. 2 p. 133, § 793, 6; K. H. lat.'l nr. 18, p. 6 ed. Bode; 3 nr. 7, Proserpina
W. Völker, Mythische Geographie der Griechen c. 4 p, 199; Hyginus c. 145 p. 24 ed. M.Schmidt
u. Bömer 1 p. 2, p. 231. Die verschiedenen und in Mythoar. lat. ed. A. van Staveren 1742
Versionen der Sage, wie sie nach Ägypten ge- p. 254 — 255; Charax Pergamenus in F. H. Gr. 3
langt, stellt zusammen Engelmann oben 2 nr. 12 = Mythogr. ed. Westermann p. 324; Etym.
Sp. 267—268, vgl. auch Syncellus p. 237 und M. s. v. 'Iaig; Evßoia; äcpiaiog Zsvg; Suidas s. v.
Anth. Gr. ed. Jacobs 4 p. 155 nr. 183 = Anthol. rIaig; Apollodor lib. 2 c. 1 § 3 in Mythogr. ed.
Pal. ed. Hühner 1 p. 305 nr. 169, vs. 3— 4; M'estermann p. 36 = F. H. Gr. 1 p. 126; Biodor
über die beiden ihre Ankunft in Ägypten dar- 1 c. 24 = Euseb. praep. ev. 2, 1, tom. 1 p. 56
stellenden Wandgemälde s. Engelmann oben 2 30 ed. Heinichen; Clem.Alex. Strom. Lib. 1 p. 322 C,
Sp. 278 u. de Ionc p. 27 — 28; Heibig , Wand- Paris 1644; Epiphanius adv. haereses 1. 1 c. 9,
gemälde p. 40 — 41 nr. 138 u. 139 u. die von Corpus haereseol. 2, 1 p. 44 ed. ( fehler; Plut.
ihm citierten Autoren; ferner Hclbig. Unters. de malign. Herod. Op. ed. Beiske 9 p. 400;
üb. d. camp. Wandmalerei p. 138; Winckclmann, Bucian, Bial. deor. 3; Dial. deor. marin. 7;
Sil. Werke 11 p. 211 — 213; Overbeck, Zeus vgl. JS'onnus, Hionys. 3, 275 (AiyvnrCri dr\-
p. 484—485 nr. 22. 23; A'. 0. Müller, Hdb. d. mttiq) u. 31, 37. Auch wenn Isis bei Plut.
Arch. d. Kunst2 p. 519 §351,4; Fiorelli, Hescr. de Is. 3, 37 als Tochter des Prometheus be-
di Pompei p. 361; 1). 3Ionaco, Guide gc'neral zeichnet wird, so zeigt dies ihre Identificierung
du musce national de Naples 1884. p. 25 nr. 9558; mit Io, da auch diese nach Istr. fr. 40 eine
Stephani, C. r.p. l'a. 1SG1 p. 93; Bafaye p. 188, 10 Tochter desselben heifst.
p. 327 nr. 218. Vgl. auch Bipperts. Bactyl. Von Bildwerken, die eine Vermischung von
nniv. Chilias 3 p. 4, 1 nr. 26 freilich sehr Io u. Isis darstellen könnten, ist zu bemerken
unsichere Deutung eines roten Jaspis: „Io, ein Marmorkopf im Louvre „mit den Zeichen
a Ioce in vaccam conversa, it a lunone in eines Mondes und einer platten, kleinen Schlange
fugam conieeta errorem ad Nili ripas sistens. — in der Mitte des Diadems , Mohnköpfen der
Hie, ad ripam fluvii, templum Bianae in col- Ceres an demselben und Hörnern der Io an der
liculopositum, et infra illud, canis conspicitur.'' Stirne", Bafaye p. 275/6 nr. 39 („Isis-Lune");
Identificiert mit Isis wurde Io aber erst in der Clarac, Mus. de sc. 1087, 2733 B; Fröhner,
alexandrinischen Periode, s. Betronne, Bec. 2 Notice nr. 559 ; Welcher,!), akad. Kunstmuseum
p. 167; E. Plew, N. Jahrb. f. Phil. 1870 50 zu Bonn nr. 173; Kekule , D. akad. Kunst-
p. 669 ff. ; Engelmann oben 2 Sp. 270; denn die muscum su Bonn p. 101 — 102 nr. 404. 0. Betin-
iron Brugsch in Schliemanns Ilios p. 817 — 821 dorf 11. B. Schöne, Bie antiken Bildwerke des
u. Bei. d. a. Aeg. p. 404 — 405 behauptete Ver- Bateranensischen Museums p. 83 nr. 13 Ver-
wandtschaft der vor Set geflüchteten, an einigen zeichnen: „Isiskopf. Ital. Marmor. Durch das
Orten Libyens als Kuh u. junger Apisstier ver- Haar, das in langen steifen Locken rings um
ehrten Gottheiten Isis und Horos (vgl. 'W'iede- den Kopf fällt, geht ein Band. Über der Stirn
mann, B. Bei. d. a. Äg. p. 114) mit Io und in der Mitte ergänzt eine Lotosblume, wozu
Epaphos, die beruhen soll „auf einer gemein- wahrscheinlich ein Ausatz vorhanden war.
samen Quelle, die auf dem Boden der liby- Auf der Stirn zwei kleine Hörner."
sehen Seite des ägyptischen Deltalandes ent- 60 Das „Caput mvliebre velatum cum Buna
sprang, auf jenem Gebiete, welches bereits in bicorni supra verticem" einer alexandrinischen
den älteren Zeiten der Geschichte der Pharao- Kaisermünze (Zoega p. 169 Antoninus Pius
nen einen regen Fremdenverkehr zu Wasser u. nr. 50, Mi. 6, 1460), von dem Zoega behauptet:
zu Lande sich entwickeln sah", ist doch recht „sistit Isidem Ionem quae Buna," ist wohl ein-
unwahrscheinlich, s. Premier, Suppltbd. zum fach als Selene zu bezeichnen. Eine cylindrische
Jahresbcr. über die Fortschr. d. kl. A.-W. Basis zeigt angeblich Isis auf dem Thron,
Bd. p. 145. in der R. das Füllhorn, in der L. Ähren, das
Nun führt Isis den Beinamen 7va^ü;, Be- Haupt verschleiert und daraus sich erhebend
9fi
441 Isis (= Göttin d. Morgenröte??) Isis (= Göttin d. Erde) 442
zwei Höruer, Lafaye p. 295 nr. 107; Amadutius, der Isis wegen dieser Auffassung als Morgen-
Vet. monum. in hortis Caelimontanis 3, 25; röte erteilt worden ist, lasse ich dahingestellt
Winckelmann, Monum. ined. 2, 1 cap. 7 p. 26; sein, da sie doch wohl auch als „Königin"
Visconti, Musee Pie-Clem. 7, 14, 14a [p. 76—83] dieses Epitheton führen kann, wie ja auch die
p. 82; aber nach Welcher, Zeitschr. f. Gesch. u. Königin der Götter Hera in der Ilias 1, 611
Auslegung der a. Kunst 1, p. 466 Anm. 137 (vgl. Tredc 2, p. 363) xgvoö&govog genannt wird;
sieht man in der Abbildung „nicht deutlich dal's ihr Name hieroglyphisch durch einen Thron
genug die Hörner mit dem Rund dazwischen"; oder .Sitz ausgedrückt wird (Parthey in seiner
es ist demnach einfach Isis mit der Sonnen- Ausgabe von Plut. De Is. et Os. p. 150 — 151)
Scheibe zwischen den Hörnern hier dargestellt. 10 kommt hier wohl nicht in Betracht. Auch die
Kaum an Isis-Io ist zu denken bei einem Bezeichnung als xvqlcc qoäöazsQvog (C. I. Gr.
in Coli. H. Hoffmann 1. Paris 1886. p. 71 5115), worunter man Isis verstanden wissen
nr. 312 unter der Abteilung Poterie romaine will, wage ich nicht mit Bestimmtheit aus einer
so beschriebenem Gefäfs : „Beau lecythe, faconne etwaigen Auffassung als Morgenröte zu er-
en Ute d'Isis. La deesse porte au front une klären; wenn sie in Inschriften von Tentyra
parure de quatre feuilles de lierre qui sont als „dunkelrotes, süfsliebes Mädchen" bezeich-
disposees en croix autour d'un korymbe. Les net wird, Brugseh, Bei. p. 606, so bezieht sich
cheveux ondules et ornc's de deux autres ko- dies wohl nur auf die braune Hautfarbe.
rymbes, descendcnt en boucles (trois de chaque In ägyptischen Texten wird Isis als „der
cöte) le long du cou. Mais ce qui donne un re'el 20 angebaute Erdboden (sochit)", „die Schöpferin
inte'ret ä cette tete, c'est son identification avee der grünen Saat, die allen Menschen das
lo, car eile a des oreilles de vache pare'es de Leben spendet", „die Grüne, deren Grün
pendentifs. Trouvc ä Vintimille." Eine merk- der Erde gleicht" (Brugseh, Bei. p. 647,
würdige Vase beschreibt Fröhner, Cut. cl'une 649 — 651) „die welche schafft die grünen
coli, d'ant. [du prince Napoleon]. Paris 1868. Kräuter" (Brugseh, Hierogl.-demot. Wörterbuch
p. 74 — 75 nr. 106: „Vase spheroidal ä deux 2 p. 360; Ebers, Aeg. it. d. B. M. p. 358) be-
anses. Une tete d'Io reconnaissable ä ses cornes zeichnet. Plutarch c. 38 berichtet, dafs man
et ä ses oreilles de vache, est appliquee sur le die Erde, soweit sie vom Nil befruchtet wird,
devant de la panse. Elle sort d'un fleuron de für den Körper der Isis hält. Sero, zu Vergil
cinq feuilles; de chaque cöte, an apereoit un 30 Aen. 8, 696 vol. 2 p. 302 ed. Thilo, vgl. Mythogr.
petit alabastron. Cette tete Supporte une Scylla Lab. 2, 90 p. 106; 3, 17 p. 199 erklärt sie tür
ailee representee au moment de sa transforma- den genius Aegypti u. behauptet — freilich
tion ■ . Sur le revers: tete d'Isis, surmontee grundlos — der Name Isis bedeute in der
d'un disque et d'une coiffure de plumes." Sprache der Ägypter die Erde. Pherekydes
Auch als Morgenröte wird Isis erklärt, verbindet mit der Deutung auf die Erde eine
nämlich von Le Page Eenouf p. 104, 150, vgl. philosophische Erklärung des Namens: ilz'
Lansone p. 814; Brugseh, Bei. p. 137. Ähnlich int^ictot cpveixcöztpov zoj Xoya Xiyovztg latv
deutet JS'aDille, La litanie du Soleil p. 38 bei usToivofiacarai zr\v yijv, dnb zr}g 7zeqI zi)v &ioiv
Erklärung der Bezeichnungen des Ra als „celui zr\v %aza y,£oov laöznzog. Nach Macrob. Sat.
qui va toujours vers celui qui le pre'cede, V Image 40 1, 20 p. 323 ist Isis „rel terra vel natura rerum
du corps d'Isis" und „celui dont la tete britle subiaecns Soli". Auch bei Iulius Firmicus
plus que celui qui est devant lui, l'image du Maternus de err. prof. rel. vol. 12 p. 986 ed.
Corps de Nephtliys" (p. 37, vs. 17 u. 18) Isis u. Migne wird Isis als Erde gedeutet und bei
Nephthys „comme personnifiant des etres, dont Matranga, Anecdota Graeca p. 365 aus 'Icaävvov
chaeun caracterisait plus particulierement Tun ygafiiic/zuiov TJf'rJou nsQt zäv arjusiav rijs
des horizons; peut-etre Vctoile du matin et Celle yijs unter den Namen der Erde Iaig verzeich-
du soir , ou encore le cre'puscule du mutin et net; vgl. Georgii s. v. Isis in Paulys B.-E. 4
celui du soir", nur dafs er der Isis den Westen p. 276 u. die von ihm citierten Autoren. Leon
und der Nephthys den Osten zuweist, Le Page von Pella erzählt, Isis habe, als sie ihren
Benouf p. 116. Beide Göttinnen gleichen ein- 5u Eltern, die Könige gewesen seien, opferte, den
ander übrigens in der Auffassung aufserordent- Anbau der Getreidefrucht erfunden u. ihrem
lieh, so dafs es nicht unmöglich ist, dafs die Gemahl, dem König üsiris u. seinem Minister
'Hasvicpvg >) xctlovuivr] lag in Papyrus magica Hermes gezeigt, weshalb sie auch am Haupte
Musei Lugd.-Bat. V p. VII, 24, Dieterich p. 773, Ähren trage, Leo Pellaeus fr. 4 u. 3, F. H. Gr.
807 aus dem ägyptischen Doppelnamen Ise- 2 p. 331 — 332; Aug. De Civ. Dei 8, 27 ; Tertull.
Nebthi, Isis -Nephthys entstanden ist, s. Brugseh, de eoron. milit. 7. Auf der von Diodor 1, 14
Bei. p. 734. Eine ägyptische Darstellung zeigt erwähnten Isisstele wird sie als tvQovoa r/js
nach Brugseh, Bei. p. 137 „die rote Sonnen- KQt&ijg xapnoV bezeichnet. Im Hymnus von
Scheibe des Morgenaufganges getragen auf den Andros vs. 47 ff. (Orphica ed. Abel p. 289, H.
Händen des Schwesterpaares Isis (rechtsseitig) co in Isim ed. Saujype p. 19 — 20) sagt sie von sich:
u. Nephthys (linksseitig) d. h. der Morgen- spul S' ÜQOvQug | nvQozoiiai fitdtoiou, da'C
röte". Wenn im Leidener Pap. V p. VII, 23 ed. t,avSqa>v anö %eiqoiv | Itfropivcc ßqdtfiav, in
Dieterich p. 772, 807 'laig r\ xaXovutvr] öoöaog dem von los (Fränkel, Arch. Zeit. 1878 p. 130,
genannt wird, so deutet dies Brugseh a. a. 0. /. 21 — 22): syco (isxä | zov ädiXcpov Oßsi[g]sog
auf den Morgentau. Ob das Beiwort %qvgo- zag üv9Qm7iocpayiag inavaa; Papyrus U. Col. 2
9qovos, welches Isis im Hymnus von Andros, Z. 9 — 10 bei C. Leemans, Papyri Graeci Musei
Kaibel, Epigr. Gr. 1028, vs. 7 führt, und welches ant. publ. Lugduni-Batavi 1, 1843 p. 123
bekanntlich der griechischen Eos eigen ist, bezeichnet sie als zrtv fiiyaXcääo^ov svsqyszsiav
443 Isis (identificiert mit Demeter) . Isis (identifleiert mit Demeter) 444
KctQnäv | svsQyirtav kki &tä>v uvuoov [sie] Lateranens. Mus. p. 52 — 54 nr. 80; neben einer
'Ißiv. kleinen Silberstatue mit „Lotosblume und Cyni-
„Isi o fruge nova quae nunc dignata videri bium", Hübner, D, ant. Bildw. in Madrid
Pleno, nee ad Cereris munera poscis opem" p. 203 nr. 437; Friesstück (?) des P. Mattei,
wird sie in einem Gedicht der lateinischen Matz u. v. Buhn 3, p. 11 nr. 3478; Wandge-
Anthologie 2, 743, p. 215 ed. Riese angeredet. mälde (Medaillons mit den Attributen ver-
Das Beiwort -nagno-tonog führt sie in einem schiedener Gottheiten) nach Gerhard, A. Am.
Epigramm von Philae (C. I. Gr. 4925, vgl. 1863 p. 51—52 „Sphinx, Sistrum und Cista
add. 3 p. 1227; Kaibel, Epigr. Gr. 982) und mystica", aber nach Kiefsling, Bull. d'Inst. 1862
in einem der Anthologie 4 p. 173 nr. 271 ed. 10 p. 95 und Heibig, Wandgemälde p. 221, 1108
Jacobs; Epigr. Anthol. Pal. ed. Bübner 2, p. 581, Situla oder Korb; Münze von Laodicea Phry-
App. Plan. 264, in letzterem auch aza%vjifjzcog, giae, Num. Zeitschr. 21 p. 173f. ; s. auch 0. Jahn,
Murr, Bie Pflanzenwelt in der griech. Mythol. Bie Cista mystica, Hermes 3, 1869 p. 332 f. und
p. 160; das Beiwort frugifera C. I. B. 6, 351; die Gemme des Museo Borgiano 3, 1, 12, Boc.
die von Fdbretti , Inscr. pat. p. 471, 493; ined. 3 p. 424, Visconti, Mus. Pie-Clem. 2
Schläger, Comment. de numo Hadriani plumbeo Tav. a. VI, 10 p. 360 f., C. I. Gr. 7040, wo Isis
p. 141 — 144; Kopp zu Martianus Gapella p. 213 sitzen soll „sopra una cista tonda tessuta di
§ 158; Palacogr. crit. 3 p. 649 § 545; Hilde- vinchi, e fornito d'un coperchio poco convesso11;
brand zu Apuleius 1 p. 990 angeführte Inschrift eben so ist der h. Korb beiden Diensten gemein-
von Voorburg (Orelli 1894), die ihr dasselbe 20 sam, s. Kanephoren im Isisdienst oben unter
Beiwort giebt, ist unecht, Brambach, C. I. Athen; Friesplatte bei Benndorf u. Schöne, B.
Riten, p. 359 nr. 5. Die Griechen erkannten Bateranens. Mus. p. 386 nr. 556 — 559. Für die
deshalb in Isis ihre Demeter wieder, Herod. Analogie der Mysterien beider citiert A. Maury,
2, 59, vgl. 156; Beo Peltaeus fr. 2, F. H. Gr. Hist. des religions dela Grece ant. 3 p. 286— 287
2 p. 331 = Giern. Alex. 1, 21 p. 139 Sylb. u. Eactanthis Bist. 1, 21: Sacra vero Cereris
aus Clemens Eusehius Praep. ev. 10, 12; vgl. Eleusiniae non sunt his dissimilia. Nam sicut
Euseb. 2, 1, 4; Biodor 1, 13; Apollod. 2, 1 ibi Osiris piier planctu matris conquiritur, ita
p. 116; Steph. Byz. s. v. Bovßipig; Apul. Met. hie ad incesium patrui matrimonium rapta
11, 2; Preller, Demeter u. Persephone p. 36; Proserpina; vgl. auch Reichel p. 46 — 49, sowie
~\\riedemann, Herodots 2. B. p. 189; Baneiani, 30 die Notiz des Theodoretus Graeear. äfftet, cu-
Bull. delF Inst, di Corr. arch. 186S p. 230. — rat. I. de fide, Patr. Gr. Tom. 83. Sp. 820 —
Himerius, Or. 14 § 8, p. 618 — 620 ed. Werns- 821 ed. Migne: ruvra ex -rjjs Alyimzov zu
dorf nennt das Isisfest Jrjur'jZQia. Beide führen ogyiu [zijg " Iaidos kuI 'OaigtSog^ u.cc&g>v [ö]
gemeinsame Beinamen wie uyvrj (s. oben 1 'Od'gvorjg 'Ogcpsvg s(g zf]v 'EXXüd'a fi£r»jj<syxE,
Sp. 1814); EujriöitKfios (Demeter: Gerhard, Gr. Kai zrjv zätv diowoicov topzfjv Siionsvueev,
M. 1, § 416, 2, a; Isis s. unten); vgl. auch Spanhemius zu Callimachus, h. in Cer. vs. 1,
Demeter: fteGuocpögog, Gerhard 2 p. 384, Re- ed. Ernesti 2 p. 735. Nach Paus. 2, 34, 10
gister; C. I. Gr. 2106, 2907, 3194, 3211, 5799, wurden im Tempel der Isis zu Hermione die
5865; und Isis: &ieuo&£zig fiEgöncov, H. v. Mysterien der Demeter begangen, Silvestre de
Andros vs. 21, denn ■9,fc(l(ioqpdpos) C. I. Gr. 40 Sacy zu St. Croix, Recherclies sur les mysteres
7040 ist eine zu unsichere Ergänzung. Auch du paganisme 2,2 p. 35, Note. Im Temenos
die Kultusriten beider Göttinnen zeigten Ahn- der Demeter zu Knidos fanden sich Lampen
lichkeiten. Wie es im Dienste der Ceres mit den Bildern ägyptischer Gottheiten, Num.
Fasten gab, so auch in dem der Isis, Chivohon, Zfschr. Bd. 21 p. 125f. Ein Athymbrianer setzt
Bie Ssabier 2 p. 72; Georgii a. a. 0. p. 295; im Heiligtum der ägyptischen Gottheiten auf
Tertull. de ieiuniis c. 2 u. 16; Megara, worin Delos eine Weihinschrift dem Pluton und der
man schlief, um Träume zu erhalten, pervigilia Kora, der Demeter, dem Hermes u. Anubis,
feierte u. zu [ivozma lsqÜ niederlegte, sind Bull, de corr. hell. 11, 1887 p. 274 nr. 37.
bekannt wie aus dem Kultus der Demeter Aus Jader ist eine Weihinschrift an Isis, Se-
(W. Schwende, Rhein. Mus. K. F. 19, 1864 50 rapis, Liber und Libera erhalten, C. I. B. 3,
p. 128—129; Baneiani, a. a. 0. p. 229—230; 2903; Brexler, Myth. Beitr. 1 p. 38 f.; Aconia
Newton and Pullan, A history of discoveries Fabia Paulina ist Isiaca und Eingeweihte der
in Cnidus etc. 2, 2 p. 391 f.), so aus dem der Mysterien des Dionysos, der Demeter und Kora,
Isis, Baneiani p. 228 ff., p. 237. Wie im De- G. I. X. 6, 1780; eine Münze des Maximinus von
meterdienst spielt im Isiskult die cista secre- Tarsos zeigt Sarapis umgeben von Isis und
torum capax, penitus Celans operta magnificae Demeter, Num. Ztschr. Bd. 21 p. 216; eine des
religionis, Apul. 11, 11, levis occidtis conscia Philippus sen. von Bizya Sarapis inmitten von
cista saeris, Tibull 1, 7, 45, Röscher, Jahrbb. f. Isis mit dem Füllhorn, Harpokrates, Demeter
kl. Phil. 1886 p. 614 eine Rolle und wird oft und Anubis, Brexler, Myth. Beitr. 1 p. 103f. Auf
auf den Bildwerken dargestellt, s. : Weihinschrift 60 einem Lapis Lazuli erscheint Sarapis auf einem
an Isis, G. I. B. 6, 1, 344 u. add. 3962, Bafaye Schiff, zwischen Abundantia, Ceres oder Pro-
p. 256, p. 293 nr. 103; Altar der Villa Mattei, serpina, und am Steuer Isis, Raspe p. 122
Bafaye, p. 296 nr. 108; Grabstein einer Isis- nr. 1499; auf einem roten Jaspis im Ccd. Mertens-
dienerin, Mommsen, I. R. Neap. 6944, Boc. Schaaffhausen 2 p. 5 nr. 8 Sarapis, Demeter
ined. 4, p. 203 nr. 58, Bafaye, p. 298 nr. 113 und Isis-Tyche; auf einem Karneol in Berlin
und des L. Valerius Fyrmus Sacerdos Isidis Kora, Sarapis, Demeter?, A. Z. 1878 p. 165;
Ostens(is) et M. D. Trastib(erinae), C. I. B. 14, ein Knochenrelief zeigt neben einauder stehend
429, Benndorf u. Schöne, B. ant. Bilche. d. „Demeter-Isis und Pluton-Serapis (doch ohne
445 Isis (identificiert mit Demeter) Isis (identificiert mit Demeter) 446
Modius, mit Schale), r. Altar mit Uräus", z. München 1880 p. 8) singt: Hie denique sem-
Milehhofer u. Dressel, Mut. d. D. A. Inst, in ptr | Fit fera fitque canis, fit putre cadaver
Athen 1877 p. 470, Heibig, Bull. d'Inst. 1870 aselli, was freilich JBwsiom aus einer Verwechs-
p. 67 („Plutone e Proserpina"); die Wände lung des Sarapis mit Set erklärt. Die der Isis
eines Larariums der Vigna Guidi Harpokrates, und Demeter gemeinsamen Attribute Cista
Anubis, Ceres und eine vierte Gottheit, die mystica, Korb, Schlange erscheinen in mehr-
Pellegrini fragweise Neptun, Lafaye Sarapis fachen Darstellungen auf den alexandrinischen
nennt, Pellegrini, Bull. d. Inst. 1867 p. 115 — Kaisermünzen: die Cista mystica auf einem
116, Lafaye p. 331 nr. 229; Münzen von Sestos Thron unter Commodus LKH, Cohen, Cat. Gre'au
haben neben Demeter den Kopfputz der Isis, 10 270, 3227, Feuardent 165, 2277, PI. 27, von
•Drexler a. a. 0. p. 112. — Interessant ist die beiden fälschlich als „pressoir" bezeichnet;
Frage, ob sich in Alexandria eine Vermischung ebenso unter Beifügung von zwei Vögeln
des von Ptolemaios Philadelphos daselbst ein- (Sperbern?) unter Marc Aurel LIB, Zoe'ga p. 223
geführten attischen Demeterkultus (Preller, nr. 121, Mi. 6, 306, 2108; der ährengefällte
Demeter ti. Persephone p. 42 Anm. 22; Schreiber, Korb zwischen zwei schlangenumwundenen
Verh. d. 40. Vers, deutscher Piniol, p. 310) Fackeln, von Lafaye, p. 256 auf den Isisdienst
mit dem Isiskult vollzogen hat. Leider geben bezogen, unter Livia LA0, Zoe'ga p. 9 nr. 1,
uns die Autoren und Inschriften darüber Tb. I, 9; Mi. 6, 50, 47; Feuardent 16, 574,
keine Auskunft; Puchstein, Lit.-Zeitung 1884 PI. 13 und Antoninus Pius LIA, Mi. S. 9, 78,
Sp. 1537 erklärt daher, dafs die Mysterien der 20 304; ohne die Schlangen unter Domitian LIA,
Demeter in Alexandria nichts mit denen der Mi. 6, 99, 482; Hadrian LA, Mi. 6, 144, 828;
Isis gemein hatten. Auf alexandrinischen LIA, Mi. 6, 174, 1100; LKA, Mi. 6, 200, 1329;
Kaisermünzen erscheint Isis mit den Attributen Marc Aurel LIA, Mi. S. 9, 69, 368 = Sestini,
der Demeter, oder Demeter mit denen der Mus. Hed. 3 Cont. p. 40 nr. 4; Fauttina jun.
Isis, aber auch anderswo sind solche Dar- LKB, Mi. 6, 317, 2198 = Mus. Theupoli p. 1157;
Stellungen nachweisbar; eine Bleitessera von auf einer Münze Hadrians, LKA sieht man „ä
Alexandria führt auf der einen Seite Isis, auf l'e.rergue, corbeille remplie de fruits, sur 1a quelle
der anderen Demeter, Krosch, Bonner Jahrbb. on voit le char de Ceres traine par trois ehe-
2 p. 80 nr. 44. — Julian Epiist. p. 432 — 433 ed. vaux, ä dr.; de chaque cötc, un flambeau en-
Spanhemius bezeichnet als Parhedros des Sara- 30 veloppje par un serpent", Mi. S. 9, 65, 235 und
pis in Alexandria die Kora, und auf alexandri- auf einer ähnlichen „a Vextrgue, corbeille rem-
nischen Kaisermünzen erscheint Sarapis sitzend, plie de fruits, sur laquelle on voit Venlivement
ihm gegenüber Demeter stehend, Antoninus de Proserpine; de chaque cöte , un flambeau
Pius L6, Mi.S.S, 70, 257. 258; Sarapis sitzend, enveloppe par un serpent", Mi. nr. 236; den
ihm gegenüber „Ceres debout le lotus en Ute, Korb allein unter Antoninus Pius LI, Mi. S. 9,
tenant des epis de la m. dr. et un long flambeau 77, 299 = di S. Quintino, Med. alessandrine
de la </.", Hadrian LGNNGAKA, Mi. S. 9, 63, 221 ined. del museo egiziano di Torino p. 22 nr. 107;
= Sestini, Mus. Hed. 3 Cont. 30, 85, Wiegay den Korb auf einem von zwei Rindern ge-
6651 ; Sarapia in einem Tempel in Mitten von zogenen Wagen unter Trajan (Mus. Theupoli
Demeter und einer weiblichen Gottheit mit 40 p. 1120, Zoe'ga p. 92 nr. 222, Mi. 6, 141, 811),
Scepter und Füllhorn, Trajan, Mi. 139, 801; in welchem Typus Zoe'ga die „Tarda^que"}
Sarapis, Hermanubis ('?), Demeter, Trajan, Mi. 6, Eleusinae matris volrentia plaustra" (Verg.
139, 798; Sarapis zwischen Demeter und Tyche, Georg. 1, 163) erkennt; eine Varietät dieser
Marc Aurel LI", Zoega p. 218 nr. 67 = Mi. 6, Münze beschreibt Zoe'ga nr. 223: „Canistrum
296,2033; Faustina jun. Lr, Zoe'ga p. 226 nr. 4 frugum impositum currai, cuius summus am-
= Mi. 6, 309, 2132; L. Verus Lr, Zoe'ga p. 230 bitus Caput Serapielis (Nili domini omnium
nr. 15 = Mi. 6, 321, 2232; Commodus, Mi. 6, bonorum elaloris) sustinet, vehitur a boum biga
344, 2409; Sarapis auf einem Schiff zwischen lenta" , Mi. 810: „Corbeille remplie d'e'pis elans
einem Tropaion (?) und einer Göttin mit Mo- un char traine par deux boeufs, marchant aar.;
dius und Scepter (Demeter?) Trajan, Mi. 6, 50 devant la corbeille, un Canopc ou simulacre
139, 799; Sarapis, Isis, Demeter auf einem d'une divinite avec le modius"; eine Münze
Schiff, Trajan LIE, Kenner, Die Münzsammlung Trajans LIT zeigt nach Zoe'ga p. 71 nr. 84:
des Stifts St. Florian p. 188, Tfl. 7, 2; Zoega ,,Daae figurae, quarum altera canistrum prae-
p. 133 nr. 309 = Mi. 6, 174, 1105; ähnlich gründe frugibus refertum gerit, stant in qua-
Hadrian LIE, Mi. 6, 174, 1105 = Zoega p. 132 drigis lentis" ; Zoe'ga bemerkt dazu: „Cereris
nr. 309; Hadrian L-6NN6AKA, Mi. S. 9, 63, sacra. Forte ad pompam Isiacam pertinent" ;
220; doch ähnliche Verbindungen kommen, vgl. Dioel. 1, 14: „■naq iviaig di zmv nöXswv
wie wir sahen, auch sonst vor. Die Notiz des -xal rofg 'iOBi'oig iv ry nofiity fiszä zäv alltov
Minucius Felix Oct. 28, man habe die Esel (pigzofrai Kai nv9g.evag nvQäv y.al kqi&cov,
zugleich mit Isis verehrt, bezieht Wiedemeenn, uo änonviq(i6v(vu.a räv e| ccqxVS rV ß'S'P <piA.o-
Her. 2. B. p. 450 auf die Sitte, dafs bei den tixviog fvQt&svTiov; Stephani, C. r. p. l'a. 1SG5
eleusinischen Mysterien ein Esel die heiligen p. 26 Anm. 4 bezieht die Darstellung mit Hin-
Geräte von Athen nach Eleusis trug. Viel- weis auf Callimachus, H. in Ctr. vs. 121 be-
leicht bezieht sich diese Notiz aber auf den stimmt auf die Demeter-Prozession; auf einer
Sarapis, von dem Paulinus Nolanus (im sog. Münze Hadrians LIZ steht der Korb auf einer
Poema ultimum vs. 123 f., Zechmeister, Wiener Säule, zu deren beiden Seiten sich eine ge-
Studien 2, 1880 p. 118 , - Bwsian, Süzungsber. flügelte Schlange erhebt (Zoega p. 139 nr. 359,
d. philos.-philol. u. bist. Kl. d. k. b. Ak. d. W. Tb. 7, 22, Mi. 6, 129, 731. 732); ebenso zwischen
447 Isis (identificiert mit Demeter)
ungeflügelten Schlangen auf einer Säule auf
einer Hadrians LKA, Zoega p. 154 nr. 472;
Mi. 6, 200, 1328; auf einer Trajans LIE steht
zu beiden Seiten des auf eine Säule gestellten
Korbes eine Frau mit Scepter oder Fackel,
Mus. Theupoli 2 p. 1116, Zoega p. 82 nr. 137,
Mi. 6, 124, 691. Unter Trajan LIZ befindet
sich nach Mionnet der Korb auf blumenum-
wundener Säule zwischen zwei Schlaugen
zwischen der verschleierten sitzenden Demeter, xo
welche ihre Hand auf das Haupt des vor ihr
stehenden Harpokrates legt, und einer Frau
mit Modius auf dem Haupt und langer Fackel,
während Zoega p. 85 nr. 163 den Typus so
beschreibt: „Ceres stat ante sedentem Aegypti
genium manum imponentem capiti parvae figurae
stolatae ad genu eins adnixae (unwahrscheinlich
als „Italia vel Europa, quam Aegyptus Pareii-
tis instar suis opibus alebat' oder auch als
„Harpocrates frugum genius" gedeutet); pone 20
parram figuram adest columna sustinens cctni-
sirum". Auf einer Münze Trajans LIZ steht
der Korb auf einem von zwei Schlangen ge-
zogenen Wagen, Zoega p. 85 nr. 161 {„Ctre-
ris dona a serpentibus äeae sacris per orbem
terrarum vecta mortalibus distribuenda''); Mi. 6,
129, 730; auf einer Trajans LIH sind diese
Schlangen geflügelt, Mi. 6, 133, 755. Die
Schlange kommt mit cerealischen Attributen
oder Sistrum vielfach auf den alexandrinisehen 30
Kaisermiinzen vor. Beispielsweise erscheint
eine dicke weibliche Schlange mit Sonnen-
scheibe zwischen Hörnern auf dem Haupt und
Ähren in den Windungen L. Verus LI", Zoega
p. 230 nr. 19 Tab. 14, 4; Plautilla LIA, Feuar-
dent 169, 2312, PI. 28; mit einem Sistrum in
den Windungen unter Hadrian L ENAEKATOY,
Zoega 122, 147 Tab. 6, 22 ; mit Kopfputz, Sistrum
und Mohnkopf [nach Zof'ga] gegenüber einer
männlichen mit Ca- &o
duceus unterHadrian
LIH, Zoegap. 139 nr.
360; Feuardent 91,
U21,P1.20. — Sp'an-
hemius, De praest. et
usu num. 2 p. 306
erkennt in ihnen Isis
und Üsiris; Fr. Le-
normant, Gaz. arcli.
3 p. 150 f. Note 1 in 50
der weiblichen die
Göttin Utit (Ouadj,
Buto), die man mit
der Erntegöttin Ban-
nu identificiert habe. Lafaye p. 256 sagt: „Le
serpentjouait, comme on sait, un grand röle dans
les mysteres d'Eleusis. II le devint plus encore
dans ceux d'Alexandrie. Peut-etre est-ce parce
qu'en Egypte il etait propre ä Rannou, de'esse des
moissons et de l'abondance. Tantöt ces serpents eo
d' Isis-Demeter ne se distinguent pas de l'uraeus,
tantöt ils ressemblent ä de grosses couleuvres,
tantöt leur corps est surmonte d'une tele d'Isis
ou de Serapis. Souvent ils se confondcnt arec
Vagathoclemon, surlout lorsque au mite alexan-
drin se joint, sous Hadrien. ctlui d'Antmoüs
repre'sente comme le bon ge'nie. II arrire meine
que toutes les distinctions s'eff'acent, gue l'uraeus
Schlangen mit Attributen der
ägyptischen Gottheiten.
Feuardent PI. 20, 1421.
Isis (identificiert mit Demeter) 448
devient un agathodemon, et ainsi de suite" ; vgl.
auch Beichel p. 62. Ähnlich wie auf den
Münzen ist auf einem Monument des ägyp-
tischen Museums in Berlin, nr. 8164, 1. von
zwei Uräusschlangen in einem Naos ein Sistrum,
r. Ähren und ein Mohnkopf angebracht, wäh-
rend zwischen den Schlangen ein kleiner kannen-
förmiger Krug steht, Boscher, Jahrbb. f. kl.
Phil. 1886 p. 233—234.
Eine ägyptische Färbung nahm die Tripto-
lemossage in Alexandria an. Nach Diodor 1, 18
(vgl. Preller, Demeter u. Persephonep. 42, Anm.20 ;
p. 302, Anm. 55; Fr. Lenormant, Gazette arch.
4, 1878 p. 99) nahm Osiris den Triptolemos
mit auf seinem Zuge über den Erdball. Nach
Analogie des Osiris tritt in alexandrinischer
Zeit Triptolemos als Pflüger auf, Otto Kern,
De Triptolemo aratore, Geruthliacon Gottingense.
Halis Sax. 188S. p. 102—105. — Schreiber a. a. O.
p. 310 — 311 hat darauf aufmerksam gemacht,
dafs wir für diese Vermischung des Tripto-
lemos mit Osiris noch Zeugnisse in einigen
Denkmälern erhalten haben, so in der Tripto-
lemosvase in St. Petersburg nr. 351, O. r. p. Va.
1S62, pl.4.5; Overbeck,Kunstmyth. Demeter u.
Kora.Tfl. 16, Fig. lSp.böiVL.öGS;Strube,Stu<lien
über den Bilderkreis von Eleusis p. 19, worauf
Triptolemos in Ägypten im orientalischen
Kostüm erscheint; in der farnesischen Onyx-
schale in Neapel, Lafaye p. 316 nr. 178, wo
Litteraturangaben; Monaco,Guide gen.duMusee
ant. de Kaples4, p. 202 nr. 27611; A. Miliin, In-
troduktion ä l'e'tude des pierres grave'es* p. 85 —
86; A". O. Müller, Hdbuch d. A. d. A".3 p. 443
§ 315, 5; Kern p. 103; Brunn, Sitzungsber. d.
plülos.-phüol. u. h. Kl. d. k. b. Ak. d. W. in
München 1875 p. 337 ff., wo Triptolemos über
der auf einer Sphinx sitzenden Isis zu sehen
ist. Auch auf der Goldschale von Pietraossa
{Matz, Arch. Zeit. 1871 p. 135—137, Tfl. 52) ist
wahrscheinlich Isis {Kern p. 104) verbunden
mit den eleusinischen Gottheiten (Triptolemos)
dargestellt. Auf einem Sarder der Sammlung
Stosch erscheinen nach der Abbildung bei Gori,
Thes. gemm. astrif. 1 Tab. 42 p. 89 — 90 u. a.
Triptolemos, Demeter und Isis.
Zahlreiche Bildwerke bestätigen die Auf-
fassung der Isis als Göttin des Getreidesegens.
Sehr oft trägt sie am Haupte Ähren, wie Apul.
met. 11, 3 ihreu Kopfputz als spicis etiam Ceri-
alibus cksuper porrectis versehen schildert, vgl.
Ocid Mit. 9, 687 und TertuUian de cor. mit. 7.
Einzeldarstellungen dieses aus Hörnern, Sonnen-
scheibe u. Federn bestehenden Hauptschmuckes
erscheinen nicht selten unter Beifügung von
Ähren auf geschnittenen Steinen, z. B. Baspe,
p. 30 nr. 332, PI. 2; Tölken 1, 2, 163. 165; Mus.
lhorraldsen p. S4 nr. 675; Museo Borgiano
3. cl. 1. div. nr. 31, 31b u. 32, Doc. incd. p. s.
alla st. dei Musei d' Itcdia 3 p. 429; und auf
Münzen, z. B. auf Cistophoren von Ephesos,
Num. Zeitschr. Bd. 21 p. 80—81; auf Münzen
von Myndos, ebenda p. 134 ff. ; Perinth, ebenda
p. 231 u. Drexler, Myth. Beitr. 1 p. 110; Syracus,
s. oben; Alexandria (Hadrian), Feuarclent p. 78
nr. 1256, PI. 19. B'erner siebt man Ähren an
Bronzebüsten der Göttin in Berlin, Friederichs
2 p. 341 nr. 1558f. 3; im Museo Borgiano § 55
449 Isis (Göttin d. Getreidesegens mit Ähren) Isis (Göttin d. Getreidesegens mit Ähren) 450
nr. 516, Boc. ined. p. s. a. st. dei Mus. d'Italia auf einer Bleimünze der Sammlung Fontana,
1 p. 399; in Wien, v. Sacken u. Kenner p. 309 Sestini, Descr. d'alc. med. gr. del Museo Fon-
nr. 1322; in Sammlung Piot, Coli. P. Paris 1870 tana p. 68 nr. 24, Tab. 11 Fig. 24. Ein Karneol
p. 45 nr. 143 (hier ruht die Büste auf einem mit der sitzenden, den Horos säugenden Isis
Phönix); auf einer Lampe, welche die Büste zeigt im Felde zwei Ähreu, Raspe p. 30 nr. 326;
der Isis zusammen mit der des Sarapis zeigt, ein Karneol des Museo Borgiano 3. Cl. 1. div.
Arcli. Zeit. 1877 p. 87 nr. 10; auf Gemmen mit nr. 6 p. 423 mit derselben Darstellung im Feld
dem Haupte der Göttin allein, Tölken 1, 2, 29 einen Halm mit Ähre; ebenso ein gelber Jaspis
p. 15 (ob aber wirklich Isis?); Müller, Mus. desselben Museums nr. 7 mit gleicher, Dar-
Thorvaldsen p. 195 nr. 71 oder mit dem der 10 Stellung, vor ihr einen Halm mit zwei Ähren,
Isis und des Sarapis, Kenner u. v. Sacken hinter ihr „tre frutti di colocassia", womit
p. 412, Kasten 1 nr. 8; Lafaye p. 312 nr. 161 wahrscheinlich die Fruchtkapseln (v.ißuiQiov)
= Raspe 1446, PL 24; Andre, Musee de Renues der Nelumbo - Seerose (y.vajiog Aiyvittiog,
p. 30 nr. 59 (Haupt des Sarapis zwischen dem Nymphaea Nelumbo L.) gemeint sind , deren
der Isis u. Harpokrates); auf Münzen, z.B. von Wurzel xoloxdaiov hiefs und welche nach Jos.
Syracus, C. G. C. Br. Mus. Sic. p. 228 nr. 704 u. Murr (Die Pßansemeelt in der griechischen
705 PI. 14, 7, Head, Hist. of the coinage of Syra- Mythologie p. 282, vgl. Bierbach, Flora myth.
cuse p. 76 nr. 7, PI. 14, 1; auf einer des Anto- p. 76) in besonderem Grade ein Symbol der
ninus Pins von Alexandria (LG) , vor dem Fruchtbarkeit u. Unsterblichkeit war. Zuweilen
Haupte der Isis ein Durrahhalm, Zoega p. 173 20 tritt an Stelle der Ähren der Mohnkopf; so
nr. 93. Auch in Darstellungen in ganzer Ge- befinden sich Mohnköpfe am Isiskopfputz auf
stalt erscheint sie mit Ähren am Haupte; so einer Gemme bei Tölken 1, 2, 164 p. 36 und
zeigt eine Stutue des Palazzo Borghese über am Diadem einer Isisbüste im Louvre, Lafaye
der Stirn eine Doppelähre, die aus einem Halb- p. 275 nr. 39 = Chirac 1087, 2733b = Fröhner,
mond, in dem die Sonnenscheibe ruht, hervor- Notice nr. 559; auf einer alexandriniscben
spriefst, Matz und v. Bahn, Ant. Bildwerke in Kaisermünze der Sabina mit der den Horos
Born 1 p. 451 nr. 1581 („Isispriesterin"); an der säugenden Isis soll sich hinter der Göttin
1. hin schreitenden Isisstatue der Villa Borghese (Sestini, Mus. Hed. Parte 3, Continuazione p. 32
Chirac III 433, 787 p. 127 — 128 („Ceres') sind nr. 3); und auf einer des Hadrian mit dem Datum
der Kopf mit den zwei glatt ans Haar ange- 30 LKB vor der Büste der Isis ein Mohnkopf be-
legten Ähren und die Arme mit kurzem Scepter finden, Ftuardent 99, 1519; Sestini a. a. O. p. 31
und Ähren ergänzt; auch auf Gemmen mit der nr. 104. Beide Attribute, Ähren und Mohnköpfe,
den Horos säugenden Isis ist ihr Haupt mit sind verbunden an dem verschleierten Kopf
Ähren geziert, Pappadopoulos p. 18 nr. 280, einer nur im Oberteil erhaltenen Marmorstatue
281, 282. Oder sie trägt Ähren in der Hand. in Rom, C. L.Visconti, Bull, della commiss. arch.
Bei den hier in Frage kommenden Statuen comun. di Roma 15 p. 133 nr. 2 u. an dem
beruhen die Ähren freilich meist auf liestau- von Wieseler, Über einige beachtenswerte geschn.
ration, so wohl an der „Isis, confonchie arec Steine 2, 1 p. 24ff. für Helena, die Gemahlin
Ceres" bei Chirac 5 PI. 988, 2574 E, wo Clarac Julians II., erklärten weiblichen Brustbild auf
bemerkt, dafs man nicht weifs, welche Teile 40 dem Sardonyxcameo des Mr. Bromilow, b.d.43;
ergänzt sind; 2574 B p. 289 („hs bras sont einen Mohnkopf und (nach Montfaucon) Ähren
dus « la restauration")- 2574 C p. 289 („Mus. hält in der L. die Römerin im Isiskostüm bei
Brit. — probablement une Ceres restauree en Montfaucon 3, 1, 16, 2 p. 39, Suppl. 1, .42, 2
Isis"; vgl. A guide to the greek sculptures of = Lafaye p. 288 nr. 88; mit Sistrum, Ähren
the Brit. Mus. I2 p. 53 — 54 nr. 133, wo die r. und Mohnköpfen erscheint Isis stehend neben
Hand mit den Ähren als Ergänzung bezeichnet dem sitzenden Sarapis auf den Gemmen im
wird); dagegen gehören die Ähren und das Nov. thes. gemm. vet. 1 Tab. 19 p. 22 u. bei King,
Scepter in den Händen der Statue in Isistracht The Gnostics" p. 438, PI. E 1; ein Mohnkopf,
Chirac III 422, 746 p. 91 („Iunon?") nach Clarac umgeben von Ähren und ein praefericulum
wirklich zu derselben; Ähren oder eine Art so sieht man zwischen den Büsten der Isis u. des
Frucht hält an die Brust eine Statue in InceBlun- Sarapis an einem Thongefäfs zu Lyon, Lafaye
dell Hall, Michaelis, Ancient Marbles in Great p.303 nr. 131, Brexler, Myth. Beitr. 1 p. 13— 14.
Britain p. 358 nr. 76; Ähren in der R. die Isis Auf einem pompejanischen Wandgemälde hält
Taposiris an dem zur Inschrift C. I.L. 11, 1544 Isis mit der L. eine Schüssel mit Früchten, in
gehörigen Relief in Fiesole; stehend, mit Ähren der R. eine Schale, woraus eine Schlange trinkt,
in der L., in der R. das Scepter erscheint Isis Lafaye p. 327 f. nr. 219; Heibig 1094 c. Eine
auf einer Münze des Hadrian von Alexandria Bronze der Sammlung Paravey stellt Isis dar
mit dem Datum L'IA (Mi. 6, 167, 1032) und auf Früchte haltend, am 1. Arm eine Situla,
einer freilich nur aus Cousinery bekannten de Witte, Cot. d'une coli, de vionum. ant.
Münze von Aigai (Num. Ztschr. Bd. 21 p. 62 60 [de M. Paravey.] Paris 1879. p. 84 nr. 305 =
= Mi. 3, 5, 23); ferner auf einem Goldring in Cat. Pulsky nr. 157; eine Bronze in Arolsen
Paris, Chabouillet, Cat. gen. des c. et p. gr. de mit fehlender R. hält in der L. eine Frucht,
la bibl. imp. p. 383 nr. 2605; mit einer Ähre Gädechens, Bie Antiken in Arolsen p. 80 nr. 205;
in der R. u. dem Scepter in der L. auf einer eine Büste der Isis zwischen zwei Sphinxen
Gemme in Berlin, Tölken 1, 2, 32 p. 16; sitzend auf einem Terracottarelief in der L. eine Schüs-
mit Ähren in der Hand auf einer Gemme bei sei, worauf zwischen zwei Ähren ein Pinien-
PappadopoulosyAS nr.279; stehend mitScepter apfel und zwei runde Früchte liegen, in der R.
u. zwei Ähren neben dem sitzenden Sarapis ein Sistrum, Lafaye p. 290 nr. 94; Mus. Cain-
RosCHElt, Lexikon der gr. u. rüm. Mytliol. II. ' 15
451 Isis (= Demeter, mit Fackel)
pana, Ant. op. in plastica Tav. 93: Combe,
Anc. terracottas in the Brit. Mus. p. 23 Anm. 3.
Die Münze der Helena, Gemahlin Julians II.,
bei Oisäius, Thes. num. ant. Tb. 47, 5 p. 269,
Banduri'2 p.
427; Kopp 3,
§545, welche
die Büste der
Kaiserin als
Isis rn.it Sis-
trnm in der
R. u. Frucht-
schale in der
L. zeigt,
finde ich in
den neueren
Münzver-
zeichnissen
nirgends; sie
ist wohl als
Fälschung
zu betrach-
ten. Eine
patera cum
frugibus be-
findet sich
unter den
Weihge-
schenken
des Isishei-
ligtums in
Nemi, C. I.
L. 14, 2215.
Zuweilen
vereinigen
Figuren mit
dem Kopf-
putz der Isis
und Ähren
oder Mohn
noch die
Fackel, man
hat darin
Darstellun-
gen der mit
Demeterver-
sehmolzenen
Isis zu sehen.
So hat eine
Terracotta-
statuette bei
B. Fabrelti,
Inscr. ant.
quae in aedi-
bus paternis
asservantur
explicatio p.
493 , Mont-
faucon 1, PI.
45, 6 p. 93
über dem
schleierartig
über das Hinterhaupt emporgezogenen Gewände
den Kopfschmuck der Isis, in der gesenkten L.
drei Mohnköpfe, die R. an grofser aufgestützter
Fackel. Ganz ähnlich, nur mit anderem Falten-
wurf ist die Figur am Bauche einer Lampe
bei Passeri, Luc. fict. 1, 22 p. 29—31. Auch
Isis mit Demeter verschmolzen. Passeri,
Luc. fict. 1, 22.
Isis (= Demeter, mit Fackel) 452
die angeblichen Ähren auf dem Haupt einer
demeterartigen Figur auf einer Goldplatte aus
Naukratis scheinen der Abbildung nach eher
Reste des ägyptischen Hauptschmuckes der
Isis zu sein, Third Memoir of the Egypt Ex-
ploration Fand. Naukratis. Part 1 PL 27,
p. 43 — 44; vielleicht ist dieselbe Kopfzier auch
zu erkennen an der Göttin der Vorderseite
eines grünen Jaspis „Figure feminine voilee,
10 ie tutulus sur le front, debout, porte d'une main
un long flambeau, de l'autre des e'pis", dessen
Rückseite die Aufschrift NIKA 0 CEPAHIC TON
*0ONON trägt, Coli. Mertens-Schaaffliausen p. 67
nr. 1631. Ferner wird im Museo Borgiano 3.
Cl. 1. div. nr. 13 p. 424 unter der Abteilung
„Iside ed Oiiride" ein roter Jaspis verzeichnet,
worauf „Una dca vestita di tunica e peplo c
velata, sopra la testa un modio avanti cui una
luna falcata, sta dritla in piedi äppoggiando
20 la deslra ad una torcia grande ardente e te-
nendo nella s. avanti se abbassata un fascio di
spiglie", (vgl. die Bronze des Herrn Julius
Meifsner, Jahrb. d. D. A. Inst. 1890, Arch. Ans.
p. 156 nr. 6), eine Gestalt, die freilich kein sie
bestimmt als Isis charakterisierendes Attribut
trägt. Ein dunkelgrünes Plasma in Göttingen
zeigt eine stehende nackte Person mit einem
schmalen hohen Kopfauf satze, der an Isis
erinnert, in der ausgestreckten 1. Hand einen
so teilweise weggebrochenen Gegenstand, in der
r. anseheinend eine Fackel mit kreuzweisen
Kienhölzern, Hubo, Original werke i. d. arch.-
num. Abteilung des arch.-num. Inst, der Georg-
Augusts - Universität p. 143 nr. 837; ein Karneol
im Haag Sarapis sitzend zwischen Isis mit
Fackel und Ähre und Harpokrates, Visconti,
Opere varie 2 p. 243, Impf. Chigi nr. 285.
Auf Münzen von Athen erscheint Isis oder De-
meter mit dem Hauptschmuck der Isis in langem
40 Chiton und Überkleid, Kornähren und lange
Fackel oder Scepter haltend (s. oben Sp. 385);
auf alexandrinischen Kaisermünzen stehend mit
Kopfputz, in der R. die Fackel, in der L. Ähren
und Mohn unter Domitiau LI, Sestini, Mus.
Hed. 3 Cont. p. 19 nr. 11; Hadrian L-AGÜAGK,
Sestini a, a. 0. p. 26 nr. 38. 39; LKA, Zoega
p. 154 nr. 469; Sabina L GNN6AK (ohne Mohn),
Zoega p. 159 nr. 9 = Mi. 203, 1353; sitzend,
in der R. Ähren, in der L. eine kurze Fackel, vor
50 ihr eine kleine Figur unter Trajan L-IA, Sestini,
Mus. Hed. 3. Cont. p. 21 nr. 4 = Mi. S. 9,
42, 106. Die ,,Dea Isis stans indicem manus
dextrae ad os attollens , tenet faccm ardentem"
einer alesandrinischen Kaisermünze des Ha-
drian (L-K) im Cat. n. ant. Casp. de Pfau.
p. 313, vgl. Mi. 6, 194, 1281 stellt eher Harpo-
krates mit der Keule, vgl. Zoega, N. Aeg. Tb. 9,
1 (L KA), dar; auch die Figur der Münze des
Trajan (L IA) bei Sestini, Mus. Hed. 3. Cont.
go p. 21 nr. 13: „Porta Aegyptia ... in medio
stat Isis e fronte velata, et loto capite ornato,
d. demissa, s. magnam taedam, ad cuius imum
crocodilus, omnia intra circulum" ist nicht mit
Sicherheit als Isis zu bezeichnen, vgl. Mi. 6,
110, 620 bis; Feuardent p. 54 nr. 981, PL 18.
Auf einer alexandrinischen Kaisermünze des
Antoninus Pius (LA) ist dem verschleierten
mit ägyptischem Kopfputz gezierten Haupt
453 Isis (Beziehungen zur Kuh) Isis (^Beziehungen zur Kuh) 454
der Göttin eine Fackel beigegehen, Zoega Sp.SG'i?.; BrugschmSchliemanns Ilios p.817 f.),
p. 169, 51. 52 (,,sisttt Isidem-Gererem , wysie- und oft kann man schwanken, ob diese oder
riorum praesidem"); = Mi. C, 217, 1459, vgl. jene Göttin gemeint ist, s. z. B. Raspe p. 23
1458; Feuardent 104, 1574, PI. 23; Tgl. 1573 u. nr. 248: „Onyx Camco du Comte Maurice de
mit Feuardents Abbildung die Demeterbüste Brti/d ä ßresde. Büste d' Isis, avec des oreil-
eines Goldplättchens aus Zagdzig in Dresden, les de vacke, et une coiffure brode'e cn fleurs.
Jahrb. d. I). A. Inst. 1890, Arcli.Anz. p. 95 nr. G. PI. 7"; Gat. Fejervary de Pulslcy p. 27 nr. 435:
Ein roter Jaspis der Coli, de M. Montigny „Tete d'Isis de face avec oreilles de vache.
p. 19 nr. 239 zeigt eine bekleidete Büste der Sardoine ä trois couches" ; Chabouület p. 26
Isis und davor eine Fackel; ein viereckiger 10 nr. 176: „Hathor; tele de face avec le modius,
Altar in Ince Blundell Hall vom Amnions- deux cornes de vache et deux tresses rapproelie'es
Maske; hinten lsispriesterin mit Sistrum und sur cliague joue (wohl die zwei schnecken-
„inverted cantharus" (SitulaV) und Mann mit förmig gewundenen, für Hathor charakteristi-
Speer und Schlange; an den Seiten Schale sehen Flechten, also wirklich diese Göttin),
und Nilometer oder Sistmm zwischen Fackeln, Sardoine" ; de Witte, Gat. Durand p. 434 nr.
Michaelis, Arch. Zeit. 1875 p. 393 = Anc. 2094: „Tete de la deesse AlJior ü oreilles de
Marbles in Grcat Britain p. 412 nr. 395. vache, de face, et surmontee d'un modius. Plaque
Der Isis heilig war die Kuh, Wiedemann, en terre emaillee" (aus einem Grabe in Etru-
77er. 2. B. p. 187 ff. Dieselbe wird von Giern. rien); Coli. Drovctti, Monumens nr. 4 — 6, Uoc.
AI. Str. L. 5 c. 7 p. 611 ein avfißoXov yr/g ts 20 ined. p. s. a. st. dei mus. d'Italia 3 p. 290:
avzrjg xcei ytoiQyiag Kai tQotprjs genannt; Ma- „Chapiteaux de colonne d'ordre egyplien, ayant
crob. Sat. 1 c. 19 sagt, die Ägypter hätten die sur les guatre faces la figure d'Xsis ä oreilles
Erde durch die Hieroglyphe des Rindes be- de belette, deux de la meine forme, et le troi-
zeichnet; l'lut. de 7s. et Us. c. 39 erklart: ßovv sii-me plus long que les autres" (wohl „Hathor
yÜQ"faidog diiova xctl yf]v vo[.t,!t,ovßiv u. Apul. die viergesichtige", Lex. 1 Sp. 1867). „Isis
Met. 11 c. 11 erzählt, dafs bei der Isisprozession mit einem Kuhkopfe", ein Sistiuni von unge-
erschien „bos, omnia parentis dcac feeundum wohnlicher Form in der einen und eine Schale
simulacrum, quod residens humeris suis pro- mit Früchten in der anderen Hand," davor
ferebat unus c ministcrio beato gressu gestuoso" ; eine Gans erkennen Iioux u. Barre, Herc. u.
vgl. Montfaucon 2, 2 PI. 115 nr. 5 aus lipon; so Pomp. 1. Bd. 1. Ser. der Mal. Taf. 48 p. 37
PI. 116 nr. 2 aus Kircher;, Ed. Meyer oben auf einem Wandgemälde von Herculaneum,
Sp. 363 erklärt, dafs den Ägyptern als einem Pitt. d'Frc. 2 p. 99, Real Museo Borbonico.
Ackerbauvolk die Kuh heiliger Natur zu sein Vol. 9. Roma 1845 PI. 53 unten, p. 503 — 504,
schien und dafs sie sich deshalb Isis in Kuh- während Stephani, C. r. p. l'a. 1S63 p. 93 und
gestalt dachten; dagegen äufsert Wiedemann, frageweise auch Helbig p. 220 m\ 1106 die
Her. ä. B. p. 188 die Ansicht: „Im alten Figur vielmehr als Osiris bezeichnen. Ins
Ägypten hat die Nützlichkeit freilich kaum Museo Capitolino gelangte aus Hadriaus Villa
zur Verbindung der Kuh mit Isis geführt, in Tivoli „buslo a due teste, da una parte
sondern ähnlich wie der Stier die zeugende donna, daW cdtra bue, in marmonero, molto ben
Kraft der Gottheit repräsentierte, so stellt die 40 lavorato, e rappressnta Iside, che da uomo fu
Kuh ihre gebärende und ernährende dar"; convertita in bue e da bue in dea (eine Auf-
ähnlich sagt Arnoldi, Bonner Jahrbb. H. 87 fassung, die dem Verfertiger kaum vorge-
p. 42 von Isis: „Dieser nährenden Thätigkeit schwebt hat). Posa sopra un ftore di lolo come
wegen gilt die Kuh als ihr heiliges Tier"; per base", Cirlo Fca, Miscellanea fdologica
auch Pierret, I'anth. eg. p. 35 und Uict. d'arch. crit. e ant. 1. Roma 1790 p. CLXV, 98; Bottari,
ig. p. 556 sieht in der Kuh „un embleme de Mus. Capit. 3, 83; 11 Mus. Capitolino 2. Roma
maternite" ; Ebers, Ag. u. d. B. Moses erklärt sie 1820 Tav. 114 p. 92 („Erma d' Iside e di Api",
p. 117 für ein Symbol der Mütterlichkeit, p.356 eher wohl der Isis und Hathor). Gregorutli,
— 359 für ein Sinnbild der Fruchtbarkeit. Über Archeografo Triestino Vol. 13, 1887 p. 162 be-
hes, hesa, eine der heiligen Kühe der Isis in 50 richtet: „Nel cortile della preindicata casa Fi-
ihrer besonderen Auffassung als Milchspenderin netti in Tapogliano csistono due busli antichi,
s. Brugsch, liier. -Uemot. Wörterbuch p. 849 — di cui Vwno rappresenta Giano Bifronte barbato
851. Bei dem Trauerfeste des Osiris im Monat m grandezza naturale, c Valtro una Dea, forse
Atbyr trug man eine vergoldete, von einem Iside coronata di rose e con una ghirlanda
schwarzen Byssosgewande umhüllte Kuh als simile attorno il collo in grandezza maggiore
Symbol der Isis „siebenmal um den Sonnen- del naturale avente a tergo la parte anteriore
tempel und auch sonst herum, um das Suchen di im bue Ap>is ginocchioni nella proporzione
der Göttin nach dem toten Gemahl zu sym- di '/5 del vero." „La statua di una vacca isi-
bolisieren", Wiedemann, Her. 2. B. p. 261, aca, o veramente del bue Api" erwähnt G. L.
482; Flut, de Is. et Us. c. 39 p. 68 und 234, r,o Visconti unter den Funden auf dem Esquilin,
e. 52 p. 93, vgl. Gaylus, Bec. d'ant. 1 PI. 7, 2 Bull, della commiss. arch. comun. di Borna. 14,
p. 26—27; Zoega, De or. et us. obel. p. 414 — 1886 p. 208. Mehrere Bildwerke zeigen Isis
416; Lauth, Sitzungsber. d. pltilos.-philol. u. in Gesellschaft eines Rindes, doch läfst es
last. Kl. d. k. b. Ak. d. W. z. München 4, 1. meist sich schwer feststellen, ob letzteres als
1874 p. 101; Dümichen, Gesch. d. a. Äg. heiliges Tier der Göttin oder als Apis aufzu-
p. 212 Anrn.* Wie Hathor wurde auch Isis fassen ist. Die Münzen des Nomos Memphites
nicht selten mit Kuhohren oder kuhköpfig und die Bleimünzen von Memphis, wo am
oder als Kuh dargestellt {Ed. Meyer , oben ersten an Apis zu denken ist, sind schon oben
15*
455 Isis (Beziehungen zum Nil) Isis (Beziehungen zum Nil) 456
verzeichnet worden. Auch eine alexandrinische p. 254 rec. Bekker; Lefebure, Le mylhe osirien
Kaisermünze zeigt Isis sitzend in der R. das 2 p. 178 ff.), und Isis mit dem ägyptischen
Sistrum, in der L. das Scepter, vor ihr ein Lande, vgl. oben Sp. 442, Phit. De Is. et Os.
Rind („le boeuf Apis"), „derriere wie figure c. 32, 38; Io. Lydus ed. Bekker p. 70; Himerius
debout e'rigeantun trophe'e", Feuardent nr. 1198; Or. 1 § 8 p. 336 ed. Wernsdorf; Or. 8 § 5
ein Scarabäus bei Caylus, Bec. d'ant. 4, 10, 1 p. 548 (t'yvcog ■nal zovzov [rov NslIov] xr\v
p. 28 — 29 Isis sitzend, die Hand auf das Haupt avvsvvov, xaQTiwv tzoiy.iIcov tpogäv xvocpoQov-
eines vor ihr stehenden Rindes legend; ahn- actv %ai rmrovaav); Notinas, Dionys. 3 277,
lieh ist der Göttin zugewendet ein Rind („Apis") der den Nil vyqbv ä-nohnv nennt; Lumbroso,
auf der von Lafaye p. 296 nr. 108 beschrie- io L'Egitto al tempo dei Greci e dei Bomani
benen Basis; auf der ähnlichen, Lafaye p. 295 p. 9; Fialin de Persigny , De la destination
nr. 107 steht es, geführt von einem Priester, des pyramides d'JSgypte et de Nubie contre les
bei ihr. Eine Thonlampe aus Tarsos zeigt irruptions sablonneuses du de'sert. Paris 1848
nach Birch bei Barker, Lares and Penates p. 195— 221; Ebers, Ag. u. d. B. Mose's p. 353ff.,
p. 201 „Isis — liolding a situla, on her head tlie weshalb sie heifst die „deren Gatte die Nil-
usual Ornament, before her Apis as a buffalo, schwelle ist ', Brugsch, Bei. p. 648. Sie selbst
having in his head a star, advancing to a lighted führte den Beinamen Mu „das Wasser", Qobhe
altar beliind a temple". Ein Relief im Lateran nofrit „die gute Nilflut", Brugsch, Bei. p. 653 —
wird von Matz %i. von Dahn, Ant. Bildw. in 654, vgl. p. 641, 642. Als Sothis wurde ihr die
Born 3 p. 216 nr. 4003 so beschrieben: „R. 20 Herbeiführung der Nilüberschwemmung zuge-
gewahrt man noch den vorderen Teil einer schrieben, s. Ztschr. f. Num. 13 p. 303-304;
gemessen schreitenden weiblichen E. Maafs, Analecta Eratosthenica p. 122
Gestalt, die r. Hand wie anbetend erhoben, Anm. 102. — Servius zu Fergil. Aen. 8, 696
über dem Kopfe den Schmuck des Sonnen- (vgl. Schläger, Comm. de numo Hadriani plum-
diskos mit der TJräusschlange (Hathor?). Von beo p. 109) sagt von ihr: „ Isis per sistri motum,
1. ihr entgegen kommt ein Stier (Apis), von quod gerit in dextra, Nili accessus recessusque
ihm ist noch der Kopf erhalten, über dem significat; per situlam, quam sinistra manu
Reste eines hohen Aufsatzes sichtbar werden. retinet, ostendit af/luentiam omnium lacunarum
Vor dem Stiere am Boden wachsen hohe id est fossarum, in quas Nilus stagnans re-
schwerreife Getreideähren aus dem Boden." 30 cipiebatur." Auch der in den Nil fallenden
Auf dem Postamente der Widmung C. I. L. 3, Thräne, die sie um den Gatten oder wegen
4234 = Myth. Beitr. 1 p. 28 an Isis und Bu- einer ihr von Horos widerfahrenen Mifshand-
bastis ist eine Kuh mit Halbmond an der Seite lung weint, wurde das Steigen des Fluides
dargestellt. Auch auf einem Rind sitzend soll zugeschrieben, Ebers, Duich Gasen zum Sinai
Isis vorkommen, v. Sacken u. Kenner p. 431 p. 476. Die Dämme, welche die Kanäle ein-
nr. 137 verzeichnen eine Gemme mit „Isis auf schlössen, hiefsen nach TJlpian {Leg. 10. n. de
dem geschmückten Apis sitzend"; vgl. den extraordinariis criminibus, s. Schläger a. a. 0.)
Schwefel abdruck bei Winckelmann, Descr. p. 57 Chomata. Eine Inschrift von Koptos, E. Miller,
nr. 157 = Raspe nr. 1153, auf welchem diese Bev. arch. 3e ser. 1883. 2 p. 178 ist geweiht
Europa, dagegen Wie seier , Gott. Nachr. 1871 la'IaiSi t?) #co,uaros &eä (isyi'ezy. Eine alexandri-
p. 656 — unwahrscheinlich genug — Isis Pharia nische Glasmünze hat im Obv. die Büste des
= Astarte und Stephani, C. r. p. Fa. 1SG6 Nil, im Rs. die der Isis, Feuardent 336, 360S bis,
p. 105 — 106 Isis Pharia erkennen; auch eine vgl. Friedländer, Bep. p. 367: Biippel, Beise in
Gemme bei Gori, Thes. g. astrif. 1 Tb. 23, Abysiinien 2 p. 428, Tfl. 8 nr. 5. Oft sind die
2 p. 70 — 71, worauf „Apis et Serapis" dar- Häupter des Nils, nicht selten mit Füllhorn
gestellt sein sollen, zeigt nach der Abbildung über der Schulter, und der Isis neben einander
eher eine weibliche Gottheit mit Modius auf auf alesandrinischen Kaisermünzen dargestellt,
dem Rind sitzend, die erhobene L. am Scepter, z. B. unter Elagabal, L6, Mi. 6, 361, 2526;
die R. auf das Tier gestützt, auf welchem ein Feuardent 173, 2344; Annia Faustina L£,
Vogel sitzt, während vor ihm ein Stern, hinter 50 Feuardent 176, 2373; Iulia Maesa, Mi. 368,
ihm die Büste des Helios und zwischen seinen 2577; Severus Alexander LG, Mi. 369, 2581;
Beinen Schlange und Halbmond angebracht Feuardent 178, 2393; LZ, Feuardent 184, 2460;
sind, doch ist die Figur nicht genügend als LIA, Mi. 6, 38S,_2730; Iulia Mamaea, Mi. 395,
Isis charakterisiert, um wagen zu können, ihr 2799 (Isis mit Ähren geziert); Philippus sen.
diese Benennung zu geben. Dagegen verbirgt LA, Mi. 6, 423. 3041; Feuardent 215, 2S09;
sich unter der leider allzu knappen Beschrei- Salonina, Ll€, Mi. 463, 3381; Feuardent 250,
bung einer Thonlampe aus Benha el Assal: 3158; Claudius IL, LB, Mi. 469, 3424; Feuar-
„Lamp, on it Serapis and Europa", A guide dent 255, 2302. Eine Münze Hadrians zeigt
to the first and seeond egyptian rooms [of the „Büste d'Isis de face, ä mi corps, avec le latus
Brit. Mus.'] p. 5529 k möglicherweise Isis auf 60 sur la tete, tenant le sistre et se toumant ä
dem Rind neben Sarapis. dr. pour regarder le Nil, egalement en huste
Auch zu dem Nil, welchem Ägypten seine ä mi-corps tonnte" ä g., avec le lotus? sur la
Fruchtbarkeit verdankt, stand Isis, die Dea tete et tenant un roseau", Cohen, Cat. Greau
Nilotis (Kaibel, Inscr. Gr. Sic. et Italiae 1366, 3107; Pedrusi, Museo Farnese 6, Tav. 37, 7;
oben Sp. 408; vgl. r\ ätiö SsiqiüSog Eloig, Zeit- eine Münze Trajans LIZ „Nile seated to left,
sehr. f. Num. 13 p. 303, oben Sp. 388), in nahen Isis in front", Cat. Huber p. 103 nr. 1056;
Beziehungen. Ihr Gemahl Osiris wurde mit eine Münze Hadrians mit dem Datum Lls
dem Nil identificiert (vgl. Heliod. Aeth. 9, 9 soll zeigen den Nil auf einem Krokodil
457 Isis (mit Füllhorn) Isis (mit Füllhorn) 458
sitzend mit Füllhorn und Rohrbüsche], vor ihm 2 p. 189 mit Recht als Isis bezeichnet wird,
Isis in der erhobenen R. das Sistrum, mit der ist mir sehr fraglich. Ein Marmorrelief der
L. den Zipfel des Gewandes hebend, Museo Sammlung Borgia § 14 nr. 188, Doc. ined. 1
Num. Lary 1, 347, 3712; vgl. Patin, Thes. p. 338 zeigt sie mit dem Gewandknoten, Flech-
Maurocenus p. 118, Zoega p. 134 nr. 325 „Ni- ten, „Lotus", Scepter in der R. und Füllhorn
lus coram Iside gereute sistrum et papaver"; in der L. , eine Ära C. I. L. 6, 347, und ein
auch in der weibliehen Gestalt mit Füllhorn Wandgemälde, Heibig p. 27 nr. 180 = Lafayc
in der L., welche dem neben einem Krokodil p. 327 nr. 217 mit Sistrum in der R. und Füll-
sitzenden Nil auf Münzen des Marc Aurel mit hörn in der L. Mit dem Füllhorn in der L.,
dem Datum L6 einen Kranz entgegenhält 10 und gegen das Haupt des Helioserapis er-
(Zoega, Num. Aeg. p. 219 nr. 82; Mi. 6, 299, hobener R. erscheint sie auf der oben 1 Sp. 2026
2051; Feuardcnt 142 — 143, 2036, PL 25; 2037) = Kaibel, Inscr. Gr. Sic. et It. 2405, 48 ver-
ist nicht mit letzterem eine Nike, sondern zeichneten Lampe, stehend zwischen zwei Al-
wohl eher Isis zu erkennen; vgl. auch oben tären, im 1. Arm das Füllhorn auf einer Lampe
Sp. 421. Eine Bleitessera der Sammlung Luvy bei l'asseri, Luc. fict. 1 Tab. 2. Ein Topas
führt im Ubv. das Haupt des Helios , im Rs. im Cat. du muse'e Fol. Antiquites 2 p. 04 nr.
„II Kilo ed Iside seminudi abbracciati a s.", 1529 = Muse'e Fol. Glyptique, t. 1 pl. 5 nr. 6
Mus. Num. Lavy 1, 409, 4598; Bleitesseren des und Lafaye p. 310 nr. 152 zeigt eine Göttin
Prof. Scholz haben im Obv. Isis stehend, im mit Uräus auf der Stirn, sitzend, ein Füllhorn
Rs. den Nil gelagert, Bonner Jalirbb. 2 p. 80 20 im 1. Arm, Mohnköpfe in der R., vor ihr zwei
nr. 27; Isis auf dem Lectiaternium, Rs. Nil, Rinder, hinter ihr ein Hund; dieselbe wird
p. 81 nr. 49; Haupt des Nils, Rs. Isis stehend, im Cat. als Isis, von Lafaye grundlos „Isis-
p. 81 nr. 50; Nil gelagert, daneben ein Füll- Panthee" genannt; stehend innerhalb einer
hörn, Rs. Isis stehend, p. 81 nr. 65; Isis Pelagia kreisförmigen Rebeneinfassung mit Füllhorn ist
stehend, Rs. Haupt des Nils, p. 81 nr. 46; Isis sie dargestellt auf einem geschnittenen Stein
Pelagia stehend, Rs. Nil gelagert, p.81nr. 47,48; bei Steinbüchel,GescJtn. Edelsteine p.65; stehend,
eine Bleites-sera iu Athen im Obv. Isis den Horos an eine Säule gelehnt, mit Füllhorn im Arm
säugend, im Rs. den Nil, Ann. d. Inst. 1868 und Gewandknoten auf der Brust auf einem
p. 281 nr. 265. Ein roter Jaspis in Berlin zeigt Amethyst in Berlin, Tölken 1, 2, 31 p. 15 — 16;
die Köpfe des Sarapis und der Isis über dem ge- 30 „stehend mit lotosartigem Kopfaufsatz, den
lagerten Nil, Winckelmann, Descr. 2, 4, 61 p. 42, 1. Arm etwas erhoben, im r. Arm Füllhorn,
Tölken 1, 2, 73, p. 21. Auf der bereits erwähnten mit Früchten, von der r. Hand ein kleines
Basis Lafaye p. 295 6 nr. 107 sitzt Isis hinter dem Gewand herabhängend, anscheinend nackt",
halbgelagerten Nil. auf einem Achat in Göttingen, Hubo p. 143
Als eine Göttin, die Fruchtsegen und nr. 838; stehend mit Schale und Füllhorn
Überflufs verbreitet, führt sie den Beinamen auf einem Onyx H. Collen, Coli. Badeigts de
TiXovoiu (s. die oben angeführte Inschrift von Laborde p. 8 sub. nr. 59; stehend mit Füll-
Alexandria) und als Attribut das Füllhorn. hörn im r. Arm, Ahrenbüschel in der gesenk-
Dieses Attribut in der L. hat eine Statue ten L. gegenüber dem stehenden Sarapis auf
der Göttin im Museo Obiziano nr. 1833, Doc. tu einem Karneol in Göttingen, Hubo p. 143
ined. p. s. alla st. dei Musei d'Italia 3, p. 64; nr. 835; stehend mit Füllhorn in der R. und
eine Basaltstatue im Kapitol, Bighetti, Campi- Scepter in der L. gegenüber Sarapis auf einer
doglio 1, 121, Clarac 986, 2572, Lafaye p. 281 Gemme im Novus Thes. gemm. vet. ex insignio-
nr. 60 (die R. bei beiden gesenkt); eine Bronze ribus daetyliothecis selectarum 1. Romae 1781.
der Sammlung Janze, Arch. Ans. 1857 p. 80* 2°. Tab. 18 p. 21 f.; ebenso, mit Apollon dem
(„Priesterin der Isis"); desgl. eine in Boulaq, sitzenden Sarapis zur Seite auf einer Gemme
welcher der r. Arm fehlt, G. Maspero , Guide bei Montfaucon, Ant. expl. Suppl. 2. PI. apres
du visiteur au Musee de Boulaq. Paris 1884 la 42 du Tome 2 nr. 3 p. 156 — 157 = Lafaye
p. 403 nr. 5850; ferner eine mit Modius der p. 315 nr. 173. Stehend mit Sistrum und Füllhorn
Coli. H. Hoffmann, Vol. 2 p. 126 nr. 477, hier 50 in Gesellschaft von Harpokrates, Anubis und
als „Isityche" bezeichnet; eine Bronze aus Zeus erscheint sie auf einem Scarabäus in den
Herculaneum, Monaco, Guide gen. du musee Collectanea ant. Born, quae a Iiodulphino Venuti
not. de Naples 4e ed. p. 94 nr. 5313 {„L'Abon- notis illustrata exhibet Ant. Burioni Tab. 28
dance. Charmante statuttte ayant la fleur de p. 20—21, wohl = Baspe 204; sitzend, mit
lotus sur la tete et la corne d' ab. dans lamain"); dem Füllhorn in der L. , vor ihr Hermes „in
ebenso eine Silberstatuette aus Stabiä, ebenda alto di presentare ad Iside un suppl ichcvole
p. 200 nr. 25382. Eine Statuette der Sammlung genuflesso" auf einer Gemme bei Visconti, Op.
(Jh. Fontaine mit geknotetem Gewand hält in varie 2 p. 239, Coli. Chigi sez. 2 § 1 nr. 271. Mit
derR. das Sistrum, in derL. das Füllhorn, Moni- Sistrum und Füllhorn soll sie auch vorkommen
faueon 2, 2 PI. 94, 2 p. 283. Eine Bronzestatuette 60 auf Münzen von Saettai, H. P. Borell, Num.
der Sammlung Castellani trägt im 1. Arm das Chron. 1845 p. 10 nr. 3; auf dem Siriushund mit
Füllhorn, in derR. ein in einen Hirschkopf I'üllhorn und Scepter auf einer alexandrinischen
endigendes Rhyton, Cut. des objets d'art de'pen- Kaisermünze des Antoninus Pius mit LKA Mi.
dant de la sucecssion AI. Castellani 1884. 4°. 6, 275, 1892; auf einer des Hadrian mit dem
p. 45 nr. 269. Ob „una ftguiina di mctallo tutta Datum l_s soll erscheinen „Donna stolata, in
ceslita, una Iside col modio i)i testa, con corno- piedi, col fior di loto sul capo; un lembo dcl
copia nella s. e la destra rotta" des Museo suo vianto cade sino a terra; ha nella destra
Carpegna, Doc. inä. p. s. a. st. d. Musei d'Italia aleune spighe, e nella sinistra un corno d'ab-
459 Tsis (Göttin d. Spinnens u. Webens) Isis (dtetio&hig = Jixcaoovnj) 460
lionäanza. Nel campo sotto Je spighe, ccrta cosa fitra&eivai" im Hymnus v. los Z. 4 — 7. Im
somigliante ad un serpente ritto", Giulio di S. Hymnus v. Andros vs. 21 heifst sie fthOfjiO&zTtq
Quintino, Descr. dclle med. imp. äless. ined. u.igtina>v, während die Ergänzung der Bei-
del r. mus. egiz. di Torino p. 15 nr. 58 = Mi. schrift 0GCI zu &sotiorp6gog 'Iais auf einem
5. 9, 55, 172. Derselbe beschreibt p. 33 nr. 176 Karneol des Mxiseo Borgiano 3, 1, 12) hier
= Mi. S. 9, 98, 428 den Typus einer Münze ganz unwahrscheinlich zu &ik eiyrjXn ergänzt)
der Fanstina jun. mit L-IG als „L'Abbondanza durch Visconti, Mus. Pic-Clc'm. 2 p. 98 Note 1
in piedi col fior di loto sul capo, con alcune p. 360, 361 PI. A. VI, 10 und im C.I. Gr. 7040,
spighe nella clestra, cd il caducco nella sinistra" ; nicht sicher ist; ferner rühmt sie sich im II.
freilich ist mir aufgefallen, dafs S. Quintino 10 v. Andros vs. 68 — 70:
in seinem kurzen Verzeichnis den „Lotos" ,,'Ißis sya> nolifiav v.gvtgbv vscpog tQY.tGi g6%$i»v
nicht selten Gottheiten tragen läfst, die ihn äucptßaXov xkr^goioi noXvKziavov ßaaiXsiav
nach anderen viel reichhaltigeren Katalogen dsouoyogov."
nicht führen. Auch Mi. S. 9, 73 — 74, 280 Sie bat zerstört die Herrschaft der Tyrannen,
giebt der_ auf einem Felsen sitzenden, in der H. v. los Z. 25: tya [T}vQa\yv~\ta[v~\ dg%d.g kox-
R. zwei Ähren und zwei Mohnköpfe, in der i-Xvoa", und dem Recht zur Stärke verholten,
auf eine Sphinx gestützten L. das Sistrarn ,Jyio xo Sikcciov iaxvgöv inotrjoa" und „Jyiö
haltenden GY0HNIA auf einer Müuze des An- xo Si'kuiov elayvgöxigov xqvowv kul ägyvgi'ov
toninus Pius rnit L- H als Kopfputz den ,. Lotus". citoCr/oa", H. v. los Z. 16 — 17 und 26 — 28,
Ein Sanier bei Lippert 3 p. 40 nr. 356 soll 20 „aSl Si-arotioIIk goijiav irögov", H. v. Andros
zeigen „Abundantiae, Isidis et Anubidis sima" ; vs. 36. In griechischen Inschriften wird sie
eine alexandrinische Kaisermünze des L. Veras deshalb mit Jiy.aioavvrj verschmolzen, C.I. Gr.
den Sarapis bekränzt von einer Frau mit Lotos 2295, C. I. A. 3, 203, 205 (?), B. C. H. 6 p. 336
auf dem Haupt und Füllhorn in der L. , Mi. nr. 37. Flut, de Is. ct. Os. c. 3 sagt von einer
6, 331, 2303; ebenso eine des Marc Aurel Mi. in Hermupolis verehrten Göttin: „<Siö um xäv
6, 295, 2026. sv Eggov iioXsi Moveäv xgv ngozigav Iaiv
Mit dem Ackerbau brachte Isis den Menschen äua xctl Jiy.aioavvrjv KaXoioi, ooyiar, <aojrfo
zugleich die Anfänge eines civilisierteren ti'gijzai, Kai dstxvvoveav zu 9cia zoig ctXg&äg
Lebens. Wie sie selbst, der XivoninXnq Scttucov kcii SiKai'cog isgarpögoig v.ctl LfgoeznXotg jrpoo-
(Philippus Thessal. epigr. 10, 1, Axth. Pal. 1 30 ayogsvojisvoig", worin Brugsch, Bei. p. 475,
p. 200 nr. 231, vs. 1 ed. Llübner), die Aiyvnzov wie schon Lauth, Über altäg. Musik p. 580,
ßaaiXua XnoazoXog (H. v. Andros vs. 1) die vgl. Dümichen, Gesch. d. a. Äg. 1 p. 211ff. und
linigera iuvcnca {Ovid, ars am. 1, 77 und da- Lex. 1 Sp. 1S59 die Safchit-äbu, andere (Lex.
zu Heinsms; vgl. Knigera Isis, amor. 2, a. a. 0.) die Maat erkennen, wie Isis denn im
2, 25; Epist. ex Ponto 1, 1, 51; Philost rat. H. v. los Z. 28—29 erklärt: Jyco zo aXn&lg
Epist. nr. 23 (Boissonadc) b Xwovg %izu>v cog v.aXöv h'Ofio&ixnaa vofti&tofrcci". Nach Le Page
b zfig"lai3og; Tcrtull. de testim. anim. c. 2 dcae Benouf, Vorlesungen p. 113 f. bedeutet das
Isidis [jmllio] linteata) und die Priester und ägyptische maät ., nicht nur Wahrheit und
Anhänger ihres Dienstes, der grex Kniger (luv. 6, Gerechtigkeit, sondern auch Ordnung und Ge-
533), die linigeri calci (Mart. 12, 29; vgl. .10 setz, in der physischen ebenso wohl als in der
Sueton, Otho c. 12, mit Buhnlcens, Apvil. Met. sittlichen Welt", „Maät ist Gesetz, nicht im
11, 10, I p. 1019 mit Hildebrandt's , Tiliull 1, gerichtlichen Sinne einer Verordnung, — , son-
3, 30 p. 61 mit Broukhusius' Anmerkung; Phit. dem im Sinne jener unfehlbaren Ordnung, die
De Is. tt Os. c. 3; das Gedicht auf den No- das Weltall, mag man es nur vom rein phy-
vember „Garbaseos postgue Itunc actus indutus sischen oder auch vom moralischen Stand-
amictus | Memphidos antiguae sacra deamque punkte betrachten, regiert", vgl. über Maät
colit", Anth. Lat. rec. Biese p. 261 nr. 395, 2 auch Wiedemann, Mda, dc'esse de la vc'rite, son
p. 366 ed. Burmann ; Georgii in Paulus B.-E. 4 rüle dans le pantlieon ig., Ann. du Musce Guimet
p. 282; Wiedemann, Her. 2. B. p. 167; Reichet 10 p. 559 — 574; Bei. 'd. a. Äg. p. 78; Bobiou,
p. 57; de Schmidt, I)iss. de sacerdoiibus et sacri- 50 Le Museon 1887 p. 200 — 201. Ebenso wie Isis
jiciis Aegyptiorum p. 25ff.) linnene Gewänder wird übrigens auch Selene als Dike bezeichnet,
trägt, so lehrte sie den Anbau und den Gebrauch ,, -Jnn; xnl vtfßcizu Moigüv, KXa&cö xctl Aä%eois
des Leines, Martianus Gapella 2 § 158 p. 213 ))S' Azgoirog s<" und ,,Gt> yag SvadXv/.zog ai'cyxij
ed. Kopp. Nach den ägyptischen Texten haben jj.oigd x sq>vg, av z' 'Egivvg (Meineke f'pi«), ßd-
Isis und Nephthys für Ösiris gesponnen, ge- cuvog, öXszig av, Sixrj ov" heifst es in der
woben und Kleider gebleicht, Ertnan, Aijypt. «7') ngbg HiXrjvriv vs. 7 — 8 und 49 — 50 (Or-
Leben im Altert, p. 595, Wiedemann, Her. 2. B. phica rec. Abtl p. 292); und im Sternbild der
p. 148, Brugsch, Hier.-Demot. Wö'rterh. Suppl. Jungfrau, in dem einige Demeter, andere Atar-
p. 637; sie heifsen ,,die beiden Weberinnen"; gatis, andere Tyehe erkannten, sah man nach
„Isis hat dein Festkleid gewoben und Neph- eo Ilesiod und Aratos die Dike , Eratosthenes,
thys deine Linnen gespounen" wird der mit Gatasterismoi 9, Mythographi ed. Westcrmann.
Osiris identifizierte Tote angeredet, Brugsch, p. 244; Inschrift von Carvoran C. I. L. 7, 759:
Bei. p. 737 — 738. ..Spicifera, iusti inventrix, urbium conditrix,
Ferner hat sie Gesetze gegeben und waltet Ex auis mwneribus nasse contigit cleos.
über die Gerechtigkeit: „Kai oacc iya evo/to- Ergo eadem mater dicum, Pax, Virtus, Ceres,
dhijaa, oiSslg avzd Svvazai Xvsocl" sagt sie Dea Syria, lance vitam et iura pensitans" ;
bei Biod. 1 c. 27, „lyco vofiovg dvd-go'i7toig ebenso liefs man die Zweizahl zugleich Isis
z&itxrjv xal ivo[fi,o]9hg<ja [a] oiStlg ävvazai und Dike bedeuten, Nicolaus Gerascnus, Arith-
461 Isis (Stifterin d. Götterkult. u.d. Mysterien) Isis (Göttin d. Unterwelt) 4CW
metica Theologumena bei Photius, Bibl. ed. gedeckt würden, sondern sie verwebte in die
BekJcer vol. 1 p. 143 b: „cük xal i'aov Jiaxrjv geheimsten Weihen die Bilder, Andeutungen
dvdäa i] fiv&onlaaxia ftioloysi, xal SCtrpi, v.al und die Nachahmung der früheren Leiden, und
Iblv, xal cpvotv, y.al ätoiidztgct (Mater Deüm) stiftete eine Lehre der Frömmigkeit und eine
xal nriyi]v äiavoixfig." in der Isisprozession Tröstung für Männer und Frauen, die sich in
tragt ein Priester eine linke Hand mit aus- gleichem Unglück befinden." Ob aber auf
gestreckten Fingern als Sinnbild der Billig- einem viereckigen Prisma mit dem Abraxas,
keit, Apul. Met. 11 c. 10, vgl. de Schmidt der Hekate, einem löwenköpfigen Gott mit
p. 132 — 133, Wieseler, Gommentatio de tesseris Strahlenkranz und einer „dioinite feminine
eburneis osseisque theatralibus quae feruntur. 1. 10 portant un vase (?) dans la m. g. et levant la
Gott. 1866 p. 15, 0. Jahn, Ber. d. Sachs. Ges. dr. vers la ttte", Midier, Mus. Tftorvaldsen
ä. W. 1855 p. 53 und Anm. 95, Düthey, AEM. p. 183 nr. 1683, Müller in letzterer Gottheit mit
2 p. 60 Anm. 35, Lafaye p. 123 Note 4, Bach- Recht „Isis comme dc'esse des mystires" erkennt,
ofen, Ann. d. Inst. 1861 p. 265—267, dessen wage ich nicht zu entscheiden; vielleicht ge-
Phantasieen ich nicht zu folgen vermag. Auf hört hierher die oben erwähnte Vota-Publica-
einer alexandrinischen Kaisermünze des Anto- Münze mit den als Schlangen mit mensch-
ninus Pius mit dem Datum LKr erscheinen lichem Oberkörper dargestellten Gottheiten
nach Feuardent 134, 1944 „Isis et l'JEquite Isis und Sarapis, die ein heiliges Gefäfs mit
debout, se regardant". Schlangenhenkel halten, Bescher, Juhrbb. f. Id.
Ferner errichtet Isis mit Osiris die ersten 20 Phil. 1886 p. 613; über die cista mystica s.
Tempel und Götterbilder, Wiedemann, Her. oben. Heilige Gesänge der Isis erwähnt Plato,
2. B. p. 55 — 57, Diod. 1, 15: „xaxaoy.tvdaai äs Legg. L. 2 Tom. 2 p. 657: „v.a&dmg iy.sC cpaci
["Oatgtv xal Iaiv\ xal xäv a)J.cov &£(öv xäv xo xov no).vv xovzov esacoauiva %gövov iiiXri
mgougnuivcov vaovg %gveovg, äv iy.dozco xiiidg xf\g "laiäog uoir)aaxa ytyovivui", Zoega, De or.
dnovsijiai xal y.axuoxrioai xovg iniiitloviiivovq et us. ob. p. 508 ff. Note 22. Dafs sie in Her-
LSQsi~g' nQ0XLLiä69ai Si nagd xä OaCgiäi xal mupolis als erste der Musen galt, ist schon
xij "laiSi zovg zag xi%vag dvtvgiaxovxag 7) (je- erwähnt; beiläufig sei bemerkt, dafs die im
ftoSzvovxdg xi xäv xg^eiuoiv ■Sionsg iv xfj Förtelcning öfter Statt/er, Byster och Antiker,
fi)rißa{'öL %aX-x.ovQy£ iaiv svgE&ivxcov y.al %gvotCu>v hoilka förvaras a Iiongl. Museum i Stockholm
Znia xe xazaaxsvdoaa&ai, Si tivxd drjQi'a xzsi- so p. 25 nr. 131 al3 Kalliope bezeichnete Statue
vovxag xal xrjv yr\v igya^ouivovg ipiloxluiog Clarac 3, 536, 1114 auf Grund der mit Franzen
i'^njisgäoai xr\v %ägav, dydluaxdxs xal %Qvoovg besetzten, auf der Brust geknoteten Kalasiris
vaovg xaxaaxsvdaaa&ai xäv &säv diangs- von Heydemanu, Arch. Am. 1865 p. 149* nr. 2
Ttsig", vgl. II. v. los Z. 23—25 „iyä [&'\v(a)iag als „Isispriesterin" und von Wieseler , Philo/.
(Kaibcl 7tv[gov]g) dviSti^a • iyä dydliiaza \ 27, 1868 p. 219 als „Isis" erkannt worden ist.
&eäv (xi)fidv id[iöa'£}a • iyä zstiivn ariäv Auch die Schrift, hieratische und demotische,
tiögvad' firjv, A. Z. 1878 p. 131. Ob sich erfand sie oder liefs sie sich von Hermes
hierauf eine Glasschale der Sammlung Beur- (Thoth) mitteilen, H. v. Andros vs. 10 ff. :
delay (Mowat, Rev. arch. 1882 n s. 44 p. 289) „dtiyalico d''Egiidvogd7z6xgvcpa ovfißola diXzcov
mit „une femme assise pres d'un tcmple et agi- 4,0 ivgofiiva ygarpiüiaai xazit,vaa, xaiai xdga^a
tant un cistre (sie! Isis?); plus loin, im homme cpgixaXiov fivezaig isgbv löyov oaaa xi Öäuog
gravant wie stcle ä l'aide d'un ciscau et d'un dzganöv ig xoivdv xaxs&rixaxo, ndvxa ßatfitag
maulet" (vgl. C. I. Gr. 5922 = Kaibel, Epigr. ix qjgsvög vtvdvaoa diaxQtäöv1';
Gr. 920, Z. 7 „jiagiiagiiov xii yivog ßöi'Qi Zigani'1) H. v. los Z. 1 — 4, A. Z. 1878 p. 131: „iydi
und der oben Sp. 438 erwähnte Chalcedon i(it)atS[£v]dTiv v\n]6 'Eq^lov [ygduua^xa StjjjlÖ-
der Sammlung StoscJi (Winckelmann, Descr. 2, o[(ß, l']va firi xoi(g) avzoi(g) ndvza y\^\d\jf\>\-
4, 67 p. 43; vgl. den Karneol nr. 66 und Mus. rat", vgl. für ihre Verbindung mit Hermes
Borgiano 3 cl. 2. div. nr. 29. Sarapis und Isis den Karneol bei de Murr, Descr. du cab. de
zur Seite eines flammenden Altars, die Lampe bei M. Paul de Praun p. 288 nr. 216 „Mercurc
Passeri 1, 2, Lafaye p. 302 nr. 125 Isis zwischen 50 debout devant Isis qui est assise, dont il ctoit
zwei flammenden Altären) beziehen, lasse ich le conseiller pendant son gouvernement en Egyjite
dahingestellt sein, da man besonders für die (Diod.). Mr. Lippert (Suppl. p. 44) la prend
letzteren Darstellungen auch an andere Er- pour Junon;" Tölken 1, 2, 42 p. 17.
klärungen denken kann; auf Münzen, wie auf Eine Hauptrolle spielt Isis als Göttin der
einer des Claudius von Perinth, Imhoof-Blumer, Unterwelt; unzählig sind die ägyptischen
Nutn. Zeitschr. 16, 1884 p. 233 nr. 5 bedeutet Texte, welche ihre Bemühung um Sammlung,
ein der Isis beigegebener Altar wohl nur, dafs Bestattung, Beschützung und Wiederbelebung
sie in der betreffenden Stadt einen Tempel der Glieder des Osiris erwähnen; und was von
besafs. Osiris galt, wurde auf jeden Toten übertragen;
Auch die Mysterien stiftete sie [Georgii 60 vgl. über diese funeräre Solle der Isis Beinisch,
a. a. 0. p. 287) ; Plutarch (de Is. et Os. c. 27 p. 45 Die äg. Denkmäler in Miramar p. 60 — 61,
ed. Parthey) sagt: „Nachdem nun die Schwester 131, 132, 138; Birch in Arundale and Bo-
und Gemahlin des Osiris, als seine Rächerin nomi , Galery of ant. sei. from the Brit. Mus.
die Wut und Bosheit des Typhon gedämpft p. 31 f.; Wilkinson, M. a. C. 2, 1 p. 383 f.;
und ausgelöscht, so wollte sie nicht, dafs die Pierret, Le livre des morts. Paris 1882. Index
von ihr bestandenen Kämpfe, Gefahren und p. 616; Pantheon eg. p. 56, 102; Dict. d'arch.
Irrfahrten, dafs so viele Thaten der Weisheit 6g. p. 280; Lanzone, Diz. di mitol. eg. p. 817 —
und Tapferkeit von schweigendem Vergessen 825; Brugsch, Bei. u. M. el. a. Ag. p. 616 ff.,
463 Isis (Göttin d. Unterwelt) Isis (Göttin d. Unterwelt) 464
623—633, 647, 651 — 653; Erman, Äg. u. äg. Vary de Pulsky. Paris 1868 p. 47 nr. 753;
Leben i. A. 2 p. 416; TU. Deve'ria, Ztschr. f. „Grüner Jaspis. Osiris als Mumie mit Geifsel
äg. Spr. u. Altertumskunde 1870 p. 59; A. und Krummstab, ihm zur R. Isis, zur L.
Wiedemann, D. Bei. d. a. Äg. p. 58, 157; Nephthys, beide mit gesenkten Fittichen ihm
Her. 2. B. p. 590; besonders auch die „Klagen huldigend [vielmehr ihn schützend D.], unten
der Isis und Nephthys", veröffentlicht von ein Käfer mit ausgebreiteten Flügeln [jedenfalls
de Horrack, Les lamentations d'Isis et de der Scarabäus, das Symbol der Auferstehung,
Keplithys. Paris 1866, auch in den JRecords of s.W'iedemann, Bonner Jahrbb. Heft 78 p. 114 ff;
tlie past 2 p. 117 — 126; Le Page Benouf, Vor- vgl. den Scarabäus zwischen Isis u. Nephthys
lesungen üb. Urspr. u. Entw. d. Bei. p. 190 — 10 auf einer Scarabäengemme bei Montfaucon 2,
192; Brugsch, Bei. p. 631-633; ferner „das 1 p. 322 PL 135, 3; PI. 155, 7, der freilich
Buch der Verherrlichimg des Osiris" von Isis mit seinen vier Beinen auf der Abbildung sich
und Nephthys zu sprechen, Le Page Benouf eher wie ein Frosch ausnimmt]. Auf der Rück-
p. 192—193; Brugsch, Bei. p. 623 — 630 nach seite des Steins der griechische Helios aufvier-
Pierret, Etudcs e'g. Paris 1873, 23ff.; das spännigem Sonnenwagen", Tölken p. 18, I, 2,
„Schält en Sensen" „Buch des Lebensodem von 49; vgl. Baspe 243 Soufre de Stosch; „Gelbe
Isis für ihren Bruder Osiris verfafst, um seinem antike Paste. Osiris als Mumie mit strahlendem
Leibe und seiner Seele neues Leben einzu- Haupte, in der L. zwei Ähren emporhaltend,
flöfsen", Le Page Benouf p. 194 — 195. Und in der R. eine Geifsel, zu seinen Füfsen zwei
diese Auffassung erhielt sich in der Ptolemäer- 2« Stiere, symmetrisch r. und 1. vortretend (Apis
und Römerzeit. In den beiden Zwillings- und Mnevis); neben ihm Isis auf einem Throne
Schwestern Thaues und Taus, welche im Sara- sitzend, in ihrer L. ruht ein Bündel Ähren,
peion von Memphis dem Sarapis Spenden während sie ihre R. anbetend ['?] gegen Osiris
bringen, Brunei de Presle, Me'm. s. le Se'rapeum erhebt, unten an jeder Seite ihres Throns eine
de Memphis p. 558, 561—562; Weingarten, Der Sphinx", Tölken nr. 50. Jedenfalls den Osiris
Ursprung des Mönehtums p. 33 hat man ir- auf seinem Löwenbett, Anubis und zu beiden
dische Repräsentantinnen der beiden „pleu- Seiten Isis und Nephthys geflügelt haben wir
reuses" und „couveuses" Isis und Nephthys auf einer Gemme bei Montfaucon, L'ant. expl.
erkannt, Bouche- Leclerq, Eist, de la divination 2, 2 PL 76, 2 (aus Gapello, Prodromus iconicus
dans l'ant. 3 p. 385; Lumbroso, Beck. s. l'econ. 30 gemmarum Basilidiani gencris nr. 103) und auf
pol. de l Egypte sous les Lagides p. 268. Unter einem grünen Basalt des Museo Borgiano 3 cl.
den Denkmälern der griechisch-römischen 1. div. nr. 24, Doc. ined. 3 p. 428 und De or.
Periode, welche sie als Schützerin des Toten et usu obel. p. 329 Note 37; vgl. den Heliotrop
darstellen, mögen beispielsweise angeführt nr. 21 und den braunen Jaspis nr. 22, auf denen
werden die zweisprachigen Stelen des Anu- gleichfalls zwei Frauen neben dem „Östriole
barion, E. de Bouge, Not. des monum. exp. mumiaco" stehen, und die Gemme in Florenz
dans la gal. d'ant. ig. au musee du Louvre, (Rs. IAWAIC | AEAW^A | AWNAI) bei Blatter,
7C 6d. p. 124 nr. 125, des Arnerys, Sohnes des Une excursion gnostique en Italic p. 15, PL 2,
Bes[arion], p. 125 nr. 127; des Apollonius, 4; mit ausgebreiteten Flügeln, aber nicht den
Sohnes des Cl. Postumus, p. 125 nr. 130; vgl. 40 Osiris schützend, sondern unter ihn gestellt,
auch die nach der Zeit der 26. Dynastie erscheint sie auf einem viereckigen Stein-
gefertigte Grabstele mit archaischer grie- täfeichen, das aufser den zwei genannten Gott-
chischer Inschrift bei Fröhner, Cat. d'une heilen im Obv. noch fünf andere, im Rs.
coli, d'ant. Paris 186S p. 207 nr. 520; die Aphrodite zeigt, Du Molinet, Gab. de la bibl.
Mumie des Apion, genannt Chairis, Sohnes des de Ste Genevieve p. 130, PL 30, 1. 2, Mont-
Pimai's, Neroutsos, 'Ecprifi. dgX. 1884 p. 178 f. faueon 2, 2 PL 168, 5, Matter PI. 7, 4 p. 86—87.
nr. 10; s. auch p. 171 — 173 nr. 1; die der Nicht hierher gehört ein Karneol bei Chifletius
Tochter des Dioskoros mit der Aufschrift 11, 45 und Gorlaeus, Dactyl. 2 nr. 396, den
AIOCKOPOY | €YTYXI, die im ersten Felde Haspe nr. 325 nach Gi-onovius so beschreibt:
darstellt den Toten auf seinem Bette, neben 50 „Le champ de la pitrre divisc en troits partics,
ihm Anubis und zu beiden Seiten Isis und represente dans l'inferieure Isis en pleurs sur
Nephthys; im zweiten Isis ihre Brust dem la perte d' Osiris, s'adressant ä Anubis jjour le
als Kalb dargestellten Horos reichend; im recouvrir; dans la deuxiime un triclinium aeec
dritten Isis auf einer Barke inmitten eines trois Dicux, la boete dans laquelle Osiris fut
Lotosgebüsches den Horos säugend, nahe dabei jete dans la rivicre, im poisson, Hon, aspic et
die beiden Leichengenien Hapi und Amset; im eoq; dans la troisiime Isis iriomphante de
vierten die Seele in Sperbergestalt über dem Typhon avec deux cavaliers des deux cotes."
Leichnam schwebend; endlich zwischen den Hier haben wir es wohl eher mit einer Dar-
Füfsen ein Gefäfs (vielleicht „imreste de V Osiris Stellung aus dem Kabirenkult zu thun; ganz
germant") nebst zwei Uräen (vielleicht Isis und oo ähnlich ist offenbar der Karneol in Wien,
Nephthys), Ledrain, Gazette arch. 3, 1S77 v. Sacken u. Kenner p. 432 nr. 167, wo die
p. 132—136. Dafs die bei Caylus, Bec. cTant. 1 Verfasser ebenfalls mit Unrecht Isis erkennen;
PL 32 abgebildete Vase Isis („Isis-Lune") neben der Heliotrop des Museo Borgiano 3 cl. 9 div.
der Bahre des Osiris darstelle, wird niemand nr. 9, Doc. ined. 3 p. 471; die blaue Glaspaste
mit Fr. Lenormant, Monographie sur la voie in Berlin, Tölken 3, 239 p. 114 f. = Gerhard,
saerce eleusinienne 1 p. 346 annehmen. Von A. Z. 1849 Sp. 60—64, Tfl. 6, 9; vgl. die ver-
Gemmcndarstellungen wird verzeichnet „Osiris wandten Steine mit der obersten Scene ebenda
entre Iais et Nephtis. Sardoine", Cat. de Feger- nr. 7. 8; Museum Udescalchum 2, 31 p. 71—73;
465 Isis (Göttin d. Unterwelt) Isis (Göttin d. Unterwelt) -4G6
die Bleitafel des Museo Borgiano a. a. 0. nr. 10 Koehler) mit dem Modius auf dem Haupt,
u. die von mir Myth. Beitr. 1 p. 37 — 38 citierten Scepter in der 11., undeutlichem Gegenstand
Monumente. Ähnlich wie Osiris (SoC eoi b "Oai- (Füllhorn nach Müller u. Zocga) in der L.
pis to ipvxQov vScop, Zoega, De orig. et usu gegenüber einer mumienartig dargestellten
obdisc. p. 305 u. Anm. 25; Nwmi Aeg. p. 38, Anubisfigur, Koehler Fig. 10 p. 8, Ksl. Samml.
Anm.; View, De Sarapide p. 31; C. I. Gr. 6562, in St. Petersb., mit Umschrift um die Schlange ;
6717; Nerovtsos-Bey, Bev. arch. 3B sei\ 9, ohne diese Umschrift Müller, Musee Thor-
1887 p. 201 nr. 5; Lefebure, Le mythe osirien. valdsen p. 181 nr. 1690 und Museo Borgiano 3,
Seconde partie p. 177; Wescher, Bevue arch. 7, 18 p. 462, auf letzterem Stein im Rs. statt
1864 p. 222), Hathor, Nut (Stern, Ztschr. /'. 10 des sonst üblichen OPIOPIOY0 die Aufschrift
äg. Spr. 1884 p. 102 oder nach Wiedemann, OPfO PIOY0 OP0)P IPIOT OM^ | H; 2) Isis
Bei. d. a. Ag. p. 122 Nu-t, Maat, Lex. 1 (mit Modius, Scepter und Füllhorn?), 1. (vom
Sp. 1854) spendet auch sie dem Toten das Standpunkt des Beschauers) Besä, r. ein un-
kühle Wasser; aol äi 'Oafi'uiäog äyvöv tid'Mo deutliches Tier, Koehler Fig. 11 p. 9, Kaiserl.
Einig xuoiacato wird in einer Inschrift von Samml. in St. Petersb.; ebenso, innerhalb und
Alexandria dem Toten gewünscht, Neroutsos- aufserhalb der Schlange Reste von Inschrift,
Bey, Bev. arch. a. a. 0. p. 199 nr. 2; Tgl. Bierret, Rs. vierzeilige Inschrift, deren erste zwei
Mel. d'arch. e'g. et ass. nr. 3. 1873 p. 116; ahn- Zeilen opoiqlov& enthielten, Fig. 15 p. 10, Ksl.
lieh werden in den christlichen Grabschriften Samml. in St. Petenb.; 3) in der Mitte Chnu-
Christus und die Märtyrer um Kühlung der 20 bis -Schlange mit strahlenumgebenem Löwen-
abgeschiedenen Seelen angefleht, Baoul-Bo- köpf, r. Isis, 1. Besä, im Feld WIE, um Schlange
cliette, Prem. mein. s. les ant. ehret., Mein, de teilweise erhaltene Umschrift, Fig. 12 p. 9,
l'Inst. de Fr., Ac. d. I. et B.-L. 13 p. 190, vormals Sammlung Blair; 4) Isis und Nepkthys
Note 4; Martigny, Biet, des ant. ehret, p. 690 f. geflügelt, Chnubis umgebend, im Rs. hinter
s. v. refrigerium; Garrucci, Vetri ornati di oqoiqio | ouö1 die auf Gemmen mit Chnubis-
jigure in uro- p. 127 — 128; de Bossi, Bull. d. Darstellungen nicht seltenen drei wagerechten
arch- ciist. 1 p. 2 ff. ; Friedländer, Sittengesch. von einer senkrechten Linie durchkreuzten
3 p. (3:59; Boissier , J.a rel. rom. 1 p. 366; Striche, Fig. 13 p. 9, vormals Sammlung Town-
Lafaye p. 96 Note 2. Vielleicht hängt irgend- leg, jetzt Brit. Mus.; ebenso, ohne das er-
wie mit den Hoffnungen, die man auf Isis als 30 wähnte Zeichen, oqcüq ioq&, Fig. 14 p. 10, vor-
Herrin der Unterwelt setzte, möglicherweise mala Sammlung Stosch, jetzt in Berlin, Tölkenl,
sogar mit der Vorstellung der Erquickung 2, 130 p. 32; ebenso, im Felde IAW, um Schlange
durch die Wasserspende, zusammen ein Teil Umschrift, Rs. nna>Qiov& dreizeilig rückläufig,
der zahlreichen Gemmen, welche im Rs. die Matter, PI. 2 C, 5 p. 53, Gab. Durand; 5) Isis
von Benan , Mission de Phcnicie p. 839 und Nephthys geflügelt, umgebend Chnubis
„Auferstehung" (nl"1~1~) gedeutete Aufschrift und rnnmienförmigen Anubis , im Feld die
OPWPIOT0 führen. Dieselben zeigen auf der sieben Vokale, um Schlange Umschrift, Matter
Vorderseite einen Gegenstand, den Blatter, PI. 2 C, 9 p. 53, Gab. Eclcel; 6) in der Mitte
Mist. crit. du gnost. Expl. des PI. p. 51 — 53 Chnubis, r. mumienfürmiger Anubis, 1. Isis
ganz phantastisch als eine Wage mit dem 40 (ungeflügelt), um die Schlange Schriftreste, in
Gefäfs der Sünden der über dem Gegenstand den beiden untern Ecken ein Stern, Fig. 16
stehenden Personen, Vincent, Mim. de la soc. p. 10 — 11 = Museo Borgiano 3, 7, 23 p. 463;
des ant. de Fr. 1850, T. 20, p. 2 ff. u. 445, vgl. ebenso, um die Schlange Umschrift, ohne die
Andre, Musee de Bennes- p. 51 — 52 zu nr. 87 Sterne, Rs. oqioq \ wvS, Mus. Borgiano nr. 22;
— 88, als eine Art tragbarer Orgel, dagegen ebenso Chnubis in der Mitte, Anubismumie 1.,
mit gröfserer Wahrscheinlichkeit Köhler, Fr- Isis r., um Schlange Umschrift, Fig. 17 p. 11,
läuterung eines von Peter Paul Bubens an Abdrucksammlung Cades; ebenso, im Felde die
Nicolas Claude Fabri de Peiresc gerichteten sieben Vokale, um Schlange Umschrift, auf Rs.
Dankschreibens, S. -A. aus Mein, de l'ac. de die nach Koehler p. 12 — 13, 23 von Ghauduc
St. Pctersboura 6. Ser. Sc. pol. 3, 1834 p. 18 50 gefälschte Inschrift TACCONT | HNMHTPAN
und im Anschlufs an ihn Müller, Mus. Thor- THC AEINAEIC IT^N IAI<>NTO nONOTONKYKj
valdsen, Int. et cam. ant. p. 184 Note 2 und AONT<>YHAEI | 0^. Pig. 18 p. 11, Du Molinet,
lleydemann (in einer handschriftlichen Be- Gab. de la bibl. de S" Genevieve p. 126—127,
merkung mit Hinweis auf Ebers, Ägypten in PI. 29, 1. 2; Montfaucon 2, 2 PI. 168, 3;
Wort u. Bild 2 p. 262) als Krug eines ägyp- Matter 2 C, 4 p. 52; ebenso, im Felde die
tischen Schöpfrades (ipo^ot, «o^ltai, Strabo sieben Vokale, um Schlange Umschrift; auf
p. 807, 819) erklären. Eine Reihe dieser Steine, Rs. vermutlich das gewöhnliche oqo]qiov&,
die Koehler am vollständigsten zusammen- Fig. 19 p. 12, vormals Sammlung Dominic
gestellt hat, zeigen diesen Gegenstand allein, Badzivil; ebenso, ohne Obvers-Aufschrift, Mits.
Koehler Fig. 1—8, p. 4 — 7; einer stellt auf 60 Borgiano nr. 19 p. 462 — 463; ebenso, um die
dem Gefäfs stehend vermutlich Anubis (oder Schlange die Vokale mehrfach wiederholt, Rs.
Seth?), von Koehler irrig für Amnion gehalten, OPOJP | IOYO | OPWP | ICOOT0 | SSS =, Mm.
dar, Fig. 9, p. 7 — 8; ein anderer Chnubis Borgiano nr. 20; ebenso um Schlange undeut-
z wischen zwei undeutlichen Figuren, Fig. 20 liehe meist aus Vokalen bestehende Umschrift,
p. 13; die meisten aber Isis in Verbindung mit Rs. OP01P [ IOY0, Mus. Borgiano nr. 21; eine
anderen Gottheiten , die ganze Darstellung Gemme mit Chnubis zwischen zwei nicht
umschlossen von der sieh in den Schwanz näher angegebenen Gottheiten und doppeltem
beifsenden Schlange. Es erscheint: 1) Isis (nach OPMPIOYO auf Rs. giebt Chabouillet p. 294
467 Isis (Göttin d. Unterwelt) Isis (Göttin d. Unterwelt) 468
nr. 2199; 7) Chnubis inmitten von 1. zwei nemo; secus qui fecerit, mitem Lsielcm iratam
Anubismurnien und r. undeutlicher Figur (Isis?), sentiat et suorum ossa erntetet dispersa vicleat.
am Eand undeutliche Aufschrift; Rs. AOOC | Sichert sie doch, welche der zügellosen Be-
PHGTIMA | P<t>EPrAPI | APTIA0O I HVPl **, gierde ihren Zorn droht „pvitüpovos ä%Qtg hn
Mus. Borgiano nr. 24 p. 464 = Koelüer Fig. 21 f vväi;'AiSosu und den Lieblosen ,,fislcefiq>a[ico]v
p. 13 f.; 8) in der Mitte Anubismumie, wie es ßigidgeov cpvXcmüv" {Hymnus von Andros vs.
scheint, in Schlangenschwanz auslaufend, und 41 ff. nach Kaibels Erklärung), ihren frommen
Chnubis, umgeben 1. von Isis mit Modius, r. Verehrern ihre Gnade auch für die Unterwelt
von mumienartiger Gestalt mit Modius, Matter zu: ,,et cum spedium saeculi tui permensus ael
PL 2 C, 8 p. 53, Abdruck genommen bei einem 10 inferos demearis, ibi quoque in ipso siibterranco
Pariser Antikenhändler; ebenso, um Schlange semirotundo nie quam vides Acherontis tenebris
Umschrift, Kochler Fig. 24 p. 15 — 16, Abdruck- interlucentem Siygiisque penetredibus regnantem,
Sammlung Cades ; 9) in der Mitte Anubis- campos Elysios incolens ipse tibi propitieim
mumie und angebliche Osirismumie , nach frequens adorabis" sagt sie zu Lucius bei
Koelders Abbildung eine Mumiengestalt mit Apul. Met. 11 c. 6; vgl. 11 c. 21 „nam et in-
Modius, 1. Isis mit Kopfputz und Füllhorn im ferum claustra et salutis tutelam in deae manu
r. Arm, r. Nephthys mit Modius und Füllhorn (?) posita; 11 c. 25 Te superi colunt observant
im 1. Arm, im Felde die sieben Vokale, um inferi, luminas solem, regis mundum, calcas
Schiauge Umschrift, Müller, Mus. Thorvahlsen Tartarum" ; wie denn auch die in ihre My-
p. 185 nr. 1691; ganz ähnlich Koelüer Fig. 25 i!ü sterien Einzuweihenden die Schrecken der Unter-
p . 16, Abdrucksammlung Cades; eine Gemme weit zu sehen bekamen, „accessi confinium mortis
mit vier Personen, von denen eine Anubis ist et calcato Proserpinac limine per omnia victus
verzeichnet Chabouillct p. 295 nr. 2201; 10) in elcmenta remeavi" sagt Lucius 11, 23. Leicht
der Mitte Harpokrates mit Sonnenscheibe und konnte sie in ihrer funerären Auffassung mit
Geifsel kauernd 1. h. , 1. Isis mit Kopfputz Persephone identineiert werden, so von Arclte-
(„figurina muliebre in piedi col fiore isiaco machos bei Plut. de 1s. et Os. e. 27, vgl.
sopra la testa, la s. alzat.a la d. abbassata"), die Tsetzes in Lycophr. p. 116 ed. Steph. und
r. Seite des Steins verloren, Spuren von Buch- Euseb. praep. evang. 3, 11; Cupcrus, Harpo-
staben im Feld und um Schlange, Rs. OPODP | crates p. 125. Lucius ruft sie, die Königin
IOYA, Mus. Borgiano nr. 25 p. 464, Koelüer 30 der Manen (Apul. met. 11 c. 5), 11, 2 an: „seu
Fig. 22 p. 14; vgl. Chabouillet p. 294 nr. 2199: nocturitis uhdatibus horrendet Proserpina, tri-
Horos zwischen zwei Gottheiten, von denen formi fade larvalcs impetus comprimens ter-
die eine Anubis ist, Rs. Phönix und Spuren raeque claustra cohibens, htcos diversos inerraus
von Inschrift; 11) in der Mitte Besä mit grofsem vario cultu propitiaris" ; ebenda cap. 5, wo sie
Modius, auf welchem Harpokrates mit Sonnen- von sich erklärt: „infer um deploreda silentia
scheibe und Geifsel r. h. kauernd, 1. Isis mit nutibus meis dispenso" giebt sie als einen ihrer
hohem Kopfputz, Gefäl's im 1. Arm und er- Namen Hekate an, wozu vgl. die AnmerkuDg
hobener R. mit undeutlichem Attribut, r. in Hüdebrandts Ausgabe 1 p. 999, s. auch Braun,
wohl Thot mit Cynocephalushaupt mit Mond- Ann. d. Inst. 1841 p. 110 — 113. In der von
Scheibe, sitzend, unten im Feld die sieben 40 Diod. 1, 96 erwähnten 'Endzn a-Aotia von
Vokale, um Schlange undeutliche Umschrift, Memphis, über welche vgl. Lex. 1 Sp. 1855,
Koelüer Fig. 23 p. 14—15, vormals Sammlung wollen Georgii in Paulys B.-E. 4 p. 283 und
Townley , jetzt Brit. Mus. Endlich wird im Zoc'ga, De or. et usu obeliscorum p. 307 die
Mitsco Borgiano noch verzeichnet nr. 26 p. 464 Isis erkennen. Denkmäler und Inschriften,
„Diaspro (agatedo) verde con macchie bionde e welche Hekate mit Isis und ihrem Kreise ver-
nericce": in der Mitte menschliche Figur mit bunden zeigen, habe ich zusammengestellt in
zwei Hunde- oder Schakalköpfen und starkem der Num. Zeitschr. Bd. 21 p. 139, Anm. 17, vgl.
Glied, 1. knieende gepanzerte männliche Figur, p. 215. Die Paste mit Sarapis, Isis und He-
r. „una clonna veslita, parimente inginocchiata, kate QVinclcelmann, Descr. 2, 344 p. 82, Tölken
con ambe le mani sollevate verso il mostro." 50 1, 2, 78 p. 21, Lafaye p. 315 nr. 176) und die
Im' Feld IAO). Das ist genau der Typus des von Gemme mit Harpokrates auf der einen und
Koelüer Fig. 26 p. 16 — 18 als unecht bezeich- Hekate auf der anderen Seite bei Cliifletius,
neten Steines bei Pignorius, Mensa Isiaca p. 93, Abraxas 14, 56, Gorlaeus 2, 398 — 399, Bcusch,
Tab. 3, 10, Kircher, Oedipus Aeg. 2, 2 p. 464 Capita deorum et illustrium lionünum in gemmis
Fig. 9, Cliifletius, Abreixas Tab. 12, 49 p. 100 epias tollegit ab Kbermayer Tab. 17, 44S; Pig-
— 101, Gorlaeus 2, 242, 529, Bayer, Gemmeirum norius, Vetustissimae tahulae aeneae explicatio.
ei/f'abre sculpt. quas coli, ab Ebermayer Tliesau- Venetiis 1605. Tab. 3,2; Matter, Hist. crit.
rus Tab. 27, 435 p. 212, Matter PL 2 C, 3 p. 51. du gnost. PL 3, 3, Baudissin, Studien s. sentit.
Ferner waltet Isis über dem Frieden des Grabes Beligionsgesch. 1 p. 191 nr. 17 sind ein und
und straft die Entweihung desselben, vgl. die GO dasselbe Exemplar; ein anderes Montfaucon,
oben erwähnte Inschrift der tipctcpogog Newaim Suppl. 2, 55, 3. Hekate zwischen Harpokrates
'jQi'atoivog in Theben. In von Zoega, De or. et und Chnubis sieht man auf einem schwarzen
usu obel. p. 303 Anm. 20 citierten lateinischen Jaspis der Sammlung des Herrn Peter Leven in
Inschriften (Gruter p. 917, 1 = Orelli 1879, Köln, Fiedler, Bonner Jahrbb. H. 14 p. 22 nr. 35;
vgl. Lafaye p. 98; p. 304, 1) wird den Grab- Hekate gegenüber dem Anubis auf eiuem grünen
Schändern gedroht: quod si quis ossa eius und roten Jaspis in Berlin, Tölken 9. Cl. 3. Abt.
preieecrit aut hanc aram apshderit habebit nr. 101 p. 449—450, vgl. Baspc p. 53 nr. 579;
sacra Isidis ülius quieta irata und: inferatur s. auch Drexler, Myth. Beitr. 1 p. 48 (Anm. 1
469 Isis (ptXuvöoToXos , furva etc.) Isis i'Beziehg. zur Schwalbe u. z. Skorpion) 470
zu p. 44): Isis, Hekate und Hermanubis (?). weihten Inschrift auf Delos {Bull, de Corr. Hell.
Natürlich wird sie nicht selten auch in Gesell- 6 p. 344 nr. 61) das doppelte X ein Versehen des
schaft des Anubis, des superüm commeator et Herstellers der Inschrift ist, so ist es vielleicht
inferum (Apul. Met. 11, 11; vgl. Plut. De Is. nicht allzukühn, in der unbekannten Gottheit die
et Os. c. 44 yßovioq av buov kul öXimmog; c. 61), Isis zu sehen, wie es ja auch eine JrifiritrjQ Ms-
ibres qptU«| xorl ÖTtuSög (Plut. De Is. et Os. Xaiva gab, Foerster, Raub u. Rückkehr der Perse-
c. 14; vgl. Diod. 1, c. 87 = Euseb., Pracp. plionej). Zi8; gerade von Delos stammen auch die
co. 2, c. 1 GaficiToqivXa^ xoiv itsoi zov 'Ogiqiv Inschriften, welche die y.^Xavr]epoQoi erwähnen.
v.ai'lGiv und Proclus zu Piatons Politia p. 417 ,_ Nach Lanzone, Diz. p. 291 verehrten die
cpQovQug 'OaiQiSog, Zoega, De orig. et us. oh. io Ägypter eine funeräre Isis in Gestalt der
p. 320, Note 37) dargestellt, z. ß. auf den Schwalbe (Ment). Plutarch, De 1$. et. Os.
Gemmen: Winckelmann, Descr. 1, 117 p. 27, c. 16 erzählt, dafs Isis in Byblos, in eine
Tölken 1, 2, 144 p. 17, Schlichtegroll, PI. 11 Schwalbe verwandelt, die Säule, welche die
p. 31 — 32; Raspe p. 19 nr. 215, Brit. Mus.; Lade mit dem Leichnam des Osiris umschlofs,
p. 29 nr. 321, PL 6 = A cat. of engr. gems in klagend umflattert habe. Im 86. Kapitel des
the Brit. Mus. p. 145 nr. 1222; Coli. Mertens- Totenbuchs, welches den Titel führt „Kapitel
Schaaffhausen p. 4 nr. 80 (Isis eine vor ihr zu machen die Umwandlung in eine Schwalbe"
knieende Figur aufhebend, hinter ihr Ami- und welches begleitet ist von der Figur einer
bis); Raspe p. 28 nr. 305 = Totken 1, 2. 79 Schwalbe auf einem Kreissegment, heilst es
p. 22, s. oben Sp. 436 (Obv. Horos. Rs. „Isis, 20 L. 1: „Ich bin die Schwalbe, ich bin die
in raschem Laufe und mit geschwungeuem Skorpion-Göttin (Selk), die Tochter der Sonne",
Sistrum den Osiris suchend, vor ihr Ann- Pierret, Le livre des morts. Paris 1882. p. 267,
bis knieend, mit gesenktem Haupte und vgl. p. 269, Lanzone p. 290 — 291; im Kap. 146,
dem Hermesstab"); vgl. ferner Cab. Durand 3 — 4 „ich bezaubere die Schwalbe des Osiris"
p. 504 nr. 2G83 (Obv. Isis. Rs. Anubis); Mus. und Kap. 147, 5. 6. 13 „ich habe besänftigt die
Munter 3 p. 105 nr. 70 (Isis, Harpokrates, Schwalbe des Osiris"; vgl. auch Lefebure, Le
Anubis); Dolce A. 38, p. 6 (Anubis, Isis, Sara- mythe osirien. 2° partie p. 194 — 195. Auf diese
pis); Lippert, Chilias 3 p. 40 nr. 356 („Abun- Beziehung der Isis zur Schwalbe spielt Minucius
dantiae, Isitlis et Anubidis Signa"); Mus. Felix in einer korrupten Stelle im Octavius cap. 2,
Worsleyanum, 6. Lief. Tfl. 4, 5 (Harpokrates, 30 rec. Gelder p. 28 an: et despiee sis Isidis adhirun-
Sarapia, Isis, Anubis); Cat. Hertz p. 71 nr. 1505 dinem, sistrum, et ad sparsis membris inanem
(C.ylinder, Nephrit, mit zahlreichen Gottheiten, tui Serapidis sire Osiris tumulum oder nach
I. Isis mit dem Zeichen des Lebens und Schlange, Baehrcns, der die Stelle als Randglosse eines
Osiris in Muiniengestalt, Horos auf Boot, Anu- Lesers aus einem anderen Schriftsteller zum
bis etc.); auf Lampen: Lex. 1 Sp. 2308, Drex- Folgenden hält: Isidis ad hirundinem et de
ler, Mytli. Beitr. 1 p. 48, Anm. 1 zu p. 44, spicis sistrum et ad sparsis membris inanem,
Winnefcld, Beschreibung der Vasensammlung sive S. sive O. tumulum. Auch bei den Griechen
in Karlsruhe p. 175 nr. 940 (Isis zwischen und Römern hatte die Schwalbe, offenbar wegen
Harpokrates und Anubis) u. a. m. ihres als Wehklage gedeuteten Gezwitschers,
Als trauernde Göttin führt sie den Bei- 40 funeräre Bedeutung und wurde an Grabdenk-
namen furva, Arnob. adv. g. 1,36; u-tXuvooxoXog, malern angebracht, O. Keller, Tiere des Mass.
vielleicht C. I. Gr. 5039 = Kaibel 1023 vs. 3, Altertums p.315. Über eine Kalkateintafel, auf
wo aber Puchstein, Epigr. Gr. in Aegypto re- der Zoega, schwerlich mit Recht, die Schwalbe
pirta p. 69 — 70 o vr\v ptXavaaxoXov ß\a\oiXCo(o)ri der Isis dargestellt glaubt, s. Museo Borgiano
"IaaSi liest; fizXeivnipoqog, Orphica, hijmn. 11 Gl. § 10 nr. 173, Doc. iued. 1 p. 336; vgl.
nr. 42 vs. 9 p. 81 ed. Abel; vgl. Parthey zu Plut. auch Piroli et Piranesi, Ant d'IIcrc. 1, 44 =
de Is. et Os. c. 39 p. 234; an einer bei Neapel llelbig 1094.
gefundenen Isisstatue in Wien, Lafaye p. 278 Auch die Skorpiongöttin Serk oder Selk
nr. 51 ist die Kleidung aus schwarzem, da- ist eine Form der Isis, Lanzone, Diz. p. 1083,
gegen Kopf, Arme und Füfse aus weifsem 60 die u. a. auch eine funeräre Rolle hat, wie sie
Marmor gefertigt; vgl die schwarze Basalt- beispielsweise klagend an den Füfsen des Bettes
statue der Isis aus Hadrians Villa im Kapito- des Osiris dargestellt wird, Lanzone a. a. O.
linischen Museum, Lafaye p. 280 nr. 57; die Wir dürfen sie vielleicht erkennen in der von
schwarze Granitstatne in München, H. Brunn, Mriesdcr als „trauernde Isis" bezeichneten
Bcschr. der Glyptothek 4. Aufl. p. 28 nr. 17; den Figur, welche auf einem Marmorrelief römischer
schwarzen Basaltkopf der Göttin im Museuni Kunstausübung im herzogl. Museum zu Braun-
zu Basel, W. Viseher, Kl. Sehr. 2 p. 448; auch schweig auf einem Skorpion sitzend, in der R.
werden in ihrem Dienste die n^XavrjcfOQOi nicht eine Schlange, auf der Brust den Isisknoten,
selten erwähnt 8. G. I. G. 2293, 2294, 2296, mit ziemlich wehmütigem Gesichtsausdruck
2297; 'A&rivaiav 2 p. 194 und 4 p. 460, 461; 60 dargestellt ist, Arcli. Zeit. 1861 p. 209; viel-
Bull. de Corr. Hell. 6 p. 318 — 319 nr. 3 u. 4; leicht auch auf einem Agat der Sammlung Correr,
Nenz, Quaestiones Deliacaey. 37; Cuper us, Har- der von Vicenzio Lazari, Notizia delle operc
poerates p. 128 und Le Moyne im Anhang dazu d'arte c d'antichitä della raccolta Correr p. 126
p. 255—282 ; de Schmidt, Diss. de sacerdotibus et nr. 570 so beschrieben wird : „Gsiride (vielmehr
sacrifieiis Aeg. p. 208 — 211 ; vgl. Schaaffhausen, Ba oder Tum) con eapo di sparviero e croce an-
Bonner Jahrbb. Heft 89 p. 147 ; Georgii in Paulys sata nelle mani soprastata da un astro, ha dietro
R.-E. 4 p. 285, 297 ; Lafaye p. 147. Wollen sc due stelle e un fwr di loto, e all' intorno la
wir annehmen, dafs in der der MEAAANH ge- scritta: OENTTYN OHAA ATAOM IYTTAIATTEY.
471 Isis (Canobus mit Isiskopf) Isis (Canobns mit Isiskopf) 472
Nclla parte rovescio, uno scorpione con faccia ausführlich behandelt von Selilaeger, Oommen-
umana, e le ehrte foggiata a braccia, l'una drtle tatio de nutno Hadriani plunibeo et gemma
quali tiene per la coda un seipe col venire aglobo, isioca in funcre Aegyptii medicato repertis.
e l'altra un sistro; a'fianchi drtla coda,i simboli Helmaestadii 1742. 4°.; de Longperier, Descr.
della luna e del sole; enelgiro l<t>NEYAEITTA<t>"; des med. du cab. de M. de Magnoncour p. 98
stellt sie doch auch eine ägyptische Bronze nr. 765; L. Müller, Mus. Thorvaldsen 296, 294.
in Paris dar als Skorpion gebildet, mit mensch- Unter Marc Aurel, l_s erscheint „Portique
liehen Armen und Kopf, worauf sich eine Art de l'avenue d'un temple (probablement le minie
Modius mit Uräen und darüber die Sonnen- que sous Trojan); au milieu du fronton, un
scheibe zwischen zwei Kuhhörnern erhebt, 10 aigle cploye, au centre des trois entrees die
Lanzone, Dis. p. 1086, Tav. 362, 1, Pierret, portique, un canope ä Ute d'Isis", Feuardent
I'anth. e'g. p. 17, desgleichen eine Bronze in 143, 2052; vgl. den ähnlichen Typus unter
London, die am Sockel die Aufschrift Eest Trajan L-1B, Mi. 6, 116, 620; Mus. Sandern.
führt, Lanzone a. a. 0.; vgl. auch Montfaucon num. sei. 2, Tb. 19, 119; „Canopi on eagle" ver-
2, 1 IT. 127, 5. zeichnet Cat. Huber p. 106 nr. 10S3, Antoninus
Aus der Auffassung der Isis als Göttin der Pius LG; ebenso Mi. 6, 282, 1941, Antoninus
Unterwelt erklären sich wohl die auf den Pms mit verwischtem Datum. Interessant ist
alexandrinischen Kaisermünzen und Gemmen die Münze des Marc Aurel, Feuardent 146,
häufigen Darstellungen von sog. Canoben mit 2084, PI. 25 (Datum Llg), die ein auf Rädern
dem Haupte der Isis. Nach ägyptischem 20 ruhendes Schiff zeigt, auf welchem sich ein
Glauben freilich sind diese Canoben nicht Dar- Pastos mit fünf Sperbern auf der oberen Seite
Stellungen der Isis, sondern es sind die vier ersten erhebt, in welchem ein Canobus — leider ist
Lichtgeister, die Söhne des Horos uud der Isis, nicht sicher zu bestimmen ob mit männlichem
die Totengenien Arnseth mit Menschen-, Hapi oder weiblichem Haupte versehen — sichtbar
mit Affen-, Tuamutef mit Schakal- u. Kebhsenuf ist, während rechts und links von dem Pastos
mit Sperberkopf, bestimmt, den Verstorbenen, je eine Figur (Priester?) steht; hinsichtlich der
resp. seine Eingeweide zu beschützen und selbst über einen Greif stehenden Canoben s. unten
unter dem Schutze von Isis, Nephthys, Neith unter Isis-Nemesis. Auf Gemmen erscheint der
und Selk stehend, s. Pierret, Dict. p. 115 s. v. Typus des Canobus mit Isishaupt z. B. auf
canopes, p. 236 s. v. genies funeraires und be- so einer von Schläger a. a. 0. p. 187 abgebildeten,
sonders G. Ebers, Der geschnitzte Holssarg des die zusammen mit der erwähnten Bleimünze
Hatbastru, Abh. d. Kgl. Sachs. Ges. d. TU. in des Hadrian (diese bei, die Gemme in der
Leipzig. Bd. 21 p. 229 — 238; vgl. Golenischcff, Mumie) in einem ägyptischen Grabe gefunden
Die Mettemichstele p. 14 Anm. 9. Auf den worden ist; ferner auf den Steinen bei Fing,
alexandrinischen Kaisermünzen findet sich der Ant. gems and rings 2, PL 7 p. 46 „Canopus,
Typus unter Galba, Zoega p. 34 nr. 16 Tb. 3, with the head of Athor , flanlced by tuo Asps;
3; Mi. 6, 76, 273—275; Feuardent 34, 761; on the vase is the solar dislc" ; de Murr, Descr.
Otho, Zoega p. 40 nr. 17 Tb. 3, 8; Mi. 77, 287, du cab. de Paul de Praun p. 257 nr. 115;
288; Feuardent 35, 772; Vitellius, Mi. 78, 296; Pappadopoulos p. 18 nr. 278; Baspe 409; in
Vespasian, Feuardent 37, 792 ; Mi. Suppl. 9,61; 40 Cat. Hertz p. 8 nr. 118, 119; Coli, de M. de
Titus, Feuardent 41, 882; Domitian, Mi. 6, 89, Montigny p. 29 nr. 367; Novus thes. g. vett. 1
381; Trajan, Feuardent 54, 976; 59, 1028 (?); Tab. 22. 23 p. 23; Caylus 2 PL 6, 2; ebenda
Hadrian, Zoega p. 105, 7 Tb. 6, 7; Mi. 6, 153, nr. 3 sind zwei Canoben mit anscheinend weib-
895; 159, 949; 160, 962; 165, 1000; 178, 1141; liehen Häuptern neben einander dargestellt,
182,1778; 188,1229; 196,1299,1300; Feuar- p. 26-27; desgl. zwei Canoben mit mensch-
dent 69, 1131; 70, 1146; 71, 1160; 72, 1175; liehen Häuptern, einander ansehend, aufUnter-
73, 1186; 75, 1207; 1211; 76, 1233 PL 19, sätzen bei Montfaucon, Suppl. 2, PL 50, 1 p. 168.
wo indessen der Abbildung nach die BiUte Das unbärtige Antlitz des von Miliotti, Descrip-
eher männlich zu sein scheint; 79, 1265; Sl, tion d'une coli, de p. gr. qui se trouvent au cab.
1294; 87, 1373; 90. 1402; 92, 1431 bis; 94, 1455; 50 imp. « St. Petersbourg. Vienne 1803. 2° p. 90
Antoninus Pius, Mi. 6, 208, 1383/S4; Feuardent als Nephthys bezeichneten Canobus erinnert
102, 1544/45; Gallienus, Mi. 6, 450, 3262; vgl. wie das des bei Schlichtegroll 1 PL 12 abge-
457, 3326; Feuardent 240, 3059; 245, 3109. bildeten an Antinoos. Auf einem Syenit der
Zuweilen erscheint dem Canobus mit Kopf Sammlung Biehler sieht man nach Wieseler,
der Isis gegenüber einer mit dem Kopfe des Götting. Nachrichten 1882 p. 251, Vllnr. 2 „Isis.
Osiris, so unter Hadrian, GT- GNAT, Mi. 6, 159, Brustbild nach links, mit Sistrum an der Achsel,
950 (auf einer Basis); LIH, Mi. 6, 182, 1178. darunter Canobus"; auf einem roten Jaspis der
1179; Antoninus Pius, LB, Mi. 6,208, 13S5; Coli, de M. de Montigny p. 42 nr. 564 Isis-Tyche
Marc Aurel, LS, Zoega p. 221, 97 Tb. 13, 2; mit Sistrum und Steuer, davor Sperber mit
und diese stehen ein Mal zwischen zwei Py- CO Pschent und einen kleinen Canobus mit weib-
lonen unter Trajan LIB, Feuardent 54, 982, liebem mit deniAtef gezierten Haupte. Aneinem
PL 18; vgl. auch Scstini, Mus. Hed. 3. Cont. im Iseum Campense zu Korn gefundenen Säulen-
Tav. 33, 4 p. 70 nr. 3, L. Veras (M. Aurel?) stumpf mit acht auf Untersätzen stehenden
LH, eine Münze, die sicher nieht zum Nomos Priesterfiguren halten drei der letzteren je
Sebennytes, sondern nach Alexandria gehört, einen Cauobus, von denen der eine das Haupt
oder in einem Tempel Hadrian L-G {„sous une des Osiris, der andere das des Anubis, der
voutc ciutrce souteuue par deux colonnes"); dritte das der Isis, das letztere mit Kuhhornern,
LIH, Zoega p. 115 nr. 36s Tb. 8, 4, Bleimünze, Sonnenscheibe und Federn geziert, zeigen soll,
473 Isis (als Mumie (?); mit Flügeln) Isis (Göttin d. Meeres) 474
Le recenti scoperte delV Isco Campense descritte eisme, PI. I. E, 6 p. 10 — 12; ein Diaspro misto
ed. illustrate. Koma 1883. p. 100 Tav. 6. Eben- di bruno e verde im Musco Borgiano 3 Gl. 1
so trägt einer der Priester an dem Altar des div. nr. 17, Doo. ined. 3 p. 426 = Zoi;fja, De
Museum Odescalchum 2 Tab. 49 einen Cano- orig. et usu obeliscorum p. 61, abgeb. p. 64, stellt
bus mit weiblichem Haupt. An einem auf dar: „Iside vcstita di tunica, sta in piedi vol-
dem Vorgebirge Circeo gefundenen Canobus fata alla destra, le braccia confvse colle ali che
mit Osiriskopf aus grünem Basalt in der sporgono avanti la persona, l'una alzata V ultra
Villa Albani aus der Kaiserzeit bemerkt man abbassata. Incontro ad essa evvi un obelüco,
aufser verschiedenen anderen Figuren Isis poco piü alto di lei, nella di cui facciata le
in dicht anschliefsendem Gewand, mit ent- 10 lettere I A CO." Ein Basrelief, welches eine rö-
blöfstem Oberkörper, Hörner mit zwei Federn mische Familie als Osiris, Harpokrates und
über der Kalantika und Scepter, Venuti et Isis darstellt, zeigt die letztere mit langen
Borioni, Collectanea ant. rom. Tb. 3. 4, Winckel- dicht an den Körpern angelegteu Flügeln,
mann, Stl. W. 3 p. 218; 7 p. 73; Morcelli-Fea- Montfaucon 2, 2 PL 100 p. 291, Winckelmann,
Visconti, Descr. de la Villa Albani p. 104 Man. ined. 1 PI. 75; Lafaye p. 292 nr. 101.
nr. 691; vgl. de la Chausse, Born. Mus. 1 sect. 2 Siehe ferner die oben angeführte Vota-Publica-
tab. 40 — 43 p. 82 — 93, Card. Chigi; desgl. ist Münze, auf der schon Baronius, Ann. politico-
Isis nebst anderen Figuren in Basrelief zu er- eccl. 4. Antv. 1601 p. 18 f. u. 72, Oiselius,
blicken an einem auf dem Esquilin gefundenen TItes. num. ant. p. 269 f. Tb. 47 nr. 6 und Ph.
Canobus von weifsem Marmor, Bull, della 20 a'Turre, Monumenta veteris Antii p. 186 die
commiss. areh. eomun. di Borna 10. 1882 p. 244 Beflügelung richtig erkannt haben. Flügel
— 245, Bassorilievi nr. 2. am Haupte finden sich bei Isis auf der Gemme
Dafs Isis auch in Mumiengestalt in grie- des Museo Borgiano 3. cl. 1 div. nr. 2, Doc.
chisch -römischen Werken dargestellt wurde, ined. 3 p. 422; vgl. auch nr. 12 p. 424, bei
scheint mir nicht sicher, auch Zoeya, De or. et der aber Visconti's Abbildimg, Mus. Pie-Clcin.
us. ob. p. 303 Note 18 verneint es; zwar wird 2 PI. A. VI, 10 nicht für Beflügelung spricht;
von Francis Pulszhy, Cat. ofthe Fqjdrvci/ry ivories, an der Büste der als Isis dargestellten Iulia
in the Museum of Joseph Mayer. Liverpool 1856. Mamaea auf der Münze bei Cohen i- 491, 15,
p. 34 nr. 3 verzeichnet: „A figure of Isis in Friihner, Les medaillons de l'emp. p. 176, 1,
the shape of a mummy, with the crescent on 30 Grüber, Born, medallions in the Brit. Mus.
the head and an unintelligible imitation of PL 40, 3, Zeitschr. f. Num. 13 p. 263 — 265; an
hieroglyphics on the bordtra", zugleich aber der der zwischen zwei Altären stehenden Isis der
Verdacht dafs es eine moderne Fälschung sein Lampe bei Passeri 1, 2, Lafaye p. 302 nr. 125;
möge, ausgesprochen. Die Gemmen, welche an der Isis (Büste nebst der des Sarapis) in
sie so gebildet darstellen sollen (s. Chabouillet einer Silberädicula, Bull. d. Inst. 1852 p. 161,
p. 297 nr. 2209: „Isis debout ewec une coiffure Lafaye p. 292 nr. 100; vgl. auch die Iironze-
qui rappelle le diad'eme atef des Egyptiens; Statuette bei Gerhard u. Panofka, Neapels ant.
deux fleurs de lotus partent des cpaules. Le Bildw. p. 233 ; den weiblichen Marmorkopf aus
Corps tt les jambes sont serrecs dans des ban- der Umgegend von Athen, mitgeteilt von
delettes comme les membres d'une momie. Bs. 40 Schneider, AFM 1, Tfl. 3, 2 p. 14, Anm. 1;
BAIN ßft,NX. He'matite"; Baspe nr. 217 18; den sicilianischen Tcrracottakopf mit zwei
282 — 292; 375; vgl. auch Gori, Thes. g. ant. Flügeln und zwei kleinen Hörnchen, Briind-
astrif. 1 Tab. 26; 3 p. 111, wo die angeblichen sted, Beisen u. Unters, in Griechenland 2. B.
Schlangen, die den Körper der Göttin umwinden, p. 133 nr. 39, p. 295 — 296, Creuzer , Deutsche
eher Binden zu sein scheinen), mögen in den Sehr. 2, 2 p. 68 — 70, Engelmann, De Ione p. 33,
meisten Fällen wohl eher den Usiris darstellen. den Bröndsted p. 295 Anm. 4 als Io-Isis be-
Noch sei bemerkt, dafs die Flügel, welche zeichnet.
Isis in ägyptischen und phönikischen Dar- Eine bedeutende Rolle spielt sie als meer-
stellungen besonders als Schutzgöttin des Osiris waltende Göttin. Dieselbe lassen ihr die
und des Horos führt und die ihr auch in einigen 50 meisten (wie Georgii in Paulys B.-F. 4 p. 285;
griechisch-römischen Darstellungen, in denen Lersch, Bonner Jahrbb. 9 p. 108; Creuzer,
sie den Osiris schirmend erscheint, beigegeben Symbolik l2 p. 320, Anm. 64; Guigniaut , Les
sind, auch einige Bildwerke der letzteren Kunst- rel. de Vant. 1,2 p. 847; J. Burckhardt, Die
Übung zeigen, in denen sie allein, ohne die Zeit Constantins d. Gr. p. 205; Hertzberg, Gesch.
Mumie des Osiris, uns entgegen tritt. So wird Griechenlands unter der Herrschaft der Bömer
verzeichnet im Museo Borgiano 7. cl. terre 2 p. 268 — 269) erst in der hellenistischen Pe-
cotte nr. 33, Doc. ined. 1 p. 309: „Frammento riode erteilt werden, während Mocers, Die
con figura alata che sembra isiaca, di buon Phönizier 2, 2 p. 64 — 75, vgl. 3, 1 p. 155;
lavori, fra varj ornamenti"; in Coli. Drovetti. Stark, Gaza p. 282— 283, ja selbst Preller, B. M.
Objets en t. c. nr. 395, Doc. ined. 3 p. 271 „Isis CO 2. Aufl. p. 723 und Kenner, Die Münzsammlung
grecciue drape'e, et ailes derricre" ; ferner eine des Stifts St. Florian p. 137 in Isis Pelagia
Basaltstatue des Louvre, Chirac Mus. de sc. PI. ein Produkt der Vermischung mit semitischen
306, 2574 = Lafaye 281, 62; auch eine Gemme Kulten sehen und sie mithin ihre meerwaltende
des Gab. Durand mit fiinfzeiliger Reversunter- Funktionschonvielfrüheransübenlassen. Sicher
schrift, von der Zeile 2 AOMPI vielleicht den darf man nicht aus Stellen, wie Hygin. Fab.
Namen der Hathor enthält, zeigt eine ge- 277 p. 153 ed. M. Schmidt: „Velificia primam
flügelto Göttin, in der man Isis oder Hathor invenit Isis, nam dum quaerit Harpocratem
erkennen darf, Matter, Bist. crit. du gnosti- fdium suum rate velifieavit" und Cussiodorius
475 Isis (Göttin d. Meeres) Isis (G-öttin d. Meeres) 476
Var. 5, 17 (nach Knaaclc, Hermes 16 p. 586, que nutu"). Im Hymnus von los sagt sie von
588, 600 aus einem besseren Texte des Hygin) sich, Kaibel, Epigr. Gr. 1028 vs. 5 — 6: iym
„hoc (sc. velum) Isis rati prima suspendit, cum 0AAA1 | EIAEPr.E... (Weil) oder OAAAC
per maria Harpocratem filium suum audaci CIAEPTAEYIA (Smyrlis), wofür Weil, Mitt. d.
femina pietate perquireret" schliefsen, dafs Isis d. arch. Inst, in Athen 2 p. 190 xtjv %-dXu.GOKv
schon in früher Zeit als Seegöttin angesehen Sjt^äxov imsgaeccj, WilamovoitB bei Kaibel,
worden sei. Zunächst nun werde betrachtet Epigr. p. XXII ftülucactv icxogiaa, Frünhel,
ihre Herrschaft über die Winde, vgl. Gcorgii, Arch. Z. 1878 p. 131 vs. 15 — 16: iym 9aXdaGia
Ii.-E. 4 p. 286. In einem ägyptischen Texte l'gyu ev[ö]ut — lircuijcra vorschlägt. Im Hymnus
von Philä aus der Zeit des Ptolemaios IX. 10 von Andros ed. Abel p. 301 vs. 34—35 rühmt
wird sie geradezu als „Isis der Nordwind" be- sie von sich: aSi fraXäceag \ ngäxov s v dv&gcö-
zeichnet. ßrugsch, Eel. p.633, 647, und O.Engel, itoioi tizqugiuov rjvvGa fiöx&ov und vs. 143 —
Isis u. Osiris. Nordhausen 1866, dem Isis die 155 = Kaibel 1028 Col. 4 vs. 55 — 67:
Luft ist, leitet gerade daraus ihre Eigenschait — nXcoxd S\ cp/Xtvdiog 'Aficpixgixci.
als Seegöttin ab, p. 8. „Maris salubria jlamina rrjvci fisXauTtgcogoiGiv vital nctxvtoätog av%fiäi,
— nutibus meis dispenso" sagt sie zu Lucius, avixa psiädyav, iXagdv igv&oiGa TtagtLÜv,
Apul. Met. 11, 5; „tuo nutu Spirant flamina" äfmizdaai Tt]di>v yXavxdXtvov iv ä' dnsgdxoig
Lucius zu ihr, cap. 25; namque tibi Zephyrus ßiv&seiv aarißfcr nXayxxdv öSöv, evxi fis &v[ibg
favet ac Cyllenius ales heilst es in dem Gedicht xogxrvarj, xXovsm- navxä ä? [isXav&h qol^co
De Isidis narigio, Anthol. lat. fasc. 2 nr. 743, 20 eitsgxofiEvog ßagv itovxog ivl GTt/ßvy^i ßctd-tiaig
v. 5 p. 205 ed. Kiese; bei Lucian, deor. dial. 4 uvkux' e£ dövxcov ngäxa ä'.inl GsXjian Sovgav
befiehlt Zeus dem Hermes die Io durch das v.oXnu>xdv 6%-ovaiai ftouv xgoitiv Iüvvegy.ov,
Meer nach Ägypten zu führen und zur Isis zu oläpa v.a&i7tn£voiGcc Sapa'Qo(isvag öi &aldaaa:g
machen, dann fährt er fort „v.al xö Xombv orAvnogoig iXdxctig tXixdv icxace %ogsiav
igxcü öteos xoig &%si hc« xbv NsiXov dvayixm, zJongiSog avXoxicf irsgnzdXXsxo d' t v (pgEGl&djißog
y.al xovg avif.iovg eitiirafiitirbi, Y.al ctojf'rco xovg tlgeGiav dödijxov iv o^fiUGi TtanxaivoiGcag.
nXiovxug", ebenda Dial. deor. mar. c. 7 sagt Auch die Inseln hat sie aus der Tiefe hervor-
Zephyros von der nach Ägypten gelangten und gehoben; vs. 158 — 159:
zur Göttin gewordenen lo „««1 äg^st yäg, äg vüocag öl ßa&vvoatvag dnb gigäv
Egfif/g t'cprj, xäv TtXtöi'tav , Kai i'jucov tGxai 30 f's (pdog Ik ßv&iag itoxavdyayov iXvog avxd.
dianoivu, bvxiva dv rjiimv i&zXriGoi ix-ntfiipui, Natürlich schützt sie die Seefahrer. In einem
i] y.oiXvGcit inmvtiv." Bei Val. Flacc. Argon. Epigramme des Fhilippus Thessalonicensis,
4, 420f. wird mit der Erzählung der Geschichte Anthol. Gr. ed. Jacobs 2 p. 197 nr. 10, vgl. 9
der Io die Bitte verbunden „iuvet nostros nunc p. 150 — 151 ; Anthol. Palat. ed. Diibner 1 p. 200
ipsa labores | inmissisque ratein sua per freta nr. 231 redet sie ein gewisser Damis an:
provehat auris", und sofort (vs. 422) schwellen Alyvnxov fisSiovca psXaußcoXov, XtvüntnXs
sanfte Winde die Segel. Im Hymnus von Sac/iov, in' sv'Cegovg ßi/ti-L &vn7roXiag.
Kios (C. I. Gr. 3724; Kaibel, Epigr. Gr. 1029; col yäg vnlg G%iSdw.rov Xayagbv nonärsvpa
Erühner, Les inscr. gr. [du Louvre] nr. 1; irgbYtixai,
E. Kobiou, Mel. Graux p. 601 — 607 nr. 1 40 Mal noXibv £(jjw £tvyog ivvSgoßioiv,
vs. 6ff.) wird sie von Uranos, dem Sohne der uul vdgSog ipacptxgri v.iy%gixiGiv iG^äaiv ducpl
Nacht (in der ägyptischen Mythologie ist ihre nal GxuyvXr] ygain, %u> {isXixvovg Xißavog.
Mutter Nut, Brugsch, Mel. p. 606ff.; Kobiou sl S' cög i-x TitXdyovg iggvaao ddp.iv, avaGGa,
p. 605; Wiedemann, Die Bei. d. a. Ag. p. 122, v.r\v. nsvt'ng, frvGsi ^pTOo'xfocov xifidda.
die in einem gnostischen Papyrus erklärt: ,Statius im Propempticon für Metius Celer,
iyii ttyi rj fi)']xr}g ■9'fcöj' r; v.a[Xov}fiivn Ovgctvog, Silvae 3, 2 vs. 101 ff. ruft Isis an, denselben
Brugsch, Bei. p. 603 — 604) auf den Fluten des gnädig zu führen:
Meeres erzeugt, wobei Kobiou p. 006 an das Isi, l'lioroneis quondam stabulata sub antris,
ägyptische Nun, das Urwasser (vgl. Brugsch, Nunc regina Pliari, numenque Orientis anheli,
Bei. p. 107, Lepsius, Über die Götter der vier 50 Excipe multisono puppern Mareotida sisiro;
Elemente bei den Ägyptern [Abh. d. K. Ale. d. Ac iuvenem egregium, Latius cui duetor Eoa
W. zu Berlin 1S56] p. 184 ff., Wiedemann, I). Kigna, Palaestinasque dedit frenare cohortes,
Bei. d. a. Ag. p. 122) erinnert: Ipsa manu placida per limina festa, sacrosque
2i) te, fior'xajore &id, ui,zrig noXvcöviifiog iGig, Uue portus, urbesque tuas.
r]v xixtv Ovgavbg Evtpgoviärig inl nvfictGi Die vorwurfsvolle Krage des während einer Reise
Ttövxov auf Corcyra erkrankten I'ibull 1, 3, 23—26:
liagu.cigiois,&gi\ptv d'"Egtßog cpws 7rä<ji ßgoxoiGi, Quid tua nunc Isis mihi ,Dilia, quid mihi prosutd
■ngtaßiGxriv ftctxdgcov tv OXvpncp GKrjiiT.gov lila tua toties aera repulsa manu?
i'xovouv Quidve pie dum saora colis pureque lavari
na! yaing ndarjg xol xbvxov tiiav dvuGGüv. co Tc, memini, et puro seeubuisse toro?
Bei Apulejus, Met. 11 c. 3 erscheint sie dem wollen Tarnebus, Adv. L. 16 c. 4 und BrouJ;-
Lucius aus dem Meere hervor tauchend; vor Imsius p. 59 a seiner Ausgabe daraus erklären,
ihrer Majestät erschrecken die Ungeheuer der dafs Delia der seewaltenden Isis für den nach
Salzflut; sie schützt zu Wasser und zu Lande dem Orient reisenden Geliebten ihren Dienst
die Menschen, c. 25; vgl. c. 1 „ipsa ctiam cor- geweiht habe, während iicaliger meint, sie
pora terra coelo marique nunc incrementis habe wegen der Krankheit des Dichters die
consequenter augeri, nunc detrimentis obsequen- Fasten beobachtet; doch dies scheint beides
ter imminui (sc. divino eius himinis numinis- zu weit hergeholt zu sein; Tibull will nur
477 Isis (Göttin d. Meeres) Isis (Göttin d. Meeres) 478
seinem Unmut Ausdruck verleihen, dafs die De annis dimacicriis p. 2G8 in TTAOIOYA<t>E?IS
glühende Verehrung der Delia für ihre Lieblings- oder TTAOYAOESIS, dann von Mommsen, C. I.
göttin, welche ihn um manche Nacht betrogen L. 1 p. 387 in nXowcpioia, unter Zustimmung
hat, ihn nicht vor seinem Mißgeschick bewahrt von Moritz Haupt, Hermes G p. 262 = Opuseula
hat. Die welche Schiffbruch litten, aber durch 3 p. 559 u. Marquardt, Rom. Staatsverwaltung 3
die Gnade der Göttin dem Tode in den Wellen p. 70 Anm. 2 = 3* p. 80 Anm. 1 verbessert
entkamen, brachten ex voto Gemälde ihres Un- worden ist, während L. Spengel, Rh. Mas.
glucks in ihrem Tempel an; Juvencd 12, 22ff. 1861 p. 34— 35 ganz unpassend in a ola'Ecptaia
singt: ändern wollte und die meisten neueren Dar-
Genus ecce aliud discriminis: audi 10 steller der von Apulejus geschilderten Isis-
Et miserere Herum: quamciuam sint cetera sortis Prozession, wie auch treller, R. M. 23 p. 382
Eiusdem: pars dira epiidem sed cognita multis (aber Jordan Note 1 citiert Mommsen) und
Et quam votiva testantur fana tabella Jean Reville, Hie Iteligion zu Rom unter den
Plurima. l'ictores quis nescit ab Iside pasci? Severern p. 57 Xctoig tiqisatg lesen); natalis ratis
wozu der Scholiast (p. 347 ed. 0. Jahn) bemerkt: Isiacae, Ausonius de feriis Romanis 23 ; natalis
[TABELLA] quam naufragis liberati ponunt, navigationis , Vegclius 5, 9; navigium Isidis,
antiquitus enim solebant, qui naufragio liberati (Anthol. Lat. ed. Riese 2, 743 p. 205; vgl.
essent,pro voto pingere tabellas et in templo Isidis Jahrbb. f. Id. Phil. 1868 p. 701, Herines 1 p. 412,
ponere. Auch die kleinen Marmorschitte, die bei Mommsen, C. I. 1j. 1 p. 412; die Kaleudarien
der Kirche S. Maria in Navicella in Rom aus- 20 der Kaiserzeit, Mommsen, G. I. L. 1 p. 387),
gegraben worden sind, erklären Friihner, Kotice welches späte Gelehrsamkeit (Fulgentii Mijtho-
de 1a sculpture ant. du muse'e nat. du Louvre 1 logicon nr. 25, Ganymedes , Mythogr. Lat. ed.
13. 490 — 491 zu nr. 561 und Lafaye p. 200 f. für van Stavercn p. 054 — 655, Mythographus 2, 89,
Weihgaben an die Seegöttin Isis, während Io p. 10G ed. Rode, Mythographus 3, 3, Jupiter
Becker, Topographie p. 504 f. Anm. 1052 in c. 5 p. 162 ed. Rode, vgl. Lactantius, Inst. 1,
ihnen dem luppiter redux von den auf dem 11, 24) zum Andenken an die Überfahrt der Io
Caelius lagernden Peregrini dargebrachte Wid- in einem Schiffe mit dem Gemälde eines Rindes
mungen sieht. Natürlich weihen sich Schiffer gestiftet glaubte; vgl. auch Manfrin, GUEbrei
ihrem Dienst, C. I. L. 14, 352; auf Dolos bringt sötte la dominus, rom. 2 p. 42. Es fiel nach Me-
ein gewisser Eutychos für sich und seinen Sohn 30 nologium Rusticum Colotianum Z. 15 und Meno-
Eubolos und für alle Seefahrer dem Zeus Urios, logium Rusticum VaUense Z. 17 — 18, CLL. 1
Sarapis, Isis, Anubis und Harpokrates seine p. 358 — 359, XXII u. XXII B, C. I. L. G, 1
Widmung dar, Rull. de Corr. Hell. 6, 1882 p. 328 p. 637—639 in den März, nach den Fasten des
nr. 22; aber die pausarii der Inschrift C. I. L. Philocalus, C. I. L. 1 p. 332, p. 387 und Laur.
G, 1, 348 : PRO SAL VTE ■ DOM VS • AVGVSTAE j Lydtis a. a. O. bestimm! er auf den 5. dieses Monats,
EX CORPORE PAVSARIORVM- ET | ARGEN- Ei'nefarbenreicheSchilderungdesselbenentwirft
TARIORVM-ISID^ET-OSIRI-MANSIONEM Apul. Met. 11 c. 8—17, der cap. 5 die Göttin
AEDIFICAVIMVS sind nicht mit Reichet, He sich über die Bedeutung desselben aussprechen
Isidis apud Romanos eultu p. 37 Anm. 2 unter läfst. Die Darstellung des Apidejus ist oft
Berufung auf Seneca ep. 5G und Pauly, R.-E. 5 40 wiedergegeben worden, so von de Sainte-Croix,
p. 1265 als ein „collegium nautarum quoddam, Recherches historiques et critiques sur les mysteres
qui remigio praefairunt moderatores" , sondern du paganisme 2'- p. 154 — 161; Rolle, Rech.
mit Salmanus zu Scriptores hist. aug. v. Ant. sur le culte de Bacchus 2 p. 1G9 ff. Note 2;
Carac. c. 9, vgl. v. Pesc. Nigri c. 6, vol. 1 p. 729 Lerseh, Isis u. ihr heiliges Schiff, Bonner Jahr-
u. 6Gla, ed. Lugd., Henzen zu G. I. L 6, 348 biieher 9 p. 268 — 271; Georgii, Pauly R.-E.
und Lanciani, Bull. d. Inst, di corr. arch. 1868 4 p. 293 — 294; J. Burckhardt, Hie Zeit Gm-
p. 232 — 233 als „qui pausas Utas explerent in stantins des Grofsen p. 204 — 205; G. Fr.Herls-
sacris Isidis et Anubim portarent" zu erklären. berg , Hie Geschichte Griechenlands unter der
Schiffe erhielten den Namen Isis, so ein alexan- Herrschaft der Römer 2 p. 268—271; Reichet,
drinisches Kornschiff, Lucian, Las Schiff oder 50 De Isidis apud Romanos eultu p. 67 — 68;
die Wünsche c. 5; ein Kornschiff in Ostia die G. F. Schoemann, Griech. Altert. 2;! p. 529 —
Isis Giminiana, C. I. L. 14, 2028; römische 530; Preller, R. M. 23 p. 381—382; Lafaye
Kriegsschiffe, Asciibach, Hie beiden pralorischen p. 120 — 126; J. Reville a. a. O. p. 5G — 57,
Flotten zu Misenum u. Ravenna, Sitzungsber. /Anzow, Psyche u. Eros p. 96. Das inschriftlich
d. Wiener Ale. Phil.-Hist. Kl. 1875 p. 182, 183, erwähnte Tptijpap^ftV eines gewissen Annbion
jedenfalls auch bei E. Ferrero, L'ordinamento in Kios, welcher Mitglied eines Vereins von
delle armate romane. Torino 1878; die Iso- Isisverehrern war, wird von Foucart, Hes as-
pharia, G. Spratt, Travels and researches in sociations relig. chez les Grecs p. 218, 240, nr.
Greta 2 p. 254, G. I. L. 3, 3, deren Namen 66 = Waddington, As.-Min. 1143, so erklärt,
Friihner, Melanges d'epigraphie et d'histoire. CO dafs Anubion das heilige Schiff der Isis ge-
Paris 1875 p. 72 — 73 irrig als loorpooia „le weiht oder befehligt habe; auch die vavßa-
concours, la pre'ention de marcher aussi vitc toottej einer Inschrift von Ephesos (C. I. Gr.
qu'un autre" erklärt. Glänzend war das Fest, 2955) hat man versucht mit diesem Schiff der
an welchem Anfang März der Isis ein Schilf seewaltenden Göttin in Zusammenhang zu
zur Wiedereröffnung der Schiffahrt geweiht bringen, indessen mit Unrecht, s. Num. Zeitschr.
wurde, TtlouMftoicx, Lydus de mensibus 4, 32 Bd. 21 p. 91. Ferner erklären Scioppius und
(vgl. Apul. Met. 11 c. 17, wo das dOldOECIcl Gimsalius de Salas in Burmanns Ausgabe des
des Codex Florentinus schon von Salmasius, Petron p. 523, 527 das von diesem c. 113, 114
479 Isis (Göttin d. Meeres) Isis (Göttin d. Meeres) 480
p. 77— 7S ed. Bücheier 1871 (ed. min.) erwähnte vs. 99, Rev. arch. Ar. S. 17, 1868 p. 456, Hermes
Schiff (vestem illam divinum sistrumque redde 4 p. 357, Rh. Mus. 1877 p. 220, 224; Commodian
navigio) für ein der Isis zu Ehren den Fluten Instr. adv. gentium. deos pro Christiana diseiplina
übergebenes Fahrzeug. Irrig ist es, wenn in Mignes Patrol. Lat. 5 p. 213, denn sicher ist
Crusius, Wochenschrift f. Mass. Philo!. 1S88 hier nicht mit Oehler Furiam, oder gar mit
Sp. 1095 die Beschwörungsformel des Pap. Dombart (Wien 1888) p. 21 Furinam zu lesen;
Minumt Col. 4 vs. 98-99, Wessely, Griech. vgl. dea Pharia {Flavia et ipsa cultrix deae
Zauberpapyri von Paris u. London p. 143, Phariaes casta) in der von Stephani, Der aus-
Wessely , Ephesia Grammata nr. 539: cti/Okts ruhende Herakles p. 58f. Note 1 und 0. Jahn,
KvßEpvrjzai rot' lsqov nloiov auf die Tiloiarpsoia 10 Ber.d. Sachs. Ges.d. TT. 1851p. 178 — 179citierten
beziehen will; es ist hier vielmehr von dem Inschrift, wofür freilich in der von. Mengen 7410
Sonnenschiff die Rede, das in den "ägyptischen gegebenenVersion Lyaeiculiri.r steht, vgl. Fried-
Texten eine so grofse Rolle spielt, (vgl. z. B. länder, Sittengesch. 3 p. 618. In einigen nieht-
Pierret, Le Pantheon Egyptien p. 29; Pierret, metrischen Inschriften aber bezieht sich der
Le livre des morts, eh. 99, s. das Register das. Beiname jedenfalls auf eine speziell auf Pharos
p. 596 ; Meinisch, Die ägypt. Denkmäler in Mira- verehrte Isis, C. I. Gr. 4683b, 5119, Add.
mar p. 49, 73, 74; Duncker, Gesch. d. Altert. I1 4944b, wie denn auch Ovid Amor. 2, 13, 9
p. 36 — 37 ; Le Page-Rcnouf, Vorlesungen -p. 102; unter den Kultusstätten der Isis die palmen-
Erman, Ägypten p. 351, 365, 366, 522; Maspcro, tragende Pharos nennt und Minutiös Felix
Gesch. der morgen!. Völker im Altertum p. 30 — 20 c. 21 neben einem Dictaeus Iupiter, Apollo
34), auf dem neben Ra verschiedene andere Delphicus, Ceres Eleusinia eine Isis Pharia er-
Gottheiten stehen, welche ihn gegen seine wähnt. Die Notiz des Syncellus p. 237, Isis
Feinde verteidigen und das Schiff lenken, Pharia sei Io von den Ägyptern genannt worden
Wiedemann, D. Bei. d. alten Ag. p. 13 — 14; diu rö ngmzcog iv <J>äpco t?; vi]aui TrupctyivEG&ui
Gkabas, Pap. magique LIarris p. 51; im Lei- ist jedenfalls die Erklärung eines späten Grarn-
dener Papyrus II". p. 4 vs. 25/26 und p. 11 matikers. Viel umstritten ist die Ceres Pharia
vs. 19 — 20, Papyri Graeci Musei ant. Lugd.- (quae sine effigie rudi palo et informi ligno
Bat. ed. L^ccmans 2 p. 92, 111, 173 = Wcssely, prostat) des Tertullian, Apol. c. 16 und ad nat.
Eph. Gr. p. 26 nr. 278 bezeichnet sich Helios 1 c. 12. Die Codices geben Faria , Fariam,
selbst als ö litt rrjg ßäpiiog üvuzillav; vgl. so Farina. Rhenanus, Heraus und Semler wollen,
auch Dieterich, Pap. mag. Musei Lug. Bat. V wie bei Migne 1 p. 566 bemerkt wird, in farrea
p. 774 Note 1. Auch in dem Schiff auf einer ändern, wie auch O. Schneider, Callimachca 2
alexandrinischen Kaisermünze des Commodus p. 368 frg. 105 liest. 0. Müller, Hdb. d, A.
bei Zoega, Numi Aeg. imp. p. 241 nr. 54 mit d. K.3 p. 45 § 66, 1 und Zoega, De origine et
diesem das heilige Schiff der Isis zu erkennen usu obel. p. 227, Anm. 12 schlagen Baria vor,
liegt kein Grund vor, es ist vielmehr nach was Besnard, Des Afrikaners Arnobius 7 Bücher
v. Sallet, Zeitschr. f. Num. 2 p. 249 das kaiser- wider die Heiden p. 579 und zuerst auch Over-
liche Schiff {Etßuczortooog); ebenso wenig beck, Berichte über die Verh. d. Kgl. Sachs.
haben wir es auf der Vota-Publica-Münze Cat. Ges. 1864 p. 150 aufgenommen haben, während
d'Ennery p. 643 nr. 4751 zu erblicken. 40 letzterer in der Griech. Kunstmyih :• , Demeter u.
Hinsichtlich der Beinamen, welche Isis als Jiora p. 409 in Übereinstimmung mit Preller,
Seegöttin führt, so ist es nicht durch den Demeter u. Persephone p. 372 sich wider Müllers
Sprachgebranch der Alten zu stützen, wenn Änderung erklärt. Die meisten lesen mit Bigal-
die Neueren (z. B. Creuzer, Symbolik l8 p. 320, tius, Havercamp, Le Kourry, Oehler Pharia, so
Anm. 64; Müller, Hdb. d. A. d. K.s p. 671 z. B. Spanliemius, Callimachus ed. Emesti 2
§408,3, Eclchel 8, 140, 18; Zoega, N. Aeg. p. 340 u. 734 und Sainte-Croix, Pech, hist etcrit.
]) .135 zu Hadrinn nr. 339) sie in dieser Eigen- sur les mysteres du paganisme 2" p. 226 nebst
schaff als Isis Pharia bezeichnen. Diesen auf Note 2. Unter denen, welche Pharia lesen er-
unzähligen Vota-Publica-Münzen des 4. Jhdts. kennen in ihr Isis Pharia Morers, Die Phönizier
und auch in einem Orakel des Didymäischen 50 2, 2 p. 70 nebst Anm. 51, der sogar aus Ter-
Apollon, Euseb. Praep. Evang. 5, 7; Porphyrii tullians Beschreibung herauslesen will, dafs
de pjhilosophia ex oraculis haurienda librorum sie phönikische Ascherenbildung hatte, Stark,
relirpiiae ed. G. Wolff p. 124 vs. 46 der Isis Gaza p. 283, Preller, Gr. M. 23 p. 44, Demeter
gegebenen Beinamen darf man nicht mit ?<.. Persephone j). 372, Ocerbeck, Demeter u. Koro
Reiche!, De Lsidis apvd Romanos eultu p. 17 p. 409, Reiche! p. 48—49. Immerhin ist es
und Tertullian ad nat. 2 c. 8 (vgl. Piper, Ein- nicht unmöglich, dafs der Beiname der Ceres
leitung in die monumentale Theologie p. 121) von einer griechischen Clrtlichkeit mit Demeter-
von Pharao ableiten. In den meisten Autoren- dienst hergenommen worden ist, wie wir solchen
stellen bedeutet er nichts als „ägyptisch", wie beispielsweise auf der kleinen Insel Pharos im
denn Tibull 1, 3, 32 anch die Schar der Isis- co adriatischen Meer, einer Kolonie der sich durch
Verehrerinnen turba Pharia nennt und Oeid, ihren Demeterdienst auszeichnenden Parier,
Epist. ex Ponto 1, 37—38 singt: Holm, Gesch. Sicil. 2 p. 135, MnUciQav.r^,
Ecquis ita est audax, ut limine cogat abire Kvy.laSixd p. 83, Bursian, Geogr. ». Gr. 2
lactantem Pharia tinnula sistra manu? p. 485, Anm. 5, voraussetzen dürfen.
Nicht selten tritt Pharia absolut geradezu für Sicher auf die meerwaltende Funktion der
Isis ein: JCal. rust. Farnes., C. L. L. 6, 1 Isis weist der Beiname pelagia, der ihr in
p. 637 nr. 2305, Z. 15, 18 = C. L L. 1 p. 358, Korinth, Paus. 2, 4, 7, vgl. Curtius, Pelop. 2
359, XXII, A; im Carmen Codicis Parisini 8084 p. 593 Anm. 83, in einer Inschrift von Mitylene,
481 Isis (Göttin d. Meeres) Isis (Göttin d. Meeres) 482
G. I. Gr. 2174, Villoison, Mim. de l'Ac. des nicht auf den Namen der Isis Pelagia Anspruch
/. et B.-L. 47 p. 306, und in der Grabschrift erheben. Vollends phantastisch ist es, wenn
eines aedituus ab Isim pelagiam in Rom C. L. Visconti [Bull, della commiss. arch. munic.
[Gruter p. 312, 5, Schläger, De numo Hadriani 1, 1872/73 p. 33 — 41, Tav. 1, vgl. Gilbert, Gesch.
plumbeo p. 131, Tristan, Comment.hist. 1 p. 342, u. Topogr. der Stadt Rom 3 p. 112 Anm. 1)
l'hes. Morellianus 2 p. 495, Siccama in Graevius, einen 1872 nahe bei der Kirche S. Cesario an
Thcs. Ant. Born. 8 p. 65, C. I. L. 6, 8707, der Via Appia gefundenen kolossalen Marmor-
Gilbert, Gesch. u. Topogr. der Stadt Rom 3 fufs mit Darstellungen von auf Tritonen und
p. 112 Anm. 1) beigelegt wird. Sie teilt den- Delphinen reitenden Amorinen von einer Isis-
seiben mit Aphrodite [Preller, Griech. Myth. 10 statue stammen läfst, während F.Gori, Archivio
l8 p. 281; Stephanus Thes. Gr. L. 6 p. 7409 stör. arch. e lett. della cittä e provincia di Roma
der Londoner Ausgabe; M. F. Lajard, Rech. 3, 1878/79 p. 44—45 ihn ebenso grundlos der
s. le culte de Venus p. 44; C. I. L. 3, 3066) Venus zuweist, vgl. Stark, Bursians Jahrcsber.
mit Selene [Wessehj, Gr. Zaubcrpap. v. Paris 1, 1873. 2. Bd. p. 1572. Die von Foucart, Les
u. London p. 101 vs. 2272) und mit Artemis, assoc. rel. ches les Grecs p. 117 und von Fröhner,
wenn anders Tollem, p. 174, 3. El. 2. Abt. nr. 814 Coli. I. Grc'au, Cat. des bronzes ant. Paris 1885.
die Beischrift TTGAAn einer als Jägerin dar- 4° p. 169 nr. 843 als „Isis Pharia" bezeichneten
gestellten Artemis richtig deutet und nicht Bronzestatuetten stellen Isis-Tyche dar. Unter
etwa TTGAAriou, als Namen des Besitzers der den Basreliefs ist anzuführen ein 1614 in
Gemme zu ergänzen, oder gar die Inschrift 20 Marseille gefundenes: „Isis, tenant une corne
mit Panofka, Gemmen mit Inschriften in den d'abondance , ayant pres d'elle le chien Sirius
legi. Museen zu Berlin, Haag, Kopenhagen, Lon- et un personnage inconnu, peut-etre Anubis,
don, Paris, Petersburg u. Wien. Berlin 1852. apaise les Jlots tt sauve du naufrage une barque
4° p. 92 für gefälscht anzusehen ist. qui renferme eleuxnavigateurs", Gamille Jullian,
Ganz irrig ist von Rolle, Rech. s. le culte Bull, epigr. de la Garde 6, 1886 p. 124. Eine
de Bacchus 2 p. 172 Note 1, Hildebrandt, Apul. merkwürdige Bildung zeigt die von Lcrsch,
1 p. 1044, Georgii, R.-E. 4 p. 286 die inschrift- Bonner Jaltrbb. H. 9 p. 101 — 115, Tfl. 7, Ernst
lieh zusammen mit der Mater Deum vorkom- aus'm Weerth, Kunstdenkmäler des christl.
inende Navisalvia [C. I. L. 6, 1, 492 — 494) für Mittelalters in den Rheinlanden. 1. Abt. Süd-
die seewaltende Isis erklärt worden, während 30 nerei. 2. Bd. Leipzig 1860. 4° [p. 80 — 89 Tfl.
dieselbe nach Burmann zu Properz 2, 21, 21 33, 3 — 9] p. 85—87 und Lafaye p. 293—294
p. 414; Braun, Ruinen u. Museen Roms p. 150 nr. 104 für Isis erklärte Hauptfigur eines (nr. 4)
nr. 29; Borghesi, Oeuvres compl. 2 p. 183; Asch- der sechs mit Elfenbeinschnitzereien verzierten
bach, Sitzungsber. der Wiener Ale. Ph.-H. Kl. Seitenfelder einer von Heinrich II. gestifteten
1875 p. 200 Anm. 1; Preller, R. M. 23 p. 58 Eanzel im gotischen Chore des Münsters zu
Anm. 1 als die zur Schutzgöttin der Tiber- Aachen. Sie hat den Polos auf dem lockigen
Schiffer erhobene Vestalin Claudia Quinta, nach Haar, in der L. eine Rundkapelle, in welcher
Maff'ei, Mus. Veronense p. 90; Orelli zu nr. ein für Horos erklärtes Kind und auf deren
1906; Cardinali, Jscrizioni Veliterne p. 7 ; G. L. Spitze ein als Sperber gedeuteter Vogel er-
Visconti, Ann. d. Inst. 1867 p. 301 — 302 als 40 scheint. In der R. hält sie ein Schiff mit drei
das unter dem Namen navis salvia verehrte Figuren. I.ersch hält das Werk für eine mittel-
Schiff, welches die Göttermutter nach Rom alterliche Nachbildung einer römischen Isis-
brachte, oder nach Sensen, C. I. L. 6, 1 p. 92 darstelluog, Schcia/f hausen bezeichnet es als
als die Iuno dieses Schiffes aufzufassen ist. Produkt einer Zeit, wo man wohl noch das
Von Statuen, welche Isis Pelagia darstellen, Erbteil allgemeiner mythologischer Vorstel-
ist zu nennen eine kleine Marmorfigur der lungen besafs, aber deren sicheres Wissen ver-
Villa Ludovisi, welche den 1. Fufs auf ein loren hatte. Von Lampen ist die mit der
Schiffsvorderteil setzt, Winckelmann, Sämtl. Aufschrift EvnXoia' kaßs gs xöv 'Hliooiouitiv
Werke ed. Eiselein 3 p. 183 — 184; 4 p. 357; versehene zu nennen, s. oben Bd. I s. v. Helio-
6 p. 296; 7 p. 331; Schreiber, Die ant. Bild- so serapis, Kaibel, I. Gr. Ital. et Sic. 2405, 48,
werke der Villa Ludovisi p. 240 nr. 303. Wenn welche, als Schiff geformt, auf dem Vorderteil
Winckelmann 7 p. 331 „eine kleine Figur in Isis und Sarapis zeigt. Von geschnittenen
einem Schiffchen auf einem runden Fufsgestelle Steinen führt sie uns vor mit beiden Händen
in der Villa Mattei, wo man einen ägyptischen ein ausgebreitetes Segel haltend ein Stein der
Gottesdienst abgebildet sieht" zur Vergleichung Sammlung Borgia 3. Cl. 1. div. nr. 10, Hoc.
anführt, so ist dies schon aus dem Grunde un- inecl. 3 p. 424; ein Karneol der Sammlung
zulässig, weil, wie die Abbildung bei Visconti, Stoscli, Winckelmann, Descr. p. 16, 1. Kl. 2. Abt.
Musee Pie-Clementin 7 PI. 14, vgl. Amadulius, nr. 62 = Sämtl. Werke 9 p. 305; Tölken 1. Kl.
Monumenta Matthaeiana 2 p. 46 Tb. 25 Fig. 1. 2; 2. Abt. nr. 38 p. 16; ebenso, neben ihr Har-
Zoega in Welckers Ztschr. f. Gesch. u. Auslegung m pokrates, unten die Aufschrift EPMEA ein
(/. alten Kunst 1, 1818 p. 466— 468; Beschreibung Karneol in Wien, v. Sacken u. Kenner, Die
dir Stadt Rom 2,2 p. 249, zeigt, die Gestalt Sammlungen des K. K. Münz- u, Ant.-Kab.
sich am Ufer befindet, während der Kahn leer p. 431 nr. 138; ebenso, in der R. noch ein
auf dem Wasser ruht. Ferner kann die von Sistrum haltend auf dem Vorderteil eines
Lafaye p. 279 nr. 50 wenigstens fragweise Isis Schiffes, in dessen Mitte Sarapis thronend
Pharia benannte Marmor;tatue in Holkham und hinter ihm Tyche zu sehen ist, ein
Hall, Chirac 5, 992, 2575 A; Michaelis, Anc. Chalcedon des Museo Borgiano 3. Cl. 2. div.
Marbles in Great Britain p. 312 — 313 nr. 33 nr. 30, Doc. ined. 3 p. 434 und Titelvignette
Horcher , Lexikon der gr. u. röm. Mythol. LT. 16
483 Isis (Göttin cl. Meeres) Isis (Göttin d. Meeres) 484
zu Zoegas Numi Aeg. Imp.; auf einem Schiff de Stoseh p. 71 zu PI. 28; Doc. ined. 3 p. 479,
ein Segel ausspannend , Sarapis thronend, Mus. Borgiano 3. Cl. 9. div. nr. 46 = Io. Chr.
Fortuna das Steuer lenkend ein Stein aus Amadutii ad Io. Paul. Borgiam de gemma
Aquileja, Steinbüchcl, Geschn. Edelsteine p. 65; navim cum Dioscuris desuper coruscantibus
ebenso, mit vorgestreckten Händen, aber ohne referente epistola, Nov. Tlies. g. v. 3 p. III —
dafs ein Segel sichtbar ist, auf dem Vorderteil XV; ähnliche Schiffsdarstellungen mit den
eines Schiffes mit Sarapis in der Witte, Tyche Hüten der Dioskuren und Sternen oder mit
am Hinterteil und einem Pallaskopf im Felde, zwei Sternen allein auch bei Tölken p. 379,
ein Jaspis des Museum Florentinum, Gori 1 7. Kl. 124. 125 ; Gor i, Thes. g. a. astrif. 1 Tb. 165,
Tb. 57 nr. 6, David et Mulot, Le Musee de io 2 p. 194— 1V6; King, Ant. gems and rings 2
Florence 1 PI. 92 nr. 1 p. 224—225 , Lafai/e PI. 39 nr. 1 p. 62 ; auf Münzen mit den Häuptern
p. 314 nr. 171, und eine Glaspaste davon in des Antonius und der Oetavia, Mommsen, Hist.
Sammlung Stoseh, Winckelmann, Descr. p. 43, de la monnaie rom. 4 PI. 33 nr. 5 p. 78 =
2. Cl. 3. sect. nr. 65 = Werke 9 p. 330. Ahn- Cohen, Med. Imp. la p. 55 nr. 12 = Babclon,
lieh auf einer Gemme bei Montfaucon, L'ant. Monn. consul. 2 p. 278, Oppia nr. 5; des An-
expl. Suppl. 2 PI. apres la 43 du Tome 2 flg. 1 tiochos VII. von Syrien, Tresor de num. et de
p. 155 — 156; Lippert, Dactyl. univ. chil. alt. glypt. Numismatique des rois grecs. Paris 1849.
p. 39 I nr. 376 („Sarda"); Hettner , Die Bild- 2° PI. 49 nr. 12; Liebe, Gotha num. p. 114;
werke der Zgl. Antikensammlung zu Dresden Museums 1 Tb. 7, 5; des Alesander II. Zebina,
1856 p. 99, 8 nr. 13 („Karneol") mit Situla in 20 Num. des rois grecs PI. 4 nr. 17; Pellerin, Bec.
der R. auf einem Schiff zusammen mit Sarapis de med. des rois PI. 11; A Cat. of the greek
und Tyche und darüber die Sterne der Dios- coins in the Brit. Mus. The Sdeucid Kings of
kureu, welche als Helfer zur See eine wichtige Syria PI. 22, 14; von Phokaia, Patin, Num.
Rolle spielen [vgl. oben Bd. I Sp. 1163 — 1164, Imp. p. 207 nr. 1; Pellerin, Bec. de med. 2
Drexler, Myth. Beitr. 1 p. 146-147; Preller, PI. 59, 72; Schläger Tb. 2 nr. 29; Müller, Descr.
Griech. Myth. 23 p. 105—108; B. M." p. 662 des monn. ant. du Musee Thorvaldsen p. 263
und Ber. d. Sachs. Ges. 1849 p. 24 Anm. 124; nr. 119 nebst Note 5; A. Lübbecke, Ztschr. f. N. 7
Welcher, Gr. Götterhhre 2 p. 429—433, der 1880 p. 55 — 56 nr. 5 (vor der Prora ein See-
p. 430 Anm. 2 citiert: I H. Linck, De stellis tier mit langen Ohren und Fischschwanz);
marinis Hb. sing. 1733. 2°, F. Piper, Das S. so T. Combe, Vet.pop. et reg. numi qui in Museo
Elmsfeuer in Poggendorfs Annalen der Physik Brit. adservantur Tab. 12, 24; 28, 271, 284,
28, 1851 p. 317— 326, Tril. Prometheus p. 229; 285 p. 36; Leukas, TloaroXanag, Kaxcik. räv
ferner Piper, Mythol. d. christl. Kunst 1, 2 olq%. vog,. KiQxvgug, AsvxdSog x.t.X. p. 67 nr.
p. 412 — 416; C. A. Büttiger, Ideen zur Kunst- 684, 687 Pinax l~; auf einer Bronzemünze von
mythol. 1 p. 362; Creuzer, Symb. 2e p. 338 — Tyndaris im Obv. eine Prora, im Rs. die
339; Schoemann, Gr. Altert. 23 p. 633; Haakh, Uioskurenmützen mit Sternen, Imhoof-Blumer,
Paulys B.-E. 2 p. 1324; Bitschi, Bonner Jahrbb. Berl. Bl. f. Münz-, Siegel- u. Wappenkunde 5,
1864,' H. 37 p. 73—74 Anm. 4; Midier, Hdb. d. 1870 p. 60, 3; F. v. Duhn, Ztschr. f. N. 3,
A. d. K. p. 706 § 414, 5 mit Anführung von 1876 p. 32 nr. 20; auf Münzen des Severus
Com. Cam. Silvestrii Bhodigini in anaglyphum io Alexander von Sidon auf einer Erhöhung des
Gr. interpretatio posthuma. Roma 1720; Moni- Kastells der Argo (Beischrift APrO|NAYT)
faueon, L'ant. expl. Suppl. 1 PI. 73; Tomasi- die Dioskuren mit Sternen sitzend, Beichardt,
nus, De donariis veterum, Graevius, Thes. ant. Num. Zeitschr. 1, 1869 p. 385 — 386 Tfl. 11,
Rom. 12 p. 844; J. C. Schläger, Commcntatio 2; auf Münzen von Berytos delphinumwundener
de diis hominibusque serratoribus. Helmestadii Dreizack zwischen den Dioskurenhüten mit
1737. 4° p. 39—40; Mailrice Albert, Le eulte Sternen, Pellerin, Bec. 2 PL 81, 3; auf Münzen
de Castor et Pollux en Italie. Paris 1883 p. 54 — von Olbia ein Delphin zwischen den Dios-
66; Friedländer, Sittengesch. 3 p. 434; Trede 2 knrenhüten mit Sternen, unten eine Ähre,
p. 312 — 313; Spavhemius zu Callim. h. in Fall. de Kähne, Descr. du Musee du feu le prince
vs. 24, ed. Ernesti 2 p. 631; Bergk, Poetae Lyr. 50 Basilc Kotchoubey 1 p. 59 nr. 93]; endlich, um
Gr. 3:l p. 1317 = Stob. Ecl. Phys. 1, 2, 31 (vuvoC wieder auf die Verbindung der Isis mit den
x' in' b>y.v7i6qoigi Jioohovqcov STiicpctvTiov); 3 Dioskuren zu kommen, auf einer Bleitessera
p. 1342 nr. 91 = Plut. an seni sit ger. resp. 12 in Athen der Kopfschmuck der Göttin (Sonneu-
(utf TvvSaqiSäv adiXqxöv aliov vuviuv nu9og Scheibe zwischen Hörnern mit zwei Federn)
ßüXXti); 3 p. 1351 nr. 183; Simeriusor. 1 §10p.40 zwischen den beiden Mützen mit Sternen,
in I'hüostrati et Callistrati op. ed. Dübner 1849 Engel, Bull, de Corr. hell. 8 PI. 3 nr. 64 p. 10;
(xvßiQväoi tag iv%ug zäv ra -izsläyr) öiaßaivöv- sowie auf einer des Herrn Scholz Isis im Obv.,
rcov /tioo-AovQOi); C. I. Gr. 1824 — 27; 1874; ein Dioskur mit seinem Rofs im Rs. , Kroseh,
1949; 6860 b, vs. 5 (7rX&>r[iy]gcoi< owrijQaiv, Bonner Jahrbb. H. 2. 1843 p. 80 nr. 17. Ferner
'AfivKluloiGi [&]jo[t']Gt»>; auch 489, 1261, 1421, co erscheint Isis mit Sarapis und Hermes auf
4042, 4458 ßcozfjQfg); LT. Boehl , Bursians einem Schiff auf einem roten Jaspis, Descr.
Jahresber. 32. Bd. 10, 2. 1882 p. 64 = Petrides, Musei Franciani 1 p. 249 nr. 787; auf dem
Pamassos 1881 p. 905 (JlÖbxovqoi £vni.£ictv); Vorderteil des Schiffs, in der R. das Sistrum,
ferner Tristan, Comment. hist. 2 p. 447; Zoega, in der L. vielleicht die Situla, zugewendet
Numi, Aeg. Imp. Note zu Traianus nr. 55 dem Sarapis mit Schlange zu Füfsen und Stern
p. 66 — 67; Eckhel, Clioix de p. gr. dti cab. vor sich auf dem Hinterteil auf einem Lapis-
imp. des ant. p. 58 — 59 zu PI. 28; Schlichte- Lazuli des Museo Borgiano 3. Cl. 2. div. nr. 31,
groll, Choix des principales p. gr. de la coli. Doc. ined. 3 p. 435; am Steuer eines Schiffes,
485
Isis (Göttin d. Meeres)
Isis (Göttin d. Meeres)
486
Isis Polagia. Kenner, Slift
St. Florian 7, 20.
auf welchem Sarapis zwischen der Göttin des
Überflusses und Demeter sitzt, auf eiuern
Lapis-Lazuli bei Raspe p. 122 nr. 1499. Die
Büste der Isis soll zu sehen sein auf Vorder-
und Hinterteil eines Nilbootes, auf dem Sara-
pis zwischen einem Sperber und Harpokrates
sitzt, auf einem Lapis-Lazuli der Sammlung
Stosch, Winckelmann, Descr. p. 43, 2. Kl. 3. Abt.
nr. 64 = Werke 9 p. 330, Raspe p. 122
nr. 1501, Tolken p. 21, 1. Kl. 2. Abt. nr. 74. 10
Von Kontorniaten ist zu nennen der in Cat.
of the second portion of the North wick Coli.
London 1800 p. 4 nr. 34 verzeichnete: „Serapis.
Rs. Isis with floating sail to left", vielleicht
dieselbe Darstellung wie die des bei Kenner,
Die Münzsammlung des Stifts St. Florian Tfl.
7, 20 p. 201 beschriebenen: DEO SARAPIDI.
Büste des Sarapis
von 1. Rs. Isis Pha-
ria auf dem Schifte 20
von links — ; et-
was vorschreitend
hält sie die beiden
oberen Enden des
geblähten Segels
in den erhobenen
Händen u. s. w. Da
Götterbilder auf
Kontorniaten nicht
allzuhäufig sind, 30
Fr. Lenormant, La
monnaie claus l'an-
liquite 1 p. 50, ist, zumal da nach der Ab-
bildung der Revers vollständig verwischt ist,
vielleicht wiederum dieser Typus zu erkennen
auf dem von Cohen 6 p. 548 nr. 1 aus Gab.
Charvet so beschriebenen: „DEO SAHAPIDI.
Büste de Serapis ä g., barbu, le modius sur
la t. et vetu du paludament. Rs. Tres-fruste.
On distingue un aigle et un arbre." Hin- 40
sichtlich der Bleitesseren verzeichnet Krosch
a. a. 0. p. 81 nr. 46, 47 u. 48 Isis Pharia im
Obv. , Haupt des Nils oder gelagerter Nil im
Rs. ; Ficoroni, De plumbeis ant. num. p. 102
cap. 29 nr. 13 und E. de Rüg gier 0 , Cat. del
Museo Kircheriano 1 p. 181 nr. 945 Isis mit
Sistrum auf der einen und ein Schiff mit
schwellenden Segeln auf der anderen Seite;
Cornaglia, Mus. num. Lavg 1 p. 407 nr. 4583
Isis sitzend, den Harpokrates säugend im Obv., 50
Poseidon mit einem Fufs auf ein Schiffsvorder-
teil tretend im Rs.; dagegen die Beschreibung
de Murrs, Descr. du cab. de Monsieur Paul
de Praun p. 301 nr. 432: „Neptune couche ä
terre tient un poisson. Au revers de la pierre
on voit Harpor-rate avec les mots gnostiques ä
rebours: lAra AAAOANA1AA" (offenbar ußictva-
&av<xi.ß<x) flöfst mir hinsichtlich des Poseidon
wenig Vertrauen ein.
Auch zahlreiche Münzen zeigen uns Isis co
Pelagia. Cohen 2'2, 231, 1496 beschreibt den
Typus einer Münze Hadrians so: „Isis? debout
ä g., cn aeant d'un vaisscau qui est sur le
second pilan; ä g., un temple?, ä dr. une chouelte
sur un rocher. Petit Medaillon ou M. R."
Sicher erscheint sie auf der schon oben er-
wähnten Münze der Faustina jun. bei Fröhner
a. a. O. p. 13, Cohen 3'! nr. 299, Mionnet 1
p. 236, Akerman 1 p. 291 nr. 14, deren Typus
Cohen beschreibt als: „Isis Pharia marchant
ä dr. avec son volle flottant au-clessits de sa
tete, et tenant un sistre; derriere un phare;
devant un vaisseau avec un mdt sur lequel est
une volle deployee." Fröhners im wesentlichen
mit dieser Beschreibung übereinstimmende Ab-
bildung zeigt nichts von einem Sistrum. Isis
ist bekleidet mit einem nur die Arme frei-
lassenden Gewände. Mit der etwas gesenkten
L. hält sie das von dem Gipfel des Mastes
rückwärts flatternde Segel an seinem unteren
Zipfel, mit der vorgestreckten R. das vordere
Ende eines schleierartigen Gewandstücks, das
im anmutigen Bogen über dem Haupte der
Göttin wallt, und, über die rechte Schulter
geschlagen, mit dem hinteren Ende rückwärts
in der Luft flattert. Auf den alexandrinischen
Kaisermünzen geht dieses Gewandstück nicht
über das Haupt der Göttin, sondern bildet
einen Bausch auf dem Rücken, auch hält sie
hier keines der beiden Enden desselben, da
sie beide Hände zum Festhalten des Segels
braucht. Visconti, Musc'e Pie-C/e'mentin 7 p. 86,
Note 2 zu PI. 15 bemerkt: „Cette draperie
volonte des divinites de l'air et de Celles de la
mer convient a Isis dispensalrice Selon l'opinion
de cette theologie physique." Auch 0. Jahn,
Die Entführung der Europa auf antiken
Kunstwerken , Denkschr. der Wiener Akademie,
Ph.-H. Kl. 19 p. 15 — IG schreibt sie be-
sonders den Luft- und Seegottheiten zu, letz-
teren auch Kopp, Palaeogr. crit. 4 p. 328 ff.
§ 845 und Ritschi, Bonner Jahrbb. H. 37, 1864
p. 90 Anm. 65; vgl. auch F. Lajarcl, Rech. s.
le culle, les symboles, les altributs et les monu-
ments figures de Venus en Orient et eu Occident.
Paris 1837. 4" p. 236 u. Note 4, sowie Memoire
sur un bas-relief mithriaque qui a e'te clecouvcrt
ä Vienne (Isere), Mein, de VInst. Roy. de France,
Ac. des Inscr. et B.-L. 15, 2, 1845 p. 290—292,
Note 2 („je dois faire remarquer ici que la
volle enflee par les vents et placee sur la tete
d' Astarte, d Artemis, de Diane et d'Isis, pouvait
rappeler que ces divinites, comme Hera ou Iunon,
etaient cosmologiquement parlant, assimilees ä
l'air"); Cavedoni, Bull. arch. napol. N. S. 2,
1853 p.90, der an PI in. 36, 4, 17 „velificantes veste
sua" erinnert; weniger ansprechend will Tölken,
Über die Darstellung der Vorsehung u. der
Ewigkeit auf römischen Kaisermünzen. Berlin
1844 p. 15 sie als „gleichsam in Anspielung auf
das Himmelsgewölbe" den der Natur gebieten-
den Gottheiten beilegen und Welcher, Zeitschr.
f. Gesch. u. Auslegung der alten Kunst 1 p. 467
Anm. 141 sie von Selene auf Isis übertragen
sein lassen. Auf Vota- Publica- Münzen mitt-
lerer Gröfse Diocletians soll Isis vorkommen
stehend am Steuer eines Zweimasters, an dessen
Vorderteil eine andere Figur das Segel ein-
zieht, Banduri 2 p. 25 (De C[amps']), wonach
Cohen 62 p. 474 nr. 528, Eckhel 8 p. 15, Rasehe
6, 1 p. 776; nach Vaillant, Num. Imp. Rom.
Praest. 1 p. 254 steht sie dagegen am Vorder-
teil; nach de Fontenu, Mein, de V Ac. des Inscr.
et B.-L. 5 p. 92, vgl. Griselini, Raccolta d'opuscoli
scientifici e fdologici. 39 p. 343 richtet sie auf
einem Stücke des Herrn de Surbeck das eine
16*
487 Isis (Göttin d. Meeres) Isis (Göttin d. Meeres) 488
der Segel, während Sarapis am Steuer sitzt; FARIA Büste mit Sistrum in der R., Banduri
über eine ähnliche Darstellung auf einer Münze 2 p. 442; Akerman 2 p. 301 nr. 2; Tanini p.
Maximians s. oben Sp. 406. Am Steuer eines mit 321 = Hasche p. 786; Ramus 2, 2 p. 296 nr. 63;
noch einigen Figuren besetzten Einmasters, und Wiczay 2 p. 380 nr. 4282. — Tanini p. 322 =
zwar nach Ramus stehend, nach den anderen Hasche a. a. 0.; Mi. 2 p. 299; Akerman nr. 3;
sitzend, erscheint sie auf Vota-Publica-Münzen Iovianus, Tanini p. 324 = Rasche p. 787 u.
(Kleinbronzen) des Constantinus M., Ramus 2, Eckhel , T). N. V. S p. 148; Cohen 6, 26; Mi.
2 p. 249 nr. 331, wonach Cohen 6, 55; Haller, 2 p. 307; Akerman 2 p. 309 nr. 4. Ein Segel
Cat. Mus. Bernensis p. 373 nr. 58; Banduri 2 ausbreitend, bald mit Angabe des Sistrums,
p. 292 — 293, wonach Rasche 6,1p. 778 und 10 was durch ein Sternchen ausgedrückt werden
Cohen 6, 552; Tanini p. 275, wonach Rasche soll, bald ohne Angabe desselben wird sie
a. a. 0.; Wiczay 2 p. 367 nr. 4009; und des verzeichnet auf alexandrinischen Kaisermünzen
Crispus, Tanini p. 284, wonach Rasche a. a. 0. unter Domitian LA, Mi. 87, 372; LI, Eckhel.
und Cohen 6, 146. Auf einem Schiffe stehend Cat. Mus. Caes. Vind. 1 p. 267 nr. 5 = Mi.
und ein schwellendes Segel haltend sieht man 96, 447; LIA, Thes. Morellianus 3, Dom. Tb. 24
sie auf zahlreichen Vota-Publica-Münzen (Klein- nr. 7 = Zoega p. 56 nr. 92 und Mi. 97, 460;
bronzen) des Constantinus M. , Eckhel, Cat. Trajan LIA, *Mi. 6, 119, 646 = Sestini, C. N.
Mus. Caes. Vindob. 2 p. 479 nr. 274, D. N. V. V. Mus. Arig. Cast. p. 106; Hadrian LA,
8 p. 91, Arneth, Synopsis Num. Rom. qui in Zoega p. 103 nr. 30 a = Mi. 149, S70; LZ,
Mus. Caes. Vind. adservantur p. 196 nr. 106; 20 *Zoega 106, 64 Tb. 6,9 = Mi. 155, 917; LH,
Banduri 2 p. 293, Cohen 7, 41; Tanini p. 227; *Mi. S. 9, 56, 179; LAEKATOT, Mi. 6, 162,
Ramus 2,2 p. 249 nr. 332; Cohen 6, 550; 978; LIA, Zoega 129, 233; Cat. Rapp p. 50
Mionnet 2 p. 236; J. T. Akerman 2 p. 243, 37; nr. 613; *Mi. 6, 172, 1083; 1084; '* Feuardent
Cat. d'Ennery p. 638 nr. 4690; Crispus, Tanini 84, 1334; LIE, *Feuardent 86, 1360; LIZ, Zoega
p. 284; Cat. d'Enntry p. 639 nr. 4705 = Rasche 136, 340 = Eckhel, Cat. Mus. C. Vind. 1 p. 270
6, 1 p. 778, Cohen 6, 147, Mionnet 2 p. 241; nr. 28; A. de Longperier, Cab. de Magnoncour
Constantinus II. nur durch Rasche 6, 1 p. 779 be- p. 98 nr. 763; Gefsner, Num. ant. Impp. Tb. 90,
legt, also sehr zweifelhaft; Magnentius, Tanini 23; *Mi. 178, 1143; *Feuardent 87, 1376; *Coll.
p. 312 = Rasche a. a. 0. p. 779, Cohen 6, 63; Santangelo 135 nr. 11880; LIH, Wiczay 1, 312,
Constantius Gallus, Ramus 2, 2 p. 292 nr. 26 30 66S3 = Sestini, Mus. Hed. 3 Cont, 29, 74;
= Cohen 6, 49; Julian Apostata (DN IVLIANVS Feuardent 90, 1408; Cohen, Cat. Greau 258,
P F AVG. Rs. VOTA PVBLICA), Tanini p. 321 3071; Mus. Theupoli p. 1129; Fatin, Thcs.
= Rasche 782 und Cohen 114; (DN FL CL num. a Mauroceno reipubl. legutus p. IIS;
IVLIANVS AVG. Rs. VOTA PVBLICA) Ban- ■"Feuardent 90, 1407; * Cohen, Cat. Greau 3070;
duri 2 p. 440 = Rasche a, a. 0. — (VOTA *Coll. Santangelo 135, 11888; *Mi. 183, 1182;
PVBLICA. Rs. ebenso) Cohen 7, 10. — (DEO 1183; "Sestini, C.N. V. M. Arig. C. p. 108; *Cat.
SARAPIDI. Rs. VOTA PVBLICA) Tanini p. Thomsen 1, 1,194,2140; 2141; Sabina LIS,
321 = Rasche a. a. 0.; Cohen 6, 112; 'Mi. 2 Sestini, Mus. Hed. 3 Cont, 32, 2; LS bei Zoega
p. 297; Akerman 2 p. 300, 10; Eckhel, Cat. Mus. 152, 2 = Mi. 203, 1350; *Mi. S. 9, 66, 240,
C. Vindob. 2 p. 505 nr. 70 = D. N. V. 8 p. 136 40 was nach von Salht, Die Daten der alexan-
u. Tanini p. 320 = Rasche a, a, 0., Mi. a. a. 0., clrinischen Kaisermünzen p. 32 in LIs zu be-
Akerman nr. 11. — DEO SARAPIDI oder richtigen ist; Antoninus Pius LB, "Eckhel,
SERAPIDI, Büste mit Strahlen. Rs. VOTA Cat. 31. C. Vind. 1, 270, 1 = Zoega 165, 18;
PVBLICA, Cohen 6, 113. — Banduri 2 p. 440 Wiczay 1, 313, 6677 = Sestini, Mus. Hed. 3
= Rasche a. a. 0.; Musellius 3 Tb. 253 nr. 3, Cont. 32, 3; Mi. 6, 221, 1410; Feuardent 103,
1 p. 316. — Cut. Welzl de Wellenheim, Med. 1554; L6, Mi. 223, 1506; "Zoega 172, 90;
rom. p. 256 nr. 15397; Cat. d'Ennery p. 643 *Eckhel, Cat. 1, 271, 10; vgl. *Mi. S. 9, 70, 261;
nr. 4749; Julian und Helena, DEO SARA- "Schläger, Conim. de n. Hadr. pl. p. 137, 2 =
P1DI oder SERAPIDI, Cohen 6, 7; Mi. 2 p. 302; Baudelot. Rist, de Ptolemee Auleies p. XXXVIII;
Akerman 2 p. 304, 2; Arneth p. 203 nr. 31; 50 L eNATOT, "Mi, 6, 245, 1667; L A6KATOY,
Banduri 2 p. 235 Tb. 14, 14; p. 435 f.; Ducange Zoega 193,255; Itamus 1, 371, 24; Patin,
Tb. 14 p. 39 = Rasche a. a. 0.; Patin p. 481 Thes. Mauroc. p. 122; *Mus. Theupoli p. 1142;
nr. 6; Mus. Num. Lavy 2 p. 406 nr. 5169; *Mi. 249, 1693; *Feuardent 116, 1710; L6NA6-
Cat. Campana. London 1846 p. 7 nr. 23. S; KATOY, *Mi. 254, 1727; ^Feuardent 118, 1730;
Helena, VOTA PVBLICA. Rs.VOTA PVBLICA, *Cat. Thomsen 1, 1, 195, 2154; L AC0A6KATOY,
Tanini p. 321 Tb. 6 nr. 12 = Rasche 6,1 p. Zoega 196, 285 = Mi. 257, 1572; Feuardent
785, Mi. 2 p. 301; Akerman 2 p. 303 nr. 28. — 120, 1752; LIZ, Zoega 201, 351 = Mi. 267,
DE 1SIDI, Tanini a. a. 0. = Rasche p. 786 u. 1825; Cat. De Moustier 97, 1511; Feuardent
Coh. 6, 18. — DEA ISIS FARIA, Tanini p. 322 125, 1825. 1826; LKA, Feuardent 131, 1904.
Tb. 6 nr. 13 = Rasche a. a. 0., Coh. 6, 19, 60 1905; verwischt, Coli.. Cat. Greau 268, 3196;
Mi. 2 p. 298, Akerman 2 p. 301, 1. — ISIS Marc Aurel L TPICKAIA, Zoega 223, 122;
FARIA Büste von vorn, Museo Num. Lavy 2 LIZ, Feuardent 139, 1986; Faustina jun. LZ,
p. 406 nr. 5170; Cohen 6, 17; Mi. 2 p. 298; Cat. De Moustier 113, 1780; LI, Mi. 311, 2151;
Akerman 2 p. 302 nr. 4; Cat. Campana p. 7 f. LIZ, Feuardent 151, 2122; *Mus. Theupoli
nr. 2. — ISIS FARIA Büste mit Diadem r. h. p. 1157 = Zoega 228, 46 und Mi. 315, 2180;
Cohen 6, 14. 15; Banduri 2 p. 235 Tb. 14, L. Verus LA, *Mi. 323, 2246; Commodus LKZ,
24; p. 442 = Rasche p. 786; Cat. D.-G. de Zoega 239, 36 = Sestini, C. N. V. M. Arig. C.
A***. Paris 1867 p. 87 nr. 826 bis. — ISIS p. 112.
489 Isis (Göttin d. Meeres) Isis (Göttin d. Meeres) 490
Um den Pharos vermehrt erscheint der die alexandrinischen Münzen im Sinne hat,
Typus unter Trajan LIE, Zoega 78, 130 = für Venus, von Donaldson p. 346 für Ptole-
EcKhel, C. M. V. 1, 268, 4; Mi. 6, 121, 665; maios Soter, von Cohen, Cat. Griau 257, 3063 bis
LIS, Hobler, Becords of roman Mst. and coinage und Cornaglia , Museo num. Lavy 1,349 nr.
1, 295, 592; LIH, Zoega 89, 184; Hadrian L£, 3735 für Poseidon gehalten, ist nach Feuardents
Mus. Theupoli p. 1122 = Zoega 105, 59 und Abbildungen und Sestini. M. Hed. 3 Cont. p. 29
Mi. 153, 896; LZ, *Mi. S. 9, 56, 178; LI, nr. 75 Zeus, worauf vielleicht das Epigramm
*Mamus 1, 366, 3, doch vielleicht hinter I noch des Poseidippos (Mon. grecs p. p. l'ass. p.
ein Zeichen; LIZ, "Zoega 135, 339 mit Anm., Vencourag. d. et. gr. en Fr. nr. 8, 1879 p. 33,
Tb. 7, 16 = Creuzer, Symb. I2 p. 320, Ab- 10 Mnemosyne 8, 1880, Bh. Mus. N. F. 35-, 1880
bildungen 1, 4 p. 5 rir. 13 und Guigniaut, Les p. 90, 'A&rivaiov 8 p. 350) anspielt:
rel. de l'cmt. 1 p. 847 nebst Note 1, Expl. des — nuvvv%io$ 81 &ia>v avv v.vfiaxi vavrrjg
pl. p. 49 nr. 160 a PI. 52; Gefsner Tb. 90, 24; otpstai i-/. xogvcprig ttvq /xiya v.aioafvov.
"Mi. 6, 178, 1144; "Cohen, Cat. Greau 257, v.al v.ev In avro Sgüuoi Tavgov -liigccg, ovä
3063 bis; "Feuardent 87, 1377. 1378; Pedrusi av aaaQroi
6 Tav. 38, 6 p. 364 — 366 = Gefsner 90, 26; oorzrigo;, TJgaivBv, Zrjvbg b tf/Se itliav;
*Haym, TItes. Brit. 1 Tb. 24, 7 p. 249 — 252 = vgl. die oben angeführte Inschrift von Delos
Gefsner 87, *6; Cat.d'Ennery 462, 2707; Tristan (B. C. H. 6, 328, 22) für die Verbindung des
1, 507, 24, von Zoega 133, 311 falsch LIE ge- Zeus mit den ägyptischen Gottheiten als
lesen; Bamus 1, 369, 37; Mus. N. Lavy 1, 20 Schirmer der Seefahrer; doch wage ich bei
3735, 3736; Wiczay 1, 312, 6646 = Sestini, M. der Kleinheit der Figur, ohne selbst die Münzen
Hed. 3 Cont. 29, 75 ; Coli Santangelo 135, 11889; gesehen zu haben, nicht sicher zu behaupten,
Cat. De Mousticr 83, 1270; Cat. Tliomsen 1, 1, dafs Sestini recht hat. Über die alexandri-
194, 2142; Mi. 6, 183, 1184. 1185; Feuardent nischen Kaisermünzen, welche Isis bald ohne
90, 1409, PI. 20; 1410; Sestini, C. K. V. M. das Kennzeichen der Seegöttin, bald ein Segel
Arig. C. p. 108; Cat. Bapp 50, 614, Cat. Hei- entfaltend (wie unter Trajan, Kenner, Die
deken 125, 2765 u. a. m. ; LKA, *Mi. 6, 197, 1310 ; Münzsammlung des Stifts St. Florian, Tfl. 7, 2
"Feuardent 97, 1500; Antoninus Pius p. 188; und Hadrian, Zoega 133, 309 Tb. 7, 2,
LTPITOY, Zoega 167, 45; Mus. Münterianum Musellius 2 Tb. 87, 3) zusammen mit Sarapis
1, 189, 2917; LC, St. Quintino 21, 98 = Mi. S. 30 und einer anderen Gottheit auf einem Schiff
9,70,262; LH, Feuardent 113,1673; "Mi. 6, darstellen, s. Drexler, Myth. Beitr. 1 p. 141; über
241,1632; L A6KATOY, Bamus 1,371,25; Isis Pelagia auf Homono'ia-Münzen von Ephesos
"Mus. Theupoli p. 1141 = Zoega 193, 254 und und Alexandria, Kum. ZeiUchr. Bd. 21 p.87— 88
Mi. 6, 249, 1694; "Feuardent 116, 1711; Tfl. 2, 6; auf einer von Samos und Alexandra
L AC0AGKATOY, Havereamp,Numoph.B.Clirif:t. oben Sp. 381; auf Münzen von Anchialos,
Tb. 17, 11; Zoega 196, 286; Museo N. Lavy 1, Byzanz, Perinth, hier ein Segel ausspannend
359, 3883; Mus. Munter 1, 189, 2925; Sestini, am Vorderteil eines Schiffes mit dem von
C. N. V. Mus. Arig. C. p. 110; Feuardent 119, Sarapis bekränzten Kaiser Severus Alexander,
1749; 120, 1750. 1751; Wiczay 1, 315, 6713 = Philippopolis, Drexler, M. Beitr. 1 p. 101, 105,
"Sestini, M. Hed, 3 C. 37, 57; *Mi. 6, 257, 1750. io 109, 116; auf Münzen von Korinth und Kleonai,
1751; vgl. "Müller, Descr. d. in, a. du mus. oben Sp. 3S9 f.; von Amastris, Nicomedia, Kyme,
Thorvaldsen 297,302; Cat. Heideken 127,2815; Phokaia Iasos, Philadelphia Lydiae, Aspendos,
Cat. Greau 265,'3162; 266, 3166; LIH, Tristan Num. Zeitschr. Bd. 21 p.21— 22 Tfl. 2, 14; p. 41;
1, 606, 26 = Gefsner 100, 39, Zoega 203, 368 p. 66 Tfl. 2, 15; p. 67; p. 105— 106; p. 132; p. 148;
und Mi. 6, 269, 1843; Musellius 1, 156, 2 Tb. p. 191; von Byblos und auf einem Stück des
105, 2; Patin, Thes. Mauroc. p. 122; Cat. Bapp Antiochos IV. oben Sp. 373 f. 376. Unter den
53, 701; Marc Aurel L AG3A6KATOY, "Zoega unbestimmten verzeichnet Cornaglia, Mus. num.
215, 15 = Mi. 6, 290, 1988; "Sestini, M. Hed. Lavy 1 p. 418 nr. 4690 eine Münze mit dem
3 C. 40, 2 {„clubius") = JViczay 1, 316, 6760; Strahlenhaupt des Helios im Obv. und der ein
Faustina jun. L A6KATOY, Sestini, C. N. Y. 50 Segel haltenden Isis im Rs. Das Sistrnm an
M. Arig. C. p. 111, wohl eher L ACOAGKATOY, dem Terracotta-Basrelief des Museo Campana
wie Patin, Thes. Mauroc. p. 125; Mus. N. Leivy {Ant. Opere in plastica, tav. 7, Cedaloglii del
1, 365, 3953; Feuardent 149, 2102; Cat. Greau Museo Campana Cl. 4, Ser. 4 nr. 7 p. 7: „Ma-
269, 3210; *Mus. Theupoli p. 1155 = Zoega schere di Kettuno alternate da delfini accoppiati
227, 23; *Sestini, M. Hed. a.a.O. 42, 1 = con remi, aneore e sistri", Lafuye p. 296 nr. 109,
Wiczay 1, 317, 6780, "Cat.d'Ennery 472, 2832; E. Gerhard, A. Z. 1846 p. 71) deutet nach
"Mi. 6,312,2154. Die Göttergeatalt zwischen letzterem nur „auf ägyptisietenden Verzierungs-
zwei Tritonen auf dem obersten Absätze des geschmack hadrianischer Zeit"; ähnlich finden
oft auch allein (z. B. Donaldson, Architectura sich zusammengestellt an Terracottareliefs „ein
nuvi.nr. 92; ZocgaT&b. 10, 14; Feuardent P\. 21, 60 Dreizack von einem Delphin umwunden, da-
1530) dargestellten Pharos, desWunderbaues des neben Reste von rundem Geräte, wie von
Knidiers Sostratos, Lumbroso, L'Egitto dl tempo Schildern, und ein Sistrum", Beschr. d. St.
dei Greci e Bomani p. 168—175, von Panoßa, Born, 2, 2. Buch: Das Vaticanische Museum.
Gemmen mit Inschriften p. 63—64 zu Tfl. 2, 21 A. Appartamcnto Borgia, 4. Z. Sehr. 11 nr. 25,
für Artemis Charmantes, von F. Lajard, Man. p. 24; „zwei Delphine, um den Stab eines Drei-
de l'Inst. des I. et B.-L. 15, 2 p. 291 für Isis, zacks schwungvoll gekreuzt, daneben Spuren
von Maurice Albert (Le eulte de Castor et anderer Figuren, links ein Sistrum", v. Sacken
Pollux en Itcdie p. 61 Note 4), der doch wohl u. Kenner p. 251 nr. 15.
491 Isis (Sckutzgöttin weibl. Funktionen) Isis (Göttin d. Frauen) 492
„Keine ihrer Eigenschaften aber hat ihr heilen -wird ihr Name benutzt; in den ägyp-
eine solche Bedeutung verschafft wie die der tiscbenBeschwörungendesgrofsenPariserPapy-
Schutzgöttin weiblicher Funktionen" rus will der Magier eine Frau dadurch zur Liebe
sagt Re'ville, Die Religion zu Rom unter den zwingen, dafs er den Zauber spricht, welchen
Severem p. 53; „Isis gilt als das Muster einer Isis, von Thoth belehrt, gegen den ihr un-
Gattin und Mutter", Wicdemann, Die Reh d. treu gewordenen Osiris angewendet, hat, Erman,
a. Äg. p. 116. Noch auf Denkmälern der rö- Zeilschi: f. äg. Spr. u. A. 1883 p. 100-104, L
mischen Periode ist ihre Liebe zum Gemahl (33 — 54 u. lila. 1 — 7), vgl. 0(22— 27), P (28— 30),
verherrlicht, so stellt ein Gefäfshenkel bei p. 104 — 105. Natürlich war sie deshalb so recht
Caylus, Rec. d'ant. 6 PL 75 nr. 3. 4 p. 249 — 250 10 eine Lieblingsgöttin der Frauen {Böttigtr,
und eine Terracotta des Museo Borgiano § 52 Kl Sehr. 3 p. 243 — 301 |,Sabina an der Küste
nr. 156, Doe. ined. 1 p. 380 die Büsten beider von Neapel"; Boissier 1 p. 360ff.; Friedländer,
mit zum Kufs aufeinander geprefsten Lippen Sittengesch. 1* p. 486 ff. ; Marquardt, R. St.-V.
dar. Sie betont: iyio slfiL yvvr\ xtü ädfiqpi) 3 p. 78 Anm. 2 (= Anm. 9 der 2. Ausg.); Mar-
Öfffi'e(f)os ßaailiog, Hymn. v. los Z. 8 — 9, cjuardt, Privatleben d. Römer 1 p. 63 Änm. 4),
A. Z. 1878 p. 131; sie erklärt: clvSqI yvraVxa die schon ohnehin in stärkerem Mafse als die
avväyuyov , H v. Andros v. 37; iya yvvaCxa Männer den fremden Kulten zuneigten, vgl.
«bi ctväQa avvrjyaya, H. v. los Z. 17, fyä Merivale 3 p. 585 ff, Mulle)', De hierarehia
GTEQyae&a[i] yvv[<xt7i]ag vn uv6[$]ä)v Tjiävy.aaa, et studio vitae eisceticae in sacris et mysteriis
ibid. Z. 25. 26, iya> evvygaepcig yafiiHa\g . . . ., 20 Graecorum Romunorumve latentibus. Havniae
ibid. Z. 11, cyti slui r\ [nu^ga yvvaitX &ibg 1803 p. 34, Doellinger, Heidentum u. Judentum
KaXovixt[v]rj, ibid. Z. 11. „Die Herrin der p. 630 f. — Juienal (,6, 522 ff., vgl. Trede 4
Liebe" (Brugsch, Reh p. 647) „die süfse in der p. 295ff.) schildert, wie sie auf Geheifs der Göttin
Liebe" (Brugsch. Dich ge'ogr. p. 1133) nennen mitten im Winter dreimal in den eisigen Fluten
sie ägyptische Teste; y.al rjjv 'Iaiv Evdo^öe des Tiber untertauchen, auf blutigen Knieen
cprjoi ßgctßsviiv ra igcoriy-ä heilst es bei Plut. das Marsfeld entlang ratschen, ja wohl gar
de Is. et Os. c. 52, p. 94 ed. Parthey. Sie er- eine Wallfahrt bis Meroe (zum Zwecke der
barmt sich der Liebenden; die als Mädchen Pönitenz, wie Trede p. 296 richtig erkennt!
mit Ianthe verlobte Iphis verwandelt sie in unternehmen und Nilwasser zur Besprengung
einen Jüngling, Ovid, Met. 9, 665ffi; Anthia, 30 des Tempels mitbringen; auch wie sie den
welche sie angefleht hat, sie unberührt dem durch Nichtbeachtung des Keuschheitsgesetzes
Habrokomas zu erhalten, führt sie unversehrt an den heiligen Tagen erregten Zorn der Gott-
dem Geliebten zu (Xcnoph. Eph., Erotici Script. heit zu besänftigen suchen durch die Spende
Gr. rec. Hcrcher 1 p. 384, vgl. 372 und 376) eines Kuchens oder einer Gans, des beliebten
wofür ihr beide im Isistempel zu Rhodos Opfertiers der Götter des Nillands (s. Cupcrus,
danken, p. 397; bei Achilles Tatius wird sie Harpocrates p. 54, Frid. Sam. de Schmidt,
in ihrem Tempel als Zeugin der Schwüre ewiger Diss de sactrd. et saerifieiis Aeg. p. 306 — 311,
Treue angerufen, c. 14 §2, 1 p. 140. Wenn Wölff zu Porphyrius de philos. ex orac. huu-
aber Georgii 4 p. 2S7 aus Ovid Amor. 1,8,74 rierula p. 191, Chicolson, Die Ssabier 2 p. 85,
schliefsen will, dafs sie als Beraterin in Liebes- io Wilhinson 5 p. 379 u. 533, Keller, Tiere des
intriguen gedient habe, so versteht er den Sinn Ich A. p. 286, p. 454 Anm. 6, Stephani, C. r.
falsch; der Dichter läfst hier eine alte Hexe p. l'a. 1S63 p. 22, Anm. 6. 7, p. 93, Wiede-
der Geliebten raten, sie solle Fasten und An- mann, Herodots 2. B. p. 311, Brugsch, Dich
dachten im Dienste der Isis zum Vorwand geogr. p. 659; vgl. auch Heibig, Wandgemälde
nehmen, sich ihm zu versagen; dafs freilich p. 220 f. nr. 1106. 1107), auf welcher Isis selbst
ihre Tempel in Korn Gelegenheit zu Liebes- mit Harpokrates zusammen (Coli. Drovetti, Obj.
abenteuern boten, kann nach den Stellen der en t. c. nr. 24, Doc. ined. 3 p. 262) oder letz-
Autoren nicht geleugnet werden. Ovid, A. a. terer allein (Kum. Zeitschr. 21 p. 221 — 222, A
1, 77 — 78 rät dem Neuling, die Tempel der guide to the first and second eg. rooms of the
Göttin, die viele dazu macht, was sie selbst 50 Brit. Mus. p. 107; p. 108 nr. 2432 bb, Zeitschr.
dem Iupiter gewesen, aufzusuchen, am. 2, 2, 25 f. äg. Spr. 1889 p. 55) reitend dargestellt wird,
warnt er schalkhaft, nicht zu erforschen, was Nicht selten liefsen sich die Verehrerinnen
sich bei der linnentragenden Isis begeben der Göttin in deren Tracht darstellen (Böttiger,
könne; der sittenstrenge Juvenal 6, 488 nennt Kl. Sehr. 3 p. 255 Anm.**, A". O. Müller,
die Göttin wenig respektvoll geradezu eine Handb. d. A. d. K.3 p. 670, § 408, Mar-
Kupplerin; doch fällt, was hier in poetischer quardt, R. St.-V. 32 p. SO Anm. 4"), dem
Ausdrucksweise der Göttin vorgeworfen wird, linnenen Untergewand und dem meist ge-
nicht ihr selbst, sondern, wie in dem von franzten und fast immer auf der Brust ge-
Ioscphus, Antiqg. IS, 3, 4 erzählten Falle, un- knoteten Mantel (Wincktlmann, Sth Werke 4
würdigen Priestern derselben zur Last; auch co p. 356— 357, 7, p. 67 — 68, Lafaye p. 253 — 254\
waren die Tempel überhaupt, nicht nur die von dem Zoega, N. Aeg. p. 167, 4S, Anm. die
der Isis, als Orte der Verführung bekannt, Erklärung giebt: „conicio equidem innui habi-
Fricdländer , Sittengesch. I4 p. 488—489; vgl. tum mulierum lactantium, ut nodo qui festem
über die Vorgänge bei heutigen religiösen retinebat, facili negotio soleendo, nunquam non
Xaehtfesten in Süditalien die Andeutung Tredes, essent paratae ad ubera infauti praebenda",
Das Heidentum. in dir kathol. Kirche 4 p. 176 ferner dem Sistrum (über welches s. Bcne-
u. p. 178. dietus Bacchinus, De sistris ecrumque figuris
Auch zur Zauberei in Liebesangelegen- ac difj'erentia, wieder abgedruckt in Graevius,
493 Isis (Tsiskostüm v. Frauen getragen) Isis (Schönheit; = Ilathor u. Aphrodite) 494
Thcs. Ant. Born. 6 p. 409—415 von Jacobus natürlich auch durch Schönheit und Anmut
Tollius nebst des letzteren ,,Uc sistrorum varia aus. „Von schönem Anblick", „die liebens-
figura dissertatnincula" ; Hieronymus Bossms, würdige in allen Ländern", „die liebenswür-
Isiaius siue de sistro opusculum. Mediolani digste unter allen Gottheiten", „die Holdselige",
1622. 12°, abgedruckt in Sallengres Nov. Thes. „die Schöngesiehtige in Theben, die Hehre in
Ant. Born. 2 p. 1378 — 1392, Tgl. praef. p. V — Heliopolis, die Guttbätige in Memphis", „die
VI; Anonymi Epistola de sistro in Ioannes Herrin der Wonne und Freude" heilst sie in
Clericus, Bibliothcca selecta. Tom. 16 p. 163; den ägyptischen Texten, Brugsch, Bei. p. 646
de la Chausse, Born. Mus. Romae 1746. 2". —647; ndyv.aXog C. I. Gr. 5113. Als Haupt-
Sect. 3 Tab. 15 — 17* p. 9 — 13; Sect. 4 Tab. 8, 10 Schönheit allerdings rühmen die Griechen ihre
12, p. 48 — 49; Jablonski, Voces Acgyptiacae Locken, weshalb sie Beinamen wie iinX6v.aii.og,
p. 309 mit De Waters Anm.; Amaduzzi, Ko- Kaibel, Epigr. Gr. 833 und svi&eiga, Puchstein,
velle letierarie di Firenze 1773; Böttiyer , Kl. Epigr. Gr. in Aeg. rep. 34 C vs 7 = Lepsius,
Sehr. 3 p. 262 Anm.**; Villoteau, Für les diff. 6, Tab. 97. Gr. 455 erhält, vgl. Puchstein,
Instruments de musique, Descr.de V Mg. 6 p. 460; p. 74, Drexler , Wochenscltr. f. kl. Phil. 1886
Musee de Bacestein 1 p. 69 — 70; Aug. Andre, Sp. 1082 — 1084, Wieseler, Üb. einige beach-
Cut. rais. du musee d'arch. et de ce'r. de Bennis- tensw. gesehn. St. 2, 1 p. 41—43 (Gott. Abli. 30),
p. 32 zu nr. 65; Parthey zu Phä. De Is. et Os. Furtivängler , Jahrb. f. d. D. A. Inst. 4 p. 82
c. 63 p. 256 — 257; Wilkinson, M. a. C. 1 p. 69 — 83. Und wie sie selbst anmutreich ist, so
— 70, 2 p. 323, 325; Brugt-ch, Dict. ge'ogr. 20 verleiht sie auch die ;£«pis; diooiooi b Zäganig
p. 742; Pierret, Dict. d'arch. eg. p. 514; E. %at i\ 'laig tnacpgoöiciav %ägiv, u-ogcprjv ngög
Lefcbure , Bites egyptietis Constitution et pro- rbv ßaailsa Kai rijv ßaalXiaaav wünscht Pto-
teclion des c'difices = Publications de l'ecole lemaios der Sohn des Glaukias dem vnodioiKr]-
des littrcs d' Alger, Bull, de Coir. Afric. 4. 1890 rjjs Sarapion, s. WochenscJir. f. kl. Phil. 1886
p. 68; vgl. das abessinische Kirchengerät Sa- Sp. 1245.
na>el bei Batzel, Völkerkunde 3 p. 249) und ISTahe berührt sie sich mit Hathor, s. oben
der Situla; man vgl. die Büsten bei Lafaye Bd. 1 Sp. 1855 — 56 u. 2 Sp. 453f., Brugsch, Geogr.
1>. 287 nr. 85; p. 287 nr. 86; Matz u. v. Duhn Inschr. 1 p. 202, 203, 229, 276; 3 p. 22, 24, 30, in
2, p. 512 nr. 2006; Museo Boryiano § 14 welcher die Griechen ihre Aphrodite wieder-
nr. 15, Doc. inecl. 1 p. 338; die Statuen bei 30 erkannten. Bei einer von 0. Puchstein, Mitt. d.
Lafaye p. 287 nr. 87, PL 4 (vgl. 88. 89); D. A. I. i. Athen 7, 1882 p. 14—15 nr. 348 so
Drossel u. Milchhöfer, Mitt. d. D. A. I. i. beschriebenen Figur der SammluDg Dewefno in
Athen 1877 p. 349 nr. 99; Michaelis, Ancient Athen: „Weibliche vierköpfige Bronzestatuette
Marlies in Great Britain p. 355, Ince Blun- (etwa 0,35 h.), bis auf die Arme, den 1. Fufs und
dell Hall 55; Visconti, Monum. du mus. Chia- eine Beschädigung am 1. Knie gut erhalten.
ramonti p. 36 — 45, PI. 3 (ohne Knoten, in der Die Figur im ägyptischen Schema stehend,
R. statt des Sistrum „une brauche d'arbre scheint den 1. Arm gesenkt, den r. vor der
cn forme d' aspersoir" , aber ergänzt); Matz u. Brust gehalten zu haben. Das faltenreiche Ge-
v. Duhn 2 p. 451 nr. 1581; p. 452 nr. 1589 = wand mit dem sog. Isisknoten auf der Brust,
Lafaye p. 275 nr. 36 („Isis"); nr. 1583 („Torso u> sowie das Profil der vier Köpfe mit dachziegel-
einer Isispriesterin") ; Bull, della commiss. arch. förmig angeordneten Löckchen und langen
munic. 4. 1876, p. 110, p. 215, sez. 2, 1 nr. 13; jederseits herabhängenden Flechten ist gräci-
11. 1883 p. 261, sez. 2, 1 nr. 2; P. E.Visconti, sierend. Auf dem viergesichtigen Kopfe trägt
Catalogo del museo Torlonia di sculture antiche. die Figur einen grofsen. auf einem Rund von
Roma 1876 p. 93 nr. 178; auch die „Isis" bei Uräusschlangen stehenden Aufsatz, welcher aus
Lafaye p. 277 nr. 45 ist wohl eher eine Isiaca; der Isiskrone, den Widderhörnern und Doppel-
die attischen Grabstelen, Lafaye p. 298 nr. 114, federn besteht" könnte man sieh versucht
von denen die der Socpia 'Ayanrßov (C. L. A. 3, fühlen, die Deutung, welche in Cramers Anec-
2199 abgebildet ist bei Le Bas, Voyage in dota Parisiensia 1 p. 321 von der Vierköpfig-
Gr'cce et cn As. Min. Planches publiees pjar 50 keit der Hekate gegeben wird: b&tv -/.al rtzQa-
S. Beinach, Monum. fig. 75 p. 83; den Grab- xztpetlov xr\v ' Ey.atrjv 6 fivcziy.bg ncigctdidcooi
stein von Tanagra, G. Kurte, Mitt. d. D. A. i-öyog 8ia tä tieaaga ötoi^e'"« auf Isis, elemen-
Inst. i. Ath. 3, 1878 p. 342 nr. 54; den Grab- torutn omnium domina (Apul. Met. 11, 5), zu
stein der Babullia Varilla, Lafaye p. 298 nr. 1 13, übertragen, doch wird man besser thun, sich
PI. 5, die bei Matz u. v. Duhn 3 p. 177 an „Hathor die viergesichtige" (oben 1 Sp. 1867)
nr. 3881; p. 202 nr. 3950 u.a.m.; auch Büsten zu erinnern. Vielfach wurde Isis mit Aphro-
mit Sistrum auf geschnittenen Steinen, La dite verschmolzen oder zu ihr in Beziehung
Cltausse, Born. Mus. 1 sect. 1, 2, p. 2 — 3 = gesetzt, vgl. Schwenck, D. Mythol. der Semiten
Montfaucon 2, 2 PI. 115, 1 (Cameo); Buspe p. 210, D. Mythol. d. Äg. p. 219, Engel, Kypros
p. 25 nr. 262; p. 26 nr. 277, PI. 7 (Cameo); 60 2 p. 514. — Heibig, Untersuchungen über die
Maffei, Gemme ant. fig. 2, 3 p. 9 — 11 = campanische Wandmalerei p. 8 läfst den Isis-
Augustinus, Gemmae et sculpt. ant. 1, 68 p. 21 typus der griechischen Kunst „aus Elementen
— 22, Montfaucon 2, i, 118, 2, Baponi, PI. 50, des Hera- und Aphroditeideales zusammenge-
1 (Gewand an den Ärmeln geknöpft. Cameo); arbeitet" sein. Bei Apulejus Biet. 11, 2 wird
David et Mulot, Le Mus. de Flor. 1 PI. 85, 5 sie von Lucius angeredet: „seu tu caelestis Venus
p. 228— 229, Baponi PI. 17, 1; Böttiger, Kl. quae primis rcrum exordiis sexuum diversitatem
Sehr. 3 p. 255 Anm.** gener ato amore sociasti et aeterna subole humano
Als Vorbild des Weibes zeichnet sie sich genere propagato nunc circumfluo Paphi sa-
495
Isis (-=- Aphrodite)
Isis (= Aphrodite)
496
crario colcris" und Kap. 5 erklärt sie, dafs sie
die „ fluctuantes Oyprii Paphiam Venerem"
nennen. Heurey , Cat. des fig. en t. c. du
musee du Louvre p. 199 nr. 247, PI. 10, 7 be-
schreibt eine Terraeotta-Statuette aus Lara ata:
„Femine nue coiffce ä l'cgyptienne et caracte-
risee ä la fois comme deesse nowriee et gc'ne-
ratrice. L'ancienne attilude de V Aphrodite Orien-
tale et cypriote, portant la main ä sa poitrine
se complique d'un autre geste qui rappelle
V Aphrodite de Cnide." Eine Kaltsteinfigur
der cyprischen Aphrodite, ägypto-phönicischer
Kunstübung entstammend, mit Chiton und
Himation, das Haupt geziert
mit dem Polos und grofsen
Ohrringen, trägt in der R.
eine Blume, von ■welcher
E. Babelon, Venus cypriote
Aphrodite mit Isis verschmolzen. (Hagcmans, Un caö.
d'amaleur. PI. 5, 1. S.)
de la coli. De Luynes, Gaz. Anh. 1883, PL 56
p. 333 sagt: „La fleur de lotus que la deesse
tient de sa main dr. ramenee sur la poitrine,
c'est la fleur d'Isis"; vgl. hiermit Chabouillet,
Cat. gen. des c. et p. gr. de la bibl. imp. p. 551
nr. 3206: „Divinite feminine (Venus Orientale?)
tenant deux fleurs de lotus. H. Scent. Manche
en os d'un ustensile de travail phe'nicien, trouve
en Syrie." Eine Anzahl vonDenkmälern, welche
Aphrodite mit Isis verschmolzen zeigen, habe
ich in der Num. Zeitschrift Bd. 21 p 70—73
Anm. 7 zusammengestellt, darunter die hier
abgebildeten Bronzen G. Hagemans , Un cab.
d'amatcur PL 5, 1. 2. Ich füge hierzu noch
folgende. In der Coli, de M. Gustave Posno,
Ant. eg., greco-rom. et rom. Paris 1883 werden
unter den griechisch-römischen Bronzen ver-
zeichnet p. 130 nr. 556 Isis, in der L. eine
Lotosblume haltend, auf welcher floros sitzt;
p. 130 nr. 557, p. 131 nr. 558 „Venus asiatique
nue, debout" mit Diadem gebildet aus 5 Palmet-
ten,' in der R. einen Spiegel, in der erhobenen
L. die Lotosblume mit Horos; p. 132 nr. 561
„Venus de Naulratis" in der erhobenen R.
einen Uriius mit Diskus auf dem Haupt, in der
L. die Lotosblume mit dem Horos ; p. 133
nr. 5G2 „Venus" mit dem Diadem der Hera,
in der erhobenen Hand die Lotosblume mit
Horos. Die „Aphrodite" der Sammlung Theod.
Graf}', Th. Schreiber, Arch. Ans. d. Jahrb. d.
D. A. I. 5, 1890 p. 158 nr. 10 mit Isiskopf-
putz, Halsband, Ohrringen, Armband, trug in
10 der R. ein abgebrochenes Attribut, in der L.
„eine hockende Figur", in welcher wir wohl
unbedenklich nach den eben angeführten Typen
Harpokrates auf dem Lotos erkennen dürfen;
auch der Harpokrates mit der Sonnenscheibe
auf der Lotosblume, deren Stengel „era ine-
rente ad un' altra figura, dclla- quäle rimane
il braccio sinistro nndo" bei Panofha, II Museo
Bartoldiano p. 5 nr. 7 und Coli. Greau. Cat.
des br. ant. p. 169 nr. 864 stammen wohl von
so einer ähnlichen Bronzestatuette der Aphrodite.
Aphrodite selbst dem Lotos entsteigend soll
zeigen eine Elfenbeinarbeit der Sammlung S.
Mertens-Scliaaf hausen (E. aus'm Weerth, Bonn.
Jahrb. H. 27 p. 96) und ein Bleimonument des
Museo Bartoldiano, Panofka, II Museo Bartoldi-
ano p. 61 nr. 3: „Un fiore di loto, da euiesee la
parte superiorc di una donna, forse Venere."
Ferner verzeichnet Adrien de Longperier, Kotice
des bronnes ant. exposes dans les galeries du musee
so nat. du Louvre p. 35 nr. 163 eine nackte Aphro-
dite mit in Palmetten zerteiltem gewaltigen
Kopfputz: „eile porte un grand Collier, au centre
duquel pendun croissant renversc au-dessus d'un
globe de verre bleu, surmontant un groupe composc
d'un canope entre un Harpocrate et une Venus.
Le collier porte encore un buste de Serapis, et
un buste d'Isis"; nr. 154 Aphrodite mit pal-
meugezierter grofser Stephane, „sa poitrine
ornce d'un collier au centre duquel pend un
■10 buste d'Isis (?)". Ein Karneolfragment bei
Dolce, Descri.z. istor. del. museo di Cristiano
Denh. A nr. 23 p. 4 zeigt „Iside la stessa che
Venere"; eiu Heliotrop in Berlin, Tölken 1,
26, 104 = Winckelmann, Descr. 2, 10 nr. 576
p. 120 „Venus mit dem ägyptischen Götter-
zeichen auf dem Scheitel, neben ihr ein Eros
Bogen schiel'send, einer fliegend, ihr Spiegel
vorhaltend"; vgl. auch die einen Eros mit
Bogen in der Luft haltende und von einem
so anderen Ero's mit Fackel begleitete Aphrodite,
die nach Montfaucon, L' Ant. expl. 2, 2 PL 179,
2 (aus La Chuusse) p. 387 „une fleur de lotus"
auf dem Haupte hat und Coli. Badeigts de
Laborde p, 18 nr. 193: „Venus, le haut du
corps nu, appuyee sur une haste, la tete sur-
montee d'une fleur. Sept etoiles dans le champ.
Le tont dans un coueercle forme par le ser-
pentovQoßÖQog. l\s. Abraxas.\Atö. Jaspenoir";
vgl. p. 8 nr. 59 Zusammenstellung von Mars,
60 Venus und Sarapis. Bernoulli , Aphrodite
p. 261 nr. 22 führt an „die merkwürdig her-
menartig gebildete Aphrodite auf der Gemme
bei Codes, Impr. 7 K. 56, mit „Amor, der ihr
einen Spiegel vorhält. Auf dem Kopfe die
Lotosblume". Auf einem roten Jaspis in Berlin
erscheint nach Tölken 1, 2 nr. 36 p. 16 „Isis-
Aphrodite, stehend mit Sistrum und Wasser-
krag, eine Patera haltend, worauf eine sitzende
497 Isis (= Aphrodite; Horos = Eros) Isis (= Aphrodite; Horos = Eros) 498
Spitzmaus (nach Winckelmeinn , Descr. 1, 2 Lafaye p. 284, 73 (Gold); C.Leemans, Descr. rais..
nr. 56 p. 14 „im lievre cjui paroit se dresser"), des monum. eg. du musee d'ant. d Leide p. 21
ein der Venus Athor als Nachtgöttin geweih- nr. 1440 (Gold); nr. 1441 (Silber); Jo. Smelius,
tes Tier". Mehrere geschnittene Steine zeigen Antiquität es Neomagenses, Noviomagi Bat. 1678
Aphrodite auf der einen und Harpokrates auf p. 127 — 137 = Guperus, Harp. p. 1 — 2 (Silber);
der anderen Seite, de Murr, Descr. du eab. de Mus. Meadianum, Londini 1755 p. 215 (Silber);
Paul de Praun p. 349 nr. 1050, Urlichs, Drei- Kircher, Oed. Aeg. 3p. 520; Spon, Rech. cur. j>. 130
sehn Gemmen der Sammlung der Frau Sibylla n. 35 = Cuperus p. 32 u. Baudelot de Dairved 1
Merlens-Sehaaffhaiiscn p. 14—15 nr. 13, King, PI. 16 fig. 2 [a] ; nr. 37 = Baudelot a. a. 0. flg. 2 [bj ;
TheGnosticsPl. 5, 1, Stephani, C7.r.p.l870 — 1871 10 nr. 38 = Cuperus p. 32 und Baudelot hg. 2 [cj
p. 89 nr. 120 immer ders. St.; Stephani, a. a. O. (letztere Figur ohne Flügel am Rücken, dafür
p. 87 nr. 101; p. 225 nr. 30, PI. 6, 30; oder mit Flügeln an eleu Füfsen; ohne Flügel, aber
beide neben einander, Brit. Mus. A Guide to mit Köcher, von Baillet irrig für „une Sorte
tbe ftrst and second egyptian rooms p. 116, de hotte employe'e ä faire la vendange" gehalten,
G. 139, Hämatit; ein Chalcedon der Coli, de erscheint auch eine Bronze der Sammlung
M. Montigny p. 44 nr. 5S0 Harpokrates auf Desnogers in Orleans, Zcitschr. f. äg. Spr. 1878
einem Cippus, davor Aphrodite, hinter ihr Eros p. 106 — 108, Tfl. 6 Fig. 1); Baudelot a. a. 0.
mit Fackel; eine Bronzegruppe in Turin stellt PI. 2 fig. 1 p. 234, 263 = Cuptrus p. 118;
dar Aphrodite mit vergoldetem Kranze auf lo. Bapt. Donii Inscriptionts aut. cum notis ed.
dem Haupte und zwei goldenen Bändern an 20 A. F. Gorius. Flor. 1731. 2". p. 19 („quo
beiden Armen, „vor ihr ein Tritt [Doc. ined.: olim \ ornabatur Museum loh. Ciampinv'); Zocgu,
,xdtarino,r\ mit einigen Stufen und daneben Numi Aeg. p. 130, Note zu Hadrianus nr. 285
zwei kleine Harpokratesfiguren", Wieseler, (Mus. Borgia, „ad humeros arewm"); B. gal.
Gott. Nachr. 1877 p. 684—685, Doc. ined. p. di Firenze ser. 4 t. 1 tav. 47 = Lafaye p. 284
s. a. st.d. Mus. eVItedia 1 p. 439. Terracotten sub nr. 70; Heibig, Bull. d. Inst. 1874 p. 4
aus Südrufsland zeigen Aphrodite zwischen nr. 2 aus Sammlung Castellaiti; Gull. Herta
Harpokrates und einem als Herme gebildeten p. 134 nr. 74; Coli. J. Gre'au, Cat. des bronses
Priapos, Stephani, C. r. p. l'a. 1877, PI. 5 nr. 7 ant. Paris 1885.4". p. 168 nr. 837; p. 199 nr. 948;
p. 254—255; 259—260; p. l'a. 1S70 et 1S71 Gaedechens, Die Ant. zu Arolsen p. 67 nr. 132;
PI. 3, 5 p- 174—175; p. l'a. 1S7.3 PI. 1 nr. 1 30 Friederichs 2 p. 433 nr. 2005 ;v. Sacken u. Kenner
p. 5 — 6. Isis-Fortuna und einen kleinen Eros p. 302 nr. 1173a = v. Sacken, Bronzen p. 91,
sieht man an einem Elfenbeinkästchen spät- Tfl. 31,9; Hübner, Die ant. Bildwerke in Madrid
römischen Stils, Michaelis in Great Britcän p. 203 nr. 435. Cupers Erklärung p. 32 — 45, dal's
p. 620, Bichmond nr. 1. Harpokrates beide Attribute als Sonnengott
Auch wurde, wie Isis mit Aphrodite, so ihr führt, ist unnötig; wird doch inschriftlich die
Sohn Harpokrates mit Eros verschmolzen. Verschmelzung von Eros, Harpokrates und
Eine Unzahl kleiner Metallfiguren, meist von Apollon bezeugt, 'A&qv. 5 p. 458 nr. 7. In
Bronze, zuweilen aber auch von Silber oder Marmor verzeichnet einen „Harpokrates mit
Gold, zeigen ihn ausgestattet mit Flügeln, den Attributen des Amor und Bacchus" Fritz
Cuperus. Harp. p. 36 aus Mus. Moscardi 1. 1 40 Pichler, D. bist. Museum im Joanneum. Gratz
c. 13; Baudelot de Dairval, De Vidilite des 1876 p. 9; in „terre bleue mate" einen „Harpo-
voyages 1 PI. 7, 1 p. 262; de la Chaussc, Born. crate ailc" Meester de Bewestein, Mus. Bave-
3Ius. 1 sect. 2 Tb. 33 (Bellori); Tb. 34 (de la stein 2 p. 81 nr. 1102; ferner in Terracotta
Chausse), wonach bei Montfaucon 2, 2 PI. 124, Coli. H. Hoffmann. Paris 1886 p. 12 nr. 24:
1. 2; Montfaucon a.a.O. nr. 11 (Mr. Foucaiüt); „Amour-Harpocrate aecoude sur un cippe, les
PI. 125, 4 (B. P. Mini); vgl. nr. 3 (Mr. Bigord, edles eployees, V index de la m. dr. sur la bouche,
viereckiges Plättchen); Musei Franciani De- une come d'abond. au bras g. Figurine elorce,
scriptio 2 p. 14 nr. 119, 120 (beide von Silber); de la fabrique dite d'Fphese"; Coli, de M. le
E. v. Sacken u. Fr. Kenner, Die Samml. d. K. K. Comte de Gobineau. Paris 1882. p. 31 nr. 69:
Mang- u. Ant.-Kab. p. 333 nr. 26 (Silber); p. 299 50 „Büste d'Amour (fragment de figurinej. II est
nr. 1145 = Sacken, Die ant. Bronzen d. K. K. ailc, couronne de lierre et de corymbes et sa
M. u. A.-K. p. 91, Tfl. 32, 9 ; Friederichs, Berlins m. dr. est rapproche'e du menton. Asie min.";
ant.BOdw. 2 p. 433 nr. 2003, 2004; Bromid'Erc. auch die Terracottafigur des auf einer Gans
2, 86. 87, Boux u. Barre 5 Tfl. 97 nr. 2 u. 3 reitenden Harpokrates von Tarsos trägt Flügel
p. 104—105; Tfl. 103 nr. 2. 3 p. 107 — 108, Ger- am Rücken, Lafaye p. 285 nr. 75, PI. 3; ferner
hctrel u. Panofka, Neapels ant. Bildw. p. 174, Ceirlo Kirne, II Museo civico di ant. di Tricste
Mus. Borb. 12, 30; Lafaye p. 283 nr. 69, 70; 1879 p. 60 verzeichnet aus Aquileja stammend:
Mau, Scavi di Pompei, Bull el. Inst. 1876 „bassorilievo con piecolo amorino in atteggia-
p. 48 (Silber); Grivaud de la Vincclle, Bec. de mento di Arpocrate, presso una urna". Ge-
monum. ant., la plupart inedits et decouverts eo flügelt erscheint Harpokrates auch auf der
dans l'anc. Gaule PI. 4 nr. 4 p. 38 — 40; A. Glaslampe bei Passeri 1, 1, Lafaye p. 302
Comarmond, Descr. des ant. et obj. d'art con- nr. 127, Drexler , M. Beitr. 1 p. 47, Anm. 1
tenus dans les salles du piduis-des-arts de la zu p. 44 und auf einer Bleitessera (vor einem
rille de lyon p. 201 nr. 19; de Longpcrier, Altar stehend und mit Keule in der L.), Mus.
Notice des bronzes ant. du Louvn ' p. 117 nr. 522; Num. Lavy 1 p. 407 nr. 4580; und auf einer
Coli. H. Hoffmann, Paris 1886 p. 12 n. 24. Gemme (zwischen Isis und Sarapis), Chiflet
Häufig gesellt sich hierzu noch der Köcher, 27, 113 = Montfaucon 2, 2, 160, 10 u. 170, 6;
Longpcrier p. 116 nr. 520 = Ceaj. Tersan 320 = vgl. auch Montfaucon 2, 2 PI. 124. 125. In
409 Isis (Beziehungen zu Aphrodite) Isis (Beziehungen zur Dea Syria) 500
den Gemme Estmsi nr. 372, Doc. ined. p. s. et. schäftlichen Kapellen mit derselben; auf erate-
st. d. Mus. d'It. 2 p. 306 wird verzeichnet ein res weist der Umstand hin, dafs die Wid-
,,Amorino con sistro in mono", wie auch den mungen an die syrische Aphrodite und an die
Bronzen bei Friederichs 2 p. 433 nr. 2005 und Götter des Nillandes mit einander vermengt
bei Baudelot 1 PI. 2, 1 = Cuper p. 118 das gefunden wurden, auf letzteres müssen wir
Sistrum beigegeben ist. Nach de Longpe'rier daraus schliefsen, dafs die Inschriften jene nie
p. 43 nr. 183 ist in einer Bronze des Louvre als ovußafiog oder avvvaog dieser bezeichnen
Eros nach dem Vorbild des aus dem Lotos und dafs beide besondere Priester haben. Nur
sich erhebenden Harpokrates aus einer Blume einmal kommt es vor. dafs ein gewisser Apol-
hervorgehend dargestellt; vgl. den gebän- 10 lonius, der Sohn des Asklepiodoros xaza hqoo-
derten Achat der Sammlung Demidoff „Amore rayua ZaQcimog, "Iaiog, 'Jvovßiog, 'AqiQoSicTjg,
che germoglia dal fior di loto", Cades, Impr. B. C. H. 6 p. 330 nr. 25 eine Mauer errichtet,
gemm. II Cent. nr. 44 p. 11 und die nackte ans die nach Hauvette-Besnaults Vermutung, dessen
einem Akanthusblätterbündel hervorkommende Ausführungen, B. C. H. 6 p. 471 — 473, ich hier
Knabenfigur einer Bronze in Lyon, Comarmond ebenso wie Nenz , Quaestiones Beliacae p. 35
p. 253 nr. 169. — 36 folge, vielleicht ein der syrischen Aphro-
Zuweilen treten Isis und Aphrodite, wenn dite geweihtes Gebäude mit Baulichkeiten des
sie auch nicht einander assimiliert werden, Tempels der ägyptischen Gottheiten verbinden
doch in Beziehung zu einander. Die Göttin, sollte. Einmal kommt auch eine völlige Iden-
welcher nach C. I. A. 3, 162 in Athen eine 20 tifikation der Isis und der syrischen Aphro-
Aphroditestatue geweiht wird, halten Boeclch, dite unter Mithereinziehung der Astarte vor,
C. I. Gr. 481, Dittcnberger , Keil, Bh. Mus. in der schon oben angeführten Inschrift 'A9.
N. F. Bd. 19 p. 256, vgl. Köhler, Mitt. d. D. 4 p. 458 nr. 7: "I01S1 Saxsigixt 'JgxÜqxsl 'Jcpgo-
A. I. i. Atli. 2, 1877 p. 256ff. für Isis, wäh- Slxtji k.'E.'A.'A. Auch auf italischem Boden ist
rend Stephani, C. r. p. l'a. 1S60 p. 114 weniger es nicht unerhört, dafs ein und dieselbe Person
wahrscheinlich an Demeter denkt. Eine sil- zugleich dem Kultus der phrygischen Mater
berne Venus wird der Isis Bubastis in Ostia Magna, der Suria Dea und der Isis sich geweiht
geweiht, C. I. L. 14, 21 u. add. Auch in der hat, CLL. 9, 6099, Inschrift von Bnmdisium.
Porticus des Isistempels in Pompeji, wo Ger- Ob die in Syrien gefundenen von Glermont-
hard, A. Ana. 1863 p, 51*— 52* allerdings ohne 30 Ganneau, Arclx. des miss. sc. et litt. 3e ser. 11
Begründung sie der Venus Fisica gleichge- 1885 p. 232 — 233 nr. 106, PI. 6, c = Schreiber,
setzt werden läfst, wurde eine Marmorstatue Zeitschr. d. D. Palüstina-Ver. 10, 1S87 p. 191
der Isis gefunden, Georgii in Paulys B.-E. 4 und Perrot, H. de l'a. dans Vant. 3 p. 77 nr. 26;
p 229, C. Justi, Winchelmann 2/2 p. 400, sowie von F. Lajard , A. Z. 1851 p. 54—55
Otterbeck, Pompeji p. 371, F'iorelli, Pomp. ant. = Fr. Lenormard, Bev. num. 1853 p. 339 not. 2
hist. vol. 1, 1 p. 165; 1, 2 p. 149, Nissen, Pomp. verzeichneten Bronzestatuetten der Aphrodite
Stud. p. 347, Lafaye p. 190. mit Isiskopfputz als Verschmelzung der Isis
Umgekehrt fand man im Aphroditetem- mit der syrischen Aphrodite aufzufassen sind,
pel zu Kyrene eine Isisstatue, A guide to the wage ich nicht mit Bestimmtheit zu behaupten,
gr.-rom. sc. in the dep. of gr. and rom ant. 40 doch ist die Wahrscheinlichkeit nicht abzu-
[of the Brit. Mus.] 2, 1876 p. 10 (nr. 20), Smith leugnen. Interessant, wenn richtig gelesen, ist
and Porchcr, Bist, of diso, in Cyr. p. 103 auch die dem Haupte der Isis beigegebene
nr. 70. Ein Basrelieffragment aus Deruta zeigt Beischrift A4>POA. (litt, fug.) 6ICIC • CYPIQN
die Aufschriften VE NEPJ MARTI ALI; /TO- einer Münze des Caracalla und Geta von Syros,
RIAE; ISIDI, Gammurini, Kot. d. sc. di ant. Mi. S. 4, 409, 307. Eigentümlich tritt die
1884 p. 145; in Athen finden sich an einer Basis Verschmelzung der Isis und der Dea Syria zu
vom Südabhang der Burg, C. I. A. 2, 3, 1671 Tage auf einer zu Heddernheim gefundenen
die Aufschriften 'Eqiiov \ 'JqjeoSi'xrji; | TTori'os; j Bronzetafel; wie in einer von Ed. Meyer,
Nu/.icpäv; | "letSog; U. Koehler , Mitt. d. L>. oben Bd. 1 Sp. 653 mitgeteilten Abbildung die
A. I. i. Atli. 2 p. 249 vermutet darnach, es 50 Stadtgöttin von Qadesch, ganz ägyptisch ge-
habe sich beim Tempel der Aphrodite Pande- bildet, aber nach babylonischer Anschauungs-
mos oder innerhalb des dazu gehörigen Teme- weise auf einem Löwen stehend, dargestellt
nos ein Heiligtum der Isis befunden. Wenn wird, so tritt uns hier, einer Hera ähnlieh,
aber Gerhard, A. Z. 1861 p. 135 Anm. 20 er- mit dem Sistrum in der R, die syrische Göttin
klärt: „Die anderweitig bekannte Vermischung anf einer Hirschkuh oder einem Reh stehend
von Isis und Aphrodite wird aus Aphroditens entgegen, Drexler, Myth. Beitr. 1 p. 26 Anm. 1.
Hauptsitz Korinth durch Tempel von Sarapis IJt|£r die Isisähnlichkeit der Baälät-Gebal s.
und Isis auf der dortigen Burg bestätigt, oben 1 Sp. 652; 1866 f.; 2 Sp. 373; über die
Paus. 2, 4, 6", so ist das ungenau, da die xs- Deutung des Sternbildes der Jungfrau als Isis
[izvr] "Iaidos auf dem Aufgang nach Akrokorinth, CO und Atargatis oben Sp. 460; über die Be-
nicht aber auf der Burg selbst beim Naos der nennung der beiden als xo-rrog &säv Simplicius,
Aphrodite lageu. Commentarii in octo Aristotelis physicae aus-
Interessant ist ihre Stellung auf Delos zu cultationis libros. Venetiis. L. IV p. 150: «al
der dort als syrische Aphrodite verehrten Dea ?'; Htgioxi) äf tojios iv.si Xiystai itollönus' Sto
Syria. Die ägyptischen Gottheiten fanden y.ctl xr)v ov$lav äraQÜzrjv [lege: 'Aragyäz-qv]
dort ihre Anbetung in demselben grofsen xinov &säv xctXovoiv, v.cd rr}v i'atv of aiyvnxioi,
Heiligtum der fremden Götterwesen wie die tue noXXäv frsäv idiöxijxctg jrEp/a^orea'S, vt?'-
syrische Aphrodite, jedoch nicht in gemein- Phil. Aur. Visconti et los. Guattani, Monu-
501 Isis (Schützerin d. Gebär, u. Kinder) Isis (Schätzerin d. Gebar, u. Kinder) 502
mens du musc'e Chiaramonti p. 15, Anm. 1 und Vaters Osiris zu übernehmen", „die Herrin der
Jablonslci, Panth. Aeg. 2 p. 24. Geburtskammer" und ähnlich heifst sie in den
Vor allem ist sie auch eine Schützerin ägyptischen Texten, Brugsch, Rel. p. 647; svtb
der Gebärenden und der Kinder. Sie ist fff [iä]j/ag tg ätv.uzuv ätpiäa zt&aXorog ugmov
ja „die das Leben spendet", „die Herrin des [uqziov Sauppe und Kaibcl] tgyov | cpiyyog zn
Lebens" (Brugsch, Bei. p. 047), und auch in Dar- ägzi'yovov ßgicpog ayuyov sagt sie im Hymnus
Stellungen der griechisch-römischen Zeit führt von Andros, vs. 37 — 39 ed. Abel; iym yvvai'gi
sie noch zuweilen das Zeichen des Lebens öixci[gri~\vov ßgicpog ivicaßa im Hymnus von
(in den Beschreibungen irrtümlich als Tau, Nil- los, vs. 18, A. Z. 1878 p. 131. — Letronne, Inscr.
Schlüssel etc. bezeichnet, s. Böttiger, Kl. Sehr. 3 10 Gr. et Lat. de l'£g. 1 p. 377 — 380 nr. 28 will
p.204, Anm.**; Visconti, Muse'e Pie-Cle'm. 2 p. 36 ihr deshalb in einer Inschrift von Tehneh den
— 39; Georgii a. a. 0. p. 294— 295); es zeigen sie Beinamen Ao%iäg „qui pre'side aux aecouche-
mit demselben ausgerüstet z. B. Basaltstatuen ments" erteilt wissen, doch zeigen die Majus-
ausHadrians Villa in Tivoli (Lafayc\>. 280 nr.57; kein MOXIAAI, s. C. I. Gr. 4703c, was als „die
58 ; Statue aus schwarzem Stein mit gelben Wohlthätige" erklärt wird , s. Hrcxler, Mgth.
Flecken aus den Gärten des Sallust, Bcttari, Beitr. 1 p. 35 Anm. 1 zu p. 34.
Mus. Cap. 3. 76, Righetti, Campidoglio 1,115, In einem ägyptischen Zauberspruch identi-
II Museo Cap. 2, 105 p. 77 — 78, Clarac 984 A, ficiert sich eine gebärende Frau mit Isis und
2547, Bcschr. Borns 3, 1 p. 141 nr. 17; „Figura fordert die Götter auf, ihr das Lager für die
dalV ombellico ingiü, con pilastro d'appogcjiato 2ü Niederkunft zu bereiten. „Nicht ich sage dies,
ornaio di geroglifici. Donna reslita di sottile nicht ich wiederhole es; Isis sagt es, Isis
sindone, che stretta cdla persona e composta di wiederholt es" schliefst der von furchtbaren
pieghe sottili alla greca; laseia travedere quasi Drohungen für den Fall einer Weigerung be-
tutti i contorni del nudo, e resta ornala di un gleitete Spruch, Le Page Renouf, Vorlesungen
conlorno di frangic, che cadono lungola schiena über Urspr. u. Entw. d. Rel. p. 198 — 199.
aecompagnando il pilastro d'appoggio. La figura Zusammen mit Ilithyia ruft sie Ovid, Amor,
e svelta e gracile fuor del naturale, sta dritta 2, 13 an, Corinna vor den üblen Folgen eines
avanzando un poco il piede s., laseia vedere le Abtreibeversuchs zu schützen. Unter den
braccia lunghe e i fianchi, tenendo nella serraia Votivgaben des Isistempels von Pompeji be-
destrala chiave niliar.a, edapplicando l'apertas. 30 findet sieh nach Trede, D. Heidentum in der
alla coscia; il vestito arriva sino alla cavicchia röm. Kirche 4 p. 313 die Figur eines mit
di piedi, il tuito insieme e somigliantissimo Windeln umwickelten Säuglings. Ist das Kind
ad una figura grande di basedte del Mus. Capi- aber zur Welt gebracht, so schützt sie es und
tolino, mamacquista un merito parlicolare per i ernährt es wie ihren Sohn Horos. „Die Mutter
geroglifici che in lavori di simile maniera non des Gottes", „die Gottesmutter des Horus
facilmente si rincontrano", Museo Borgiano, Ka-nacht", „die Mutter des goldenen Horus",
Giunta al § 30 (Pittra nera con macchie verdi, „die Amme und Beschützerin ihres Kindes
dolee, o serpentino tenero), Docum. ined. 1 p. 410 Horus", „welche mit ihrer Milch das Horus-
nr. 263; schwarze Granitstatue in München, kind ernährt" heifst sie in den Texten. Mut
H. Brunn, Beschr. d. Glyptothek 4. Aufl. p. 28 io (Mov9), wie sie nach Plut. de Is. et Os. c. 56
— 29 nr. 17; Statue aus Pompeji, Overbcck, benannt war, bedeutet Mutter; auch ihr Name
Pompeji p. 370, Fig. 259a; Bronze: „Piccola Me&vtQ (Plut. c. 56) wird nach Heverias Vor-
figura. Iside greca col solito costume, con un gang von Ebers, Ag. u. d. B. Moses p. 116
fiore dito in testa, sopra basetta ossia piecolo und Wiedemann, Hcrodots 2. Buch p. 116 als
sostegno, essendo ncl medesimo ieinp>o velata alla Mut ur „die grofse Mutter", anders indessen
greca ed oruata di ricci pendenti di qua e di von Brugsch, Hier.-dem. Wörterbuch 6 p. 635
lä verso il petto, soliti darsi alle Isidi greche. und Hümichcn, Gesch. d. alten Ag. p.212 — 213,
Sta in piedi, avanzando il piede s. poco avanti erklärt. Mater heifst sie G. I. L. 12, 2217 und
l'altro, tiene sopra la testa quel serpente grosso mit der phrygischen Mater Magna hatte sie
e tutulato, che sogliono vedersi sulle fronti delle 50 im Wesen und Kultus manches gemein, s.
figure egizie; nella s. che pende dl fianco, una Num.Zcitschr. Bd. 21 p. 163, Anm. 14, Göhler,
cosa che pare possa essere l'avanzo della chi- Wochensehr. f. Id. Phil. 2, 1885 Sp. 264—265.
ave niliaca", Mus. Borgiano, Giunta cd § 55 Als Schützerin und Erzieherin der Kinder hat
nr. 575, Hoc. ined. 1 p. 413; Gemmen: Dubois, sie die Beinamen puellaris, C. I. L. 2, 3386
Hcscr. des ant. comp, la coli, de feu M. I.-F. und educatrix Bull, della commiss. arch. comun.
Mimaut p. 89 nr. 561 (in der andern Hand 1889 p. 37.
Scepter); Cat. Hertz p. 71 nr. 1505 („Isis hol- Als Symbol der mütterlichen Göttin wurde
ding 'life' and sndke"); wohl auch Museum in der Isisprozession ein goldenes Gefäfs von
Münterianum 3 p. 105 nr. 71 („Isis stans, d. der Form einer weiblichen Brust, aus welchem
baculum T, s. incertum quid; in aversa varia GO Milch träufelte, einh ergetragen, Apul. Met.
sig. hicrogl.", doch vielleicht altägyptisch); 11 c. 10; mit Unrecht will aber Chaudruc
„Fragment d'un tase bleu, double de blanc: de Crazanncs , Rcv. arch. 1846 p. 581 in der
Isis ä gauche, tenant la croix ansee. Hevant Hand einer von ihm grundlos für Isis er-
elle, oiseau perche sur une couronnt", Cat. des klärten Brouzestatuette aus der Umgegend
obj. d'art dependant de la succession Alessandro von Toulouse dieses Symbol erkennen; auch
Castellani. Rom 1884 p. 59 nr. 406. die von ihm p. 578 citierte „Isis" mit weib-
Die, „welche ihren Sohn Horus in der Geburts- licher Brust in der R. bei Martin, Explication
kammer zur Welt bringt, um das Amt seines de divers monumens singuliers p. 319 wird
503 Isis 'Beziehungen z. Geier1 Isis (mit d. Meinen Horos im Schofs) 504
schwerlich unsere Göttin und das in Rede Winekelmamn, Monum. ined. nr. 73. 74, Sil.
stehende Sinnbild darstellen. Erwähnt sei Werke ed. Eiselein 7 p. 522 — 524, der den
noch, dafs an den Festen der mit Isis ziemlich Vogel als „numidische Henne" bezeichnet;
wesensgleichen Hathor am 30. Athyr und und die Bronzebüste in Florenz, Zannoni, B.
1. Choiak ,,das Zeichen der schönen Weiber- geil, di Firenze , ser. 4, tom. 3, tav. 141,
brüste" stattfand, Brugsch, Hier.-dem. Wörter- Böttiger, Amalfhea 3 p. 266 Anm. 6, Beuvens,
buch 2 p. 380. Ldtres ä M. Läronne sur les papyrus bilingues
Als Symbol der Mütterlichkeit galt der et grecs et sur quelques autres monum. gre'co-e'g.
Geier, der nur weiblichen Geschlechts sein du musee d'ant. de l'iinh: de Leide, 2e lettre,
sollte, von dessen Liebe zu den Jungen 10 Art. I p. 28—29 nr. 5, Lafaye p. 277 nr. 44,
Wunderdinge berichtet wurden, mit dessen deren Kopfzier Lafaye als numidische Henne,
Bilde das Wort „Mutter" geschrieben wurde Böttiger und Beuvens als Eule bezeichnen;
und der fast allen weiblichen Gottheiten, Terracottakopf, Caylus 1, 10, 3 p. 37 — 38
besonders aber der Mut von Theben und („je crois y reconnaitre 1c goüt romain''); vgl.
der Necheb von Eileithyia geweiht war, P. 1, 15, 4 p. 50 Terracottatafel und Böitiger,
Pierret, Biet, cl'arch. e'g. p. 528, Wiedemann, Arch. Ährenlese 1. Sammlung 1811, Tfl. 2, 1
Herodots 2. Buch p. 231. Leemans zu Horapollo p. 2, Thonbüste. Auch Gemmen, die aber
Hicrogl. 1, 11 p. 171 — 183. Natürlich trägt ebensogut Königinnen darstellen können, zei-
Isis, wie andere Göttinnen und auch die gen sie mit dem Geierkopfputz, Pullini, Saggio
Königinnen, nicht selten den Geierbalg als 20 di ant. gemme incise 1, 1 p. 1 — 3 „in Kicolo
Kopfputz, vgl. Ael. de n. ei. 10, 22: v.ocuovci sardonico" (über dem Geierbalg Sonnenscheibe
öf %r\v "Iaidos xfcraÄ)}»' yvnbg nrigoig, Wil- zwischen Hörnern); Iusti Fontanini Achates
länson, M. a. C. 2, 1 p. 384 nr. 455. Von Lsiacus anularis in Gori, Symb. litt. JDec. 2, 10
Denkmälern, welche sie damit ausgestattet p. 153 — 175, „ex 3Iuseo Mar eh. Alexand. Gre-
zeigen, siehe die Bronzestatuette mit geknotetem gorii Capponii" = Baponi PI. 21, 12; Baspc
Gewand, Schlange um r. Arm, Situla in der p. 23 nr. 157, PI. 7, Story - Mashelyne , The
L., Geierbalg und darüber Hörner, Sonnen- Marlborough Gems p. 8 nr. 46; der gleiche
scheibe und Federn bei Pignorius Tab. IV = Typus bei Baspe p. 25 nr. 258—259, Gam.ee,
Cuperus, Harpocrates p. 46; ferner mit Chiton au Gab. de Mr. Marmaduhe Tunstall; nr. 260;
und geknotetem Himation, Perücke, die Hände so ferner Lmpr. Chigi nr. 270, Visconti, Op. rar.
abgebrochen, von Zoega in die Zeit der 2 p. 239 nr. 270, „Cammeo di stile veramente
letzten Ptolemäer gesetzt „Bronzo alto. on 15, cgizio nel 3Tuseo Eireheriano, di cui si descrive
maniera greca cgizia , lavoro andante. Lside una pasta nella coli. Stoschiana Cl. 1. 37";
vestita di camicia ossia di tunica sottile, c di eine andere gleiche Paste bei Winchelmann,
manto ovvero peplo frangiato, il quäle cssendo Descr. 1 nr. 38 und Sämil. TTerhc 7 p. 423;
avvolto attorno il corpo sotto il petto, i due Museo Borgiano 1, 5, 11 p. 413, „Onice a due
pizzi di epiesto, uno jiassa sotto l'ascella sini- strati, nero sopra bianco. Cameo di gusto egizio.
stra, l'altro sopra la spalla destra . e rengc.no ma forse lavorato a Borna"; Gesicht von vorn,
ad incontrarsi in mezzo alle mammelle, ove Be la Cliau et Lc Blond. Bescr. des pr. p. gr.
formano il solito nodo della teste isiaca; i 40 du cab. de Mons. le Buc d'Oi-lc'ans 1. 1780.
pieeli sono midi, il sinistro piantato aranti il PI. 1 p. 1 — 6, I. G. Lacobi, Versuch einiger
destro...; ilvertice el'occipite sono coperti dille der vornehmsten geschn. St. myth. Lnh. aus d.
spoglie di avvoltoio, di cui il rostro sorge sopra Kab. des Herzogs von Orleans. Zürich 1796.
la fronte della elea; sopra queste in Sulla eima p. 21 — 26, Cameo, Malachit, = Köhler, Be-
dclla testa, pianta un' imposta tonda, fregiata merkungen über die ksl. russ. Sammlung v.
attorno di piume e di foglie, sulla quäle posa geschn. Steinen, Ges. Sehr. 4 p. 6, der den
un ornamento isiaco molto cdto, composto di Stein für altägyptische Arbeit erklärt; vgl.
due piwme con globo, due corna bovine, cd, auch Gorläus 2, 675; Mitsei Franciani Descr.
ancora come sembra due orecchie di bove. II 1 p. 249 nr. 785.
volto di questa figura e grosso e ottuso; le 50 Unzählige Bildwerke stellen Isis in Aus-
fatture non sono nc greche, ne veramente egi- Übung ihrer Mutterpflichten mit dem kleinen
zianc; la testet c grande; e la figura resta piü Horos (Hör pe %rnt „Horos das Kind", Wiede-
rozza di quello che sogliono essere le fgure mann, Bei. d. a. Äg. p. 112, von den Griechen
egizic" etc., Museo Borgiano §55 nr. 563, Boc. meist 'Jgnoy.gätrig, aber in den delischen In-
ined. 1 p. 405; ferner Bronze des Louvre, de schritten richtiger 'Aoitoyauzri*; oder mit der
Longperier, Notice sur les bronzes du Musc'e memphitischen Dialektform des männlichen
du Louvre nr. 512 = Lafaye p. 280 nr. 56; Artikels ph statt [thebaiseh] p 'Jgepoy.gärrig
der Coli. Posno p. 129 nr. 554 „Sa. coiffure sc genannt, B. C. H. 6 p. 316, Bev. arch. 1879
compose de longues tresses, qui lui retombent 3S p. 128) auf dem Schofs dar. Heuzcy, Cat.
sur les cpaules, et de petita boueles qui ornent co des fgurines en t. c. eint, du Musee du Louvre
so» front. Lc rautour. Symbole de la maternitc, p. 9 und Pattier, Bevue arch. 3e ser. 2, 18S7
repose sur sa tete, qu'il couvre de ses ailes ; au- p. 134 glauben, dafs auf dieses Vorbild die
dessus de l'oiseau sacre, le disepue orne de &scci y.ovgorgofoi der griechischen Kunst zu-
l'uraeus et de deux plwnes droites, est place rückgehen, wie auch Ernest Gardner, Xau-
entre deux cornes", ebenso nr. 555; ähulich hratis Part. 2 p. 55 bei Besprechung der
nr. 556 mit Lotosblume, worauf Harpokrates Terracottastatuette einer weiblichen Göttin mit
sitzt, in der Hand; vgl. die Bronze der den Kind aus dem Temenos der Aphrodite zu
Horos säugenden Isis in ägyptischem Stil bei Naukratis erklärt: „The Egyptian oriyin of
505 Isis (mit d. kleinen Horos im Sckofs) Isis (mit d. kleinen Horos im Schofs) 506
the type is, hoicever, leyond dispute." Dagegen inetl. 1 p. 381 — 382 wird so beschrieben: „Den-
erklärt Furtwängler, /Sammlung Sabouroff 1, tro un fiore di loio vcdesi una mezza figura
Tfl. 71, 3 [p. 2], dafs die griechische Kunst d'Iside greca, vcstita, con tutulo piatto sopra
erst um das Ende des 5. Jahrh. das Motiv des la tetta, e con delle treccie pendenti sul collo.
Säugens bei Menschen- und Göttergestalten Quetta sta a sedcre, colla sinistra stringe il
verwendet habe, wodurch Heuzeys Behauptung figlio al seno, e colla destra gli porge la mam-
widerlegt werde [p. 4]. Übrigens sind auch mella. II putto e nudo, e semlra che abbia la
die ägyptischen Darstellungen der säugenden dcstra alla bocca; dietro la figura evvi un pic-
isis nach Furtwängler [p. 2] verhältnismäfsig colo manico. Frammcnto di terracotta ordi-
jung, sie sollen erst der saitischen Periode 10 naria, fina perö e di un bei rosso di mattone,
angehören und sich besonderer Beliebtheit in forse manico di una lucerna , o altra cosa
der Ptolemäerzeit erfreut haben. Etwa zur simile, lavoro molto trascurato."
Zeit der saitischen Dynastie mag entstanden Von den Gemmen sind die auf Sardinien
sein eine in Olympia gefundene phönicische gefundenen phömkischen Darstellungen der dem
Bronzeschale, Futing, Fun. Steine, Mim. de vor ihr stehenden oder auf ihrem Schofs sitzen-
l'Ac. de St. Petersbourg 7 ser. t. 7 1872 pl. 40 den Horos die Brust reichenden Isis bereits oben
p. 33; C. I. Sem. 1 p. 106 nr. 112, welche zeigt Sp. 392 verzeichnet worden. Ein im Mus. Wors-
nach Perrot, Hist. de l'art 3 p. 783 ff. 550 leyanum deutseh von H. W. Fbeihard und IL
„Isis-Hathor gui allaite le jeune Horus", auch Schaefer, 6. Lief. Tfl. 4 nr. 3 abgebildeter Stein:
nach Dumont et Chaplain, Les ceramicpi.es de 20 Isis stehend, den vor ihr stehenden Horos säu-
la Grece propre 1 p. 125 — 126 nr. 48 „De'csse gend, beide auf Baris, darüber die geflügelte
assise (Isis) allaitant un enfant", während Sonnenscheibe, ist gleichfalls phönikischer
Furtwängler, Olympia 4, Tfl. 52 p. 141 vor- Arbeit. Gemmen griech.-röm. Kunstübung ver-
sichtiger sagt: „Von den Gottheiten ist die zeichnen H. K. F. Kühler, Ges. Sehr. 4 p. 7
eine mit dem Kinde nach dem "Vorbilde von „Isis den Horus mit dem Finger säugend", vgl.
Isis und Horus gestaltet." In grofser Menge Fr. Lenormant, Monogr. sur la voie saeree
sind in den Sammlungen besonders die alt- e'leusinienne p. 345, Note 1; Flut, de Is. et Os.
ägyptischen Bronzestatuetten mit diesem Typus c. 16, wie sie auch auf dem Stein bei Winekel-
vertreten, so werden allein im Masco Borgiano mann, Descr. p. 16, I nr. 63, vgl. Sämtl. Werke
verzeichnet §55 nr. 105, 106—109, 110, Doc.ined. 30 4 p. 87 = Raspe nr. 330, Tölken 1, 2, 40 p. 17,
1 p. 383; nr. 199, 200 p. 387; nr. 260, 282, 329 Krause, Pyrgoteles p. 131, Anm. 2, Tfl. 1, 2,
p. 389; nr. 353, 363 p. 390; nr. 454, 458—460 Schi ichteg roll, 1 PI. 2 p. 12—14 dargestellt sein
p. 393f.; nr. 573 p. 400. An verschiedenen soll, wofür aber dieAbbildungnichtsehrspricht;
Stellen des römischen Weltreiches sind deren ferner Raspe p. 30 nr. 326, 327 PI. 7 = Lafaye
gefunden worden, z. B. in Ephesos, Stark, Nach p. 313 nr. 164; 328 = Winckelmann p. 16 nr. 64
(/. griech. Orient p. 390, in Pherai, Ztschr. f. äg. und Tölken 1, 2, 41 p. 17; 329; Caylus, Rec.
Spr. 1890 p. 60, bei Reggio, Bull. d. Inst. 1863 d'ant. 3 PI. 9, 3 p. 41—42.; 6 PI. 22, 1, 2
p. 57, in Bertrich, Bonner Jahrbb. H. 87 p. 40 ff. p. 71 — 72; Raponi PI. 18, 20; 80, 2; Chabouillet
nr. 274; doch ist die Echtheit der letzteren wie p. 298 nr. 2211; 3Iuseo Borgiano 3. Cl. 1. div.
die der übrigen dort gefundenen Gegenstände 40 nr. 3 — 7b, Hoc. ined. 3 p. 422 — 423; Dolce,
nicht sicher, s. Bonner Jahrbb. H. 89 p. 259, Descr. istor. del museo di Cristiano Denh , A,
H. 90 p. 188; andere s. oben passim. 19 p. 4 = Visconti, Op. rar. 2 p. 240 nr. 272;
Als Bronzestatuetten der griech.-röm. Colt, de la Turbie nr. 98: Visconti, Op. rar. 3
Zeit sind zu verzeichnen z. B. Gädechens, Die p. 414; Gemme Fstensi nr. 876, Doc. ined. 2
Antiken in Arolsen p. 80 nr. 206; Gull, de M. p. 327; Museo Borbonico nr. 1429, Doc. ined.
Posno p. 139 nr. 586. Auch gelagert kommt sie 3 p. 122 nr. 1429 (daneben eine Frauengestalt);
in dieser Zeit in einer Bronze vor „Isis couche'e, Pappadopoitlos, nsQiyoaap^ p. 18 nr. 279 — 282;
vetue d\tne tunique talaire et d'un pjcplus, allai- Nevil Story-Maskehjnc, The Marlborough gems
tant Horus; derriere la deesse, un grand ser- 1870 p. 8 nr. 451; Gatty, Cat. of the engr. gems
pent (Agathodaemon) rampe en dressant la Ute. 50 and rings in the coli, of Joseph Mayer. Lond.
Sur le devant de la cline, sont ranges neuf 1879 p. 11 nr. 54; Gut. Hertz p. 8 nr. 117;
disaucs, peut-etre des fleurs de lotus epanouis; Aug. Andre, Cat. rais. du musee d'arch. et de
au-dessous, une grenouille, un e'pervier, un cro- ceram. de la ville de Rennes 2 &d. p. 31"nr. 61
codile et une tortue", de Longperier, Notice des (davor „laForty/nerepandant sacorned'abond.");
bronzes ant. du naisce du Louvre p. 115 nr. 514. nr. 62; v. Sacken u. Kenner p. 431 nr. 135, 136;
Unter den Goldkleinodien der Coli. Posno wird wohl auch Ovtrbeck , Bonner Jahrbb. H. 17
p. 167 nr. 761 aufgeführt: „Plaipie en repousse. p. 127 nr. 13 (,,Ino mit dem Bacchuskinde");
Isis allaitant Horus, travaildel epoque de l'emp. Museum Worsleyanum 6. Lief. Tfl. 4 nr. 4;
Julien"; eine Elfenbeinarbeit der Coli. Hoff'- vgl. auch Montfaucon, Ant. cxpl. 2 PI. 158, 11
mann 2 p. 151 nr. 572 aus Attika ist schon oben 60 aus Capello.
Sp. 386 verzeichnet. Unter den Terracotten der Häufig erscheint sie mit Horos auf dem
Coli. Drovetti nr. 398, Doc. ined. 3 p. 271 befindet Schofs auf den alexandrinischen Kaiser-
sich: „Isis grecque allaitant Horus, groupe'e münzen, zuweilen in einem Tempel, was
sur un chapiteau d acanthus" , vgl. Orcurti, Cat. durch ein Sternchen bemerkt werden soll, so
ill. dei monum. egiz. del r. Museo di Torino unter Trajan LIA, Mi. 6 nr. 647; Llb Feuar-
1852 p. 188 nr. 6 „Donna ehe esce da un calice dent nr. 1060 ; Müller , Musee Thorvaldscn
di fiore, et allatta un bambino, Iside." EineTerra- p. 294 nr. 278; Hadrian LZ, Feuardent
cotta des Museo Borgiano § 52 nr. 423, Doc. 1200, LI, Mi. 970 = Pedrusi, Mus. Farnese 0,
507 Isis (mit d. kleinen Horos im Schofs)
Isis (mit d. kleinen Horos im Schofs) 508
360, 5; LAC0A6KATOY, *Mi. 1052; * Mus.
Lavy 1 p. 345 nr. 3670; *MulUr, Mus. Thor-
valdsen p. 297 nr. 301; LIS, Zoega p. 134
nr. 326a; Mi. 1136 (Harpokrates hält angeb-
lich den Lotos [wohl Mohn?]); Feuardent
1371, PI. 20, Cohen, Cat.
Greau 3058; Mus. Lary
p. 347 nr. 3708. 3709; ein
Pulrnzweig davor, ibid. nr.
3710; Sammlung Imhoof-
Blumcr (hier hält Harpo-
krates deutlich einen Mohn-
kopf in der L.) und Zoega
p. 134nr.326b; davor Palm-
Horos säugend, zweig, dahinter Canopus,
Feuardent PI. 20, 1371. Zoega nr. 327 = Mi. 1137,
der statt des Canopus ein
praefericulum angiebt und aufserdem zwei
Sperber auf der Stuhllehne sitzen läfst; LIZ,
Feuardent 1389; Cat. Gre'au 3064; LIH, Feuar-
dent 1430; L6NN6AKA, Mi. 1259; *125S;
Feuardent *1400; I_K, Mi. 1290; Datum ver-
wischt, Cat. Thomsen 1, 194, 2137; * Midier,
Mus. Thorvaldsen p. 293 nr. 309; Sabina
LK, Mi. 1354 = Zoega p. 159 nr. 12; Anto-
ninus Pius LB, Zoega p. 165 nr. 17, Tb. 10,
1 „Isis solito more sedens lac praebet parvulo
filio: sellae insident upupae (vielmehr Sperber),
et ante deam adest mensa, cid impositum
cernitur vas cum labro ad instar rostri porrecto,
et ansa in serpentis modum efformata", H.
hat wie es scheint in der Hand die Keule;
derselbe Typus Mi. 1416; l_€, Mi. 1543; LZ,
*Mi. 1583; Feuardent 1650 (ohne Angabe des
Tempels, aber mit Verweis auf Mi. 1583); *de
Lonqpcricr , Gab. Magnoncour p. 99 nr. 774;
LH, *Mus. Lavg 1, 359, 3882, davor Palmzweig ;
LI0 , *Mi. S. 9, 295 = Sestini , Mus. Hed. 3
Cont. p. 35 nr. 41; L A6KATOY, Zoi:qa p. 193
nr. 256 Tab. 12, 2 (H. mit Füllhorn in der L.);
257; *258 = *Mi. 6, 1696; Mi. 1695; 1697
mit Palme davor; * Feuardent 17 13 ; Mus. Num.
Lavy 358, 3861; *3860 mit Palme davor;
L 6NAGKATOY, Mi. 1731 = Mus. Sancle-
ment. num. sei. 2 p. 234; Feuardent 1732; *Mi.
S. 9, 306 = Scstini a. a. O.p. 36 nr. 51 = Wiczay
nr. 6744; L AGJA6KATOY, *Zocga p. 196, 287;
*p. 197, 288 Tab. 12, 9 (davor ein Palmzweig);
*Mi. 6, 1753 (Palmzweig); 1754; *Fexwrdent
1753; *Mus. Lavy 1, 359, 38S2 (Palmzweig).
LKI~, Zoega p. 208 nr. 425% Tab. 13, 1 „Isis
sedens filium flore in capite ornatum et s. c. c.
tenentem lactat ; sellae in piarte superiori insi-
stit avicula" (Sperber), = Mi. 1927; ebenso
Mus.Lavy 1, 363, 3924; Feuardent 1934—1936 ;
LKA, Mi. 1932; Feuardent 1950, 1951; Mus.
Lavg 1, 3925; Zoega p. 209 nr. 437; Datum
verwischt, Cat. Gre'au nr. 3195; Mark Aurel,
als Caesar L. A(0A€KATOY-, *Mi. 1989; als
Augustus LA, Zoega p. 218 nr. 75, Tab. 13, 10
= Mi. 2043 „Isis cum flore in capite sellae
insidens ubera praebet infanti d. efferenti, s.
cornueopiae tenenti et capite florem gestanti: stat
ante eam supra basin idolum velut in cippum
desiuens et infula ornatum (nach der Abbil-
dung Üsiris), cui adstilutus palmae ramus;
ponc est Canopus mensae sive basi impositus;
sellae ad humeros a dexteris insistit avicula
(Sperber), a sinistris vero imminet caput Sera-
pidis"; L.6NATOY, Mi. 2084; LI, Zoega p. 222
nr. 111; Mi. 2099 = Mus. Theupoli p. 1153;
Mus. Lavy 1, 365, 3946; Datum verwischt,
Zoega p. 223 nr. 132; Faustina jun. L AC0-
A(€KATOY), *Cat. Gre'au 3209; . L. Verus
LA Mi. 2247 (H. mit Mohnköpfen in der Hand;
Palmzweig); LZ, Mi. S. 9, 439, dahinter Paloi-
zweig; Lucilla L AWAGKATOY, *Mi 6, 2315
10 = Mus. Theupoli p. 1160; Feuardent 2247. Auf
den Vota Publiea-Münzen sehen wir den Typus
unter Julian II., Cohen 6 nr. 96, 97, PI. 11;
98 aus Tanini; Suppl. 7 nr. 7; Helena, Coli. 6
nr. 6; Jovian nr. 22; Valentinian 1 nr. 59; Valens
nr. 78. Auch auf den Münzen von Gabala soll
sie sitzend, den H. säugend vorkommen, s. o.
Sp. 377 — 378. „Isis standig or seated with Infant
llarpocrntes on her arm" erscheint auf Münzen
von Philadelphia Lydiae, Head. Hist. N. p. 552.
20 Stehend, die eine Hand oben am Scepter, auf
dem andern Arm den H. ist sie zu sehen auf
Münzen der Sabina von Kyme, Num. Zeitschr.
21 p. 65 — 66, Tfl. 2, 12, 13 und von Tralles,
ebenda p. 156; Sestini, Mus. Hed. 2 p. 329
nr. 23; ähnlich auf einer Gemme bei Haspe
p. 28 nr. 303.
In ägyptischen Darstellungen begegnet nicht
selten die säugende Isis im Papyrusdickicht
von Chemmis, am Boden sitzend mit unter-
30 geschlagenen Beinen (Lanzone, Diz. di mitol.
egiz. Tav. 61, 4; p. 372 nr. 5), oder auf einem
Throne, Golenisclieff, Die Melternichstele Tfl. 3,
14. Stehend in einem derartigen Papyrus-
dickicht und dem vor ihr stehenden Horos
die Brust reichend sieht man sie in viermaliger
Wiederholung auf der phönikischen Silberschale
von Praeneste, Perrot 3 p. 97 Fig. 36, p. 773
— 774, C.I. Sem. 1 nr. 164, Tab. 36 p. 214—216,
Heibig, I). Immer. Epos - p. 23 Fig. 2, TJumont
40 et Chaplain, p. 125 nr. 45; Gaz. arch. 1877
p. 15 PI. 5, Mon. ined. deW Inst, di Corr.
arch. 10, 32, 1; vgl. Ftirtwängler a. a. O.,
Anna. 23, der sie auf ein ägyptisches Original
der Saitischen Periode zurückgehen läfst. Auch
ein „Plasma scarab: Isis and Horus in et field
of flotcers convcutionally arranged around them"
aus Chiusi, Classical Review 3 p. 286 nr. 8a
zeigt wohl einen ähnlichen Typus. In Varianten
solcher Darstellungen säugt Isis den Horos
50 nicht in seiner menschlichen Gestalt, sondern
als Sperber dargestellt, Golenisclieff, Die Met-
ternichstclc, Tfl. 6 , 38 p. 15 Anm. 7; Lanzone
Tav. 310, 2, p. 838-839 (beide Male am Boden
sitzend mit untergeschlagenen Beinen). Wieder
eine andere Variation zeigt den Horos als
Kalb. Ein Text in Edfu sagt von Isis: „Sie
irrte umher mit ihrem Sohne, dem Knäblein,
um ihn zu verbergen vor Set. Es verwan-
delte sich diese Göttin in die heilige Kuh Hor-
oo secha und dieses Knäblein in den heiligen
Stier Hapi. Sie begab sich mit ihm nach
dieser Stadt Hapi (Apis im libyschen Nomos
Unterägyptens), um zu schauen seinen Vater
Osiris , welcher sich in derselben befindet"
Brugsch in Sehliemanns Ilios p. 818 — 819;
vgl. über die Darstellung der ihr Kalb säugen-
den Kuh Adrien de Longpe'rier, Oeuvres 1
p. 166 — 169, PI. 2; de Vogüe, Journ. as. 6"
509
Isis (und Härpokrates)
Isis (und Härpokrates)
510
ser. tome 10, 1867 p. 108. Auf der Mumie der
Tochter des Dibskoros ist in der 2. Scene Isis
dargestellt, auf einem Stuhl sitzend , dem als
Kalb gebildeten Horos die Brust reichend,
während sie in der 3. Scene, wo sie auf einem
Boot inmitten von Lotospflauzen sitzt, ihn in
seiner menschlichen Gestalt säugt , Ledrain,
Gaz. arch. 3 p. 135 — 136. Eine Elfenbein-
arbeit zeigt Isis in einem Boot auf einem
Thron sitzend, mit dem Geierkopfputz und
darüber der Sonnenscheibe zwischen zwei Hör-
nern, säugend einen vor ihr stehenden Stier
mit Sonnenscheibe zwischen den Hörnern und
einem Ibis auf dem Rücken, Buonarruoti, Os-
servazioni istoriche sopra alcune medaglioni ant.
p. 70, p. 425; Museo Carpegna, Doc. ined, 2
p. 192 f; Winckelmann, Sämtl. Werke 3 p. 102,
Lafayc p. 253, Ledrain, Gaz. arch. 3 p. 135,
Note 3, der die Arbeit für phönikisch hält.
Auf einem grünen Jaspis in Berlin reicht Isis
gleichfalls einem Rind die Brust, Winckel-
mann, Cat. de Stosch p. 17, 1, 2 m\ 70, Tölken
1, 2, 42 p. 17, Easpe p. 29 nr. 323, PI. 6. Um-
gekehrt wurde im Iseum Campense zu Rom
gefunden „Parte posteriore di una statua della
vacca Hathor, simbolo vivente di Iside ....
nell' atteggiamento di allattare un Faraone",
s. oben 1 Sp. 1851. Interessant ist auch die
Bronze des Louvre, de Longpe'rier p. 119 nr. 535
„La de'esse Neith, entierement nue, allaitant
un petit crocodile qu'elle tient de la m. g. C'ette
figure d'ancien style, a servi d'anse ä un vase".
Da Horus zuweilen mit einem Krokodilleib
dargestellt wird , so meint de Longpe'rier „On
pourrait donc voir ici une forme secondaire du
groupe bien connu d'Isis allaitant son fils",
Brugsch, Eel. p. 351 bemerkt: „Das Krokodil
spielte überhaupt in dem Tempel des Chnum
und der ihm zugesellten Göttin Menhit-Nebuut-
Neit eine auffallende Rolle und wird u. a. als
eine symbolische Form des dritten Härpokrates
in Latopolis , des Hika-Kindes , Sohnes der
Gottheiten Chnum und Nebuut, aufgeführt";
vgl. über das Krokodil bei Neit ebenda p. 339,
352 f., über die Identifikation von Neit und
Isis, p. 347, Lansone p. 440, Plut. , De Is. et
Os. c. 9 ; vgl. auch Lafaye p. 275 nr. 37 „Isis
Athene'', sowie die merkwürdige unten in eine
Herme auslaufende Frauengestalt mit Haube
und Krokodilklauen, an der ein Krokodil em-
porkriecht auf einer Gemme in Florenz, Gori,
Thes. g. astrif. 3 p. 99, David et Mulot 1 PL
87, 4 p. 231, Eaponi PI. 67, 8 ; Lippert, Suppl.
p. 96 nr. 490.
Zahlreiche andere Denkmäler zeigen Isis
zwar nicht den Härpokrates säugend , aber
doch in der Gesellschaft desselben, wie
denn auch Isis zuweilen eine Statue des Härpo-
krates gestiftet erhält, C. I. L. 5, 2796; Kaibel,
Inscr. Gr. Sic. et It. 719, aber nicht 915, wo
Gatti, Bull, comun. 14, 1886 p. 173 — 180,
Z. 4 — 5 xöv ar£oq>il£OTaTov ■Ka{i6)iov lesen und
darunter den Härpokrates verstanden wissen
wollte (p. 177), während Kaibel na\7t7t\ov er-
gänzt. Beide nebeneinander stehend zeigt die
schöne Statue in München, Lafaye p. 285 nr. 78,
ferner Reliefs : drei bekleidete römische Per-
sonen (nach Lafayes Deutung) mit den Attri-
buten von Sarapis (der Kopf verloren), Härpo-
krates mit Keule in der L. und Isis Pterophoros
nebeneinander stehend, Lafaye p. 292 nr. 101;
Votivstein an Isis, Härpokrates und Sarapis
in Turin: Schlange in Nische, von Dütschke
für Isis, von Drovetti für Osiris gehalten, in
dem halbrunden Abschlufs darüber Härpo-
krates mit Keule in der L., in einer halb-
kreisförmigen Nische darüber Isis wie auf
10 einer Kline mit Seitenlehnen ruhend; auf der
entgegengesetzten Seite des Steines in einer
Aedicula Sarapis mit Kästchen in der ges. L.
und erhobener R., Dütschke, Die ant. BUdw. in
Oberital. 4 p. 66 nr. 102 = Coli. Drovetti, Mo-
num. nr. 8, Doc. ined. 3 p. 291; kolossaler
Marmorfufs, 70 cm lang: „le brodequin est orne
sur les cöte's par les figures de Serapis et d'Isis
ä Corps de scrpent , et sur le derriere par Celle
d'Harpocrate" , Coli. Drovetti, Mon. nr. 27,
20 a. a. O. p. 291 = Dütschke a. a. 0. p. 66—67
nr. 103; „Base trianguläre di candelabro" mit
Isis auf der einen, auf einen Pfeiler gelehntem
Härpokrates mit Füllhorn auf der 2. und Anu-
bis mit Palmzweig auf der 3. Seite, Lafaye
p. 293 nr. 102; vgl. auch die Basis Lafaye 295,
107. — Terracotten: „Horus et Isis assis
sur une oie", Coli. Drovetti, Obj. en t. c. nr. 24
p. 262; Lampen: Isis stehend zwischen Anubis
und Härpokrates (s. oben Sp. 469). — Wand-
30 gemälde: Isis sitzend, 1. Anubis und r, (nach
Lafaye) Härpokrates, Lafaye p. 326 nr. 216 =
Heibig nr. 79 ; H. stehend zwischen Isis und Sara-
pis, Lafaye p. 327, 217; vgl. p. 338 nr. 220. —
Gemmen: Isis sitzend mit Kopfzier, Situla am
1. Arm, in dessen Hand sie eine Schale hält, vor
ihr H. mit Füllhorn stehend, Le gemme ant. /ig.
di Michel Angelo de La Chausse Tav. 52 =
Montfaucon 2, 2, 110, 2, Eaponi 88, 6, Lafaye
313, 163 ; Isis sitzend auf einer einfachen Basis,
lo die Hände ausbreitend gegen den ihr gegen-
überstehenden und seine Hände gegen ihre
Knie ausstreckenden H., Mus. Borgiano 3, 1, 8,
Doc. ined. 3 p. 423 f.; „Isis seated on Sphinx;
lotus on head, seeptre in r. hand, crown of the
South and the North in l.; before her, Statuette
of Harpocrates. Sard. Fould and Caslellani
Coli*., aber „authenticity doubtful", Cat. of
the engr. gcms in the Brit. Mus. p. 144 nr. 1219 ;
„Iside vestita di tunica cinta , con un peplo
so svolazzante dietro le spalle, gonfato ad uso di
velo, sul capto il fiore deseritto num. 4. [pic-
colo fiore]. Sta inginocchiata sur un pezzo di
terreno , voltata alla destra, stcndendo innanzi
ambedue le mani, e ponendone la destra sull'
occipite , la sinistra sulla spalla sinistra d'Ar-
pocrate, assiso avanti lei in terra, le ginocchia
ritirate in su, le mani appoggiate sulle ginoc-
chia, la schiena tornata alla madre. Egli e
nudo al solito, con un tutuletto conico sopra
60 la testa", Mus. Borgiano 3, 1, 9 p. 424; Isis
stehend mit Sistrum und Situla, neben ihr
auf der einen Seite H. mit Füllhorn, auf der
andern ein Palmzweig, Winekelmann 1, 2, 60
p. 15 = Tölken 1, 2, 43, Smaragd-Plasma,
Easpe p. 28 nr. 316, Amethyst; „Isis stehend,
vor ihr Härpokrates", Steinbilchel, Geschn. Edel-
steine p. 65 (aus Aquileja); „Isis mit Scepter
und Sistrum, Härpokrates halb bekleidet neben
511 Isis (und Harpokrates) Isis (als Königin) 512
ihr", v. Sacken u. Kenner p. 431 nr. 139, vgl. Büsten von S. I. H. und Anubis auf dem
138 Isis Pelagia und H. nebeu ihr; Isis, Sa- Lectisterniurn , Lafaye p. 314 nr. 168 = Cay-
rapis und Harpokrates: Isis mit Sistrnm und lus 4, 23, 1; „Isis, Harpokrates und Anubis",
Situla, neben ihr Schlange, Harpokrates, Sara- „in vetro viridi", Mus. Münterianum 3 p. 105
pis mit Modius und Strahlenkranz, die R. nr. 70; Harpokrates 1. h. mit Chlamys über dem
oben am Scepter, alle drei stehend, David r. Arm, die L. an den Mund gelegt, Sarapis
et Mulot 1 PL 91, 5 p. 225; ebenso Winckel- 1. h. mit Scepter in der R., Isis r. h. mit schwer
mann 1, 3, 101 p. 25 = Tolken 1, 2, 100 zu bestimmendem Attribut (etwa z. T. ver-
p. 25; Isis stehend mit Situla und Sistrum, H. wischtem Sistrum?) in der R. und Situla in der
geflügelt, S. stehend mit erhobener R. und 10 L., Anubis r. h. mit undeutlichem Attribut
Scepter in L., Chifletius 27, 113; Gorlaeus 2, (gesenktem Schwert?) in der R. und Palmzweig
4G8; Isis stehend, mit Modius auf Haupt (nach in der L., alle vier stehend, unten CAD, Mus.
der unzuverlässigen Abbildung), Schale (?) und Worsleyanum, G. Lief. Tfl. 4, Fig. 5. — Münzen
Situla, H., S. stehend mit Situla und Scepter, von Alexandria: Isis sitzend, ein Scepter in
Chifletius 27, 114; Gorlaeus 2, 470; Isis und H. der L., die R. auf dem Haupt des vor ihr
stehend, umgebend den thronenden Sarapis stehenden H., Trajan LIZ, Feuardent 1078, vgl.
mit Cerberus und Adler zu Füfsen, Lippert, Zoega p. 80 nr. 168; ebenso, auf der Lehne
Dact. unio. Chil. 1, 44, 397; Isis mit Fackel des Stuhls zwei Sperber, Trajan LIZ, Zoega
und Ähren, Sarapis sitzend mit Adler und p. 86 nr. 167, Mi. 6, 726 ; ebenso, auf der Lehne
Cerberus, H. stehend, „sembra appoggiarsi ad 20 des Stuhls Vogel (Sperber) und Hirsch, Trajan
uri erma di Bacco barbato confuso con Osi- LI?, Zoi'ga p. 83 nr. 146, Tb. 5, 7 = Iß. 697;
ride " (woran nicht zu denken ist), wie er ahn- „Karpoerate debout entre Astarte' (schwerlich)
lieh in einer südrussischen Terracotta bei et Isis egalement debout', Trajan, ÜB, Feuar-
Stephani, C. r. p. Va. 1868 p. 68 sich „an eine dent 9S4; IL stehend zwischen den Büsten der
unbärtig und ithyphallisch gebildete Herme, Isis und des Sarapis über einem Adler mit
wahrscheinlich des jugendlichen Dionysos" an- ausgebreiteten Flügeln, Hadrian LIH, Nicasms,
lehnt und auf einem blauen Glase bei de De numo pantheo Hadriani imperatoris. Lugd.
Witte, Cut. d'une coli, de monum. ant. de M. 1690 4", Titelblatt und p. 1; Cuperus, Karpo-
Pararty. 1879 p. SO nr. 287 eine Herme des crates p. 70 aus Choul; Maffei, Verona ill. 3
Priapos vor sich stehen bat, Impr. Chigi nr. 30 p. 436 nr. 15 (Sammlung Giusti); Zoega p. 146
285: Visconti, Op. var. 2 p. 243f, Corniola nr. 385; Mi. 6, 1174; Zoega nr. 386 ; Mus.Lavy
del Museo Statolderiano, Dolce B, 32; „Harpo- 1 p. 349 nr. 3733; Mus. SanclemeiU. num. sei. 2
crate avec Serapis et Isis", Lafaye p. 313 nr. Tab. 20, 138; Antoninus Pius LKA, Pedrusi,
166 = Mus. Fol pl. 26, 8; H. stehend mit Musco Farnese 7 Tav. 10, 5 p. 99 = Zoega p. 207
Füllhorn und kurzer Keule zwischen den Büsten nr. 405 und 3li. 1900 (hinter dem Haupte des
von Sarapis und Isis, Winckelmann 1, 3, 102 Sarapis ein kleiner Kreis [Sonne?J, hinter dem
p. 25, Tölken 1, 2, 101 p. 25; Sc/diehtegrol! der Isis Halbmond); Ant. Pius, Datum ver-
Pl. 8 p. 27 — 28; Haupt des Sarapis zwischen wischt Mi. 6, 1938. H. neben Isis stehend
dem ährenbekränzten Kopfe der Isis und Hat- auf Münzen von Katana, Byblos und viel-
pokrates, Andre, Mus. de Rennes- p. 30 nr. 59; 40 leicht Ptolemais, s. oben Sp. 395, 374, 375;
„Capita Isidis Scrapidis Hori , €(ig) Z(Et's) Sarapis thronend umgeben von Isis und Harpo-
C(ctQci7iig), „a corndian intaglio set in a ring", krates auf der einen, Demeter und Anubis auf
Fph. epigr. 7 p. 351, 1175, gefunden in Castle- der andern Seite, Münze des Philippus Jim.
steads; Metallringe: Gold: „Ihree busts of von Bizya, lJrexler , Myth. Beitr. 1 p. 103 f.
Osiris, Isis and the little Horus, admirably nr. 3; dagegen zeigt die von Lafaye 322, 200
inodelled in füll rclief in gold" , King, Anc. nach Mi. 3, 639, 509 verzeichnete Münze von
gems and rings 1 p. 368; „Bague ä trois an- Tarsos (mit angebl. Sarapis, Isis, Harpokrates
neaux , orne's des bustes de Jupiter- Scrapis, und Stadtgottheit von Tarsos) Sarapis mit
d' llarpocrate et d' Isis, Or", C. Leemans, Descr. Cerberus zwischen Isis und Demeter (?), Num.
rais. des monum. ig. du mus. d'ant. des Pays- 50 Zeitschr. Bd. 21p. 216 — 217, Tfl. 1, 16; H. bei
Bas, ä Leide. 1841. p. 73, G. 294; „Anneau Isis auf Flngelsphinxwagen mit dem Siriushund,
en or: bustes d'Isis, d 'Karpoerate et de Serapis s. oben Sp. 425; Büste der Isis im Ubv. mit
en relief", W. Heibig, Empr. de c. et d' i. a. Beischrift EICIC, Harpokrates vor Altar im Rs.,
publ. par M. Odelli 7. Cent. nr. 55 p. 9 = Ant. Münzen von AegaeAeoL, Imhoof-Blumer, Monn.
du Bosph. ciiiiin. 1 pl. 18, 5, Lafaye p. 313 gr. p. 270 nr. 210, N. Z. 21 p. 62 nr. 2, Tfl.
nr. 166; „Triade composee de: Isis- Demeter, 2, 6; vereinigte Häupter des Sarapis und der
coiffee du calcdhos, llarpocrate- Iacchos, coiffe Isis im Obv., H. im Rs. , Münze von Perinth,
du pschent, et Bubastis-Arte'mis diademee et Drcxler, M. Beitr. 1 p. 106.
portant deux plumes sur la Ute. Trois bustes Auch als Königin spielt sie eine nicht
eoules et cisele's en relief, qui decorent, au Heu iio unbedeutende Rolle, sowohl als Königin des
de chatonune bague d'or massif", Lafaye p. 314 Himmels und der Erde, als auch speziell Ägyp-
nr. 169 = Caylus 6,88, 1. 2 p. 288, Chabouillet tens. ngtoßiornv ua-nciomv iv'OXv[imp a-AfjTtrQov
nr. 2632; wohl auch Dubois, Coli. Mimaut. Paris i-'xovaavüaiyairjg7io.ar,g->ial itövrov öiav avaaaav
1837 p. 91 nr. 573 „Bronze. Trois bagues: nennt sie der Hymnus ton Kios, C. I. Gr. 3724,
deux d'entre ellcs portent sur leur eliaton le Kaibel, Epigr. Gr. 1029 nr. 8 — 9, &£viv avetcov
buste de Sarapis [die eine doch wohl Isis]; (statt uvaoaav) leiv, Pap. U zu Leyden, Pap.
la troisieme est ornee d'une figure d'Korus Gr. Mus. Lugd. Bat. ed. Leemans 1 p. 123,
Karpoerate" ; vgl. auch die Bronze mit den Col. 2 Z. 10, vgl. Z. 17—18 p. 124 &sä &smv
513 Isis (als Königin) Isis (mit Hera u. Iuno vermischt) 514
■AQaToq i%ovea fiiyiatov v.cd zäv iv zä -Aooficp weilen ist aber an den Statuen die Ähnlichkeit
äq^ovaa; als f) ßaoiXioou -näeqg %oiQug wird sie durch Ergänzungen entstanden, so wird eine
bei Diod. 1, 27, 6 und als i\ z\yqavv\og 7td(a)rjg stark restaurierte Gewandstatue in Holkham
%[ojQas im Hymnos v. los Z. 2 (nach Fränkel) Hall {Michaelis, A. Z. 1875 p. 19 m\ 21, Anc.
bezeichnet; „die Königin der Göttinnen und M. in Gr. Br. p. 312 nr. 33) von Dallaway
Frauen", „die Königin der Erde", „die Königin nr. 12 als Iuno, von Waagen p. 501 und Chirac
IäH, die Grofse, die Mutter des Gottes", „die 987, 2569 B als Isis bezeichnet, der Kopf aber
Königin von Süd und Nord", „die Königin des gehörte nach 7l//c7<«e?is ursprünglich einer Venus-
Südens", „die Königin und Herrin der Länder statue an; ebenso gehört der Herakopf an der
des Südens", „die Fürstin im Norden" heilst 10 Isisstatue bei Clarac 3 PL 422, 746 p. 91 nicht
sie in den ägyptischen Testen, Brugsch, Bei. zu dieser. Die „Protome muliebris diademata
p. 646 — 647; ferner Aiyvnzov ßaaii.iia, H. v. cum pectore nudato et veste circum humeros
Andros vs. 1, ßaaMg zr}g Alyvizzov nüaqg, Ja- sinuata atque volitante" einer alexandrinischen
lian, Epistologr. Gr. (Didot) p. 369 nr. 50 § 1 ; Kaisermünze des Antoninus Pius (Zoega, N.
vgl. äianoiva Aiyvittov, Erotici Script. Gr. 1 A?g. p. 168 nr. 49, von der dieser erklärt:
p. 384 ed. BTercher, Alyvitzov fisdiovou, Anlh. „sistit Isidem Iunonem quae aer est'') wird von
Pal. 1 p. 200 ed. Dübner, Philippi Thess. nr. 231; Mi. 6, 1453 einfach als Iuno bezeichnet. Wie
ävaaaa <3>iXäv C. I. Gr. add. 4943 = Knibel Iuno erhält Isis den Pfau und aufserdem einen
981, vs. 5; regina Phari, Statuts, Silvae 3, 2, Löwen beigegeben auf dem oben Sp. 404 er-
102; regina Memphitica, Martianus Capella 1 20 wähntenrömischeuMedaillonderFaustinajun. —
§ 4 p. 20 ed. Kopp; einfach ßaadiaBu, C. I. II'. Christ u. J. Lauth, Führer durch d. K. Anti-
Gr. 5039, Kaibcl 1021, Puchstein, Epigr. Gr. quariam in Manchen 1870 p. 22 verzeichnen:
in Aeg. rep. nr. 34A p. 69; gatuulia oxÜtzzqoi- „Büste des Iuppiter- Serapis und der Iuno-Isis auf
av, II. v. Andros vs. 8; tvqkvvwv ngicßa, einem muschelartig geformten Serpentinstein";
H. v. Andros vs. 14 — 15; Hoigavog nach Bei- eine Münze von Perinth zeigt nach v. Sollet,
nach* nicht sicherer Änderung von IAI MEPANQ Bekehr, d. ant. M. (des Kgl. Mus. zu Berlin) 1
zu "Fai~\äi xotQiivm in der Inschrift von Myko- p. 207 nr. 10, Tfl. 5, 53 „die Köpfe des Zeus mit
nos, Rnv. arch. 3e ser. 9, 1887 p. 366, B. C. IL Lorbeerkranz und der Hera mit hohem Diadem
1887 p. 275; die zahlreichen Inschriften aus r."; „ob die Köpfe aufser dem beschriebenen
Ägypten, in denen sie xvQia heifst, entsprechend 30 Schmucke noch ägyptische Attribute haben,
dem lateinischen domina, C. I. L 2, 33, 981; ist nicht sicher zu erkennen", nach der Ab-
10, 603; 11, 695; 1594; Archcogr. Priest. 13, bildung bei Fox, Engravings of unpubl. or
1887 p. 175 nr. 263 und A. E. M. 3, 1879 p. 177 rare gr. coins 1, 52 p. 18 scheint es aber so,
nr. 1 (Domna), vgl. Goehler, Wochenschr. f. Id. weshalb sie Friedländer , Bep. p. 124 Sarapis
Phil. 2 Sp. 264, siehe im Register zum C. I. und Isis nennt. Ebenso zweifelhaft ist der
Gr. s. v. 'Iaig und bei Goehler a. a. 0.; auch Beschreiber der Coli. Drovetti, Doc. ined. 3
in einer von Lesbos wird sie so bezeichnet, p. 285 nr. 197 bei einer „Bague en or surmonte'e
Mitt. d. I). A. I. i. Ath. 11, 1886 p. 265 nr. 3, des bustes d'Osiris et Isis, soit Jupiter et Junon".
The american Journal of arch. 1, 1885 p. 304 Ein grüner Jaspis des Museo Borbonico nr. 640,
nr. 2 (xup(5). Bei Apul. Met. 11, 5 giebt sie 40 Doc. ined. 3 p. 99 zeigt das Haupt des Iup-
als ihren wahren Namen Regina Isis an; ebenso piter-Sarapis und der Iuno, eine Paste bei
wird sie bezeichnet c. 26 und auf einer Gemme Chabouillet p. 599 nr. 3372 Iuppiter, Iuno und
bei Brouekhusius zu Properz p. 366; dea Isis Isis-Fortuna; ein Chalcedon in Wien (v. Sacktn
regina heifst sie C. I. L. 3, 1342 und Isis re- u. Kenner p. 434 nr. 273) Iuppiter thronend, auf
gina 5,2109,2797, 3231, 3232,3241,8228,8229; der Hand Minerva, vor ihm Isis; ein Karneol
6, 354 = Frohner, Not. de la sc. ant. da musee bei Cades, Impr. gemm. Cent. 4 nr. 3, Ball. d.
im/p. du Louvrc nr. 561; 6, 574 und add.; Eph. Inst. 1834 p. 123 Sarapis, Iuno und Isis auf
cp. 4, 875; C. I. L 11, 1577, 1581, 1582, 1584, der Klioe. Auf einem Amethyst des Museo
1585; 12, 1562, Henzen 5856; Eph. ep. 7, 356, di Capo-di-Monte mit drei Reihen von Gott-
1194; saneta regfinaj ohne Zusatz von Isis, 50 heit n erscheinen in der 1. Reihe Isis, Iuno,
aber sicher diese Göttin, C. I. L. 14, 352; da- Iuppiter, Minerva und Bacchus, in der 2. Vic-
gegen fraglich, ob Isis placida regina CLL. toria, Mars, Fortuna, Salus, Aesculap, Venus,
3, 1590a. Mercur und Anubis, in der 3. Vesta, Diana
Als Himmelskönigin und Gemahlin des Lucifera, Ceres und eine unbestimmbare Gott-
Zeus Helios Sarapis tritt sie in Beziehungen heit, Impr. Chigi nr. 290, Visconti, Op. vor. 2
zu Hera. Eine freilich nicht auf sicherem p. 245 = Dolce B, 62; auf einer Lampe der
Grund ruhende Parallele zwischen beiden zieht Sammlung Cardaillac aus Caesarea (Cherchel)
O.Engel, Isis u, Osirisp.lB. — Hirt, Bilderbuch ,,Jupiter coiffe du modius" d.i. Sarapis, um-
f. Myth., Arch. und Kunst. 1. lieft p. 90 zu geben von Venus und Iuno mit dem Pfau,
Taf. 11, 10 (anläfslich der Isis aus Palast Bar- 60 Waille et Gauckler, Bev. Arch. 3e ser. 17, 1891
berini Clarac 5, 992, 2598, «'. Klenze u. Schorn, p. 143 nr. 39. Die Verbindung des Zeus Urios mit
Besclir. d. Glypt. p. 119 nr. 135, Brunn, Beschr. den ägyptischen Gottheiten in einer Inschrift
d. Glypt.* p. 159 nr. 126) sagt: „Die Göttin von Delos ist schon Sp. 477 erwähnt worden;
erhielt einen junonischen Charakter in Ge- in Stratonikeia wird dem Zeus Panamaros und
sichtsbildung und Gestalt, zugleich mit einer der Hera eine Statue des Sarapis und der Isis
ähnlichen langen Tunica", vgl. Heibig, Unters. mit Kapelle und Altar geweiht, B. C. H. 11,
üb. d. camp. Wandin. p. 8 und Bavaisson- 1887 p. 389 nr. 6; die Weihinschrift eines
Mulien, Bev. arch. 1876 n. s. 32 p. 324; zu- Priesters der Isis an Iuppiter, Iuno, Hercules
Rosciier, Lesikou der gr. u. röm. MyLhol. II. 17
515 Isis (mit königl. Kopfschmuck) Isis (Verleiherin d. Königswürde) 516
bei Gruter p. 6 nr. 1 ist gefälscht, s. C. I. L. vure du temps des Antonius'1. Das ist vielleicht
6, 5, 466*; eine römische Widmung dargebracht eine Modifikation der Krone Hemhem, „le groupe
I-S-I-P-D-M | ISIDI • SALVTARI löst Hcnzen, des trois faisceaux de Iotas ou de papyrus re-
C.I.L, 6, 1, 436 auf: lovi, Soli Invicto Prae- posant sur les cornes et accoles par des plumes
senti Digno Magno Isidi Sahitari, doch mit d'autniche et des uraeus", Bochemonteix, See.
dem Zusatz „sed incerta omnia" , Fabretti, Inscr. de trav. rel. ä Varch. ig. et ass. 7 p. 32, PI. 2
pat. p. 470, 111 dagegen lovi Sereno Iunoni nr. 41 — 44. Das ßaoiketov erkennt Fröhner,
Plaeidae Diis Magnis etc. In der Inschrift Not. de la scidpt. ant. du mus. imp. du Louvre 1
C. I. L 9, 5179 = Orelli 1882 Isidi victricis p. 48S nr. 559 auch an dem mit Halbmond,
Inno fafst Preller-Jordan, B. M. I3, p. 85 Iuno 10 Uräus, Mohn, Schlange und kleinen Hörnchen
als Genius, als Schutzgöttin der Isis victrix. gezierten Kopf der Isis Clarac 1087, 2733b
Nicht selten ist die Rede von dem könig- und „le diademe royal, surmonte du psehent"
liehen Kopfputz, regale decus Ovid Met. 9, p. 493 nr. 563 an der Isis des Altars Clarac
689, ßacäBia, ßaaü.siov, basilium der Isis, Hüb- 199, 4, wo aber die Abbildung kaum die Be-
ner, Hermes 1 p. 348 — 349, Hercher, Hermes 2 Zeichnung des über der Stephane befindliehen
p. 153, vgl. Letronne, Inscr. gr. et lat.de V Fg. 1 Zierats als Psehent rechtfertigt. Wieseler,
p. 309 ff. Noch in den griechischen Zauber- Über einige beachtenswerte gesehn. Steine 2, 1
papyri spielt er eine Rolle, Wessely, Gr. Zau- p. 44—46 stimmt ihm bei und giebt weitere
berpap. v. Paris u. London p. 98 vs. 2134, Beispiele der, Stephane, die sich nebst Mohn-
p. 123, vs. 3141. In Cadis wird ihr ein basi- 20 köpfen und Ähren auch an dem von ihm ab-
linm geweiht, das geschmückt war mit einer bildlich mitgeteilten Cameo der Sammlung
grofsen Perle und 6 kleinen, 2 Smaragden, Bromilow findet. Den von ihm verzeichneten
7 „cylmdri", 1 Rubin, 1 Hyacinth und 2 „gern- Darstellungen kann Doch zugefügt werden die
mae eerauniae" C. I. L. 2, 3386 = Hübner oben bereits angeführte Bronze nr. 516 des
a. a. 0. p. 345—360; in Nemi befand sich unter Museo Borgiano, Poe. med. 1 p. 399; ferner
den Schätzen ihres Heiligtums ein „basileum „Busto di una Iside". „La sua testa e omata di
ornatum ex gemmis", C. I. L. 14, 2215. Man un diadema Giunonio ed un soggetto come una
kann sich unter dem ßccctlnov übrigens ver- serpe e attaccato sopra per ogni lato", Bronze
schiedene Arten des Hauptschmuckes denken. bei Panoß-a, 11 Museo Bartoldiano p. 5 nr. 74;
Die bekannteste ägyptische Königskrone, das so „Isis drapee et eliade'mee. Son chiton, dont les
Psehent, zusammengesetzt aus der weifsen manches fendues et boutonnees, descendent ä
Krone des Südens und der roten des Nordens, mi-bras, est recouvert d'un hipiation. Le dia-
führt sie, mannigfach variiert, in den ägyp- deine est surmonte d'un croissant au milieu
tischen Darstellungen bei Lanzone Tav. 307, 4; einerlei se dresse une feuille, probablement la
308, 1 — 4, p. 836 — 837. — Plutarcli, De Is. et coiffure de plumes degeneree", Bronze, gefunden
Os. c. 19 mag diese Doppelkrone unter dem bei Besancon, in Coli. J Greau. Bronzes ant.
ßaijüsiov verstehen, welche Horos seiner Mutter p. 237 nr. 1112; weibliche Figur mit Isis-
ini Zorn über die Freilassung des überwundenen gewand („beide Arme falsch ergänzt, Kopf mit
Set vom Kopfe gerissen hat. Geziert mit dem Stephane") im Museo Torlonia, Schreiber, Die
Psehent soll sie vorkommen auf einer Gemme 40 ant. Bildwerke der Villa Ludovisi p. 246 zu
bei Cohen, Cat. Badeigts de Laborde p. 8 nr. 59, nr. 303.
wenn anders dieser nicht etwa die Sonnen- Und wie sie selbst Königin ist, so ist sie die,
Scheibe zwischen den Hörnern irrtümlich mit „welche dem Könige sein Amt über-
diesem Namen belegt. Anscheinend mit der liefert", „ohne welche niemand König wird",
weifsen Krone des Südens, vielleicht aber auch Brugsch, Bei. p. 647, die „no7.vx.xicxvov ßaoi-
mit einem undeutlich dargestellten Psehent, liiuv dsauocpogov" festgesetzt hat, H. v. Andros
erscheint eine Bronzestatuette mit eng anliegen- vs. 68 — 70. In Edfu führt ein Ptolemäer unter
dem, die Büste freilassenden, geknoteten Ge- vielen andern den Titel „der Freund der Isis",
wand bei Caylus, Bec. d'ant. 3 PI. 9, 3. Wenn Brugsch, Hierogl.-demot. Wörterbuch 6 p. 730;
die weifse Krone von zwei Straufsfedern ein- 50 in Dendera heilst Tiberius „der von der Isis-
geschlossen und auf Widderhörner, über denen Hathor mit Leben beschenkte herrliche Gott,
sich Uräen erheben, gestellt ist, so wird der das Kind der Hathor, der jugendliche Spröfs-
Kopfputz Atef genannt, Pierret, Dict. d'arch. ling des Strahlenschleuderers Horus, der Herr
eg. p. 75. Nach Cat. des objets d'art dependant von Ober- und Unterägypten [Autokrator] , der
de la succession AI. Castellani. Rome 1884. 4° Sohn der Sonne, der Herr des Diadems [der
p. 45 nr. 269 soll eine Bronzestatuette der Isis von Ptah und Isis geliebte, ewig lebende Cäsar],
mit Rhyton und Füllhorn zeigen „le front sur- der von der Hathor, der Schutzgöttin Denderas,
monte de la coiffure atef"; vgl. die beiden Gemmen dem Auge der Sonne, der Herrin des Himmels
bei Cohen, Coli. Badeigts de Laborde p. 8 und Gebieterin über alle Götter und Göttinnen,
nr. 58 und 60 „Bustes de Sarapis et d'Isis, l'un go der mit der Doppelschlange geschmückten Be-
coiffe du modius, l'autre de l'atef. Jaspe rouge" schützerin in der Hauptstadt des tentyritischen
und „Büste d'Isis ä dr. avec la coiffure Atef. Gaues und von dem Kä-Sanitaui in der Stadt
Sardoine"; nur tritt hier wieder das Bedenken Dendera geliebt wird", Bümichen, Ztschr. f.
ein, ob die Beschreiber wirklich die Krone äg. Spr. 1876 p. 33. Dem entsprechend ist in
Atef im Auge haben. Ein Nicolo der Saruni- der von F. Müler, Bev. arch. 3B ser. 2, 1883
lung Beugnot, de Witte, Bescr. de la coli, d'ant. p. 181 nr. 4 mitgeteilten Inschrift BcteiXiu
de m. le vicomte Beugnot p. 135 nr. 404 soll nzolsfxalov &tov \ SiAouijTOga Jffts v.cxl Slgog
zeigen: „Tete d'Isis coiffee de trois vases. Gra- der ungewöhnlich im AccusativstehendeKönigs-
517 Isis (Königinnen m. Isisattributen) Isis (Königinnen m. Isisattributen) 518
name vielleicht durch ein folgendes (ptXoiet-v gekränzt mit der Osiriskrone und ein ähren-
zu erklären. „Wir geben dir dein Wachstum gekränztes weibliches Haupt mit der Sonnen-
wie das der Binsen" sagt Isis auf Philä zu Scheibe zwischen zwei Hörcern, das von Poole,
einem Kaiser (Brugsch, H.-I). Wörterb. 1 p. 115); Head, H. K. p. 716 und Wieseler, Über einige
auch „Säugling der Sothis , Wartekind der geschn. St. 2, 1 p. 41 — 42 als das der Kleo-
Isis" kommt vor als Titel eines Königs (Brugsch patra I. als Isis, von Payne Knight, Cat. n. v.
a. a. 0. 6 p. 942), und eine Darstellung bei qui in Museo Payne Knight asservantur p. 211
Lanzone, Diz. di mit. eg. Tav. 300, 3 p. 835 als das der Gemahlin des Ptolemaios XI. als
zeigt sie einen vor ihr stehenden König säu- Isis, gewöhnlich aber, so auch von Imhoof-
gend mit der Beischrift: „Ich bin deine Mutter 10 Blumer, Z. f. Kum. 3, 187G p. 351 f., Tfl. 9, 15
Hest die Herrin von Ta^ont", vgl. für die und L. Müller, Mus. Thorvaldsen p. 236, nr.
Gleichstellung des Königs mit Horos auch 1747 (unter den unbestimmten Ptolemäer-
Brugsch, Bei. p. 368 — 370, 386 — 387. Auch ist münzen) als das der Isis bezeichnet wird,
zu bemerken, dafs sie wie andere Penaten des Endlich auf Bronzemünzen der Kleopatra I.
Kaiserhauses , beispielsweise Iuno Augusta erscheint begleitet von der Aufschrift BAZI-
{Preller- Jordan, It. M. I3 p. 289) und Fortuna AIZZHZ KAEoTTATPAZ ein mit langen Locken
Augusta (ib. 23 p. 186 Anm. 1) häufig als Schutz- und Ähren geziertes Haupt, Poole p. 78 nr. 1,
göttin der kaiserlichen Familie mit dem Bei- PI. 18, 7; Feuardent 1 p. 70 nr. 258, PL 5, 258;
namen Augusta erscheint, s. Gühler , Wochen- Mus. Kum. Lavy 1 p>. 315 nr. 3236 — 3241 bis,
sehr. f. kl. Phil. 2 Sp. 264. so wo auf Barucchi, Discorso sopra una moneta
Nicht selten liefsen sich ägyptische Koni- Greco-Egizia verwiesen wird; M. Schiedehaus
ginnen mit den Attributen der Isis dar- in Grotes Münzstudien 1 p. 333, 343f. Ganz
stellen, Wilkinson 4 p. 385 bei Parthey zu Plut. dasselbe Haupt, aber ohne Aufschrift, begegnet
De Is. et Os. p, 151. Auf einer Anzahl Ptole- auf dem Obv. zahlreicher Bronzemünzen, die
mäermünzen allerdings hat man mit Unrecht früher meist unter den unbestimmten Ptole-
Herrscherionen mit den Abzeichen der Isis mäermünzen aufgezählt wurden (Mi. 6, 44,
finden wollen. So bezeichnen Mi. 6, 7—8, 389 — 395; Ch. Lenormant PI. 88, 7 — 10, p. 169
65 — 80; S. 9, 4, 24, Ch. Lenormant, Tresor de nr. 1-6; Cat. Welzl de Wellenheim 1 p. 346
num. et de glypt. Mann, des rois grecs/P\. 82, nr. 7313 — 7316; Cat. Thomsen 1 p. 186 nr. 2036),
6 — 12. 14 p. 162 — 163, Feuardent, IS Kg. anc. so von Sestini , Mus. Hedervar. 3. Cont. p. 2
1 p. 21 — 22, 81 — 91, C. W. Huber, Zur alten nr. 1 — 6 der Berenike L, von Leahe, Kum. Hell.,
Numismatik Ägyptens p. 38 — 39, 165, 166, Egypt p. 61 der Arsinoe Philad., von Fcuar-
Cornaglia, Mus. num. Lavy 1, 313f., 3216, dent 1 p. 70 nr. 258, PL 5; 259—266; 267,
3220 — 3225 ein weibliches Haupt mit Binde PL 5 ; 268 der Kleopatra L, von Poole letzterer
und vier Reihen von Locken als „tete de Be- als Regentin, p. 78 nr. 2 — 6, 9 — 12, PL 8, 9
renice coiffee comme Isis", „huste de Berenice und dem Ptolemaios VIII. Euergetes IL (146
en Isis" und ähnlich. Indessen, wie Furt- — 117), p. 89, nr. 6 — 12, PL 21, 3; p. 93 nr. 67,
wängler, Jahrbrich d.D.A. Inst. 4 p. 83 richtig 68, PL 22, 5; p. 94 nr. 70, 71, 72, PL 22, 6;
bemerkt, hat der Kopf „keine Porträt-, son- nr. 73 — 77 zugewiesen werden. Auch dieses
dern ganz allgemein ideale Züge"; weshalb 40 Haupt wird von Poole und Feuardent als das
denn auch die Bezeichnungen so weit ausein- der Kleopatra als Isis angesehen; Sehledehaus
ander gehen können, dafs Kckhcl, D. N. V. 4 a. a. 0. p. 343 f. erkennt nur in dem von der
p. 7, 124f. darin das Haupt der Arsinoe, der Umschrift BAZIAIZZHZ KAEoTTATPAZ beglei-
Gemahlin des Ptolemaios IL Philadelphos, da- teten, ebenso wie auch Cornaglia , das der
gegen Poole, Cat. of Greek Coins in the Brit. Kleopatra „als Isis coiffiert", Leahe schwankt,
Mus. The Ptolemies p. 38 nr. 13, 14, p. 39 ob er „Isis or Arsinoe in the character of Isis"
nr. 17, 21; p. 76 — 77, nr. 83 — 100, PL 18, 4,5; erkennen soll. Die meisten aber, wie auch
p. 83 nr. 28, PL 19, 4; 29, 30 das Haupt der Furticängler a. a. 0. p. 83 sehen darin das
Libya erkennt. Ferner Goldmünzen der Ar- Haupt der Isis; L. Müller, Mus. Thorvaldsen
sinoe, Gemahlin des Ptolemaios IL, die nach 50 p. 238 nr. 1766 — 1768 und der Verfasser des
Grässe, Hdbch. d. a. Kum. 2 p. 150 „ihren Cat. Thomsen 1, 1 p. 184 (beide unter den un-
Kopf mit Diadem und Schleier, über demselben bestimmten Ptolemäermünzen) das der Demeter,
eine Lotosblume, welche die Königin als Isis Von der berühmten Kleopatra wissen wir, dafs
bezeichnet", darstellen sollen, lassen sich des- sie, wenn sie sich dem Volke zeigte, das heilige
halb hier nicht anführen, weil der Lotos nicht Gewand der Isis trug und als „neue Isis" ihre
das Haupt der Königin ziert, sondern den Audienzen erteilte, Plut. Ant. c. 54. Antonius
Knauf eines Scepters bildet, wie dies Feuar- liefs sich mit ihr malen und plastisch dar-
dent 1 p. 41 — 50 nrs. 183 — 203, PL 3, 183, 186, stellen, indem er sich als Osiris und Dionysos,
189, 198 und Poole p. 2—6, p. 42 — 44 nrs. 2 Kleopatra sich als Isis und Selene bezeichnete,
— 40, PL 8, 2 — 10 richtig erkannt haben. Ferner co Cass. LJio 50, 5, II p. 770 ed. Sturz, was ihm
sind während der Regentschaft der Kleopatra L, Octavian zum bittern Vorwurf machte, Dio
der Witwe des Ptolemaios V. Epiphanes und 50, 25, II p. 810, vgl. Sharpe , Gesch. Aeg.'s 2
Mutter des Ptolemaios VI. Philometor, nach p. 63, Drwnann, Gesch. Roms 1 p. 465, Meri-
Poole, The Ptolemies, Introd. p. IX und p. 79, vale, Gesch. d. Köm. unt. d. Kaisern 2 p. 207,
7, PL 8, 8; nr. 8 und Feuardent 1 p. 68 nr. Preller-Jordan, R. M. 23 p. 428 Anm. 3, Cham-
257, PL 5, p. 69 nr. 257 l,i8 Silbermünzen pollion-Figeac , Annales des Lagides 2 p. 367,
geprägt worden, welche im Obv. neben ein- Lumbroso, KEgitto dl tempo deiGreci e dei Ro-
ander zeigen das Haupt des Sarapis, Lorbeer- mani\>. 110. Silbermünzen zeigen die Aufschriften
17*
519 Isis (Königinnen m. Isisattributen) Isis (Königinnen m. Isisattributen) 520
BACIAICCA KAEOTTATPA 0GA NGMTEPA und p. 1 nr. 3, p. 4, King, Ant. gems and rings 1
ANTC0NIOCAYTOKPATWP TPITON TPICON AN- p. 337 Note *; den unbestimmter Herrscherin-
APCON, Eckhel, D. N. V. 4 p. 23; Mi. 6, 33, nen der Ptolernäerdynastie auf einem Cameo
266; Feuurdent 1 p. 133 nr. 445, PI. 8; T. im Haag, 1. C. de Jonge, Notice sur le cab.
Combe, Mus. Brit. p. 237 nr. 1 ; Leake, N. LT., de med. et p. gr. de Sa Maj. le Boi des Pays-
Egypt p. 62; de Witte, Cab. Durand p. 465 Bas ä la Hage 1823 p. 119 — 120, Montre 1
nr. 2345; Mus. Payne Knight p. 212; Fried- nr. 2; einem „Vetro" des Museo Borgiano 3.cl.
länder und v. Sollet, D. Kgl. Münzkabinett 1. div. nr. 1, Doc. inccl. 3 p. 421 f.; einem
p. 115 nr. 361, Mus. num. Lavy 1 p. 318 nr. schwarz und weifsen Onyx der Sammlung
3283; Cat. Subhy Pacha. London 1878 p. 83 10 Muirhead, King, Ant. g. and r. 1 p. XVII,
nr. 1108, 1109, Cat. des objets d'art dependant p. 369; einem „beautifid hyacinthine garnet"
de la succession Castellani p. 151 nr. 1286; der Sammlung Marlborough, Story- Maskelyne,
Cohen, Cat. Greau p. 243 nr. 2862; Boutlcoieski, The Marlborough gcms p. 7 nr. 43. Ebenso
Dict. num. p. 193 f. nr. 462 ; Bronzemünzen wurden römische Kaiserinnen nicht selten als
BACIAICCHC KAEOTTATPAC und ETOYC • KA • Isis dargestellt, s. oben Sp. 404—406. An dem
TOY-KAIC GEA NECOTEPA, Eckhel 4 p. 24, von Platner, Beschr. der Stadt Rom 3. Bd.
Feuardent 1 p. 135 nr. 448, PI. 8, vgl. Lauth, 2.vAbt, p. 588 „Villa Ludovisi" nr. 45 so be-
Aus Ägyptens Vorzeit p. 497, sowie BACIA j schriebeuen Kopf: „Weiblicher Kopf mit einer
GEA | NE- und ANTOO | TITA | T, Mi. 6, 33, Stirnkrone, wahrscheinlich eine Kaiserin als
268; Sestini, Mus. Med. 3. Cont. p. 8 nr. 4; 20 Inno vorgestellt; auf der Brust mit einem
Cat. Northwick 1 p. 155 nr. 1545; Ch. Lenor- geknüpften, der Isis und ihren Priesterinnen
inant PI. 87, lettre N; Boutkoicski p. 195 nr. eigentümlichen Franzengewande" ist nach
467. Die „Statua corpore muliebriter vestito, Schreiber, T). ant. Bildw. der Villa Ludovisi
facie d. sp. (eiusdem Beginae [CleopatraeJ sub p. IIS nr. 95 die mit Untergewand und unter
Isidis persona) s. seeptro innixae, d. e lagena der Brust zusammengeknotetem Franzenmantel
libantis, et cistae mysticae inter duos serpentes bekleidete Büste neu, weshalb er für die hier
insistentis" einer Silberniünze des Mus. Payne uns beschäftigenden Bildwerke nicht in Be-
Knight p. 213 A nr. 3 stellt vielmehr eine tracht kommt. Ein „sardoine" der Sammlung
Bacchusstatue dar, auch zeigt die Vorderseite King soll nach King, Ant. gems and rings 1
dieser Münze nicht wie Knight meint, die 30 p. 69 PI. 49, 7 darstellen „Lady uith lotus, on
Häupter des Antonius und der Kleopatra, her brow, in ihe character of Lsis. Apparently
sondern das des ersteren und der Octavia, a Portrait of Lulia, daughter of Augustus".
Babelon, Monn. cons. 1 p. 179, Antonia 61. Zu dem oben Sp. 405, Z. 14ff. angeführten
Unter den Antiken zu Stockholm zählt E. Ger- Marlborough Cameo, der 1875 in den Besitz
hard, Arch. Z. 1853 p. 395 nr. 63 eine „Kleo- des Mr. Bromilow überging, ist zu bemerken,
patra mit dem Kopfputz der Isis des Vatikans ('?)" dafs darauf im Choix de pierres ant. grav. du
auf; „ein Bildnis der Kleopatra als Isis" will cab. du Duc de Marlborough 2 PI. 33 Didius
Herr v. Korff in einer Bronze der Sammlung Iulianus und Manlia Scantilla, von N. Nevil
des Generalkonsuls Thiremin in Alexandria Story- Maskelyne, The Marlborough gems 1870
sehen, A. Z. 1871 p. 21. Mehrfach will man 40 p. 80 — 81 nr. 482 Marc Aurel und Fauttina,
auf geschnittenen Steinen, Bingen und Glas- von Thompson , Photographs front the coli, of
pasten weibliche Mitglieder der Herrscher- the Brit. Mus. 1. Ser. pl. 868 p. 81 „Bust of
faniilie der Ptolemäer mit den Abzeichen der Iulian IL in the character of Iupiter Ammon,
Isis erkennen, so den Kopf der Berenike I. auf and of Egypt in the character of Ceres", von
einem „camee cn grenat oriental , trouve ä Wieseler, Über einige beachtenswerte gesehn.
Boubastis , ayant appartenu ä M. Spanopulos Steine des vierten Jalnhunderts n. Chr. 2, 1, B
consiü grec au Caire" , Empr. de cam. et d'int. p. 24ff. (S.-A. aus d. 31. Bde. d. Abh. d. K.
ant. par M. Odelli , 7. Cent. Borne 1868 Ges. d. W. zu Güttingen) Julian als Sarapis-
nr. 84 p. 12 ; auf einem konvexen Chalcedon Ammon und seine Gemahlin Helena als Isis
aus Syrien im Besitz des Grafen Tyskietoicz 50 erkannt werden, wie denn auch bei dem ebenda
in Paris, Heibig, Bull. d. Inst. 1885 p. 21 f., Z. 16 ff. erwähnten, jetzt im Metrop. Mus. of
Furticängler, Jahrb. d. Ks. Arch. Inst. 3 p. 206, art in New- York (King, The Johnston Coli, of
4 p. 80 — 84, Tfl. 2, 2; auf einem „transparent engr. gems p. 41 nr. 67) befindlichen Steine
glass of a violet colour", Brit. Mus. Guide to Wieseler (2, 2 p. 55 Anm. 1) an Julian H denken
the first and second egyptian rooms p. 121 nr. möchte. In der Inschrift von Athribis aber bei
6273; den der Berenike, Gemahlin des Ptole- Letronnc, Bec. 1 p. 228 ff. = C. I. Gr. 4711,
inaios III. Euergetes auf zwei Steinen in Paris, auf die man sieh für den Beinamen via lots
Chabouillit p. 24 nr. 160, 161 (Sardonyx) ; den der lulia Augusta, d. i. Livia, der Mutter des
der Berenike, ohne nähere Angabe auf einem Tiberius beruft (Prelltr-Jordan, B. M. 23 p. 450,
„sardoine" in Coli, de M. de Montigny, P. gr. 60 Anm. 4), ist der Name der Göttin nur Ergänzung
Paris 1887 p. 32 nr. 411, PI. 4; vielleicht den Letronncs. Auch dafs der Kopf der EYGHMA
der Arsinoe, der Gemahlin des Ptolemaios IV. der alexandrinischen Kaisermünze bei Eckhel,
Philopator auf einem Karneol in Paris, Cha- D. K. V. 4 p. 45 Livia als Isis kostümiert
bouillet p. 617 nr. 3507, den der Kleopatra I. zeigt, wie Aschbach, Livia, Denkschr. der Kais.
neben dem des Sarapis, wie auf den oben ver- Ak. d. W. zu Wien. Phil.-Hist. Kl. 13. Bd. 1864
zeichneten Münzen, auf einem durch Newton p. 81 Anm. 3 annimmt, ist irrig,
von Castellani für das Brit. Mus. erworbenen Als Schutzgöttin der Könige und Kaiser
Goldring, Poole, Num. Chron. N. S. 6, 1866 ist sie natürlich auch eine Sieg verleihende
521 Isis (verleiht Sieg u. Gesundheit) Isis (Heilgöttin) 522
Göttin, wie sie denn in einer Inschrift von Pap. Ebers p. 1 — 2, Erman, Äg. u. äg. Leben
Delos geradezu 'laig Nh.n heilst, Bull, de Corr. i. A. p. 368, Wiedemann , Die Sei. d. a. Äg.
Hell. 6 p. 338 nr. 44. Ihre siegreiche Macht p. 147 — 148, Woenig, Die Pflanzen im alten
bewährt sie aber nicht nur gegen Feinde im Ag. p. 368. Nach Pap. Dem. 65 in Leyden
Felde, sondern auch gegen böse dämonische lehrt sie den in Syrien durch eine Schlange
Wirkungen aller Art. Das über Isis als Göttin gestochenen Horos, den Stich zu heilen, Wricde-
des Sieges zu Sagende habe ich zusammen- mann, Herodots 2. B. p. 557; durch magische
gestellt in der Wochenschrift f. Mass. Philo}. Sprüche weifs sie Skorpionen- und Schlangen-
1886 Sp. 1432 — 1434, vgl. für Sarapis Wieseler, bisse zu heilen, Golenischeff, Die Mettemich-
Uber einige beachtenswerte geschn. Steine 2, 1 10 stele Z. 79, 4; Z. 83, 27 ff., Wiedemann, Sero*
p. 37 ff. Zu den dort verzeichneten Inschriften, dots 2. B. p. 233. Im Pap. Ebers, Tfl. 47, 5—10
welche der Isis das Beiwort invieta geben, wird ein Mittel verzeichnet „bereitet von Isis
C. I. L. 6, 352 ('?), 353, kommt noch eine von selbst für Ra, um zu vertreiben die Schmerzen
Köln (Schaaff hausen, Bonner Jahrbb. Heft 76 in seinem Kopf", Joachim p. 61, Ebers, Ztschr.
p. 31— 62, speziell p. 38, Tfl. 1; Jahrb. d. K. f. äg Spr. 1873 p. 43, Woenig p. 368. Im
D. A. Inst. Arch. Anz. 4, 1889 p. 182; West- Pap. Eb. XCV, Joachim p. 173—174 wird ver-
deutsches Korrespondenz-Blatt 7, 81), wie denn zeichnet: „Beschwörung für die Brust. Die
auch Apul. Met. 11, 7 sie numen invictum Brust ist dieselbe kranke (Brust) der Isis, die
nennt; zu denen, die sie als victrix bezeichnen in der Stadt ^ebt die Götter Su und Tefnet
(Orelli-Senzen 5856; I. B. N. 5352 = C. I. L. 20 gebar. Sie hat für sie ihre Beschwörung ge-
9, 3144), eine aus Asculum Picenum (Orelli 1882 than über aat-Pfianze, Gesundheitskörner, über
= G. I. L. 9, 5179, vgl. PreUer-Jordan, B. 31. beqat des Rohres, über Haare der abt-Pflanze,
ls p. 84 — 85) und eine aus Bononia, Sensen die herbeigeführt sind, um alle möglichen
5832 = C. I. L. 11, 695; unter denen, die ihr Krankheiten, soviel ihrer sind, zu vertreiben";
das Beiwort triuinphalis geben, C. I. L. 6, 355; ebenda 69, 6 wird, um eine Brandwunde zu
Herzog, Galliae Narbon. prov. rom. hist. p. 73 kühlen und zu heilen, die R,ede der Isis an
nr. 351 = Orelli-Hensen 5835, ist letztere zu Horos in einer uns unbekannten Sage über
streichen, da nach Hirschfeld, C. I. L. 12, 734 dem Heilmittel, der Milch einer Frau, die einen
derSteinzeigtlSIDIS gJT- PAREL COLLEGAE. Knaben geboren hat, gesprochen, Erman p.472.
Das Amulett mit der Inschrift Nemci j\ Eloig 30 Auf der Grabstele der Isis steht, sie sei von
auf beiden Seiten (Bull. delV Inst. 1873 p. 34, Hermes in der Medizin unterwiesen worden,
1874 p. 50) s. jetzt bei Kaibel, Inscr. Gr. Ital. Diod. 1, 27. Wenn nach Diodor ein von der
et Sicil. 2413, 5. Isis erfundenes Heilmittel c'i&avaaia hiefs, so
Ebenso wie Sieg verleiht Isis (nicht minder führte nach Galenus de compos. med. sec. gen.
wie Sarapis) auchGesundheit, und A. Maury Hb. 5 cap. 2, Zoega, De or. et usu obel. p. 654
(Eist, des rel. de la Gr. 3 p. 279, vgl. Dö'llinger, ein anderes Pharmakon den Namen Isis, vgl.
Heidentum und Judentum p. 624) dürfte nicht über Erfindung von Heilmitteln durch Isis die
irren, wenn er meint, dafs besonders dadurch von v. Bittershain, Der medisinische Witnder-
beide Gottheiten aufserhalb Ägyptens populär glaube u. die Inkubation im Altertum. Berlin
wurden. Die Ägypter erzählten nach Diod. 1 10 1878 p. 5 und Anm. 7 angeführten Stellen.
c. 25 (vgl. Sprengel, Vers, einer pragmat. Gesch. Als Curiosum sei erwähnt die Ableitung des
der Arsneikunde l3 p. 66 — 67) Isis habe viele Namens Isis von Hebr. iasa = salvavit, serva-
Heilmittel erfunden und besäfse grofse Erfah- vit, Dan. Willi. Triller, Opuscula medica ac
rung in der Arzneikunde, weshalb sie auch die medico-philologica 2 p. 340.
Unsterblichkeit erlangt habe; sie freue sich Besonders als Heilgöttin führt sie Bei-
arn meisten der Heilungen der Menschen und namen wie odzsiQa, navGiozBiqa, sospitatrix,
gäbe im Schlafe denen, die darum bäten, Heil- sedutaris (Dreo.ler, Myth. Beitr. 1 p. 34 Anm. 1)
mittel an. Deshalb eifere der ganze Erdkreis auch XQrlaz'l znrjv.oog, C. I. Gr. 2300, sva-/.oog
in ihrer Verehrung. Viele, die von den Ärzten C. I. Gr. 2174, restitutrix salutis, Eph. epigr.
wegen der Schwierigkeit der Krankheit auf- 50 7 p. 356 nr. 1194.
gegeben würden, erlangten von ihr Rettung, Verbreitet war im Altertum die Sitte, dafs
wie sie denn häufig Leuten die Sehkraft zurück- Kranke, um ihre Gesundheit wieder zu erlangen,
gegeben habe. Sie habe das Heilmittel ä&a- sich nach Darbringung eines Opfers in einem
raaia erfunden und damit ihrem Sohn Horos Tempel niederlegten, um im Traume von der
das Leben wiedergegeben, ja die Unsterblich- Gottheit Ratschläge zu erhalten, Vinck, Amoe-
keit verschafft; auch habe sie ihn die Heil- nita'es philol.-medicae cap. 5 p. 61 — 73; Mei-
kunde gelehrt. Welcher, Kl. Sehr. 3 p. 97, 99 bomius, De uicubationibus in fanis deorum me-
hält diesen Bericht des Diodor für eine Er- dicinae causa f actis. Helmstadii 1659 und in
dichtung der ägyptischen Priester, die dadurch Sehlaegers Fasciculus dissertationum rariorum
ihren Göttern den Vorrang vor den griechischen 60 de antiquitatibus sacris et pro fanis. Heimst,
hätten geben wollen, und meiut, erst unter den 1741; Frederik Munter, Otn en Votivgemme
Ptolemäern seien Isis und Sarapis zu Heilgott- meden Aesculapisk Slange, Viel. Sei. hist. og
heiten geworden. Aber schon im Pap. Ebers phil. Skr. IV. Deel; Gauthier, Bech. hist. sur
(verf. um 1700 v. Chr.) weiden die Rezepte l'exercice de la medecine dans les temples ches
durch eine Gebetsformel eingeleitet, in welcher les peuples de Yantiepuite. Lyon 1844; Welckcr,
Isis angerufen wird, den Kranken zu erlösen, Zu den Altertümern der Seilkunde. Bonn 1850
wie sie Horos erlöst hat, Pap. Ebers 1, 12 ff., p. S9— 156 = Kl. Sehr. Bd. 3; Wolff, De no-
Ebcrs, ZtscJir. f. äg. Spr. 1873 p. 43, Joachim, vissima oraculorum aetate p. 28 ff.; Marfjiiardt,
523
Isis (Heilgöttin')
Isis (Heilgöttin)
524
B. St.-V. 3 p. 97; P. Girard, L'Asclepieion
d'Athenes p. 65—78; Preller-Jordan, B. 31. I3
p. 429; A. 3Iaury, Eev. arch. 6, 1849 p. 151—
158; Lafaye p. 103; Trcde 4 p. 176; weitere
Litteratur s. bei Bouche-Leclercq , Hist. de la
divination 3 p. 271 Anrn. Wenn v. Biitershuin
p. 15 diesen unter dem Namen der Inkubation
bekannten Brauch für die Tempel der Isis in
Abrede stellt und nur für die des Sarapis gel-
ten läfst, so ist dies sicher irrig. Wohl haben
wir gerade für Sarapis interessante Belege aus
dem Sarapeion von Memphis in der von E.
Egger, Bev. arch. 1860 p. 111 — 125 erläuterten
Inschrift: 'AgiazvJXXog zö Xv%vdnztov dv t'[-97)Kff ,
V7IO XaßtOV v]ti6 zov %iov mkxcüs 8taK£i[G%at,
1 71 ft Kai laz\gttatg xQ°>ti£v0S iots 7tf[gi vabv j
övtigotg, o]vk rjävviifirjv iytiiag [tv%eiv\ ' nag
av%d\v, anders dagegen Fröhner, Inscr. gr. du
muse'e du Louvre p. 32 nr. 21 (vgl. die Stele
mit Apis vor einem Altar und der Inschrift
Ivvnvta HQLVCO | ZOV &£OV TTQOÖZCCy fld £%G)V TV%&
dya 9äf Kgfjg loxtv 6 j Kgtvwv xdäs ebendaher,
A. Mariettc, C. r. de l'ac. des inscr. et b.-l.
1879, 4e ser. t. 7. p. 130 — 131 nr. 3); in den von
Artemidor , Oneirocrit. 2, 44 citierten Büchern
des Geminos von Tyros, (Pseudo)-Demetrios
und Artemon aus Milet mit „vorzüglich von
Sarapis angegebenen Vorschriften und Heilun-
gen" (Susemihl, Gesch. d. griech. Litteratur in
der Alexandriner zeit 1 p. 873, Bouche'-LecJercq,
3 p. 383; in Varro, Eumcnides fr. 18 ed. Gehler
[= io Vahlen, 32 Bibbecl-, Bit. Mus. N. P. 14,
1859 p. 111, 28 Biese, vgl. Boeper, Philologus
17 p. 86, Bücheier, Bit. Mus. N. P. 20, 1865
p. 428, Ellts, A commentary on Catullus p. 28]),
aber der Kultus der ■frfoi Gvvvaot Sarapis und
Isis ist so innig verbunden, dafs die von
v. Bittershain angenommene Beschränkung der
Inkubation auf die Sarapistempel schon an und
für sich nicht glaublich ist. Aufserdem sagt
Diodor 1, 25 gerade von Isis: Kaxd ydg zovg
vitvovg iq)tczct(itvr)v ötdövat xoig KafivovGi
ßorför\g,axu Tigög t«s vößovg. Aristides 1 p 500t'.
ed. Dind. erzählt, dafs ihm im Tempel zu
Smyrna „syivsro äs Kai cpmg 7iagd zrig"latäog
y.ai ixiga dfiv9ttxa cpigovxa ilg acoxrjgiav
itvdvn ö's Kai o Ztdgantg xrjg avxrjs WKxbg,
äjia avxog x£ Kai ö 'AOKXnntug, 9av(iaGxol xo
s.dXXog y.ai xo utyt&og Kai xtva xgbnov dXXt]-
Xotg ijiqieQBis", und beim Verlassen des Heilig-
tums redet er nsgi xrjg zov fttov yogyozijzog
Hai ävvaaeag- noorj ztg sin Kcti Kaza epr)iiag
Kai Kaza GvfißoXovg , Kai ozi TzoXXaKtg r/än fiot
tnl zf\g £v%rig rjX&sv -jj dnÖKgtotg. In Tithoreia
war es nur denen erlaubt, das Advton zu be-
treten ovg av avzr] ngozignoaGa ij iGig KaXeGij
atpäg 8t ivvnviav, Baus. 10, 32, 9. Beiläufig
sei erwähnt, dass G. Wulff, De nov. orac. aet.
p. 31—33 bei Paus. 3, 26, 1, der von dem Heilig-
tum der Ino zwischen Thalamai und Oitylos
berichtet: „isgov ßaziv 'Ivovg Kai fiavzitov.
Mavxtvovxai ythv ovv Ka&tvdovxsg' bnöaa d av
nv&tG*rat dstföäotv övzigaxa öiikvvoC atptoiv
?; &£ 6g'1, 'ivovg in 'Iovg ändern und in letzterer
Io-Isis erkennen will. Auch wo es sich nicht
um Heilungen handelt, wird das Erscheinen
der Isis im Traume erwähnt, Apul. Met. 11, 3,
vgl. luv. 6, 529 (Credit enim ipsius domiitae
se voce moneri). Zahlreiche Inschriften be-
ziehen sich auf durch Erscheinungen während
der Inkubation oder durch gewöhnliche Träume
erhaltene Weisungen der Götter mit den For-
meln: nQOGxa^avxog xov freov, Kaza Ttgoozayfia,
Kazct ijttzayriv, Kaz' Iwirayfia, f| tntzdyfiaTog,
fi; i yv.eXsvOEiog, Kaxd v.iXsvotv, v.ax üviiqov,
Ka& opaua, v.ax ovag, cvag IScov , v.ax sm-
cpavtav (vgl. auch Kuzä igruiaxiGfiöv und Kaxd
io fiavxhtav); iussu, iussu dei, ex iussu (dei, deae,
deorum, numinis), iussu imperiove, imperio, ex
imperio, ex praecepto, ex monitu, somnio ad-
moiiitus , somnio monitus, visu monitus, visu
(viso) ittssits, iusstis in visu, viso, ex visu (s. d.
Gemme des Major v. Sommer mit Schlange mit
Situla im Rachen und der Beischrift EX V1SV,
Fred. Munter, Om en Votivgemme); instinctu
(vgl. auch ex oraculo und ex responso (EX-R),
Marini, Atti dei Frutelli Arvali p. 25 — 26,
20 Fred. Munter a. a. 0. p. 14 — 15, Marquardt,
B. St.-V. 3 p. 98 Anm. 8, A. Bouche-Leclercq
1 p. 324 Note 1, M. Beaudouin et E. Pottier,
B. C. H. 3, 1879 p. 168, P. Girard, L' Ascle-
pieion d'Athenes. Paris 1881 p. 75, Beinach,
Traite d'c'pigr. grecque p. 384, Latus, Marini
ant. Bresciani p. 8 Note 7, Cagnat, Cours d'cpi-
graphie lat.° p. 221. Auf Isis bezügliche In-
schriften mit derartigen Formeln verzeichnet
Lafaye p. 102 Note 4; p. 103 Note 1; es be-
30 gegnet: v.a&' ogaucc, B. C. H. 6 p. 330 nr. 30;
Kaza TtQOGzayiia, C. L. Gr. 2304; 2305; Keil,
Bh. Mus. 1864 p. 255 f.; B. C. H. 6 p. 323 nr. 13;
327 nr. 21; 329 nr. 23. 24; 336 nr. 37; 339nr.44;
B. G. E. 7, 367 nr. 16; vgl. für Gottheiten ihres
Kreises: B. G. H. 6, 340 nr. 45 u. 47; 'A%f]vatav
4, 457 nr. 4; 460 nr. 1; B.C. H. 11, 274 nr. 37;
auch Kazd ksXevgiv dtoit Sigdntäog C, I. Gr.
5994; ferner kommt vor ex monit(u) eius, C.
I. i. 5, 484, vgl. Vinccnzo de -Vit, Ädria e le
40 Site ant. cpigraß 2 p. 144f. nr. 107, p. 336 — 338;
(I)sidis inperio, C. I. L. 5, 10 = AEM 1, 1877
p. 45; ex impierio), C. I. L. 9, 3144; ex viso,
C. I. L. 6, 1, 346; ex visu, C. I. L. 6, 1, 353,
vgl. 572 Widmung an Sarapis; C. L. L. 9, 5179;
iussu, C. I. X. 2, 3386; vgl. auch Apul. Met.
II, 14 divino monitu; 11, 19 Nee fuit nox una
vcl quies aliqua visu deaeque monitu ieiuna, sed
crebris imperiis sacris suis me iamdudum desti-
natum, nunc saltem censebat initiari ; 11, 22
50 sed noctis obscurae rton obscuris imperiis evi-
denter monuit; quis et ceteris benevolis
praeeeptis summatis deae recreatus animi; 11,
26 deae potentis instinctu; 11, 29 me . . . sie
instruxit nocturna dirinationc clemens imago.
Die Träume wurden ausgelegt durch den
övUQOxoizrig, B. C. E. 6, 324 f. nr. 16. 17. 18;
339 nr. 43 oder svirnvioiigiz^g, Pap. Gr. Mus.
Lugd.-Bat. ed. Leemans 1 p. 117 f., Notices et
Extr. des manuscrits de la bibl. imp. 18 p. 334,
60 Pap. nr. 54, 35 Col. 3, Z. 78 u. Note 1. Dafs
dagegen (wie Egger, Bev. arch. 1860, 1 p. 115
und Brunet de Presle, Kot. et Extr. 1865, 18,
2 p. 265; Mem. sur le Scrapeum de Memphis,
Mem. pres. par div. sav. ä l'ac. 1. ser., t. 2,
Paris 1859 p. 566, 676 und Beuvens, Lettres ä
Letronne p. 105 [vgl. die Note zu C. I. Gr. 3163
„f yxaTO^r/öKt est tyxotuäe&at, quia ineubatione
homines ftunt xce'ro^ot"] annehmen), auch die
525 Isis (Heilgüttin) Isis (die Füfse ihr geheiligt) 52(3
■AÜxoyoi, tynttzo%oi, of sv xaxoxf] mit Erklärung Stellung der Gesundheit sind ihr gewidmet die
von Träumen etwas zu thun hatten, weist Pkw, Inschriften Le Bas et Waddington, Asie Min.
De Sarapide p. 39 mit Recht zurück. In der 511: 2ctQi'nri\Si], "lei[ßi\, @soig itäai, &squ7civ-
ägyptischen Litteratur spielen beiläufig bemerkt öras 'AjioM.o}iidag'Al£E,av$g£vg ^KptGtEiß, ferner
die Träume eine grofse Rolle (Pierret, Dict. Lolling , Mitt. d. D. A. I. i. Athen 11 p. 265
d'arch. e'g. s. v. Songes p. 519, Ebers, Ag. u. d. nr. 3 und American Journal of archaelogy 1,
B. 31. p. 320—322), und es werden die seit- 1885 p. 304 nr. 2, s. oben Sp. 382: J]u 'HKt'tp
samsten Mittel angewendet, um Träume zu er- [iiydlm ZaguniSi xjai xr\ xvQä"l6iäi'loi'§a>gog\
halten; so soll man nach einem Papyrus aus der 'A]y>Qo8ioiov 'Als'gavÜQtvg, | öJtoiHg tv. voaov,
Sammlung Anastnsy auf ein Byssusstück mit 10 svxfjv | avi&r^s, vgl. für Sarapis Aelian, De
Wachtelblut die Figur eines stehenden Gottes nat. anim. 11, 31. 32. 34. 35. Ihren Dank be-
mit Ibiskopf zeichnen und ihn anrufen im zeugten die Geheilten sehr häufig durch Wid-
Namen seines Vaters Osiris und seiner Mutter mung von Fachbildungen der geheilten
Isis, Beuvens, Lettre prem. p. 9, Pap. bilingue Gliedmafsen. Von abbildlichen Darstellungen
nr. 75, 6. sect. Col. 5. 'OvsCqov a'ixnaig. Ein der kranken Körperteile versteht Broukhusius
griechischer Papyrus des Brit. Mus. [Goodivin, die pieta tabella in den Versen des Tibull 1,
Public, of the Cambridge Society , Graeco-egyptian 3, 27—28:
fragment on magic. Cambridge 1852; vgl. Gha- Nunc dea, nunc suecurre mihi, nam posse
bas, Pap. magiejue Harris p. 181—182) enthält mederi
unter 10 magischen Anweisungen: „1. Divi- 20 Pieta docet templis multa tabella tuis.
nation par Serapis. 2. Formule magique pour Votivgliedmafsen mit öfterer Wiederholung
obtenir une vision. 8. Pour obtenir une re- der Inschrift "laiäi EsqutiiSi 'Avovßtäi. sv%rjv
ponse d' Sennes dans un songe." Als Verfasser fand man in Arsos, s. oben Sp. 380. Zahlreiche
eines Buches ekstatischer Visionen galt Horos, Votivkörperteile aus Thon und Metall aus dem
Bio Chrysost. 1 p. 205 ed. Dind.: h yaq zoig Isistempel in Pompeji befinden sich nach Trede
"ilgoi yFypßfififVois Övslquoiv oi äv&Qionoi zoi- 4 p. 313 im National-Museuni zu Neapel.
avxag oipsig opcäct, vvv g,av äoxovvxeg ano- Bei einem Glied, dem Fufs, können wir
&vr\e-Aiiv v.ctl oxvlsvsG&ai, tidliv dl ävt'axaad-ai zweifelhaft sein, ob es der Isis wegen ihrer
v.a.1 (idxsa&ctL yvfivol ovzzg, ivi'ozs äh olofisvoi Eigenschaft als Heilgöttin oder aus anderen
SidniLv %al zoig ftioig Siuliyze&ai v.ai avzovg 30 Gründen geweiht wird. In der ägyptischen
dnoacpäzzsiv v.al [irjdtvoq äsivov övzog xcci Mythologie hat, wie es scheint, Nephthys im
ovzoig, fl zvypi itozs, ntxtc&ai Kai ßadi&iv Totenkultus eine Beziehung zu den Füfseu.
inl xfjg &ctläzzrjg, Susemihl, Gesch. der griech. Es wird nach Totenbuch 125, 59 u. 60 ed. Lep-
Litt. in der Alexandrinerzeit 1 p. 876 Anm. 191, sius der Verstorbene, ehe er die Halle der
von dem auch ai ßi'ßXoi al "SIqov Hai. "latäog doppelten Wahrheit betritt, vom Fufsboden
bei Lucian, Galt. 18 herbeigezogen werden. derselben so angeredet: „Tritt nicht hin auf
Mehrfach wurden im Altertum geschnit- mich, redet ihn an das Steingetäfel des Fufs-
tene Steine mit den Bildnissen der Götter oder bodens von dieser Halle. Ich bin ganz rein,
mit Anrufungen an dieselben als Amulette zur Da ich nun den Namen deiner beiden Füfse
Bewahrung und Herstellung der Gesundheit 40 nicht kenne, mit denen du auf mich trittst,
getragen, und man darf annehmen, dafs Isis auf so nenne da ihn mir." „„Fufssohle am ver-
ihnen eine nicht geringe Rolle spielte. Wenn schlossenen Orte ist der Name von meinem
aber Kaibel, Inscriptiones Gr. Sic. et Ital. 2413, rechten Fufse, Eahlfufs der Nephthys ist der
15 auf einer bei Rom gefundenen „pietra a Name von meinem linken Fufse."" Auf diese
forma di piastra rotonda" mit der Formel Stelle und den Umstand hin, dafs von CzermaJc
dndllalov Hgianov ano xov tzovov zov rjTiazog und Mariette in Mumien die abgezogene Epi-
den Namen der Isis &t[ä 'I \ai[g] aus dem ganz dermis der Fufssohle gefunden worden ist,
undeutlichen Anfange BAAAAOY CHMINAC vermutet Ebers, Ztschr. f. äg. Spr. 1871 p. 48
G6 | NCI6 herauslesen will, so kann ich ihm — 49, dafs Nephthys den Fufs wieder mit der
hierin nicht beistimmen. 50 ihr gewidmeten Sohle zu bekleiden hatte. Der
Bei der grofsen Bedeutung, welche bei den Isis-Hathor kam es nach dem Mumisierungs-
Alten die Bäder für die Gesundheitspflege ritual zu „die Beine des Verstorbenen unter
hatten, ist es nicht zu varwundern, dafs öfters den Göttinnen zu kräftigen und ihnen die Be-
Bilder der ägyptischen Gottheiten oder Weih- wegungsfähigkeit im Jenseits zurückzugeben",
inschriften an dieselben in Bädern gefunden Ebers, Ztschr. f. äg. Spr. 1880 p. 63. Hieraus
wurden. Einiges hierauf bezügliche Material erklärt Ebers, dafs auf dem römischen Stein
habe ich zusammengestellt Myfh. Beiir. 1 p. 33 mit der Widmung Isidi fruetiferae posuit bei
Anm. 1. Auch aus den Thermen von Cherchell Gruter p. LXXX11I, 10 zwei Sohlen abgebildet
verzeichnet Waiile, G. r. de l'ac. inscr. et b.-l., sind, während Zoe'ga, Num. Aeg. Imp. p. 224
mai-juin 1888, vgl. Ben. des rev. 13 p. 259 den 60 zu Marcus 134 die Erklärung dafür in Apul.
Fund von „Ute de femmc voilee (Isis?)", wie Met. 11, 17 zu finden meint. Zoe'gas Erklärung
auch „torse de femme drapee (Hygiee?)". ist hinfällig, weil bei Apul. nach den besten
Natürlich sind der Isis pro sohlte, ob salutem Ausgaben die in Frage kommende Stelle ein-
geweihte Inschriften, bei denen aber salus auch osciüatis vestigiis deae, qitae gradibus haerebat,
das Wohlergehen überhaupt bedeuten kann, nicht haerebant wie Zoe'ga las, argento for-
nieht selten, z. B. G. I. L. -3, 2903; 6, 1, 436 mata lautet. Es ist darin also nicht von dem
(Widmung an Isis salutaris), C. I. L. 3, 2903; Küssen der getrennt von der Göttin aufge-
4809; 5, 779; 8229; 8255; bestimmt für Her- hängten Sohlen, sondern von den zum Zeichen
527 Isis (die Füfse ihr geheiligt) Isis (die Füfse ihr geheiligt) 528
tiefster Devotion geküfsten Füfsen ihrer Statue, Bildw. in Oberital. 2 p. 242 nr. 542, Lafaye
(vgl. 11 c. 24, den Fufskufs, den Diocletian ver- p. 273 nr. 27; 2) Marmorfufs mit Sandale in
langte, Treue 4 p. 381, den Fufskufs der eiser- Turin mit sarapisküpfiger Schlange an der
nen Petrusstatue in Rom, Trede 2 p. 38, den linken, isisköpfiger Schlange an der rechten
Fufskufs des Papstes, Trede 1 p. 303, 4 p. 381) Seite, Knabenfigur, wohl Harpokrates, hinter
die Rede. Aber auch Ebers' Erklärung ist nicht den Hacken, Coli. Drovetti, Monumens nr. 27,
stichhaltig. In den bei weitem am meisten Doc. ined. 3 p. 291, Orcurti , Catall. ill. dei
Fällen nämlich, wo wir Fufssohlen auf Steinen monum. egiz. 1 nr. 67; Diitsclike, Ant. Bildw.
abgebildet sehen, haben wir dieselben als in Oberital. 4 p. 66 — 67 nr. 103; Wieseler, Gott.
Zeichen der Anwesenheit von Pilgern an Wall- 10 Nachr. 1877 p. 655; Heydeinann, 3. Hall.
fahrtsorteD, an denen natürlich Heilungen nicht Winckelmanns- Programm p. 38, 3, Gtrhard,
selten stattfanden, zu fassen {K. 0. Müller, Prodromus p. 146, 8; s. oben Sp. 510; 3) Mar-
Hdb. d. A. d. K. p. 766 § 436, 2; O.Jahn, Her. morfufs mit Sandale der Sammlung Harris,
d. Kgl. Sachs. Ges. d. II*. 7, 1851 p. 103 Anm. 310, gefunden im Kaisareion zu Alexandreia; über
Conze, Heise auf der Insel Lcsbos p. 31 — 34, ihm erhebt sich eine thronende Gottheit, deren
TS. 13; Hcthier u. Mordtmann, Zur Epigraphilc Kopf abgebrochen ist (Sarapis) mit Schlange
von Byzantion !(. Konstantinopolis , Denkschr. oder Adler und Delphin zur Seite, Prisse, Pev.
d. ph.-'h. Kl. d.K.E.Ak.d. W. zu Wim. Bd. 13, arch. 2 p. 752, A. Maury , Eev. arch. 1850, 7
1864 p. 73ff., Tfl.7. 8), und es ist nicht unmög- p. 600—602 PL 152; Panofka, Asklepios u. die
lieh, dafs dieser Gebrauch, seine Anwesenheit 20 Asklepiaden p. 344. Auf dem Altar C. I. L.
an einer heiligen Stätte durch Eingravierung 6, 1, 572 sieht man über der Inschrilt DEO
von zwei Fufssohlen zu bezeugen, sich von SERAPI : M -VIBIVS • OXESMYS -EXVISV
Ägypten aus verbreitet hat, 0. Jahn a. a. 0., einen schlangenumwundenen Fufs zwischen
vgl. Pitrret, Dict. d'arch. e'g. p. 439 s. v. Pieds. zwei Sphinxen, auf der einen Seite Sarapis,
Besonders von dem Heiligtum der Isis in Philä auf der anderen Isis; Fabretti , Inscr. pat.
sind uns solche Inschriften mit Fufstapfen er- p. 467, 20 fafst dieses Denkmal als ex-voto
halten, C. I. Gr. 4946; Letronne, Mater, p. 70 ff. ; eines am Podagra Leidenden auf. Auch in der
Hist. die christianisme en Egypte, Mein, de l'Ac. Deutung des Sarapishauptes über einem Fufse
des Inscr. et B.-L, 10 p. 179 — 180; Oeuvres auf alexandiinischen Kaisermünzen des Anto-
choisies 1 p. 63—65; Hecueil des Inscr. (fr. et so ninus Pius, Zoega p. 167 nr. 44, Eckhel, jD. N.
lat. de VEg. p. 198 ff.; 204—205; A. Mawry, V. 4 p. 66, Mi. 6, 214, 1431; Marc Aurel,
Eev. arch. 1850, 7 p. 601; G. Maspcro , Eev. Zoega p. 223 nr. 127; 224 nr. 134, Mi. 6, 307,
arch. 1882 n. s. 43 p. 37—39; Brugsch, Ztschr. 2114; Commodus. Feuardent p. 162 nr. 2248.
f. äg. Spr. 1888 p. 67. Auch die mit Abbil- PL 27, Cohen, Cat. Gre'au p. 270 nr. 3219;
düngen versehenen Widmungen von „to ßrjua" Zoega p. 23S nr. 27 und auf einigen Gemmen,
an Isis und Anubis und ,,rä ß^ftara" au Isis Chabonillct p. 262 nr. 2027; Gori, Thcs. g. astrif.
Dikaiosyne auf Delos (B. C. H. 6 p. 327 nr. 21, 1 Tab. 18, 2 p. 62—64, Gori, Mus. Flor. 1,
p. 336 nr. 37) erklärt Am. Hauvttte-Besnault für 53, 6, Lippert, JDaktyliothck Suppl. 1, 9 p. 6,
Geschenke von Wallfahrern. So wendet denn David et Mitlot, Le Mus. de Florence 1 p. 2 1 9 f.,
0. Jahn diese Erklärung auch auf die Weih- 10 PL 87, 1, Ovcrbcek, Zeus p. 517, i gehen die
inschrift an Isis fruetifera (die auch bei To- Ansichten auseinander. Zoega p. 224 Anm. zu
masinus, De donariis in Graevius, Thes. ant. 3[arcus 134 u. p. 404 identifieiert Sarapis hier
Bom. 12 p. 787, Fubrelti, Inscr. pat. p. 471, mit Asklepios und meint, man könne aufserdem
114, C. I. L. 6, 1, 351 verzeichnet wird) an. denken „de pede velut totius corpioris basi, qua
Derartige Abdrücke von Füfsen finden sich incolume totus hämo salvus videri potuerit',
übrigens auch auf Steinen, die anderen Gott- ebenso Panofka, Asklepios u. die Asklepiaden
heiten geweiht sind, so dem I.iber (Arch. Anz. p. 344 und Gori; David und Mitlot und Passeri
1864 p. 199*, Conze a, a. 0. p. 32 Tfl. 13, 7), in Goris Thes. g. astrif. denken an Heilung
der Invic(iyta Celestis (Muratori, X. Thes. Vet. eines Fufsleidens oder an glückliche Rückkehr
Inscr. Lat. 1 p. 17, 9, Conze p. 32 Tfl. 13, 4); 50 von einer Reise. Die Erklärung, dafs Sarapis
der B(ona) D(ea) Quietanaf?) (C. I. L. 6, 1, hier als Heilgott zu fassen sei, ist nicht un-
825); dem Satarnus Aug. (C. I. L. 8, 9016); der möglich; in ähnlicher Weise kommt das Haupt
Victoria victr ix (C. I. L. 8, 8446) ; der Bttelfona) des Asklepios über einem mit Sandale be-
Aug., C. I. L. 8, 7958. Aufser den Abdrücken kleideten und von einer Schlange umringelten
von Fufssohlen auf Steinen mit Inschriften Fufs auf einer Münze des cilicischen Aigai vor,
giebt es auch selbständig gearbeitete Füfse Mi. 3, p. 544 nr. 33, Panofka p. 343, vgl. Tfl. 7, 7
mit Darstellungen der ägyptischen Gottheiten. p. 35S; anders fafst King, The Gnostics- p. 189
Auch diesen legt 0. Jahn eine ähnliche Be- die Bedeutung, wenn er den Fufs „as conoeying
deutung wie jenen bei, „so dafs der Dank für most spedkingly the notion of departure" za
die glückliche Heilung und Wallfahit wohl 60 einem Emblem der chthonischen Gottheiten
mitunter zusammenfliefsen, aber die letztere macht und in einem dem Sarapis geweihten
doch vorzuwiegen scheint". Es sind folgende: in Stein geschnittenen Fufs sieht „ex voto
1) Marmorfufs in Florenz, nackt, auf oblonger commemorating the donor's cscape from the
Basis, darüber sich erhebend das Haupt des very threthold of his dark domain" [vgl. die
Sarapis, Zannoni, Galleria di Firenze, ser. 4, Erklärung der Fufstapfen in der christlichen
1 tav. 38, H. Meyer in Bottigers Amalthea 1 Kunst als „Symbol des Übergangs in die
p. 288, von beiden für ein ex-voto wegen glück- bessere Welt", Munter, Sinnbilder 1 p. 54, als
lieh vollbrachter Reise erklärt, Dätschke, Ant. „Symbol der glücklich beendeten Lebensweise
529 Isis (Heilgöttin) Isis (Heilgöttin) 530
und der Freude „„daheim zu sein bei dem funden worden sind; sowie die von S. Beinach,
Herrn"" (2. Kor. 5, 8)", Kraus, Die christliche Iiev. Arch. 3e se'r. 9, 1887 p. 366 "Ie]i3i [hol-]
Kunst in ihren frühesten Anfängen p. 98]. qavm xai &iai"g Nvvipaig ergänzte Inschrift
Ein interessantes Basrelief mit der Inschrift von Mykonos, Bull, de Corr. Hell. 1887 p. 275,
Evvota Ei'aiSi sv%rjv aus Theben (Bangabe, Ant. die dort freilich Tä]i dl Msquvöii xal diaig
hell. p. 778 nr. 1213, Ä". Keil, Zur Sylloge Inscr. Nvvrpcag gelesen wird. Auch sei daran er-
Boeot., 4. Supplemcntbd. d. Jahrb. f. Id. Phil. innert, dafs eine Statue der Isis bei den Heil-
1864 p. 583 nr. 1) dürfen wir wohl als Dank quellen von Tibur gefunden sein soll, s. oben
für eine der Isis zugeschriebene Heiluug auf- Sp. 410.
fassen. Bangabe beschreibt dasselbe so: „Petit 10 Wohl als Weihgesehenk an die Heilgöttin
bas-relief du plus beau style, rcpresentant un Isis ist auch zu fassen das nach der Vermutung
jeune homme nu, couche sur un lit. Une tete Conzes, Sitzungsber. d. pliil. hist. Kl. d. K. K.
ä barbe, de plus grandes dimensions, et iraitee Ali. d. W. zu Wien Bd. 98, 1881 p. 554 aus
en me'plat, est repr. de face derriere cette fgure, Athen, richtiger nach Boecldi, C. I. Gr. 2300
et devant eile trois jeunes fdles, se tenant par und Furtwängler , Die Sammhing Sabouroff 1
la main, executent une danse. Au-dessus de p. 30 von Delos stammende Relief in Florenz
l'homme couche il y a un enfoncement circulaire mit der Inschrift "iaiSi xQ^arr^i inriKoon Ei-
de 0,05m de diametre et portant dans son Xiv/.og EomguTov iv%r[V ini itgtiag dioyik&ovs
champ trois plus petits trous." Bangabe' fafst zov Jio-nliovg Tvgfisäov und Darstellung des
das Haupt als das des Zens Ammon, den 20 sog. Toteumahls, Dätschkc, Ant. Bildiv. in
Jüngling als Osiris. Dies ist sicher irrig. Man Obcrital. 2 nr. 193. Conze erklärt dasselbe im
wird die Darstellung aufzufassen haben als allgemeinen wohl richtig, wenn er sagt: „Man
Dank für eine Heilung durch die Nymphen kann sich fragen, ob etwa aus Lebensgefahr
auf Eingebung der Isis. Der Gelagerte ist ver- gerettete Kranke einen bequemen Gebrauch
mutlich der Sohn der Stifterin. Die tanzenden vom Typus des Totenmahlreliefs zu Weihungen
Gestalten, bei denen man zunächst an Chariten an die rettende Gottheit machten, an Asklepios
denken möchte, kann man immerhin als Nyrn- sowohl als an Isis, derart, dafs bei der ge-
phen erklären, da auch diese tanzend gedacht lagerten Figur des Reliefs an den Kranken
werden, wofür man nur sich an das Horazische selbst gedacht wäre." Denelcen oben 1 Sp.2581
„Gratia cum Nymphis geminisque sororibus 30 scheint eher der Ansicht zu sein, dafs es als
audet Ducere nuda choros" zu erinnern braucht, wirkliches Totenmahl aufzufassen und der Isis
vgl. übrigens für die nahe Verwandtschaft als chthonischer Göttin in ihrem Heiligtum
beider und für ihre Beziehungen zu Asklepios aufgestellt war; Furtwängler fafst die Beiworte
Furtwängler, Mitt. d. D. A. Inst, in Athen 3 igrfir.g und s'w/jxoos als „recht charakteristisch
p. 190— 191. 198. 200. 202. Der Kopf ist das für das gnädige gute Wesen der Unterirdischen",
auf Nymphenreliefs so häufige (Panofka, Über aber er ist wohl im Irrtum, wenn er die Ge-
den bärtigen oft hermenähnlich gestützten Kopf stalten als Sarapis und Isis selbst ansieht.
der Nymphenreliefs, Abh. d. Ale. d. W. zu Berlin, („Wer der nicht genannte Mann ist, kann keinen
1846) von Michaelis, Ann. d. Inst. 35 p. 333, Augenblick zweifelhaft sein, es ist Sarapis.
Friederichs, Berlins Ant. Bildw. 1 nr. 392, 40 Wir sehen deutlich, wie das Paar Sarapis und
Kekule, Thescion p. 80 nr. 192 „als Andeutung Isis sich an die Stelle des alten chthonischen
der Quelle", von Wieseler, Über ein Votivrelief Götterpaares der Griechen setzt und auch die
aus Megara (aus d. 20. Bande der Abh. d. für dieses geschaffenen Kunsttypen usurpiert.
Kgl. Ges. d. W. zu Göttingen, abgeb. bei Furt- Sarapis war die Hauptperson in jenem Heilig-
wängler, Sammlung Sabouroff Tfl. 27) p. 6 — 7, tum, er ward hier als acatiig und Isis als au>-
p. 23 Anni. 15 „als Kultusbild des Acheloos, xnga verehrt, beide also als Heilsgottheiten;
der als höchster Schalter und Walter über auch befanden sich Orakel und Traumwahr-
das süfse, Gedeihen verleihende Wasser in sager hier ganz wie in den analogen Heilig-
den Nymphengrotten verehrt wurde", erklärte tümern griechischer Unterweltsgottheiten.")
Haupt. Die Heilkraft, die man den Quellen 50 Bekanntlich hatten Lc Bas, Exp. scientif. de
beilegte, ist bekannt. Wir können annehmen, Morc'e 2, Paris 1833 p. 109 ff., PL 62, Welcher,
dafs Isis die Benutzung der diesen Nymphen Ant. Denlcm. 2 p. 232—285, PI. 13, 23. 24. 25,
geheiligten Quelle angeraten hat, oder umge- bes. p. 271 ff. und Girard, L' Asclepieion d'Athi-
kehrt, wenn dieselbe etwa betäubende und nes p. 103 ff. die Totenmahle als Weihgeschenke
Hallucinationen hervorrufende Dämpfe ent- au Asklepios, bezügl. Sarapis und Isis gedeutet;
wickelte (vgl. A. Maury , Bev. arch. 6, 1849 besonders die Darstellungen, in denen der Tote
p. 158 ff.), dafs der Kranke während des Schlafes den Polos trägt, erklärt Welcher p. 275 f. als
in der Nymphengrotte die Weisung empfing, solche des „Pluton- Sarapis"; selbst Lafaye
sich der Isis anzuvertrauen. Für die Ver- p. 289 nr. 90 folgt noch dieser Auffassung, in-
bindung der Isis mit den Nymphen vgl. die «0 dem er die betreffende Gestalt als „Serapis-
Inschrift (C. I. Att. 2, 3, 1671, oben Sp. 384) Esculape" bezeichnet. Jetzt ist man fast all-
'Egfiov A(pQoSsiz7]g Ilavog' Nvuqjäv "laiäog vom gemein mit Recht von dieser Ansicht abge-
Südabhang der Akropolis in Athen, wo sich kommen, vgl. oben 1 Sp. 2571 ff. ; doch sieht
bekanntlich ein grofses Heiligtum des Askle- unter Zustimmung von Dinehcn 1 Sp. 2581 ff.
pios befand und ein Weihrelief an die Nym- Milchhifer, Jahrb. d. Arch. Inst. 2, 1887 p. 30
phen (f. Duhn, Arch. Zeit. 1877 p. 157 nr. 50) „in der jaolosartigen Kopfbedeckung des ge-
und verschiedene an die Chariten {Furtwängler, lagerten Mannes einen Hinweis auf den von
Mitt, d. D. A. Inst, in Athen 3 p. lSlff.) ge- vielen Genossenschaften gepflegten Kult des
531 Isis (u. Sarapis = Asklepios u. Hygieia) Isis (u. Sarapis = Asklepios u. H3Tgieia) 532
Sarapis", und Sp. 2588 nennt Denehen diesen Mond und 5 Sterne; im Felde vor dein Son-
Koptputz geradezu den „Polos des Sarapis", nengespann der Kopf des Jupiter Serapis, und
warnt aber mit Recht, „derartige Reliefs auf unten Isis in ganzer Gestalt mit Sistrum und
die Götter, deren Habitus der Gelagerte zeigt, Situla, Hygiea (nach Winekelmann, Descr.
zu beziehen". 2. Cl: 14. Sect. nr. 1191 p. 200 Horos) und
Dafs übrigens Isis und Sarapis ebenso wie Äseulap"; indessen dürfte dies keine andere
andere chthonische Gottheiten (s. oben 1 Darstellung seiu als die des Sarders der Sto-
Sp. 2508) nicht selten durch Herrichtung von schischen Sammlung bei Gori, Thes. gemm. astrif.
TQcinf^a und vlivr\ geehrt wurden , soll nicht I Tab. 42 (s. oben Sp. 435 und 448), wo die
in Abrede gestellt werden; so erscheint Isis 10 Abbildung Isis, Demeter und Triptolemos zeigt,
auf dem Lectisternium auf der oben Sp. 457 An einem bleiernen Arzneibüchsehen mit der
erwähnten Bleitessera der Sammlung Scholz; von Hirschfeld , C. I. L. 12. Falsae nr. 323
ferner sind zu verzeichnen „Sarapis, witli mo- für eine Fälschung erklärten, von Lebigue aber
dius, at a Symposion tvith Isis on l., and veiled verteidigten Inschrift: Ex ofßnina L(ucii) Oc-
female figure on r. Sard, fragment. Towriley tavi(i) ad calfiginem) stellt das eine Basrelief
Coli.", A Cat. of enqr. gems in the Brit. Mus. Harpokrates dar, das andere „um femme vue de
p. 144 nr. 1214; „Triclinio di Giove Serapide face, viiue d'une rohe quila couvre completement.
con Giunone ed Iside, Corniola d'ignoto pos- La Ute est peu distinetc. Elle tient de la in. g.
sessore", Cades, Impr. gemm. Cent. 4, 3, Bull. un objet arrondi, un vasc, et de la m. dr. une
dclV Inst, di corr. arcli. 1834 p. 123; die oben 20 couronne. A cöte d'elle, ädroite, se dresse un ser-
Sp. 511 f. erwähnte Bronze mit Sarapis, Har- pent. C'est une de'essc Hygiie", lebigue, Bull.
pokrates, Isis und Bast, Gaylus, Bec. d'ant. 4 epigr. 4. 1884 p. 16 — 18," Bcv. Aren. 3e ser. 12.
PI. 23, 1 p. 68, Baponi PI. 21, 17, Lafaye p. 314 lSS8p. 140—144. In Strawberry Hill verzeichnet
nr. 168; der Lampengriff mit Sarapis, Isis, Michaelis, Arch. Zeit. 1875 p. 62 nr. 16 „Gruppe
Helios und Selene, Lafaye p. 304 nr. 133, Lieh, des Harpokrates und Telesphoros". Ein roter
Dieb, des ant. rom. et gr. Paris 1859 p. 356, oben Jaspis des Musco Carpeqna, Doc. ined. p. s.
Sp. 43S; Münze von Älexandreia, Wiczay 1 nr. alla storia dei Musei d'Italia 2 p. 211 zeigt
6814, Tab. 28. 597 = Sestini, Mus. Hed. 3 Cont. Sarapis und Hygieia. Zwei als Gegenstücke
p. 46 nr. 3; Münzen von Sinope mit Sarapis zusammengehörige Elfenbein -Medaillons der
auf der Kline, Num. Zeitschr. Bd. 21 p. 8 — 9, so vatikanischen Bibliothek „sind mit den grofs-
Tafel 1, 8, Furtwänqltr, Sammlung Sabouroff artig gehaltenen Brustbildern des Serapis und
p. 30; vgl. die Inschriften Soli Serapi cum sua Asklepios geschmückt", E.Braun, Die Ruinen
cline, II Düntzcr, Bonner Jahrbb. 1 p. 88, und Museen Borns p. 837. Münzen von Teos
C. I. Bit. 330 und S]aQaniSi r.ai"latSi tgeine Sfav, und Prymnessos zeigen im Obv. das Haupt
Le Bas et Waddington, Asie Min. 395, 1. 17. des Sarapis, im Rs. den stehenden Asklepios,
Natürlich traten Isis und ihr Kreis auch zu Num. Zeitschr. 21 p. 117 — 118, p. 176. Ein
den griechischen Heilgottheiten in Be- roter Jaspis mit den Figuren des Asklepios und
ziehung. In Lambaesis befanden sich neben der Hygieia trägt die Aufschrift CGPATTI AKCOI
einander der Asculaptempel und das Heiligtum IA6C0C (id est IA600C), Baspc p. 258 nr. 4107,
der Isis und des Sarapis, Wilmanns._ Comment. 40 Kopp, Pdlaeogr. crit. 4 p. 277 ff. § 804, 805.
philol. in hon. Mommsini p. 195. In Ageira um- Die von Pausanias 2,27,7 erwähnten Gott-
gaben im Apollontempel das Bild des Asklepios heiten Hygieia, Asklepios und Apollon mit
die Statuen des Sarapis und der Isis, s. oben Beinamen der ägyptischen in Epidauros er-
Sp. 391. Auf Delos wurde im Heiligtum der klären einige geradezu für Isis, Sarapis und
ägyptischen Gottheiten eine Weihinschrift an Horos, s. oben 1 Sp. 2787, 2 Sp. 390. Isis-
Hygieia gefunden, Bull, de Corr. Hell. 6 p. 339 Hygieia kommt inschriftlich auf Delos vor,
nr. 42. Ein ebendaselbst gefundenes Bruch- Bull, de Corr. Hell. 6 p. 339 nr. 42, s. oben 1
stück zeigt die Widmung KAI AIKAuTriw, .S'. Sp. 2787. Auf Münzen des Claudius Gothicus
Beinach, Bull, de Corr. Hell. 7 p. 36G nr. 15, erscheint Isis mit Sistrum und Situla und der
doch kommt ebenda die Verbindung von Hadad, 50 Beischrift SALVS AVG, Pignorius, Mensa
Atargatis und Asklepios vor (Bull, de Corr. Isiaca p. 10, Griselini, Diss. mitöl. e stör, sopra
Hell. 6 p. 498), so dafs Reinach vielleicht nicht la dca Iside in Baccolta d'opusc. scientif. e fdo-
mit Unrecht in Asklepios eine dem griechischen logici 39. Venezia 1748 p. 340, Mead, Diss. de
Heilgott assimilierte orientalische Gottheit nummis quibusdam a Smyrnaeis in medicorum
sieht. In Athen wurde beim Asklepieion am honorem percussis p. 20 Tab. 3 nr. 20, Baschc
Südabhang der Akropolis eine Weihinschrift 4. 1 p. 1635, Eckhel, D. N. V. 7 p. 473, Gaylus,
an Sarapis gefunden, C. I. Att. 3, 1, 145, a, Bec. d'ant. 6 p. 247 f., PI. 74 nr. 5, Hobler,
v. Sybel, Eat. d. Slculpt. zu Athen-p. 300 nr. 4091, Becords of roman history 2 p. 788 nr. 1921,
P. Girard, L'Asclepieion ä'Athenes p. 19 Note 4. Maria, Num. Zeitschr. 16, 1884 p. 457, Cohen
In Apulum bringt dem Sarapis eine Weih- co 6- p. 155 nr. 255 — 257, s. oben Sp. 406; vgl.
inschrift ein Priester des Äseulap, C. I. L. Münzen desselben Kaisers mit Isis und Sarapis
3, 973 und in Gratianopolis dem Äseulap eine (Baschc 1, 2 p. 818, Suppl. 2 p. 24, Banduri 1
Widmung ein aedituus der Isis dar, C. I. L. p. 340, Cohen 62 p. 136 nr. 59) oder mit Sarapis
12, 2215. Gegenüber dem Asklepios erscheint allein und der Beischrift CONSERvator AVGusti,
Isis auf einer Münze von Pagai, Journ. of Hell. Drexler, Myth. Beitr. 1 p. 34 Anm. 1. Ein
Stitd. 8 p. 50. Auf einem Karneol in Berlin dunkler Sarder im Eataloq der Gemmen-
soll nach Töllcen 3, 1, 31 p. 90 zu sehen sein: Sammlung des Tobias Biehlcr. Wien 1871 p. 30
,, Helios auf dem Sonnenwagen umher der nr. 178 zeigt „Hygieia mit dem Sistrum". Auch
533 Isis (u. ihre heil. Sehlange) Isis (u. ihre heil. Schlange) 534
auf einer Münze von Chersonesos soll im Obv. sichert wird, sie schone die Guten, beifse aber
Hygieia mit dem Sistrmn, im Rs. Asklepios zu die Taugenichtse tot, so ist das reine Wind-
sehen sein (Vers, altgriecli. und röm. Münzen beutelei. Manche setzen auch hinzu, Isis schicke
aus dem Nachlasse des Dr. plril. Paul Becker sie zu den schlimmsten Verbrechern. Die
p. 13 nr. 204), doch scheint mir die Richtigkeit Ägyptier sagen, diese Art von Aspis sei allein
der Beischreibung nicht hinlänglich gesichert unsterblich, zählen übrigens 16 verschiedene
zu sein. Unbegründet ist die Behauptung Aspisarten auf. In jedem Winkel der Tempel
Brizios, Giom. degli scavi di Pompei N. S. 1 sollen sie eine Wohnung für eine Thermuthis
nr. 8, 1869 p. 196, die Griechen hätten, den bauen und sie mit Kälbertalg füttern", Lenz,
Kult der Isis hellenisierend, sie mit Hygieia 10 Zoologie der alten Griechen und Römer p. 471.
verschmolzen „poiche si trova spesso congiunta Bei Epiplianius Panar. L. 3 c. 12 p. 1094 ed. Pe-
con Serapide nelV attitudine proprio, ad Igia tavius = Corpus haereseologicum 2, 3 p. 510 ed.
con Esculapio (v. p. es. Schlichtegroll . P. gr. Gehler ist Thermuthis eine besondere Gottheit:
de Stosch tv. 3), ed una volta eome Igiea CÖl, alloi ds xgv Ti&Qug,ßm,'Ev.axriv SQUtjvivopivnv
serpe attorcigliato intomo albraccio (3Ius. Borh. (.Jegendum , uti videtur xg Ti.&gagßcp, 'Ey.dxg
10,2. Helbig, Wandgemälde nr. 138)." sgtigvsvofiivg), txsgoi irijs 'Evicp&v (rescriben-
Nieht als Isis-Hygieia darf man erklären dum suspicor tg 'Evscpftv vel 'Eviqj&vi \li. e.
die Statue des Museo Pio-Clementino (Visconti, Nsqp&vi.]", oder wohl xg 'Hasvicp&vi.T), alloi 8s
Mus. Pie-Clem. 7 PL 5 p. 22 — 26, Chirac PL ig Qsgfiov&i xsli'ay.ovxat, alloi äs ry "loiäi.
987, 2576) mit Diadem, woran das Medusen- 20 Nun hat JablonsJci, Panth. Aeg. 1 cap. 5 p. 103
haupt zwischen zwei Schlangen zu sehen ist, — 121 auf diese Stelle hin angenommen, die
und um den rechten Arm gewundener und aus Ägypter hätten eine Isis-Hekate unter dem
einer Schale in der L. trinkender Schlange, da Namen Tithrambo oder Thermuthis verehrt,
die in Betracht kommenden Attribute auf Er- Ihm folgt Zoega, Numi Aeg. Imp. p. 214 nr. 9,
gänzung beruhen, s. Lafaye p. 256. Aber auch Anm., von dem eine von I. de Rouge p. 64
die von Tollten und Lafaye als Isis-Hygieia einfach als „Personnage feminin" bezeichnete
bezeichnete Figur einer Berliner Gemme: Isis Gestalt mit Schlange in der R. und Scepter
mit Sistrum in der R., Situla am linken Arm, in der L. auf einer Münze des M. Aurel von
Schale, in der sich eine Schlange emporrichtet, Naukratis als „Isis Termuthis sive Nemesis r\
in der L. (Tölken p. 16, 1. Kl. 2. Abt. nr. 35, 30 Siäovaa &dvaxovu erklärt wird. Auch Gcorgii
Haspe nr. 318, Winclcelmann , Descr. p. 14, 1 p. 285 steht noch unter dem Einflufs von Ja-
Nr. 55, Lafaye p. 256 f., p. 309 nr. 149) stellt hlonshis Ausführungen, wenn er sagt: „Als
kaum Isis-Hygieia dar, da ja Isis die Schlange Nemesis fällt sie (Isis) mit der Tithrambo zu-
hier nicht in der Art der Hygieia tränkt. sammen, und ihr auszeichnendes Attribut ist
Noch weniger gehört hierher die angebliche auch hier die Sehlange, besonders die Schlange
Isis-Hygieia einer Gemme des Cat. Hertz p. 8 Thermuthis, die sie als Kopfschmuck trägt und
nr. 118, welche Isis mit Sistrum und Situla gegen die Übelthäter schickt." Nach Wiede-
gegenüber einem Alter mit zwei sich auf- mann, Sei: 2. B. p. 316 ist die Thermuthis die
richtenden Schlangen zeigt. Wohl will Trede Uräusschlange. Brugsch, D. G. p. 1313f. meint,
2 p. 53 — 54 die Schlange der Isis als Heil- 40 der ägyptische Name der Thermuthis habe
göttin beigegeben wissen, auch IJasseri in ia-rmu-t gelautet, und sie sei die Erntegöttin
Goris Thes. g. astrif. 3 p. 103 — 104 und Georgii Renen-t. Ebers, Durch Gosen zum Sinai p. 83
in Paulys B.-E. 4 p. 283 weisen sie ihr teils und p. 525, Anm. 55 leitet den gleichlautenden
wegen anderen Eigenschaften, teils wegen ihrer Namen der Retterin des Moses Thermuthis ab
Punktion als Heilgöttin zu. Aber das viel- von mer en mut oder mer mwt mit weiblichem
deutige Tier läfst sich sehr verschieden er- Artikel t-mer mut „geliebt von der Göttin Mut".
klären. Der Schlangen mit cerealischen Attri- Lefebure, Sites e'g. p. 50 vergleicht mit dem
buten ist schon oben Sp. 447 gedacht worden. Namen den Titel der Isis Netermut „die göttliche
Weidner zu Juv. 6, 538 p. 160 legt die Schlange Mutter". Maspero sieht Isis Termuthis, identifi-
der Isis als Uuterweltsgottheit bei, vgl. über 50 eiert mit der Göttin Miritskro, auf der Stele
den funerären Charakter des Tieres in der nr. 296 von Turin, die er, Becueil de travaux
ägyptischen Mythologie Lefebure, Le mytlie relatifsälaphilologicetäl'archeologieegyptiennes
osirien 2e partie p. 175 — 177, Chabas, Pap. et assyriennes 2 p. 112 so beschreibt: „Elle est
magique Harris p. 63, Lanzone, Diz. di mitol. carree, et repre'sente, selon les Conventions ordi-
egiz. p. 144. Vor allem war sie bei den Ägyp- nahes du dessin egyptien, deux versants de
tern „l'un des animaux gardienspar excellence"; montagne qui descendent de droite et de gauche
jeder Nomos besafs in seinem Tempel eine et embrassent vers le haut une sorte de pared-
heilige Schlange, welcher der Schutz der Ort- lelogramme, sur lequel s'en levent en fort relief
lichkeit anvertraut war, Lefebure, Bites egyp- quatre serpenis love's formant corniche. Le cdte
tiens. Paris 1890 p. 49 — 52. 60 gauche est tout entier vide. Sur le penchant
Viel Verwirrung hat der sonst so nüchterne droit, ä mi-stele, une deesse est debout, eoiffee
Jablonski hinsichtlich der Schlange Thermu- de cornes de vache embrassant le äisque solaire,
this angerichtet. Aelian, de n. a. 10, 31 erzählt etc. Une legende en cinq colonnes verticedes
von dieser: „Die Aspisart, welche die Ägyptier grave'e sous les uraeus nous apprend que c'est
Thermuthis nennen, wirdvon ihnen als heilig ver- „Isis Termuthis (aber Lanzone, Diz. p. 307,
ehrt und wie ein Diadem um das Haupt der Isis Tav. 124, 2 übersetzt „Isis, die grofae göttliche
gelegt. Sie behaupten, dafs sie nicht zum Schaden Mutter"), la dame du ciel, la regente de tous
der Menschheit geschaffen sei; wenn aber ver- les dieux, la dame des naissances, la multiple
535 Isis (u. ihre heil. Schlange) Isis (u. ihre heil. Schlange) 536
des formes", etc. Diese in der thebaniscben rere; mit einem Uräus: Büste der Io-lsis, Lafaye
Totenstadt verehrte Göttin Miritskro, oder wie p. 275 nr. 39, s. oben Sp. 440 („eine kleine
andere den Namen lesen, Merseker, eine Form platte Scblange in der Mitte des Diadems");
der Isis-Hatbor (Lansone p. 306, Pierret, Biet. Bronzefigur der „Iside greca" im Museo Bor-
d'arch. c'g. p. 340) erscheint teils in Menschen- giano „con un fiore^alto in testa", „ticne sopra
gestalt mit Schlangenkopf, teils als Schlange la testa quel scrpente grosso e tutulato, che so-
mit kleinem, modiusähnlichem Aufsatz und gliono redersi sulle fronti delle figure egizie",
Diskus zwischen zwei langen Federn darüber, Ginnta cd § 55. Bronzo nr. 278, Boc. ined. 1
Lansone p. 306—314, Tav. 124—129. p. 413; Onyx-Cameo in Wien mit den Büsten
Im Hathortempel von Dendera wurden aufser 10 des Sarapis und der Isis, letztere „couronnee
zahlreichen anderen Schlangen ein Uräus mit d'e'pis que snrmonte un serpent", Lafaye p. 312
Kuhkopf (vgl. Montfaitcon, L'ant. expl. 2, 2 nr. 160; Topas des Musee Fol („un uraeus se
PI. 136, 3) Neb Ant die Herrin von Dendera drcsse au-dessus de son front"), s. oben Sp. 458,
und ein anderer Uräus Arar verehrt, in denen Lafaye p. 310 nr. 152; mit zwei : Bronzebüste
man nach Lefcbure „representants de la dc'csse des Cab. Burand p. 409 nr. 1920 {„large pal-
(Hathor) considerce comme divinite des deux mette ornce die globc, entoure du croissant lu-
parties de VLgypte" zu sehen hat, Lefebure naire et aecompagne de deux uraeus"), Lafaye
a. a. 0. p. 50. 52. p. 276 nr. 43; verschleierte Büste, mit zwei
Als geflügelter Uräus mit der roten eine kleine Scheibe umgebenden Schlangen,
Krone des Nordens wirdButo (Ouadj,Uat',Utit), 20 Visconti, Musee Pie-Clcm. 6 PL 17, 1, p. 115 f.;
eine Lokalform der Isis dargestellt, Pierret, La/aye p. 276 ni. 43; Marmorstatue („diademe
Pantheon e'g. p. 32, Brugsch, Bei. p. 327, Lan- que decore sur le devant le disque de la lune
zone Tav. 58, 4, Tav. 60, p. 181. Vielleicht surmontee de plumes et flanquee de deux ser-
haben Abbildungen dieser Göttin die von pents"), Chirac 958, 2574, c, Lafaye p. 278
Herodot 2, 75 erwähnte Sage von den geflü- nr. 48; vgl. Apul. Met. 11, 3, oben Sp. 437
gelten aus Arabien kommenden Schlangen „cuius media quidem super frontem plana ro-
veranlafst. Dafs bildliche Darstellungen nicht iunditas — clextra laevaque sulcis insurgentium
selten fabelhafte Erklärungen veranlafst haben, viperarum cohibita" ; Vol. Flacc. Arg. 1, 4
dafür geben die Wappensagen des Mittelalters aspide cineta comas, Georgii p. 283. Als am
zahlreiche Beispiele, und bekanntlich hat Cler- 30 Kopfe der Göttin befindlich fafst Visconti,
niont-Ganncau mehrfach sich zu zeigen bemüht, Musee Pie-Clcm. 6 p. 116, Anm. 1 auch die
„dafs die bildliche Darstellung, welche ein von Juvenal 6, 537 erwähnte silberne Schlange
Mythus gefunden, auch ihrerseits auf dessen der Göttin (Et movisse caput visa est argentea
Um- und Weiterbildung nun Einflufs habe", serpens) auf, während Weidner annimmt, sie
s. Premier, Jahresber. üb. cl. Fortschr. d. M. habe sich in der R. der Isis befunden, und
A.-W. Suppltbd. 25. Bd. p. 52 ff. Dafs gerade Trecle 2 p. 53 sie sich von der Göttin getrennt
in einer Buto genannten Ortschaft, die Wiede- denkt, für welche Erklärungsart man sich ver-
mann (Herodots 2. B. p. 31S) für Am, eine gleichsweise auf die eherne Schlange im Teni-
Hauptkultusstätte der Buto hält, Herodot seine pel eiuer Heilgottheit auf Kerkyra (B. Schmidt,
Erkundigungen über die geflügelten Schlangen 40 Kerfa/räiselic Studien p. 31, p. 89 Anm. 103,
einzog und daselbst Knochenhaufen derselben C. I. Gr. 1838 a. 9. Z. 10, vielleicht auch Z. 8)
vorfand, dürfte vielleicht etwas für diese Ver- berufen könnte.
mutung (andere Erklärungen s. bei Wicdemann Wenn bei der Sonnenfahrt in der Unterwelt
p. 319) ins Gewicht fallen. Ne^eb, die Göttin „die letzte Thür, die das Ende der 12. Stunde
von Eileithyiapolis und Südägypten erscheint bildet, zugefallen ist, sitzen Nephthys und
zuweilen als Uräus mit der weifsen Krone des Isis in Gestalt zweier Uräusschlangen an
Südens, Lansone Tav. 349, 4, p. 1024. In der Thür, um den jungen Sonnengott zu
Sehlangensrestalt befinden sich Buto und Ne^eb schützen", Wiedemann, Bie Beligion der alten
an der geflügelten Sonnenscheibe Hor-Bahudti Ägypter p. 58. Auf eiuer ägyptischen Toten-
[Biugscli. Bei. p. 273, vgl. Pierret, Le Pantheon 60 kiste in Paris schützen in der 2. Reihe Isis
ig. p. 30 ff.), und nach Brugsch, Bei. p. 328 f. und Nephthys den Toten in ihrer gewöhnlichen
bezeichnet der Geier der Ne^eb mit der Süd- Gestalt, in der 3. Reihe dagegen in Gestalt
kröne am Haupte der ägyptischen Götter und von zwei geflügelten Uriien mit der Sonnen-
Könige die Herrschaft über die Südgegenden, Scheibe zwischen Hörnern auf dem Haupt,
die Schlange der Buto die über die nördlichen E. Ledrain, Gas. circh. 4 p. 191 — 192. Isis
Gebiete. Auch eine einfache Uräusschlange erkennt Ledrain, Gas. arch. 4 p. 191 ferner in
wird an die Sonnenscheibe gesetzt und dient der geflügelten Schlange mit Sonnenscheibe
als Kopfputz der Hauptgottheiten, welche zwischen dem Halbmond auf phönicischen
die Sonne repräsentieren, und der Könige, Gemmen von Sardinien (Sammlung Sjiano) und
welche Söhne der Sonne genannt wurden, go Curium, Cesnola, Cyprus PI. 38, 24. 25.
Lansone p. 142 f. Nach Aelian 6, 38 (vgl. Wie Nephthys in Schlangengestalt mit
Lens p. 469) deutet die Aspis des Diadems der menschlichem Antlitz vorkommt, Lansone
Könige die Unüberwindlichkeit ihrer Herr- p. 367, so werden auch Isis und Sarapis nicht
schaft an; nach Horapollon (Hierogl. 1, 1, selten als Schlangen mit menschlichem
vgl. Wiedemann, Herodots 2. Buch p. 316) die Kopf dargestellt, s. oben Sp. 425 u. 510 und die
Herrschaft über Leben und Tod. Darstellungen in der Num. Zeitschr. Bd. 21 p. 51 — 53 u. Anm. 6
der Isis mit einem oder zweiUräen am Diadem verzeichneten Denkmäler, von denen die von
oder unmittelbar am Haupte finden sich meh- A. Mordtmann, Bev. Arch. N. S. 37, 1879 p. 260
537
Isis (u. ihre heil. Soblange)
Isis (u. ihre heil. Schlange)
538
PI. 9, 2 = Lafaye p. 285 nr. 77 mitgeteilte
Bronze hier wiedergegeben wird.
Auch ein paar silberne Armbänder aus Nau-
kratis zeigen Isis und Sarapis in Schlangen-
gestalt mit menschlichen Köpfen , Third me-
moir of the Egypt exploration fund. Naukratis
part 1 (1884— 1885). Second. edit. London 1888,
PI. 28 p. 43 nr. 54, vgl. Coli. Drovetti, Hoc.
ined. 3 p. 285 nr. 205 „Bracelet en or, finissant
nr. 52 und Isis-Fortuna mit schlangenumwun-
denem Füllborn Lafaye p. 279 nr. 53. Zuweilen
erscheint die Schlange auf einer von der Göttin
gehaltenen Schale; so hält in einem pompeja-
nischeu Wandgemälde „eine an Isis erinnernde
Figur auf der L. eine Frucbtschale, auf der R.
wie es scheint eine Schale mit Schlange",
Heibig p. 218 nr. 1094c, ungenau von Lafaye
p. 327 nr. 219 als „Isis — dans la dr. une
par les figures d'Osiris et Isis"; und unter den 10 patere oü boit im serpent" beschrieben; auf
Bronzen in Turin verzeichnet Orcurti, Catal. einem anderen hält eine ägyptische Priesterin
ill. dei monum. egiz. del r. mus. di Torino p. 157 „auf der L. eine Schale mit Schlange", Heibig
nr. 22, vgl. Drovetti p. 213 nr. 72 „Urens col p. 218 nr. 1095, Lafaye p. 328 nr. 220; auch
modio e le due penne, e con testa di
donna. E emblema della dea Hathor".
Aufserdem sieht man die Schlange
auf die mannigfaltigste Art mit Isis ver-
bunden. Sie hält die Schlange in oder
auf der Hand; in der L. : L. Müller,
Muse'e Thorvaldsen p. 83 nr. 667: „Isis
sous la forme la plus egyptienne au visage
de negre, ayant l'ornement place sur un
volle, et une longue robe collante. Elle
s'avanee, un vase (vSqsiov, situla) dans
la m. dr. abaisse'e et im serpent dans la
g. etendue. Calcc'doine" ; ferner Mutet)
Borgiano 3, 1, 14—16, s. oben Sp. 435;
nr. 13b (hier ringelt sich die Schlange
mit dem Schwanz um den Arm der
Göttin) ; in derR. : Marmorrelief in Braun-
schweig, s. oben Sp. 470; Coli. Gre'au,
Cat. des bronzes ant. p. 169 nr. 842; Bronze
der Coli, de M. Bammcville p. 7 nr. 4;
Bronze in Dresden, Jahrb. d. K. Deutsch.
Anh. Inst. 4, A. Ans. p. 105 („auf der
R."); Bronze bei Pignorius, Vetust. tob.
aen. sacris Aegyptiorum simul. coelatae
explicatio Tab. 4 = Cuperus, Harpo-
crates p. 46 (hier ist die Schlange zu-
gleich um den r. Arm der Göttin ge-
schlungen); Empfang der Io durch Isis,
Heibig p. 40 nr. 138 = R. Mus. Borb.
3, 1839, Tav. 19 p. 255 — 259, Gerhard,
Ges. Ale. Abh. 2 p. 35 Anm. 3; dagegen
ist die von Roux u. Barre, Hercul. u.
Pomp. 2. Bd. 2. Ser. der Mal. p. 170
Tfl. 137 für Isis erklärte Figur mit
Schlange in der R. nicht auf diese
Göttin zu deuten, sie wird von Piroli et
Piranesi, Ant. d'Herc. 1 PI. 44 als Isis-
priester, von Heibig p. 217 nr. 1094 als
bärtige männliche Figur bezeichnet; vgl.
die Priester der Göttin mit der Schlange in
der Hand, Heibig p. 219 m: 1099; ferner Gemmen:
Raspe p.29 nr.320; Winclcelmann 1,2, 51 p.l4 =
Tölken 1, 2, 81 („Bubastis"); Münzen des Nomos
Memphites und Bleimünzen des Sarapeions
von Memphis s. oben Sp. 420—421 ; Tesseren
des Museo num. Lavy 1 p. 406 nr. 4561; p. 407
nr. 4579
Isis und Sarapis als menschenkopfige Schlangen, Bronze (nach
Rec. arch. N. S. 37, PI. 9, 2; vgl. ob. Sp. 536, 62 ff.).
das Symbol des Monats November, der Isis-
priester, in einem Mskr. des Calend. Philoccd.
hält in der R. eine Schüssel, worauf sieh eine
Schlange emporrichtet, Lafaye p. 267 nr. 13.
Auch den Körper von einer Schlange umwunden
kommt Isis vor: Statue bei Montfaucon, L'ant.
Oder die Schlange ist um den Arm 60 expl. Suppl. 2 PL 43 p. 154 aus Maffei; die
gewunden; um den 1. bei der Isiaca des Reliefs
in den Admiranda Rom. Antiq. PL 16, Mont-
faucon 2, 2, 116, 1 p. 286, Amadutius, Monum.
Matthaejana 3 pl. 26, 2 p. 49; Phil. Aur. Vis-
conti et Jos. Guattani, Monum. du muse'e Chia-
ramonti PI. 2 p. 23—36, Lafaye p. 300 nr. 118;
bei Isis-Fortuna Cup>erus p. 38 ; vgl. Isis-For-
tuna mit Schlangenarmband Lafaye p. 278
Erzstatue bei Gori, Thes. g. astrif. 3 p. 97-
111 stellt aber eher Osiris als Isis dar; auch
die Gemmen bei Raspe p. 27 nr. 291 — 295
lassen sich nicht mit Sicherheit als Isisdar-
stellungen erklären, wie denn der Typus von
nr. 295 von King, The Gnostics1 PL F, 3
p. 440 als „Mummy, enveloped in the folds oftlie
guardian Agathodaemon" bezeichnet wird. Von
543 Isis (zauberkräftige Göttin) Isis (strafend, = Nemesis) 544
„Büste d'Isis en applique provenant de la de- Blindheit, auch Schwellen des Körpers (Georgii
coration d'une patere" bei de Longpe'rier, No- in Paulys B.-E. 4 p. 285, Tgl. ähnliche Be-
tice des bronzes ant. du muse'e du Louvre p. 115 strafungen der Frevler durch Anaitis Fried-
nr. 516; ebenda „Patere orne'e de filets circu- länder, Sittengesch. 3 p. 448; S. Beinach, Bev.
laircs en relief et de'coree des bustes de Serapis arch. 3e ser. 6, 1885 p. 107, vgl. p. 109). Den
et d'Isis en applique de haut relief" und „Autre. Übermütigen droht sie mit dem Blitzstrahl,
Les bustes d'un style fort grossier ont ete fixe's Hymn. v. Andres vs. 167 f.: imigfidloig äi
sur le cöte plan ou exterieur de la patere", y.£qolvvö> \ [uotoaittoica ß]oi.aig arißagäv &vu-
p. 114 nr. 510 und 511, nach handschriftlicher toio[iv] cxnsiXciv . . . .; ihr Bild in Rhodos über-
Notiz des Prof. Friederichs Spiegeldecke (510) 10 schüttet die Schiffe des Mithradates mit Feuer,
nebst Spiegelfläche (511); ferner „Petite patere App. b. Mithr. 12 c. 27, Georgii p. 285._ In
ä Ubations. Dans Vinte'rieur, les bustes juxta- dieser Eigenschaft als Bestraferin des Über-
pose's de Sarapis et d'Isis en relief" in Coli. ruuts berührt sie sich mit Nemesis. Bei
J. Gre'au. Cat. des bronzes ant. p. 6 nr. 171; Apul. Met. 11, 5 giebt sie als einen ihrer
ferner eine Schale im Leidener Museum mit Namen Rhamnusia an. Auf Delos wird in drei
dem Brustbild des Harpokrates am Boden bei Inschriften eine 'ifftg NspsBLg erwähnt, Bull.
leemans, Monum. egypt. du muse'e d'ant. ä de Corr. Hell. 6 p. 336 — 338 nr. 38 — 40; vgl.
I.eyde PI. 70 nr. 490, Dilthey, Bonner Jahrbb. Bull, de Corr. Hell. 8 p. 104; nach nr. 39 weiht
1873 Heft 53/54 p. 4; Isis, „manche de patere" Sosion, der Sohn des Eumenes, der Isis Nemesis
aus Cypern in Coli. J. Greuu. Cat. des bronzes 20 einen Naos und ein Agalma, von welchem
ant. p. 169 nr. 840; Schreibgrifiel : „unc figurine Hauvette- Bisnault ein Bruchstück erhalten
de Se'rapis et d'Isis addosse's forment l'extremitc glaubt. In Rom führt Isis nach ihrem Tempel
de cet ustensile", Chabouillet, Descr. des ant. et auf dem Marsfeld den Beinamen Campensis,
objets d'art composant lecab.de 31. Louis Fould. Apul. Met. 11, 26. Hildebrand will in der An-
Paris 1861. 2° p. 67 nr. 1303; Haarnadel mit merkung zu dieser Stelle 1 p. 1082 Isis auch
Isis als Verzierung, Caylus, Bec. d'ant. 4 PI. 80,5 in der Nemesis saneta campestris bei Gruter
p. 264, s. oben 1 Sp. 1551; „e'pingle romaine en p. 80, 2 = C. I. L. 6, 1, 533 erkennen, was
urgent. La tirje est surmontee d'un chapiteau 0. Gilbert, Gesch. u. l'opogr. d. Stadt Born im
qui porte une figurine ä" Harpocratt" , Cat. des Altertum 3 Abt. p. 111, Anm. 2 zu p. 110 da-
bijoux du musee Napoleon III. Paris 1862 30 hingestellt sein läfst. Von Bildwerken ist zu
p. 18 nr. 43; „tete d'epingle en urgent repre'sen- verzeichnen ein Relief von Thasos, das Isis
tant une figurine d ' Harpocrate" ', ebenda nr. 50; mit den Attributen der Nemesis (Flügel, Wage
Ohrringe mit Harpokratesfigürchen: Cat. Pour- in der R., in der L. einem undeutlichen Gegen-
tales-Gorgier. Paris 1865 p. 192 nr. 1322; Chi- stand, zu ihren Füfsen ein Greif) nebst zwei
bouillet, Cab. de M. Louis Fould p. 56 nr. 1155; anderen Nemesisfiguren darstellt, J. Thcod.Bcnt,
Fr. Lenormant, Coli. A. Baife p. 101 nr. 743; Athenaeum 1S87 nr. 3113 p. 839, Posnatisky,
Gewichte mit Isisbüsten: Coli. J. Gre'au. Cat. Nemesis u. Adrasteia, Breslauer Pliilol. Abk.
des bronzes ant. p. 63 nr. 314. 315, u. a. m. 5, 2 p. 123. Auf einem Karneol erscheint eine
Auch das Sistrum fand als Apotropaion Ver- Göttin mit den Attributen der Isis, Nemesis
wendung, Lcfe'bure p. 68, Bruzza, Ann. delV 40 und Hygieia: Kopfputz der ersteren, in der R.
Inst, di Corr. arch. 1875 p. 58 zu Martial Schlange, welche aus einer Schale in der L.
14, 54; es kommt vor an den sog. Votivhänden trinkt, Rad zu Füfsen, Zeitschr. f. Num. 14
z. B. an der des Museum Meadiueum p. 216. Und p. 127 — 128, vgl. p. 125 ff., Posnansky p. 167,
wenn nicht selten zur Abwehr des Zaubers die vgl. p. 166, 170. Ein gewöhnliches Attribut
Kräfte der verschiedenen Gottheiten auf eine der Nemesis ist der Greif, Pusncuislcy p. 101.
einzige Göttergestalt, ein sog. Signum pan- 109. 124. 125. 127. 163, Furtieängler oben 1
iheum, konzentriert wurden, s. O. Jahn a.a.O. Sp. 1771 f. Auch zu Isis scheint derselbe in
p. 50 f., so diente demselben Zwecke jedenfalls Beziehung gebracht worden zu sein. Visconti,
auch die Vereinigung der verschiedenen Attri- Op. var. 3 p. 415 nr. 102 beschreibt aus der
bute der Gottheiten zu einem Bildwerke. In 50 Sammlung de la Turbie und King, Arch. Jour-
einigen dieser Zusammenstellungen ist auch nul 24 p. 306 aus der Sammlung Blacas wohl
das Sistrum vertreten, so in einer Bronze in denselben geschnittenen Stein (grünen Jaspis
Wien, ii. Sachen, Die ant. Bronzen des K.K. nach Visconti), der auf der einen Seite zeigt
Münz- w. Antilcen-Kab. in Wien p. 92, Tfl. 46; Isis stehend mit ägyptischem Scepter in der
v. Sacken und Kenner, Die Sammlungen des einen, Schlange in der andern Hand, Krokodil
K. K. Münz und Ant.-Kab. Wien 1866 p. 312 zu Füfsen nebst verschiedenen Zeichen und
nr. 1367: „Symplegma, zusammengesetzt aus Monogrammen im Felde; auf der anderen Seite
Keule, Steuerruder, Harpa, Syrinx, Köcher, erscheint nach Visconti „le griffon sur la roue
Äsculap-Stab, Schlange, Stern, Hammer, zwei de Nemesis avec une balance au bec; dans le
Cymbeln, Palmzweig, Patera, Bipennis, Thyrsus, co cliamp un ibis, un musque et les signes du soleil
Lagobolon, Fackel, Blitz, Geifsel, Spiegel, Si- et de la lune; sous ses 2>>eds un grand fiam-
strum, Lanze, Lunula; die Spitze bildet eine beau", nach King „a gryphon resting his paw
Lyra", und in einer Bronze der Sammlung on a icheel, the usual symbol of the sun-god,
Fejervary, Bull. delV Inst, di Corr. arch. 1851 the talisman ihus uniting the ideas of the Isiac
p. 126 — 127, Arch. Am. 1851 p. 74. and the Mithraic creeds. Its composition dis-
Zeigt sich Isis meist als eine gütige hilf- plays an uncommon richness of symbolism, the
reiche Göttin, so verfehlt sie doch nicht den gryphon's tail terminntes in a Serapis-head,
Frevler zu strafen; besonders verhängt sie his whecl squeezes out of the chrysalis a tiny
545 Isis (Nemesis u. Fortuna) Isis (Panthea) 546
human soul tuith ontstretched hands, in front Die Billonstatuette der Sammlung Charvet (s.
stand Thots ibis holding Libra, the horoscope oben 1 Sp. 1551) scheint identisch zu sein mit
of the native oivning the gem." Bleitesseren der von Dubais, Descr. des ant. de Pourtales-
des Museo nurn. Lavy 1 p. 407 nr. 4577. 4578 Gorgier 1841 p. 114 nr. 612 und Cat. des objits
haben im Obv. das Haupt der Isis, im Rs. d'art de Pourtales-Gorgier 1865 p. 171 nr. 1831
„Grifone alato aecosciato a d." In Coli, de verzeichneten. Auf einem rotgelben Karneol
M. Montigny , Pierres gr. Paris 1887 p. 29 in Göttingen erscheint nach Hubo, Original-
er. 867 wird verzeichnet ein Bergkrystall mit werke in d. arch. Abt. des arch.-num. Inst, der
„Canope d'Isis, place sur un grrffon femelle" ; Georg- Augusts-Univ. p. 157 f. nr. 979 „Fortuna
dieselbe Darstellung erscheint auf einer Gemme 10 auf ihrem Steuernder sitzend, n. 1. v. B. ge-
bei Augustinus 1, 205 und Rossi e Maffei 2, gewendet, ganz bekleidet, modiusartiger Auf-
15 = Montfaucon 2, 2 PI. 134, 4, sowie bei satz (an die Tracht der Isis erinnernd). Im
David, et Mulot , Le Museum de Florence. 1. Arm Füllhorn. Mit der r. Hand an den Griff
Pierres gr. 1, 94, 4, Gori, Gemm. Mus. Flor. des Puuders fassend"; auf einem Sarder des
1, 58, 9, Haspe nr. 148, PI. 5, Stephani, C. r. Brit. Mus. aus Sammlung Castellani „Fortune
p. l'a. 1864 p. 118 Note 7. Ein Sistrum zwi- Standing to front, with cornucopia in l. hand,
sehen zwei Greifen ist abgebildet bei L. v. rudder in r., and ivearing feather of Isis", Cat.
Kieme, Die schönsten Überbleibsel griechischer of engr. gems of the Brit. Mus. p. 218 nr. 2207.
Ornamente der Glyptilc, Plastik und Malerei. Über eine Münze von Pautalia s. Drexler, MyiJi.
Heft 1. 2. München 1823. 2°. Tfl. 3, 3. Dafs 20 Beitr. 1 p. 120. Die Widmung der Statue der
die stola Olympiaea, welche Lucius bei seiner Isityche (s. d.) an die Fortuna Primigenia von
Einweihung in die Isismysterien trug, Apul. Praeneste (oben 1 Sp. 1533) s. jetzt CLL. 14,
Met. 11 c. 24 indische Drachen und hyperbo- 2867. Neben einander finden sich Isis und
räische Greife zeigte, läfst sieh hier nicht ver- Fortuna an einem im Guide to the first and
weiten, da Lucius auf diese Weise „ad instar second egyptian rooms [ofthe Brit. Mus.] London
Solis" geschmückt wird. Auch der Parhe- 1874 p. 111 nr. 2393b verzeichneten Bronzewerk:
dros der Isis Sarapis, dem auf Gemmen zu- „Bronze; emblema; Isis Fortuna, in distyle
weilen der Greif, indessen wohl als solarisches shrine." Für die Zusammenstellung der For-
Attnbut, beigegeben wird (Sammlung Leven tuna mit Sarapis habe ich einige Beispiele
in Köln, Bonner Jahrbb. H. 14 p. 23 — 24 nr. 51; 30 angeführt in Zeitschr. f. Num. 14 p. 108—109
v. Sacken u. Kenner p. 434 nr. 291) scheint in und Myth. Beitr. 1 a. a. 0. Auch auf einer
Btziehungen zu Nemesis getreten zu sein, siehe Münze von Mitylene kommen beide neben ein-
C. I. Gr. 3163, Posnansky p. 66 — 67, wo der ander vor, Mi. S. 6, 63, 77, Du Mersan, Cab.
Philosoph Papinius in Smyrna tyv.uzo%i\aag Allier de Hauteroche PL 14, 4.
toi KVQiro ZciQuniäi tzuqu zalg Nifisaseiv das Wie Fortuna schliefslich zur Panthea
an den Tempel der beiden Nemesis anstofsende wurde, so auch Isis. Die Fortuna Panthea
Gebäude ihnen weiht, und C. I. L. 14 p. 18, darstellenden Bildwerke sind oben 1 Sp. 1534
wo ein Neokoros des grofsen Sarapis zrjv — 1536, 1556 — 1558 verzeichnet, s. auch Bulic,
'ASqaarCav avv zä> mql avrrjv hÖguoi widmet. Le gemme del museo di Spalato, Bull, di arch.
Über die Bedeutung der Fünfzahl als Nemesis 40 e storia dalmata 9, 1886 p. 150 nr. 187. 190;
und Bast, welche mit Isis wesensgleich ist, Steinbüchel, Gesehn. Edelsteine p. 68, Luigi
siehe Nicomachus von Gerasa bei Pliotius, Milani, Dattilioteca Lunese nr. 15 u. 17, Museo
Bibl. p. 141 B, Posnansky p. 57 — 58; von der italiano di ant. classica 1, 1885 p. 133. Einige
Dea Syria, die mit Isis so manches gemeinsam darunter haben auch Attribute der Isis, so die
hat, heilst es bei Pseudo-Lucian, De Dea Syria Gemme bei Raspe nr. 8158 (1 Sp. 1557) =
32, wo dieselbe für Hera erklärt wird: l'^st äs n Cat. of engr. gems in the Brit. Mus. p. 142
Kai 'A9rjVccLrlg Kai 'AcpQoShrig kcu SsXnvatrig Kai nr. 1190, sowie ein „Vetro antico del dott. Braun"
'Psrjs Kal'AQtifiid'og ytal Nijisoiog Kai Moiqiav. bei Cades, Impr. gemm. Cent. 5 nr. 95 p. 11
Mit Nemesis fiel vielfach Fortuna zusam- „Vittoria pantea slante sopra timone, tenente
inen, Posnansky p. 35, 38 Anm. 1, 53 — 59, 166, 50 cornucopia e scettro con Stella e fior di loto
171 — 172. Ebenso wurde Isis mit Fortuna ver- sul capo ed attorniata da lira e caduceo, clava
schmolzen, s. oben 1 Sp. 1530 — 1533 und 1549 d' Ercole e tridente." Das Sistrum in der Hand
— 1555, sowie Drexler , Myth. Beitr. 1 p. 10 der pantheistischen Figur auf Münzen des
Anm. 1. Nur weniges habe ich hinzuzufügen. Valerianus sen. und Gallienus von Tarsos (1
Eine Bronzestatuette der Isis Fortuna (mit Füll- Sp. 1557 f.) habe ich mit Unrecht angezweifelt,
hörn in der L., gesenkter R., die ehemals jeden- s. Num. Zeitschr. 21 p. 217 f. Tfl. 2, 22.
falls das Steuer hielt, Chiton und Himation Über Isis als allumfassende Göttin mit
mit Isisknoten, ohne Kopfputz auf dem in fünf Beinamen wie nolvoivvfiog, iivpiümviiog, ixvqio-
Flechten herabfallenden Haar), gefunden in uogcpog habe ich gehandelt Myth. Beitr. 1
Castelfranco delT Emilia, wird besprochen von 00 p. 125 — 127. Bei Apuhjus Mct._ 11, 22 wird
Ed. Brizio, Not. degli seavi di ant. 1883 p. 418; sie dea multinominis genannt; „Isis, welche sie
eine andere mit Steuer und Doppelfüllhorn, die Natur der Zeit, aus der alles entstanden
auf dem Haupt ein Diadem und darüber Halb- ist und durch die alles existierte, nennen"
mond und Isiskopfputz, ist abgebildet in Anti- heilst es von ihr bei Athenagoras 22, Sämtl.
eruitatis reliquiae a marchione lacobo Muscllio Werke der Kirchenväter 2 p. 232. Als rerum
collectae. Verona 1756, 2°. Tab. 17 p. 16; vgl. naturae parens, elementorum omnium domina,
auch die Figur „ex Museo Magni Ducis He- (vgl. die von Kopp, Palaeogr. crit. 3 p. 617 ff.
truriae" bei Kircher, Oedipus Aeg. 3 p. 527. § 525 angeführte, freilich hinsichtlich der Echt-
Roscher, Lexikon der gr. u. rom. Mythol. H, 18
547 Isis (Litteratur) Isis II (Göttin der Germanen) 548
heit und Benennung unsichere Darstellung), tum 2 p. 391 — 403; Ebers, Ägypten und die
seculorum progenies initialis, summa numinum, Bücher Moses p. 342 — 349; Franz, C. I. Gr.
regina Manium, prima coelitum, deorum dea- 3 p. 305 sqq.; Lumbrosp, Becherehes sur Veco-
rumque facies uniformis, quae codi luminosa nomie pölitique de VEgypte sous les Lagides
culmina, maris salubria flamina, inferum de- p. 265 — 274; Fried. Sam. de Schmidt, Disser-
plorata silentia nutibus meis dispenso: ciiius tatio de sacerdoiibus et sacrificiis Aegyptioram.
numen unicum, multiformi specie, ritu vario, Tubingae 1768; Zoega, De origine et usu obe-
nomine multiiugo totus veneratur orbis be- Kseorum p. 506 — 515; Georgii p. 295 — 297;
zeichnet sie sich bei Apul. 11, §\ und begeistert Eeichel p. 51 — 59, Lafaye. p. 131 — 155; Bcville,
betet das omnipotentis deae numen augustum 10 Die Beligion zu Born unter den Severern p. 54;
(11, 16), die summas dea (11, 22) Lucius an 11, Eauvette-Besnault, Bull, de Corr. Hell. 6 p. 473
25: Te superi colunt, observant inferi, tu rotas — -479; Patdus Nenz, Guaestiones Deliacae.
orbem, luminas solem, regis mundum, calcas Halis Sax. 1885 p. 36 — 38; Lanciani, Bull.
Tartarum. Tibi respondent sidera, redeunt dell' Eist, di Corr. arch. 1868 p. 237; Camille
tempora, gaudent numina, serviunt elementa; Jullian, Un prophete marseillais , Bull, cpigr.
tuo nutu Spirant flamina, nutriunt nubila, de la Gaule 6, 1886 (p. 117 — 127) p. 122 — 124;
germinant semina, crescunt germina. Wegen speziell über die Pastophoren A. Miliin, Aegyp-
dieser allumfassenden Eigenschaften ist ihr tiaques ou recueil de quelques monumcnts aegyp-
Kleid vielfarbig, multicolor, bysso tenui per- tiens ine'dits. A Paris 1816, 4° p. 7 — 14; De-
texta, nunc albo candore lucida nunc croceo 20 ve'ria, L'hic'roglyphique 1, 41 d'ELorapollon, et
flore lutea, nunc roseo rubore flammida, Apul. le titre de pastophore dans les textes e'gyptiens,
Met. 11, 3, wie auch Elutarch de Is. et Os. Mel. d'arcli. ig. et ass. nr. 2, 1873 p. 61 — 63
c. 78 bemerkt: „Die Anzüge der Isis sind bunt- und Pierret, Les pastophores ebenda p. 64—66.
farbig: denn der Isis Bedeutung bezieht sich auf [W. Drexler.]
den Stoff, der alles wird und alles aufnimmt, Isis II) (die Isis der Sueven).
Licht und Dunkel, Tag und Nacht, Feuer und Zu unzähligen Vermutungen hat die Notiz
Wasser, Leben und Tod, Anfang und Ende." des Tacitus in der Germania cap. 9: „Pars Sue-
Über den Namen der Göttin siehe Georgii vorum et Lsidi sacrificat" etc. Anlafs gegeben,
in Paulys B.-E. 4 p. 300; Parthey in seiner Eine reichhaltige Übersicht der verschiedenen
Ausgabe von Plut. De Ls. et Os. p. 150 — 151; 30 Erklärungen findet man bei L. Curtze, Die
Lanzone, Die. di mitol. egiz. p. 813; W'iede- Germania von Tacitus ausführlich erklärt
mann,Heroclots2.Buchv).lSS—18d;Lefebu,re, Cap. 1 — 10. Leipzig 186S. p. 328— 338.
Le mythe osirien. 2° partie Osiris. 1. Etymo- Die einen meinen, es sei von der wirk-
logie du nom d'Lsis et du nom d'Osiris p. 129 liehen ägyptischen, bezügl. griechisch-
— 150; Le Page Benouf, Tlie names of Lsis römischen Isis die Rede, so die von Jo.
and Osiris, Proceedings of the society of bibli- Gottlob Boehme, De Iside Sucvis olim eulta 1.
cal archaeology. Vol. 12, 1890 p. 343—346; La Lipsiae 1748 p. 26 verzeichneten Schriftsteller
Civiltä Cattolica Anno 41. Ser. 14 Vol. 8. Roma Huetius, Gronovius, Colerus, Schedius, Struvius,
1890 p. 199 — 205. de Fontenu (Diverses conjeetures sur le eulte
Die Bildwerke siehe bei Lafaye p. 235 — 40 d'Lsis en Germanie ä l'occasion des paroles de
335„und Georgii p. 297 — 300. Corneille-Tacite: ,,Pars Suevorum et Lsidi sacri-
Über die Feste vgl. Brugsch, Das Osiris- ficat", Mein, de VAcad. des Lnscr. et B.-L. 5
Mysterium in Tentyra, Zeitschr. f. äg. Spr. p. 63ff.), Wächter, Mascovius, deren Ansicht
19. 1881 p. 77 — 111, V. Loret, Les fites e£ Osiris Boehme selbst teilt; ferner Brotier in seiner
au moi de Ehoiah, Becueil de travaux relatifs Ausgabe des Tacitus Tom. 6. Paris 1776.
ä la pliilol. e'g. et assyr. 3e annee p, 43 — 57, p. 198 — 199, Triller, Opusc. medica et medico-
Lafaye p. 119 — 129 und Georgii p. 291 — 294 philölogica 2 p. 342, Fr. Griselini, Diss. mitol.
und über Kultushandlungen C. A. Böttiger, e stör. s. la dea Lside in der Baccolta d'op.
Kl. Schriften 2 p. 210 — 230 ,,Die Isisvesper"; scientifici e fdologici 39 p. 334.
Georgii p. 294 — 295, Lafaye p. 113 — 119. 60 Andere sind der Ansicht, Tacitus meine
Hinsichtlich der Mysterien siehe Brugsch mit der von ihm als Isis bezeichneten Göttin
Bey, Die 3Iysterien der alten Ägypter, Deutsche eine germanischeGottheit; undzwar hat man
Bevue 1878, 2. Jg. 3. Bd. p. 28 — 43; J. J. Jaegle, hin und wieder an ein im Namen einige Ähn-
De L. Apuleio Aegyptiorum mysteriis ter ini- lichkeit mit Isis aufweisendes göttliches Wesen
tiato. Argentorati 1786. 4°; T. B. Boulage, Des gedacht, so an eine zuerst im 12. Jahrh. er-
myslires d'Lsis. Paris 1820. 8°; Beichel, De • Lsidis wähnte, zu Augsburg verehrte Göttin Zisa,
apud Romanos cultu p. 59—67; Lafaye p. 108 Cisa, s. .J.Grimm, Deutsche Myth. I4 p.247 (vgl.
— 113; Zinzow, Psyche u. Eros p. 91 — 102; Carl 0. Schade, Die Sage von der h. Ursula u. den
Dilthey, Festrede im Namen der Georg-Augusts- 11 000 Jungfrauen p. 73 u. Hcnr. Eud. Goehler,
Universität am 11. Juni 1S79 p. 15 — 18. 60 De Matris Magnae apud Bomanos cultu. Mis-
Die religiösen Genossenschaften be- uiae 1886. p. 28). Doch ist Grimm selbst ge-
handelt E"oucart, Des associations religieuscs neigter, beide für verschiedene Gottheiten zu
chczjes Ch-ecs p. 83. 101 — 102. 117 f. halten; Güttinger, Ausland 1865 p.946f. möchte
Über die Priester siehe Pierret, Dict. in Cisa die römische Ceres erblicken, und Orelli
d'arcli. e'g. s. v. Canephore p. Ulf.; Colchytes (s. Curtze a.a.O. p. 333 Anm.**) hält dieselbe
p. 137 f.; Pcülacides p. 408; Pastophores p. 424 f.; überhaupt für erdichtet. Auch eine Gottheit
Prelrcs p. 452 f. ; Prophetes p. 454 f. ; Pterophores Eise (bei Aventin Frau Eisen, s. Grimm. Deutsche
p. 460; Erman, Ägypten u. äg. Leben im Alter- Myth. 1 ' p. 220), Isa wird herbeigezogen, so
549 Isityche Ismenios 550
von Simrock, Bertha, die Spinnerin p. 105 und Fortunae Primigeniae dono dedit cum ara.
Mythol. p. 401, 2. Ausg. p. 387, Bonner Jahrbb. Vgl. zu der Inschrift Bd. 1 Sp. 1533, 7ff. 1543,
10, 1847, p. 80—81, Zacher, Gotli. Alf ab. p. 85, 63 ff. und über das Wesen und die Bedeutung
86, Vorr. p. IX (Isa = „glänzendes Wesen"); der Isityche das. Sp. 1530 ff. 1549 ff. (Isityche
J. G. Halm, Sagwisseiischaftl. Studien p. 286, als weiblicher Beiname C. I. L. 10, 2197).
Anm. 174; A. Üuitzmann, Die heidn. Bei. ä. [ß. Peter.]
Baiwaren p. 117— 124, 295—296; Falch, Neo- ! Ismandes {'iafiävSrjg), Name des Meninon
thus, Isis und Nehalennia, Blätter f. d. Bayer. (s. d.) bei den Aigyptern; Strabo 17, 1, 42
Gymn.- «. Bealschulwesen 16, 1880, p. 407—413; p. 813. [Höfer.]
Zehetmayr ebenda 17, 1881, p. 170 — 172 (von 10 Ismaros ("iBfiagog), 1) Thebauer, tapferer
is „gleiten"); anfänglich auch von Mannhardt, Sohn des Astakos, tötet in der Schlacht vor
Ztschr. f. d. Myth. 2 p. 317, der aber im Baum- Theben den Argiver Hippomedon, Apollod. 3, 6,
kultus der Germanen p. 559 Anm. 2 erklärt: 8. — 2) = Immarados (s. d.). — Apollod. 3, 15, 4
„Frau Eisen, das gemeinsame Machwerk des erzählt von ihm , dafs er mit seinem Vater
Kleeblatts Pseudoberosus (Annius von Viterbo), Eurnolpos, aus Aithiopien flüchtend, zu dem
Aventin und Simrock möge endlich für immer Thrakerkönig Tegyrios (in Daulis) kam und
in ihr schattenhaftes Nichts zurücksinken." Die dessen Tochter heiratete. [Stoll.]
meisten lassen den Gedanken an eine Namens- Isinene {'Iefirivrj), 1) Tochter des Asopos,
ähnlichkeit fallen und erkennen in der Isis eine Gemahlin des Argos, Mutter des Iasos (des
der grofsen mütterlichen germanischen 20 Vaters der Io) und (nach Kerkops) des Argos
Göttinnen, deren festlicher Umzug auf einem Panoptes, Apollod. 2, 1, 3. Gerhard, Gr. Myth.
mit Rädern versehenen Schiff Tacitus an den 2 p. 234, 2. [Vgl. das die drei Chariten und
in Rom eingebürgerten ägyptischen Kultus er- vier Nymphen {'Ia^vn, Kvxatg, 'Egavv[_ci],
innert habe, etwa die Holda, Grimm 1 4 T\rf\l6vvri<jo$) darstellende Relief in Neapel
p. 164 — 169, Beckstein, Mythe, Sage, Märe u. bei Gerhard u. Panofka, Neap. ant. Bildw. 1
Fabel im Leben u. Beicufstsein des deutschen p. 82 f. nr. 276 = O. I. Gr. 6854°. R.]. —
Volkes 1 p. 47 oder Frey a, Willi. Müller, My- 2) Eine böotische Heroine, wohl Eponyme
thol. d. deutschen Heldensage p. 120 Anm. 2. einer v.dpr\ Boiariag, vielleicht identisch
122; vgl. Wüh. Müller, Gesch. u. System der mit nr. 3; Stcph. B. v. 'la\ir\vg. — 3) Tochter
altdeutschen Religion p. 273 und die bei 30 des Oidipus und der lokaste {Soph. Antig.
Curtse p. 332 — 333 verzeichneten Autoren; Eurip. Phoen. Apollod. 3, 5, 8. Hyg. f. 67.
oder die nordische Frigg, die deutsche Fria, Tzeiz. L. 437), oder der Euryganeia (Phere-
Karl Meyer, Germania 17, 1872, p. 198f.; oder kyd. b. Schol. Für. Phoen. 53, vgl. 1760.
Nerthus, Georgii in Paulys B.-E. 4 p. 30— 301 ; Paus. 9, 5, 5. Preller, Gr. M. 2, 344 ff.). —
Hahn, Urgesch. d. german. u. roman. Völker 1 Mimnermos erzählte nach Argum. Soph. Ant.,
p. 133, W. Smith, Dictionary of greek and ro- dafs Ismene von Theoklymenos (wahrsehein-
man biography and mythology 2 p. 631 und lieh dem thebanischen Helden Periklymenos)
andere bei Ourtze p. 333; oder Nehalennia, geliebt und bei einer Zusammenkunft mit
Holtzmann, Deutsche Mythol. p. 126 — 127 und ihm von Tydeus auf Antrieb der Athene
German. Altertümer p. 175; J. W. Wolf, Bei- 40 getötet worden sei, was nach Pherekydes
träge z. deutschen Mythol. 1 p. 199 und Bonner a. a. O. an einer Quelle geschah, die nach ihr
Jahrhb. H. 12, 1848, p. 27 ff., vgl. Schaaffliauscn benannt ward. Bildw.: Müller, Handb. d. Arch.
ebenda H. 76 p. 47 ff. [s. auch unten Kauff- §412,3. Welcker, A.D.b T. 14 S. 253 ff. Over-
manns Zusatz]. beck, Galerie 1, 122. Baumeister, Denkm. S. 84
Lafaye p. 165 glaubt jede Schwierigkeit Fig. 88. Petersburger Vase nr. 1588 [?]. Preller,
gehoben durch die Annahme, es sei eine aus Gr. M. 2, 363, 2. [Vogd, Scenen Furipideischcr
der Verschmelzung der durch die römischen Tragödien in griechischen Vasengemälden p. 47
Soldaten und Kaufleute eingeführten alesandri- bis 55 ; Catal. de la Coli, d'ant. de M. Alexandre
nischen Isis mit einer der grofsen mütter- Castellani, Paris 1866, p. 12 no. 34; Bull. delV
liehen Göttinnen der Germanen hervorge- 50 Inst, di Corr. Arch. 1864 p. 34. Drexler.]
gangene Mischgottheit, etwa nach Art der Winnefcld, Beschr. d. Vasens. in Karlsruhe
Isis Noreia in Steiermark, gemeint. nr. 186 = Arch. Z. 9, 54*. Münchener Vase
W. Zeufs, Die Deutschen und ihre Nachbar- nr. 233. Arch. Z. 3, 54 = G. I. Gr. 8428.
stamme p. 40 möchte gar eine Göttin der In den Dithyramben des Ion hiefs es, dafs
Wenden unter der Isis des Tacitus verstanden Antigone und Ismene von Laodamas, dem
wissen. [W. Drexler.] Sohne des Eteokles, im Tempel der Hera ent-
Höchst wahrscheinlich ist diese Isis mit der ehrt wurden {Argum. Soph. Ant., wo jedoch
batavischen Nehalennia identisch, deren Dar- manche für naxangoia^rivui. lesen iiazcazQiqc&>i-
stellung Zug um Zug dem Isiskult entlehnt ist; vcti). [Stoll.]
vgl. Janssen, De Bomeinsche beeiden en gesent- B8 Ismenios ('Iefirjviog), 1) Beiname des Apollon
steenen van Zeeland. Middelburg 1845 (Met 19 in Theben (Herod. 1, 52. 5, 59. Paus. 4, 27, 6.
Platen). Vgl. Nehalennia. [Fr. Kauffmann.] Flut. Sol. 4, 5. Nonn. Dionys. 5, 101. schol.
Isityche. Eine Göttin dieses Namens nennt Apoll. Bhod. 1, 537. Aristid. or. 38, vol. 1
die Inschrift G. I. L. 14, 2867 = Ann. d. inst. p. 730 [Dinäorf]. Hesyeh,), von dem Flusse
1855 S. 85 (Praeneste) L. Sariolenus Naevius Ismenos {Paus. 9, 10, 2; vgl. schol. Apoll. Bhod.
Fastus consularis ut Triviam in Iunonario ut a. a. 0.). In seinem Tempel, dem Ismenion
in pronao aedis statuam Antonini August(i) {Paus. 9, 10, 5. KaUisthcnes bei Stcph. Byz. s. v.
Apollinis Isityches Spei ita et hanc Minervam Ttyvqa, Flut. Lys. 29), fand Orakeldienst statt,
18*
551 Ismenos Isthmios 552
Find. Pyth. 11, 10. Her od. 8, 134. Paus. 4, (vgl. Curtius, Etym." 950) leitet 'laoSaCzng
32, 5; der Gott selbst ward durch Daphue- ebenso wie Öaifimv von der Wurzel da teilen
phorien gefeiert, Paus. 9, 10, 4. Proklos ehrest. ab; Isodaites würde also bedeuten: der gleich-
st ( Westphal, Script. Metr. 1 p. 248; vgl. Norm. mäfsig Austeilende, s. o. nr. 4. [Höfer.]
Dionys. 45, 72); das Standbild des Gottes, von Isodrome ('laoögopt]), Beiname der Kybele
Cedernholz verfertigt, war ein Werk des Si- (laoSgöfir] MrjzrjQ); ihr Tempel lag in der
kyoniers Kanachos (Peius. 2, 10, 5; vgl. mit Kaystrosebene in der Nähe der lydischen Stadt
9* 10, 2). Nach Plut. de st ap. Delph. 2 be- Laiisa, Strabo 9, 5, 19 p. 440. [Höfer.]
deutet Ismenios s. v. a. z%a>%> zr\v iniazrifiriv. Isokrateia ('lco-aqäxna) , eine der ausge-
Eine Weihinschrift, die nach Kölder, Mitt. d. 10 zeichnetsten von Herakles getöteten Amazonen,
arch. Inst. 1, 97 aus den Fundamenten des Eponyme einer Ortschaft in Bithynien, ArHan.
Kastells von Chalkis, nach Foueart, Bull, de jS'ikom. bei Eustath. in Dionys. 828 (fr. 58 bei
corr. 3, 139 aus Theben stammt, lautet nach Müller, lüst. gr. fr. 3 p. 697). [Stoll.]
B. Meister in Bezzenbergers Beiträgen 5, 187: 'iöoy.Qaxia, Aufschrift eines Onyx mit den
üxcoicov, Mväazog zoi 'Ioftuvioi üvt&sav, vgl. Symbolen der drei Weltregionen (?): Adler,
Collitz, Samml. d. griecli. Dial.-Inschr. 1, 1132; Delphin und Eule, auf Mohnköpfen sitzend:
Moehl, I. Gr. ant. 129; zum Heiligtum des C. 1. Gr. 7045b = Arch. Z. 9, 97*. [Röscher.]
Apollo Ismenios vgl. auch Schol. Soph. Oed. Isoples (laoTilrjg), ein von Herakles getöteter
.B. 21. Nach Sclwl. Soph. a. a. 0. befand sich Kentaur, Diod. 4, 12. Gerhard, Gr. Myth. 2
in Theben auch ein Tempel der A&rjvä 'la^invia. »o § 666, 2 f.; s. Kentauren. [Stoll.]
■ — 2) s. Ismenos 1. [Stoll.] Isos (Icog) , unechter Sohn des Priamos,
Ismenos (lafinvog), 1) der Flufsgott des fällt durch Agamemnon, IL 11, 101. [Über
Flusses Ismenos bei Theben, Sohn des Okeanos Isos (Issos) als Eponymos von Issa auf Lesbos
und der Tethys, Hygin. praef. p. 28 Bunte. vgl. Maafs im Hermes 1889 S. 645ff. R.]
[Otto Schulz, die Ortsgottheiten in der gr. und [Stoll.]
r. Kunst, Berlin 18S9 = Berl. Stud. f. Mass. Issa ('Iaaa), 1) Nymphe auf Lesbos, Tochter
Phil. u. Arch. 8. Bd. 3. Heft p. 34 — 35, 62. des Makar oder Makareus, nach welcher Lesbos
Gardner, Joum. of hell. stud. 9, 1888, p. 68. (oder eine Stadt auf Lesbos, Steph. B.) Issa be-
C. I. Gr. 8481. Baumeister , D. d. kl. Alt. nannt war. Sie gebar dem Hermes (Kadmilos)
S. 770, Fig. 822. Arch. Z. 29, 36. Drexler.] — 30 den lesbischen Seher Prylis, Steph. B. v. "Iaaa.
Er hiefs auch Sohn des Asopos und der l'setz. L. 219 ; vgl. Strab. 1, 60. Apollon berückte
Metope, Bruder des Pelagon oder Pelasgos, sie in der Gestalt eines Hirten, Ov. Met. 6,
Apollod. 3, 12, 6. Diod. 4, 72. — Oder Sohn 124. [Stoll.] — 2) Name des Achilleus, als er
des Apollon und der Melia (Quellnymphe am sich auf Skyros in Weiberkleidung unter den
Ismenion zu Theben), einer Tochter des Okea- Töchtern des Lykomedes aufhielt; auch Kerky-
nos, Bruder des Sehers Teneros (Repräsentant sera oder Pyrrha wurde er hier genannt (s.
des Tenerischen Gefildes), Paus. 9, 10, 5, wo ge- Bd. 1 Sp. 28, 46), Ariston. in Hephaest. nov.
wohnlich Ismenios gelesen wird. Die Töchter liist. 1 (p. 183 Westermann = Phot. bibl. 147,
des Ismenos sind Dirke und Stropkie, Kallim. 20). Der Kaiser Tiberius beschäftigte sich mit
H. in Del. 76. Nonn. 44, 9. Mehr bei Unger, io der Frage 'epiod Aehilli nomen inter virgines
'flieb. P. 483. — 2) Ältester Sohn des Amphion fuisset', Suet. Tib. 70. [Höfer.]
und der Niobe, von Apollon erschossen, Apollod. Issoria ('laaoiQtcc oder I ssor a 'Iaacaqu, Paus.
3, 5, 6. Otrid. Met. 6, 224. Hyg. f. 11. Tzetz. 3, 14, 2), Beiname der Artemis von dem Berg
Chil. 4, 141. Vom Pfeil des Apollon getroffen, Issorion in Lakonien, Steph. Byz. Hesych. Eine
stürzt er sich in seinem Sehmerz in den Flufs Hauptstätte des Kultus der Artemis Issoria war
Ismenos, der nach ihm benannt wird, Plut. Teutkrone im südwestlichen Lakonien, Paus,
de fluv. 2. Stark, Kiobe 96. 383 f. [Stoll.] 3, 25, 4; ein in der Nähe von Pitane gelegenes
Isuiinthians (ismin&ians), etruskischer Bei- Heiligtum dieser Göttin erwähnt Polyaen. 2,
name eines Maris (maris, maris), s. d. [Deecke.J 14, vgl. Plut. Ages. 32, 4; ihr zu Ehren wurde
Isodailes ('Iaoäaizrig), 1) eine fremde Gott- 50 ein Fest, die Issorien, gefeiert, Hesydli. Die
heit, der die gewöhnlichen und leichtfertigen von Paus. 3, 14, 2 erwähnte Artemis Issora,
Frauen opferten: livixogzig äciijA,cov,o} zä druxoiätj deren Heiligtum in Sparta stand und die auch
yviaia y.ai [ii] ndvv onovdaia t'rt'Afi, Hyperid. At^vaCu hiefs, war keine Artemis, sondern die
in der Bede für Phryne bei Harpokrat. ; vgl. kretische Britomartis, Paus. a. a. 0. [Höfer.]
Phot. Said. — 2) Pluton, Htsych. — 8) Sohn des Issos s. Isos.
Pluton. — 4) Helios (Apollon) 6 zbv iaov txdozm Istar s. Astarte u. Izdubar.
&ävcczov diaisiLcov (Bekker , Anecd. 267, 3), Istliniiades ('la^fi.iäät]g), Gemahl der Pelarge,
oder ApoUon als Todesgott, Gerhard, Griech. der Tochter des Potneus; er führte mit seiner
Myth. 310, 8. — 5) Dionysos, Plut. de si ap.DelpiJi. Gattin den Kabeirendienst, der durch die Ar-
9 Aiovvaov äs Kai Zaygsa xai Nvnzsliov «at co giver während des Zuges der Sieben gegen
'laodaizijV övofiaQovatv. Diesen Beinamen des Theben gestört worden war, in Boiotien wieder
Dionysos bezieht man entweder auf die Sitte, ein; daher wurde seine Gemahlin nach ihrem
beim Choengelage (Mommsen, Heortol. 364) Tode infolge eines Orakelspruches von Dodona
gesondert zu sitzen und zu trinken (vgl. Ger- hoch geehrt und ihr tragende Sauen geopfert,
liord, Akad. Abh. 2, 199), oder Dionysos-Iso- Paus. 9, 25, 7. 8. [Höfer.]
daites ist chthonisch aufzufassen und als solcher Isthmios ("Ia&fitog), 1) Beiname des Zeus
dem Pluton (Hades) gleichzusetzen, Gerhard, auf Kos, inschriftlich belegt Joum. of hell.
Griech. Myth. 457, 4, vgl. 433, 2. — Polt2 950 stud. 9, 1888 p. 326. — 2) Beiname des Posei-
553 Isthmos Istor 554
don auf alexandrinischen Kaiserrnünzen des Mus. Corinth p. 91 nr. 682, PI. 23, 5; Mi. 2,
Nero, welche seine Büste mit dem Diadem 167, 139; Melikertes, Mi. S. 4, 50, 338; Haupt
geziert, dahinter den Dreizack, davor zuweilen des Poseidon, Mi. S. 4, 53, 361; 54, 362; sowie
einen Stern, nebst der Beischrift TTOXEIARN unter Domitian, C. G. G. Br. M. Cor. p. 73
IIOMIOI im Rev., führen, Mionnet 6, 68, 206. nr. 584, PI. 19, 5; G. u. I. 1 p. 14, PI. C 35: Mi.
70, 220. 72, 236. Feuardent, Eg. anc. 2 p. 29, .5. 4, 77, 517; Marc Aurel, Ztschr. f. Nun. Bd. 10,
710. 30, 721; in einer Inschrift von Halikarnafs, 1883, p. 75 nr. 18 (mit der oben besprochenen
C. I. Gr. 2655 = Dittenberger, S. I. Gr. 372, Beischrift CORINTHVS); Mi. S. 4, 99, 671 : Mus.
Z. 3; ö "/oö-fuos ohne Zusatz von IIoasLäoiv, Arig. 1 Col. al. 5, 66 = Sestini, G. N. V. Mus.
Fhilostr. Op. 2 p. 286 ed. Kayser. [Drexler.] 10 Arig. Gast. p. 39 (ohne die Beischrift, angeblich
Istliiiios ('io&fiög), die Personifikation der nur mit Einern Ruder); Septimius Severus, G. u.
Landenge von Korinth, erscheint auf den I. 1 p. 14 PI. C 36; Geta, Mi. S. 4, 126, 867.
Münzen dieser Stadt: sitzend auf einem Felsen, Stehend vor einem unter einer Pinie befind-
in der R. ein umgewendetes Ruder haltend, liehen Altar mit dem Delphin und Melikertes
die L. auf den Felä gestützt, mit der Bei- auf dessen Rücken, in der L. ein Ruder, mit
schrift 1STHMVS unter Hadrian, Gardner and der R. einen Zweig des Baumes berührend,
Imhoof '-Blumer , Numismatic commentary on erscheint Isthmos unter Marc Aurel, G. G. C.
Pciusanias 1 p. 14, PI. C 39; Mi. S. 4. 82, 553 = Br. Mus. Cor. p. 78 nr. 612, PI. 20, 12; G. u.
Arigonil Col. al. 4, 44; ebenso ohne Beischrift I. 1 p. 11, PL B 4; Mi. S. 4, 98, 668 nach Se-
C. G. C. Br. Mus. Corinth p. 74 nr. 590, PI. 19, 20 stini, Mus. Benlcotoitz p. 11, Tb. 1, 5. — Auf
10; ebenso mit Beischrift ISTHMVS beide dem von Philostratos, Imag. 2, 16 = Fhilostr.
Hände auf umgekehrten Rudern, Milhngen, Op. ed. Kayser 2 p. 363 beschriebenen Gemälde
Anc. coins of gree~k cities and längs p. 61 „Palaimon" war Isthmos dargestellt iv ti'Su
PI. 4 nr. 15 = Mi. 8. 4, S2, 552; sitzend auf Saiuovog h'vnria'Qav tavxbv xy yfj zwischen
einem Felsen, die R. an den Kopf gelegt, den den gleichfalls durch Personifikationen wieder-
1. Arm auf einem Ruder unter Hadrian, C. G. gegebenen Häfen Lechaion und Eenchreai,
C. Br. M. Cor. p. 74 nr. 591, PI. 19, 11 und vgl. dazu die Anm. in der Ausg. von Jacobs
Septimius Severus, ebenda p. 84 nr. 646, PI. 21, u. Welcher p. 481—85, Müller, Hdb. d. A. d. K.
10, Gardner -Imhoof a. a. O. 1 p. 14 PI. C 38; 3. Aufl., p. 663, § 405, 1, Adolf Gerber, Natur-
ebenso , in einem Tempel unter Hadrian, 30 Personifikation in Poesie u. Kunst der Alten
Gardner-Imhoof p. 14 PI. C 37, nach G. u. I. (S.-A. aus Suppltbd. 13 der Jalirbb. f. Tel Phil.)
die Abbildung einer korinthischen Kultus- Leipzig 1883 p. 310, Percy Gardner, Countries
Statue; sitzend mit Schale u. Ruder in einem and cities in ancient art, Journ. of hell. stud.
von dem eben erwähnten verschiedenen runden 9 p. 69, K. Friederichs, Die Philostratischen
Tempel, zu dessen beiden Seiten sich ein Baum Bilder p. 167 — 173, der die Möglichkeit der
erhebt, unter Iulia Domna, G.u.I. Suppl. Existenz eines derartigen Bildes bestreitet, und
p. 154 PI. FF 5; sitzend, 1. h. mit Ruder und Brunn, Die Philostrat. Gemälde gegen K. Fricde-
angeblich Palmzweig (Pinien- oder Meer- richs verteidigt, 4. Sppltbd. d . Jahrbb. f. Id. Phil.
strandkieferzweig?, vgl. Murr, Die Pflanzen- p. 287—289, der ihn widerlegt. [W. Drexler.]
weit in der griech. Mythol. p 117), vor ihm 40 [Auf dem Wiener Cameo bei Overbech, Kunst-
Ina und Melikertes unter Septimius Severus, myth. Poseidon S. 300 und 402, Gemmentafel
G. u. I. 1 p. 14 u. 12, PL B22; sitzend auf 2, 8, ist Isthmos als eine Modifikation des
einem Felsen, auf den er die eine Hand Poseidon aufgefaßt. Steuding.]
stützt, zu Füfsen die See und einen Delphin, Istoiie ('7ct[<j)]j<i]), Name eines Berges auf
ihm gegenüber Ino mit Melikertes unter Do- Corcyra, vielleicht auch der zum Berge ge-
mitian, G. u. I. p. 14 u. 12, PL B 21; Mi. 2, hörigen Nymphe; C. I. Gr. 1874b; vgl. nr. 1874.
177, 218; Mdlin, Gal. Myth. 110, 400; Imhoof- [Röscher.]
Blumer, Monn. Gr. p. 160 nr. 18; sitzend auf Istor lautet auf einer praenestinischen Cista
einem Felsen, die eine Hand auf dem Ruder, (Epliem. epigr. 1 S. 13 nr. 19. Garrucci, Syll.
vor ihm Ino und Melikertes, unten die See 50 inscr. lat. nr. 525. C. I. L. 14, 4108, abgebildet
und ein Delphin unter Septimius Severus, G. Monum. d. inst. 9, 1870 Taf. 22/23, besprochen
u. I. 1 p. 14 u. 12 PL B22; Imhoof, Monn. von E. Schoene in Ann. d. inst. 42, 1870 S. 335ff.)
Gr. p. 160 nr. 20; C. G. C. Br. M. Cor. p. 84 der einer jugendlichen männlichen Figur,
nr. 647, PL 21, 11; Mi. S. 4, 115, 786; sitzend, welche die rechte Hand zum Gesicht führt,
dabei Palaimon stehend auf einem Delphin beigeschriebene Name. Wie für die ganze
unter Septimius Severus, G. u. I 1 p. 11 Darstellung des Bildwerkes der Cista (mit bei-
Pl. B 10; Mus. Arig. 4 PL 7, 35; Sestini, Cat. gefügten Namen sind abgebildet: Silanus [d.i.
TV. V. Mus. Arig. Cast. p. 41. Silenus, in einer erotischen Scene mit einer
Auch in einer stehenden nackten, in jeder weiblichen Figur begriffen]; Doxa [Frau mit
Hand ein Ruder haltenden männlichen Figur go einer Taube in der Hand; Corssen bei Schoene
sehen Gardner und Imhoof, sowie Head, H. S. 338: 'Doxa che si legge al disotto del co-
N. p. 340 Isthmos. Doch ist auf einer Münze lombo, dal lato linguistico non bisogna di
des Marc Aurel dieser Gestalt CORINTHVS spiegazione' ; G. Wilmanns in Fphem. epigr.
beigeschrieben, wodurch doch wohl der Ep- a. a. O.: 'Doxa ad nornen certe intellegitur',
onymos der Stadt bezeichnet werden soll. also als Personifikation von äü£a aufgefafst] ;
Diese stehenden Figuren erscheinen auf auto- Laoumeda oder Ladumeda [die Übersetzung
nomen Münzen der römischen Periode mit eines vorauszusetzenden Aao^iäa oder ylaofit-
verschiedenen Übversen: Pegasos, C. G. C. Br. Ssia; Frau auf eine Herme gestützt, einen
555 Istros Istros 556
Hirsch an einem Seile haltend]; Aiax Ilios vomenti [jedenfalls ein Gefäfs und kein Löwen-
[oder Oilios, d. i. Aiax S. d. Oileus, zwei Pferde haupt] innititur" unter Elagabal, Sestini, Mus.
haltend; er bildet offenbar den Mittelpunkt Hedervar. 1 p. 38 nr. 61; „Ister beardless, Sta-
des Bildes, auf den die Blicke der drei folgenden ted l., on um, naked to waist, r. hand rests on
männlichen Personen gerichtet sind] ; auf einer prow of ship; in 1. is a reed" unter Diadu-
an einer Säule befestigten Tafel: Leces [d. i. menian, Cat. Brit. Mus. Thrace p. 49 nr. 53,
leges]; Soresios [männliche bewaffnete Figur; wohl derselbe Typus, den Mi. S. 2, 161, 610
uugedeutet]; Acmemeno [d. i. Agamemno, als ans Cabinet Allier de Hauteroclie so beschreibt:
Greis dargestellt]; zwei in einer fensterartigen „Ulster assis, ä g., sur des rochers, le coude
Öffnung sichtbare Pferdeköpfe; Istor; Lavis 10 appuye sur une urne renversee, tenant de la
[d. i. wahrscheinlich Aatg; weibliche Figur m. g. un roseau, la dr. etendue sur un aplu-
ohne charakteristische Merkmale]; 'cerchiamo strum", (vgl. aber Dumersan, Descr. des med.
invano un tratto caratteristico che ci permette ant. du cab. de feu M. AUier de Hauteroclie
indovinarne l'azione' Sclwene S. 336), so ist p. 21 „Fleuve Ister tenant un gouvernaü et un
auch für die mit Istor bezeichnete Figur noch roseau"); ferner ganz nackt, gehörnt, links-
keine sichere Deutung gefunden; Corssen bei hin, das Haupt rechtshin wendend, die
Schoene S. 339: 'Istor accanto a quell' uomo Reckte auf einem Schiffsvorderteil, die Linke
ehe con un gesto da pensieroso ha messo il auf einem Gefäfs, dem Wasser entströmt, unter
dito al naso, corrisponde al greco lotcoq de- Macrinus, Cat. Brit. Mus. Thrace p. 48 nr. 48,
rivato dalla medesima radice come le forme 20 Gardner, Greek Biver-Worship, Transactions
greche i'au£v iats läsiv ed il latino videre, e of the Boy. Soc. of Bit. of the united King-
significa probabilmente il fia^Tt? ossia profeta' ; dorn. 2d Ser. vol. 9. 1878 p. 213, PI. 2, 8; und
Wilmanns in Epihem. epigr. a. a. 0.: 'Istor ähnlich unter Gordianus Pius, Vaülant, Kumi
rursus obscurum, quamquam Graeca radix per- Graeci p. 154, Basche 3, 1 Sp. 1507 nr. 18.
spicua est.' [R. Peter.] In der Rechten einen Schilfstengel, die Linke
Istros ("fffrpos), 1) Stromgott, Sohn des auf einem Gefäfs zeigen ihn Münzen des An-
Okeanos und der Tethys, Hes. Theog. 339. toninus Pius, Arneth, Sendschreiben an Herrn
Söhne des Istros hiefsen Heloros und Aktaios, Tedcschi, Sitzungsber. d. Kais. Ak. d. TP", [zu
welche in Mysien mit Telephos gegen Achilleus Wien], Phil. hist. Kl. 9, 1852 p. 897 nr. 2;
und die Achäer kämpften, Tzetz. Anteh. 274, 30 Commodus, Sestini, Descr. Xum. Vet. p. 39 nr. 4,
Philostr. Opp. ed. Kayser 2 p. 157 [vgl. Bobert, Mi. S. 2, 118, 362; Septimius Severus, Sestini,
Bergamenischer Telephos-Fries, Jahrb. d.Ksl.D. Mus. Hedervar. 1 p. 32 nr. 6, Wiczay nr. 2191;
A. Inst. 2, 1887 p 256 ff.]. Das bärtige Haupt Macrinus, Arneth p. 904 nr. 98; Wise, Num.
des Istros mit Hörnern erscheint auf dem ant. scriniis Bodleianis reconditorum Catalogus
Obv. autonomer Münzen von Istros, Sestini, Tab. 13, 12 (Mi. S. 2, 147, 537); Diadumenian
Dcscriz. di molte med. ant. greche esistenti in („Ister beardless, seated to l., naked to waist,
piü musei p. 21 nr. 1 und Lettere e diss. num. head turned to r.; he holds in r. reed, in l.
cont. 2 p. 42 nr. 1 ; Cat. of the greek coins in um"), Cat. Brit. Mus. Thrace p. 49 nr. 52 ;
the Brit. Mus. The Tauric Cliersonese — Thrace Gordianus Pius, Mi. S. 2, 181—182, 722; die
p. 216 nr. 15; Head, Hist. num. p. 235. Eine 40 Rechte auf dem Gefäfs, in der Linken den
Münze Elagabals von Istros zeigt den Flufs- Schilfstengel, Münzen des Septimius Severus,
gott gelagert, bärtig (und bekränzt'?), unten Vaülant, Kitmi Gr. p. 85, Basche 3, 1
bekleidet, den linken Arm, worin er einen Sp. 1494 nr. 40, Mi. S. 2, 124, 394; v. Sallet
Schilfzweig hält, auf ein Gefäfs, dem Wasser ent- p. 73 nr. 4; wohl auch Arneth p. 898 nr. 12a;
strömt, stützend, mit der Rechten einen Fisch in der Rechten einen Baum, unter seinem
emporhaltend; im Hintergrunde ein Leucht- liuken Ellenbogen ein Gefäfs, Münzen des
türm, v. Sallet, Beschreibung der ant. Münzen. Septimius Severus, Mi. S. 2, 123, 389; .Arneth
Taur. Cliersones — Thracische Könige. Berlin p. 898 nr. 11 und der Iulia Domna („Ister re-
1888 p. 54 nr. 22; eine der Tranquillina stellt preseided as a youth, naked to ivaist, reclining
ihn dar gelagert linkshin, bekränzt mit Schilf, 50 1.; his head, turned to r., is croicmd loith
uuten bekleidet, gelehnt auf ein Gefäfs und reeds; in his r. hand he grasps a tree; under
ein Schiffsvorderteil haltend, Cat. Brit. Mus. his l. elbow is an um, out of ivhich a stream
Thrace p. 27 nr. 21. In mannigfaltigen Dar- floivs"), Cat. Brit. Mus. p. 44 nr. 20, Gardner
Stellungen erscheint er auf den Münzen von p. 213, PI. 2, 9. In der Rechten ein Füllhoru,
Nicopolis ad Istrum: In der Rechten ein Ruder, den linken Ellenbogen auf einem Gefäfs, dem
die Linke auf einem Gefäfs, zu seinen Füfsen Wasser entströmt, erscheint er auf einer Münze
ein Schiff unter Septimius Severus, Eckhel, des Septimius Severus, Mi. S. 2, 122, 387; die
Cat. num. vet. Mus. Cacs. Vindob. 1 p. 57 nr. 4, Rechte erhoben, in der auf eiu gleiches Gefäfs
Froelich 4. Tent. p. 239 nr. 1, Gefsner, Impp. gestützten Linken ein Füllhorn, auf einer
Tab. 133, 28, Basche 3,1 Sp. 1493 nr. 30, CO Münze desselben Kaisers, Eckhel, Cat. 1 _p. 58
Mionnet, Suppl. 2, 123, 388; in der Rechten nr. 15, Froelich 4. Tent. p. 242—243, Fig. 2,
einen Schilfstengel, die Linke auf einem Ge- Gefsner Tab. 136, 71, Basche 3, 1 Sp. 1491
fäfs, zu Füfsen ein Schiff unter Macrinus, nr. 8, Mi. S. 2, 131,438, Arneth p. 900 nr. 35;
Eckhel, Cat. 1 p. 59 nr. 40, Froelich 4. Tent. bärtig, in der Rechten vier Ähren auf einem
p. 292 Fig. 1, Gefsner Tab. 155, 45, Basche 3, Stück des Caracalla und Geta, Sestini, Bett, c
1 Sp. 1499 nr. 8; „Fluvius Ister cymbae ad s. diss. mim. 6 p. 15 nr. 2, v. Sallet p. 80 nr. 39;
insidens, quam d. tangit, s. arundinem et ähnlich („Fluvius imberbis decumbens ad s.
simul umae, vel capiti leonis aquam ex ore supra aquas, d. data fasciculum trium spjicarum
557 Istros Italia 558
cum papavere tenet") auf einem dea ersteren inaehriftlichen Widmungen an Danuvius kommt
Kaisers, Sestini, Mus. Hed. 1 p. 34 nr. 26. noch Eph. epigr. 2, 676. [Drexler.] — 2) Sohn
Auch auf einigen römischen Kaisermünzen des Aigyptos und der Arabia, vermählt mit
kommt der Flufsgott, hier Danuvius genannt, der Danaide Hippodameia, Apollod. 2, 1, 5. —
vor. Auf Silbermünzen Trajans init der Revers- 3) Istros oder Oistros, ein Satyr, der dem
aufschrift DANVV1VS (unten), COS-V-P-P-S- Dionysos nach Indien folgte, Norm. Bion. 14,
P-Q-R-OPTIMO PRINC erscheint „Le Banube 111. JStolL]
couronne de roseaux, entoure de Jones et d'unc ltaios ('Ixaiog), Name des Adonis bei den
voile enflc'e par le vent, couche ä g. et regar- Tyriern, Hesycli., in deren Sprache 'ASa s. v. a.
dant ä dr. Son bras g. est appuye sur une 10 hia bedeutet; Kesych. s. v. A JA und 'Itaia.
urne, et de sa m. dr. il tauche un navire dont [Höfer.]
on ne voit que la moitie", Cohen 22, 32, 136. Italae matres s. Matres.
137. Auf Grofsbronzen desselben Kaisers sieht Italia, die Personifikation des Landes Italia,
man einen Flufsgott in aufrechter Stellung, erscheint mehrfach auf Münzen. Ihr Haupt
den Oberkörper unbekleidet, das Gewand im ist dargestellt auf dem Obvers zahlreicher
Winde wallend, in der Linken einen Schilf- Silbermünzen der von Rom abgefallenen sa-
stengel, das rechte Knie auf eine am Boden beilischen Völkerschaften. Diese Münzen findet
sitzende Frauengestalt stemmend, die Rechte man bei Eckhel , B. N. V. 1 p. 103 — 107, Mi-
auf ihre Schulter legend. Cohen (2- 71, 7-25. ounet 1 p. 108—109, Suppl. 1 p. 226—228;
726 u. Note 1) erkennt den Tiber, welcher 20 P. Merimee, Medailles itediotes de la guerre so-
Dacia zu Boden wirft; doch scheint Eekhels ciale, Revue nun. 1845. p. 77 — 111, PI. 3 — 5:
(B. N. V. 6 p. 418) Deutung auf den Danuvius, Carellii Numorum Italiae veteris tabulas CCII
der „violentas prostratae Baciae manus inferendo ed. Cavcdonius. Lipsiae 1850. 2°; J. Fried-
indicare videtur, eius quoquein subigenda Bacia landtr , Bie oskischen Münzen. Leipzig 1850.
aliquod fuisse meritum", den Vorzug zu ver- p. 68 ff. „Die Münzen des Bnndesgenossen-
dienen. Ein Medaillon des Marc Aurel mit der Krieges"; J. Sambon, JRecherches sur les an-
Reversaufschrift IMP X COS III zeigt im Re- ciennes monnaies de l'Italie meridiondle p. 65
vers unterhalb einer Holzbrücke einen bärtigen — 67 und Les Monnaies de la presqu'ile ita-
gelagerten Flufsgott linkshin, den Oberkörper lique p. 190 — 192, PI. 13; wohl auch in dem
unbekleidet, die Rechte auf ein Schiff, den 30 mir unzugänglichen Werke von Garrucci, Le
linken Arm auf ein Gefäfs, dem Wasser monete delV Italia antica; ferner bei Bompois,
entströmt, legend. Cohen 32, 39 — 40, 384 be- Les types monetaires de la guerre sociale. 1S73.
zeichnet ihn frageweise als Tiber, Froehner, 4°; viele derselben auch in Coli. Ferd. Bompois.
Les me'dailtons de Vemp. rom. p. 114 — 115 Medailles grecques autonomes. Paris 1882. p. 3 — 4;
sicher mit Recht als Danuvius. Das Bronze- Coll.Billoin. Medailles grecques autonomes. Paris
medaillon Constantins mit der Reversaufschrift 1886. p. 4 — 5; Cohen, Bescr. des med. grecques
SALVS REIF; DANVBIVS und einer Brücke, composant la coli, de M.J.Greau p. 15; Catalogo
auf der Victoria sich umblickend dem Kaiser del museo Borghesi. Monete greche e bizantine
voranschreitet, während vor ihnen ein Barbar p. 19 — 21; Catalogo del museo nationale di
auf die Kniee fällt, und unten der Flufsgott, 40 Napoli. Coli. Santangelo p. 8 — 9; Millingen,
sowie zwei Schiffe sichtbar sind (Pellerin, Mel. Becueil de quelques med. grecques inedites
1 p. 215), wird sowohl von Eckhel 8 p. 85 ff. p. 28 — 32 und Sylloge of ancient unedited coins
als auch von Cohen l'\ 285, 483, Note 1 für of greek eitles and kings p. 1 — 8.
eine Fälschung erklärt. Der Kopf wird verschieden dargestellt, bald
Auf der Trajanssäule sieht man den Istros lorbeerbekränzt und gewöhnlich mit Ohrringr
in einer Grotte, mit dem Oberkörper aus den und Halsband geziert, bald mit hinten in einen
Fluten hervorragend, das bärtige Haupt mit Knoten gestecktem Haar, Diadem, Halsband
Wasserpflanzen bekränzt, verwundert dem und Ohrring (vgl. Merimee p. 92 zu nr. 6), bald
Brückenübergange der Römer zuschauend, mit Flügelhelm und Halsband, bald mit ge-
Froehner , La colonne Trajane p. 68 Fig. 3. 50 wohnlichem Helm. Man hat deshalb vielfach
Zu der Inschrift C. L. L. 3, 1609, die sich auf in derBenennung geschwankt: so wird beispiels-
den Bau der via Traiana, einer am rechten weise das lorbeerbekränzte Haupt von Adrien
Donauufer in der ganzen Ausdehnung der de Longperier , Cab. de Magnoncour p. 15
Stromenge entlang laufenden Galerie bezieht nr. 142 u. 143 und in Cut. Borghesi p. 19 nr.
und wohl am Ende des Baues angebracht war, 224—227 als Apollo, von Cohen, Cat. Greau
bemerkt Beundorf in Hirschfelds Epigra- p. 15 nr. 126 u. 127 als Venus, das Haupt mit
phischer Nachlese zum C. I. B. vol. 3. Wien dem Helm von Mionnet und das Haupt mit"
1874. p. 58 = Sitzungsber. d. phil.-hist. Kl. d. dem Flügelhelm von Merimee p. 107 als Pallns
Kais. Ak. d. W. Bd. 77 p. 418: „Ungefähr 2 m bezeichnet. Wir dürfen wohl Friedländer bei-
tief unter dem untersten Rande der Inschrift 00 stimmen, wenn er p. 70 bemerkt: „Man hat
springt eine wagerecht abgemeifselte , 7,75 m Anstand genommen, den weiblichen Kopf für
lange Terrasse 1,70 m weit vor . . . Auf ihr die Italia zu halten, weil er bald behelmt,
in der Mitte kniet eine männliche unbekleidete bald bekränzt ist, allein auch der Kopf der
Figur, ohne Zweifel der Ister (vgl. Froehner, Koma auf den Familienmünzen ist bald be-
La colonne Trajane p. 68), welche mit er- kränzt, bald behelmt", vgl. p. 71: „Die am
hobenen Händen den Rahmen der Inschrift häufigstenwiederkehrendeAufschriftist'viteliü'
hält; sie ist bis zur Unkenntlichkeit verstüm- und ITALIA. Corfinium, die Hauptstadt, erhielt
rnelt." Zu den oben 1 Sp. 954 verzeichneten den Namen 'Izaliu nach Biod. 37, 'tiaXvM\ nach
559 Italia Italia 560
Strabo, Italieuni nach Vell. Fat. Jene Auf- „Sed nudata Caput; pro crine racemifer exit
schrift der Münzen aber ist wohl nicht der Plurima per frontem constringens oppida
neue Stadtname, sondern bezieht sich auf den palmes",
Kopf oder die Figur, welche die Italia dar- (Karl Purgold, Archäol. Bemerkungen zu Clau-
stellt, also auf das zu gründende italische dian und Sidonius p. 11 — 12), so dürfte die
Reich, denn nicht eine andere Stadt wollte Vermutung vielleicht nicht allzukühn er-
man dem herrschenden Rom entgegenstellen, scheinen, dafs das in Rede stehende Haupt
sondern das ganze gleichberechtigte Land." gleichfalls die Italia darstellt.
Die Benennung Italia findet sich angewendet Ganz unwahrscheinlich ist Avellino's (Op. 2,
auch im Cat. of the first portion of the North- 10 p. 17 nr. 21) Deutung des weiblichen behelmten
wich Coli, of coins and medals p. 5 nr. 30 ff., Kopfes mit Flügeln an den Schultern auf einer
Coli. Bompois p. 3 nrs. 24—34, Coli. Billoiu von ihm den Bundesgenossen zugewiesenen
p. 4—5 nr. 39 u. 40 und wenigstens für das Bronzemünze als Italia, s. Friedländer p. 89.
lorbeerbekränzte Haupt auch von Millingen, Ahnlich wie Aitolia auf einem Haufen von
Syll. p. 1 , Merimee p. 89 zu nr. 1 , de Witte, Schilden sitzend dargestellt wird (Head, Bist.
Descr. des med. du cab. de m. l'abbe H. GJ-eppt,) Kum. p. 284, Cat. of greek coins in the Brit.
p. 13 nr. 91, L. Müller, Descr. des monn. ant. Mus. Thessaly to Aetolia p. 194 — 195 nr. 1 — 8.
du imise'e Thorvaldsen p. 329 f. nr. 55 u. 56, 12 — 15, PL 30, 3. 4. 5. 7), erscheint als Revers-
Iloaroldy.cig, Rectal, xäv ägx- vouioyuTcov zov darstellung Italia auf Schilden sitzend, links-
'Adr'i-vrjGiv i&vixov vouiauari-aov [tovosCov 1 20 hin, eine Lanze in der Rechten, ein Schwert
p. 18 nr. 110 u. 111. in der Linken, bekränzt von der hinter ihr
Mit aller Reserve sei hier eine Vermutung stehenden Victoria. Den Obvers nimmt ein
geänfsert hinsichtlich des weiblichen epheu- das lorbeeibekränzte, mit Ohrring und Hals-
bekränzten Kopfes auf dem mit der Aufschrift band gezierte, wohl ebenfalls die Italia dar-
O VTAO 9 PH 3 v' hT V \W (mutil embra- stellende weibliche Haupt, Die Münze tritt in
tur) versehenen Obvers einer Münze, die im mehreren Spielarten auf: 1) Obvers vor dem
Revers den italischen Stier, der die zu Boden Haupte X, Revers ITALIA, Friedländer p. 85
geworfene römische Wölfin mit den Hörnern m"- 14< Taf- 10. 14i Sambon, Rech. p. 191, 19,
stufst, und die Aufschrift inplFin 7 (g. paapi) £(,f- Borghesi p. 20 nr. 234; dazu im Felde des
ü.-i. j. Tir -n 7 7 n ti i ot ri , x*i 30 Reverses kj, Merimee p. 91 nr. 4, PI. 3, 3:
fuhrt, Mus. Pembroke 2 Tab. 87 = Cat. of the -,r , 7 T- - ■ 7 • j -n \ t\ >u,
4- t> 7, 7 n n er ooe n 7-1 4 Mereoacher, I erzeicnms der von Prof. Dr. Otto
entire Pembroke Coli. p. 66 nr. 2S5, 2; Dutens, c ,,, ■ 'c. ., , , . . , '„ ,
Evnlication de auelaues medaiiles 13 222 beytfer ln Stutt9art unterlassenen Sammlung
uxpucanon ae quelques meamues p iji, ., - Münzen. München 1891. 1 p. 20
Eckhel 1 p. 103 nr. 6; Mionnet Suppl. 1, 227, " ,D1 .- T, „ . 0 , „ t,, „ „ ,/, , -,
203; Merimee p. 104 nr. 18; M. D de Luynes, f ■ 131j Cn'r ^'"mSi See isnt
Choix de med. grecques. PL 17; Millingen, Mf- og • öarelli TihAoi,l'p 114; Coli.
Consideratwns sur la numismatique de l an- c, .' „■,' , '„ _ .,„ n „ WC .' „
T. t , „_ _ o 7 t>i n in Santangelo p. 9 nr. o43; Co«. Bompois p. 3
Mime ltalie p. I80 nr. *, üuppl. PL 2, 16; „, », J 7->„f„_„ •„ r m 1 n n n -ort ■
n 77- -.-•,. rr i nno nn t 7 Tvr 7_r 77 nr. 2i = Bompois, 1 ipes rl. 1, 7; Call. Billoin
Carelh p. 116, lab. 202, 27; Leake, JS um. Hell. , ,, A7 JA . r, ■ ' ' ,. ,,.
-r-, t .-,' ,„'. n „ j ' „r -r, p. 5 nr. 41; Cohen. Cat. Greau p. lo nr. 127;
European Greece p. 12o; Coli, de M. Prosper {- -& ■ ,7.. 7 ' n - „ 7 r n * n •
-r, '■ . a t i t, -d 7 :„„ 40 E, i riedlander a a, O.; F, Cohen, Cat. Greau
Duprc p. 1 nr. 2: L. bambon, Rech. p. 190 „ ' n n t r> i ■ ™ aM r- n ,i
c -ni i o -.t V> .» t 7 o 7 t i &.i\.V.\ Cat. Boiqliesi \>. 20 nr. 233; I, Coli.
nr. 5, PL 13, 17; Cat. Jules bambon. London c. . ' T„ .,/ . * . 7 „ .'. ..' n 77
,„-„' _ ' „' n -n * * 7 o mi bantangelo nr. o44; ..innansi lett. %nc", Coli.
1S.0 p. 7 nr. 69; Coli. Santangelo p. 8 nr. 507 Santanielo nr 545-2. Obvers hinter dem
u. 503; Friedländer p. 79 nr. 6, Taf. 9, 6; n Äni t % b ■ aI i, ■«
-r, ', r, j ■■ j 7ir- 7 i no Haupte 11AL1A, davor X; Revers im Abschnitt
Dannenberq, (jrrundzuqe der Münzkunde p. 38. A x> • 77- ■ j ** m c m *e iüh ■_ ■
it.- -rr • *•■<. j-„ Tvr- j iu A, i rielhnulcr nr. 15, Tat. 10, lo; Merimee
Eine Varietät dieser Münze zeigt dasselbe ' ,,. . n , -r, , ■ .-,'„ „.,„ D
tt • t v 1 1. p. 91 nr. 0; Cat. Borqhesi p. 20 nr. 236; B,
Haupt umgeben von einem Lorbeerkranze ohne V ■ „■■ 7 n 1 « . 1 j td 1
tt 1 •«. ■ Ai „ :_ x>„ „ j- ( f 1 -ci ± riedlander a. a. O.; ohne Angabe des Buch-
Umschntt im Oovers, im Revers die Aufschrift . , ■ t, c! , -n a, ,„< „„
.... ,_,-,-. _ , ., ,...'„ , -r, , , stabens im Revers, bambon, Rech. p. 191 nr.20;
VN3ThD(viteliu),Sam6o«,2fec7i.p.l90nr.6; Cat Borghesi p. 20 nr. 235. 3) Qbvers hinter
Coli. Santangelo p. 8 nr. 509 (VN\l3ThD) 50 dem Haupt ITALIA, davor XVI; Revers im
Das Haupt wird von Leake als Bacchus, von Abschnitt F, Mi. S. 1, 22S, 20S; Jle'rime'e p. 91
Caredoni als Liber oder Libera, von Merimee nr. 3; Coli. Bompois p. 3 nr. 26 = Bompois,
und Fiorelli als Libera, von Sambon als Bac- Types PL 1, 6; Coli. Billoin p. 5 nr. 40; G,
chantin bezeichnet. Wenn wir uns nun er- Friedländer nr. 16, Taf. 10, 16; Cohen, Coli.
innern, dafs der bei den Dichtern gebrauch- Greau p. 15 nr. 127; ohne Angabe des Buch-
liche Name Italiens (ursprünglich der Gegend stabens im Revers, Sambon, Rech. p. 191 nr. 21;
• zwischen Paestum und Tarent) Oenotria mehr- Cat. Borghesi p. 21 nr. 237 u. 238.
fach (Pisand. fr. nr. 7 bei Ste})h. Byz., Dionys. Der Revers mehrerer Münzen zeigt eine
Halic. 1, 11, Servius zu Yerg. Aen. 1, 530 sqq.), bewaffnete Figur rechtsliin stehend, mit der
wiewohl irrig, als „Wein lan d" gedeutet wurde 60 Rechten sich auf eine Lanze stützend, in der
[Kiepert, Lehrbuch der alten Geographie p. 455, Linken das Schwert, den linken Fufs auf
g 392, 1), und dafs Oenotria bei Claudian, De einen undeutlichen Gegenstand (nach Fried-
eons. Stilich. lib. 2 (22) vs. 262 sqq. persona- lancier ein am Boden liegendes Feldzeichen)
ficiert erscheint: setzend, rechts neben ihr das Vorderteil eines
.., — lentis liegenden Stiers. Den Obvers bildet bald ein
Vitibus inlorquens hederas et palmite largo lorbeerbekränztes weibliches Haupt mit Hals-
Vina flucns" band und Ohrring nebst der oskischen Auf-
und bei Sidonius Garm. 2, 321 sqq.: schrift viteliü, während der Revers entweder
561 Italia Italia 562
keine Aufschrift aufser einem Buchstaben vers Italia im langen Gewand, ein Füllhorn in
(Eekhel 1 p. 103 nr. 2; Mülingen, Becueil p. 28 der Linken, der lorbeerbekränzten den Fufs
nr. 2, Fl. 1, 9; Leake p. 125; Merimee p. 99 auf die Erdkugel setzenden und das Scepter
nr. 15, PL 5, 1; Friedländer p. 75 — 77 nr. 1, in der Linken haltenden Roma die Rechte
Taf. 9, 1; de Mitte, Cab. E. Greppo p. 13 reichend, mit den Beischriften RO und ITAL,
nr. 91; Sanibon, Sech. p. 190 nr. 1; Coli. Sant- einen Caduceus über letzterer, sowie den
angelo p. 9 nrs. 520—532; Postolakas p. 18 Namen des anderen Triumvir monetalis Mu-
nr. 110; Coli. Bompois p. 3 nr. 28 = Bompois, cius Cordus CORD1, Eekhel 5 p. 220—221;
TypesVl. 2,1; Merzbacher, Sammlung O.Seyffer 256—257; Friedländer p. 89—90; Ariodante
1 p. 20 nr. 130) oder Q\\\ ■ |})3V\I ■ -\V\ (m 10 Fabretti, Raccolta numismatica del r. museo di
lüvki-mr) zeigt (Eekhel 1 p. 103 nr. 4; Mi- antichitä di Torino p. 139 nr. 2513; p. 191
rime'e p. 100 nr. 16; Sambon, Bech. p. 190 nr. 3550 u. 3551 ; Babelon, Descr. hist. des monn.
nr. 2; Coli. Santangelo p. 9 nr. 519; Fried- de la ripubligue rom. 1 p.-512 — 513, Fufia nr. 1 ;
länder p. 77 nr. 2, Taf. 9, 2; Cat. Northwick 2 p. 236—237, Mucia.
p. 5 nr. 30*; Coli. Bompois p. 3 nr. 34 = Born- Mehrfach erscheint Italia auf den römischen
pois, Types PI. 2, 9); bald ein weiblicher be- Kaisermünzen: stehend mit Scepter und Füll-
helmter Kopf mit Halsband nebst der Um- hörn, begleitet von der Beischrift ITALIA, auf
schrift nJITVHH D (g. mutil) und im Revers Silbermünzen Hadrians, Eekhel 6 p. 495; Cohen
WIHI8R£ tsafinini) (Eekhel 1 p. 103 nr. 1; 2.2 178,868.869; auf einer (Cohen 179 ,870) führt
Carelli p. 116, Tab. 201, 25; Merimie p. 99 20 n*d*a Belnamen FELIX Auf Gold-, Silber-
1 < tt ■ 77" j fjo ö rr c n o o und bronzemunzen desselben Kaisers mit der
nr. 14; l'riedlander p. 78 nr. 3, Iaf.9,3; Sam= . e , ■,.. inrcviri att/-' itattat? -„i,t
7,„„ x>„„7, mn o 01 1 o 1 1- n I ö 7. Autschrilt ADV EM VI AHi 11ALIAE sieht
bon, Bech. i). 190 nr. 3, Fl. 13,16; Cat. Sambon - -i o i_ i i r-m -i.
rj « /u i!» .t. • on mo man sie mit Schale und ÜuILnorn gegenuber-
p. 7 nr. 68; Cat. Borqliesi p. 20 nr. 22S; , , , ■, . D n t_ ii„ j -u v.
n„.. „. 7,„..„ oo\ i „i i „,- „„-i,!- i r- c stehend dem eine Rolle haltenden Herrscher,
Dannenberq p. 38); bald ein weiblicher Kopf j • t. -i ■ a j au...
•i. ml,- Vi „i ni, ■ i tr i i j i.i und zwischen ihnen einen nammenaen Altar,
mit Mugplnelm, Ohrring und Halsband nebst -n,,, ln ,.,r tt -li -n i i-
i a r i •/■/ ii -t-wijj -7 i innnn -r Fdcliel 6 p. 495, Hobler. Itccords of roman In-
der Aufschrift vi hTVW 7-hinnnn 7 story oncohmgelv. 322 m:6il, Cohen V; 110,
(g. paapn- g. mutil) und im Rev. VNBThD 42—50. Auch in der stehenden Frau, welcher
(viteliü), Fiorelli, Mon. ined. p. 18, Tav. 3, 4 ; der auf der sella curulis sitzende Nerva auf
Sambon, Bech. p. 190 nr. 4; Coli. Santangelo 30 Grofsbronzen mit der Aufschrift TVTELA
p. 8 nr. 610; Friedländer p. 77 nr. 4, Taf. 9,4. ITALIAE S-C die Rechte entgegenstreckt,
Vermehrt um einen Baumstamm, an dessen während zwischen beiden ein Knabe und ein
Ästen vier Schilde hängen, erscheint der Typus Mädchen stehen (ein Typus, der erläutert wird
auf dem Revers einer Münze, deren Obvers durch die Notiz des Aurelius Victor: „puellas
ein weiblicher behelmter Kopf mit Schuppen- puerosque natos parentibus egestosis sumptu pu-
panzer und dahinter eine kleine stehende, einen blico per Italiae oppicla ali inssit', Eekhel 6
Kranz erhebende Victoria einnimmt (Cartlli p. 408), sieht Cohen 2 2, 12, 142 Italia. Knieeud,
p. 117, Tab. 202, 37; Sambon, Bech. p. 192 die Erdkugel haltend, von Trojan empor-
nr. 26, PI. 13, 18; Merimee p. 100 nr. 17, PI. 4, gehoben und zwischen beiden zwei die Hand
1; Coli. Sa>itangeio p. 9 nr. 518; Cat. Borghesi 40 ausstreckende Kinder zeigen sie Gold- und
p. 21 nr. 240; Friedländer p. 79 nr. 5, Taf. 9, 5). Rronzemünzen Trajans mit den Aufschriften
- Mülingen [Bec. p. 28 nr. 2, p. 31) und ihm REST(ituta) • ITAL(ia) • COS • V ■ P • P • S • P •
folgend K. O. Müller, Hdb. d. Aren. d. K.3 Q • R - OPTIMO PRINC; REST • ITALIA S • P ■
p. 662, § 405, 1 sieht in der Figur Italia; Q ■ R • OPTIMO PRINCIPI S • C; ITALIA REST •
Bannenberg p. 38 erkennt „den Stier, das S ■ P ■ Q ■ R • OPTIMO PRINCIPI S-C, Cohen
Sinnbild Italiens, neben einer das Land dar- 22, 51, 326; 52, 327; 37, 179, die von Eekhel 6
stellenden bewaffneten Figur", Friedländer p. 427 mit den Worten: „dubium non est, hoc
p. 76 „den kriegerischen Genius Italiens". typo innui alimenta suboli Baliae adsignata,
Andere, wie Eekhel 1 p. 106, Cavedoni zu Ca- eamque hac liberalitate restilutam" erläutert
relli 202, 37 p. 117, Merimee p. 101 sind der 50 werden; knieend, die Mauerkrone auf dem
Ansicht, dafs der Typus Bezug hat auf die Haupt, den Erdball haltend, aufgehoben von
von Strabo 5 p. 250 berichtete Auswanderung Marc Anrel, Grofsbronzen dieses Kaisers mit
der sabellischen Jugend, welche, von einem der Aufschrift RESTITVTORI • ITALIAE •
Stier geführt, das spätere Samnium, wo sich IMP • VI • COS ■ III • S • C, Eekhel 7 p. 56,
der Stier niederliefs, besetzte. Dabei deutet Cohen 3'-', 55, 538—540; ebenfalls knieend, ein
Eekhel die Figur als Mars, Cavedoni sieht in Füllhorn haltend, aufgehoben von Hadrian,
ihr „Comium Castronium ducem iuventutis Sa- Gold- und Bronzemünzen dieses Kaisers mit
bellae et Samnii olKiazrjv", und Merime'e er- der Aufschrift RESTITVTORI ITALIAE, Eekhel
klärt: „le guerrier personnifie ces e'migre's prenant 6 p. 495, Cohen 22, 212, 1274— 1277. Sitzend
possession de la terre Opique au moment oü ils eo auf der mit Sternen bedeckten Weltkugel, mit
voient s'abaltrel'animal quileur servait de guide." Füllhorn und Scepter, auf dem Haupt die
Die Versöhnung der Bundesgenossen mit Mauerkrone, erscheint sie auf Münzen des An-
Rom sieht man dargestellt auf einem Denar toninus Pius mit der Aufschrift ITALIA oder
der römischen Familien Fufia und Mucia. Der ITALIA TR • POT ■ COS • II (bezügl. III oder
Obvers zeigt die einander deckenden Häupter IV), Henry Smyth, Eescription of a cabinet of
des Honos und der Virtus mit den Beischriften roman imperial large-brass medals p. 121 nr.
-HO. und V1RT und den Namen des Triumvir 210, Cohen 2", 314—315, 463—472; ebenso auf
monetalis L. Fufius Calenus KALENI, der Re- Grofs- und mittleren Bronzen des Commodus
563 Italos Ite 564
mit der Aufschrift ITALTA P ■ M ■ TR • P ■ der Penelope und des Telegonos, eines Sohnes
Villi (bezügl. X) IMP ■ VII ■ COS • IUI ■ P . der Kirke und des Odysseus, Preller, Gr. M.
P • S ■ C (Eckhel 7 p. 113; Cohen 32, 264, 266 2, 469. Niebuhr, B. (?.4 1, 16. 60. Schwegler,
— 268), sowie auf Silbermünzen des Septimius Bö'm. G. 1, 400. [Stoll.] Vgl. auch Ariodante
Severus (Cohen 4S, 27, 228) und des Caraealla, Fabretti, Corpus inscriptionum italicarum et
Cohen 42, 153, 102 mit der Aufschrift INDVL- glossarium itedicum Sp. 688 — 6S9 und besonders
GENTIA AVGG • IN ITALIAM. auch Servius in Verg. Aen. 1, 533 (vol. 1
Italia will ferner Froehner, Les medaülons p. 163 sq. reo. Thilo et Hagen): Haitis rex Si-
ele l'empire romain p. 64 — 65 erkennen auf ciliae ad eam partein venu in qua regnavit
einem Medaillon des Antoninus Pins in der be- 10 Turnus, quam a suo nomine appellavit Ita-
helmten, mit einem Schwert bewaffneten Frau, liam alii Italiam a bubus quibus est Italia
die, auf einem Felsen unter einem Baume fertilis, quia Graeci boves halovg, nos vitulos
sitzend, dem von Iulus und einer verschleierten dieimus; alii a rege Ligurum Italo; alii ab
Frau mit einem Kasten auf dem Haupt (nach advena Molossio; alii aCorcyreo; alii a Vcneris
Froehner Vesta mit den troischen Penaten) filio, rege Eucanorum; alii aquodam augure qui
begleiteten Aeneas die Rechte reicht. Cohen cum Siculis in haec loca venerit f quamque his
22, 369, 1029 sieht auf dieser Münze Roma, regionern inauguraverit; plures f atare tenari
Antoninus Pins, Kybele und Attis. Froehners nepote desaturaMinois,regisCretensium,filia Ita-
Deutung auf Aeneas scheint mir treffender; liam dictum." [W. Dresler.] — 2) Beigeschrie-
doch dürfte die sitzende Frau eher Roma sein; 20 bener Name eines Satyrs, der zusammen mit drei
vielleicht bezieht sich die Darstellung auf die anderen Satyrn und zwei Bakchantinuen neben
oben 1 Sp. 182 verzeichneten Sagen, wonach dem ausruhenden Herakles auf der sog. Apo-
Aeneas Rom gründet oder die schon bestehende theose des Herakles (Relieftafel in der Villa
Kolonie Valentia Ronie nennt; in der stehen- Albani zu Rom) erscheint. Vgl. die Abbildung
den Frau mit dem Kasten hatten wir in diesem bei Zoega, Bassiril. 70. Stephani, Ausruh. He-
Falle Rome, die Gemahlin des Aeneas, zu er- raM. Taf. 1 S. lff. u. S. 206ff. Jahn- Michaelis,
kennen. Griech. Bilderchron. Taf. 5 S. 39 ff. u. S. 68 ff'.
„Italia, aecompagnata da due fanciulli, che Zu den Inschriften s. Jahn a. a. 0. Anm.267ff.
da Traiano riceve la tessera per gli alimenti in u. S. 68. Heydemann, Satyr- u. Bakehennamen,
bassorilievo mann. Ann. 72, 309—30, Mon. 30 Halle 1880, S. 34 u. 37, der mit Stephani
IX, 47" wird verzeichnet im Bepertorio uni- a. a. 0. S. 218f. u. 240 auf Timaios bei Varro
versah delle opere delV Inst. arch. doli' anno d. r. r. 2, 5, 3: 'Graecia antiqua tauros vocabat
1SG4—73. Roma 1875 p. 58; doch wird von halovg'. Colum. 6 praef. 7. Tzetz. Chil. 2, 36,
Brizio, dem Verfasser der betreffenden Ab- 345 und Tzetz. zu Byk. 1232 verweist, Inscr.
handlung (Due bassirilievi in marmo rappre- Gr. Sicil. et Italiae 1293. Andere lasen statt
sentanti scene del Foro Bomano) der von ihm 'iraXog "I'^alog (s. d.). [Röscher.]
p. 319, 320, 323 — 324, 328 besprochenen Frauen- Itanos ('Itavög), 1) ein Phöniker oder einer
gestalt, die ein Kind auf dem linken Arm, der Kureten, nach welchem die kretische Stadt
~bei einem sitzenden Herrscher steht, keine Itanos benannt war, Steph. B. v. Itavög. —
Benennung gegeben. 40 2) Ein Samniter, der zuerst den grofsen, thür-
Nicht von den übrigen Provinzen ab- förmigen Schild erfunden, Giern. Alex. Strom.
weichend dargestellt ist Italia in der Kot. 1, 75. [Stoll.]
Dign. 2 p. 9. Itas (itas , das s von der Gestalt f eines
Über die Ableitung des Namens siehe griech. w), etruskischer Name des Idas (s. d.)
Ariodante Fabretti, Corpus inscriptionum itali- auf einem Bronzespiegel der Sammlung Du-
carwm antiquioris aevi et glossarium italicum rand, unbekannter Herkunft, neben castur
Sp. 686— 687. [Drexler.] (Kastor) und (pultuce) (Polydeukes) ; s. de Witte,
Italos J'ltctlög), 1) alter König der Sikeler Catal. Durand nr. 1960. Gerhard, Etr. Sp. 3,
oder der Onotrer im südlichsten Italien, nach 57 c. 58. Conest. Bull. 1863, 152. Fabr., C. I. I.
welchem zuerst diese Gegend Italia und die 50 2504; und vgl. Beecke, Bezz. Beitr. 2, 167
Einwohner Italer genannt wurden, Thuk. 6, 2. nr. 57; s. Ite (ite). [Deecke.]
Steph. B. v. 'italia. Tzetz. L. 1232; vgl. Serv. Ite ("Irrf), zusammen mit Adrasteia als Amme
V. Aen. 1, 2. Als ein mächtiger, weiser und des Zeus genannt bei Blut, quaest. conv. 3, 9, 2.
heldenmütiger Mann hatte er sich durch Ge- [Hier ist wohl Ide zu lesen. Röscher.]
walt und auf gütlichem Wege zum Herrn über [Höfer.]
das Land zwischen dem Napetinischen und Ite (ite), etruskische Bezeichnung des Idas,
Skyletinischen Busen gemacht, das zunächst stärker etruskisiert als Itas (s. d.) und eigent-
den Namen Italia erhielt; er machte sein Volk lieh einer Form *"lSog oder ISatog (s. u.) ent-
aus Hirten zu Ackerbauern, gab ihm Gesetze sprechend: auf einem Bronzespiegel, einst bei
und führte auch die Syssitien ein, Antioch. co Ant. Bianchi in Rimini, unbekannter Herkunft,
Syrac. b. Dionys. Hai. A. B. 1, 12. 35. 73. neben marnüs (Marpessa) und apulu (Apollon);
Aristot. Bolit. 7, 9, 2. Sein Sohn war Sikelos, s. Caict. Beminicis, Congett. sopra uno sp. etr.
Dion. Hai. A. B. 1, 22. Nach Tzetz. L. 702 (Giorn. scient. htter. de Perugia 1838; auch
war Auson Sohn des Italos und der Leutaria Giorn. acad. 75, 381) ; Braun und Jahn, Bull.
(wahrscheinlich Leukania). Leukania und Italos 1838, 128. 1840, 90. Gerhard, Etr. Sp. 3, 82,
heifsen die Eltern der Rome, Blut. Bomul. 2. t. 80 (Inschr. inkorrekt). Fabr., C. I. I. 2479;
Nach Dion. Hai. A. B. 1, 72 ist Romos Sohn und vgl. Deecke, Bezz. Beitr. 2, 167, nr. 57;
des Italos. Bei Hyg. f. 127 heilst Italos Sohn auch Corssen, Etr. 1, 825. — Auf einem
565 Itea Ithyone 566
anderen Bronzespiegel, von Cetona, in der Lakedaimoniern verehrt -worden sei, Paus.
Sammlung Terrosi, erseheint ite als Name des 3, 26, 6. Das Fest des Gottes, 'l&o>iiuici (Paus.
Paris = 'iduZog, verkürzt aus *itae (wie 4, 33, 2. Steph. Byz. a. a. 0.), fand alljährlich
partinipe neben par%anapae = ncxQ^svo-rcaiog), statt und war, -wie Pausanias aus den von
neben puri% = &qvyCa; %ais (aus * a%ais) ihm a. a. 0. citierten Versen des Eumelos
= 'A%aiig i. e. Helena, und talmi&e ;= Tlala- sehliefst, mit einem musischen Wettkampf ver-
fi?jtf?js; s. Gerh., Etr. Sp. 3, 336, t. 275 A 2. bunden. Von Menschenopfern, dem Zeus Itho-
Fabr., C. I. I. 1014 cpiat. (eigene Kopie); matas von Aristomenes dargebracht, berichtet
und vgl. Bugge, Etr. Fo. u. St. 4, 24. [Deeeke.] Eusebios a. a. 0. [Höfer.] [Beim Zeus Ithomatas
Itea ('i-cia), wohl verderbter Name einer 10 schwören die Messenier in einer zu Phigaleia
der Danaiden, die ihren Gemahl Antiochos gefundenen Inschrift, Le Bas et Foucart, Me-
mordete, Hyg. f. 170. [Höfer.] garide et Pe'lop. 328 a. Dittenberger , Syll. I.
Iterduca s. Iuno u. Indigitamenta. Gr. 181 Z. 23 öiljvvco dia 'L%m\x&Tav. In-
Ithaimenes ('I&aifiivrjg), 1) Vater des von schriften aus Messene, auf die 'I9a>iictta be-
Patroklos getöteten Troers Sthenelaos, II. 16, züglich, sind datiert: inl isgicog rov zliog rov
586. — 2) Ein Grieche auf dem Gemälde des 'Ifi-coadtov, Bull, de Corr. Hell. 5 p. 155 nr. 6;
Polygnot in der Lesche zu Delphi, Paus. 10, vgl. Le Bas et Foucart 309. 310. 314. 314 a
25, 2. [StolL] und zu 328 a. Münzen der Messenier zeigen
Itliake ('I&d-nr]) will Lehrs, Rhein. Mus. einen stehenden Zeus, in der erhobenen E.
N.F. 24 1869 p. 617 den Namen der Schwester 20 den Blitzstrahl, auf der L. den Adler, nicht
des Odysseus bei Athen. 4 p. 158 C = Müller selten mit der Beifügung von I0QM, z. B.
F. H. Gr. 3 p. 152 statt Q^a-nrj, wie überliefert Lealie, N. H. p. 174. Sestini , Motte med. gr.
ist, lesen. [Drexler.] in piü Musei p. 90, Tav. 12, 6. Mülingen,
Ithakos ("id-auog), Stammheros der Insel Ane. coins of cit. and längs p. 63, PI. IV
Ithaka; er hatte mit Neritos und Polyktor nr. 20. Overbeck, Zeus p. 12 Fig. 3. Head, IL
bei der Stadt Ithaka den Brunnen gestiftet, K. p. 361 — 362 Fig. 239, was Sestini, Mil-
ans welchem die Bürger ihr Wasser holten, lingen, Baoul-Bochette, Mem. num. p. 29 f.
Od. 17, 207. Die Schol. z. d. St. und Eustath. 137. Lettre ä Schorn p. 184. Jahn, Nuove Mem.
1817, 43 sagen (nach Akusilaos), dafs die ge- delT Inst, di Corr. arcli. p. 17 und Curtius,
nannten drei Brüder, Söhne des Pterelaos und 30 Ztsehr. f. Num. 2 p. 268 zu 'i&aiixaiog oder
der Amphimede und aus dem Geschlechte des 'I&copdrag ergänzen möchten, während Üver-
Zeus, von Kephallenia aus nach Ithaka zogen heck, Bhein. Mus. N. F. 22, 1867 p. 125 und
und die Stadt Ithaka gründeten, die nach Zeus p. 12 — 13 vielmehr IQQMkjW, als nähere
Ithakos den Namen erhielt; nach Neritos Bestimmung von MEZZANIQN, lesen will.
wurde der Berg Neriton benannt, nach Po- Meist erkennt man in der Figur das von
lyktor die Örtlichkeit Polyktorion. Vgl. Steph. Ageladas gefertigte Zeusbikl, z. B. Percy
B. v. 'I&ä-Arj. [Stoll.] Gardner, Cat. of gr. Coins (in the Brit. Mus.)
Ithas ('i&dg), der Herold der Titanen, Pro- Pelop. p. 109 Note * zu nr. 1, PL XXII, 1; vgl.
metheus. Andere schrieben "l&a£, Hesych. s. v. p. 110,10. PI. XXII. 5; 11, PL XXII, 6; 12,
[Vgl. M. Mayer, Gig. u. Tit. 188 A. 67. R.] 40 PL XXII, 7; p. 111-112 nr. 21—38, PL XXII,
[StolL] 10—12; p. 112 nr. 43, PL XXII, 15. Head,
Ithax s. Ithas. H. N. p. 361; vgl. p. 361 dieselbe Figur auf
Ithomatas ('f&cofidrag [auch 'l&m\iriTag (r\g) einer Münze von Thuria. Indessen Brunn,
Thue. 1,103. ihtseb. praep. ev. i, 16, 11 p. 157 c. Gesch. d. gr. Künstler 1 p. 73 und Overbeck,
Suid.J), Beiname des Zeus von der messeui- Bh. Mus. 1867 p. 122—127, Zeus p. 11 — 14
sehen Stadt Ithome und deren Burg Ithomatas, vermuten , der von Ageladas für die Messe-
Paus. 3, 26, 6. Orakel ebend. 4, 12, 7. 8. 10. nier gefertigte Zeus sei in kindlicher Gestalt
4, 24, 7. 4, 27, 6. Steph. By.:. s. v. 'I&a>jj,n. gebildet gewesen. Drexler.]
Der vonPolykaonund seiner Gemahlin Messene Ithome ('l&dfir]), eine Nymphe, nach welcher
geweihte Tempel des Zeus Ithomatas lag auf 50 der messenische Berg Ithome benannt war.
dem Gipfel des Berges Ithome, Paus. 4, 3, 9, Mit der Flufsnymphe Neda badete sie nach
vgl. Phd. Arat. 50, 2; hier war Zeus nach der messenischer Sage den jungen, von den Eureten
Sage der Messenier von seinen Ammen Neda entwendeten (v.lcuibvza) Zeus in der Quelle
und Ithome (nach welcher der Berg benannt Klepsydra auf dem Berge Ithome und zog ihn
ist) aufgezogen und in der nahen Quelle Kiep- auf, Paus. 4, 33, 2. Sclioemann, Opusc. ac. 2,
sydra gebadet worden, Paus. 4, 33, 2; daher 255. Curtius, Peloponn. 2, 147 f. 191, 20. Bur-
trugen die Messenier alltäglich Wasser aus sian, Geogr. 2, 167, 1. [StolL]
dieser Quelle in sein Heiligtum, Paus. a. a. 0. 3. Ithomos ("l&a>nog), ein König von Messenien,
Das Standbild des Zeus Ithomatas, ein Werk nach welchem Ithome benannt war, Steph. B.
des Ageladas, ward von einem jährlich ge- c,o v. 'Irrcöfirj. [StolL]
wählten Priester in dessen Hause aufbewahrt, Ithyone (IOVQNH), Name einer Mainade auf
Paus. a. a. 0. Zur Zeit des Pausanias fand einem Vasenbilde. Sie sitzt auf einem Felseu,
man bei Leuktra in Lakonien nach einem hält einen Thyrsos und schaut sich nach dem
Waldbrande eine Statue des Zeus Ithomatas, gleichfalls auf einem Felsen sitzenden Dio-
woraus die Messenier schlössen, dafs Leuktra nysos, AIONVZO . . . ., um, welcher aufserdem
früher zu Messenien gehört habe; doch ist umgeben ist von zwei anderen Mainaden
es dem Pausanias wahrscheinlicher, dafs der .... INAZ, MAINAZ, und zwei Satyrn HIAVME-
Zeus Ithomatas von alters her auch bei den AHZ und HIMOZ. De Witte macht darauf auf-
567 Ithyphallos Itonia (Itonis, -ias etc.-1 568
merksam, dafs der Nanie an Thyone = Semele Bundesgöttin geworden {Strabo a. a. 0. Paus.
{Biod. 3, 62) erinnert, de Witte, Descr. d'une 9, 34, 1. Plut. narr. amat. 4, 5, vgl. Liv.
coli, de vases peints et bronges antiques prove- a. a. O.-); über den mit dem Kultus der Athena
nant 'des fouüles de TEtrurie. Paris 1837 p. 20 Itonia im Zusammenhang stetenden Feuerdienst
nr. 43. [Heydemann , Sab- u. Bal;chennamen der Iodama s. d. — 2) Beiname der Artemis
S. 29 liest Thyone ; s. Thyone. Röscher.] nach Suidas; da er aber sonst nirgends be-
[Drexler.] zeugt -wird, so ist wohl ein Irrtum des Suidas
Ithyphallos {'l&vq>aU.og), Name des Priapos, anzunehmen. [Höfer.]
der auch Tychon genannt wird, Biod. Sic. 4, 6. [Unter den zu Hinoa auf Amorgos gefundenen
[Höfer.] 10 Inschr. verzeichnet Gaston Beschamps, Bull, de
Itone Cltuvjj), Tochter des Lyktios, Ge- Corr. Hell 12. 18S8 p. 326 ein Dekret der ff govg-
mahlin des Hinos, dem sie den Lykastos ge- yoi der Athena Itonia Jirl Srtui6gyov Tlayxgizov,
bar, Biod. 4, 60. [Stoll.] fiTjvog Kgori'mi-og, zu Ehren des Eunomides,
Itonia. Die Form 'Lravia findet sich bei Sohnes des Theagenes; unter den Funden von
Strabo 9,2, 29 p. 411. 9, 5, 14 p. 435. Paus. 1, Arkesine p. 327 das Fragment eines durch Senat
13, 2, 3, 9, 13. 9, 34, 1. 10, 1, 10. Bdkehyl. mJBergks und Volk zu Ehren einer Person, die den Yor-
Anth. Lyr. p. 373. fr. 23. Plut. Ages. 19. narr. sitz iv t?/ gvvoSco rcüv 'Itutviav haben soll,
amat. 4, 5. Polyaen. 7, 43. Hesycli. Suid. Etym. erlassenen Beschlusses. In einem Dekret des
Magn. 479, 47. Steph. Byz. schol. Apoll. Bhod. Rats und Volks von Amorgos {Beinach, Bull
1, 551. Eust. II 324, 26." Liv. 36, 20. 'itmrig 20 de Corr. Bell. 8 p. 450. 1. 27 ff. Burrbach et
bei Apoll. Bhod. 1,551. 721, vgl. Tzetz. Bylcophr. Badet, Bull, de Corr. Hell 10 p. 261) erhält
355. Etym. 21. 479, 53. Armenidas im schol. Kleophantos für sich und seine Familie Frei-
Apoll, Bliod. 1, 551. Tgl. 721. Plut. Pyrrli. heit von den Beiträgen für die Itonien: [<Joü]-
26, 8 und Epigramm ebendas. = Paus. 1, 13, 2. vai di avrtäi äzitetav . . . itacäv zäv ovußo-
Aitth. Pal. 6, 130. Etym. 31. 479, 47. Steph. Byz. Imv -xogtvouhoig sla re 'irmvia.
Festus (Itonida). Ttovic'c bei Callitn. hymn. Die Stätte des Heiligtums der Athena Itonia
6,75. Theodoridas in Anth. Pal. 9,743. 'It6vtj im Gebiet Ton Koroneia setzt Foucart, Bull.
bei Steph. Byz. Suid. Etym. 31. 519, 3. 'iTavaia de Corr. Hell 9 p. 427 — 433 im Dorfe ilamoura
bei Steph. Byz. — 1) Beiname der Athena. Die an. Ein Dekret der Boioter ordnete an, das
Hauptkultstätte der Itonia war ursprünglich so Bild eines Wohlthäters aufzustellen iv tä vaä
Thessalien {schol. Apoll. Bhod. 1, 721: daher r)]; "Ekmviaq U&nvüg, Beil. Syll. Inscr. Boeot.
A&rjrä 'Ireoviu auch Feldgeschrei der Thessaler, p. 118: Tgl. Foucart, Bull, de Corr. Hell. 4
Baus. 10, 1, 10); hier hatte sie zwischen Pherai p. 15 Note 1 , 9 p. 430. 432. Zur Zeit der
und Larissa ein Heiligtum {Paus. 1, 13, 2); Antonine ernannte der böotisehe Bund eine
ebenso in der Stadt Iton {Strabo a. aa. OO. grofse Priesterin der Athena Itonia, Becharme,
schol. Callim. hymn. 6, 75); Ton letzterer Stadt Inscr. de Beotie nr. 16. Foucart, Bull, de Corr.
soll sie ihren Namen haben, Tgl. Etym. 31. 479, Hell 4 p. 15 Note 1. Auf Grund Ton Z. 9
47. Eilst, II 324, 26. Fesius (andere Ableitung und 11: inn[<a] noila toi' 'Agitog und
Tonltonos, dem Sohne des Amphiktyon,beiP(7»s. i'n-xa Tt!jm top . . . TOÜ'Jpf'os eines Verzeichnisses
9, 34, 1. Steph. Byz. schol. Apoll Bhod. 1,551. 40 der Sieger bei den Pamboiotia aus Mamonra
721); ein Fest der Athena Itonia in der thes- {Bull de Cor. Hell. 9 p, 431) nimmt Foucart
salischen Stadt Krannon gefeiert, 'Irco'rta ge- p. 433 an, es habe ein Zusammenhang zwischen
nannt, bei Polyaen. 2, 34 (so C. Fr. Hermann für dem Kult des Ares und der Athena Itonia be-
Tai'via). Ton Thessalien gelangte der Kultus standen und so sei bei Strabon 9.2,29 ovy/M&-
der Itonia mit den nach Süden auswandernden iSgvtat 6h rf] 'Jfr^rä statt o ~'Jidr;s vielmehr
Aiolern auch nach Boiotien, wo wir zwischen 6 "Agrjg zu lesen. Bekanntlich wollten E. 0.
Alalkomenai und Koroneia {Paus. 9, 34, 1), in Müller, Handb. d. Arch. d. Kunst § 371, 8.
der Nähe letzterer Stadt, einen dem thessa- Benlm. d. a. K. 2, Tfl. XXI nr. 226. Welcher,
lisehen Iton gleichnamigen Ort, einen Tempel Gr. Götterlehre 1 p. 313 Athena Itonia und
und Kult der Athena Itonia finden, Strabo 50 Hades auf einerGemmedesFlorenriner Kabinetts
a. aa. 00. Paus. 3, 9, 13. Plut. Ages. 19. erblicken; Overbeek, Zeus p. 46—49 Fig. 6 er-
Hesych. Catull 64, 228. Stat. Hieb. 2, 721. keimt darauf die Ton Agorakritos Ton Paros
7. 330. Im Tempel selbst standen die ehernen gefertigten Statuen der Athena Itonia und des
Bildsäulen der Athena Itonia und des Zeus, Zeus {Paus. 9, 34, 1), indem er Strabons Hades
Werke des Agorakritos, eines Schülers des mit dem Zeus des Pausanias für identisch
Pheidias, denen zur Zeit des Pausanias auch hält. Hit Recht spricht sich Wieseler bereits
noch die Standbilder der Chariten hinzugesellt in der 2. Ausgabe der Bcnhmäler der alten
wurden, Baus. 9, 34, 1; ferner befand sich in Kunst gegen eine solche Deutung der be-
dem Tempel eine Statue des Königs Antiochos treffenden Figuren aus und erklärt sie Tielmehr
(Biv. 36, 20) und Tor demselben ein Denkmal 60 für Athena und Sarapis als Gesundheits-
zur Erinnerung an den Sieg der Boioter über gottheiten: in der 3. Ausgabe 2 p. 161 ff. er-
die Athener unter Tolmides, Plut. Ages. 19. kennt er statt des Sarapis den Pluton.
Auch sonst wurde der Göttin nach sieg- Auf Silbermünzen Ton Koroneia erscheint
reicher Schlacht Ton den Boiotern geopfert, das Haupt der Athena Itonia mit einem Helm
Polyaen. 7, 43; denn Athena Itonia, deren mit drei Büschen (Cat. of Greek Coins [in the
Kultus in engem Zusammenhang mit dem des Bi it. Mws.] Central Greece p. 47 nr. 12, PI. VII,
Hades steht, y.axa tiva jivGTiv.riv ulzlav , wie 10) oder mit einbuschigem attischen Helm.
Strabo 9 p. 411 sagt, war bald pamboiotisehe a. a. 0. nr. 13, PI. VII, 11; oder als-ihr Symbol
569 Itonos — Itys (b. Homer u. Hesiod) Itys oder Itylos (bei d. Dramatikern) 570
das Gorgonenhaupt, bald mit, bald ohne vor- Kleothera und Merope gebar. Aus Neid gegen
gestreckte Zunge, a. a. 0. p. 46 — 47 nr. 6 — -11, ihre viel reicher mit Kindern gesegnete Schwä-
Pl. VII, 6—9; vgl. Head, H. N. p. 292. Auch gerin Niobe (oder Hippomedusa), die Gattin
den sogenannten böotischen Schild, das Münz- des Amphion, beschlofs Aedon, da sie nur zwei
abzeichen einer „Amphictyonic Confederation" Kinder (Itylos und Neis) hatte, -■ den ältesten
der böotischen Städte hält Head, H. JV. p.291 Sohn der Niobe (Amaleus), der mit Itylos zu-
für den der Athena Itonia. sammenschlief, in der Nacht zu morden, traf
Die thessalische Athena Itonia erblickt aber aus Versehen ihr eigenes Kind (nach .
man, die Lanze zum Kampfe erhoben, auf dem einer anderen Version des Schol. B tötete sie
Revers von Münzen des von 196 — 146 v. Chr. 10 nach der Ermordung des Amaleus ihren eigenen
bestehenden thessalischen Bundes und des Sohn absichtlich aus Furcht vor der Rache
KOINON 0ECCAAQN der Kaiserzeit, Cat. of ihrer SchwägerinV Hierauf wurde sie von
Greek Coins in the Brit. Mus. Thessaly to Zethos verfolgt, abw. von Zeus in eine Naehti-
Aetolia p. 1 — 9, nr. 1 — 42, 44—46, 49 — 61, gall verwandelt. Gran z anders scheint Hesiod
77—81, 86—87, 89, PI. I, 1—3, 5, 7, 12, 14. den Mythus erzählt zu haben. Nach s-gya
Head, H. N. p. 264. Das Haupt der Göttin 568ff. (zbv <5e jibt:' ög&oyor] [og&goyojj^ üav-
erscheint mit helmbuschgeziertem korinthischen dtovlg <agzo %£lio<bv ig cpuog ävirgcÖTtoLg,
Helm auf dem Obv. der erstgenannten Bundes- e <xgog viav lazafiivoio) war die .Schwalbe (die
münzen, Cat. Gr. C. Brit. Mus. Thessaly p. 4 Schwester der Nachtigall) eine Tochter des
nr. 43, PL I, 4; nr. 47 — 48, PI I, 6; p. 5 — 6 20 Pandion (s. u.); ihr Gesang scheint als eine
nr. 62 — 67. Head a. a. 0. Der Monatsname Klage um eigenes Leid oder das ihrer Schwester
'Izmviog kommt inschriftlich z. B. Bull, de aufgefafst zu werden (vgl. Schol. Sicc zrjv lvmrp>
Corr. Hell. 7 p. 44, 52 vor. [Drexler.] a&ai zt)v <&ilopriluv; s. d. Stellen b. Breuer,
Itonos ('Izcovog) , 1) Sohn des Arnphiktyon, Gr. M.- 2, 141,4). Nach einem bei Ael. v. h.
Gemahl der Nymphe Melanippe , Vater des 12, 20 erhaltenen Fragment (120 ed. Kinkel)
Boiotos und der Chromia, nach welchem die hatte Hesiod gesagt, die Nachtigall (A.nSüv) sei
Athena Itonia der Böotier benannt war, Paus. der einzige Vogel, welcher völlig schlaflos sei,
9, 1, 1. 34, 1. 5, 1, 2. Steph. B. v. "Izcov. Schol. während die Schwalbe die Hälfte des Schlafes
Ap. Eh. 1, 551. 721. Vater der Ioclama, Tgets, eingebüfst habe (vgl. auch Hesych. s. v. oltiSö-
L. 1206, s. Iodama. Müller, Orch. 391 Anm. 4. 30 vnog. Suid. ar}äav. Bekk. an. 349, 8). Dass die
392. Unger, Theo. Paradoxa p. 455. — 2) Sohn darauf folgenden (in direkter Rede stehenden)
des Boiotos, Vater des Hippalkinios, Elektryon, Worte des Aelian rifimgiav 6h dgu xavzr^v
Archilykos, Alegenor, Diod. 4, 67; vgl. Schol. Iv.zivovai bik zb nct&og zu iv @Quv.rj v.azctzol-
II. 2, 494 p. 80 a, 38 Bekker. [Stoll.J jirj&hv, zo ig zö Silnvov i%£ivo zb äfisofiov auch
Itovia (1TOVIA) ist als Beisehrift beigegeben aus Hesiod stammen, ist zwar nicht ganz sicher,
einer stehenden, eine Weintraube und einen aber doch nicht unwahrscheinlich. Sind sie,
Knotenstock haltenden Frauengestalt auf einer wie ich annehme, iiesiodisch, so wäre Hesiod
Münze der älteren Faustina, Cohen, Mann. der älteste Zeuge für die namentlich in Attika
imp. 2 - 429, 207. [Drexler.] heimische und von den Tragikern behandelte,
Itylos = Itys (s. d.). 40 wie es scheint, teilweise im phokischen Daulia
Itymoiieus {'Izvfiovavg), 1) Sohn des Hypei- (Thuk.2,'29) spielendeTereusfabel(s. Tereus).*)
rochos aus Elis, von dem jugendlichen Kestor Wie bei Hesiod, so ist übrigens auch bei Sappho
im Kampfe um weggetriebene Rinder erschla- (/>. 87B.) die Schwalbe eine Tochter des Pandion,
gen, II. 11, 672. Strab. 8, 352. — 2) Dolione, nicht des Pandareos.
im nächtlichen Kampf von Meleagros getötet, b) I. bei den Dramatikern. Einzelne
Ap. Uli. 1, 1046. — 3) Bebryker, von Kastor Anspielungen auf die Itylossage finden sich
nach Überwältigung des Amykos erlegt, Ap. zunächst bei Aischylos {Suppl. 57 ff. u. Agam.
Bh. 2, 105. — 4) Miiesier, vor Troja von Meges 141 ff.). Hier tritt uns zuerst der für Hesiod
getötet, Quint. Sm. 1, 279. [Stoll.] nur vermutete Name des Tereus als Gatten
Itys oder Itylos ("irus, "izvlog). 50 der Nachtigall und die Namensform Itys statt
a) I. bei Homer und Hesiod. Nach Od. Itylos entgegen; und der dem Dichter vor-
t 518 ff. ist Itylos der Sohn des thebanischen schwebende Mythus scheint mit dem für Hesiod
Fürsten Zethos und der Aedon (s. d.), der vorausgesetzten und später namentlich von
Tochter des Pandareos. Seine eigene Mutter Soplwkles behandelten fast identisch gewesen
tötet ihn aus Versehen mit einem ehernen zu sein. Beachtenswert erscheint übrigens
Schwerte (%alK(ö [Schol. fiarä i«pous] v-zsivt die Variante (Aischyl. Suppl. 62), dafs Tereus
äi' aaioctÖLag v. 522 f.) und singt darauf (in
eine Nachtigall verwandelt) gegen Frühlings- t *> Ganz ^ers faftt Ä7fc,- von Gaertringen in somer
n , -.< i f t i i o? unten zu erwähnenden Dissertation, to. 4d die hesiodtsc/ie
anfang (tagog VIOV IGza^vaio) um den Sohn Fassung der Sage auf, indem er annimmt, in den %•/« seien
ein schönes Klagelied. Die Ergänzung hierzu 60 Nachtigall und Schwalbe mit einander verwechselt worden,
liefern die Schollen ZU der Stelle (vgl. auch Hiertür Heise sich vielleicht der Umstand geltend machen,
Eustath. p. 1875, 15. Paus. 9,5,9), welche dafs römische Schriftsteller ( Vergil. Ed. 6, 79. Geo. 4, 15.
sich auf Phertkydes (fragm. 102) berufen 511. Borat, ca. 4, 13, 3— s messt. Ov. am. 2, 6, 7. Fast. 2,
(siehe oben unfe-r Aedon). Hiernach war 629- 855- MeL 6> 412£ E^"./. lö; mehr b. Ribbeck, R. Trg.
Pandareos, ein Kreter von Milet (vgl. Paus. 37' 45> <^.1>r°tae in f*> Schwalbe, die Phib.meia in
,n _„ _. ' i r, , , T.rx ° , eine Nachtigall verwandelt werden lassen. Jb re liicn .kann
10, 30, 2), entweder Sohn des MeropS oder di8 spätere Variante der Sage recht wohl auch auf einem
des Hermes und der Merope und Gemahl der Ton irgend einem Alexandriner verschuldeten Mifsver-
Harmothoe, welche ihm drei Töchter Aedon, ständnis der Hesioästetu beruhen.
571 Itys oder Itylos (bei d. Dramatikern)
nicht in einen Wiedehopf, sondern in einen
Habicht (ja'pitos; vgl. v. 62 HigxrjXdzov r' ccrr
Sövog) verwandelt wnrde (vgl. auch Aesch.
fr. 297 N. u. Hyg. fab. 45: Tereum autein accipi-
trem factum dicunt). Am meisten scheint zur
Popularisierung und Gestaltung der Tereus-
fabel jedoch Sophokles beigetragen zu haben,
von dessen Drama Tereus uns mehrere Frag-
mente erhalten sind (Nauck fr. 519 — 535.
Welcher, Gr. Trag. 1 S. 374 1t'.; vgl. auch 10
Electra 107. 147 f. 1077). Der wesentliche
Inhalt des Stückes läfst sich einerseits aus
den erhaltenen Fragmenten, anderseits aus
den mehr oder weniger übereinstimmenden
Angaben anderer Schriftsteller erkennen, die
alle, wie es scheint, den Inhalt des sophoklei-
schen Stückes im Auge haben (Thucyd. 2, 29.
Prokne, den Itya haltend, und Philomela, Yasenbild (nach
Amiali 180:! tav. C = Baumeister, DenJcm. S. 1330 Fig. 1184.
Ovid Met. 6, 411 ff. Apollod. 3, 14, 8. Conon
narr. 31. Schöl. zu Verg. Ed. 6, 78. Schol.
Ar. av. 212. Achill. Tat. 5, 3, 5. Mythogr..
Lat. ed. Bode 1, 4. 2, 217. Teetees zu Hes.
i'Qya 5GG. Chil. 7, 459 ff.); über die vielleicht
auf das Drama des Philoltfes zurückgehende,
von Sophokles stark abweichende Fabel bei Ey- so
gin. 45 s. Eibbeck, Rom. Tr. 38 f. Der drama-
tische Inhalt des sophokl eischen Tereus scheint
folgender gewesen zu sein. Der thrakische
König Tereus hatte wahrscheinlich zum Lohne
dafür, dafs er den attischen König Pandion
im Kampfe gegen den Labdakos unterstützt
hatte (Apd. 3, 14, 8. Ov. Met. a. a. 0. 423 ff.;
vgl. Thuc. 2, 29), dessen Tochter Prokne zur
Frau erhalten und mit ihr einen Sohn, Itys,
gezeugt. Später verliebte er sich in die zweite co
Tochter des Pandion, Philomela, lockte sie
unter dem Vorgeben, sie solle ihre Schwester
Prokne besuchen (so Tsetses a. a. 0.; nach
Apollod., Servius. Dan., Prob, und Hygin.
a. a. O. gab er vor, Prokne sei tot und be-
gehrte daher die Philomela zum Weibe ;
nach Ovid a. a. 0. Mythogr. Gr. ed. Westertn.
p, 382. Myth. Lat. ed. Bode 1, 4. Tsetses,
Itys oder Itylos (Bildwerke) 572
Cliil. a. a. 0. veranlafste Prokne ihren Ge-
mahl , nach Athen zu reisen und ihre ge-
liebte Schwester mitzubringen; vgl. Bibbeck,
Beim. Tr. 35 Anm. 34), nach Aulis in Böotien
und schändete sie daselbst, worauf er ihr, da-
mit sie nichts verriete, die Zunge ausschnitt.
Aber Philomela machte durch Worte, welche
sie in einen Peplos webte (anders die von Bib-
beck, Büm. Tr. 36 Anm. 39 angeführten lat.
Quellen), der Schwester ihr Schicksal bekannt
(vgl. Aristot. poet. 16). An einem Dionysos-
feste (Ovid Met. 6, 586 ff. tricterica Bacchi;
vgl. Bibbeck. S. 581), an welchem es nach
Mythogr. gr. ed. IVest. p. 382 Brauch war, dafs
die thrakischen Frauen der Königin Geschenke
sandten, nahm Prokne furchtbare ßache an
dem treulosen Tereus. Sie tötete den eigenen
Sohn Itys, setzte ihn dem Vater (nach Ovid
648 unter dem Vorwande heiligen Festbrauchs)
als Braten vor und entfloh mit ihrer Schwester.
Tereus verfolgte beide mit blanker Waffe (vgl.
Arist. Lys. 563), wurde aber, ehe er sie er-
reichen konnte, in einen Wiedehopf (i7torp)
verwandelt, während Prokne zu einer Nachti-
gall, Philomela zu einer Schwalbe wurde. Der
Mythogr. lat. läfst den Itys in einen phasianus,
der Servius Dan. in eine phassa {phasianus ?)
verwandelt werden. Anspielungen auf den In-
halt des sophokleischtn Tereus oder den ihm
zu Grunde liegenden Mythus finden sich bei
Aristoph. av. 100. 209 ff. Em. Hei. 1110. Blies.
550. Bahr. f. 12. Luc. Tragodop. 52. Nonn. 44,
265 ff. 47, 30. Anacreont. 9 (12). Nach Sophokles
behandelten Philokles (p. 589 Nauck = Hygin.
f. 45?), Livius Andr. und Accius denselben Stoff
{Bibbeck, Beim. Trag. 35 ff; vgl. 39. 577 ff.).
Bildliche Darstellungen des Jtys-
rnordes, wie es scheint, in wesentlicher Über-
einstimmung mit dem attischen Drama und mit
Hesiod finden sich auf zwei Vasen: 1) Ann.
d. Inst. 1863 tav. C (vgl. Welcker, A. DenJcm.
3, 365 ff. Baumeister, Denkm. d. kl. Alt. $. 1330
Fig. 1484 und Bibbeck S. 583, 6: Prokne hat
den kleinen Itys unter den Armen gefafst und
bereits vom Boden erhoben, den Blick fragend
und schmerzlich auf die stumme Schwester
gerichtet, welche, ein Schwert an der Seite,
mit erhobenen Armen und beredter Finger-
sprache ihr die grausame Anweisung giebt). —
2) Kylix d. Panaitios : Bull, d, I. 1878 p. 204f.
Journ. of Hell. Stud. 8 (1887) S. 440. Klein,
Euphronios" 282 f. Meistersign .- 145 (hier sind
Itys und Aedon beigeschrieben; vgl. Hiller
a. a. 0. 47 f.). — 3) Vgl. auch die Gemme bei
Chabouillet , Cat. des camc'es etc. nr. 1806;
vgl. Annali 1865 S. 33. Bibbeck a. a. 0. S. 583
A. 8: „Prokne und Philomela bringen dem
unter einem Baume vor einem Dreifufs sitzen-
den Tereus den Kopf des Itys. Auf dem
Baum sitzen eine Schwalbe, eine Nachtigall,
ein Wiedehopf und ein Stieglitz (Itys)." Ein
Bildwerk von Alkamenes' Hand (HQo-nvnv rec
ig rov itaidu ßsßovleviisvvv ctvrqv ri kcü rbv
"Irvv dve&r]K£v AXuccpivTig) befand sich nach
Paus. 1, 24, 3 auf der athenischen Akropolis.
c) Das teils aus homerischen (vgl. die
Namensform Pandareos) teils aus hesiodischen
oder attischen Elementen (vgl. die Namens-
573
Iubar
form Itys und das Motiv der Zerstückelung
und Kochung des Itys) zusammengesetzte Tier-
märchen des Boios bei Anton. Lib. 11s. oben
unter Aedon (Bd. 1 Sp. 84). Ebendaselbst
findet man auch die Deutung der Sage und
die Erklärung des Namens Itys oder Itylos;
vgl. Hesych. s. v. i'zvXog .... vioe, analog
und C. I. G. 8368, wo 'Itvlog = "Egag ist.
Litteratur: Welcher, Gr. Trag. 1 S. 374 ff.
Pibbech, Böm. Tr. a. a. 0. Preller, Gr. 31."
2, 140 ff. Hiller de Gaertringen, de Gracc.
fabidis ad Thraces pertinentibus. Diss. Berolini
1886 S. 35 ff. 0. Keller, Tiere d. Mass. Alt.
5. 316ff. Vgl. auch die Artikel Aedon, Panda-
reos, Philomela, Prokne, Tereus. — 2) ITYAOX,
Beischrift des Eros, welcher eine Jungfrau
verfolgt, auf einer Vase der Sammlung Barone;
vgl. C. I. Gr. 8368 und die daselbst angeführte
Litteratur, sowie oben Zeile 7 f. [Röscher.]
Iubar, der lateinische Name des Morgen-
sterns (Ennius und Pacuvhts bei Varro de l. 1.
6, 6; vgl. 7, 7, 76. Ennius ann. fr. 326 bei
Prise. 5 S. 658. Paul. JDiac. S. 104 s. v. Serv.
V. A. 4, 130. Placid. gl. S. 474. Isidor. orig.
3, 70, 18), welcher sonst, dem griech. $coeqpö-
Qog entsprechend, gewöhnlich Lucifer ge-
nannt wird. Das Wort iubar, wohl mit
div , leuchten, zusammenhangend, bezeichnet
ursprünglich das Strahlende, Glänzende über-
haupt, so dafs es auch von der Sonne, dem
Monde, den Sternen, der Morgenröte, dem
Feuer, dem Golde, dem strahlenden Antlitz
der Helden oder Fürsten und endlich vom
Glänze des Morgensterns selbst gebraucht
wird (vgl. nitidum iubar extulit undis Lucifer,
Ovid. fast. 2, 149). Siehe Lucifer. [Steuding.]
lucunditas Ang'., die in Gestalt einer sitzen-
den Frau mit Erdkugel und Scepter persönlich
vorgestellte Liebenswürdigkeit des Kaisers
(Cohen, med. imp.2 4 S. 412, Alexandre Se-
vere 105), eine den auf Kaisermünzen sehr oft
vorkommenden Begriffsverkörperungen wie Hi-
laritas, Laetitia und Indulgentia ähnliche, aber
ganz vereinzelt auftretende Personifikation.
[Steuding.]
Iudaea, die Personifikation des jüdischen
Landes erscheint öfters auf Münzen des Vespa-
sianus entweder vor einem Palmbaum oder
vor einem Tropaion oder auf einer Lorica
oder zwischen Waffen sitzend und weinend
(Cohen, Med. imper.- 1 S. 384 ff. nr. 224ff.\
Ähnliche Darstellungen siehe auf Münzen des
Titus {Cohen a. a. 0. S. 438ff. nr. 112ff.).
[Röscher.]
Indaios ClovSatog), 1) Sohn des Typhon,
Bruder des Hierosolymos, nach dem die Juden
benannt sind, Plut. Is. et Osir. 31. — 2) Einer
der Sparten, der sonst Udaios (s. d.) heifst
und dem Lande Judaia seinen Namen gegeben
daben soll (Steph. Byz. s. v. 'Iovdai'a); doch
siehe Meinche z. d. Stelle, der auch hier Oidaiog
schreibt. [Höfer.]
Iuga, Iugalis s. Iuno.
Iugatinus s. Indigitamenta.
Iuguila s. Orion.
Iiilineikiae, Beiname der Matronae auf
einer bei Jülich gefundenen Inschrift, Korre-
spondenzblatt der Westdeutschen Zeitscltr. 1886
Iuno (Alter u. Verbreitg. d.- Kultes) 574
p. 170; vgl. Bonner Jahrb. 83 p. 23 (s. Ma-
tronae). [M. Ihm.]
Iuliopolis, die Tyche von Iuliopolis er-
scheint auf Münzen dieser Stadt mit der Bei-
schrift IOYAIOTTOAIC als weibliche Büste mit
dem Schleier unter Commodus, Mionnet 2,
446, 187. S. 5, 72, 363 (nach Vaillard). Cat.
of Grcelc Coins [in the Brit. Mus.] Pontus, Pa-
plüagonia, Bithynia etc. p. 149 nr. 4 PL XXXI, 6;
10 mit der Beischrift lOYAlOnOAGIC als stehende
Frau im Chiton mit Diplois und Peplos, auf
dem Haupt die Mauerkrone, in der L. ein
- Scepter, auf flammendem Altar opfernd, unter
Geta, Cat. of Gr. C. Pontus etc. p. 150 nr. 8,
PL XXXL 7. [Drexler.]
Iulo ('iovXmj, Beiname der Demeter als
Erntegöttin von den Garben (i'ovlot), Semos
von Delos bei Athen. 14, 618 d; im schal. Apoll.
Phod. 1, 972 heifst sie Ulo (Ovl<6), denn ovlog
■20 ist = i'ovlog, Hesych. Der der Demeter Iulo zu
Ehren gesungene Hymnos hiefs selbst i'ovlog, s.
Athen, und schol. Apoll. Phod. a. a. 0. Phot. Suid.
Etym. M. 472, 36. Tzetz. Lykopin: 23. [Höfer.]
Iulus oder Iullus (Mommsen im Hermes 24,
1889 S. 155 f.; vgl. d. römische Inschr. in
den Notizie d. seavi, April 1888 S. 224; in
betreff der Formen Diovilus, Iovilus, Iohilus,
Ioilus, Iulus vgl. Bücheier im Ph. Mus. 44,
1889 S. 323), der eponyme Stammvater der gens
30 Iulia, welcher dem Askanios (s. Bd. 1 Sp. 613,
61 ff.) gleichgesetzt wurde. So auch: Verg.
Aen. 4, 274. 6, 364. Ovid. her. 7, 75. 83. 137.
153. am. 3, 9, 14. met. 15, 767. ex Pont. 2,
11, 15. Propert. 4, 1, 48. Sil. It. 8, 71. 13, 863.
Aur. Vict. or. g. B. 9, 3. Mythogr. Vat. 1, 204.
Stammvater der Iulier: Verg. Aen. 1, 288. 6,
789. Ovid. fast. 4, 39. Suet. Caes. 81. Mart.
6,3,1. luven. 8, 42. Erbauer von Alba Longa:
luven. 12, 70. Schol. Flor. 1, 1,4. Vgl. Schwegler,
40 P. Gesch. 1, 337 ff. E. Schulze in der Arch.
Zeit. 1873 S. 3 u. 7. Jordan, Top. d. St. Born
1, 2 S. 101. Später wurde Iulus von Askanios
getrennt und als dessen ältester Sohn bezeich-
net (Dion. Hai. 1, 70, 4. Festus S. 340 s. v. Silvi.
Bio Cass. fr. 4, 10. lib. 41, 34, 2. 43, 43, 2.
Serv. V. G. 3, 35. Aur. Vict. or. g. P. 17, 4;
vgl. Strabo 13, 1, 27 S. 595), welcher nach dem
Tode seines Vaters von seinem Oheim Silvius
aus der Königswürde verdrängt und zum Ober-
50 priester gemacht worden sein sollte (Dion. Hai.
1, 70, 4 f. Diodor bei Euseb. 1 S. 389. Hiero-
nym. chron. z. Jahr 870); siehe auch Bd. 1
Sp. 190, 46 ff. 613, 36 ff. [Steuding.]
Iuuios (Iovviog), 1) Sohn des Daunos. Er
oder sein Vater tötete den nach Daunien in
Italien (am joviog xolTtog) gekommenen Dio-
medes (s. d.) auf der Jagd; Schol. II. 5, 412.
Vgl. Ionios. [Stoll.] — [2) Begleiter des
Aineias, Urahn d. Iunier; Dion. H. 4, 68. R.]
1511 Inno.
I. Alter, Verbreitung und Bedeutung des
Iunokultes der italischen Stämme.
Dafs der Kult der Iuno zu den ältesten
und wichtigsten Italiens gehörte, ist eine wohl-
bezeugte Thatsache. Vgl. Tertull. ad not. 2, 12 :
Varro antiquissimos deos Iovem, Iunonem
et Minervam refert. Der älteste römische Kult
575 Iuno (Alter u. Verbreitg. d. Kultes) Iuno (Alter u. Verbreitg. d. Kultes) 576
war wohl der (sabinische?) der Lucina, einge- I. Sospita blühte (Oc. f. 6, 60), einen Iunonalis
führt von dem sabinischen König T. Tatius, in Praeneste (Ovid. f. 6, 62. Macrob. a. a. 0.),
welcher nach dem Zeugnis der Annales b. Varro und dürfen bei der auch sonst nachweisbaren
dieser Göttin einen Altar gründete (Varro l. I. Übereinstimmung der sämtlichen latinischen
5, 74: et arae Sabinum Knguam olent, quae Kalender denselben Monat wohl auch in Gabii,
Tati regis voto sunt Bomae dedicatae, natu, ut Alba, Tibur, Ardea, Faleiii voraussetzen, zu-
Annales dieunt, vovit Opi, FJorae, Vedio, Iovi mal da auch in diesen Städten berühmte luno-
.... Dianae Lucinaeque). Wahrscheinlich kulte bestanden (Genaueres darüber s. unten
befand sich dieser Altar des Tatius in dem Sp. 604 f.). Es ist aufserdern nicht unwahr-
bekannten, seit dem J. 379 d. St. mit einem 10 scheinlich, dafs ein Iunomonat auch in der
Tempel (Fest am 1. März) geschmückten lucus Gruppe der bei Mommsen a. a. 0. aufgezählten
I. Luciuae auf dem Cispius mons genannten sabellischen Kalender vorkam, da dieselben
Teile des Esquilinus (vgl. Varro 1. I. 5, 49 — 50. fast alle einen Monat Martius aufzuweisen
Becker, Hdb. d. r. Alt. 1, 536 f. unten Sp. 583 u. haben und somit in der Hauptsache mit dem
602). Einen anderen, ebenfalls uralten Kult latinischen Kalender übereingestimmt zu haben
hatte die Iuno, wie es scheint, gemeinschaftlich scheinen. Aber nicht blofs in Latium und bei
mit Iuppiter und Minerva in einem sacellum des den sabinischen und sabellischen Stämmen,
sogen. Capitolium vetus, einem Teile des in sondern auch ebenso bei den Cmbrern und
ältester Zeit von den S abinern besiedelten Oskern (Samnitern), sowie in dem mit sabini-
Quirinalis (Varro l. 1. 5, 158: Capitolium vetus, so scher Bevölkerung stark durchsetzten südlichen
quod ibi sacellum locis, Iunonis, Mvnervae, Teile Etruriens (Veji, Falerii; vgl. Müller-
et id antiquius quam aedis quae in Capitolio Deccke, JStrusker- 2, 43 ff. 64) war der Iuno-
faeta ; vgl. Schivegier. B. G. 1, 480. Ambrosvh, kult seit ältester Zeit stark verbreitet. So
Stud. 1, 172 f.; anders Gilbert, Gesch. u. Topogr. kennen wir aus umbrischem Gebiete die Kulte
d. St. Born 2, 84 ff.). Auch der Kult der I. Moneta der Iuno Lucina und der Regina von Pisau-
(Fest am 1. Iunius) auf der arx des kapitolin. rum (C. 1. L. 1, 171 ff. s. unten Sp. 605),
Hügels, an welcher Stelle der sabinische aus samnitischem und kampanischem Gebiete
König Tatius residiert haben sollte (Flut. Born. die Kulte von Beneventum (Iuno Regina,
20. Solin p. 10, 2 Mo.), scheint sehr alt zu sein nicht Veridica, s. unten Sp. 600), Aesernia (I.
(s. u. Sp. 593 f. u. vgl. Jordan, Topogr. 1, 2, 109). so Populona; s. unten Sp. 598), Terventum, Cales
Für die Beurteilung des Alters und der Ver- (Iuno Lucina), Capua (I. Lucina Tuscolana;
breitung des Iunokultus ist ferner die That- I. Gaura), Teanum Sidicinum (I. Populona)
sache wichtig, dafs ein der Iuno heiliger und u. s. w. (Genaueres darüber in Absehn. VI),
nach ihr benannter Monat in mehreren lati- so dafs mit Recht die Iuno als eine von jeher
nischen Kalendern vorkam, die offenbar auf bei den Latinern und den mit diesen ver-
einen latinischen Urkalender deuten (vgl. wandten Umbrern und Oskern einheimische
Mommsen, Büm. Chron.- 219 ff.). Wir finden Göttin bezeichnet werden kann. Eine noch
nämlich einen Iunius (= Iunonius*) in Rom, weitere Perspektive hinsichtlich des Alters des
einen Iunonius bei den Latinern in Aricia (Ov. lunokultes gewinnen wir durch die Ver-
f. 6, 59. Macrob. 1, 12, 30), Laurentum und in 40 gleichung der Iuno mit der in allen wesent-
Lanuvium, wo bekanntlich der uralte Kult der liehen Funktionen mit ihr übereinstimmenden
Hera-Dione der Griechen. Wir dürfen aus
_ *) Wenn Mommsen, Rom. Chron.-- S. 222 und Ro/stach, dieser gchon oben ß(j 1 g o087 angedeuteten
Rom. Ehe S. 26S nauh dein Vorgänge des Varro u. a. fTU .- i_i i o i i o ■ i_
, r. . , c „„ ,, , . „ , . . ,r , , 1(, 1C n ubereinstiinmuncr wohl den bchluis ziehen,
( Varro l. I. 6, d3. hulcius Aob. bei Macrob. 1, 12, 16. Censor. . „ .. .° . TT _.. . , . '
d. n. 48, 13 a. Flut. Numa 19. Q. R. 86. Ooid f. l, 41. da.rs dle griechische Hera-Dione ursprunglich
6, SS Io. L,jd. de mens. p. 246 R.) den Namen des Iunius mit der italischen Iuno identisch war und
von iueenis (oder iueare) ableiten wollen, so ist diese beide Göttinnen aus einer in der sogenannten
Deutung nicht blofs deshalb unwahrscheinlich, -weil man gräcoitalisehen Epoche bereits vorhandenen
keinen rechten sachlichen Grund dafür anzugeben ver- Einheit hervorgegangen sind. Als die Haupt-
mag (vgl. Fuldas N. bei Macrob. a. a. 0. liomulus post-
;o punkte, in welchen sich bei methodischer Ver-
quam vopuhim in minores ainiorcsque divisit . . . in honorem .. i-a-j.
. - ,. , „ ■ , r gleichung diese ursprüngliche Identität der
utrmsqw: partis nunc Jlaium, sequentem Juniuin mensem ? , tt ■ l • j /• i ii
tocaiili, sondern wird auch durch die Existenz des In- lun° uud Hera zeigt. Sind folgende hervOl'ZU-
uonius oder Iunonalis in den verwandten Kalendern und heben. Beide Gottheiten, Iuno wie Hera, sind
durch den Hinweis auf das gerade auf die Kaienden ursprünglich Mondgöttinnen, wurden als
des Juni fallende wichtige lunofest (Censor. p. 48, 2ü solche vorzugsweise an Neumonden ver-
ed. ii.) widerlegt. Vgl. Cincius bei Macrobius l, 12, 30: enrt; und führen die gleichbedeutenden Namen
Iunius . . . nominatus . . ut Cincius arbitrato, quod Iunonius j un0 m(lj1(J,„ (von Wurzel div leuchten), von
apud Latinos ante vocitutm diuque apud Aricinos Prac- ^^ letzterer , ob ßd % g 2088) der ^fc
nestinosque luic appellatione in fastos rclatus sit, adeo ut, ,. _ _-_ ^ - _ L ' _.
sicut Nisus i„ commentarüs jastorum dicit, apud maiores epirotische Name der Hera gewesen ist. Em
quoquc nostros haec appellaüo mensis diu manserit, sed post 60 zweiter synonymer Name der italischen Göttin
detritis quibusdam luteris ex lunonio iunius dktus sit. war Lucma oder Lucetia (von Wurzel lue;
s. auch Varro b. Censor. 48, 24. Sero. v. Geo. 1, 43. vgl. lu(c)na = Mond), welcher ebenfalls die
Hut. Numa 19. Röscher, Jahrb. /. kiass. Phil, in s. 307 ff. Leuchtende bedeutet. Da der Mond nach der
Hinsichtlich der Ausstofsung der einen Silbe in Iu(no)- Anschauung der Alten die für den weiblichen
nius vgl Leo Meyer Vgl Gr. 1, 281. Fick in Kuhns Zisehr Organismus so wichtigen Katamenien und,
22, ys. Kühner, Aus/. Gr. d. lat. Si>r. 1, 1311 Corssen, i -, ° i .. ± j- t-< l
Ausspr. etc. "-2, 581 f.- Corssen a.a.O. 1, 218^01 Iunius w.as damlt eng zusammenhangt, die Lnt-
direkt von Wurzel dir glänzen, leuchten ableiten, schwer- bindung ZU bewirken schien, SO ist Inno
lieh richtig. ebenso wie Hera zunächst Göttin der Men-
577 Iuno (Übersicht d. Hauptfunktionen) Inno (G. d. Mondes, d.Menstr. u.Entbindg.) 578
struation und weiterhin, ebenso wie Artemis, rateten Priesterinnen versehen wurde.
Selene und Diana, der Entbindung geworden Wahrscheinlich waren endlich die Lilie und
(Iuno Fluvionia, Lucina, Ossipago etc. ="Hqu Granate beiden Göttinnen geheiligt (Genau-
EilsC&via). Mehrfach finden sich Berührun- eres s. bei Röscher, Iuno u. Hera S. 4 ff.).
gen mit anderen evidenten Mondgöttin- TT
neu, wie z. B. der Iuno mit Diana und Luna £■ Iuno als G°ttln de^ Mondes, der
und der Hera mit Artemis, Hekate und Se- Menstruation und Entbindung (Fluvionia,
lene (Ausführliches darüber siehe bei Röscher, Lucina etc.).
Selene und Verwandtes, Leipzig 1890). So Dafs Iuno, deren Kult, wie wir gesehen
werden Iuno und Hera, wie auch Artemis, 10 haben, seit den ältesten Zeiten bei Latinern,
Hekate und Selene, auf einem Wagen Oskern und Umbrern verbreitet gewesen zu
fahrend und fackeltragend oder be- sein seheint, ursprünglich die Bedeutung einer
waffuet gedacht (vgl. die bewaffnete und Mondgöttin hatte, ist verhältnisniäfsig leicht
auf einem Wagen fahrende Iuno von Lanu- zu erweisen. Schon die Alten selbst erkannten
vium und von Tibur einerseits mit der eben- dies klar, indem sie die Funktion der Iuno als
falls fahrenden Artemis, Selene und Hera, Göttin der Entbindung und Geburt, sowie ihre
anderseits mit der wohl bewaffnet zu denken- Verehrung an den Kaienden oder Neumonds-
den Hera Hoplosmia Bd. 1 Sp. 2098); auch tagen auf den Mond bezogeD, oder ihren Bei-
spielt die Ziege im Kult der Iuno eine ganz namen Lucina, den sie vorzugsweise als Ent-
ähnliche Rolle wie in dem der Hera und Arte- 20 bindungsgüttin führt, durchaus richtig mit
mia (Bosclier, Iuno und Hera S. .34 ff.). Wenn Luna in etymologischen Zusammenhang brach-
ferner Iuno und Hera, wie auch die Mond- ten. So sagt Yarro de l. I. 5, 69: Quae (luna)
göttinnen anderer Völker, als Ehe- und Hoch- ideo quoque videtur ab Latinis Inno Lucina
zeitsgöttinnen verehrt wurden (Iuno Iuga, dicta ... quod ab luce eius, qua quis conceptus
Matrona, Pronuba = "Hga Zvyict und TiIslu), est, usque ad eam, qua partus quis in lucem,
so erklärt sich auch diese Funktion aus der luna iuvat, donec mensibus actis produxit in
Vorstellung des Mondes als einer die Kata- lucem, ficta a iuvando et luce Iuno Lucina: a quo
menien und Entbiudungen und somit ehe- parientes cam invocant, luna enim nascentium
liehe Fruchtbarkeit bewirkenden Göttin. So (lux, quod menses (Monate oder Monatsflufs?)
entstand auch der Mythus von der Hoch- 30 huius. Ähnlich heifst es bei Cicero de n. d.
zeit und Ehe der Iuno und Hera mit dem 2, 27, 69: Luna a lucendo nominata . . . eadem
höchsten und ältesten Himmelsgott (Iuppiter, est eyüm Lucina; itaque ut apucl Graecos Dia-
Zeus), sowie die Vorstellung, dafs diese Hochzeit nam eamque Luciferam sie apud nostros Luci-
und Ehe das ideale Prototyp sämtlicher nam in pariendo invocant. Ungefähr dieselben
menschlichen Hochzeiten und Ehen sei. Anschauungen vertritt auch Plutarch (Q. Gr.
Wahrscheinlich wurde auch in Italien ebenso 77), wenn er fragt: Jia zi . . . vofiC^ovai . . .
wie in Griechenland ein Hierosgamosfest mit zovg . . . fiiivag zrjg 'Hgag; und sodann anf-
allen Cerimonieen, welche bei menschlichen wortet: ort . . noiti . . . rj ash'ivrj zovg firjvug.
Hochzeiten üblich waren, gefeiert (z. B. in ... z/iö v-ui "iovvov iizovoud'Qovei. zi\v "Hgav,
Falerii; vgl. unten Sp. 591). Ferner leitete 40 zb vtov r] zb vicözzgov £jj,cpaivovzog zov 6vo-
man in Italien ebenso wie in Hellas die ein- fiaros emb zrjg otl-qv^g, v.cü Aov/.ivav "Hgctv
zelnen Akte der Hochzeit, welche im wesent- v.a}.ovoiv oiov tpcozuvrjv rj cpcoxi'zovoav, Kai vo-
lichen den Griechen und Italikern gemeinsam ui'Qovoiv inl zaeg loiiiccig -/.cd töäCoi ßorj&tiv,
sind und aus der gemeinsamen Urzeit stam- cocmEQ y.al z:)v aehjvrjv „Sici v.vdvsov nolov
men, von jener idealen göttlichen Hochzeit üazgcav Siü z' co-A.vzoy.oio os?.ävctg" (vgl. Hergk,
ab (z. B. den Hochzeitszug vom Hause der P. L.- S. 1001). svzcmsiv ycig iv zaig tiolv-
Braut nach dem des Bräutigams, die Salbung ßtUjvoig (idXioza Sov.ovoi (vgl. Chrysippos b.
der Thürpfosten und die Anlegung des braut- Schol. s. II. $483).— lo. Lydus (p. 9S. 186 B.)
liehen Gürtels) und verehrte demgemäfs die und Macrobius (1, 15, 20) endlich wollen die Feier
Iuno als Domiduca (Iterduca), Unxia, Cinxia 50 der Iuno an den Kaienden von ihrer Mond-
und Pronuba gerade ebenso wie Hera bei der bedeutung ableiten. Vgl. auch die interessante
Feier des sogen, isgbg yußog als die göttliche Inschrift C. I. L. 5, 3233 (Verona): Iun(oni)
Stifterin der sämtlichen Hochzeitsbräuche ver- Luwae) Reg(inae) sacr., welche zu beweisen
ehrt wurde. Ferner galten beide für himni- scheint, dafs die Identificierung von Iuno und
lische Königinnen (Iuno Regina = "Hga ßaat'- Luna sogar volkstümlich geworden ist (oder
Xsiu), was sich entweder aus ihrer Vermählung sollte hier an eine 1uno' Lunae [s. Iunones] zu
mit dem König der Götter oder aus der Vor- denken sein'?). Unter den neueren Mythologen
Stellung des Mondes als der ,,jegina siderum" vertritt Preller mit Entschiedenheit die Mond-
erklärt. Was endlich die Übereinstimmung bedeutung der Iuno (Preller- Jordan, R. 31." 1,
des Kultus betrifft, so ist aufser der Feier am 60 271 ff.). Wenn wir jetzt die Gründe erwägen,
Neumonde und dem in ähnlicher Weise von welche sich dafür anführen lassen , so ist
Griechen und Italikern gefeierten Feste des folgendes hervorzuheben:
ff gbg fcifiog hervorzuheben, dafs beide Göttinnen Zunächst kann es kaum zweifelhaft sein,
vorzugsweise mit Kuhopfern verehrt wurden, dafs Iuno eine Lichtgottheit war, denn nur
dafs beiden ein nach ihnen benannter aus ihrer Beziehung zum Lichte erklärt sich
Monat (Iunius, Iunonius, Iunonalis, "Hgaiog, ihr Hauptname Iuno, insofern er auf dieselbe
'Hgaacog) heilig war, und ihr Tempeldienst, so- Wurzel div (glänzen, leuchten) zurückgeht,
viel wir wissen, in der Regel von verhei- welche von verschiedenen indogermanischen
RosCHr.it, Lexikou der gr. u. rüm. Mythol. n. 19
579 Iuno (Lucina, Lucetia) Iuno (Lucina, Fluvionia, Fluonia) 580
Völkern auch zur Bezeichnung der Gottheit nungen urjvsg, Kataa^vict, saurjvicc, v.a&dQOBig
des lichten Hinmieläthers Djaüs, Zhvg, Diovis i'fifii^voi, menses, menstrua purgatio hervorgeht,
(lovis), Zio und von den Italikeru zur Be- insofern diese Ausdrücke mit urju Monat, fir'ivrl
nennung einer andern ganz evidenten Licht- Mond, lat. mensis Monat, kirchenslav. mese-ci
oder Mondgöttin, der Diana, verwendet wor- Mond, Monat etc. zusammenhängen (Curtius,
den ist (Corssen, Ausspr. etc.2 1 S. 212. 365. Grds.b 333). Den Grund für die angegebenen
668. Krit. Nachtr. S. 142). Iuno steht also für Benennungen haben wir unzweifelhaft in der
Diou-n-on (vom Stamm Dioii-e) und bildet Regelrnäisigkeit der Erscheinung zu suchen,
folglich gewissermafsen eine feminine Parallele welche bekanntlich meist mit dem abnehmen-
zu Diovis oder lovis, ebenso wie Jicovn zu 10 den Monde oder monatlich, oft mit dem
ZftSs (Stamm z/ij-; vgL Preller-Jordan, II. M.s Tage, wiederkehrt und folglich als eine Wir-
1, 271). Die Alten selbst leiteten den Namen kung des Mondes angesehen wird (s. die Steilen
mehrfach falsch von iuvare oder iuvenis ab bei Röscher, Iuno u. Hera S. 2t und oben
(Varro 1. I. 5, 67 u. 69. Cic. n. d. 2, 26, 66. Bd. 1 Sp. 2089 ff.). Als Göttin der Menstruation
Plut. Q. B. 77. Hart. Cap. 2, 149). führte Iuno den Beinamen Fluonia (Flu-
Auf denselben Begriff des Leuehtens be- vionia; oben Sp. 198 f.), und die von Augu-
ziehen sich aber auch die noch durch- stinus (de civ. d. 7, 2) aus Varro angeführte
sichtigeren Beinamen Lucina (altlateinisch Dta Mena [■— Mqvrj], quae menstruis fluo-
Loucina) und Lucetia (Hart. Cup. 2, 149 ribus praeest, lovis filia, kann ursprüng-
sire te Lucinam quod lucein nuscentibus 20 lieh kaum von ihr verschieden gewesen
tribuas ac Lucet iam eonvenit nuneupare), sein. S. August, c. d. 7, 2: Hanc provinciam
welche wahrscheinlich erst dann dem Haupt- fluorum menstruorum in libro selectorum
namen Iuno zugefügt wurden, als man sich deorum ipsi Iunoni idem auetor (Varro) ad-
seiner ursprünglichen Bedeutung nicht mehr signat, quae in diis selectis etiam regina est et
klar bewufst war und den Sinn des zum bloi'sen lue tamguam Iuno Lucina cum eadem Mena
nomen proprium herabgesunkenen oder mifs- privigna sua eidem cruori praesidet. Faul.
verstandenen Appellativums durch Hinzu- ep. Fest. p. 92, 15: Fluoniam Iunonem mu-
setzung eines bedeutungsvollen Beinamens zu liercs colebant, quod eam sanguinis fluorem
erneuern suchte (vgl. z. B. Zeus -lvv.aiog, Iup- in coneeptu retinere putabant. Mart. Cap. 2,
jnter Lucetius, Diana Lucina, Fors Fortuna, 30 149: nam Fluoniam Februalemque ac Februam
Aius Locutius u. s. w.). Ohne Zweifel ist mihi poscere non neecsse est, cum nihil conta-
Luc-ina oder Luc-etia von der bekannten gionis corporeae sexu inte-merata pertulerim.
Wurzel lue leuchten abzuleiten, welche nicht Tert. ad nat. 2, 11: Fluvionia, quae infantem
selten gerade zur Bezeichnung des Mondes in utero [alitf]. August, c. d. 7, 3 p. 243,
und der Mondgöttin gebraucht wird; denn 17 Domb. Mytliogr. 3, 3. Amob. ado. nat. 3,
lat. lü-na steht für luc-na, im Kirchenslav. 30 (Fluvionia). Vgl. auch die Stellen, wo
bedeutet luca und luna : den Mond, und die in von der befruchtenden Wirkung des Mond-
der Regel für eine Mondgöttin gehaltene und lichts die Rede ist: Fhä. Q. Com». 3, 10, 3, 9.
darum auch z. B. von Catull 34, 13 mit Iuno Macrob. 7, 16, 21 ff. Io. Lydus p. 166 ed. F.
identiücierte Diana führt ebenso wie Iuno den 40 Mehr bei Röscher , Iuno u. Hera S. 17 A. 12
Beinamen Lucina (s. Bd. 1 Sp. 1007), Luna und im Artikel Selene.
aber heifst Noctiluca (Varro l. I. 5, 68. Hör. Aus dieser deutlichen Beziehung des Mondes
ca. 4, 6, 38), was an die von Pausanias (2, zur Menstruation, welche bekanntlich bei eiu-
31, 4) erwähnte Artemis Avhilci zu Troizen tretender Schwangerschaft völlig verschwindet
erinnert (vgl. Curtius. G-rdz.h 160 f. Corssen, und sich erst nach Beendigung des Säugens
Ausspr. etc.2 1,35. Fiele, Vgl. Wörterb." 394). wieder einstellt, ist es nun ohne Zweifel zu
Auch in diesem Falle begegnen wir wieder erklären, dafs Iuno ebenso wie andere au-
einer falschen Etymologie der Alten, indem erkannte Mondgöttinnen (z. B. Artemis, Selene,
Phnius (h. n. 16, 235) den Beinamen Lucina Diana) zu einer Göttin der Entbindungen und
von dem uralten Hain (lucus) dieser Göttin so Geburten geworden ist (vgl. Cic. nat. deor. 2,
auf dem Esquilinus ableiten wollte (vgl. unten 46, 119: Luna... grariditates et partus afferat
Sp. 602), während andere (z. B. Cicero, Varro, maturitatesque gignendi. Arislot. de an. gen. 4,
Plutanh an den oben Sp. 578 angeführten 10 (ed. Didot 3, 413, 38): avupdUsTai (17 os-
Stellen) Lucina richtig mit lux und luna in Irrvn) ttg itdaag zäg yavtosig -Hai zslsicoasig
Zusammenhang brachten. und die übrigen oben Bd. 1 Sp. 2089 ff. und
Müssen wir also schon auf Grund der bei Soscher, Iuno und Hera S. 40 und Selene u.
beideu Hauptbenennungen der Iuno annehmen, Verwandtes S. 55 ff. angef. Stellen). Erstens näm-
dafs dieselbe im allgemeinen zu den licht- lieh liegt es in der Natur der Sache, das Blut,
spendenden Gottheiten gehört, so ersehen welches vor der Schwangerschaft regelmäfsig
wir aus ihrer Funktion als Göttin der Men- ßo abgesondert wird und nach der Empfängnis
struation und Entbindung, dafs sie spe- im weiblichen Körper zurückbleibt, für den
ziell eine Göttin des Mondes ist. Menstrua- zur Ausbildung und Entwickelung des Fötus
tion und Entbindung nämlich hielten die notwendigen Ernährungsstoff zu halten und
Griechen und Römer und andere Völker anzunehmen, dafs dieselbe Macht des Mond-
(vgl. die bei lioscher , Iuno u. Hera S. 19 lichts, welche jene Erscheinung hervorzurufen
Amu. 19 und oben Bd. 1 Sp. 2089 ff ange- scheint, auch das allmähliche Wachsen und
führten Stellen) für eine naturliche Wirkung Reifen des Kindes im Mutterleibe bis zur Ge-
des Mondlichts, wie schon aus den Bezeich- hurt bewirke. In der That läfst sich diese
581 Iuno (Lucina, Lueetia) Iuno (Lucina, Lueetia) 582
einfache und natürliche Voraussetzung durch Veränderung des Namens Lucina mit der bei
eine ziemliche Anzahl von Stellen aus den Griechen und Italikern gleicherweise ver-
alten Schriftstellern erweisen, die geradezu breitet gewesenen Anschauung zusammen,
das während der Schwangerschaft im Körper dafs die Mondgöttin, welche zugleich Ent-
zurückbleibende Blut für den Stoff, aus dem binderin ist, das Kind ans Licht bringe,
der Fötus entwickelt wird, erklären (Plin. h. n. So ist die stehende Redensart, welche Ho-
7, 66: haec est generando homini materia; mar von der Eileithyia gebraucht, il-ayaysiv
vgl. die obige Stelle des Fest. p. 92; mehr (itupatvsiv) ngo cpowoön (II. LT 187 f. T 103.
bei Röscher, Inno u. Hera S. 40 f.) oder die 118; vgl. Hy. in Ap. Del. 119 und Flut, de
Empfängnis und Geburt von der Menstruation 10 JDacd. Fiat. 5; mehr bei Röscher, Iuno u. Hera
uud somit vom Monde abhängen lassen (s. d. S. 43), und römische Schriftsteller sagen von
Stellen bei Röscher a. a. 0.). Viel mochte der Lucina, dafs sie das Kind ans Licht
zu dieser Auffassung der Mondgöttin auch die fördere oder ihm Licht verleihe (Fest.
Erfahrung beitragen, dafs die meisten Geburten s. v. supercilia [p. 305]: per quos [oculosj luce
während der Nacht, wenn der Mond am Himmel fruimur, quam tribuat Iuno, imde ipsa dea
steht, zwischen 12 und 3 Uhr, eintreten, sowie Lucina quoque dieta videtur. Varro de l. I.
die Berechnung der Schwangerschaft nach 5, 69: Iuno Lucina dieta . . . quod . . . luna
Monaten (vgl. die Stelle des Varro u. Cicero iuvat, donec mensibus actis produxit in
oben Sp. 578 u. Aristot. de an. gen. 4, 10 lucem . . . Ov. f. 3, 255: dicite: tu nobis lu-
[= ed. IJidot 3, 413, 27]: tvXoycog öl mkvzcov 20 cem, Lucina, dedisti. ib. 2, 450. Hart. Cap.
oi xqovoi v.al xiov %vr)G£<av xcti xiöv yevs- 2, 149: te Lucinam quod lucem nascenti-
oicov . . . titzQEie9cu ßovXovzat naza cpveiv bus tribuas ac Lucetiam convenit nuneu-
Tztgiödoig, Xiyco öl nigioäov rjuioav, xcd vvxza pare. Mythogr. 3, 3). Licht und Leben sind
v.al (LTivcc . . . ixi öl xäg ctli'ivqg Tttaiööovg), end- ja, wie der Sprachgebrauch lehrt, verwandte
lieh die eigentümliche Vorstellung, dafs der Begriffe (vgl. die Lexika unter lux und lumen);
wachsende oder Vollmond eine leichte, der ebenso aber auch Licht und Auge, weshalb
abnehmende oder Neumond (interlunium) eine die Frauen der Iuno Lucina ihre Äugenbrauen
schwere Geburt bewirke (vgl. Flut. Q. Conv. "weihten, weil die Augen das Licht des Leibes
3, 10, 3, 9: Xiyszai öl [r) <jhXr\vrf\ ngög svxo- sind, das der Lucina verdankt wurde, die
v.iav ovvegy £ iv örctv ?; S i%6iir]vog, civiasi 30 Augenbrauen (Augenwimpern?) aber die Augen
räv vygäv unP.arftxojTfQßg 7iaoexovoc( rc'tg codi- schützen (Fest. u. Faul. p. 304 u. 305: supercilia
i'aj [vgl. Macrob. 7, IG, 21 ff.] . . . Tifio&sog in Iunonis tutela esse putabawt, in qua dieun-
61 ... cpr/Of 'diu v.va.vtov noXov (xgxqcov diu tur mulieres quoque, quod iis protegantur oculi,
x' räauiÖHOio aeXävag'. Schol. zu 11. $> per quos luce fruimur, quam tribuat Iuno.
483: y-eexet ulv zag navazXrjvovg vvv.xug, cog Wide ipsa dea Lucina quoque dieta videtur.
rpriei Xctvci7i7iog, £vzo%<izuzui yivovzai ai Varro l. I. 5, 69: mulieres potissimum super-
ywai-usg, ■nazä öl eKOzourjviag SvatOKOi ciyuv. cilia sua attribuerunt ei deae; hie enim debuit
Euseb. pr. ev. 3, 11, 21: Aoxia zs r; "AozEutg, maxime collocari Iuno Lucina, ubi a diis lux
r.atnsQ ovaa naadivog, özi ij t/~s vavurjvCag datur oculis). Aus einer ähnlichen Symbolik
övvaiiig zcQoa&Bziy.r) fi's xh xr/.zuv). 40 erklärt sich vielleicht auch die Sitte, bei Ent-
Der gewöhnlichste und wohl auch älteste bindungen Kerzen (candelae) anzuzünden; diese
Beiname der Iuno als Entbinderin ist be- Kerzen sollten ursprünglich wohl die Nähe
kanntlich Llicina oder Lucetia, der sich, und Hülfe der Iuno Lucina ("Heia cpcoecpoQog
wie wir schon oben gesehen haben, ur- Sp. 585, 15 ff.) andeuten, welche ebenso wie die
sprünglich ebenso wie Iuno gewifs auf die Mond- und Geburtsgöttinnen derGriechen selbst
Lichtnatur der Mondgöttin bezog. Später mit einer Fackel dargestellt wurde (vgl. das
verstand man freilich unter Iuno Lucina nicht von Oeerbeck, Gr. Kunstm. 2, 1 S. 153 [Atlas
mehr die leuchtende Göttin, obwohl die Er- Taf. X nr. 24] und von Brunn, annali 1848
innerung an lucere und luna nie völlig S. 432 besprochene röm. Grabrelief, sowie die
verschwand (vergleiche die oben Sp. 578 50 Art. Candelifera u. Indigitamenta Sp. 193).
angeführten Stellen und aufserdem Tib. 3, Was nun die einzelnen Akte im Kultus der
4, 13. Ov. f. 2, 450. 6, 39), sondern in der I. Lucina anlangt, so ist vor allem darauf
Regel die entbindende Göttin der Geburten hinzuweisen, dafs in der Stunde der Gefahr
(=Eileithyia; s. Dion. H. A. R. 4, 15; vgl. nicht die Wöchnerinnen in der Regel diese Göttin
nur Stellen wie Ter. Ad. 3, 4, 41: Miseram anzurufen pflegten (vgl. aufser den oben Sp. 581
nie, differor doloribus: Iuno Lucina fer opem. angef. Stellen Varro l. I. 5, 69 pariertes cam
Plaut. Aul. 4, 7, 11: Uterum dolet: Iuno Lu- invocant. Cic. de nat. d. 2, 27, 09: ut apud
cina tuam fidem. Verg. Ecl. 4, 8 ff.: nascenti Graecos Dianam eamque Luciferam sie apud
puero Casta fave Lucina. Hör. epod. 5, 5. nostros Iunonem Lucinam in pariendo invocant.
Macrob. 7, 10, 27: Lucina a parturientibus eo Cut. 34, 13. Prop. 5, 1, 99 ff. Ov. f. 2, 451.
invocatur, quia proprium eins mituus est dis- 3, 256. Aug. c. d. 4, 11. Apul. M. 6, 4 etc.).
tendere rimas corporis et mcatibus viain dare, Man glaubte, dafs Iuno Lucina es sei, welche
quod est ad celerandos parlus Salutare. Arnob. die Wehen der Schwangeren lindere und durch
adv. nat. 3,23, sondern auch den metonymischen eine rasche Geburt abkürze (Arnob. adv. nat.
Gebrauch von Lucina = partus bei Verg. Geo. 3, 21: ut difficiles puerperiorum tricas Iuno
4,339: altera virgo, altera tum primos Lu- muleeai corripiatque Lucina. Macrob. 7, 16, 27:
cinae ixperta labores; vgl. ib. 3, CO. Ov. a. proprium eins nntnus est distendere rimas cor-
a. 3, 785). Offenbar hängt diese Bedeutungs- poris et meatibus viam dare), eine Anschauung,
19*
583 Inno (Lucina, Conservatrix, Opigena) Iuno (Lucina; Matronalienfeier) 584
welche deutlich an die coxt'roxos ZiXäva erfolgt (v. 441): ' Italiäas matres . . . sacer
(Macrob. a. a. 0. 28. Flut. Q. Born. 77. Chry- hircus inito.' Ein Seher schlachtet nun einen
sipp b. Schol. ZU II. <f> 483) erinnert. Hierher Bock, schneidet das Fell in Streifen und
gehört wohl der auf Errettung aus Kindes- schlagt mit diesen den Rücken der Frauen,
nöten deutende Beiname Conservatrix auf ein Brauch, wie er auch beim Feste der Luper-
Münzen der Iulia Domna, Salonina, Mammaea calien zur Erzielung von Fruchtbarkeit geübt
(vgl. Overheek, K.-M. 2, 1 S. 127. Preller, R. wurde.*) Das Hauptfest dieser esquilinischen
M'6 1, 274, 1), sowie die Iuno Opigena (Fest. Lucina fiel auf den alten Jahresanfang, die
200: ferre eam opem in partu laborantibus Ealenden des März, denselben Tag, an welchem
credebant. Hart. Cap. 2, 149: Opigenam te 10 auch die Geburt des Mars als Sohnes der Iuno
quas vel in partus discrimine vel in hello pro- und seines Sohnes Romulus((M /'. 3,233) gefeiert
textris precabuntur. Vgl. Mythogr. 3, 3, wo wurde. Es hiefs Matronalia oder Matro-
freilich die Hss. ebenso wie b. Martian. a. a. 0. nales (Tert. de idol. 14), wie es scheint, nicht
_B R ' Soticenam' bieten). Fühlte sich eine blofs deshalb, weil es von den matronae ge-
Fran schwanger, so umwickelte sie ihren feiert wurde, sondern auch aus dem Grunde,
Leib mit Binden, die im Tempel der Lucina weil es dem idealen Vorbilde aller matronae,
geweiht waren (Tertull. de an. 39: ipsi adhuc der Iuno, die selbst mehrfach Matrona heifst
uteri infulis aptid idola confectis redimiti geni- und an diesem Tage den Mars geboren haben
mina stia daemoniorum candidata profitentur), sollte, galt. Wie streng es mit dem Begriff
oder sie begab sich selbst in denselben, um 20 matronae gebalten wurde, ersieht man aus
die Hülfe der Göttin zu erflehen, aber immer folgender auf Numa zurückgeführten Bestim-
mit aufgelöstem Haar und mit aufgelösten mung bei Gell. N. A. 4, 3: Pelex aram Iuno-
Knoten, um eine günstige Vorbedeutung zu nis ne tangito; si tangit , lunoni crinibus de-
gewinnen (Serv. zu Yerg. A. 4, 518: Iunonis missis agnum feminam caedito.
jbucinae Sacra non licet accedere nisi solutis Die Wahl des Festtages wird sehr ver-
nodis. Ov. f. 3, 257: Si qua tarnen gravida est, schieden motiviert. Ovid (fast. 3, 177 ff.) giebt
resoluto crine precetur, Ut solvat partus nicht weniger als vier Gründe dafür an: 1) weil
molliter illa suas). Nach glücklich über- an diesem Tage (vgl. v. 205) die Herstellung
standener Entbindung wurde der Lucina zum des Friedens zwischen den Römern und Sa-
Dank für ihre Hülfe eine ganze Woche lang 30 binern durch das Dazwischentreten der ältesten
ein Tisch gedeckt (Tert. de an. 39: in partu römischen matronae erfolgt sei (vgl. Serv. V.
Lucinae et Dianae eiulatur . . . per totam lieb- A. 8, 63S: Sabini soll bella sumpsenmt . . . sed
domadam lunoni mensa proponitur; vgl. Serv. intervenientibus postea triginta feminis iam
V. Ecl. 4, 62). Nach Dion. Hol. A. R. 4, 15 enixis de Ulis quae raptae erant, pax facta est,
mufste auf Grund einer Verordnung des Ser- ex quarum nominibus Curiae [Sp. 594] appei-
vius Tullius für die Neugeborenen in die latae sunt; in communem etiam mulierum honorem
Tempelkasse der "Hqu tpcoatpOQog (= Lucina) Kalendae eis dicatae sunt Martiae; vgl. Plut.
eine gewisse Summe gezahlt werden. Die Rom. 21: v . . zmv MazQavaXicov [ioqti]],
Nachricht, dafs die von Zwillingen Entbundene Öo&iioa ralg yvvaiQv eni zij zov izolifiov Ka-
der Iuno ein Mutterschaf mit zwei zu beiden 40 zoXvosl). — 2) weil an diesem Tage Romulus,
Seiten angebundenen Lämmern (oves cum duo- der Sohn des Mars und der llia, geboren sein
bus agnis altrinsecus religatis) geopfert habe, sollte (v. 231 f.). — 3) weil der März den
beruht freilich nur auf der ungenügenden Frühling, die fruchtbare und zum Gebären
Autorität des Fulgentius (p. 389 ed. Gerlach), geeignetste Zeit, eröffnet (v. 235 ff.). — 4) weil
ist aber an sich wohl glaublich. In der spä- an diesem Tage der Tempel der luuo Lueina
teren Zeit scheint man mehrfach Iuno Lucina auf dem Esquilin (im Jahre 379/375) de-
mit Diana, welche denselben Beinamen führte, diciert worden sein sollte (vgl. Plin. n. h. 16,
identifiziert zu haben (Catull 34, 13: [Diana] 235. Cal. Prain. Fest. ep. p. 147). Im übrigen
tu Lucina dolentibus | Iuno dieta puerperis; wissen wir, dafs an diesem Tage die Ehe-
vgl auch die von Preller- Jordan, R. il/.3 1, 50 gatten für das Glück der Ehe beteten und
274, 1 und Overbeclc, Kunstmyth. 2, 1 S. 154 ff. opferten (Hör. ca. 3, 8, 1 u. Schol. Cruq. mariti
besprochenen Bildwerke und Münzen). pro eonservatione coniugii supplicabant), den
Was die Ausbreitung des Kultus der Lu- Frauen von den Mänüern Geschenke darge-
cina betrifft, so scheint derselbe in ganz Italien gebracht (Plaut, mil. gl. 689. Pompon. b.
geherrscht zu haben (vgl. Apul. Met. 6, 4 Macrob. 6, 4, 13 = Rihbech, com. rel. p. 198.
p. 389: eunetus oriens Zygiam vencratur et Tib. 3, 1 ff. Pompon. Big. 24, 1, 31, S. Suet.
omnis oeeidens Lucinam appeüat). In Rom, Vesp. 19) und den Sklaven von den Haus-
wo ihr Kult bereits von T. Tatius eingeführt frauen, wie an den Saturnalien von den Haus-
worden sein sollte (Yarro 1. 1. 5, 74; oben herren, ein Festmahl gegeben wurde {Macröb.
Sp. 575), hatte sie einen ivralten heiligen Hain 60 1, 12, 7. Lyd. de mens. 3, 15; vgl. Preller-
auf dem Esquilinus (Oc. f. 2, 435 ff.: mo\ite Jordan, R. 'ü/.3 1, 274 ff. Marquardt, Staats-
sub EsquiUo nivltis incaeduus annis \ Iunonis rerw. 3, 548. Grilbert, Gesch. u. Topogr. der
magnae nomine lucus erat; vgl. Plin. h. n. 16, St. Rom 1, 174 f.). Vgl. auch die römischen
235), an welche Stätte die von Ov. f. 2, 427 ff. der Lucina geltenden Inschriften C. I. L.
berichtete Sage geknüpft ist. Nach Ov. a. a 0. „ _ , .,, ,. ._ . , . T ,. ,
,. .. ,," o _.. ' . n ., „. *) Vul. über die Bedeutung der Lupercahen und
beten die ältesten Römerinnen, da ihre Ehen über aeren Zusammonhang mit dem Kulte der Iuno
unfruchtbar sind, zur Lucina um Kindersegen, Ed. x Sp u57 f und TOr aUem Mannimrdt, Mythoi. For-
worauf aus dem Haine die göttliche Weisung schungen S. 72fl\, bes. s. 85 u. 113 ff.
585 Iuno (Lucina, Kalendaris) Iuno(Covella, Ossipago, Romina?, Martialis)586
1, 189 (= 6, 3694). 1, 812. 813 (=6,357). Tag fallen sollten {Macroh. 1, 15, 9 u. 19).
C. I. L. 6, 1 nr. 357 — 361. 3695. Jordan Ähnlich sagt Yarro de l. I. 6, 27: primi dies
zu Preller, II. i)/. 3 1, 271, 2. Andere Kulte mensium nominati Kalendae ab co quod liis
der Iuno Lucina bestanden zu Pisaurum in diebus calantur eius mensis Nonae a pontifici-
Umbrien (C /. L. 1, 171 ff.; vgl. ib. 173: Iuno bus , quintanae an sepHmanae sint futurae, in
RefgiuaJ), zu Capua (Iuno Lucina Tuscolana Capitolio in curia Calabra sie: 'Dies te quin-
C. I.L. 1, 1200 = 10, 3807), zu Tnsculum (?) qtie cälo, Iuno Covella. Septem dies te cdlo,
(vgl. C. I. L. 1, 1200), zu Ulubrae (ib. 10, 6484), Iünö Covella. Vgl. Io. Lgd. de mens. 3, 7.
zu Cales in Campanien (C. I. L. 10, 4660). Kai. Praen. z. 1. Jan. Sern. V. A. 8, 654. Iuba
Auf Bildwerken, die am vollständigsten io b. Plut. Q. R. 24. Mit Recht haben schon die
von Ocerbeck, K.-M. 2, 1,153 ff. behandelt Alten (z. B. Macrob. 1, 15, 20. Lijd. a. a.O.u. 4,29)
worden sind, erscheint Iuno Lucina in der aus diesem Brauche auf die Mondbedeutung der
Regel mit einem Wickelkind im Arm, bald Iuno geschlossen. 3läller-I)eecke, Etr.* 2, 305
stehend, bald sitzend. Von sonstigen Attri- halten den Brauch für tuskiseh und lesen Iuno
buten dieser Göttin scheint nur die Fackel Novella statt Covella. Ist die Form Covella
(vgl. "Hga <pa>6<poQog = Lucina bei Dionys. richtig überliefert, so wird man kaum umhin
Hai. 4, 15) und 'eine grofse, lilien- oder iris- können, sie mit Preller (R. M? 1, 272) von
förmige Blume' (vgl. Overb., Münztaf. 3 nr. 13) cavus (vgl. v.oC7.og, cous) abzuleiten und auf
bedeutungsvoll zu sein. Das Wickelkind auf den 'ausgehöhlten' d. i. zunehmenden Mond
dem Arme bezeichnet ohne Zweifel die Göttin 20 zu beziehen (vgl. Cava luna im Gegensatz zu
der Geburten, welche zugleich für das weitere plena luna b. Plin. h. n. 8, 215). Vgl. aufser
Wachsen und Gedeihen der Kinder sorgt, Preller a. a. 0. Marquardt, Rom. Staatsv. 3, 271f.
daher auf einigen Münzen noch andere ent- An die Funktion der Entbindung schliefst
wickeitere Kinder neben ihr stehend erscheinen sich naturgem'äfs die Idee mütterlicher Er-
(vgl. d. Art. Fecunditas u. Cohen, Med. imper." nährung und Erziehung an, wie sie sich un-
3, 147). Man ersieht daraus deutlich, dafs zweifelhaft in dem Beinamen Ossipago (-ina),
Iuno als Entbindungsgöttin zu einer v.ovgo- vielleicht auch in dem der Romina (?) und
TQoepog geworden ist, eine Thatsache, die Martialis ausgeprägt haben. Auch hier lassen
sich auch für Artemis und Hekate nach- sich leicht allerlei Beziehungen zum Monde
weisen läfst {Röscher, Inno u. Hera S. 46). 30 denken, von dem man Wohl und Wehe der
Die Blume, welche Lucina auf Münzen der neugeborenen Kinder abhängig glaubte (vgl.
Kaiserinnen trägt (z. B. Cohen a. a. 0. 3, 218. die Stellen b. Röscher, Iuno u. Hera S. 46
4, 113. 493), erklärt sich wohl am besten als Anm. 112 und Macrob. 7, 16, 25). Was die Ossi-
eine Lilie, welche nach Bd. 1 Sp. 2090 auch der pago (s. ob. Sp 172 ff. 20S) anlangt, so ist sie
Hera als Göttin der Menstruation geheiligt nach Arnob. 4, 7 f. diejenige Göttin quae dural
war (vgl. Müller -Wieseler , I). a. K. 2, 64 c). et solidat infantibus parvis ossa, worunter kaum
Hinsichtlich der' wohl auch in diesen Zu- mit Preller. R. M.3 1, 275 die Kinder im Mutter-
sammenhang gehörigen Herie Iunonis , die leibe, sondern wohl die schon geborenen zu
vielleicht eine als Tochter der I. gedachte, verstehen sind. Eine andere Form desselben
der griechischen Hebe oder Ganymeda ver- 40 Namens scheint nach Arnob. 3, 30 Ossipagina
gleichbare Liebesgöttin war, s. d. Art. und (wofür Preller a. a. 0. Opigena schreiben will)
Preller, R. 31. 3 1, 275. gewesen zu sein (ob. Sp. 209). Wir erhalten
Eine weitere deutliche Beziehung zum somit eine neue Parallele zu der soeben be-
Monde erblicken wir ferner in dem Umstände, sprochenen Lucina y.ovgoTQoqios. Der Beiname
dafs sämtliche Kaienden der Monate der Iuno Romina oder Rumina (vgl. Corssen, Ausspr. etc.2
heilig waren, weshalb sie bei den Laurentern 1, 279 u. 364) beruht zwar nur auf einer Kon-
geradezu Kalendaris. genannt wurde (vgl. jektur statt des bei Arnobius 3, 30 über-
31acrob. 1, 15, 18 f. : ut . . . Idus omnes Iovi ita lieferten Pomana, hat aber eine gewisse Pro-
omnes Kalendas Iunoni tributas et Varronis et Labilität, insofern wirklich Iuno hie und da
pontificalis affirmat auetoritas. quod etiam 50 säugend dargestellt ist (vgl. Ooerbeck, Kunstm.
Laurentes patriis religionibus servant, qui et 2, 1, 153. Preller, R. 31. 1, 274, 1; ob. Sp. 220.)
cognomen deae ex caerimoniis addiderunt, Ka- Ob die Iuno Martialis der zwischen 251 u. 254
lenclarem Iunonem vocantes, sed et Omnibus geprägten Münzen des Trebonianus und Volu-
Kalendis a mense Martio ad Deeembrem huic sianus zu den Entbindungsgöttinnen gehört,
deae Kalendarum die supplicant. Plut. Q. R. hängt wesentlich davon ab, ob das Attribut der
77. Io. Lyd. mens. 3", 7 p. 36. 4, 29 p. 76). Göttin eine Hebammenschere ist oder nicht
Xach Macrobius, der wahrscheinlich aus guten (vgl. Overbeck a. a. 0. S. 155 ff. Preller, R.3I.3
Quellen (Vurrol) schöpfte, hatte der pontifes 1, 289, 2. — Cohen, Med. imper." 5, 243f., vgl.
minor die Aufgabe, das erste Wiedererscheinen 270f. , deutet das Attribut der rechten Hand
des Mondes zu beobachten und sofort dem 60 als 'e'pis'); zu den xovQozQocpoi scheint sie
rex sacrificulus anzuzeigen. Darauf wurde in aber jedenfalls gerechnet werden zu müsseu,
der sogen, curia Calabra vom pontifex minor, da sie auf einer Münze des Volusianus (Collen -
in der regia aber von der Gattin des rex 5, 271; s. Sp. 611) in ihrem Tempel zwischen
sacrif., der regina sacrorum, der Iuno ein Opfer zwei Kindern sitzend dargestellt ist. Der Bei-
(porca vel agna) dargebracht, und dem auf name Martialis bezeichnet sie wohl als Mutter
das Kapitol berufenen Volke ('plebe in Capi- des Mars, dessen Geburtstag mit der Feier der
tolium calata') mitgeteilt, ob die Konen des Matronalien (1. März) zusammenfiel, ebenso
betr. Monats auf den fünften oder siebenten wie auch die Kaienden des Juni dem Mars
587 Inno (Beziehg. ■/,. Ziege; Februlis etc.) Iuno (Caprotina, Curritis) 588
und der Iuno zugleich heilig waren (Oc. f. 6, «IIa -/.al $>tßgovüzog Xtyszai, äia zr\v zoinov
191). Da nun diese beiden Tage genau 9 Mo- tcpooov v.al <frtßoovazav v.al QtßQovültu, roig
nate auseinander liegen, so ist zu vermuten, dafs tsgoig cerctcpsQ?c9cti). Schliefslich erinnern an
die Kaienden des Iunius der Zeugung, die des das Symbol der Ziege die Nonae Caprotinae,
Martius der Geburt des Mars als Sohnes der die Iuno Caprotina, die caprae palus auf
Iuno galten (vgl. Gardthausen, Aug. 2. 1, 18 f.). dem Marsfelde als Stätte jener Feier, der
Mit Wahrscheinlichkeit dürfen wir die Ziege heilige caprificus, unter dem das Opfer darge-
als ein in Hellas übliches Opfertier der Mond- bracht wurde, zu welchem man sich der Milch
göttin ansehen (s. Selene). Denn wir wissen des Baumes bediente, während unter Ziegen-
bestimmt, dafs in den Kulten der Artemis zu 10 feigenbäumen die Frauen und Mägde festlich
Brauron, Agrai und Sparta Ziegenopfer üblich bewirtet wurden. Schwegler, R. G. 1, 532 ff.,
waren (s. oben 1 Sp. 2096). Ebenso war die der alle Belege gesammelt hat, vergleicht
Ziege das hergebrachte Opfer der Hera in dieses Fest der Iuno Caprotina gewifs passend
Sparta (wovon sie den Beinamen aiyocpiyog mit der Luperealienfeier. Hinsichtlich der
erhielt) und in Korinth (vgl. hinsichtlich Rolle, welche die Ziege bei der Heilung von
der Selene Hesycli. s. v. oigetvia ai%\ mehr Frauenkrankheiten, namentlich im Zustande
bei Hotelier, Iuno u. Hera 35 und Sehne der Schwangerschaft spielte, s. Plin. n. h. 28,
u. Verwandtes S. 43 ff.). Ganz ähnliche Be- 255 ff. JRoscher. Selene 43, 106.
Ziehungen zur Zieje und zum Bocke gewahren Endlich ist in diesem Kapitel noch zu er-
wir nun auch bei der italischen Iuno. So 20 wähnen, dafs sich wie in Griechenland so auch
wissen wir, dafs an dem Feste der faustischen in Italien die Vorstellung einer bewaffneten
Iuno eine Art Ziegenopfer in der Weise dar- und auf einem Wagen stehenden Mondgöttin
gebracht wurde, dafs Jünglinge mit Wurf- Iuno findet. Vou der tiburtinischen Iuno Cur-
spiefsen nach einer aufgestellten Ziege warfen ritis heifst es bei Serv. Fuld. zu Aen. 1, 17:
(Ol), am. 3, 13, 18 — 22), ferner, dafs die Iuno in sacris Tiburtibus . . . sie precantur: Iuno
Sospita zu Lanuvinm mit einem Ziegenfell Curritis, tuo curru el ipeoque tuere meos
bekleidet war, das zugleich als Panzer und curiae vernulas sane. Dasselbe gilt auch von
Helm diente (vgl. Orerbeclc, K.-3L a. a. 0. der lanuvinischen Sospita, welche nicht blofs
S. 160). Ganz ähnlich wurde auch Artemis- auf Münzen der Mettia und Procilia fahrend,
Selene und die argivische Hera mit einem 30 sondern auch regelmäfsig mit Schild, ge-
Ziegenfelle dargestellt (vgl. Müller, Hdb. d. schwungenem Speer und einem Panzer und
Arch. 400, 2. Passeri, lue. 1, 94. Imhoof and Helm aus Ziegenfell auf vieltn Bildwerken
Gardner. Num. Comm. on Pausan. S. 41; in dargestellt erscheint (vgl. Orcrbeek, K.-M.
diesem Falle wäre freilich auch eine spätere Hera S. 160 ff. Babelon, Mann, de la rc'p.
Identificierung der Hera mit Iuno Lanuvina Rom. 2, 20. 224. 386. 434f. unten Sp. 608). Ge-
möglich). Drittens erfahren wir aus Ovid f. naueres siehe b. Röscher , Iuno u. Hera S. 48.
2, 427 ff., dafs der eigentümliche Brauch der TTT T , „..ii. „ , (i , ,_,,
Luperci, sich mit einem Ziegenfelle (Iunon is m- Iuno als Gottm der Hochzeit und Ehe.
amiculum) zu umgürten, mit den aus den I Pronuba, Inga ^tc.
Fellen der geopferten Böcke geschnittenen 40 Über die Frage, wie es kommt, dafs Hera
februa (Scrv. V. A. 8, 343) die begegnenden und Iuno als Mondgöttinnen zugleich zu Vor-
Frauen zu schlagen und so deren Fruchtbar- steherinnen der Hochzeiten und Eben geworden
keit zu bewirken, mit dem Kultus der Lucina sind, habe ich bereits in meiner Schrift Iuno
zusammenhing, welche den Bitus der Luper- u. Hera (vgl. oben Bd. 1 Sp. 2098 ff.) ausführlich
calien anempfohlen und dadurch Fruchtbarkeit gehandelt. Vor allem kommt hier in Be-
verliehen haben sollte. Wahrscheinlich hängen tracht, dafs der wichtigste Zweck der Ehe die
mit diesen februa die Beinamen Februlis, Zeugung oder Fortpflanzung des Geschlechtes
Februa, Februalis, Februata zusammen, ist (yaiiov ztXog ysvtat'g iezi Plut. de Daed. Plat.
durch die offenbar eine zum Februarins und zu 5), daher eine Göttin der Geburt und Zeugung
der Luperealienfeier dieses Monats in Beziehung 50 leicht eine Ehegöttin werden konnte, insofern
stehende Iuno als Göttin weiblicher Fruchtbar- die Fruchtbarkeit der Weiber von ihr ab-
keit und Reinigung (purgatio) bezeichnet hängt. Sodann ist hinsichtlich des hohen
werden sollte (Fest. ep. 85: Februarius .... Alters der auf die Ehe und Hochzeit bezüg-
dictus . . . vcl a Iunon e Februata, quam alii liehen Cerimonieen auf die wichtige Thatsache
Februalem , Romani Februlim vocant, quod aufmerksam zu machen, dafs die italischen
ipsi eo mense Sacra fiebant eiusque feriae erant Hochzeitsgebräuche mit den ihnen zu Grunde
Lupercalia, quo die midieres februabantur a liegenden Ideen den griechischen Hochzeits-
lupercis amiculo Iunonis id est pelle ca- riten überaus ähnlich sind, daher wir mit
prina. Mart. Cap. 2, 149. Amol). 3, 30. Be- ziemlicher Wahrscheinlichkeit sowohl für die
achtenswert erscheint Mythogr. 3, 3 : Februalis 60 beiderseitiges Hochzeitsbräuche als auch für
rcl Februa, quod eas (feminas) post partum die beiderseitigen Hochzeitsgöttinnen ursprüng-
seeundis egredientibus purget; februo liehe Identität oder mindestens nahe Ver-
enim Graece, Latine purgo. Lydias de mens. wandtschaft anzunehmen haben (vgl. Röscher,
4, 20: T» <I?8ßQovaQt'io [iwvi äno <3>sßQOvctg Iuno u. H. S. 59 ff.).
orsää . . . . zö 6vO[iu ytyovsv. <I>f-ßgovav 6t Derjenige Beiname, welcher Iuno am deut-
tqiogov xa&uQziY.riv zäv ■nqoiyiia.zmv ol Pwuaioi liebsten als Ehe- und Hochzeitsgöttin charak-
■jtaQilaßov . . . zbv 0tßQovaQiov ul/vct "Hga terisiert, ist Iuga = ("Hga Zvyiu) oder Iu-
<xvKz£di]vai ü^iovGi ... ov fiövov St <Ptßgoi<c<Qiog galis (Serv. V. Aen. 4, 16. Mart. Cap. 1, 31
589 Inno (Iuga, Pronuba, Domiduca etc.) Iuno (Ehegöttin: Matrona) 590
u. 39). Vgl. Paul. p. 104: Iugarius vicus der im kapitolinischen Iuppitertempel neben
dictus Romue, quia ibi fucrat ara Iunonis Iuppiter und Minerva verehrten Iuno: Si torus
Iugae, quam putabant matrimonia lungere. in pretio est, äicor matrona Tonantis, iuw.ta-
Placid. 476. Ziemlich dieselbe Bedeutung que Tarpeio sunt mca templa lovi. Die In-
hatte die Iuno Pronuba, welcher Ausdruck schritt des Iunotempels von Ardea b. lJlin.
bei Vergil (Aen. 4, 166 und Serv. dazu und h. n. 35, 115 enthält die Worte Reginae Iu-
ra v. 45), Ovid (Met. 6, 428. 9, 762. Her. 6, noni(s) supremi coniugi(s) templum. Serv. zu
43) und MuH. Gapella (p. 245, 23. 332, 10 ed. Verg. Ecl. 8, 30: Varro spargendarum nucum
Eyss.) der griechischen Bezeichnung rafirjJua, haue dicit esse rationem, ut Iovis omine
Zvyi'ce, TsXsta entspricht. Der Name be- 10 matrimonium celebretur, ut nitpta ma-
zeichnete eigentlich die Brautführerin, welche trona sit, sicut Iuno. Bei Plaut Cos. 2, 3,
die Eheleute zusammengiebt, die dann an den 14 sagt ein Ehemann zu seiner Frau: heia mea
Altar treten, um selbst das Opfer darzubringen Iuno, non decet ted esse tarn tristem tuo lovi,
(vgl. Marquardt, R. Privatalt. 1, 47 f. , sowie vergleicht also seine Ehe mit der des Iuppiter
die bei Rofsbach, Unters, üb. d. r. Ehe S. 378 ff. und der Inno. Überhaupt können wir überall
vgl. S. 329 u. 274. Overbeck, K.M. 2, 1 S. 57 u. da eine Verehrung der Iuno als Matrona vor-
131 ff. angeführten Bildwerke). Ferner gehören aussetzen, wo sie, wie auf dem Kapitol in Rom
hierher vier echtrömische B-inameu, welche in und in Etrurien, unmittelbar neben Iuppiter
den Indigitamenta (ob. Sp. 172 ff.) vorkommen und Miuerva (als Regina) verehrt wurde (Serv.
und die Iuno als Vorsteherin gewisser einzelner 20 V. Aen. 1, 422. C. I. I. 1 p. 330 u. 410.
Akte der Hochzeiten bezeichnen (vgl. Plut. Müller-Deecke, Etr. ■ 2, 44).
Q. R. 87: T« Ttlstara täv yaur/.äv ilg tt\v Ganz eigentümlich ist nun der Gedanke
"Hgav uvrimov). So bezieht sich Domiduca einer heiligen und prototypischen Götterehe
oder Iterduca auf die domum deduetio, d. i. (ifpog yduog) in den überaus strengen und
den Hochzeitszng vom Hause der Braut nach vom Hauche des ältesten italischen Volkstums
dem des Bräutigams (vgl. Rofsbach, Unters. erfüllten Vorschriften ausgeprägt worden,
üb. d. röm. Ehe S. 334 ff.), Unxia auf die welche sich auf die Ehe des Samen und der
Salbung der Thürpfosten am Hause der jungen flaminica Dialis bezogen. Ersterer war be-
Eheleute (Rofsbach a. a. 0. 356 ff.), Cinxia kanntlich der Priester des Iuppiter, während
endlich auf die Anlegung und Lösung des 30 seine Gemahlin, die flamiuica, den Opferdienst
bräutlichen Gürtels (Rofsbach 277 f.). Vgl. der Iuno zu versehen hatte (Plut. Q. R. 86:
Augustin c. d. 7, 3: Iuno . . . Iterduca est et &luuiviv.av hgctv [itpftov?] ri/g "Hang Soy.ov-
Domiduca. Mart. Cap. 2, 149: Iterducam et aar). Beide sollten, wie Preller, R. M.3 1, 201
Domiducam Unxiam Cinxiam mortales puellae richtig erkannt hat, gewissermafsen als lebende
debent in nuptias convocare ut earum et itinera Bilder der beiden Gottheiten, denen sie dienten,
protegas et in optaias domos ducas tt cum vor dem Volke wandeln, daher wir aus den
postes unguent faustum omen adßigas et cingu- strengen Vorschriften, welche das Verhalten
lum ponentes in, thalamis non relinquas. Paul. der beiden regelten, auf die dem Kultus des
p. 63, 9: Cinxiae Iunonis nomen sanetum habe- Iuppiter und der Iuno zu Grunde liegenden
batur in nuptiis quod initio coniugii solutio erat in Ideen schliefsen dürfen. Nun ist es in hohem
cinguli, quo nova nupta erat cineta. Vgl. ib. 63, Grade beachtenswert, da.fs jene Vorschriften
5. Non. p. 47, 25. Arnob. 3, 115: Unctionibus... entschieden auf die Verehrung des Iuppiter
superest Unxia, cingulorum Cinxia replicationi. und der Inno als Ehegötter hindeuten. Das
Mythogr. 3, 3. Dieselbe Funktion wie die Cinxia erhellt namentlich aus einer Verordnung, nach
hatte nach Aug. c. d. 4, 11 auch die Dea Vir- welcher der flamen D. stets verheiratet
gin(i)ensis; diese entspricht also genau der grie- sein mufste, und zwar wurde streng darauf ge-
chischen Artemis Ivci'Qcavog (vgl. ob. Sp. 231 f.). sehen, dafs er mit seiner Gattin in der alter-
Aus dieser Vorstellung der Iuno als der tümlichen und feierlichen Form der confarreatio
idealen Vorsteherin (pronuba) der Hochzeiten verbunden war. Ferner wissen wir, dafs er,
und Ehen ergab sich nun ebenso wie bei der 60 sobald die flaminica starb, sein Amt nieder-
Hera der Griechen der Gedanke, dafs Iuno legen mufste und dafs beide vorher keine
selbst als Ehefrau (matrona, mnter) und ihre andere Ehe geschlossen haben durften. Auch
Hochzeit und Ehe mit dem altitalischen Iup- konnte ihre Ehe nicht durch Scheidung ge-
piter als das Ideal sämtlicher Hochzeiten und trennt werden, und um jeden Verdacht eines
Ehen aufzufassen sei.*) Vgl. Plaut. Amph. Ehebruches zu vermeiden, durfte der flamen
832: iuro [per] matrem familias Iunonem. ursprünglich keine Nacht aufserhalb seines
Nach Serv. V. A. 8, 84 war Matrona ein Bei- Hauses zubringen (s. d. Belege b. Marquardt,
name der Iuno; vgl. die Inschrift v. Lanuvium R. Staatsr. 3, 315 ff. Röscher, Iuno u. Hera
C. I. L. 1, 1110: Iunone Seispitei Matri S. 63 f.). Endlich scheinen der Dialis und
Reginae und ib. 175 (Pisaurum): Iunone Re 60 seine Frau (als pronuba?) bei allen Hochzeiten
Matrona Pisaurese dono dedrot , wo es frei- fungiert zu haben, welche in der Form der
lieh zweifelhaft ist, ob Matrona Dativ sing, oder confarreatio gefeiert wurden (Serv. V. Georg.
Nom. plur. sein soll. Ovid fast. 6, 33 sagt von 1, 31: Favre nuptiae fiebant, cum per
*) DaTs es sich hierbei nicht um eioe Konsequenz
Dialem flaminem per fruges et molam sal-
sam coniungebantur, unde confarreatio appelia-
der späteren Identiricierung der Iuno mit Hera, sondern ', . . r..J A ' -, ., -, n . . "-K .
um alt- und echtitalische Anschauungen handelt, ist in ba*\l.'% Dlf Anwesenheit der flaminica dabei
meiner Schrift Iuno u. Hera S. 62 iralrrscheinlich gemacht schliefse ich aus Ov. f. 6, 226 ff., WO sie nach
worden. der besten Heiratszeit gefragt wird.
591 Iuno (Ehegöttin : Hierosgamos) Iuno (Moneta) 592
Was speziell das Verhalten der flaminiea Hierosgarnosfeier verglichen, sondern auch
angeht, so mufste sie stets wie eine Neu- geradezu von Argos abgeleitet haben (vgl. die
vermählte oder Braut gekleidet sein, d. h. den Iuno Argeia v. Tibur C. I. L. 14, 3556), obwohl
Brautschleier und das Kopftuch (flammeum, in diesem Falle direkte Entlehnung von Hellas
rica) tragen, woran ein Granatzweig befestigt weder nachweisbar (Müller-Deeckc , JEtr.1 2,
war (Belege bei Marquardt a. a. 0. S. 318. 45) noch anch wahrscheinlich ist, zumal da
Moscher a. a. 0. S. 64. Bofsbach, Böm. Ehe 282), Ovicl das hohe Altertum des Kultus ausdrück-
gegürtet (cincta), d. h. wie eine Braut mit dem lieh bezeugt und sieh gewisse Besonderheiten
cingulmn versehen sein (Paul. p. 65), und das nachweisen lassen, die schwerlieh dem griechi-
Haar mit einer vitta purpurea durchflochten 10 sehen Ritus entstammen (vgl. Koscher, Inno
haben (vgl. Bofsbach a. a. 0. 287 f.). Der u. Hera 88 ff.). Möglicherweise war übrigens
Granatzweig war wie ein Kranz (ineurvata auch das von Vergil Geo. 3, 531 erwähnte luno-
quasi corona) gebogen und sollte wahrschein- fest (Oberitaliens) ein Hierosgamos, da er aus-
lich den Brautkranz (corolla) vorstellen, welcher drücklich sagt, man habe, da alle Binder infolge
bei allen römischen Hochzeiten üblich war einer Pest gefallen seien, am Feste der Göttin
(Bofsbach S. 292). Dafs man hierzu bei der Büffelkühe (mW) vor den Wagen spannen müssen,
Iunopriesterin einen Granatzweig nahm, dürfte um (das Bild oder die Priesterin der Göttin?)
sich wohl aus der symbolischen Beziehung der nach dem hochgelegenen Tempel hinaufzu-
Granate zur Hochzeit und Ehe erklären, da- fahren. Das erinnert auffallend an die Ge-
her sie auch der Hera geheiligt war (s. oben 20 schichte von Kleobis und Biton, doch läfst es
Bd. 1 Sp. 2090). sich leider nicht mit Sicherheit sagen, ob der
Mit grofser Wahrscheinlichkeit dürfen wir von Vergil erwähnte Kult echtitalisch oder
ferner annehmen, dafs auch in Italien wie in barbarisch war.
Griechenland (vgl. Bd. 1 Sp. 2098 ff.) ursprüug- Fragen wir jetzt, welches der bekannten
lieh ein Fest des hgog yäfiog, bestehend in Iunofeste Roms sich wohl am besten für die
einer Nachahmung der heiligen Hochzeit des von uns wahrscheinlich gemachte Feier eines
luppiter und der Iuno, gefeiert wurde, wobei hgög yäfiog eignete, so läfst sich dieselbe
wohl der Dialis und seine Gattin fungierten. mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit an
Gewifs war das von Ovicl (am. 3, 13) be- den Kaienden des der Iuno heiligen und
sehriebene Iunofest zu Falerii ein isgög yäfiog, 30 nach ihr benannten Monats Iunius (Iunonius,
wenigstens bezeugt derselbe ausdrücklich, dafs Iunonalis) denken, womit auch, wie schon
die daselbst stattfindende Pompa dem am oben gezeigt, die Ansetzung der Matronalia,
Heraienfeste zu Argos dargestellten Brautzuge also desjenigen Festes, welches der Iuno als
sehr ähnlich war (v. 31: Argiva est pompac Lucina und als Mutter des Mars galt, wohl
facies), indem das Bild der Göttin (wie zu übereinstimmt. Denn da die Kaienden des
Plataiai) in feierlicher Prozession, begleitet Juni und die des März genau 9 Monate aus-
von Priesterinnen (und %uqoi nruQ&ivwv vuvov- einander liegen und dies die ungefähre Dauer
aäv tj',5' &tov coäcxig nocrgioig Dion. H. 1, 21) der Schwangerschaft ist, so dürfen wir ver-
nach einem einsamen, schwer erreichbaren • muten, dafs, wenn überhaupt ein innerer Zu-
uralten Altar mitten im Walde (v. 6 ff. stat 40 sammenhang zwischen den beiden wichtigsten
retus et clensa praenubilis arbore lucus \ ara Iunofesten (Sp. 587, 2 ff.) bestand, auf die Kalen-
der antiquas facta sine arte metnus) getragen den des Iunius die Hochzeit der Göttin fiel (vgl.
wurde. Dabei gingen wie bei Hochzeiten auch die Analogie des "Hgaiog und raiivliav,
(Bofsbach a. a. 0. 342) Flötenspieler voran d. i. des Monats, welcher nach dem griech. hgbg
(v. 11); als Opfertiere werden ein Schwein yäfiog, dem Feste der "Hgaia. benannt war),
und Schaf (Widder) genannt (v. 16); also die- Hierzu kommt noch, dafs der Juni (abgesehen
selben Tiere, welche auch als Hochzeitsopfer von der ersten Hälfte) ebenso wie der griech.
üblich waren (Bofsbach a. a. 0. 340 f. Mar- rccurjlicov für die günstigste Zeit zur Ehe-
quardt, B. Privatalt. S. 48, 34 f.). An diese schliefsung galt, wie Ovid (f. 6, 223) und
Feier knüpfte sich die für einen hgog yäixog 50 Plutarch (Q. B. 86) ausdrücklich bezeugen,
höchst bezeichnende Legende, dafs Iuno [vor welche Thatsache dann leicht begreiflich ist,
luppiter?] geflohen und auf ihrer Flucht von wenn man annimmt, dafs auch das Prototyp
einer Ziege, dem Symbol weiblicher Frucht- aller Hochzeiten, der isgög yäfiog des luppiter
barkeit und Geilheit (vgl. schol. Luciani ed. und der Iuno, in dieselbe Zeit fallend gedacht
Jac. p. 244) verraten worden sei (v. 19), wo- wurde. In Rom waren die Kaienden des
mit sich einerseits der in Hellas und Italien Iunius speziell der auf der kapitolinischen arx
gleicherweise übliche Brauch, die Braut zu verehrten Iuno Moneta geheiligt (vgl. Solin.
rauben, anderseits die griechische Sage von p. 10, 2 31. Tutius in arce fliabitavitl ', ubi
der vor Zeus sich flüchtenden Hera vergleichen nunc aedes est lunonis Monetae), deren Tempel
läfst (vgl. Boscher a. a. 0. S. 65. 76 ff. 90). End- co an diesem Tage dediciert wurde (vgl. Liv. 7,
lieh erfahren wir (v. 12), dafs das faliskische 28, 7. Ov. f. 6, 183. Macrob. 1, 12, 30. Cal.
Herafest ebenso wie der griechische Hieros- Venus. C. 1. L. 1 S. 394. Io. Lyd. 4, 57.
yamos alljährlich gefeiert wurde. Auch der Jordan, B. Top. 1, 2, 108 ff.). Der volle Titel
Umstand spricht sehr für einen Hierosgamos dieser Iuno war, wie die Inschrift bei Orelli
in Falerii, dafs die Alten selbst (s. Ov. 1299 = C. I. L. 6, 362 lehrt, Iuno Moneta
a. a. 0. v. 31 f. u. vgl. Dion. E. 1, 21 und den Regina, und schon dieser Zusatz Regina
Art. Halesus) das Fest nicht blofs der griechi- (ebenso wie, das Diadem auf der Münze bei
sehen und zwar speziell der argivischen Overbecl; K.-3I. 2, 1. Münzt. 2, 49), zeigt, dafs
593 Iuno (Moneta: heil. G-änse auf d. arx) Inno (Moneta; Iuno u. Hercules) 594
es sich um die Ehegattin des ebenfalls auf u. s. w.*) (Curtius, Grdz.b 312) und bei seiner
dem kapitolinischen Hügel hochverehrten Iup- an ein Part. Perf. Pass. erinnernden Bildung
piter Rex (Preller3 1, 205) handelt, deren eigentlich die Braut oder junge Ehegattin des
Kultus hier seit uralter Zeit d. i. lange vor Iuppiter bedeutete. Allenfalls könnte man
Gründung des bekannten im J. 410 = 344 dedi- auch an die Mahnungen und Unterweisungen
eierten Tempels bestanden haben mufs (Jordan denken, welche die Pronuba dem jungen Ehe-
a. a. 0. S. 109). Sicher ist, dafs die Iunonischen paare, namentlich aber der Braut, zu teil wer-
Gänse, welche im J. 390 das Kapitol retteten, den liel's (Claudian 31, 129 ff. Rofsbach, Rom.
den Kultus der Moneta bereits voraussetzen Ehe 274). Die von Jordan, Topogr. 1, 2
(vgl. Poet. Tat. min. ed. Wernsd. 3, 490 f.), da 10 108 ff. aufgezählten, übrigens stark von ein-
sie nicht (wie Preller, R. 3I.S 1, 284 f. Over- ander abweichenden Tempellegenden wollen
becJc, K.-M. 2, 1 S. 158 und Jordan, Top. 1, den Namen Moneta wenig glaublich von ge-
2, 37 f. meinen') der andern in einer Neben- wissen für den Staat bedeutungsvollen Mah-
cella des Iuppitertempels verehrten kapitol. nungen oder Ratschlägen (monitiones) ableiten,
Regina, sondern eben der Moneta angehörten. wobei nur merkwürdig ist, dafs die wichtigste
Dies erhellt ans folgenden Gründen: 1) Redet aller in Betracht kommenden Mahnungen,
Plutarch Cam. 27 und de fort. Rom. 12 (vgl. nämlich die durch die Gänse den Römern zu
Liv. 5, 47 und Dion. II. 13, 7 %. zptqiotiivoi teil gewordene, nur vom Schol. zu Lucan. 1,
iv xm t£ij,ivEi) von xvv£s tfpoi itegl zov vswv 380 berücksichtigt worden ist, und dafs Cicero
rjjs "Hqocs, womit natürlich nur ein selb- 20 (d. diu. 2, 69) nur von einer einzigen bei Ge-
ständiger Iunotempel, nicht aber die Iunocella legenhe.it eines Erdbebens erfolgten Mahnung,
des Iuppitertempels auf dem Kapitol gemeint eine trächtige Sau zu opfern, weifs. Gewifs
sein kann; vgl. Jordan, Topogr. 1, 2, 33. — ist, dafs Kult und Name der Moneta viel älter
2) Stand der im J. 344 errichtete Moneta- sind als alle in den genannten Tempellegendeu
tempel nach Liv. 7, 28, 5 (vgl. 5, 47, 8). Ov. (Gic. div. 1, 45, 101; vgl. 2, 69. Said. s. v.
f. 6, 183 ff. Val Fl. 6, 2. Ext. 3, 3, 1 an der- Movfjta; vgl. Schol. Lucan. 1, 379) ange-
selben Stelle (der carx'), wo einst das Haus führten Ereignisse (Jordan a. a. 0.\ älter auch
des Retters des Kapitols, des Manlius Capito- als die Einrichtung der Prägstätte neben
linus, desselben, den die Gänse beim Einfall dem Tempel, daher Corssens Deutung des
der Gallier zuerst weckten (Serv. V. A. 8, 652), 30 Namens verfehlt scheint (Ausspr. etc.2 1, 438:
gestanden hatte, so dafs zu vermuten ist, sein Moneta = die 'Denkzeichengebende'**). Auch
Haus sei dem der Moneta heiligen Bezirke be- auf dem Albaner Berge neben dem Tempel des
nachbart gewesen. — 3) Das Attribut der Iuppiter Latiaris (s. d.) gab es wohl einen solchen
kapitolinischen Piegina ist nicht die Gans, der Moneta, gelobt nach Liv. 42, 7 im J. 173
sondern der Pfau (OverbecJc, K.-M. 2, 1, 126 f. und geweiht im J. 167 nach Liv. 45, 15 (aedem
158. Müller -Wieseler, D. d. a. K. 2, 64 b). — Monetae('!)in inonte Albano (?); cod. adem möet
4) Serv. V. A. 8, 652 sagt: tunc Manlius, custos albano). Eine Münze von Paestum (?) mit dem
Capitolii, Gcülos detrusit ex arce, clangore Kopf der Moneta s. im Catal. of gr. coins in
anseris excitatus (vgl. Lucan. 1, 380: castrensis the Brit. Mus. Itaig S. 282. — Val. Maximus
Moneta = M in Castro = in arce). Da nun -io 1, 8, 3 nennt auch die von Veji nach dem Aventin
die Gans im Altertum als Lieblingstier der verpflanzte Iuno Moneta. Über die später (seit
Matronen und als Symbol der Sittsamkeit 485/269?) mit dem Tempel vereinigte Präg-
und Züchtigkeit (Aristot. ed. Didot 3, 4, 85. statte vgl. Jordan a. a. 0. S. 110. Hinsichtlich
Plin. h. n. 10, 44 vereeundum animal. Petrou. der Darstellungen der Moneta auf röm. Münzen
137 unserem Omnibus matronis aeeeptissimum. s. OverbecJc, K.-M. 2, 1 S. 159. Rabeion, Mon.
A. Ztg. 16, 231*), also derjenigen Tugenden de la rcp. 1, 309. 314 und unten Sp. 612.
galt, welche der Römer vorzugsweise von den Aus den Funktionen der Iuno als Göttin
matronae verlangte (vgl. Senec. fr. 78 ed. Haase. der Entbindungen und Hochzeiten (Ehen) hat
Tac. dial. 28. Dio Cass. 56, 3 {olxovqöq etc.], sich offenbar die Idee von weiblichen Genii
Macrob. 1, 15, 22), so ist kaum zu bezweifeln, 50 oder Iunones entwickelt, die, einheitlich zu-
dafs man die Moneta als höchstes Ideal weib- sammengefafst und den in der Gestalt des
licher Sittsanikeit und Häuslichkeit verehrte, Hercules ebenso einheitlich gefafsten Genii
was ebenfalls entschieden auf eine Braut oder virorum gegenübergestellt, in dem oben Bd. 1
jugendliche Ehegattin des Iuppiter führt (vgl. Sp. 2258 ff. behandelten eigentümlichen Mythus
die sehr jugendlichen Köpfe der Moneta von einem ehelichen Verhältnis zwischen Her-
bei OverbecJc, K.-M. 2, 1. Münzt. 2, 48 u. 49). eules (= Genius Iovis) und Iuno (= Iuno Iunonis?)
Suchen wir jetzt diese Erwägungen für den eine so wesentliche Rolle zu spielen scheinen
bisher noch unerklärten Namen Moneta zu (s. die Artikel Hercules, Iunones und Genius),
verwerten, so ist es mir nicht unwahrschein-
lich, dafs derselbe bei seiner unverkennbaren 60 4) Beachtenswert ist, dafs Liv. Andrm. b. Prise. 6,
und alicemein anerkannten etymologischen 5, (; die griechische Mvrmoouvy mit Moneta übersetzt
Verwandtschaft mit flväc9c.L in Liebe ge- hat, was ebenfalls auf Verwandtschaft mit firäa&at = (in
denken, freien, fijTjflrr; (&Xo%oq) Ehefrau, ybvvaxri Liebe) gedenken, minnen deutet. Tgl. Uloss. FMlox.
Braut, althochd. minnia, minna Minne, Liebe Mni/iooky Moneta u. Byg. /. pratf.
**) Gilbert, Gesch. u. Top. d. Sl. Rom 1, 33-1 bezieht da-
gegen den Namen Moneta auf die Verkündigung der
*) Vgl. auch Slephani CR. 1S63, 21 f. u. Brinkmann. Monatsfeste, „weil die Erinnerung an diese von Seiten
L. Metaphern 1 S. 551 f., wro nachgewiesen ist, dafs die des rtex im Namen und anstatt der Iuno selbst erfolgte,
männliche Gans für ein besonders verliebtes Tier galt. die demnach hier in eminentem Sinne die Mahnerin wTar".
595 Iuno (Sospita etc.) Iuno (Sospita, Cur(r)itis, Quiritis) 596
ttt cj 4-- -ui i ♦• a t 46 ; vgl- C- ^- £• 1 4, 2092), und der Diktator
IV. Sonstige Funktionen der Iuno. ,', ,Brn. ,r-, ' ._■", „., ,-,
selbst (Cic. pro Md. 17, 45. Ascon. p. 32 O. =
a) Iuno Sospita (Sospes), oder Sispita (so p. 27 KiefsL); Prodigien, welche in dem lanuvin.
Münzen des Anton. PiusundCornrnodusb. Echhel, Tempel vorfallen, werden nach Rom berichtet
d. n. v. 7, 14 u. 107 [gefälscht ist Orelli nr. 1309 und von Rom aus gesühnt (um. 21, 62, 4.
= CLL. 14, 99*], auch Sispes, Seispes bedeutete 22, 1, 17. 23, 31, 15. 24, 10, 6. 29, 14, 3.
unzweifelhaft die 'Heilsehützerin', Erretterin. 31, 12, 6. 40, 19, 1). Ein Kollegium von
Der Name ist einerseits von Wurzel sa (vgl. sacerdotes Lanuvini, aus römischen Rittern
gr. eäos, oao'co), anderseits von pati Schützer, gebildet, beteiligt sich im Namen des Staates
Herr (vgl. skr. pami schütze) abzuleiten; vgl. 10 an dem Dienst (Dessau C. I. L. 14, p. 192,
Gorssen, Ausspr. etc.5 1, 425 f. 2, 365. Preller- CLL. 5, 6992. 7814, 9, 4206ff. 4399. 10, 4590.
Jordan3 1, 276. Fest. p. 343: Sispitem Iuno- Marquardt, B. Staatsv. 3, 456). Nach Cicero
nein, quam vulgo sospitem appellant, antiqui (pro Mur. 41, 90) hatten auch die rönii-
usurpabant, cum ea vox ex Graceo rideatur sehen Konsuln die Verpflichtung, der lanu-
sumpta, quod est atofeiv. Apul. M. 6, 4: sis viuischen Sospita (alljährlich?) ein Opfer
meis extremis casibus Iuno Sospita. Wahr- darzubringen (I. Sospitae, cui omnes consu-
scheiulich bezog sich der Beiname Sospita ur- les facere necesse est). Über die Lage des
sprünglich auf die Hülfe, welche die Göttin älteren Tempels und seine Ausstattung s.
deu Frauen bei der Entbiudung gewährte Abeken, Mittelitalien 215 u. Plin. lt. n. 35, 17.
(vgl. Preller- Jordan s 1, 276), doch scheint sie 20 Besondere Ehre erwies der Göttin in späterer
daneben auch, wie die Opigena, die Bedeutung Zeit Antoninus Pius durch Erbauung neuer
einer Erretterin aus Kriegsgefahren gehabt Tempel; Iid. Capit. Amt. P. S. Der voll-
zu haben (Liv. 32, 30, 10), zumal da sie (wie ständige Titel der Göttin war nach Inschriften
auch gewisse griechische Mondgöttinnen und Inno Sospita (Seispes) Mater Segina (CLL.
die Cur(r)itis von Tibur; s. oben Sp. 588) be- 14, 2088 IT., 2090: I. Seispitei Matri Reginae;
waffnet und auf einem Wagen fahrend ge- 2091: lunöni S. M. R. || Q. Olius etc.; vgl.
dacht wurde (vgl. Fest. p. 200 u. Mart. Cap. Babelon, Mann, de la rep. P. i, 488). Auch
2, 149: Opigenam te quas vel in partus dis- in Rom selbst hatte die lanuvinische Iuno oder
crimine vel in hello protexeris precabuntur). Sospes zwei Tempel. Der eine von ihnen be-
Die Hauptstelle über die äufsere Gestalt der 30 fand sich auf dem Forum Olitorium und war
Sospita findet sich bei Cicero, de nat. deor. voviert vom Konsul Cornelius im Insubrerkriege
1, 29, 83: illam vestram Sospitam, quam tu, (a. 1971; vgl. Liv. 32, 30, 10 u. 34, 53 (S.Gilbert,
mtmquam . . . vieles nisi cum pelle caprina (s. Gesch. u. Topogr. d. St. Rom. 3, 82); der andere
oben Sp. 587), cum hasta, cum scutulo, cum auf dem Palatinus in unmittelbarer Nachbar-
calceolis repandis. Hiermit stimmen die er- schaft des Tempels der Magna Mater (vgl. Ovid.
haltenen ziemlich zahlreichen Monumente (teils /. 2, 55: prineipio inensis Phrygiae contermina
Münzen, teils Statuen und Reliefs, besprochen Matri | Sospita deluhris dicitur aueta novis).
von Overbeck, K.-M. 2, 1, 160 ff. Peter oben Auf einen der beiden Tempel scheint sieh die
Bd. 1 Sp. 2261 ff. Babelon, Mann, de la rep. Nachricht von einer Wiederherstellung im
Romaine 2, 20. 224. 280. 283. 386. 402. 434f.; 40 J. 663 u. c. (Cic. de divin. 1, 2, 4. 44, 99. Iul.
vgl. auch die Münze von Nikomedeia bei Im- Obs. 115) zu beziehen (vgl. Becher, Topogr.
Jwof-Blunier, Gruch. Münzen S. 604(80) =Taf.6 602). Das Fest der Sospita zu Rom fiel nach
nr. 12 [HPA AANOIA]; Sp. 606 ff.) vollkommen Ovid. f. 2. 55 auf die Kaleuden des Februar,
überein, nur dafs einige Münzen die Göttin daher Preller3 1, 27S wohl mit Recht den
auf einem Zweigespann fahrend darstellen. gleichen Festtag auch für Lanuvium vermutet.
Attribut der Sospita ist entweder ein Vogel (Weitere Kombinationen s. b. Gilbert a. a. 0.
(Krähe? vgl. Paul. epit. p. 64, 7. C. I. L. 1, 814), 1, 22S ff. 3, 430.1
welche auf Münzen der gens Cornuficia (Over- b) Iuno ('ur(r)itis. Quiritis u. s. w. Diese
bech a. a. 0. S. 160. Münzt. III nr. 18. Babelon, Iuno scheint der Sospita nahe verwandt gewesen
Mann, de la rep. B. 2, 434ff.) erscheint, oder 50 zu sein, da sie ebenso wie diese mit Schild
eine Schlange (Münzen d.gens Roscia b. Overb. und Speer ausgerüstet und auf einem Wagen
a.a.O. Babelon a. a. 0. 2, 402 und Mettia, Ba- fahrend gedacht, auch, wie diese, oft in
bclon a. a. 0. 2, 224). Diese Schlange erklärt Kriegsnöten angerufen wurde. Vgl. das tibur-
sich aus einem von Propertius (5, 8, 3 ff.) und timsehe Gebet bei Serv. Fxdd. zu Aen. 1, 17:
Aelian (h. ct. 11, 16) erwähnten Brauche, wo- Iuno Curritis (sie!), tuo curru clipeoque
nach einer im Haine der lanuvinischen Sospita tuere mcos curiae vernulas (s. Jordan zu Prel-
hausenden Schlange alljährlich von einer Irr3 1, 279, 3). Serr. zu V. A. 1, 8: utitur
Jungfrau ein Opfevkuchcn dargebracht wurde. curru et hasta. ib. 2, 612: ipsa est curritis
Genofs die Schlange davon, so galt dies als et sub hoc nomine inhrest bellis. Die Lanze
Beweis der Keuschheit des Mädchens, ver- 00 bezeugt Plut. Rom. 29 u. Q. B. 87. Fest.
schmähte sie es, so war dasselbe nicht tilgend- p. 49. ib. 254: Quiritis Iuno Dea Sabinoru m ,
haft gewesen. Der älteste und wichtigste cui bellantes aqua et vino libabant. Mart.
Kult dieser Sospita bestand zu Lanuvium; ihr Cap. 2, 149: Curitim debent memorare bellan-
Tempel und Hain (aedes lucusque) war seit tes. Was den Namen betrifft, so ist es ziern-
416 = 338 gemeinsames Eigentum der Lanu- lieh schwer, darüber ins Reine zu kommen.
viner und Römer (Liv. 8, 14, 2); ihren Dienst Die Schreibung schwankt zwischen Curritis
versahen ein Samen, welchen der Diktator von (ArvaTkal. 7. Okt. C. I. L. 11, 3126 [Falerii].
Lanuvium ernannte (Cic. pro Mil. 10, 27. 17, Sem. Fuld. a.a.O.). Curitis (Mart. Cap. 2, 149),
597 Iuno (Sospita, Cur(r)itis, Quiritis) Iuno (.Populona, Sororia, Caprotina) 598
Curis (Fest. p. 64), Quiritis oder Quirls (C. I. S) zu Beneventurn; vgl. die Inschrift C.
L. 9, 1547, ßenevent: Iunonei. Quiritei. I. L. 9, 1547.
Sacra. Kai. v. Ostia 7. Okt. C I. L. 11, 3125: e) I. Populona (-onia). Hinsichtlich der
. . . pontifex sacrarius I. Quiritis), Quiritia sprachlichen Form s. Jordan z. Preller, B. M.3
(Kvgt,zCa Dion. Hai. 2, 50 [Schoemann Kvql- 1, 279 u. vgl. C. I. L. 3, 1075 (Apulum, Da-
ziSi]. Steph. Bys. s. v. Kvgi'g, urjzgonoJ.tg Sa- cia): I. Reginae Populoniae Deae Patriae,
ßivmv . . . KvqizCu "Hqu). Ebenso schwankend Die Deutung des Namens ist nicht ganz
ist die Deutung des Namens. Die Alten dachten sicher. Mart. Cap. 2, 149 will den Namen
an Ableitung bald von der sabinischen Stadt offenbar von populus im Sinne von plebes ab-
Cures (Steph. Bys. a. a. 0.; ebenso Corssen, 10 leiten (Populonam plebes, Curitim debent me-
Ausspr. etc.5 2, 357, der sich auf Fest. p. 254 morare bellantes). Nach dem Mythogr, 3, 3
Quiritis Iuno dea Sabinor um beruft; vgl. ib. hiefs sie Populonia, quod populos multiplicet,
p. 49 s. v. Curis [Sabine hastaj u. Curitim), und diese Deutung hat dies für sich, dafs sie
bald von curis, dem sabinischen Ausdruck für sich sehr gut mit der Funktion einer Ent-
basta (Fest. p. 49 u. 254. Ov. f. 2, 477. Serv. bindungsgöttin vereinigen läfst. Seneca (fr.
V. A. 1, 8; vgl. Flut. Rom. 29. Q. E. 87), 39) bei Augustinus c. d. 6, 10 rechnet die
wofür allerdings ihre ständige Ausrüstung mit Populonia ebenso wie die Fulgora und Rumina
einer Lanze (Plut. a. a. Ö.; hinsichtlich der zu den deae viduae, d. i. caelibes. Aus einem
auf die Quir. [mit Recht V] bezogenen hasta Fragmente des sog. ius Papirianum bei Macroo.
caelibaris s. Fett. 62. Plut. Q. R. 87. Ov. f. 20 3, 11, 5 erfahren wir, dafs im Tempel der Iuno
2, 559. Arnob. 2, 67, sowie Preller3 1, 279. Populonia (zu Rom V) sich eine augusta mensa
Rofsbach , R. Fite 289 ff. Peter oben Bd. 1 befunden habe. Kulte dieser Iuno sind aufser-
Sp. 2262 ff.) und die Deutung des Qui- dem bezeugt für:
rinus als Lanzenträger (siehe jedoch Preller- et) Aesernia in Samnium: Iuiioui Reg. Pop.
Jordan3 1, 369) sprechen würde, bald von etc. Orelli 1306 = C. I. L. 9, 2630.
currus (Serv. z. V. A. 1, 17 u. 1, 8), bald an ß) Teanum Sidic. in Campanien: Nouiae
Zusammenbang mit curia (vgl. Dion. H. 2, 60: Priseale) sacerd. Lunou. Popnlon. Henzen 5660
Tciziog] iv Kiraaaig zaig -xovpictig "Hoa zga- = I. R. N. 3985 = C. 1. L. 10, 4790. Fla-
jrf'Jas i'&szo KvQizia Xiyofisvtj. Fest. p. 64: viae etc. sacerd. Iunonis Populonae . . Hen~en
Curiales mensae, in quibus immolabatur Iunoni, 30 5661 = /. R. N. 3984 = C. I. L. 10, 4789.
quae Curis appellata est; vgl. auch Fest. 254. Hensen 6103 = i\ R. N. 3986 = C. I. L. 10, 4791.
Serv. V. A. 1, 17: tuere meos curiae vernu- d) Iuno Sororia (Fest. p. 297. Schal. Bob.
las. Gilbert, Gesch. it. Topogr. d. St. Rom 2, ad C'ic. p. 27 7 Or. Dion. IL 3, 22 "Hqk r)
127). Die Entscheidung ist schwierig, am liloy%tv imaxoneiv adtlrpctg) hatte in der
meisten scheinen jedoch die Ableitungen von 4. Region unweit des colossus Neronis einen
cüris Lanze und von Cures für sich zu haben, Altar neben dem des lanus Curiatius (Becker,
zumal da der Zusammenhang der Göttin mit Topogr. 527 ff. Jordan, Top. 2, 100). Über
den Sabinern sich nicht leugnen läfst; ob beiden Altären befand sich das sogen, tigillum
ein Zusammenhang mit currus besteht, hängt sororimn. Das am 1. Okt. (nach den fasti
von der (ungelösten) Frage ab, ob die Schrei- 40 Arval.) regelmäfsig stattfindende Opfer galt
bung Cunitis echt und ursprünglich ist. Sollte der Sühne des Schwestermordes, den Horatius
dies der Fall sein, so könnte man sogar an eine begangen haben sollte. Mehr bei Marquardt,
Trennung der Curritis von der Quiritis denken. Staatsv. 3, 560 u. oben Sp. 21. Es ist klar,
Kulte dieser Iuno bestanden: dafs diese Iuno eigentlich die Bedeutung einer
«) zu Rom, wo ihr seit ältester Zeit in Beschützerin der(lnäutlichen)Schwesternhatte.
allen Curien als Beschützerin derselben Opfer- Müller-DeecLe, Ftr." 2, 92, 30 deuten diese I.
tische errichtet waren; Dion. Hai. 2, 50. Fest. als Iuno (= genius) sororis; vgl. Iunones.
p. 64 s. v. atriales mensae. p. 62 curionia Sacra. e) I. C'aprötiua (Capratina C. I. L. 4,
p. 49 curionium aes; ob. Sp. 584, 32 ff. Auch 1555). Nach Vairo 1. I. 6, 18 wurde an den
wurde nach dem Arvalkalender und dem von 50 sogen. Nonae Caprotinae (7. Juli) rin Latio'
Ostia am 7. Okt. dem Iuppiter Fulgur und der dieser Iuno ein Frauenfest mit einem unter
Iuno Curritis in Campo ein Fest gefeiert (Mar- einer caprificus stattfindenden Opfer gefeiert.
quardt, R. Staatsv. 3, 22, 4 u. 560). Ausführlich erzählt Macrob. 1, 11, 36 ff.: In-
fi) zu Tibur; Serv. z. V.A. 1, 17; vgl. auch noni Capr. die Mo liberae pariter ancillaeque
Orelli 1289 = C. I. L. 14, 3556 (/. Argeia). sacrificant sub arbore caprifico in memoriam,
y) zu Falerii: Tert. apoiog. 24: Faliscorum benignae virtutis, quae in anciliarum animis
in honorem Patris Curis [patriae Curitis: Gar- pro conservatione publicae dignitatis apparv.it;
ruccij et aeeepit eognomen Iuno. C. IL. 11, nam post urbem eaptam cum sedatus esset Gal-
3125 u.3100 (vgl. 3152), wo ein pontif'.sacr(arius) licus motus, res publica rero esset ad tenue de-
lun. Cu(ritis) erwähnt wird; CLL. 11, 3126: go dueta, finitimi oportunitatem invadendi Romani
lucum L. Curritis. Vgl. Miiller-Dcecke, Ftr.2 2, nominis aueupati praefecerunt sibi Postumium
44, 12. Übrigens scheint diejenige Inno, wel- Livium Fidenatium dietatorem , rpä . . . »lau-
dier das Fest des ffpog yßuos galt, nicht die Qui- dornt, nt mcttresfamilifs sibi et virgines
ritis gewesen zu sein, zumal da wir aus Dion. dederentur . . . ancilla nomine Tutela (Tutula?)
Hai. 1,21 wissen, dafs jenenurvonPriesterinnen, seil Philotis (0iXwztg = die Liebende bezeichnet
ebenso wie die argivische Hera, bedient wurde, wohl das aphrodisische Wesen dieserTutula;
und weil die kriegerische Ausrüstung einer Qui- vgl. rptlozgg = Beischlaf etc. und Polyaen.
ritis nicht recht zur Feier des isqug y. pafst. 8, 30 oi Aazlvoi cvvsy.d&ivöov zotig xöpatg)
599 Iuno (Gaprotina) Iuno (Regina) 600
pollicita est se cum eeteris ancillis sub nomine Vgl. Preller3 1, 286f. (der auch auf die Zeit
dominarum ad hostes ituram habituque matrum- der sogen, caprifieatio hinweist). Marquardt,
familias et virginum sumpto hostibus cum pro- Staatsv. 3,312. 555 ff. Scluceqler, R. G. 1, 532 ff.
sequentium lacrimis ad fidem doloris ingestae (wo die antike Litteratur über das Fest am
sunt, quae cum a Livio in castris distributae vollständigsten gesammelt ist). Mannhardt
fuissent, viros plurimo vino provocaverunt diem a. a. 0.
festum apud sese esse simulantes. quibus sopo- f) Die Iuno Veridica(?) einer \onHenzen,
ratis ex arbore caprifico, quae castris erat Sup/il. Or. III 135 für unecht gehaltenen In-
proxima, Signum Romanis dederunt. qui cum schritt {Orelli 1311) von Benevent, von Preller3
rcpentina incursione superasscnt , memor be>ie- 10 1, 283, 2 mit der Moneta verglichen, beruht auf
ficii solutus omncs ancillas manu iussit mitti falscher Lesung statt Regin a; s. C 7.Z.9, 2110.
dotemque eis ex publico fecit et ornatum, quo g) Regina. So hiefs Iuno als Gemahlin des
ttinc emnt usae , gestare concessit diemque Iuppiter Kex (Prellcr3 1, 205; vgl. Zft>s ßaai-
ipsum Nonas Caprotinas nuncuparit ab illa ?uvg u. "Hga ßacilaa, ßaaiXic:), vielleicht auch
caprifico ex qua Signum victoriae ceperunt, als Göttin des Mondes, welcher bekanntlich
sacrificiumquc statuit annua solleunitate ccle- öfters als rregina sidernm' oder 'eaeli' aufgefafst
brandum, cui lac quod ex caprifico manat wurde {Hör. ca. sacc. 35; mehr bei Röscher,
jiropter memoriam facti praecedentis adhibetur. Iuno u. Hera 20, 201. Dieser lunokult ist
Ziemlich dieselbe Legende erzählt Plutareh wohl der berühmteste und verbreitetste ge-
{Rom. 29 und Camül. 33, vgl. Polyaen. 8, 30), 20 worden, was zweifellos mit der Bedeutung des
doch weicht dieser darin von Maerobius ab, kapitolinischen Tempels zusammenhängt. Das
dafs er hinzufügt, die bräutlich geschmückten Kapitolium mit seiner Göttertrias Iuppiter, Iuno,
Mägde hätten alle ihnen Begegnenden ver- Minerva war nach Jordan {Rom. Top. 1,2.35;
spottet (nai&iv Sia öxojfifiäTooi») und alsdann vgl. Preller, R M.3 1, 65), keine den Italikern
sich gegenseitig geschlagen und mit gemeinsame Einrichtung, sondern die eigenste
Steinen geworfen , auch nennt er nicht die Schöpfung des römischen Staats, der römischen
Fidenaten, sondern die Latiner als Gegner der Staatsreligion (vgl jedoch Serv. V. A. 1, 422), es
Kömer, welche eine Anzahl von römischen war von beiden unzertrennlich und ist mit
.Jungfrauen (und Witwen) zu Ehegattinnen beiden durch die Welt gewandert. Und zwar
verlangt hätten, um das frühere in Vergessen- 30 ist sein vorzüglichster Träger die Kolonie der
heit geratene connubium mit den Römern zu römischen Bürger, das Abbild des röm. Staats
erneuern. Statt der Fidenaten nannte man im Kleinen: in den Kolonieen Italiens und den
auch die Tusci (Macrob. 3, 2, 14), oder die Provinzen steht, wie in Rom. an der Spitze
Galli {Ovid a. a. 2, 257), während andere des Kultus der des Iuppiter mit der Iuno und
das Fest der caprotinischen Nonen und die Minerva. So kommt es, dafs wir in Italien
damit in Verbindung stehenden Poplifugia mit und in den Provinzen (vgl. die Indices des
dem Verschwinden des Romulus am Ziegen- C. I. L.) keinem Beinamen der Iuno häufiger
sumpf (caprae palus) auf dem Marsfelde in begegnen, in der Regel in Verbindung mit
Zusammenhang bringen wollten {Plut. Rom. Iuppiter 0. M. und Minerva.
21) u. Cum. 33. THon. H. 2, 56). Bei diesem 40 1) Die kapitolinische Regina. Der kapi-
Schwanken der Überlieferung ist es natürlich tolinische Tempel war nach glaubwürdiger Über-
schwer, über die eigentliche Bedeutung des lieferung ebenso wie der auf dem Albaner
Festes ins Reine zu kommen. Sicher scheint Berge von den Tarquiniern erbaut {Jordan,
nur, dafs auch hier Iuno die Bedeutung einer Top. 1, 2, Stf.). Genaueres über die Ein-
Göttin der Ehe und weiblichen Fruchtbarkeit richtung des Tempels s. bei Jordan, Top.
hatte, welche letztere hauptsächlich durch a. a. 0. Der mittlere Baum gehörte dem
Lustration bewirkt werden sollte, daher auch Iuppiter, die beiden Nebencellen der Inno R.
hier, wie am Feste der Luperealien, die Ziege (links) und der Minerva (rechts vom hipp.);
(capra; vgl. caprificus, caprae palus, Capro- vgl. Jordan a. a. 0. S. 71. 88 ff. Daremberg-
tina), gegenseitiges Schlagen (mit Feigenzwei- 50 Snglio, Dict. d. antiq. 1 p. 901 ff. Rahclon,
gen?) und eine symbolische Flucht eine Rolle Monn. de la re'p. 1, 396. Hinsichtlich der
spielte. In dem Brauche der Spottreden und bildlichen Darstellungen der kapitolinischen
des Steinwerfens hat Mannhardt, Mythol. R. verweise ich auf Overbeck, K.-M. 2, 1, 158;
Forsch. 122 mit. grofser Wahrscheinlichkeit vgl. ib. 126 (wo jedoch die 3 Kulte der Regina
einen bekannteu Ernteritus erkannt, womit das in Rom nicht gehörig unterschieden werden)
Datum des Festes (7. Juli, zugleich Tag des u. Jordan a. a. 0. S. 89 ff. Wie es scheint,
ersten der beiden dem Consns, d. h. dem Gotte war sie mit Schleier, Scepter (in d. L.) und
der Fruehtbergung, im Circus begangenen Schale (in d. R.) ausgestattet, auch ist ihr
Erntefeste)*), sowie der Name Tutula = Tu- mehrfach, aber nicht ständig, der Pfau bei-
tulina oder Tutilina (d. i. Göttin, welche dem 60 gegeben; der Eiehenkrauz war der Iuno und
Einfahren oder Einheimsen des geschnittenen dem Iuppiter als 7ToXiovj[Oig geheiligt nach
Getreides vorstand; Tertull. de spect. 8. Aug. Flut. Q. R. 92. Dafs die kapitolinischen
C. (/. 4, 8; ob. Sp. 228) wohl übereinstimmt. Gänse wahrscheinlich nicht der Kegina, son-
Eine Darstellung der Caprotina will Mommsen, dem der Moneta zugehörten, haben wir
Münziv. 519 auf einem Denar des C. Renius schon oben gesehen. Nach Liv. 22, 1, 17
(Babelon, Monn. de la re'p. 2, 399) erkennen. wurden im J. 217 v. Chr. der kapitolinischen
Trias drei Blitze aus edlem Metall, dem Iup-
j Vgl. wissen, n. Landesh i, loo. piter aus Gold, den beiden Göttinnen aus
601
Inno (Regina, Victrix)
Iuno (Opfer u. Attribute)
602
Silber geweiht, woraus hervorzugehen scheint,
dafs man sich die Regina ebenso wie Iuppiter
und Minerva blitzend dachte (vgl. Serv. V. A.
1, 42 u. 8, 430), was, wie es scheint, mit
etruskischer Blitzlehre zusammenhängt (vgl.
MülLer-Deeclce, Etr.- 2, S6. 168), wie denn über-
haupt die kapitolinische Göttertrias etruski-
scheu Ursprungs zu sein scheint (Serv. V. A.
1, 422: prudentes Etruscae disciplinae ahmt
apud conditores Elruscarum urbium non puta-
tas iustas urbes fuisse, in quibus non tres
poriae cssent dedicatae et votivae et tot templa,
Iovis, Iunonis, Minervae). Was die Opfer be-
trifft, so erwähnt Juvenal 6, 48 eine awrata
iuvenca, nach den Acta Arvaliwm (S. 57. 91
Henzeu) wird ihr ebenso wie der Minerva eine
b(osl f(emina), dem Iuppiter aber ein b(os) m'as)
dargebracht. Stadtrömische auf die Regina
bezügliche Inschr. s. C. I. L. 6, 364f. ; vgl. auch
die Acta fr. Arval. ed. Henzen p. 211 (index).
Hinsichtlich der sonstigen Kulte der Regina
vgl. die Indices zu den Bänden des C. I. L.
2) Auch die Moneta führte bisweilen den
Titel Regina: G. I. L. 6, 362 (s. oben Sp. 592),
ebenso die lanuvinische Seispes (C. I. L. 14, 2090).
3) Der Kult der aventinischen R. stammte
von der arx in Veji und wurde nach der
Eroberung dieser Stadt im J. 396 v. Chr.
intolge eines Gelübdes des Camillus samt
dem alten Holzbilde (%6avov) nach Rom ver-
pflanzt (vgl. Dion. Hai 13, 3. Li». 5, 21 u.
22. 31. Lact. I. 2, 16. — Valerius Max. 1, S3
nennt die vejentische Iuno Moneta, woraus
vielleicht zu schliefsen ist, dafs sie ursprüng-
lich ebenso wie die kapitolinische Moneta mit
vollständigem Titel I. Moneta Reg. hiefs). Auch
diese Iuno wurde vorzugsweise von Matronen
verehrt (üb. 5, 31. 21,62. 27, 37); bei Gelegen-
heit eines friedlichen Sühnopfers im J. 207 v. Chr.
werden boves feminae albae duae und 2 Bilder
der Göttin von Cypressenholz erwähnt, welche
in feierlicher Prozession, begleitet von 27 Jung-
frauen und den Decemvirn, von der porta Car-
mentalis durch den vicus Iugarius u. s. w. nach
dem Aventin gebracht wurden (Liv. 27, 37;
vgl. 31, 12; mehr bei Becker, Top. 452 u. Gil-
bert, Gesch. u. Topogr. d. St. liom. 3, 77f. 444 f.).
Der Festtag fiel auf den 1. Sept., Marquardt,
Staatsv. 3, 558.
4) Ein dritter röm. Kult der Regina be-
stand in einem Tempel am Circus Flami-
nius; unmittelbar daneben befand sich ein
Tempel der Diana (Becker, Top. S. 618; anders
Richter bei Baumeister , Denlcm. S. 1506; Gil-
bert, Gesch. u. Topogr. d. St. Rom 3, 81 ff.). Ge-
lobt wurde der Tempel vom Konsul Aemilius
Lepidus im Ligurerkriege (a. Chr. 187), dedi-
ciert im J. 179 v. Chr. (Liv. 39, 2. 40, 52). Der
Stiftungstag ist leider unbekannt (vgl. d. Kai.
Urbin. im C. I. L. 1 p. 330 u. 410).
5— 8) Aufserhalb Roms finden wir alte Kulte
der Regina in Veji, Pisaurum, Ardea, Tereven-
tum; vgl. darüber Abschn. VI Sp. 604 ff. Über
die vermeintliche I. Albana s. unten Sp. 604.
9) Eine Iuno Regina Pop(ulona) oder Iuno
Regina Populonia dea patria s. C. I. L. 9, 2630
und 3, 1075.
h) Eine Iuno Victrix erscheint auf Münzen
der Salonina (s. Cohen, Med. imp. 4, 4G8, 49.
Uverbecl-, K.-M. 2, 1, 127).
i) Hinsichtlich der karthagischen Iuno Ca e-
lestis s. d. Art. Sp. 612 ff.).
Über die Rolle, welche Iuno in der Acneide
des Yergil spielt s. Pauli/, Realenc. 4, 580.
Über die rIuno virgo, craae Feronia di-
cebatur' (Serv. V. A. 7, 799), oder die Feronia
s. den Art. Feronia (oben Bd. 1 Sp. 1480).
10
V. Opfer und Attribute.
Das gewöhnliche Opfertier der Iuno war
(wie bei der Hera) die weifse Kuh, deren
Hörner, wie es scheint, oft vergoldet waren
(vgl. luv. 6, 48. Henzen, Acta fr. Arv. 57. 91 f.
Liv. 27, 37. Oc. am. 3, 13, 4. 13), aufserdem
werden erwähnt vituli (Ov. a. a. 0. 15), porcus
oder porca (Ov. a. a. 0. 16. Macrob. 1, 15, 9
u. 19), agna (Gell. N. A. 4, 3. Macrob. a. a. 0.),
üü Widder (Ov. am. 3, 13, 18), lae caprifici (Macrob.
1, 11, 4o), ein Mutterschaf nebst zwei Lämmern
(? Eulgent, p. 389 Geil.), Blumeu am März-
feste der Lucina (Ov. f. 3, 253). Den Dienst
der Inno versahen in der Regel (verheiratete?)
Priesterinnen, in Rom insbesondere die flaini-
nica Dialis (vgl. Ov. am. 3, 13, 30. Henzen
5660. 5661), doch kommen zu Lanuvium auch
flamines und sacerdotes (masc.) vor (s. oben
Sp. 595 f.). Attribute der Iuno waren die
30 Gans (I. Moneta), der Pfau (I. Regina auf dem
Kapitol), die Schlange (zu Lanuvium s. oben
Sp. 595), die Krähe (Festus p. 64: Corniscarum
divarum locus erat trans Tiberim cornicibus
dicatus, qiiod in Iunonis tutela esse pntaban-
tur; vgl. C. I. L. 1, 814 und die Münzen der
Cornuficia b. Babelon, monn. cons. 1, 434 f.). Dafs
die Krähen Symbole der Gattentreue waren,
bezeugt Ael. h. an. 3, 9. Hinsichtlich der Ziege
vgl. Ov. am. 3, 13, 21, sowie das Ziegenfell
40 der Sospita und den Namen Caprotina. Attri-
bute der kapitolin. Regina waren: Schleier,
Scepter, Schale, Blitz (s. ob. Sp. 600f.; vgl.
auch Mali. Cap. 1, 67), der Sospes: Schild,
Lanze, Ziegenfell, Wagen; der Martialis die
Hebammenschere ('? ob. Sp. 586); der Lucina
und Martialis ein Wickelkind und andere
kleine Kinder (ob. Sp. 585), sowie die Lilie (?)
und Fackel (Lucina), die Granate (als Attribut
der flaminica Dialis), der caprificus eignete
50 der Caprotina. Die Feste der Iuno fielen sämt-
lich auf Kaienden, mit Ausnahme des Festes
der Caprotina (Non. lul.) und der Curritis in
campo (7. Okt.).
VI. Kurze Übersicht über die wichtigeren
Kultstätten der Iuno in ItaUen.
a) Rom.
1) Kult der Iuno Lucina auf dem Esqui-
linus, nach Varro l. I. 5, 74 von T. Tatius
60 gegründet. An die Stelle des ursprünglichen
Altars trat im J. 379 d. St. ein Tempel (Plin.
n. h. 16, 235). Einen lacus bezeugt Ov. f.
2, 433 f. Von einem ■ör/caupös "Hgag <t>coorpo-
pow, der schon in Servius Tullius' Zeit existiert
haben soll, berichtet Dion. Hai. 4, 15. In-
schriften s. C. I. L. 1, 189 (= 6, 3694). 1,
813 (= 6, 357). 6, 358 (= Or. l->94). 6, 360
(= Or. 874). 6, 359 (= Or. 1297). 6, 361.
603 Inno (Kulte in Rom) Iuno (Kulte in Latium, Etruria etc.) 604
3695. Das Fest der Göttin hiefs Matronalia b) Das übrige Latium.
und fiel auf die Kai. Mart. S. ob. Sp. 584 u. 1) Gabii (Kolonie von Alba 1.): Verg. A.
vgl. Becker, Topogr. 636 f. 7, 682 (arva Gabinae lunonis) u. Serv. z. d. St.
2) I. (Regina?) auf dem sogen. Capito- Sil, It. 12, 537.
liuni vetus, in einem sacellum daselbst neben 2) Jlons Albanus. Preller glaubt, es habe
Iuppiter und Minerva verehrt, nach Varro 1. I. hierzwei(/?) Kulte gegeben, einen in dem von den
5, 158 vor der Gründung des kapit. Tempels. Tarquiniern gestifteten T. des Iuppiter Latiaris,
Yg\.Schicegler,R.G. 1,480 u. unt. Sp. 639 u. 653. welcher im Grundplane merkwürdig mit dem
3) I. Regina in der Nebencella des kapito- ebenfalls von den Tarquiniern gegründeten ka-
linischen Iuppitertempels, einer Gründling der 10 pitolin. Iui^pitertempel übereinstimmt (Jordan,
Tarquinier. S. oben Sp. 600 f. u. vgl. Jordan, Topogr. 1, 2, 9) und (nach Preller) derselben
R. Top. 1, 2, 8 ff. Becker, Top. 395 ff. Preller- Göttertrias (und Vesta) geweiht war (vgl. jedoch
Jordan, B. M.'6 1, 216 ff. die höchst verdächtigen Inschriften C. I. L. 14,
4) I. Moneta, uralter Kult auf der kapi- 125*und 129* sowie unter Iuppiter Latiaris), und
toi. arx; Tempel (geweiht am 1. Juni) seit einen zweiten wohl der Moneta gehörigen T.,
410/344. Später, vielleicht 485/269, wurde die der im J. 173 gelobt und 167 geweiht wurde
Münze damit verbunden. Jordan a. a. 0. 108 ff. (Liv. 42, 7 u. 45, 15: vgl. auch Cass. Bio 39, 20 u.
Becker, Topogr. 392 f. Pachter bei Baumeister, Liv. Vi, 21). Nur der letztere steht also sicher.
1). d. kl. Altert. 1476. 3) Laurentum: Kult d. Iuno Kalendaris,
5) I. Iuga; Altar am vicus lugarius, Fest. 20 nach Macrob. 1, 15, 18 an allen Kalenden vom
p. 104. Plac. p. 476. Becker, Topogr. 487. Gil- März bis Dez. gefeiert. Monat Iunonius nach
bert, Gesch. u. Topoar. d. St. Born 1 S. 257 u. Od. f. 6, .60 f.
3 S. 416f., der die Existenz dieses Kultes (mit 4) Ardea: Tempel der Iuno Regina Su-
Recht?) bezweifelt. premi coniux; vgl. die Inschrift aus der Zeit
6) I. Sororia; Altar seit der Königszeit (?) nach dem 2. punischen Kriege bei Plin. 35,
bei dem tigillum sororium, s. ob. Sp. 598, 115. Müller- Deccke, Etr." 2, 269. Brunn, K. G.
Becker, Top. 527 ff. Siebter a. a. 0. 1528. 2, 303. Preller-Jordan3 1, 2S4, 3. Verg. A. 7,
7) 1. Lanuvina od. Sospita. a) T. auf d. 415ff.
Forum Ülitorium, voviert im ,T. 197, s. ob. 5) Lanuvium. Mehrere T. der Sospita,
Sp. 596. Richter a. a. 0. 1505. Gilbert a. a. 0. 30 die jüngeren erbaut von Antoninus P. (s. ob.
3, 82. — b) T. auf dem Palatinus; Becker, Sp. 596). Inschriften von Lanuvium s. im
Top. 602; ob. Sp. 596. Gilbert a. a. 0.1, 228ff. C. I. L. 14, nr. 2088. 2089. 2090. 2091. 2121
8) I. Regina auf d. Aventinus; Tempel u. vgl. G. I. L. 1, 1110 (liinone Seispitei
von Camillus nach der Eroberung Vejis ge- Matri. Reginac). Diomedes sollte Gründer der
lobt und dediciert; darin das alte t,6uvov Stadt und wohl auch des lunokultes sein
der I. von Veji (Moneta Regina?); s. oben {App. b. c. 2, 201 Monat Iunonius nach Ov. f.
Sp.601. Becker, Topogr. 452. Richter a.a.O. 1503. 6, 60.
9) Tempel der Iuno Regina am Circus 6) Aricia. Monat Iunonius nach Od. f. 6,
Flaminius neben e. Dianatempel; vgl. ob. 59 ff. u. Macrob. 1, 12, 30.
Sp. 601. Beckir, Top. 018. Richter a. a. 0. .111 7) Tusculum; vgl. C. I. L. 1, 1200 (von
1506. Gilbert a. a. 0. 3, 81 ff. Capua): Iuiionc Loucina Tuscolana sacra,
10) Tempel der Iuno am Circus Flami- 8) Praeneste. Monat Iunonalis nach
nius neben dem Tempel des Iuppiter Stator Ob. f. 6, 62 u. Macrob. 1, 12, 30. Hier wurde
(s. d.), errichtet 605/149 v. Metellus: Beehr, Iuno in einer Nebencella des Fortunatempels,
Top. 608 ff. Richter a. a. 0. 1506. Gilbert a. a 0. lunonarium genannt, verehrt; vgl. die Inschr.
3, 85 ff. in Annali d. Inst. 1885 p. 85. Preller- Jordan3
11) Kult der Iuno Curritis in canipo 2, 191, 1. Oben Bd. 1 Sp. 1543 f. u. Isity che.
nach d. Arvalkalemler am 7. Okt.; Marquardt, 9) Tibnr. Kult der I. Curritis u. Argeia,
Staatso. 3, 560; vgl. 22, 4. s. oben Sp. 596 f. CLL. 14, 3556. Monat Iuno-
12) Templum I. Populoniae (zu Rom?), 50 nalisnach Oc.f. 6,6lft. Vgl. auch unt. Sp. G50,60f.
erwähnt in e. Fragrn. aus dem ins Papir. b. c) Sabini.
Macrob., 3, 11, 5. 1) Eretum. Vgl. Serv. s. Verg. A. 7, 711:
13) Über die I. Caprotina s. ob. Sp. 598 f. oppidum est dictum a lunone i. e. ano rijs
Vielleicht hatte sie einen Altar und heil. Baum "Hqas, quae illic coliinr.
(caprificus) an der palus Caprae auf d. campus 2) Cures (?); vgl. die I. Curitis oder
M. Gilbert a. a. ü. 1, 290 ff. Vgl. auch Fest. Quiritis.
p. 65 Capralia (Müller Oupralia) appellatur d) Etruria. Vgl. im allgem. Müllcr-Beecke,
ager, qui vulgo ad caprae paludes dici solct. — Ftr. 2 2, 44 ff. Pauly, Bediene. 4, 572. Die
Die nur auf Münzen vorkommenden Beinamen kapitolinische Göttertrias bezeugt für alle
Conservatrix und Victrix (Overbcck, K.-M. i;o etruskisehen Städte Serv. V. A. 1, 422, Iuno-
1, 2, 127 u. 156 ff. Cohen, Med. imp" 4, 113. kult speziell App. b. c. 5, 49; vgl. CLL. 11,
474. 5, 145. 5, 503) scheinen keine Kulte zu 3078 u. Sp. 632. Aus dem stark mit Sabinem
bedeuten. bevölkerten Südetrurien (Müller-Beecl;e° 2,44.
14) I. Martialis scheint seit Trebonianus 64 1,103. Preller- Jord.'l, li) sind zu erwähnen:
Gallus und Volusianus in einem viersäuligen l) Falerii; vgl. Iunonieolae Falisci Ov. /'.
Rundtempel verehrt worden zu sein: vgl. die 6, 49. IHon. II. 1, 21 (55). Falerii hiefs auch
Münzen bei Collen, Mal. in/per." 5, 243 f. Colonia Iunonia (vgl. Müller-Deeclte 2, 44, 12).
und 270f., unten Sp. 011. Über das Fest des hqbg yduog s. oben Sp. 691.
605
Iuno (Kulte im übr. Italien.)
Iuno (in d. Kunst: Sospita)
606
AufserJem scheint es einen Kult der Quiritis,
die fast allgemein für sabiuisch gilt, gegeben
zu haben (s. ob. Sp. 597). Hinsichtlich der
Legende von dem Jungfrauenopfet der Valeria
Luperca s. Phit. Parall. 35 u. Babelon, Monn.
de la
rep.
515 ff. Boschcr , Selene u. Ver-
wandtes'^. 170 ff. C. I. L. 11, 351* = Orelli
1291 (civ. Castellana): Iunoni Cuelesti ist ge-
fälscht! Preller-Jordan* 1, 282, 3 hält
Falerii und seine Kulte für italisch,
nicht für etruskisch; vgl. ib. S. 14.
2) Veji. Kult der Iuno Moneta (?)
Regina auf der von Camillus eroberten
arx; s. oben Sp. 594.
3) Perusia: App. b. c. 5, 49. Cass.
JDio 48, 14.
4) Ob das angeblich von Iason ge-
gründete Heiligtum der Iuno Argoa oder
Argiva im picentinischen Gebiete am
Silarus etruskisch, griechisch oder ita-
lisch sei, ist wohl nicht sicher auszu-
machen. Müller-Deecke, Eir.' 1, 163 hält es für
etruskisch. Vgl. Plin. It. n. 3, 70. Strab. 252.
e) Umbria. Kulte der Iuno Lucina und
Regina zuPisaurum; C.I.L.l, 171 ff; s. Sp.t>37.
f) Venetia: ,,vetus aedes" Iunonis zu Pa-
tavium: Liv. 10, 2, 14. Vgl. Vertj. Geo. 3, 531 ff.
ü'i Sauiniuui.
1) Beneventum; s. die Inschr. bei Momm-
sen, I. B. N. 1381 = G. I. L. 9, 1547 (=
Orelli 1305. Kernen 3 p. 135) und I. B. JST.
1384 (= Or. 1311 = C. I. L. 9, 2110).
2) Aesemia. Kult der Regina Populona.
Or. 1306 = 0. I. L. 9, 2630.
3) Terventum. C. I. L. 9, 2587.
4) Cubulteria (Compulteria Lic): C.I. L.
10, 4620.
li) Campania.
1) Celenna (Celemna), locus est Campaniae,
sacer Iunoni Sero. V. A. 7, 739.
2) Cales: 'Iuno Lucina'' Mommsen, I. N.
3953 = C. /. L. 10, 4660.
3) Capua: 'Iuno Loucina Tascolnna' C.I.
L. 1, 1200.
4) Teanum Sidic: Iuno Populona, Benzen
5660/1 = 0. I. L. 10, 4790 f. C. I. L. 1, 1198.
5) Nuceria: Plin. n. lt. 10, 132.
6) Mons Gaurus: G. I. L 1, 573 = C.I.
L. 10, 3783 'servom Iunonis Gaurae'.
i) Lucania. Münze von Paestum (?) mit dem
Kopfe der Moneta s. ob. Sp. 594. [Röscher
VII. Iuno in der Kunst.
Die monumentalen Überlieferungen sind
äufserst dürftig. Die meisten der in den
Museen erhaltenen Statuen und Köpfe der
Göttin sind, soweit sie Arbeiten römischer
Bildhauer sind, Kopieen nach griechischen
Originalen. Um die Gestalt der Göttin, so wie
sie ihr in den verschiedenen Kulten zu eigen
war, verfolgen zu können, sind wir aufser auf
die in Betracht kommenden litterarischen Zeug-
nisse vorzugsweise auf Münzen angewiesen.
Nur für einen Kult können wir in dem er-
haltenen Denkmälervorrat statuarische Bild-
werke nachweisen, für den Kult der Iuno
Sospita (Sispita) oder Lanuvina. Von
dem ältesten und gefeiertsten Kulte dieser
Göttin, dem zu Lanuvium, wird das Kultbild
jedoch ohne alle Beschreibung erwähnt von
Iul. Obsequens p. 113, 2: Lanuvii simuloerum
Iunonis Sospitae larrimavit. In Rom hat der
Kult schon sehr früh Eingang gefunden und
unter dem Einflüsse und dem Ansehen, dessen
er sich zu erfreuen gehabt hat, eine Reihe
interessanter Daistellungen hervorgerufen, die
Inno Lanuvina, Kolossalstatue im Vatikan (nach Cunzu,
Griech. Götter- und Eeroengestalten Taf. 5).
in ihrer Art vielleicht zu den eigentümlichsten
Erscheinungen gehören, welche die römische
Kunst gezeitiot hat. Die Vorstellung, welche
co man sich von der äufseren Erscheinung der
Göttin machte, waren so eigenartig, dafs die
bildende Kunst ihr Ideal in bezeichnenden
Zügen ausdrücken konnte. Diese äufsere Er-
scheinung fafst Cicero de nat. deor. 1, 29, 83
in die bekannten Worte zusammen: illam
vestram Sospitam , (piain tu nunquam ne in
somniis cptidem vieles nisi cum pelle capiiiut,
cum Jiasta, cum scnhilo , cum calccolis repan-
607
Iuno (in d. Kunst: Sospita)
Iuno (in d. Kunst: Sospita i
608
dis. Die erhaltenen Darstellungen stimmen
hiermit überein; an der Spitze der statua-
rischen Bildwerke, deren Existenz an und für
sich schon für die Bedeutung des Kultus in
Rom zu sprechen geeignet ist, steht die Ko-
lossalstatue in der Rotunde des Vatikans nr. 552 ;
abgeb. bei Overbeck, Kunstmytli. Atlas 10, 36,
Chirac, Mus. d. sc. 418, 731, B. a. K. 2, 63 a,
Baumeister , Benkm. 1 S. 764, Conze, Gritch.
Götter- u. Heroengest. Tat. 5 (s. d. Abb.). Die
Göttin ist mit einem feinen Dntergewande und
einem an dem Körper enganliegenden Peplos
bekleidet; darüber trägt sie als charakteri-
stisches Kultbekleidungsstück das Ziegenfell,
dessen Kopf das mit der Stephane geschmückte
Haupt bedeckt, 'während es im übrigen auf
den Schultern aufliegt, seine Vorderfüfse zwi-
schen den Brüsten zusammengebunden sind,
sodann über den Hüften gegürtet ist und an
beiden Seiten des Körpers bis an die Kniee
herabfällt. Das Haar ist wellenförmig über
der Stiru zurückgestrichen; der Leib tritt stark
hervor. Ergänzt sind, und zwar auf Grund
der Münztypen (s. u.) richtig, beide Arme,
beide Füfse mit einem Teile der Unterschenkel
und der Schlange, ferner die untere Partie des
Gesichtes, einiges an Gewand und Fell. Der un-
verkennbare hieratische Charakter der Statue,
der in verschiedenen nachgeahmt- archaischen
Motiven, der Stellung der Beine, der Anord-
nung der Gewandfalten am Peplos, zum Aus-
druck kommt, weist auf eine ursprüngliche
Bestimmung als Tempelstatue hin. Für Eom
sind zwei Tempel der Iuno Sospita bezeugt:
der eine von C. Cornelius Cethegus 197 v. Chr.
erbaut auf dem Forum olitorium, der andere
am Palatin; s. ob. (Aufserhalb Roms liefs der
in der Nähe von Lanuvium geborene Antoninus
Pius Tempel der Iuno Sospita erbauen: Bd.
Capitol. Ant. P. 8.) Wäre die Vermutung zu
begründen, dafs die vatikanische Statue auf
dem Palatin gefunden sei, so könnte man sie
mit hinreichendem Grunde als die Kultstatue
des am Fufse des Palatins errichteten Tempels
betrachten. Der Stilcharakter der Statue (s.
Overbeck S. 162) weist ihre Entstehung in das
zweite nachchristliche Jahrhundert, in die Zeit
der Antonine. Es ist wahrscheinlich, dafs sie
dem um den Kult der Göttin verdienten An-
toninus Pius ihre Entstehung verdankt. Für
diese Annahme spricht auch die Thatsaehe, dafs
die Statue auffallend getreu wiederholt ist in
dem Relief einer Basis mit acht Figuren, Kaiser
Antoninus Pius mit verschiedenen Gottheiten
darstellend, in der Villa Doria Pamfili in Rom :
abgeb. M. d. I. 6 7 76. 1; vgl. Annali 1863,
195ff, Matz-Buhn, Ant. Bildw. 3 nr. 3684. —
Von statuarischen Exemplaren ist ferner noch
bekannt die in der Auffassung durchaus ab-
weichende Figur im Treppenhause des capi-
tolinisehen Museums: abgeb. llighetti, Bcscr.
del Campid. Taf. 163, Mus. Capitol. 3, 5, Clä-
ren: 41S, 732 (vgl. Nuova descriz. del mus. Ca-
pit. p. 82). Bekleidet ist hier die Göttin mit
einem langen Untergewande und mit dem
Ziegenfell, das, auf der linken Schulter be-
festigt, ähnlich wie die Aegis bei Athena-
statuen, quer über die Brust hängt und zu
beiden Seiten des Körpers lang herabfällt. Die
Vorderarme mit Attribut sind ergänzt. Das
Haupt ist mit einer Stephane geschmückt, von
der nach hinten ein Schleier herabfällt; an
den Füf^en Schnabelschuhe. Die Statue stammt
ans der Nähe des alten Lanuvium. Eine ähn-
liche, nach ihrem Aufoewahrungsorte nicht
mehr nachweisbare Statue aus der Vescova-
liscben Sammlung bei Clarac 419, 733. Eine
10 Bronze, ,.wohl von allen auf uns gekommenen
Bildern dieser Göttin das roheste", in Arolsen
ist noch nicht veröffentlicht. Die Göttin, die
mit Untergewand bekleidet ist, über das vom
Haupte herab über den Rücken das Ziegenfell
fällt, schreitet aus. in der Linken hält sie einen
halbmondförmigen Schild. (Vgl. Gädechens,
Antiken von Arolsen S. 39 nr. 34.) — In Re-
liefs findet sich die lanuvinische Inno (aufser
dem oben genanntem : auf einem dreiseitigen
20 Kandelaberfufse in der Münchener Glyptothek
(Brunn nr. 44, abgeb. bei Micali, Ant. monum.
29, 8 u. B. a. K. 1. 299); die Göttin ist nach
rechts gewendet, mit Untergewand und Ziegen-
fell bekleidet, die Rechte liegt an der Brust,
in der Linken trägt sie den ovalen, mit zwei
halbkreisartigen Einschnitten versehenenSchild,
an den Pulsen Schnabelschuhe ; etruskische
Arbeit. Ferner (der Kopf allein) auf einem
bemalten Terrakottastirnziegel des Berliner
30 Antiquariums, abgeb. bei Panofka, Terrakotten
des Kgl. Museums zu Berlin Taf. 10. Die Ar-
beit ist durchaus altertümlich. Der jugend-
liche Kopf mit seinen schräg stehenden Augen
und hochsitzenden Ohren ist mit dem Ziegen-
fell mit zwei langen Hörnern helmartig be-
deckt, zu beiden Seiten des Gesichtes fallen
je vier lange Locken auf die Schultern herab;
über dem Fell ein stejjhaneartiges , ornamen-
tiertes Schmuckstück, um den Hals ein Hals-
40 band (vgl. Overbeck S. 164). — Der äufseren
Auffassung der bekannten Kultdarstellung, wie
sie Cicero giebt, sowie der vatikanischen Statue
entsprechend
C
tritt uns das
Bild der Göttin
in den Münzen
verschiedener
römischer gen-
tes entgegen. In
50 ganzer Figur. T,mo LanuTina auf Münzen der I>ro-
Kopf und Ouer- 0ä]ia (nach Babelon, Mann. cons. S S. 386
körper, der nr. i n. 2.
etwas zurückge-
beugt mit dem Ziegenfell bekleidet ist, in der
Rechten den Speer schwingend, an den Füfsen
Sehnabelsehuhe tragend, vor ihr eine sich auf-
bäumende Schlange, erscheint sie auf Münzen
der gens Procilia: Babelon 2 p. 386, Overbeck.
Münztafel 3. 16. Dieselbe Gestalt auf einem
eo Zweigespann fahrend, ebenfalls auf Münzen
der gens Procilia (Babelon 2 p. 386), der gens
Mettia: Babelon 2 p. 20, Overbeck. Münztaf.
3, 17. Auf Münzen der gens Cornuficia ist sie
nach links gewendet und bekränzt den vor ihr
stehenden Augur Q. Cornuficius, auf der linken
Schulter flattert ein Rabe: Babelon 1 p. 434
u. 435, Overbeck, Munztaf. 3, IS. Die stehende
Gestalt auf den Münzen der Procilier kehrt
609 Iuno (in d. Kunst: Caprotina, Curitis) Inno (in d. Kunst: Regina, Pronuba) 610
Iuno Lanuvina auf Münzen der Cor
nuficia und Tboria (Babelon a. a. 0
1 S. 434 n. 2 S. 488).
Inno Lanuvina auf einer Münze der
Eosoia (Babelon a. a. 0. 2 S. 402).
im wesentlichen wieder auf Münzen der Kaiser
Antoninus Pius und Commodus: JEclchel, D. N.
7 p. 14 u. 107. Der mit einem Ziegenfell be-
deckte, nach rechts gewendete Kopf findet
sich auf Münzen
der gens Tboria
(mit der Bei-
schrift LS. M.R.
= Iuno Sospita
Mater Regina):
Babelon 2 p. 488,
der gens Mettia:
Babelon 2 p. 223,
der gens Papia:
Babelon 2 p.280
u. 283, der gens Procilia: Babelon 2 p. 386,
der gens Roscia :__.Baöf Zok 2 p. 402 (Qverbeck,
Münztaf. 3, 19). Über die eigentümlichen, vorn
umgebogenen,
^c?,ih r\ sog. Schnabel-
r. 4%*.~£l schuhe, welche
, IprS'SQ,' ); sehen Brauch
'-.. FÄsSÄTl'y' hinweisen, vgl.
Müller, Etrus-
1;er l2 p. 257;
über die attri-
butive (auf der
Münze der gens Roscia von einer Jungfrau
oder Priesterin gefütterte) Schlange vgl. Preller,
Beim. Myth. I3 p. 276. Zur Erklärung des
Raben auf Münzen der Cornuficier vgl. Liv.
24, 10: Lanuvii in aede Sospitae lunonis cor-
vos nidum fecisse (sc. prodigia nuntiabantur).
Iuno Caprotina. Nach
Mommsen, Born. Münsio. S. 519,
nr. 95 ist sie zu erkennen auf einer
Münze der gens Renia: Babelon 2
p. 399. Auf einem nach links
hinfahrenden, mit zwei Ziegen-
böcken bespannten Wagen steht
die Göttin, in der Linken ein
Scepter, in der Rechten eine
Geifsel (?) haltend.
Iuno Curitis. Die bestimmten Vorstel-
lungen, welche man sieh von den Attributen
dieser kriegerischen Göttin machte, lassen,
wenn auch die sonstigen Zeugnisse, z. B. auf
Münzen, fehlen, die Annahme einer Kultdar-
stellung für die älteren Zeiten und wenigstens
für die aufserrömischen Kulte (Tibur) gerecht-
fertigt erscheinen. Die Auffassung erinnert an
die üblichen Darstellungen der Iuno Sospita.
Sie fährt auf einem Wagen, als Attribute wer-
den Schild und Lanze genannt: Serv. Aen. 1,8:
utitur curru et hasta, 1, 17 (Anruf in dem
tiburtinischen Gebete): tuo curru clipeoque
tuere meos curiae vernulas. Vgl. Detlefsen, De
arte Born. ant. 1 p. 16.
Iuno R-egina. a) Auf dem Aventin. Der
Kult der Göttin war von Camillus samt dem
alten Holzbilde (erwähnt von Liv. 5, 22, Val.
Max.l, 8, 3. Ph.it. Cam. 6, Dionys. Hai. 13,3,
von letzterem als £6avov; vgl. Detlefsen a. a. 0.
1 p. 14) nach der Eroberung von Veji nach
Rom verpflanzt worden. Andere Bilder der
Göttin werden, jedoch ohne alle Beschreibung,
mehrfach erwähnt; so ein Signum aeneum, quod
Koscher, Lexikon d. gr. u. rijm. Mytliol. LT.
Iuno Caprotina,
Münze der Eenia
(Babelon? S. 399).
matronae lunoni in Aventino dedieaverunt
(i. J. 536, Liv. 21, 62); duo signa cupressea
lunonis Beginae . . . in aedem illata (i. J. 546,
Liv. 27, 37), „signa cupressea duo lunoni Be-
ginae posita" unter dem Consulate des M. An-
tonius und A. Postumius {Lul. Obsequ. p. 127, 2),
„cupressea simulacra lunonis Beginae posita
per virgincs viginti Septem" unter dem Con-
sulate des Cn. Cornelius Lentulus und P. Lici-
10 nius {Lul. Obsequ. p. 127, 17). Über die Kult-
auffassung fehlen
sonst alle Zeugnisse,
b) Auf dein Capitol,
als Glied der capito-
linischen Trias. Die
mittelste der drei
eellae des capitoli-
nischen Iuppiter-
tempels bildet das
2u Heiligtum des Iup-
piter, die zu seiner
Rechten das der
Minerva, die zur Die capitol. Trias, Münze des
Linken das der Iuno Trajan (nach Baumeister, Benl-m.
{Jordan, Topogr. 1, S. 766 Kg. 819).
2 S. 71). Aus litte-
rarischen Quellen erfahren wir nur, dafs die
Göttin als Attribut ein goldenes Scepter führt.
(Ov. Fast. 6, 37 . . . aurea cur dextrae seeptra
so dedere meae.) Die bildlichen Darstellungen
schwanken in der Auffassung
der Göttin, insofern sie sie
bald thronend, bald stehend
vergegenwärtigen. In dem
Giebelfelde des eapitolinisehen
Iuppitertempels in einem der
vier Reliefs mit Darstellungen
aus dem Leben Marc Aureis
im Treppenhause des Conser-
40 vatorenpalastes in Rom (ab-
geb. M. d. I. o, 36, Bau-
meisler, Denkm. 1 S. 765), ein
Relief, in dem wir vielleicht am ehesten eine
wenigstens im allgemeinen zutreffende Wieder-
gabe des Tempelbildes vermuten dürfen, er-
scheint die Göttin sitzend (aber zur Rechten
des Iuppiter); ihr Hinterhaupt ist verschleiert,
in der Linken hält sie das Scepter, in der
Rechten vermutlich eine Schale. Links neben
50 Iuppiter sitzend, in der Linken das Scepter
haltend, das Haupt verschleiert, auf einem
ebenfalls den Giebel des eapitolinisehen Iup-
pitertempels darstellenden Reliefbruchstück in
einer Zeichnung des Codex Coburgensis: D. et. K.
2, 13, ,Arch.Ztg. 1873,Taf.57. Weitere Beispiele,
die indessen für das Tempelbild alle wenig
beweisen, bei Jahn, Arch. Beitr. S. 81ff., Arcli.
Ztg. 1873, S.lff., Overbeck S.15S u. Sp. 622, 19.
Iuno Pronuba. Ein Heiligtum und dem-
60 entsprechend eine Kultstatue sind für diese Göt-
tin nicht bezeugt, sondern nur ein Altar in
dem vicus iugarius in Rom. Als Ehegöttin
{„cui vincla iugalia curae1' Verg. Aen. 4, 59)
erscheint sie in den verschiedenen Hochzeits-
und Ehemonumenten (gesammelt und erläutert
von Boßbach, Beimische Hochzeits- und Ehe-
äerikmäler, Leipzig 1871): 1) bei der dextrarum
iunetio, in Reliefs, meist mit Hyinenaeus zu-
20
Die capitol. Trias.
Münze der Corne-
lia (nach Babelon 1
S. 396).
611 Inno (in der Kunst: Lucina, Martialis)
sammen; sie steht zwischen den die Hände sich
reichenden Verlobten, denen sie ihre Hände
auf die Schultern legt, ihnen gleichsam die
göttliche Weihe verleihend; sie ist lang-
gewaodet und trägt die Stephane. Z. B. Re-
lief in Palazzo Giustiniani in Rom, Matz-Buhn
2, 3098, Sarkophag in San Lorenzo fuori Matz-
Buhn 2, 3090 {Boßbach S. 40 ff., Jahn, Ärch.
Bedr. S. 79 ff.), Sarkophagrelief in der sala
delle muse im Vatikan (hier abweichend von
den sonstigen Typen mit entblöfsten Armen,
aber mit Stephane) Boßbach S. 94ff. In einer
zweiten, selteneren Typenreihe schiebt die Göt-
tin, nach rückwärts blickend (Andeutung einer
nachfolgenden ponrpa?) die verschämte Braut
dem Bräutigam zu: in Münzen erst seit Au-
toninus Pius, Boßbach • S. 22 ff , auf einer Thon-
lampe bei Passeri, Luc. fiet. mus. Taf. 37.
2) bei dem sacrificium nnptiale: Sarkophag im
Vatikan {Gerhard, Ant. Bildw. Taf. 74), Sarko-
phag aus Monticelli M. d. I. 4, 9 u. s. w. Vgl.
überhaupt auch OvcrbcckS. 131 u.AtlasTafi. 10,19.
Über Iunos Verbindung mit Hercules s.d.
Iuno Lucina. Ihr charakteristisches Attri-
but als Göttin der Geburt ist das Wickelkind ;
daneben kommt ihr in gleicher Eigenschaft
(als cpaßcpögos) die Fackel zu: Relief eines
Grabcippus im Vatikan (abgeb. Annal. 184S,
tav. N, Overbeck, Atlas 10, 24); in der Linken
hält sie hier die Fackel, im rechten Arm ein
Kind, das an ihrer Brust saugt; ein hinter der
Figur stehender Baum bezeichnet den Hain
der Lucina neben ihrem Tempel auf dem Es-
quilin. Auf den Münzen können wir zwei
Typenreihen unterscheiden ; in der einen ist
sie sitzend, in der andern stehend dargestellt.
Im ersteren Fall führt sie als Attribute Scepter
oder eine Blume (wohl eine Lilie, vgl. Boscher,
Inno und Hera p. 46), im andern ein einge-
wickeltes Kind oder mehrere Kinder, die neben
ihr stehen. Beide Typenreihen laufen neben-
einander her. Auf Münzen der jüngeren Fau-
stina: Cohen 3Jp.l47,129, 131, 133, 134.136; der
Lucilla p. 219, 36ff. ; der Iulia Domna Collen
i" p. 113, 93; der Salonina (mit der Bezeich-
nung als Iuno Augusta) Cohen 55 p. 502, 55;
der Mammaea ('Iuno Augusta') Cohen 42
p. 493, 32. Vgl. bes. Overbeck p. 153ff.
Iuno Martialis. Ebenfalls Entbindungs-
falls das Attribut, das
sie in der Rechten führt
(wie bei dem alten
Herabilde in Argos) mit
Sicherheit als Heb-
ammenschere nachge-
wiesen werden kann.
{Boscher, Iuno u. Hera
S. 49.) Sie kommt nur
vor auf Münzen des
Tiebonianus G-allus und
Volusianns , aus den
Iuno Martialis, Münze des T t „ ~. , ~el o*
.„:,, n. .„,.,.„„ Jahren 2ot— 254. Sie
ist sitzend dargestellt,
entweder nach links
aufser jener sog. Heb
Iuno (Moneta, Caelestis)
612
Iuno Moneta, Münze
der Carisia (nach
Babelon 1 S. S14).
göttin wie I. Lucina,
Volusianus (nach Donaldson,
Archit. mint.).
gewendet, und führt
ammenschere noch das Scepter als Attribut
{Ocerbeck, Münztaf. 3, 15), oder sie sitzt inner-
halb eines Kundtempels auf einem Thron, rechts
und links neben ihr steht ein Kind. (Münze
des Volusianns, Abb. nach Doneddson, Archit.
num.)
Iuno Moneta. Kopf der IunoM. mit alter-
tümlicher, dem farnesischen
Herakopf ähnlich er Haartracht,
jedoch ohne Stephane, aber
mit Halsband, auf Münzen der
gens Carisia {Babelon 1 p. 314,
10 B. a. E. 2, 64), mit die Stirne
schmückendem Diadem und
Ohrgehänge auf Münzen der
gens Plaetoria : Babelon 2
p. 309, Mommsen, Born. Miinzw.
p. 623, 262. [Jul. Vogel.]
Iuno Averna b. Ovid Met. 14, 114. Sil. It.
13, 601 = Persephone oder Proserpina (s. d.).
Vgl. Iuno infera. [Röscher.]
Iuno Caelestis. So nennt Preller, B. M.s
20 2, 406 f. die Hauptgöttin von Karthago, deren
Dienst von Diclo hierher verpflanzt sein sollte
{Herodian 5, 6, 4\ obwohl sich diese Bezeich-
nung sehr selten, höchstens auf Inschriften,
nachweisen läfst (C. I. L. 8, 1424 Iuno Cae-
lestis Aug.). Die alten Schriftsteller nennen
sie entweder schlechtweg Iuno und Hera(C7c.
Verr. 4, 103; vgl. Val Max. 1, 1 ext. 2. Verg.
Aen. 1, 15. 446. Hör. ca. 2, 1, 25; vgl. Iuno
Poena b. Minuc. Fei. Oct. 25, 9; nach Solin
30 p. 182, 12 M. nannte C. Gracchus die von
ihm nach Karthago geführte Kolonie Iunonia
colonia; vgl. Strab. 168 u. 170) oder einfach
Caelestis und Ovgavia (s. d.Art. Caelestis u.
vgl. August, c. d. 2, 26. Tert. ad nat. 2, 8.
apol. 24. IuL Capit. Pert, 4. Opil. Maar. 3. Bio
C. 79, 12. C. I. L. 8, 8433 : Deae sancte Caelestis.
Orelli 1944: invicite Celesti Uranie. 1943 =
C. I. L. 6, 80; vgl. 6, 78. C. I. L. 8, 2226.
1360. 2592. 4673 f.: Caelestis. — ib. 993: Cue-
io leMBeae. CLL. 8, S59. 131S. 1837. 6351.6939.
8241f. Cael. Aug.), auch Virgo Caelestis
{Aug. c.f7.2, 4; vgl. 26. Tert. apol. 23. Apul.MG,
4; vgl. C. I.L. 8, 9796: Bea magna virgo Cae-
lestis), Dea Caelestis {Treb. Poll. 30 tyr. 29.
Ammian 22, 13, 3. C. I. L. 8, 18S7. " Orelli
1942. Henzen 5859 = C. I. L. 8, 8433: Beae
Sancte Caelestis; vgl. C. I. L. S, 1887. Henzen
5860 = CLL. 6, 77: Bominae Caelesti), Diana
Caelestis Augusta (C. I. L. 8, 999). Schon
50 die Alten selbst identificierten die Göttin gewifs
richtig mit der phönicischen Astarte (vgl.
Herodian 5, 6, 4: Ai'ßvig . . avzr.v Oigaviuv »ß-
Xovol, <PoLvrA£g <5e AcTeo<xQyj{V övofiufcovoi, ei-
lr]vr}v sivca &£Iovtbq. Paus. 1, 14, 7: jrpra'rots
Ss dv&Qamaiv 'AoavQLOig nttziexr] csßtod'cti rrjv
OvQctvLtxv, jufro: de AcovQiovg Kvttqicov üacpiotg
xal <£>o iv itiiöv toCg Aoy.ülcovcc eyovGiv), womit
übereinstimmt, dafs Plalastrius de haeres. 15
sie der in Palästina verehrten Regina und
60 Fortuna caeli (vgl. lerem. 44, 17 f. 25 und d.
Art. Astarte) gleichsetzt und dafs sie ander-
wärts Venus genannt wird {Val. Max. 2, 6,
15; vgl. Orelli 1361). Auch was wir -sonst
von dem Kultus und der Auffassung dieser
Göttin erfahren, deutet auf eine Astarte hin.
So berichtet Augustinus c. d. 2, 4 u. 26 von
ludi turpif-simi und einer pompa meretricia,
Valerius Max. 2, 6, 15 von einem fanum
613
Iuno (Caelestis)
Veneris zu Cirta, in quod se matronae eon-
ferebant atque inde procedentes ad quaestum
dotem corporis iniuria contrahebant , honesta
nimirum tarn inhonesto vinculo coniugia iunctu-
rae, was entschieden an
das nach Herod. 1, 199
der babylonischen My-
litta dargebrachte Opfer
der Jungf'rauschaft er-
innert (s. Bd. 1 Sp. 649),
das auch bei den West-
semiten vorkam (Bd. 1
Sp. 654; vgl. Aug. c. d.
4, 10). Wenn ferner
Cassius Bio 79, 12 und
Apul. Met. 6, 4 der kar-
thagischen Urania das
Attribut des Löwen bei-
legen (vgl. auch die
karthagischen Kaiser-
münzen des Sept. Severus und Caracalla b.
Eekhel, B. n. v. 7, 183 ff. Gerhard, Ges. AI;.
Abh. 2, 540 Taf. 43 nr. 18 u.
24), so ist damit die oben (s.Bd. 1
Sp. 653) abgebildete, auf einem
Löwen stehende babylonische
Astarte zu vergleichen (s. auch
Luc. dea Syr. 31). Vielleicht ist
unter dem 'currus' der kartha-
DieCaeiestis von gisohen Iuno, von dem Vergil
(A. 1, 17) redet, ein von Löwen
gezogener Wagen zu verstehen,
auf welchem die Göttin (wie
Kybele) fahrend gedacht wurde,
während sie sonst (ebenfalls wie
Kybele) auf dem Löwen reitet (vgl. Apul. M. 6, 4 :
Virginem vectura leonis caelo commeantem u.
Iuno (Caelestis; Kultstätten') 614
meister, Denkm. d. Kl. AU. S. 800ff. Auch be-
waffnet kommt sie vor (vgl. Verg. A. 1, 15 ff.
hie illius arma hie currits fuit etc. Ov. f. 6, 46;
vgl. C. I. L. 8, 993, wo von der Weihung
eines thorax an die Caelestis
Aug. die Rede ist); auf den an-
geführten Münzen erscheint sie
mit einer Lanze in der L. und
dem Blitz in der R. Man ver-
10 gleiche mit dieser Vorstellung
das oben Bd. l Sp. 653 über die
Wagen d. Astarte
(Caelestis? ) , si-
don. Münze.
Tempel der Caelestis (?) mit
Cypressen im Innern, Kaiser-
inünze von Karthago (nacll
Gerhard, Ges. dk. Abh. Taf 13
nr. 19).
G
'j-esenius.
Karthago, Kaiser
münze von Kar-
thago (nach Ger-
hard, Ges. ah. Abh.
Taf. 43 nr. 24).
auf einer
nordafrikan. Münze.
Astarte (Caelestis) auf dem Löwen stehend (s. ob. Bd. 1
Sp. 653).
die Münzen b. Eclchel a. a. 0.). Vgl. aufser d.
Art. Kybele Müller, Helb.d. Arch. § 395, 3. Bau-
und das Sp. 650 über die assy-
rische Istar (vgl. Sp. 394) Ge-
sagte. Auch die Taube scheint
ihr, wie der Astarte und Aphro-
dite geheiligt gewesen zu sein (v. Baudissin,
Stud. z. sentit. Bei. 2, 191 u. 210, 2
Mon. Taf. 16 c. Ger-
20 liard a. a. 0. S. 540
Taf. 43, 19), was
namentlich für die
erycinische Venus
(= Astarte) bezeugt
ist (s. d. Stellen b.
Klausen, Aeneas 1,
488 A. 744). Als weis-
sagende Göttin tritt
sie auf bei Iid. Capit.
30 Opil. Macr. 3 und
Bert. 4; vgl. auch
TeHull. apol. 23, WO Astarte (Caelesti
sie pluviarum polli
citatrix genannt
wird. Die Rolle, welche Iuno in Vergils Aeneide
als Feindin Roms und des Aeneas ipielt (vgl.
Pauly, Bealenc. 4, 580), erklärt sich gewifs teil-
weise aus ihrer Identificierung mit der kartha-
gischen Stadtgöttin Caelestis.
40
Kultstätten der Caelestis.
1) Karthago. Hier soll ihr Kult schon
von Dido eingeführt sein (Herodian. 5, 6, 4).
Aus Vergils Aeneis 1, 15 ff. scheint hervor-
zugehen, dafs die Caelestis die Hauptgottheit
Karthagos war, sie besafs daselbst (auf der
arx? s. Ovid f. 6, 45) einen lucus in urbe me-
dia (ib. 1, 441) und Tempel (Aug. c. d. 2, 26.
V. A. 1,446; vgl. Mythogr. Tat. 1, 215), worin
50 sich allerlei Weihgeschenke befanden (Xenoph.
Lamps. b. Blin. h. n. 6, 200 u. Solin. p. 230
Mo.), und wurde wohl als Beschützerin der
Stadt gedacht (s. d. nordafrikan. Münze oben
Bd. 1 Sp. 651). Bei der Zerstörung Karthagos
wurde die karthagische Göttin von Scipio
feierlich evociert und ihr Kult nach Rom ge-
bracht (Serv. V. A. 12, 841. Macrob. S. 3,
9, 7). Später wurde Tempel und Bild (simu-
lacrum) von neuem errichtet (vgl. Aug. c. d.
60 2, 16 u. Auct. libri de praedicat. 3, 38. Migne
Patrol. Bat. 51, 835. De Vit, onom. 1 p. 597
s. v. Aurelius XII) und letzteres von Elagaba-
lus nach Rom gebracht (Herodian. 5, 6, 4.
Bio C. 79, 12; vgl. d. Art. Elagabal). Von
einem peplus deae Caelestis redet Treb. Bollio
30 tyr. 29. Ein vielleicht karthagischer Mythus
findet sich beim Mythogr. Vat. 1, 215.
2) Cirta, wo ein fanum Veneris (= Astarte)
20*
615 Iunones I ! Frauengenien) Iunones I (Frauengenien) 616
erwähnt wird von Ted. Max. 2, 6, 15. Tgl. steht aber der Genius Virtutis CLL. 2, 2407
C. I. L. S, 6939. und sogar der Genius Iunonis bei Mart. Cap.
3) An anderen Orten der röm. Provinz 1 , 53. Sehr gewöhnlich in römischer An-
Africa; vgl. C I. L. 8, 9796 . . . eqtiites | I)eae schauung war die Verallgemeinerung des
Magnat Virgini J Caelesti restituerunt | templum. Geniusbegriffes auf Familie und Staat. Der
Sacerdotes Cael. werden erwähnt in den In- Genms wurde der Beschützer der menschlichen
schritten C. I. L. 8, 1360. 4673. 4674; eine Gesellschaft im weiteren und engeren Sinne:
aedes ib. nr. 993 (Inschr. v. Karpis = El Me- daher die vielen Genien von Städten, Kolonieen,
rissa): Aedem quam Cassia Maximula flaminica Provinzen. Eine analoge Erscheinung, die aber
JJirae Plotinae Caelesti Deae voverat . . . 10 bis jetzt vereinzelt dasteht, ist die luno pagi
Martialis . . . aedificatam D. D. , . . et statua Fortunensis C. I. L. 5, 5112 (Genius pagi z. B.
Pudicitiae Aug.etthorace Caelestis Augustae C I. L. 3, 1405. 2, 2194). Die sehriftstelle-
ornaverunt . . . rischen und inschriftlichen Beispiele für die
4) Melite: Cic. Verr. 4, 103 = Tal. Max. Iunones als Fraoengenien sind verhältnismäfsig
1, 1 ext. 2. selten. Von der luno eines Mannes reden
5) Bei Gades befand sich nach Artemidoros kann nur die Satire, so bei luven. 2, 98 et
b. atrab.llO eine Insel und Tempel der Hera; per Iunonem domini iurante ministro, wo der
vgl. ib. 168. Pomp. Mela 3, 4. Scholiast nicht richtig erklärt 'non per Torem.
6) Rom. Serv. T. A. 12, 841: constat hello sed per Iunonem'. Denn nicht per Iorem
Punico secundo exoratam Iunonem, tertio vero 20 schwört der Mann, sondern per Genium , und
a Scipione sacris quibusdam etiam Bomam in diesem Fall ist der Genius wohl identisch
esse translatam. Vgl. die Evokationsforinel mit Hercules, dem Gott der Männer, von dessen
bei Macrob. 3, 9, 7 f. Einen princeps saeer- Kult die Frauen ausgeschlossen waren, wie
dotium Daeae Caelestis erwähnt die römische etwa die Männer von dem Kult der Bona dea.
Inschr. b. Orelli 1942 = C. I. L. 6, 2242. Über die Verbindung der luno mit Hercules
Vgl. Ortlli 1944 = C. I. L. 6, 80. Hennen vgl. Bei ff er scheid, Annali delV Inst. 1867 p. 352
5860 = C. I. L. 6, 77; vgl. 78. und B.Peter in diesem Lex. Bd. 1 Sp.225S. Sonst
Sonstige auf die Caelestis bezügl. Inschriften gilt von der luno dasselbe wie vom Genius.
s. in den Indices zum C I. L. Bd. 8. Frauen und Mädchen opfern ihr am Geburts-
Bildliche Darstellungen der Caelestis 30 tage (Tibull. 3, 12), schwören bei ihr (Tibull.
von Karthago s. auch in der Gazette arche'ol. 1880 3, 6, 47. 3, 19, 15. Petron. 25, hier thut es
p. IS ff. pl. 3 u. im Journal Asiat. 1877 p. 147. die liederliche Quartilla in einer ganz heiklen
Neuere Litteratur: Munter, Bei. d. Sache) u. s. w. Charisius (p. 19S Keil) nennt
Karth. S. 62. Morers, Phoen. 1, 604 ff. 2, 1, neben eeastor und edepol als spezifisch weib-
362. 2, 92. Pauly, Bealene. 4, 570. Klausen, liehen Schwur auch eiuno (vgl. Tarro bei
Aeneas u. d. Pen. 1, 506. Preller, B. MJ 2, Gellius 11, 6). Der Scholiast zu luv. 2, 9S be-
406 f. [Röscher.] richtet, dafs die Dienerinnen, uni ihrenHerrinnen
Inno infera, inferua (Terg. A 6, 138. zu schmeicheln, perlunonem derselben zu schwö-
Stat. Silr. 2, 1, 147. C. I.L.iO, 7576) = Pro- ren pflegten. Die Inschriften, die dem Genius
serpina oder Persephone (s. d.). [Röscher.] 40 eines Mannes oder der luno einer Frau gelten,
Inno Stygia=Proserpma; Stat.Theb.i, 526f. sind in den meisten Fällen als Grabschriften
Vgl Inno Averna u. infera. [Röscher.] zu fassen. Es sind Bezeichnungen für die
I. Iunones (Frauengenien, vgl. den Artikel Seelen der Verstorbenen, gerade wie die dii
Genius). Wie der Mann bei den Römern Manes. Auf einer grofsen Ära aus Pola C. I. L.
seinen Genius hat, so hat die Frau ihre Inno 5, 160 heifst es: C. Fannius Psalmus sibi et
(Plin. not. bist. 2, 16: quamobrem maior caeli- Fanniae C. lib. Xoe Iunoni eius. Das Iunoni
tum populus etiam. quam bominum intellegi eius ist wohl nur deshalb hinzugesetzt, um zu
potest, cum singuli quoque ex semetipsis totidem bezeichnen, dafs die Fannia Xoe damals schon
deos faciant Iunones Geniosque adoptando sibi. tot war (vgl. C. I. L. 10, 7541). Auf der afri-
Senec. Fpiist. 110: singulis enim et Genium et 30 kanischen Inschrift 8, 3695 wendet sieh die
Iunonem dederunt; vgl. Censorin. de die nat. Frau an den Genius ihres Gatten und an ihre
3, 3). Die Bezeichnung Genius ist die ur- eigene luno. Freigelassene thun es öfter zur Ehre
sprüngliche, allgemeinere, beide Geschlechter ihrer Herren und Herrinnen, z. B. 5. 6954. 12,
umfassende. Es lag nahe, den weiblichen Per- 3063 — 3066. Bemerkenswert ist das Akrostichon
sonalgenius auch geschlechtlich zu difieren- der Pompeia Galla 8, 251. Andere Inschriften
zieren, und so nannten die Frauen und Mädchen sind kürzer gefafst und enthalten nichts Be-
ihren Genius eben ihre luno. Auch Göttinnen sonderes (5, 7472. 6407. 8, 1140. 10, 1009. 1023.
konnten mit ihrer luno ausgestattet gedacht 6597. 12, 4317\ Deutlieh eine Grabschrift ist
werden. Wie der Genius eines Gottes ange- der Stein von Ostia 14, 1792: ein Freigelassener
rufen wird (das älteste Beispiel auf der In- co setzt seiner früh gestorbenen Tochter das Denk-
schrift von Furfo C. I. L. 1, 603), ebenso mal und zwar Iunoni et Verecundiae derselben.
kann die luno einer Göttin verehrt werden. Damit zu vergleichen ist die Inschrift bei Orelli
Die Belege hierfür sind allerdings seltener. 4577, wo die Überreste der Verstorbenen Pietati
Zu der luno Deae Diae in den Arralakten et Genio irtferno, femer der Mailänder Grabstein
(C I. L. 6, 2099 u. ö.) und der Inno Isidis 5, 5869, wo sie Gen'ioi et Howori) konsekriert
victricis G. I. L. 9, 5179 ist unlängst auf einer werden. Auf dem letzteren ist gleichzeitig der
Kölner Inschrift die luno Virtutis gekommen luno der Frau ihr Recht gezollt (vgl. 5, 6950.
{Klein, Bonn. Jahrb. 87 p. 214). Daneben 7593X Den Stein von Susa 5, 7237 widmet ein
617 Iuncraes II (Matronae) Iuppiter (Litteratur) 618
Sklave dem Genius seines Herrn, der Iuno gefunden (G. /. L. 14, 4176). Der Dedikant
seiner Herrin, dem Genius des Sohnes und der der letzteren nimmt eine höhere Stellung ein,
Iuno der Tochter der beiden. Also jedes er ist u. a. flamen Dialis. Die Inschrift fällt
Familienglied hat einzeln seinen Genius oder unter Tiberius, ist also eine der ältesten dieser
seine Iuno; es heifst nicht zusammenfassend Gattung. Von den übrigen Iunonesinschriften
Geniis der beiden männlichen, oder Iunonibus läfst sich keine genauer datieren. In den
der beiden weiblichen Familienglieder. Gleich- gallischen Provinzen sind lunones selten (Nimes,
wohl aber werden auf der Inschrift von Bordeaux Aigues-Mortes, Neris-les-Bains, Agen, Trier,
(Grut. 25, 11 Iunonibus Juliae et Sextiliae) die Köln, Jülich, s. Bonn. Jahrb. a. a. 0.). Der
lunones als Frauengenien zu fassen sein. Dem 10 nördlichste Punkt ist Marquise (Pas de Calais),
entgegen sieht Siebourg (Westdeutsche Zeitschr. In Britannien und Spanien sind sie unbekannt,
1887 p. 281) in der Inschrift eine Widmung dagegen kommen sie auf 2 Inschriften Nori-
an die lunones (= Matronae), gemacht von cums vor (C /. L. 3, 4766. Arch. epigr. Mit-
den Schwestern oder Freigelassenen Iuliae und teil, aus Ost. 5 p. 223). Bisweilen werden
Sextiliae. [M. Ihm ] sie in Verbindung mit anderen Gottheiten ver-
II. lunones (= Matronae). Zu scheiden von ehrt, so mit den Kumina Avgustorum von den
den lunones als Franengenien sind die Inno- vicani Neriomagienses (Bevue arche'ol. 1878 1
nes, welche auf zahlreichen Votivinsehriften p. 188), mit dem dexis sanetus Hercules am
(besonders Oberitaliens) genannt werden. Drei Gardasee (C. I. L. 5, 4854), mit dem Genius
Inschriften der Po-Ebene (C. I. L. 5, 3237. 20 in Trier (Korr.-Bl. d. Westd. Zeitschr. 5, 1886
5249. 5450) bezeichnen sie geradezu als Ma- nr. 140; auf dem an der Römerstrafse bei
fronen. Der Stein, welchen C. Virius Maximus Asberg ausgegrabenen i-äulenförmigen Altar
in Como (C. I. L. 5, 5249) den lunones Matro- IVN ■ ET || GEN10 • LOCI ist wohl eher Iu-
nae weiht (rex visu'), enthält auf jeder der nfonij als Iun'onibus) zu ergänzen; vgl. ebend.
Seitenflächen noch die Widmung Iun(onibus) 7, 1888 p. 100). Die Laacher Inschrift bei
ohne weiteren Zusatz, woraus hervorgeht, dafs Bramb., C. I. Bh. 687 ist wahrscheinlich eine
für den italischen Dedikanten die Bezeichnung Fälschung , wie es die 3 oberitalischen In-
Iunones die geläufigere war (vgl. matrona Schriften C. I.L. 5, 514*. 515*. 726* sind. Was
Iuno bei Hör. Carm. 3, 4, 59). Beinamen sind die Fassung der Inschriften anlangt, so unter-
bei ihnen nicht so häufig wie bei den Matres 30 scheiden sie sich nicht von den Matronen-
und Matronae. Sie werden wie die letzteren Inschriften. Reliefdarstellungen der lunones
domesticae {Brambach, C. I. Bh. 547. Hettner, sind nicht bekannt geworden. Besonders be-
Katalog des Bonner Mus. nr. 59) und Gabiae merkenswert ist die Inschrift von Aquileja
genannt (Bonn. Jahrb. 83 p. 77. 78), einmal C. I. L. 5, 781. Die Dedikanten weihen den
auch montanae (C. I. L. 12, 3067), womit die Göttinnen aedem, signa tria, porticum cum
Suleviae montanae (C. 1. L. 3, 1601) zu ver- maceris et culinam et locum in quo ea sunt
gleichen sind, die ihrerseits auch wieder mit loco privato. Die signa tria beweisen, dafs
den lunones identificiert erscheinen auf einer auch die lunones in der Dreizahl verehrt
Inschrift aus Marquise (Pas de Calais, Bull. wurden. Die Freigelassene Aninia Ge giebt
epigr. de la Gaule 4 p. 141. 198. Bonn. Jahrb. w auf der Marmortafel von Carpi C. I. L. 11,
83 p. 78). Weitere Beinamen der lunones sind 944 eine förmliche lex dedicationis: sie hat
Augustae (C. I. L. 5, 323S — 3240. 12, 4101) und ihren Göttinnen ein Fleckchen Land mit einem
eleae (Bevue arche'ol. 1877 II p. 132). Die Zahl Altar zugedacht. Dafs auf dem Stein C. I. L.
der bis jetzt gefundenen Inschriften dieser Göt- 5, 4854 Hercules neben den lunones angerufen
tinnen beträgt etwa 40. Das bis 1887 bekannte wird, scheint nicht ganz bedeutungslos. Her-
Material ist gesammelt und besprochen in den eules und Iuno erscheinen öfter vereinigt, jener
Bonn. Jahrb. Heft 83 p. 76 ff. (vgl. dazu M. Sie- als der männliche, diese als der weibliche
bourg, Westd. Zeitschr. 1888 p. 99 — 116). Hierzu Genius: sie sind dei coniugales (Peter in diesem
kommenlnschriften vonMarzana(b. Verona), A'o- Lex. Bd. 1 Sp. 2258). Vielleicht schwebte diese
tizie d.scavi 1883 p. 320, u. von Agen (I.augusta- 50 römische Vorstellung auch den beiden ober-
les):Rev.epigr.dumidil89l, 108. Dievon J. Klein italischen Dedikanten vor: der Mann mag sich
(Bonn. Jahrb. 84 p. 70) veröffentlichte Inschrift mit seinem Gelübde an Hercules wenden, die
läfst auch andere Ergänzungen zu (z. ß. Uigeni- Frau an die lunones (vgl auch Gellius, Noct.
bus, DisManibus, letzteres wahrscheinlich). Das Att. 11, 6, 1. 2). Auch die Zusammenstellung
Hauptfundgebiet ist Gallia transpadana mit den mit dem Genius auf der Trierer Inschrift (s. o.)
Städten Aquileja. Verona, Brescia. Hier ist kann man hier anführen Die fremden Göttinnen
die Bezeichnung Matronae nicht vorhanden oder als lunones zu bezeichnen lag für römische
doch selten. Marzana kennt jetzt Matronae Anschauungsweise nahe genug, und in Ober-
und lunones (C. I. L. 5, 3264 s. o.). Einer der italien, wo diese Bezeichnung ihre eigentliche
veronesischen Steine enthält die Widmung 60 Heimat hat, war der Einflufs der römischen
Iunonibus Matronis. Weiter nach Westen hin Sprache und Anschauung klävlich ein gröfserer
nimmt die Bezeichnung lunones immer mehr als in entfernteren Gegenden. Vergleiche des
ab; in Como erscheinen lunones Matronae und Weiteren den Artikel Matronae. [M. Ihm]
lunones, in der Umgegend meist Matronae. Iupater s. Iuppiter Sp. 625, 54.
Mailand kennt nur die letztere Bezeichnung. Iuppiter. Litteratur. Sclnvenck, Mythol.2
Aus Gallia cispadana sind bis jetzt nur zwei S. ltf. Härtung, Beligion der Bömer 2 S. 7 ff.
Widmungen au die lunones bekannt (C. I. L. Gerhard, Mythol. 2 S. 247 ff. Preller inPauhjs
11, 944. 1048); eine wurde im alten Laurentuni Becdencyklopädie Bd. 4 S. 587ff. Hers., Böm.
619
Iuppiter (Etymologie^
Mythol. ed. Jordan l3 S. lS4ff. Herr Prof. Wis-
soica hatte die Güte, mir seine Vorlesung über
römische Mythologie und Kultusaltertümer zur
Verfügung zu stellen.
Etymologie. Grafsmann, Ztschr. f. vergl.
Sprachforschg. 16 S. 101 ff., 161 ff. Curtivs,
Grundz. d. gr. Etym. 5 S. 236. Vanibek, Etymol.
Wörterbuch d. Ich. Spr. S 24. Collitz, Bezzenb.
Beitr. z. Kunde d. indog. Spr. 10 (1885), S. 47 ff.
Die zu Grunde liegende Wurzel di, div,
' glänzen, leuchten' ist Gemeingut aller indo-
germanischen Völker und mythologischen
Systeme (vgl. Curtius a. a. 0.). Die Etymologie
Ciceros n. et. 2, 64: Iuppiter est iuvans patcr,
quem conversis casibus aiuvando lovem appella-
mus (vgl. Enn. frg. 507 Baehrens. Gell. n. ct.
5, 12,8) bedarf, um richtig zu sein, nur der
Umkehrung, doch kannten schou die Alten
die Verwandtschaft mit dius, dialis (Yarro l. I.
5, 66, Fest. p. 185, Paul. p. 71. 87). Wir finden
die Grundbedeutung noch bei folgenden itali-
schen Gottheiten Ianus-Di(v)anus, etr. ani (s.
indes Der de. Etr. Forsche/. 2S. 125 nndvsl. dazu
Koscher, Myth. Lexikon' '2 Sp. 29 ff.), Di(v)ana
etr. tiv, Iuno-Diovino etr. uni, Iuturna-Diuturua.
Die Vergleichung mit den andern indogerma-
nischen Sprachen ergiebt die italische Urform
Dious gen. Diouis; das durch Eontraktion hier-
aus entstandene Dius hat sich in den Götter-
namen Dius Fidius, Vedius, dea Dia, in den
lokalen Bestimmungen sub dio (diu) interdiu
und adjektivisch in der Verbindung: fulgur
dium (vgl. Summanus — fulgur summanum) bis
in die historische Zeit erhalten. Die Gleich-
heit der obliquen Easus Diovis, Diovi mit
denen der i- Stämme mag Veranlassung ge-
wesen sein, dafs der ursprünglich konsonan-
tische Nominativ Dious in die Deklination der
i-Stämme übertrat (Grafsmann a. a. 0. S. 161).
Während die eben besprochenen Bildungen, zu
denen noch Dialis hinzukommt, anlautendes d
treu bewahrt haben, ging es bei Weiterent-
wicklung der Sprache durch Verdichtung von
i zu j allmählich verloren, und es entstand die
übliche Fiesionsweise Iovis, Iovi, lovem, Iove,
zu der das von Schriftstellern nicht selten ge-
nannte Uüd inschriftlich mehrfach erhaltene
Iovis (s. unten) als Nominativ hinzutrat. Pauli,
Altital. Stud. 1 S. 12 leugnet die Existenz eines
alten Nominatives Iovis (demnach doch auch
Diovis) und hält ihn für bewufste und absicht-
liche Analogiebildung der Grammatiker; doch
bietet die Sprache so viele Beispiele für den
Übergang konsonantischer Stämme in die
i-Deklination, dafs wir in die Worte Varros
(l. I. 5, 66 [Iuppiter] olim Diovis et Diespitcr dic-
tus), dem doch reiches Material aus der frühe-
ren Zeit in ganz anderem Mafse als uns zur
Verfügung stand, keiuen Zweifel zu setzen
brauchen. Alle drei Namen Dius, Diovis, Iovis
sind bei dem Gotte zu erkennen, der den di-
rekten Gegensatz zu Iuppiter bildet, Vedius,
Vediovis, Veiovis. Mit Iovis verschmolz das
anfangs appositioneil angefügte pater zu einem
Worte, wobei nach lateinischem Lautgesetz
das tonlos gewordene pater sein a in i um-
wandelte und Iovis wie alle derartigen Eom-
posita das Noruinativzeichen s verlor. Wahr-
Iuppiter Orthographie; Diespiter) 620
scheinlicher noch ist die Ansicht Paulis
a. a. 0., dafs pater bereits an die italische
Form Dious-Ious getreten ist, der weitere Ent-
wicklungsgang bleibt derselbe. Thurneysen
(Bezzenb. Beitr. 8 (,1884) S. 281 A. 2) läfst den
Nominativ Iuppiter durch Angleichung an den
Vokativ entstehen. Analoge Bildungen sind
Marspiter (Maspiter), Diespiter, Dispiter, Opiter
(Prise. 1 p. 229 Hertz); überhaupt war dem
10 römischen Volke die Hinzufügung eines das
Schutzverhältnis zwischen Gott und Mensch-
heit andeutenden Wortes pater, mater eigen-
tümlich (Zinzow, Der Vaterbegriff bei den
römischen Gottheiten, Pyritz 1887, S. 6. Dafs
auch andern Religionen diese Verbindungen
nicht fremd waren, zeigen Djauspita, Zf vg hkti\q
Jri-in'jrrjQ etc.). Strenge Durchführung hat die
Zusammensetzung nur im Nominativ und Vo-
kativ erfahren, während in den übrigen Easus
20 die beiden Bestandteile bis auf verschwindend
geringe Ausnahmen ihre Selbständigkeit be-
wahrten. Nimmt man das Umbrische zu Hülfe,
so lassen sich in dem Zusammentreten von
Beziehungswort und Apposition drei verschie-
dene Behandlungsweisen erkennen, die sich
jedoch nicht zeitlich auseinander entwickeln :
1) Beziehungswort und Apposition habeu ge-
sonderte Existenz, ihre Freiheit bekundet sich
in dem Dazwischentreten anderer Satzteile (per
30 lovem aiiurg patrem Plaut. Jlen. 1025) oder
in der getrennten Schreibung love patre (tab.
Iguv. 2 B, 7), Iove patre (Trag. ine. fr. 101
Eibbecl-). — 2) Der zweite Bestandteil schliefst
sich enklitisch dem eisten an, aber beide be-
sitzen noch volle Flexion. Invepatre (tab. Iguv.
s. unten); hierher können auch die Vokative
Inpater (tab. Iguv.) und Iuppiter gerechnet wer-
den. — 3) Der erste Stamm hat seine Biegnugs-
fähigkeit verloren: Iuppiter, Iuppitris, Iuppitri,
40 Iuppitrem (s. unten), wofern die obliquen Ea-
sus nicht erst jüngeren Grammatikern ihren
Ursprung verdanken. (Grafsmann a. a. Ö.
S. 114.)
Orthographie. Der Schreibweise Iuppiter,
die bis zum Beginn der Eaiserzeit ebenso
häufig war wie die mit einfachem p, von da
an fast ausschliefslich Geltung erlangte (vgl.
besonders die Arralakten), ist als der am besten
bezeugten der Vorzug zu geben (Jordan, Herrn.
50 16 (1881) S. 51); das erste p kann weder durch
Assimilation des nominativischen s, welches
bei Zusammensetzungen wegfällt (Corssen, Aus-
sprache 1- S. 211, Krit. Beitr. S. 391), noch des
stammhaften v, das mit o zu ü = ou wurde,
entstanden sein; da sich also etymologisch die
Doppelung des p nicht rechtfertigen läfst,
bleibt nur die Annahme übrig, dafs sie nach
langem u zur Schärfung der Aussprache diente
( Pauli, Zeitschr. f. vergl. Sprachforschg. 18 (1869)
60 S. 8, ausführlicher Jordan a. a. 0.).
Diespiter. Im Altertum erklärte man
diese Bildung durch diei pater; Tgl.Serv. aJAen.
9, 567, Macrob. Sat. 1, 15, 14, Priscian 2 p. 515
H. (Danach ist wohl auch bei Yarro l. I. 5, 66,
Diespiter id est dies pater dies als Genitiv
aufzufassen.) Der Ansicht der Alten trat bei
Grafsmann a. a. 0. S. 116 ff. Dagegen fafst
Corssen, Ausspir. I2 S. 233 Dies-piter richtig
621 Iuppiter (lat. Namensformen: Diovis) Iuppiter '= Iovos, Iovis) 622
als eine Zusammensetzung von pater mit dem Cista (Venös Diovem Proserpnais), zuerst ver-
s-Stamme dies; die Bildung mit dem Genitiv öffentlicht von Brunn in ann. d. inst. 1858
ist darum unmöglich, weil im Latein kein S. 383. Abbildung in mon. ined. vol. 6 Taf.
Kompositum als ersten Bestandteil einen Geni- 24, 1. C. I. L. 1, 57. Schneider 53; für die Er-
tiv aufweist (Fick, Vergl. Wörterb. I3, 308. klärung vgl. Chölodnidk, Bh. Mus. 42 (1887)
/. Schmidt, Ztschr. f. vergl. Sprachforschung S. 486. An derselben Stelle, aber ca. 10 Fufs
25 [1876] S. 58). — Corssen, Krit. Beitr. S. 391 tiefer, wurden etruskische Spiegel gefunden,
zeigt die Unmöglichkeit Diespiter als eine die lateinische Schrift der Cista und die dünnere
Zusammensetzung mit dem Nominative dies darüber lagernde Erdschicht weisen auf naeh-
zu betrachten. 10 etruskische Zeit. J2e«,ren hielt M für das s-Zeichen
Italische Namensformen. Litteratur: der Etrusker, die Form selbst aber für den
Neue, Formenlehre 1°, S. 167. 189ff. 281 ff. 383. Genitiv, indes ist nicht daran zu zweifeln,
394. 483. Bücheler, lex. ital. S. 7. 11. Fabretti, dafs wir hier einen wirkliehen Accusativ vor
gloss- ital. S. 310—313. 702. Corssen, Ausspr. uns haben.
I2 S. 211. 365; 2S S. 63. Eine einzig dastehende Bildung ist das be-
Lateinisch. Deu altertümlichen Nomi- reits oben erwähnte Iovos auf der zu Praeneste
nativ Diovis bezeugt Varrol 1.5, 66 hoc idem gefundenen, jetzt im Berliner iMuseum befind-
magis ostendit amtiquius Iovis nomen; neun olim liehen Cista aus dem 6. Jahrb., welche Iup-
Diovis et Diespiter dictus id est dies pater. piter, die Rechte auf Iunos Schulter gestützt,
Gell. n. a. 5, 12, 1. 6 simili nomine Dioois 20 in der Linken den Blitz tragend, zur Darstel-
(nicht Diiovis siehe Jordan, comm. phil. in hon. lung bringt: 8 andere Gottheiten reihen sich
Momms., S. 366 ff.) dictus est. Gen. Diovis dem Paare an; s. Mon. ined. 9 Taf. 58 u. 59,
auf der dem 6. Jahrh. angehörigen Inschrift besprochen von Michaelis, ann. d. inst. 1873
Iunonc Lucinai | Diovis castud facitud. CLL. S. 221, vgl. Marx, Arch.Ztg. 43 (1885) S. 169,
1, 813 = 6, 357. Garrucci, syll. inscr. lat. aev. Eph. epigr. 1 nr. 21, Fabrttti, Suppl. 1, 474,
Born. reip. 547. F. Schneider, dial. ital. aev. C. I. L. 14, 4105b, Schneider 43. Dafs alle
V et. ex sei 1,111. Gegen Ritschl, op. 4 S. 519 ff. Namen den Göttern im Nominative beigefügt
727 ff. und Mommsen, C. I. L. 1 p. 561, die, zu sind, spricht gegen die Ansicht Iovos für einen
Diovis coniugi ergänzend, castud durch ieiunium andern Kasus als den Nominativ zu halten,
wiedergeben, siehe die richtige' Interpretation 30 Jordan, Krit. Beitr. S. 7 glaubt an ein Ver-
castud Iovis = sacrificium Iovis rel epulum bei sehen, weil kein anderes Beispiel einer latei-
Jordan, Quaestiones umbricae, ind. Itct. Begim. nischen Stammbildung auf o bei Iuppiter ge-
1882/83 p. 14. Den Dativ Diovei finden wir funden werde und aufserdem noch ein zweiter
inschriftlieh zweimal beglaubigt: a) [DJiovei Fehler Diama = Diaua vorhanden sei; an eine
(so richtig Mommsen, C I. L. 1, 638, ihm folgt Trübung von Iovis zu deuken ist gleichfalls
Schneider 105; C. I L. 6, 438 Garrucci 1125 gewagt, für den Genitiv lassen sich Analogieen
noch OIOVE1) Victore \ T. Aebufti] 31. f. beibringen (siehe oben), keine einzige aber für
III vir [restijtuit (am Quirinal gefunden). den Nominativ.
Hinsichtlich der Zeit denkt Mommsen an den Nominativ Iovis: Für Naevius, Accius,
Triumvirn T. Aebutius Carus, der a. 571 u. c. 40 Pacuvius bezeugt den Gebrauch dieses No-
Kolonieen nach Mutina und Parma führte (Li- minativs Pompeius comm. p. 187 Keil: le-
vius 39, 55,8). b) Tampiae (feminae gentis Tarn- gimus in Capro 'hie Iovis huius Iovis''. Etietm
piae, Mommsen) Diovei CLL. 1, 1435 = 5.2799 Naevius Accius Pacuvius, omnes isti utuntur
(Pataviuni', Schneider 106: Garrucci 2155 hält hoc exemplo (vgl. Exe. ex anon. gramm. b. A.
Diovei für den Genitiv. Dat. Diove auf einer Mai, auet. class. 5, 151), Priscian 1 p. SS Hertz:
Weihinschrift (6/7. Jahrb.) [M. Aimjilio M. vetustissimi nominedivum epioque Iovis profere-
f. Anfio ...{] | [praijtoris pro po[plod \ dijti baut. Caecilius und Aerius bei dems. 1 p. 229:
Diove dedefre] C I. L. 1, 188 = 6, 136, Iovis nominativo quoque casu invenitur. Cae-
Schneider 104. — Quint. 1,4,17 Diove Victore, non cilius in epistola 'nam novus quidem deus re-
Diovi victori will beweisen, dafs e für i stehen 50 pertus est Iovis'; Aerius in Fpinausimache
kann. Diovo (C. I.L. 14, 2863), das eine alte (trag. frg. 373 Bibbecl;): 'lucifera lampade
Praenestiner Bronze bietet, ist verschieden ge- dbietem exurdt Iovis'. Aerius b. Non. 325, 7,
deutet worden. Mommsen, Herrn. 19 (1884) ilico inquam [ubi] häbitat Iovis (wahrschein-
S. 455 u. Jordan, Sgmbolae ad Mstoriam reli- liehe Konjektur für handschriftlich überliefertes
gionum Italicarum alterae, ind. lat. Begim. 1885 Ovis) quam pröpitius [trag. frg. 331/2 Bibbeck).
p. 11 halten es für einen Genitiv mit abge- Ennius b. Apul. de deo Socr. 2 p. 6 Golelb
fallenem s, dessen o durch eine dem praenesti- (frg. 79 Baehrens) , vgl. Mari. Cap. 1, 42; die
nisehen Dialekt nicht ungewöhnliche Trübung Worte der schal. Bernens. ad Verg. Georg. 1,
des i (vgl. in derselben Inschrift den zweifei- 502 Aerius docet: Iuppiter Dardanus genuit,
los sicheren Genitiv nationu's)) entstanden sei. 60 Dardanus Troum hat Bibbcclc (trag. frg. 653)
DefSau, Herrn. 19 (1884) S. 453 meint, die Mög- in einen Senar gebracht: Iovis Dtirdanum pro-
lichkeit sei nicht ausgeschlossen, dafs hier ein genuit Iroum Dardanus. Varro 1. 1. 8, Ununc
Dativ des o-Stammes vorliege, und sieht in in consuetudine editer dicere pro Iovis Iuppiter
der gleichfalls praenestinischen Form Iovos kann nicht als Belegstelle gelten, da der
(siehe unten) den Nominativ dazu; indes ist Sinn des Satzes nur ist, die Analogie würde
Iovos selbst zu unsicher, als dafs sieb weitere einen Nominativ Iovis verlangen. Petron. 47.
Vermutungen darauf stützen Heften. Der Acc. 58. Hygin. fab. 31. 54 etc. (vgl. Neue a. a. 0.
Diovem findet sieh nur auf der Cosanischen S. 189 ä'.). Gell. 5, 12, 5. Apul. Metam. 4, 32
623 Iuppiter (lat. Formen: Iovis> Iuppiter (falisk. u. oskiscke Formen"! 624
Eyssenhardt '■■: quem tremit ipse Iovis. Aug. c. d. S. 481; Ioveis {c'est le nominatif faisant le
7, 14. 15. 16. Epit. Iliad. 653. Insehriftliehe fonclion de vocatif) Bre'al, Melanges d'Archeölo-
Belege: C. I. L. 3, 6443. Acta fratr. Areal. gie et d'Histoire de l'eeole etc. 1882 S. 153.
p. 124 Benzen. C I. L. 6, 371; 8, 6981. Iovis Pauli, Altital. Stud. 1 S. 7 ff. 40 beseitigt, an
Axur auf Münzen der gens Vibia [Cohen, cons. der Form Iovei für älteres Diovei an der Ab-
Taf. 41, Vib. 13. Babelon, descript. des mon- kürzung Sat für Sa(v)eturno und einem Dative
naks de Ja republ. Rom. Paris 1S85 86, 2 S. 546 deivos Anstofs nehmend, die Götternamen durch
nr. 18. Stevenson, a Dictionary of Roman coins, die Trennung io veisat deivos (= io visat <vi-
London 1889, S. 117. Iovis Conservator auf deat) dem). Schneidtr 19. Dat. Iovi inschrift-
einer Münze des Maximianus Hercules (Cohen, io lieh zum erstenmal in der lex Vicana Fur-
Med. imp. 5 nr. 71) und des Flavius Valerius fensis vom Jahre 696 u. c. 0. I. L. 1, 603
Severus [Cohen 5 nr. 13). Iovis Custos (s. d.) auf = 9, 3513, Schneider 310. Ioves Norn. plur.
Münzen des Vespasian (Cohen 1 nr. 105. 106), Plaut. Cas. v. 230 humani Ioves = freund-
desTitus (Cohen 1 nr. 44, Stevenson S. 486), des liehe Herren. Cic. nat. deor. 3, 42. Varro b.
Caracalla (Cohen 3 nr. 412), Iovis Propugnator Tertull. ad nat. 1, 10 trecenti Ioves (wegen
auf Münzen des Alexander Severus [Cohen 4 der Beinamen); ders. b.Non. 162, Ioves = Iup-
nr. 43. 265). Iovis Stator auf Münzen Gordians piterbilder Arnob. 4, 14; gen. Ioum Varro 1. I.
(Cohen 4 nr. 45 — 47. 238 — 239) und Galliens 8,74. Probus inst. art. 4, 122 Keil: numeri plu-
(Cohen 4 nr. 230 — 232). Ob Iovis auf einer ralis: h,i Ioves, horum Iovium, his Iovibus, hos
britannischen lamella (C. I. L. 7, 12S9) als 20 Ioves, o Ioves, ah his Iovibus hat von dem
Nominativ zu betrachten ist, bleibt zweifei- vorhandenen Nominative Ioves die anderen
haft. Neue S. 191 führt Iovi' als Genitiv mit Kasus nach Analogie der i-Stämme gebildet,
abgefallenem s an, /'. Ennius b. Apul. de mag. Iovispater (Gell. 5, 12, 5) war in der Sprache
c. 39, indes ist Iovis zu schreiben (frg. 529 nicht vorhanden, sondern ist nur eine etymo-
Baehrens). Iobis im Curiosum itrbis regionum logische Deutung des ßellius. Darnach sind
XIV reg. 4. 7. 10. 11 (Jordan, Top. 2 S. 546. die unten angeführten S.iturnier von Bitschi
550. 557. 558), deo Iobi prestabili (C. I. L. und Baehrens zu beurteilen. Das älteste Beispiel
9, 149S) sind auf die fehlerhafte Ortho- in der Litteratur für Iuppiter findet sich in der
graphie der späteren Kaiserzeit zurückzu- Andromache des Naevius b. Kon. p. 124 quam
lühren. Dativ Iovei hat ein etruskischer 30 quondam fülmine icit Iuppiter u. ibid. p. 110
Spiegel mit lateinischer Inschrift (älter als suo sönitu claro fulgorivit Iuppiter (trag. frg.
das Jahr 536 u. c.) C. I. L. 1, 56 = 14, 4097. 11. 13 Bibbeck). Die Inschrift auf der Tabula
Schneider 52, andere Litteratur in der aus- des Quinctius a. 374 u. c. (Liv. 6, 29, 9) ' Iuppiter
iührlichen Besprechung des Spiegels Bd. 1 Sp. atque divi omnes hoc dederunt, ut T. Quinctius
2259, 60. — Lanzi, saggio di liugua Etrusca 2 dietator oppida novem caperef und die Naeh-
S. 198 schöpfte wegen dieses neben den Norm- rieht bei Fest. p. 363 Hrientem tertium pondo
nativen Iuno und Hercele schwer verstand- coronam auream dedisse se Iovi donum scripsit
liehen Datives Verdacht gegen die Echtheit T. Quinctius dietator cum post novem [dies
der Inschrift. Jahn, Ficoron. Cista S. 58 er- totidem] urbes et decumam Praenette cepisset'
klärt, die Zeichnung des Namens auf der Basis iu vereinigt Baehrens (nach dem Vorgang von
habe Veranlassung gegeben, die Inschrift als Eitschl, op. 4 S. 204) zu einem Weihgedicht in
Weihinschrift an Iuppiter zu betrachten. Sichere saturnischem Versmafs und läfst es mit den
Dative geben die Inschriften Iovei Leibero S. 'Worten Iovis pater (Bilschl a. a. 0. Diovis-
(Jordan, Analeeta epigrapihica latina, ind. Itct. piter) beginnen (ad Quinctii tabulam p. 34">
Begim. 18S6/87 p. 3), Iovei sacrum (auf einem vgl. oben. Den obliquen Kasus der zu-
Altar im Capuaner Gebiet aus dem 7. Jahrb. sammengesetzten Form Iuppiter begegnen wir
CLL. 1,574 = 10,3785. Schneide!' 303), Iovei nur in den Büchern der Grammatiker: Varro
Capitolino (CLL. 1, 589 = 6, 372 von Momm- 1,1. 8, 33 Iuppitri; Pomp. comm. 5 p. 172
sen c. a. 673 gesetzt; Schneider 337), Iovei in Keil: nam 'hie Iuppiter, huius Lippitris''
der lex Spoletina (Bormann, bullet, d. inst. 1879 so invenimus in antiquis declinatum et cribro
S. 67. Jordan, quaestiones umbricae, ind. lect. invenimus sed hoc hodie abolevit. p. 187 apud
Begim, 1882/3 p. 16ff.), in derselben Inschrift antiquos libros invenimus plenas declinationes
4 Zeilen vorher der Dat. Iove; Iove iutori auf 'hie Iuppiter, huius Iuppitris, huic Iuppitri'.
einem Dachziegel mit Reliefs zu Urbisaglia Priscian 1 p. 229 Hertz: Sic etiam Iuppiter,
(Bullet, d. ind. 1861 S. 86; 1879 S. 44. CLL. Iupiteris et Iuppitris, ut Caesellio Vindici placet,
9, 5531). Der Anfang der Duennosinschrift debuit declinari. Tertull. ad nat. 1, 10 luppi-
Iove sat deivos hat sehr verschiedenartige Inter- tercs; apol. 14 Iuppitros.
pretation erfahren. Iove Dat. lesen Dressel, Faliscisch. Iovei auf der Erztafel aus
ann. d. inst. 52 S. 158fl'., Taf. 50; Bücheier, Bit. S. Maria di Fallen. Zvetajeff , Lnscr. Ltal.
Mus. 36 (1881) S. 235ff.; Bing, Altlat. Stud. so med. dialect. 70". inscr. Ital inf. dialect. 72b.
S. 2; nach ihnen ist der Strich hinter Iove ein C. I. L. 11, 3078. Schneider 30. Leecke, Die
diakritisches Zeichen. Iovei Dat. Jordan, bullet. Faliscer nr. 62 b.
d, inst. 1881 S. S4; Hermes 16 (1881) S. 225; Oskisch. Den Dativ diovei bietet vier-
cindiciae sermonis laiini antiquissimi, ind. lect. mal die Tafel von Agnone. Mommsen, Die
Begim. 1882 p. 5; observationes Bomanae sub- unteritalischen Dialekte S. 12S Taf. 7. Huschke,
sieivae, ind. lect. Begim. 1883/4 p. 9; lovem Die sabellisch-oshischen Sprachdenkmäler S. 210.
Acc. mit abgefallenem m in lokaler Kraft, gleich Fabretti 2875. Zvetajeff, Süll, inscr. Usc. nr. 9
späterem ad lovem OstJwff, Bh. Mus. a. a, 0. Taf. 2, II ID nr. 86 A 11. 12. B 14. 15. Grie-
625 Iuppiter (marxuc, mars., pic, umbr. F.) Iuppiter (b. d. Etruskern: Tinia") 626
chische Buchstaben zeigt eine zu Vibo in Brut- fassen. Bedenken erregt nur das i in Iuvip,
tium gefundene Weihinschrift JlovJ-bi J-sqooqzi da die andern 8 Dative sämtlich e zeigen.
zavQofi. Mommsen a. a. 0. Taf. 12, 57. Huschke Etruskisch. Nom. tinia Gerhard, Etrus-
a. a. 0. S. 213. Fabretti 3034. Zvetajeff SIO cischeSpie(jel(fQrtges.Y.Klügmannu.Ed'rte)nv.li
nr. 146 Taf. 18, 11, IIID nr. 238 (vgl. sivai auf (vgl.3S.75); nr.75(3S.77); nr.82(3S. 85); nr.181
der tyrrhenisehen Inschrift von Lemnos. Deecke, (3 S. 174) ; nr.284, 1 u.2 (4 S. 12); nr.396(5 S. 44)
Eh. Mus. 41 (1886) S. 460. — Pauli, Eine vor- = Fdbretti 2471.2139.2470. 2500. 2478. 2471 bis.
griechische Inschrift von Lemnos S. 34 bringt 2477. Gerhard nr. 282 (4 S. 10); nr. 346(4S,91).
es mit zivas (Fabretti 2335) in Verbindung). Fabretti, Suppl. 1 nr. 395; Suppl. 3 nr. 394 =
Gen. Ioveis Lofreis, Unterschrift eines ehernen 10 mon. ined. vol. 9 tav. 56 nr. 3 = Etr. Sp. 5 t. 6.
Iuppiterkopfes aus dem Frentanergebiet (a. 15 Gamumni, appendice nr. 832 = Etr.Sp. 5 t. 1 ;
p. C.) Mommsen S. 170 Taf. 7, 2. Huschke S. 142. bullet, d. inst. 1880 S. 134; Etr. Sp. 5 t. 59. 98.
Fabretti 2844. Zvetajeff SIO nr. 3 Taf. 1, 2, Nom. tina ist nur einmal bezeugt auf dem
III D nr. 82. Gen. Ioveis Meeleläieis auf einer Spiegel von Arezzo (Minervengeburt): Gerhard
pompejanischen Steininschrift HuschJce S. 180. nr. 66 (3 S. 67) = Fabretti 459. Für den Genitiv
Fabretti 2785. Zvetajeff' SIO nr. 62 Taf. 10 u. sind verschiedene Formen überliefert: tinas
10a, IIID nr. 142. Dat. Iavei Flagiui zwei- auf der Graffitoinschrift einer Thonschale von
mal auf einer campanischen Inschrift Fabretti, Corneto: itun turuce venela telinas tinas cli-
Suppl. 3 nr. 418; Eph.ep. 2 p. 162 nr. 13. Zve- nii aras. Fabretti, Suppl. 3 nr. 356 Taf. 11
tajeff SIO nr. 34 Taf. 6, 2 a u. b, IIID nr. 112. 20 (vgl. S. 131) macht tinas von aras abhängig
Marrucinisch. Gen. Ioves patres auf der und übersetzt ara di Girjve; ihm schliefst sich
Erztafel von Rapino (in lateinischem Alphabet Pauli an {Etr. Stud. 3 S. 79). — Corssen, Spr. d.
mit wenig eigenen Formen, Dialekt sabellisch) Etr. 2 S. 627 hält tinas für den Nominativ
Mommsen S. 336ff., 14. HuschJce S. 247. Fabretti eines männlichen Vornamens, während Deecke,
2741. Zvetajeff II MDnv.6Ta,i.2,2, IIIDnr.S,ö. Etr. Forschg. 3 S. 336 einen Beinamen, wahr-
Marsisch. Dat. Iove giebt die Inschrift scheinlich verwandt mit dem Familiennamen
CDIMI | IOV1I | SACFJ | COSTD | FURT. tinstini, Gen. tin(i)s {Fabretti 1341— 55), darin
Mommsen C. I. L. 1 ad n. 1170. Fabretti erkennen will, vgl. jedoch Heft 4 S. 87 'cli-
2742 ter, Zvetajeff' II MB nr. 40 Taf. 6, 5. niiaras Gen. Beiuame Iuppiters (?)'. —Die In-
Sehneider 42 und auf dem Steinfragment im so schrift einer ehemals im Museo Burgia zu
marruvischen Gebiet der Marser PII VII s Velitrae befindlichen Erztafel (Fabretti 2610
0 TO I ^ | IOVII. I m OVI IIS TVCLI Notiz. Taf. 44) hat Pauli, Etr. Stud. 3 S. 85 in fol-
degli scavi 1878 S. 254; 1881 S. 194. C. I. L. 9, gender Weise wiederhergestellt: mi tinas Jcaril
p. 349. 681. Zvetajeff' IIMD nr. 38 Taf. 6, 7. 8. siansl = hoc Iovi .. monumentum (tinas ist
Schneider 40. [lue = luve: Eph. epigr. 8 p. 43 Genitiv, da nach etruskischem Sprachgebrauch
nr. 174. Hälsen, M. d. Rö. I. 1890 p. 297. Ihm.] die Gottheit, der etwas geweiht wird, im Ge-
Pieenisch. Dat. iuve auf einer Bronze- nitiv steht). Deecke, Etr. Forschg. b (= Deecke-
statue (gefunden in Staffolo bei Osimo (Auxi- Pauli, Etr. Forschg. u. Stud. 2) S. 48 stimmt
mim) im nördlichen Pieenuru): Mommsen S. 362. ihm bei mit der Übersetzung hoc Iovi.. con-
Huschke S. 242 nr. 4. Aufrtcht-Kirchhoff", Die io cilium. Die Vermutung Paulis, Etr. Stud. 1
umbrischen Sprachdenkmäler 2 S. 400. Bergk, S. 105 lar&. lautni tinas Larth der Sklave
Ztschr. f. Altertumsw. 1856 nr. 18. Fabretti 2680. (jetzt 'Freigelassner') des Tina für lar&. lautni
Deecke, Rh. Mus. 41 (1886) S. 194. ;3«'»as hat wenig Wahrscheinliches. Synkopierter
Umbrisch. Die iguvinischen Taf. bieten Gen. Uns: a) in der Maglianoinschrift (zuerst
eine Anzahl von Formen. Dat. iuve krapuvi Taf. veröffentlicht von E. Tesa, Rivista di Filologia
lk^: Bücheier, ^m&riea S.l (vgl. d. Text noch b. 10 S. 530-34; Deecke, Rh. Mus. 39 (1884)
Aufrecht-Kirchhoff a. a. 0. S. 4 ff. Huschke, Die S. 141; ders., Etr. Forschg. 7, Vorwort S. 6;
iguv'schen Tafeln S. 17—40. Fabretti, C.I.It. ders.. Die etruskische Bleiplatte von Magliano,
p.XII — XVIII. Bre'al,tables Eugubines p. XXXIV Buchsweiler Gymnasi alprogr . 1885 S. 31 ; Bugge ,
— LXVII);vgl.lMceGr)-a6ocej'Taf.6A,22(inlatei- öo Etr. Forschg. u. Stud. 4 S. 113, vgl. die ge-
nischer Schrift) : Bücheier S. 13 ; luve patre (ge- wichtigen Bedenken Paulis gegen die Inter-
trenntgeschrieben)Taf.2B, 7 BüchelerS.l ;Iuve- pretation der letztgenannten Altital. Stud. 3
patre (in einem Wort) Taf. 2 A, 5; 2 B, 17 22. S. 104ff). — b) auf dem templum vonPiaeenza
26; 3, 22. Bücheier S. 4. 7. Vok. lupater Taf. reg. I1: Deecke, Etr. Frschg. 4 Taf. 1, dazu
■2 B, 24. Bücheier S. 7; ahtu Iuvip. Taf. 2 A, S. 2 8 ff. — Zu tin abgekürzt findet sich der Ge-
10. Huschke S. 10. 355. Bücheier S. 7. 126; nitiv ebendaselbst reg. 15 u. 16 (reg. 151 ti viel-
ahtu luvie Aufrecht-Kirchhoff S. 7; 2 S. 381. leicht eine weitere Abkürzung?). Ein Genitiv
Bre'al S.LXII. 277; die letzteren lesen Iuvie, weil von Tinia ist wohl gleichfalls zu sehen in,
sie p für ein unvollendetes e halten; gemeint Tins (Gamurrini, app. 88) und in tintcvü (Weih-
sei eine Gottheit, die in den Kreis der jovia- 60 geschenk für Iuppiter. Deecke, Etr. Forschg.
lischen gehöre. Wenn man mit Huschke und 4 S. 29; vgl. Pauli, Etr. Stud. 3 S. 114; Alt-
Bücheler Iuvip im Texte stehen läfst, so kann üal. Stud. 3 S. 49). Corssen a. a. 0. 2 S. 8. 16
es nur als abgekürzter Dativ gelten für luvi- übersetzt tinscvil durch opus caelatum (Werk
patre, das wollen auch die erklärenden Worte des Bronzeschlägers); doch erscheint obige
Büchelers zu Z. 10 S. 126 besagen, 'supra Iovi Auffassung gesichert durch die zu Orvieto ge-
patri bove, hoc loco actui Iovi patri ove fit'; fundene Inschrift 'tinia tinscviV (bullet, d. inst.
dann ist auch Marti in der korrespondierenden 1880 S. 134); vgl. noch Deecke, Etr. Forschg. 5
Vorschrift (2 A , 11) als Dativ von Mars zu (== Deecke-Pauli, Etr. Forschg. u. Stud. 2)
627 Iuppiter (Diespiter, Tina, Tinia) Inppiter (= Tina, Tinia) 628
S. 49 und Bugge in Bezzenb. Beitr. 11 (1886) kannt. Abgesehen nämlich davon, dafs die
S. 19. Mit der etruskischen Benennung Iup- Bildung des Patronymikons Tinia in der etrus-
piters Tinia bringt Whiiley Stokes, The in- kischen Sprache ohne Beispiel dastehen würde
seription of Völtino in Bezzenb. Beitr. 11 (1886) (die Analogie des lateinischen Iovis-Veiovis ist
S. 118 TINV auf einer am Gardasee gefunde- in jeder Weise unzutreffend), so sind jugend-
nen Inschrift in Verbindung. liehe Darstellungen Iuppiters, die Ähnlichkeit
Diespiter. Das Alter dieser Bildung be- mit denen des Bacchus oder Apollo haben,
zeugt Varro l. I. 5, 66: nam olim (Iuppiter) durchaus nicht ungewöhnlich (siehe Iovis Axur
Diovis et Diespiter dictus; Priscian 1 p. 229 auf Münzen der gens Vibia, Babelon, monn.
Hertz: Diespiter . . . apud anti quissimos inveni- io de la republ. Rom. 2 p. 546 nr. 18 = Cohen,
imts. Noru. Dicsptr auf eiuem praenestinischen Cons. T. 41 Vib. 13. Gerhard, Etr. Sp. Tat".
Spiegel des 5. oder 6. Jahrb.. mon. ined. vol. 6 74. 81,2. 281), es ist ferner auf einer Anzahl
Taf. 54, besprochen von Garrucci, ann. d. inst. von Spiegeln und Trinkgefäfsen, sowie auf der
1861 S. 151 ff. Ritschi, enarr. tabul. p. 98; op. 4 Bronzeleber von Piacenza der etruskische Name
p. 730. C. I. L. 1, 1500 p. 553 = 14, 4106. für Bacchus (Dionysos, Liber) nämlich fuflun(u)s
Schneider 46. — Jordan, Krit. Beitr. S. 6 erklärt gefunden worden (vgl. Deecke oben s. v. Fu-
die nichtlateinische Orthographie durch Ein- ftuns). Am wenigsten aber stimmen obige Er-
flufs praenestinischer Schreibweise. Diespiter klärungen zu der inschriftlichen Verwendung
b. Fest. s. v. lapidem p. 115. Casus obliqui: Prise. der Namen Tina und Tinia; ersterer existiert
a. a. 0. 'Diespiter'' ' Diespiteris' et 'Diespitris' 20 überhaupt nur einmal (Gerhard, Etr. Sp. nr. 66
npud antiquissimos invenimus. Varro 1.1. 9, = Fabretti 459), und Tinia wird für den seepter-
75. 77 Diespitri , Diespitrem (er erkennt an, tragenden Herrscher sowohl wie für deu epheu-
dafs diese Formen weniger üblich seien wie bekränzten Jüngling ohne Unterschied ge-
Diespitcr). Macrob. Sat. 1, 15, 14 Romani Dies- braucht. Nur soviel kann zugegeben werden,
pitrem appellant. Arnob. 2, 70. G. I. L. 11, dafs bei der Flüssigkeit der italischen Gottes-
3269 Diespitris. Vorstellungen gewisse Seiten des Bacchus wie
Wenn Deecke, Eh. Mus. 42 (1887) S. 227 ff. auch des Sol und Apollo Aufnahme in den
zespa auf einem Steinfragment von Colonne bei Begriff des etruskischen Tinia gefunden haben.
Ugento mit Recht zu Zespa(tras) ergänzt, so Das Wesen desselben klar erkannt und inner-
liegt hier der Genitiv einer messapischen Bil- 30 halb des theologischen Systems ihm seine
düng vor. Stellung gegenüber den andern Göttern nach
Etrusker. Gerhard, Über die Gottheiten Möglichkeit abgegrenzt zu haben, ist das un-
der Etrusker. Abhdlg. der Berl. Al\ 1845 bestrittene Verdienst Gerhards und namentlich
S. 517 = Ges. akad. Abhdlg. 1 S. 285. Ders., Otfried Müllers. Noch einmal wurden die ge-
JJber etruskische Götternamen. Ztsehr. f. Alter- sicherten Resultate durch Corssen in Frage
tumsios. 1847 S. 673. Müller, Die Etrusker gestellt; vom sprachvergleichenden Standpunkt
ed. Deecke 22 S. 42. 134. 155. 169. 252. Kocl ausgehend, leugnete er die Gleichheit von Iup-
des Vergers , VEtrurie et les Etrusques 1 S. 176. piter und Tina und identificierte den letzteren
285 ff. mit Ianus (Spr. d. Etr. 2 S. 57), wobei er fol-
Es hat langer Zeit und vieler Kontroversen 40 gende Entwickelungsweise der Form annahm :
bedurft, ehe die Ansicht, dafs der etruskische Divanus, Dianus, Dienus, Dinus (2 S. 243 u. 319)
Tinia (Tina) mit dem italischen Inppiter zu mit Übergang des d in t und Abfall von s
identificieren sei, allgemeine Geltung erlangte. i2 S. 396) tina. Nachdem sich gegen solches
Erschwert waren die Untersuchungen über das Etymologisieren, das auf die lautgesetzliche
Wesen dieses Gottes einmal durch die verschie- Entwickelung und die mit einer einzigen Aus-
denen Namensformen Tina und Tinia, sodann nähme gebrauchte Bildung Tinia so wenig
durch die stark von einander abweichenden Rücksicht nimmt, Deeike bereits in der Kritik
Darstellungen (er erscheint bald als bärtiger des Corssenschen Werkes iS. 36) gewendet hatte,
Mann mit Scepter und Blitz, bald ohne Bart erklärte er sich in der Neuausgabe von Mül-
als Jüngling mit Epheu- oder Lorbeerkranz. 50 lers Etruskern mit den Ausführungen dieses
Nicht minder hinderlich für eine richtige Auf- Gelehrten, der Ianus allein im etruskischen
fassung war das geringfügige Material und der ani erkannte, (vgl. die Namen auf dem templum
Mangel an festen Prinzipien in der Behand- von Piacenza bei Dee cke , Etr. Forschg. 4 Taf. 1
lung der sprachlichen Form. Jene differieren- reg. 1 , dazu S. 24ff. und Darstellungen auf
den Punkte suchten Schwende, Myth. d. Rom. Münzen Deecke a. a. 0. 2 ser. 9 S. 3lff.; nr. 60
S. 455 und Rückert, Troia S. 113 in der Weise S. 43), durchaus einverstanden, und die weite-
zu vereinigen, dafs sie Tina dem Iuppiter ren Forschungen haben diese Meinung nur be-
gleichsetzten und hieraus durch Erweiterung stätigt; die bedeutendsten neueren Etrusko-
das Deminutivum Tinia mit der Bedeutung logen stehen hierin auf seiner Seite. In der
Sohn des Tina entstehen liefsen, einen Gott, der 60 schon erwähnten Interpretation der Magliano-
seinem Wesen nach volle Übereinstimmung mit inschrift (Biiehsweiler Progr. 1885 S. 31; gegen
Dionysos zeige. Vgl Lanzi, Saggio di lingua diese sowie Bugges [Deecke, Etr. Forschg. u.
Etrusca 2 S. 202. Hierzu schien die Stelle b. Stud. 4 S. 7911'.] Interpretation Pauli , Altital.
Paul. p. 365 'tinia = vasa vinaria'' und das Stud. 3 S. 104ff.) führt Deecke Tin(i)a auf alt-
Bild des bacchusähnlichen bartlosen Tinia treff- italisches deivino (vgl. osk. deivin. Fabretti,
lieh zu passen; allein die viel gewichtigeren Sitppl. 1 nr. 496) *teivinu — *tinu zurück und
Gründe, die gegen solche Deutung sprachen, vergleicht altlateinisches deivinus — deinus —
wurden übersehen oder waren noch nicht be- dinus i,siehe auch Jordan, Herrn. 16 (1881) S. 246
629 Iuppiter (Tina, Tinia) Iuppiter (Tina, Tinia) 630
und guaestiones Urnbricae, ind. lecl.XLegim. 1882/3 Vogelfluges, erstere nach Süden, letztere nach
p. 19). — Bugge (Bexzenbergers Beitr. 11 (1886) Osten orientiert). Die Etrusker hatten eine
S. 19) erklärt Tinia entweder als Weiterbildung augurale Einteilung in 16 Bezirke (Plin. n.h.
vom Stamme div mit Suffix nia, na oder vom 2, 143. Serv. ad Aen. 8, 427. Mart. Cap. 1,
Acc. tin = gr. Jia, kret. Jrjv (Curt., Etym.b 45 — 61; vgl. Acro ad Hör. c. 1, 12, 18). Die litte-
S. 620). Wie in Ianus der Himmel als Bogen, rarischen Nachrichten (die Angaben Martiam
Gewölbesich verkörpert (ianus gewölbter Durch- von Nissen a. a. 0. S. 184 ff', [vgl. Wissowa,
gang, s. jedoch ob. Sp. 49\ so ist Iuppiter die Hermes 22 [1887] S. 55] auf Rom bezogen,
Personifikation des Himmels als der Quelle des von Schmeißer a. a. 0. als späte Erfindung ver-
Lichtes, der strahlenden Helle; darum war die 10 worfen, von Müller für einen Rest echt etrus-
Mitte des Monats, das volle Licht ihm heilig; kischer Lehre aus den Fulguralbüchern erklärt)
für lat. Idus gebrauchten die Tusker itus (Varr. haben eine interessante Bestätigung erhalten
l. I. 6, 59) oder üis (Macrob. Sat. 1, 15, 14); durch den Fund der bekannten als templum
die Erklärung des letzteren, es bedeute Iovis eingerichteten Bronzeleber von Piacenza (Fund-
fiducin, weil an diesem Tage Iuppiter bei Tag bericht von G. A. Tononi (lo Spcttatore , Oa-
und Nacht Licht spende, ist natürlich nicht setta di Lombardia. Milano 1879, 8 — 9 Gennaio,
richtig (Corssen, Ausspr. 1" S. 683 führt idus Annoönr. 651), zuerst veröffentlicht von V. Poggi
alt eidus auf die indogermanische Wurzel 'id' (Atti e Memorie delle deputasiwii di storia pa-
breunen, leuchten zurück, vgl. Vanicek, Lat. tria delV Emilia. Nuove Serie vol. 4, Modena,
Etym. p. 23 Bücheier, Uli. Mus. 34 (1889) 20 Vincenzi 1878), ausführlich besprochen von
S. 327 ff.), läfst aber doch zur Genüge er- Deecke, Etr. Forschg. 4, beigefügt sind 5 Ta-
kennen, dafs jener Tag, die Zeit des Voll- fein mit Abbildungen, einzelne Bemerkungen
mondes, dem Iuppiter geheiligt war. Dafs auch bei Bing, Altlatein. Stnd. S. 122 ff, s. Sp. 626, 48).
die Römer, die ihren Kalender wahrscheinlich Die Bronze stammt nach Deecke a. a. 0. S 22
von den Etruskern entlehnten, die Idus dem wegen der abgerundeten Buchstabenformen und
Iuppiter geweiht hatten (siehe unten), recht- der entwickelten Mythologie aus den letzten
fertigt jene Vermutung. Das Wesen des Licht- Jahren der Republik oder dem Beginne der
gottes offenbart er am reinsten im Schleudern Kaiserzeit. Die Übereinstimmung ihrer An-
der flammenden Blitze; treten ohnehin in Ita- gaben mit dem ausführlichen Bericht bei Mar-
lien die Gewitter weit heftiger und stärker 30 tiau unterstützt die Ansicht Müllers, dafs wir
auf als bei uns (Nissen, Italische Landeskunde hier ein Stück der in den libri fulgurales (Cic.
1 S. 392), so ist gerade Etrurien besonders reich de div. 1, 72. Serv. ad Aen. 1, 42. Plin. n. h.
an außerordentlichen Erscheinungen des Hirn- 2, 138) niedergelegten echt etruskischen Lehre
rnels; nirgends wurde der Beobachtung der von der Einteilung des Himmelsgewölbes vor
Blitze eine so abergläubische Sorgfalt gewidmet uns haben, wenn auch zugegeben werden mufs,
als in jenem Lande. Die Deutung, Beschwörung dafs die ursprüngliche Reinheit derselben, auf
und Sühne der Blitze bildet einen äufserst der Bronze bereits getrübt, bis zu den Zeiten
wichtigen Teil der von Varro als recondita et Martians noch weitere Entstellungen erfahren
abstrusa bezeichneten Disziplin der Etrusker. hat. Widerlegt wird durch den Fund die
Der Blitz ist gewissermafsen die Sprache lup- 40 Meinung Nissens, dafs die Bezirke gleich grofs
piters, in der er seinen unabänderlichen Willen seien und radienförmig bis zum Mittelpunkte
verkündigt, und in der Kunst sein ständiges liefen. Iuppiter spielt in der ars fulguritorum
Attribut; er mahnt und warnt damit, billigt die Hauptrolle, er ist der mächtigste und gc-
oder tadelt, gewährt oder versagt. Die Aufgabe fürchtetste unter den Insassen der 16 Regionen,
der Fulguratoren war es, nach gewissen Ge- Zwar ist der Gebrauch des Blitzes nicht wie
sichtspunkten (Farbe, Wirkung, Himmelsrich- beim griechischen Zeus sein ausschließliches
tung [woher, wohin?], Jahreszeit) die Blitze zu Recht (Plin. n. h. 2, 238 spricht von 9 blitz-
prüfen und zu deuten und sie nach dem zu schleudernden Gottheiten, aufser Iuppiter sind
erwartenden Erfolge in bestimmte Klassen ein- noch bekannt Iuuo, Minerva, Veiovis, Summanus,
zureihen; zu ihren weiteren Obliegenheiten ge- 50 Vulcanus, Saturnus, Mars; vgl. Müller 2-S. 86;
hörte die Sühnung derselben, das Abhalten Manilius bei Amob. 3, 38 novensiles putat .. .
oder Herabziehen (vgl. darüber Müller, Etr. deos novem Manilius, quibus svlis Iuppiter
2 s S. 166ff.); Weissagung aus dem Donner potestatem iaciendi sui permiscrit fulminis
allein (Lyd. de ost. c. 27. 39) ist spätere zeigt die griechische Auffassung), aber seine
Fälschung (Müller a. a. 0. 22 S. 177). bevorzugte Stellung gegenüber den anderen
Die Hauptbedingung für die Beobachtung Göttern tritt in mehrfacher Beziehung hervor,
der himmlischen Zeichen wardieEinrichtungdes Zunächst war er nicht beschränkt auf einzelne
templum (grundlegende Arbeit Nissen, Das Begionen, seine Wohnung lief durch alle Be-
templum 1869, abweichende Ansichten Deeckcs, zirke (Mart. 1, 47 in seeundo ibidem mansi-
der templum als gemeinsames Besitztum der 60 tabant praeter domum Iovis, quae ibi cjuoque
italischen Stämme mit dem ursprünglichen Be- sublimis est, ut est in Omnibus), aus allen
griff der Begrenzung nicht anerkennt und mit Teilen des Himmels schlendert er die Blitze
0. Muller an der Orientierung nach Süden fest- (Serv. ad Aen. 8, 427 fulmina Iuppiter iacit
hält in Müllers Etruskern 22 S. 130ft'; T. Be- toto caelo, hoc est de diversis partibus caeli sci-
gell, Jahrb. f. Pliilol. u. Pädag. 123 [1881] licet sedeeim). aufserdem waren ihm im Norden
S. 593 ff. unterscheidet zwischen den für 3 Hauptsitze eingeräumt nach der Bronzeleber,
Blitzschau bestimmten templa in caelo und der wir als der altern und bessern Quelle
den templa in terra zur Beobachtung des folgen, nr. 15. 16. 1 (Deecke, Etr. Forschg. i
631 Iuppiter (,= Tina, Tinia"! Iuppiter (Tina, Tinia) 632
Tf. 1 reg. 15. 16. 1). Martian a. a. 0. und auf die Produkte der Erde. Von der Verehrung
Acro ad Hör. c. 1, 12, 18 geben reg. 1. 2. 3. eines das Wachstum der Pflanzen, speziell des
Die Blitze Iuppiters waren durch besondere Weines, fördernden Gottes giebt uns vielleicht
Farbe gekennzeichnet (Acro ad Hör. c. 1, 2, 2 die Nachricht des Plinius («. 7). 14, 2) von
nennt sie rubeae et sanguineae, die andern dem alten aus einer Weinrebe geschnitzten
albae et nigrae). Während ferner die übrigen Holzbilde Iuppiters zu Populonia eine dürftige
Götter nur eine Art von Blitzen entsenden Kunde (vgl. die dionysischen Darstellungen auf
konnten, standen dem Iuppiter 3 manubiae etruskischen Spiegeln und das Fest der Vinalia
(dies der termimis der Fulguratoren) zur Ver- zu Rom). Es war natürlich, dafs man in dem
lügung (Sen. q. n. 2, 41 tres Uli (Ion') manu- 10 höchsten und mächtigsten der in der Natur
bias dant; Hauptstelle: Plin. n. h. 2, 138 Tu- waltenden Götter (vgl. Sen. q. n. 2, 45 idem
scorum literae novem deos emittere fulmina exi- [Iovem esse rectorem custodemque universij
stimant eaque esse undecim generum, Iovem Etruscis quoque Visum est et ideo fulmina a
enim trina iaculari; vgl. Sero, ad Aen. 1, 42, Iore mitti dixerunt, quia sine illo nil geritur)
wo wahrscheinlich mit Müller [2S S. 86] nicht auch den obersten Leiter der menschlichen
XII sondern XI genera fulminum zu schreiben Geschicke, insbesondere den Lenker aller staat-
ist. Fest. p. 129 s.v. Manubiae. Mart. 9, 896). liehen Ordnung erkannte, und diese abstrakt
Über die Verwendung der dreierlei Blitze (vgl. politische Auffassung hat sich bei den Tuskern
Schmeifser , comment. in hon. Beifferscheidii in sehr früher Zeit entwickelt. Für jede Stadt,
p. 29 sq.) hat uns Sen. q. n. 2, 40. 41, der aus 20 die als solche gelten wollte, war der Bau eines
dem Werke de Etrusca diseiplina des Vola- Iuppitertempels unerläfsliche Bedingung (Sen.
terraners Caecina, eines Zeitgenossen von Cicero, ad Aen. 1, 422 quoniam prudentes Etruscae
schöpft, ein schätzbares Fragment erhalten; diseiplinae ahmt apud conditores Etruscarum
darnach entsendet Iuppiter die ersten ohne urbium non putatos iustas wbes fuisse, in qui-
fremden Beirat, sie gehören dem genus subtile bus non tres portae essent dedicatae et votivae
et Üammcum an, schädigen nicht, sondern ü tot templa Iovis, Iunonis, Minervae). In
dienen nur zur Erinnerung. Die zweite Art allen Städten Etruriens also krönte den Burg-
(genus, quod dissipat conglobatum est et habet hügel (s. Yitr. 1, 7, 1 u. vgl. 4, 8, 7) ein Tempel
admixtam vim Spiritus coacti ac procellosi, Iuppiters mit seinen ovvvaoi der Iuno zur
rumpit non perforat) bringt zuweilen noch 30 Linken, der Minerva zur Rechten, die Giebel-
etwas Gutes, doch nicht ohne Schaden zuzu- leider waren tuscanico more geschmückt mit
fügen. Iuppiter darf sie nur entsenden, nach- Statuen aus Erz und Thon (Vitr. 8, 3, 5) ; von hier
dem er mit den 12 dii consentes (auch com- aus drang unter den Tarquiniern der Kult der
plices genannt) sich beraten hat (vgl. aul'ser capitolinischen Trias nach Rom und eroberte
Sen. a. a. 0. noch Fest. s. v. manubiae p. 129 dann die ganze Welt. Die Interpretation von
' consilio deorum' und Aug. c. d. 4, 23), sie Kidifeldt, de cnpitoliis imperii Romani, Berlin
beziehen sich auf minder wichtige Angelegen- 1883 p. 80: (Serviles) nil aliud affirmat nisi
heiten. Die dritte Art (igneum magis quam tribus summis deis templa aedificata esse unum
flammeum) war die furchtbarste, sie zündeten loci, unum Iunoni, unum Minervae ist nicht
und entstellten auf jede Weise; ehe Iuppiter 40 notwendig. Mit Recht hat er allerdings darauf
die verheerende Änderung eines Znstandes ver- hingewiesen (p. 82), dafs die Verehrung der
kündete, befragte er die namenlosen geheim- Göttertrias aus Griechenland stammt, aber
nisvollen Wesen, die Seneca a. a. 0. als dii daraus, dafs die Dreizahl nicht tuskischen Ur-
superiores et involuti bezeichnet (bei Arnvb. 3, sprungs ist, folgt noch nicht, dafs sie in
40 scheint eine Verwechselung der dii consentes Etrurien überhaupt nicht vorhanden war;
et involuti vorzuliegen, auch sind etruskische denn eher als in Rom hat sich bei den
und römische Vorstellungen nicht unterschie- Etruskern der griechische Einflufs geltend ge-
den). Als regenspendender Gott wurde Iuppiter macht, die ja im 6. vorchristlichen Jahr-
beim aquaelicium (s. das Wort bei Fest. p. 2) hundert, über Latium hinaus nach Campanien
angerufen und seine Gnade mit Opfern erfleht so vordringend, direkte Nachbarn der hellenischen
(Tcrtull. apol. c. 40) Dafs der Brauch, durch Städte wurden und vorher schon durch ihre
das 'verrere manales lapides' an den Grenz- Handelsinteressen in mannigfache Berührung
rainen Regen herbeizuzaubern zur etruskischen zu ihnen getreten waren. Die eminent poli-
Disziplin gehörte, bezeugt Labeo bei Fulgeu- tische Bedeutung als Vertreter der Staats-
tius exp. serm. antig. s. v. manales p. 388 G. idee und höchstes Oberhaupt des Staates
Labeo qui disciplitias Etruscas Tagetis et JBa- gewann der capitolinische Iuppiter freilich
eidis, quintlcciin voluminibus explanaoit ita ait: erst bei den Römern. Über die Einzelheiten
fibrae iecoris sandaracei coloris dum fuerint der Verehrung in Etrurien selbst fehlen uns
manales tunc verrere opus est j)etras etc., (über zwar ausführliche Angaben der Alten, indessen
Tages s. unten). Jedoch vgl. Lei seh, Fulgen- tio sei hier auf den Abschnitt über den capitoli-
tius de abstrusis sermonibus (1844) p. 30 ff. nischen Iuppiterkult verwiesen, der, wenn auch
Auch zu Rom, wo der lapis manalis beim fremde Religionen nicht ohne Einflufs auf ihn
Tempel des Mars vor der Porta Capena lag geblieben sind, doch in seinen Hauptzügen die
(Fest. s. v. Manalem p. 128, Xo>i. s. v. trulleum charakteristischen Merkmale seiner Heimat
p. 547), wurde die Feierlichkeit durch tuskische treu bewahrte und manchen interessanten Rück-
aquilices vorgenommen ( Vurro b Non.s.v.aqui- blick gestattet. Die Beschreibung eines toska-
le.e p. 69), vgl. darüber Malier 28 S. 184. 318. nischen Tempels bei Vitr. 4, 7, 1 pafst genau
Sonnenstrahlen und Regen wirken befruchtend zu der Anlage und Einrichtung des von
G33 Tnppiter (Tina, Tinia) Iuppiter (b. d. Umbrern") 634
etruskischen Künstlern erbauten Göttersitzes Die Gleichsetzung Gerhards (Ztschr. f. Alter-
auf dem Capitol (Litteratur über toskanischen tunmcs. 1847 p. 673 ff.) von dem etruskischen
Tempelbau bei Müller, Etr. 22 S. 231 ff.). Von Penaten Pales (Ärnob. 3, 40. Mart. Cap. 1, 50)
den Tuskern hatte Rom die Sitte entlehnt, seine mit Terminus, der unter dem Phallussyrnbo) auf
Obrigkeiten auch äufserlich mit einem Schein Grenz- und Grabsäulen mit etruskischer Schrift
von Hoheit zu umgeben (Sali. Cat. 51. 3S; sich zeige, mufs als sprachlich ungerechtfertigte
andere Nachrichten hei Müller 1- S. 344). Die Spielerei (Pales -Phallus) zurückgewiesen wer-
Abzeichen der Majestät und Macht des himm- den (vgl. Jordan, Top. 1, 1 S. 182. Prellcr, R.
lischen Herrsehers wurden auf die Gebietenden M. 1 S. 415). Zum Schlufs braucht nur kurz
der Erde übertragen: so wurden die höchsten 10 auf die Bedeutung Iuppiters als „des ewig
Magistrate der Etrusker mit den Gewändern unerschöpflichen Lebensgebers für die wandel-
Iuppiters bekleidet, mit der tunica palmata baren Geschlechter der Menschen" aufmerksam
und toga picta (Macrob. Sat. 1, 6, 7 togam gemacht zu weiden (vgl. die Genienlehre). Die
pictam atque praetextam quae insignia magi- Tusker hatten diese Lehre nicht von aufsen
stratuum Etruscorum erant. Serv. ad Ecl. 10, erhalten, denn der echt etruskische Tages, der
27 unde etiam triunvphantes habent omnia in- Sohn eines genius Iovis, also Enkel Iuppiters,
signia Iovis, sceptrum, palmatam, togam; vgl. gilt als Urheber derselben (Fest. s. v. Tages
Flor. 1, 5, 5. luv. 10, 38); sie führten das p. 359, eine Abbildung desselben bei Gerhard,
elfenbeinerne Scepter mit dem Adler an der Etr. Sp. Taf. 165). Es ist absichtlich unterlassen
Spitze (Dion. 3, 61. Verg. Aen. 8, 505. Sil. It(ü. 80 worden, an dieser Stelle die Darstellungen
10, 41, vgl. die Bronzemünze des Commodus Iuppiters auf Münzen und in der Kunst zur
bei Fröhner, Medaill. de l'emp. Rom. p. 132) Betrachtung heranzuziehen, um allein von den
und thronten auf der sella curulis (Liv. 1, 8, 3. Nachrichten über deu Kult und Ceremonieen-
Dion. 3, 61. Diod. 5, 40. iS'j7. 8, 484. Macrob. dienst ausgehen zu können, der, in sehr früher
Sat. 1, 6, 7). Die angeführten Gewänder und Zeit ausgebildet und festgestellt, dem Ein-
Zierden gehören gleichfalls zur Tracht des dringen fremder Elemente weit stärkeren Wi-
siegreichen Feldherrn (Strabo 5, 22. Flor. 1, derstand geleistet hat, als die unklare An-
5, 5. luv. u. Serv. a. a. 0.), hierzu kam noch schauung von der Individualität der einzelnen
die Corona Etrusca, die von einem Sklaven Götter. Ob die Etrusker vor der Berührung
über dem Haupte des Triumphators festge- ao mit den Griechen die symbolische Verehrung
halten wurde (Dion. 3, 61 ff. Plin. n. li. 21, 6; bereits aufgegeben und die religiösen Vorstel-
33,11. Tertull. de coron. 13), und das Bestreichen lungen zu bestimmten Persönlichkeiten kry-
des Gesichtes oder ganzen Körpers mit Men- stalliert hatten, oder ob sie erst den Hellenen
nig (Plin. n. h. 33, 111. Serv. ad Ecl. 6, 22); die bildliche Darstellung ihrer Götterwelt ver-
vgl. hierzu die Triumphzüge auf etruskischen dankten, läfst sich mit Sicherheit nicht ent-
Alabasterurnen von Volaterrae (Gori, M. E. scheiden, das aber steht fest, dafs schon die
T. 1 Taf. 179, Dennis, Etruria 2 p. 436. ältesten uns erhaltenen Abbildungen unver-
485 ff. 600). Unter den Geschenken des rö- kennbar auf griechische Muster zurückgehen,
mischen Senates an den Sieger Porsena befand Tinia ist von den etruskischen Künstlern in
sich ein elfenbeinener Stuhl, Scepter, goldner 40 Kostüm und Attributen völlig mit dem grie-
Kranz und Triumphkleid (Dion. 5, 35). Es chischen Zeus identifiziert worden Auf Münzen
entspricht vollkommen den Anschauungen einer ist das Bild des höchsten Gottes nicht selten,
ursprünglich auf den Ackerbau angewiesenen Deecke, Etr. Forschg. 2 Münztabellen S. 9
Bevölkerung, wenn sie den höchsten Herrscher nr. 5 a. b, vgl. Müller, Etrusker l2 S. 385
selbst bei der Landesteilung, bei der Abgren- (500 — 450 a. Chr.); S. 52 nr. 77 b. C; S. 53
zung des Gemeinde- und Privatbesitzes sich nr. 80 a — c (p. a. 200); nicht ganz sicher ist
thätig dachte, schwere Strafen über die Frevler es, ob folgende Münzen einen luppiterkopf
am Eigentumsrechte verhängend, vgl. Vegoia zeigen: S. 17 nr. 23 (4u0 — 269;; S. 15 nr. 17 a. c
b. Goes, grom. vett. p. 349 ff. Lachmann: cum d. g. h. k. 1. m (269 — -200; bei Müller, Etrusker
autein ttrram Etruriae Iuppiter sibi vindieavit, 50 l2 S. 404 werden sie in die 4. Periode gesetzt,
constituit iussitque metiri eampos significarique d. i. zwischen 400—269); S. 15 nr. 17 b. e. f. i
ugros etc. wie in dem liber terrae ruris (iuris (269 — 200;; S .44 nr. 61. 62 (p. a. 200; letztere
cod. Cass.) Etruriae des Tages zu lesen war sehr unsicher).
(vgl. Nissen, Das ttmplum S. 10, doch siehe Umbrer. Ältere Litteratur bei lepsius
Prellet; Römische Mythologie 1 S. 256 u. A. 1). de tabulis Eugubinis. Berl. Diss. 1833. Die
Durch das Setzen der unverrückbaren Mark- Citate beziehen sich noch auf folgende Werke:
steine beseitigte er jeden Aulafs zu Streit und Aufrecht-Kirchlioff] Die umbrischen Sprachdenk-
Zank und wurde ein Hüter und Schirmer des mäler 1849. Huschke, Die iguvischen Tafeln
friedlichen Grenzverkehres. Wenn aber diese 1859. Gorssen, Zeitschr. f. vergl. Sprachforschg.
Seite seiner Thätigkeit sich im Bewufstsein eo 9 S. 133 ff. Breäl, tables Eugubines (Biblioth.
der Etrusker nie so stark entwickelte, dafs sie, de l'ecole etc. 1875). Bücheier, Umbrica 1883.
aus dem Begriffsumtange Iuppiters heraus- Aus der lex Spolctina (im lateinischen Al-
tretend, zu einer selbständigen Gottheit wurde, phabet, zuerst veröffentlicht von E. Bormann,
wie der Terminus in Rom (es hat sich wenigstens bullet, d. inst. 1879 S. 67 und Misceil. Capitol.
bisher kein besonderer etruskischer Name ge- z. öujähr. Jubil. d. arch. Inst, zu Rum S. 5.
fanden), so mag der Grund hierzu darin liegen, Fiorelli, Notiz, degli seavi IST d S. 30. Bücheier,
dafs frühzeitig die Bewohner sich vom Acker- Rh. Mus. 35 (1880) S. 627. Breal, man. soc.
bau zum Handel und zur Seefahrt wandten, lingu. 1881 S. 403. Jordan, quaestiones Um-
635 Iuppiter (b. d. Umbrern) Iuppiter (b. d. Umbrern) 636
bricae, ind. lect. Regim. 1882 3 p. 16) scheint die höchste Stellung ein; er gehört zu den dii
hervorzugehen, dafs Iuppiter in eiuem Haine Grabovii (die verschiedenen Mutrnafsungen über
bei Spoletium seit alten Zeiten verehrt wurde. den Sinn des Wortes siehe s. v. Grabovius Bd. 1
Da nämlich nach den Bestimmungen der In- Sp. 1728, den dort angegebenen Erklärungen ist
schritt (vgl. dazu Varro 1. 1. 6, 30 u. Macrob. noch die Ansicht Rüchelers p. 52 beizufügen:
Seit. 1, 16, 10") die Sühnemittel für eine Scbädi- Graboviis diis operantur , quos eam ob causam
gung des Haines dem Iuppiter dargebracht ommunem quandam cum moenibus originem
werden mufsten, so ist es höchst wahrschein- habere suspiceris ygaßciv: ßv&gov Hesychius).
lieh, dafs derselbe ihm geheiligt war. Die Da derselbe Name auch dem Mars (tab. 1 a. 11
Existenz eines Iuppiter Clitumnus (= divus 10 = 6b. 1) und Vofionus (1 a. 20 = 6 b. 19) bei-
pater Clitumnus Preller 1 S. 57, dagegen gelegt wird, so mufs der Begriffsiuhalt für alle
Meifferscheid, ann.d.inst. 1866 S. 216) ist durch drei passen und jede Interpretation ist falsch,
Vibhts Sequester de fluni, p. 148 Riese (Clitumnus die ihm eine nur dem Wesen des Iuppiter
Umbriae, ubi Iuppiter eodem nomine est) nur entsprechende Deutung giebt. Als deus Gra-
unsicher bezeugt (Jordanbe\Prellcr2S. 140 A. 3). bovius weiden letzterem vor der porta Tre-
Unser sonstiges Wissen von den religiösen blana (abgeleitet von der Göttin Treba Iovia
Anschauungen und gottesdienstlichen Formen bei Huschke S. 104, richtig von einer Stadt Tre-
der Umbrer beruht fast ausschliefslich auf den bula b. Breal S. 58, Rächeier p. 52; vielleicht
1444 gefundenen 7 Erztafeln von Iguvium; im Norden befindlich, wo nach der auguralen
nach dem Fundbericht Conciolis (Statuta civi- 20 Einteilung der Sitz Iuppiters war) 3 Stiere
tatis Eugubii-Maceratae 1673), dem Aufrecht- geopfert (tab. 1 a. 3 = 6 a. 22), und seine Gnade
Kirchhoff' S. 2 und Breal S. 209 introd. 2. 8. wird angefleht pro arce Fisia (Burghügel der
Glauben schenken, wurden sie apud theatrum Stadt), pro urbe Igucina, pro arcis nomine,
hoc est in planitie ubi antiquitus sedebat Eu- pro urbis nomine (6 a. 23 ff.). Dem Brauche,
gitbium entdeckt; ob sie einem Tempel Iup- die Opfer vor den Thoren darzubringen,
piters angehören, läfst sich beim Fehlen son- liegt wohl die Anschauung zu Grunde, dafs
xtiger Nachrichten nicht bestimmen. Gegen der Empfänger seine Macht nach aufsen be-
die Mitteilungen Üunciolis wendet sich Passeri thätigen und die Stadt vor äufseren Fein-
in Tit. Dempsteri libr. de Etrur. reg. Paralip. den bewahren solle (Corssen a. a. O.). Wir
Luc. 1767 p. 241 ff. mit der Behauptung, jene 30 haben also hier vielleicht eine gemeinde-
Urkunden seien etwa 7000 Schritt vom heu- beschirmende Trias wie in Etrurien, doch
tigen Gubbio entfernt in der Nähe der noch mit dem Unterschiede, dafs dem Himmels-
jetzt erhaltenen Überreste eines Iuppitertempels vater anstatt Iuno und Minerva, Mars und
von einem Bewohner des Dorfes Schigia ge- Vofionus zur Seite stehen. Die Entwicklung
fanden worden. Ihm folgend hat sich Huschke von der Naturgottheit zur politischen ist be-
S. 1 für die Identität des Tempels, in welchem reits vollzogen. Tritt Iuppiter in Verbindung
die Brouzetafeln aufgestellt waren, mit jenem mit anderen Göttern auf, so wird er durch die
im Altertume durch seine Orakel berühmten Art des Opfers vor ihnen ausgezeichnet; tab.
Heiligtume des Iuppiter Apeninus (Orelli 1220; 2 a. 5 erhält er einen bos sollemnis, während
tab. Peuting; Vopisc. Firm. 3 vgl. Trebdl. Poll. 40 Veiticius Sancius (irrtümlich bezogen Aufrecht
Claud. 10; Glaud. de sexto consul. Honorii und Kirchhoff' Sancius auf den folgenden lup-
v. 500 ff.) entschieden und in ihm das Bundes- piter) und Spector sich mit einem sacrum und
heiligtum der uuter den Vororten Iguvium und sollemne (über die Bedeutung s. Rücheier p. 125)
Attidium vereinigten 20 Städte Umbriens begnügen müssen. Als Opfertiere für Iuppiter
sehen wollen, das als solches aufserhalb werden noch genannt Ovis (2 a. 10) und vitulus
des Pomeriums erbaut worden sei (vgl. den (2 b. 22. 24), vgl. Marquardt, Rom. Staatsver-
Kult der Diana auf dem Aventin, des Iuppiter iraltg.3- S.173A. 1; zu der Vorschrift tureSancio
Latiaris auf dem mons Albanus etc.). Gegen- loci praefamino (2 b. 17) vgl. Cato de re rust.
über den oskischen und latinischen Stämmen, 134 ture vino Iano Iovi Iunoni praefato; 141
deren religiöses Bewufstsein durch das Ein- 50 Icmum lovemque vino praefamino. Den Ver-
dringen fremder Kulte starke Umwandlungen treter der sittlichen Idee des Rechts und der
und Veränderungen erlitten hat, zeigen die Treue erkennen wir in den Attributen admune
umbrischen Sprachdenkmäler ein zähes Fest- und sase (tab. 2 b. 7. 17. 24); admune hielten
halten an dem überlieferten Götterglauben. Aufrecht u. Kirchhoff 2 S. 341 ff. noch für
Gemein haben sie mit den anderen Völker- gleichbedeutend mit sacrum, libamen, Huschke
schaffen Italiens die eigentümliche Vorstellung, S. 322 brachte es mit agixcov, ccgfioviu in Ver-
durch genaue Befolgung des Rituals, die Un- bindung und übersetzte foederale = Bundes-
sterblichen zur Erfüllung ihrer Wünsche ver- opfertier; ein Attribut Iuppiters mit dem Be-
pflichten zu können, und als Folge davon bei griff der Reinheit und Heiligkeit (castus) sah
aller Einfachheit des Opferapparats die gröfste co darin bereits Rrc'al S. 265; von der Gleich-
Kompliziertheit der liturgischen Vorschriften setzung admor = &i[iiatiq ausgehend entschied
und Bestimmungen (vgl. Cic. de rcpubl. 2, 27 sich Bücheier p. 142 für die Deutung iuris serva-
Sacrortim ipsorum diligentiam dif feilem, appa- tor rituumquesacrorum custos. Wenn die Umbrer
ratum perfacilem esse voluit [Numa], nam quae zum Iuppiter Sancius flehten, so dachten sie
perdiscendu quaeque observanda. essent, multa ihn sich, wie schon der Name sagt (Sancius
coustituit, sed ea sine impensa). Unter dem = gui foedera fulmine sancit, Bücheier a. a. 0.),
Götterkreise, den wir aus den ig'uvinischen als den höchsten Gott des Lichtes und der
Gebetsurkunden keimen lernen, nimmt Iuppiter Treue, als den Beschützer der Bündnisse und
637 Iuppiter (b. d. Sabellem) Iuppiter (b. d. Sabellern) G3S
Verträge, als den Regler des internationalen scheinlich auch der Iuppiter Cacunus der Sa-
Verkehrs (vgl. zu Rom Diespiter und den Kult biner; die Widmung [I]ovi Camino F C zeigt
der Fetialen); es ist dies eine Seite im Wesen eine auf dem Berge Moretta im Gebiete von
des Himmelsvaters, die im Fisus Sancius (= Trebula Mutuesca gefundene Inschrift, den
Dius Fidius = Senco Sancus) eigene Gestalt Buchstaben nach aus der Zeit des Augustus
gewonnen hatte; die religiösen Bräuche bei stammend: C. I. L. 9, 4876. (Analogieen für
der Verehrung stimmen bei ihnen genau über- die Verehrung auf Bergen bieten der Iuppiter
ein. Wie im sacellum des Sancus zu Rom Apeninus Orelli 1220, Cacunus in Rom C. I. L.
'orbes ahenei' niedergelegt wurden (Liv. 8, 20, 8), 6, 371, Caelius C. I. L. 6, 334, Latiaris C. I. L.
so war jeder, der dem Iuppiter Sancius ein 10 6, 2022 = 14, 2227, Poeninus sehr häufig auf
Opfer darbringen wollte, verpflichtet, eine or- Inschriften, Vesuvius 0. I. L. 10, 3806, Virui-
bita (Rad mit Felgen, vgl. Zeyfs, Ztschr. f. vgl. nalis Varru 1. 1. 5, 51, vgl. noch die capito-
Sprachforschg. 20 S. 129 und Bücheier p. 148) linischen Kulte.) Dem Iuppiter Liber weihen
in der Hand zu halten (tab. 2 b. 23), das Sinn- a. 696 u. c. zu Furfo im Gebiete der Vestiner
bild des Bundes mehrerer Völkerschaften (das- die Duumvirn L. Alienus und Q. Baebatius
selbe Symbol auf etruskischen und umbrischen einen Tempel (lex Furfensis, inschiiftlich er-
Münzen: Mommsen, B. M. S. 222. Abbil- halten, s. oben Sp. 624,9; besprochen vonHuscltlce,
düngen bei Deecke, EU. Forschg. 2 Taf. 1, 6 c; Jahrb. f. Piniol. Suppl. 5 (1872) S. 856 und
Tat. 2, 5 f. 9. 15 d; Taf. 4,90 a. 16); im Gebet Jordan, Krit. Beitr. S. 250; interessant, weil
tritt das sonst voranstellende Sancius (tab. 2 b. 20 zum Gebrauche eiserner Utensilien besondere
17) hinter Iuppiter (2 b. 24), vgl. Mncrob. 1, Erlaubnis erteilt wird). Wenn auch die späte
17, 15, wo die vestalischen Jungfrauen den Zeit sowie der Hinweis auf die 'leges arae
Apollo anrufen 'Apollo medice, Apollo Paean' . Diaiiae in Aventino' die sakrale Abhängigkeit
Sabeller. Von einem auf Höhen verehrten vom römischen Pontifikalkolleginm (Jordan,
Iuppiter der Manuciner giebt uns die Inschrift Top. 1, 1 S. 42) genügend beweisen und an eine
der Erztafel von Rapino Kunde (vgl. oben Übertragung dieses Kultes von Rom aus (vgl.
Sp. 625,21; aus der Zeit nach dem Jahre 486, unten I. Libertas) denken lassen, so weist
weil im lateinischen Alphabet geschrieben, doch die Thatsache, dafs derselbe uns auch
das wahrscheinlich infolge des damals an bei den Oskern und Latinern (s. unten) wieder-
die Sabiner verliehenen Bürgerrechtes ein- 30 begegnet, rnit Sicherheit daranf hin, in Iuppiter
drang; von Mammaen, Unterital. Dial. S. 341 Liber eine aus der uritalischen Religion er-
c. 500 Ti. c. gesetzt). Die Bestimmungen und erbte sabellisehe Gottheit zu sehen , ganz ab-
Angaben der Inschrift beziehen sich auf gesehen davon, dafs es sich in jenem Gesetze
eine Feier zu Ehren der 'lovia Ioves patres nur um die Restitution eines bereits be.-tehen-
ocres Tarincris' (= luno Iovis patris montis den Heiligtumes handelt. Für Amiternum, die
Tarincris); die beiden letzten Worte sind Hauptstadt der Sabiuer, bezeugt die Verehrung
Genitive abhängig von Ioves patres, das desselben Gottes freilich schon mit dem Zu-
seinerseits wieder von lovia regiert wird; der satze Optimus Maximum die Inschrift C. I. L.
Name Tarincris scheint auf einen im Mittel- 9, 4513 pro Salute | F.- Betuleni \ Apri liberis- \
alter erwähnten mons de turino in den Abruzzen 40 aue eius lovi 0. M. Libero Lib | Niceforus
zu weisen (so Mommsen a. a. 0. Corssen, act(or) \ v.s. Berechtigte Zweifel gegen Momm-
Zeitschr. f. vergl. Sprach forschg. 9 S. 133 ff. ; sras Trennung lovi O(ptimo) M(aximo), IAbero,
Huschice, Die sabellischosläsihen Spiachdenk- Lib(erae?) äufsert Jordan, Anal, epigr. lat., ind.
maier S. 247 bezweifelt es); hier mufs sich lect. Begim. 1886/7 p. 4. Die Etymologie von
ein Heiligtum — ob Opferstätte oder Tempel Liber s. bei Preller, B. M. 2 S. 47 Anm. 3 und
bleibt nngewifs — befunden haben, wo Iup- JJanielsson bei Paiüi , Altital. Stud. 4 S. 156.
piter gemeinsam mit 'lovia Regena' (= luno Er verkörpert die schöpferische Kraft in der
Regina) gefeiert wurde. Die Vorschriften auf Natur; auf die Fruchtbarkeit von Menschen
der Bronzetafel gelten der luno, da aber die und Tieren, auf das Gedeihen der Saaten und
Förmlichkeiten bei der Anrufung Iuppiters 50 Felder erstreckt sich sein Wirken. Da im
ebenso oder doch ähnlich gedacht werden Sabinerlande der Weinbau schon in früher
müssen, so seien sie hier kurz erwähnt. So oft Zeit zu den Hauptbeschäftigungen gehörte (die
man nötig fand die Gnade der Gottheit zu Bewohner feierten in ihrem Stammheros Sabus
erflehen, zogen die Priester mit den Symbolen oder Sabinus den ersten Winzer: Verg. Aen. 7,
derselben und heiligen Gerätschaften in feier- 179, vgl. lo. Lyd. de mens. 1, 5, Sero, ad Aen.
lieber Prozession um die Grenze der Gemeinde, 1, 532), so mag dies zur Angleichung an den
brachten an verschiedenen Stellen auf trag- griechischen Dionysos mitbeigetragen haben,
baren Altären Opfer dar und verrichteten Ge- Ob die Inschriften C. I. L. 9, 3923, wo ein
bete. Die Ceremonie des Umzuges, der wir curator apud lovem Statorem zu Alba Fucentia
bei den ältesten römischen Priesterschaften 60 und C. I. L. 9, 4534 Corymbus | (voran geht
den fratres Arvales, Luperci und Salii wieder ein im oberen Teile verstümmeltes Gentile)
begegnen, und die Verehrung der zwei Gott- lovi Statori | sacrum posuit | /. m. (Nwrsia)
heiten (die paarweise Zusammenstellung ist auf einen altsabinischen Kult zurückgehen oder
echtitalisch, vgl. die Beispiele bei Gellius n. a. römischen Einflufs zeigen, läfst sich nicht mit
13,22, 1. Mommsen, Chronol. S. 15. Kuhfeldt, Sicherheit entscheiden. So wenig auch die Nach-
de capiloliis impirii Bomani, Berlin 1883 p. 82) richten über die sakrale Gesetzgebung des T.
legen beredtes Zeugnis ab von dem hohen Tatius und Numa, nach denen bei den Sabi-
Alter dieses Kultus. Ein Höhengott ist wahr- nern eine Vergeistigung des ursprünglich den
639
Iuppiter b. d. Sabellern
Himmel, seine Erscheinungen und Wirkungen
personifieierenden Iuppiter in sehr früher Zeit
eingetreten ist, Anspruch auf geschichtliche
Wahrheit erheben dürfen, so müssen doch,
meint noch Preller, F. M. 1 S. 20ff., 250, da
die gesamte Überlieferung jene Könige als die
Repräsentanten des sabinischen Elementes be-
zeichnet, die gottesdienstlichen Einrichtungen,
die ihren Narnen tragen, im Kern wenigstens
als den Sabinern zugehörig betrachtet werden.
Indes hat man aus den für uns in Frage kom-
menden Neuerungen der beiden sagenhaften
Kegenten — zu nennen sind die Gründung des
uralten Heiligtums für Iuppiter, Iuno und Mi-
nerva auf dem Capitolium vetus des Quirinals
{Varro 1. 1. 5, 158, Euseb. Chron. Ol. 18, vgl.
Tertull. ad nat. 2, 12), die mit vielen Reinigun-
gen und Heiligungen verbundenen Vorschriften
für das Verhalten des Flamen Dialis und seiner
Gemahlin, der Flaminica {Idv .1, 20,1), die Ein-
führung einer Reihe von Göttern, die zum
Wesen des Iuppiter in naher Beziehung stehen
oder richtiger als Emanationen desselben an-
zusehen sind; so wird der Kult des eapitoli-
nischen Terminus und des Dius Fidius auf dem
Quirinal dem T. Tatius (Liv. 1, 55, 2 — 4, vgl.
Varro 1. 1. 5, 71. Oo. fast. 6, 213 i. die Feier der
Termiualia am 23. Februar und die Verehrung
der Fides dem Numa zugeschrieben (Dion. 2,
74. Plut.Xum. 16; Q. B. 15. Varro a.a.O.) —
mit Unrecht auf die politische Bedeutung des
höchsten Gottes und auf ein starkes Hervor-
treten des ethischen Momentes geschlossen;
denn die Nachricht von dem sabinischen Ur-
sprünge ist eine Fabel (vgl. Gilbert. Gesch. und
Top. der Stadt Born 1 S. 367 ff.), die, vermut-
lich erst zu einer Zeit entstanden, als infolge
der Erlangung des Bürgerrechts a. 4S6 u. c.
die Sabiner Einflufs in Kom gewannen, durch
den Sabiner Varro ihre Sanktion erhalten hat.
Die Belege dafür, dafs die Auspicienlehre, in
der die Augurn als Dolmetscher des unab-
änderlichen Willens der Götter, besonders des
Iuppiter, gelten (Cie. de leg. 2, 21) in ganz
Mittelitalien ihre Heimat hatte, sind von Mar-
quardt.Böm.Staatsverivaltg.3- S 397 zusammen-
gestellt. Im Gebiete der Picenter (s. oben
Sp. 625, 37) hat man eine Bronzestatuette ge-
funden mit der Aufschrift Gaispaizvariens-
iuvez als e eure, die den Interpreten viel
Schwierigkeiten bereitet. Es übersetzt Momm-
sen, Unterital. Dial. S. 362: Caius P . . . . filius
Varienus Iovi . . . ovi; Huschte a.a.O. S. 242
n. 4: ('aius Kaesonis f. Varienus Iovi Talasio,
mit äufserst künstlicher Erklärung. Deecke,
Rh. Mus. 41 (1886) S. 194: Gai(us) Sp(urii filius)
Anis Varienus loci tria sinnulacrai curavit
(sc. ponenda). Der jugendliche Typus der halb-
bekleideten Bronzefisjur im Strahlenkranz (an
Iuppiter Axur erinnernd) und die sichere Lesart
luve = Iovi dürften die Annahme rechtfertigen,
dafs es sich um ein Bild des himmlischen
Herrschers handelt, bei dem, wie die Strahlen-
krone andeutet, die Natur des Sonnengottes
vorherrschend geworden ist. Die Inschriften
aus dem Gebiet der Marser (s. oben Sp. 625. 27)
geben uns über den luppiterkult keinen näheren
Aufschlufs.
Iuppiter L. d.Volskern [Axur] u. Oskern 640
Volsker. Zu Terraeina, dem volskischen
Auxur [Plin. n. h. 3, 59, vgl. Diod. 14, 16. Liv.
27, 38, 4. Hygin. de lim p. 179: auf italischen
Ursprung des Namens deuten nach Preller, B.
M. 1 S. 267 Bildungen mit demselben Stamme
bei Marsern und Pelignern: Anxanum, Anxas,
Angitia oder Ancitia — Stadt, Gentile, Göttin
der Marser — und Anxa, Stadt im Gebiete der
Peligner), wurde neben der Feronia Iuppiter
10 Anxurus (Verg. Aen. 7, 799 (pc's Iuppiter
Anxurus arvis | praesidet et viridi gaudens
Feronia luco, Serv. z. ds. St. giebt die Ety-
mologie quasi avsv |rgoü id est sine no-vacula,
quia barbam nunquam rasisset: eine Quelle bei
Terraeina soll nach ihm einst den Namen
Anxur geführt habend oder Anxuris (Porpk,
ad Hör. C. 1, 5, 26) oder Axur (s. die
folgende Münze) oder Axoranus (auf einer
Inschrift zu Ulubrae C. I. L. 10, 6483, wenn
20 Mommsen nach G. I. L. 10, 6331, 2, 19, wo
ein Ti. Claudius Axoranus genannt wird,
richtig Iovis Axo[rani . . .] ergänzt) als Haupt-
gottheit verehrt (vgl. Bd. 1 Sp. 3S7 s. v. Anxu-
rus). Wir besitzen von ihm Darstellungen
auf Münzen der gens Vibia (Cohen, Gons. 1,
41, Vib. 13. Babelon 2 S. 544. 546 nr. 18.
Stevenson S. 117). Die beigefügte Zeichnung
nach Babelon 2
S. 546 zeigt ihn als
30 bartlosen Jüng-
ling im Blätter-
kranz i[Stephani,
Nimbus a. Strah-
lenkranz S. 18)
mit gekreuzten
Beinen auf dem
Throne sitzend,
in der Linken das Scepter, in der Rechten eioe
Schale. Umschrift IOVIS. AXVR. C. V1BIVS.
40 C. F. C. N.; der Avers mit dem Kopfe des Pan
und darunter PANSA. Das Haupt ähnelt dem
des Veiovis (vgl. Babelon 1 S. 506 ff. nr. 9 — 13).
Serttius bemerkt zu den oben angeführten
Versen Vergils circa hunc traetum Campaniae
colebatur puer Iuppiter . . . et Iuno Virgo, quae
Feronia dicebatur. Die Zusammenstellung mit
Inno ist also die ursprüngliche und die Ver-
bindung mit der ländlichen Segensgöttin Fe-
ronia ist so zu erklären, dafs die Iuno Virgo
50 später mit dieser identificiert wurde , vgl.
Deecke, Faliscer S. 102.
Osker. Am reinsten tritt uns die ur-
sprüngliche Bedeutung einer lichtspendenden
Gottheit entgegen in der Verehrung des
Iuppiter als Lucetius, ja der Name Lucetius
galt in der oskischen Sprache geradezu als
gleichbedeutend mit Iuppiter. Serv. ad Aen.
9, 567 solum hoc nomen est, quod dictum a Vir-
gilio a nullo alio reperitur auetore; sa»e lingua
60 osca Lucetius est Iuppiter dictus a luce quam
■praestare hominibxs dicitur. Für die weite
Verbreitung des Kultes scheint das Vorkom-
men desselben Namens in den Worten Lucani
iO^k. Luvkanateis) und Luceria zu sprechen.
Luceria, das 439 zur römischen Kolonie wurde,
wäre dann die samnitische Benennung; nach
Mommsen , Die unteritalischen Dialekte S. 274
würde sich für Lucetius ein ursprüngliches Lu-
Iovis Axur. Münze der Vibia (nach
Babelon i S. 54fi).
641 Iuppiter (b. d. Oskern) Iuppiter (b. d. Faliskem) 642
cesius vermuten lassen, das sich noch im alten zur angeführten Inschrift). Vom Kulte des
Salierliede (Terent. Scaur. 7, 28 Keil) erhalten Iuppiter Liber berichten uns 2 Inschriften, die
habe (gegen die lateinische Form Leucesius siehe eine im oskischen Alphabet Ioceis Lofreis (s.
Jordan, Krit. Beitr. S. 219). Lichtgottheiten, oben Sp. C25, 10) 'auf der Sohle eines bronzenen
'weil den Genien des Morgens folgend', schei- Gewichtes (wie es scheint) oben mit einer Ose
nen auch die beiden Iores auf der Erztafel von zum Anhängen in der Form eines archaischen,
Agnone (Husehke, Die sabellisch - oskischen bärtigen Iuppiterkopfes mit 12 Locken und der
Sprachdenkmäler S. 10 ff. setzt sie ins 4. Jahr- Hauptbind«' (zuerst herausgegeben von Avellino,
hundert der Stadt Rom, Henzen, der erste congh. soprauna iscr.stmnitica 1841 S. 2; Guarini
Editor, arm. d. inst. 1S48 S. 382, der in der 10 comm. 18 [18431; Mommsen, TJ.D. S. 170), die
Sprache römischen Einflufs erkennen will, hält andere mit lateinischer Schrift, von 6 Magistri
sie für bedeutend jünger). Unweit von dem zu Capua a. 15 p. Chr. gewidmet, loci liber-
Fundorte sind Mauerreste eines Tempels ent- (tatij Mommsen C. I. L. 10, 3786; ebenso-
deckt worden; dafs sie zu der Weihinschrift gut könnte man Liber(o) ergänzen (vgl. C.
in Beziehung stehen, scheint aufser Zweifel, I. L. 1, 603 = 9, 3513); nach Nissen, Das
ob sie jedoch mit Husehke a. a. 0. für die templum S. 131. 209 stellte er zu Pompei
Trümmer eines Bundesheiligtums samnitischer den höchsten Gott dar. Verschiedenheit der
Stämme zu Bovianum anzusehen sind, mag Stämme in lufreis und liber nimmt Danielsson
dahingestellt bleiben. Schwierigkeiten macht an {Pauli a. a. 0). Ein Gegenstück zu dem
die Erklärung der beiden Attribute verehasioi 20 römischen Iuppiter Stator bildet der oskische
und regaturei. Mommsen und Husehke, der An- Versor (= gr. xQonuiog) qui hostes vertu in
sieht zuneigend, es spiegle sich in ibnen die fugam, dem auf einer bruttischen Inschrift in
politische Bedeutung wieder, bringen verehasioi griechischem Alphabet ein Stier geopfert wird:
mit riria (M. S. 135, vereia H. S. 10 ff.) in Zu- JiovJ-n fsgaonei Tavgofi. Mommsen S. 143
sammenhang und erklären 'Gott der Gemeinde', glaubt mit Berufung auf ein Dictum des Ateius
in Diocei regaturei kommt der gebietende Carito b. Macrob. 3, 10, 3 (vgl. Serv. ad Aen.
Herrscher, der Lenker der Tagesarbeit und 3, 21; 9, 624), wonach dem Iuppiter keine
häuslichen Geschäfte (M. a. a. 0.) zum Ausdruck, Stiere geopfert werden dürfen, es sei nur von
ähnlich Corssen, Ztschr. f. vergl. Sprachforschg. der Weihungeines Stierbildes die Kede. Husehke
5 S. 98 = I. rector und Husehke a. a. 0. = 30 S. 213 hat angenommen, dafs der Grundsatz
regnatori. Aufrecht (ibid. 2, S. 5öff.) und Grafs- des Ateius nicht überall Geltung besessen habe.
mann ibid. 16 S. 119 ff.) sehen in den Bei- Indes liegt wohl nur eine Ungenauigkeit des
namen Verkörperungen bestimmter Vorgänge in Ausdrucks vor (taurus für iuveneus), die uns
der Natur, vor allem deshalb, weil die Urkunde auch an anderen Stellen entgegentritt, Verg.
besondersGötterdesLandbauesnenne; verehasioi Aen. 3, 21; Ovid. fast. 1, 579; Sil. Ital. 6, 647;
wäre demnach gleich lat. virgario 'wachsend Arnob. 2, 68; vgl. ferner den Abschnitt über
machend' und regaturei = rigatori also ein Iuppiter lnventor. Den Ioveis Mcelekieis der
Iuppiter Pluvius; piihioi = pio sonst nur von pompejanischen Steininschrift haben Aufrecht
Heroen und Manen gebraucht, bleibt auffällig und Grafsmann (Ztschr. f. vergl. Sprachforschg.
(Mommsen a. a. 0). 40 2 S. 55; 16 S. 101 ff.) mit dem griechischen
Eine dem blitzschleudernden Tinia und dem Zjüg usüJ'/iog identificiert. Als Schwurgott,
römischen Iuppiter Fulgurator verwandte dem das Haupt des Meineidigen geweiht ist,
Gottheit haben die meisten Gelehrten auf einer erscheint Iuppiter bei Livius 70, 38, 3. Einen
zu Capua gefundenen, auf beiden Seiten mit dem- sonst nicht bekannten Iuppiter Vicilinus zu
selben Texte beschriebenen Thonschale erkennen Compsa, einer Stadt der Hirpiner, erwähnt
wollen: Minieis (Minnieis auf der andern Seite) Liv. 24, 44, 8 unter den Prodigien des Jahres
Knisillieis Minateis ner | ekas iuvilas iuvei 541: et in lovis Vicilini templo, quod in Comp-
flagiui stahiid (zuerst veröffentlicht von Miner- sano (nicht Cosano) agro est, arma concrepuisse.
vini, Bullet, d. inst. 1873 S. 39). Es übersetzt Dafs zu Capua ein Thor nach Iuppiter seinen
Corssen (Eph. Epigr. 2 S. 163 nr. 13): Minii, 50 Namen führte, teilt uns derselbe Schriftsteller
Caisülii, Minatis nobilium (er ergänzt ner(um)) mit, wo er von der Belagerung dieser Stadt
hae iueantes res (= deliciae) loci Fulguratori (a. 543) berichtet (26, 14, 6 porta lovis quae
Stent (sc. sacraej; Bücheier: Minii Caisülii Mi- adeersus castra Tiomana erat). Den Iuppiter-
natis prineipis hae iovilae Icvi Flagio stent typus weisen auf die vor dem Bundesgenossen-
(Jenaer Litt.-Zeitg. 1874 S. 609); er sieht richtig, kriege geprägten oskischen Münzeu folgender
dafs es sich nur um einen Dedikanten handelt Städte: Capua (Friedländer, Oskische Münzen
und dafs iovilas, weil mit diakritischem Punkt nr. 1. 4. 8 — 14), Atella (nr. 1 — 3), Calatia (nr.
versehen, res ad Iocem pertinentes bedeutet. 1 — 4), Aesernia (nr. 5), Larinum (nr. 3), Teate
Es gab also Geschenke, die man zur Weihung (nr. 4. 14) und lukanische Münzen (nr. 2. 3. 6. 7).
für Iuppiter besonders geeignet hielt. Der 60 Falisker. Sind auch unter den Trümmern
Identificierung mit Iuppiter Fulgurator stimmt der Überlieferung für die den Latinern am
er bei; Jordan (Prellcr, Rom. Myth. 1, 191 nächsten verwandten Falisker die Nachrichten
Amn. 3) hält sie für unsicher; auch den Iup- über die auf den Kult bezüglichen Fragen
piter Flazius oder Flazzus (G'./.Z.10,1571) verhältnismäfsig noch die häufigsten und besten,
auf einer Basis zu Puteoli (s. Bd. 1 Sp. 1483 so sind sie doch nicht hinreichend, um uns
s. v. Flazzus) hat man hierher ziehen wollen einen klaren Einblick in die Art ihrer Gottes-
(Mimrvini, act. Casert. Gct. 1873) mit geringer Verehrung, in die Stellung und Bedeutung der
Wahrscheinlichkeit (s. Mommsens Bemerkungen einzelnen Gottheiten zu jener Zeit zu gewähren
Röscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 21
643 Iuppiter (b. d. Faliskern: Imperator)
als Roms Machtstellung noch nicht ihren ni-
vellierenden Einflufs auf die Entwicklung der
religiösen Vorstellungen bei den andern ita-
lischen Stämmen geübt hatte. Besonders spär-
lich fliefst die Quelle, aus der wir unsere
Kenntnis über Iuppiter schöpfen. Das geringe
Material ist von Deeclce, Die Faluker S. 82 ff.
sorgfältig zusammengestellt. Die einzig sichere
Nachricht über den Iuppiterkult der Falisker
verdanken wir der oben Sp. 624, 58 erwähnten 10
Inschrift einer Erztafel in lateinisch-faliskischer
Sprache, die ich ihrer Wichtigkeit wegen voll-
ständig wiedergebe, und zwar setze ich, dem
Beispiele Bormanns {CLL. 11, 3078) und
Schneiders (dial. ital. aiv. vet. ex. sei. p. 107
nr. 30) folgend, den sonst mit 6 bezeichneten
Teil der Inschrift vtran (Deecke a, a. 0. S. 193
erkennt die Ausführungen Bormanns als richtig
an. ohne indes die Umstellung der beiden
Seiten vorzunehmen). 20
a a
iouei ■ iunonei ■ miner- Iovi Iunoni Minervae]
vai | falesce ■ quei ■ in Falisci gui in Sardinia
sardinia ■ sunt donum- sunt donum dedcrunt;
dederunt ■ magistreis l. magistri' L. Latrius K.
latrius . k ■ f ■ c ■ salu- f_ c Saluga yoUae f_ i
[e ?der ^na-uoltai-1 cumvemnt
coiraueront.
b b
gonlegium ■ quod ■ est ■ collegium quod est ac-
aciptum aetatei agc(n)- ceptum aitati agendae'
d[ai] ■ | opiparum ■ ad opiparum ad vitam co-
ueitnm quolundam fe- hndam festosque dies \
stosque dies \ quei ■ so- rg
ueis'-a[st oder rg]utieis- Zui suis acutus opique
opidque ■ uolgani | gon- volgani | condecorunt
dccorant saifpij ■ sume saepissime convtna lu-
comuiuia loidosqur \ äosque\coci (vgl. Plaut
ququei-huc-dederun[t- Aul 359) hoc dederunt ^
ijnperato-ribus sum- tmperatoribus stim-
met* | utei ■ scsed ■ lu- mis I utl sese lubentes
bent[es-b]eneiottentop- bene iuloent optantes.
tantes.
Der Teil a ist zuerst veröffentlicht von Gar-
rueci, Acta Soc. Antiquar. Lond. (s. Archaeol.
vol. 43 (1871) S. 259 ; de' can. epigr. di F. Bitschi
S. 35; t. nr. 2 = Civiltä cattol. sei- 7 vol. 10
S. 166; die andere Litteratur s. oben Sp. 624, 59).
Die lateinisch-faliskiscbe Sprache deutet 50
auf die Zeit nach der Zerstörung Faleiiis (513
u. c.), die Schrift weist auf das 6. Jahrb..
der Stadt, danach ist die Vermutung Gar-
ruccis (Syll, S. 170) sehr wahrscheinlich, unter
Falesce gui in Sardinia sind sei ein Teil der
Bewohner Faleiiis zu verstehen, die nach Zer-
störung ihrer Vaterstadt von den Römern auf
Sardinien augesiedelt worden seien. Die In-
schrift wäre also nicht viel später anzusetzen
als das Jahr 541. Welche Aufschlüsse giebt 60
sie uns über den Iuppiterkult? Im zweiten
Teil Z. 10 erfahren wir, dals die Widmung den
imperatoribus summis gilt, eine Benennung, die
zur Genüge zeigt, dafs es sich nicht um einen
echtrömischen Kult handelt, da an der ein-
zigen Stelle, in der wir jenen Titel wieder-
finden, von einer praenestinischen Gottheit die
Rede ist (Sp. 649). Livius (6, 29, 8) berichtet näm-
Iuppiter (b. d. Faliskern: Imperator) 644
lieh zum Jahre 374 u. c. : T. Quinctius semel acte
viefor binis castris hostitim novem oppidis vi
captis Praeneste in diditionem aeeepto Romam
revertit triumphansque Signum Praeneste de-
vectum Lovis Imperatoris in Capitolium tulit;
dedicatam est inter cellam lovis ac Minervae
tabulaque sub eo fixa monttmentum verum ge-
starum his ferme incisa litteris fuit: Iuppiter
atque divi omnes hoc dederunt, ut T. Quinctius
didator oppida novem caperet (vgl. .Fest. p.363).
Darstellungen des Iuppiter Imperator sind nicht
erhalten [wenn Deeclce a. a. 0. S. 83 sagt:
„Münzen zeigen ihn stehend, mit Scepter und
Blitz, das linke Bein auf erhöhter Basis", ao
scheint er ihn auf einigen Bronzemedaillons
des Commodus (Pedrusi, Mttseo Farnesiano
5 Taf. 17 nr. 2; Jahn, Arclt. Aufs. Taf. 1 nr. 2
u. 1) zu erkennen, jene Münzen aber zeigen
den Poseidon, in der Linken den Delphin,
den linken Fufs auf eine Schiffsprora stellend,
(Overbeck, Griechische Kunstmijthologie'2 S.221)].
wir wissen jedoch, dals er in srätrepublika-
nischer Zeit wegen gleicher Haltung und Ge-
stalt mit dem griechischen Zsvq ovgtog (Gott
der günstigen Fahrwinde) identificiert wurde.
Cic. Verr. 4, 128 ff. Quid? ex aede lovis reli-
giosissimum simulacruni lovis Imperatoris, quem
Graeci ovgiov nominant, pidcherrime factum
nonne abstulit? Iovem auttm Imperatorem
quanto honore in suo templo fuisse arbitromini?
Conieere potestis si recordari rolueritis, quanta
religionc fuerit eadem specie ac forma Signum
illud, quod ex Maccdonia cuptum posuvrat Fla-
mininiis. (Was die letztere Behauptung anlangt,
so hat Cicero, getäuscht durch die Gleichheit
des Gentile Quinctius, die von Cincinnatus gel-
tende Erzählung Js. oben) irrtümlich mit der
entsprechenden Änderung auf Flamininus über-
tragen (mit Unrecht zweifelt Jahn a. a. 0. S. 34
die Glaubwürdigkeit des Livius an), und es
waren die simulacra des Ztt>g ovqioq, von denen
Cicero weiterhin berichtet, Verres habe das
eine den Syrakusanern geraubt, das andere
stehe am Eingange des thrakischen Bosporus.
Es würden uns die Abbildungen des Zfi'g oii-
giog einen Kückschlufs auf die des Iuppiter
Imperator gestatten, wenn nicht die Frage
nach dem T}'pus jenes griechischen Gottes
noch eine offene wäre (vgl. die Ansichten von
Abeken, ann. d. inst. 1839 S. 67; Jahn a. a. 0.
S. 31 ff.; on». d. inst. 1842 S. 203; Wieseler,
Apollo Stroqanoff und Apollo vom Belvedere
S. 10 u. 17; Överbecka,. a. 0. S. 219ff.).— Deecke,
auf die von ihm angenommene Darstellung
sich stützend, vermutet im Iuppiter Imperator
einen latinischen Kriegsgott, der den Faliskern,
sofern sie die nächsten Verwandteu der La-
tiner waren, aus ältester Zeit überkommen
gewesen sei. Man könnte vielleicht noch
einen Schritt weiter gehen. Die Trias Iuppiter,
Iuno, Minerva läfst nur zwei Möglichkeiten
zu: entweder ist der Kult des capitolinischen
Iuppiters, wie in viele andere Städte Italiens,
so auch nach Falerii gedrungen (dagegen spricht
die zu Rom nicht übliche Benennung impera-
tor), oder es hat direkte Beeinflussung von
Etrurien her stattgefunden, wo wir bereits jene
Dreizahl tinia uni menrva kennen lernten.
645 Iuppiter tb. d. Paliskern: Iniper. ; Curis) Iuppiter (in Latium: Lavinium: Indiges) 646
Vergegenwärtigen wir uns ferner, dafs der und der Beginn dea Kultes vor die Gründung
Iuppiter, als dessen Abbild der siegreiche Roms gesetzt. Da die Sage von der Einwande-
Feldherr bei Triumphen, bekleidet mit den rung des Aeneas erst in weit späterer Zeit in
In9ignien des höchsten Gottes, dem Festzuge Latium Eingang fand [Schwegler, Röm. Gtsch.
voranfuhr (über den tuskischen Ursprung der 1,287 Anm. 21; i 09 Anm. 5; 328. Hild, la legende
Sitte s. Sp. 632), kaum passender als imperator d' Fn.ee avuut Virg. Paris 1883 p. 40ff. Fr. Cauer,
genannt werden konnte, so scheint der Schlufs Die röm. Aeneassage von Naevms bis Vergil
nicht ungehörig, dafs wir keinen ursprünglich (K. Jahrb. f. Phil. Suppl. 15 (1887), 120ff.], so
latinischen Kult vor uns haben, sondern eine unterliegt es keinem Zweifel, dafs der Name
Übertragung der etruskischen Trias, wobei Inppi- 10 des Aeneas im Kulte gar nicht genannt war,
ter den Titel imperator vielleicht erst den Lati- sondern dafs die Verehrung ursprünglich nur
nern verdankt. (buxsummusimperatordivomatque dem Iuppiter Indiges galt. Bestärkt wird
hominum luppiterbci Plaut. Amph.1120 istnatür- diese Annahme dadurch, dafs mit der Feier
lieh nur eine Übertragung aus d. Griechischen.) des Iuppiter Indiges die der Vesta und der
Die Bezeichnung imperator, die anfangs nur dem Penaten auf das innigste verknüpft ist (Varro
Iuppiter zukam, ist in unserer Inschrift auch a.a.O. Dion. 1, 67 ; 2,52. Lio.l, 14, 3. Ascon.
auf seine ovwaoi übergegangen. Dafs gerade in Cie. Scanr. p. 18 K. et S. Serv. ad Aen. 3,
zu Praeneste derselbe Kult sich findet, kann 12. Vol. Max. 1, 6, 7. Macrob. Sat. 3, 4,
unsere Vermutung nur bestätigen; denn unter 11), eine Vereinigung, der wir zu Rom in
allen latinischen Städten ist, wie die zahl- 20 dem uralten Kultlokal der Regia mit dum
reichen Funde beweisen, keine so sehr wie Vestatempel wieder begegnen (s. unten). Als
Praeneste dem etruskischen Einflufs unterworfen Vermittler der sakralen Beziehungen zwischen
gewesen. So hatte also zu Falerii Iuppiter Lavinium und Rom nennt Luean. Phars. 7, 394
seinen Sitz erhalten und mit ihm genossen den Numa. Vermutungen über den Zusammen-
in gemeinsamem Tempel Iuno und Minerva hang von Numicius, Nurnitor, Nnma, welche
hohe Verehrung; vgl. Kuhfeldt, de Capitoliis die von dem höchsten Gott ausgehende Ord-
imperii Somani, Berl. 1883, p. 27 ff. Die Esi- nung und Gesetzlichkeit als irdische Repräsen-
stenz eines Iuppiter Curis wird zwar nur durch tanten zum Ausdruck bringen, s. bei Gilbert,
eiue Stelle Tertullians bezeugt (apol. 24 Fa- Gesell, u. Topogr. d. Stadt Born 1, 356; 365
liscorum in honorem patris Curis et aeeepit so Anm. 1. Den Herrscher des Himmels, sein
cognomen Inno), aber es liegt durchaus keine schaffendes und belebendes Wirken in der Na-
Veranlassung vor für patris Curis mit Gar- tur sehen die Lavinienser konkret vor sich in
rucci patriae Citritis zu konjicieren. Iuppiter den Gewässern des Numicius, der wie die Sage
Curis bildet das Pendant zu der bekannten ging (Verg. Aen. 7, 150 und Serv. zu d. Stelle),
faliskischen Kriegsgöttin Iuno Curitis, demnach in älterer Zeit in weit höherem Mafse als
wäre (im Gegensatze zu Deeclce) in ihm, nicht später die Gefilde der Stadt befruchtend durch-
im Iuppiter Imperator der spezifische Kriegs- strömte; und insofern sein Walten und seine
gott der Fali>ker zu sehen Den Iuppiter C im i- Thätigkeit an jenen Flufs gebunden zur Er-
nius (C. I. L. 11, 2688), dpr von Jordan im scheinung kam, hiefs er Iuppiter Indiges [Peter
Index zu Prellers Röm. Myth. 2 S. 473 für 1 40 Bd. 2 Sp.137, 24ff.). Alsabei^eitBeginn desdrit-
S. 241 Anm. 1 citiert wird und in den Nach- ten vorchristlichen Jahrhunderts griechische Er-
trägen (2 p. V) zu der erwähnten Stelle zu Zahlungen auf den einheimisch latinischen
finden ist, scheint Deecke a. a. 0. S. 83 für Sagenkreis umgestaltend wirkten und ihnen
eine faliskische Gottheit zu halten, indes der zufolge Aeneas im Kampfe mit Mezentius oder
Fundort Volsinii liegt schon aufserhalb des Turnus in der Nähe des Numicius ver.-chwun-
faliskischen Gebietes. Auf dem Schlufsstein den war oder in seinen Wellen den Tod ge-
eines Thores zu Falerii ist ein jugendlicher fundpn hatte (Bd. 1 Sp. 1798'.), wurde auf ihn
bartloser Kopf gefunden worden; da man in als divus pater indiges die göttliche Würde
ihm eine Darstellung luppiters ei kennen wollte, übertragen, Dion. 1, 64 Kai av-ccö Karucxtv-
gab man dem Thore den Namen porta di Giove; 50 cjouciv of AaxCvoi rjpcäov sjn.ygaqpi) xoiüSs
es ist wohl eher an Apollo zu denken (vgl. v.oaaovuivov, nargög arsov x^oviov, og norcfiov
die Abbildungen desselben auf etruskischen Novu.tv.tov qtvua diinu. Wenn wir die Worte
Münzen b. Deecke, Flr. Forschg. 2 Taf. 1, 8; 2, des Schriftstellers narnös ■Stoü jSim'oii ög . . . .,
32), vor allem wegen der Analogieen anderer die, wie schon Burmann, Alllatin. Clinrogr.S. 112
Thore; s. Deecke, Falisker S. 40). Anm.245sah,nichtwiediewörtlicheÜbersetzung
Latin er; Zu Lavinium der alten geist- einer Inschrift klingen, und die Übersetzung
liehen Metropole von Latium und Rom (Varro divi putris indigetis (vgl. Solin 2, 15; de orig.
1.1. 5,144. Dion. 5,12. it'u.5,52,8. Plut. Cor.W) gent. Rom. 14, 4) als sicher beglaubigt anneh-
wurde in einem Heiligtume am Flusse Nurni- men, so kann unter dieser Bezeichnung nur
cus (C. I. L. 14, 2065) odtr Numicius eine bott- oo der fremde Stammheros verstanden werden,
heit verehrt, die bald als Iuppiter Indiges Denn abgesehen von den Gründen, die Reiffer-
(Lio. 1,2, 6. Plin.n.h.3,5G. Serv. ad Aen. 1,259; scheid {ann. delV inst. 1866 S. 216) gegen die
4, 620) bald als Aeneas Indiges (zu den Stellen von Preller (Röm. Myth. 1 S. 57) vertretene Mei-
Bd. 2 Sp. 133, 39, vgl. noch luv. 11, 63), ein- nung, aus divus pater indiges sei im allgernei-
mal als natrig debg %&6vLog (= divus pater nen Sprachgebrauche Iuppiter indiges hervor-
Indiget;?) bezeichnet wird [Dion. 1, 64). über- gegangen, mit Recht geltend gemacht hat,
einstimmend wird von allen Quellen der Zu- liegt in der eben angeführten Ansicht Prellers,
sammenhang mit dem Numicius hervorgehoben wonach divus pater indiges die ältere Benen-
21*
647 Iuppiter (in Latium: Lavinium: Indiges) Iuppiter (in Latium: Praeneste : Puer) 648
nung war, und der ferneren Vermutung, Iup-
piter indiges seheine der wirkliebe Kultusname
gewesen zu sein (ebend. 2, 142 Anm. t), ein offener
Widerspruch, da die mit zäher Festigkeit
an den überkommenen Formeln hängenden
Kömer den Wortlaut der Gebete selbst dann
beibehielten, wenn ihnen der Sinn nicht
mehr verständlich war (vgl. die Lieder der
Salier und Arvalen). Es erzählt nun Dion.
a. a. 0. (vgl. Strdbo 5, 229. de orig. gent.
Rom. 10. 11) aufser der schou bekannten
Version: Aeneas habe seinem Vater Ancbises
ein Jahr nach dessen Tode ein Heroon ge-
weiht; die Widmung des Ascanius an Aeneas
finden wir im Schol. Veron. ad Aen. 1 , 260
Ascanius hostibus devictis in loco quo (pater)
apparuerat, Aeneae indigtti templum äieavit,
ad quod pontifices quotannis cum consulibus
veniunt sacrificaturi; vgl. Paul. p. 10G s. v.
indiges: hoc nomine Aeneas ab Ascanio appella-
tus est, cum pugnans cum Me:entio nusquam
apparuisset. Demnach könnte man auch ver-
muten, dafs erst nach dem Bekanntwerden
obiger Sagen an Stelle des ursprünglichen
Heiligtumes ein neuer Tempel erbaut wurde,
der, als Restitution des alten Kultlokales gefafst,
der inzwischen eingedrungenen Sage, nach
welcher durch Aeneas oder Ascanius dem zum
Gotte erhöhten Yatf-r ein Heroon gestiftet
wurde , in seiner Aufschrift Ausdruck verlieh,
und nctzQog &sov wäre ganz wörtlich im
Sinne der mythischen Dedikanten zu verstehen.
Auch der einheimische Ahnherr Latiums Lati-
nus wurde mit dem Numicius in Verbindung
gesetzt; Fest. p. 194 (weiteres s. unter Iuppiter
Latiaris). 'Bis in die späte Kaiserzeit blieb
der sakrale Zusammenhang zwischen Lavinium
und Rom ein so inniger, dafs jährlich die
Pontifices mit den Konsuln sich zum Numieius
begaben, um hier im Heiligtume des Iuppiter
Indiges ein Opfer darzubringen; Schal. Veron.
ad Aen. a. a. 0. Eine aus der Regierungszeit
des Claudius (zwisch. 47 u. 54 p. C.) stammende
Inschrift aus dt-m Iuppitertempel auf dem
Forum von Pompei (C. I. L. 10, 797) nennt
einen flauten Dialis zu Lavinium; Servius ad
Aen. 8, 664 berichtet von einem Opfer der
ftamines an demselben Orte; da aber hier
offenbar die römischen Priester zu verstehen
sind, so wird man über die auf der Inschrift
erwähnten (lamines ebenso urteilen; vgl. in-
des Marquardt, Hörn. Staatsverw. 3 '-' S. 334 A. 4.
Die Frage über den Iuppiterkult zu Prae-
neste und sein Verhältnis zur Fortuna Primige-
nia ist schoD von Peter mit Angabe der einschlä-
gigen Litteratur Bd. 1 Sp. 1542 ff. ausführlicher
behandelt worden, ich kann mich daher kurz
fassen; die wichtigste Stelle findet sich bei
Cic. de diu. 2, 85 etc : Kumcrium Suffustium,
Praenestinorum monumenta declarant, honestum
hominem et nobilem somniis crebris ad extre-
mian etiam minaeibus , cum iuberetur certo in
loco silicem caedere perterritum visis, irrideidi-
bus suis civibus id agere coepisse; itaque per-
fracto saxo sortes erupisse in robore insculptas
priscarum litterarum notis. Is est hodie locus
saeptus religiöse propter lovis pueri (sc. tem-
plum vel saceltum) qui lactens cum Iunone For-
tunae in gremio sedens mammae adpetens ca-
stissime colitur a matribus. Eodemque tempore
in eo loco, ubi Fortunae nunc sita est aedes,
mel ex olea fluxisse dieunt haruspicesque dixisse
summa nobditate Mas sortes futuras eorumque
iussu ex üla olea arcam esse factum eoque con-
ditas soites, quae hodie Fortunae monitu tollun-
tur. Quid igitur in his polest esse certi, quae
Fortunae monitu pueri manu miscentur atque
10 dueuntur Fani pulehritudo et vetustas
Praerustinarum etiam nunc retinet sortium
nomen atque id in volgus. Deutlich weiden in
dieser Stelle die Heiligtümer des Iuppiter Puer
und der Fortuna Primigenia unterschieden;
auf letzteres, dessen Giebeldach Babelon, monn.
de la re'publ. Korn. 2 S. 315 auf Münzen des M.
PlaetoriusCestiauus erkennen will, beziehen sich
folgende wegen der Erwähnung luppiters hier
nennenswerte Inschriften: (Jrcevia. Numeri.
20 nationu. cratia | Fortuna. Diovo. filei | Primo-
cenia | donom dedi = Orcevia Kumerii (uxor)
nationis gratia (nach Mommsen = propter fetu-
ram pecorum, vgl. Fest. s. v. natio p. 167: ....
in pecoris quoque bonus proventus feturae bona
natio dicilur) Fortunae Diovis filiae Primi-
geniae donum dedi (aufser den von Peter a.a.O.
citierten Stellen vgl. noch Motcat, comptes
rendus de l'acad. des inscr. et b.-l. ser. 4 vol.
12 (1884) p. 366ff. C. I. L. 14, 2863). Fortu-
so nae lovi puero (verschrieben für lovis puero
oder gleich Iovipuero nach Jordan a. a. 0.
p. 4) ex testamento Treboniae Sympherusae P.
Annius Herma heres l. d. d. d. (6. I. L, 14,
2868). Fortunae lovis puero (sie) Primigeniae
d(onum) d('edit) ex sorte compos factus Nolhus
Ruficanae L. f. Plotillae (C. I. L 14, 2862),
beidemal puero = filiae nach altem Sprach-
gebrauch {Charis. 1 p. 84 Keil. Prise. 1 p. 231
Hertz). Mommsen (Heim. 19 (1884) p. 455) will
40 in der Hinzufügung der sonst ungewöhnlichen
Verwandtschaftsbenennung eine Erinnerung
daran sehen fwie lebendig und sinnlich diese
Göttergestalt einst den Latinein vorgeschwebt
hat'. Da der abstrakte Charakter der alt-
italischen Religion M}rtben von Ehen der Un-
sterblichen nur wenig aufkommen liefs, von
Kindererzeugung überhaupt keine Spur aufzu-
weisen hat, da ferner die Bezeichnungen pater
und mater, wie wir im ersten Abschnitt sahen,
50 nicht für verwandtschaftliche Beziehungen ge-
braucht werden, so müssen wir der Ansicht
Jordans a. a. 0. p. 12 beipflichten, dafs filia
lovis nicht gleich prognata Iore sei, sondern
nur das nahe Verhältnis bezeichne, in dem
die durch ihre Orakel in ganz Italien berühmte
Fortuna (C. I. L. 14, 2989. Fast. Praen. C. I. L.
1 p. 316. Val. Max. 1,3,1; weitere Stellen
Bd. 1 Sp. 1545 ff.) zu dem höchsten und mäch-
tigsten Gotte steht. Der Anfang eines in-
co schriftlich erhaltenen Widmuugsgedichtes des
Praenestiners T. Caesius Taurinus: Tu quae
Tarpeio coleris vicina Tonanti \ Votorum vin-
dex semper Fortuna meorum (Anth. lat. 1 nr.
622 Meyer = C. I. L. 14, 2852) wird von Dessau
(zur angegebenen Stelle des Corpus) auf die
römische Fortuna Primigenia bezogen, die
nach Plut. de fort. Rom. 10 auf dem Capitol
ihren Sitz hatte. Dafs daselbst der von Augu-
649 Iuppiter (in Latium: Praeneste: Puer) Iupp.(i. Tibur [Praestes],Tusciilum[Maius]) 650
stus a. 22 dedicierte Tempel des Iuppiter To- Iunonarium [Ann. d. inst. 1885 S. 85. C. I. L.
nans (mon. Anc. 4, 5. Bio. 54, 4) sich befand 14, 2867; die von Peter Bd. 1 Sp. 1543, 17 an-
und die Anspielung auf den mons Tarpeius gelührte Inschrift Iovi O(ptimo) M(aximo) et
spricht für jene Ansicht, doch der Fundort Fortunae Primigeniae etc., sowie eine ähnliche
Praeneste und die Erwähnung ausschliefslich Iovi et Fortunae Primigeniae, die hier zu er-
praenestinischer Gottheiten, vor allem des Iup- wähnen wären, sind nicht echt (C. I. L. 14,
piter Arcanus (v. 16 Fortunae simulacra colens 272*. 271*)]. Mit dem loosziehenden Knaben
et Apollinis aras | Arcanumque Iovem nicht im Tempel der Primigenia (Cic. a. a. 0. vgl.
Arkanum Jordan, Top. 1, 2, 64 Anm. 64), ebend. 1, 34; ist etwa der Iuppiter Sortifer bei
machen es sehr wahrscheinlich, dafs die For- io Lucan, Pliars. 9, 512 vgl. 2, 193 hierher ge-
tuna Primigenia zu Praeneste gemeint ist. To- hörig?) hat man das jugendliche, bartlose über
nans ist ein sehr gebräuchliches Attribut des einer Lade "oder Tafel mit drr Aufschrift sors
höchsten Gottes, und die Übertragung des Na- befindliche Haupt einer Münze des M. Plaeto-
mens Tarpeius auf den Burghügel einer andern rius Cestianus (Mommsen. R. M. p. 622 nr. 261g.
Stadt hat nichts Anstöfsiges. Haben wir so den = Bdbelon a. a. 0. 2 p. 315 nr. 10) identifiziert.
Kult eines capitolinischen Iuppiter zu Praeneste Da das Bild des Iuppiter Puer in der Nähe des
bezeugt gesehen, so liegt es nahe, mit ihm Ortes aufgestellt Bei, wo Numerius Suffustius
den von Liv. 6, 29, 8 genannten Iuppiter Impe- die Loose mit den altertümlichen Schriftzeichen
rator zu identifizieren, dessen Bild der Dictator gefunden habe, und so auf eine Beziehung
T. Quinctius nach einem glänzenden Sieg über so zu dem grofsen Tempel hingedeutet werde,
die Aequer von Praeneste nach lioni schaffen so könne man, wie Jordan a. a. 0. p. 13 meint,
und hier mit einer Widmung auf dem Capitol den Knaben auf der Münze für eine Gottheit
aufstellen Hefa (vgl. den Abschnitt über die Fa- halten; doch vermutet Bdbelon a. a. 0. wohl
lisker Sp.643ff). In dem zweiten von Cic. a.a.O. mit Recht, dafs es sich um eine Darstellung
genannten Heiligtume befand sich das Bild der freilich sonst wenig bekannten Göttin Sors
der Fortuna; in ihrem Schofse waren Iuppiter handle. Das Kalbsopfer in den Fast. Praen.
und Iuno als Säuglinge dargestellt. (Über die ad Apr. 11 0. I. L. 1 p. 316 bezieht Preller,
Zugehörigkeit ähnlicher Terracotten zu diesem B. M. 2 S. 191 Anm. 2 ohne genügenden Grund
Kulte siehe Bd. 1 Sp. 1543, 36ff.). An ein ver- auf den Iuppiter Puer. Dafs der letztere in-
wandtschaftliches Verhältnis ist hier ebenso- 30 folge des schon mehrfach erwähnten Zusammen-
wenig zu denken, wie oben bei lovis filia; in hanges mit dem Orakel auch als Arcanus oder
der säugenden Fortuna sieht Jordan (symbolae Arkanus verehrt wurde, ist eine ansprechende
ad ldstoriam rd'igionum Italicarum alterae ind. Vermutung Prellers a. a. 0., doch keineswegs
lect. Regim. 1885 p. 12) Spuren des Glaubens sicher trotz der Verbindung mit Apollo 'als
an eine uralte Gottheit, die Schöpferin aller Gott aller Weissagung' (C. I. L. 14, 2852).
Götter und Menschen. Marucchi, bullet, d.inst. Amatores regionis macelli cultores lovis Arkani
1881 S. 251 will auch dieser Fortuna den Na- (C. I. L. 14, 2937) oder cultores lovis Arkani
men Primigenia geben (... si venerava la For- regio macelli (C. I. L. 14, 2972) werden auf
tuna che teneva in grembo Giove lattante e praenestinischen Inschriften der spätem Kaiser-
Giunone gruppo che ben si addice dl titolo de 40 zeit genannt, doch weist die Verbindung mit
Primigenia dato alla Fortuna venerata in Pre- der regio macelli im Gegensatz zu den auf
neste), Cicero erwähnt ihn nicht. Dafs als der der Burg gelegenen anderen Tempeln Iuppiters
eigentliche Besitzer des Tempels Iuppiter Puer eher auf die Niederung.
galt und Fortuna sowie Iuno nur als avvvaoi Die ganze Frage nach dem Iuppiterkult und
betrachtet wurden, ergeben einmal die Worte seinen Beziehungen zur Fortuna Primigenia
propter lovis pueri, zu denen nach lateinischem bedarf noch einer eingehenden Untersuchung.
Sprachgebrauche nur ein Begriff wie sacellum Zu Tibur gab es einen alten Altar des Iup-
oder aedes ergänzt werden kann (über Be- piter Praestes (Gott der sichern Erfüllung,
nennungen der Tempel, in denen mehrere Gott- Preller, B. II. 1 S. 207, od. Schützer d. Mauern,
heiten verehrt wurden, vgl. Ausl, de aedibus 50 vgl. Ov. f. 5, 135), der ihm von dem sieg-
sacris populi Boinani etc. Marbg. Diss. 1889 reichen Hercules geweiht sein soll (s. unten den
p. 40), sodann die Hinzufügung 'gui lactens Altar des Iuppiter Inventor an der Porta Trige-
cum lunone Fortunae in grernio sedens mam- mina in Rom). Der römische Prätor Blandus,
mam appetens castissime colitur a matribus' aus Tibur gebürtig, stellte ihn zu den Zeiten
(= von den mit Kindern gesegneten Müttern des Kaisers Tiberius (Tac. ann. 6, 27) wieder
Preller, B. M. 2 S. 190 Anm. 1). Neben dem her (C. /. L. 14, 3555 Iovi. Praeititi | Hercules.
wegen seiner Pracht und Schönheit gefeierten Victor, dicavit \ Blandus. prlaetorj. restituit).
Tempel der Fortuna kann diese Kultstätte nur Vermutungen über den Zusammenhang jener
von untergeordneter Bedeutung gewesen sein. Widmung mit einem zu Tibur bestehenden
Für die engen Beziehungen zwischen Fortuna co Hercules-Cacusiuytrjus und einer Dedikationdes-
Iuppiter und Iuno haben wir eine Reihe von selbenBlaudus an Iuno giebt PtterBä. 1 Sp. 2278.
Anhaltepunkten: das Kultbild, die Nachbar- 3003. Die Beinamen Custos und Territor
schaft der einzelnen Heiligtümer (Bormann (CLL. 14, 3557. 3559) sind nicht altlateinisch,
a. a. 0. p. 207 ff. Marucchi a. a. 0. p. 248 ff. sondern stammen erst aus späterer Zeit.
Blondel in Melanges d'arche'ol. et d'hist. 2[1882] Dafs die Tusculaner Iuppiter als deus
S. 168ff.), den Spiegel von Palestrina (C. I. L. Maius verehrten, berichtet Macrot. Sat. 1, 12,17
14, 4105), wo Fortuna neben Diesp(i)t(e)r und sunt gui hunc mensem (Maium) ad nostros fastos
Iuno steht, schliefsHch die Erwähnung des a Tusculanis transisse commemorent, apud quos
651 Itippiter (physikaL Wesen d. ital. Iuppiter) Iuppiter ^ ethisch. "Wesen d. ital. Iuppiter < 652
nunc quoque vocatur deus Maius qxä est Iup- allen Dialekten gemeinsamen Stamme diov be-
piter a mognitudine sdlicet et maiestate dictus reits deutlich ausgesprochen, findet eine weitere
(.die Inschrift Iori maio saerum Sensen 5637, Bestätigung in dem Namen Lucetius und in
mit dem Zusatz P.Muciuspater[s.G-arrueci,Sytt. der Weihe der Idus, d. h. der Zeiten, an denen
564] ist gefälscht, vgl. C. I. L. 14, 216*). Die bei Tage der Glanz der Sonne, bei Nacht das
Zusammenstellung mit der Erdgöttin Maia und Leuchten des Vollmondes die eigenartige Natur
die Verwandtschaft des Stammes in maius mit Iuppiters ununterbrochen offenbaren. Neben
denen von magis, maior, macte (Preller, B. 31. der täglichen und nächtlichen Helle wurden
1 S. 398") zeigen deutlich, dafs die Ursprung- auch die anderen Erscheinungen und Wirkungen
liehe Bedeutung einer Naturgottheit hier noch 10 des himmlischen Lichtes, alle Veränderungen
in vollem Umfange gewahrt ist. AD Personi- der Luft auf ihn als Urheber zurückgeführt;
fikation der Kraft, welche auf das' Wachstum im Regen, der befruchtend zur Erde nieder-
und die Vermehrung der Produkte der Erde strömt, im leuchtenden Blitz und rollenden
fördernd wirkt, steht der deus Maius dem Iup- Donner erkannte man sein göttliches Walten,
piter Liber am nächsten, und dafs der Kult und achtete früh auf die himmlischen Zeichen
des höchsten Gottes unter diesem Namen zu als Äußerungen des göttlichen Willens. DieBe-
Tusculum nicht fremd war, ersehen wir aus deutung des Wetters für alle Arten des Land-
der daselbst gefundenen Inschrift [IJovi Über- baues machte ihn zum Beschützer aller Acker,
ta[ti] j saerum posilum aedil I. Yaleri. Bassi Weideplätze und Weinberge, den man im Ge-
praef. fabrum (C. I. L. 1 , 11-24 = 14, 2579'. 20 bet um Hülfe gegen schädliche Einflüsse und
Über die verschiedene Benennungsweise Liber, Segen für das Gedeihen der Früchte und Saaten
Liberator, Libertas siehe unten. Nach Liv. 27, anflehte. Wie seine Macht im Erdboden die
4, 11 schlug a. 544 u. c. ein Blitzstrahl in den Keime neuen Lebens entfaltet, so wirkt er
Giebel eines Tusculan. Iuppitertempels. Die/hsf. schaffend und zeugend auch in den höheren
Tusc. (C. I.L.l p. 300=14, 2575) bestimmen an Organismen und wird zum U7rahn des Menschen-
den Iden des Juni ein Fest für den Himmels- geschlechts. Infrüher Zeit bereits ist eine Ver-
vater. Dunkel bleibt das Wesen des Iuppiter geistigüng im Begriffe Iuppiters eingetreten,
Beonus zu Lanuvium (so heifst er auf einer die natürlichen Vorstellungen des Lichtes und
kreisförmigen Marmorplatte C. I. L. 14, 4177). der Reinheit werden übertragen auf die sittliche
Ob der Tempel daselbst, der a. 536 u. c. zu- so Welt. TVo Licht ist, da ist Wahrheit; darum
gleich mit dem Markte vom Blitz getroffen gilt der Gott des strahlenden, alles beleuch-
wurde, in Beziehung zu dem auf Inschriften tenden Himmels zugleich als Verkörperung der
genannten Iuppiter Optimus Maximus Conser- moralischen Ideen der Treue und Heiligkeit,
vator oder Sispes (der Inno Sospita entspre- der Gesetzlichkeit und Ordnung; werden sie
chend, siehe diese) zu setzen sei, wie Bonnann verletzt, dann rächt er selbst den Frevel oder
(Altlatin. Chorogr. S. 216) meint, mufs ebenso leiht den Geschädigten im Kampfe gegen die
unentschieden gelassen werden, wie die Frage, Missethäter seinen Beistand; er schirmt das
ob das unter den Prodigien des Jahres 541 u. c. Recht und das Eigentum nicht nur des Ein-
erwähnte Heiligtum desselben Gottes zu Aricia zelnen, sondern auch der Gemeinde, und hierin
(Liv. 24. 44, 8) zu einem einheimischen Kulte 40 liegt der Ausgangspunkt für seine politische
gehört habe. Bedeutung, die, gehoben durch die im Sehleu-
Ehe wir nun zur Betrachtung des Iuppiter- dem der Blitze sich kundthuende Macht,
kultes im alten Rom übergehen, wird es an- ihn schliefslich als das himmlische Abbild
gebracht sein noch einmal uns zu vergegen- der obrigkeitlichen (königlichen) Gewalt, der
wärtigen, welche Richtungen im Wesen dieses Macht und Hoheit des Staates zeigt. Indem
Gottes bei den verschiedenen italischen Stäin- er die Majestät des irdischen Staatsober-
men hervorgetreten sind, um aus der Gemein- hauptes widerspiegelt, wurde er selbst zum
eamkeit oder Verwandtschaft bestimmterEinzel- höchsten Herrscher unter den übrigen Göttern.
Vorstellungen den allgemeinen Begriff zu Diese kurz berührten Grundzüge fiuden wir
gewinnen, der vor__ dem Eindringen fremder 50 auch in der altrömischen Religion bis zur Er-
Elemente und dem Übergewicht des römischen baunng des capitolini.-chen Tempels haupt-
Staatskultes sich in dem religiösen Bewufst- sächlich vertreten, und dank den genaueren
sein der Völker Italiens herausgebildet hatte. Nachrichten sind wir im stände jenes Bild zu
Welche Prinzipien man sich auch als wirksam erweitern und zu vervollständigen,
denken mag bei der Erzeugung bestimmter
Gottesideen, so unterliegt es gerade bei Iup- Altester Kult in Rom.
piter keinem Zweifel, dafs für die Bildung In die eisten Anfänge Roms, als die Be-
seines Begriffes in erster Linie physikalische wohner der einzelnen Hügel noch nicht zu
Vorgänge mafsgebend gewesen sind. Denn einem politischen Ganzen geeint waren, führen
je weiter wir die Spuren seines Dienstes zurück- eo uns die Nachrichten von der Verehrung Iuppiters
verfolgen, um so schärfer treten die auf die (wir verdanken sie meist den Argeerurkunden
Natur bezüglichen Seiten seines Wesens her- bei Varro) auf den hochgelegenen Punkten
vor, um so ungetrübter und reiner wird das der Stadt, wo ein Baum oder einfacher A tar
Bild der Naturgottheit, die in heiligen Hainen den Mittelpunkt der religiösen Feier bildete
und auf lichten Höhen, wo der Mensch den (vgl. Verg.Aen. 3, 679. Sern, ad Georg. 3,332).
Unsterblichen näher zu sein glaubte, in bilder- So gab es ein Heiligtum von ihm in einem
losem Kulte gefeiert wurde. Der Charakter des Buchenhaine auf dem Esquilin, dem soge-
lichtspendenden Himmelsgottes, in dem nannten Fagutal (Fett. p. 348), in engerem
653 Iuppiter (altröm. Kulte: Fagutalis etc.) ■ Iuppiter (altröm. Kulte : Caelius, Lueet. etc.) 654
Sinne dient der Name zur Bezeichnung der falls an den Kult auf dem Quirinal zu denken
Kultstätte selbst. Varro 1. I. 5, 152 Fagutal sein wird). An der Stelle, wo dem Iuppiter
a fago unde etiam Iovis Fagutalis, quod ibi Feretrius ein Tempel errichtet wurde, soll
sacettum. Paul. p. 87 Fagutal sacellum Iovis, eine alte, den Hirten heilige Eiche gestanden
in quo fuit fagus arbor, guae Iovis sacra ha- haben (Liv. 1, 10, 5). Iuppiter Caelius und
bebatur , vgl. Varro l. I. 5, 49. 50. Solin 1, 26. Cacunus, obwohl erst für spätere Zeit bezeugt
Zu den Zeiten des älteren Plinius war der (C. I. L. 6, 334 Hcrculi Iuliano, lovi Caelio,
Hain bereits verschwunden (». h. 16, 37 Sil- Genio Caelimontis Anna sacrum, vgl. Jordan,
varum certe distinguebatur (sc. Roma) insigni- Top. 2 S. 259. Bullet, comm. 1887 S. 214;
bus: Fagutali lovi etiam nunc, ubi lucus fa- 10 Bd. 1 Sp. 2957. Iovis Cacunus C. I. L. 6,
geus fuit); die verschiedenen Ansichten über 371 auf einer Bronzeplatte gefunden, vgl.
die Lage desselben sind zusammengestellt von C. I. L. 9, 4876) scheinen auch dem Kreise
Jordan, Top. 2S.2Ö3. — Gilbert, Gesch.u. Topogr. der bisher genannten Kulte anzugehören. Eine
1 S. 162 entscheidet sich für den Südabhang des Erinnerung an jene Zeit, wo der Differen-
Üppius. Auf dem Quirinal hat sich eine hier- zierungsprozefs iru Wesen des höchsten Gottes
her verschleppte Dedikationsinschrift vom Jahre noch nicht begonnen hatte, liegt vor uns in
109/110 v. Chr. gefunden, worin ein vicus Iovis der Anrufungsformel der Fetialen (Liv. 1, 32,
Fagutalis genannt wird. C. I.L. 6, 452 [Laribus 6. 9), in der kein Attribut eine bestimmte Seite
AJitgustfisJ vici Iovis Fagutal [is] . . — Ein Altar seiner Thätigkeit hervorhebt. Wir gelangen
war dem Iuppiter auf dem Viminal erbaut 20 zu demselben Resultate noch auf anderem
Varro l. I. 5, 51 Viminali a Iove Vimino, quod Wege. So verschieden auch die Ansichten
(von Jordan, Top. 2, 261 in quoius ohne Grund der Gelehrten sein mögen über die Bevölke-
geändert, vgl. Varro 5, 152) ibi ara (Jordan rungselemente im alten Rom, an derThatsache
a. a. 0.; arae cod. Flor.); vgl. Fest. p. 376 selbst, dafs es seine politische Stellung einem
Viminalis et porta et collis appellantur, quod Synoikismos verdankte, besteht kaum noch
ibi viminum fuisse videtur silva, ubi est et ara ein Zweifel. Findet sich nun bei eiuer Prüfung
lovi Viminio consecrata; eine Abbildung des der oben angeführten Beinamen das bemerkens-
Altares giebt uns eine Marmorplatte vom vi- werte Faktum, dafs sie sämtlich nicht einer
minalisehen Thore (Fiorelli, Notizie degl. seav. besonders stark hervortretenden Richtung im
1877 S. 82, Bruzza, comm. philol. in hon.Momms. 30 Begriffe Iuppiters, sondern lokalen Rücksichten
p. 557 ff., Jordan, Top. 1, 1 S. 223). Aus der Er- ihren Ursprung verdanken, so führt uns das
wähnung des collis Latiaris (Varrol.l.ö, 52) zu dem Schlüsse, dafs die Auffassung vom
und der Bemerkung desselben Schriftstellers, Wesen jenes Gottes bei den Sondergemeinden
die 5 colles (Viminalis, Latiaris, Mucialis, vor der politischen Einigung in der Hauptsache
Salutaris, Quirinalis) seien ab deorum fanis ein und dieselbe war, und hieraus ergiebt sich
benanut, hat Jordan 2 S. 263 ff. mit Recht ge- die weitere Folgerung, dafs die Veranlassung
schlössen, dafs ein Iuppiter Latiaris auf jenem die einzelnen Kulte durch Zufügung der Orts-
Hügel verehrt worden sei, zumal da gleich- bestimmungen von einander zu unterscheiden
zeitig mit den feriae latinae auf dem mons sich erst dann herausgestellt haben kann, als
Albanus in Rom Feierlichkeiten zu Ehren des 40 in dem geeinten Staate eine Mehrheit von
Iuppiter Latiaris stattfanden (vgl. Chr. Werner, Kulten desselben Gottes sich vorfand. Hiermit
de feriis latinis diss. Tips. 1888 p. 35 ff. und steht es nicht im Widerspruch, wenn nach
den Abschnitt über Iuppiter Latiaris). Da dem übereinstimmenden Zeugnis der Alten
das Capitolium vetus (vgl. liiehter in Iw. Iuppiter in sehr früher Zeit Luc etius (über die
Müllers Handhch. 3 S. 906 = Baumeister, Etymologie vgl. Corssen, Krit. Beitr. S. 471 ff.)
Denkm. 3 S. 1532) mit) dem sacellum Iovis oder Diespiter genannt wurde, da diese Bezeich-
Iunonis, Minervae (Varro 1. I. 5, 158) sehr nungen keine Beinamen sind, sondern andere
wahrscheinlich identisch ist mit dem auf der Benennungen, welche die in Iuppiter schon vor-
Südseite des Quirinals befindlichen collis La- liegende Grundbedeutung einer himmlischen
tiaris, so liegt die Vermutung nahe, dafs der 50 LichtgottheitumsoklarerzumAusdruckbringen.
ursprünglich dem Himmelsvater allein gel- Gell. 5, 12, 6 ff. Iovis. ..dictus est Lucctius, Lucc-
tende Kult unter griechischem (etrusk.) Einnufs tium autem Iovem Cn.Naevius in libro belli Poe-
i Kuhfeldt , de capitoliis tmperii Bomani p. 82) nici appellat. Paul. \>.lliLucetium Iovem appel-
durch Eintritt der Iuno und Minerva zu der labant, quod eum lucis esse causam credebant.
bekannten Dreizahl erweitert worden ist. Für Verg. Aen. 9, 567, dazu Servius, Gloss. Tabb.
das hohe Alter unseres Kultes spricht die Lucerius = Ztvg. Unter diesem Namen wurde
von Jordan, Top. 1 , 1 S. 282 und Kuhfeldt Iuppiter im alten Salierliede angerufen (Macrob.
p. 80 ff. ohne Grund angezweifelte Nachricht Sat. 1, 15, 14); den Text giebt uns Terentius
Varros von dem genannten Heiligtume der Scaurus 7, 28 Keil: quome tonas Leucesie | prae
Trias (antiquius quam aedes in Capitolio facta), co led tremonti, quod ibit hemunis devi (frg. 2
Noch zu den Zeiten Martials mufs Iuppiter p. 29 Baeftrens, vgl. BergJc, de carm. Sal. S. 12;
daselbst verehrt worden sein, vgl. Martial. 5, eulne ponas leucesiae practexere monti (prae
22, 8 ff. sed Tiburtinae sum proximus aecola tet tremonti Fest. p. 205) quod ibet ctinei de is
Hilae (vgl. Jordan, Archäol. Zeitg. 4 (1S71) cum tonarem codd.). Zander, carm. sal. rell.
p. 71) qua videt antiquwm rustica Flora (Bd. 1 Lund 1888. — Jordan, Krit. Beitr. S. 211. 219
Sp. 1484, 35) Iovem (von Gilbert a. a. 0. S. 274 vermutet Leucetie oder Loucetie; letztere Form
A. 1 wird irrtümlich Martial. 7, 73 angegeben, nennt Marius Victor. 6, 12 Keil. Dem Licht-
wo bei dem Iuppiter vetus in der 4. Zeile gleich- gotte waren die Iden, an denen er, Tag und
655 Iuppiter (altröm. Kult: Idusfeier) Iuppiter altröm. Kulte: Fulgur, Elicius) 656
Nacht (Dion. 10, 59, vgl. Plut. Brut. 14) er- das Gedicht insehriftlich erhalten Eph. ep. 4
hellend, eine stete Bürgschaft seiner himm- n. 752; vgl. sub diu bei Vitr. 1, 2, 5. Claudia)}.
lischen Gegenwart gab, von alters her geweiht; i>i Eutrop. 1, 4 nimboque minacem ' sanguineo
3Iacrob. a. a. 0.; Lyd. de mens 3, 7; darum rubuisse lovem; es werden ihm metaphorisch
fielen auf sie die Stiftungstage seiner Tempel Eigenschaften beigelegt, die dem Himmel,
[Plut. Popl. 14. Oi: fast. 4, 621; 6, 649. Fast. seinen Erscheinungen uud Wirkungen zukoin-
Tusc. ad Lun. 13. C I. L. 1 p. 300 = 14. 2575. men: hilarus [Sero, ad Aen. 1, 256), sertnus
Fast. PhiVic. ad lan. 13. C. I. L. 1 p. 334. (C. I. L. 6, 431. 433\ siccus {Aetna 333), uvidus
In den Fasten sind aufserdeni noch folgende ( Verg. Georg. 1, 41S), madidus [Alartial. 6,
Festtage an den Iden verzeichnet: zum 15. Mai 10 36, 1), malus (von der Witterung, Hör. e. 1,
und 13. Juni ferfiaei Iovi fast. Venus. CLL. 22, 20), vernus [luv. 5, 79), hibernus (Flacc.
1 p. 301 = 9, 421; zum 13. Aug. fer(iae) Iovi Argon. 3, 578. Stat. Theb. 3, 26), oder er wird
fast. Allif. Eph. Ep. 3 p. 85 = 0. 1. L. 9, 2320. als' Ursache derselben betrachtet; Furius Bi-
Fust. Amit. C I. L. 1 p. 324 = 9, 4192; zum bacuhts bei Poiphyrio und Acro zu Hör. Sat.
13. Sept. feriae Iovi fast. Arv. Eph. Ep. p. 35 sq. 2, 5, 40 Iuppiter hibernas cana nive conspuit
H nzcnp. 237 = C.I.L. 6, 2295 ; Iovi epulum oder Alpes, vgl. Quint. 8, 6, 17. Verg. Ed. 7, 60
epuli indictio fast. Sab. G. I.L.l-p. 302 =9, 4769. Iuppiter et laeto descendet plurimus imbri.
Fast. Ant. G. I. L. 1 p. 328 = 10.6638. Fast. Aen. 1, 256 Voltu, quo caelum tempestatesque
Philoc. C. 1. L. 1 p 354; IOVIN fast. Vall. serenat. Hort. c. 3, 10, 7 audis . . . positai
C. I. L. 1 p. 320 = C. I. L. 6, 2298: zum 20 ut glacitt nives | puro numine Iuppiter. Martial.
15. Okt. feriae Iovi fast. Arv. Henzen p. 239; 9, 18, 8 Iovis imber etc. Die Kaiserzeit ist
zum 13. November feriae Iovi fast. Arv. Heu- mit Beinamen für diese Seite seiner Thätigkeit
gen p. 240 epulum indicitur fast. 2Iaff. CLL. sehr freigebig gewesen, wie die unten anzu-
1 p. 307. I^ast. Ant. 1 p. 329. Die Vermutung führenden Inschriften zeigen werden,
liegt also nahe, dafs ein ähnlicher Zusatz in im Campus Martius lag ein Heiligtum des
den vollständigen Fasten sieh bei allen Iden Iuppiter Fulgur (über die Beschaffenheit
befunden habe, und mit Recht weist Gilbert, desselben s. Vitr. 1, 2, 5 cum Lovi Fulguri . . .
Gesch. u. Topogr. Borns S. 235 darauf hm, dafs aedifieia sub diu hypaethra constituentur). vgl.
Iuppiter und Iuno (s. diese) die den Monat die fast. Ost. zum 7. Okt. Iovi Fulg(uri) in
bestimmenden Götter sind, „welche die Mond- 30 Campo C I. L. 1 p. 322. Diese Lesung wird
phasen zur Erscheinung brmgeu , die das ge- gesichert durch die fast. An: zu demselben
samte Leben ordnen und regeln". Im Zu- Datum Iovi Fulguri in campo oct. fratr. Arv.
sammenhange damit steht das monatliche p. CCXXNVIII Henzen ; vgl. Mommsen, Eph.
Opfer der ovis ldnlis, Macrob. Sat. 1, 15, 16 ep. ■< p. 39, Der konkrete Zusatz fulgur, der
sunt qui aestiment ab ove Iduli dietas (natür- den Gott mit der Himmelserscheinung identi-
lich ist es gerade umgekehrt) quam hoc nomine ficiert, bürgt für das hohe Alter des Kul-
vocant Tusci et Omnibus idibus immolatur a tes; Iuppiter Fulgur ist die Personifikation
flamine, vgl. Paul. p. 104. Dafs dem Licht- des fulgur dium. Im Zusammenhange damit
gotte nur ein Lamm von weifser Farbe dar- steht die Prokuration der einschlagenden
gebracht werden konnte, wäre klar auch ohne 10 Blitze; Festus p. 229 itaque loci Fulguri et
das ausdrückliche Zeugnis des Ovidfast. 1, 56: Summano fit quod diurna Iovis, nocturna
Idibus alba Iovi grandior agna cadit. In feier- Summani fulgura habentur. Vgl. Marquardt.
hcher Prozession bewegte sich der Zug durch R,m. Staatsveru: 3' S. 702 ff.; zu den von
die sacra via idie ihm wohl ihren Namen ver- Wissowa aus den Inschriften gesammelten
dankt) aufs Capitol (Fan-o U. 5,47. Fest.p. 290), Stellen sind von den später erschienenen
wo im Tempel des höchsten Gottes der flamen Bänden des Corpus noch hinzuzufügen CLL. 12,
Dialis (Ol', fast. 1, 588 'castus sacerdos' ; nach 10i7_ 2769. 2888. 2970. 3023. 4100. 3048. 3049;
Fest. a. a. 0. waren es sacerdotes) die heilige e
Handlung vornahm. Klausen, Aeneas und die u. -i5- Dle Beinamen Fulgurahs, Fulgu-
Penaten S. 930 bezieht hierauf die bekannten 50 rator, Fulmen, Fulmmans, Fulminator
Verse des Horaz c. 3, 30, 8 Crescam laude sind jüngeren Ursprungs (s. unten), ebenso die
recens, dum Capitolium | scandet cum tacita Attribute, die den Donnerer bezeichnen (vgl.
virgine pontifex. Abweichend von der allge- den Abschnitt über die Augurnl
meinen Ansicht hat Gilbei t a. a. 0. 1 S. 236 ff. Aus früher Zeit gehört ferner in diesen Kreis
angenommen, dafs das Opfer ursprünglich in der Kult des Inppiter Elicins, dessen Begrün-
der Regia auf der Höhe der sacra via dar- düng dem Numa zugeschrieben wird. Die Fabe-
gebracht und von hier nach dem Tempel des leien der Alten, die ihn übereinstimmend mit der
Iuppiter Stator (s. unten) verlegt sei, während Fulguraldisciplin in Zusammenhang bringen,
die Ausdehnung der Prozession selbst bis zur haben die richtige Deutung sehr erschwert. Es
arx ihre Veranlassung habe in dem Beitritt 60 berichtet Livius 1, 20, 7 Xuma quaeprodigia
der quiriualischen Gemeinde. Dafs die Vor- fulminibus aliove quo visu miss.r suseiperentur
Stellung von dem Himmelsgotte im Bewufstsein atque curarentur, ad ea elicienda ex mentibus
der Römer lebendig geblieben ist, zeigen am divinis Iovi Elicio aram in Aventino dedieavit
klarsten Wendungen, in denen Iuppiter gerade- deumque cousuluit auguriis quae suseipienda
zu caelum vertritt: sub Iove {= sub caelo) essent. Weiter ausgeschmückt ist die Sage
Hör. c. 1, 1, 25. Ov. ars antat. 1, 726; 2, 623 bei Ovid fast. 3, 285 — 348, vgl. Plut. Xum. 15.
metam. 4, 260. Fast. 2, 138. 299; 3, 527; 4, Arnob. 5, 1. Verheerende Blitze haben die
505, Priapea n. 14 in Büchelers Pttronausgabe; Bürgerschaft Roms in Schrecken gesetzt; auf
657 Iuppiter (altröm. Eult: Elioius) Iuppiter (altröm. Kult: Pecunia, Ruminus) 658
den Rat der Nymphe Egeria nimmt Numa die ersehnten Regen dem Himmel zu entlocken,
auf dem Aventin hausenden Waldgottheiten Paul. p. 128,4 manalem vocabantlapidem etiam
Faunus und Picus durch eine List gefangen, petram quandam quae est extra portam Cape-
um von ihnen ein Mittel zur Abwehr des Un- nam iuxta aedem Mortis, quam cum propter
heils zu erfahren; mit ihrer Hülfe wird Iuppiter nimiam siccitatem in urbetn pertralierent inse-
herbeigerufen (Eliciunt caelo te, Iuppiter, unde quebatur pluvia statim eumque quod aquas ma-
minores | nunc quoque te celebrant Eliciumque narent, manalem lapidem dixcrunt. Der echt-
■cocant, | constat Acentinae tremuisse cacumina römische Ritus der Prozession spricht für ihr
silvae | terraque subsedit pondere pressa Iocis), hohes Alter. Die Pontifices besorgen die Opfer-
und um Bettung angefleht, fordert er mit 10 handlungen (Varro b. Non. p. 547) und ziehen
doppelsinnigen Worten ' caede Caput' 'hominis selber den Stein (Serv. ad Aen. 3, 175), es
(sc. Caput)', 'animam' ; als der König anstatt folgen ihnen barfüfsig mit aufgelöstem Haar
eines Hauptes eine Zwiebel (cepa (Je, caipi- die Matronen (Petron. 41) und die Magistrate
tium Arnob., v.gouveg Flut), anstatt des Men- ohne die Abzeichen ihres Amtes iTertull. de
schenhauptes die Haare auf demselben (capilli ieiun. 16). Der Stein sei, schliefst Gilbert,
0. u. A., TQi%eg PL) und anstatt des lebenden Gesell, u. Top. Roms 2 S. 154 A. 1 aus Nonius
Wesens einen Fisch (piscis 0., maena A., uai- und Paulus a. a. 0., in Form eines ureeolus,
viäsg PL) darzubringen verspricht, erklärt der eines Kruges, ausgehöhlt gewesen und aus
Himmelsvater sich auch damit zufrieden. Plu- dieser Höhlung sei Wasser vergossen worden,
tarch und Arnobius erzählen die Fabel nur 20 „offenbar zu dem Zwecke, um durch diese
mit der kleinen Abweichung, dafs Iuppiter den dramatische Wiedergabe des Regens diesen
Numa nicht auf die Probe stellen will, son- selbst in natura gleichsam aus dem Himmel
dem von ihm überlistet wird; Arnobius nennt d. i. Iuppiter herauszulocken". Mit Recht ist
uns gleichzeitig den Gewährsmann für seine von ihm der Zusammenbang des aquaelicium
Nachricht: Vahrius Antias. Übrigens war schon (Paul. p. 2, 12} oder aquilicium (Teitull. apol.
um die Mitte des zweiten Jahrhunderts a. Chr. 40) mit dem Kulte des Iuppiter Elicius her-
Numa als Begründer der ars fulguritorum be- vorgehoben, er hätte dafür aufser der Gleich-
kannt, vgl. Plin. n. h. 2, 140 extat annalium heit der Namen noch zwei direkte Zeugnisse
memoria sacris quibustlam et precationibus vel anführen können: Petron. a. a. 0. . . Iovem
cogi fulmina vel impetrari . . . ■; a Numa sae- 30 aquam exorabant und Tertull. a.a.O. aquilicia
pius hoc factitatum in primo annalium suorum loci immolatis, nudipedalia popido denuntiatis.
tradidit L Piso; diese vielleicht durch die Dafs aber das aquaelicium nicht nur einen
tuskische Lehre vom Herabziehen der Blitze „we.-entliehen Bestandteil" (Gilbert a. a. 0.),
(Müller, Etrusker" 2, 176) veranlafste Version sondern den ganzen Inhalt des Dienstes ge-
kann Antias zu seiner Deutung benutzt haben. bildet habe, hoffe ich oben klar gestellt zu
Nehmen wir nun an, dafs auch Livius unter haben.
Fortlassung der scherzhaften Unterredung dem Die Anschauung von der befruchtenden
Valerius gefolgt sei — die sonstige starke Be- und ernährenden Kraft des höchsten Gottes
nutzung besonders in den ersten Dekaden ist immer lebendig geblieben (almus wird er
macht es sehr wahrscheinlich — , so hätten 40 von Aug. c. d. 7, 11 genannt, quod dleret omnia,
wir alle Berichte, die den Iuppiter Elicius zur feeundus von Yul. Flacc. Argon. 5, 204, fru-
Blitzsühne in Beziehung setzen, auf eine Quelle gifer von Apul. de mund. c. 37 und in einer
zurückgeführt, der wir bei ihrer bekannten Inschrift C. I. L. 12, 336), sie scheint auch
Unzuverlässigkeit um so weniger Glauben vorzuwalten in den Beinamen Pecunia (Aug.
schenken werden, als andere Zeugnisse uns c. d. 7, 12 Pecunia vocatur , quod eius sint
eines Besseren belehren. (In den Kreis dieser omnia; es wird vielmehr den Mehrer und Be-
Überlieferung gehört auch die Livianische Er- Schützer des Viehstandes bezeichnen) und
Zählung vom Tode des Tullus Hostilius 1, Ruminus (Aug. c. d. 7, 11 quod ritma i. e.
31, 8 ipsum regem tradunt volcentem commtn- mamma aleret; vgl. Varro de re rust. 2, 11, 5
tarios Numae, cum ibi quaedam oeculta sollem- 50 Mammae enim rumes sive rumae, ut ante clice-
nia loci Elicio facta invenisset operaium iis baut, a rumi et inde dieuntur subrumi agni,
sacris se abdidisse , sed non rite initum aut ähnl. ders. bei Non. Marc. p. 167; Paul. p. 271,
curatum id sacrum esse nee solum nullam ei Plin. n. h. 15, 77, während Fettus p. 270 und
oblutam caelestium speciem, sed ira locis solli- Plut. Rom. 4 die Ableitung von rumen, rumi-
citati praca religione fulmine ietam cum nari [wiederkäuen] geben). Die schon beim
domo conflagrasse.J Denn dafs die Worte Iuppiter Indiges (Sp.645ff.) angeführten Gründe
Varros l. I. 6, 94 'sie Elicii Iovis ara in Aven- gelten auch hier gegen die von Preller, R. 31. 1
Uno ab eliciendd' , bisher zur Stütze der obigen S. 57 ausgesprochene Ansicht, Iuppiter Rumi-
Ansicht benutzt, mit der wahren Bedeutung nus habe sich entwickelt aus dicus pater Rü-
des Gottes durchaus im Einklänge stehen, wird 60 minus, neben welchem Rumina als diva mater
aus den weiteren Ausführungen genügend er- angerufen wurde (vgl. Preller a.a.O. S. 419) ; letz-
hellen. Fest steht zunächst nur die Thatsache, tere besafs ein sacellum bei der ficus ruminalis
dafs auf dem Aventin ein Altar des Iuppiter in der Tiefe des Westabhanges vom Palatiu
Elicius sich befand, vgl. noch Plin. a. a. 0. (Becker, Rom. Altert. 1 S. 293. 419. Gilbert,
Es bestand nun zu Rom, wo infolge langan- Gesch. u. Top. Roms 1 S. 55); nicht weit
haltender Dürre (Nissen, Italische Landeskunde entfernt an der Einmündung der uova via in
1 S. 375. 379) nicht selten Wassermangel das Velabrum lag ein Altar der Acca Larentia,
herrschte, ein eigenartiger Brauch, um den nach der Sage gleichzeitig deren Grabstätte
659 Iuppiter (altröm. Kult: Rummus) Iuppiter (altröm. Kult: Silvanus) 660
(Varro l.l. 5, 43; 6, 23. Macrdb. Sat. 1, 10, 15. auch dem Feigenbaum beim Tempel des Sa-
Mommsen, Bö'm. Foi'schg. 2 S. 1 ff.) ; hier wurden turnus diesen Beinamen): e probabile che il
alljährlich am 23. Dezember (fast. Praen. Muff. Silvano Capüolino in fondo non fosse altro
C. I. L. 1 p. 409 vgl. Ov. fast. 3, 58) die che Iupiter Buminus, specie de Fauno. Er
Larentalia (Varro l. I. 6, 23 Ov. fast. 3, 57. ist zu seiner Vermutung geführt worden durch
Fest. p. 119) gefeiert (weniger gut bezeugt ist eine vorhergehende Erörterung über das Ver-
die Form Larentinalia Lact. 1, 20, 4. Mucrob.l, h'ältnis des Iuppiter und Silvanus ungefähr
10, 11). Der Zusatz feriae Iovi in den Fasten folgenden Inhalts: Seinem Ursprünge nach ist
beweist, dafs jenes Fest gleichzeitig dem Iup- Silvanus mit Faunus und Mars identisch, wenn
jiiter galt (über das hohe Alter der Beischriften 10 nun aber auf Abbildungen seine Züge eine
des Kalenders zu den genannten Festtagen der unverkennbare Ähnlichkeit haben mit denen
Gottheiten s. Mummsen, C. I. L. 1 p. 375); vgl. der höchsten Gottheit (s. tavv. d'agg. I — AT),
aufserdem Macröb. 1, 10, 11 feriae Iovis quae wie schon Helbig bei der Beschreibung einer
appellantur Larentinalia. Bei Aug. a. a. O. Silvanusbronze (bull, d'inst. 1864 S. 173) nicht
wird Iuppiter Buminus in enge Beziehung ge- entgangen war, so kann diese Erscheinung
setzt zur diva Rumina, deren Heiligtum, wie ihre Erklärung nur in folgender Eigenheit der
wir oben sahen, dem Altare der Acca Larentia italischen Religion finden. Wir sehen den
benachbart ist; weil nun am Kult der letzteren Kamen Iuppiters mit dem einer andern Gott-
Iuppiter beteiligt scheint, hat Gilberts,, a. O. 1 heit in der Weise verbunden, dafs der Name
S. 57 ff. die Vermutung ausgesprochen, dafs 20 derselben der seine wird, und es ist natürlich,
gerade ihm der Beiname Ruminus zukomme dafs eine solche Verbindung sich nicht auf
und dafs auf diese Weise nicht nur eine lokale, den Namen beschränkt, sondern auch in die
sondern auch eine innerliche Verbindung Substanz eindringt, z. B. bei Iuppiter Liber
zwischen dem sacellum Ruminae und der ara oder Libertas, Iuppiter Iuventus, Iuppiter Cli-
in Velabro hergestellt sei. Indes die am tumnus, Iuppiter Kuminus, Iuppiter Terminus;
Grabe der Göttin dargebrachten Gaben waren daraus ergiebt sich die Folgerung, dafs Silva-
Totenspenden (Flut. Q. B. 34), die Gebräuche nus au der Natur Iuppiters Anteil hatte,
die eines Totenfestes (Macrob. 1, 10, 12 annua wenngleich wir dafür aufser der Identität der
parentatio; Varro l. 1. 6, 23 dies parentes Accas Typen kein anderes Zeugnis besitzen, und be-
Larenbinas vgl. C. I. L. 1, 1241 deis inferum so zugnehmend auf den sakralen Sprachgebrauch
parentum saerum. Mommsen a. a. 0. S. 3 A. 4), der Italiker dürfen wir den Gott, welchen die
und die Hineinziehung gerade des zeugenden Bilder des Silvanus darstellen, als Iuppiter
und nährenden Iuppiter Rumiuus in eine Silvanus bezeichnen. In der That sind zwei
solche Feier wäre ein offener Widerspruch. Inschriften mit diesem Titel gefunden worden
Seltsam bleibt auch so noch die Verbindung und haben die scharfsinnigen Folgerungen
„des Gottes des Lichtes und Lebens" mit dem " jenes Gelehrten glänzend bestätigt (die eine
Totenfeste (die Worte des Macrobius 1, 10, 15: stammt aus Afrika C. I. L. 8, 5933, die andre
Iovi feriae const Cratae, quod aestimaverunt anti- aus Rom selbst luv ioi.lv lv[uj | [VOTO]
qui animas a Iove dari et rursus post mortem SVSCEPTO SELE[V]CV[S]; zuerst veröffent-
eidem reddi beruhen nicht auf den Anschau- 40 licht Notig. degl. scav. 1877 p. 111 u. Bull, arclx.
ungen der alten Zeit, sondern sind nur ein municip. 1877 p. 7; Fph. ep. 4n. 741); G. I. L. 6,
Versuch des Schrifstellers, jene auffällige Er- 707. 3697; S, 9195. 2579 sind Iuppiter und
scheinung zu erklären), seltsam ferner der Silvanus mit andern Göttern zusammengestellt.
Umstand, dafs an einem Festtage Iuppiters Unsere Auffassung weicht in einigen Punkten
neben den poutifices (Cic. ad Brut. 1, 15, 8) von den Ausführungen Beiff'erscheids ab: nicht
nicht der flamen Dialis, sondern der flamen aus der Zusammensetzung der Namen ging
Quirinalis (Antias b. Gell. 7, 7, 7 a flamine eine WTesensähnlichkeit hervor, sondern weil
Quirinali sacrificium ei publice fit; Macrob.l, jene Gottheiten in manchen Beziehungen eine
10, 15 allgemein per flaminem; Varro 1. I. 6, 23 innere Verwandtschaft zeigten, trat der Name
sacerdotes nostri; irrtümlich hei Flut. q. B. 4 50 der einen als cognomen zu dem der andern,
b zov "jQSog lsqsvs) das Opfer verrichtet. Es um bei ihnen gerade die Seite der Thätigkeit
bleibt für die Lösung der Schwierigkeiten wohl zu betonen, wo die Übereinstimmung lag;
nur die Annahme übrig, dafs am 23. Dezember sodann ist hervorzuheben, dafs derartige Zu-
zwei ihrem Wesen nach durchaus verschiedene sammenstellungen erst jüngeren Datums sind
Feste gefeiert wurden, das eine zu Ehren des (die einzelnen s. unten), wir müssen also in
himmlischen Herrschers, das andere zu Ehren allen diesen Fällen scheiden zwischen der
der Todesgöttin Acca Larentia, und dafs, ver- späteren Benennung und der zu Grunde liegen-
anlafst durch das zeitliche Zusammenfallen, den Anschauung. Es kommt uns hier weniger
später beide in Beziehung zu einander gesetzt darauf an aus der Ähnlichkeit der Gesichts-
wurden. — Aus der Stelle des Pliniusn. h. 15, 78 60 züge auf das Vorhandensein eines Namens
fttit et ante Salurni aedem urbis anno CCLX Iuppiter Silvanus zu schliefsen (wiewohl wir
sublata (sc. ficus) saero a Vestalibits facto, cum denselben zugeben können) als darauf, dafs
Siivani simulacrum subvtrteret (vgl. Lion. 3, 71. eine Reihe von Funktionen, natürlich doch die
Fest. p. 169. Cunon narr. 48) schlofs Beiffer- auf das Walten im Hain und auf, den Fluren
scheid, Imagini deldio Siloano et del dio Fauno, bezüglichen, beiden Gottheiten gemeinsam
ann. d. inst. 1866 S. 221 A. 1: ü fico, di cid waren, wie dies für den Genius Iovis Hercules
non c'c altro esempio nel culto di Silvano, ei und Silvanus durch nicht wenige Denkmäler
porta al ficus Buminalis (Tac. ann. 13, 58 giebt ausdrücklich bezeugt wird (Peter, Bd. 1
661 Iuppiter (altröm. Kult: Arborator) Iuppiter (altröm. Kult: Liber u. Liberias) 662
Sp. 2950 if.). Die weiterhin zu besprechenden und habe sich als Liber zur selbständigen
ländlichen Kulte dienen zur Bestätigung dieser Gottheit weiter entwickelt. Gilbert a. a. 0. 2
Ansicht. S. 209 Anm. 1 (vgl. 244 Anra. 2) stimmt ihm
Die notitia regionum urbis XIV, geschrieben bei; zwar giebt er zu, dais „immerhin schou
zwischen 334 und 357 (vgl. Jordan, Top. 2 früher ein latinischer Gott unter dem Namen
S. 55S), berichtet von der 11. Region (Circus Liber bekannt gewesen sein mag", aber gleich-
Maximus) continet. .. aedem Matris deum et Iovis zeitig zieht er aus der Feier des Umher-
Arboratoris(im Curivsum zwischen 357 n.403, tragens undBekränzens der pudenda virilia zu
das auf dieselbe Originalurkunde zwischen 312 Lavinium (Varro b. Aug. c. d. 7,21) einen
und 315 zurückgeht wie die Notitia, fehlt der 10 Schlufs auf das (hohe) Alter des Liber-Dio-
Beiname; für Arboratoris ist durch den Ana- nysos; wenn aber diese Sitte überhaupt etwas
nymus Magliabecchianus (14. Jahrh ) und den beweisen soll, so ist es eher das Gegenteil,
C'dex Sessoriauus (15. Jahrb.) Arbitratoris über- nämlich die italische Herkunft des genannten
liefert, indes die erstere Lesung ist durch Gottes (Plin. n. h. 28, 39 Farcinus . . . qui
ältere Handschriften gut beglaubigt, und es deus intcr sac/a Humana a Vestalibus colitur,
liegt daher auch kein Grund vor sie mit Preller, vgl. Jahn, Über den Aberglauben des bösen
Regionen der Stadt Korn S. 192 in liberatoris Blickes bei den Alten in den Ber. d. säejis. Gesch.
zu ändern); es sind zwei getrennte Heiligtümer: d. Wiss. Phil. Hut. Kl. 1855 S. 68 ff.); die
vgl. reg. 8 templum Goncordiae (t | Saturni weiteren Ausführungen Gilberts, wonach das
et | Vespasiani et Tai und reg. 13 templum 20 Fest der Liberalia (s. die Fasten) und die
Dianae et | Minervae, wo sicher verschiedene Widmung Libero in Gnp(itolio) zum 17. März
Tempel in derselben Weise bezeichnet werden. (fast. Farnes. C. I. L. 1 p. 388) gleichfalls auf
Gilbert (a. a. 0. 3 S.436 Anm. 1), von der Nach- den griechischen Gott Bezug haben, sind eben-
barsehaft der Kultstätten ausgehend, sucht sowenig überzeugend, denn die Angabe Libero
unsern Gott in Zusammenhang zu bringen Lib(erae) der fast. Caeret. (Ejih. ep. 3 p. 6) zu
mit dem unter den Kaisern eingeführten orgi- demselben Datum bezieht sich, wie die paar-
astischen Ritus der Magna Mater Idaea: weise Zusammenstellung zeigt, mit gröfserm
„Es ist zu seiner Erklärung darauf hinzu- Recht auf den römischen Liber. Ist so desseu
weisen, dafs der heilige Baum (die Fichte) eine Existenz noch für spätere Zeit erwiesen, so
sehr bedeutende Rolle spielt im späteren 30 wird damit auch die auf das frühe Ver-
Cybelekult; der 22. März wird durch das schwinden des italischen Liber sich stützende
arbor intrat bezeichnet; die dendrophori er- Gleichsetzung von Dionysos und Iuppiter Liber
scheinen speziell der Bedienung der arbor hinfällig; die Annahme, dafs jener bei seinem
überwiesen; ein Iuppiter Arborator wird sich scharf ausgeprägten Charakter sich zu einem
aus diesem Gesichtspunkte allein erklären Attribute des Himmelsvaters verflüchtigt, um
lassen." Wiewohl wir über die Gebräuche dann wieder eine selbständige Gottheit zu
bei der Feier der phrygischen Göttin Verhältnis- werden, hat ohnehin sehr geringe Wahrschein-
mäfsig genau unterrichtet sind, so ist uns lichkeit; es hat vielmehr Dionysos seit den
doch von einer Beziehung zum himmlischen ersten Jahren der Republik als Liber neben
Herrscher nichts bekannt; dafs aber derselbe 40 Ceres-J/jfirJtTjo und Libera-77f(j<jsg)oVj) beson-
seinen Beinamen erhalten haben soll, weil in dere Gestalt gewonnen (I)ion. 6, 17. 94. Tac.
das nahe Heiligtum der Magna Mater ein ann. 2, 49), ohne dafs dadurch, wie wir oben
Baum getragen wird, wäre sonderbar, selbst sahen, der Kult des einheimischen Liber ver-
wenn jene Ceremonie nicht durch lAjd. de drängt wurde (vgl. den römischen und grie-
inens. 4, 41 (vfi ngö c?fKaf«äs KalavSäv 'Jngi- einsehen Ritus in der Verehrung des Hercules),
Xicov divSgov nCTvg naga zäv äevdpoqjopwv und Jordan bat recht, wenn er die Ansicht
iepioero cv ra nuluxuo) für eleu palatinischen Helms als falsch bezeichnet (Preller, B. M. 2
Tempel bezeugt würde. Mit mehr Recht S. 48 Anm.). Vom Kulte des Iuppiter Liber
weist Jordan a. a. 0. auf eine Verwandtschaft erfahren wir nichts, doch werden wir von
mit dem von Beifftrsclieid aus den Bildwerken 50 jener Gleichsetzung um so eher Abstand
erschlossenen Iuppiter Silvanus. Silvanus selbst nehmen, als die Benennung Liber sich sehr
wurde zu Rom als Park- und Gartengott ver- wohl mit der Richtung im Wesen des höchsten
ehrt (G. I. L. 6, 575 — 698). Aus der Bildung Gottes vereinigen läfst, wie wir sie für die
Arborator ergiebt sich, dafs die Loslösung älteste Zeit klarzulegen versucht haben. Es
dieser speziellen Funktion aus dem allgemeinen liegt darin der Begriff des Schöpferischen,
Begriffe der Naturgottheit erst in die Kaiser- Ergiebigen (vgl. überaus),' „der üppigen Fülle
zeit fällt; denn alle von Nominalverben ab- und Kraft, von der reichlicher Segen der
geleiteten Cognomina (Fulgurator, Serenator, Felder und das dadurch bedingte Glück eines
Sospitator, Tonibrator, Tutator) sind nicht heitern und sorgenlosen Lebensgenusses aus-
früher nachweisbar. eo geht", ein Begriff, der im Bilde der Libertas
Die Frage, ob Iuppiter Liber zu den alt- sich verkörpert und mit dem Gotte des
italischen Gottheiten gehöre, ist in verneinen- Himmels, von dem das Gedeihen aller Er-
dem Sinne beantwortet worden von Behn, Zeugnisse der Erde abhängt, durchaus über-
Kulturpflanzen und Haustiere3 S. 70 ff. Indem einstimmt. Ob man den Iuppiter Liber in
Beinamen Liber nur die Übersetzung des grie- Beziehung zu den ViDalia (s. unten) setzen
chischen Xveiog, ilev&soiog sehend, erklärt Sehn, darf, kann nicht entschieden werden, aus-
Iuppiter Liber sei niemand anders als der mit geschlossen ist es nicht, da ja der Wein zu
dem Weinbau nach Italien gelangte Dionysos den Produkten gehört, welche die Gunst des
663 Iuppiter (altröm. Kult: Liberator) Iuppiter (altröm. Kult: Libertas) 664
Himmels in erster Linie nötig haben; und da nach der avwaog (weil an zweiter Stelle
hierin lag der Ausgangspunkt iür die Annähe- stehend) Libertas der Tempel nicht genannt
vung von Iuppiter Liber und Dionysos, wenn werden kann. Es ist also das Distylon auf
wir annehmen wollen, dafs sich zwischen Denaren der gens Egnatia nicht ein Tempel
ihnen ein ähnlicher Ausgleich vollzog wie dt s Iuppiter und der Libertas, wie Babelon
zwischen Dionysos und Liber; direkte Zeug- a. a. 0.1 S. 473 behauptet: sur le denier nr. 3
nisse dafür giebt es nicht. Mit dem Zsvq (S. 474) on voit, comme l'a remarque Cuvedoni
sXiv&sgiog, dem Urheber der nationalen und (Bipostigli p.81), le temple de Jupiter et de la
persönlichen Freiheit, hat unser Gott nichts Liberte, appele aedes Iovis Libertatis , und
zu schaffen; die Wiedergabe von Iovis Liber- 10 demnach bleibt es zweifelhaft, ob die im
tatis durch z/ios 'EXsv&cgiov (Mon. Anc.^i, 6) Innern des Heiligtums befindlichen Bilder jene
ist nur eine rein sprachliche ungenaue Über- Gottheiten zur Darstellung bringen. Seitdem
tragung; dagegen ist der Ztüs acozrJQ „dem ferner durch Mommsens sichere Ergänzung
man beim Mahle den letzten Becher zu trinken Iovi Libertafti] der schon genannten Inschrift
pflegte" {Preller, Griech. MythJ 1 S. 121) zum zu Tuseulum C. I. L. 1, 1124 = 14, 2579
Iuppiter Liberator geworden (27ac.aw».i5,64; (weniger gewifs loci Liber [tati] C. I L. 10, 3786)
Bio Cass. 62, 26, 4 (@QU6sas) svxsyuhv ovv rr)v und durch die Widmung Guratores I IoviLiber-
eplißav dvä-üsivs ztjv %slqu h«1 t<ffi\ ' col toüto tati, G. I. L. 11, 657 (Faventia) der Beiname
zb alfia, (o Zsü iXsv&iQLi, ansvSco folgt wört- Libertas aufser Zweifel gestellt ist, soliegtkein
lieh seiner lateinischen Quelle Tac. ann. 16, 35 20 Anlafs mehr vor zu Deutungsversuchen im
porrectisque utriusque bracchii venis, postquam Sinne obiger Gelehrten. Dafs es auf dem
cruorem effudit . . . libamus, inquit, Iovi libe- Aventin keinen Kult des Iuppiter, der Iuno
ratori). Wir finden ihn auf Münzen dieser und Minerva, dem auf dem Capitol und Qui-
Zeit, so des Nero (Cohen nr. 17) und Galba rinal entsprechend, gegeben hat, erkannte be-
{Culien nr. 257), ludi Iovis Liberatoiis ver- reits Jordan, Eph. ep. 1 p 237 ; der Plur. aedes,
zeichnen die Fasten des Philocalus zum 13. — die Reihenfolge der Namen und die Ver-
18. Okt. (C. I. L. 1 p. 304); aber auch die schiedenheit der Dedikationstage (Minerva am
griechische Form ist übernommen worden, 19. März, später 19. Juni, Iuppiter und Iuno
vgl. Serv. ad Aen. 8, 651 hodieque ara in Capi- am 1. September s. unten) fordern drei einzelne
tolio est Iovis Soteris. Im Monum. Anc. a. a. 0. 30 Tempel. Mommsen, Res gest. d. Aug. p. 81 giebt
berichtet Augustus: aedes Minervae et Iunonis dies zu, sieht aber in dem Zusammentreffen der
Beginae et Iovis Libertatis in Aventino . . . . drei capitolinischen Gottheiten keine Zufällig-
feci. Ehe der griechische Text bekannt war, keit und hält es für möglich, dafs Camillus,
wurde die Stelle so interpretiert, dafs Liber- für den die Dedikation des Iunotempels
tatis von Iovis zu trennen und auf den a. 362 u. c. durch Liv. 5, 31, 3 bezeugt ist,
von Ti. Sempronius Gracchus vermutlich im auch der Gründer der beiden andern Götter-
Jahre 516 u. c. dedicierten Tempel der Liber- sitze sei. Ausgehend von der Voraussetzung
tas (Liv. 24, 16, 19) zu beziehen sei, dessen Mommsens, dafs Augustus die Restitutionen
noch bei Cassius Dio 43, 44, 1 zum Jahre 708 und Neubauten zeitlich geordnet habe (die
und bei Paulus p. 121 Erwähnung geschieht. 40 Richtigkeit derselben und die daraus resultie-
(Das fehlende et wäre bei der vorhergehenden renden Ergebnisse für die Fasten werden an
Verknüpfung durch et sehr auffällig.) Die andrer Stelle erörtert werden mit der Ab-
griechische Fassung zltbs 'Elsv&tgiov bewog weichung, dafs für die Jahre nach den Bürger-
Franz in Gerhards arch. Zeitg. nr. 2 S. 25 zu kriegen zwischen dem Termin der Fertig-
der Konjektur Liberatoris. Becker (Handbuch Stellung und feierlichen Übergabe kein erheb-
t/er röm. Altert.) anfangs zweifelnd (S. 457) ent- lieber Zeitunterschied mehr besteht), gelangen
scheidet sich im Nachtrag (S. 721) für Bei- wir zu einer annähernden Bestimmung der
behaltung der Lesung Iovis -Libertatis und Dedikationszeit jener drei Tempel unter
führt als Parallelen an Honoris- Virtutis, Her- Augustus. Da der ihnen vorangehende des
culis-Musaritm (sc. aedes S. 612) ; dazu ist zu- 50 Quirinus a. 738 u. c. geweiht wurde (Dio 54,
nächst zu bemerken, dafs beide Titel un- 19, 4), so ist hiermit der terminus post quem
richtig sind, denn: erstens sind, wo beide gefunden; als terminus ante quem gilt für
Namen genannt werden, diese durch et oder ac Minerva das Jahr 4 p. C. (vgl. Aust, He aedi-
(atque) verbunden (Cic. n. d. 2, 23, Verr. 4, 121. bus sacris etc. Marbg. Diss. 1889 p. 42 ff.), für
Ascon. in Pis. 19. Liv. 27, 25, 7. Val. Max: 1, Iuno und Iuppiter das Todesjahr des Octavian.
1, 8. Plin. n. h. 35, 120. Serv. ad Aen. 1, 8. Das zum 1. September angemerkte Opfer 'Iovi
Symm. ep. 1,21), zweitens sind die beiden Ge- Libero, Iuuoni Reginae in Aventino'' der Arval-
nitive nicht koordiniert, sondern Mwarmn hängt fasten (Henzen, act. fratr. Arv. p. CCXXXVI;
von Hercules ab; vgl. die Aufschrift Hercules zwischen 742 — 767) ergiebt keine schärfere
Musarum auf einem Denare des Q. Pomponius 60 Umgrenzung, doch ist es darum von Interesse,
Musa (Babelon, Deseript. des monn. de la re'p. weil auch für Rom darin die Benennung Liber
rom. 2 S. 361 nr. 8; s. Bd. 1 Sp. 2972). Ver- sicher gestellt ist. Denn die Identität des
bietet also der Sprachgebrauch an eine Ver- Iuppiter Liber und Iuppiter Libertas (Mar-
einignng der beiden Tempel wie bei Honos quardt, Rom. Staatsvenv. 3Z S. 23 Anm. 2 will
und Virtus zu denken, so spricht gegen die in den Formeln bei Gellius 13, 23 auch die
Annahme einer Verehrung beider Gottheiten Ausdrucksweise Iovis Libertas finden') macht
im gemeinschaftlichen Heiligturne aufserdem die Zusammenstellung mit Iuno Regina (vgl.
noch die Bezeichnung aedes Libertatis (s. oben), Mon. Anc. a. a. 0.) und der Zusatz in Aven-
665 Iuppiter (Dapalis, Herceus, Penetralis) Iuppiter (altröm. Ehegott: Farreus) 666
Uno durchaus wahrscheinlich. Der Beiname Machte es die Anwesenheit des flamen Dialis
Libertas bleibt auffällig, die konkreten Be- schon sehr wahrscheinlich, dafs das Opfer
nennungen Lapis und Fulgur können nicht dem Iuppiter galt, so besteht jetzt kein
zur Vergleichung herangezogen werden, hoch- Zweifel mehr darüber, seitdem es Studemund
stens Iuventus (s. unten). gelang die Stelle bei Gaius 1, 112 voll-
Es lassen sichhieram besten einige Privat- ständig zu entziffern, sie lautet: farreo in
kulte anreihen, in denen die Beziehungendes manum conveniunt per quoddam genus sacri-
Himmelsvaters zum Ackerbau klar hervor- ficii , quod Iovi Farreo fit: in quo farreus
treten. Bei Beginn der Aussaat für den panis adhibttwr , unde etiam confarreatio dici-
Sornmer sowohl wie für den Winter (Fest 10 tur ; complura praeUrea huivs iuris ordinandi
p. 51 daps apud antiquos dicebatur res di- gratia cum certis et sollemnibus verbis, praesen-
vina, quae fiebert aut hiberna semente aut verna) tibus decem iestibus, aguntur et fiunt (vgl. Stude-
opferte der Landmann dem Iuppiter Dapalis. mund, Verhandlungen der Würzburger Philo-
Ein schätzbarer Bericht über die Art dieser logenversammlung 1869 S. 125). Während aber
Feier ist uns bei Cato de agrkult. 132 er- der letztere und Marquardt a. a. 0. in farreo
halten: Iovi dapali culignam vini quantam hinter Iovi einen substantivischen Ausdruck
vis polluctto. eo die feriae bubus et bubulcis et erkennen, zu dem der Satz in quo farreus
qui dapem facient; cum polhicere iporlebit, sie jjanis habetur „gleichsam glossierend" hinzu-
facies: 'Iuppiter dapalis, quod tibi ficri oportet gefügt wird, sieht Jordan (Preller, B. M. I3
in domo familia mea culignam vini clapi, eius 20 S. 197 Anm. 2) darin einen neuen Beinamen
rei ergo macte hac illace dape pollucenda esto.'' Iuppiters. Vergleicht man zu dem genannten
manus interluito, postea vinum sumito: 'Iuppiter Opfer die Darstellung des etruskischen Spiegels
dapalis macte istace dape pullucenda esto, macte (Bd. 1 Sp. 2259/60), wo der Himmelsvater die
vino inferio esto.' Vestae, si voles, dato, daps dii ooniugales Hercules und Iuno zusammen-
Iovi assaria, peeunia , urna vini. Iovi caste führt (Rei ff er scheid, De Hercule et Iunoue diis
profanaio sua contagione postea dape facta ltalorumconiugalibus, ann.d'inst. 1867 S. 352 ff.),
serito milium, panicum, alium , lentim (vgl. so kann man ohne Bedenken der Behauptung
Iuno als dea dapalis). Bevor die reifen Früchte Studemunds beistimmen, dafs der höchste
in der Scheuer geborgen winden, ging dem Gott als Vorstand und Beschützer jeder
Opfer einer porcus femina für Ceres die 30 sakralen Ehe zu gelten hat; daher wurde
Spende von Wein und Kuchen (fertum) für auch durch seinen bei der Ceremonie ertönen-
Ianus und Iuppiter voraus, wobei man ihn um den Donner die confarreatio getrennt (Serv. ad
Schutz des gesamten Hausstandes anflehte Aen. 4, 339 . . tonuisse quae res dirimit con-
(Cato a. a. 0. 134). Auf den Beschirmer des farreationes).
Hauses scheinen auch die Epitheta Herceus Im capitolinischen Tempel befand sich in
und Penetralis zu deuten: Paul. p. 101 Her- delubro Minervae eine aedicula der Iuventas
ctus Iuppiter inter consaeptum domus cuiusque (Plin. n. h. 35, 108 pinxit i Nicomachus) hie
colebotur quem etiam deum penetralem appel- raptum Proserpinae, quae tabula fuit in Capi-
labant. Serv. ad Aen, 2, 469 singula enim, tolio in Minervae delubro super aediculam
domus S'icrata sunt diis: ut maceries quae 40 Iuventatis. Uion. 3, 69 Kai. vvv b jxsv itsqös
ambit domum Herceo Iovi, vgl. ibid. 506. Ver- (gesprochen wird vorher von den Altären der
wandt mit der dapes ist das epulum, das all- Iuventas und des Terminus) iativ iv zät rtgo-
jährlich die plebeische Gemeinde dem Iuppiter väm zf/g 'A&riväg . .). Weil die Göttin, so er-
Capitolinus darbrachte (s. diesen). zählt die Sage, beim Bau nicht habe weichen
Hat sich das Wirken des höchsten Gottes wollen, sei ihr eine eigene Kapelle eingeräumt
für das Gedeihen und den Segen des Land- worden (aufser d. a. St. Liv. 5, 54, 7. -D/o 54, 19);
banes im religiösen Bewußtsein des Volkes deut- die Erzählung scheint ursprünglich nur von
lieh erhalten, so ist seine Bedeutung für die Terminus gegolten zu haben (Cato b. Fest.
Fruchtbarkeit und Vermehrung des Menschen- p. 162. Liv. 1, 55, 3. Ov. fast. 2, 665. Dion. 2, 74.
geschlechtes hinter der seines Genius Hercules 50 Paul. p. 368. Serv. ad Aen. 8, 448. lact. 1, 20)
weit zurückgetreten. Weil Iuppiter an allem, und von ihm auf Iuventas und Mars (Aug.
was den Acker, das Haus und die Familie c. d. 4, 23) übertragen zu sein (Jordan, Top. 1, 2
betrifft, regen Anteil nimmt, weihen ihm Mann S. 11). Es war eine alte Sitte, dafs für die,
und Weib, wenn sie die Ehe eingehen, den welche die männliche Reife erlangt hatten,
Spelt, das Sinnbild des täglichen Brotes, eine Gabe in den Schatz der Iuventas nieder-
Jordan, Herrn. 16 (1881) S. 240. Es war dies gelegt werden mufste (Pisa b. Dion. 4, 15).
bekanntlich die feierlichste Art der Ehe- Am Tage der Bekleidung mit der toga virilis
schhefsung, in Gegenwart von 10 Zeugen vom wurde zum Schlufs der Feierlichkeiten ein
pontifex maximus und dem flamen Dialis voll- Opfer dargebracht (Appian b. c. 4, 30), und
zogen, und von dem dargebrachten farrenm 60 zwar auf dem Capitol (Vol. Max. 5, 44. Suet.
libum (Paul. p. 88) confarreatio genannt (Ulp. Claud. 2. Serv. ad Ecl. 4, 50). Die Notiz der
fr. 9, 1. Serv. ad Georg. 1, &L Boethius ad Cic. fast. Farnes, ad Mart. 17, Libero in Cap(itolio)
Top. p. 299 Gr., vgl. Boßbach, Untersuchungen 0. I. L. I p. 388 (vgl. fast. Caeret. Fph. ep. 3
über die rom. Ehe S. 95 ff. Earlowa, Die Formen p. 6) veranlafste Marquardt, Beim. Staatsveriv. 42
der römischen Ehe und Manus S. 5 ff . Mar- S. 124 Anm. 4 zu der Annahme, dafs jenes
quardt, Köm. Staatsvenvaltg. 3° S. 304 Anm. 10. Opfer an der ara Liberi stattgefunden habe.
42 S. 32. 50. Gamurrini, il matrimonio italico, Da jedoch alle im Dativ den einzelnen Tagen
Mitteilungen d. arch. Inst. 4 (1889) S. 92). beigefügten Namen der Götter die Dedikations-
667 Iuppiter (altröm. K.: Iuventus, Iuvenis) luppiter .(altröm. K : Terminus, Inventur) 668
tage ihrer Tempel angeben, so werden wir um scharfer Umgrenzung dem Auge sich präsentiere
so weniger Bedenken tragen, den sakralen Akt (Serv. ad Aen. 9, 448 unde in CapitoHo prona
an den Altar der Iuventas zu verlegen, als pars tecti patet, qiiae lapidem ipsum Termini
auch der oben erwähnte Brauch der Geld- spectat, nam Termino non nisi sub divo sacri-
spende darauf hinzuweisen scheint (anders ficabatur, vgl. Ov. fast. 2, 672). luppiter wachte
Jordan, Top. 1, 2 S. 39 Anm. 38). Enthält nun gleichsam über die Unverrückbarkeit desselben
schon die Lage der aedicula eine Beziehung und damit auch aller andern, die in jenem
zu luppiter als dem eigentlichen Besitzer des sinnbildlich dargestellt waren, und es ist
Tempels, so liegen aufserdem bestimmte Zeug- natürlich, dafs man denselben Gott, zu dem
nisse der Alten vor, dafs auch ihm die gottes- 10 man um das Wachstum der Saaten und
dienstliche Handlung bei Eintritt der Knaben Früchte flehte, sich auch als Beschützer des
in die Pubertät gegolten hat. Serv. a. a. 0. Bodens dachte, dem die Erträge des Land-
lovem tnerito puerorum dicunt incrementa baues entspriefsen. (Fabeln über die Ein-
curare, quia cum pueri togam virilem sumpse- führung des Terminuskultes s. im Abschnitt
rint ad Capitolium eunt, vgl. Aug. c. d. 4, 11. über die Sabiner Sp. 639, 24.) Das Bekannt-
So war er der Schirmer und Hort der heran- werden mit den griechischen Sagen gab Ver-
wachsenden männlichen Jugend. Die In- anlassung, den Stein in der cella Iuppiters
schritten, welche einen luppiter Iuventus für denjenigen zu erklären, den Saturnus durch
verzeichnen (C. I. L. 9, 5574 Iovi Iuentuti aus ßhea getäuscht, anstatt seines Kindes ver-
Septempeda und C. I. L. 11, 3245 Iovi luven- 20 schluckt haben soll (Lactant. 1,20, 38). Die Zu-
tuti sacrum aus Sutrium), gehören der Kaiser- sammenstellung luppiter Terminus begeg-
zeit und sind nicht stadtrömisch. Commodus net uns am frühesten auf Münzen des berühmten
liefs Münzen prägen mit der Umschrift Iovi Grammatikers M. Terentius Varro (er schlug
Iuveni (s. Cohen nr. 370. 371, vgl. Fröhner, Les sie als Proquästor des Pompeius, also ver-
medaillons de l'empire Romain p. 133 : luppiter mutlich um das Jahr 678, vgl. Roth, Leben
mit Scepter und Blitz, links zu seinen Füfsen des Varro, Basel 1857, S. 12; c. a. 705 nach
ein Adler, rechts ein Altar, eine Scene aus Babelon a. a. 0. 2 S. 485 ff.; der Gott geborte
dem Gigantenkampfe darstellend; Cohen 562 — wohl zu seinen Penaten), Cohen, Cons. T. 39,
572, es fehlt der Altar), und darnach wird auch Ter. 5, 6, vgl. Mommsen, M. W. S.654 Anm. 553;
Iov. luven auf Münzen desselben Herrschers 30 es scheint, dafs der griechische Ztig ögtog,
{Cohen nr. 81. 82) zu Iuveni zu ergänzen sein, mit dem der Kopf grofse Ähnlichkeit zeigt,
doch vermutet Ovcrbeck, Griech. Kunstmythol. 2 auf den Typus sowohl wie auf den Namen
S. 201 ff., dafs hier nicht der als jugendlich nicht ohne Einflufs geblieben ist (OverbecJc
gedachte Gott dargestellt sei, sondern der a. a. 0. S. 5). Bezüglich der im ager Ravennas
junge Kaiser im Iuppiterkostüm und dafs es gefundenen Herme mit der Inschrift Iov(i)
sonach einen wirklichen Kult des luppiter Ter(mimiW>) 31(arcus) | Val((rius) Ant(iochus)
Iuvenis nicht gegeben habe. An(nii) Ti(beriani) cormes) (Mommsen C. I. L.
Wenn ein Volk sein nomadisierendes Leben 11, 351) gehen die Ansichten auseinander;
aufgegeben und sefshaft geworden sich der während Gerhard, Ann. d. inst. 1847 S. 327
Bestellung der auf friedliche Weise oder im 40 Taf. S. T. ein Bild des Gottes selbst erkennen
Wege der Gewalt gewonnenen Acker zu- will, glaubt Semen zu Or. nr. 5648, es handle
gewendet hat, so ist ein Beharren und Fort- sich nur um eine Widmung der Herme an
schreiten in diesem Anfangsstadinm der Kultur luppiter Terminalis, nicht um eine Darstellung
nur denkbar, wenn nach Verteidigung des desselben. (Genaueres über Kult und Feste
Landes der Bestand des durch den Gesamt- s. v. Terminus.)
willen festgesetzten Eigentumes nicht durch Am Fufse des Aventin, in der Nähe der
die willkürlichen Eingriffe des Einzelnen ge- porta trigemina (s. die unten angeführten
fährdet werden kann. Darum hat sich in Stellen), befand sich ein uralter Altar des
früher Zeit der Brauch entwickelt durch luppiter. Die Nachbarschaft der Kultstätten des
Pfähle oder Steine die Grenzen des Besitz- 50 Hercules ad eircummax., inforo boario. besonders
tums abzustecken und man begnügte sich ad portam trigeminam (vgl. Bd. 1 Sp. 2901 ff.
nicht durch harte Strafen jeden Frevel gegen 2916. 2940) gab Veranlassung, ihn in den
die Heiligkeit und Unantastbarkeit des Eigen- Sagenkreis hineinzuziehen, der die Entstehung
tums aufs strengste zu ahnden (Rudorff, Gromat. jener Heiligtümer auf den siegreichen Kampf
Institutionen in Schriften der röm. Feldmesser 2 des Hercules gegen Cacus zurückführte. Dafsria-
p. 236 f.; J. Grimm, Deutsche Grenzaltertümer bei der schon vorhandene Kultname Inventor
in denAbhdlg. der Beil. Ak. 1843 S. 109 ff.), son- die Direktive gab für die Art der Verwendui g,
dem es wurden auch die Symbole der Unverletz- ist wahrscheinlicher, als dafs das cognomen
lichkeit unter den besondi ren Schutz der Gott- erst der Fabel seinen Ursprung verdankt. Der
heit gestellt. Ein solcher Grenzstein (der Re- 60 erste und ausführlichste Bericht liegt vor bei
Präsentant des Gottes selbst; Overbeck, Griech. Dion. 1, 39 ccyvi'aag (sc. 'HgaxXfis) öh zä> ico-
Kunstmgthol. 2 S. 554 Anm. 9), gewissermafsen rajirä zbv tpovov idgvszai Tilrfiiov zov zonov
das Prototyp aller existierenden Grenzsteine zJtog Evgtaiov ßcopov og iaxi rijg 'Pcoung vtagee
lag in der Cella des capitolinischen luppiter, rfj Tgiäofico TtiXn v.al dvii. xä> &eö> Sä[ia?.iv
und über, ihm im Dache .war nach den Vor- £W riji; avgiosag züsv ßoäv %agiair)giov zav-
schriften des Kultus eine Öffnung angebracht, xrtv in tat E^g ifie zry &vaictv f} 'Poojiatav
doch wohl damit im Lichte des hellen Tages nöXig gvvszUsl voiii'/iois 'EV.nviv.OLg a-naciv kv
jede Unklarheit schwände und der Stein in avzfj jj^cofiEVr/ xa&aTisg ixiivog v.azzoxrjGUTo.
669 Iuppiter (altröm. Kulte: Inventor^ Iuppiter ''altröm. Kulte: Inventorj 670
EvQtoiog ist die Übertragung des lateinischen SIO. nr. 146), ja selbst der offizielle Ausdruck
Inventor; denn die griechische Mythologie nennt boes {Fest. p. 189 Iovi Feretrio . . .
kennt keinen Zfvg Evgioiog. Ooiä fast. 1, 579 bovem coedito in der lex opimorum spoliorum,
widmet der Sage nur das Distichon: Immolat Acta fratr. Arval. bovem marem, bores mores
ex Ulis taurum tibi, Iuppiter unum \ Victor ad S. 71—73. 84—87. 91. 92. 95. 96 ff. Eenzen,
Euandrum ruricolasque vocat. Eine genauere lote bovid piaelum datod in der lex Spoletina
topographische Bestimmung fügt noch Solin 1, 7 Jordan ind. Icct. Eegim. 1882/3 p. 16, vgl.
bei: aram Hercules quam voverat si amissas noch Liv. 41, 14). Die Farbe des Rindes war
boves repperisset , punito Caco patri inverdori weifs (Liv. 22, 10, 7. Ovid. ep. ex P. 4, 4, 31.
dicavit gut Cacus habitavit locum, cid Salinae 10 Arnob. 2 68), gefleckte wurden mit Kreide
nomen est, ubi trigemirta nunc porta, während angestrichen {luv. 10, 66 und Schöl. dazu, wo
die Schrift de origine gcrttis Eomanae c. 6 schon Lu'jilius diesen Brauch erwähnt), im
tum Eecaranus sub Aventino Inventori patri Notfall begnügte man sich mit boes calidi
aram dedicavit appellavitgue maximam et apud (= qui frontem albam habent Isidor or. 12,
eam decimam sui pecoris profanavit (vgl. cp. 8) 1, 52. Philox. gloss. p. 207 Labb.), vgl. Mar-
die drei Altäre des Iuppiter, des Hercules ad quardt, Köm. Staaisvtrwältg. 32S. 172 Anm. 7. 8,
portam trigeminam und in foro boario durch S. 173 Anm. 1. Gilbert, Gesch. u. Top. Borns 2
einander mengt. Wenn Pete r Bd. 1 Sp. 2917. 60 S. 422 A. 1. Der Ritus am Altar des Iuppiter
„aus der innigen Verbindung, in welcher die Inventor war der griechische (Dion. voui'uoig
Sage den Altar zu Hercules setzt", auf einen 20 'Ell^viv.oig). Wenn die ansprechenden Ver-
sakralen Zusammenhang der Altäre des Iup- mutungen von Peter Bd. 1 Sp. 2928 ff., dafs der
piter Inventor und Hercules (Plut. q. P. 60, sogenannte graecus ritus an der aia maxima
vgl. Gilbert 2 S. 158 Anm. 3; 3 S. 434) schliefst, des Hercules und am Tempel des Suturnus
so kann man ihm beistimmen, wenn er aber uralte römische Opfersitte sei, sicher begründet
(Sp. 2940) für seine Ansicht eine Stütze in den werden könnten, so würden sie auch für den
Fasten finden will — es geben zum 13. August Kult des Iuppiter Inventor Geltung behalten,
die fast. Allif. F. Iovi. IHanae Vortumno in Ebenso ist von Peter Sp. 2289, 10 mit Recht
Aventino. Herculi Invicto ad port. trigeminam. darauf hingewiesen worden, dafs das Medaillon
Castori Polluci in circo Flam. Florae ad cir des Antonimis Pius (Eckhel, Doctr. numm. p. 29.
maximiim (Eph. ep. 3 p. 85 = C. I L. 9,2320), 30 Cohen, Med. imp. 2 nr. 484. Fröhner, Les me'dail-
die fast. Am.it. Feriae Iovi Dianae Vortumno Ions de l'empire Eomain S. 57), auf welchem
in Aventino Castori Polluci in circo Flaminio Hercules, die Linke mit der Keule bewaffnet,
C.I.L.l p. 324 = 9, 4192) — so ist dem ent- über den Arm die Löwenhaut gehangen, mit
gegenzuhalten, dafs die Worte feriae Iovi von der Rechten über einem brennenden Altare die
den folgenden getreunt werden müssen ; denn patera entleert, während von der andern
es ist ein Unterschied zwischen dem im Dativ Seite ein Opferdiener ihm ein Rind zuführt,
"stehenden Zusätze einer Gottheit und der Ver- den Heros darstelle, wie er nach dem Siege
bindung derselben mit dem terminus 'feriae'' ; über Cacus am Altare des Iuppiter Inventor
erstere beziehen sich auf die Stiftungstage das Dankesopfer darbringe. Abbildg. Bd. 1
der Tempel, letztere bezeichnen nicht einen 40 a. a. O.
bestimmten lokalen Einzelkult, sondern gelten Vereinzelt und dürftig sind die Zeug-
dem Gotte schlechthin; und darum waren die nisse, die uns von der Verehrung des Natur-
Tage der feriae aus der Zahl der dies fasti gotte s Kunde geben, eine Thatsache, die ihre
ausgeschlossen (Mommsen, C. I. I.. 1 p. 375), Erklärung in dem Umstände findet, dafs die
darum wurden auch feriae und Opfer am Feier der in Feld und Hain wirksam ge-
Dedikationsfeste im Kalender gesondert an- dachten Gottheiten von jeher mehr Gegen-
gemerkt, wenn beide auf denselben Tag fielen stand des Privatkultes gewesen ist, und in
(Aust a. a. O. p. 38 ff.). Dafs Dionys a. a. O. dem Charakter der antiken Litteratur, die ihre
den H» rcules an dem neugegründeten Altare Aufmerksamkeit in erster Linie dem öffent-
einen 6cty.a7.Lg (i. e. iuveneus) darbringen läfst, 50 liehen Leben zuwandte. Es ist ferner sehr
ent-prichtnur den Bestimmungen des Pontifikal- begreiflich, dafs bei einem Volke, das anfangs
rechtes (vgl. &rw«s ad J.em.3, 21. Verg.Aen. 9, 627 zur Behauptung seiner Existenz, sodann im
Ovid. fast. \, 83): unter den vier Klassen vituli Ringen um die führende Stellung in Italien
iuvenci, boes novelli, boes vetuli, in welche die und am Mittelmeere von einem Kriege zum
Rinder bei Varro de rc rast. 2, 5, 6 nach dem andern gefühlt wurde, die auf die Natur be-
Alter geteilt werden, gehörten die iuvenci der züglichen Seiten eines so pantheistisch an-
zweiten an. Tauri dem Iuppiter zu opfern gelegten Gottes wie Iuppiter allmählich zu-
lasse 3 und 4) war verboten, vgl. Ateius mektreten mufsteu hinter der kriegerischen
Ca/'ito bei Macrob. 3, 10, 3 Iovi tuuro verre und politischen Bedeutung; von diesen beiden
ariete immolari non licet, 3, 10, 7 si quis forte 60 ist die erste wieder die ursprünglichere; denn
tauro Iovi fecerit piaculum dato. Da iuvenci der Gedanke an ein ideales Staatsoberhaupt
und tauri nur dem Alter nach geschieden (Iuppiter Gapitolmus) kann bei einem Volke
waren, so ist es begreiflich, dafs der Sprach- nicht eher ausgebildet sein, als bis eine staat-
gebrauch sie nicht scharf auseinander hielt(vgl. liehe Einigung im bewufsten Gegensatz zu
Ovid. fast. 1,579. Verg. Aen. 3, 21 Carlicolum allen, die keinen Anteil an ihr haben, voll-
regi maetabam in litore taurum. Sil. Ital. 6, 647 zogen ist.
ingentem taurinn dona Iovi. diovj-st. ^sgeog^i. Den Kult des Iuppiter Feretrius führt die
Tuvgoii auf einer oskischen Inschrift Zuetajeff, antike Überlieferung eiustimmig auf Romulus
()71 Iuppiter laltröm. Kult: Feretrius)
zurück und erklärt ihn damit für einen der
ältesten Roms. Im siegreichen Kampfe gegen
die Caeninenser (Eph. ep. 1 p. 157) hatte Ro
mulus mit eigner Hand den feindlichen König
Acron (Livius und Uionys kennen den Namen
noch nicht) getötet und ihm die Rüstung ab-
genommen {Liv. 1, 10, 4. Dion. 2, 33). Livius
§ 5 ff. fährt fort: Inde exercitu Victore reducto
ipse . . . spolia ducis hostium caesi susjiensa
fabrieato ad id apte ferculo gerens in Capito-
lium escendit ibique ea cum ad quer cum pasto-
ribus sacram deposuisset, simul cum do)io de-
signavit templo Iovis finis cognomenque addidit
dto. 'Iuppiter Feretri', inquit, 'haec tibi victor
JS.om.ulus rex regia arma fero templumque hs
regionibus, guas modo animo metatus sum,
dedico sedem opimis spoliis, quae regibus duci-
busque hostium cacsis me auctorem scquentes
postcri ferent.' Haec templi est origo, quod
jirimum omnium Homae sacratum est. Der
Akt der Inauguration und die Dedikations-
foimel, die nur am fertigen Bau gesprochen
werden konnte, folgen unmittelbar nach ein-
ander, vgl. Jordan, Krit. Beitr. S. 254 ; Dion 2,34
(dieser läfst den König vor der Weihung noch die
Antemnaten unterwerfen). Plut.Eom. 16. Prop.b,
10, 7. 46. Vol. Max. 3, 2, 3. Flor. 1, 1, 16.
Ampel. 21. Bio 44, 4. Sero, ad Aen. 6, 859.
Elogium des Romulus C. I. L. 1 p. 283 elog. 22
= 10, 809 isque | primus dux duce hostium
Acrone rege Cacninensium | interfeeto spolia
opifma] 1 Iovi Feretrio consecrafvitj. Der
Stiftung gab Nunia die gesetzliche Weihe
durch die lex opimorum spoliorum, Fest. p. 189:
cuius auspicio classe producta opima spolia
capiuntur, Iovi Feretrio darier oporteat (Jordan,
Herrn. 7 S. 206 liest oportet) et bovem cuedito,
gut cepit acris C. C. secunda spolia in Mortis
aram in campo solitaurilia (über die Formen
suovetaurilia und solitaurilia vgl. Marquardt
'S- S. 173 Anm. 13) utra voluerit caedito tertia
spolia Ianui Q^ärino agnum marem catdito,
C. qiti ceperit ex aere dato cuius auspicio
capta , dis piaculum dato. Die Fortsetzung
Ituius aedis lex nulla exstat neque iemplum
habeat (habeaHir Jordan) neque (necnc J) scitur
geht nach Jordan a. a. 0. auf den Ianus
Geminus; zum Verständnis des vielfach ver-
dorbenen Textes vgl. P!ut. Marc. 8. Scrvius ad
Aen. 6, 859; die ganze lex wird behandelt von
M. Voigt, Abhdlg der Leipz. Ges. der )}"iss.
Bd. 17 S. 561 ff. AncusMarcius erweiterte den
Tempel (Liv. 1, 33, 9 rebus bello gestis aedis
Iovis Feretri amplificata). Soweit die Fabel.
In der Geschichte hören wir zuerst von dem
Heiligtume bei der Weihung der im Kampfe
mit dem Veienterkönig Tolumnius gewonnenen
spolia opima des A. Cornelius Cossus a. 328 u. c.
nach Biodor 12, 80. Val. Max. 3, 2, 4. Flor. 1,
11, 3. Aurel. Vict. de viris illustribus 25. Flut.
Born. 16. Serv. ad Aen. 6, 855, a. 317 nach
Liv. 4, 20. Bion. 12, 5; in Wirklichkeit im
Jahre 326, in welchem Cossus das Konsulat
bekleidete, denn nur die spolia opima, die
der Führer dem Führer abgenommen, konnten
im Tempel des Iuppiter Feretrius niedergelegt
werden, daher mufsten T. Manlius Torquatus,
Valerius Corvinus und Scipio Africanus minor
Iuppiter laltröm. Kult: Feretrius) 672
auf die gleiche Ehre verzichten, weil sie unter
höherem Kommando stehend die feindlichen
Feldherrn im Zweikampf getötet hatten, vgl.
Preller, E. M. 1 S. 200 n. Anm. ■>. Augnstus
selbst hatte auf dem zu seiner Zeit noch er-
haltenen linnenen Panzer des Tolumnius ge-
lesen, dafs Cossus ihn als Konsul geweiht (Liv.
4, 20, 7, vgl. Fest. p. 189; s. über die chronolo-
gische Fiage JN7(se, Herrn. 13 S.412 und Momm-
10 sen, Bö'm.Forschg.2 S.236, die nur darin uneins
sind, ob die Einreihung der zeitlos umlaufen-
den Erzählung in die Annalen vor oder nach
Beginn der römischen Geschichtsschreibung
zu setzen ist). Der nächste, dem das Glück
die hohe Auszeichnung gewährte,warM. Claudius
Marcellus, der Konsul des Jahres 532; in einer
Schlacht gegen die gallischen Insubrer er-
schlug er ihren Führer Viridomarus (Liv. ep. X5.
Verg. Aen. 6, 869, dazu Servius, fast, triumph.
20 C I. L. 1 p. 458. M. Claudius M. f. M. n.
Marcellus anno BXfXXI] | cos. de Galleis
Insubribus et Ger [man.] | K.Mait. isque spolia
[opima rjettfulit \ djuce hostium Tfiridomnro
ad Cljastidfiiim | interfeeto], s. auch die bei
Romulus und Cossus angeführten Stellen).
Denare des P. Cornelius P. f. Lentulus Mar-
cellinus (c. 706 Brumann 4, S.206, c. 709 Babelon
Der Konsul C. Claudius Marcellus, die spolia opima im
Tempel des Iuppiter Feretrius darbringend, auf einem
Denare des P. Cornelius Marcellinus (nach Babelon 1
S. 352).
40 s. unten) zeigen ihn auf dem Revers, die spolia
opima im Tempel des Iuppiter Feretrius
darbringend (Cohen, T. 12 Claudia 4 dazu
Mommscn, E. M. nr. 303 S. 648. Bonaldson,
Arch. nitm. nr. 11 S. 45. Babelon, Bescr. des
monn. de la re'publ. rom. 1 S. 352 nr. 11, vgl.
S. 427 n. 69. 2 S. 534. Stevenson, A dietionary
of Roman coins S. 209; die Münze restituiert
von Traian). Als vierter Fall konnte, wie
Gilbert, Top. 3 S. 399 Anm. 1 anführt, Caesar
50 gelten, Bio 44, 4, vgl. Bio 51, 24; 55, 5. Die
Jahrhunderte gingen an dem Heiligtume nicht
spurlos vorüber; zur Zeit des Augnstus war
es verfallen und gehörte zu den vielen, die
dem Kaiser ihre Wiederherstellung verdankten,
vgl. Mon. Anc. 4, 5 aedes in Capitulio Iovis
feretri . . . feci. 6, 31 zgya v.aiva iyivszo in'
avzov vaol fiiv . . . dibg . . Tpo^caoqröpoi».
Liv. 4, 20, 7. ' Cornel. Xepos Atlic. 20 aeeidit,
cum aedis Iovis feretrii in Capitolio ab Eomulo
60 constituta vetustate atque ineuria delecta pro-
laberetur, ut Attici admonitu Caisar eam refi-
ciendam curaret. Da Atticus 722 gestorben
ist und Nepos den Schlufs der vita seines
Freundes nach der Niederlage des Antonius
bei Actium (c. 20, 5), aber nicht nach dem
Jahre 725 schrieb, so setzt Mommsen, B. g. d. A.
p. 81 die Restitution mit grofser Wahrschein-
lichkeit noch in das Jahr 723. Über die
673 Iuppiter (altröm. Kult : I. Feretrius') Iuppiter ('altröm. Kult: I. Feretrius) 674
architektonische Beschaffenheit des Tempels fabricato ad id apte ferculo gerens und Verg.
liegen die widersprechendsten Nachrichten Aen. 11, 83 indutosgue iubet truneos hostilibus
vor. Dio 54, 8 erzählt, Augustus habe ihn armis \ ipsos ferre duces inimicaque nomina figi.
zum Muster genommen, als er zur vorläufigen Die Ableitung von einem so nebensächlichen
Unterbringung der von den Parthern wieder- Gerät bei einer geschichtlich nur zweimal
gewonnenen römischen Feldzeichen dem Mars nachweisbaren Feier hat wenig Wahrschein-
Ultor auf dem Capitole eine Kapelle errichtete lichkeit, besonders da, nach dem Schweigen
(y.arä tö rov diög &£Q£tqi'ov 'c,i'iXu>(ia); da die- des Varro , Livius und Diortys zu urteilen,
selbe auf Münzen sich als aedis rotunda dar- feretrnm gar nicht die offizielle Bezeichnung
stellt (vgl. Finder, Abhdlg. der Berl. Ah. 1855 to der Tragbahre war, die Kultgebräuche weisen
phil. hist. Kl. S. 611 — 613 u. Tf. 4, 3. Donaldson vielmehr auf einen Zusammenhang mit ferire
a. a. 0. S. 26 ff. Stecenson S. 541), so würden hin (vgl. Härtung, Bei. d. Rom. 2 S.16). Iuppiter
wir für unser Heiligtum die gleiche Bauart Feretrius und Iuppiter Lapis ist derselbe,
anzunehmen haben, hiermit lassen sich jedoch Im Heiligtume des Gottes wurden ein lapis
die Abbildungen auf den oben angeführten silex und ein sceptrum aufbewahrt, Paul. p. 92
Denaren nicht vereinigen. Wir erblicken einen Feretrius Iuppiter . . . ex cuius templo sume-
viereckigen Tempel als tetrastylon, die Säulen baut sceptrum, per quod iurarent et lapidem
von hoher Basis emporsteigend tragen ein silieem, quo foedus ferirent. Serv. ad Aen. 12 , 206
Dach, dessen Giebelfläche keinen ornamentalen ut autcm sceptrum adhibeatur ad foedera haec
Schmuck zeigt; auf der zum Eingang führen- 20 ratio est: quia maiores semper simulacrum
den Treppe steigt Marcellus (nicht Marcel- Iovis adhibebant; quod cum taediosum esset
linus, wie Gilbert schreibt) mit den Spolien praecipue quando fiebant foedera cum lotige
des besiegten Gegners empor ; die Beschreibung positis geutibus inventum est, ut sceptrum
des Dionys 2, 34 hi atö^txai zb äg^aiov i'%vog tenentes, quasi imaginem simulacri redderent
iXatzovag r\ it&vts noSäv Hat Siv.oc rag (isifcovg Iovis; sceptrum enim ipsius est proprium.
TiXsvQctg £%ov (der, wie es hiernach scheint, die Neben dem Steine ist das Seepter jüngeren
Kapelle mit eignen Augen gesehen), entspricht Ursprungs ; es zeigt Iuppiter bereits in seiner
genau dem Bilde. Wer die Zeugnisse der Herrscherstellung, wenn man nicht vorziehen
Münzen und eines glaubwürdigen Zeitgenossen will , in dem sceptrum die Darstellung des
vergleicht mit der Angabe eines um mehr als 3u Blitzes zu sehen ; Marquardt 3'- S. 426 vermutet
zwei Jahrhunderte jüngeren Schriftstellers, in dem Schwüre des Königs oder Feldherrn
wird sich kaum mit Preller, R. 31. 1 S. 200 (Liv. 1, 24, 8; 39, 38, 1. Dionys. 4, 58) beim
und Heibig, Die Italiker in der Poebene S. 54 Abschlufs von Verträgen den Grund für seine
für einen Rundtempel entscheiden, sondern Verwendung.
wird die Nachricht des Dio entweder für einen Darüber, dafs wir in dem 'lapis' ein ur-
Irrtum halten (Gilbert, Top. 1 S. 253 Anm. 1) altes Kultsymbol zu sehen haben, besteht kein
oder in ihr wenigstens keinen Hinweis auf Zweifel, aber über die äufsere Gestalt des-
eine Nachahmung in der äufseren Gestalt er- selben sind die Meinungen geteilt; 31. S. de
kennen (vgl. Richter in Iw. Müllers Handbeil. Rossi (anit. d. inst. 1867 S. 24ff. ; terzo rapporto
d. klass. Altivs. 3 S.820 = Baumeister, Denkm.'S du sugli studi e sullc scoperte paleottnologiehe nell'
S. 1480). So erledigt sich auch die Bemerkung Italia media 2. ed. Koma 1871) denkt an eine
Helbigs a. a. 0. „eine runde Kapelle des Iup- steinerne Axt; Preller, R. M. 1 S. 247 ver-
piter (Feretrius?) findet sich auf einem Medaillon gleicht den Flins des Donar und Miölnir des
des Philippus und der Otacilia; Cohen, Monn. Thor aus der deutschen uud nordischen Mytho-
de Vempire 4T 8, 4 = Donaldson nr. 15." Die logie (s. Grimm, Deutsche 3Iytliol. 163. 1171.
irrige Ansicht über die Lage in arce, d. h. auf Kuhn, Herabkunft des Feuers S. 226); Gilbert,
dem nördlichen Hügel des Capitolinus, der Top. 2 S. 225 Anm. 2 erkennt darin ein den
heutigen Höhe von Araceli, ist durch Becker, Blitz darstellendes spitzes und scharfes Stein-
Röm. Altert. 1 S. 402 ff. und Jordan, Top. 2 rnesser; Heibig a. a. 0. S. 92 entscheidet sich
S. 498 ff. endgültig widerlegt worden. Über 60 für einen unbearbeiteten Feuerstein, und ihm
die Ableitung des Namens Feretrius gehen scheint sich Marquardt, Rom. Staatsvcrwaltg. 3
schon die Ansichten der Alten weit auseinander: S. 426 anzuschliefsen. Die Stellen der antiken
Dionys. 2, 34 läfst die Wahl zwischen den drei Litteratur, welche über die Verwendung des
Übersetzungen rgo-naiovxog, aKvXoq}ÖQog und 'lapis' handeln, sind folgende: Liv. 1, 24,8
vnspcpsQhng; mit ferire bringen ihn in Zu- 'Diespiter populum Romanum sie ferito, ut ego
sammenhang Prop. 5, 10, 46 nunc spolia in hunc porcum hie hoelie feriam tantoque magis
templo tria condita: causa Ferctri \ omine quod ferito quanto magis potes pollesque' ; id ubi
certo dux ferit ense ducem. Plut. Rom. 16. dixit porcum saxo silice percussit. Liv. 9, 5, 3
Marc. 8. Paul. p. 92 epio foedus ferirent, vgl. eum ita Iuppiter feriat , quemadmodum a
die Anmerkung von 0. Müller; mit ferre Paul. 60 fetialibus porcus feriatur. Serv. ad Aen. 8, 641
a.a.O. aferendo c/aod pacem ferre putaretur, vgl. cum ante gladio configeretur (porcus), a Fetia-
Liv. 1, 10, 6; mit feretrum dem Holzgestell, libus inventum, ut silice feriretur ea causa
auf welchem die erbeutete Rüstung getragen quod antiquum Iovis Signum lapidis silieem
und aufgestellt wurde, Plut. 3Iarc. 8; ihm putaverunt esse. Liv. 30, 43, 9 senatus con-
schliefsen sich nach dem Vorgange von Peri- sultum factum est in haec verba, ut (Fetiales)
zonius ,Animadv. hist. c. 7 p. 248 ff. an Schwegler. privos lapides silices privaseque verbenas seeuni
Rom. Gesch. 1 S. 461 u. Preller, R. 31. 1 S. 199 mit ferrent. Polyb. 3, 25 Xaßwv sig xrjv %itQa U&ov
Berufung auf Liv. 1, 10, 5 spolia . . . suspensa 6 noiovutvog xa oqkkx . . . Xsfii zaSs ' „ . . . iyca
Röscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 22
675 Iuppiter (altröm. Eult: I. Feretrius) Iuppiter (altröm. Kult: I. Feretrius) 676
(lövog i-x.it sdoifu. äg 'öäs Xtöog vvv"-- «ai nr. 9 — 12; 10 nr. 18. 19) einen Beweis für die
xuvx' ilnäv QLittsi xöv XC&ov Ix tijs X£lQ°St Benutzung eines schwertartigen Instrumentes
vgl. Paul. p. 115. Plut. Sulla 10. Es liegt sehen zu wollen, wäre verfehlt, denn sie
durchaus kein Grund vor bei einer dieser zeigen nicht den alten Fetialritus (vgl. Beibig
Ceremonieen den Gebranch eines steinernen S. 92 Anm. 3, Preller, S. M. 2 S. 325 Anm. 3.
Werkzeuges vorauszusetzen; dies hat be- Marquardt, Rom. Staatsvenu. 3a S. 415 Anm. 6),
reits Helbig a. a. 0. mit Hecht betont und sondern stellen nach meinem Dafürhalten nur
die Gründe für seine abweichende Meinung die Ceremonie des Bündnisschwures dar, wie
angeführt: „Die Erzeugnisse der primitiven sie seit Beginn des zweiten vorchristlichen
Steinmanufaktur erregten schon die Aufmerk- 10 Jahrhunderts ohne Fetialen vollzogen werden
samkeit der Alten, hätte sich daher ein der- konnte (Liv. 38, 39, 1, vgl. Marquardt S. 426).
artiger Rest in dem Fetialritus erhalten, dann Wäre also, wie wir darzulegen suchten, der
würden die Schriftsteller, wenn sie von lapis ein einfacher Kiesel, so kann seine
Cerauniae nigrae rubentisque ac similes sec-u- Gröfse und Schwere nicht sehr beträchtlich
ribus (Plin. 37, 135) sprechen, gewifs darauf gewesen sein, da er nur mit einer Hand ge-
hinweisen, dafs der Pater patratus mit einem führt wurde (Polyb. eis ^hv X£<-Qa ~~ fK T*JS
ähnlichen Gegenstande das Opfertier tötete, Z"?os); demnach hat der pater patratus das
und die Berichte über den Ritus nicht einfach Schwein nicht getötet, sondern nur den ersten
den silex oder lapis namhaft machen, sondern Schlag geführt, die Tötung hiermit symbolisch
irgendwelche Andeutung enthalten, dafs der 20 bezeichnend; das Schlachten selber besorgten
betreuende Stein bearbeitet war, vgl. noch — es wird für Staatsopfer öfter bezeugt (vgl.
Aug. c. d. 2, 29." (Über die Entstehung des Marguardt a. a. 0. S. 181) — die ministri.
Glaubens, dafs die Blitze zu den steinernen Helbig folgert aus der Beschaffenheit des
Waffen Beziehung hätten, s. Helbig S. 93. 94.) Steines, dafs man unter den römischen Kultus-
Mehr noch als Helbigs Beweis ex silentio altertümern vergeblich nach einem Ritus suche,
spricht gegen die bekämpfte Auffassung der der ein Unbekanntsein mit der Verwertung der
Umstand, dafs die a. 553 u. c. nach Afrika Bronze ergebe, vgl. Petersen, Spuren des Stein-
zum Absehlufs des Bündnisses reisenden Fe- alters, welche sich bis in die Zeit der beglau-
tialen mehrere (privoa i. e. singulos) lapides bigten Geschichte erhalten haben, Festprogr. des
silices von Rom mitführen mnfsten. Es wäre 30 akad. Gymn. zu Hamburg 1869 S. 8; jeden-
doch seltsam, wenn eine Anzahl Steinäxte falls aber führt uns der Kult in die latinische
oder Steinmesser vorhanden gewesen oder zum Urzeit zurück, in eine Epoche, wo neben der
jedesmaligen Gebrauche fertiggestellt wäre; Bekanntschaft mit der Bronze das Stein-
ebensowenig wird man hier den lapides material noch volle Geltung besafs (Fehlen
silices eine von den anderen Stellen ver- von bronzenen Schalen und Nägeln, Helbig
schiedene Deutung geben können, da sie S. 77 ff.). Die Überlieferung weifs uns nur
ja im Zusammenhange mit dem gleichfalls von der Verwendung des lapis im Dienste der
zum Opferritus gehörigen verbenae genannt Fetialen zu berichten; der Stein selber aber
werden. Vertreten wir dagegen die An- ist ein beredtes Zeugnis dafür, dafs der Epoche,
sient, dafs „der Funken sprühende Stein 40 in welcher er im völkerrechtlichen Verkehr
das Symbol des Blitze schleudernden Donner- benutzt wurde als das Symbol eines nach
gottes" war, so läfst sich damit jener Brauch sittlichen Gesetzen waltenden, die Verletzung
sehr gut vereinigen, insofern nämlich jeder des Eidschwures strafenden Gottheit, eine
Stein von denselben Eigenschaften zum Sym- andere voraufging, wo er den Mittelpunkt des
hole des höchsten Gottes werden konnte. Da Kultes in ähnlicher Weise bildete wie die
die Vorschrift bestand, die silices aus Rom Lanze des Mars in der Regia (Rubino , Beitr.
mitzunehmen, so wird daselbst ein sakraler zur Vorgeschichte Italiens S. 230ff. Marquardt
Akt sie ihrem Zwecke dienlich gemacht haben. a. a. 0. S. 5) und das Feuer im Tempel der
Zu diesem Auskunftsmittel war man verinut- Vesta noch zu den Zeiten des Ovid (Ov. fast.
lieh genötigt, weil die Fetialen nicht selten 50 6, 295 ff., vgl. Preuner, Hestia -Vesta S. 321;
an mehreren Orten zur selben Zeit thätig andere Symbole bei Härtung, Ret. d. Römer 2
waren und weil man den ursprünglichen S. 10 und Ambrosch, Studien und Andeutungen
Stein nicht der Gefahr weiter Reisen aus- im Gebiet des altrömischen Bodens und Kultus 1
setzen wollte; seine Verwendung blieb wohl S. 6). Wir erkennen die primitiven Formen
auf Rom und die benachbarten Stämme be- eines Naturkultes, in dem ein einfacher Kiesel
schränkt. In den bildlichen Darstellungen auf genügte, um die Vorstellung der donnernden
Denaren des Ti. Veturius (Mommsen, R. M. und blitzenden Himmelsmacht im mensch-
S. 555 nr. 19 „zwei Gepanzerte, der eine hart- liehen Gemüte hervorzurufen. Zu welcher Zeit
los, der andere bärtig, mit Speeren und sich mit dem Wesen des Naturgottes die
blofsen Schwertern in den Händen, berühren 60 moralischen Begriffe der Treue und Gewissen-
mit den Schwertspitzen ein Schwein, das ein haftigkeit vereinigt haben, entzieht sich einer
knieender Knabe hält." Cohen, Med. consul. genauen Bestimmung; doch dürfte nach dem
T. 41 Veturia; vgl. Münzen des C. Sulpicius, Vorkommen von Bräuchen, die Ähnlichkeit
Mommsen a. a. 0. 203 S. 576, Babelon 2 S. 471) mit denen des Fetialritus haben, bei inter-
und ähnlichen auf oskischen Münzen der nationalen Abmachungen fremder Nationen
Städte Capua und Atella {Friedländer , Die jene Phase der Entwicklung vor die Ein-
osläschen Münzen T. 2 nr. 10; 4 nr. 2) und Wanderung der Italer in die apenninische
des Bundesgenossenkrieges (Friedländer T. 9 Halbinsel zu setzen sein (s. Nissen, Das Tan-
677 Iuppiter (altröm. Kult: I. Feretrius) Iuppiter (altröm. Kult: I. Feretrius) 678
plum S. 103). Sicher ist die Institution der auf der praenestinischen Ciste (Muh. ined. 6
Fetialen allgemein italisch (Fetialen bei den T. 54 besprochen von Garrucci, Ann. d.inst. 1861
Latinern Liv. 1, 24, 4. C. I. L. 10, 797; bei S. 151 ff.), wo die als Diesp(i)t(e)r bezeichnete
den Aequiculern = Aecmern Liv. 1, 32, 5. Figur (G. I. L. 1, 1500 = 14, 4106) durch ihre
Dion. 2, 72; in Falerii, Fascennium, Ardea Stellung zwischen Iuno und Hercules sich
Dioih a. a. 0. u. 1, 21; bei den Samniten Liv. 8, deutlich als den altitalischeu Iuppiter zu er-
39, 14; 9, 1, 3; App. b. Samn. frg. 4, 1, vgl. kennen giebt (vgl. Beifferscheid, Ann. d. inst.
Schioegler, Rom. Gesch. 1 S. 554 Anm. 9. Mar- 1867 S. 352). Bei Plautus wird Diespiter in
quardt S. 416 Anm. 7), und es ist daher wahr- Verwünschungs- und Beteuerungsformeln (Capt.
scheinlich , dafs die Einrichtungen bei den 10 v. 909 Diespiter te dique, Ergasile perdant . . .
einzelnen Stämmen im wesentlichen dieselben Poen. v. 740 Diespiter ros perduit. Poen.
waren. Die Fetialen sind die Priester, welche v. 869 Diespiter me sie amabit, ut ego hanc
hei der Regelung der völkerrechtlichen Be- familiam interire cupio) in gleicher Weise wie
Ziehungen auf die Beobachtung des „iustum Iuppiter angerufen (vgl. Hubrich, De diis Plau-
und pium" zu sehen haben; wo immer sie auf- tinisTerentianisque, Königsbg. üiss. 1883 p. 26);
traten, bei Abschlufs und Aulkündigung von in ähnlichem Sinne erwähnt ihn Horaz c. 1,34, 5;
Bündnissen und Verträgen, bei der Genug- 3,2,29. Die Grammatiker sehen in den beiden
thuungsforderung und Kriegserklärung (Ge- Namen auch nur eine verschiedene Ausdrucks-
naueres über ihre Obliegenheiten siehe im weise für dieselbe Person (Gell. 5, 12,6. Maerob.
Abschnitt über die Fetialen), überall handeln ao 1, 15, 14). Insehriftlich ist der Name nur noch
sie im Namen und Auftrage Iuppiters ; sie erhalten auf einem zu Sutrium gefundenen
sind also seine Diener, er selber der höchste Marmorstück d. m. \ Trastinae Frontonis |
Schutzpatron der durch jenes Kollegium ver- scribae aedil. Diespitris C. I. L. 11, 3259 (die
tretenen Ideen des Rechtes und der Treue, Echtheit angezweifelt von Jordan bei Preller,
und es ist, wie Helbig S. 93 richtig bemerkt, B. M. 1 S. 248 Anm. 2). Abgesehen davon,
der ursprüngliche Sinn des Fetialritus der, dafs es ungereimt ist, eine männliche Gottheit
,,dafs der Donnergott selbst das den Vertrag mit dem Akt der Geburt in Verbindung zu
bekräftigende Opfer vollzieht, eine Vorstellung, bringen, so weist einmal die Etymologie
welche deutlich durchklingt in den Worten, (*Dieus neben *Dious? vgl. griech. Z/Jg, Zfjva)
die Vergil dem das Bündnis mit den Tro- 30 auf ein nahes Verhältnis zu Iuppiter hin,
janern beschwörenden Latinus in den Mund sodann entspricht gerade die Verwendung des
legt (Aen. 12, 200 audiat haec genitor , gm Namens in der alten Schwurforrael einer Rieh-
foedera fulmine sancit)"; damit übernimmt er tung im Wesen des höchsten Gottes, die
zugleich die Garantie für die Aufrechterhaltung sogar Ennius veranlafste, ius iurandutn durch
des Bundes und die Bestrafung derer, die den Iovis iurandum zu erklären (Apul. de deo Socr. 5,
geschworenen Eid verletzen. Dafs der Gott vgl. Ennius trag. frg. 37, trag. ine. frg. 121
selber unter dem Kiesel gedacht wurde, er- Bibbeck), so augenscheinlich, dafs die ur-
giebt die Zusammensetzung Iuppiter lapis sprüngliche Identität beider kaum zu be-
(= Iuppiter in der Steingestalt). Die Be- zweifeln ist. Aus der Rechtspraxis der Fetialen
Zeichnung entstammt natürlich einer späteren 40 ist die Bedeutung Iuppiters als Schwurgottes
Zeit, in deren entwickelteren religiösen An- in den privaten Rechtsverkehr übergegangen,
schauungen Iuppiter nicht mehr ohne weiteres Gell. 1, 21. 4 Lovem lapidem quod sanetissimum
im Feuerstein sich verkörperte und die daher iusnirandum est habitum, paratus ego iurare
das Bedürfnis fühlte, ihn mit diesem Zusätze sum, vgl. Cic. ad fam. 7, 12, 2. Apul. a. a. 0.,
anderen Ioves gegenüberzustellen; dagegen ist vgl. Dam, Der sakrale Schuts im römischen
uns der alteKultname Diespiter inderSchwur- Rechtsverkehr S. 13 — 23. Iovem lapidem iurare
formel erhalten (Paul. p. 115 lapidem silicem ist kein sprichwörtlicher Ausdruck, sondern
tenebant iuraturi per Lovem haec verba dicentes: im eigentlichen Sinne zu nehmen, Otto, Sprich-
st sciens fallo, tum me Dispiter sedva urbe Wörter der Bömer S. 179 Anm. **; natürlich
arceque bonis eiieiat, uti ego hunc lapidem, 5o kam dabei der Brauch, den lapis silex aus
vgl. Liv. 1,24,8). Bewogen durch die Lesart dem Tempel in der Hand zu halten, iu
der guten Codices hat 0. Müller ihn mit Wegfall; ebenso werden Mars und Quirinus,
Dispater identificiert und einen „Iuppiter in- die bei staatlichen Verträgen neben Iuppiter
fernus" irrtümlich angenommen; es ist viel- angerufen werden (Polyb. 3, 25), aus der Schwur-
mehr in Diespiter, dem Gotte der lichten formel verschwunden sein. In dem Iuppiter
Tagesklarheit, ein neuer Beweis gegeben für Iurarius auf der Inschrift von der Tiberinsel
den Zusammenhang des Fetialdienstes mit dem C. Volcaci(us) C. f. har(uspex) de stipe Lovi
Naturkult. Aus der Angabe des TertuUian ad hirario aram [cummJonimentom(erito)G.L.L.l,
nat. 2, 11 dehinc Diespiter qui puerum perducat 1105 = 6, 379 ist nur eine Übersetzung des
ad partum hat Ambrosch, Beligionsbücher der 60 griechischen Zeus ögitiog zu erkennen. Jordan
Bömer S. 13 den Schlufs gezogen, Diespiter (b. Preller, B. M. 1 S. 267 Anm. 1), dem die
sei ein vom Himmelsvater wesentlich ver- Ergänzung Mommsens weder sprachlich noch
schiedener Gott gewesen , der die Geburten sachlich überzeugend erscheint, denkt an den
ans Licht bringe, am nächsten verwandt mit auf der Insel verehrten Dius Fidius. Als
der Geburtsgöttin Lucina. Angenommen die drittes und jüngstes Moment tritt zu dem
Folgerung wäre berechtigt, so mufs doch in Kulte die Weihung der spolia opima, wobei
sehr früher Zeit eine Verschmelzung beider das Opfer eines Rindes vorgeschrieben war
Gottheiten eingetreten sein, so z. B. bereits (Fest. p. 189), und auch hier sind in einem
22*
679 Iuppiter (altxöm. Kult: I.Feretrius,Victor) Iuppiter (altröm. Kult: I. Victor) 680
alten Gesetze (s. oben) die Namen des Mars Iovis Victoris' (Jordan, Top. 2, 557); für die
und Quirinus mit dem des höchsten Gottes Ansicht, dafs ein drittes auf dem Capitol sich
verbunden. Der Tempel des Iuppiter Feretrius befunden habe, führt mau folgende Stellen
gilt allgemein als einer der ältesten Roms; des Cassius Bio au: 45, 17, 2 kiqcci)vo£ xs
man mufs sich jedoch hüten, die religiösen yüg srafinstojirsts sntoov v.aC xivsg ctixäv xal
Anschauungen, die sich in der Verehrung und ig xov vsmv xov xä Au xä KamxaiXia) iv xä
dem Gebrauche des lapis silex wiederspiegeln, viv.aim bvxa y.axioxrjiptxv (a. 711). 47, 40, 2 v.al
mit der Erbauung des Heiligtums zeitlich -xigawol alloai rs TtoXXa^oai r.ai ig xhv xov
gleichzusetzen. Es ist ja selbstverständlich, vir.uCov Aibg ßcoubv itpiQovxo (a. 712). 60,35,1
dafs von Anfang an Vorkehrungen getroffen 10 f] avxöuaxog xov vaov xov dibg xov viv.aiov
waren, dem Feuerstein, als Symbol des avoih,ig (a. 54 p. C). Eine lokale Bestimmung
Donnerers, einen bestimmten, durch einen enthält nur die erste Stelle, eine Vergleichung
sakralen Akt geheiligten Platz anzuweisen, derselben aber mit den beiden anderen zeigt.
o1»
dafs also eine Kultstätte primitiver Art vor- dafs in ihnen kaum von einem und demselben
banden war; über ihre Beschaffenheit Ver- Heiligtume die Rede ist (es liegt vielmehr
mutungen aufzustellen, hat wenig Zweck. nahe, an eine sonst freilich unbekannte aedes
Dafs sie aber nicht dem Bilde glich, welches Victoriae mit einem Bilde des capitolinischen
uns die Denare der Republik (s. oben) zeigen, Iuppiter zu denken, Jordan a. a. G. 1, 2 S. 50
unterliegt wohl keinem Zweifel; ich trage Anm. 511; somit fällt jeder Beweis weg für
daher kein Bedenken, den tetrastylischen Bau 20 das Vorhandensein einer Kultstätte auf dem
der Münzen für bedeutend jünger zu halten Capitole; denn daselbst einen Tempel oder
als z. B. die Rundtempel der Vesta und des Altar des Iuppiter Victor darum annehmen zu
Hercules: man wird seine Gründung nicht wollen, weil auf der Burg von Cirta die Bild-
weit von der des Sitzes der capitolinischen säule eines Iuppiter Victor argenteus (C. I. L.
Trias entfernen dürfen, ja es ist bei dem 8, 6981) stand (Preller, E. M. 1 S. 199.
Charakter der Überlieferung gar nicht aus- Jordan a. a. 0. Fröhner, Les medaillons de
geschlossen, dafs die uns bekannte Gestalt l'empire Romain p. 27), mufs solange als eine
des Heiligtumes von Cossus herrührt, dem haltlose Behauptung gelten, bis stichhaltigere
ersten, der die spolia opima dem Gotte dar- Gründe für ihre Richtigkeit erbracht sind,
brachte, die Annahme gewinnt an Wahrschein- 30 Alle andern auf Iuppiter Victor bezüglichen
lichkeit durch die Erwägung, dafs der Anlafs Kachrichten geben keinen Anhalt für eine be-
zu einer Vergröfserung des ursprünglichen stimmte Örtlichkeit. Wir wissen, dafs der
sacellums sich dann eingestellt haben wird, Konsul Q. Fabius Masimus während des Sam-
als zum Aufbewahren der erbeuteten Rüstung, niterkrieges im Jahre 459 u. c. einen Tempel
zu der, wie man doch erwartete, noch andere gelobte (Liv. 10, 29, 14 ipse (sc. Fabius) aedem
hinzukommen würden, ein erweiterter Kaum Iovi Victori spoliaque hostium cum vovisset, ad
geschaffen werden mufste. Als die legenden- castra Samnitium perrexit . .); während aber
hafte Geschichtsschreibung die Weihung der Livius einige Zeilen weiter (§ 18) von Fabius
ersten spolia opima auf Romulus zurück- berichtet: spolia hostium coniecta in acervum
gelührt hatte,- da war es natnrgemäfs, dafs 40 Iovi Victori cremavit, geschieht des ersten
sie gleichzeitig auch die Erbauung des Tempels Teiles des Gelübdes keine Erwähnung mehr,
auf ihn übertrug, und so mufste der historische sei es, dafs der Schriftsteller diese vergessen,
Gründer dem mythischen den Platz räumen. sei es, dafs die Dedikation in den verlorenen
Den älteren Kulten dürfen wir ferner die Büchern, also nach 461, erzählt wurde. Denn
des Iuppiter Victor und Stator (qui sistit ob aus der Notiz bei Liv. 10, 42, 7 iC. Papi-
aciem) beizählen, da bei einer mit den Nach- rius) in ipso discrimine (ad Aquiloniam) , quo
barvölkern stets im Kampfe liegenden Nation templa diis immortalibus voveri, Iovi Victori,
ein frühes Hervortreten der auf Kampf und si legiones hostium ficdisset, pocillum mulsi,
Sieg bezüglichen Seiten im Wesen der höchsten priusquam temttum biberet sese facturum (a. 461)
Gottheit nahe liegt und in der That jene 50 auf die Vollendung des Baues geschlossen
Beinamen in den Annalen uns zuerst begegnen. werden kann, bleibt mindestens fraglich; vgl.
Bisher hat man zu Rom drei Heiligtümer des Gilbert 3 S. 427 Anm. 1. Ovid kennt die Ge-
siegverleihenden Iuppiter angenommen. Die burtstage zweier Heiligtümer des Gottes,
Lage des einen wird bestimmt durch eine auf fast. 4, 621 Occupat Apirilis idus cognomine
dem Quirinal gefundene Inschrift: [DJiovei Victor | Iuppiter, hac Uli sunt data templa die;
Victore | T. AebuftiJ M. f. \ III vir [restijtuit 6, 650 idibus (sc. luniis) Invicto sunt data
(so liest Schneider, Dial. ital. aev. vet. ex. sei. 1 templo Iovi, vgl. den Zusatz Iovi zum 13. Juni
nr. 105, der sie dem 6. oder 7. Jahrhundert in den fast. Tusc. G. I. L. 1 p. 300 = 14, 2575
zuweist) C. I. L. 1, 638 = 6, 438, vgl. die (die Bemerkung feriae Iovi der fast. Venus, zu
Widmung bei Quint. 1,4, 17. Zu dem Charakter oo demselben Datum C. I. I. 1 p. 301 = 9, 421
der Schrift pafst die Vermutung Mommsens, bezieht sich nicht auf eine bestimmte Loka-
es sei T. Aebutius Carus gemeint, der a. 571 lität, s. den Abschnitt über Iuppiter Inventur),
triumvir coloniae deducendae (Liv. 39, 55, 8) Das Zusammenfallen der Dedikationstage mit
und 10 Jahre später deeemvir agro dividendo den Iden spricht für ein höheres Alter,
war (Liv. 42, 4, 4); ein zweites stand auf Zwischen den beiden Beinamen Victor und
dem Palatin; die Angabe des Curiosums in Invictus scheint nur ein nomineller, kein
der zehnten Region (Palatium), raedem Iobis' sachlicher Unterschied zu bestehen wie bei
wird durch die Notitia ergänzt zu raedem Hercules; während aber bei diesem die Be-
681 Iuppiter (altröm. Kult: I. Victor) Iuppiter (altröm. Kult: I. Victor, Stator) 682
Zeichnung Invictua im offiziellen Sprach- monte iuxta aedes imperatorias consecravit eique
gebrauch die andere allmählich verdrängte templum fecit studens et Matris typum et Vestae
(s. Bd. 1 Sp. 2993 ff.), ist bei Iuppiter das ignem et Palladium et ancilia et omnia Roma-
ursprüngliehe cognomen Victor stets vor- nis veneranda in illud transferre templum)
herrschend geblieben: 0. 1. L. 1, 638 = 6, 438 und 17 (quem solern alii, alii Iovem dicunt)
(Quint. 1, 4, 17). 6, 2051. 2086; 5, *3413. 5063; ist es wahrscheinlich, dafs Elagabal das Heilig-
11, 2616; 8, 4577. *4584. 6981. 7045, auf Münzen tum des Iuppiter zu einem Sonnentempel um-
des Vitellius (Cohen 18 — 21), des Domitian wandelte, da jedoch die Regionenbeschreibung
(Cohen 363 — 371), des Hadrian (Cohen 284, vgl. nur die aedis Iovis Victoris erwähnt, so wird
Fröhner, Les medaillons de l'empire Romain 10 nach dem Tode des Kaisers der ursprüngliche
p. 27), des Albin (Cohen 23. 24), des Septimius Zustand wiederhergestellt worden sein; vgl.
Severus (Cohen 150. 151), des Caracalla 0. Richter in I. Müllers Handbuch 3 S. 826
(Cohen 73), des Elagabal (Cohen 42) u. s. w. = Baumeister, Denkm. 3 S. 1484.
bis zu Carausius (Cohen 112); Invictus zuerst Die Erbauungder aedis Iovis Statoris wird
bei Cicero de leg. 2, 28; Sorot, c. 3, 27, 73. auf Romulus zurückgeführt, Dion. 2, 50 isgü
Ov. fast. 6, 650; 5, 126. Aug. c. d. 7, 11; nur te iSgvßavzo . . . 'PwijLvlog filv og&coaiw Ali
eine einzige Münze trägt die Umschrift Iovi izagd zaig v.aXoviisvaig Movytaviai nvlctig cü
Invicto (Cohen, Septimius Severus nr. 144). cpsgovoiv ilg zo Iluluziov iy. rijs iigäg oSov,
Im Anfange der 60er Jahre sind etwa 50 m. vgl. Cic. in Cat. 1, 13, 33. Ovid fast. 6, 793;
von der Süd -Westecke des Palatins entfernt 20 gelobt soll er ihn haben im heifsen, zwischen
Trümmer eines Tempels aufgedeckt und von Capitolin und Palatin tobenden Kampfe mit
P. Rosa (Mon. ineel. 8 tav. 23) mit dem Namen den Sabinern , als die Seinen zur Flucht ge-
aedis Iovis Victoris getauft worden (vgl. drängt wurden in der Richtung auf die porta
Nissen, Das templum S. 215). Der Bau ist dem vetus Palatii; Liv. 1, 12, 3 Romulus . . arma
circus zugewendet; vor ihm breitet sich, mit ad caelum tollens „. . . hie ego tibi templum
dem Eingange, wie es scheint, durch einen Iovi Statori, quod monumentum sit posteris
terrassenförmigen Aufstieg verbunden, nach tua praesenti ope servatam urbem esse, voveo."
dem Rande des Palatin zu, eine area aus, Die historisch bezeugte Gründung des Tempels
deren Grenzen nicht bestimmt werden können. durch den Konsul M. Atilius Regulus fällt
Reste gewaltiger Säulen in der Nachbarschaft 30 nach Fabius Pictor in das Jahr 460 u. c. ,
erweisen sich als zum Bereiche des Tempels Liv. 10, 37, 14 Fabius . . . scribit . . ad Lu-
gehörig (Mon.ined. 12 tav. 8a); nach den Eigen- cerictm utrimcjue multos occisos inque ea pugna
tümlichkeiten der Bauart zu urteilen, haben Iovis Statoris aedem votam (vgl. 10, 36, 11
wir ein Werk der republikanischen Zeit vor M. Atilius Regulus . . . templum Iovi Statori
uns (vgl. Richter, Ann. d. inst. 1884 S. 193 Tetä vovet, si constitisset a fuga Romana acies red-
di questo tempio, il quäle ha dimensioni assai inteejreitoque proelio cecidisset vicissetque legio-
considerevoli , e nella sua costruzione ha varie nes Samnitium). Livius erinnert sich dabei,
particolaritä che si discostano dallo Schema dafs er die Gelobung bereits dem Romulus
consueto, tum puö determinarsi con esatezza; in zugeschrieben, und fügt hinzu ut Romulus ante
ogni modo e dell' epoca republicana). Aus einer 40 voverat, sed fanum tantum id est locus tempio
Angabe des Conon. narr. 48, wonach die Hütte effatus fuerat. Die Möglichkeit, dafs die 'aedis'
des Faustulus iv %ä> zov Ji6g isgo) lag, kann an Stelle eines früheren rfanuni' getreten ist,
man schliefsen, dafs es zur Zeit Caesars in kann zugegeben werden. Als Dedikationstag
dem südwestlichen Teile des Palatin ein nennt Ovid den 27. Juni (fast. 6, 793 Tempus
Heiligtum des Iuppiter gegeben hat (Crilbert 3 idein Stator aedis habet, quam Romulus olim |
S. 427 Anm. 2), und da einerseits, abgesehen ante Ralatini coneidit ora iugi); doch bezieht
von der topographisch genau tixierbaren aedis sich dieses Datum vielleicht erst auf einen
Iovis Statoris (s. unten), von einer andern nach 726 geweihten Restaurationsbau des
Kultstätte des Gottes auf dem Palatin nichts Augustus, vgl. Aust a. a. O. p. 45. Hinsichtlich
verlautet und andererseits bestimmte Gründe 50 der Lage sind die Angaben der Alten durch-
vorhanden sind, dem Apollo Rhamnusius, der aus übereinstimmend; sie fuhren uns sämtlich
Magna mater oder Fortuna Respieiens, an die auf die Stelle, wo nach den Ergebnissen neuerer
man nach der Regionenbeschreibung denken Ausgrabungen (1879 — 1882, vgl. Lanciani, Notiz.
könnte, die Trümmer nicht zuzusprechen 1882 S. 233 ff.) die um den West- und Nord-
(Nissen a. a. 0.), so hat die Vermutung Rosa's abhang des Palatin laufende nova via in
grofse Wahrscheinlichkeit für sich und hätte die summa sacra via mündet, also in die
es noch mehr, wenn die von der Notitia vor Nähe des Titusbogens, vgl. aufser den oben
der aedis Iovis Victoris genannte area Pala- erwähnten Stellen des Dionys und Livius noch
tina (vgl. Gell. 20, 1, 1; 4, 1, 2) identisch Ovid. trist. 3, 1, 33 porta est, ait, ista Palati, j
wäre mit dem vor der Ruine befindlichen 60 hie Stator, hoc primum condita Roma loco est.
Platze, dessen Grenzen, wie wir oben sahen, Plut. Cic. 16 6 Kiy-sgav inctlsi zrjv evyY.lr}xov
sich nicht sicher erkennen lassen. Auf diesen sig %6 zov Sz-qoiov Jtog ieqov ov Szdzcaga
Tempel können die Stellen des Livius, der 'Pcog.aioi xalovaiv iS^vftivov iv ägxfl z?js tfpäg
eine Stiftungstag bei Ovid (der andere fällt bSov itgcg zo TJaläziov ccviovzcov. Liv. 1, 41, 4
somit dem Quirinal zu) und vielleicht die ex superiore parte aedium per fenestras in
beiden letzten Angaben des Cassius L)io be- novam viam versus — habitabat enim rex ad
zogen werden. Nach dem Berichte des Iovis Statoris — populum Tanaquil adloquitur.
Lampridius Hei. 3 < Heliogabalum in Palatino Plin. 34, 13 quae (statua equestris) fuerit contra
683 Iuppiter (altiöm. Kult: I. Stator) Iuppiter (altröm. Kult: I. Stator) 684
Iovis Statoris aedem in vestibulo Superbi domus pitertempels vor sich zu sehen (Lanciani, Guida
(zu diesem Standbild vgl. noch Lio. 2, 13, 11. del Palatino S. 24. HO. Nissen, Das templum
Diou. 5, 35. Flut. Popl. 19. Serv. ad Aen. 8, 646). S. 207. Jordan bei Preller, R. M. 1 S. 198 Anm. 2.
Solin. 1, 24 Tarquinius Priscus ad Mugoniam Gilbert, Top. 1 S. 226 Anm. 1). Allein, ab-
hörte»» supra summam novam viam). Der gesehen von den unerklärlichen Anführungen
Tempel lag also gegenüber dem supra novam der Schriftsteller, ergeben sich bei solcher
viam befindlichen Palast des Tarquinius Priscus, Annahme noch andere Widersprüche, denn
d. h. auf der Nordseite der Strafse, aber nicht einümal lag der von der- vierten Region zwischen
nördlich der sacra via (wie Gilbert 3 S. 426 dem templum Romae et Veneris und der Sacra
Anm. 1 meint), sondern südlich von derselben io via genannte Tempel mitten im Gebiet der
(über den technisch sowohl wie allgemein zehnten , sodann wäre in das Haterierrelief,
üblichen Namen sacra via vgl. Jordan, Top. 1, 2 das doch ohne Zweifel die beim Aufstieg zur
S. 274), vor dem Eingang zur palatinischen summa sacra via dem Auge sichtbaren Bau-
Stadt, an einem Platze also, „der im Verein lichkeiten zur Darstellung bringt, ein Tempel
mit dem Namen Stator sehr geeignet war, aufgenommen worden, der zu einer Zeit, als
die Sage von dem plötzlichen Aufhalten der die Kaiserpaläste noch erhalten waren, von
Fliehenden unmittelbar vor dem Thore der jener Strafse aus gar nicht erblickt werden
palatinischen Stadt hervorzubringen". Die konnte. Diese Widersprüche aufgefunden und
Angabe der Notitia, nach welcher die aedis dem Heiligtume den schon von Brunn an-
Iovis Statoris der 4. Region angehört (Jordan, 20 gewiesenen Platz gesichert zu haben, bleibt
Top. 2 S. 546; das Curiosum läfst den Bei- das Verdienst Richters a. a. 0. S. 425 ff. ; vgl.
namen wieder weg), steht mit dieser topogra- Jordan, Top. 1,2 S. 277. Gilbert 3 S. 426 Anm. 1.
phischen Fixierung in keinem Widerspruch, Dafs Senatsversammlungen in ihm gehalten
wenn man mit 0. Richter, Hermes 20 (1885) wurden (Cic. in Gat. 1, 5, 11; 2, 6, 12; vgl.
S. 427 annimmt, dafs die Grenze zwischen der Plut. Cic. 16), setzt eine ziemliche Gröfse vor-
4. und 10. Region vom Titusbogen an ein aus. Eine Zeitlang wurde daselbst auch von
Stück der nova via gefolgt sei, um, den Vesta- der Brüderschaft der Arvalen die Wahl neuer
tempel zur Linken, das Forum wieder zu er Mitglieder vorgenommen, Hernien, Act. fratr.
reichen, eine Annahme, die um so weniger Arv. p. 115; vgl. CLL. 6, 2028 c. 32. z.J. 38p. C.
bedenklich ist, als nach der Notitia der 30 Ein zweiter Tempel des Iuppiter Stator lag
zwischen der höchsten Erhebung und dem im circus Flaminius (Varro b. Macrob. 3,4,2
Forum laufende Teil der sacra via innerhalb Varro libro octavo rerum divinarum delubrum
der 4. Region gelegen war. Eine weitere ait alios aestimare in quo praeter aedem sit
Bestätigung für die angegebene Lage liefert area adsumpta deum causa ut est in circo
der Reliefstreifen von der Grabstätte der Flaminio Iovis Statoris. Fast. Urb. G. I. L. 1
Haterii (gefunden 1848 an der via Labicana, p. 330 Iovi Stator(i) Iun(oni) Rcg(iriae) ad
3 Miglien von Rom, jetzt im Lateran, Ab- cir(cum) Flam(inium). Die Notitia (Jordan,
bildung Mon.ined. 5, 7, dazu Brunn, Ann. d. inst. Top. 2 S. 554) verzeichnet in der 9. Region
1849 S. 370 ff. Benndorf- Schöne, Die an- (circus Flaminius) aedes, worunter die des
tiken Bildwerke des Lateranensischen Museums 10 Iuppiter, der Iuno und des Hercules Musarum
5. 230 ff.; Jordan, Top. 1, 2 S. 277; Richter zu verstehen sind (Jordan a. a. 0. S. 135),
a. a. 0. S. 410 Gilbert, Top. 1 S. 220 Anm. 1). innerhalb der poiticus Metelli (Vitr. 3, 2, 5
Die auf ihm dargestellten Gebäude, fünf an quemadmodum est in porticu Metelli Iovis
der Zahl, folgen von links nach rechts be- Statoris (aedis)), die von Augustus nach dem
trachtet der Richtung der Strafse, die vom Feldzuge des Jahres 731 restauriert (Suet.
Caelius her zur Höhe der sacra via hinauf- Aug. 29. Bio 49, 43), nach der Abfassung von
führte; hinter dem vierten Bauwerk, durch Vitruvs Werke, d. i. nach 740 u. c. der
seine Aufschrift arcus in sacra via summa Schwester des Kaisers zu Ehren den Namen
deutlich als der Titusbogen gekennzeichnet, porticus üctaviae führte (Vellei. 1, 11, 3.
erblicken wir als letztes in der Reihe einen so Plin. 34, 31). Der Besieger Macedoniens
Tempel mit doppelter Attika über dem Giebel Q. Caecilius Metellus hatte ihn jedenfalls nach
und sechs Säulen in der Front, zwischen den seinem Triumphe a. 60S (vgl. Fischer, Rom.
beiden mittleren in geöffneter Thür eine Statue Zeittafeln z. ds. J. S. 129) aufführen und ihn
Iuppiters, dessen Linke ein Scepter aufstützt, sowie den benachbarten Tempel der Iuno (s. ob.
während die Rechte den Blitz führt. Das Bild Sp. 603) mit einer porticus umgeben lassen;
erweist das Heiligtum als dem himmlischen es war der erste marmorne Tempel, den Rom
Herrscher zugehörig und darum hat bereits in seinen Mauern sah, mit Werken der bilden-
Brunn a a. 0., gestützt auf die Zeugnisse des den Kunst, die Metellus aus Macedonien als
Altertumes, darin die aedis Iovis Statoris er- Beute weggeführt hatte, aufs glänzendste aus-
kannt. Als jedoch im Jahre 1867 in beträcht- i>0 gestattet; vor der Front, den Blick ihr zu-
licher Entfernung (ca. 100 m) vom Titusbogen gewendet, standen die Reiterstatuen der 'turma
auf dem Palatin selber der Unterbau eines Alexandra von Ljsipps Künstlerhänden ge-
Tempels durch Rosa's Ausgrabungen blofs- fertigt (Vellei. a. a. 0. hie est Metellus Mace-
gelegt wurde, da änderten sich die Ansichten; donicus qui porticus quae fuere circumdatae
im Hinblick auf diese augenfällige Ent- duabus aedibus sine inscriptione positis, quae
deckung glaubte man die Nachrichten der nunc Octaviae portieibus ambiuntur , fecerat
Alten verwerfen zu können und zweifelte nicht quique hanc turmam statuarum equestrium
mehr, in den Trümmern die Ruine des Iup- quae fronten aedium speetant hodieque maxi-
685 Iuppiter (altröm. Kult: I. Stator)
mum ornamentum eins loci ex Maecdonia cle-
tulit. hie idem primus omnium Romae aedem
ex marmore in iis ipsis monumentis mölitus vel
magnificentiae vel luxuriae prineeps fuit, vgl.
Plin. 34, 64. Brunn, Geschichte der griechischen
Künstler l2 S. 255). Andere Statuen und Ge-
mälde schmückten das Innere des Tempels
(Plin. 36, 35. 40. 43. Fest. p. 363). Die um-
gebende Säulenreihe schildert Vitruv a. a. 0.
peripteros autem erit quae habebit in fronte et
postico senas columnas in lateribus cum angu-
laribus undenas. ita autem sunt hae columnae
conlocatae , ut intercolumnii latitudinis inter-
vallum sit a parietibus circum ad extremum
ordines columnarum , habeatgue ambulationem
circa cellam aedis, quemadmoduup est in porticu
Metelli levis Statoris Hermodori et aedis Ma-
riana Honoris et Virtutis sine postico a Mucio
facta. Da wir aber in den Fragmenten des
capitolinischen Stadtplanes (Jordan, Forma
TJrbis t. 37), durch welchen uns ein Stück der
porticus Octaviae mit den aedes Iunonis et
Iovis erhalten ist, auf der Rückseite keine
Säulen erblicken, so ist anzunehmen, dafs ent-
weder Vitruvs Bemerkung sine postico facta
auch auf unsern Bau sich bezieht oder dafs
der ursprünglich vollständige Peripteros Um-
gestaltungen erfahren hat durch die Restaura-
tion des Augustus (vgl. Brunn a. a. 0. 22
5. 241). Inwieweit der Tempel bei den Un-
fällen, welche späterhin die porticus Octaviae
trafen (Bio 66, 24 z. J. 80 p. C. ; C. I. L. 6,
1034 unter Septimius Severus a. 203; C. I. L.
6, 1676 zwischen 408 und 423), in Mitleiden-
schaft gezogen wurde, läfst sich nicht kon-
statieren (vgl. über die Säulenhalle die sorg-
fältigen Zusammenstellungen Gilberts 3 S. 85 ff.
249 Anm.). Wenn Plin. 36, 42 erzählt, Sauros
und Batrachos seien die Erbauer des Heilig-
tums und hätten, um ihr Andenken bei der
Nachwelt zu sichern, auf die Säulenbasen mit
Hinweis auf ihre Namen eine Eidechse und
einen Frosch eingehauen, so liegt es klar zu
Tage, dafs das Vorhandensein der beiden Tiere
(es waren übelabwebrende Symbole; vgl. Friin-
l-el, Jahrbch. d. areh. Inst. 1 (1886) S. 52) den
Anlafs bot zu dieser Fabel; der Baumeister
war vielmehr der von Vitruv genannte Her-
modoros, derselbe welcher den Tempel des
Mars im Circus Flaminius errichtete (Prise. 8
P.792 Hertz), vermutlich den a. 618 vonD.Iunius
Brutus im Kampfe mit den Gallaecern ge-
lobten. Es fehlt uns zwar an bestimmten
Nachrichten über die Art des Kultes, aber
auch hier wird wie bei den übrigen Göttern
des Circus Flaminius (Gilbert 3 S. 66 f.) die
griechische Auffassung durchgedrungen sein
und der Kult unter der Aufsicht der deeem-
viri sacris faciundis gestanden haben (s. unten).
In der Notiz der fasti Philocali zum 13. Januar
(lovi Statori c(ircenses) m(issus) XXIV C. I. L.
1 p. 335) ist vielleicht eine Hindeutung auf den
Stiftungstag enthalten. Ein aedituus de aede
Iovis porticus Octavia wird erwähnt C. /. L.
6, 8708; Widmungen an Iuppiter stator sind
bekannt aus der Zeit des Caracalla (vgl. Eckhel
7 p. 206), G. I. L. 6, 434; 6, 435 lovi statori
suo I ordo lictorum III decuriarum cos | Aur.
Iuppiter (altröm. Kult: I. Stator, Latiaris) 686
Gaetulicus cus(tos) a(edis) s(acrae) basem d. d.,
so von Mommsen ergänzt , der sie anfangs
(Rh. Mus. 6 (1851) S. 141 für unecht hielt (die
nichtstadtrömischen Inschriften folgen später).
Seit Antonin erscheint der Gott häufig auf
Münzen, und zwar fast durchgängig in gleichem
Typus (Genaueres s. im kunstmythologischen
Teile).
Iuppiter Latiaris. Dafs nach der guten
10 handschriftlichen Überlieferung Latiaris die
allgemein übliche Schreibweise war, ist bereits
von Jordan in Prellers R, M. 1 S. 210 Anm 1
hervorgehoben worden, die griechischen Schrift-
steller kennen nur die Form Aariüoiog; eine
Bestätigung durch Inschriften fehlt, da in der
einzigen, welche eine Widmung an unsern Gott
erhalten hat, die beiden letzten Buchstaben des
Beinamens nicht mehr erkennbar sind: L.Ru-
bellius | Gern cfos] | lovi Latiafri | vojtum C.
20 I. L. 6, 2022 = 14, 2227 (iovi latiari optimo
maximo gehört zu den inscriptiones falsae
C. I. L. 14, 126*). Latialis bietet Liicun.
Pharsal. 1, 198. Lact. 1, 21, 3, Latius Prop.
4, 4, 6. Ov. trist. 3, 12, 46. Lucan Pharsal.
8, 219. Martial. 9, 65, 1. Tertull, Scorpiac. 7
vgl. Priscian 2 p. 515 Hertz, ein Gedicht aus
dem 4. Jahrhundert (Hermes 4 (1869) S. 351
vs. 122) und eine Inschrift von Pisaurum Orelli-
Henzen 7415. Nach einigen Berichten war
30 Iuppiter Latiaris der zum Gott gewordene
Latinus Fest. p. 194 Latinus rex qui proelio
quod ei fuit adversus Mezentium Caeritum
regem nusquam apparuerit iudicatusque sit Iup-
piter f actus Latiaris; vgl. schol. Bob. in Cic.
Plane, p. 256 (die anderen Schriftsteller, die
den Tod des Latinus erzählen, schweigen von
der Apotheose: Dio 1, 64. Liv. 1, 2, 2. lustin.
43, 1, 11. Cass. Bio frg. 4, 7. Zonaras 7 p. 313b.
Serv. ad Aen. 1, 5 vgl. 7, 158). Vermutlich
40 ist das Gegenteil der Fall: der himmlische
Herrscher wurde als Stammesgott der Latiner
im Mythos zum ersten Könige des Landes.
Wenn Rubino, Beiträge zur Vorgeschichte Ita-
liens S. 169 ff. Lavinium für den ursprünglichen
Sitz des Kultes erklärt (ähnlich Hild, La legende
d'Ene'e S. 42) und ihn von hier aus der Sage
folgend mit den Gründern Albas nach dem
mons Albanus wandern läfst, so ist dagegen
einzuwenden, dafs mit demselben Recht die
so GründungLaviniums durch Alba Longa (Klausen,
Aeneas und die Penaten 2 S. 676. Sehxeegler,
Rom. Gesch. 1 S. 319 ff. Preller , R. M. 2 S. 162.
322) oder eine von einander unabhängige Ent-
wickelung der beiden Städte (Seecl; , Rhein.
Mus. 37 (1882) S. 15 behauptet werden kann,
sodann bleibt es durchaus unerfindlich, wie in
der sakralen Metropole Latiums die Erinnerung
an einen so bedeutsamen Kult spurlos ver-
schwinden konnte, während doch z. B. die Iuno
60 Sospita von Lanuvium und zu Praeneste die
Fortuna Primigenia bis in späte Zeit hochan-
gesehen blieben, obwohl sie in den Kreis der
zu Rom verehrten Gottheiten aufgenommen
waren. Die Überlieferung kennt nur den mons
Albanus als Mittelpunkt der Feier, und wir
haben um so weniger Veranlassung von ihr
abzuweichen , als ja, wie wir sahen, das reli-
giöse Gefühl des der Natur näher stehenden
687 Iuppiter (Latiaris: feriae latinae") Iuppiter (Latiaris: feriae latinae) 688
Menschen gerade Höhen sich erwählte, um da- R. M. 1 S. 211 Anm. 1. Werner p. 23; Mar-
selbst zu den Himmlischen zu beten. quardt S. 296 folgt dem Plutarch) ; mehrere
Mit dem Kulte des Iuppiter Latiaris sind Tage nennt Suet. Claud. 4. Cassius Bio 53, 33.
die feriae Latinae auf das engste verknüpft, Fest. p. 194. schol. Bob. in Cic. pro Plane.
zu seiner Ehre wurden sie gefeiert und ihre p. 256 (an den beiden letzten Stellen hat
Geschichte ist die gleiche; ehe wir aber zu Niebuhr, Rum. Gesch. 2 S. 41 Anm. 67 mit
der historischen Betrachtung übergehen, wird Unrecht sex dies oder diebus konjiciert). Da
es angemessen sein unter Heranziehung der an der Feier alle Magistrate und Stellvertreter
litterarischen und inschriftlichen Zeugnisse ein der beteiligten Gemeinden zugegen sein mufsten
Bild der Feier in der geschichtlich hellen 10 (Strabo 5 p. 229 ivrav&a 'Pcouaiot cvv tofs
Zeit zu geben, um von dieser sicheren Basis Aativoig Jil frvovciv, anaoa 77 ovvccqxiu cc&qol-
aus Rückblicke auf die entfernter liegenden o&siact, vgl. Dion. 8, 87), so wurde alljährlich
Epochen werfen zu können. Das Fest gehörte für die Zeit ihrer Abwesenheit zu Rom und
zu den feriae coneeptivae, quae quotannis a vielleicht auch in den anderen Städten ein
magistratibus vel sacerdotibus coneipiuntur in praefectus urbi feriaruui latinarum causa er-
dies vel certos vel etiam incertos, Macrob. 1, nannt, ne urbs&sine imperio esset (Gell. 14,8,1;
16, 6; da es also an einen bestimmten Tag eine Liste der uns bekannten bei Werner
nicht gebunden war, konnte es in den Kalender p. 56). Waren die Konsuln an der Teilnahme
nicht aufgenommen werden. Es war die Pflicht verhindert, so übernahm ein ad hoc gewählter
der Konsuln sofort nach ihrem Amtsantritt die 20 dietator feriarum Latinarum causa die Leitung
Ferien zu indicieren (Liv. 21, 63, 8) und später des Festes (Liv. 7, 28, 7. fast. Cap. C. I. L.
die Leitung der Feier zu übernehmen, die noch 1 p. 434 z. J. 497. Cassius Bio 47, 40, wo eine
vor ihrer Abreise in die Provinz stattzufinden Verwechslung von praefectus urbi und dietator
hatte (Liv. 21, 63, 5; 22, 1, 6; 25, 12, 1; 38, vorzuliegen scheint; ibid. 39, 30 ist vitö rivog
44, 8; 42, 35, 3; 44, 17, 8; 19, 4; 22, 16. Cic. ovv. öqQ-äg 7CQa%&tvzog neutral zu fassen). Die
ad fam. 8, 6, 3. Nie. Bamasc. v. Caesar. 5. feriae Latinae sind, wie die Widmung der zu
Cassius Bio 46, 3; 54, 29); beide Akte waren ihnen in Beziehung stehenden sacerdotes Ca-
mindestens durch ein trinundinum getrennt benses an den Kaiser Tacitus 275 — 276 p. Chr.
(Mommsen, Rom. Forschg. 2 S. 105 Anm. 17, beweist (C. I. L. 6, 2173), bis ins dritte Jahr-
Cltr. Werner, Be feriis Latinis, Diss. Lips. 1888 30 hundert bestehen geblieben, vielleicht sogar
p. 21 Adn. 6; 'einzige Ausnahme bei Caesar bis zum Ende des vierten, vgl. das Verzeichnis
bell. civ. 3, 2). Die abweichenden Angaben aller überlieferten Feste bei Werner p. 57 ff.
über den Termin des Festes bei den Schrift- Unter den drei Bezeichnungen Latiar (Cic.
stellern und in den durch die Ausgrabungen ad Q. fr. 2, 4, 2. Macrob. 1, IG, 16, vgl. Cass.
auf dem Monte Cavo gefundnen Fastenüber- Bio 47, 40), Latinae, feriae Latinae (vgl.
resten (CLL. 6 p. 455 nr. 2011—2022, p. 863 ff. Werner p. 5. 29) ist die erste wohl die älteste
nr. 3874; 14, 2227 — 2250, 4210 a. b. 0.; die und bezieht sich speziell auf das dargebrachte
Aufzeichnungen , die bis zum Decemvirat zu- Opfer (s. die gleiche Bildung Palatuar bei
rückreichen, stammenausderKaiserzeit, Renzcn, Fest. p. 348 Palatio cui sacrificium quod fit
Bullet, d. inst. 1870 S. 129 ff. Mommsen a.a.O. 10 Palatuar dicitur), während die letzte der vollen
5. 102ff. de Rossi, Eph. ep. 2 S. 93 ff.) erklären Dauer des Festes galt (Preller, R. M. 1 S. 212),
sich einmal aus dem lange Zeit hindurch und Latinae sowohl für den Tag des Opfers
wandelbaren Anfang des Amtsjahres, sodann wie für die ganze Feier gebraucht wurde,
daraus, dafs die Feier in demselben Jahre auf Wenn wir in den Tagen der feriae Latinae
Beschlufs der pontifices (Liv. 32. 1, 9; 40,45,2; von festlichen Veranstaltungen zu Rom selbst
41, 16, 2) wiederholt werden konnte (ferias hören, so unterliegt es keinem Zweifel, dafs
instaurare) entweder als Dankfest bei beson- sie nicht nach denen auf dem Albanerberge
derem Anlafs (Liv. 45, 3, 2. Bio 55, 2; vgl. begangen wurden, da ja nach Linus 25, 12, 1
Mommsen a. a. O. S. 106 ff.) oder bei einge- die Konsuln sogleich nach dem sacrum in monte
tretener Störung (Liv. 40, 45, 2) oder wegen 50 in ihre Provinz abgehen mufsten, sie ging viel-
begangener Fehler (Genaueres s. unten), vgl. mehr denselben voran, denn die Gleichzeitig-
Werner a. a. 0. S. 38 ff. Seitdem die Konsuln keit ist bei der Abwesenheit aller Magistrate
ihr Amt an den Iden des März antraten, fiel nicht wahrscheinlich (vgl. Marquardt s S. 297
der Termin ziemlich regelmäfsig in die erste Anm. 3). Es fand auf dem Capitole ein Wagen-
Häfte des April und wurde auch nicht ge- rennen statt, wobei der Sieger mit Absynth
lindert, als später (Mitte des 2. Jahrhunderts) bewirtet wurde, Plin. 27, 45 latinarum feriis
der 1. Januar das Amtsjahr eröffnete. Die quadrigae certant in Capitolio victorque apsin-
Dauer betrug ursprünglich einen Tag; im Jahre thium bibit, credo , Sanitätern in praemio dari
586 u. c. waren es bereits drei (Liv. 45, 3, 2 honorifice arbitratis maioribus. Diese Spiele
iudietae a consule sunt in ante fdiem] quartum 60 sind bei Livius zu verstehen : ludi Latinaequ
et tertium et pridie idus Novembres) ; nach instauratae sunt 5, 19, 1, vgl. 15, 17, 2. Die
Cic. ad Q. fr. 2, 4, 2 galten die beiden den Kirchenväter wissen uns auch zu berichten,
feriae Latinae folgenden Tage für religiosi : dafs das Blut eines zum Tode verurteilten
die Angabe der Gründe für die Hinzufügung Verbrechers (bestiarius) dem Iuppiter Latiaris
eines dritten und vierten Tages bei Bion. zu Ehren flofs (Stellen gesammelt von Roeper,
6, 95 und Plut. Cam. 42 beruht auf einer Quaest. pontif p. 38ff.); da uns jedoch Profan-
Verwechselung mit den ludi Romani (vgl. schriftsteiler nichts von diesem Opfer erzählen,
Schwegler, Rom. Gesch. 2 S. 232 Anm. 5. Preller. so mag es eine tendenziöse Erfindung der
689 Iuppiter (Latiaris: feriae latinae) Iuppiter (Latiaris: feriae latinae) 690
Christen sein, vgl. noch den Kult auf dem nannt nach einer alten auf dem Berge ge-
collis Latiaris zu Rom Sp. 653, 30. legenen Stadt Caba oder Cabum (Dion. 5, 61.
Die Hauptfeier geschah auf dem Mons AI- Plin. 3, 64), vgl. Marquardt 3 S. 479. Jordan,
banus; hier strömten die Abgesandten und Die Könige im alten Italien, Berlin 1887 S. 45.
Prozessionen der latinischen Städte zusammen, Werner p. 27 ff. ; die Instanderhaltung der fiau-
um auf der schönen Höhe, von der der Blick lichkeiten scheint dem Curator aedis sacrae s.
über welliges Hügelland und die Campagna bis aedium sacrarum obgelegen zu haben (M. St.
hin zum Meere schweift, geeint zur Verehrung de Rossi a. a. 0. S. 320. C. I. L. 14, 2233);
des höchsten Gottes, die Festzeit in Friede und unsicher ist die Existenz von quattuorviri
Eintracht mit einander zu verbringen. Die 10 montis Albani und eines flamen Iovis Latiaris,
älteste Eultstätte scheint auch hier ein heiliger die Werner p. 26 auf einer Inschrift aus Pi-
Hain gewesen zu sein (Liv. 1, 31, 3 visi etiam saurum (Orelli-Hensen 7415) erkennen will.
audire tocem ingentem ex summt cacuminis Die Ferien selbst zerfielen in den eigent-
luco, ut patrio ritu Sacra Albani facerent); lieh sakralen Akt, bestehend in Opfern, Gebeten
aber bereits in sehr früher Zeit ist ein Tempel und Opfermahl, wobei jedenfalls nur die ex
errichtet worden; Tarquinius Superbus wird officio Beteiligten vertreten waren, und die
als Gründer genannt von Dionys. 4, 49 und in Belustigungen und Spiele der versammelten
der Schrift de viris illustr. 3, 2, Tarquinins Menge. Zu den Kosten steuerten die einzelnen
Priscus von Dionys. 6, 95 (vgl. 3,57, Flor. 1,1, 5) Gemeinden bei (Dionys. 4, 49 (piaovGiv ilg ctvxug
und dem schal. Bob. in Cic. Plane, p. 255, das 20 ai ijlszixovoui. zäv leoäv noXiig ai fiiv cigvccg
auch noch aridere Namen giebt, vgl. Fest. (vgl. Cic. ad Att. 1, 3, 1), cti äi zvoovg, al ä\
p. 194. Die Überlieferung hat sehr an Wahr- ya7.av.Tog zi \xizqav , ai äs oiiolov zi zovzoig.
scheinlichkeit gewonnen durch die Ausgra- Eine lustratio leitete die religiöse Handlung
bungen der Gebrüder de Rossi auf dem Monte ein, der Konsul brachte eine Milchspende dar
Cavo und die Vergleichung der Überreste mit (Cic. de div. 1, 11, 18 tu quoque cum tumulos
älteren Plauen, unter denen der in einem Codex Albano in monte nivales | lustrasti et laeto mac-
Barberinianus des 17. Jahrhunderts gefundene tasti lade latinas; vgl. die lactata potio im
der wichtigste ist, vgl. G. B. de Rossi, Ann. d. schol. Bob. in Cic. pr. Plane. 9 , 23 und Fest,
inst. 1873 S. 162 ff. M. St. de Rossi, Ann. d. p. 194). Als Bundesopfertier (sacrificium lati-
inst. 1876 S. 314 ff. dazu tav.d'agg. Q. Letzterer 30 num Suet. Caes. 79) wurde ein junger Stier
berichtet S. 322: Varea recinta dai grandi von weifser Farbe geschlachtet (Arnob. 2, 68
massi di lava sptrone era elevata alquanto in Albano antiquitus monte mdlos alias licebat
al desopra della spianata stessa della sommitä quam nivei tauros immolare candoris) wie dies
del monte ed oltre l'ingresso meridionale al quäle ja bei Opfern an Iuppiter allgemein üblich
metteva la via lastricata a poligoni, dalle parte war (vgl. den Abschnitt über Iuppiter Inventor);
d'oriente era aperta con una gradinata lunga dafs auch der andern Bedingung, wonach noch
quanto Tintiero lato Orientale. L'ara poi col- kein Joch seinen Nacken berührt haben durfte,
locata nel etntro, rivolta alla scalinata, trova- genügt war, ist selbstverständlich; es handelt
vasi cosi esattamente anche rivolta all' Oriente. sich an den jedesmaligen feriae latinae immer
Der Tempel selbst, von dessen Fundamenten 40 nur um einen iuveneus, der von allen Städten
eine Strecke aufgedeckt worden ist, lag im gemeinschaftlich gestellt wurde , das Opfer
nordwestlichen Teile der in ihrer Längsrichtung selbst vollzog der leitende römische Beamte
von Nord nach Süd sich hinziehenden Area mit und es galt für die Gesamtheit (Dion. a. a. 0.
der Front gegen Mittag gewendet; wenn auch tvbg Ss zcivqov v.oiv&g vnb naaäv &vofitvov
der Grundplan des heiligen Bezirkes (ein Recht- [itpog iy.dazrj (sc. nolig) zizaygivov Xajxßävei.
eck von 48x65 oder 53x69 m.; vgl. Jordan, Top. &vovai S' imEQ andvxav v.al zr\v r,yigovt'av
1, 2 S. 9) nicht dieselben Verhältnisse zeigt wie zäv isqäv i%ovai 'Pcofiaioi). Unter Berufung
der des capitolinischen Göttersitzes (51x55), so auf Livius 41, 16, 1 ff . (Latinae feriae fuere
sind doch, abgesehen von der Tradition, die den ante diem tertium nonas Maias in quibus quia
Tarquinius als gemeinsamen Stifter nennt, die 50 in una Jiostia magistratus Lanuvinus pyrecatus
Ähnlichkeiten in der Bauart so bedeutende, dass non erat populo Romano Quiritium religioni
man berechtigt ist, für beide Gebäude ungefähr fuit. id cum ad senatum relatum esset senatusque
dasgleicheAlter anzusetzen, d.h. die erste Hälfte ad pontificum collegium reiecisset , pontifieibus
des 3. Jahrh. der Stadt. Im Innern befand sich quia non rede faetae Latinae essent, instau-
ein Bild des Gottes (Cassius Dio 39, 15; 47, 40; randis Latinis placuit Lanuvinos, quorum opera
vgl. Lucan. Phars. 1, 533; ein signum Iovis instaurandae essent, hostias praebere) hat Mar-
in monte Albano erwähnt Liv. 27, 11, 2). quardt S. 296 Anm. 4 behauptet, „dafs es nicht
Eine Beziehung zwischen den Inschriften C. I. L. ein Stier war, sondern mehrere", indes mit
14, 2228. 2229. 2231. 2232 annehmend, glaubt Unrecht, wie das ausdrückliche Zeugnis (ivog
Werner p. 26 Anm. 1 auf eine Restitution des co zuvqov) des auf die dvaicu zäv v.u&' fjiiäg
Heiligtums in der Kaiserzeit schliefsen zu yoovwv sich berufenden Dionys beweist. Li-
können. Wo die oiv.ia ig 'f]v oi v7tazoi. iv zotig vius spricht nur ganz allgemein von hostiae
iSQovQyi'ctig v.azalvovaiv (Caisius Dio 54, 29) zu und es läfst sich dabei mit Preller, R. M. 1
suchen ist, läfst sich nicht mehr feststellen. S. 214 Anm. 2 sehr wohl an die oben erwähnten
Als Priester fungierten bei den feriae Lati- ciaveg denken; da andererseits aber die Livius-
nae dieCabenses sacerdotes feriarum Lati- stelle unzweifelhaft eine Mehrheit von Opfer-
narum montis Albani (C. I.L. 6, 2021 = 2073 = handlungen voraussetzt, so wird angenommen
14, 2228; 6, 2174. 2175; 14, 2230. 4210), ge- werden müssen, dafs nach dem für die Ge-
691 Iuppiter (Latiaris: feriae latinae) Iuppiter (Latiaris: feriae latinae) 692
samtheit verrichteten sacrificiurn latinum jede tinosque firmatac sunt, inchoari bellum decebat.
Stadt ein besonderes Opfer darbrachte, bei Das Bündnis mit den Laurentern wurde auch
dem der abgesandte Magistrat für die übrigen nach der Unterwerfung der Latiner a. 416 u. c.
Gemeinden, sie mit Namen nennend, um Heil alljährlich 10 Tage nach der Feier erneuert,
und Segen zum Iuppiter Latiaris flehte. Ver- Liv. 8, 11, 15. Da bei dem Opferakt Rück-
mutlich nach einer offiziellen Liste aufgerufen, sieht auf so viel Mitglieder genommen werden
forderten die legitimierten Vertreter ein Stück mufste und die Handlung nur bei genauer Be-
Fleisch vom Bundesstiere; der terminus lautet folgung aller Vorschriften Gültigkeit besafs,
„carnem petere" (Gic. pro Plancio 9 , 23 nisi so gehört eine Wiederholung der Feier nicht
forte te Labicana aut Gabina aut Bovillana 10 zu den Seltenheiten; bekannt sind uns folgende
vicinitas adiuvabat, quibus e munieipiis vix Fälle: Plut. Garn, 4. Cassius Dio 39, 30, wo
iam qui carnem Latinis petant reperiuntur. das Versehen nicht näher bezeichnet wird;
Varro l. I. 6, 25 Latinae feriae dies conceplivus Liv. 5, 17, 2 weil bei der Konzeption ein Fehler
dictus a Latinis populis, quibus ex Albano vorgekommen; Liv. 32, 1, 9; 37, 3, 4 weil den
vionte ex sacris carnem petere fuit ius cum Ardeaten und Laurentern das ihnen gebührende
Romanis) und erhielten den ihnen zugewiesenen Fleisch vorenthalten war; Liv.il, 16, 1 weil
Anteil (Dionys. a. a. 0. Fun. 3, 69; für die vielen der Magistrat von Lanuvium bei dem einen
im Laufe der Jahrhunderte politisch unter- Opfer nicht für das römische Volk gebetet
gegangenen Gemeinden wurden fiktive Ver- hatte ; der Schuldige war verpflichtet die Opfer-
treter ernannt, vgl. Mnmmsen, Hermes 17 (18821 so tiere bei der Instauration zu stellen, ibid. § 2.
S. 54). Es folgte die Opfermahlzeit Dionys. a. a. 0 . Dafs die Auffassung Iuppiters als des höchsten
Tva avvfQyoßSvoi. y.ctfr' tWcrof itnavrov sig Beschützers der latinischen Gemeinden,
zov UTtaSiiyftivza xonov navnyvQi'QaGi Kai avv- wie sie uns in seinem Namen und in der Feier
laruovtai; es zeugt ferner dafür der Ausdruck der feriae Latinae entgegentritt, den Höhepunkt
visceratio bei Servius ad Aen. 1,211 „viscera" non einer langen Entwickelung in den religiösen
tanium intestina dieimus sed quidquid sub corio Anschauungen bildete und dafs ihr eine Epoche
est, ut in Albano Latinis visceratio dabntur. voraufging, in der die Verehrung der Natur-
Mit Scherzen und Spielen wurde die übrige gottheit überwog, braucht hier nur angedeutet
Zeit verbracht; unter den Belustigungen, bei zu werden. Auf ein sehrhohes Alt er des Kultus
denen die Festgenossen sich vergnügten, wer- 30 (Serv. ad Aen. 12, 135 Iuppiter Latiaris antiquissi-
den besonders hervorgehoben die oscilla, d. h. mus est) weisen eine Reihe von Votivgegen-
kleine Puppen von Wachs oder Wolle, die man ständen hin, welche diejüngsten Ausgrabungen
an den Beinen aufhängte und schaukelte; die ans Licht gefördert haben, so das zahlreich
Sage führte den Brauch auf Latinus oder Aeneas vorhandene aes rüde (vgl.il/. St. de Bossi, Ann.
zurück; vgl. Schot. Bob. p.256 itaque ipsisdiebus d. inst. 1871 S. 239 ff.), roh gearbeitete primi-
ideo oscillare instituerunt, ut pendulis machinis tive Gefäfse ähnlich den im Haine der Ar-
ay-itiirentur, quoniam eorum (Latini et Aeneae) valen gefundenen (vgl. Henzen, Act. fratr. Arval.
corpus in terris non esset repertum ut animae S. 60), und besonders ein vollständig erhaltener
velut in aere quaererentur und die nicht völlig Cylinder in Terracotta, wie er sich aufserhalb
sichere Stelle des Fest. p. 194 oscillantes ait 40 der Poebpne und der Emilia höchst selten ge
Cornificius ab eo quod os caelare (celare Midier) funden hat, vgl. M. St. de Bossi, Ann. d. inst,
sint solit i personis propter vereeundiam, qui eo 1876 S. 323 ff. abgebildet tav. d'agg. Q. n. 3.
genere lusus utebantur. Causa autem eius iac- Manche Bräuche bei den feriae Latinae führen
tationis proditur Latinus rex. . . Der Ritus, uns gleichfalls auf sehr primitive Zustände
welcher auch anderweitig bezeugt wird (Lo- zurück , so die oscilla und die Festgaben.
becic, Aglaoph. S. 585. Klausen, Aeneas und die Heibig (Die Italikerin der Poebene S. 71) macht
Penaten S. 801. Marquardt S. 192. 200, vgl. darauf aufmerksam, dafs unter den Geschenken
J. Grimm, Deutsche Myth. S. 67. Bötticher, neben Vieh, Käse, Milch und Mehl der Wein
L'aumkidtus S. 80) soll symbolisch an die Stelle nicht genannt werde, es sei also möglich, dafs
früherer Menschenopfer getreten sein (Preller, 50 der Ursprung der Feier vor der Zeit liege, in
B. M. 1 S. 1 1 8 ff . , vgl. jedoch Jordan, in d. der die Latiner die Most- und Weinbereitung
Anm.). Die Erinnerung daran war jedenfalls kennen lernten. Den Grundstock der Fest-
früh verblafst, und die feriae latinae galten genossen scheinen die von Plinius 3, 69 in
als ein Fest des Friedens und der Eintracht, alphabetischer Reihenfolge aufgezählten jeden-
dessen Grundstimmung Heiterkeit und Froh- falls aus Varro's antiquitates humanae und in-
sinn bildete. Wie schon aus der Erwähnung direkt aus einer offiziellen Liste entlehnten
der oscilla eine Ähnlichkeit mit den Satur- populi gebildet zu haben (behandelt wird die
nalien (Macrob. 1, 10, 1; 11, 1) sich ergab, Stelle von Schwegler, Büm. Gesch. 2 S. 298.
so tritt sie noch mehr hervor in der Aufhebung Beloch, Der italische Bund unter Borns Hege-
des Unterschiedes der Stände (Fest. a. a. 0.). eo monie S. 178 ff. Mommsen , Büm. Gesch. 1'
Ein Frevel war es in dieser Zeit, in der die S. 346 Anm. Hermes 17 (1882) S. 42 ff. Seeck,
Verträge zwischen Latium und Rom von fri- Bhein. Mus. 37 (1882) S. 1 ff . S. 598 ff.), d. h.
schem bekräftigt wurden, einen Krieg zu be- die in unmittelbarer Nachbarschaft der Kult-
ginnen oder eine Schlacht zu liefern: Macrob. statte liegenden Gemeinden. Es war dies wohl
1, 16, 16 cum Latiar hoc est Latinarum sol- ursprünglich eine Vereinigung rein sakraler
lemne coneipitur ... nefas est proelium sumere : Natur; dafs Alba Longa darin die Vorstand-
quia nee Latinarum tempore, quo publice quon- schaft bekleidete , macht seine Lage wahr-
dam indutiae inter populum Bomanum La- scheinlich ; die Frage aber, ob es dip durch
693 Iuppiter (Latiaris: feriae latinae) Iuppiter (Latiaris : albanischer Triumph) 694
eine religiöse Feier geeinten Orte auch politisch Carbo, dem Sieger über die Corsen, der in
zu einem Ganzen unter seiner Führung ver- ihm eine Entschädigung suchte, nachdem seine
band, kann hier aufser acht gelassen werden. Bitte, in Rom triumphieren zu dürfen vom Se-
Zu der Zeit als eine Neugestaltung der feriae nate abschlägig beschieden war, G. I. L. 1
Latinae unter Tarquinius erfolgte (s. oben die p. 458. Vol. Max. 3, 6, 5. PHn. 15, 126, vgl.
Bemerkungen über den Tempel), soll die Zahl Cic. de deor. nat. 3, 52 ; das Beispiel fand Nach-
der Mitglieder 47 betragen haben (DlOWJ/S. 4, 49). ahmung; die Annalen berichten von solchen
Mommsen und Seeck suchen sie auf verschiedene Triumphen zu den Jahren 543 (M. Claudius
Weise zu rekonstruieren; jener (a. a. ü. S. 50 ff.), Marcellus, Liv. 26, 21, 6), 557 (M. Minucius,
die Herniker und Volsker, „deneu nur eine 10 C. I. L. 1 p. 459. Liv. 33, 23, 3), 582 (C. Ci-
gewisse Gemeinschaft eingeräumt worden sei", cereius, C. I. L. 1 p. 459. Liv. 42, 21, 4) ; dafs
von den anteilberechtigten Gemeinden des sie aber weit häufiger stattfanden, ergeben die
Latium antiquum ausschliefsend, gewinnt die Worte des Q. Minucius, der sich bereits im
Zahl annähernd durch Kombinierung der Listen Jahre 557 auf den Vorgang vieler berühmten
bei Dionys. 5, 61 und Plin. 3, 69 (zu den 31 ver- Männer (nudtorum clarorum virorwm exemplo)
schwundenen Ortschaften des Plinius treten 14 beziehen konnte {Liv. 33, 23, 3 vgl. 45, 38, 4).
in späterer Zeit noch bestehende und 3 mit Im Unterschiede vom capitolinischen Triumphe
zweifelhaftem Namen hinzu), dieser (a. a. 0. feierte der Sieger ihn iure consularis imperi
S. 606) durch die Verbiudung von 15 Herniker- (Liv. 33, 23, 3) sine publica auctoritate (Liv.
und 2 Volskergemeinden mit den auf 30 re-20 42, 21, 4), und die Kosten fielen nicht der
ducierten Völkern bei Plinius. Sei es nun dass Staatskasse, sondern ihm selber zur Last (Liv.
bereits zu jener Zeit die religiöse Feier auf 33, 23, 8). Zwar war er darum weniger rühm-
dem Albaner-Berge ganz Latium vereinigte, sei lieh , doch unterschied er sich im äufsern
es dafs die gröfseren Städte erst nach dem Prunke kaum von jenem (Liv. 33, 23, 8). Plu-
Cassischen Vertrage vom Jahre 261 u. c. bei- tarch (Mure. 22) giebt beiden dieselben Attri-
traten, so bedarf doch die Behauptung Prellers, bute ivzsXris ««<• /J-iyccg; aus den negativen
B. 31. 1 S. 210 „Iuppiter Latiaris ist das höchste Bestimmungen der ovatio ebendaselbst im
Oberhaupt des latinischen Bundes, in demselben Gegensatze zum albanischen Triumphe (ovk
Sinne wie der capitolinische Iuppiter das höchste (nl zov zsdQÜtnov ßsßrjxdig oväs ddcpvng t%wv
Oberhaupt des römischen Staates und Staats- 3u azstpavov oväe Tifgioaliti^ofisvog) wird das po-
kultes sein sollte" in mehrfacher Hinsicht der sitive Ergebnis gewonnen, dafs der siegreiche
Einschränkung und Berichtigung. Die feriae Feldherr, auf der Quadriga stehend, das Haupt
Latinae sind, soweit die Überlieferung zurück- geschmückt mit der Lorbeerkrone, unter dem
reicht, stets unter dem Vorsitze Roms begangen Schalle der Trompeten zur Höhe des Iuppiter-
worden. Nach dem Untergänge Alba Longas tempels hinaufzog. Wohl mit Rücksicht auf
war mit dem Gebiete der Stadt auch die Lei- die Erzählung des Valerius Maximus a. a. 0.
tung der Feier an die Römer gekommen, darum (31. Papirius quidtm 31aso . . . et in Albano
konnte eine Regelung des Festes von den morde triumphandi et ipse initium feeit et ce-
Tarquiniern ausgehen, und darum nennen die teris postea exemplum praebuit proque laurea
Annalen sowohl wie die Fragmente der Jahres- 40 Corona cum alicui speetaculo interesset, myrtea
tafeln nur römische Magistrate als seine Leiter. usus est) und Plinius a. a. 0. (L. Piso tradit
Von dem Augenblicke an, wo die Feier zu Papirhim Masonem, qui primus in monte Al-
einer römischen geworden, war die Entwicke- bano triumphavit de Corsis, myrto coronatum
lung eines spezifisch latini»ehen Gottes ge- ludos circenses speetaresolitum) behauptet Preller,
hemmt; denn das nomen Romanum fühlte sich Li. 31. 1 S. 216, nicht der Lorbeer sondern die
nicht als einen Teil des nomen Latinum, son- Myrte sei zum Ehrenkranze verwendet worden;
dern trat ihm selbständig gegenüber; eine doch spricht gegen ihn sowohl die Stelle des
hervorragend politische Bedeutung im Sinne Plutarch wie die Worte pro laurea Corona bei
des capitolinischen Iuppiter hat der Kult des Valerius, die ihre Berechtigung nur haben in
Iuppiter Latiaris nie besessen, sondern immer 50 der Beziehungauf den vorher genannten Triumph
nur den sakralen Mittelpunkt für die latinischen (vgl. Michaelis, Ann.d. inst. 1876 S. 115 Anm. 2).
Gemeinden gebildet Ebenso läfst sich die An- Ebensowenig haltbar ist seine Vermutung, es
nähme Prellers (Li. 3L. 1 S. 285), dafs der Gott sei die ovatio ursprünglich nur der letzte Akt
später wie auf dem Capitol als Optimus Maxi- der Feier auf dem Albanerberge gewesen; denn
mus im Verein mit Iuno und Minerva verehrt die annalistische Überlieferung kennt Ovatio-
worden sei, nicht mehr verteidigen, seitdem nen lange vor den Zeiten des Papirius Maso
die Inschriften, auf welchen jene Annahme (vgl. C. L. L. 1 p. 454 ad a. 251. 291 ; p. 455
basierte, sich als falsch erwiesen haben C L.L. ad a. 394. Dionys. 5, 47. Liv. 3, 10, 4). Uie
14, 126*— 129*. 132*. 133* B. Nur ein Heilig- Zugordnung war die sonst übliche: dem Vier-
tum derluno Moneta daselbst darf als sicher eo gespann vorauf wurden die Opferstiere (Plut.
betrachtet werden (Liv. 42, 7, 1 ; 45,15,10. Cass. a. a. 0. enl ulv tä (isyalco argiceußco ßov&vzeiv
Dio 39, 20, dagegen gehört die Widmung an näzgiov ijv zoig czQaz-nyoig), die Beute und die
die Iuno Albana C. L. L. 14, 125* gleichfalls Gefangenen geführt (Liv. 33, 23, 8), es folgten
zu den inscriptiones falsae). ihm die Soldaten , deren Tapferkeit den Sieg
Anden Kult des Iuppiter Latiaris schlofs sich errungen hatte. Da bei einem Triumphe sine
noch eine andere Feier, der triumphua in publica auctoritate die städtischen Behörden
monte Albano; er wurde hier zum ersten Male natürlich offiziell nicht vertreten waren, so
a. 523 u. c. begangen vom Konsul M. Papirius hatte er einen ausschliefslich militärischen
695 Iuppiter (Latiaris: albanischer Triumph') Iuppiter (Latiaris: albanischer Triumph) 696
Charakter und gleichzeitig auch, weil ohne lenker Athene fungierte, vgl. Jahrbeh. d. arch.
die Bevollmächtigung des Senates begangen, Inst, 4 (1889) S. 84.
eine volkstümliche Färbung; ein sakral an- Niebuhr {Rom. Gesch. 2; S. 42), von der
gehauchtes Volksfest nennt es Ad. Nissen, Bei- Voraussetzung ausgehend, dafs eine von Pa-
träge zum römischen Staatsrecht, Strafsburg 1885, pirius Maso selbst erfundene Auszeichnung
S. 124. Soweit reichen die litterarischen Nach- -weniger Wahrscheinlichkeit besitze als das
lichten ; nähern Aufschlufs giebt uns die Ab- Anknüpfen an einen früher bestehenden Brauch,
bildung einer jetzt im Berliner Museum be- hat die Behauptung aufgestellt, dafs in den
ländlichen praenestinischen Cista {Mon. ined. Zeiten nach dem Cassischen Bündnis bis zur
10 t. 29) besprochen von Michaelis a. a. 0. 10 Unterwerfung Latiums, in denen vertrags-
S. 105 ff.; mit dem überzeugenden Nachweis, gemäfs die Eidgenossenschaft abwechselnd mit
dafs der triumphus in monte Albano Gegen- Korn die Führer des Bundesheeres stellte, die
stand der Zeichnung sei (Jordan, krit. Beitr. latinischen Feldherrn Triumphzüge auf den
S. 14), die aus stilistischen Gründen nicht Albanerberg geführt hätten, wenn unter ihrer
über das Jahr 414 u. c. hinausgerückt werden Leitung und ihren Auspicien glückliche Er-
darf (Michaelis S. 119). Im Mittelpunkt der folge im Kriege errungen worden seien. Durch
unter freiem Himmel sich abspielenden Scene die oben beschriebene Abbildung sah sich
steht ein Mann, das Haupt geschmückt mit Michaelis veranlafst (a. a. 0. S. 117 ff.), ein Wei-
einer Lorbeerkrone, bekleidet mit schön ver- terbestehen jener latinischen Feier in den ein-
ziertem Bemharnisch und kurzem , auf der 20 zelnen Städten über das Jahr 416 hinaus an-
rechten Achsel zugeknöpftem Mantel, durch zunehmen, womit zugleich die Lücke zwischen
reiche verbrämte Garnierung als Festgewand 416 und 523 ausgefüllt und der römische
gekennzeichnet (ohne Zweifel ein paludamen- Oppositionatriumph dem latinischen zeitlich
tum), die Linke trägt ein Scepter mit Adler nahe gerückt wäre. Da nämlich die Zeichnung
an der Spitze , während er mit der Rechten aus einer Epoche stamme, wo Siege unter den
aus einer patera über einem brennenden Rauch- Auspicien latinischer Feldherrn nicht mehr er-
gefäfse zu opfern im Begriff ist; links reihen fochten werden konnten (s. oben) und da ein
sich an ein junger Diener , ein Priester und Zurückgreifen des Künstlers auf antiquierte
ein Sklave, alle drei heiliges Opfergerät tra- Sitten wenig glaubwürdig sei, so müsse in
gend ; auf der rechten Seite hält, gelenkt von 30 Hinsicht auf die Livianische Erzählung (23,
einem bärtigen Manne im Mantel mit breiter 19, 18), wonach dem praenestinischen Prätor
Binde und Stock, eine Quadriga, deren linkes M. Anicius wegen der tapfern Verteidigung
Beipferd ein halbnackter Jüngling am Zügel Casilinums a. 538 von seiner Vaterstadt ein
fafst; auf beiden Beipferden sitzen zwei. Jung- Standbild errichtet worden, die Möglichkeit
linge mit Metallgürtel ; die dürftige Kleidung zugegeben werden, dafs die Senate der Muni-
hindert, sie für Verwandte des Feldherrn zu zipien verdienten Männern den Triumphzug
halten, qui in equis trmmphantium sedere solc- zum heimischen luppitertempel bewilligten, und
bant, Cic. pro Mar. 11; hinter dem Wagen dieser könne vom alten latinischen kaum ver-
folgt ein Trompeter. Das Ganze macht den schieden gewesen sein. Preller, R. M. 1 S. 216
Eindruck einer Triumphalfeierlichkeit; doch 40 denkt an eine von Latium und Rom zugleich
stellt das Bild weder eine ovatio dar (der begangene Feier auf der alten gemeinsamen
Feldherr würde keinen Lorbeer-, sondern einen und heiligen Höhe des Iuppiter Latiaris. Es
Myrtenkranz, keinen Mantel, sondern eine kann all diesen Hj'pothesen eine innere Be-
toga tragen , er würde kein Scepter führen rechtigung nicht zuerkannt werden. Niebuhrs
und sich nicht einer Quadriga bedienen, son- Annahme ist nur verständlich, wenn der mons
dern zu Fufs gehen oder ein Rofs besteigen, Albanus mit seinem Kulte im Gegensatze zu
sehliefslich wäre kein Trompeter zugegen, son- Rom speziell latinischen Interessen diente; da
dern ein Flötenbläser; vgl. das mehrfach citierte nun aber, wie wir oben sahen, bereits die
Kapitel des Plutareh^, noch einen capitoliuischen Organisation des Tarquinius Superbus Roms
Triumph, da der charakteristische Schmuck 50 Einflufs daselbst als _ bestimmend erscheinen
desselben fehlt: die aurea Corona, toga picta läfst, da ferner die Überlieferung auch nicht
und tunica palmata, Stücke, die auf jeder Ab- die leiseste Hindeutung auf eine derartige
bildung deutlich erkennbar sind (s. unten). Feier enthält (dies spricht besonders gegen
So bleibt nur die dritte Feierlichkeit übrig, Preller; denn wären Römer beteiligt gewesen,
der Triumph auf dem Albanerberge; wir wer- so wäre in den Annalen sicher eine diesbe-
den um so geneigter sein uns dafür zu ent- zügliche Notiz zu finden), so ist einmal nie
scheiden, da die litterarisch überlieferten Merk- ein latinischer Triumph Vorbild für den ca-
male (Quadriga, Lorbeerkrone, Trompeter) pitolinischen gewesen, wie Michaelis meint
sämtlich zutreffen und das paludamentum zu (S. 120), sodann ist der Triumph des Papinus
dem vorwiegend militärischen Charakter vor- 60 Maso und seiner Nachfolger keine Nachahmung
trefflich pafst. Furtwängler, Jahrbeh. d. arch. des latinischen , sondern des capitolinischen,
Inst. 3 (1888) S. 113 ff. 215 ff. glaubte auf natürlich mit den Abweichungen, die durch
einer antiken Glaspaste der Berliner Sammlung die verschiedene Lokalität und Natur der Feier
einen albanischen Triumph dargestellt zu sehen, bedingt waren. Wenn nun nach M^ichaelis
doch überzeugte ihn die Ergänzung zu dem (S. 112) das paludamentum des Libierenden
Glascameo in der Gemmeusammlung des Briti- auf der Cista die Annahme ausschliefst, dafs
sehen Museums, dafs der vermutete Triumpha- die Handlung in den Grenzen des römischen
tor ein griechischer König sei und als Wagen- Pomeriums vollzogen worden sei , so bleibt es
697 Inppiter (Priester: flamen Dialis)
mindestens bedenklieh, den Vorgang, welchen
unsere Zeichnung veranschaulicht, innerhalb des
Pomeriums von Praeneste suchen zu wollen.
Solange kein bestimmteres Zeugnis für das
Vorhandensein einer solchen Feier in den
Städten Latiums vorliegt, wird man gut thun
in dem Bilde die Darstellung eines albanischen
Oppositionstriumphes zu sehen.
Priester. 10
Flamen Dialis. Die Einsetzung eines be-
sonderen Priesters für den himmlischen Herr-
scher schreibt die Überlieferung dem Numa
zu (Liv. 1, 20, 1 fi.). Wie die Namensform
Dialis, so tragen eine Reihe von sakralen Be-
stimmungen und Kultgebräuchen, die speziell
an dieses Priesterturn sich angeschlossen haben,
in sich selbst die beste Gewähr für ihr hohes
Alter. Wiewohl in der offiziellen Reihenfolge
dem rex sacrorum nachstehend (Fest. p. 18B 20
maximus ridetur rex, dein Dialis, post hunc
Martialis, quarto loco Quirinalis, quinto Pontifex
maximus), war er doch diesem sowohl wie den
flamines des Mars und Quirinus an Würde und
Bedeutung überlegen. Ihr Verhältnis ist das-
selbe wie das der Götter, denen sie dienen
(Aug. c. d. 7, 9 penes lanum sunt prima, penes
Iovem summa), dagegen war er als Einzel-
priester dem Pontifex maximus als dem Ver-
treter der gesamten Staatsgottheiten in seinen 30
geistlichen Funktionen untergeben. Die Würde
ist stets in den Händen der Patrizier geblieben.
Da sie vom Kriegsdienst und allen öffentlichen
Ämtern ausschlofs (Liv. 4, 54, 7. Gell. 10, 15, 4.
Fest. p. 249. Plut. q. R. 113), so wurde sie bei
der steigenden politischen Entwickelung des
römischen Staates für ihre Träger allmählich
eine lästige Bürde. Zwar war schon a. 554 u. c.
die Ädilität (Liv. 31, 50, 7, 32; 7, 14) und a. 571
die städtische Prätur (Liv. 39, 39, 2; 45, 2, 22) 40
dem flamen Dialis zugänglich gemacht worden,
doch blieben auch jetzt die Beschränkungen so
bedeutende, dafs nach dem Selbstmorde des L.
Cornelius Merula a. 667 die Stelle wegen Mangel
an Bewerbern über 70 Jahre lang nicht besetzt
werden konnte, bis Augustus sie a. 743 erneuerte
(Vell.Paterc. 2,22. Lac. ann. 3,58. Suet.Aug. 31.
Cass.Dio 54,46. GW. 1,136). Inschriftlich erwähnt
finden sich flamines des höchsten Gottes zu Rom
(C. I. L. 1, 33), zu Lanuvium (G. L. L. 14, 2089), 50
zu Lavinium (C. /. L. 14, 4176) und zu Tibur
(C. L. L. 14, 3586). Unter den Bewerbern, die
den patrizischen Geschlechtern angehören und
in einer unter den feierlichen Formen der
confarreatio (Marguardt, Rom. Privataltert. 4"
S. 32) geschlossenen Ehe leben müssen (Serv.
ad Aen. 4, 103. 374), werden von den Pontifices
drei vorgeschlagen (Tae. arm. 4, 16), und unter
ihnen hat der Pontifex maximus die engere
Wahl zu treffen (Liv. 27, 8, 5; 29, 38, 6. Val. 60
Max. 6, 9, 3. Gell. 1, 12, 15). Der Neugewählte
bezieht die Amtswohnung des Iuppiterpriesters,
die sogenannte flaminia (Fest. p. 89. Serv.
ad Aen. 2, 57). Diese lag auf dem Palatin (Cas-
sius Dio 54, 24), vermutlich nahe beim Tempel
des Iuppiter Stator (Gilbert, Gesch. u. Top.
Roms 1 S. 233 Anm. 2; die Hypothese dieses
Gelehrten über die Entwickelung und das Ver-
luppiter (Priester: flamen Dialis; 698
hältnis des rex sacrorum , flamen Dialis und
pontifex maximus, sowie über den Wechsel
ihrer Lokalitäten [a. a. O. S. 231 ff.] leidet an
vielen UnWahrscheinlichkeiten). Wie für die
Regia, so gilt auch für sie die Bestimmung,
dafs das Feuer von ihrem Herde nur zu hei-
ligen Zwecken hinausgetragen werden darf
(Gell. 10, 15, 7. Fest. p. 106). Es ist dem
flamen Dialis ursprünglich nicht gestattet, auch
nur eine Nacht von seiner Wohnung fern zu
bleiben, eine Vorschrift, die unter Augustus
insoweit gemildert wird, dafs er zweimal im
Jahre zwei Nächte, doch nur mit Erlaubnis
des Pontifex maximus, von Rom abwesend sein
darf (Liv. 5, 52, 13. Tac. ann. 3, 71. Gell. 10,
15, 14). Wie die höchsten Beamten des Staates
erhält er einen Sitz im Senate, die sella cu-
rulisundtogapraetexta(iu:.l,20,3;27,8,8. Plut.
q. R. 113), sowie einen lictor (Fest. p. 93; vgl.
Ov. fast. 2, 23); er erscheint stets im vollen
priesterlichen Ornate mit den Abzeichen seines
Amtes. Über der tunica, die er im Freien nie
ablegen darf, damit Iuppiter seinen Diener
nicht entblöfst sehe (Gell. 10, 15, 20), trägt er
die sogenannte laena, eine toga duplex, die
nach einer alten pontifikalen Bestimmung von
seiner Frau gewebt sein mufste (Serv. ad Aen.
4, 262). Sein Haupt bedeckt der pileus s.
albogalerus (Fest. p. 10 fiebat ex hostia alba
Iovi caesa. Gell. 10, 15, 32. Serv. ad Aen. 2,
683. Fronte ep. ad M. Cacs. 4, 4 p. 67 Naber),
nach oben spitz in einen Stab auslaufend
(apex; virga = Ölzweig; Hehn, Kulturpflanzen3
5. 99 will darin Entlehnung griechischer Sitte
sehen); die Stelle, wo der stabartige Aufsatz
aus dem Hute herauswächst, ist mit einem
wollenen Bande (filum) umgeben (Fest. p. 10.
23), ein Schmuck, der so charakteristisch war,
dafs die Alten von ihm den Namen flamines
(= filamines) herleiteten (Varro l. I. 5, 84.
Fest. p. 87. Serv. ad Aen. 8, 664; 10, 270.
Dion. Hai. 2, 64. Plut. Num. 7). Vorbild für
den pileus war eine Kopfbedeckung, wie sie
uns auf den ältesten Cornetaner Wandgemälden
begegnet (vgl. Heibig, Über den Pileus der
alten Italiker Sitz.-Ber. d. bayr. Ah. 1880
S. 492 ff. 509 ff. und die Abbildungen Tf. 2
nr. 14. 16. 26). Die Heiligkeit dieses flamen
spricht sich noch besonders in folgenden Be-
stimmungen aus. Jede profane Thätigkeit
mufs in seiner Nähe aufhören, es schreiten
ihm daher auf der Strafse die praeciae oder
praeeimiatores voraus, um jedermann zum
Niederlegen der Arbeit zu veranlassen (Ma-
crob. 1, 16, 9. Fest. p. 224. 249). Er darf keinen
Eid schwören (Liv. 31, 50, 7. Gell. 10, 15, 5.
Fest. p. 104. Plut. q. R. 44), nichts Unreines
anrühren (Gell. 10. 15, 9. 12. 19. 24. Plin. n.h.
18, 119; 28, 146.' Fest. p. 87. Serv. ad Aen.
1, 179. Macrob. 1, 16, 9. Plut. q. R. 109— 111).
Zu dem Verbote gesäuertes Brot anzufassen
vgl. Heibig, Die Italiker in der Poebene S. 72),
keinen Knoten an seinem Leibe tragen (Gell.
10, 15, 6. 9. 12. 13. Fest. p. 82. 113. Serv. ad
Aen. 4, 262. Plut. q. R. 112). Gelang es einem
zur Hinrichtung Geführten seine Kniee zu um-
schlingen, so konnte an diesem Tage die Strafe
nicht vollzogen werden (Gell. 10, 15, 10. Serv.
699 Iuppiter (Priester: flamen Dialis1) luppiter (Priester: Fetiales) 700
ad Aen. 3, 607); ein Gefesselter, der sein Haus flamini dliam ducere licebat vxorem nisi post
betrat, wurde von den Fesseln befreit (Gell. mortem flaminicae nxoris). Ähnlichen Vor-
10, 15, 8. Serv. ad Aen. 2, 571; nur ein freier schritten hinsichtlich der Kleidung und des
Mann durfte ihm Haar und Bart scheren {Gell. sonstigen Verhaltens ist seine Gattin, die fia-
10, 15, 11), und zwar mit einem kupfernen minica, unterworfen; an allen Xundinen
Messer (Serv. ad Aen. 1, 44S. Macrob. 5, 19, 13. schlachtet sie dem Iuppiter einen Widder in
Lyd. de mens. 1, 31), ein Brauch, der uns in der Regia (3Iacrob. 1, 16, 30); sie ist in erster
eine Zeit zurückführt, wo man in Latium das Linie Priesterin der Iuno [Plut. q. S. 86; Ge-
Eisen noch nicht kannte (vgl. Htlbig a. a. 0. naueres s. v. Iuno); die Heiligkeit und Rein-
S. 82); die Abfälle der Haare und Nägel müssen xo heit des himmlischen Götterpaares spiegelt
unter einem fruchttragenden Baume vergraben sich in ihren Dienern wieder, und diese selbst
werden (Gell. 10, 15, 15). Die Hauptthätigkeit sind das Muster einer römischen Ehe der
des flamen Dialis besteht in dem täglichen alten Zeit. Die altertümliche Institution des
Opferdienste (Serv. ad Aen. 8, 552 more enim flamen und der flaminica beweist auch, dafs
retere saernrum neque Martialis neque Quirl- die paarweise Götterverehrung in Italien eine
nalis flamen omnibus caerimonüs tenebantur ursprüngliche war.
quibus flamen Dialis neque diurnis sacrifieiis Fetiales. Der Stamm des Wortes scheint
distinebantur. Gell. 10, 15, 16); am Fufse seines auf fari, fateri hinzuweisen vgl. Marquardt,
Bettes mufs sich stets ein Gefäfs mit den ge- Eöm. Staatsverir. 3'- S. 417 Aum. 9. Johansson,
wohnlichen Opfergaben befinden (Capsula cum 20 Bezzenberg. Beitr. 15 (1889) S. 307. Als Be-
strue atque ferto. Gell. 10, 15, 14). Wenn er zu gründer der Priesterschaft werden die ersten
einem Opfer ausserhalb des Hauses sich be- Könige genannt: Xuma (Dion. 2, 72. Plut.
giebt, so trägt er in den Händen das comme- Kum. 12. Cam. 18), Tullus Hostilius (Cic. de
taculum (virga), um jede Berührung mit re publ. 2., 17, 31 vgl. Liv. 1, 24, 6), Ancus
anderen zu verhüten (Fest. p. 56. 64). Wie er Marcius (Liv. 1,32, 5. Aurel. Vict.de vir. illustr.
an allen Iden die Ovis idulis (Ov. f. 1. 588; s. 5, 4. elog. C. I. L. 1 p. 564 = 6, 1302. Sertor
oben Sp. 655. 32) darbringt, so ist er jedenfalls Sesius über de praenom. 1 im Tai. Max. p. 743
an allen regelmäfsigen und aufsergewöhnlichen Kempf; vgl. Dion. 2, 72. Sero, ad Aen. 10. 14).
Opfern an Iuppiter beteiligt. Als Opfermesser Ihre Funktionen übten die Fetialen teils als Ge-
dient ihm die secespita (Fest. p. 348. Serv. ad 30 samtkollegium (20, vgl. Yarro b. Kon. p. 529),
Aen. 4, 262). Zusammen mit dem rex sacrorum teils in kleineren Abteilungen (Liv. 1,24,6;
verteilt er im Februar als Sühnemittel, Gegen- 3, 25, 6; 9, 5, 4; 31, 18, 1: 42, 25, 1. Yarro
stände von Wolle (februa\ wie sie zu heiligen a. a. 0.): zu den ursprünglichen Aufgaben ge-
Vorrichtungen vielfach verwendet werden (Ov. hören die Geuugthuungsforderung, die Kriegs-
/'. 2, 21 pontifices a rege petunt et flamme lanas ankündigung, der Absehlufs und die Auf-
quis veterum lingua februa nomen erat). An hebung von Bündnissen und Verträgen; hier-
den Luperealien (15. Febr.) opfert er am aus entwickelt sich allmählich eine in allen
Lupercal (Ov. f. 2, 282; vgl. Yarro 1.1. 5, 85\ Fragen des internationalen Rechtes ihr Gut-
und bei Beginn der Weinlese fällt ihm die achten abgebende Körperschaft, bis sehliefs-
feierliche Einweihung zu (Yarro 1. 1. 6, 16). 40 lieh die völkerrechtlichen Abmachungen den
Auf einem verdeckten, zweispännigen Wagen priesterlichen Charakter vollständig verlieren,
fahren am 1. Okt. (fast.Arv.Henzen CCXXXV1II. Die Würde selbst finden wir noch bis zum
fast. Amit. C. I. L. 1 p. 325 = 9, 4192) die Anfange des 3. Jahrhunderts n. Chr. inschrift-
drei grofsen Flamines zum Tempel der Fides lieh erwähnt (Marquardt 3a S. 41S Anm. 1,
Publica auf dem CapitoL um hier, die Rechte dazu C. I.D. 2, 2705; 3, 248: 8, 7058. 7060:
bis auf die Fingerspitzen in ein weifses Tuch 10, 6663. 6764; 14. 2405. 4238. 3595. 2941 i? ).
gehüllt, das Opfer darzubringen (Liv. 1, 21, 4; Aufser den silices und dem seeptrum, die aus
vgl. Dionys. 2, 75. Serv. ad Aen. 1, 292; 8, 636). dem Tempel des Iuppiter Feretrius genommen
Da die Göttin die Personifikation der in dem wurden (vgl. Sp. 674, 11 ff.), bedienten sich die
Wesen Iuppiters liegenden Begriffe der Zuver- 50 Fetialen bei ihren amtliehen Verrichtungen
lässigkeit und Treue darstellt, so spielt er bei der sagmina oder verbenae; es sind dies
dem Akte wohl die Hauptrolle. Unterstützt wird Büschel eines heiligen Krautes (icga ßorävrj
er in den priesterlichen Handlungen durch s. verbenaca Plin. 11. h. 25, 105), die samt der
seine eigenen Kinder (Dionys. 3, 22) oder, wenn Wurzel und der daran hängenden Erde auf
diese fehlen, durch camilli, die aus einer kon- der ais, d. h. dem Nordhügel des mons Capito-
farreierten Ehe stammen und beide Eltern linus, ausgehoben wurden (Plin. 22, 5 sagmina
noch am Leben haben (Fest. p. 93. Serv. ad in remediis publicis fuere et in sacris legatio-
Aen. 11, 543. Macrob. 3, 8, 7. Plut. Kum. 7). nibusque verbenae; certe utroque nomine idem
Fällt ihm beim Opfern der Pileus vom Kopfe significatur, hoc est gramen ex arce cum sua
oder zeigt er sich lässig im Dienst, so wird 60 terra evulsum. Fest. p. 321. Serv. ad Aen. 12,
er gezwungen, sein Amt niederzulegen (Liv. 120); sie wurden von dem amtierenden Konsul
26, 23, 8. Yal. Max. 1, 1, 4. Plut. Marc. 5), oder' Prätor gefordert (Liv. 1, 24, 4; 30, 43. 9)
ebenso kann er nach dem Tode der Gattin und durch ein Mitglied, das von ihnen den
nicht länger fungieren (Gell. 10, 15, 22. Pris- Namen verbeuarius führte, dem Kollegium
cian 1 p. 149 Hertz. Plut. q. R. 50), denn er vorangetragen als eine Bürgschaft des Frie-
darf sich nicht wieder vermählen (Tertull. de dens und ein Zeichen der Unverletzlichkeit
exhortat. castit. 13. Hieron. ep. 123, 8. adv. der Gesandtschaft (Plin. 22, 5. Yarro b. Kon.
Iovin. 1, 49; dagegen Serv. ad Aen. 1, 29 nee p. 528. Marcian. Dig. 1, 8, 8). Der verbenarius
701 Iuppiter (Priester: Fetiales) Iuppiter (Priester: Fetiales, Augures) 702
bestimmte wieder durch Berührung mit den Amm. Marc. 19, 2, 6. Cassius Dio 71, 33.
sagmina ein Mitglied der Deputation zum Tzttzes Chil. 5, 15. Dafs am 33. Tage nicht die
pater patratus (Liv. 1,24,6 fetialis erat M.Va- testatio [Liv. 1, 32, 9], sondern bereits die in-
lerius; is patrem patratum Sp. Fusium fecit, dictio belli stattfand, hat Fusinato wahrschein-
verbena Caput capillosque tangens), eine Würde, lieh gemacht: dei Fesiali e clel diritto feziale,
durch die dem Inhaber in jedem einzelnen contributo alla storia del diritto publico esterno
Falle die Leitung der heiligen Handlungen in Borna. Rom. 1884. S. 54 ff.) Die Ausfüh-
übertragen wurde (Cic. de or. 1, 40, 181; 2, 32, rang dieser Ceremonieen wurde um so mehr
137. pro Caec. 34, 98. Liv. a. a. 0. Dion. 2, 72). erschwert, je weiter Rom seine Grenzen hin-
Die Eigentümlichkeit, dafs die Grasbüschel ge- 10 ausschob; doch fand man ein Auskunftsmittel:
rade von der nördlichen Erhebung des capito- im tarentinischen Kriege liefs man durch einen
linischen Hügels entnommen wurden, während gefangenen Soldaten aufserhalb des Pomeriums
man doch die anderen Symbole, silices und am Tempel der Bellona im Circos Flaminius
seeptrum, im Tempel des Iuppiter Feretrius auf ein Stück Land kaufen und erklärte dasselbe
der Südkuppe aufbewahrte, vermögen wir nicht für feindliches Gebiet; als Grenzstein wurde
zu erklären. Von einem Heiligtume des die columna bellica errichtet, über sie warf
Himmelsgottes auf der arx wird nichts be- der pater patratus die LaDze und eröffnete mit
richtet, die einzige Schöpfung daselbst, die dieser symbolischen Handlung den Erieg (Po-
man zu ihm in Beziehung setzen könnte, ist lyb. 13, 3. Ov. fast. 6, 205. Fest. p. 33. Serv.
der alte Sitz der Augurn, das Auguraculum. 20 ad Aen. 9, 52. Placid.B.Y. bellica Columna. Cass.
In den Ceremonieen und Formeln der ur- Diu 50, 4; 71, 33), während die thatsächliche
sprünglichen Funktionen tritt der Zusammen- Kriegserklärung durch den Oberbefehlshaber
hang der Priesterschaft mit Iuppiter, dem erfolgte (Liv. 31, 8, 3; 36, 3, 7). 3j Die Mit-
Schützer der Wahrheit und Treue, dem Rächer Wirkung der Fetialen bei Abschlufs von
des verletzten Eidschwures, am stärksten hervor. Bündnissen und Verträgen. Nachdem sie
1) Genugthuungsforderung (clarigatio, auf dem vorschriftsmäfsigen Wege die sagmina,
Liv. 8, 14, 5. Plin. n. h. 22, 5. Quint. 7, 3, 13. silices und seeptrum erhalten hatten (Liv. 1,
Arnob. 2, 67; vgl. Serv. ad Aen. 9, 52; 10, 14). 24, 5; 30, 43, 9. Fest. p. 92. 321), traten sie
Ausgerüstet mit den heiligen Symbolen zog ihre Reise an. Die Handlung begann mit dem
die auserwählte Deputation nach dem feind- 30 Vorlesen des Vertragswortlautes, sodann nahm
liehen Lande; beim Passieren der Grenze, der pater patratus den Iuppiter zum Zeugen
beim ersten Zusammentreffen mit einem Bürger der redlichen Gesinnung seines Volkes und
des feindlichen Landes, beim Durchschreiten schlofs mit einer Verwünschung für den Fall
des Stadtthores und bei der Ankunft auf dem eines treulosen Vertragsbruches: audi, Iup-
Forum nahm der pater patratus das Wort und piter, audi, pater patrate, audi tu, popuhis Al-
flehte verhüllten Hauptes (mit den entsprechen- banus. Ut illa palam prima postrema ex Ulis
den geringfügigen Abweichungen): audi, lup- tabulis cerave recitata sunt sine dolo malo, uti-
piter , audite fines — euiuseunque gentis sunt, que ea hie hodie rectissime intellecta sunt, Ulis
nominat — audiat fas; ego sum puhlieus nun- legibus populus Romanus prior non deficiet; si
tius populi Romani; iuste pieque legatus venio 40 prior dejexit publica consilio dolo malo, tum
verbisque meis fides sit. Nach Aufzählung ille dies, Iuppiter, populum Romanum sie ferito,
seiner Forderungen ruft er den Iuppiter zum ut ego hunc poreum hie hodie feriam; tantoque
Zeugen an: si ego iniuste impieque Mos ho- magis ferito, quanto magis potes pollesque (Liv.
mines illasque res dedier mihi exposco, tum pa- 1, 24, 7; vgl. Polyb. 3, 25, wo in der Schwur-
triae compotem me nunquam siris esse (Liv. 1, formel auch Mars und Quirinus genannt sind).
32, 6 sq.). Wurde innerhalb von 30 Tagen (Die Bezeichnung Carmina für alle diese For-
(Dion. 2, 72) eine befriedigende Antwort von mein veranlafste Ribbeck, Jahns Jahrbch. 77
der feindlichen Seite nicht gegeben, so erfolgte (1858) S. 206 zur Annahme von Saturniern,
zum zweitenmale durch den pater patratus ein s. dagegen Peter, Comment. in. hon. Reifferscheid.
feierlicher Protest, in dem Iuppiter wiederum 50 S. 67 ff.) Bei den letzten Worten schlug er
an erster Stelle genannt wird: audi, Iuppiter mit dem lapis das Opferschwein (Suet. Claud.
et tu Iane Quirine diique omnes caelestes vos- 25 vgl. Sp. 676). Die beteiligten Fetialen unter-
que terrestres vosque inferni audite; ego vos zeichnen die Vertragsurkunde (Liv. 9, 5, 4) und
testor , populum illum — quieunque est, nomi- sind verpflichtet, über die Beobachtung der
nat — iniustum esse neque ins persolvere. Sed einzelnen Bestimmungen zu wachen (Dion.
de istis rebus in patria maiores natu consule- 2, 72) und über ihre Verletzung zu entscheiden
mus, quo pacto ius nostrum adipiscamur (Liv. (Marquardt 32 S. 424 A. 1—6); sie sind also
1,32, 9; vgl. Dion. 15,9). 2) Kriegserklärung. in jeder Beziehung die Vertreter Iuppiters
Nachdem auf den Bericht der Fetialen zu Rom (vgl. Mommsen, Rom. Staatsr. I3 S. 238 ff. Jfar-
der Krieg beschlossen war (Liv. 1, 32, 11), co quardt 3'2 S. 415 — 427.
erschien nach Ablauf von 3 Tagen der pater Augurn. Wenn die Augurn auch nicht in
patratus abermals an der feindlichen Grenze, dem eminenten Sinne wie die eben besproche-
kündigte in Gegenwart von mindestens drei nen Priester als spezielle Diener Iuppiters be-
zeugen dem Sühne verweigernden Staate trachtet werden können, so hat doch ihre
förmlich den Krieg an und eröffnete ihn, in- ganze Wissenschaft von dem Himmelsgotte
dem er eine hasta ferrata aut sanguinea prae- ihren Ausgang genommen, und das Bewufst-
usta ins feindliche Gebiet warf. (Liv. 1, 32, sein dieses ursprünglichen Zusammenhanges
12 — 14. Gell. 16, 4, 1. Serv. ad Aen. 10, 14. ist immer lebendig geblieben. Bei wichtigen
703 Iuppiter (Feste: Poplifugia) Iuppiter (Feste: Vinalia) 704
Unternehmungen, bei der Wahl von Beamten wird bestätigt durch eine Notiz bei Cassius
und der Inauguration von Priestern und Ort- Dio 47, 18, wonach der Senat für den 5. Juli
Henkelten, in denen Staatshandlungen vor- die Geburtstagsfeier des Caesar angeordnet
genommen werden, kurz in allen Fragen, bei und alle Zuwiderhandelnden als inaQäTovg
denen dem Staate die Einholung der göttlichen reo du erklärt hatte. Dafür scheint ferner
Genehmiguug geboten erscheint, stehen sie als auch zu sprechen die aus der Ähnlichkeit der
Sachverständige dem vollziehenden Magistrate Ceremonieen (Lustrationsriten) sich ergebende
oder Pontifex zuredend oder abmahnend zur Beziehung auf das zwei Tage später statt-
Seite. Ihre Hauptaufgabe besteht dabei nach findende Fest der nonae Caprotinae zu Ehren
der Einrichtung des templum (vgl. darüber 10 der Iuno (s. d.), in der die Zusammengehörigkeit
P. Eegell, Die Schautempla der Augurn in N. der beiden italischen Lichtgottheiten wieder
Jahrb. f. Phil. u. Pädag. 123 [1881] S. 593 ff.), hervortritt.
in der Beobachtung der Blitz- und Vögel- Die Reihe der mit der Ernte und Zuberei-
zeichen, und hieraus ergeben sich unzweideutig tung des Weines in Verbindung stehenden
die Beziehungen zu Iuppiter; vgl. Enn. ann. Feierlichkeiten eröffneten am 19. August die
frg. 310 Baehrens: contremuit magnum templum Vinalia rustica, die von Festus ausdrücklich
Iovis altitonantis. Terent. JEun. 590 gui templa als Festtag des Iuppiter bezeichnet werden
caeli summa sonitu coneutit. Cic. de div. 2, 34, (p. 265 Mustiea vinalia appellantur mense Au-
72 aves internuntiae lovis. ibid. 2, 3G, 78. In gusto XIV Kai. Sept. Iovis dies festus); man
den commentarii augurum findet sich die Vor- 20 flehte in dieser kritischen Zeit, die über den
schritt love tonante fulgurante comitia populi Ausfall der Ernte entschied, um das Gedeihen
habere nefas (vgl. Cic.de div. 2, 18, 42); m der der reifenden Trauben (Plin. n. h. 18, 284 tria
Gebetsformel bei der Inauguration des Nurna, namque tempora fructibus metuebant , propter
die Livius (1, 18, 9; vgl. Plut. Num. 7) aus quod instituerunt ferias diesque festos Robigalia,
den Gebräuchen seiner eigenen Zeit entnommen Floralia, Vinalia). Wenn der Epitomator des
hat, wird Iuppiter um die Gewährung gün- Festus p. 264 berichtet: Rustica Vinalia XIV
stiger Zeichen angefleht (Iuppiter pater si est Kai. Septembris celebrabant, quo die primum
fas hunc Numam Pompilium , cuius ego caput vina in urbem deferebant, so beruht die An-
teneo, regem Romae esse uti tu Signa nobis certa gäbe wahrscheinlich auf einer Verwechselung
adclarassis inter eos fines quos feci), und Cicero 30 mit den Vinalia priora (s. unten) , vgl. Mar-
de leg. 2, 8, 20 bezeichnet die Augurn geradezu quardt, Rom. Staatsverwaltg. 3 S. 333 A. 7.
als die Dolmetscher des höchsten Gottes (inier- Der Beginn der Weinlese selbst, von Witte-
pretes Iovis optumi maxumi, publici augures, rungsverhältnissen abhängend, konnte natürlich
signis et auspieiis postea vidento). Aus dieser nicht genau fixiert werden, man legte daher
Stelle ist übrigens nicht der Schlufs zu ziehen, die einleitenden religiösen Ceremonieen auf den
dafs die Stiftung des Kollegiums mit der Er- Tag der Vinalien. Die Vornahme der Weihe
bauung des capitolinischen Tempels zusammen- lag in den Händen des flamen Dialis. Einige
fällt, dagegen spricht nicht sowohl der Um- Trauben abschneidend, forderte er zum Beginne
stand, dafs die Berichte der Alten überein- der Weinlese auf; es folgte das Opfer eines
stimmend die Institution in deu Anfang der 40 Lammes an Iuppiter, während dessen Zu-
Königszeit verlegen (Cic. de republ. 2, 9, 16. bereitung die auspicierende Handlung des
de div. 1,2,3; 17, 30, 40, 89; 48, 107. Liv. 1. Einsammelus der Trauben von ihm wiederholt
18, 6; 4, 4, 2; 6, 41, 4), sondern vor allem ihre wurde (Varro l. I. 6, 16 Vinalia a vino, hie
Verbreitung über ganz Mittelitalien (Varro 1. 1. dies Iovis, non Veneris; huius rei cura non
5, 33. Cic. de div. 2, 83, 70; 1, 41, 92. Bücheier, levis in Lotio, nam aliquot locis vindemiae pri-
Umbrica p. 42 sq.). Über andere Fragen be- mum ab sacerdotibus publice fiebant, ut Romae
züglich des Kollegiums der Augurn vgl. etiam nunc; nam flamen Dialis auspicatur
Mommsen, Rom. Staatsr. 1" S. 73 — 114. Mar- vindemiam et ut iussit vinum legere, agna Iovi
quardt, Rom. Staatsverwaltg. 3" S. 397 — 409. facit inter quoius exta cacsa et porreeta flamen
üo prorsus vinum legit). War diu Ernte beendet
Feste, und der Most fertig gestellt, so wurde an den
Zu den Iuppiterfesten, die, wie die Schrei- Meditrinalien am 11. Oktober der neue, noch
bung mit grofsen Buchstaben im Kalender be- ungeklärte Wein gekostet und zum Vergleiche
weist, über den Anfang der republikanischen der alte Wein vom vergangenen Jahre dazu
Zeit hinausreichen, gehören die Poplifugia getrunken, wobei man die Worte sprach: no-
und Vinalia. Die ersten wurden am 5. Juli Wim vetus vinum bibo, novo veter i vino morbo
gefeiert. Nach den Berichten der Alten sollen medeor (Varro l. I. 6, 21; bei Fest. p. 123
sie eingesetzt sein infolge einer Niederlage lautet die Formel: vetus novum vinum bibo,
der Römer durch die Fidenäten (Varro l. I. veteri novo morbo medeor), voraus ging eine
6,18; vgl. Macrob. 1 , 11 , 37. Plut. Cam. 33), go Libation, wahrscheinlich für Iuppiter, denn
Tuscer (Macrob. 3, 2, 14), Gallier (Ovid. de die Fasten von Amiternnm (C. I. L. 1 p. 325
arte amat. 2, 257) oder nach dem Verschwinden = 9, 4192) verzeichnen zum 11. Oktober feriae
des Romulus (Dion. 2, 56. Plut. Rom. 29). In- lovi. Die Göttin Meditrina (Fest. p. 123) ist
des sind dies nur Versuche zur Erklärung des also erst eine Erfindung der Grammatiker, her-
Namens; der wahre Ursprung ist uns nicht be- vorgegangen aus dem Bedürfnis, den Namen
kannt. Dafs der Tag dem Iuppiter geheiligt Meditrinalia zu erklären; vgl. Wissoma, ind.
war, ergiebt der ZuBatz feriae Iovi in den lect. Marpurg. 1891 p. 15 a. 16. Die Vinalien
fast. Amit. (C. I. L. 1 p. 324 = 9, 4192) und am 23. April des nächsten Frühjahres bildeten
705 Iuppiter (Feste: Vinalia) Iuppiter (Capitolinus : Kultlokal) 706
den Abschluß der Feier; erst an diesem Tage beiden Hügeln der eapitolinisehe Tempel ge-
durfte der ausgegorene Wein in die Stadt ge- standen habe, war bis in die neueste Zeit sehr
fahren werden (Varro 1. I. 6, 16 in Tu&culanis umstritten. Nachdem die Topographen etwa
sortis [hortis Mommsen C. I. L. 1 p. 392. sacris bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts das Heilig-
Jordan Herrn. 8 (1873) S. 220] est scriptum: tum auf der Südhälfte des Berges gesucht
vinum novum ne vehatur in urbem antequam hatten, überwog seit dem Erscheinen von
vinalia kalentur); die Fässer wurden jetzt NurdinVs Borna antica, Rom. 1660 (S. 296 ff.),
zum erstenmale geöffnet. Bevor man den die Ansicht von der nördlichen Lage (vgl.
neuen Wein kostete, wurde dem Himmelsgotte Venuti , accurata e succinta descrizione topo-
eine Dankesspende für das Gedeihen der 10 grafica delle antichitä di Borna, Rom. 1763,
edelsten Frucht dargebracht (Fest. p. 65 Calpar 2 S. 290 ff. Zoega, Abhandln. S. 331. Nibby,
vinum novum, quod ex dolio demitur sacrificii del foro Bomano etc., Rom. 1819, S. 47 ff.
causa, antequam gustetur. Tori enim prius sua Piale, parte seltentrionali p. 3. Canina, Indi-
vina libabant, quae appellabant festa Vinalia; cazione topografica di Borna antica, Rom. 1831,
vgl. p. 374. Ovid. fast. 4, 898. Plin. n. h. 18, S. 146 ff. Braun, Ruinen und Museen S. 25.
287). Iuppiter ist also bei allen drei Festen Nissen, Das Templum S. 142 ff. 211 ff.), wurde
Mittelpunkt der Verehrung, und ihm allein aber mit steigendem Erfolge bekämpft von
galt ursprünglich die Feier. Später wurde der l'iranesi, antichitä Bomane, Rom. 1784. Hirt,
Kult der Venus mit den Vinalien in Verbin- Der eapitolinisehe Iuppitertempel, Abhdlg. der
düng gebracht, und zwar nahm diese An- 20 Berl. Ale. 1813 S. 18 — 39. Bunsen, Beschreibung
schauung ihren Ausgang von den Vinalia ru- der Stadt Born 3, 1 S. 14 ff. Becker, Handbuch
stica. Auf den 19. August fielen nämlich die der römischen Altertümer 1 S. 385 ff. Abelcen,
Stiftungstage zweier Heiligtümer der Venus Mittelitalien S. 221 ff. Preller , Philol. 1 S. 72
(Fest. p. 265 eodem . . die Vencri templa simt = Ausgew. Aufsätze S. 471. Die Verschieden-
consecruta, alterum ad cirewn maximum alterum heit der lokalen Fixierung hat ihren Grund
in luco Libitinensi; vgl. p. 289. Varro 1. 1. darin, dafs alle früheren topographischen
6, 20. Plut. q. B. 45). Ob hieraus die Be- Untersuchungen fast ausschliefslich auf die
ziehung der Göttin zu dem Feste entsprang, litterarischen Nachrichten aus dem Altertume
oder ob der Dedikationstermin in dieser Be- angewiesen waren, und in diesen wurde der
ziehung bereits seine Veranlassung hatte, das 30 Name des Gesamtberges und die Sonder-
entzieht sich unserer Kenntnis; sicherlich aber bezeichnung der beiden einzelnen Erhebungen
wurde der dies natalis des vor der porta Col- so wenig scharf geschieden, dafs noch im ver-
lina erbauten Tempels der Venus Erucina flossenen Jahrzehnte darüber gestritten werden
nach Analogie der obengenannten Kultstätten konnte, ob der Begriff Capitolium, ursprünglich
auf den 23. April, den Tag der Vinalia priora, nur den Tempelbezirk bedeutend, im Laufe der
gelegt {fast. Arv. Henzen CCXXKV. fast. Caeret. Zeitsich zur Benennung des Gesamthügels erwei-
Eph. ep. 3 p. 7. fast. Praen. C. I. L. 1 p. 317. tert habe (Jordan, Top. 1, 2 S 7 A. 1. S. 34ff.
Ovid. fast. 4, 877), doch war noch in der Zeit Kuhfeldt p. 10 f.) oder umgekehrt (Bichter, Herrn.
des Varro die Bedeutung dieses Tages als 18 [1883] S. 17 ff. 114. Gilbert, Gesch. u. Top.
eines ausschließlichen Iuppiterfestes lebendig 10 Borns 2 S. 423 ff. 448; vgl. Bichter in Iw. Müllers
(l. 1.6, 16 Vinalia a vino, hie dies Iovis non Handb. d.Jdass. Altert. 3S. 814). Durch die Aus-
Veneris). Zurückzuweisen ist demnach die grabungen der letzten Decennien (Bosa, arm. d.
Auffassung Prellers (B. M. 1 S. 197. 441), dafs inst. 1865 S. 382 ff. Lanciani, bullet, munic. 1875
die Vinalien von Anfang an beiden Gottheiten S. 165 ff. 1876 S.31 ff. Dressel, bullet, d. inst. 1882
gemeinsam galten, und die Ansicht Gilberts S. 226. Notiz, d. seav. 1882 S. 433. 1883 S. 371)
(Gesch. u. Top. Borns 1 S. 152 A 3), „dafs sie sind alle Zweifel über die Lage des Heilig-
von Hause aus mit dem Kulte der Venus (Murcia) tums gelöst, und die Frage ist endgültig zu
verbunden waren, wenn sie vielleicht auch Gunsten der Südhöhe entschieden worden,
später erst ihre spezielle Beziehung zum Wein Die antike Tradition führt die Erbauung des
erhalten haben". Venus gehörte überhaupt 50 Tempels fast einstimmig auf die Dynastie der
nicht der ältesten Sakralverfassung Roms an Tarquinier zurück (der abweichende Bericht
(vgl. Marquardt , Eöm. Staatsvericaltg. 3'2 bei Euscbius p. 82 Schöne Novjiüg . . z6 KaitE-
S. 374 ff.). Dafs die Larentalia am 23. Dez. zäXiov ä-/. &EfiilCav ay.oööurioev , vgl. Hieron.
trotz des Zusatzes feriae Iovi (fast. Praen. p. 83 = Cassiodor p. 593 Mommsen charakte-
C. 1. L. 1 p._ 319. Macrob. 1, 10, 11) kein risiert sich demnach als spätere Erfindung);
Iuppiterfest gewesen sind, ist bereits Sp. 659 Tarquinius Priscus soll ihn in einem Kriege
ausgesprochen worden; vgl. Th. Zielinshi, mit den Sabinern gelobt und bereits den ge-
quaest. com. p. 119 adn. 1. eigneten Platz für die Anlage geschaffen haben
(Cic. de republ. 2, 20, 36. Liv. 1, 38, 7; 55, 1.
Der eapitolinisehe Kult. eo Plin. n. h. 12, 157. Tac. hist. 3, 72. Auson.
Von Südwesten nach Nordosten sich hin- ord. nob. urb. 121 Schenk!. Dion. 3, 69; 4, 69.
ziehend, wird der Capitolinus mons durch eine Plut. Popl. 14). Unter dem jüngeren Tar-
beträchtliche Einsenkung (inter duos montes) quinius wurde der Bau begonnen und voll-
in zwei Gipfel geschieden, einen südwestlichen, endet (Cic. de republ. 2, 24, 44; in Verrem 6, 19,
auf dem jetzt die Gebäude der deutschen Bot- 48. Liv. 1, 55. 56. Plin. n. h. 3, 70. Tac. 1. c).
schaft liegen, und einen nordöstlichen, mit der Die feierliche Dedikation fiel in das Jahr 245
Kirche und dem Kloster von S. Maria in Ära- u. c. und wurde vom Konsul M. Horatius voll-
celi. Die Frage, auf welchem von diesen zogen (Polyb. 3, 22 xarä Asvkwv 'lovviov
Röscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 23
707 Iuppiter (Capitolinus : Kultlokal) luppiter (Capitolinus: Kultlokal) 708
Bqovzov Kai MäqKov 'Oquxiov xoig TtQcotovg Gotteshause behauptet (ältester Gewährsmann
Kazaoza&ivzug vTtdzovg pizä zrjv zäv ßaai- ist Cato b. Fest. p. 162 fana in eo loco com-
Iecov Kazälvoiv, vcp' äv avvißrj Kadi£Qm&?ivat pluria fuere; ea exauguravit, praeterquam quod
Kai zo zov Ji.bg isqov zov Kaizszcoliov. Liv. Termino fanum fuit; id nequitum exaugurari.
2, 8, 5—8; 7, 3, 8. Val. Max. 5, 10, 1. Phit. Liv. 1, 55,2—5. Ovid. fast. 2, 665 sq. Serv. ad
Popl. 14. — Tac. bist. 3, 72 und Dion. 5, 33 Aen. 9, 446 = Lactant. inst. 1, 20, 38). Später
nennen irrtümlich das zweite Konsulat des wird diese Erzählung auch auf die luventas
Horatius a. 247). Eine Aufschrift verkündete übertragen (Liv. 5, 54, 7. ep. 1. Plin. n. h.
den kommenden C4eschleehtern den Namen 35, 108. Dion. 3, 69. Flor. 1, 1, 7. 9; Aug.
des ersten Dedikanten (Dion. 5, 35 zr)v ä' äv- 10 c. d. 4, 23 fügt sogar den Mars hinzu; vgl.
i'cQwaiv avzov Kai zi)v imyQctcpTjv i'Xaße Mccq- Cassius Dio 41, 14). Die Sage enthält den
mos 'Oqätiog). Wir haben keinen Grund, mit Versuch, das Vorhandensein der Kultstätten
Jordan, Top. 1, 2 S. 10 A. 4 an der Richtig- jener beiden Götter im capitolinischen Tempel
keit dieser Angabe zu zweifeln, da sie die (s. oben) zu erklären. Beim Ausschachten des
beste Erklärung dafür giebt, dafs die Legende Grundes fand man in der Tiefe ein caput hu-
es nicht wagte, die Ehre der Einweihung einem manum integra facie, das nach der Versiche-
ihrer gefeierten Helden, dem Brutus oder rung der aus Etrurien herbeigerufenen Seher
Poplicola, zuzusprechen, und da auch der ein Wahrzeichen war für die künftige Weltherr-
Name des Q. Lutatius Catulus auf dem Giebel schaff des römischen Staates (Liv. 1, 51, 5. 6;
des restaurierten Tempels prangte (Plut. Popl. 20 5, 54, 7. Varro l. I. 5, 41. Plin. n. h. 28, 15.
15. Cassius Dio 37, 44; vgl. Cic. in Verrem Serv. ad Aen. 8, 345. Arnob. 6, 7. Isidor. 15, 2
4, 31, 69. mon. Anc. 4, 9. Cassius Dio 41, 13). Mommsen. Dion. 4, 59 — 61. Cassius Dio frg.
Die Dedikation des capitolinischen Tempels 11,8; 25, 9 Bekker). Es ist selbstverständlich,
ist das erste chronologisch bestimmbare Fak- dal's die Fabel, welche das Capitol als das
tum der römischen Geschichte, der feste Punkt caput rerum deutete, erst zu einer Zeit ent-
für die Datierung früherer und späterer Er- standen ist, als Rom den Gedanken an eine
eignisse (Plin. n. h. 33, 19 vovit aedem Con- dominierende Stellung ernsthaft ins Auge
cordiae — inciditque in tabella aerea factum fassen konnte, also nicht vor der zweiten
eam aedem CGI 11 [Mommsen, JRöm. Chrono!.- Hälfte des dritten vorchristlichen Jahrhunderts.
5. 198, CCIII vulg.] annis post Capitolinam 30 Fr. Marx, Lektionslcatal. v. Rostock 1888/89
dedicatam). Von hier begann die Aufzeichnung S. 7 ff. sieht in dem Caput das Symbol einer Quelle,
der Konsulnamen, eine Thatsache, die Ver- Das Terrain, auf dem der neue Tempel
anlassung gab, das Jahr 245 u. c. als das An- seine Stätte gefunden hatte, war ursprünglich
fangsjahr der Republik zu bezeichnen. Der zur Anlage eines so grofsartigen Unternehmens
Stiftungstag waren die Iden des September; wenig geeignet; über dem tarpejischen Fels er-
sie werden uns zwar nur von Plutarch Popl. hob sich, kegelförmig zulaufend, noch eine
14 genannt, doch finden wir eine Bestätigung Kuppe; mit gewaltiger Anstrengung und be-
der Nachricht in dem Umstände, dafs an dem- deutenden Kosten wurde durch Untermauerung
selben Tage in der ältesten Zeit die Konsuln des Kegels und Zuschüttung der Lücken das
ihr Amt antraten (Mommsen a. a. O. S. 86 ff.), 40 ungleichmäfsige Niveau der Südhöhe zu einer
und in dem Brauche, nach welchem alle 100 ebenen Höhe (area) umgeschaffen (Dion. 3, 69
Jahre am 13. September von den höchsten zbv \Civ ovv iocpov scp' oii zo isqov £ji£XXiv
Beamten des Staates ein Nagel in die rechte £$(>vs<i&at, 7iolh)g äio/isvov Ttgayuazeiag (ovzs
Seite der cella lovis eingeschlagen werden yog sviiQoeodog r]v ovzs ofialog all' änözofiog
mufste (Liv. 7, 3, 5 lex vetusta est priscis litteris Kai ilg KOQvyrjv ovvayöfiivog L&iav) ävalr'ifi-
verbisquc scripta, ut qui praetor maximus sit paatv vip>[i.otg ■nolla%6&iv nsQilaßmv Kai tzo-
idibus Septembribits darum pangat; fixa fuit Xvv %ovv zig zb ii£za£v zäv zs ävalrifip.äzcov
dextro lateri aedis lovis optimi maximi, ex qua Kai r?js KOQvyrjg EjxcjpopTjffag bpalbv ysvio&ai
parte Minervae templam est; vgl. CLL. 1 p. 351. nuQhOKivaoe Kai ngog v7iodox>)v isgäv siti-
Mommsena. a. O.S. 176). Wahrscheinliehnahmen 50 z^änorazov sc.Tarquiitius Priscus). Wirkennen
auch die nach demSturzeder Republik vom4. bis noch zwei Fälle von Untermauerungen des
19. September währenden ludi Romani von dem Capitols aus den Jahren 366 u. c. (Liv. 6,4, 12)
Stiftungstage ihren Ausgang (l^est. p. 122 und 565 (Liv. 38, 28, 3); solche Vervollstän-
Magnos ludos Romanos ludos appellabant, quos digungen und Reparaturen waren nötig, um
in honorem lovis, quam principem deorum Abbröckelungeu der Felsmasse (Liv. 35, 21, 6
putabant, faciebanf). Noch in der Kaiserzeit saxum ingens . . . in vicum lugarium ex capi-
zeigte das epulurn lovis (fast. Sab. C. I. L. 1 iolio procidit et miütos oppressit) zu verhüten,
p. 302 = 9, 4769. Ant. C. I. L. 1 p. 328 Eine Umfassungsmauer der area bezeugen die
= 10, 6638. Anal. C. I. L. 6, 2295) die Be- Militärdiplome C. 1. L. 3 p. 917 sq. nr. 9, 16— 58.
deutung des Tages; vgl. Preller, Bö'in. Mythol. 1 60 Eph. epigr. 2 p. 454_sq. nr. 59 — 62, 4 p. 185
S. 220. Die spätere Zeit hat die Gründung nr. 66. Es sind nun Überreste einer aus Tuff-
des Tempels mit mannigfachen Sagen um- quadern bestehenden, in den Felsen einge-
woben: Um Raum für die neue Kultstätte zu betteten Mauer, in Material und Schichtungs-
gewirmen, hätten eine Anzahl fana und sacella, weise mit dem Material des Tempels überein-
die T. Tatius auf der Höhe erbaut, esauguriert stimmend (s. unten), in neuerer Zeit aufgedeckt
werden müssen; willig seien die anderen worden an der salita di monte Caprino am
Götter gewichen, nur Terminus habe Wider- arco di Vignola, am Nordabhange des Berges
stand geleistet und seinen Platz in dem neuen vor dem Palazzo Caffarelli (Lanciani, ann. d.
709 Iuppiter (Capitolinus: Kultlokal) Iuppiter (Capitolinus : Enltlokal) 71U
inst. 1871 S. 49, 1875 S. 184) und sul morde S. 160 A. 1). Unter der area befanden sich die
Caprino a destra di cid esce dal portico di Vig- sogenannten favissae (id esse cellas quasdam
nola 13, SO metri prima di giungere cd limite et cisternas — sagt Varro bei Gell. 2, 10, 2,
fra le rimesse del pcdazzo Caffarelli et l'ala del nach ihm Fest. p. 88. Placidus Glussae p. 43.
palagzo dei Conservatori (Dressel, bullet, d. inst. Heuerling. Non. Marc. s. v. flavissae p. 112 =
1882 S. 226). Hieraus zog Jordan (Top. 1,2 1 p. 158 L. Müller; über den etruskischen Ur-
S. 76), der den letzten Mauerzug noch nicht sprung des Wortes vgl. Jordan, Krit. Beitr.
kannte, den Sehluis, dafs die area ostwärts S. 88); sie waren dazu bestimmt die Schätze
bis zum arco di Vignola, nördlich über den und Geräte des Tempels aufzunehmen und im
Abhang bei Tor de' Specchi hinaus sich er- 10 Falle einer Belagerung die Eingeschlossenen
streckte und dafs sie nach den beiden anderen mit Trinkwasser zu versorgen; nach Richter
Richtungen in dem terrassenförmigen Abstieg (a. a. 0. S. 819) waren sie stollenartig in den
des Berges im Süden und dem jähen Absturz Berg getrieben und hatten ihren Zugang nur
im Westen ihre natürliche Begrenzung hätte. von den Kellern des Tempels aus. Verschieden
Dafs die von Jordan in den Bereich des Tem- von ihnen sind die euniculi (Cic. pro Caec.
pels gezogenen Quadermauern im Norden des 30, 88. Phil. 3, 8, 20. Serv. ad Aen. 8, 652.
Hügels zur Substruktion der area gehörten, 658), vertikal den Berg durchziehende Schachte,
ist überzeugend nachgewiesen von Richter wahrscheinlich Steinbrüche (Jordan a. a. 0.
(flenn. 18[1883]S.112ff.), der, in den inzwischen S. 83 A. 79. Richter a. a. 0. S. 820). — Gilbert
aufgefundenen Resten am Konservatorenpalaste 20 (a. a. 0. 2 S. 435; 3 S. 398 ff.) scheidet zwischen
den östlichen Teil der Umfassungsmauer er- einer area Capitolina im erjgeren und weite-
kennend, mit Beziehung auf Tac. hist. 3, 71 (e. ren Sinne, zwischen einer unmittelbaren
unten) eine erhebliche Begrenzung des Be- Umgebung des Gotteshauses mit all den
zirkes zu beiden Seiten des Tempels für nötig Geschenken, die der fromme Sinn der Bürger-
erachtete (a. a. 0. u. S. 618) und eine weitere schaft im Laufe der Jahrhunderte hier auf-
Ausdehnung nur nach dem Süden hin annahm. gehäuft hatte, und einem südlich daran an-
Da jedoch jener Mauerzug mit der Front des greuzenden Räume, auf dem die militärischen
Tempels parallel läuft (Kotig, d. seav. 1882 und politischen Akte der Aushebungen, Kon-
S. 433 la sua direzione e parallela a quclla zilien und Komitien sich abwickelten (s. unten),
dclla fronte del tempio), so werden wir in ihm 30 und der, wie aus den Berichten über die Er-
eher mit Gilbert (a. a. 0. 2 S. 447 ff.) eine Be- mordung des C. Gracchus (App. b. c. 1, 15.16.
festigung des Thoreinganges erblicken (vgl. das Cornific. ad Herenn. 4, 55. Oros. 5, 9) hervor-
Militärdiplom C.I.L. 3 p. 846 nr. 3)undbezüg- gehe, mit dem eigentlichen Tempelhofe durch
lieh der östlichen Substruktion an der Ansicht Stufen und einen Eingangsbogen verbunden
Jordans festhalten. Dafs die vielen Heiligtümer, gewesen sei. Über den Gesamtumfang des
die als in Capitolio befindlich bezeichnet werden Heiligtumes selber und seine spezielleren Mafs-
(aedes Iovis Feretrii, Fidei, Mentis, Veneris Verhältnisse liegt uns eine genaue Beschrei-
Erucinae, Üpis Opiferae, Liberi, Iovis Tonantis, bung aus dem Altertume vor, die um so gröfse
Martis Ultoris, Felicitatis, Veneris Victricis, ren Wert für uns besitzt, da bei allen Un-
Veneris Capitolinae (?), Fortunae (?)) aufserhalb 40 fällen, die den Tempel betroffen haben, der
der area Capitolina gelegen haben, ist bereits Unterbau stets unversehrt geblieben ist. Dionys.
von Jordan (a. a. 0. S. 41 ff.) behauptet wor- 4, 61 berichtet nämlich; titotrfön öe inl xpn-
den, aber ohne nähere Begründung; erst seit- niäog v^rjXrjg ßtßrinmg, 6Kza7iXt&QOg zr\v mqi-
clem von Richter (a. a. 0. S. llöff.) für die oSov dicty.oeicov noSäv iyyicza zrjv itlivoäv
aedes Fidei eiue solche Lage nachgewiesen £%cov s-ndazrjv oliyov di zl zb ättxXXüxzov tvQoi
wurde, ist der vollgültige Beweis geliefert, zig äv zrjg vn£Q0%rjg zov \ir\v.ovg noega to nXctzog
„dafs man kein Recht hat, Tempel etc., die in ovä' olcav ■jiBvzsv.aiSsY.a noämv. Ini ydg xoig
Capitolio lagen, allein dieser Bezeichnung avxolg 9sfisXioig b fitzä zijv i'finQrjaiv oiy.odo-
wegen auf die area Capitolina zu legen"; vgl. fujS'fts v.uxä zovg mxztQag rjfiäv Lägv&Tj. So
Richter in Iio. Müllers Handb. f. Jilass. Altert. 3 50 lange nur einzelne Trümmer bekanut waren,
5. 840 = Baumeister, Denkm. 3 S. 1480. Inner- die man aufserdem noch irrtümlich zum Ober-
halb des Bezirkes lagen nur folgende Baulich- bau in Beziehung setzte (Bimsen, Beschreibung
keiten: die curia Calabra (Varro l. I. 6, 27. der Stadt Rom 3, 1 S. 21ff. 651 ff. Äbeken,
Macrob. 1,15,10. fast. Praen. z. 1. Jan. C. I. LA Mittelitalien S. 223), war an eine Oberein-
p. 312. Verg. Aen. 8,654.655; dazu Serv.) mit Stimmung der gefundenen Reste mit der Be-
der benachbarten casa Romuli (Vitruv. 2, 1, 5. Schreibung bei Dionys nicht zu denken. Als
Sen. Gontrov. 2, 1, 4. Co}ion. narr. 48), die jedoch die Ausgrabungen des Jahres 1865 im
Wohnung des aedituus (Suet. Dow. 1. Tac. Garten des Palazzo Caffarelli eine etwa 15 m
hist. 3, 74. Gell. 6, 1, 6; die Inschrift C. I. L. lange Mauerflucht zu Tage förderten (von Rosa,
6, 479, in der ein aedituus Capitoli erwähnt 60 ann. d. inst. 1865 S. 382ff. einem nach Westen
wird, gehört nach Ostia: vgl. C. I. L. 14, 32), orientierten Tempel zugewiesen) und als zehn
das Temenoa, in welchem die Gänse der Iuno Jahre später, den Garten im Osten begrenzend
gehalten wurden (Dion. 13, 7 Kiefsling. Petron. und im schiefen Winkel auf die via di monte
136. Cic. pro Rosc.Amer. 20,56; s. jedoch Sp. 593), Caprino aufsetzend, eine Parallelmauer von
die aedes thensarum (C. I. L. 3 p. 845 nr. 2), das noch gröfserer Ausdehnung aufgedeckt wurde
atriurn publicum (Liv. 24, 10, 9) und das vielleicht (Lanciani, bullet, munic. 1875 S. 165ff.), da war
mit diesem identische &yoQKv6j.i.u>v zafiLitov die Möglichkeit gegeben, unter Heranziehung
(Pohjb. 3, 26) ; doch vgl. Gilbert a. a. 0. 3 der Mafsangaben des Dionys und Berücksich-
23*
711 Iuppiter (Capitolinus: Eultlokal) Iuppiter (Capitolinus: Kultlokal) 712
tigung der übrigen Trümmer eine Rekonstruk- ferner dem ursprünglichen Baue angeboren,
tion des antiken Baues vorzunehmen. Gestützt dessen Dedikation die Chronik ins Jahr 24,5
auf den technischen Beirat des Architekten u. c. setzt, dazu führen folgende Erwägungen.
Schupmann und die genannte grundlegende Einmal versichern die Nachrichten ans dem
Abhandlung von Lanciani , der zuerst die er- Altertume übereinstimmend, nur der Oberbau
haltenen Quadermauern mit richtigem Urteil sei durch die verschiedenen Brände eingeäschert
als zum Unterbau gehörig erkannt hatte, und der Tempel immer wieder auf denselben
machte Jordan diesen Versuch (ann. d. inst. Grundmauern errichtet worden {Dion. 4, 61
1876 S. 145 ff., dazu die Pläne mon. ined. lOTaf. inl yäg tols uvzoig 9i[Lilioi.g. Tac. hist. 3, 72;
30 a. Top. 1, 2 S. 64 ff.); er ist in der Haupt- io 4, 53 iisdem rcstigiis; vgl. Gell. 2, 10, 2); die
sache als gelungen anzusehen und bedarf nur Schichtung der Quadersteine ohne Mörtel, die
insofern der Berichtigung, als die nördlich ausschliefsliche Verwendung des lokalen Tuff
vor der Front des Palastes gefundenen Beste sprechen für die republikanische Zeit (Jordan
nicht dem Tempel, sondern, wie wir oben sahen, a.a.O. S. 79fi.). Nach Richter (Ivi. Müllers
der Umfassungsmauer der area zugeschrieben Handb. d.Jclass. Altert. 3 S. 8l5 = Baumeister,
werden müssen (Lanciani, ann. d. inst. 1871 DewJsm. 3 S. 1476) „sind die beiden sichersten
S. 49. Richter, Hermes IS [1883] S. I09ff.). Denn Mafse, das der Aufsenmauern von 5,60 m und
Jordan erhielt nicht nur ein Schema, das von das der inneren Parallelrnauern von 4,20 m,
der durch IJionys bezeugten beinah quadrati- höchst wahrscheinlich auf einen Fufs von
sehen Form erheblich abwich (51 : 74 anstatt 20 0,278 m zurückzuführen und entsprechen 20
185 : 200 = 51 : 55), sondern er rnufste auch die und 15 Fufs". Da der italische Fufs (0,278 m)
Rückseite des Gebäudes weiter nördlich fast von dem griechischen (0,296m) erst im 3. Jahrh.
unmittelbar an den steilen Abhang bei Tor v. Chr. verdrängt wurde (Dörpfeld, Mitteüg.
de' Specchi verlegen, während uns doch be- d. deutsehen archäol. Inst. Athen 1882 S. 27S.
stimmt versichert wird, dafs der Tempel voll- Hermes 22 [1887] S. 84) und da der Tempel
ständig umfahren werden konnte (Plin. n. h. bis zum Jahre 671 u. c. sich intakt erhalten
8, 161 j 27,45; nach ihm Solin. 45, 15; vgl. das hat, so kann die Annahme, dafs die vorhan-
Militärdiplom vom Jahre 64 0. 1. L. 3 p. 846), denen Trümmer auf das Werk des ersten Er-
eine Schwierigkeit, für welche die Annahme, bauers zurückgehen, als gesichert gelten. Auf
der ursprünglich gröfsere Umfang des Berges 30 der Nordhälfte des heiligen Bezirkes erhob
sei hier durch einen Felsabbturz verringert sich der Tempel, im Osten, Süden und Westen
worden (Jordan, Top. 1, 2 S. 75), nur eine ge- ziemlich gleichweit von der Umfassungsmauer
zwungene Lösung giebt (Richter a. a. 0. S. 110). entfernt, im Norden in geringerem Abstand
Die Breite der Vorderflucht, die infolge der (ca. 15 m), doch weit genug, um noch den
Erhaltung der beiden südlichen Ecken allein quadrigae bequeme Durchfahrt zu gestatten
vollständig gemessen werden kann, beträgt (s. oben). Die Orientierung ist eine südliche,
52,50 m = 117,40 römische Fufs (der Fufs mit einer Abweichung von 24 Grad nach Osten.
= 0,296 m; vgl. Richteria Ire. Miilhrs Handb. Der Grundrifs der Aufsenmauern ergiebt ein
d. Mass. Altert. 3 S. 814 = Baumeister, Derikm 3 dem Quadrate sich näherndes Rechteck, dessen
S. 1476 und über die Streitfrage der Mafs- io Langseiten nach Osten und Westen liegen.
Verhältnisse Richter, Hermes 18 [1883] S. 107tf. Bis zu einer Tiefe von etwa 7 m in eine Creta-
616ff. Alommsen , Herrn. 21 [1886] S. 411 ff. Schicht und den Tuff des Berges eingebettet,
Richter, Herrn. 22 [1887] S. 17 ff. Holzapfel, ragte das Fundament mit dem Stylobaten noch
Herrn. 23 [1888] S. 417 ff. Hülsen, Müteüg. d. 5 m über den Boden hervor. Diese Höhe wird
arch. Inst. 4 [1889] S. 249). Es fehlen also zu nach dem Urteil der Sachverständigen bezeugt
der von IJionys angegebenen Breite (200—15 durch ein Stück Betonwerk, das sich auf der
= 185) etwa 8 Fufs, die wir auf die jetzt ge- Oberfläche der Ostmauer fand und dem über
schwundene Verkleidung des Stylobaten rech- dem Unterbau liegenden Fufsboden des Pronaos
nen müssen. Die Front des Postamentes be- angehört haben mufs. In der Südhälfte des
steht nicht aus einer zusammenhängenden, r,o Stylobaten liefen zwischen den Aufsenwänden
kompakten Masse, es laufen vielmehr in der 4 parallele Mauerzüge, um mit jenen vereint
Südhälfte 4 Mauerzüge in der Stärke von die Säulenreihen des Pronaos zu tragen. Die
ca. 4 m mit den beiden seitlichen Aufsen- älteste vor dem Brande des Jahres 671 u. c.
mauern parallel. Wenn wir die Angaben des erfolgte Darstellung des Tempels auf einem
Diunys, von denen ohne zwingende Gründe Denare der gens Volteia (s. Sp. 7141 zeigt ihn
nicht abgewichen werden darf, zum Ausgangs- nur als Tetrastylos mit Säulen dorischer (tus-
punkte nehmen für die Berechnung der Längs- kanischer) Ordnung, es ist aber nach der Be-
seiten, die aus den ausgegrabenen Trümmern schaflenheit des Fundamentes wie nach spä-
nur ihrer Richtung nach bestimmt werden teren Abbildungen (s. unten) wahrscheinlich,
können, so ergiebt sich im Verhältnis zu der 60 dafs bereits der ursprüngliche Bau ein drei-
jetzt fixierbaren Breite von 52,50 m eine Tiefe reihiger Hexastylos war und dafs auf jener
von 66,80 m, und demnach würde die hintere Münze nur die vier mittleren Säulen zur Dar-
Mauer des alten Baues mit der Stirnseite des Stellung gekommen sind, sowie ferner dafs
Palazzo Caffarelli zusammenfallen (vgl. Richter auch an den beiden Seiten je eine Säulenreihe
a. a. 0,). Dafs die zum Vorschein gekommenen sich hinzog. Erwähnt wird der Pronaos uach
Quaderreste einen Teil des Fundamentes ge- einer sicheren Vermutung Henzens in den
bildet haben, ist bereits von Lanciani a. a. 0. Arvalakten zum 3. Januar 87 in Capitolio in
richtig erkannt und bewiesen worden; dafs sie p rofnao Iovis optimi maxijm i (p. CXVI Menzen) ;
713 Iuppiter (Capitolinus : Kultlokal)
bei Dionys. 3, 69 iv rä 7zgovdm rijs A&rjväg
ist der Teil des ganzen Pronaos gemeint, der
vor der Zelle der Minerva liegt. Andeutungen
finden sich in den "Worten ante cellam Iovis
(Sen. ep. 95, 72), Minervae (Fest. p. 177. Iul.
Obs. 68), Iunnnis [Act. fratr. Anal, zum 3. Jan.
231 p. CCXVI Henzen; vgl. Vitr. 4, 7, 2), wäh-
rend die Gleichsetzung von veslibulum (de-
in Yerrem 2, 66, 160. Liv. 8, 6, 2. PUn. Paneg.
52) und pronaos zweifelhaft erscheint (vgl.
Liv. 24, 3, 7; dazu PUn. n. lt. 2, 240). Von
dem eigentlichen Tempelhause sagt Richter
(Iw: Müller, Eandb. d. Mass. Altert. 3 S. S15
= Baumeister, Denkm. 3 S. 1477 mit Grundrifs):
„Es war annähernd quadratisch 30,5 x 28,75 m
giofs und durch parallele Wände in 3 Zellen
eingeteilt, von denen die mittlere 25 x 9 m,
die beiden an der Seite 25 x 7,5 m im Lichten
mafsen. Die Hinterwand des Tempelhauses er-
streckte sich über die äufsere Cellawand hin-
aus bis an den Rand der Stylobaten und schlofs
den Tempel nach hinten zu vollständig ab."
Die Angabe des Dionys über den Tempel des
Catulus (tv de avtea Tgeeg orjv.ol irtxoalXrjloi
xoLvc'ig i'xovrig nXsvgctg utaog /liv 6 roi jdioe
nag' jxa'rfooi' Ss xo fiigog o rf rrjg Hgag v.al
b trjg 'yl&i]räg vep evog elerov neel yiag Gxiyrjg
KalvittöfLivoi, vgl. Gic. pro Scaur. 47. Sirv. ad
Aen. 2, 296) gilt natürlich auch für den altera.
Die mittlere Zelle also gehörte dem Iuppiter,
die rechte nach Westen gelegene der Minerva
(Liv. 7, 3, 5. Hör. c. 1, 12, 19; vgl. die Stellung
der Göttin auf den Münzen), die linke, an der
Ostseite liegende, der Iuno. Vom Pronaos aus
führte, wie man aus den besseren Abbildungen
ersieht, zwischen den mittleren Interkolumnien
je eine Thür in das Innere der Zellen. Es läfst
sich mit Sicherheit nicht entscheiden, ob die
letzteren durch die xoivul nXsvgal räumlich
vollständig getrennt waren oder ob die Scheide-
wände nur einen Teil des Tempels durchliefen;
für diese Ansicht (Abelen, Mittelitalien S. 224
A. 2. Gilbert a. a. 0. 2 S. 421 A. 2) scheinen
2 Zimesstellen zu sprechen f6, 4, 3 in Iovis
cella ante pedes Iunonis; 6, 29, 9 Signum inter
cellam Iovis ac Minervae; vgl. PUn. n. h. 10, 35
bulo Capitoli cellam ipsam intravit), für jene
(Jordan a. a. 0. S. 92 ff.) die Erwägung, dafs
bei einer im Innern bestehenden Verbindung
kaum 3 Eingangsthüren (vgl. Gell. 6, 1, 6*1 an-
gebracht worden wären. Jede Gottheit hatte
in ihrer Zelle einen Altar (Varro b. Serv. ad
Aen. 3, 134); ein Kultbild daselbst, wenngleich
für alle drei wahrscheinlich, ist nur für Iuppiter
bezeugt; es war von Thon und stellte den
Gott stehend dar mit dem Blitze in der Rech-
ten; als Schöpfer des Werkes galt der ve-
jentische Künstler Vulca (Ovid. fast. 1, 201.
PUn. n. h. 35, 157), derselbe der auch die
quaelrigac fictihs in fastie/io templi gefertigt
haben sollte (PZiw.a.a.O.u.28,16. Plut.Popl.13.
Fest. p. 274\ an deren Stelle man a. 458 u. c.
Iovem in eulmine cum queidrigis, vermutlich
eine Bronzearbeit, setzte (Liv. 10, 23, 12).
Einen fictilis Summanus in fastiyio Iovis o. m.
vor dem Jahre 479 u. c. bezeugt Cicero de
div. 1, 10, 16 ; vgl. Liv. ep. 14, wo irrig Iovis
Signum für Summani Signum steht; Plautus
Iuppiter (Capitolinus: Kultlokal) 714
(trin. 84) kennt einen Iuppiter mit Kranz
m Capitolio in columine. Sicherlich waren
Giebel und Dach reich mit Thonfiguren ge-
schmückt, doch nur jene dürftigen Nach-
richten sind auf uns gekommen, und auch das
älteste Münzbild giebt keine weitere Aufklä-
rung (vgl. Wieseler, Götting. gel. Am. 1872, 1
S. 723 fi. Jordan a. a. 0. S.*98ff.). Vor der
Treppe, die zum Pronaos führte, stand der
10 Altar, an dem die weiter unten zu erwähnen-
den Opferhandlungen stattfanden (Suet. Aug.
94. Zonar. 8, 1 p. 170 Bindorf. Fest. p. 285,
vgl. PUn. n. h, 17, 244).
Die Imstanderhaltung des Tempels war wie
die der übrigen Staatsgebäude Sache der Cen-
soren, welche die Ausführung der nötigen
Reparaturen an Unternehmer verdangen (PUn.
n. h. 35, 14). Dafs die gewöhnlichen Aus-
besserungsarbeiten unerwähnt bleiben, ist natür-
20 lieh; eine Restauration in giöfserem Umfange
wurde im Jahre 575 u. c. vorgenommen, die
Wände und Säulen erhielten jetzt zum ersten-
mal einen Stucküberzug (Liv. 40 , 51 , 3 M.
Aemiliits Lepidus . . aedem Iovis in Capitolio
columnasque circa poliendas locavit); die Cen-
soren des nächsten Lustrums liefsen den zum
Heiligtume führenden clivus Capitolinus
pflastern (Liv. 41, 27, 7), und Scipio Nasica
errichtete in seiner Censur (a. 595 u. c.) auf
30 der area zu beiden Seiten des Tempels präch-
tige Säulenhallen (Vell. Paterc. 2, 3, 1; 2, 1, 1.
vgl. Tac. hist. 3, 71). Nachdem so das
Aufsere und die Umgebung des Baues eine
der Erweiterung der römischen Herrschaft
würdige Umgestaltung erfahren hatte, be-
schlofs man auch das Innere in entsprechen-
der Weise zu verschönern; nach Beginn des
dritten punischen Krieges trat ein Mosaikfuß-
boden (scutulatum) an die Stelle des früheren
■10 Ziegelstrichs (PUn. n. h. 36, 185) und während
der Censur des L. Mummius (a. 612 u. c.) wurde
das Deckengebälk (laquearia) vergoldet (PUn.
n. h. 33, 57). Auf
einem Denare des
M.Volteius (Cohen,
Med. cons. t. 42
Volt. 1; Babelon,
monn. de la rep.
Born. 2 S. 565; vgl.
50 Mommsen, Born.
Münzivesen S. 619
A.259),geprägtvor
685 u. c, hat sich
ein Bild des älte-
sten Tempels erhalten; wir bemerken einen dori-
schen (tnskanischen) Tetrastylos, im Hinter-
grunde drei Thüreu, zwischen je zwei der
mittleren Säulen auf dem Giebelfelde einen
geflügelten Blitz. Nicht viel länger als ein
60 halbes Jahrhundert sollte der so glänzend aus-
gestattete Tempel bestehen bleiben. Es war
am 6. Juli (Plut. Süll. 27) des Jahres 671 u. c.
(Cic. in Cat. 3, 4, 9. Sali. Cat, 47, 2. Dion.
4, 62. Tac. hist. 3, 72. App. b. c. 1 , 83. 86.
lul. Obs. 57. Hieron. p. 133 Schöne = Cassiod.
p.622 Momms ), als eine Feuersbrunst den stolzen
Bau der Tarquinier samt dem alten Kultbilde
(Plut. de Is. et Osir. 71. Ovid. fast. 1, 201) bis
Iuppiterkopf u. capitolinischer
Tempel auf einem Denare des
M. Yolteius vor dem Jahre 6S5
u. c. (nach Cohen, Med. cons.
t. 12 Volt. 1.)
715 Iuppiter (Capitolinus : Kultlokal)
auf die Fundamente so vollständig in Asche
legte, dai's selbst die in den Kellern iv li&ivy
XagvcrKi (Dion. a. a. 0.) aufbewahrten sibylli-
nischen Bücher mitverbrannten (Cassius Dio
frg. 106, 3 Beklier). Der Tempelschatz wurde
gerettet und von dem jungen Marius nach
Praeneste gebracht (Plin. n. h. 33, 16), unbe-
schädigt blieben auch die am Eingange zum
Tempel befindlichen Statuen der römischen
Könige und des Brutus {App. b. c. 1, 16).
Die Wiederherstellung des Tempels nahm der
siegreich aus dem Bürgerkrieg hervorgegangene
Sulla mit Eifer in Angriff ( Vol. Max. 9, 3, 8),
er liefs sogar vom Olympieion in Athen Säulen
nach Rom schaffen (Plin. n. h. 36, 45), doch
nicht ihm, sondern dem Q. Lutatius Catulus
hatte das Glück beschieden den Bau zu voll-
enden und die feierliche Dedikation zu voll-
ziehen (Tac. a. a. 0. Plin. n. h. 7, 138. Plut.
Popl. 15). Durch offiziellen Senats- und Volks-
beschlufs (vgl. Mommsen C. I. L. 1 p. 171.
Eiim. Staats): 2* S. 651; die abweichenden
Ansichten Jordans [a. a. 0. S. 22] sind nicht
überzeugend) wurde er mit der cura reficiendi
Capitolii beauftragt (Oic. in Verrem 4, 31, 69.
Tac. a. a. 0. Varro b. Gell. 2, 10, 2), und im
Jahre 685 u. c. (Zu', ep. 98. Cassiod. p. 622
Mommsen. Flüeijon frg. Jiist. graec. 3 p. 606
Midier; Lactant. de ira clei 22, 6 nennt irrtümlich
das Jahr 678) war das Werk soweit gediehen,
dafs die Übergabe an den Gott erfolgen konnte.
Glänzende Schauspiele verherrlichten den be-
deutungsvollen Akt (Val. Max. 2, 4, 6. Plin.
n. h. 19, 23. Suet. Aug. 94), der Name des
Dedikanten strahlte über dem Eingange bis
zu den Zeiten des Vitellius (Tac. a. a. 0.; der
Senatsbeschlufs vom Jahre 708 u. c, Caesars
Namen an die Stelle desselben zu setzen [Cass.Dio
43, 14; vgl. 37, 44. Suet. Caes. 15], ist also nicht
in Kraft getreten). Da man für die Restitu-
tion höhere Säulen als vorher verwendet hatte
{Val. Max. 4, 4, 11), so ergab sich sogleich
nach Beendigung des Werkes eine Disharmonie
in dem Höhenverhältnis des Ober- und Unter-
baues; Catulus hätte sie gern durch Tiefer-
legung der area beseitigt, indes die unter der
area befindlichen favisae hinderten die Aus-
führung des Planes (Varro b. Gell. 2, 10, 2).
Die Bauthätigkeit war mit der Einweihung
noch nicht abgeschlossen, wir hören wenig-
stens, dafs Catulus die cura noch bis zum
Jahre 692 behalten hat (Sueton a. a. 0. Cassüis
Dio 37, 44, doch s. Jordan a. a. 0. S. 23 A. 21).
Der neue Tempel auf dem Fundamente des
alten errichtet (s. oben) mufste sich allerdings
den Raumverhältnissen desselben anschliefsen,
übertraf ihn aber wahrscheinlich durch den
gröfseren Wert des verwendeten Materials
(Dion. 4, 61 zfj nokizsia zijs vXrjs fiovov Siullüz-
zav zov uqxkiov; also noch Stuckaufputz, keine
Marmorbekleidung), und sicher durch den Glanz
und die Pracht der dekorativen Ausstattung.
Das Dach, von hölzernen Adlern getragen (Tac.
bist. 3, 71), war mit vergoldeten ßronzeplatten
gedeckt (Plin. n. h. 33, 57) ; in der Front durch-
lief den Pronaos eine dreifache Säulenreihe,
je eine flankierte die Seiten des Tempels (Dion.
a. a. 0.; der Rückseite geschieht keine Er-
Iuppiter (Capitolinus: Kultlokal) 716
wähnung), den Vitruv zu der Gattung der
araeostyli rechnet, bei denen infolge des wei-
ten Abstandes der Säulen das Epistyl aus
Balken von Holz besteht (3, 2, 5 in araeostylis
autem nee lapideis nee marmoreis epistyliis uti
datur, sed imponendae de materia trabes per-
petuae et ipsarum aedium specüs barycae, bary-
cephalae liumiles latae ornantque signis fictili-
bus aut aereis inauratis earum fastigia tu-
10 scanico more, uti est . . . Capitolii). An Stelle
des thönernen Kultbildes (Iuppiter fictilis) in
der cella des Iuppiter, das in den Flammen
seinen Untergang gefunden hatte (s. oben),
war ein neues griechisches Kunstwerk getreten,
von Apollodor nach dem Vorbilde des olym-
pischen Zeus in sitzender Stellung aus Gold
und Elfenbein gefertigt (Chalcidius in Plat.
Tim. 338 C, p. 361 Wrobel. Varro b. Non.
Marc. p. 162 = 1 p. 237 L. Müller. Suet.
20 Calig. 52. loseph. Arch. 19, 1, 2. Brunn,
Griech. Künstlergesch. 1 '' S. 379 ff. Overbecl;,
Griech. Plast. S. 61 ff.), wie denn überhaupt
die alten figurae fictiles den moderneren Wer-
ken der Plastik gewichen sein werden. Die
Aufstellung einer Statue der Minerva erwähnt
Plin. 11. li. 34, 57. Eine Bestätigung und Er-
weiterung der litterarischen Angaben bieten
uns Darstellungen des neuen Tempels auf
Deuaren des Petillius Capitolinus vom Jahre 711
30 u. c. (Cohen,
Med. cons.
t. 30. Pet.l,
2. Babelon,
monn. de la
repl. Rom. 2
S.291.Steven-
son , dictio-
naryof Rom.
coins S. 171 ;
40 vgl. Momms.,
Rom. Münziü. 658 A. 651; die Münze resti-
tuiert von Trajan, Cohen, Med. imp. 2 t. 46
nr. 16, vergröfsert und schärfer bei i: Koehne,
Revue num. Beige 5. se'r. 2 [1870] t. 3 = Berl.
Blätter für Münz-, Siegel- und Wappenhunde 5
[1870] S. 257 ff. t. 62). Auf der Spitze des
Giebels, an dessen Ecken 2 Adler sitzen, lenkt
der blitzschleudernde Iuppiter eine Quadriga,
auf den Giebelabfällen steht zur Rechten Iuno,
50 zur Linken Minerva (Cohen t. 30 nr. 1 zeigt
anstatt ihrer aufrecht stehende Spitzen); die
Mitte des Giebelfeldes nimmt zwischen zwei
Vögeln die auf Schilden stehende Roma ein
(Cassius Dio 45, 1. Suet. Calig. 94; vgl. Klueg-
mann, Veffigie di Roma, Rom 1879 S. lff.),
rechts von der Göttin die Wölfin mit den
Zwillingen, links ein undeutlicher Gegenstand
(nach Koehne „Schilde"); die Säulen sind
dorisch (tuskanisch) (demnach sind die durch
60 Sulla vom Ülympieion entnommenen korinthi-
schen Stiles nicht verwendet worden) und bilden
einen Hesasty los ; in den drei mittleren Zwischen-
räumen hängen runde Gegenstände, von Koehne
(a. a. 0. S. 56) und Gilbert^, a. 0. 3 S. 394 A. 7) für
die tintinnabula des Suet. Aug. 91, von Jordan
(a. a. 0. S. 88 A. 86), der jene Schellen mit
Recht dem Tempel des Iuppiter Tonans zuweist
(s. unten), für Schilde oder Disken gehalten.
Iuppiterkopf u. cjipitolinischer Tempel
auf einem Deuare des Petillius Capito-
linus v. J. 711 u. c. (nach Stevenson,
dictionary of Roman coins S. 171).
717 luppiter (Capitolinus : Eultlokal) Tnppiter (Capitolinus: Kultlokal) 718
Beschädigungen, die der Tempel durch Blitz- Born. Münzw. 189. 195), die Dedikation durch
schlage und andere Unfälle erlitten hatte (Cic. Domitian (Suet. Flut. a. a. 0. Eutrop. 7, 23.
in Cat. 3, 8, 19. de dir. 1, 12, 20; 2, 20, 45. Mst. miscell. 9, 12; Hieronymus nennt willkür-
Cassius Bio 37, 34; 41, 14; 42,26.27. 32; 45, 2; lieh das Jahr 91) schon'hu Jahre 82 statt-
47, 40), veranlafsten den Octavian eine Reno- finden konnte (die Stellen des Mart. 13, 74;
vation in gröfserem Umfange vorzunehmen 9, 3, 7. a. 84/85, 94 95, des Stat. Silv. 4, 1, 20;
(mon. Anc. 4, 9 Capüolium . . . impensa grandi 3, 16 a. 94 95 und des Sil. Ital. 3, 623 setzen
refeci sine ulla inscriptione nominis mei), ver- die Einweihung voraus). An Glanz und Pracht
mutlich im Jahre 726 u. C; vgl. Mommsen, überstrahlte der neue Tempel noch seine Vor-
Ees ciest. d. Aug. p. 55. Die Unfälle wiederhol- 10 ganger; es war ein korinthischer Hexastylos
ten sich a. 745 u. c. und 56 p. Chr. (Cassius Bio (s. unten die Darstellungen auf Münzen) mit
55, 1. Tac. arm. 13, 24). Im Jahre 69 p. Chr. Säulen von pentelischem Marmor (Plut. a.a.O.),
beim Sturme der Vitellianer gegen die auf einem für römische Bauten bis dabin unge-
dem Capitole verschanzten Anhänger des Ves- bräuchlichen Materiale. Hülsen, (MitteiJg. d.
pasian wurde der Tempel zum zweitenmale weh. Inst. 4 [1889] S. 250) macht darauf auf-
ein Raub der Flammen (Tac. Mst. 3, 71. Suet. rnerksain, dafs auch dieser Tempel waurschein-
Vitell. 15. Cassius Bio 65, 17. Stat. silv. 5, 3, lieh ein hölzernes Epistyl getragen hat, es
195 sq. ; Hieron p. 158 Schöne setzt ungenau hätten sich sonst bei einem Hauptgesims von
den Brand in das Jahr 72 und den Beginn der so riesigen Dimensionen (7 m freitragender
Restitution auf 75). Yespasian nahm an dem 20 Architrav) irgend welche Spuren finden müssen ;
Wiederaufbau reges Interesse. Bei der Grund- zwei kleine Bruchstücke von einem Säulenschaft
steinlegung, die schon im folgenden Jahre vor (Lamciani, oullet. munic. 1875. S. 85. Sclmpmann,
sich ging, war er persönlich zugegen (Tac. hist. ann. d. inst. 1876 S. 151) und einer Basis (Jordan,
4, 4. 9. 53. Cassius Bio 66, 10. Suet. Vesp. 8\ er Top. 1, 2 S. 72 A. 69. S. 75 A. 70a) sind die ein-
konnte noch die Vollendung des Werkes sehen zigen auf uns gekommenen Reste. In reichem
(Aurel. Vict.Caes. 9. 7. Ep. 9,8. Zonar. 11,17. Flut. Goldschmuck prangten die Thüren (Zosim. 5,
Fopl. 15); der Termin der Dedikation ist nicht 39 p. 302 Beklier) und das hochragende Dach
bekannt; vgl. Mommsen a. a. 0. p. 128; der Bau (Frocop. Vand. 1, 5, Bd. 1 p. 332 Bindorf.
erhob sich auf demselben Fundamente (s. oben) Auson. dar. urb. 12,17». Vier Säulen, aus
zu gröfserer Höhe (Tac. a. a. 0. altüudo aedibus 30 dem Metall der bei Actium erbeuteten Schiffs-
ndieeta). Münzen aus der Zeit des Ves pasian, schnäbel gefertigt, erinnerten an die Ruhmes-
Titus und Domitian (71 — 80) zeigen übereinstim- thaten des Augustus (Serv. ad Georg. 3, 29);
mend den neuen Tempel als korinthischen Hesa- im Giebelfelde erfreute das Auge der Figuren-
stylos,indessenmittlerendreilnterkolumnienauf reichtum von Schöpfungen der Plastik (vgl.
hoher Basis der thronende luppiter mit seinen die Handzeichnungen von einem 1540 gefun-
beiden Kultgenossinnen erscheint: links Iuno, denen Säulenstumpf und einem Gesimsfragment
rechts Minerva mit Helm und Lanze, beide bei Hülsen. Osservazioni sull' architettura del
stehend; der ornamentale Schmuck des Giebels tempio di Giove Capitolino , Mitteilg. d. arch.
dagegen ist wesentlich verschieden. Die eine Inst. 3 [1888] S. 150 — 155). Den Restaurations-
Grup-pe(Cohen,Med.imp.l Vesp.nr. 407 — 410t.l5 10 bau Domitians sehen wir auf drei seiner Silber-
nr.409,s.untenSp.737,ingröfseremMafsstabebei medaillons aus den Jahren 80, 82 und 84, als
Bonaldson, Arch. Num. 6, 3; Tit. nr. 270. 271) Tetrastylos auf den beiden ersten (Darstellung
mit Quadriga(?) auf dem Dachfirst und Adler der vier mittleren Säulen), auf dem letzten als
an den Ecken, mit je einer stehenden Figur Hexastylos Cohen, Med. imp. 1. Bomit. 71. 1
und unkenntlichen Bildungen (Cohen: ./les en- (abgebildet bei Finder, Abhandl. d. Berl. AI:
seignes, des guerriers". Schulze, Arch. Zeitg. 1855 t. 6, 7 und Stevenson, dictionary of Roman
30 [1872] S. 2: „die Köpfe und Hälse von zwei coins S. 170). 69; zwischen den mittleren Säulen
Paaren von Pferden, sowie die Oberkörper thronte wieder luppiter, zu beiden Seiten in
ihrer Lenker'') auf den Giebelabfällen; bei der den nächsten Interkolumnien standen rechts Mi-
zweiten Gruppe (Cohen a. a. 0. Vesp. nr. 403 50 nerva mit Helm, links Iuno mit langem Speer(Ab-
— 406. Tit. nr. 269. 272. Bomit. nr. 466) fehlen bilduugen der capitolinischen Trias s. v. Iuno
die Adler, dafür krönen die Giebelspitze zwei Sp. 610 und unten); auch der Dachfirst zeigt
Quadrigae und zwei Bigae (Vesp.) oder zwei dasselbeBild wiederTempelVespasians, luppiter
Quadrigae (Tit.) oder eine Quadriga mit zwei ein Viergespann lenkend, die Figuren an den
stehenden Figuren anf jeder Seite; im Giebel- Dachabfällen sind nichtnäher zubestimmen; aut
felde nach Cohen 'une figure dtbout entre deux einem verlorenen Relief (s. unten) sind Mars und
fignres couche'es' vgl. Jordan, Top. 1, 2 S. 89 eine weibliche Figur erkennbar; an den Ecken
A. 86. Die Verschiedenheit in der Darstellung waren Bigae an die Stelle der früheren Adler
erklärt sich vielleicht daraus, dafs ein Teil getreten. Aufser den Münzbildern besitzen
der Münzen bereits vor der Fertigstellung des 60 wir noch einige Reliefdarstellungen; gemein-
Tempels geprägt war. Nur kurze Zeit hatte sam zeigen sie einen Kaiser mit Priestergefolge
der Neubau gestanden, als ihn die Feuers- opfernd vor einem Tempel mit korinthischen
brunst des Jahres 80 abermals zerstörte (Cass. Säulen, in dessen Frontmauer in den Inter-
Bio 66, 24. Suet. Bomit. 5. Flut. Fopl. 15). kolumnien drei gleich grofse Thüren sichtbar
Die Restitution, noch unter Titus begonnen werden. Während aber auf dem einen früher
(Act. fratr. Arv. CVI. 188 sq. Henzcn), wurde in der Villa Borghese, jetzt im Louvre befind-
so rasch gefördert, dafs, wie die Münzen an- liehen (Chirac, Mus. d. sculp. 2 t. 151 nr. 300)
deuten (Cohen, Bomit. 69. 70. vgl. Mommsen, der Giebel fehlt, der Tempel sich als Hexa-
719 Inppitei" (Capitolinus: Kultlokal) Iuppiter (Capitolixms: Kultgenossinnen') 720
stylos erweist und eine Säule der Seitenflucht Relief der Villa Medici {mon. ined.ht. 40); vgl.
erscheint, zeigt das andere {Matz, Monatsber. Jordan a. a. 0. S. 90 A. 86. Von Blitzschlägen
d. Beil. Äk. 1871 S. 464, 25 nach einer Zeich- und Bränden hatte der Tempel auch ferner-
nung der Coburger Sammlung nr. 68), das im hin zu leiden {Euseb. p. 174 Schöne a. 189.
16. Jahrb. nach dem Konservatorenpalaste ge- Hieron. u. Sync. a. 190. temporibus Macrini et
bracht wurde, einen Tetrastylos und giebt Alexandri acta SS. Calepodii et al. 10. Mai
uns vor allem die auf den Denaren nur schwer p. 499; vgl. Jordan a. a. O. S. 30 A. 31. 1, 1
erkennbaren Figuren des Giebels in gröfserer S. 31), ohne indes erheblichen Schaden zu
Deutlichkeit. Der Giebel dieses Reliefs allein nehmen; er blieb in seiner Pracht ein Gegen-
ist abgebildet in der Coburger Samml. nr. 122, 10 stand der Bewunderung für die ganze Welt
in den mon. ined. 5 t. 36 nach einer Zeichnung (Auson. a. a. 0. Amin. Marc. 16, 10, 14; 22,
von Brunn (vgl. ann. d. inst. 1851 S. 259) = 16, 12); die Plünderungen desselben begannen
Baumeister, Denhm. 1 S. 765 und von Tren- mit dem siegreichen Vordringen germanischer
delenburg; vgl. Schulze, Arch. Zeitg. 30 (1872) Volksstämme; Stilicho raubte ihm die ver-
S. 2; nur die Giebeldarstellungen bot ein jetzt goldeten Thüren (Zosim. a. a. 0.), Geiserich
verloren gegangenes Relief, das uns durch zwei die vergoldeten Bronzeplatten des Daches
Zeichnungen bekannt geworden ist {Piranesi, {Procop. a. a. 0); doch überdauerte er den
della magnificenza ed architectura d^ Bomani Untergang des weströmischen Reiches, und
p. 198 = Müller -Wieseler , JDenlcm. d. alten noch Cassiodor (Vor. 7, 6) konnte von ihm
Kunst 2 nr. 13 und in der Coburger Sammlung 20 rühmen Capitolia cclsa conscendere hoc est in-
nr. 156 = Arch. Zeitg. a. a. 0. t. 57). Schulze genta humana superata vidisse. Mit dieser
a. a. 0. hat wahrscheinlich gemacht, dafs die Nachricht schliefst seine Geschichte im Alter-
im wesentlichen übereinstimmenden Reliefs turne. Über den Gang des Zerstörungswerkes
Kopieen desselben Originales sind und sich im Mittelalter sind wir nur unsicher unter-
gegenseitig ergänzen, und seine Vermutung ist richtet (Nibby, Born. ant. 1 S. 505 ff.). Um
znr Gewifsheit erhoben worden durch Atcdollent die Wende des 11. Jahrhunderts wurde die
(Mel. de Vecole fr. de Borne 9 [1889] S. 120ff.), Ruine zu einer Festung umgewandelt und
dem es gelang an der Hand der Skizze eines mehrfach erstürmt, iu der Mitte des 15. Säku-
dem 16. Jahrhundert angehörigen Künstlers lums scheint der Oberbau bereits geschwun-
aus Rheims, der das Giebelfeld nach dem so den. (Über die im Innern des Tempels betind-
Relief gezeichnet hatte, das Original für den liehen, noch nachweisbaren Kunstwerke vgl.
Stich Piranesi' s in einer das vollständige Relief Jacobi, Museogr. S. 96ff.) Der Platz, auf dem
darstellenden Zeichnung des Ursinianus Vati- er stand, führt den Namen Monte Caprino,
canus 3439 f. 83 überzeugend nachzuweisen. die Fundamente blieben auch nicht intakt.
Die Opferhandlung ist dieselbe wie sie das Der Einsturz der den Berg durchziehenden
Relief im Louvre zeigt. Eine Abbildung des Cunieuli rifs Teile der Mauern in die Tiefe,
Reliefs giebt Hülsen, Mitteilg. d. arch. Inst. sodafs noch heute im Innern des Berges zwi-
4 [1889] S. 251. In der Mitte des Giebel- sehen Schutt und Geröll zum antiken Bau
feldes thronte demnach auf hohem Sitze gehörige Steine aufgefunden werden. Als im
Iuppiter, den Oberkörper entblöfst, in der 40 16. Jahrhundert die Caffarelli ihren Palast
Linken den Blitz tragend; in seinem Schofse auf den vorhandenen Trümmern errichteten,
ruhte das Scepter, zu seinen Füfsen breitete ein war die Linienflucht des Unterbaues schon so-
Adler die Schwingen aus, neben ihm thronten weit verblafst, dafs der neue Pdlast in seiner
rechts Iuno verschleiert und links Minerva im Richtung um 8 Grad von dem Tempel diffe-
Helm mit Aegis und Lanze (im Gegensatz zu rierte und mit seiner Nordwestecke über den-
der gewöhnlichen Stellung; s. oben); an letztere selben hinausreichte {Jordan a. a. 0. S. 31 ff.
schlössen sich an Mercurius mit dem caduceus Bichter in Iic. Müllers Handb. d. Mass. Altert.
in der Hand, Sol sein Gespann am Himmel 3 S. 818 = Baumeister, Denlcm. 3 S. 1479).
herauff ühren d, Vulcan in der Schmiede und, Gemeinsam mit Iuppiter werden in dem neuen
den spitzen Winkel des Feldes ausfüllend, ein 50 Tempel Iuno und Minerva verehrt, doch
liegender Flufsgott; an Iuno reihten sich Luna gilt jener als der eigentliche Besitzer; in der
zumOceanus hinabfahrend, die nämliche Gruppe technischen Sprache führt das Heiligtum seinen
der Schmiedenden und Tellus(?). In kleinerer Namen aedes Iovis Optimi Maximi {Liv.
Bildung erscheinen zur linken Seite des Adlers 7, 3, 5. 40, 51, 3. 40, 52, 7. CLL. 3 p. 846;
vor Mercur stehend Vesta und Aesculap, zur über andere Bezeichnungen des Tempels s.
rechten eine jugendliche Figur, welche die Jordan, Top. 1,2 S. 33 ff.); ihm gehört der
verschiedensten Deutungen erfahren hat (Gany- Opferaltar vor dem Tempel {Zonar. S, 1) und
ruedes bei Zoega , Arch. Zeitg. a. a. 0. und der Schatz von ungemünztem Golde im Innern
Brunn a. a. 0.;' Iuventas bei Cavedoni, bullet. (er befand sich in der mittleren Zelle sub
d. inst. 1852 S. 158; Iulus (s. d.), der Stammvater 60 Iovis sella; Camillus sollte ihn angelegt haben;
der Cäsaren bei Schulze a. a. 0.; Genius des während der Bürgerkriege mehrfach geplün-
römischen Volkes bei Jordan, Top. 1, 2 S. 101). dert, wurde er durch Augustus wiederher-
Fraglich bleibt es, ob die Darstellungen eines gestellt und vergröfsert [Liv. 5, 50, 6. Plin.
Distylos mit der Inschrift Iovi Capitolino n. h. 33, 14. Appian. b. c. 1, S7. Cassius Bio
{Clarac a. a. 0. t. 216 nr. 323. Cohen,Vitell. 1 41, 39. Suet. Caes. 54. Octav. 30]; vgl. Momm-
nr. 16. 17; 7 nr. 16) und eines Sarkophages (Gon, sen, Böm. Münzw. S. 400 ff.); ihm werden alle
inscr. ant. 3 t. 34) auf das Capitol zu beziehen Geschenke dargebracht, nach ihm führt das
sind, abzuweisen ist solche Beziehung bei dem Opfermahl den Namen epulum Iovis (s. mit.);
721 Iuppiter (Capitolinns: Kultgenossinnen) Iuppiter (Capitolinus: polit. Bedeutung) 722
sein Name steht auf den zahlreichen Weih- kämen die Hauptphasen der politischen wie
inschriften an die drei capitolinischen Götter religiösen Entwicklung der Stadt zum Aus-
stets voran. Iuno und Minerva sind als Kult- druck, eine Annahme, die sich ohnedies auf
genossinnen (evvvuoi) von dem Hausherrn die kaum haltbare Voraussetzung gründet, die
gastlich aufgenommen (s. die gleiche Stellung Ramnes Tities Lueeres seien römische Stamm-
des Pollux in der aedes Castoris ad forum tribus__ gewesen, während sie doch durch die
und des Liber und der Libera in der aedes gute Überlieferung nur als Rittercenturien be-
Cereris ad circum rnaximuru). Hatte bisher zeugt werden (Liv. 1, 13, 8. 1, 36, 2). — Am-
der Entwickelungsgang im Wesen des höchsten brosch {Studien und Andeutungen auf dem
Gottes sich im Rahmen der religiösen An- 10 Gebiet des altrömischen Bodens und Kultus 1
schauung der Italiker gehalten, so tritt mit S. 223 ff.) und ihm folgend Marquarät (Böm.
der Einführung des capitolinischen Kultes zu Stciatseerw. 3 - S. 39 ff.) sehen in dem neuen
dem vorhandenen Vorstellungskreise ein neues, Kulte den Zweck, die politisch gespaltenen
fremdes Element hinzu, das, in seinem Ur- Parteien Roms wenigstens äufserlich durch
Sprunge auf griechische Einwirkung zurück- ein gemeinsames religiöses Band zu einigen,
gehend, eine weitere Ausbildung in spezifisch doch es liegen mancherlei Anzeichen dafür
römischem Sinne erfahren hat. Die Vereh- vor, dafs in der Zeit, die dem sogenannten
rung einer Göttertrias in gemeinsamem Ständekampf vorausging, eine so scharfe poli-
Tempel ist den italischen Religionen durchaus tische Scheidung gar nicht bestand. Die Ver-
fremd, dagegen sicher nachweisbar bei den 20 ehrung der capitolinischen Trias hat nicht
Griechen (unsere Trias bezeugt für Phokis erst eine äufserliche Einheit der politisch und
Paus. 10, 5, 1, vgl. Kuhfeldt, De Capitoliis rechtlich getrennten Einwohner geschaffen, sie
imperii Bomnni p. 82 f., dazu Lactant. 1, war vielmehr der Ausdruck der in gewissen
11, 39 über das Verhältnis der 3 Gottheiten Grenzen bereits vollzogenen bürgerlichen Eini-
Iupiter enim sine contitbernio coniugis frtiacque gung. Der neue Kult nahm von vornherein
coli non solet*)); etwa um dieselbe Zeit, als gegenüber den bisher vorhandenen Kulten eine
der capitolinische Tempel erstand, finden hervorragende Stellung ein; dafür zeugen die
sich auch andere Beweise für die Beeinflussung gewaltigen Substruktionen für die Anlage des
des iömischen Kultes durch die südlichen Tempels und die Dimensionen eines in so
Nachbarn, z.B. die Einführung der sibyllini- 30 früher Zeit entstandenen Baues, mit dem
sehen Orakel aus Cumae und die Gründung selbst nur wenige Prachttempel der Kaiser
der aedes Cereris ad circum maximum. Ob sich an Umfang messen können. Das Vor-
nun jene Dreiheit auf geradem Wege von den herrschen des weltlich -politischen Elementes
Griechen oder durch Vermittlung der Etrusker geht vielleicht auf tuskischen Einflufs zurück,
nach Rom gelangt ist, das läfst sich mit doch zur vollen Entfaltung kam es erst zu
Sicherheit nicht entscheiden. Die Stelle des Rom , wo unter der Einwirkung der Staats-
Servius ad Aen. 1, 422 prudentes Etruscae religion der Begriff des gemeindebeschirmenden
diseiplinae ahmt aptid conditores Etruscarum Iuppiter mit dem Wachstum der römischen
urbium non putatas iustas urbes, in quibus Macht sich immer mehr zu dem Gedanken
non tres portae cssent dedicatae et votivae et 40 der einen, weltbeherrschenden Gottheit erwei-
tot templa Iovis Iunonis Minervae kann freilich terte, deren Heiligtum in politischer Beziehung
für eine so entlegene Zeit nicht als beweis- ebensogut wie in religiöser der Mittelpunkt
kräftig zu Gunsten der Etrusker angesehen für die Stadt und den gesamten Staat war.
werden, doch spricht, abgesehen von der In den Attributen optimus inaximus,
ganzen Anlage des Baues und seiner dekora- die den Gott als den angesehensten und mäch-
tiven Ausstattung (Müller -Deecle, Etrusker 2 tigsten unter den seither verehrten Ioves be-
S. 231 ff), für den tuskischen Ursprung be- zeichnen, spiegelt sich die ganze Fülle seiner
sonders der Umstand, dafs die gesamte Tra- Macht und seine Stellung als Vertreter der
dition gerade auf die historisch nachweisbare römischen Staatsidee. In den Gebeten für die
Dynastie der Tarquinier die Gründung des 50 Wohlfahrt des Staates werden die drei Götter-
Heiligtums übertrug, und die Ausbreitung der des Capitols angerufen (Tac. hist. 4, 53 als
Tuskerherrschaft zur Zeit der Erbauung des praesides imperii; Tita Prob. 12 Iuppiter
Tempels (vgl. Sp. 632). Der Gedanke an die 0. 31., Iuno regina, tuque virtutum praesul
Verehrung einer Dreizahl von Göttern und die Minerva . . date hoc senat ui populoa/ue So-
Verbindung derselben zu einer geschlossenen memo etc.), sie gelten als die Schützer des römi-
Gruppe verdankt also die Entstehung nicht sehen Staates, darum fleht der Retter Roms
der Vereinigung von Kulten verschiedener im Gallierkriege Manlius Capitolinus in seiner
Einzelgemeinden, sondern ist zu den Römern Bedrängnis ihre Hülfe an (Liv. 6, 20, 9), durum
von auswärts gekommen; schon dieser Grund dankt ihnen der ältere Scipio Africanus, weil
spricht gegen die Annahme Gilberts (Gesch. CO sie ihm Verstand und Fähigkeiten für die
und Top. Borns 2 S. 449), Iuppiter, Iuno, glückliche Leitung der Staatsgeschäfte ver-
Minerva seien die Hauptgottheiten der ur- liehen hätten (Liv. 38, 51, 9; vgl. 26, 19, 5.
sprünglichen Bevölkerungselemente Roms, der Gell. 6, 1, 6. Cassius Dio fr. 57, 40 Beider).
Latini Sabini Tusci, und in ihrem Bunde Dafs von Anfang an neben dem sakralen Cha-
., „ . , . , „ , _ . . , , rakter der politische in den Vordergrund ge-
*) rur griechischen LrsprunL!: der Inas spricht auch . • , i ,.. . . ■ , - ^ *i
,„ „_ ; .mjv ,, -i. v • 1 t ■ n treten ist, das lalst sich aus einer Keine von
der Pfau als Attribut der capitolinischen Iuno im Gegen- m, l l i » r,i-rj.
satz zur iuno Moneta, der die Gans geheiligt war. s. Thatsachen klar erkennen. Am Stiftungstage
iuno Sp. 593. [Röscher.] des Tempels (13. Sept.; s. oben Sp. 707,34) traten
723 Iuppiter (Capitolinus : polit. Bedeutung) Iuppiter (Capitolinus: polit. Bedeutung) 724
die ersten Magistrate des Staates, die Konsuln, 33, 9. Ioseph. Areh. 14, 8, 5. 10, 3. C. I. L.
ursprünglich ihr Amt an (Bion. 5, 1; 6, 49; 1, 203. 204, 1, 588 = 6, 373, 1, 589 = 6, 372
vgl. Mommsen, Rom. Chrono!. S. 86 ff.), und = C. I. Gr. 5880. C. I. L. 1, 587 = 6, 374
als später dieser Termin verlegt wurde, blieb = 0. I. Gr. 5881. G. I. G. 2485. Bullet.
doch, die Anschauung bestehen, dafs in jedem comm. 14 S. 241. 403; 15 S. 14. 241; 16 S. 138.
neuen Jahre die ersten Amtshandlungen der Notiz, d. seav. 1887 S. 110. 1888 S. 139.
höchsten Beamten und die Thätigkeit des Mommsen, Ann. d. inst. 185S S. 198 ff. Gilbert
Senates von dem capitolinischen Inppiter ihren 3 S. 289 Anm. 1; Jordan, Top. 1, 2 S. 55 ver-
Ausgang nehmen müfsten; es zogen daher so- mutet, die früher im Aedilenarchiv befind-
gleich nach ihrem Amtsantritt die Konsuln in 10 liehen Originale seien noch dem erwähnten
festlichem Gewände , begleitet vom Senate, Brande wie die sibyllinischen Bücher in den
den staatlichen Beamten und Priestern und unterirdischen Räumen geborgen worden); Auf-
einer zahlreichen Menge, Volkes hinauf zum Stellung von Gesetzestafeln auf dem Capitole
Capitole, um dem Iuppiter, als dem höchsten erwähnt Cassius Bio 39, 21; vgl. Flut. Cat.
Schirmherrn des Staates, den Dank für den min. 40. Cic. 34 und Cicero Phil. 2, 36, 92.
Schutz der Gemeinde im vergangenen Jahre 5, 4, 12; hierzu kamen noch eine Anzahl
auszusprechen , um ihm das von dem Vor- Militärdiplome aus dem ersten Jahrhundert
ganger gelobte Opfer eines weifsen Stieres der Kaiserzeit (etwa bis 96 C. I. L. 3 p, 917 ff.
darzubringen und für das eigene Amtsjahr Eph. epigr. 2 p. 454ff. 4 p. 181 ff. 496 ff. 5 p. 93 ff.,
dasselbe Gelübde in der vorschriftsrnäfsigen 20 während die späteren post templum divi Augusti
Weise zu wiederholen (Liv. 22, 1, 6. 41, 14, 7. adMinervam erscheinen);überßeschädiguugund
Ooid. fast. 1, 75. ep. ex P. 4, 4, 25 ff. 4, 9, 7; teilweise Vernichtung aller dieser Bronzetafeln
vgl. Mommsen, Eöm. Staatsr. 1" S. 594), ein vgl. Cic. in Cat. 3, S, 19. Cassius Bio 45, 17.
Brauch, der in der Kaiserzeit von dem neu Suet. Fcsjjcis. 8. Auf das Capitol wurden an
erwählten Imperator selbst ausgeübt wird jedem ersten des Monats die Versammlung
(Plin. Paneg. 5, 23. Vita Beliog. 15; vgl. vit. der curiae (Geschlechterverbände) gerufen, um
Pertin. 5). Nach dem feierlichen Staatsopfer hier an der curia Calabra nach vorangegan-
trat während der republikanischen Zeit der genem Opfer, das der rex saerificulus und
Senat im capitolinischen Tempel (Biv. 23, 31, pontifex minor darbrachten, die Verkündigung
1. 26, 1, 1. 30, 27, 1. 32, 8, 1. Cic. de leg. 30 der wandelbaren heiligen Festzeiten zu ver-
agr. 1, 6, 18; vor dem Tempel schliefst nehmen (Varro l. I. 6, 27. fast. Praen. ad
Gilbert 2 S. 450 Anm. 2 ans Suet. Aug. 26 die Ion, 1. C. I. B. 1 p. 312. Macrob. Sat. 1, 15,
K. Ian. [Anguslus cos. II] cum mane prae 9 ff. Fest. p. 49. Serv. ad Aen. 8, 654. Plut.
aede Capitolivi lovis paululum curuli sella q. R. 24. lyd. de mens. 3, 7; vgl. Iuno
praesedisset , honore abiit) zu einer ersten Sp.585). Die alljährlichen Tribusversammlungen
Beratung zusammen; sie trug stets den Cha- zur Feststellung der Heerespfliehtigkeit für die
rakter einer Festsitzung (Jordan, Top. 1, 2 Bürger (Folyb. 6, 19. Liv. 26, 31, 11. 34, 56,
S. 94 A. 92), insofern in erster Linie religiöse 5. Kon. p. 19 = Yarro Sat. Menipp. p. 140
Fragen zur Besprechung kamen (Liv. 9, 8, 1. Biese) fanden wohl darum auf dem Teuipel-
22, 1, 6. 28, 39, 1. 37, 1, 1). An den Iden 40 hof statt, weil die Neuausgehobenen im An-
des September empfängt Augustus vom Senate gesiebte des idealen Staatsoberhauptes sich
die hohe Auszeichnung der Corona graminea eidlich verpflichteten ,- für Roms Macht und
(Plin. 22, 13), und auf denselben Tag fällt Gröise ihre Waffen tapfer zu führen. Aus dem
unter Tiberius das Dankfest für das Mifslingen Wächteramt Iuppiters über den ungefährdeten
der Verschwörung des Libo (Tac. ann. 2, 32. Bestand des Staates erklärt es sich auch, dafs
fast. Amit. C. I. L. 1 p. 324 = 9, 4192). Die der Senat zum Zwecke der Kriegserklärung
Feierlichkeiten daselbst zur Zeit des Latiner- an demselben Orte zusammentrat (Appian.
festes sind oben Sp. 688, 44 behandelt. Bei b c. 7, 5 r] ßovlrj .... ig rb KaniiioXiov
allen politischen Veranlassungen brachten der oinzsg siw&aGt. 71sqI 7iolifiov Guontiv gvveX-
Trias die Arvalen auf dem Capitol ein Opfer dar 50 ftovea lipncpiGazo KctQi>]äoiu'oig -rtoXtfieLv; vgl.
(Henzcn, act. fratr. Arval. p. 57. 72. 82. 90. 91). Biv. 33, 25, 7), uud dafs der Feldherr vor dem
Die sibyllinischen Bücher, die man bei allen wich- Abgang zum Heere auf dem Capitole feier-
tigen Angelegenheiten des Staates um Rat zu liehe Gelübde für den Sieg der römischen
fragen pflegte, wurden in den Kellerräumen Warleu aussprach (Liv. 21, 63, 9. 42, 49, 1.
des Tempels aufbewahrt (Bion. 4, 62 ovzoi 45,39,11). Dieselbe Anschauung lag zu Grunde,
(tijfimmv of %gi]Ouol uixQ< rov Muqgihov «iij- wenn von der Höhe des tarpejischen Felsens,
trtVros noXifiov %el(if voi yiara yijs iv tä vam der auf der Südostseite des Berges (Bion. 8, 7S;
KaititalCvov z/iog ev liQ-Cvr] lagvcfu); als sie vgl. Bichttr in Iw. Müllers Handbeil. 3 S. 812
bei dem grofse.n Brande des Jahres 671 u. c. = Baumeister, Denkm. 3 S. 1475), also vor
von den Flammen verzehrt waren (Cassius so der Front des Tempels gelegen war, die ruein-
Bio frg. 106, 3 Belcker), wurden aus Erythrai eidigen Hochverräter in die Tiefe gestürzt
sowie andern Städten neue geholt und an dem- wurden; vgl. Mommsen, Rom. Staatsr. I2
selben Orte niedergelegt (Bnct. 1, 6, 11. 14. Tac. S. 141 ff. Rom. Forschg. 2 S. 175 ff. Waren
ann. 6,12. Bion. 4, 62 de iraDeiG, 22). Die inter- bei den genannten Vorgängen für die Wahl
nationalen Urkunden oder wenigstens ihre des Capitols immer noch sakrale Satzungen
Kopieen waren im Tempel selbst oder in seiner mitbestimmend gewesen, so werden, ohne dafs
Umgebung innerhalb der area öffentlich ausge- ein solcher Beweggrund erkennbar wäre, seit
hängt(Poty&.3,26. Appian. Syr. 39; vgl. Liv. 38, dem zweiten punischeu Kriege Komitien und
725 Iuppiter (Capitolinua : Triumph) Iuppiter (Capitolinus : Triumph) 726
Konzilien, die gewöhnlich auf dem Forum im allgemeinen Liv. 3, 29, 4. 31, 49, 3. 34,
tagten, zuweilen auf der capitolinischen area 52, 4. 39, 7, 2. 45, 38, 12. 45, 39, 11. 45,
abgehalten, und von den Stufen des Tempels 40, 4. Dion. 2, 34. Vell. Paterc. 2, 56. Tac.
aus erfolgen Ansprachen an die versammelte ann. 2, 41. Flut. Flam. 14. Aemil. Paul.
Menge (Liv. 25,3, 14. 33, 25, 7. 34,1,4. 34, 53,2. 32 ff. Luculi. 36. Suet.Gaes.S7. Vespas. 8.
43, 16,9. 45, 36, 1 Cornif. ad Herenn. 4, 55. Cic. 12. Ioseph. b. Lud. 7, 5, 4 Appian. Fun. 66.
ad Brut. 1,3. Appian b.c. 1, 15. 16. Oros. 5, 9), Mithr. 116. Gassius Dio 43, 19; über die
wie denn überhaupt etwa seit der Mitte des Lage der villa publica s. Becker, Handbch. d.
6. Jahrhunderts d. St. ein Umschwung in den röm. Altert. 1 S. 624. Richter in Lw. Müllers
religiösen Bräuchen und Anschauungen sich io Handbch. 3 S. 864). An der Spitze des Zuges
bemerkbar macht. Wenn nach glücklich be- schritten die Behörden und der Senat (Dion.
endigtem Kriege der siegreiche Feldherr einen a. a. 0. Ioseph. a. a. 0. Cassius L)io 51, 21), hinter
goldenen Kranz , wahrscheinlich eine Nach- ihnen eine Anzahl von Musikern (Plut. Aem.
bildung der aurea Corona triumphantinm, im Paul. 33. Appian. Pun. 66), es folgte auf
capitolinischen Tempel niederlegt und einen langer Wagenreihe die Kriegsbeute, bildliche
Teil vom Erlöse der Beute zur Verschönerung Darstellungen aus dem Feldzuge, Kränze von
und Bereicherung des irdischen Wohnsitzes Lorbeer, später von Gold (Liv. 34, 52, 8. [Gell.
Iuppiters verwendet, so handelt er in dem 5, 6, 7.] Plut. Aem. Paul. 34), Ehrengaben
frommen Glauben, dafs nicht eigene Kraft, der Provinzialstädte an die Sieger. Sodann
sondern der Beistand des höchsten und besten 20 geleiteten Jünglinge und Knaben, mit Opfer-
Gottes ihm den Sieg über Roms Widersacher schalen in den Händen , die zum Opfer be-
verliehen; die Statuen verdienter Heerführer stimmten, mit Binden und Kränzen geschmück-
und Staatsmänner werden auf Befehl des ten weifsen Stiere, deren Hörner vergoldet
Senates auf dem Capitole aufgestellt, um an- waren (Serv. ad Georg. 2, 146. Comment. Crug.
zudeuten, dafs eine Wechselbeziehung zwischen ad Horat. epod. 9, 22. Liv. 34, 52, 9. 45, 39,
ihnen und dem höchsten Gotte bestehe, dafs 12; vgl. 40, 38, 9. Plut. Marc. 22. Aem.
sie ihre Thaten unter seinem Schutze aus- Paul. 33); die nächste Abteilung bildeten die
geführt haben; wenn verbündete oder über- vornehmen Gefangenen und Geiseln, an sie
wundene Könige und Nationen den Gefühlen schlössen sich Liktoren in Purpurtunika mit
der Freundschaft oder ihrer Anerkennung von 30 lorbeerumkränzten fasces und ein zweites
Roms Oberhoheit Ausdruck geben wollen, so Musikchoran;nunmehrerschienderTriumphator
bringen sie dem capitolinischen Iuppiter, als selbst, als ein lebendiges Abbild des capitoli-
dem obersten Schirmherrn des gesamten Volkes nischen Iuppiter, ausgestattet mit dessen At-
huldigend, ihre Geschenke dar; in allen diesen tributen und Gewandung (Liv. 10, 7, 10. Suet.
Fällen also gilt er als der Urheber aller Er- Aug. 94. Luv. 10, 38), die für den jedes-
folge der römischen Staatsgewalt. maligen Gebrauch aus dem Tempel entnommen
Triumph. (Gull, de triumphi Bomani ori- wurde (Tertull. de coron. 13. vit. Alex. 40.
gine, permissu, apparatu, via. Schleiz 1854. Gordian. 4. Prob. 7); er fuhr im Viergespann
Philip}», Über die römischen Triumphalreliefe. (Dion. 9, 71. Flor. 1, 1, 5. Ovid. ep. ex Pont.
Abhdlg. d. Sachs. Ges. d. M'iss. phil.-hist. Kl. 6 « 2, 1, 58. Zonar. 7, 8; seit dem Triumphe
(1872) S. 247 ff. Wieseler, 3 Cameen mit Tri- des Camillus scheint man ausschliefslich
umphdarstellunr/en, Abhdlg. d. Göttg. Ges. d. weifse Rosse verwendet zu haben, vgl. Liv.
Wtss. 30 (1883) S. 1 ff. Mommsen, Rom. 5, 23, 6. Plut. Cam. 7. Cassius Dio 43, 14.
Staatsr. I2 S. 124 ff. Marcpuardt, Röm. Staats- 52, 13. Suet. Ner. 25. Plin. paneg. 22.
altert. 22 S. 582 ff. Am stärksten kam der hervor- Propert. 5, 1, 32. Ovid. a. amat. 1, 214), auf
ragend politische Charakter des Iuppiter 0. M. vergoldetem Wagen (Liv. 10, 7, 10. Horat.
zur Geltung in der Siegesfeier der Triumphe, epod. 9, 21. Florus a. a. 0.; vgl. Appian. Pun.
der höchsten Auszeichnung, die der römische 66. Mithr. 117. Zonen-. 7, 21 und die Dar-
Staat seinen Bürgern verleihen konnte. Wenn Stellungen der quadriga auf alten römischen
auch dabei in der späteren Zeit mit dem 50 Münzen [zwischen 412 u. 543 u. c] b. Babelon,
Schwinden des religiösen Sinnes die Schau- Descr. d. mon. de la repl. Born. 1 nr. 23 — 26).
Stellung der Beute und die Entfaltung grofs- Bekleidet ist er mit purpurnem (Fest. p. 209;
artigen Prunkes immer mehr zur Hauptsache vgl. Liv. 27, 4, 8. 31, 11, 12), später gold-
wurde, so ist doch von den ersten Jahren der durchwirktem (Pohjb. 6, 53. Dion. 3, 61. 62;
Republik bis in die späte Kaiserzeit in dem vgl. 4, 74. Appian. Pun. 66) Unter- und Ober-
ganzen Ceremoniell die ursprüngliche Beden- gewand, der tunica palmata (Marquardt, Söm.
tung des Festes deutlich erkennbar; er galt Privatalttrt. 22 S. 542 ff.) und toga pieta
als eine Erfüllung der Gelübde, die der zum (Fest. a. a. 0. Liv. 10, 7, 9. 30,15,11.12; später
Heere abgehende Feldherr auf dem Capitole auch palmata genannt; vgl. Martial. 7, 2.
ausgesprochen hatte (Liv. 45, 39, 11; vgl. 38, 60 Apul. eipol. 22. Tertull. de coron. 13. Serv.
18, 16. 42, 49, 1), als eine Dankesfeier an ad Aen. 11, 334. Isidor. 19, 24, 5) und Ver-
den capitolinischen Iuppiter für die Errettung goldeten Schuhen (Cassiod. rar. 6,1), in der
und Machterweiterung des römischen Staates. Rechten hält er einen Lorbeerzweig (Plin.n.h.
Nachdem dem siegreichen Feldherrn in einer 15, 137. Plut. Aem. Paid. 34. Appian. Pun.
Senatssitzung der Triumph bewilligt war, 66. Mon. d. inst. 3 t. 10. 11), in der Linken
ordnete sich der Festzug aufserhalb des Po- ein Scepter von Elfenbein, dessen Spitze ein
meriums auf dem Marsfelde, in der Nähe Adler krönt (Dion. 3, 61. Vol. Max. 4, 4, 5.
der Villa publica (vgl. über die Zugordnung luv. 10, 43. Lyd. de mag. 1, 7; vgl. Prudent.
727 Iuppiter (Capitolinus: Triumph) luppiter (Capitolinus: Weihgeschenke) 728
peristcph. 10, 146 und Darstellungen auf Münzen Hülfe Iuppiters den Sieg errungen habe, den
Eckhel , Doctr. num. 6 p. 114. Fröhner , Les Lorbeer der fasoea und den Lorbeerzweig in
medaill. de Vampire Romain S. 132). Ein Lor- seiner Rechten dem Gotte in den Schofs
beerkranz ziert sein Haupt (Plin. a. a. 0.) und (Plin. 15, 134. Iul. Obs. 61. Sil. Bai. 15,
über demselben hält ein hinter ihm stehender 118. Pacatus paneg. in Theodos. 9, 5. Tac.
Staatssklave eine schwere goldene Krone (Plin. ann. 2, 46. Cassius Bio 54, 25). Griechischen
33, 11. luv. 10, 39. Zonar. 7, 211, wobei er Einflufs zeigt die Sitte, eine Palme als Sieges-
ihm zurief: respice post te, hominem te me- zeichen zu weihen, vgl. Triumphalfasten von
mento (Tertull. apol. 33; vgl. Plin. 28,39. 711— 788 O. I.L. 1 p. 477 "und Maerob. 2, 7; 8;
Hieron. ad Paulain 4 p. 55 ed. Benedict. 10 seit August begnügten sich die Kaiser zu-
Arrian. diss. Epict. 3, 24, 85. luv. 10, __ 41). weilen statt eines Triumphes mit der Nieder-
Sollte er selbst durch diese Worte vor Über- legung des Lorbeers (mon. Anc. 1, 22, dazu
hebung in seinem Glücke gewarnt werden, so Mommsen, E. g. d. A. p. 19). Sodann wurden
diente ihm als Schutzmittel gegen den Neid die reichen Dankesopfer dargebracht ( loseph.
und bösen Blick der Teilnehmer und Zuschauer b. lud. 7, 5, 6) und hieran schlofs sich ein
ein Amulett (fascinus), das er entweder selbst Festmahl für die Behörden und den Senat
trug (Maerob. 1, 6, 9) oder unter dem Wagen (Liv. 45, 39, 13. Val. Max. 2, 8, 6; vgl. Gell.
befestigen liefs (Plin. 28, 39; vgl. Jahn, 10, 2, 7). Nach Beendigung des Triumphes
Über den Aberglauben des bö>en Blickes, Ber. werden die- entliehenen Gegenstände wieder
d. Sachs. Ges. d. Wiss. 1855 S. 70). Nach dem 20 im Tempel geborgen (Liv. ep. 67. Flut. Mar.
Vorbilde Iuppiters (Cic. ad (am. 9, 16, 8. Plin. 12. Cassius Bio C7, 4. Elog. C I. L. 1
35, 157) war das Antlitz des Triumphierenden p. 290).
mit Mennig rot gefärbt (Plin. 33, 111. Serr. Weihgeschenke. Die erste Weihung, von
ad Ed. 6, 22. 10, 27. Amob. 6, 10; vgl. Plut. der uns die Annalen berichten, war die Spende
q. M. 98); auf dem Wagen stehend oder ihn zu eines goldenen Kranzes durch die Latiner a. 295
Pferde begleitend, nahmen die Kinder Anteil u. c. (Liv. 2, 22, 6). Dasselbe Geschenk stiften sie
an der Auszeichnung des Vaters (Liv. 45, 40, gemeinsam mit den Hernikern a. 305 u. c,
4. 8. Cic. pro Mur. 5, 11. Val. Max. 5, 7, 1. veranlafst durch die politische Aussöhnung
5, 10, 2. Tac. ann. 2, 41. Suet. Tib. 6. Appian. zwischen Patriciern und Plebejern (Liv. 3,
Fun. 66. vit. 31. Ant. philos. 12, 10. Zonar. 30 57, 7), doch hält Jordan, Top. 1, 2 S. 15
7, 21). Darstellungen des Triumpbators auf A. 11 diese Erzählung für eine Erfindung, zu
der Quadriga zeigen Münzen der Fundania der die später erfolgte Schenkung eines
(Babelon 1 S. 512), der Pompeia (Babelon 2 Kranzes durch die Karthager a. 411 (Liv. 7,
S. 342, 6; vgl. Aemilia 1 S. 122), des M. Aurel 38, 2) den Anlafs gegeben habe. Zwölf Jahre
und L. Verus (Frijhner S. 91), des Commodus später, a. 317, hören wir von einer gleichen
(Fröhner S. 113. Baumeister, Benkm. 1 Abb. 430) Gabe an luppiter, die der Diktator Mamercus
des Probus (Friihner S. 239, 1), des Numerian Aemilius auf Geheifs des Volkes auf dem
(Fröhner S. 248, 3. Baumeister a.a.O. Abb. 4081. Capitole niederlegte (Liv. 4, 20, 4). Den gol-
Am Schlüsse des Zuges marschierten die denen Kranz werden wir uns wohl bei allen
Soldaten im Schmuck ihrer militärischen Ab- 40 Widmungen siegreicher Heerführer hinzuzu-
zeichen, sangen Spott- und Loblieder auf denken haben, wenn er auch als selbstver-
den Feldherrn (Liv. 4, 20, 2. 5, 49, 7. 39, 7, ständliche Gabe nicht ausdrücklich erwähnt
3. 45, 38, 12. Dion. 2, "4. 7, 72. Plin. 19, wird. Auch für auswärtige Fürsten und Völker-
144. Plut. Marc. 8. Suct. Caes. 49. Vell. Paterc. schaffen war die Darbringung einer Corona
2, 67. Maitial. 1, 5. Vit. Aurel. 6, 5) und aurea die gewöhnlichste Art der Huldigung
riefen, wie die Zuschauer, ihr fröhliches io (Karthager s. oben; Attalus a. 556, Liv. 32,
triumphe (Varro 1. 1. 6, 68. Horat. epod. 9, 27, 1; Philipp von Macedonien a. 563, Lir.
21 c. 4, 2, 49. Ovid. trist. 4, 2, 48). Vom 36, 35, 12; Alabanda und Lampsacus a. 584,
Marsfelde aus nahm der Zug seinen Weg in Liv. 43, 6, 6; Thiabe , Eph. epigr. 1, 278
die festlich geschmückte Stadt (Ovid. trist. 4, 50 Z. 32 ff. Arch. des miss. scient. 1872 , 63).
2, 4. L'lut. Aem. Paul. 32). Durch die porta Andere Weihgeschenke: Victoria aurea des
triumphalis (Cic. in Pison. 23, 55. Tac. ann. Hiero a. 538 (IAr. 22, 37, 5. 12), Nlkui tqo-
1, 8. Suet. Aug. 100. Cassius Bio 56, 42. ncaotpoqoi des Bocchus a. 662 (Plut. Mar. 32),
Joseph, b. lud. 7, 5, 4) erreichte er zunächst Victoria quadrigam in sublime rapiens des
den circus Flaminius (Plut. Luculi. 37; vgl. Plancus, imperator a. 712 (Plin. n.li. 35, 108),
Aem. Faul. 32. loseph. a. a. O.), passierte die clipeus cum imagine Hasdrubalis supra foris
porta Carmentalis und schlug über vicus iu- Capitolinae aedis von L. Marcius a. 212 (Liv.
garius, forum, vicus Tuscus und Velabrum 25, 39, 17. Plin. 35, 14), eherne, silberne,
(Suet. Caes. 37. Cassius Bio 43, 21) die Rieh- vergoldete Schilde (Plin. a. a. O. Liv. 35, 10,
fung nach dem circus maximus ein (Cic. in 60 12. 38, 35, 4), aenea in Capitolio limina et
Verr. 1, 59, 154), von hier umschritt er die trium mensarum argentea vasa in cella Iovis
Ostseite des Palatm bis zur sacra via und zog (Liv. 10, 23, 12), quadrigae aureae (Liv. 29,
dann auf dieser über Forum und Clivus Capi- 38, 8. 35, 41, 10), seiuges aurati (Liv. 38, 35,
tolinus hinauf zum Tempel des luppiter (Horat. 4), signa (Liv. 30, 39, 8. 38, 35, 4), Samm-
epod. 7, 8. c. 4. 2, 35). Hier verliefs der Im- lung geschnittener Steine von Pompeins (Plin.
perator den Wagen, stieg die Stufen des 37, 11), in cella Iunonis canis ex aere volnus
Heiligtumes empor (Cassius Bio 43, 21. 60, suum lambens (Plin. 34, 38), Werke des Cae-
23) und legte zum Zeichen, dafs er nur mit lators Mentor (Plin. 33, 154; vgl. 7, 127),
729 Iuppiter (Capitolinns : Weihgeschenke) Iuppiter (Capitolinus : Weihgesehenke) 730
zwei Kolossalköpfe aus Erz, Werke des Chares beigefügtes Verzeichnis den nötigen Aufschlufs
und Decius, von P. Lentulus Spinther, Konsul gab. Sp. Carvilius Maximus, der Sieger über
a. 607 {Plin. 34, 44; vgl. Brunn, Gesch. d. die Samniten (a. 461), errichtete aus den
gr. Künstler 1! S. 420), Statue eines Epheben Rüstungen der gefallenen Feinde eine Ko-
aus Bithynien, von Pompeius Bithynicus {Fest. lossalstatue des Iuppiter von solcher Höhe,
p. 262), Theseus, Gemälde des Parrhasios dafs sie vom Tempel des Iuppiter Latiaris
{Plin. 35, 69; vgl. Brunn a. a. 0. 2 S. 99), auf dem Albanerberge deutlich bemerkt werdeü
2 Gemälde {Plin. 35, 108), zqIiuq ig gcp<xlqlov konnte; aus den Abfällen der Feile gofs
zi iqvoovv ifißaläv üviftwiis rrä dii Kanizco- man eine Statue des Carvilius selbst, die zu
lim sc. Nero {Cassius Dio 61, 19); Antiochos io den Füfsen des Götterbildes Aufstellung fand
wollte a. 684 einen goldenen Leuchter weihen {Plin. 34, 43). Bei der Verheerung, die ein
{Gic. in Verr. 4, 28, 64 ff.). Schon im Jahre Gewitter des Jahres 689 auf dem Capitole an-
575 hatten sich die Geschenke, die von Bürgern richtete, stürzte ein auf einer Säule stehendes
und Fremden dem Tempel zugingen, in dem Bild des Iuppiter zu Boden {Cassius Dio 37,
Mal'se gehäuft, dafs der Censor Aemilius Le- 9; vgl. Cic. in Cat. 3, 8, 19); nach Anordnung
pidus die Entfernung vieler Gegenstände für der Haruspices erfolgte die Aufstellung einer
nötig erachtete {Liv. 40, 51, 3 Lepidus . . . gröfseren Statue, die contra atque antea fuerat
ab columnis quae incommode oppusita vide- mit dem Gesicht nach dem Forum und Comi-
bantur, signa amovit cliptaque de columnis et tium zugewendet war {Cic. in Cat. 3, 8, 20.
signa militaria adfixa omnis generis dempsit). 20 Cassius Dio 37, 34). Eine Bildsäule des Iup-
Einen Iuppiter Imperator nebst einer Votiv- piter Africuä erwähnen die Militärdiplome
tafel mit der Inschrift Tuppiter atque divi der Jahre 76 und 85 p. C. C. I. L. 3 p. 853.
omnes hoc dederunt, ut T. Quinctius dietator 855, andere Iuppiterbilder s. Sp. 713, 54. Den
oppida noveru caperet' stellte T. Quinctius nach Darstellungen luppiters reihen sich die Bild-
der Überwindung vou Praeneote a. 374 u. c. msse anderer Gottheiten an: Herculis magnum
intra cellam Iovis ac Minervae auf {Liv. 6, simulacrum a. 449 {IAv. 9, 44, 16), Kolossal-
29, 8), die übliche Kranzspende fehlte nicht statue desselben Gottes, ein Werk des Lysipp,
( Fest. p. 363), wahrscheinlich ist hierher auch das Q. Fabius a. 545 den Tarentinern nahm
die Stelle des Cicero in Verr. 4, 58, 128ff. zu {Plut. Fab. 22. Plin. 34, 41. Strab. 6
ziehen, vgl. Sp. 644. Die Überlieferung weifs 30 p. 278; vgl. Cassius Dio 42, 26. Brunn,
noch von anderen Fällen zu berichten, in Gesch. d. griecli. Künstler 1 S. 252); drei knie-
denen siegreiche Feldherm ihre Ruhmesthaten ende Gottheiten von M'. Acilius a. 575 {Fest.
durch eine Weihinschrift auf dem Capitole p. 174. 177), Kolossalstatue des Apollo aus
verewigten. L. Aemilius Regillus befestigte Apollonia am Fontus von L. Licinius Lucullus
seinen Bericht über den Seesieg gegen An- {Plin. 4, 92. 34, 39. Strab. 7 p. 319; vgl.
tiochos (a. 564) in aedo. Iovis supra valvas Brunn a. a. 0. 1 S. 90), Statue der Minerva
{Liv. 40, 52, 7; den ersten Vers giebt Caesius von Cicero a. 696 {Cassius Dio 38, 17; vgl.
Bassus grammat. lut. 6, 265 Keil); Ti. Sem- 45, 17. Iul. Obs. 68) Romulus quem inaura-
pronius Gracchus fügte der Erzählung von tum in Capitolio parvum atque lactanlem,
seinen Erfolgen in Sardinien (a. 580) noch 40 uberibus lupinis inhiantem esse meministis . .
die bildliche Darstellung der Schlachten hinzu {Cic. in Cat. 3, 8, 19; vgl. de div. 2, 20, 45.
{Liv. 41, 28, 8 in aide matris Blatutae be- 2,21,47,1,12,20. Cass. Dw '61, 9. Baumeister,
Endlich, doch schlofs die Inschrift hunc tabulam Denkm. 1 Abb. 552), Roma, von den Lykiern
Iovi donum dedit; vgl. C. I.L.W, 8416); eine geweiht {C. I. L. 1, 589 = 6, 372; vgl.
tabula victoriae Asiaticae des L. Scipio (a. 564) Kluegmann, Deffigie di Roma. Rom 1879
erwähnt Plinius n. h. 35, 22 und Verse ex Actlii S. 8. 57), signu(in) Lib(eri) patris (Militär-
Glabrionis tabula Caesius Bassusa.. a.O. Es war diplom v. J. 70 p. C. C. I. L. 3 p. 849), sirnu-
überhaupt allgemeine Sitte, dafs die Sieger lacra Boni Eventus et Bonae Fortunae
vor dem Triumphe ein Verzeichnis ihrer Thaten {Plin. 36, 23), Nemesis {Plin. 11, 251. 28, 22),
in Saturniern abgefafst auf dem Capitole 50 Martis {Cat-s.Dioil, 14), Valetudinis {Petron.
niederlegten {Caesius Bassus a. a. 0. apud Sat. 88). Servius ad Aen. 2, 319 hatte also
nostros autem in tubulis antiquis, quas trium- ein gewisses Recht zu seiner Äufserung: in
phaturi duces in Capitolio figebant victoriaeque Capitolio deorum omnium simulucra colebantur.
suae titulum Saturmis versibus prosequebantur, Die allgemeine Bestimmung 'in Capitolio' läfst
talia repperi exempla . . .). Ein Bild mit der es freilich für manche Bilder fraglich erscheinen,
Darstellung der Gefangennahme lugurthas durch ob sie im eigentlichen Tempelbezirk zu suchen
Sulla weihte König ßoechus {Plut. Mar. 22. sind. Das Beispiel des Carvilius, die eigene
Süll. 6; dieselbe Abbildung auf eiuein Siegel- Statue dem Gotte zu weihen, fand Nachahmer an
ringe Sullas Val. Max. 8, 14, 4. Plut. Sult. 3 Caecilius Metellus, dem Sieger von Panormos
und auf den Denaren seines Sohnes; Mommsen, 00 a. 254 {Dion. 2, 66), an Q Fabius Maximus
Rom. Münzw. S. 654. Babelon 1 S. 421 nr. 59). Cunctator {Plut. Fab. 22 itfinnov tl-AOva), an
Auch auf den tropaea des Marius {Plut. dem älteren Scipio Africanus {Val. Max. 8,
Caes. 6. Suet. Caes. 11. Vell. Patcrc. 2, 43; 15, 1 imaginem in cella Iovis 0. M. positam
vgl. Propert. 3, 11, 46. Cassius Dio 50, 4) habtt. Appian. Hisp. 23. Sen. ep. 45, 72; Liv.
und Germanicus {C. I. L. 3 p. 856. Eph. 38, 56, 12 spricht nicht dagegen) und seinem
epigr. 4 p. 499 f.; vgl. ibid. 848 f. C. I. L. 6, Bruder Lucius {Val. Max. 3, 6, 2. Cic. pro
912) wird man die ruhmvollen Kämpfe der Rabir. Post. 10, 27). Von dem Konsul des
beiden Helden erblickt haben, über die ein Jahres 702, Q. Metellus Pius, wurde eine turma
731 Iuppiter (Capitolinus : Weihgeschenke) Iuppiter(Capitolmus:lucümagni,Romani) 732
inauratarurn equestvium, vermutlich Mitglieder später auch die scenisehen hinzutraten; ferner
der gens Cornelia darstellend, auf dem Capi- dafs der Hauptfeiertag, also namentlich das
tole aufgestellt (Cic. ad Attk. 6, 1, 17). Hier Opfer mit dem dazu gehörigen Gebete und
sah man auch die Standbilder der sieben dem epulum, immer auf den Tag der Idus, den
römischen Könige und des Brutus (Plin. 34, alten Festtag des Iuppiter, gefallen sein wird."
22. 23. 33, 9. 10. 24. Ascon. in Scaur. p. 25 Gestützt auf einige Stellen der Alten (Liv.
K. et S. Cassius Bio 43, 45. Appian b. e. 1, 1, 35, 9 sollemnes deinde anniti mausere hidi
16). Als eine besondere Auszeichnung galt es, Bomani magnique varie appellaii. Cic. derepubl.
wenn Bürgern noch zu ihren Lebzeiten oder 2, 20^ 35 eundem primum ludos maximos qui
nach dem Tode eine Statue beim Tempel des 10 Romani dicti sunt fecisse accepimus. Paul.
Iuppiter von Staats wegen errichtet wurde. Diese p. 112 magnos ludos Romanos ludos appella-
Ehre genossen: M. Aemilius Lepidus (Val. Mao:. bunt, quos in honorem lot^is, quem principem
3, 1, 1; vgl. Mommsen, Böm. Münzte, nr. 275). deorum putabant, faciebant) hat man die ludi
Q. Marcius Rex, praetor a. 608 (Militärdiplom magni und Romani so lange für identisch ge-
v. J. 64 p. C. C. I. L. 3 p. 846; Tgl. Mommsen halten, bis eine genauere Untersuchung Momm-
a. a. 0. nr.290. Bäbelon 2 S. 197 nr. 28), T. Seius sens (Mein. Mus. 14 [1859] S. 7 9 ff. = Böm.
(Plin. 18, 16), Pinarius Natta {Cic. de div. 2, Forschg. 2 S. 42 ff.; Tgl. Böm. Chrono!. !
20, 45. 2, 21, 47), Caesar (Cic. i>ro Bciot. S. 167. 324) einen Unterschied hinsichtlich
12. 33. Cassius Bio 43, 45). Die Feuersbrunst der Zeit ihrer Aufführung ergab. Die grofsen
des Jahres 671 scheint den aufserhalb des 20 Spiele, die vom Heiligtum der capitolinischeu
Tempelgebäudes befindlichen Statuen keinen Trias ihren Ausgang nahmen, gehörten in
Schaden zugefügt zu haben {Appian a. a. O.); ältester Zeit zu deu ludi votivi, sie wurden
a. 689 stürzten Blitzschläge eine Anzahl von also nicht regelmäfsig in jedem Jahre, sondern
ihren Postamenten (Cic. in Cat. 3, 8, 19); nur infolge einer besonderen Veranlassung auf
Augustus hat wegen Raummangels einen gro- ein Gelübde hin gefeiert, nach der Ähnlichkeit
fsen Teil der Standbilder von der capitoli- der Feier zu urteilen ursprünglich wohl immer
nischen area nach dem Marsfelde schaffen im Anschlufs an den Triumph. Häufige Kriege
lassen (Suit. Calig. 34. Cassius Bio 51, 22). gaben Anlafs zu einer öfteren Wiederholung.
In der Kaiserzeit war die Ehre, in der Käue Nachdem so die äufseren Verhältnisse eine
des höchsten Gottes eine Statue zu empfangen, so fast alljährlich wiederkehrende Feier herbei-
soweit es die Überlieferung erkennen läfst, geführt hatten, wurde schliefslich der that-
dem Imperator (ev. dem Thronerben, vgl. sächliche Zustand auch rechtlich fixiert, d. h.
Mommsen, Eph. epigr. 4 p. 499 f.) Torbehalten. die aufserordentlicheu Spiele verwandelten sich
Genannt werden Statuen des Augustus (Ja- zu einem stehenden Jahresfeste, dem der neue
cobi, Museogr. S. 79), Domitian (Suit. Borna. Name ludi Romani beigelegt wurde, während
13), Trajan (Plin. Paneg. 52), Claudius Gothi- jenen auch noch in. späterer Zeit gefeierten
cus (Trebell. Poll. 3), Aurelian (Vita Tac. 9, ludi Totiri die Bezeichnung magni erhalten
neben anderen reichen Gaben). Wie um die blieb. Die ludi Romani fielen in den September;
Tempel der Fortuna, des Hercules und Qui- als Termin für den religiösen Akt des Opfers und
rinus gruppieren sich auch um das capitoli- -io Opfermahles wurdenjedenfalls schon Ton Anfang
nische Heiligtum eiue Anzahl kleinerer Kult- an dielden des September bestimmt; zwar finden
statten. Wir kennen daselbst einen Altar wir ein epulum IoTis für den 13. September
des Iuppiter Pistor (Ovid. fast. 6, 349. Lac- erst in den Augusteischen Kalendern Terzeichuet
/«hM, 20,33; vgl.P/-(7/£)-S.194 A.ö), des Iuppiter (fast. Sab. C. I. L. 1 p. 302 = 9, 4192; vgl.
Soter (Serv. ad Aen. 8, 651), des Zsvg äXs£i- fast. Ant. C I. L. 1 p. 328 = 10, 663S. fast.
y.axog, TOm Kaiser Claudius errichtet (Phlegon. Voll. C. I. L. 1 p. 320 = 6, 2298 ; epulum Miner-
Jl/('rofe.6),undeineni'fti(7xoj,denAugustusfürden vae fast. Eust. C. 1. L. 1 p. 401), doch aufser
aus Samos stammenden Zeus des Myron er- der Analogie der ludi Plebei (s. unten) spricht
baute(Siro6.14p.637; Tgl.Bnoma.a.0. 1 S. 102); für ein früheres Vorhandensem derselben an
zweifelhaft dagegen ist die Existenz eines Altars so dem gleichen Datum der Umstand, dafs dem
des Iuppiter Victor, Tgl. Sp. 680. DieaufdenTem- ursprünglichen Feste die Dankesbezeugung au
pel bezüglichen Prodigien sind zusammengestellt den Iuppiter 0. M. für die Rettung des Staates
von Gilbert a. a. 0. 3 S. 390 A. 2. S. 395 A. 2. aus gefahrvoller Lage zu Grunde lag und dafs
Ludi. Gewichtiger noch als in der Aus- hierfür doch kaum ein passenderer Tag ge-
schmückung des Tempels und seiner Um- wählt werden konnte, als der dies natalis
gebung tritt die Bedeutung des capitolinischen seines Tempels. Die ludi, von dem epulum
Kultes für das öffentliche Leben hervor in durch die equorum probatio getrennt, fanden
seiner Stellung innerhalb der alten, hochan- am 15. September statt, und im engeren Sinne
gesehenen römischen Spiele, der ludi magni, rechnete man diesen Tag als den ersten der
Romani uDdPlebei. Die gemeinsamen Eigen- go Spiele (Liv. 45, 1, 6). Nach 2Iommsen a. a. 0.
tümlichkeiten derselben sind bis auf die equo- hängt die Fixierung der ludi Romani zusammen
rum probatio bereits von Preller, Böm. Mytli. mit der Einführung der curulischen Aedilität
1 S. 219 richtig betont worden: „Bei allen a. 387 u. c. (mit Ausnahme Ton Liv. 1, 35, 9,
wird festzuhalten sein, dafs sie sowohl aus dem wo die Einrichtung der Spiele durch Tarqui-
religiösen Akte eines Opfers und Opfermahles, nius Priscus gemeldet wird, tritt der Name
des epulum Iovis, als aus dem festlichen der ludi Romani zum erstenmale auf Liv. 8, 40,
Prozession und der Spiele bestanden, welche 2 a. 432; nach Fabius Pictor b. Bion. 7, 71,
letztere anfangs blofs circensische waren, bis vgl. Pseudo- Ascon. in Verr. p. 142 Or. und
733 Iuppiter (Capitolinus: ludi magni, Romani) Iuppiter (Capitolinus: ludi Plebei) 734
Cicero de die. 1, 26, 55, wird das Fest ständig 7, 11,4. 22, 9, 10. 22, 10, 7. 28, 39, 1. 28,
nach dem Siege über die Latiner am See Re- 45, 12. 31, 49, 4 dazu Polyb. 16, 23, 7. Liv. 34,
gillus; nach Holzapfel (Piniol. 48 [1889] S. 369 44, 6. 35, 1, 8. 39, 22, 1. Suet.Aug. 23. Nero
wurde die Fixierung im September erst zwi- 11. Cassius Dio 55, 8. 31. 60, 25. Plin. n. h.
sehen 557 und 536 vorgenommen!; gleich- 7, 158j. Neben den Spielen oder anstatt ihrer
zeitig wird die anfangs eintägige Dauer wurden zuweilen grofse Stieropfer oder ein
[Mommsen, C. I. L. 1 p. 401), die nach der ver sacrum gelobt (Liv. 22, 9, 10. 22, 10, 3.
Vertreibung der Könige a. 245 und der se- 7. 28, 38, 8. 33, 44, 1. 34, 44, 1). Der Ur-
cessio plebis um je einen Tag gestiegen sein sprung der ludi Plebei ist in Dunkel gehüllt,
soll (t)ion. 6, 95), infolge der Versöhnung 10 Nach Cicero (de or. 3, 19, 73) bestanden sie
zwischen Patriziern und Plebejern auf 4 Tage schon zur Zeit des Numa , während nach
ausgedehnt (Liv. 6, 42, 12), eine Verlängerung, Pseudo-Asconius in Verr. p. 1430c. die Ver-
mit der wohl auch die Einreihung der Bühnen- treibuug der Könige oder die secessio plebis
spiele in das Festprogramm sogleich nach in Aventinum den Anlafs zu ihrer Entstehung
ihrem Aufkommen in Rom a. 390 in Zusam- gab. Diese Berichte haben natürlich keinen
menhang gestanden hat (Mommsen, Rom. Gesch. Wert. Der Name Plebei sowie die Leitung
l7 S. 457). Zwischen 563 und 583 dauerte der Spiele durch die plebejischen Aedilen
das Fest schon 10, zur Zeit Ciceros 15 (in Verr. (Liv. 27, 36, 9. 28, 10, 7. 30, 39, 8. 32, 7, 13.
act. 1, 10, 31) und nach Caesars Tode 16 Tage Didasc. b. Ritsclü, Parerg. p. 261) deuten auf
(Cic. Phil. 2, 43, 110; 4. — 19. September, fast. 20 eine Zeit, in der die politische Scheidung der
C. I. L. 1 p. 401) , um im 4. Jahrhundert beiden Stände noch nicht aufgehoben war. Zu
wieder auf 4 (12. — 15. September; herab- einer die Gesamtbevölkerung umfassende«,
zusinken (fast. Philoc. 1 p. 350). Auf den offiziellen Jahresfeier wurde die Sonderfest-
gemeinschaftlichen Ursprung der ludi magni lichkeit der Plebs (vgl. Mommsen, Rom.
und Romani weisen hin die Gleichartigkeit Staatsr. 1- S. 235 A. ö) wahrscheinlich erst im
der Feier und die sich stets entsprechende Jahre 534 u. c; der Platz nämlich, auf dem
Erweiterung der Zeitdauer (Liv. 30, 2, 8. 36, man die Spiele nachweislich beging, der circus
36, 2; vgl. Cic. in Verr. act. 1, 10, 31. 3Iomm- Flaminius (Val. Max. 1, 7, 4), wurde damals
sen, Rh. Mus. 14 (1859) S. 86 ff.). Das Ge- neu erbaut (Liv. ep. 20. Cassiod. Chron.
lübde der grofsen Spiele geschah auf Senats- 30 p. 610 Mommsen), und die Spiele selbst werden
besehlufs oder aus der Initiative des geloben- 4 Jahre später zum erstenmale erwähnt (Liv.
den Magistrates (Diktator, Konsul, Prätor, 23, 30, 17); sie fielen in den Monat November
später der Kaiser) bei schweren Gefahren, und währten wohl schon bei ihrer Fixierung,
die dem Staate von aufsen oder im Innern übereinstimnend mit den ludi Romani, länger
drohten, oder zu dem Zwecke, für den un- als einen Tag; bezeugt ist die mehrtägige
veränderten Bestand der Republik in quin- Dauer bereits für das Jahr 547 (Liv. 28, 10, 7),
quennium (Liv. 27, 33, 8. 30, 2, 8. 30, 27, 11. eine instauratio per biduum schon a. 541
31, 9, 9) oder in decem annos (Liv. 42, 28, (Liv. 25, 2, 10). Auch der Verlauf der Feier
8) den Schutz des höchsten Gottes zu ge- (eine pompa nennt nur die auf einer Ver-
winnen; der pontifex maximus sprach die 40 wechselung mit Liv. 2, 36 beruhende Stelle
Formel vor; wir besitzen noch den Wortlaut des Valerius Maximus 1, 7, 4; indes wenn
eines Gelübdes, das der Konsul M\ Acilius eine solche an den ludi Apollinares, Megalenses
praeeunte P. Licinio pontifice maximo auf Ge- Aiigustales (vgl. Marquardt , Rom. Ütaatsverw.
heifs des Senates a. 563 vor Beginn des syri- 32 S. 308 A. 3) stattfand, wird sie auch hier
sehen Krieges ablegte: Liv. 36, 2, 3 si duellum nicht gefehlt haben; ihr Ziel war natürlich
quod cum rege Antiocho sumi populus iussit der circus Flaminius, s. oben) und die Ver-
id ex sententia senatus populiquc Romani con- mehrung der Festtage entsprach im allge-
fectum erit, tum tibi, Luppiter, populus Ro- meinen jenen älteren Spielen. An den Iden
memus ludos magnos dies decem contiwuos faciet des November fand das epulum Iovis statt
donaque ad omnia pulvinaria dabuntur de pe- 50 (fast. Maff. C. 1. L. 1 p. 307. fast. Ant.
eunia, quantam senatus decreverit; quisquis C. I. L. 1 p. 329 = 10, 6638. Arnob. 7, 32;
magistratus eos ludos quartdo ubique faxit, lü dazu Mommsen, C. I. L. 1 p. 407; die erste
ludi rede facti donaque data rede sunto. Vor der Erwähnung a. 541 bei Livius 25, 2, 10; Biichelcr,
Festsetzung der ludi Romani sind uns durch Rhein. Mus. 45 [1890] S. 164 vergleicht mit
die Annalen drei Aufführungen der grofsen diesem epulum am Ende des Amtsjahres eine
Spiele bekannt (Liv. 2, 37, 1. 4, 27, 1. 5, 31, ähnlieheFeier an denlden desMärz zu Capua);es
2; vgl. 5, 19, 6), die erste von der Legende folgte am 14. November die probatio eqno-
wunderlich ausgeschmückt (Liv. 2, 18, 1. 2, rum (fast. Arv. p. 240 Henzen) und am 15. No-
36ff. Dum. 7, 68. Cic. de div. 1, 26. Macrob. vernber begannen die ludi in circo. Im Jahre
1, 11, 3. Aug. de civ. dei 4, 26. Ritschi, CO 200 wurden bereits Bühnenspiele gegeben,
Parerg. praef. p. 23). Republik und Kaiser- wie die Aufführung des Plautinischen Stichus
zeit sah noch oft die Wiederholung dieser beweist (Studemund , Comment. phil. in hon.
ehrwürdigen Feier mit immer steigender Zahl Th. Momms. p. 782). Die Fasten der Auguste-
der Festtage und immer glänzenderer Aus- isehen Zeit verzeichnen ludi Plebei vom 4.
stattung, zumal da seit dem Jahre 554 die — 17. November (Mommsen, C. 1. Lj. 1 p. 406),
alte Sitte de certa peeunia vovere nicht mehr im 4. Jahrhundert beträgt ihre Dauer nur
beobachtet ward (Liv. 31, 9, 9; zu den bereits noch 5 Tage, 12. — 16. November (fast. Philoc.
genannten Stellen des Livius vgl. noch Liv. C. L. L. 1 p. 354).
735 Iuppiter (Capitolinus : epulum) Iuppiter (Capitolinus: epulum, pompa) 736
Mit einer förmlichen Einladimg (epulum Ordnung der sibyllinischen Bücher (Liv. 5, 13,
indictum fast. CLL. 1 p. 401. 406. Paul. 5 etc. Tac. ann. 15, 44), während derartige Be-
p. 78. Amob. 7, 32) nahm die Feier ihren Stimmungen für den altrömischen Kult nicht
Anfang. Das epulum (nach Casshis Dio 51, 1 nachweisbar sind; hat doch Marquardt selbst
für den ayäva ieqov im engeren Sinne er- die von Preller {Böm. Myth. I3 S. 150 A. 1) ge-
forderlieh) setzt eine Opferhandlung voraus, sammelten Beispiele treffend widerlegt (32 S. 48
und da es ausdrücklich als epulum Iovis be- A. 1). Aus der Angabe des Livius a. a. 0.,
zeichnet wird (Liv. 25, 2, 10. 27, 36, 9. 29, 38, dafs a. 355 das erste Lectisternium zu Rom
8. 30, 39, 8. 31, 4, 7, 32, 7, 13. 33, 42, 11. Lucilius abgehalten worden sei, ergiebt sich kein Wider-
b. Non. p. 204. frg. 13, 10 Malier. Cic. de or. 10 sprach, denn einmal läfst sich das Vorhanden-
3, 19, 73. Tertull. apol. 13. vit. Ahx. Sev. 37), sein des epulum Iovis vor jener Zeit nicht
so sind wir bei dem Fehlen widersprechender beweisen, sodann besteht vielleicht der Unter-
Nachrichten zu dem Schlüsse berechtigt, dafs, schied von lectisternium und epulum nur darin,
wie gewöhnlich, dem Iuppiter weifse Rinder dafs jenes bei besonderem Anlafs dekretiert
dargebracht wurden (s. Sp. 670, 8). An das wurde, dieses aber die ständige Einrichtung
Opfer schlofs sich die Festmahlzeit ante cel- bezeichnete (hiernach Sp. 665, 41 zu berich-
lam Iovis (vgl. das epulum funebre des älteren tigen). Da der Tag nach den Iden als dies
Scipio Sen. ep. 95, 72. 98, 13. Vol. Max. 7, 5, postridianus zur Vornahme religiöser Hand-
1. Cic. pro Mur. 36, 75; die Üppigkeit der hingen nicht geeignet war ( Marquardt a. a. 0.
dapes Capitolinae war in späterer Zeit be- 20 S. 295), so begnügte man sich an ihm mit der
rüchtigt Martial 12, 48, 11); der ganze Senat Musterung der zum Rennen angemeldeten Pferde
nahm daran teil (Gell. 12, 8, 2. Liv. 38,' 57, (equorum probatio fast. C. l.L.l p. 401. 406.
5. 45, 39, 13 Cassius Dio 39, 30. 48, 52); die Cassius Dio 55, 10). Der folgende Tag brachte
eapitolinischen Götter werden zu dem Schmause den wichtigsten und von der ganzen Bevölke-
eingeladen, nachdem man zuvor ihr Bild, als ruug ersehnten Teil der Feier, den ältesten
wären es menschliche Wesen, dem Feste ent- Kern des ganzen Festes. Der Zusammenhang
sprechend geschmückt hatte (Seneca b. Aug. mit dem eapitolinischen Kulte tritt auch hier
de civ. dei 60. Plin. n. h. 33, 111. Amob. 6, klar hervor, denn die pompa circensis, die in
10; vgl. Plut. q. B. 98); für Iuppiter setzte religiöser Beziehung den Hauptbestandteil der
man einen lectulus hin, für Iuno und Minerva 30 Feier bildete, nahm nicht blofs ihren Ausgang
je eine sella (Val. Max. 2,1, 2). Von dem vom Capitole, sondern hatte auch in ihrer
epulum hat Iuppiter den Namen Epulo em- ganzen Einrichtung das Gepräge einer zu
pfangen (Val. Max. a. a. 0. C I. L. 6, 3696 Ehren des höchsten und besten Gottes veran-
[magistri] quinqfuennäles) [collegij teibf'ici- stalteten Festlichkeit. Zur Vervollständigung
num) Bowanorum) qui [s(aeris) p(ublicis) des Bildes von der pompa, speziell an den
p(raesto) s(unt)] Iov(i) Ep(uloni) sac(rum), ludi Komani, sind auch die Berichte heranzu-
auf dem Forum gefunden). Die Zurüstung der ziehen, die uns über die Aufzüge an den an-
epula lag anfangs in den Händen der ponti- deren statarischen Circusspielen Aufsehlufs
fices; da sich aber deren Amtsgeschäfte ständig geben, scheint es doch, als hätten sie alle
häuften, so wurde a. 558 für diesen Teil des 40 erst jene Prozession von den ältesten römischen
Kultes eiue besondere priesterliche Behörde Spielen fc erübergenommen. Die Aufstellung
geschaffen, die tresviri epulones (Liv. 33, der pompa erfolgte auf dem Capitole; eröffnet
42, 1; vgl. 40, 42, 7. Cic de or. 3, 19, 73). Das wurde der Zug in republikanischer Zeit durch
Kollegium stieg, man weifs nicht wann, auf den höchsten Beamten des Staates (Konsul,
7 Mitglieder und behielt den Namen Septem- Prätor, Diktator, Liv. 8, 40, 2; wir wissen,
viriepulones auch dann bei, als es unter Caesar dafs in der Kaiserzeit an den ludi Apollinares
noch um weitere 3 Mitglieder verstärkt wurde der Stadtprätor auf einer biga voranfuhr;
(Cassius Dio 43,51); die Zahl der epula wuchs, Plin. n. h. 34, 20. luv. 10, 36 ff.; vgl. Momm-
doch blieb die Herrichtung des epulum Iovis sen, Böm. Gesch. 1 2 S. 397 A. 7); er trug die
stets ihre vornehmste Aufgabe (Cic. de harusp. 50 Triumphaltracht (Liv. 5, 41, 2 quae augustis-
resp. 10, 21. Fest. p. 78. Aug. de civ. dei 6, 7). sima vestis est tensas ducentibus triumphanti-
Im Gegensatz zu der Behauptung Marquardts busve. Tertull. de coron. 13 quas (Coronas)
(Rom. Staaisverw. 'S" S. 348), das epulum Iovis gemmis et folio ex auro quereeis ab Love in-
habe mit den Lectisternien nichts gemein, son- signts ad deducendas tensas cum palmatis togis
dem stehe in Beziehung zu der altrömischen sumunt; vgl, Martial. 8, 33, 1. Plin. u. luv.
Sitte des Speiseopfers, wie es in der Spende an a. a. 0.) und lenkte einen Wagen (Dion. b, 57),
Iuppiter Dapalis, Furreus und die Laren er- ohne Zweifel eine Quadriga; darauf weist der
halten sei , rnuss wohl in der Placierung der Zusammenhang dieser Spiele mit dem Triumph-
Götter auf lectus und sellae der ritus graecus zug (s. oben). Die Zugehörigkeit der quadriga
erkannt werden , der uns um so weniger in co zu den Attributen des Iuppiter 0. M. kennt
Verwunderung setzen darf, als ja, wie wir die Sage (Plut. Popl. 13. West. p. 274. Serv.
oben sahen, die Verehrung der eapitolinischen ad Aen. 7, 188; vgl. Jordan, Top. 1, 1 S. 210)
Trias auf griechischen Einüufs zurückgeht und wie die Geschichte (Liv. 10, 23, 12. 29, 38, 8.
das starke Hervortreten der Persönlichkeit der 35, 41, 10); der voranziehende Beamte gilt
Götter Zeugnis für jenen Einflufs ablegt. So demnach als Stellvertreter Iuppiters. Eine
erklärt sich auch die supplicatio im Tempel ausführliche Schilderung der weiteren Zug-
des Iuppiter Capitolinus (Macrob. 1, 6, 13); Ordnung findet sich bei Dionys v. Mal. (7, 72),
Lectisternien und Sellisternien erfolgen auf An- der sich auf Fabius Pictor als Gewährsmann
737 Iuppiter (Capitolinus : thensae)
beruft. Als die eigentliche Aufgabe (Liv. 5,
41, 2. Suet. Aug. 43. TertuU. de coron. 13)
des führenden Magistrates wird das Geleit der
thensae bezeichnet .(der Schreibart tensae in
derhandschriftlichenÜberlieferung und auf den
Inschriften Henzen 6137 adn. 2. C. I. L. 10, 6102
steht zwar nur einmal die Orthographie thensa
gegenüber, aber auf einer offiziellen Urkunde,
dem Militärdiplom v. J. 60 C. I. L. 3 p. 845),
d. h. der besonderen, aus kostbaren Metallen 10
gearbeiteten Wagen, auf denen man die At-
tribute der Götter (exuviae) fährt (Fest. p. 364;
Terentius Varro liefs als Aedil einen Knaben
von wunderbarer Schönheit auf der thensa
Iuppiters die Attribute des Gottes tragen; der
Zorn der Iuno strafte ihn mit der Niederlage
von Cannae; Val. Max. 1, 1, 16. Lactant. 1,
6, 16). Zur Aufbewahrung der thensae dient ein
besonderes Heiligtum auf dem Capitole neben
dem Tempel (aedis thensarum auf dem eben 20
erwähnten Militärdiplom; vgl. Suet. Vespas. 5.
Cassius Dio 66, 1). Über das Aussehen der
thensae für die 3 capitolinischen Götter geben
uns Denare der gens Rubria Aufschlufs (2?a-
belon, Monn. de la re'pl. Born. 2 S. 40 nr. 1 — 3).
Wir erblicken 2rädrige, mit 4 Pferden bespannte
Wagen mit hohem , viereckigem Kasten , an
dessen Seiten Blitz und Adler angebracht sind;
die offene Vorderseite zeigt bei Iuppiter und
Iuno fliegende Victoria , bei Minerva eine auf so
einer Biga stehende Nike. Andere Abbildungen
von thensae geben Ann. d. inst. 1839 tav.
d'agg. 0. 1870. tav. d'agg. L. M. = Baumeister,
Denlcm. 3 Abb. 2340. Mus. Piocl. 6, 43. Cadel-
lani, Bullet, munic. Bom. 1877 S. 119ff. tav.
11 — 15 = Baumeister, Denfon. 3 Abb. 2325;
Medaillons des Tiberius und Antoninus Pius b.
Fröhner a. a. 0. S. 7. 62, 1. Pueri patrimi et
matrimi führten die einzelnen Wagen (Cic. de
harusp. resp. 11, 23). Vom Capitole aus setzte sich 40
der geordnete Festzug (ein anschauliches Bild
desselben giebt Tertull.de speet.l) in Bewegung;
unter dem Jubel des zuschauenden Menge (Ovid,
am. 3, 2, 43) zog er den clivus Capitolinus (vgl.
Bichter in Iw. Müllers Handbeil. 3 S. 809 ff.)
hinab, überschritt das Forum und nahm dann
durch den vicus Tuseus, das Velabrum und
forum boarium seinen Weg nach dem circus,
den er in seiner ganzen Länge durchmafs
(Varro 1. I. 5, 153). Die exuviae wurden da- 50
selbst von den thensae herabgenommen und auf
ein pulvinar gelegt (Fest. p. 364. C. I. L. 6,
490; das mon. Ana. 4, 4 nennt unter den
Bauten des Augustus ein pulvinar ad circum,
die Lage ist nicht bekannt; Mommsen, B. g.
d. A. p. 80); sie deuteten an, dafs die Spiele
gewissermaisen in Gegenwart der Götter statt-
fänden, und gleichsam im Auftrage Iuppiters
eröffnete der leitende Beamte, mit der Ge-
wandung des höchsten Gottes angethan, durch 60
das Zeichen zur Abfahrt der Wagen feierlich
die Spiele (Liv. 8, 45, 3. 40, 1, 7. Henzen,
Act. fratr. Arv. p. 36 ff.). Wie bei allen
sakralen Handlungen war die gröfste Sorgfalt
geboten, da der geringste Verstofs gegen das
Ritual eine teilweise oder vollständige Wieder-
holung der Feier nötig machte (Cic. de harusp.
resp. 11, 23; vgl. Bitschi, Parerg. p. 309 ff.;
Koschek, Lexikon der gr. u. rum. Mytbol. II.
Iuppiter (Capitolinus: ludi) 738
die thensa des Iuppiter bricht: Cassius Dio
50, 8, die der Minerva : ibid. 47, 40). Die Kaiser-
zeit änderte wenig an der durch ihr Alter
ehrwürdigen Feier, sie gestaltete sie noch glän-
zender; dem Iul. Caesar hatte man bereits zu
seinen Lebzeiten tensam et ferculum pompa
circensi bewilligt (Suet. Caes. 76. Cic. ad Att.
13, 44, 1. Appian. b. c. 3, 54. Cassius Dio
43, 45. 44, 6. 47, 18); die Bilder verstorbener
Kaiser, ihrer Gemahlinnen und Anverwandten
des kaiserlichen Hauses wurden im Zuge ge-
fahren oder getragen (Plin. n. h. 34, 19. Tac.
ann. 2, 83. C. I. L. 6, 911; vgl. Tac. ann. 4,
9. C. I. L. 6, 912. Suet. Claud. 11. Calig. 15.
Tit. 2. Cassius Dio 59, 13. 74, 4. vit. Anton,
P. 6. vit. M. Anton. 21 und zahlreiche Münzen,
Borghesi, Oeuvres 2 S. 100; vgl. Antli. Pdlat.
9, 285; Darstellung einer pompa auf einem
Sarkophagdeckel Gerhard, Ant. Bildw. Tf. 120,
1 = ann. d. inst. 11 (1839). tav. d'agg. N. 1:
Quadriga von Elefanten, auf einem ferculum
die Victoria, unter den Begleitern ein Bläser);
über die speziellen ludi vgl. Friedländer b.
Marguardt, Böm. Staatsvenv. 3° S. 498. 511 ff.
Sehr dürftig und widersprechend sind die Be-
richte über die Entstehung und Einrichtung der
ludi Capitolini. Die einen (Enniush. Serv.
ad Georg. 2, 384. Varro b. Tcrtull, de spect. 5;
vgl. Ovid. fast. 6, 34. Ulpian. 22, 6) erzählen,
ßomulus habe im Anschlufs an die Dedikation
des Tempels für Iuppiter Feretrius Spiele ver-
anstaltet im Faustkampf und Wettlauf, wobei
die Teilnehmer auf geölte Felle traten , die
anderen (Flut. Bom. 25; vgl. q. B. 53. Fest.
p. 322) nennen zwar auch den Romulus als
Begründer der Spiele, knüpfen aber ihre Ein-
führung an seinen Triumph über Veji und den
hiermit zusammenhängenden Brauch an den
Iden des Oktober, dem Jahrestage jenes Trium-
phes, einen alten Mann im königlichen Ornate
mit der Kinderbulla über das Forum nach dem
Capitole zu führen und zugleich durch einen
Herold zum Kaufe der Sarder einzuladen
(Mommsen, Böm. Gesch. I7 S. 329 sieht in der
Eroberung Vejis durch Camillus den Anlafs
zu diesem Brauche). Eine dritte Version giebt
Livius 5, 50, 4. 5, 52, 11; danach- seien die
capitolinischen Spiele a. 364 nach dem Abzüge
der Gallier auf Senatsbeschlufs gestiftet wordeu,
quod Iuppiter optimus maximus suam sedem
atqiie arcem populi Bomani in re trepida tuta-
tus esset, und der Diktator M. Furius Camillus
habe den Auftrag erhalten, zu diesem Zwecke
ein Kollegium aus den Bewohnern des Capitols
und der Burg zu bilden. Mit Recht vermutet
Jordan (Top. 1, 1 S. 278), dafs es sich um
Spiele des pagus Capitolinus handelt. Der
Umstand, dafs die pagi zu den ältesten Ge-
meindeverbänden Italiens gehören (vgl. Mar-
guardt, Böm. Staatsvenv. 3~ S. 198ff.) im Ver-
ein mit der schlichten Einfalt der Spiele und
ihrer Feier an den Iden, dem alten Festtage
Iuppiters , läfst es nicht ausgeschlossen er-
scheinen , dafs jene ludi wirklich schon vor
der Erbauung des grofseu Tempels bestanden
und das älteste Heiligtum des Gottes, das des
Iuppiter Feretrius, zu ihrem Mittelpunkte hatten;
die Einrichtung durch Camillus wäre demnach
2-1
730 Iuppiter (Capit. : Capitole i. röm. Reiche") Iuppiter (Capit.: Capitole i. röm. Reiche) 740
nur die Wiederherstellung oder Neuordnung
eines bereits vorhandenen Festes gewesen.
Nach dem gallischen Brande werden die capi-
tolinischen Spiele nicht mehr erwähnt (vgl. Liv.
6, 20, 3. Mommsen, Röm. Forschg. 2 S. 182 ff.),
dagegen ist ein collegium Capitolinorum noch
in der Zeit des Augustus bekannt (C. I. I. 1,
805. 10, 6488. 14, 2105. Cic. ad Q. fr. 2, 52;
über die ludi Capitolini des Douiitian s. unten).
Capitolinischer Tempel auf einer Münze des Yespasian
(nach Cohen, Med. imp. 1 pl. 15 nr. 409); vgl. Sp. 717, 40 f.
Capitole aufserhalb Roms. Die poli-
tische Bedeutung Iuppiters als römisches Staats-
oberhaupt zeigt sich sehliefslich neben den zahl-
losen Weihinschriften in der steigenden Ver-
breitung der Capitole im römischen Reiche.
Möglich ist es, dafs die Verehrung der capi- so
tolinischen Trias bereits in früher Zeit aufser-
halb Roms Verbreitung gefunden hat, nämlich
im Anschlufs an die Gründung der Kolonieen,
die ja im Kleinen ein Abbild der Mutterstadt
selbst sein sollten (Gell. 16, 13, 8. Cic. de leg.
agr. 2, 27, 73. pro Font. 1, 3); sicher nachweis-
bar ist der Kult nach dem Bundesgenossen-
kriege, als mit der Erteilung des Bürgerrechts
an alle Italiker in den Landstädten immer
stärker das Bestreben hervortrat , alle Ein- 40
richtungen nach dem Muster der Hauptstadt
zu gestalten und an Glanz und Pracht mit
ihr zu wetteifern (vgl. Friedländer, Rom.
Sittengesch. 35 S. 169). Unter den Kaisern hielt
der Kult seinen Einzug in die Provinzen und
drang bis in die entferntesten Teile des
Reiches. -Die Frage nach dem Vorhandensein
von Capitolen aufserhalb Roms ist eingehend
behandelt worden von Kuhfeldt, De Capitoliis
imperii Romani Berlin 1883; danach lassen 50
sich Capitole noch in folgenden Städten kon-
statieren:
Capua. Die Dedikation vollzieht Tiberius
a. 26 p. C. (Tac. ann. 4, 57. Suct. Tib. 40).
Kuhfeldt p. 16 glaubt an die Restitution eines
schon vohandeneu Tempels , der jedoch erst
nach der Unterwerfung Capuas a. 543, erbaut
sei. Blitzschlag trifft den Tempel a. 40 p. C.
(Suet. Calig. 57) und zerstört ihn zur Zeit
Diocletians (acta Sanctorum Bd. 6 p. 18 f. 60
Bolland). Für die Lage des Tempels in Capua
spricht der Fund eines Bildwerkes unweit
des Theaters; es zeigt in der Mitte den Iuppiter
sitzend , stehend zu seiner Rechten Minerva
mit Helm und Aegis, einen Speer haltend, zu
seiner Linken Diana mit Köcher und Speer
(über die Bedeutung der Diana vgl. Kuh-
feldt p. 18).
Nola. Me ad Capit oliuvi ire iubete, ut
ipsum Iovem principem daemoniorum vestrorum
ruere faciam in der Legende vom hlg. Felix,
der zu Nola lebte und starb (acta SS. 2
p. 233, 1).
Pompeji. Auf der nördlichen Seite des
Forums sind die Trümmer eines bedeutenden
Baues freigelegt worden; er ruht auf gewal-
tigen Substruktionen und ist nach der tuski-
schen Auguraldisziplin orientiert; die Säulenhalle
(dreireihiger Hexastvlos) mit Pronaos und da-
hinterliegender Cella sind deutlich erkenn-
bar, unter dem hinteren Teile der Cella
waren favisae angelegt. Zeigt schon die
iiufsere Anlage in mancher Hinsicht Ähn-
lichkeit mit dem capitolinischen Tempel in
Rom, so wird die Vermutung, dafs es sich um
ein Heiligtum der Göttertrias Iuppiter, Iuno,
Minerva handle, bestätigt durch eine im Innern
der Cella entdeckte, au Iuppiter 0. M. gerich-
tete Weihinschrift aus dem Jahre 37 38 p. C.
(C. I. L. 10, 796) und eine an derselben Stelle
gefundene Bildsäule des höchsten Gottes (vgl.
Overbcch, Pomp. S. 62. 65. 89 ff. Kissen, Pomp.
Stud. S. 320 ff. Templum S. 142. 209. Mau,
Pomp. Beitr. S. 204 ff. Mazois et Gau, Ruines
de Pomp. 3 S. 48 ff.). Da das Forum seiner
Anlage nach jünger ist. als die übrigen Teile
der Stadt, so dürfte der darauf stehende
Tempel der Zeit nach dem Marserkriege an-
gehören, wo Pompeji römische Kolonie wurde
(Cic. pro Süll. 21, 62).
Histonium (im Frentanergebiet). [GJapi-
toliufm] | [FJabius MaximfusJ | rfirj cflaris-
simusj [i] nstauravit. 4. Jahrh. (CXi.9,2842;
vgl. die Widmung an I. Capitolinus ibid. 2860).
Marruvium (im Marsergebiet). . . . Ocia-
vius Laenafs] \ . . . Cervarius P. f. \ IUI vir
quinq. | viam post Gapitoliufm] \ silicc sternen-
da[m] | ex d. d. p. p. \ locarunt idemqfue]
probafrunt] (C. I. L. 9, 3688).
Abellinum (im Hirpinergebiet). Vom hlg.
Hypolit wird erzählt . . . Iovis pontifices
.... vulneribiis plagaverunt ; qui . . . ad mon-
tem Capitolinum perductus in forum deici-
tur . . . interea pontifex .... thuribulum ei
porrexit, ut Iovis simulacro thus adhiberct
(acta SS. 2 p. 43, 2 Bolland).
Beneventum. Statua eius (Orbüii gram-
matici) Beneventi ostenditur in Capitolio ad
sinistrum latus marmorea (Suet. de gramm. 9).
Ostia. A. Oiticnsis Äsclepiades \ aeditus
Capitoli signum Martis \ corpori familiae \ pu-
blice libertorum et servorum d. d. (C. I. L. 6,
479 = 14, 32).
Faesulae. lovi o(ptimo) m(aximo) \ lu-
noni reg(inae) | Minervae | ob restitutio\nem
Capitoli | ordo spl(endidissimus) Flor(entino-
rum) | d(ecreto) d(ecurionum) ; 1. od. 2. Jahrh.
(CLL. 11, 1545).
Florentia. Eine Kirche S. Mariae in
Campidoglio ist vom 11. Jahrhundert an nach-
weisbar (Kuhfeldt p. 32 f.).
Ravenna. Beatissimus Apollinaris (epi-
scopus c. a. 75) ...in carccrem missus est non
longe ad Capitolium istius Ravennae civitatis
(acta SS. 5 p. 353 Bolland, die Erzählung
weiter ausgeführt ibid. p. 444 ff.).
741 Iuppiter (Capit. : Capitole i. röm. Reiche) Iuppiter (Capit.: Capitole i. röm. Reiche) 742
Verona. . . . statuam in Capitolio \ diu Constantinopolis (Thracien). Chron.
iaceiitem in | cereberrimo fori \ loco constitui \ Pasch. 1 p. 570 cd. Bonn. Gledon. Gramm, lat. 5
iussit Val. Paladins | v. c. cons. Venet. et Bist. p. 14 Keil. Corp. Iust. 2 p. 334. 336. Coripp.
zw. 379 u. 383 (C. I. L. 5, 3332; vgl. die Weih- in laud. Iust. Aug. 3, 121 f.
inschrift an die Trias ibid. 3242). Nysa (Karlen). Ein isgsvg Jibg Kanszcoli'ov
Aquileia. Vom Präfekten Apollinarius äia ßi'ov wird genannt G. I. Gr. 2943 a. 753 u. o.
unter Diocletian berichten die acta SS. (22 Antiochia. Zfig- KamtmliBvg' 'Avxioxtmv
p. 456 ff.): Cumque venisset apud civitatem Aqui- (Münze des M. Aurel, Mionnet 3 nr. 83) Ztig-
leiensem in templum Iovis ingressus immundas Kernst . . . . g- 'Airti6%smv (Münze des Antoni-
hostias obtulit; praeco . . . . proclamabat, ut om- 10 nus Pius, Mionnet 3 nr. 82: Iuppiter in einem
nes venirent cum hostiis ad Capitolium Iovis. Tetrastylos sitzend, in der Rechten eine kleine
Brixia. Als Hadrian in Brixia weilt, giebt Victoria, in der Linken einen Speer), Zsvg
er Befehl sibi in Capitolio sedem parari; quo Kamz.Xi.g 'Avzi6%ta>v (Mionnet nr. 61).
cum Sanctos Dei adduci praeeepisset, compella- Teos (Lydien). z/tög Kznaiov \ Jtbg Kutce-
bat cos Iovi thura imponere (acta SS. 5 p. 812, zoiUov | 'Päfiiqg \ äya&ov duiuovog (C. I. Gr.
ausführlicher p. 816 Bolland). 3074).
Hispalis (Spanien). M . . . P . . . \ (st)atuam Smyrna. Ein £f<jfüs <Jtög Kant[zu>i.iov]
in Capit(olio) | . . . f. . . c. loco | IV. . . titu. . . wird erwähnt C. I. Gr. 3153.
C. C. R... I). (CLL. 2, 1194). Antiochia (Syrien). (Antiochus Epiphanes
Carthago. ... cum sigmentis Mercu . . . 20 rex intra a. 579 et 590) Antiochiae Joris
et Marte plagulas d . . . | ... atias puras . . . Capitolini magnificum templum non laquealum
Capilolii ... | ... (p)rasina colore ciarat . . . | auro tantum sed parietibus totis lamina inau-
(C. L. L. 8, 1013; vgl. 1141, wo ein sacerdos ratum et alia multa aliis locis pollicitus non
Lovis 0. M. genannt wird), Cyprian. de lapsis perfecit (Liv. 41, 20, 9; vgl. Gran. Licinian.
p. 242. ep. ad Cornel. fr. 13 p. 681 Harte!. p. 9. ed. Bonn. Polyb. 26, 10, 11 Bindorf).
Pacian. contr. Koratian. 2, 3 vol. 13 Migne. Tiberius restauriert derj Tempel (Ioan. Mala-
Cod. Theod. 11, 1, 34. lae bist, chron. p. 302 ed. Oxon.; vgl. acta SS.
Bibae (Africa procons.). [Iovi Lunoni] 1 p. 571 Bolland).
reginae Minerfvae] I . . .m re... augg. Capito- Aelia Capitolina (Palästina). Cassius
lifum] | dedieavit curante rem pubflicam] 30 Bio 69, 12; vgl. Paulin. Nol. in patrol. lat.
(C. L. L. 8, 906). 61 p. 326 D Migne. Sulpic. Sev. chron. 2,
Aelium Sua (?). Ex s(enatus) c(onsulto) 31, 3. Auf Münzen des Hadrian und Diadu-
quod supter in (cjellis Cap(itolii) zw. 388 menian (Mionnet 5 nr. 2. 25) erscheint Iuppiter
und 392 (C. I. L. 8, 928). in einem Distylos resp. Tetrastylos, umgeben
Thugga. Zwar weifs uns die Überliefe- von Iuno und Minerva, vgl. Knhfeldt p. 60
rung von einem Capitole nichts zu berichten, A. 227. Die Juden hatten bereits unter Vespa-
indes die aufgedeckten Trümmer eines Baues, sian und Titus eine jährliche Abgabe an den
die an den Tempel zu Pompeji (s. oben) er- capitolinischen Iuppiter zu Rom äntrichten
innern (Gue'rin, Voyage 2 S. 125ff.), und eine müssen, Cassius Bio 66, 7; vgl. Ioseph. b. lud.
in der Wand des Pronaos befindliche Inschrift 40 7, 6, 6. Sulpic. See. 2, 30, 7.
mit der Widmung an die Göttertrias (CLL. Narbo (Gallien). Ausonius rühmt das
8, 1471. 1472) lassen an dem Vorhandensein Capitol dieser Stadt als einen Prachtbau von
eines Capitoles daseibat keinen Zweifel. parischem Marmor (de dar. urb. 13, 14; vgl.
Theveste (Numidien). Batasque ad Capi- Sidon. Apoll, c. 23. act. SS. 9 p. 373;; der
tolium argenti libras CLXX etc. (C. I. L. Name Capitolium hat sich bis in das 14. Jahrh.
8, 1858). erhalten (Kxdifeldt p. 61 A. 232).
Thamugadi. . . . fquat] tuor porticus Tolosa. Act. martyr. sine, et sei., Veron.
Capitoli seriae vetustatis absumptas et usque ad 1731 p. 109f. Sidon. Apoll, epist. 9, 16. Gregor.
ima fundamenta cfollapsasj | novo (o)pere per- Turon.lib.miracul. 1,48. Hist. Franc, in patrol.
feetas exornatasque dedieavit Publilius Caeco- so lat. 71, 23 Migne.
nius Caecinfa etc. (C. I. L. 8, 2388). Trümmer Nemausus. Der Name derKirche S.Etienne
des auf einem Hügel gelegenen Tempels sind de Capdueil (S. Stephani de Capitolio, Kuhfeldt
noch erbalten; vgl. Benier b. Caitan, Le Capi- p. 64 A. 239) und Ausgrabungen an jener Stelle
tole de Vesontio et les capitoles provinciaux du machen die Existenz eines Capitols wabrsebein-
monde Romain (Memoires Ins ä la Sorbonne). lieh (Stark, Städteleben, Kumt und Altertum
Paris 1869 S. 64. . " in Frankreich S. 101).
Lambaesis. CLL. 8, 2611. 2612; über Augustodunum. Der Rhetor Eumcnius
Tempeltrümmer vgl. Wilmanns, Comm. in hon. (pro restaur. schol. 10) beschreibt die Lage
Mommseni p. 199 C L. L. 8 p. 283. der schola Maeniana inter Apollinis templum
Uzelis. Dem Iuppiter O. M. wird auf dem 60 atque Capitolium . . . ubi ante aras quodammodo
Capitole eine Statue geweiht (C.L.L. 8, 6339). suas Iovios Uerculiosque audiant praedicari Iup-
Cirta. Ein Iovis Victor argenteus in Capi- piter pater et Minerva socia et Iuno placnta.
Mio wird erwähnt C I. L. 8, 6981 ; vgl. 6983. Ausgrabungen bestätigen diese Nachricht (Buf-
6984. 7014. Beschreibung des Tempels von Hot, Observations hist. et archeol. sur les fouilles
Renier a. a. Ü. d' Augustodunum [Memoires Jus ä la Sorbonne]
^Corinthus (Griechenland). Paus. 2, 4, 5 Paris 1877 S. 13lff.).
iniQ äi to fttarQÖv laziv hgbv Jibg Kam- Vesontio. Das Vorkommen des Namens
zaki'ov . . . Capitolium läfst sich bis in das 7. Jahrhundert
24*
743 Iuppiter (Capit. : Capitole i. röm. Reiche)
zurück verfolgen, es führte ihn ein Platz, der
zwischen der Kirche von S. Pauli und der porta
Nigra gelegen war; die Aufdeckung bedeuten-
der Tempelreste daselbst beseitigt jeden Zweifel
(Castan a. a. 0. S. 47 ff. Kukfeldt p. 66. 67).
Augusta Tre virorurn. Ausonius {Mos.
420 f.) erwähnt einen Triumph des Valentinian
und Gratian zu Trier a. 368; das Capitol nennen
die acta SS. 3 p. 534 f. 2 p. 55 Bolland und die
gest. Trevir. (mon. Germ. Script. 8 p. 132. 150);
doch legt Kultfeldt p. 69 auf den Analogie-
schJufs vou anderen Städten mehr Nachdruck
als auf diese unsicheren Berichte. Die Lage
des Capitols ist nicht bekannt.
Colonia Agrippina. Zwar ist die Be-
nennung der Marienkirche als ecclesia S.Mariae
in Capitolio nicht die älteste, doch macht die
Bedeutung der Stadt, wie bei Trier, ein Capi-
tolium wahrscheinlich, wenn auch die Aus-
grabungen über die Lage desselben kein Re-
sultat ergeben haben (Kultfeldt p. 74f.).
Aus den Bünden des Corpus, die Kukfeldt noch
nicht einsehen konnte, dürften hinzukommen :
Lanuvium: mag. colleg. Capit olinor. C I.
L. 14, 2105.
Fabrateria nova: afedejm Iov(is) Iu-
n[(onis) Min(ervae) f(aciendam) c(uraverunt)]
auf einem Epistylfragment C. I L. 10, 5575.
Formiae: magisterit um) I(ovis) O(ptimi)
M(aximi), C I. L. 10, 6073.
Suessula: cultor I. O.M.S., C 1. L. 10, 3764.
Puteoli: Iovi 0. M et genio coloniae
Udos fec(erunt) p. C. a. 56. C. I. L. 10, 1574
(cultores sacerdotes I. 0. M. Damasceni s. Helio-
politan. erwähnen die Inschriften C. I. L. 10,
1575. 1576. 1578. 1579. 1634).
TJlubrae: magister Capiftjtolinorum) C.
I. L. 10,' 6488.
Pagus Veianus: Iovi Opt. Max. | L.
Trebonius primus | aedem cum por\[ticu . . .
C. I. L. 9, 1496 vgl. 1497.
Aquae Catiliae: 1.0.31. aedem .. . CIL.
9, 4663.
Furf o : ex collegio I. 0. M. C. I L. 9, 3519.
Saepinum. [tJempluml.O.M. CIL. 9,2241.
Über Falerii vgl. Sp. 643 ff.
Zweifeln begegnet die Überlieferung von
den Capitolen zu Mediolanum, Pola, Tergeste,
Caesarea (Kappadocien) , Durocortorum und
Sanctona (Gallien); vgl. Kultfeldt p. 41 — 44.
60. 67. Wir dürfen annehmen , dafs in der
späteren Kaiserzeit fast jede Stadt in dem
weiten römischen Reiche ihr Capitol besessen
hat, das, soweit die Verhältnisse es erlaubten,
dem glänzenden Vorbilde in seiner ganzen
Anlage entsprach und die Eigentümlichkeit
des Kultes getreulich nachahmte. Wie zu
Rom für das Gesamtreich, so war auf allen
diesen Capitolen Iuppiter optimus maximus
der Gegenstand der höchsten Verehrung fin-
den engeren Kreis des Stadtgebietes; das
Opfer an ihn bedeutete die Anerkennung der
bestehenden Staatsreligion; so galt er als der
Repräsentant des Heidentümer überhaupt und
sein Sitz, das Capitol, als der Sammelpunkt
aller heidnischen Götter (Tertull. de spectac.
12 Capüolium omnium dacmonum templum;
vgl. Serv. ad Aen. 2, 319. Amol). 1, 34. 4, 16.
Iuppiter (Begriffserweiterung") 744
5, 9. Lactant. 1, 11, 39 und die angeführten
Stellen der ad. SS.).
Im eigentlichen Kulte haben sich altertüm-
liche Formen und Gebräuche Jahrhunderte lang
unverändert erhalten, doch die immer stärker
hervortretende Bedeutung des capitolinischen
Iuppiter stellte allmählich die Kulte der an-
deren Ioves in Schatten. Als sodann seit
Beginn des 6. Jahrhunderts der Stadt mit
in dem Aufblühen der Litteratur der reiche Strom
griechischer Sagenbildnng nach Rom sich er-
gofs, und als unter dem Einflufs der späteren
griechischen Philosophie die rationalistische
Deutung der Göttergestalten auch in Rom
ihre Vertreter fand, da schwand mehr und
mehr die klare Anschauung von dem ursprüng-
lichenWesen des römischen Iuppiter. Ausgehend
von den Kreisen der Gebildeten und in immer
weitere Schichten des Volkes dringend, voll-
2o zog sich etwa um die Zeit, da die römischen
Heere siegreich gegen ihre östlichen Nachbarn
vordrangen, die Gleichsetzung des römischen
Iuppiter und des griechischen Zeus. In den
Werken der älteren Schriftsteller, des Naetius
und Plautus, Cato und Ennius ist dieser Um-
wandlungsprozefs deutlich zu bemerken. Nach-
dem ferner die Ausdehnung des Reiches die
Bekanntschaft mit den Kulten der orienta-
lischen Völker und der barbarischen Stämme
so des Nordens vermittelt hatte, verlor der Begriff
des römischen Iuppiter vollends seine charakte-
ristischen Merkmale, so dafs mit seinem Namen
die Hauptgötter aller jenerfremden Nationen be-
zeichnet werden konnten. Iuppiter wurde der
allgemeine Gattungsbegriff", zu dem die Namen
der ausländischen Gottheiten zur Bezeichnung
der Art hinzutraten. Es scheint, als ob neben
dem Iuppiter 0. M. andere Richtungen im
Wesen des höchsten Gottes, die zu Rom Ver-
de ehrung genossen, von hier aus in Italien und
den Provinzen nur sehr geringe Verbreitung
gefunden haben; der capitolinische Kult drängte
eben alle anderen in den Hintergrund. Wei-
hungen an Iuppiter unter einem der römischen
Kultbernamen genügen nicht zum Beweise für
den Kult des Gottes an der Fundstelle; es
müssen noch andere Zeugnisse hinzukommen,
z. B. die Nennung eines Tempels oder einer
Priesterschaft des Gottes. In den wenigen
50 beweiskräftigen Stellen kann man mit ebenso
grofsem Recht auf einen allgemein italischen
Kult als auf römischen Einflufs schliefsen (vgl.
Sp. 638. 642. 651, dazu eine Inschrift aus
Anagnia [aedem Iojvis Statoris C. I. L. 10,
5904 und Signum Iovis Statoris ad Arretium.
Cic. de dir. 1, 35, 77). Tempel Iuppiters ohne
weitere Beinamen werden erwähnt zu Tusculum
(Liv. 27, 4, 11), Lanuvium {Liv. 32, 9, 2),
Aricia {Liv. 24, 44, 8), Satricum, Tarracina
SO (Liv. 2S, 11, 2), Minturnae (Liv. 27, 37, 2.
36, 37, 3), Formiae (Liv. 32, 1, 10), Cumae
(Liv. 27, 32, 2), Caere (Liv. 27, 32, 2) und in-
schriftlich zu Pompeji (PIUS. M. F. | AEDEM
IOVIS CIL. 10, 925), Alvito (aedem fecit.
Iovem marmoreum posuit a. 144 p. C. C. I. L.
10, 5142), Casinum (aedem Iovis a solo et por-
ticum cum aedifieiis faciendam curaverunt C. I. L.
10, 5160a). Cultores Iovis nennt eine Inschrift
745 Iuppiter (Beziehung zu den Kaisern)
von Abella (C. I. L. 10, 1216). Kulte Iup-
piters unter einem zu Rom nicht bekannten
Beinamen finden sich zu Capua (C. /. L. 10,
3772 a. 660 u. e., wo wir von einem conlegium
und viagistrei Iövei Compagei hören; etwa
gleich Iovii Compagi?), zu Cereate Mariana
(C. /. L. 10, 5779 a. 750 Iovi Aer(i)s et disin-
digetibus cum aedicula et base et [acjdi et porticu)
und zu Ostia (C. I. L. 14, 25 Iovi Tutor i
Q. Veturius Secundus | A. Libius Hilarianus | 10
quaglator et curator | donu daeder cidtoribus).
Iuppiter in seiner Beziehung zu den
Kaisern. Als mit der Einführung des Prin-
zipats ein gemeinsames Oberhaupt für den
Opfernder Feldherr beim albanischen Triumph
(nach Hon. d. inst. 10 t. 2fl) ; vgl. Sp. 695.
römischen Staat geschaffen war, da ergab sich
von selbst eine enge Beziehung des himm-
lischen Repräsentanten der Römermacht zu so
seinem Stellvertreter auf Erden. Von der
Person des Kaisers hing das Wohl und Wehe
des Staates ab; beschirmte also Iuppiter den
Fürsten, so schützte er das gesamte Volk; in
dem Gedanken einer obersten Schutzgottheit
des Kaisers, seiner Angehörigen und des unter
seiner Leitung stehenden Weltreiches findet der
luppiterkult der Kaiserzeit seiuen charakteristi-
schen Ausdruck. Inschriften feiern den Gott als
Conservator Augustorum (C. IL. 8, 6353. uo
Eph. epigr. 5, 1193), dcorum Caes(arum) (Eph.
epigr. 5, 691), imperatoris totiusque domus
divinae (C. I. L. 8, 2620), sanctissimorum
prineipwm (C. I. L. 8, 1628), imperii (C. I. L.
6, 423), totius poli (C. I.L. 6, 406). Münzen
bezeichnen ihn als Sponsor securitatis oder
saeculi Augusti (Cohen, Domit. 77. 555. Postum.
241), defensor salniis Augusti (Cohen, Domit.
Iuppiter (Beziehung zu den Kaisern) 746
78. 557), propugnator sospitator tutator cu-
stos conservator Aug. Caes. Augg., als praeses
orbis (Cohen, Pescenn. Nig. 22. Sept. Sev. 145
— 147) , conservator orbis (Cohen 7, Diocl. 6)
propagator orbis terrarum (Cohen, Maximin.
IL 126). Je unumschränkter die Macht
der Kaiser sich gestaltete, um so schärfer
tritt die Bedeutung einer Schutzgottheit des
kaiserlichen Hauses hervor. Während auf den
Münzen der ersten Regenten neben den ge-
nannten Beinamen noch eine Reihe anderer
(Stator, Victor, Liberator, Iuvenis) im Gebrauche
ist, wird seit Diocletian fast ausschliefslich
die Bezeichnung Conservator gewählt. Die
letzten Münzen mit der Legende Iovi Conser-
vatori prägt Constantin IL (Cohen 142 — 144).
Auf Münzen gelangt der Imperator, ausgestattet
mit den Attributen des höchsten Gottes, immer
häufiger zur Darstellung (Fröliner S. 91. 129 f.
355 f. Cohen, Elagab. 42); auch Statuen zeigen
ihn nicht selten als irdischen Iuppiter (Over-
beck a. a. 0. S. 119f. 122. 571 A. 90). Gelübde,
Gebete und Opfer für den Kaiser und seine Anver-
wandten finden statt am Anfang jedes neuen
Jahres (3. Jan.), an seinem Geburtstage, am
Tage des Regierungsantritts, für seine Rück-
kehr und Gesundheit und bei vielen anderen
Veranlassungen (Henzen, Act. fratr. Arval.
5. 51 ff. 89ff. Mommsen, Eph. epigr. 4 p. 225.
Jordan, Krit. Beitr. S. 290. Marquardt, Hörn.
Staatsvenv. 32 S. 266 ff.); der Ort der Feier
war das Capitol, und darin liegt bereits aus-
gesprochen, dafs jene Gebete an Iuppiter ge-
richtet waren. Die Formel eines Gelübdes
unter der Regierung des Titus a. 81 p. C.
lautet: Iuppiter 0. M. si imp(erator) Titus
Caesar Vespasianus Aug(ustus) . . . et Caesar
divi f(ilius) Uomitianus, cptos nos sentimus
dicere, vivent domusque eorum incolumis erit
a. d. III non(as) lanfuarias), quae proximae
p(opulo) Pv(omano) Q(uiritium) rei p(ublicae)
p(opidi) S(omani) Q(uiritium) [erunt fuerjint,
et eum diem eosque salvos servaveris ex pericu-
Ks, si qua sunt [eruntve ante] eum diem, eventum-
que bonum ita uti nos sentimus dicere [dederis
eosque in eo stjatu quo nunc sunt mit eo me-
liore servaveris, ast tu fea ita faxis, tunc tibi
nomjine collegi fratrum bubus aufrcdis II vo-
vemus esse futurjum C. I. L. 6, 2059; vgl.
Tertull. de coron. milit. 12. Widmungen an
Iuppiter pro reditu, pro salute, ob victoriain
der Kaiser sind uns inschriftlich in ziemlicher
Anzahl erhalten; sie gelten zumeist dem Iup-
piter 0. M. : I. 0. M. Judi votivi pro reditu,
imperatoris Caesaris divi Augusti a. 747 und
741 u. c. C. I. L. 6, 385. 386; vgl. die Münze
des Augustus mit der Lesung Iovi vot. susc.
pro sal. Caes. Aug. s. p. Q. B. (Cohen 162;
vgl. 350) , [pro salute] Ca(e)sar[is] von einem
Freigelassenen des Augustus zu Forum novum
(C. I. L. 14, 4773), Iovi Treblulano?) pro sa-
lute Hadriani (C. I. L. 9, 2833), Iovi Statori
et Conservatori ob victoriam Elagabali (C. I. L.
6, 434; vgl. Eckhel, Doctr. numm. 7 p. 206),
Iovi Monitori pro salute atquc incolumitate
d(omini) n(ostri) ßallieni Augfusti) (C. I. L. 3,
3228); vgl. ferner C I. L. 11, 1331. 6, 410. 414.
419. 8, 1628. 3, 3233. 11, 1322. 596. 7, 496. 8,
747 Iuppiter 'Beziehung zu den Kaisern)
2619. 2620. 2626. 6, 428. 3, 3231. 5, 2475. Die
Kaiser unterliefsen es nie, vor ihrem Weg-
gang aus der Stadt auf dem Capitole zu
opfern, und bei ihrer Rückkehr war ihr erster
Gang wieder dorthin gerichtet, dann erst be
gaben sie sich nach der kaiserlichen Burg
auf dem Palatin (Her od. 2, 14, 2. 3, 8, 4. Vit.
Alex. Sev. 57. Gallien. 8). Die volle Trium-
phaltracht, d. i. den Ornat des capitolinischen
Iuppiter, zu tragen ward ein Reservatrecht der
Kaiser (Mommsen, Rom. Staatsr. 1° S. 132.
401 ff."). Als Schutzgott des kaiserlichen Hauses
erhielt Iuppiter den Beinamen Augustus
CLL. 2, 2008. 5, 4014. 6955. 7, 371. 8, 1327.
1839. 6353. 6953. 10624. 10677. 10841. 10,
7237. Eph. epigr. 4, 533. 679 (vgl. die Wid-
mungen an Iuppiter et numen Augusti 0. I. L.
7, 638 — 640. 882) Münzen des Antoninus Pins
(Cohen 638), des Carausius (Cohen 107. 108),
des Diocletian (Cohen 115. 123. 124. 203—224.
254), des Maximiamis Hercules (Cohen 126.
132. 133. 282—290), des Diocletian und Maxi-
mianus Hercules (Cohen 4), des Constantius
Chlorus (Cohen 170).
Augustus. Über die Wiederherstellung
und Ausschmückung der Heiligtümer des Iup-
piter Feretrius , Liberias, Stator, Optimus
Maximus s. Sp. 672. 663. 682. 717. Als der
Kaiser im Jahre 728 während eines Krieges
gegen die Cantabrer der Tötung durch Blitz-
schlag wie durch ein Wunder entgangen war,
gelobte er zum Dank für seine Rettimg dem
Iuppiter Tonans einen Tempel (Suet. Aug. 29);
derselbe wurde auf dem Südhügel des Capi-
tolinus mons, hart an der Stelle, wo der clivus
iu die area einmündet, mit Wänden aus Mar-
morquadern erbaut (Plin. n. h. 36, 10. mon.
Anc. 4, 5) und mit Statuen reich geziert
(Plin. 34, 78). Die Einweihung geschah am
1. September 732 (Cassius Dio 54, 4. fast.
Arv. p. CCXXXVI Benzen = C 1. L. 6, 2295.
fast. Amit. C. I. L. 1 p. 324 = 9, 4192. fast.
Ant. C.L.L. 1 p. 328 = 10, 6638). Der pracht-
volle Bau lockte Andächtige und Neugierige
in grofser Menge herbei, auch Augustus selbst
besuchte ihn oft und gern; als er einst träumte,
der capitolinische Iuppiter beklage sich über
die Vernachlässigung seines Kultes, da gab er
ihm zur Antwort, Iuppiter Tonans solle nur
der Pförtner an seiner Thürschwelle sein, und
versah, um dies Verhältnis kenntlich zu machen,
den Giebel des neuen Tempels mit Schellen
(tintinnabula , Suet. Aug. 91). Vielleicht ge-
hören die südlich vom grofsen Tempel gefun-
denen Mauertrümmer zur Substruktion des
Heiligtums (Richter in Iw. Müllers Handbch.
d. Iclass. Altert. 3 S. 821). Der Name Iuppiter
Tonans hat mit dem altrömischen Kulte des
Iuppiter Fulgur nichts zu schaffen; er ist nur
eine Übertragung des griechischen Ze-vs Bqov-
T<äv; vgl. die Widmung Iovi Sancto Brontonti
Aur. l'oplius C I. L. 6, 432 und einen «S'a-
cerdos dei Brontontis C. I. L. 6, 2241. Weih-
inschriften an Iuppiter Tonans fand man zu
Gaudium (C. I. L. 9, 2162), Veji (C. 1. L. 11,
3778 vgl. 3773) und in den Trümmern eines römi-
schen Tempels zuAcpiaeSextiae (CLL. 12, 501).
Auf Münzen des Augustus (Collen 1 nr. 158.
Iuppiter (Beziehung zu den Kaisern) 748
161; 7 nr. 28. 29; vgl. 1 nr. 159. 160) mit der
Beischrift (I)ov(i) Toinanti) oder Iovis Tonant.
erscheint der Gott in ruhiger Stellung stehend
in einem sechssäuligon Tempel, die Linke
hoch erhohen, sich auf das Scepter stützend,
die Rechte gesenkt vorgestreckt (Over-
beck., Griecli. Kunstmythol. II. Münzt. 2 nr. 42.
Duriiy-Hertzberg, Gesch. d. röm. Kaiserreichs
1 S. 296); vgl. die Marmorstatue b. Clarac,
iu Mus. de sculpt. pl. 396 D nr. 681 A; dazu
vol. 3 S. 39 und Conse, Arch. Zeitg. 22 (1864)
S. 221*. Vielleicht war das Bild auf den
Münzen eine Nachahmung
der Statue des Leochares
(Plin. 34, 79), s. Over-
beck a. a. O. S. 55. Die
von einem Iuppiter Tonans
redenden Stellen der Dieh-
tev(Horat. c. 3,5, 1. Lucan.
20 Phars. 8, 219. Vol. Flacc.
Arg. 2, 560. Sil. Ltal. 1,
133. 4, 450. Stat. 3, 16.
Marlial. 7, 60, 2. 9, 3, 9. Iuppiter Tonans in einem
9, 65, 1. 9, 86, 7. 11, 94, 7. ^1'^^» Tempel
, ' _ . . ri, t . , T , Münzedes Augustus (nach
13, ,4 1. Claudxan.desext 0m.bKk< GriKh A„„s(.
cons. Hon. 44 ff.) sind mit ,„,,;,,„,. Zeus Münzt. 2
grofser Wahrscheinlich- nr. ü).
keit auf den capitolini-
schen Tempel zu beziehen (Jeep, Rh. Mus. 17
30 (1872) S. 269. Jord. Top. 1, 2 S.49). Auf Münzen
des Augustus begegnet uns zum erstenmale der
Iuppiter Conservator, nach links stehend,
Blitz und Scepter haltend (Cohen 1 nr. 19) ; andere
Münzen geben die Umschrift Iovi Olym(pio)
mit der Darstellung eines sechssäuligen Tempels
(Cohen 157) oder einen viersäuligen Tempel
mit der Legende Iovi deo s. c. (Cohen 266).
Augustus selbst wird als Zfig i Xtv&SQios ge-
feiert (Letronne, Inscr. de l'Egypte 2 p. 143).
io Von Tiberius ist nur die Einweihung
des Capitols zu Capua bekannt (Tac. ann. 4,
57. Suet. Tib. 40).
Caligula läfst zuerst die Beinamen Op-
timus Maximus auf sich übertragen (Marini,
Atti e monumenti de' fratelli Arvali S. 359).
Die unter Nero geprägten Münzen nennen
den Gott bald Custos (Cohen 1 nr. 12 — 16.
7 nr. 3), bald Liberator (Cohen 1 nr. 17), ohne
dal's in den Bildern selbst (Iuppiter sitzt nach
so links und trägt Scepter und Blitz) ein Unter-
schied erkennbar wäre.
Die gleiche Darstellung mit demselben
Beinamen oder dem Attribute Conservator
wiederholt sich auf Münzen des Galba (Cohen
1 nr. 256 — 258; 7 nr. 74).
Eine Münze Othos (Cohen 1 nr. 6) zeigt
den Gott in derselben Auffassung, aber nach
rechts gewendet. Umschrift Pont. max.
Vitellius liefs Münzen prägen, auf deren
co Revers Iuppiter in einem zweisäuligen Tempel
stehend mit Scepter und Blitz abgebildet war.
Umschrift I. O. Max. Capitolinus (Cohen 1
nr. 16. 17. 103. 104; 7 nr. 16); auf seinen
Münzen erscheint zuerst Iuppiter Victor nach
liuks sitzend, eine kleine Victoria und ein
Scepter haltend (Cohen 1 nr. 18 — 21).
Über die Restauration des capitolinischen
Tempels durch die Fla vi er und die darauf
749 Iuppiter (Beziehung zu den Kaisern) Iuppiter (Beinamen) 750
bezüglichen Münzen vgl. Sp. 717, 20 ff. VonVes- erhielten sich bis zum Ausgang des Alter-
pasian ist uns eine Weihinschrift erhalten; tums (Friedländer a. a. 0. S. 578 ff.), und die
die Vorderseite bietet Iovi, die Rückseite Erinnerung an die Dichterkrönung auf dem
Imp. Caesar Vespasianus Aug | per collegium Capitole blieb im Mittelalter (Gregorotius,
ponti\ficum fecit (G I. L. 6, 369). Auf Münzen Gesch. d. Stadt JRom 6 S. 207 ff.) und darüber
von ihm und Titus ist der Gott unbekleidet, hinaus bis auf unsere Tage lebendig (Fried-
in aufrechter Stellung, Scepter und Schale länder 25 S. 437 ff. 3S S. 379 ff.),
haltend zu sehen, zu seinen Füfsen steht ein Trajan hatte ein besonders nahes Ver-
Altar, Umschrift lovis Gustos (Cohen, Vespas. hältnis zu den Göttern des Capitoles, denn
105. Tit. 44). 10 im Angesichte des höchsten Gottes war er von
Domitian hatte beim Sturme der Vitel- Nerva an Kindesstatt angenommen und mit
lianer auf das Capitol a. 69 im Häuschen des dem Caesartitel geehrt worden; derselbe Kaiser
Thürhüters Schutz und Rettung gefunden; für war es auch, der den seit Augustus üblichen
die Befreiung aus Lebensgefahr errichtete er Schwur beim Genius des Herrschers nicht zu-
noch zu Lebzeiten seines Vaters an Stelle der liefs, sondern ihn durch den Schwur beim
Küsterwohnnng ein sacellum des Iuppiter Con- numen lovis 0. M. ersetzt wissen wollte (Plin.
servator mit einem Altare, auf dem die Ge- Paneg. 1, 8. Cassius Dio 68, 3). Dem Ge-
schichte seiner Rettung in Marmorreliefs ab- danken, dafs der Princeps unter dem spezi-
gebildet war. Später, als er selbst die Regierung eilen Schutze Iuppiters stehe, giebt er zuerst
übernommen hatte, weihte er dem Iuppiter 20 auf Münzen Ausdruck (Cohen 167, s. oben);
Custos einen grofsen Tempel und stellte sich andere Münzen zeigen die capitolinische Trias
auf einem Bildwerk als Schützling des Gottes (Cohen291. FröhnerS.%1; unt. Sp. 758) odereinen
dar (seque in sinu dei sacravit Tac. last. 3,74. Tempel Iuppiters (Cohen 495 — 499; 7 nr. 47).
Suet. TJomit. 5; vereint sind die Epitheta Die Beziehungen der folgenden Kaiser zu
Custos und Conservator auf einer Inschrift aus Iuppiter sind fast ausschlielslich durch die
Tuder, Orelli 1228). Fröhner (Medaill. de von ihnen geprägten Münzen bekannt ge-
l'emp. Rom, S. 29) macht darauf aufmerksam, worden; die häufigsten Beinamen sind oben
dafs auf einer grofsen Bronze Trajans (Cohen erwähnt; über die wechselnden Typen s. den
167) und einem Medaillon Hadrians (Cohen letzten Abschnitt. Das bedeutsame Verhältnis
571. Fröhner S. 28), wo Iuppiter den Kaiser 30 Diocletians und seiner Nachfolger zu Iuppiter
schützend in die Falten seines Mantels hüllt, hat Peter s. v. Hercules 1 Sp. 3001 ff. bereits
eine Nachahmung des von Domitian gestifteten mitbehandelt.
Bildes zu erkennen sein wird (s. Sp. 760). Der Beinamen Iuppiters. Zum Schlüsse
Kaiser selbst schlug zu Ehren seines Schutz- seien noch kurz die Beinamen zusammengestellt,
patrons Münzen mit der Legende Iovi Conser- die die oben entwickelten Grundzüge im Wesen
vatori , die entweder den Gott selbst nach Iuppiters weiter ausführen, ohne dafs wir über
links stehend mit Scepter und Blitz (Cohen die Art des Kultes genauer unterrichtet werden,
1 nr. 359 — 362; 7 nr. 68) oder seine Attribute sowie diejenigen, die aus der Vereinigung
Adler und Blitz (Cohen 180) zur Darstellung Iuppiters mit orientalischen und barbarischen
bringen. Im Jahre 86 stiftete Domitian nach 10 Gottheiten hervorgegangen sind. Unerwähnt
dem Muster der olympischen Spiele den agon bleiben die Beinamen griechischen Ursprungs
Capitolinus (Suet. Domit. 4) und bestimmte z. B. Acraeus, Bronton, Hospitalis. Prodigialis
alle 4 Jahre eine Wiederholung der Feier etc. Es bedeutet f Beinamen des Iuppiter
(Censorin. de die natali 18, 11. Eckhel, Doctr. 0. M., * Beinamen des Iuppiter und des Iup-
numni. 4, 437). Sie bestand in Wagenrennen, piter 0. M.
gymnastischen und musischen Wettkämpfen Adventus f (?): Gl. F. 3,6340 Dalmatia.
(Friedländer, Sittengesch. 25 S. 575 ff.). Den Aetetusf (=cut7jt<b'?): C. I.L. 3, 1352 Dacia.
Vorsitz führte der Kaiser, angethan mit einem Amaranus: C. I. L. 9, 1074 Ager Compsinus.
Purpurmantel, auf dem Haupte einen goldenen Apenninns (Appenniuus)*: vgl. Sp. 635, 30 f.
Kranz mit den Bildern der drei capitolinischen 00 Orelli-Henzen 5613. G I. L. 8, 7961.
Gottheiten; zu den Kampfrichtern gehörte der Beonus: C. I. L. 14, 4177. Lanuvium vgl.
flamen Dialis in gleicher Tracht (Suet. a. a. 0.). Sp. 651, 27.
Der Preis für die beste Leistung in lateinischer Caounus: C. I. L. 6, 371 Roma. 9, 4876
und griechischer Poesie war ein Kranz aus Trebula Mutuesca.
Eichenlaub (Stab Silv. 5, 3, 231. Martial, 4, Caelusf:C. J.i 6,81 Roma; vgl. Bd. 1 Sp.844.
54, 4. 9, 23, 5. Iuvenal. 6, 387) und wurde Chortalisf: G. I. L. 3, 1782 Dalmatia.
vom Kaiser dem Sieger überreicht (Martial. Ciminius: CLL. 11, 2688 Volsinii.
4, 1,6). Das gewöhnliche Thema für die Conservator*: vgl. Sp. 745, 60. 748,32.749, 16.
Dichter und Redner (nicht lange nach Domi- Consul s. Consulens: vit. Firm. 3.
tians Tode kam die Bewerbung um den Preis eo Custos: C. I. L. 6, 376 Roma. 14,3557 Tibur.
in lateinischer und griechischer Beredsamkeit 5, 8795 Verona; seit Nero häufig auf Münzen,
wieder zum Wegfall) war neben der Verherr- Defensorf: C. I. L. 3, 1590. Eph. epigr. 2,
lichung des Kaisers das Lob des mit Zeus 446 Dacia. vgl. Sp. 746, 1.
völlig identificierten Iuppiter Capitolinus Depulsor*: G. I. L. 2, 2414. Hisp. Tarrac.
(Suet. a. a. 0. Quint. 3, 7, 4. C. I. L. 9, 2860); 3,895. 1679. 3269. 4018. 4033. 4034. 4111.
galt der Gott doch auch als der eigentliche 4760. 4786. 5160. 5460. 5494. Eph. epigr. 2,
Spender des Kranzes (Florus frg. p. 41 Jahn. 401. 443 Donauländer, C. I. L. 5, 2473 (Ateste)
Martial. 11, 9. Stat. Silv. 3, 5, 31). Die Spiele 8, 2621. 6043 Africa. 14, 2562 (?) ager Tusc.
751 Iuppiter (Beinamen) Iuppiter (Beinamen) 752
Depulsorius*: C I. L, 12, 315. 1067. 1287. Restitutorf: C. I. L. 3, 569 Achaia.
1288 Gall. Narb. Salutarisf: G. I. L. 6, 82. 425 Roma. 3,
Dianus: C. I. L. 5, 783 Aquileia Iovi | Di- 6456 Pannonia.
and | 0. Herre\nnius Candidas \ v. s. I. m. Sempiternua: C I. L. 10, 8375 Cumae.
Gegenüber der Behauptung Linde' s (de Iano Serenator: Apul. a. a. 0.
summo Romanorum deo. Lund 1891 S. 40), Serenus: C. I. L. 6, 431. 433 Roma,
die Inschrift zeuge für einen Himmelsgott Servatorf: C. I. L. 9, 4852 inter Forum
Ianus, hat Röscher (Berliner Philol. Wochenschr. novum et Cures.
(1891) Nr. 29/30 S. 933) mit Recht geltend ge- Sospitator: auf Münzen des Septimius Seve-
macht, dafs die Voranstellung des Beiuamens Iovi 10 rus und seiner Söhne,
allen Regeln lateinischer Wortstellung wider- Sponsor: vgl. Sp. 745, 67.
streiten würde, vgl. Bd. 1 Sp. 1003. 1011. Striganus: C I. L. 10, 3337 Misenum.
Dornesticus*: Brambach, C. I. Tili. 115 do- Summanus: C. I. L. 5, 3256 Verona; 5600
m(esticus?) C I. L. 12, 2387. Gall. Narb. ager Mediol.
Dom(i)nus: C. I. L. 2, 4442. 4501 (ohne Terminalis: C. I. L. 11, 351 ager Ravennas.
Hinzusetzung von Iuppiter, dafür ein Bild des Territorr C. I. L. 14, 3559 Tibur.
Gottes mit dem Adler) Hisp. Tarrac; vgl. 6, 82. Tigillus: Aug. c. d. 7, 11.
Exoriens: Cohen, Salonine 68. Tonitrator: C. I. L. 3, 2766 a Dalmatia.
Frugifer: C. I. L. 12, 336; vgl. Apul. de Tonitrualis: Apul. a. a. 0.
mund. 37 p. 371 (Goldb.). 20 Taunus (?): 0. I. L. 11, 1593 Florentia.
i?ie j-„* n t t a onn v> 1 „„ Tutator*: C. I. L. 9, 1549 Beneventum.
Fulgurator*: C. I. L. 6, 377 Roma. 3, 821. E , D .
1596. 1677. 6342 Donauliinder; seit Claudius IL J % \p\ "' % \ T . ' ,„ „ • •
, „n. tu. ' lutela: C I. L. o, 4243 Bnxia.
des öfteren aut Münzen. TT1, , .. c A ,.-.. , . , ,
„ , v , n T t „ ,AO„ t-, • Ultor: hauhg aut Münzen des Alexander
Fulguralisf: C. I. L. 3, 1086 Dada. c 1 n.1,.
■ü i -n i <« o„- n 11 jvt 1, beverus und Gallien.
Fulgur Fulmen: 12, 1807. Gall. Narb. Vindex- Tae arm 15 74
Fulminaris*: C. I. L. 5, 2474 Ateste. 8, u 1 ^ r r a ok™ w ■* 1 o =™
SfiSfi m Nnmid Valens: CLL. 8, 2o79 Numid; vgl. 6, 370.
p i,T;ti/ + \± n t t * Vesuvius: C. I. L. 10,3806 Capua.
Fulm(inator) JHÜg(urator) f : G. I. L. 3, ' L
3593. 3954 Pannonia; vgl. Apul. a. a. O. so Beinamen von Orient alis chen Gottheiten:
SäSSj^JoS' l3ortemL: Orelli 2396 . A™nf (Aezaniticus): nach Aezani in
matalonia. Angelust : C. J. L. 14, 24 Ostia; vgl. G.
lmbncitor: Apul. a. a. 0. TT- ,„" . ,' „ .. „. ,..,,,;„* o -- ' °
Imnulsor- ^«T, r d 7 9 ]1 °Z/?' A'CÄ' Ze'^- 25 (1867) S' 55'
lmpulsoi . Aug. c. a. 7 9 Balmarcodes: C. /. L. 3, 155. 159 Berytus,
Iurarius; C. J. -L. 1, 1105 = 6, 379 Roma. 1 bj i o r,,A
, • ' t-. , , ,;,,„ d ■ ■ vgl. IIa. 1 bp. 749.
suinu. vnscr. ltal. 1, 1272 hrixia. a D ■,„» x , . , .„„. c „„„ T .
t a n t t n croi c„i ■„ i Beeletarus : onw. a. inst. 188o S. 288 Liqnana ,
lutor: C. I. L. 9, 5531 balvia urbs. ■ , ,. ,,, , , H 0 „„r ,„ACc '
c -n/r- j„ n j 1 gioniale dl hloloq. class. 1 S. 98f. 161 fl.
luvenis: aut Münzen des Oommodus vgl. J t, , 1 t>j ■■ o nnn
« fi«7 ooff Belus: vgl. Bd. 1 Sp. 779.
mV* n J r * ioqo n • al„o " Caelestis*: C. J. L. 10, 4852 Venafrum;
Monitor*: C. I. L. 3, 1032 Dacia; 3228 „ ,n,0 n 1 i- -u- 7 ■ « r.« -7-7
p ' '3, 1948 Dalmatia; Lpli. epigr. 2, 519 tbid.
•kt i-'„ • . n t t 1 »nor o.,o r. Caelestinus 6, 404 (Pendant zu luno Caelestis'?).
JNunchnariusT: C. i. X. 3, 3936 a. 238 p. C. n ■ /-! r T ■ „ »_. .-_ /-, i
■ri- 1 d 7! 73- Tir i7 , 3 q c,n. » „ Casius: C. I. L. 3, 576. o77 Corcyra, vgl.
Dacia, vgl. Jtreuer, Rom. Myth. 1JS. 20oA. 3. djioojc ja »-<
n » * n t t n na d j.- ^<n Bd. 1. Sp. 845 und unten s. v. Kaaiog.
Opsequens*: CLL. 11, 608 Faventia. 619 r> „ j. n t t a .r,= r> <«
c i. t— „ (im Damascenusf: C. 7. i. b, 405 Roma; 10,
Forum Livmm a. 170. , ._. <__. ,,. ' ' ' '
n •, i , „ ■., i t, 7 ,0, ( 1575. 1576 Misenum.
Opitulator, opitulus: Paul. p. 184. Aug. „ ,. , s , , . . T , ... ,
( j j j Dohchenus1- zahlreiche Inschriften, vgl.
n Vv' r» r r o „mo rr- t» i i Kettner, JDe love Dolicheno. Bonn. Diss. 1877.
Pantheus: C. 7. 7. 2, 2008 Hisp. Baet. vgl. „, ' ,. „.. a, . „ ., „ n, . „
u i tj„ ai,„, ni ■< c„ ,.,,, ° Marquardt, Rom. otaatsverw. 3- S. 84 A. 2.
Fortuna Panthea Bd. 1 Sp 1534t. 50 -n,1 ■'j,, 1 dj < o ,,r,o/x
Patronusf: C. 7. L. 3 1948 Dalmatia. ^/fl" S^V P"
Pluvialis: C. 7. 7. 9, 324 Canusium vgl. 8, ._ Hammon*: 0.2 7.6,378. 2,3729. 3, 3463-75
"609 Numidia (Hammon Chnubis); 8, 9018. jE^>7*.. epi</»\ 4, 521.
Pnedator:' Ar«, ad Aen, 3, 22. _ Heliopolitanus*: vgl Marguardt S. 84 A. 1.
Prestabilis: C I. L. 9, 1498 pagus Veiamis. lJrexler ob- Bd- 1 SP- 1991ff-
Praestitus: C I. L. 3, 4037 Pannonia. Sabazius: C I. L. 6, 429. 430 Roma; 14,
Propagator*: C. I. 7.8,4291; vgl. Sp. 746, 6. 289i Praeneste. 11, 1323 Luna. Yal. Max.
Propitius*: C I. L. 12, 5687. 404 add. (?). 1- 3, 3 (Gn. Cornelius Hispalus praetor a. 615)
Propugnator: ein Tempel des Gottes auf Iudaeos qui Sabazi Ioi-is eultu Romanos infieere
dem Palatin C I. L. 6, 2004. 2009; seit so mores conati erant repetere domos suas coegit; zu
Septimius Severus nicht selten auf Münzen. clem Feste Sabazia vgl. Marquardt S. 82 A. 1.
Purgator: C I. L. 10, 6641 Antium. Sarapis*: C I. L. 3, 3. 4560. 4561. 6164
Purpuriof: C. I. L. 6, 424 Roma, genannt Donauländer. 7, 298 Brit 6,402 Roma. 8, 2629
nach einer Dedikantin Licinia Purpuris; 14, Numidia. 9, 5824 Auximum. 14, 188 Ostia. Vgl.
3469 (?) Agosta. (?. Lafaye, Bibl. des ecol. fr. f. 23 S. 16 ff.
Quirinus: C. I. L. 9, 3303 n u. & Superae- Sol*: C.7.7.3,3020 Dalmatia Eph.ep. i,lil;
quum 707"7 CYltirj-h QVIRLNL/. verbunden mit Serapis C I. L. 6, 402. 9, 5824.
Redux*: CLL. 10,57 Vibo. 6, 428 Roma. Barbarische, grösstenteils keltische
753 Iuppiter (Beinamen^ Iuppiter (in der Kunst) 754
Gottheiten verbergen sich unter folgenden Bei- taris C. I. L. 6, 82; I. 0. M. pientissimo ex-
namen (meist einer Örtlichkeit entlehnt) [vgl. auditori restitutori C. I. L. 10, 4553; /. 0. M.
Gaidoz , Etudes de mythol. Gauloise I. Paris summo exsuperantissimo divinarum humana-
1886 S. 101 ff. R.]: rumque rerum rcctori fatorumque arbitro C. I. L.
Accio patrius: 0. I. L. 3, 3428 Pann., vgl. 3, 1090. Auch die alteu Kultnamen Stator
Epli. epigr. 1 p. 142. und Victor gingen ihrer Eigenart verlustig und
Erusenusf: C. I. L. 3, 859 nach der Stadt sanken zu Epitheta des Iuppiter 0. M. herab.
Eriza in Dacia. G. I. I. 3, 895. 1087. 5937. 8, 5142. 2, 1358.
Bussumarusf: C. I. L. 3, 1033 Apulurn in
Dacia, vgl. ob. Bd. 1 Sp. 837. 10 Iuppiter in der Kunst.
Tavianus: C. I. L. 3, 860. 1088 Dacia, ge- Die älteste römische Zeit kannte keine bild-
nannt nach einem Emporium der Trokmer liehe Darstellung Iuppiters. In heiligen Hainen
Strab. 12, 5, 2; vgl. Mionnet, Suppl. 1 p. 654nr. 98. und auf lichten Höhen betete der Mensch zu
Cernenus: C. I L. 3 p. 925, Siebenbürgen der mächtigen Himmelsgottheit; ein schlichter
a. 167 p. C. es wird ein cdllegiwm Iovis Cerneni Stein genügte seinem gläubigen Sinne, um in
erwähnt, vgl. Bd. 1 Sp. 866. Marquardt 3- ihm die Vorstellung von dem höchsten Gotte
S. 141 A. 3. wachzurufen und sein Herz mit Verehrung für
Arubianus*: genannt nach der Stadt Aru- denselben zu erfüllen. Die früheste menschen -
bium in Moesia inferior; vgl. Bd. 1 Sp. 608, ähnliche Darstellung unseres Gottes war das
dazu C. I. L. 3, 5185 a. 215 p. C. 5532. 5443 ao Kultbild des Iuppiter O. M. im capitolinischen
(Arubinus). Tempel. Der vejentische Künstler Vulca sollte
Taranucus: C. I. L. 3, 2S04 Dalmatia; tituli es gefertigt haben (Varro b. Plin. n. h. 35,
Dei Taranucni fanden sich in Germania supe- 157 Vulcam Veiis accititm, cui locaret Tar-
rior Orelli 2055. 2057. quinius Priscus Iovis effigiem in Capitolio di-
Culminalis (Culminaris)t: C. I. L 3, 3328. candam); es war aus Thon geformt und zeigte
4032. 4115. 5186. Epli. epigr. 2, 595. S54. 965. den Gott stehend, mit einem Mantel bekleidet;
967 Koricum, Pannonia; auf den Höhen der die Rechte hielt einen gleichfalls aus Thon
heutigen Steiermark verehrt. gefertigten Blitz; das Gesicht war bärtig und
Adeeneicusf: C. I. L. 5, 5783 Mediolanum. wurde an festlichen Tagen mit Mennig rot
Agganaicusf: C. I. L. 5, 6409 Ticinum, vgl. 30 gefärbt, um die Freude des Gottes über die
Bd. 1 Sp. 104. zu seiner Ehre veranstaltete Feier zu veran-
Ambisagrusf: C. I. L. 5, 790. Aquileia, schaulichen (Ovid. fast. 1, 201 Iuppiter angusta
vgl. Bd. 1 Sp.-279. vix totus stabat in aede | inque Iovis dextra
Feluennis: C. I. L. 5, 3904 ad Veronam, fictile fulmen trat. Arnob. 6,25 riciniatus Iup-
vgl. ob. Bd. 1 Sp. 1475. piter atque barbatus dextra fomitem sustinens
Poeninus (Peoeninus Puoeninus)*: C. I. L. perdölatum in fulminis morem. Plin. 33, 111
5, 6865. 6867 — 6869. 6871. 6875. 6878 — 6881. enumerat auetorts Verrius quibus credere ne-
6885. 6887. 6888; der Gott hatte einen Tempel cesse sit Iovis ipsüts simulacri faciem diebus
auf dem Passe des gr. St. Bernhard; die Über- festis minio Mini solitam. 35, 157 fictilcm
reste nebst mancherlei Weihgeschenken wurden 40 eum (Iovem) fuisse et miniari solitum). Aus
vor einigen Jahren aufgedeckt; Notiz, d. seav. den Versen Tibulls (1, 10, 20) tunc melius
1887 S. 467 ff. 1890 S. 273. 1891 S. 75 ff. fernere fidein cum paupere eultu | stabat in
Cingiduus (?) : Orelli 1207 Genava. exigua ligneus aede deus hat Böttiger (Kunst-
Baginas: C. I. L. 12, 2383 Gall. Narb. mythol. 2 S. 192) ohne genügenden Grund auf
Andero (s. Anderonus)t: C. IL. 2, 2698 ein noch älteres Holzbild in der cella Iovis
Hisp. Tarrac; vgl. Bd. 1 Sp. 341. geschlossen, vgl. Overbcck, Griech. Kunstmythol.
Candamius: CLL. 2, 2695 ibid., vgl. Bd. 1 2 bes. Teil 1, 1 S. 555 A. 19. Auf dem Dach-
Sp. 844. first der Tempelfront standen quadrigae fictiles
Candiedof: G. I. L. 2, 2599 ibid., vgl. Bd. 1 gleichfalls vejentischen Ursprungs (Plin. a. a. 0.
Sp. 844. 50 und 28, 16. Fest. p. 274. Plut. Popl. 13). Data
Ladicus: C. I. L. 2, 2525 ibid. wir uns das Viergespann trotz des Schweigens
Iovi Cantab(ro?): Cohen, Gallien 203. der Berichte nicht ohne den lenkenden Iuppiter
Solutorius: C. I. L. 2,661. 675 (?). 728. 742. denken können, darauf hat Jordan {Top. 1, 2
744. 745. 944. Eph. epigr. 3, 4. 5 Lusitania, S. 98 A. 95) entgegen der Ansicht 0. Müllers
vgl. Keller, Jahrb. f. Piniol. 133 S. 698. (Etr. 22 S. 256 ff.) mit Recht hingewiesen. An
Olbius: Brambach, Glühen. 1454 Frankfurt; die Stelle des thönernen Kunstwerkes setzten
vgl. C. I. Gr. 2017 und Latychev, Inscr. orae die Ogulnier a. 458 u. c. Iovem in culmine
septentr. Ponti Euxini p. 63. cum quadrigis (Liv. 10, 23, 12), wahrschein-
Formanus Colegi (?) G J. Bhen. 346 Köln. lieh eine Bronzearbeit, die, wie das Kultbild
Saranicus; O. I. Ehen. 972. 60 in der Cella, den grofsen Brand zur Zeit des
Tanarusf: G. I. L. 7, 168 a. 154 p. C. Bri- Sulla nicht überdauert hat (vgl. Sp. 714, 59ff.).
tannia, vgl. Lucan. Pharsal. 1,446. Zu einem Urteil über die Komposition des Giebel-
Die schwülstige Sprache der späteren Zeit schmuckes fehlt uns jeder Anhalt; denn frag-
gefiel sich in einer Häufung der Beinamen lieh ist es auch, ob die Verse des I'lautus
und Attribute; vgl. z. B. I. 0. M, summo ex- (Trin. 83 ff. si te surripuisse suspicer Iovi coro-
superemtissimo C. I. L. 6, 426. 9,784.11,2600; nain de eapite ex Capitolio qui in columine
I. O. M. summo cxeellentissiino G. I. L. 10, astat summo; vgl. Mm. 941) auf den Iuppiter
3805; dominus sanetus optimus maximus saht- der Ogulnier zu beziehen sind. Bei dem
755
Iuppiter (in der Kunst)
Iuppiter (in der Kunst)
756
Fehlen einer monumentalen Überlieferung aus
der republikanischen Zeit und bei der Dürftig-
keit der litterarischen Zeugnisse sind wir für
die älteste Epoche auf die Abbildungen der
Münzen beschränkt. Die bärtigen Iuppiter-
köpfe dienten von Anfang an dazu, das zweit-
gröfste Kupferstück (Semis) zu kennzeichnen;
sie erscheinen ferner auf dem Avers der so-
genannten Victoriaten (Plin. 33, 13), der älte-
ren (emittiert a. 526 u. e.1, wie der jüngeren
(nach 650), und auf den Denaren, vco sie zu-
weilen mit jugendlichen Köpfen abwechseln.
'Klügmann, Die luppiterküpfe auf den Denaren
der Republik (Arch. Zeug. 36 T1S7S] S. 105 ff)
hat seine Betrachtungen wie folgt zusammen-
gefafst: ,,Der Iuppiterkopf ist von solchen
Monetären, die beide Seiten des Denars in Be-
ziehung zu einander setzen wollten, oft in
dem Typus dargestellt, der bereits durch den
konstanten Gebrauch auf den Semissen und
Victoriaten allgemein bekannt war, doch
sind die betreffenden Denare weder die frü-
hesten noch die jüngsten in ihrer Reihe; für
die beiden ältesten Denare sind vielmehr ganz
abweichende Typen des jugendlichen Iuppiter
vorgezogen [um auch durch Unterschiede im
Typus Verwechselungen mit dem Kupfergelde
zu vermeiden], und dieselben oder ihnen ana-
loge sind auch später noch mehrfach ver-
wendet. Zuletzt hat man auch Änderungen
in der Darstellung des bärtigen Iuppiter vor-
genommen, und zwar indem man Typen wählte,
welche Merkmale einer älteren Kunstentwicke-
lung an sieh tragen [vgl. Overbech , Münzt. 1
or. 51. 52]. Der Einflufs der griechischen
Kunst und des griechischen Mythos ist über-
all zu erkennen [vgl. Babelon, Monn. de la
rcpubl. Rom. 2 S. 568. Revers: L. Volfteius?)
L. f. Strab(o) mit der Abbildung des Raubes
der Europa]; aber die Ansicht, dafs auch
Kultusideen zur Darstellung gelangt sind, die
die römisch -italische Religion an Iuppiter an-
schlofs, hat sich nicht bestätigt." Sehen wir
von künstlerischen Gesichtspunkten ab, so sind
die bärtigen Iuppiterköpfe im wesentlichen
gleicher Art, und nur in Einzelheiten treten
Unterschiede
hervor (Nor-
malkopf eines
Semis Over-
beclc a. a. 0.
nr. 49, eines
Victoriaten
ibid. nr. 50).
Das älteste
Bild d. Gottes
erblicken wir
auf dem bei-
gefügten, vor
486 u. c. ge-
prägtenSemis
{Cohen, Med.
cons. t. 75
nr. 2. Babelon
1 S. 34). Das
Gesicht, nach
linkB gewendet, mit griechischem Profil und
vollem, krausem Bart trägt die Züge eines be-
jahrteren Mannes; der Lorbeerkranz, der das
Haupt umgiebt und mit einer gewissen
künstlerischen Geschicklichkeit gearbeitet ist,
erinnert an griechische Vorbilder (vgl. Babelon,
Tntrod. S. 12). Während das Haar vor dem
Kranze in einigen starken Locken sich windet,
legt es sich hinter demselben glatt über das
Haupt. Unter dem Bilde liegt wagerecht der
Buchstabe co (Semis). Der . Name des Gottes
H) fehlt, wie gewöhnlich; die Beschaffenheit des
Kopfes benimmt jeden Zweifel über die Per-
sönlichkeit. Auch das jugendliche Haupt (s.
unten die Münze der Cornelia-Claudia) zeigt
einen energischen, auf die Herrscherstellung
des Gottes hindeutenden Ausdruck. Neben
den zahlreichen Köpfen sind auf den Münzen
der Republik nur noch 2 Ty-
pen häufiger vertreten: 1)
quadrigati: Iuppiter, halb-
20 nackt auf einer nach rechts
fahrenden Quadriga stehend,
von Victoria geleitet, hält in
der linken Hand das Scepter
und schleudert mit der Rech-
ten den Blitz (Babelon 1
nr. 23. 24. 26); Varianten:
Iuppiter ist unbekleidet, hält
statt des Seepters einen Lorbeerzweig oder eine
Palme, dieVictoria fehlt, die Quadriga fährt uach
so links , unter dem Gespann liegt ein Skorpion,
2) Iuppiter unbekleidet, aufrecht stehend, trägt
Iuppiter auf der
Quadriga (nach Ba-
belon 1 S. 21 nr. 23).
Bärtiger Iuppiterkopf auf einem vor
486 u. c. gep riigten Semis (nach Momms.,
I/ist. de la monn. rom. trad. par le duc
de Blacas pl. 0 nr. 1 = Baumeister,
Denkm. 2 Abb. 1150).
Avers: jugendlicher Iuppiterkopf: Rovers: Iuppiter
mit Blitz und Adler, Münze der Cornelia-Claudia
(nach Babelon 1 S. 426).
in der einen Hand den Blitz, in der anderen
einen Adler; zu seinen Füßen meist ein Altar
(Babelon 1 S. 350. 351. 425; 2 S. 264). Sin-
gular ist der Denar der Caecilia (Babelon 1
S. 263 c. a. 620 u. c.) , der Iuppiter auf einer
nach rechts gehenden Elefantenbiga dar-
steUt, während über ihm Victoria mit einer
50 Krone fliegt, und der Denar der Cornelia, auf
dem Iuppiter (nach Overbecl; S. 387 Scipio Asia-
genes im Kostüm Iuppiters), umgeben von Sonne,
Mond und einem Sterne mit geschwungenem
Blitz in einer Quadriga über einen schlangen-
füfsigen Giganten dahinsprengt (Cohen , Med.
cons. t. 14. Cornel. 1. Overbeck, Münzt. 5
nr. 9. Babelon 1 S. 394). Iuppiter als Giganten-
kämpfer kehrt wieder auf dem Medaillon des
Antoninus Pius (Overbeclc a. a. O. nr. 10. Fröh-
60 ner, Medaill. de l'empire Born. S. 68; vgl. 64.
Stevenson, Dictionary of Roman coins S. 483,
der Gott, völlig unbekleidet, im Begriff auf
den Wagen zu steigen), auf einer Münze des
Septimius Severus (Cohen 7 t. 6 nr. 13. Fröhncr
S. 157) und einer Anzahl Münzen mit der Bei-
sehrift Iovi Fvlgeratori (Cohen, Dioclet. 60
— 62. Max. Herc. 69. Const. Chlor. 28). Der
Einflufs des capitolinischen Kultes macht sich
757
Iuppiter (in der Kunst)
Iuppiter (in der Kunst)
758
Die capitolinische
Trias, Münze der
[ Cornelia (nach ßa-
belon 1 S. 396).
deutlich bemerkbar; denn einmal ist auf
mehreren Denaren dem Kopfe luppiters ein
Scepter, das Zeichen der Herrschaft, beigefügt
{Babelon 1 S. 430. 441; 2 S. 406; in den beiden
ersten Fällen will Babelon Köpfe des Bonus
Eventus und Apollo erkennen, vgl. dagegen
Klügmann a. a. 0. S. 107), sodann erscheint
auf den Münzen in sehr früher Zeit das
charakteristische Attribut des Iuppiter 0. M.,
die Quadriga (s. oben). Diese Einwirkung
führte indes nicht zu einer Nachahmung des
Kultbildes in der Cella; denn das älteste Bild
der capitolinischen Gottheiten auf den Denaren
des Cn. Cornelius Blasio Cn. f. (geprägt c. a.
655 u. c, also vor dem ersten Tempelbrande)
dessen Avers den Kopf des älteren Scipio
Africanus bietet, zeigt auf dem
Revers Iuppiter stehend, un-
bekleidet, anscheinend ohne
Bart, wie er sich mit erhobe-
ner Rechten oben auf das
Scepter stützt, während die
gesenkte Linke den Blitz hält,
zu seiner Linken Minerva, im
Begriff ihm einen Kranz auf-
zusetzen , rechts Iuno. Die
Unterschiede von dem Werke
des Vulca (s. oben) hinsicht-
lich des Bartes , der Gewandung und der
Haltung der Attribute liegen klar zu Tage,
eine deutliche Mahnung, dafs man nur mit
gröfster Vorsicht von den Münzdarstellungen
auf die Kultbilder in den Tempeln Rück-
schlüsse machen darf. Auch für die Qua-
drigati bleibt es zweifelhaft, ob sie eine genaue
Nachahmung jenes Iuppiter sind, der auf dem
Dacht! rstdes Heiligtums sein Viergespann lenkte.
An die Stelle des alten Thonbildes trat nach
der Restauration des Tempels durch Catulus
ein aus Gold und Elfenbein gefertigtes grie-
chisches Kunstwerk des Atheners Apollonios
{Chalcidius in Fiat. Tim. c. 338 S. 361 ed.
Wrobel: ut enim in simulaero Capitolini Iovis
est una spccies cboris, (St item alia quam Apol-
lonius artifex liausit animo ad quam directa
mentis acie speciem eboris poliebat; vgl. Brunn,
Grieeh. Künstlergesch. 1- S. 379. Varrob.Non.
Marc. p. 162 quid inter hos Ioves intersit et
eos qui ex marmore ebore auro nunc fluni) in
thronender Stellung nach dem Vorbilde des
olympischen Zeus, und die Göttin Roma auf
der vorgestreckten Rechten tragend {Suet.
Aug. 94; vgl. Cassius Dio 45, 1. Ioseph. Arcli.
19, 1, 2). Auch dieser Typus ist auf Münzen
nicht nachweisbar. Der capitolinische Iuppiter
begegnet uns noch im Verein mit seinen Kult-
genossinnen auf Medaillons des Trajan, Hadrian
und Antoninus Pius. Die Prägung der beiden
ersten Kaiser hat grofse Ähnlichkeit. Die
linke Schulter und den Oberarm des Gottes
bedeckend , zieht sich das Gewandstück in
seinem Falle so eng zusammen, dafs der
Körper fast nackt erscheint; die Linke fafst den
oberen Teil des Scepters, am Boden sitzt ein
Adler. Gegen die Münze Trajans (s. ob. Sp. 610
Abb. 1) zeigt die seines Nachfolgers nur darin
einen Unterschied, dafs der Gott sich in einer
kleinen Wendung nach links präsentiert, die
Rechte mit dem Blitze ein wenig erhebt und
den Adler statt zur Rechten zur Linken hat.
Anders ist die Darstellung luppiters auf dem
Medaillon des Antoninus; er sitzt, wie seine
Begleiterinnen
auf einem Sessel
mit hoher
Lehne; der
Mantel läfst die
10 Brust frei, ver-
hüllt aber den
unteren Teil des
Körpers , die
blitzführende
Rechte ruhtauf
dem Schofse,
während die
Linke, wie vor-
hin, sich oben
20 auf das Scepter
stützt. Dieselbe
Die capitolinische Trias, Medaillun
des Hadrian (nach Fröhner . les
rnedaill. de l'emp. Rom. S. 26.)
Darstellung des Gottes sehen wir auf dem Gie-
belfelde des Reliefs im Conservatorenpalaste
(vgl. die Abbildung b. Baumeister S. 765). In
fast zahllosen ^— — — — _
Exemplaren und
mit den verschie-
densten Benen-
nungen tritt uns
30 die Gestalt lup-
piters auf den
Münzen der Kai-
serzeit entgegen;
doch führt eine
Musterung der-
selben zu dem
Ergebnis, dafs in
der Mehrzahl der
Fälle weder im
40 Ausdruck des
Kopfes noch in
Die capitolinische Trias, Medaillon
des Antoninus Pius (nach Fröhner
S. 49).
der Gestalt und Haltung des Körpers, weder in
der Gewandung noch in den Attributen eine Be-
ziehung zum Kultus oder bestimmten Beinamen
zum Ausdruck gekommen ist. Zu den wenigen
Ausnahmen gehört der Iuppiter Stator, Victor
uud Conservator, und unter ihnen hat wieder
der erstgenannte den festesten Typus. Von
Antoninus Pius {Cohen 167) bis auf Carausius
öo {Cohen 111) ist er sehr häufig vertreten, und zwar
erscheint er bärtig (bartlos auf Bronzen des Anto-
ninus Cohen 2 nr. 639. 640 ; 7 nr. 74. Fröhner S. 50 ;
Overbeck S. 203 vermutet den Kaiser im Iup-
piterkostüm), unbekleidet {tlcpliryc le manteau
derriere lui nur bei Cohen, Aurelion. 112),
stehend mit Scepter und Blitz in den Händen,
zumeist in der geraden Vorderansicht, selten
nach der Seite gewendet. Eine stärkere Ab-
weichung zeigt nur die Münze des Vabalathus
60 {Cohen 3: I. debout tenant un globe et une
haste, ä ses_pieds une aigle, dans le champ
une e'toile). Übereinstimmend mit den Münzen
ist die Darstellung des Gottes auf dem Hate-
rierrelief (vgl. ob. Sp. 683). Die Münzen mit
der Legende Iovi Victori zeigen bis auf Com-
modus den Gott sämtlich in der gleichen
Stellung und mit denselben Attributen; wir
erkennen ihn auf dem beigefügten Medaillon
759
Iuppiter (in der Kunst)
Iuppiter (in der Kunst)
760
Hadrians trotz der fehlenden Beisehrift: er
sitzt nach links auf einem Sitz mit geraden
Beinen ohne Lehne, von der linken Schulter
fällt ein Gewand herab, das die Brust frei
läfst und die Beine verhüllt, die rechte vor-
gestreckte Hand trägt eine kranzspendende
Victoria, während
die Linke sich auf
das ohen festgehal-
tene Scepter stützt
(Cohen, Vüell. IS—
21. Damit. 1 nr. 363
—371; 7 nr. 69. Ha-
drian 284. Frölmer
Iuppiter Victor, Medaillon
des Hadrian (nach Frölmer
S. 27).
S. 28. M. Aurel 332
ohne Legende. Com-
modus3m:b6Q— 568;
7 nr. 25). Erst seit
dem 3. Jahrhundert,
wo auch sonst eine
gröfsere Wilkür in
der Gestaltung der
Typen um sich greift, begegnen wir neben
jenem ursprünglichen Typus Varianten von der
Art, dafs Iuppiter stehend dargestellt wird
oder anstatt des Scepters einen Blitz trägt,
oder dafs zu seinen Füfsen ein Altar oder ein
cippus sichtbar wird. In allen diesen Fällen
aber ist an der Victoria als dem charakteristi-
schen Kennzeichen festgehalten worden. Mün-
zen, auf denen sie fehlt (zuerst bei Posturnus,
Cohen 81), stehen zu den anderen im Verhältnis
von 10 zu 43; von statuarischen Bildungen vgl.
die Statue des Iuppiter Victor argenteus auf
dem Capitole zu Cirta CLL. 8, 6981. Lovis
Victor argenteus \ in Kapitolio habens'in capite
cojronam argenteam querqueam \folior(um) XXX
in qua glandes n(umero) XV fefrejns in manu
dextra orbem argen [team] et Victor iam pal-
mam fercntcm [spinarum] XX et coronam fo-
lior(um) XXXX [in manu sjinistra hastam
arg(ent'eam) tenens. Die bei weitem gröfste An-
zahl der Münzen, die die Umschrift Iovi Conser-
vatori tragen, zeigt den Gott in stehender Haltung,
Blitz und Scepter haltend, mit einem Mantel be-
kleidet, nicht selten mit Adler zu seinen Füfsen ;
nach der Art der Bekleidung lassen sich zwei
Gruppen scheiden; während bei der einen das
Gewandstück über den linken Arm und Rücken
ausgebreitet ist, zieht es sich bei der anderen
eng zusammen, wird nur von der Schulter ge-
tragen und fällt von hier in schmalem Streifen
nach hinten hinab (Overbeck, Münzt. 2 er. 37;
erstes Beispiel für I. Conservator Cohen, Macrin
80—82; 99. 100 ohne Beischrift). Der eigen-
tümliche Wurf der Gewandung der letzteren
Gruppe ist in der griechischen Kunst nicht
nachweisbar , das Fehlen eines griechischen
Vorbildes deutet auf spezifisch römischen
Charakter (Overbeck S. 166*. In einer anderen
Hiüsicht ist die Klasse von Münzen mit der
Legende Iovi Conservatori dadurch von Inter-
esse , dafs nur auf ihnen Abbildungen zum
Vorschein kommen, die den Gott in seinem
Verhältnis zum Kaiser zur Darstellung bringen
und so den Iuppiter Conservator als die Schutz-
gottheit des Kaisers %ax iio%rtv bezeichnen.
Stets in übermenschlicher Gröfse gedacht und
Iuppiter den Kaiser be-
schirmend, Medaillon des
Hadrian (nach Frohncr
S. 28).
mit der gehobenen oder gesenkten Linken das
Scepter haltend, breitet er entweder, wie das
beigefügte Bronzemedaillon Hadrians veran-
schaulicht, mit der vorgestreckten blitztragen-
den Rechten über den mit der Geste eines
Schutzflehenden ihm zur Seite stehenden Kaiser
schirmend den Mantel
aus (Cohen, Hadrian
t. 4 nr. 571. Overbeck,
10 Münzt. 2 nr. 34. Com-
mod. b. FröhnerS. 113;
vgl. die ähnliche Stel-
lung des M. Aurel und
L. Verus b. Frölmer
S.91f. StevensoitSASi),
oder ist im Begriff,
dem jungen Herrscher
die Krone aufs Haupt
zu setzen (Cohen, Ha-
20 drian 283,'; aureus des
Licinius abg .b. Frölmer
S. 274), oder er über-
reicht demselben die Erdkugel (Medaillon des
Commodus b. Frölmer S. 118.,. 119. ; vgl. Cohen,
Gallien 225. Aurelian 107—111. Probus 295 ff.
Carin 73; ohne Umschrift Aurelian 79. Ca-
rus S7. Alex. Sev. 231), auf der zuweilen
Victoria steht (Cohen. Diocletian 3. 59; ohne
Umschrift Frobus 164. 165. Diocl. 133-135),
30 oder er bewahrt eine ruhige Haltung, uDd der
Kaiser streckt ihm die Hand entgegen (Me-
daillon des Alexander Severus und der Iulia
Mamaea bei Frölmer S. 174; vgl. Cohen,
Claudius II 97. (Über die Münzen des Com-
modus mit der Legende Iovi Iuveni, die den
Kaiser als prineeps luventutis im Iuppiterkostüm
aufweisen vgl. ob. Sp. 667.) Dies sind die einzigen
Typen , die in Kostüm und Attributen oder
iu der zu Grunde liegenden Idee eine gewisse
40 Stetigkeit bewahrt haben; im übrigen mufs man
durchaus der Ansicht Overbecks (a. a. 0. S. 230)
beistimmen, der sich über die Gestalten des Iup-
piter auf römischen Münzen in folgender Weise
ausspricht: „Sie zeigen mit ganz wenig Aus-
nahmen, zu denen z. B. der Iuppiter Stator
gehört , keinerlei Beständigkeit der Darstel-
lung; hier sitzend, dort stehend, in wechseln-
der Bekleidung, hier halb-, dort ganz nackt,
endlich mit wechselnden Attributen. Und an-
50 dererseits: dieselbe, gleich komponierte, gleich
gekleidete, mit gleichen Attributen ausge-
stattete Iuppitergestalt ist bald so, bald so
benannt, folglich sind diese Typen kunstmytho-
logisch bedeutungslos."
Diejenigen statuarischen Darstellungen, deren
Typus auf anderen Erzeugnissen der griechi-
schen Kunst nicht wiederkehrt und die infolge
ihrer Übereinstimmung mit Abbildungen römi-
scher Münzen als eigentümlich römische Schöp-
co fung zu betrachten sind, finden sich aufgezählt
bei Overbeck S. 144ff. Gruppe 6 u. 7; S. 147f.
Gruppe 9. Am meisten in die Augen fallend
ist 5ie Gleichartigkeit in der Komposition mit
den entsprechenden Münztypen bei zwei Mar-
morstatuen (die eine im Louvie Abb. b. Bouillon,
Musee des antiques vol. 3 Stat. Taf. 1 nr. 3.
Clarac, Mus. de scidpt. t. 311 nr. 681; dazu
vol. 3 S. 3Sff. Overbeck S. 144 nr. 16), die
761
Iuppiter (in der Kunst)
Iuturna
762
andere im Museum von Madrid, Abb. b. Clarac
a. a. 0. t. 410G nr. 684E; dazu vol. 3 S. 308).
Die erstere hat trotz starker Beschädigungen
(ergänzt nach Fröhner, Notice de la sculpt.
ant. S. 64: Kopf, linker Arm mit einem Teil
des Gewandes, zwei Finger der rechten Hand
und ein Stück des rechten Armes, die beiden
Enden des Blitzes, der linke Fufs mit einem
Stück des Beines, der Adler bis _auf ein
Stück des linken Flügels) überraschende Ähnlich-
Iuppiterstatue im Louvre (nach Overbeck, Kunstmythol.
Zeus S. 144 Fig. 16).
keitmitMünzbildern, wie sie uns aurei des Gale-
rius Maxinnanus und Diocletian vor Augen füh-
ren (abgeb. b. Overbeek, Münzt. 2
nr. 33. 33a); diese geben zu-
gleich Gelegenheit, die Statue
in richtiger Weise zu ergänzen;
auf der linken Schulter auf-
liegend zieht sich in reichem
Faltenwurf der rundgeschnit-
tene Mantel hinter dem nackten
Körper des Gottes bis zur rech-
ten Hand, die erhobene Linke
stützt sich auf das Scepter,
rechts seitwärts sitzt ein Adler;
die Ergänzung des rechten
Armes der Statue wird dahin zu ändern
sein, dafs nach dem Beispiel der Münze die
rechte Hand mit dem Blitze sich etwas erhebt:
so kommt auch erst die Gewandhaltung auf der
Münze des Gale-
rias Maximianus
(nach Ocerbeck,
Kunstmythol. Zeus
Münzt. 2 nr. 33).
rechten Seite zur vollen Wirkung. Die Ma-
drider Marmorstatue entspricht bis ins ein-
zelnste einer Bronze des Antoninus Pius (Over-
beek, Münzt. 2 nr. 36. Fröhner S. 502; aufser
der Abbildung der Statue vgl. noch die Be-
schreibung b. Hühner, Die antiken Bildwerke
in Madrid S. 36 nr. 4 und eine ähnliche Dar-
stellung auf einem Carneol b. Lippert, Daetyl.
Suppl. nr. 22. Overbeek, Gemment. 2 nr. 8).
10 War es bereits bei den Münzbildern nur iu
wenigen Fällen möglich für die verschiedenen
Kulte und Beinamen Iuppiters einen einiger-
mafsen festen Typus nachzuweisen , so niufs
man bei statuarischen Darstellungen von einer
Einreihung der einzelnen Exemplare in inner-
liche, im Wesen des Gottes begründete Kate-
gorieen gänzlich Abstand nehmen; und ebenso
wenig lassen sich unter solchen Gesichts-
punkten in Gruppen zusammenfassen die Dar-
20 Stellungen Iuppiters auf Reliefs (Overbeck
S. 172 — 174. 180. 181. Saug, Viergöttersteine,
Westdeutsche ZUehr. 9(1890) S. 17ff., 10(1891)
S. 9 ff. 125 ff. 296 ff.) und Wandgemälden {Over-
beck S. 192). — Zu den Abbildungen des jugend-
lichen Iuppiters mit der Ziege vgl. s.v. Veiovis;
zu dem keltischen Iuppiter mit dem Rade s.
Bettner, Westdeutsche Zeitschr. 3 (1884) S. 27 ff.
[Gaidoz, Et. de myth. Gaul. I. Le Dien Gaulots
du soleil Paris 1886. R.] [Aust.]
30 Iuppiter Anxurus [Axur] s. Anxurus und
vgl. Bd. 2 Sp. 640.
Iuppiter Dolichenus s. Dolichenus.
Iuppiter Elagabalus s. Elagabal.
Iuppiter Heliopolitanus s. Heliopolitanus.
Iuppiter Sabazius, Serapis u. s. w. s. in
dem Verzeichnis der Iuppiterbeinamen oben
Bd. 2 Sp. 750 ff.
Iustitia, römische Personifikation der Ge-
rechtigkeit, nahe verwandt der Aequitas, der
40 Billigkeit, und ihr ähnlich dargestellt, s.
Aequitas. Entsprechend der griechischen Dike
(Astraia) verliefs sie zuletzt von den Himm-
lischen im eisernen Zeitalter die von Ver-
brechen erfüUte Erde (Ov. Fast. 1, 249. Met.
1 , 150. Verg. Georg. 2 , 474) und glänzt als
Jungfrau am Himmel, Hyg. f. 130. Poet. Astr.
2, 25. [Einen sacerdos Iustitiae nennt die
Inschrift bei Orelli-Henzen nr. 2164, ein Signum
Iustitiae Augusftae dedicatum PlancoJ et
so Siiio cos. (766/13) das Cal. Praen. unter
d. 8. Januar; vgl. auch Kaibel, Epigr. gr. 837
und Catai. of engrav. gems in the Brit.
Mus. nr. 1198. Röscher.] Vgl. Dike u. Dikaio-
syne. [Stoll.]
Iuturna oder in der älteren Namensform
Diutnrna [s. die Inschrift eines römischen Weih-
wasserbeckens C. I. L. 6, 3700: Ti(berius) Ti-
iberius) Iulii Staphylus et Nymphius p(ater)
et ffilius) df'e) s(ua) pfecuniai DiuturnfaeJ und
go vgl. Mommsen, Eph. epigr. 1, 36 f., der darauf
hinweist, dafs auch bei Cic. Cluent. 101 und
Florus 1, 28 die beste Überlieferung Diuturnae
giebt] ist der Name einer altlatinischen Quell-
göttin , die ursprünglich am Numicius in der
Sähe von Lavinium zu Hause ist {Sem. Aen.
12, 139, vgl. Bormann, Altlatin. Chorogr. S. 58,
Desjardins, Essai sur la topographie du Latium
p. 72 ff.). In ähnlicher Weise, wie es bei Egeria
763
Iuturna
Iuventas
Ißi
(s. d.) der Fall gewesen ist, ist dann Name
und Verehrung dieser Gottheit nach Rom über-
tragen 'worden (Klausen, Aeneas u. d. Penaten
S. 707 fF.) , wo ein auf dem unteren Forum in
der Nähe des Vestatempels gelegner Quell, an
den die Sage die Epiphanie der Dioskuren
nach der Schlacht am See Regillus verlegte,
den Namen lacus Iuturnae führte (Jordan,
Topogr. 1, 2 S. 370; Gilbert, Gesch. u. Topogr.
d. Stadt Born 1, 363 f.). Einen öffentlichen
Kult scheint die Göttin jedoch erst am Aus-
gange des ersten punisehen Krieges erhalten
zu haben, wo ihr Q. Lutatius Catulus einen
Tempel gelobte und im Marsfelde in der Nähe
der Saepta, dort wo später der Endpunkt der
Aqua Virgo war, erbaute (Serv. Aen. 12 , 139.
Ovid. fast. 1, 463 f.). Über die Lage des Tem-
pels s. Becker, Topogr. S. 630, Gilbert a. a. 0.
3, 163; über das mutmafsliche Jahr der Grün-
dung E. Aust, de aedibus sacris populi Bomani
inde a primis liberae reipublicae temporibus
usqve ad Augusti imperatoris aetatem Bomae
conditis, Marpurgi 1889 p. 17, der auch p. 29
die von Mommsen , JEpih. epigr. 1, 36 u. a. ver-
tretene Ansicht, dafs dieser Tempel mit der
aedes Nympharum in campo identisch gewesen
sei, mit Recht zurückweist; der Tempel er-
fuhr wahrscheinlich durch Augustus nach dem
Jahre 2 v. Chr. eine Restauration (vgl. Aust
a. a. 0. p. 46), und auf diese Neueinweihung
bezieht sich das von Ovid a. a. 0. erwähnte,
alljährlich am 11. Jan. gefeierte Stiftungsfest,
die Iuturnalia. Dieser Tag wurde nament-
lich von allen denjenigen Handwerkern festlich
begangen, die zu der Ausübung ihres Berufes
des Quellwassers benötigten {Serv. Aen. 12, 139),
während bei einer andern Gelegenheit im Kulte
derselben Göttin eine andere segensreiche Kraft
des Wassers gefeiert wurde: am 23. August
nämlich, dem Tage der Volcanalia, fand, wie
uns der Kalender der Arvalbrüder lehrt, in
Rom ein feierliches Opfer bei den Tempeln
aller derjenigen Gottheiten statt, deren Schutz
man gegen Feuersgefahr anflehte, und hier
fanden hinter Yolcanus, dem Gotte des feu-
rigenElementes, sofort Iuturna und die Nymphen
ihre Stelle (Jordan, Ephem. epigr. 1, 229 ff.).
Auch eine besondere Heilkraft schrieb man
dem Wasser jener Quelle zu und leitete den
Namen der Göttin von iuvare ab, 'quae labo-
rantes iuvare consuevif (Serv. Aen. 12 , 139.
Varro de l. h 5, 71). Die Dichter der auguste-
ischen Zeit haben die Göttin auf verschiedene
Weise in das von ihnen entworfene Bild ita-
lischer Götter- und Heldensage einzufügen ge-
sucht. Bei Yergil (Aen. 12, 134ff. 222 ff. 446 ff.
843 ff ) ist sie Tochter des Daunus und Schwester
des Rutulerfürsten Turnus (hierfür gab wohl
die Namensähnlichkeit den Anhalt), dem sie,
von Inno angestachelt, in seinem Kampfe gegen
Aeneas aufs eifrigste beisteht; sie heifst dort
' dea quue stagnis fluminibusque sonoris prae-
sidef und ist Geliebte des Iuppiter gewesen,
der sie dafür mit der Unsterblichkeit und der
Herrschaft über die Quellen und Flüsse Latiums
belohnt hat. Ovid (fast. 2, 583 ff.) hat die
Sage von Iuppiters Liebe zu Iuturna aufge-
nommen und weiter ausgesponnen, indem er
erzählt, wie die spröde Nymphe vor den Be-
werbungen des Gottes in ihr feuchtes Element
flieht, bis Iuppiter alle übrigen Nymphen La-
tiums bittet, ihm zu helfen und die Flüchtige
aufzuhalten. Eine andere Version, von der
wir nur durch Arnobius (3, 29) Kunde haben,
machte sie zur Tochter des Volturnus, Gemah-
lin des Ianus (s. d.) und Mutter des Fontus.
Einen tieferen mythologischen Gehalt darf man
10 in diesen willkürlichen Kombinationen nicht
suchen; Natur und Wesenheit der Göttin sind
von Tarro im 14. Buche der cmtiqu. rer. divin.
(bei Serv. Aen. 12, 139) richtig bezeichnet wor-
den mit den Worten: 'Iuturna inter proprios
deos nymphasgue ponitur.' [Wissowa.J
Inraiites? Ephem. epigr. 2 S. 440 irr. 965
(Berichtigung der Lesung von C. I. L. 3,
5118; Atrans in Noricum) Iuvantib(us) \ Be-
g aliusi j Begalis Iulia Aquilin(a) ex vot(o).
20 [R, Peter.]
Iuventas, jünger Iuventus, die Göttin der
Jugend, hat schon von alters her in Rom Ver-
ehrung genossen. Eine Kapelle derselben be-
fand sich eingeschlossen in den capitolinischen
Tempel in der Cella der Minerva (Dion. Hai.
3, 69. Plin. n. h. 35, 108; vgl. Jordan. Topogr.
1 , 2 S. 11. 91), und man erklärte das damit,
dafs bei der Erbauung dieses Tempels Iuventas
ebensowenig wie der Gott Terminus geneigt
30 gewesen sei ihren Platz zu räumen und darum
in das nene Heiligtum habe aufgenommen
werden müssen (l)ion. Hai. 3, 69. Liv. 5, 54,
7. Flor. 1, 1. Augustin. c. d. 4, 23). Man
darf jedoch daraus nicht sehliefsen, dafs Kult
und Heiligtum der Iuventas älter gewesen
seien als der capitolinische Tempel, weil die
älteste Form dieser Erzählung (z. B. Liv. 1,
55, 3; die übrigen Stellen siehe bei Schwegler,
Böm. Gesch. 1, 771, 2; nur des Terminus ge-
40 denkt, während IuveDtas (und bei Augustin
auch Mars) erst später hinzugefügt wurde, um
der daran geknüpften Weissagung der römi-
schen Gröfse willen (ort zfjs 'Pcoucciav ttoAems
ovts toi's OQOvg iLZTUv.ivrfiii v.uigös ov&iiq
oute ttjv uy.uTjv usraßalsL Dion. Hai. 3, 69,
vgl. August, cd. 4, 29). Aber Schwegler a.
a. 0. 1, 794 geht zu weit, wenn er jede ein-
heimische Verehrung der Iuventas vor der
Einführung des griechischen Kultes (s. unten)
50 ganz leugnet; es gab eine von der Überliefe-
rung auf Servius Tullius zurückgeführte Be-
stimmung, wonach für jeden Jüngling, der die
Toga virilis anlegte, eine Münze in die Kasse
der Iuventas entrichtet werden mufste, ebenso
wie für die Geborenen an die der Inno Lucina
und für die Gestorbenen an die der Libitiüa
(Piso bei Dion. Hai. 4, 15). An dem hohen
Alter dieses Brauches [vgl. über denselben auch
A. Bofsbach, Unters, über d. röm. Ehe S. 374 f.
co zu zweifelu haben wir um so weniger Veran-
lassung, als sich im Kult der griechischen Hebe
oder verwandter Gottheiten keiuerlei Ana-
logieen finden, die uns berechtigten die Ein-
richtung für eine hellenisierende zu halten.
Es geht aus derselben hervor, dafs Iuventas
die Schutzgöttin der heranreifenden männ-
lichen Jugend war, die 'dea novorum togato-
rum', wie Tertullian (ad nat. 2, 11, vgl. August.
765 Iuventas Ixion 766
c. d. 4, 11) sie nennt, und wir verstehen es, gelten jedoch wohl der alten Schutzgottheit der
wenn das Festverzeichnis von Cumae (C. I. L. mannbar werdenden Jugend (vgl. auch Augustin.
10, 8375) zum 18. Oktober, dem Tage an wel- c. d. 6, 1), besonders auch dann, wenn mit
ehern Augustus die Toga virilis anlegte, eine Beziehung auf das kaiserliche Haus von der
' supplicatio Spei et Iuveintati)' verzeichnet. Ob Iuventus Augusta die Rede ist (C. I. L. 2, 1935,
das Opfer, welches die mannbar gewordenen auch auf Münzen des Claudius Oothicus, Cohen
Jünglinge am Tage ihrer Mündigsprechung auf 5 nr. 107. 108); in Vienna begegnet uns sogar
dem Capitole darbrachten (der Ausdruck 'in ein eigner flarnen Iuventutis {CLL. 12, 1783.
Capitolium ire' u. ähnl. wird häufig geradezu 1869. 1870. 1902. 1903. 1906. 2238. 2245).
für Hogam virilem sumere' gebraucht: Val. 10 Dargestellt findet sich die Göttin auf Bronze-
Ufa«. 5, 4, 4. Suet. Cland. 2. Petron. 88; münzen Marc Aureis (Cohen 2 nr. 561 — 563)
vgl. auch Roßbach a. a. 0. S. 408), der Iuventas als langbekleidete Frau, die in der linken
galt, liifst sich nicht mit Sicherheit ausmachen. Hand eine Schale hält und mit der Rechten
JMarquardt (Hörn. Staatsverw. 3, 363, 1. Privat- Räucherwerk auf ein an ihrer Seite stehendes
leben der Romer S. 124, 4) denkt aus dem turibulum streut. Über den Iuppiter Iuventus
Grunde, weil die Anlegung der Toga virilis der Inschriften C I. L. 9, 5574 und 11, 3245
in der Regel am Feste der Liberalia statt- s. d. Art. Iuppiter Sp. 667. [Wissowa.]
fand, an den Altar des Liber auf dem Ca- Ivaos (oder Ivavus) heilst ein gallischer
pitol (vgl. Mommsen, C. I. L. 1 p. 388), Gott, dem eine in Evaux (Creuse) gefundene
Jordan ('Topogr. 1, 2 S. 39 Anm. 38) mit 20 Bronzeschüssel geweiht ist: Vimpuro Firmi
gröfserer Wahrscheinlichkeit an Iuppiter Opti- lib(eitus) Ivau v(otum) s(olvit) l(ibens) m('erito).
nius Maximus, worauf die Worte des Servias Die Endung -u erscheint auch sonst auf gallo-
Ecl. 4, 50 ('sane Iovem merito puerorum di- römischen Inschriften (vgl. die Votivinschrift
eunt incrtmtnta curare, quia cum paeri togam an Taranos C. I. L. 12 p. 820. Revue celti-
virilem sumpserint, ad Capitolium eunt') direkt que 7 p. 450.). Ivaos scheint der Schutzgott
hinweisen. Wohl aber wissen wir, dafs -der der Quellen von Evaux zu sein, Bull, epigr.
Iuventas alle Ja.hre Opfer (sacra anniversaria) 1 p, 40 (pl. IV) und 3 p. 265. Revue celtique
für das Wohl der heranwachsenden Jünglinge 6 p. 118. 260. Merimee, De antiq. aquarum
gebracht wurden (Paul. p. 104), die nach Cicero religionibus (Paris 1886) p. 69. [M. Ihm.]
(ad Alt. 1, 18, 3) am Jahresanfang stattge- 30 Ivavus s. Ivaos.
funden zu haben scheinen; diese Opfer sind Ivn (ivn), unsichere Abkürzung eines etruski-
in der älteren Zeit jedenfalls bei der capito- sehen Götternamens im Genetiv auf der Bronze-
linischen Kapelle begangen worden. Seit der leber von Piacenza, Reg. 8. An Iuno (etr.
Zeit des zweiten punischen Krieges erfuhr aber uni) ist nicht zu denken; ich vermute Ivn(sl)
der gesamte Kult der Iuventas eine Urngestal- Ivsl Reg. II1, d. i. Lynsae (s. d.): vgl. Deecke,
tung duich Aufnahme griechischer Elemente. Etr. Fo. 4, 52. [Deecke.]
Im Jahre 218 wurde auf Anordnung der De- Ixalos? ("ii^aXog?) , wofür Forchhammer und
cemviri s. f. der Iuventas ein Lectisternium O. Jahn iTAAOZ (Italos) lesen wollen, auf
bereitet und zugleich beim Tempel des Her- einer die Thaten des Herakles behandelnden,
eules eine Supplicatio abgehalten (Liv. 21,62, 40 der Tabula Iliaca ähnlichen Tafel: G. I. Gr.
9); hier zeigt schon die Verbindung mit Hei-- 5984 A. Vgl. Hesijch. s. v. i^äXov, C. I. Gr.
eules, dafs wir es mit der griechischen Hebe 3 p. 811 u. d. Artikel Italos. [Röscher.]
zu thun haben. Dieser griechischen Göttin Ixion, -öuis ('l£i'a>v, -oros). Wichtigste
galt auch der Tempel der Iuventas, den M. Stellen: 1) Pindar Pyth. 2, 21—89. — Vgl.
Livius Salinator im J. 207 in der Schlacht das Schol. dazu p. 316 Boeckh: Tbv 'I^i'ova 01
bei Sena gelobte und während seiner Censur p.\v 'Avxiovog ysviaXoyovaiv , tag Aia%vXog,
204 im Circusthale zu bauen begann; die Ein- &£QsxvSrjg dl Iliiatavog, 'ivioi Sl "Agiog,
weihung desselben erfolgte im J. 191 durch ot Si $Xeyva %xX.
C. Licinius Lucullus (Liv. 36, 36, 5); nachher 2) a: Aeschyl. Eum. 440 oijivög itqotsUxtiig
ist der Tempel im J. 16 v. Chr. niedergebrannt 50 iv xgcnoigT^Covog. — b: Eum. 718. ■ — c: Ixion,
(Cass. Dio 54, 19) und von Augustus wieder- Nauck, fr gm. tr. gr. p. 22.
hergestellt worden (Mon. Anc. 4, 8; vgl. 3) Soph. Phil. 679 ff.
Mommsen, Res gestae D. Aug.- p. 82, der mit 4) a: Eurip. Ixion frg. 4: &Xiyvov vis
Recht Prellers irrige Annahme eines Tempels Sianox' 'I&av. — b: Schot Eur. Phoen. 1185:
der Iuventas auf dem Palatin abweist; erwähnt öpy«r#£is <5f 6 Ze-us vnonriqco (tizsqoevti Pind.)
wird das Heiligtum auch von Plin. n. h. 29, zqo%ä (navä SgouäSa avrvya Soph.) xhv 'i^t'ova
57; vgl. Becker, Topogr. S. 473; Gilbert, Gesch. drjeag tx<j>ijy.E xä ütQi qiioso&ai jiaGriJouEi>oj>
U. Topogr. d. Stadt Rom 3, 93). Seit dieser xui Xiyovta' %9V xljiüv xovg svigyirctg' 0! äs
Zeit denken die römischen Schriftsteller, wenn oxi ixagzägcuasv avxöv, oi 81 ort nal iruQivog
sie von Iuventas reden, gemeinhin an die 60 rjv xqo%6s q>uot.v.
griechische Hebe (Cic. de nat. deor. 1, 112. 5) Apollon. Rhod. Arg. 3, 62. Schol. (vgl.
Hör. c. 1, 30, 7. Ovid ex Ponto 1, 10, 12; Tzetz. Chil. 9, 273): $Xsyvov viög 'l^i'cov, tag Kai
vgl. auch Ovid fast. 6, 65 ff. , wo der Dichter Evgim'örjg' <&Xeyvov vis dsoizox' 'l^iiov. (hsge-
von 'Herculis uxor' spricht, während Ausonius %vSr}g de Ai'xavos- <prjßl Si, mg ya/irjcag J Cav
5, 3, 12 Seh., der diese Stelle wiedergiebt, xrjv 'Htovscog &vyaxiqa ■noXXu vnsa%£xo 3ä-
dafür schlechthin Iuventa einsetzt). Die nicht csiv Sägoc. tX96vxog öi inl xavxa xov 'Hio-
zahlveichen Weihinschriften an Iuventus aus vicog ßtgz&QOv itoirjaag zal itvQuv.xviGctg, oy.s-
der Kaiserzeit (C. I. L. 2, 45. 5, 4088. 4244) nä&i avxu Xsnxoig ^vXoig y.al xoi<fi Xsnxf/.
767 Ixion Ixion 768
i/MFcäv öl b 'Hiovsvg ÜtcoV.vtui. Xvaoa öl teus nachHygin, endlich auch Ares. SeineMutter
zm 'i'giovi ivirrsas öid zovzo Kai ovöslg avzov hiefs Perimela (Diodor). Ixion selbst erscheint
jj&tlsv dyviaai ovzs &säv ovzs äv9g<o7imv. als König der Lapithen in Gyrton, gilt als Vater
ngoizog ydg s fjepvXiov uvöga aTziy.zsivsv, des Peirithoos, der auch ein Sohn des Zeus
(vgl. Pind. a. a. 0.). sXsrjaag öl avzov b Zsig genannt wird, und als erster Verwandten-
dyvi^si y.al dyvia&slg iJQaa&r] zrjg "Hgag. mörder, indem er den Vater seiner Braut Dia,
b öl Zsig vscpsXr/v byoiäoag 'Hga (ßovXoysvog der gewöhnlich Deioneus (der Feindliche,
öoKLudcai slys alrfösg iazi Schol. Eur. Phoen. Kriegerische Preller, Gr. Myth. 2ä, 12) oder
1192, wo übrigens Hera selbst das Bild macht, Eioneus (nr. 5), bei Diodor Hesioneus (was
wie anch Schul. Od. 21, 303) nagaKoiiii^si 10 offenbar dasselbe ist), auch Oioneus genannt
avzä -/.cd vczsgov jro/r/ffag „TSTQdv.vrjjj.ov wird (nr. S), hinterlistig umbringt. Allgemein
zgo x'o v" (ös'ayov, Pind. a. a. 0.) y.al ösoytvoag wird die Gröfse seines Verbrechens hervor-
avzbv ziuagsizai. gehoben, welches so grofs erscheint, dafs kein
6) Diodor 4, 69. Mensch und kein Gott ihn davon reinigen will.
7) Hygin. f. 14. f. 62. Nur Zeus erbarmt sich seiner, als er wahn-
8) Lucian. d. d. 6 p. 216— 219 Post Hemster- sinnig geworden um Schutz fleht, nicht ohne
huysium et Eeitzium cum rar. lect., Schol. Widerspruch (Aeschylos oben nr. 2 a u. b. Luc.
graec, adnot. et ind. edidit I. Th. Lehmann d. d. 6), als Zeus Lusciog, der sich der Sehutz-
1822. Schol.: 'i'gCav A a tt i'-fr r\ g zb ysvog a)v flehenden annimmt. Ja er nimmt ihn sogar
fflüyiTO Aiav t^v Olovicog. t'ov öl nsv&sgbv 20 zum Tischgenossen, und verleiht ihm Unsterb-
avTov sXiiövza snl zd löva avvsey.sväaazo. lichkeit (S). Aber der Undankbare kann sein
ogvyya ydg Ttonqeag Kai ysyCeag nvgbg i'r&a Glück nicht ertragen, er erhebt seine Angen
avzov svsßaXsv scp' a> oi &sol dyavay.zi\aavzsg zur Gattin seines Wohlthäters, so sehr hat
s'usXXov avzov zifiagstv 6 dl Zc-ig fiovog ihn der Nektar berauscht (Lucian). Doch
rjXsrjasv avzov v.al Xaßäv töica isgä (oder dieser neue Wahnsinn stürzt ihn ins Verderben.
[dorn, die Stelle scheint verderbt) dcpijys fisza- Um den Frevelmütigen, der nach des höchsten
öiöovg zi,g ä&avuoiag (Schol. Od. 21, 304: Gottes Bette trachtet, auf die Probe zu stellen,
ysvad^isvov ydg avzov jrjg dyßgoaiag ovy. r;v schafft Zeus (oder Hera selbst) ein der Hera
avTov ano&ctvetv). Ovzog öl dnoXaczog cov ähnliches Wolkengebilde (KscpsXrj) und legt
iigüc&rj 'Hgag, r) avijyyEiX-s zä Air b 31 dorn.- 30 es dem Unverbesserlichen (äv.olaczog, nr. 8)
l^d^cov avzov dnsiy.aas vscpsXnv zij "Hga, j] bei. Aus dieser Vereinigung entspringt Ken-
\xiyvvzai 'lt,iiav, Kai noisl TiatSa zu fihv dv&gä- tauros (8. 9), ein wilder, wunderseltsamer Mann
7tov s'xovza, zd öl LTtTtov (Ksvzavgog s. d. (9 a), ein übermütiger Sprofs „ohne Chariten"
nächste Nummer) dcp' ov 'iTznoKsvzavgoi. (1 a) (nach Diodor [9 b] nicht blofs einer,
O öl Zsvg ögyia&tlg — svsgyszäg, fast wört- sondern die Kentauren, und zwar in Menschen-
lich = oben 4 b. gestalt). Von diesem sodann stammen aus
9) a: Pind. Pyth. 2, 42 — 44. Schol. p. 317: seinem Verkehr mit den magnetischen Stuten
dygtog zig xal zigazcoöng dvfjg ov Kivzavgov auf dem Pelion die Hippokentauren, halb
avbuaouv. — b: Diodor 4, 69: zbv öl 'i^iova Menschen, halb Pferde {dycpozsgoig byoioi
zy vscpsXrj ytysvza ytvvijeai. vovg övoya^ousvovg 40 zor.tvoi, zd uazgö&sv iilv kÜzco, zd ö' vTteg&i
Ksvzavgovg äv9ga>7tocpv i ig. 4, 70: zivlg öl nazgög 1 a. 8, wo schon dem Vater die Miseh-
l.iyovai xovg ix Ntcpiir/g y.al 'I^i'ovog yhvvq- gestalt beigelegt wird, 9 b). Die Sage, dafs
&ivzag Ksvzavgovg ngwzovg Irnisvsiv inixtig-q- Ixion und Pegasos in einer Nacht einer Sklavin
aavzag ' InitoKSvzavgovg cavoudaQ-ai Kai sig beigewohnt haben, und hieraus Kentauros ent-
TtXdcua fiv&ov KazazaxTTf/vai mg öicpvsig bvzag. standen sei (9 c), verdient als späte Erfindung
— c: Schol. Venet. ad II. 1, 266: zivlg öl keine weitere Beachtung.
öovXi'Si 'l^t'ova fiiyrivai, dpa öl y.al TL^yaaov Die Strafe des Ixion besteht darin, dafs er
zbv nzsgcozbv y.azd zr\v avzrjv vvkzw l| cov auf Zeus' Befehl von Hermes (Hygin fab. 62)
yivio&ai Kivzavgov , dcp' ov tloXv nXf^og auf ein geflügeltes feuriges Rad mit vier
yivizai. 50 Speichen, das sich unaufhörlich dreht (ögoudg),
10) Schol. Find. Pyth. 2 p. 316: yal zijv mit Schlangen (Vergil s. u.) gefesselt und
tnl zov zqo%ov v.oXaeiv avzm nagsyK£%£igriKa- unter Geifselhieben und dem Ausrufe: „Wohl-
oiv vnb ydg ötvng y.al arvsXXng avzov lh,ag- thäter soll man ehren", durch die Lüfte
Ttao&lvza tp&aorjvat cpaaiv. dahingerollt wird (zä dsgi nr. 4b. 8, uszscogog,
11) Philostr. vit. Ap. Lyon. 6, 40: dXX' zgo%m sly.aofisvog [?] 11). Doppelt schwer er-
tKsh'og fiiv zgoyjo ity.aay.hog [siXiyfiivog'i synsi- scheint die Strafe für Ixion, sofern er unsterblich
(i£vos?B.] öi' ovgavov y.vdunzszai. 7, 12: Igt'cov ist. Nüchtern rationalistisch wird vom Schol.
yszcaigog inl zgo%ov. zu Pind. Pyth. 2 (nr. 10) diese Strafe in Ab-
Die Sage vom Ixion ist jünger als Homer rede gestellt und erzählt, Ixion sei von einem
und Hesiod , und schwankt hinsichtlich der 60 Wirbelsturm entrafft worden und so umge-
Genealogie und des Orts seiner Bestrafung, kommen. Darin, da/s Ixion seine Strafe nicht
während über seinen Charakter und seine Frevel in der Unterwelt, sondern in der Luft büfst
Übereinstimmung herrscht. Sechs Namen wer- (ziavzih y.vXivöbytvog Pind.) sind alle älteren
den genannt von Königen und Göttern, deren und manche späte Nachrichten (z.B. ob. nr. 11)
Sohn er sein soll, am häufigsten Phlegyas einig (auch Üdysseus erwähnt ihn nicht bei
(lb; 4 a; 5), den jedoch Straho seinen Bruder seinem Besuch in der Unterwelt); erst spät
iH-niit (p. 442), daneben Aiton oder Peision, beide wird derselbe in den Tartaros versetzt, zuerst
nach Pherclydes, Antion nach Aeschylos, Leon- von Apollonios Rhodios 2, 62, dessen Scholiott
769
Ixion
Ixion
770
(nr. 5) übrigens den Ort im Ungewissen läfst,
dann von Tibull 1, 3, 73. Vergil. Georg. 3, 38.
Aen. 6, 601. Sero, z. beid. St. Ov. Met. 4, 460.
Eine besonders raffinierte Auffassung spricht
aus Stellen wie Verg. Georg. 4, 484. Sen.
Apocoloc. p. 361, woraus geschlossen wurde,
dafs die Strafe zeitweilige Unterbrechung er-
litt, „ut animum reficeret Ixion" (Staveren zu
Ilygin. f. 62). Wenn aber einige das Rad des
Ixion unter die Sterne versetzen, so beruht
dies offenbar auf Mifsverständnis der Stellen
des Philostrat und Unkenntnis der ursprüng-
lichen Fassung der Sage. Nach Strabo 439
verdrängte Ixion und sein Sohn Peirithoos die
Perrhäber und nahm ihre Stadt Gyrton in Be-
sitz, ebenso verjagte er die Kentauren vom
von der Wurzel l*.- (Atftag Feuchtigkeit). Die
meisten neueren Erklärer fassen den Ixion auf
dem Rad als Symbol der Sonne, so schon
Panofka, Zufluchtsgottheiten, S. 286 der Ab-
handlungen der Berl. AJcad. 1863. A. Kuhn,
Ztschr. f. vergl. Spr. 1, 535; Herabholung des
Feuers 48 ff. 69. 95 ff. Gaidoz, Et. de mythol.
Gauloisel. Paris 1886 S. 48. Preller, Gr. Myth.
23, 13: „Ursprünglich bedeutete dieser aufs be-
10 flügelte Rad geflochtene und in ewigem Wirbel
durch die Luft getriebene Ixion vielleicht nur
das Rad der Sonne, welches von Indien bis
Deutschland den Sagen und Gebräuchen der
Völker bekannt ist, in welchem Falle erst
dieses mifs verstandene Bild der Vorzeit zu dem
Glauben an Frevel und Bufse geführt hätte "
Ixion auf dem Rade, daneben 2 weibl. Hügelgestalten, unten Hermes, Erinys, Hephaistos, Vaaenbild in Berlin
nr. 3023 (nach Baumeister, Denkm. d. klass. Altert. S. 767 Fig. 821 = Annali d. Inst. 1873 Taf. IK).
Pelion und trieb sie ins Land der Aithiker
(Hom. II. 2, 738), die Ebenen aber übergab er
den Lapithen.
Die Erklärung des Namens Ixion und seiner
Väter hängt aufs engste mit der der Sage zu-
sammen. Das Et. M. leitet den Namen nach
der Erzählung bei Pindar her von inw, vom
Nahen zum Bette der Hera, eine offenbar viel
zu einseitige Auffassung; Welcher, Aeschyl.
Tril. S. 549 von iv.ui — ixettjs der Schutzflehende
(Aesch. Eum. 440, oben 2 a), worauf auch der
Name seines Vaters Antion (von avtidco bitten)
undPeision (nii&-a> durch Bitten bewegen) hin-
weise. Allein der Charakter Ixions ist zu vor-
herrschend der des dxöXueios, des unbezähm-
bar Trotzigen, als dafs ihm von seinem Schutz-
flehen der Name hätte beigelegt werden können.
Pott, Zeitschr. f. vgl. Spr. 7, 86 und Curlius,
Gr. Etymol.3 S. 132 leiten den Namen her
Röscher, Lexikon d. gr. u. röro. Mythol. II.
50 „Phoebi rota" Stat. Silv. 5, 1, 17 (Grimm, D.
Myth. 578). Bre'al, le mythe d'Oedipe p. 10
führt Ixion auf ein vorausgesetztes Akshivan zu-
rück, das Wagenmann, Radmann, d. i. Sonnen-
gott bedeuten würde {Klügmann, Ann. d. Inst.
45 S. 93—98). Für diese Auffassung der my-
tholog. Grundidee des Ixion lassen sich auch
die Namen seines Vaters Phlegyas und Aiton
oder Aithon (von ai&co) „der Strahlende",
sowie vielleicht der seines Sohnes Peirithoos
60 (s.d.), dernach Pott a.a. 0. „Umläufer" bedeutet
in die Wagschale werfen [vgl. auch den assy-
rischen Mann auf dem geflügelten Sonnenrade
bei Perrot-Chipüz, Bist, de l'art 2, 89 Fig. 19.
Max. Mayer]. Der Name Ixion ist jedoch
mit alledem noch nicht genügend erklärt.
[Mannhardt, Ant. Wald- u. Feldkulte 83 ff.
und El. H. Meyer, Gandharvcn-Ktntauren 40 ff.
1 90 ff. fassen Ixion als Repräsentanten des Wirbel-
771 Ixion Iynx 772
windes und erklären seinen Namen als eine wohl an seinem Platze, wenn er auch in der
Verkürzung aus ä^iazQorpog. Doch läfst sich Überlieferung nicht genannt wird. Unten eine
für eine solche Deutung aus dem Kreise der Flügelgestalt mit Schlangen in den Haaren und
übrigen Lapithen (s. d.) keine einzige Analogie Fackel in der Rechten: eine Furie. Vgl. aufser-
beibringen. Sehr ansprechend ist dagegen die dem eine Ruveser Vase [jetzt in Petersburg
neuerdings von Laistner (D. Bätsei d. Sphinx nr. 424 R.] R. Eochette, Mon. ined. t. XIV
Berlin 1889 I S. 293 ff.) aus der Vergleichung mit p. 179 nr. 3. Gerhard, Mysterienbilder t. II.
verschiedenen, ähnliche Motive enthaltenden, Ar eh. Ztg. 1843 p. 199. 1844 p. 225 t. 13 und
deutschen Alpsagen gewonnene Deutung der d. Artikel Iris (ob. Sp. 343) und Ichsiun.
Sage von Ixion. Danach wäre Ixion eigent- 10 [Weizsäcker.]
lieh ein böser Mensch, dessen Strafe darin be- Ixionides ("l&oviäns), Sohn des Ixion (Suidas),
stand, als „Alp" an ein Rad (oder Sieb) ge- heilst Peirithoos, Ov. Met. 8, 567. Prop. 2,
fesselt, im Wirbelwinde durch die Lüfte zu 1, 38. [Höfer.]
fahren und dabei einen bestimmten Ruf aus- Ixios ("lt,Log), Beiname des Apollon von dem
zustofsen, Vorstellungen, die sich auch in un- Ort Ixiai oder dem Hafen Ixos auf Rhodos
zweifelhaften von Laistner a. a. 0. besproche- Artemidor bei Steph. Byz. s. v. 'lf An. [Höfer.]
nen Alpsagen nachweisen lassen. Ist diese Iyugies ('ivyyirjg) oder IyngyiJ ('Ivyyvi?),
Deutung richtig, so könnte der Name des Beiname des Dionysos, Hesych. Schmidt ver-
'l'gicov von W. h. oder Im (vgl. Inovo&cu = mutet, dafs an beiden Stellen 'ivyv.zrjg = eiu-
aizo&i.ißto&ai, nisgso&ai, i'n-zofxai schädige 20 lator (Schreier) zu lesen sei. [Höfer.]
u.s.w. Curtius, Greiz.'" S. 461) abgeleitet wer- Iynx ("luyi), 1) Tochter des Pan und der
den und den rdrückenden' schädlichen Echo (so Kallimaclios) oder der Peitho (Phot.
Alp bezeichnen. Röscher.] Der Grundzug lex. ed. Pors. 118, 11 = ed. Kaber 1, 300. Suid.
seines Charakters ist nach unseren griechi- s. v. Fi>y§. Sehol. Theohr. id. 2, 17. Schol. Find.
sehen Quellen der des rücksichtslosesten Über- Nem. 4, 56), nach Anth. ed. Jac. 4, 140, 113
mutes gepaart mit List. Der Name seines T. der Niko (dasselbe steckt wohi in dem
Vaters Phlegyas kann nach phokischer Be- ifpä NiKrjg Met 'AqiQodizrjg bei Suid. u. Phot.).
deutung des Wortes cpltyv&v ^ißgigziv (Eust. Sie wurde nach Zenodotos von einigen Miv&a
IL 13 S. 904) auch den Übermütigen bedeuten, genannt und als Ncits vvy.cp7] bezeichnet (Phot.
ganz dasselbe, was Lapithes von lani&iv im 30 lex. ed. Pors. 271, 1). Sie habe den Zeus
allgemein Hellenischen (Müller, Orchomenos durch einen Zaubertrank zur Liebe der Io oder
S. 190); es liegt nahe, auch für Ixion eine ahn- zu sich selbst verleitet und sei deswegen von
liehe Bedeutung anzunehmen und den Namen Hera versteinert oder in den Vogel gleichen
mit lo%vs in Verbindung zu bringen , ^wonach Namens verwandelt worden (Suid. s. v. Phot.
er der Gewaltige wäre. Ähnlichen Übermut lex. 118, 11. Schol. Theohr. 2, 17). Als Vogel
legt auch ein Verwandter des Ixion, Isehys, wird sie zu Liebeszauber verwendet und an
an den Tag, der gleichfalls Nebenbuhler eines das Zauberrädchen gebunden (Suid. u. Phot.
Gottes ist, Hymn. Hom. Apoll. Pyth. 31. Sozi äs Kai oqviöv n q> kqooxeltcci ztjv avzfjv
Müller a. a. 0. S. 197. Mit der Deutung der övvafiiv z'xliv: o&iv äsafisvovai zols zqoxIgkois,
Sage auf das Sonnenrad ist diese Ableitung 40 vgl. Schol. Find. Pyth. 4, 380). Der Vogel
des Namens nicht unvereinbar; Benscler leitet führt auch den Namen ctioonvyig (Sia zo
denselben von l£vg her, das wohl mit lo%vg navza%ov oz^iepav Kai XvyL&Lv zbv av%iva i\
verwandt ist; und in der That die Bedeutung zr\v nvyrjv), oder ntvaiäog und soll nach Aristo-
der ungeschwächten Manneskraft und Geilheit teles ^.ikqov jis<£a>» <?juJ;js sein (Schol. Theohr. 2,
würde auf das, was von Ixion „Geiling" über- 171. Et. m. 479, 55. Hesych. lex. s. v.). Auch
liefert wird, ganz wohl passen. Beachtens- Gzieovqa oder KiQvaiog wird der Vogel ge-
wert ist auch der Name der Gemahlin Ixions, nannt und als Jräoi' ädiKiazazov bezeichnet bei
der Dia, der Mutter des Peirithoos, welcher Sehol. Upp. Hai. 1, 565; nach Plin. n. h. 11,
nach II. 2, 741 ein Sohn des Zeus ist. Auf- 256 iynx (avis) sola utrimque binos habet (di-
fallend bleibt immer das späte Auftauchen dieses 50 gitos). Auch Aphrodite soll den Liebeszauber
Mythos, der sich dann in der Poesie so grofser verwenden (Hesych. lex. s. v.), ja sie soll den-
Beliebtheit erfreute. Alle drei grofsen Tra- selben zuerst vom Olymp geholt und dem
giker haben ihn bearbeitet, und Aristoteles, Iason gegeben haben, damit dieser das Herz
poct. 18 __nennt ihn unter den pathetischen der Medeia gewinnen könne (Pind. Pyth. 4,
Stoffen. Über bildliche Darstellungen der 380 noiniXav i'vyya zszQccKvafxov OvXvfinb&sv
Sage vgl. Müller, D. a. K. 2, 863. Klügmann, N. iv aXvzco gtv^aioa kvkXgi jicavdä' oqviv Kvttqo-
Memor. delV Inst. 2, 388 ff. Annali 45 (1873) yivsia epigsv). Von dem Vogel haben auch
S. 93 ff. Tav. d'agg. 1. K., kumanisches Vasen- andere zum Liebeszauber gebrauchte Gegen-
bild in Berlin nr. 3023, wonach unsere Ab- stände den Namen foyij, bekommen, wie bei
bildung: Ixion auf das feurige Rad geflochten, co Find. Pyth, 4, 215. Hesych. lex. s. v. anb rov
in den Lüften schwebend; das deuten sowohl oqvbov Kai zä KazaaKsva^bfisva slg i'ficozag
die weiblichen Flügelgestalten zu beiden Seiten, i'vyyag KaXoveiv, so das Zauberrädchen (Suid.
die wohl als Erinyen (oder Wolken?) zu er- s. v.), ferner eine Art Sj'rinx (aveiy^ iiovoxü-
klären sind, als auch die aufwärts gerichteten Xafiog, Becker, aneed. gr. 265, 21). Der Liebes-
Blicke des Hermes und des Hephaistos an; der zauber der Iynx vermag viel, vgl. Anth. gr.
letztere, kenntlich an Hammer und Mütze, ist ed. Jac. 4, 113 r) xal Sianbvziov ZXksiv ävägu
hier als Gehülfe des Hermes bei der Voll- Kai ix &aXä(uov jratSas imozufihn. Theohr.
Streckung der Strafe und Verfertiger des Rades id. 2, 17 fuyg, ?Ak« tv zfvov £[ibv nozi däiia
773 Izdubar (Name und Bedeutung) Izdubar (Name und Bedeutung) 774
■zbv aväga. Infolgedessen wird das "Wort auch merkwürdigerweise in der Besehwörungs-
von dem Liebesreiz und der Gewalt der Rede legende von der „Höllenfahrt der Istar" einen
gebraucht (rj KXiondTQu outo raig avtaig Götterboten. Erweisen läfst sich die Lesung
i'vy^iv — Y.ctl toü Ssßctatov iigatrjGiLv rpttof, Namrüdu nicht. Die Erklärung des Namens
oder roLcevzrj Tis ngoar^v i'vy£ Jioyivovg toi? als Nu-Marad (= Nimrod), „Mann von Ma-
Xoyoig, Suid. s. v. Ken. mem. Socr. 3, 11, 17. radu (seine mutmafsliche Vaterstadt) bleibt
Nach Phüostr. vit. Apoll. 6, 11, 247 hat Apollo geistreiche „sumerische Hypothese"; ebenso
in seinem Tempel in Delphi ;jpi>öäs "ivyyctg Lenormant's ana Amar-utu (=Marduk). Auch
SiiQrjViav ziva iiir\%oveag ntiftm aufgehängt, andere assyrische Lesungen sind aufzugeben,
womit die im persischen Königspalast auf- 10 So Delitzsch 's Sama's-ussir , Paradies S. 155 f.;
gehängten %gveui i'vyyig äno-ngsfiavTai rov Hommel's Namrasit (Proc. of the S. uf Bibl.
OQoepov TETiKofs, ttjv 'Aägaars lav avtä nag- Arch. 1885/6 p. 119 ff.) ist IV R 2, 22b*) ent-
syyväoat, Kai xb aij vnig toÜs av&gcoizovg nommen, s. Jensen, Kosmologie S. 104f. Andere
ai'gfo&ai (sie werden &iä>v yläaoai, genannt) ideographische Lesungen, wie Dubar, Gistubar
verglichen werden; vgl. Lobeck, Aglaoph. 906. sind um nichts besser, als die von dem geni-
Pitid. fr. 25 ed. Böckh. expl. 277 (zu Pißh. 4, alen Auffinder des Epos, G. Smith, geprägte
211). Hemsterhuys. ad Lucian. 1, 172. Bottiger, konventionelle Lesung Izdubar. Die von Theo.
kl. Sehr. 1, 183. Kunst m. 2, 261. Von einem G. Pinches auf einem neuentdeckten Fragment
&y| t6£(ov spricht Lykophr. 310. Man hat die gefundene Gleichung ilu Iz-dubar | ilu Gi-il-ga-
Iynx vielfach auf Vasen in einer Frau, welche 20 nies enthält kaum eine phonetische Lesung,
einen Vogel auf der Hand trägt, oder in dem Es scheint vielmehr, als ob hier ein Rätsel
Vogel selbst erkennen wollen, z. B. Ann. d. durch das andere erklärt ist. Keinesfalls möchte
Inst. 1866 S. 367; vgl. Catal. of the greek and ich wagen, weitere Schlüsse aus der Lesung
etr. vases in the Brit. Mus. nr. 1293. 1356. 1429. Gilgames zu ziehen, wie A. H. Sayce, der den
1536. 1574 u. a. m. , doch fehlt es dafür an Helden mit dem bei Aelian, hist. anim. 12,
jedem Anhalt. Vgl. noch Journ. of Hell. 21 erwähnten babylonischen Sagenkönig Gil-
Stud. 7,1 S. 157. Von der Weihung einer gamos zusammenbringt.
aus durchsichtigem Amethyst geschnittenen Sachlich scheint die Gleichstellung von Izdu-
und vergoldeten, in der Mitte mit purpurnem bar und Nimrod gut begründet. Dafs es einen
Wollfaden gebundenen lynx durch eine <pag- 30 alten babylonischen Helden Nimrod gegeben
[luxic an Aphrodite handelt das Epigramm hat, zeigt Gen. 10, 8 — 12, wo von dem „grofsen
Anth. gr. ed. Jac. 4, 140, 113. — 2) Nach Jäger vor dem Herrn" aus einer wohl spezi-
Nikandros heilst einer der Vögel, in welche fisch babylonischen Quelle berichtet wird: „Der
die von den Musen besiegten Töchter des Anfang seines Königreichs war Babel und Erech
Pieros verwandelt werden, i'vy'E,, Myth. gr. ed. und Kalneh im Lande Sinear; von diesem zog
Westerm. 209, 29. [Engelmann.] er aus nach Assur und gründete Nineveh u. s. w."
Izdubar*), der babylonische Herakles-Simson, (zur letzteren Aussage vgl. Micha 5, 5 und die
der Held des altbabylonischen Zwölftafelepos spätere Überlieferung bei Clemens, Becognit. 1,
(„Nimrodepos"). 30.**) Die Keilschriftlitteratur aber kennt nur
10 einen Nationalhelden, den Izdubar, der als
I. Name und religiöse Bedeutung des Izdnbar. Löwentöter dargestellt und im Epos als gewal-
Izdubar ist die konventionelle Lesung einer tiger Jäger geschildert wird, welcher durch einen
babylonischen Zeichengruppe, mit welcher der Heldenkampf Babylonien von der elamitischen
Held eines altbabylonischen Nationalepos be- Herrschaft befreit (Erech, Babel und Nippur
zeichnet wird. Die eigentliche Aussprache ist werden in den Fragmenten genannt) und zum
noch dunkel. Ein Thontafelfragment, das viel- Lohne dafür den Königstuhl der Stad Erech
leicht die Lesung enthalten hat, ist auf der rech- besteigt, in der er schon früher als Held be-
ten, erklärenden Hälfte abgebrochen. Einige rühmt geworden war.
Assyriologen haben versuchsweise die Lesung Der Held Izdubar hat im Epos vor seinem
Namrüdu (= Nimrod) aufgestellt. Die sprach- 50 Namen das Götterdeterminativ. Er ist entweder
liehe Möglichkeit steht aufser Zweifel : Namra- ein in der Sage zum Helden gewordener Gott,
uddu, „hellglänzendes Licht", wäre ein Name von wie Siegfried bei den Germanen, oder, wofür der
gleicher Bedeutung und Bildung wie Namra- Schlufs des Epos spricht, ein zum Gott gewor-
sit.**) Die Umkehrung des Namens Uddu-su dener Held. Als Gott ist Izdubar dem Sonnen-
namir, d. h. „sein Licht leuchtet", bezeichnet gott beigesellt. Ein Fragment (Smith 1371;
Text veröffentlicht bei Haupt, Nimrodepos
*) Tom Verfasser des vorliegenden Artikels werden Heft 2 g 93) enthä1t e;n schematisch einge-
teils im Nachtrag zu Bd. I und n, teils in den fort- richtetes ßesch WÖrungSgebet an den „Gott
laufenden Heften folgende Artikel aus der assyrisch- ,. ,m n „„ n„ rc r? j t> i - \
babyionischen Mythologie erscheinen: Adar, Ann, Izdubar" (IV R 56, 37 ff. Herr der Beschworung),
Anunnaki, Arallu, Asur, Cherub, Ea, Et ana, 60
Marduk (Meiodacb), Moloch, Nabu (Nebo), *) Mit I R, U R etc. wird im folgenden nach assyrio-
Nergal, Samas, Sin, Tamniuz. Die Eigenart des logischer Gewohnheit das assyrische corpus inscriptionum
Stoffes hat es verursacht, dafs der Artikel Izdubar aus- citiert: II. Rawlinson, The euneiform inscriptions of Western
nahmsweise einigermafsen aus dem Bahmen der Lexikon- Asia, vol. 2 — 5.
Arbeiten heraustritt. D. Red. **) Auch die Bedeutung, die heute noch der Käme
**) Diese babylonische Etymologie würde nicht aus- , Nimrods in Mesopotamien hat, wie die Namen von Trümmer-
schliefsen, daf3 der Name hebraisiert mit ntdräd, „em- hügeln, der Turm von Borsippa, Birs Niiurud u. a. be-
pören", zusammengebracht werden könnte; vgl, auch Franz weisen, dürfte kaum allein auf den Einflufs des Koran
Delitzsch, Genesis 18S7 p. 213. zurückzuführen sein.
25*
Izdubar (Name und Bedeutung') 776
775 Izdubar (Name und Bedeutung)
den Unter-Richter des Sonnengottes. Die er will dir bringen ein Feierkleid [ ],
Situation des Beschwörungshymnus*), der hier Holz, Cedernholz [ ],
znnierstennialebesproehenwird, ist die folgende: Gold [ ]."
EinKranker bittet unter der Assistenz eines Prie- ungefähr die Hälfte der Tafel ist abgebrochen,
sters um Heilung von seinem Leiden und wendet die Bückseite enthielt nur die Unterschrift der
sich an Izdubar, den gewaltigen Richter, „dessen königlichen Bibliothek Asurbanipals).
Hand der Sonnengott Scepter und Entscheidung Dafs der siderische Charakter des Helden
anvertraut hat". Auf das kurze, hymnenartige Izdubar zur Zeit der Entstehung des Epos dem
Gebet folgt, wie es scheint (die untere Hälfte Volksbewufstsein entsprach, beweist das Gottes-
ist nur in Spuren erhalten), ein Trostwort des 10 determinativ, das Verhältnis des Helden zum
Priesters an den Kranken und dann eine An- Sonnengotte im Laufe der Erzählung, und die
rede des Priesters an den Gott Izdubar, in Beziehung einiger Tierkreisbilder auf den In-
der ein glänzendes Opfer (Reinigungsopfer!) halt der epischen Gesänge (s. Zusatz II Sp. 817).
für die bewilligte Hilfleistung zugesagt wird. Da Izdubar Sonnengott, bez. Unter-Riehter
Die wörtliche Übersetzung lautet:
„0 Izdubar, gewaltiger König, Richter der
Erdgeister,
du Erhabener, grofser Entscheider der
Menschen,
der du schaust auf die Weltgegenden, du so
Verwalter der Erde, Herr des Irdischen,
du Richter, der du gleich einem Gotte er-
gründest,
du trittst hin auf dieErde,vollziehstdasGericht,
dein Recht wird nicht gebeugt, dein [Befehl]
wird nicht ,
du forderst vor, du erkennst, richtest, er-
gründest, leit[est. recht],
der Sonnengott hat Scepter und Ent-
scheidung deiner Hand vertraut, 80
Könige, Fürsten und Machthaber beugen sich
vor dir**),
du schaust auf ihre Befehle, du entscheidest
ihre Entscheidungen:
ich bin NN, der Sohn des NN, dessen Gott
NN, dessen Göttin NN — ,
Krankheit hat mich erfafst, Bufse mufs ich
zahlen,
ich beuge mich vor dir, dafs du meine Ent-
scheidung treffen mögest, 40
sprich das Urteil [vgl. IV R 56, 14 a] ,
reifse heraus meine Krankheit [aus meinem]
Leibe,
besiege alles Üb[el]
das Übel, das in meinem Leibe "
(der Priester zu dem Kranken): „An diesem
Tage [hat sich der Gott deiner erbarmt(?)].
Er hat [dich] stark gemacht [ ],
reineB ubuntu [wird er deinem Munde
geben?]. . . ." 50
(der Prieser zur Gottheit): „Er will opfern
vor dir ein Opfer [ ] ,
*) Es giebt in der religiösen Keilschriftlitteratur Be-
schwörungslegenden, wie die „Höllenfahrt der Istar",
Beschwörungshyinnen, wie der vorliegende Text (auch
der unten übersetzte Istar- Psalm) und Beschwörungs- desselben ist, wage ich im Anschlufs hieran
bufspsalmen. folgende Lösung des Rebus: AN-IZ-DU-BAM
**) Merkwürdig ist, dala die Midraschim dem Nimrod = ^göttlicher Richter der irdischen Dinge"
in ähnlichem Sinne solarischen Charakter beilegen ImBrtA , , dje Zeije dgg H u£a cm = Gott",
ha-midrasch 1, 25. 2, ISf.; 5, 40 (ed. Adolf Jelhnek, Wien \S . Mann"*) rf,/,r„) fc„r nnrln TT R R2
1873) heilst es, dafs 365 Könige (die Tage des Sonnen- CO lg (CJ1S) - „Mann ) du ( tu)-ba, I nach 11 K 62,
jährest) dienend vor Nimrod erseheinen; vgl. auch 69 ab = saptu iaplltum , „Richter des Irdl-
Schwartz, Sonne, Moni und Sterne, ein Beitrag zur Mythe- sehen" (zu sapatll = danu S. V R 28, 89 e f).
looie und Kulturgeschichte S. 6, wo Nimrod als Sturm- — Die Deutung als „Gott mit der brennenden
juger, also eine Art Wuotcm, aufgefaßt wird. (Dieselben Fackel", die einem zu postulierenden Kam-
:JG5 Könige huldigen dem Abraham, der unversehrt aus ffäfa „glänzendes Lieht", entsprechen würde
dem Glutofen, in den Nimrod ihn stecken liefs, hervor-
Eegangen war, errichten ihm eine Lehrkanzel und führen
ihre Kinder zum Unterricht in der wahren Gotteserkennt-
nis zu ihm.)
Izdubar-Ninirod einen Löwen und eine Schlange tra-
gend. (Aus George Smiths Chaldaean Genesis, DeutBche
Ausgabe, Leipzig, Hinrichs, 1876, S. 168. Skulptur
aus Khorsabad im Louvre.)
*) Die Bezeichnung des Izdubar als „Gott" und
„Mann" entspricht dem avljß &eöz als Bezeichnung des
Herakles bei Pindur und Sophokles.
777 Izdubar (Name und Bedeutung)
(iz-bar = „Feuer, Fackel", du bez. tu als in-
figiertes Determinativ = „Handhabe"), scheitert
an dem letztgenannten Ideogramm, das ver-
schiedene Derivate von ahäzu, („fassen") be-
deutet, nirgends aber dem Begriff „Handhabe"
entspricht; auch wäre eine Gottesbezeiehnung,
vom Emblem hergenommen, ohne Analogie,
nachdem man von falschen Deutungen, z. B. des
Gottesnamens Nabu („Gott mit dem Scepter"),
zurückgekommen ist.
Über die Persönlichkeit des Helden Izdubar
ist wenig zu sagen. Da der Stadtgott von Ma-
rad gelegentlich als „Gott des Izdubar" fun-
giert (Taf. VI), so könnte man (mit G.Smüh)Marad
als Vaterstadt des Izdubar ansehen. Ist er wirk-
lich „Sohn der Mondgöttin Ningul" (Hommel, Ge-
schichteBabyloniens- Assyriens S. 395)'? Derziem-
lich unbekannte Gott Nin-gul erscheint Taf'.XII
als „Herr des Eabani", ist also wohl Ea (s.
Izdubar (Auffindung d. Epos v. I.) 778
banipal (668 — 626) hat das Epos, wie alle
grofsen Litteraturwerke seines Volkes, die zum
Teil schriftlich, zum Teil mündlich von Jahr-
hundert zu Jahrhundert vererbt waren, in
babylonischer und assyrischer Schriftart nieder-
schreiben lassen und in seiner Bibliothek de-
poniert. Leider ist noch kein vollständiges
Exemplar aufgefunden worden. Da aber bis-
her zum Schaden für die Altertumsforschung
10 nur ein Teil der grofsartigen Bibliothek, ca.
30 000 Fragmente umfassend , ins Britische
Museum gerettet wurde (politische Umstände
haben s. Z. die Arbeit unterbrochen), so ist
die Aussicht auf eine Vervollständigung der
Fragmente nicht ausgeschlossen Die ersten
Stücke entdeckte George Smith (f 1876) 1872
unter den Tafelschätzen des Britischen Museums,
deren Anordnung er mit erstaunlichem Scharf-
sinn vollzog. Auf zwei Reisen im Auftrage des
die Spuren im Ea- Verzeichnis II R 68, 73 und 20 Daily Telegraph fand er in den folgenden Jahren
zahlreiche neue Bruchstücke der altbabylo-
nischen Urgeschichten. Nach seinem Tode
wurde das Werk der Fragmentenanordnung
fortgesetzt von dem verdienstvollen Th. Pinches,
speziell in Bezug auf das Izdubar-Epos soweit
als möglich vervollständigt durch Paul Haupt,
der die Texte im 3. Bande der Assyrio-
logischen Bibliothek von Delitzsch und
Haupt herausgab unter dem Titel: Das baby-
1 1884, Abt. 2,
vgl. Sb 339). Nach Taf. II ist seine Mutter
die Göttin Aruru. Jedenfalls stammt er aus
einem alten Geschlecht der Stadt Surippal,
das mit den Göttern im Verkehr stand. Sein
Ahn (s. Taf. IX, Kol. III) Sit-napiitim, der Xisu-
thros des Berossos, ist der babylonische Noah,
der aus der Sintflut gerettet und auf die Insel
der Seligen entrückt ward („an der Mündung
der Ströme" im persischen Meerbusen gelegen,
jenseits des Totenflusses). Als Izdubar vom 30 Ionische Nimrodepos (Abt
Aussatz geplagt ist, macht er sich
auf ana let Sit-napistim apal Kidin-
Mardulc (TJbara-tutu), „zur Kraft
(vgl. hom. lg Trjlsfiaxoio) des Sit-
napistim, des Sohnes des Kidin-
Marduk". Eine Vorstellung vom
Aussehen des Helden geben die bei-
stehenden Bilder. Die typische Kopf-
form dieser Heldengestalt mit dem
künstlich gelockten Haupt- und
Barthaar und den hervorstehenden
Backenknochen, die in den Palast-
Skulpturen von Nineveh sehr häufig
wiederkehrt, bietet ein ethnologi-
sches Problem (s. Hommel, a. a. 0.
S.292). Auf der X. Tafel erscheint er
gelegentlich „mit einem Fell bekleidet'
Izdubar als Götterdiener, Cylinder (nach Perrot-Cliipiez, Hist.
dans Vaniiquitc Fig. 17).
Wich-
tig für die Vorstellung von der Beschaffenheit des
Helden ist das Gespräch des Skorpionmenschen
Lief. 1 1891). Wie Haupt's textkritische Be-
merkungen in den Beiträgen zur Assyriologic
1 1889, S. 48 ff. und S. 94 ff. (hier ist auch
bei seiner Ankunft am il/rfsw-Gebirge auf der IX. 50 die XII. Tafel veröffentlicht) beweisen, ist die
Tafel: „Er, der zu uns kommt, ein Wahrzeichen
der Götter ist sein Leib" (oder auf den Aus-
satz zu beziehen?); „seinem laktu nach ist er
ein Gott, seinem sulultu nach ein Mensch".
Der abgebildete Siegel cylinder zeigt Izdubar
wahrscheinlich in seiner Thätigkeit als Götter-
diener hinter dem Ricbter(?)stuhl (des Sonnen-
gottes?) stehend.
II. Auffindung und Textausgaben der Keil-
schriftfragmente des Epos von Izdubar.
Die uns erhaltenen Thontafelfragmente des
Epos (12 Tafeln, von denen jede ursprünglich
ca. 250 Zeilen umfafste) sind Bruchstücke von
ca. vier Bibliothekexemplaren aus der grofsen
Litteratursammlung des Königs Asurbanipal,
die 1854 von Hormuzd Bassum in den Trüm-
mern von Nineveh aufgefunden wurde. Asur-
Kopie der Texte, die der folgenden Übersetzung
zu Grunde Hegt, aufserordentlich sorgfältig und
zuverlässig.*) — Besonderes Interesse wandte
man natürlich von Anfang an der 11. Tafel
zu (Sintfluterzählung), deren Fragmente von
Delitzsch zusammengestellt und in den Assyri-
schen Lesestiiclcen besonders veröffentlicht _wor-
den sind. Diese Tafel fand gediegene Über-
setzer in Haupt (Der keilinschiiftliche Sint-
*) Leider haben dem unermüdlichen Sammler der
Izdubar-Texte noch immer nicht alle im Britischen Mu-
seum bekannten Texte vorgelegen. Doch steht zu hoffen,
dafs die von Dr. C. ßezold längst in Aussicht gestellte
Veröffentlichung derselben baldigst erfolgen wird. Für
den Gedankenzusammenhang des Epos werden sie jedoch
kaum irgendwelche neue Aufschlüsse bieten. Einige der
bisher unveröffentlichten Texte sind in Autographie der
erweiterten Separat-Ausgabe dieses Artikels (Leipzig,
Teubner) von Prof. Dr. Haupt beigegehen worden.
779 Izdubar (bist. u. myth. Hintergrund d. Epos) Izdubar (hist.u.myth. Hintergrund d. Epos) 780
flutbericht, erweitert als Beigabe zu Schrader, wie sie sieb in einem geschlossenen Epos dar-
Keili »Schriften und das Alte Testament, 2. Aufl. stellt. Wie in den 2000 Jahre später geschrie-
1881 — 83) und in Jensen (Kosmol. S. 365 ff. 1890). benen Inschriften des babylonischen Königs
Die Reste einiger Tafeln sind bis jetzt ganz ver- Ndbonid, so finden wir hier schon die beiden
nachlässigt worden. Die Übersetzungen von grofsen Göttertriaden: Ann, Bei, Ea, welche
Smith und Lenormant können bei aller Geniali- die drei Teile der Welt nach babylonischer
tat nur als tastende Versuche gelten (s. Cyrus Anschauung repräsentieren (dem entsprechend
Adler, John Hopkins University drculars Nr. 55, das dreiteilige Götzenverbot _E.r. 20, 4 gegen-
Jan. 1887), und doch basieren auf ihnen nicht über der sonstigen v hebräischen Weltanschau-
nur die Inhaltsangaben in populären Schriften, 10 ung Gen. 1, 1), und Samai, Sin, Iitar, die Ver-
sondern auch eine dichterische Bearbeitung, treter der hervorragendsten Himmelskörper.*)
zu der Leonidas le Cenci Hamilton begeistert Amt ist der eigentliche Himmelsherr, der
worden ist in seinem Werke Ishtar and Izdu- Göttervater (seine Gemahlin Antu), Bei ist der
bar, the Epic of Babylon, restored in modern Gott der Erde, der Regen und Fruchtbarkeit
verse, vol. 1, New York 1884 (mit wunderbaren, giebt, aber auch Unheil anstiftet zur Strafe
modernisierten Illustrationen!). für die Sünden der Menschen, Ea der Gott
der Wassertiefe, der Gott der unergründlichen
III. Der historische und der mythologische Weisheit, dessen Rat auch die Götter nicht
Hintergrund. verschmähen. Samai ist der besondere Schutz-
Das Epos, das im 7. Jahrhundert als kost- 20 gott Izdubar's und spielt eine grofse Rolle bei
barer Volksbesitz in der königlichen Bibliothek der Besiegung Hambaba's, dessen Vernichtung
zu Nineveh verewigt wurde, läfst uns einen ja auch der Herrschaft elamitischer Götter ein
Blick thun in endlose Fernen babylonischer Ende machen soll; Sin ist der Mondgott, zu
Geschichte. Es ist gelegentlich hier die Rede dem man in den Gefahren der Nacht betet;
von „Königen, die in vergangenen Zeiten das Iitar, die Tochter des Anu und der Antu, ist
Land beherrschten" und von einer Stadt, „die Kriegsgöttin und Venus fecunda zugleich (über
alt war", als die Sintflut hereinbrach. Und doch diese Göttin s. Zusatz I). Erech insbesondere
reicht das Epos selbst in uralte Zeiten zurück. heifst die Stadt des Anu und der Istar, aber
Sein Schauplatz sind Städte im Euphratgebiet: aufserdem werden in dieser Stadt auch Bei,
Uruk (Erech), Nippur, die „Schiffsstadt" Su- 00 Ea, Sin und Samas in besonderen Tempeln
rippak und vielleicht Babel. Der geographische verehrt, vielleicht auch Nin-azu (auch Ninkigal
Gesichtskreis geht über diese Städte hinaus bis genannt), die Göttin der Arzneikunst (?) und
zum Berge Nisir östlich vom Tigris und süd- „Königin der Unterwelt", die Gemahlin des
lieh über das Gebirgsland Mdsu hinaus ein Nergal. — Bei der Sintflut erscheinen die
Stück in den persischen Meerbusen (tdmtum, „grofsen Götter", die in der Ratsversammlung
'Meer' kkt t£,o%riv genannt) hinein. Im Mittel- sitzen, vielleicht zufällig in der Zwölfzahl,
punkte des Interesses steht Uruk (s. Delitzsch, Von den beiden Göttertriaden fehlt Sin. An
Paradies S. 221 ff.; Schrader, Keilinschriften und seiner Stelle stehen Ninib und Nergal (En-
das Alte Testament S. 94), als feste Stadt Uruk nugi, d. i. „Herr des Landes ohne Heimkehr").
supüri, „das wohlverwahrte", genannt, aber auch 10 Aufserdem werden genannt Bamman (der in
ein weites Landgebiet (Uruk mätum) umfassend. den Göttertriaden zumeist an Stelle der Istar
Aus der Heldenaristokratie dieser Stadt ragt auftritt), Nabu (NeboJ, Uragal (Pestgott) und
Izdubar hervor, „vollendet an Kraft, wie ein Marduk (samt, „Götterkönig" genannt, wie
Bergstier die Helden an Kraft überragend". auf der IV. Tafel), und die Anunnaki, die „Fackel-
Durch eine grofse Heldenthat bezwingt er die träger" der Götter. Marduk, der hier als
Eifersucht der Stadtgenossen und festigt die verderbenbringender Gott erscheint, wie auch
heimische Königsherrschaft: nämlich durch die sonst (s. die Stellen bei Delitzsch, Wörterbuch
Besiegung des Zwingherrn Humbaba, der ela-
mitischer Abkunft ist, wie sein Name verrät. *) Auch der assyrische König Salmanassar (s. J.
Man hat diesen geschichtlichen Hintergrund 50 A- Cra'9's interessante Schrift The Monolith inscription of
mit der nationalen Erhebung Babyloniens ZU falmaneserll) betet diese sechs besonders an, setzt aber den
. , .. n ■ 1 , j • in • Gott Asur, den Schutzffott des assvrisehen Reiches, als
identihcieren gesucht, die nach Berossos einer ]KöDig aller gTO[sen G* tt6r„ Toran> so datB die si 'bcll.
2450 — 2250 V. Chr. herrschenden elamitischen zahl herauskommt. Die sechs erhalten hier folgende Epi-
Dyuastie den Untergang bereitet hat. Dafs die theta, die genau den Göttern des Epos entsprechen: Anu,
Sagenstoffe wirklich bis in dieses Zeitalter bin- König der Himmelsgeister und der Erdgeister, Herr der
aufreichen, beweisen die babylonischen Siegel- Länder; Bei, Vater der Götter, der die Geschicke bestimmt,
cylinder der ältesten Könige, die unzweideutig del die Grenzen Himmels und der Erde festsetzt (Jemen,
Sceneu aus dem EpOS wiedergeben, vielleicht Kosmologie S. MS: der äieBÜAtr zeichnete von Himmel
, , rr i i -^ -j. • ■ und Erde); Ea, der Entscheider, der Kunig der Meeres-
auch der Zusammenhang des Epos mit einigen ^ der grofs iat ^ weisen Eat8chlagen. Sin (der Gott)
Bildern des Tierkreises (s. Zusatz II bp. 817). 60 Himmels und der Erde, der Erhabene; Samai, der Kichter
Wichtiger als der historische Hintergrund der Weltgegenden, der Gesetzgeber der Menschheit (vgl.
ist der mythologische. Da die babylonische oben den Izdubarhyninus) \ Istar, die Herrin des Kampfes
Religion nicht zur „Aristokratie der Buchreli- und der Schlacht (die Venus fecunda ist unkriegerischen
gionen" gehörte, SO ist es schwer, aus der Fülle Assyrien nicht mit Sicherheit nachzuweisen). - Auch
der religiösen Litteratur, deren Anschauungen ^*ito£r1,.i a- zS^e? 7 ,f °JaeaS!"6,r „(TgL *"ch 7 1 *■!'
, °, ,. , tt n 1 1 ■ No. 1, 6: in R SEI, 04 a) ; die Z-wolfzahl herrscht in der Zeit,
von der beweglichen Volksanschauung beem- wo sab'8l9til5Che ' Elemente hervortreten (vgl. Diotorus
Holst sind, ein System herauszufinden. Um so Siculwl 2, so); die „LX grofsen Götter" in den „Orakel-
wichtiger ist die Betrachtung der Götterwelt, Sprüchen Asarhaddons" scheinen fromme Hyperbel zu sein.
781 Izdubar (hist.u.myth. Hintergrund d. Epos)
S. 86), tritt übrigens in der Geschichte Izdu-
bar's als schützender Gott auf und verrät in
dem ideographischen Namen Ubara - tutu =
Kidin- Marduk den ihm sonst eigenen Charakter
als „Herr der Beschwörungen".*)
Aufser den genannten grofsen Göttern wer-
den im Epos gelegentlich erwähnt: Tammuz,
„dem Istar Jahr um Jahr Weinen aufnötigt",
die Getreidegottheit Nirba (?), der Feldgott,
die Göttin Mammetu, die „samt den grofsen 10
Göttern und den Anunnaki die Geschicke be-
stimmt", insbesondere den Todestag des Men-
schen, und endlich neben der Unterweltsgöttin
ein „göttlicher Schreiber der Unterwelt". Von
den bösen Dämonen (7 oder 13, vgl. IV R 29, 2,
wo der rdbisu zu ergänzen ist, und IV R 16, 1)
ist der diu, „der die Brust angreift", und
namtaru, der Dämon der Pest, im Epos zu
finden; der eziz -Dämon ist sonst unbekannt.
Damit ist die Schar der göttlichen Gestalten 20
aber nicht erschöpft. In Erech befindet sich
neben den Göttertempeln der Palast einer
„grofsen Königin, die alles weifs"; am Gebirge
Masu wachen göttliche Skorpionmenschen, am
Meere versperrt die Burg des göttlichen Mäd-
chens Sabitu den Weg.
Der Verkehr der Götter mit den Menschen
ist kindlich naiv gedacht, wie bei Homer.
lstar wirbt um die Liebe des Helden Izdubar,
Hamas stiftet die Freundschaft des Helden mit so
Eabani; die drei grofsen Götter Anu, Bei, Ea
flüstern ihm Geheimnisse ins Ohr. Wie Fstar
gelegentlich aus der Stadt zum Himmel ihres
Vaters Ann emporsteigt (ein paar Zeilen weiter
schreitet sie fluchend auf der Stadtmauer um-
her), so kauern sich die Götter aus Furcht
vor der anschwellenden Flut „wie Hunde am
Damme des Himmels nieder"; zum Opfer
scharen sie sich wie Fliegen und „riechen den
guten Geruch". 40
Auf eine merkwürdige Erscheinung soll
hier noch aufmerksam gemacht werden: auf
die Bedeutung der Träume im Epos. Die
ganze Handlung wird durch schier unzählige
Träume in Bewegung gesetzt, durch welche die
Götter den Menschen die Zukunft zeigen und
Rat erteilen. Diese Anschauung ist ein cha-
rakteristischer Bestandteil der religiösen An-
schauung der Babylonier und Aseyrer. Dem
uralten babylonischen König Gudea wird im 50
Traume der Grundrifs zum Tempelbau vor-
gezeichnet (s. H. Zimmern, Das Traumgesicht
Gudea's, Zeitschr. f. Assyr. 3 S. 232 ff); Asur-
banipal bekam nach seinem Regierungsantritt
eine Aufmunterungsadresse aus Priesterkreisen,
die sich auf einen Traum seines Grofsvaters
Sanherib bezog (s. Hommel, Geschichte Baby-
loniens und Assyriens S. 692 f.), und bei seinen
Feldzügen werden den Kriegern ermutigende
*) Gleichwohl scheinen hiernach die Urkunden, die *>0
Marduk in den Mittelpunkt der Gottesverehrung stellen,
nämlich die Legenden von der Schlange Tiamat und die
dramatischen Beschwörungen an £a, Darnkina und Mar-
duk, jünger zu sein. Vielleicht sind sie entstanden, als
Babel, das im EpoB noch zurücktritt, in den Vordergrund
trat, und als ein Versuch zu betrachten, dem Stadtgott
von Babel im babylonischen Reiche die oberste Stelle im
Pantheon zu vindicienn; Näheres darüber im Artikel
Marduk.
Izdubar ( Abfassungszeit des Epos) 782
Traumbilder von der Kriegsgöttin gesandt (vgl.
auch V R 10, 70 f.). In einem Eigennamen-
verzeichnis (II R 63) geht dem Namen Al-
tuMä-nfse, „vertraue nicht auf Menschen", der
andere voraus: TuMä-sunätum , „vertraue auf
Träume".
IV. Abfassungszeit und Form der Dichtung.
Aus den Angaben über den historischen
Hintergrund folgt nichts über die Abfassungs-
zeit des Zwölftafelepos. Wir wissen nicht ein-
mal, ob die Tafelschreiber Asurbanipal's schrift-
liche babylonische Originale vor sich gehabt
haben (Berossos erzählt, der babylonische Noah
habe auf göttlichen Befehl die auf Stein ein-
gegrabenen Nachrichten über das Altertum
in der Sonnenstadt Sippar vergraben); jeden-
falls haben sie seit Jahrhunderten fortgepflanzte
Rhapsodieen niedergeschrieben. Das Götter-
zeichen vor dem Namen Izdubar und die Apo-
theose beweisen , dafs die Dichtung in einer
■Zeit entstanden ist, in, welcher der Held Izdubar,
dessen Schutzgott Hamas war, im Volksbe-
wufstsein bereits göttlichen Charakter ange-
nommen hatte und dem Sonnengott als Unter-
Richter zur Seite gestellt war.
Was die Abfassung anlangt, so ist vor
allem die Annahme eines Verfassers für
unwahrscheinlich zu erklären. Die XI. Tafel
z. B. unterscheidet sich von den übrigen Tafeln
erheblich durch den Reichtum der Sprache
und Phantasie. Wenn ein assyrischer Litte-
raturkatalog (von Pinches. bezeichnet als Names
of Works and their authors and Compilers, ver-
öffentlicht u. a. von Haupt, Nimrod-Epos 2,
90 ff.) die Angabe enthält: „Serie" Izdubar
aus dem Munde (ha pi) des Sin-liki-unnini
(d. h. „Mondgott, nimm an mein Gebet"), so
ist uns wohl der Name eines Rhapsoden, nicht
eines Verfassers, überliefert.
Die Sprache wechselt den poetischen
Schwung. Von der einfachen, ungekünstelten
Erzählung, dichterisch gefärbt durch Refrains
und durch parallelismvs mernbrorum, steigert
sich die Dichtungsform bis zum Hymnenton.
In einzelnen Fragmenten ist die Kunstform
durch Stichenverteilung äufserlich gehoben.
V, Übersetzung und Inhaltsangabe der
Tafelfragmente.
Im folgenden wird die Übersetzung ge-
geben, soweit sie der fragmentarische Cha-
rakter des Gedichtes zuläfst. Fragezeichen
sind nicht gespart worden. Erschwert wird
die Aufgabe durch manche Unsicherheit bez.
der Zugehörigkeit der Fragmente. Gut er-
halten und laut Original-Unterschrift ein-
geordnet sind Tafel V, VI, X, XI, XII; außer-
dem haben wir noch eine gut erhaltene Tafel
ohne Unterschrift, von Haupt als I. , im fol-
genden als IL Tafel bezeichnet. Der Text ist
citiert nach Haupts Ausgabe, teils mit Angabe
der Tafeln und Kolumnen, teils der Seiten-
zahlen seiner Edition. Die Sintflutgeschichte
ist nach Delitzsch, Assyr. Lesestücke, 3. Aufl.,
citiert. [ ] bedeutet Lücke des
Textes, bedeutet Stellen, die un-
übersetzbar scheinen. Auf Umschrift|'des
783 Izdubar (Inhalt v. Taf.Iü.nd.Epos) Izdubar (Inhalt v. Taf. II d. Epos) 784
ganzen Textes wurde verzichtet; schwierige Er der Hirte von Uruk-[Supuri], er
Stellen, deren Übersetzung der Wissenschaft- ihr Hirte und , der Gewaltige, der Ge-
liehen Rechtfertigung bedarf, sind in den An- priesene, der Weise [ ]. Nicht
rnerkungen besprochen.*) läfst Izdubar eine Jungfrau [ihrer Mutter], die
Tochter einem Helden, die Gattin einem Herrn.'
Tafel I- Ihr Wehklagen hörte [ ],
Nur wenig Spuren sind erhalten. Haupt zur Göttin Aruru riefen sie mit lauter Stimme:
hat mit grofsem Scharfsinn den Anfang1) ent- 'Du Aruru, hast ihn erzeugt; jetzt schaffe ihm
deckt in einem Fragment (S. 1. 79), dessen seinen Mann, am Tage seines Herzens7) möge
Inhalt „an den Anfang des Spruchbuchs er- 10 er [ ], sie mögen mit einander kämpfen,
innert". Folgendes lassen die fragmentarischen Uruk [soll Zuschauer sein?]. Als die Göttin
Zeilen erkennen: „Wer die Geschichte (?) AruruB) das gehört hatte, schuf sie einen
Izdubars geschaut hat [ ], alles weifs Mann des Gottes Anus) in ihrem Herzen.
[ ], allerlei Weisheit [ ], Aruru wusch ihre Hände, kniff Lehm ab10),
wer das Geheime schaut und das Verborgene warf ihn auf die Erde [. . .], den Eabani
[ ], der bringt Kunde, die vor die schuf sie, einen Helden11), einen erhabenen
Sin[tflut?] reicht, fernen Pfad wandelt er und Sprofs, einen Bauersmann (? s. Anm. 9), mit
ermüdet [ ] auf der Tafel Haaren [bedeckt?] war sein ganzer Leib, mit
[ 1 die Mauer von TJruk-Supuri langem Haupthaar wie ein Weib ; das Wallen (?)
[ ] (2 Zeilen) sein 20 seines Haupthaares sprofste empor wie Ge-
Schwur, der nicht losläfst [ ]." — Zu treide12); [gegen die Gewohnheit??] von Land
dieser Tafel wurde von jeher gernäfs dem Zu-, und Leuten war er mit einem Gewände be-
sammenhang und der gesicherten geschieht- kleidet gleich einer Wiese (?)13); mit den Ga-
lichen Grundlage des Epos ein Fragment ge- zellen frifst er Kräuter, mit dem Vieh des
zählt, das die Belagerung von Erech erzählt.2) Feldes erfrischt er sich an der Tränke (S. 9),
Es lautet so (S. 51): „ sein Vieh mit dem Getier14) des Wassers ergötzt sich
liefs er im Stich stieg herab zum sein Herz." Dieses eigentümliche Mischwesen
Flufs und versenkte in den Flufs sein Schiff Eabani, d. h. Sohn des Ea, des Gottes der
in Trauer versunken weinte er unergründlichen Weisheit, (entsprechend seiner
bitterlich: r die Stadt Gangana hat 30 im folgenden hervortretenden Eigenschaft als
er gänzlich zermalmt; die Eselinnen zer[treten] Traumdeuter) erinnert nach der nun folgenden
ihre Füllen, die Kühe be[feinden] ihre Kälber; Schilderung an den römischen Priapus, der
wie das Vieh jammert (?) auch das Volk, wie ebenfalls als Feldgott vorgestellt wird (Vofs,
die Tauben wehklagen die Mägde3); die Götter Myth. Briefe 2, 346 ff.), er ist phallisch und
von Uruk-Supuri (d. i. „das wohlverwahrte mit der Kunst der Wahrsagung ausgestattet.
Erech") verwandeln sich in Fliegen') und Dieser Eabani wird durch Vermittelung der
schwirren umher auf den Strafsen, die Da- Götter nach Uruk gelockt, um die bestrickende
monen von TJrulc-Supuri verwandeln sich in Gewalt Izdubars zu lähmen oder in andere
Schlangen und schlüpfen in die Löcher (?)'. — Bahnen zu leiten. Mit der Sendung wird der
Drei Jahre belagerte die Stadt TJrulc der Feind, 40 Götterbote Sädu(ä.h. Jäger) beauftragt, der hier
die Thore wurden verriegelt, der hargidlab) plötzlich und unvermittelt auftritt.15) Wahr-
vorgelegt. Istar erhob ihr Haupt nicht wider scheinlich ist schon in der abgebrochenen I. Kol.
den Feind — da öffnete Bei seinen Mund und von ihm die Rede gewesen. Unmittelbar andas
sprach zu Istar, der Königin, kund zu thun Vorhergehende anknüpfend fährt die Erzählung
das Wort13) " Das übrige ist ab- fort: „Sddu („der Jäger"), ein 7ia&j'M-Mensch16),
gebrochen; aus den Spuren sei noch die deut- trat ihm am Eingang zur Tränke entgegen,
liehe Erwähnung der Stadt Babel hervor- Am 1., 2., 3. Tage begegnet er ihm am Ein-
gehoben. (Der Tod des Königs scheint die gang zur Tränke. Er, Eabani, sah ihn, den
Verwirrung in Erech verursacht zu haben. Jäger, es verfinsterte sich sein Antlitz; er ging
Der Anfang erinnert an Begräbnisse nordischer so mit seinem Vieh hinein in die Behausung,
Helden.) Im folgenden tritt Izdubar als Retter ward betrübt, wehklagte, schrie laut auf,
der Stadt, später als ihr König auf. ward sein Herz, sein Antlitz ward
verstört, [es zog eine] Wehklage in sein Ge-
Tafel II rnüt17) in die Ferne, sein Antlitz
(nach Haupt I) ist bis auf die I. Kol. ziemlich ward zornentbrannt (?)." Der erste Versuch
vollständig erhalten. Kol. II (S. 8) zeigt uns war mifslungen. Die Situation überspringend
Izdubar als berühmten Helden von Uruk. Die wird sofort der Bericht des Jägers über den
Eltern jammern, dafs ihre Söhne und Töchter Mifserfolg angefügt. (Kol. III): „Der Jäger
dem Helden in unsinniger Begeisterung zufallen. öffnete seinen Mund und sprach [zu Ea{1) oder
„Nicht liefs Izdubar einen Sohn seinem Vater, 60 Samas (?) seinem Vater]: '[Mein Va]ter, ein
die Tochter einem Helden, die Gattin einem Held, der hingeht, [ist nicht genug (?)], bei
Helden . . . ." Die Eltern klagen vor den dem Himmel ist , wie ein kisir
Ohren der Stadtgöttin: „'Keinen Rivalen hat Anü (s. o.) ist seine Kraft . . . ., er schreitet
er [ ] deine Bewohner werden [zum umher im Gebirge , beständig mit dem
Kampfe] geführt, nicht läfst Izdubar ein Kind Vieh des Feldes [frifst er Kraut] , beständig
seinem Vater, bei Tag und Nacht [rufen sie]: sind seine Füfse am Eingang zur Tränke ,
*) Die Anmerkungen folgen am Schlüsse der Über- icu fürchte mich, will ihm nicht nahen. Er-
setzung Sp. 805 ff. hat zugefüllt die Grube, die ich gegraben
785 Izdubar (Inhalt v. Taf. II d. Epos) Izdubar (Inhalt v. Taf. II d. Epos) 786
hatte , rifs weg die Stricke, die ich ragt.' Während sie so zu ihm spricht, lauscht
[ausgelegt hatte], er liefs entwischen aus er ihrer Rede, er, der weise ist iu seinem
meinen Händen das Vieh und das Getier des Herzen, sucht einen Freund! Eabani spricht
Feldes, gab mir nicht Erlaubnis zum Jagen.' zu ihr, der Hierodule: 'Komm, Uhat, führe
[Der Gott ] 18) sprach zu dem Jäger: mich hin, nach der glänzenden geheiligten
'Mache dich auf den Weg und gehe] nach Wohnung des Anu und der Istar, nach dem
Uruk, der Stadt des Izdubar.''" Weiter lassen Orte des Izdubar, der vollkommen an Kraft
die Spuren erkennen, dafs der Jäger dort eine ist und wie eiu Bergstier über Helden gewaltig
Astarte- Dienerin (harimtu), Namens Uhat n>), herrscht. Ich will mit ihm kämpfen, gewaltig
sich ausbitten soll, um mit ihrer Beihilfe den io will ich [seine Freundschaft erringen (?)];
sinnlichen Eabani nach Uruk zu locken. „Auf (Kol. V. S. 13) ich will sen[den?] nach Uruk
den Rat seines Vaters macht sich der Jäger einen Löwen (eig. Wildkatze)22) '"
auf den Weg, geht nach Uruk [der Stadt des Leider ist diese wichtige Kol. nur in den
Izdubar]." (Kol. IV)20): „[Vor das Antlitz des] Zeilenschlüssen erhalten. Folgendes ist aus
Izdubar (trat der Jäger und sprach]." Es den Spuren zu schliefsen: An dem Kampfe mit
folgt nun wörtlich dieselbe Erzählung vom dem Löwen, „der in der Wüste geboren,
Mifserfolg seiner Jagd ohne die Anrede „mein Kraft besitzt", will Eabani die Stärke des be-
Vater". Hierauf: „Es sprach Izdubar a t
zu ihm dem Jäger (S. 10, 40 ff.) : 'Gehe, W&4 —~ Jt$f£i
mein Jäger, nimm die Hierodule Uhat, *&%P -io,s«=JSC* ^3 ^rri
wenn das Vieh zur Tränke sich wendet, ^JjfelijV t~~$%^rf
so soll sie ihr Kleid zerreifsen, ihre ZKV^Tliffifß'? TY^' '
Blöfse [enthüllen]; er wird sie sehen, *9ffiut|' W&
wird sich ihr nähern, sein Vieh, das dCMllhX /S/3?=^ "ffis
sich zu ihm geschart hat, wird da- cJzJii all '.j^ßc^^^ *&*<
vonlaufen.' Der Jäger ging, nahm ^«^^v^^P'^
mit sich die Hierodule Uhat, er schlug l?wä$^ "*3z.'~- ■
den geraden Weg ein, am 3. Tage "^a^&$&'//^//rf^' ^£'
gelangten sie zu dem bestimmten (?) ls|v^-'/ 'S-UtSiL4'' &>■
Felde , der Jäger und die Hierodule JssS?^^
liefsen sich nach Belieben nieder, ^§T jv'y&>-
1 Tag, 2 Tage weiter liefsen sie sich i7^§§<^ ■«-
nieder am Eingang der Tränke: mit ßl m\ <fär
dem Vieh trank er Wasser, mit dem B \'l i'^l' M /ivp
Getier des Wassers ergötzte sich sein £ JJij V'ä' /§ I v\VV
Herz. Da [kam] Eabani, dessen Heimat esr Wwb!1)
das Gebirge war; mit den Gazellen M y JjJ
frafs er Kräuter, mit dem Vieh trank w\ I $ j /W a^ \ ' U&Jti
er seinen Trank, mit dem Gewürm des fc_ >'--i r JlI / ». ( l?Y y JW*^
Wassers ergötzte sich sein Herz. Es ^ä^1^^^-!? '
sah die Uhat der ZMßa-Mensch (d. i. 4S rT^
eig. der Mann der libido),
'das ist er, Uhat, (sprach ~
der Jäger) u. s. w.'" Es folgt eine Scene, I!dubar mi* dem LiLwen kämpfen,\ ('"t,elwldt 2U eJ°:?\ Smf's
t -x • i ü -i. • i ■• i l • Gnalaaetm Genesis. von einem altbabylomschen Gyhndcr des
die mit epischer Breite in höchst naiver Brit MuseuinS)
Weise die Verführung des Eabani schil-
dert und mit den Worten schliefst: „6 Tage und rühmton Helden, dessen Freundschaft er be-
7 Nächte näherte sich Eabani der Uhat, der gehrt, erproben. S. die nebenstehende Ab-
Geliebten. Nachdem er sich gesättigt hatte bildung und die Abbildung Sp. 791. Über den
an ihrem lalü, wandte er sein Antlitz auf sein 50 Rest der Tafel läfst sich nur wenig sagen.
Vieh hin, es erblickten ihn, den Eabani, Fügt man die Fragmente zusammen, so ist
lagernd die Gazellen, das Vieh des Feldes folgendes mit Sicherheit zu erkennen. Die
wandte sich weg von ihm. Da erschrak Uhat führt Eabani nach Uruk. Dort wird in
Eabani, fiel in Ohnmacht, es starrten (eig. „Festgewändern" eben ein „Fest gefeiert"
standen) seine Kniee, als weglief sein Vieh (vielleicht das Tammuz-Fest). Der Schlufs der
(S. 12) , da hörte er , V. Kol. scheint eine Anrede an Eabani zu ent-
(that auf) die Sinne, kehrte wieder voll Liebe, halten: „Es soll [dich] schauen Izdubar, du
setzte sich nieder zu Füfsen der Hierodule, hadi'ua-Mensch ('?), ich sehe [ ] seiu
schaute der Hierodule ins Antlitz21); und Antlitz, von Heldenmut leuchtet er, Kraft (?)
während die Hierodule Bpricht, hören seine 60 besitzt er, ist sein ganzer Leib;
Ohren, sie spricht zu ihm, zu Eabani: '[Er- seine Kraft ist gewaltiger als die deine, er
ha]ben bist du Eabani, gleich einem Gott; ruht nicht Tag und Nacht. Eabani,
warum lagerst du beim Vieh des Feldes? ändere dein , den Izdubar hat der
Komm, ich will dich bringen nach Uruk-Su- Sonnengott lieb, Anu, Bei und Ea flüstern
puri, nach dem glänzenden Hause, der Woh- ihm (Weisheit) ins Ohr; bevor du vom Gebirge
nung des Anu und der Istar, an den Ort des kamst, hat dich Izdubar in Eredh im Traume
Izdubar [ ], des Vollkommenen an Kraft, der gesehen." Hier scheint die Rede zu Ende zu
wie ein Bergstier die Helden an Kraft über- sein und die Erzählung zu Izdubar zurückzu-
787 Izdubar (Inhalt von Taf. III d. Epos)
kehren. „Es kam Izdubar, den Traum zu
lösen sprach er zu seiner Mutter (der Göttin
Aruru): 'Meine Mutter, ich träumte einen
Traum in meinem Nachtgesicht: es waren die
Sterne des Himmels, wie ein Kriegsheer (?)
fielen sie über mich her '" Die
Reste der VI. Kol. fügen einen 2. Traum hinzu,
dessen Gegenstand, wie beim ersten, Eabani
ist, und zwar in seinem Abenteuer mit dem
Weibe. Die Spuren deuten darauf, dafs die
Mutter dem Sohne rät, mit dem Riesen Freund-
schaft zu schliefsen.
Tafel III.
Die III. Tafel mufs erzählt haben, wie die
Beiden Freunde wurden. Zwei Fragmente
(Haupt S. 14 f.) mögen . Reste der III. und
IV. Kol. enthalten. Das erste Fragment be-
ginnt mit einer Anrede an ein weibliches
Wesen (die Uhat?)-3) und erzählt dann: ,,7
war verlassen die Gemahlin
er allein er schüttete aus (?) sein
Herz seinem Freunde [und sprach zu ihm]24):
'Einen Traum träumte ich in meinem Nacht-
gesicht des Himmels fiel auf die
Erde, [erschrocken?] stand ich da;
verstört war sein Antlitz sein Ant-
litz erglühte j wie Löwenklauen waren
seine Klauen ' " 2S) Das 2. Fragment,
das sich daran anschliefst, erzählt ein Ge-
spräch zwischen Samas und Eabani, dessen
Erfolg ist, dafs sich Eabani's „zorniges Herz
beruhigte". Es scheint, dafs der Sonnengott
den Eabani, der heimkehren will in sein Ge-
birge, zum Bleiben verlockt; dabei spielt
wieder die TThat eine Rolle, das Versprechen
von göttlichen und königlichen Ehren, die
Freundschaft und Bruderschaft Izdubar's, wo-
bei es heifst: „Auf einem grofsen Lager, auf
einem fein zubereiteten Lager wird er dich
ruhen lassen, er wird dich setzen auf einen
Ruheplatz, einen Sitz zur Linken; die Fürsten
der Erde sollen küssen deine Füfse, die Leute
von Erech sollen winseln vor dir i usadmamäkaj"
— kurz, die gröfsten Ehren sollen ihm er-
wiesen werden, wenn er bleibt. Reste von
Kol. V und VI finde ich in dem Fragment
Haupt S. 87. — Kol.V(S. 87b) verspricht Izdubar
dem Eabani dasselbe, was Kol. IV Samas ver-
heifsen hat. Die Götter haben also ein Inter-
esse an der Freundschaft der beiden Helden.
Die Spuren der IV. und V. Tafel geben Auf-
schlufs über den Grund. Es handelt sich im
folgenden um einen Heldenkampf der Stadt
Uruk gegen den elamitisehen Zwingherrn
Humbaba-6), der mit der Ermordung des
Feindes endet und Isdubar den Königsthron
von Urul~ verschafft. Die Götter, die Inter-
esse an der Vernichtung Humbaba's und der
Herrschaft des feindlichen Gottes Humba
haben, sind selbst am Kampfe beteiligt. Es
ist klar, dafs die poetische Erzählung die
mythische Einkleidung einer grofsen nationalen
Erhebung darstellt, die eine elamitische Dyna-
stie (nach Serossos 2450 — 2250 v. Chr. herr-
schend) stürzt und ein babylonisches Reich
begründet. Leider ist von der Schilderung
des Kampfes wenig erhalten.
Izdubar (Inhalt von Taf. IV d. Epos) 788
Tafel IV
ist nur durch kleine Fragmente vertreten.
Vom Inhalt ist gewifs, dafs die Erstürmung
der Burg des elamitisehen Königs Humbaba
auf der IV. Tafel vorbereitet und auf der V.
vollendet wird; die V. Tafel, für die schon der
Anfang der VI. Tafel eine Blutthat fordert,
schliefst mit der Ermordung des Tyrannen.
10 Die beiden Tafeln enthalten also den eigent-
lichen historischen Kern der Erzählung. Mit
aller Reserve geben wir den ungefähren Inhalt.
. Kol. I (S. 20) finden wir Eabani vor dem
(Götter- )König (Marduk?); er redet, wie es
scheint, von Humbaba, den die Helden zu töten
gedenken, dessen Leichnam von den Geiern (?)
verzehrt werden soll (vgl. 27, 41), und bittet um
die Gunst des Gottes für den Kampf: „Wir
haben auf dich acht gegeben, o König,
20 gieb du auf uns acht." Isdubar rät darauf
dem Eabani, „zu dem erhabenen Palaste, zur
grofsen Königin", zu gehen, „alles weifs sie".
Darauf gehen beide zu der grofsen Wahr-
sagerin, die nun im Anfang von Kol. n (S. 20
und 21) geschildert wird (ihr Brustschmuck
und ihre Krone werden besonders erwähnt).
Dann fährt die Erzählung fort27): „ [vor]
Samas brachte er ein Rauchopfer dar, brachte
ein Trankopfer dar, erhob vor Samas . (betend)
30 seine Hand (seil. Eabani): 'Warum hast du
dem Izdubar das Herz unruhig gemacht?
Jetzt hast du ihn gelehrt, er geht einen fernen
Weg zu Humbaba, einem unbekannten Kampfe
geht er entgegen, zu einem unbekannten
Kriegszuge reitet er aus, bis er gehen und
zurückkommen wird, bis er zum Cedernbain
kommen wird, bis er den Herrscher Humbaba
töten wird, wird allerlei Übel, das ihm feind-
lich entgegentritt, ihn vernichten. An dein
M Tage, da du . . . .'" Der Schlufs von Kol. II
(S. 22 vgl. S. 81) erzählt die Rüstung zum
Kampfe („das Land versammelte sich, es
rüstete sich das Heer, die Helden machten
sich fertig"). Was es mit dem „Haus der
Gemeinschaft" für eine Bewandtnis hat, vor
dessen Thor Eabani steht, während Izdubar
den Eintritt verwehrt, weifs ich nicht. Kol. III
und IV [Haupt S. 82 f. — Zugehörigkeit zur
IV. Tafel scheint sicher) nur Spuren: die beiden
c.o Freunde ziehen miteinander ans. Kol. V
(S. 22. 84 f.) beginnt mit folgenden Worten:
„Dafs unversehrt bliebe der Cedernhain, hat
ihn Bei (assyrische Bezeichnung für den ela-
mitisehen Gott des Humbaba? oder ist auch
hier, wie Tafel XI, Bei genannt als der Gott,
der gern Schaden anrichtet?) zur Angst der
Leute gemacht (festgesetzt); das Gebrüll des
Humbaba ist wie Sturm, sein Mund Frevel,
sein Atem Glutwiud (?). Er hat festgesetzt
co [ ] Cedern; wer zu seinem Haine
herabsteigt — dafs unversehrt bliebe die Ceder,
hat Bei ihn zur Angst der Leute gemacht — ,
wer seinen Hain betritt, den erfafst die Pest (?)."
Das Ganze ist der Teil eines Gesprächs zwischen
Izdubar und Eabani. Zu der letzten Kol. von
Tafel IV gehört vielleicht S. 57 und 58.
Izdubar erzählt dem Eabani einen „günstigen
Traum, einen prächtigen Traum", in dem er
789 Izdubar (Inhalt v. Taf. V d. Epos) Tzdubar (Inhalt v. Taf. VI d. Epos) 700
den Leichnam des Humbaba (auf dem Cedern- seine Waffen, er machte glänzend seine Waffen,
hügel?) gesehen hat. Dann machen sie sich [er zog aus] sein Gewand23), das er trug, zog
auf den Weg. Nach 30 Meilen wird Station aus seine schlechten (blutigen?) Gewänder,
gemacht und eine Grube gegraben (zum Ver- zog an seine weifsen Gewänder, mit seinen
steck?). Dann schlafen sie ein (S. 58). Um Insifgnien] bedeckte er sich und legte an das
Mitternacht (?) steht Izdubar vom Schlafe auf Diadem30), Izdubar bedeckte sich mit seiner
(„er vollendete seinen Schlaf"), kommt und Krone und legte an das Diadem. Nach der
sagt zu seinem Freunde: „Mein Freund, hast Gunst des Izdubar erhob die Augen die ge-
du mich nicht gerufen?" Dann erzählte er wältige Göttin Istar: 'Komm, Izdubar, sei
ihm einen ,,3. Traum", den er gesehen hat: 10 mein Gemahl, deine Liebe gieb mir zum Ge-
,,'Der Traum, den ich träumte, war ganz schenk; du sollst mein Mann sein, ich will
, es brüllte der Himmel, es erdröhnte dein Weib sein; ich will dich stehen lassen
die Erde, der Tag war dunkel, Finsternis zog. auf einem Wagen von Edelstein und Gold,
auf, es blitzte ein Blitz, Feuer leuchtete auf, dessen Räder von Gold, dessen Hörner von
[mit Verderben?] gesättigt, mit Tod erfüllt. Sapphir (?) sind, grofse kudanu-Lövten (?) sollst
Dann verlosch der Glanz, es war aus das du anspannen, unter Wohlgerüchen der Ceder
Feuer stürzte nieder, wurde zu Rauch sollst du einziehen in unser Haus; wenn du
'". Einzug hältst [in] unserem Hause (S. 43), so
Tafel V.
sollen deine Füfse küssen, es
20 sollen sich [beugen] vor dir Könige, Herren
Kol. I (S. 24. 27) finden wir die Helden im und Fürsten, [alles, was hervorbringt (?)] Berg
heiligen Hain, der zur Burg Humbaba's gehört. und Land, sollen sie dir bringen als Tribut.'"
Das Thor mufs erbrochen sein: ,,Da standen In den folgenden verstümmelten Zeilen fährt
sie, bewundernd (?) den Wald, schauten an Istar zunächst fort, ihm das Geschick an ihrer
die Höhe der Ceder, schauten an die Grofse (?) Seite verlockend zu schildern: seine Schaf-
des Waldes, den Ort, wo Humbaba zu wandeln herden sollen Zwillinge gebären, sein Marstall
pflegte erhabenen Schrittes — Wege waren soll ohne gleichen sein. Aber Izdubar ver-
angelegt, wohlgepflegte Pfade — : da schauen schmäht die gefährliche Liebe der Göttin,
sie den Cedernhügel, den Wohnsitz der Götter, Wohin sind die anderen geschwunden, die vor
das Allerheiligste des Gottes Irnini. Vor dem 30 ihm Ufa« Gunst genossen haben?01) „'Wohlan',
Berge stand eine Ceder von erhabener Pracht, so spricht er, 'ich will dir offen heraussagen (?)
prächtig war ihr Schatten, mit Lust er- deine Buhlkünste (S. 44, Z. 40ö'.):
füllend . . . ." Im folgenden abgebröckelten dem Tammuz3-), dem Gemahl deiner Ju[gend],
Stück wird weiter ihre Schönheit, ihr wohl- nötigst du Weinen auf Jahr um Jahr. Den
riechendes Holz, ihre imposante Grofse ge- bunten Alalla-Vogel hast du geliebt, du zer-
schildert. Sehr interessant ist es, dafs wir hier schlugst ihn, zerbrachst ihm die Flügel, nun
die Schilderung eines urbabylonischen (ela- steht er im Walde und schreit: Jcappi (d. h.
mitischen?) Heiligtums vor uns haben. Ein „meine Flügel!").33) Du hast auch einen
herrlicher Garten, drinnen ein heiliger Hügel Löwen geliebt von vollendeter Kraft, zu je 7
mit einem Baumheiligtum, in dem eine Ceder 40 und 7 Anläufen (?) hast du ihn überlistet,
ausgezeichnet ist durch besondere Pracht. Der Du hast auch geliebt ein Rofs, erhaben im
Garten liegt merkwürdigerweise in der Nähe Streit, mit ihlahuSi) (?), Sporn und Peitsche (?)
der Stelle, der Friedrich Delitzsch, Wo lag hast du es genötigt; obgleich es sieben Meilen
das Paradies? die Lage des Paradieses vindi- Galopp gelaufen war, hast du es genötigt,
eiert hat. Oder ist der Götterhain in Babel wenn es ermattet war und trinken wollte, hast
zu denken, das etwa damals unter elamitischer du es genötigt, seiner Mutter, der Göttin Silili
Fremdherrschaft stand? Der Name Tin-tir, hast du Weinen aufgenötigt. Du gewannst
„Lebenshain", stimmt zu der Schilderung, auch lieb einen Oberhirten , der
ebenso die Angaben bei Aman und Strabo dir beständig Weihrauch streute und tag-
(s. Delitzsch, Paradies S. 141), wonach Alexan- 50 täglich Zicklein schlachtete — du sehlugst ihn
der Cypressen aus den Götterhainen Babel's und verwandeltest ihn in einen Tiger, so dafs
zum Schiffsbau benutzte. — Später folgt eine ihn verjagen seine eigenen Unterhirten und
Anrede Izdubo.r's an Eabani, in der wiederum seine Hunde ihn blutig beifsen. Du hast ge
von dem Leichnam, der von den Geiern ver- liebt einen Riesen (isullanu)31'), den Gärtner
zehrt werden soll, die Rede ist. Kol. II und III deines Vaters, der dir beständig Geschenke
(S. 25. 28 und viell. 74 vgl. 86) rühmen sich, brachte und deine Tafel dir täglich freundlich
wie es scheint, die Helden ihrer früheren schmückte (wörtlich: deine Schüssel machte er
Thaten (auch ein dumämu, ein Wüstenlöwe, hell) — du hast dein Auge auf ihn geworfen,
wird erwähnt), die ein gutes Gelingen des hast ihn bethört (?): rO mein ihillanu (sprachst
Kampfes erhoffen lassen.-8) Von den übrigen 60 du), wohlan dein kissuta3'3) wollen wir ge-
Kolumnen ist nur der Schlufs der V. erhalten, niefsen, du sollst deine Hand ausstrecken37)
der vom „Kopf des Humbaba" redet, also seine und unsere Schüchternheit wenden.' Der Riese
Ermordung sicherstellt. sprach zu dir: 'Was stellst du an mich für ein
Begehren? Mein Mütterchen38), rüste kein
Tafel VI Mahl, ich will es nicht geniefsen; was ich ge-
erzählt die Siegesfeier Izdubai's und seine niefsen soll, ist böse und verfluchte Speise,
Liebesabenteuer mit 'Istar, der Stadtgöttin von verderblicher Glut ist bedeckt ';
(Haupt, Nimrod-Ep. S. 42). „[Er machte hell] sobald3[du das gehört , hast du ihn
791 Izdubar (Inhalt v. Taf. VI d. Epos)
zerschlagen und in einen Knirps verwandelt,
hast ihn auf das La[ger] gelegt, dafs er nicht
aufstehen konnte auch mich
liebst du uun, wie jene [willst du mich ver-
derben].' Als Istar dies gehört hatte, ward
sie zornig, stieg zum Himmel empor; es kam
die Göttin Istar vor Anu [ihren Vater], vor
Antu kam sie und sprach: 'Mein Vater,
Izdubar hat mich beleidigt (?), Izdubar hat
Izdubar (Inhalt v. Taf. VII u. VTTI d. Epos) 792
harimäti (d. h. die Hierodulen, ihre Tempel-
Dienerinnen, s. S. 59 f.), über den ibattu des
Himmelsstieres stellten sie eine Wehklage an.
Izdubar versammelte die 1; iskitti- Arbeiter40)
allzumal, es priesen die Werkmeister die Dicke
der Hörner: 30 Minen Edelgestein war ihr
, ein halbes ubämt lang war ihr
, 6 Mafs Öl fafsten sie beide! Zur
Salbung seines Gottes Lugal-Marada (=Samai?)
aufgezählt meine Schlechtigkeiten (?), meine 10 weihte er es; er brachte (sie) dar und hing
Schlechtigkeiten (?) und meine Schandthaten (,?).'
Ana öffnete seinen Mund und sprach zur ge-
waltigen Istar: 'Nicht sollst du betrübt sein (?),
auch wenn Izdubar aufzählt deine Schlechtig-
keiten (?), deine Schlechtigkeiten (?) und deine
Schandthaten (?).' Ikar öffnete ihren Mund
und sprach zu Anu, ihrem Vater: cMein Vater,
schaffe einen Himmelsstier [. . . .].'" Die
Spuren der folgenden Zeileu erinnern an
(sie) auf am Altar (?) seines Familienheilig-
tums (?). Dann wuschen sie am Euphrat ihre
Hände41), machten sich auf den Weg und
ritten durch die Strafsen von Urük. Da ver-
sammelten sich die Leute von Uruk, staunten
an [ ]. Izdtibar sprach zu den Für-
stinnen (?) [von Erech?]: 'Wer ist glänzend
unter den Helden? wer ist herrlich strahlend
unter den Männern? [Izdubar] ist glänzend
Kol. I) und vor allem an die ähnliche Situation
in der „Höllenfahrt der Istar", wo die ener-
gische Göttin bei ihrem Zorn Eintritt in die
Unterwelt fordert. 30) Wie dort in der Hölle,
so will sie hier im Himmel alles zerschlagen,
Izdubar' s Drohung vor dem Meerpalast (Taf. X, 20 unter den Helden, [ Izdubar] ist herrlich strah-
lend Unter den Männern (3 Zeilen abgebröckelt).'"
Izdubar veranstaltete in seinem Palaste ein
Freudenfest. „Dann schliefen die Helden, auf die
Polster gesunken, es schlief Eabani, träumte
einen Traum; dann kam Eabani, löste den
Traum und sprach zu Izdubar:
(Tafel VII): „'Mein Freund,
beratschlagen die
grofsen Götter [ ].'"
Zu Tafel VII und VIII
läfst sich wenig sagen. Sie
beginnen mit einer Traumer-
zählung des Eabani am Morgen
nach dem Siegesfest in Ercch,
wie der Schlufs der VI. Tafel
zeigt, und schliefsen mit dem
gewaltsamen Tode Eabani's, der
jedenfalls auf Estar's Anstiften
herbeigeführt wird. Ein Frag-
ment, das ein Abenteuer mit
einem Tiger, der die Hirten
von Erech bedroht (?), erzählt, gehört viel-
leicht hierher {Haupt S. 52). Für Tafel VII
läfst sich nicht einmal eine Vermutung auf-
stellen. Hingegen ist ein Fragment dessen
Vorderseite Teile einer I. Kol. und dessen
Rückseite Teile einer VI. Kol. enthält, mit
Bestimmtheit zur VIII. Tafel zu rechnen
53 und 54 vgl. 55), weil die
letztgenannte Kolumne die Erkrankung, bez.
den Tod Eabani's enthält. Kol. I fordert Ea-
bani den Izdubar zu irgend einer Heldenthat
auf. Auf den erhaltenen Zeilen stehen die
beiden vor einem „Waldthore", das Eabani
anredet: „'Du hast nicht anderes Holz [....],
6 Gar beträgt deine Höhe, 2 Gar deine
Breite etc.'" Erwähnt sei noch, dafs das
Thor, von dem Eabani sagt: „ich kenne das
erhob (?) ein Geschrei, stiefs einen Fluch aus: 60 Thor", in irgend welcher Weise mit der Stadt
Izdubar und Eabani mit Ungeheuern kämpfend, Cylinder (Chaldäische
Genesis S. 195; vgl. Cylinder V. A. 256 und V. A. 2065 im Berliner Museum)
wenn ihr Wunsch nicht in Erfüllung geht.
Vater Anu rnufs trotz seines Zögerns den
Wunsch der Tochter erfüllen und schafft den
Himmelsstier. Der Kampf der beiden Helden
Izdubar und Eabani, der auf nebenstehendem
Siegelc3dinder abgebildet wird, ist leider fast
gänzlich verlören gegangen. Nur so viel ist
aus den Spuren zu sehen, dafs 300 Helden so {Haupt S
dabei eine Rolle spielen, dafs im Entscheidungs-
kampf Eabani das Ungetüm „bei der Dicke
des Schwanzes fafst" (während Izdubar gemäfs
der Abbildung ihm den Dolch ins Herz stöfst).
Nachdem die Helden den Himmelsstier er-
legt und ihr Herz beruhigt war, brachten sie
dem Gott Samas ein Dankopfer dar. Dann
fährt die Erzählung fort {Haupt S. 48, 174ff.):
„Es stieg Istar auf die Mauer von Uruk-Supuri
'Fluch dem Izdubar, der mich gekränkt hat,
der den Himmelsstier getötet hat!' Eabani
hörte diese Worte der Istar, rifs den ibattu
des Himmelsstieres aus und warf ihn ihr ins
Gesicht: '0 du, ich will dich besiegen, wie du
ihm gethan hast (d. h. zu thun gedachtest),
sein will ich binden an deine Seite.'
Da versammelte istar die Jcizreti, uhäti und
Nippur in Verbindung gebracht wird. Kol. VI
klagt Eabani: „Gesund bin ich ausgezogen
[ ], mein Freund, aber der Traum, den
ich träumte, ist in Erfüllung gegangen!"
12 Tage liegt er, wie mit epischer Breite er-
zählt wird, auf seinem Lager, dann ruft er den
Izdubar herbei. Aus den folgenden Spuren
kann nur geschlossen werden, dafs Eabani
793 Izdubar (Inhalt v. Taf. IX d. Epos)
irgend einem Kampfe, den er in böser Ahnung
„gefürchtet hatte", die Krankheit zuschreibt.
Freilich zeigt die Totenklage der XII. Tafel,
dafs es kein gewöhnlicher Kampf gewesen sein
kann. Von seinem Ende, das hier auf der
IX. Tafel erzählt sein mufs, heifst es dort
wiederholt: „die Erde hat ihn weggerafft (ver-
schlungen?)." Eines litterargeschichtlich be-
sonders interessanten Fragmentes sei hier noch
Erwähnung gethan, das Smith zur VIII. Tafel
zählte (S. 56). Es erzählt einen Streit zwischen
zwei Bäumen, die redend eingeführt werden.
Die Cypresse ruft dem Lorbeer(?)baum unter
anderen Schmeicheleien zu: „'Deine Wurzel
ist nicht stark genug, dein Schatten ist nicht
kühl (?) genug, deine Kinde ist nicht üppig
genug ' Zornig antwortete der Lor-
beer (?) der Cypresse "
Tafel IX
beginnt mit der Klage Igdutar'S um Eabani
und dem Entschlufs, zu seinem Ahn Sit-
napistim*2) zu gehen, um das Geheimnis seiner
Apotheose zu erfahren und Heilung vom Aus-
satz, mit dem ihn die Götter geschlagen, von
ihm zu erlangen. Kol. I (S. 59): „Izdubar
weinte um Eabani, seinen Freund, bitterlich,
sieh niederlegend aufs Feld: 'Ich will nicht
wie Eabani sterben: Wehklage ist eingekehrt
in mein Gemüt, Furcht vor dem Tode habe
ich bekommen , ich lege mich nieder auf das
Feld. — Zur Kraft des Sit-napistim, des Sohnes
Kidin-Marduk's nehme ich den Weg eilenden
Schrittes.' " Izdubar machte sich nun sofort
auf den Weg und erzählt, das Selbstgespräch
fortsetzend (ergänzt nach dem Fragment Haupt
II S. 85): „Zur Gebirgsschlucht kam ich des
Nachts, Löwen sah ich und fürchtete mich, ich er-
hob mein Haupt zum Mondgott und betete, zu
dem grofsen [....] der Götter kam mein Flehen,
[ ] be-
schützte mich."
Darauf folgt nach
Z. 12 ein Traum.
Vielleicht zeigen
ihm die Götter im
Traume den Weg.
Z. 15 f. nimmt er
die Axt in seine
Hand und zieht
das Schwert aus
seinem Gürtel.
Kol. II (S. 00)
folgt als zweites
Abenteuer die Begegnung mit den Skorpion-
menschen (s. die Abbildung). Er trifft sie beim
Zugange zu einem Gebirge, als „dessen Name
Mäsu ihm kund wird". , [Dakam er] zum Gebirge
Mahl, dessen Thorausgang tagtäglich (Wesen)
bewachen, deren Rücken bis an den Damm
des Himmels [reicht?] und deren Brust bis
unter den Aralhi reicht — die Skorpion-
menschen bewachen sein Thor; ihr Schrecken
ist gewaltig, ihr Anblick Tod, furchtbar ihr
Glanz, Berge hinschmetternd, beim Aufgang
der Sonne und beim Untergang der Sonne be-
wachen sie die Sonne. Es erblickte sie Izdubar,
vor Furcht und Schrecken wurde sein Antlitz
Zwei Skorpionmenechen, Cylin-
der (Smith a. a. 0. S. 211; vgl.
Berliner Museum V. A. 50S und
V. A. 562).
Izdubar (Inhalt v. Taf. IX u. X d. Epos) 794
verstört, es raubte ihm die Besinnung ihr
wüstes Aussehen.43) Der Skorpionmensch
spricht zn seinem Weibe: 'Er, der zu uns
kommt, ein Wahrzeichen der Götter ist sein
Leib.' Das Skorpionweib antwortete ihm:
'Seinem laktu (?) nach ist er ein Gott,
seinem sulultu (?) nach ein Mensch.' Der
Skorpionmensch redete und sprach: '[ ]
der Götter hat Befehl gegeben, [er ist ge-
10 zogen] ferne Wege, [bis er gekommen ist] zu
mir [ die Gebirge], die er über-
schritten hat, sind steil u. s. w.'" Das übrige
ist abgebrochen. Das Gebirgsland Mäsu ist
aus den Feldzügen des Asurbanipal (in seinen
Annalen genannt „Ort des Dürstens und der
Verschmachtung, zu dem kein Vogel des
Himmels kommt, wo Wildesel und Gazellen
nicht grasen") und Sargon bekannt als das
Land der syrisch-arabischen Wüste an der
20 Süd und Südostgrenze des Euphrat- und Tigris-
gebietes (vgl. Delitzsch, Paradies S. 242 f.). In
der Zeit der Entstehung des Epos kannte man
sicherlich nur dunkle Gerüchte über dieses
Land der Verschmachtung. Wenn nun in der
Sage der Weg Izdubar's zu den Gewässern des
Todes führte, so lag es für die Phantasie der
Volksdichtung nahe, dieses Land als Durch-
gangsort zu wählen und abenteuerlich auszu-
schmücken. Der Weg führt nun durch das
30 Dunkel des Berges, an dessen Thor die
Skorpionmenschen gleich zwei gewaltigen
Sphinxen Wache halten. Kol. III (S. 61) zeigen
die Spuren, dafs Izdubar dem Skorpionmenschen
sein Vorhaben erzählt, er wolle „zu Sit-napistim,
seinem Vater, der versetzt worden ist in die
Versammlung der Götter und über Leben und
Tod [entscheiden kann]". Der Skorpionmensch
schildert dem Helden die Schwierigkeit, die
der Durchmarsch durch das Gebirge Mäsu
40 bietet: niemand vermag es, zwölf Meilen dichte
Finsternis nach allen Himmelsrichtungen gilt
es zu durchdringen. Kol. IV (S. 62) giebt der
Skorpionmensch dem Flehen des Izdubar nach,
öffnet das Thor, und nun beginnt die Wande-
rung: „Eine Meile wandert er, dicht ist die
Finsternis, es wird nicht licht, zwei Meilen ist
er gegangen, dicht ist die Finsternis, es wird
nicht licht." (Damit schliefst die III. Kol., er-
gänzt nach S. 61, 11 und 63, 36.) Kol. V fährt
so fort, die zwölf Meilen in epischer Breite in
der angegebenen Weise zu schildern. Dann
tritt er hinaus und sieht (am Gestade des
Meeres, wie aus dem Folgenden hervorgeht),
einen herrlichen Baum: „Da er ihn sieht, eilt
er darauf los: Edelsteine trägt er als Frucht,
Aste hängen daran, prächtig anzuschauen,
Krystall tragen die Zweige, Früchte trägt er,
köstlich anzuschauen." Auch andere Bäume
stehen in diesem Götterpark, der an Ezeeh.
60 31, 9 erinnert. Kol. VI ist Izdubar am Meere
angekommen, denn
Tafel X
beginnt laut Unterschrift von Tafel IX: „Das
(göttliche) Mädchen Sabitu, die auf dem Thron
des Meeres sitzt" (vielleicht poetischer Aus-
druck für den Meerpalast, in dem sie nach
dem Folgenden wohnt). Kol. I findet Izdubar
795 Izdubar (Inhalt v. Taf. X d. Epos) Izdubar (Inhalt v. Taf. XI d. Epos) 796
hier ein neues Hindernis, als er „mit dem Fell ginnen. Kol. IV wird erzählt, wie der Schiffer
bekleidet" ankommt. Er bricht von neuem den Helden mahnt, nicht abzulassen, so lange
in Wehklage aus und ist „erzürnt" über die die Fahrt in den Gewässern des Todes währt,
„fernen Wege", die ihm zu gehen bestimmt Zahlenangaben, die das Bruchstück aufweist,
sind. Sabitu erblickt ihn von ferne. Der In- scheinen sich auf die anstrengende Ruder-
halt ihres Selbstgesprächs ist leider teilweise arbeit zu beziehen. Z. 9 ff. ruht Izdubar aus,
verloren. Als er näher kommt, zieht sie sich die Gefahren sind hinter ihm, „er löst seinen
in ihr Meerschlofs zurück und „verriegelt ihr Gürtel". Nun nähern sich beide den Ufern
Thor". Izdubar ruft sie an und spricht zu der Seligengefilde. SU-napistim stellt Betrach-
ihr: 'Sabitu, was schaust du was 10 tungen über den Gast an, wie oben die
verriegelst du die Thür? [wenn du nicht Meereskönigin. Am Anfang von Kol. V ist er
öffnest], will ich zerschmettern dein Thor ans Ufer gekommen und klagt vom Schiffe
[ ].' Das Folgende fehlt. Doch aus dem Ahnen sein Leid: Er erzählt die
mufs Sabitu dem Izdubar die Unmöglichkeit Abenteuer, die er mit seinem Freunde Eabani
geschildert haben, seinen Weg, der nun über bestanden habe. Nach den Zeilenresten wird
ein unüberschreitbares Meer führe, fortzusetzen; das Abenteuer mit einem „Panther des Feldes"
denn Izdubar erzählt Kol. H abermals den (Z. 6), die Tötung des Himmelsstieres (alä
Grund seiner Reise und jammert um seinen ninäru Z. 9), die Ermordung des Tyrannen
„geliebten, zu Staub gewordenen Freund" Humbaba, „der im Cypressenhain wohnte"
Eabani, dessen Los teilen zu müssen ihm un- 20 (Z. 10), erwähnt. Dann klagt er über den Tod
erträglich erscheint (S. 67, 12 f. vgl. 71, 21 f.). des Freundes, sagt, wie er alle Länder und
Dann bittet er die Halbgöttin inständigst, ihm steile Gebirge durchwandert, alle Meere dureh-
doch den Weg zu seinem Ahn zu zeigen und schritten habe, ohne dafs sich „mit fröhlichem
schliefst seine Rede mit den Worten: 'Wenn Anblicke sein Antlitz gesättigt habe". Mit
es möglich ist, will ich das Meer überschreiten, den Worten des SU-napistim, 'Izdubar habe
wenn es nicht möglich ist, will ich mich sein Herz mit Weh erfüllt, aber Götter und
(trauernd) auf die Erde legen.' Sabitu ant- Menschen [könnten ihm nicht helfen]', schliefst
wortet ihm: „'Izdubar , es hat niemals eine die Kol. V. ; Die scheinbar sehr lange Gegen-
Fähre gegeben, und niemand seit ewiger Zeit rede des SU-napistim endigt gemäfs den
kann das Meer überschreiten — Samas der 30 Spuren von Kol. VI (S. 66) mit den Worten:
Held hat überschritten das Meer, aufser (?) ,, 'so lange wir Häuser bauen, so lange
Samas, wer kann es überschreiten? Schwer wir versiegeln (?) (Verträge schliefsen), so lange
ist die Überfahrt, gar beschwerlich ihr Pfad, Brüder sich zanken, so lange es Feindschaft
und verschlossen (?) sind die Gewässer des giebt [ ], so lange Flüsse Wogen [zum
Todes, die als Riegel vorgeschoben sind. Wo, Meere tragen?] 4 Zeilen (Z. 34),
Izdubar, willst du das Meer überschreiten? wird vom Tode kein Bild gezeichnet. Wenn
Nachdem du zu den Gewässern des Todes ge- der aM-Dämon und der m^-Dämon [einen
langt — was willst du thun? — Izdubar, es Menschen] grüfsen (ironicel), dann bestimmen
ist Arad-Ea der Schiffer des SU-napistim, die Awumnaki und die grofsen Götter und
[ ] Steine mit ihm, er wird im Walde 40 Mammetum , die Schöpferin des Schicksals,
eine Ceder fällen, [....] möge dein Antlitz mit ihnen das Geschick, sie bestimmen Tod
schauen. Ist es möglich, fahre über mit ihm, und Leben: des Todes Tage sind {seil, den
ist's nicht möglich, weiche zurück (?).'" Der Menschen) unbekannt.'"
Held steht am Zugange zum Totenflusse, der
als ein Wassergürtel des Oceaus gedacht ist. lafel XI
Die Seligeninsel ist wie die Unterwelt jenseits setzt das Gespräch zwischen SU-napistim und
des Totenflusses gedacht. Wichtig ist die Er- Izdubar fort: „Izdubar sprach zu SU-napistim
wähnung des Mythus vom Sonnengott, die leb- dem Fernen: 'ich sehe dich an, SU-napistim,
haft an griechische Sagen erinnert. (In einem dein Aussehen ist nicht verändert; wie ich bist
Hymnus an den Sonnengott — s. Brünnow, 50 du, und du bist nicht anders, wie ich bist
Zeitschr. /'. Assyr. IV, 25 — heifst es: „Du hast du'". ... In den folgenden 3 verstümmelten
das weite, breite Meer überschritten, dessen Zeilen scheint er zu sagen, sein Herz habe
Inneres die Himmelsgeister nicht kennen.") einen gleichen Lebens(kampf) durchgekämpft
S. Zusatz 4, S. 72. — Kol. III (Haupt, S. 73 (so dafs er auch die Seligkeit verdiene) : 'Sage
der Anfang — kann nicht Kol. H sein — S. 69 mir (wie kommt es), dafs du erlangt hast das
die Fortsetzung) erzählt Izdubar dem Arad-Ea Leben in der Versammlung der Götter, welches
mit den bekannten Worten sein Leid und du begehrtest?' Vom Ufer aus erzählt der
schliefst mit der Bitte, ihn überzusetzen. Die Götterliebling dem vom Schiffe aus lauschenden
Antwort des Arad-Ea giebt Izdubar den Be- Izdubar die Geschichte von dem grofsen
fehl, in den Wald hinabzusteigen, ein 5 Gar 60 Flutsturm: „SU-napistim sprach zu Izdubar:
(Ellen?) langes Ruder anzufertigen und andere 'Ich will dir, Izdubar, eröffnen das Geheimnis,
Vorkehrungen zur Reise zu treffen. Izdubar und die Entscheidung der Götter will ich dir
richtet den Auftrag aus, und beide besteigen sagen. Die Stadt Surippak, die Stadt, die du
das Schiff. Nach 45tägiger böser Fahrt („das kennst, am Ufer des Euphrat gelegen, selbige
Schiff schwankt und schleudert sie hin und Stadt war (schon) alt, als die Götter drinnen
her, während sie fahren") „ist Arad-Ea an- einen Flutsturm anzurichten ihr Herz antrieb,
gelangt in den Gewässern des Todes". Nun die grofsen Götter. [Es hielten Rat?] ihr
scheint die eigentliche Gefahr erst zu be- Vater Anu , ihr Entscheider, der Held Bei,
797 Izdubar (Inhalt v. Taf. XI d. Epos) Izdubar (Inhalt v. Taf. XI d. Epos) 798
ihr Führer (?) Ninib, ihr Oberster En-nugi. ich ihm). — Als die Morgenröte anbrach, stieg
Der Herr der Weisheit, Ea, redete mit ihnen, auf am Horizont des Himmels schwarzes Ge-
ihren Befehl that er kund dem Gefilde (rufend): wölk; Mammän donnerte drin, während Nabu
'Gefilde! Gefilde! Umhegung! Umhegung! Ge- und MarduTc hervortraten und über Berg und
filde, vernimm! Umhegung, merke auf!44) Thal schritten. Der Gott Uragal rifs die
Mann von Suruppal; Sohn des Kidinu-Marduk Anker los, es schritt Ninib dahin, über-
(Ubara-tuiu), zimmere ein Haus (Arche), baue schwemmte die Ufer4S), die Anunnaki erhoben
ein Schiff, rette, was du von Lebenssamen die Fackeln, in ihrem Glänze machten sie das
finden kannst, lafs fahren die Habe, rette das Land erzittern. Bammün's Wogen stiegen
Leben, bringe Lebenssamen aller Art hinauf 10 zum Himmel empor, alles Licht verwandelten
auf das Schiff. Von dem Schiff, das du bauen sie in Finsternis], [ ], jählings
sollst, sollen die Zahlen ausgemessen werden brauste es (das Unwetter) dahin, wie ein
(Z. 25); es soll übereinstimmen seine Breite Schlachtsturm fuhr es auf die Menschen los.
und seine Höhe (?)45), (dann) lafs es vom Nicht sah der Bruder seinen Bruder, die
Stapel ins Meer.' Ich merkte auf und sprach Menschen erkannten sieh nicht. Im Himmel
zu Ea, meinem Herrn: '[ ], mein Herr, die Götter fürchteten sich vor dem Flutsturm,
was du also geboten hast, will [ich] in Ehren sie flüchteten, stiegen hinauf zum Himmel des
halten und ausführen; [aber was?] soll ich Anu,' die Götter gleich Hundeu waren sie
antworten der Stadt, dem Volke und den , kauerten nieder am Damm (?). Es
Ältesten?' Ea that seinen Mund auf und 20 schrie Isiar wie eine Gebärende (yar. zorn-
sprach zu mir, seinem Knechte: '[Als Ant- erfüllt), es rief die Hehre, die freundlich
wort (?)] sollst du so zu ihnen sprechen: Redende: 'Dieses Volk (?) ist wieder zu Lehm
[Weil (?)] mich Bei halst, will ich nicht wohnen geworden; was ich vor den Göttern Böses
bleiben in [eurer Stadt] , will auf Bel's Ort (voraus)gesagt habe, wie ich es (voraus)gesagt
mein Haupt nicht (mehr) niederlegen, zum habe vor den Göttern, das Böse — ■ zur Ver-
Meer will ich [hinabsteigen], bei dem Gott nichtung meiner Menschen führend habe ich
[Ea~\, der mein Herr ist, will ich mich nieder- den Sturm (voraus)gesagt; was ich geboren
lassen. Er {Bei) läfst auf euch regnen reiche habe, wo ist es? wie Fiscbbrut füllen sie das
Fülle, [ ] Vögel, eine Menge Fische, Meer!' Die Götter weinten mit ihr über die
[ 2 Zeüen], der den 30 Anunnaki 49), die Götter safsen gebeugt unter
Sturzregen sendet, [in der Nacht wird er über Weinen, ihre Lippen waren zusammengeprefst,
euch regnen lassen] furchtbaren Regen.'40) insgesamt; 6 Tage und [6 (?)]
Als das Morgenrot erschien, [ Nächte wütete fort der Sturmwind, die Flut,
11 Zeilen] (Z. 53), den Bedarf brachte ich her- Platzregen; als der 7. Tag herankam, hörte auf
bei. Am fünften Tage entwarf ich seine Ge- der Regen, die Flut. Der Sturm, der einen
stalt: In seinem Mittelteil (?) waren seine Kampf gekämpft hatte wie ein Kriegsheer,
Wände 10 Gar (120 Ellen?) hoch, 10 Gar be- ruhte. Das Meer wurde enger (?) (trat in die
trug auch die Ausdehnung seines Decks ..." Ufer zurück), der Orkan, der Flutsturm hatte
Die folgenden 19 Zeilen, die den Bau des ein Ende. Da sah ich auf das Meer (?), liefs
Schiffes erzählen, sind leider sehr verstümmelt. 40 meine Stimme erschallen — aber alle Menschen
In 6 Stockwerke (?) wird die Arche geteilt, waren wieder zu Erde geworden, gleich dem
mit Erdpech und Naphtha werden die Lücken uru war der usallu.b") Ich öffnete die Luke —
verschlossen. (Interessant ist, dafs ein anderes Licht fiel auf mein Antlitz, ich sank (geblendet)
Fragment die Erzählung von der Zurüstung zurück, setzte mich und weinte, über mein
der Arche anders erzählt, s. zuletzt Jensen, Antlitz flössen mir Thränen. Ich schaute auf:
a. a. 0. S. 372 ff.). Nach Vollendung des Baues die Welt ein weites Meer! Zwölf Ellen hoch (?)
opfert Sit-napütim den Göttern, veranstaltet stieg Land auf. Nach dem Gebirgslande Nisir
ein Fest und beginnt dann mit der Verladung: nahm das Schiff den Lauf. Der Berg des
(Z. 77) „Mit allem, was ich hatte, füllte ich es Landes Nisir hielt das Schiff fest und liefs es
an, mit allem, was ich an Silber hatte, füllte 50 nicht von der Stelle. Einen Tag, einen 2. Tag
ich es, mit allem, was ich an Gold hatte, hielt der Berg Nisir das Schilf fest und liefs
füllte ich es; mit allem, was ich an Lebens- es nicht von der Stelle. Einen 3. und 4. Tag etc.
samen aller Art hatte, füllte ich es; ich brachte Einen 5. und 6. Tag etc. Als der 7. Tag heran-
hinauf auf das Schiff meine ganze Familie und nahte, liefs ich eine Taube hinausfliegen. Die
mein Gesinde, Vieh des Feldes, Getier des Taube flog hin und her; da kein Ruheplatz
Feldes, die Handwerker, alle zusammen brachte da war, kehrte sie zurück. Dann liefs ich eine
ich sie hinauf. Ein Zeichen setzte Samas fest: Schwalbe hinausfliegen. Die Schwalbe flog hin
'Wenn der, welcher den Sturzregen sendet, und her; da kein Ruheplatz da war, kehrte sie
am Abend einen furchtbaren Regen sendet, zurück. Einen Raben liefs ich fliegen, der
dann tritt ein in das Schiff, verschliefse dein 60 Rabe flog, sah das Abnehmen des Wassers,
Schiff (Thor).' Dieses Zeichen traf ein. Der frais, liefs sich nieder (= liefs sich fressend ■
den Sturzregen sendet, liefs in der Nacht einen nieder? seil, auf Leichen oder Schlamm),
furchtbaren Regen regnen. Vor dem Tages- krächzte (?), kam nicht zurück. Da liefs ich
anbruch zitterte ich, den Tag zu schauen hatte nach den vier Winden (alles) hinaus, gofs ein
ich Furcht. Ich trat in das Schiff, verschlofs Opfer aus, veranstaltete eine Opferspende auf
mein Thor, die Verwahrung (?) des Schiffes dem Gipfel des Berges. Sieben und sieben
übergab ich dem Puzur-Bel"), dem Schiffer, Gefäfse stellte ich auf, (Z. 150) darunter schüt-
die grofse Arche samt ihrem Inhalt (übergab tete ich aus Calmus, Cedernholz und SIM-GIR.
799 Izdubar (Inhalt v. Taf XI d. Epos) Izdubar (Inhalt v. Taf. XI d. Epos) 800
Die Götter rochen den Duft. Die Götter rochen Berichten ist eine brennende Frage der alt-
den guten Duft. Die Götter sammelten sich testamentlichen Forschung. Gewifs repräsen-
wie Fliegen um den Opfernden. Als die tiert der Inhalt der Erzählung in Bibel und
„Hehre" (d. i. litar) herankam, erhob sie die Keilschrift „einen alten und gemeinsamen Be-
grofsen Blitze (?), die Anu nach ihrem Be- sitz der semitischen Stämme des Euphrat- und
gehren (?) gemacht hatte: 'Diese Götter! Bei Tigrislandes" (so mit Duncker, Geschichte des
meinem Halsschmuck, ich will es nicht ver- Altertums gegen Goldsiher, Der Mythus bei
gessen; diese Tage habe ich im Gedächtuis, den Hebräern S. 383, dessen Anschauung vom
■will sie ewig nicht vergessen. Die Götter „Nebelkreis" der „uralten und prähistorischen
mögen zum Opfer kommen, Bei soll nicht 10 Zeiten, in welchen die semitischen Stämme
zum Opfer kommen, weil er unbesonnen ungetrennt lebten", durch die Entzifferung der
den Flutsturm erregt und meine Menschen reichen uralten Litteratursehätze inzwischen
dem Gericht (?) preisgegeben hat.' Als Bei widerlegt worden ist). Es fragt sich nur, in
herankam, sah er das Schiff. Da ergrimmte welcher Weise die uns vorliegenden biblischen
Bei, mit Zorn ward er erfüllt über die Relationen von der babylonischen schriftlich
Götter der Igigi: 'Wer ist lebendig ent- fixierten Erzählung abhängig siud. Dafs
rönnen? Kein Mensch soll leben bleiben in beide Sintflutberichte der Genesis (der elo-
dem Gericht (?).' Ninib öffnete seinen Mund histische und der jahvistische) aus der baby-
und sprach zum Helden Bei: 'Wer aufser Ea Ionischen Erzählung geschöpft haben (wann?),
hat die Sache angerichtet, aber Ea, der kennt 20 mufs als sicher gelten (gegen Sayce, Tlieolog.
jede Beschwörung.' Ea öffnete seinen Mund Bevi-.w Juli 1873), obwohl auch hier das ent-
und sprach zum Helden Bei: 'Du Entscheider scheidende Wort erst nach Auffindung der
der Götter, du Held, wie (?) unbesonnen hast zweiten babylonischen Relation, von der wir
du den Flutsturm angerichtet! Dem Sünder nur ein Bruchstück haben, gesprochen werden
lege seine Sünde auf! Dem Frevler lege seinen kann. Aber der Geist des prophetischen und
Frevel auf! Sei nachsichtig (eig. lasse nach), priesterlichen Erzählers hat in beiden Fällen
er soll nicht vertilgt werden, fasse Liebe (zu die babylonische Sage „gereinigt und vertieft"
ihm), er soll nicht [vernichtet (?)] werden. (Duncker)."3) Unter dieser Voraussetzung
Anstatt dafs (?) du einen Flutsturin anrichtest, könnte man auch wageD, die Entriiekung des
mögen Löwen kommen und die Menschen ver- 30 SU-napistim mit der Geschichte Henoch's in
mindern; anstatt dafs du einen Flutsturm an- Verbindung zu setzen (s. Haupt, Der keil-
richtest, mögen Leoparden (?) kommen und inschrifil. Sintflutbericht S. 28). — Besonders
die Menschen vermindern; anstatt dafs du einen hervorgehoben sei noch, dafs die Sintflut die
Flutsturm anrichtest, mag eine Hungersnot ganze Menschheit nach dem geographischen
entstehen und die [Menschen vermindern]; an- Horizonte der Babylonier vernichtet, und dafs
statt dafs du eine Sintflut anrichtest, möge sie als Sündflut für nicht näher aus-
eine Pest (?) (Urugal) kommen und die gesprochene Frevelthaten verhängt ward.
Menschen [vermindern]. 51) loh habe den Rat- Wir verfolgen nun weiter die Geschicke
schlufs der grofsen Götter nicht eröffnet. Den Izdubar's, der, vom Aussatz geplagt, auf dem
Adrahäsis (d. h. „der Erzgescheite") ''-) liefs 40 Schiffe der Erzählung des SU-napistim lauscht,
ich einen Traum schauen, und so hörte er SU-napistim fährt in direktem Anschlufs an
(Sit nnpistim durch Adrahäsis) die Entscheidung das Gesagte fort: „Nun, was dich betrifft, wer
der grofsen Götter. Da fafste er (Bei) seinen von den Göttern soll dir die Kraft verleihen (?)?
Entschlaft. Es stieg der Gott Bei hinauf auf Das Leben (auf der Insel der Seligen), das du
das Schiff, ergriff meine Hand, führte mich erstrebst, sollst du erlangen; wohlan, schlafe! —
hinauf, führte mein Weib hinauf und liefs es (3 Tage und 7 Nächte glich er einem, der da
niederknieen an meine Seite, er umfing uns, sitzt gelähmt (eig. in der Gebundenheit seiner
zwischen uns tretend, und seguete uns: 'Vor- Kraft). Es überfiel (?) ihn ein Schlaf wie ein
mals war SU-napistim Mensch , jetzt soll SU- Sturmwind. SU-napistim sprach zu seinem
napistim und sein Weib gleich Göttern er- 50 Weibe: 'Schaue an den Mann, der Genesung
haben sein; wohnen soll SU-napistim in der (eig. Leben) fordert, Schlaf, gleich einem Sturm-
Feme an der Mündung der Ströme.' Da ent- wind, hat ihn überfallen (?).' Sein Weib sprach
führten sie uns, an der Mündung der Ströme zu ihm, zu Sit-napistim, dem „Fernen": 'Be-
liefsen sie uns wohnen." zaubere (wecke?) ihn64), der Mann mag die
Bis hierher geht die berühmte babylonische (Zauber)speise essen (?), den Weg, den er kam,
Sintflut-Erzählung (soweit auch Übersetzung soll er gesund zurückkehren, durch das grofse
und Erklärung der XI. Tafel bei Jensen und Thor, aus dem er gezogen, soll er umkehren
Haupt).*) DerZusammenhang mit den biblischen in sein Land.' SU-napistim sprach zu seinem
Weibe: 'Das Weh des Menschen schmerzt dich
*) Auch sonst wird die Flut erwähnt. So in der 00 (Z. 200; 206—207 Variante neu hinzugefunden),
' Anm. 2 erwähnten Asurbampal-lnschriSt. Wenn ferner wohlan (?), koche ihm die Speise, lege sie ihm
in der von Dr. Pcisir entdeckten „babylonischen Land- auf das Haupt.' Und ZU der Zeit, da er schlief
karte" (Z. /. Assyr. 4, 361 ff.) ein Vorgang aus „dem
-Talire der grofsen Schlange", als die Landtiere Babylon sachten, dafs ihre Leiber tobten (?): in Stadt und Land
verliefsen, erzählt wird, so ist damit sicherlich die Flut verursachten sie Wehklagen bei grofs uud klein, Herr
gemeint, denn die Inschrift erwähnt ausdrücklich Sit- und Magd bannten und erfüllten sie mit Webklage;
mijjistiiu als einen der Könige, die vor der Flut regiert im Himmel und auf Erden liefsen sie Hegen nieder-
halten. IV R 19 Nr. 1 ist von einem Verhängnis die Rede, strömen wie , nach dorn Orte der .... ihrer
bei dein Dämoeeu „den Erdbewohnern Sehmerzen verur- Gutter flucheten sie sich . . . etc."
801 Izdubar (Inhalt v. Taf. XI) Izdubar (Inhalt v. Taf. XII) 802
am Bord seines Schiffes, kochte sie ihm die . . .'" Das Folgende (6 Zeilen) ist wieder ver-
Speise, um sie ihm auf das Haupt zu legen. stümmelt. Der Held hat das Schiff verlassen,
Und zu der Zeit, da er schlief am Bord seines schleppt Steine herbei (um seinen Standort zu
Schiffes: zum ersten wurde zubereitet (?) seine erhöhen?) und trägt zuletzt die erbeutete
Speise, zum andern wurde sie gehäutet, zum Wunderpflanze ins Schiff. (Z. 263:) „Izdubar
dritten benetzt, zum vierten reinigte er sein sprach zu Arad-Ea, dem Schiffer: 'Arad-Ea,
Gefäfs, zum fünften that er „Greisenalter'' diese Pflanze ist die Pflanze der Verheifsung (?),
hinzu, zum sechsten wurde es gekocht, zum dnrch welche ein Mensch sein Leben erlangt;
siebenten verzauberte (weckte?) er ihn plötz- ich will (die Pflanze) mitnehmen nach Uruk-
lich: da als der Mann die Zauberspeise (?). 10 Supuri, will einen Wald (??) grofs ziehen, will
Izdubar sprach zu Sit-napistim, dem „Fernen ': (dann) abschneiden, ihr Name soll sein: 'als
'Ich war hingesunken (eig. wankend gemacht), Greis (noch) wird der Mensch verjüngt', ich
Schlaf hatte mich befallen, plötzlich hast du will davon essen, will umkehren zu meiner
mich bezaubert (geweckt?), hast mich ' Jugendkraft.' Zehn (?) Weilen legten sie stück-
Sit-napistim sprach zu Izdubar: (es folgt die weise den Weg zurück; nach 20 Meilen56)
Wiederholung der 7 Zauberakte, Text ver- machten sie Station. Izdubar sah einen
stümmelt). Z. 219 ff. (217 — 222 durch ein Brunnen mit kühlem Wasser, er stieg hinab,
neues Fragment ergänzt): „Izdubar sprach zu und während er drinnen Wasser ausgofs, kam
Sit-napistim, dem „Fernen", [traurig?] redete er eine Schlange (?) heraus. Da entglitt ihm die
zu ihm, zu Sit-napistim: 'Wohin soll ich gehen? 20 Pflanze, ein [ ] Dämon stieg hei auf und
Meine [ ] hat der Totengeist (?) erfafst, nahm die Pflanze weg. In seinem Schreck
[auf] meinem Lagerort wohnt der Tod, und der stiefs er einen Fluch aus, es [ ], Izdubar
Urt, [auf den du mein Schiff (?)] gestellt hast, setzte sich nieder und weinte, über seine
er bedeutet Tod!'" Hierauf sorgt Sit-napistim Wangen flössen Thränen. ä7) [Er sprach] zu
dafür, dafs der Kranke aus dem Gewässer des Arad-Ea, dem Schiffer: 'Wozu (?) sind meine
Todes vom Fährmann zum Lebenscpiell geführt Kräfte genesen, wozu (?) erfreut sich meine
wird. (Z. 224:) „Sit-napistim sprach zu Arad- Seele (eig. „der Siun meines Herzens") der Be-
Ea, dem Schiffer: 'Arad-Ea, du [ ], lebung? Ich habe mir selbst keine Wohlthat
das Fährschiff möge dich aufnehmen, dessen erwiesen;- dem Erdlöwen (Erdgeist?) ist die
am Gestade der [ plur.~\ 30 Wohlthat geschehen. Jetzt schon nach
geborgen ist. Der Mann, den du geführt hast, 20 Meilen hat ein einziger die Pflanze in die
ist an seinem Leibe mit Beulen (?) bedeckt, Gewalt bekommen; als ich den Wasserbehälter
Aussatzhäute haben vernichtet die Anmut seines öffnete, en[tglitt (mir)] die Pflanze,
Leibes. Nimm ihn, Arad-Ea, zum Reinigungs- wer bin ich, dafs ich sie ergreifen möchte (?)?'
ort bringe ihn, seine Eiterbeulen möge er im Und er liefs das Schiff am Ufer zurück.
Wasser reinwaschen wie Schnee, er thue ab 20 Meilen legten sie stückweise zurück, nach
seine Häute, das Meer führe sie fort — gesund 30 Meilen machten sie Station. So kamen sie
werde erschaut sein Leib. Es soll erneuert hin nach Uruk-Supuri. Izdubar sprach zu
werden die Binde seines Kopfes, die Hülle, die Arad-Ea, dem Schiffer: 'Steige hinauf, Arad-
ihn umkleidet als Schamgewand; bis er kommt w Ea, auf die Mauer von Cruk, gehe umher,
in sein Land, bis er gelangt auf seinen Pfad, schaue an den Grundstein ' " Der Schlufs
soll die Hülle nicht Falten werfen (?), ganz der Tafel (4 Zeilen) ist mir völlig rätselhaft.
neu soll sie sein.' Da nahm ihn Arad-Ea, Auffällig ist, dafs auch im Anfangsfragment die
führte ihn zum Reinigungsort, seine Beulen „Mauer von Erech" eine besondere Rolle spielt.
wusch er im Wasser wie Schnee, er that ab
seine Häute, das Meer trug sie fort — gesund Tafel XII,
wurde erschaut sein Leib. Er erneuerte seine Kol. I, beginnt nach der Stichzeile der XI. Tafel
Kopfbinde, die Hülle, die ihn als Schamgewand mit den Worten: „Der tammabukku im Hause
umkleidete; bis er käme in sein Land, bis er des Zimmermanns möge " Sinn völlig
gelangte auf seinen Pfad, [sollte die Hülle 00 dunkel. Der Rest der I. Kol., der uns erhalten
nicht Falten werfen], neu sollte sie sein. ist, scheint die Totenklage Izdubai 's um Ea-
Izdtcbar und Arad-Ea bestiegen das Schiff, bani wiederzugeben. Nur die untere Hälfte ist
das Schiff [schwankte (?), warf sie hin und erhalten: „ zu einem Tempel [gehst du
her], während sie fuhren. — Sein Weib55) nicht (mehr)?], weifse Kleider [ziehst du nicht
sprach zu ihm, zu Sit-napistim, dem „Fernen": mehr an?] ....... mit wohlriechendem Stier-
■' Izdubar ist gekommen, beruhigt, genesen (?), fett salbst du dich nicht mehr, dafs sie zum
was willst du geben, dafs er zurückkehre in Duft sich um dich scharen; den Bogen setzest
sein Land?' Und er nahm das Ruder, Izdubar du nicht mehr ein auf der Erde (d. h. spannst
brachte das Schiff näher an das Ufer, und du nicht), die mit dem Bogen verwundet sind,
Sit-napistim sprach zu Izdubar: (Z. 250) 60 umgeben dich; das Scepter trägst du nicht
'Izdubar, du gehst hinweg beruhigt, genesen (?), mehr in deiner Hand — die Totengeister
was soll ich dir geben, dafs du zurückkehren bannen dich; Ringe an deine Füfse ziehst du
kannst in dein Land? Ich will dir offenbaren nicht mehr an (?), du erhebst kein (Kriegs?-)
ein Geheimnis, und das [ ] Geschrei mehr auf Erden, dein Weib, das du
will ich dir sagen. Es giebt eine Pflanze liebtest, küssest du nicht mehr, dein Weib,
ähnlich dem Stechdorn [ ], ihr das du halstest, schlägst du nicht mehr, deine
sticht gleich der Stechranke. Wenn deine Tochter, die du liebtest, küssest du nicht mehr,
Hände die Pflanze erreichen können [ | deine Tochter, die du halstest, schlägst du
Roschet*, LexikOD der gr. u. rüm. Mythol. II. 26
803 Izdubar (Inhalt v. Taf. Sil) Izdubar (Inhalt v. Taf. XII) 804
nicht mehr. Das Weh der Unterwelt errufst Kol. V fehlt. Kol. VI schliefst das Ganze mit
dich: die da finster ist, die da finster ist, einem rhythmischen Wechselgesang zwischen
Mutter Nin-azuäS), die da finster ist, deren Izdubar und Eabani ab, der die Walhalla-
Leib (eig. Seite) nicht mit glänzendem Ge- freuden schildert, die den im Kampf gefallenen
wände bedeckt, ist, deren Brust gleich einem Helden erwarten, und das unglückliche Los
jungen sappati-Tieie " Kol. II finden wir derer beklagt, denen die letzten Totenehren
Izdubar mit seiner Klage im Tempel des versagt sind; es wird damit die für die orien-
Gottes Ningul (= Ea?) mit der Klage: . talische Anschauung äufserst wichtige Moral
„' . . . [sein Weib, das er- liebte, küfste er, sein aus der ganzen Dichtung gezogen: sorgt pie-
Weib, das er hafste, schlug er, seine Tochter, 10 tä.tvoll für eure Toten!
die er liebte, küfste er, eeine Tochter, die er ,,Auf einem Ruhepolster ist gelagert,
hafste, schlug er], nun hat das Weh der Erde reines Wasser trinkend,
ihn hinweggerafft, die da finster ist, die da wer in der Schlacht getötet ward — du sahst
finster ist, die Mutter Nin-azu, die da finster es! Ja, ich sah es:
ist, deren Leib nicht mit glänzendem Gewände Sein Vater uud seine Mutter [halten] sein
bedeckt ist, deren Brust gleich einem jungen Haupt,
sikkati-Tiexe nicht Eabani ist [hinab- und sein Weib [kniet?] an seiner Seite. —
gestiegen?'?] von der Erde zur [Finsternis??], Wessen Leichnam auf dem Felde liegt,
der Laurer [des Nergal], des schonungslosen, du sahst es! Ja, ich sah es:
hat ihn nicht weggerafft, nicht die Pest hat 20 Dessen Seele hat nicht Kühe in der Erde. —
ihn weggerafft, nicht die Schwindsucht hat Wessen Seele niemand hat, der für sie sorgt,,
ihn weggerafft, die Erde (= Unterwelt) hat du sahst es! Ja, ich sah es:
ihn [weggerafft], nicht der Ort der Männer- die Hefe (?) des Bechers10), die Überbleibsel
Schlacht hat ihn geschlagen, die Erde hat ihn des Essens,
weggerafft.' [Während dieser Rede?] weinte was auf die Strafse geworfen ist, geniefst er."
der Gott Niu-gul um seinen Knecht Eabani — Es folgt die Unterschrift der XII. Tafel und
Zum [ ] Tempel des Bei ging er (Izdubar) damit der Schlufs des Epos. Wie der letzte
allein: Water [Bei], tambukkub'J) hat mich zur Gesang mit der Erzählung zusammenhängt,
Erde gestürzt, [Kol. III] Eabani ist zu den ob er vielleicht den Schlufsgesang einer Apo-
Schatten [hinabgesunken?], die Pest hat ihn so theose Izdubar 's enthält, wage ich nicht zu
nicht weggerafft , der Laurer (Dämon) entscheiden.
des Nergal, der schonungslose [hat ihn nicht Im Zusammenhang damit ist noch ein Frag-
weggerafft] , der Ort der Männerschlacht [hat ment zu besprechen , das seinem Inhalt nach
ihn nicht geschlagen], Vater Bei konnte nicht nur an die Stelle der XII. oder VIII. Tafel
helfen, Vater Sin, der tambukku [hat mich zur gehören kann, aber weder an dieser noch an
Erde gestürzt], die mikke [haben mich zur jener Stelle in die Kolumnenfragmente pafst.
Erde gestürzt]. Eabani, der zu den Schatten Der Text steht bei Haupt S. 16 — 19. Die Zu-
[kinabgesunken ist?], die Pest hat ihn nicht gehörigkeit zum Bereich der Izdubar-Legen-
weggerafft , der Laurer des Nergal, der deu kann nicht geleugnet werden (s. Haupt,
schonungslose, [bat ihn nicht weggerafft]. . .'" 40 Beiträge zur Assyriologie I S. 105. 318 ff.). Eine
Am Schlufs der Kolumne finden wir Izdubar andere Frage ist, ob wir nicht in dem Frag-
im Tempel des Ea mit derselben Klage. Dann ment ein Stück einer anderen Relation des
wendet er sich plötzlich an die Unterwelts- Epos vor uns haben. Dafs es verschiedene
gottheit selbst, an den „Helden und Herrn" Erzäklungsfornien der Izdubar Geschichten ge-
Nergal: ,,rRüttle (?) an der Grabkammer [öffne geben hat, beweist allein das oben erwähnte
die Erde, dafs der Geist des Eabani wie ein Duplikat zur Erzählung vom Bau der Arche.
Windhauch aus der Erde komme].' [Als] der Das interessante Fragment, in zwei Exemplaren
Held Nergal [dies vernahm], rüttelte (?) er an erhalten, enthält auf der Vorderseite das Stück
der Grabkammer, öffnete die Erde, den Geist einer 111. Kol., auf der Rückseite das Stück
des Eabani liefs er gleich einem Windhauch 50 einer IV. Kol. Die Erwähnung des Jägers und
aus der Erde hervorgehen." Die beiden letzten der Uhat und die Anrede ,,mein Freund" zeigt,
Zeilenreste („sie wurden umringt er dafs Eabani redet. Auf der Vorderseite ver-
hielt Rat " bleiben dunkel). Kol." IV be- flucht er die Uhat, die ihm samt der List des
ginnt im direkten, Anschlufs mit einem eksta- Jägers „Fluch gebracht hat" (oder die Istar,
tischen Gespräch zwischen Izdubar und Ea- in deren Dienst die Hierodulen stehen?). Er
bani: ,/Sage mein Freund, sage mein Freund, wünscht ihr, „dafs sie eingeschlossen wird in
die Beschaffenheit (?) des Landes, das du ge- das grofse Gefängnis", verwünscht ihre „Reize",
sehen hast, sage.' 'Nicht kann ich dir sagen, „ihre Schwestern (?)", „ihre Mägde". Wie „das
meiu Freund, nicht kann ich dir sagen, wenn grofse Gefängnis", so erinnert auch ein Teil
ich die Beschaffenheit des Landes dir sagen co des weiteren Fluches an die Verwünschung in
wollte [ ], setze dich, weine.' f[ ] der „Höllenfahrt der Istar", wo dem Götter-
ich will sitzen und weinen [ ], was du boten ein schauderhafter Wohnplatz, der „seine
gethan (?) hast, woran dein Herz sich gefreut Kraft brechen" soll, angewiesen wird. Warum
hat [ ], gleich einem alten Gewände Eabani die Uhat bezw. die Göttin Istar ver-
frifst's das Gewürm; [ ], was du gethan flucht, darüber giebt die IV. Kol. auf der Rück-
hast, woran dein Herz sich erfreut hat seite Auskunft. Eabani ist in die Unterwelt
[ ], ist mit Staub angefüllt [ ] hinabgesunken (s. XII. Tafel: „die Erde hat
duckt sich nieder (?). . . .'" (2. Hälfte fehlt.) ihn weggerafft") und erzählt dem Freunde, der
805 Izdubar (Inhalt v. Taf. XII) Izdubar (Anmerkungen zur Übersetzung) 806
ihn heraufbeschworen hat (entsprechend der Stellung Istars als Stadtgöttin, wie auf der
Situation der XII., eventuell auch einer be- VI. Tafel, die Zugehörigkeit des Fragments
sonderen Relation der VIII. Tafel), was er zum Epos unfraglich.
unten gesehen hat: „[ ] hat mich zurück- 3. Eine merkwürdige Parallele bietet die
gebracht, [ ] gleich dem Ipja-Vogel Schilderung der Belagerung Ninerehs bei
, nach dem Hause der Finsternis der Nahum 2, 8.
Wohnung Irkalla's, nach dem Hause, dessen 4. Man beachte die mythologische Eigene
Betreter nicht mehr herauskommt, nach dem tümlichkeit, dafs sich die Götter zu bestimm-
Pfade, dessen Hingang nicht zurückführt, nach tem Zweck in Tiere verwandeln.
dem Hause, dessen Bewohner dem Licht ent- 10 5. Der Anklang des merkwürdigen Wor-
rückt sind, dem Orte, da Staub ihre Nahrung, tes an das hebräische *55~n verleitet, -zu über-
ihre Speise Kot, da sie gekleidet sind wie setzen: ,,sie warfen Belagerungsgeschosse"
Vögel in ein Flügelgewand, und Licht nicht od.'-dgl. Haupt erinnert an die ideographische
schauen, in Finsternis wohnen. [In dem Hause], Zusammensetzung des Wortes, nach welcher
mein Freund, das ich betreten, [da wohnen es „eiserner Ring" bedeuten könnte.
die Träger (?)] gewaltiger (?) Kronen, [da 6. Man beachte den Anklang an die epische
wohnen] Träger von Kronen, die seit Urzeiten Sprache Homers, der auch sonst bemerkbar ist.
das Land beherrschten, welchen Anu und Bei 7. Der Sinn der Redensart ist dunkel, weil
Namen und Gedächtnis bereitet haben, kalte (?) das Verbum abgebrochen ist.
(ekelhafte?) Speisen bereitet man (dort), .... 20 8. IV R 05, Kol. III, 19 erscheint Aruru in
Wasser giefst man aus, [in dem Hause], mein Verbindung mit der geheimnisvollen Tochter
Freund, das ich betreten habe, [wohnen] Priester- des Anu, s. Sp. 813.
herren und Ehrwürdige, [wohnen] Beschwörer 9. Der Geschaffene heifst hier sikru Amin,
und Magier, [da wohnen] die Tempelsalber Z. 35 kisir Ninib (Eigentum Ninibs) und S. 9, 4
der grolsen Götter, da wohnt Elana61), da k'ana Jcisru An'im. Demnach sind sikru und
wohnt Ner, da wohnt die Königin der Unter- Msru synonym, sikru Ninib bedeutet aber im
weit, die Göttin Ninkigal, [da wohnt ], Assyrischen den „Bauersmann" (Ninib der Gott
die Schreiberin der Unterwelt, vor ihr der Bauern wie Ha z. B. der Gott der Schmiede
gebeugt [die Göttin Ninkigal erhob] ihr ist); für kisru Adar wird eine ähnliche Be-
Haupt, ward meiner gewahr '" 30 deutung anzunehmen sein. Das Geschöpf der
Die litterarische, religionsgeschichtliche Aruru hat seiner Erscheinung nach vielleicht
und insbesondere mythologische Bedeutung des Ähnlichkeit mit dem bäurischen Thor der
Izdubar-E~pos dürfte aus dem Dargebotenen Germanen. Dazu stimmt das Folgende. Was
klar hervorgehen. Höchst bedauerlich ist der sikru bez. kisru Anim bedeutet, bleibt dunkel;
fragmentarische Zustand der Tafeln, um so doch ist zu beachten, dafs Anu und Ninib in
bedauerlicher als es feststeht, dafs in den von der babylonischen Mythologie gelegentlich
neuem zugeschütteten Ausgrabungsschächten identisch sind.
von Nineveh die fehlenden Stücke zu finden 10. Uta iktaris derselbe Ausdruck für die-
sind. Die Wiederaufnahme der Ausgrabung selbe Sache Hiob 33, 6. Nach dem Tode
m Ninenh liegt also im internationalen wissen- 40 Habanis klagt Izdubar: er ist „zu Lehm" (fifis)
schaftlichen Interesse. geworden.
11. Die ganze Schöpfungsscene erinnert an
Anmerkungen zur Übersetzung. *) ■ die „Höllenfahrt der Istar", wo ebenfalls zu
1. Gesichert ist die Entdeckung durch die einem bestimmten Zwecke öin Halbgott ge-
Eigentümlichkeit der assyrischen Tafelschrei- schaffen wird (um Istar aus der Unterwelt zu
ber, jede Tafel in der Unterschrift mit deu retten): „Da schuf der Gott Ha in der Weisheit
Anfangsworten der „Serie" zu bezeichnen; die seines Herzens ein männliches Wesen u. s. w."
Anfangsworte der Isdubar-Sevie , die sich auf 12. Eigentlich: „wie der Getreidegcrtt"; zu
den Tafelunterschriften findet, hat Haupt in Nirba (?) s. IV li 16, 27 f. a neben Ha;ll R 3(5,
den Spuren der 1. Zeile des betreffenden Frag- 50 nr. 1, Z. 17 neben Nabu (so zu lesen nach
ments gefunden, s. Beiträge zur Assyriologie I Helitzschs Kollation). In ähnlichem Zusammen-
S. 2. Zum Verständnis der Kolumneneinteilung hange wie hier, erscheint die Gottheit IV R
sei noch bemerkt, dafs jede Epostafel VI Ko- 17, 19b.
lumnen enthält: drei auf der Vorderseite, drei 13. Beachte die poetischen Bezeichnungen:
auf der Rückseite u. zw. Kol. IV hinter Kol. III „gleich dem Getreidegott, gleich dem Feldgott"
befindlich. (vgl. den^ „Löwengott" Delitzsch, Wörterbuch
2. S. Hommel, Geschichte Babyloniens und S. 375.) Ähnlich mögen die Ausdrücke zikru,
Assyriens S. 293. — Z. 26 wird allerdings der kisru sa Auim zu erklären sein.
Gott Sin offenbar als Vater der Istar (?) er- 14. namasse sa me, IV R 63, 52b namasse
wähnt, und es läge nahe, das Fragment dem 60 sa seri; also bedeutet wohl namasse nicht blofs
Mythenkreis zuzuzählen, dem die „Höllenfahrt speziell „Gewürm".
der Istar" angehört. Doch wird durch Er- 15. Allerdings ist sein nächster Zweck die
wähnung von Uruk-Supuri und durch die Dar- Jagd auf Eabanis Revier. Wie steht das mit
der Götterlist in Verbindung?
*J Erweiterte Anmerkungeiiz.Ubeisetztrags. beiAlfred , c t „i ;i,, ...... ,;7., ni~ i\i",-,.™ri^„F-.«~~..a
, '. ... ... , . ,,,,,,, T • ■ 16- liabilu, atnelu, eig. „Mensclienlanger'-,
Jeremtas, Izdubar-±\tinroa, eine altbab. Heldensage. Leipzig, , . . ~. -, .. , ■ -i i , -,
B. G. Tetibner 1891. Die voretehende Übersetomg ent- scheint ein dem weiterhin vorkommenden akrabu.
halt im Vergleich zar Separatausgabe eine groTsere Au- amelu (Skorpionmensch) und dem lulhi-amelll
zahl inzwischen möglich gewordener Verbesserungen. entsprechendes Kompositum ZU sein.
20*
807 Izdubar (Anmerkungen z. Übersetzung) Izclubar (Anmerkungen z. Übersetzttng] 808
17. ina karsisu, eig. „in seinem Bauehe". ■ 32. Hier liegen die Keime des Tammuz-
Für d^n Assyrer ist „der Bauch" oder speziell Kultus, der von Babylonien und Phönizien
kabittu, „die Leber", der Sitz der Gefühle, namentlich auch nach Palästina kam (vgl. Ezech.
wie für den Hebräer „die Xieren" {Stob 19, 27). 8, 14). Er erinnert bekanntlich lebhaft an den
IS. Kol. III, 13 — 27 bei Haupt S. 9 f. zu er- AAww-Kultus der Griechen und an den Balder-
gänzen durch S. 2. Kultus der Germanen. — IV R 27, nr. 1 findet
19. harimtu und uhätu sind nach II B 32. sichfolgendeTotenklagefürTa)«»i«i.TeM»i6thm
nr. 2 Ausdrücke für „Hure"; ersteres wird von "» Tammuz hamer a" Istar bei arali bei subti
Haupt unter Yergleichung von Koh. 6, 26 sehr [sa apsi) reum, binu sa ina musare me la istü,
gut mit hebr. "~ „Xetz" zusammengebracht, io kimmatsu ina seri aita la ibnü, ildakku sa ina
In der VI. Tafel' erscheinen die harimtu und ratisu la irisu, ildakku sa isdanus innashu,
uhatu als Dienerinnen der Göttin Istar, als gu sa ina musare me la istü etc. ,,0 Hirte
Hierodulen. S. Sp.813. und Herr Tammuz, Gemahl der litar, Herr
20. Direkt anschliefsend an S. 10, 27 (er- der Unterwelt, Herr der ^Wasseriwohnung,
gänzt nach S. 2, 6). Beste der ersten 12 Zeilen Hirte, ein Samenkorn bist du, das in der
von Kol. IV auf S. 3 erhalten [S. 3, 13 = Furche kein Wasser trank, dessen kimmatu
S. 10, 39]. (s. Anm. 29) auf dem Felde keine Frucht
21. In den Ergänzungen bei Haupt S. 12, bringt, ein junges Bäumchen, das nicht an
31 ff. ist ein kleines Versehen untergelaufen. einen Bewässerungsgraben gepflanzt ward, ein
Esmufs heifsen: (Z. 21) [-"■- ha-rim-tuni\ inätala 20 junges Bäumchen, dessen "Wurzel ausgerottet
päni'sa (Z. 32) [ki-ma ha-(rim)~\-ti ikabbü isimmä ward, eine Pflanze, die in der Furche kein
uznäsu (Z. 32) [f- harimtum) ana] sasuma izd- Wasser trank." — Auch IV B 30, nr. 2 ist
kara ana H" Eabani. ein Klagegesang an Tammuz, wie Jensen (Kos-
22. S. 13, lff. = 5, 2lff. midanu (II R 6, mologie S. 197, Anm. 3) unabhängig von
6b), Tgl. S. 72, 31 mandinu (neben ailu und Delitzsch, Wörterbuch S. 153 erkannt hat, ge-
turähu), S. 74, 24 dumamu. „der Heuler" (vgl. leitet durch den Namen Am-gal-bur-an-na
hebr. Jes. 23, 2). Von wilden Tieren kommt ^Bev. 42), der auch IV B 15, 64f. b und II R 54,
noch vor barbaru, der die Herden gefährdet. nr. 4, 34 = Tammuz ist und durch den Xamen
der nesu (ur-mah), der die Wüste südlich vom Mutin (Bev. 43), der H B 59, ßev. 10 in Ver-
Euphrat bewohnt (59, 9, s. Haupt, Beiträgt 30 bindung mit Tammuz erscheint. Die Über-
zur Assyr. I, 183); von Raubvögeln die issur setzung ^vgl. meine ass.-bab. Varst. v.Leb. u. d.
tappä (Geier?), die Leichname verzehren (S. 20, Tode S. 77f.) lautet: „ er ging stieg hinab (?)
16a; 27, 41). entgegen der Unterwelt, er hat sich gesättigt,
23. Die Anrede an ein weihliches Wesen der Sonnengott liefs ihn verschwinden (s. Jen-
folgt aus Z. 9: ildni luieribki käsi, die Götter sen, a.a.O. S. 226) zum Lande der Toten, mit
lassen dich eintreten in [ J. Von Z. 1 Wehklage ward er erfüllt an dem Tage, da
— 8 lassen manche Redensarten, wie litür ur- er in grofse Trübsal fiel (imkutuma ina idirtim,
[ha~\ Z. 1; rabüte lir amii[ki] Z. 2 den Zu- vgL V R 4S, Kol. IV, 4, wo beim Monatsnamen
sammenhang ahnen. Tammuz die Bemerkung steht: idirtui», „Trüb-
24. Izdubar oder Eabani redet. 40 Bai"), in dem Monat, der sein Lebensjahr nicht
25. Hier scheint der Traum zu Ende zu zur Vollendung kommen liefs, auf den Pfad,'
sein; „er stärkte mich", sagt die folgende Zeile. da es aus ist mit den Menschen, der die Mensch-
26. Humba ist ein elamitischer Gott (die heit zur Buhe bringt, zum Wehegeschrei der
Bedeutung des Zusatzes ba ist imbekannt, der Toten, er, der Held zum fernen unsichtbaren
häufig in elamitisehen Xamen vorkommt, wie Lande."
bei Humbanigas, einem Gegner Sargons, TU- 33. Vielleicht eine poetische Tiersage. Wel-
humbi, einer Stadt, die Saitherib erobert. eher Vogel schreit kappt'! Xach V R 27, 42 ed
27. 'S. 20, 16b — 26 sind nach den ergän- ist es der Xame für den . Hirten vogel". Xach
zenden Fragmenten S. 21 und 80 vollständig unserer Stelle mufs es ein besonders starker
erhalten. 50 Vertreter seines Geschlechtes sein, s. VR41,
28. Wenn das Fragment vollständig wäre, 25 a.
hätten wir vielleicht eine Aufzählung der Hei- 34. isdahu , vgl. V R 32, 47rT. b; dirratu
denthaten Izdubars und Eabanis. kann hier nicht „Panzer- bedeuten, was man
29. kimmatu, vgl. 14, 4; 56, 26. An der nach dem Arabischen virmuten könnte,
letzteren Stelle btdeutet das Wort „Baum- 35. isullanu, vielleicht als isu u lanu. „Mann
rinde" (vgl. V R 26, 44: kimmat issf), an den von obenher- vzu isu „Mann" s. HR 36, 45 cd),
beiden anderen Stellen „Panzer" oder dgl. „Halbgott" zu- erklären ^es ist der Gärtner des
Die gemeinsame Bedeutung ist „das ringsum Gottes Ann .
schliefsende"; vgl. Joh. Jeremias, Beitr. zur 36. kissuta eine unbestimmte Speise. Ist
Assyr. I, 284. 60 die Übersetzung richtig, so mufs der Test
30. aguha. Haupt erinnert an das ent- Jrissutaki 1 nikul) korrigiert werden in kissu-
sprechende äthiopische Wort für öeguos, ein- taka i nikul ,es ist leider keine Variante vor-
culum; man könnte auch an das talmud. "X- handen). kissuta kakkari kann wegen der
karäbu „kämpfen" denken und ein Schlacht- Worttrennung nicht gelesen werden.
gerät vermuten (so Delitzsch). 37. kätka listesäma mufs ein sexueller Eu-
31. S. 43, 42 f.: „wohin ist dein Gemahl phemismus sein.
(Tammuz), wohin ist dein allal" (s. Z. 48) [ä. h. 38. Kosewort, wie im heutigen russischen
„was ist aus ihnen geworden?") Sprachgebrauche.
809 Izdubar (Anmerkungen z. Übersetzung) Izdubar ("Anmerkungen z. Übersetzung) 810
39. Dafs die „Höllenfahrt der Istar" nicht beim Verderben beteiligt sind, ist unsicher,
zum „Nimrod-Epos" gehört, auch nicht in Möglich ist, dafs nur ihr Schrecken über
dem von Smith, CJialdäische Genesis vermute- Bammäns Vernichtungswerk ausgedrückt wird,
ten Zusammenhang, ist fraglos; gleichwohl Ninib mihri usardi könnte auch heifsen: „Ninib
drängt sich mir angesichts dieser Stelle und gab den Kampf auf".
zahlreicher anderer Anklänge, die vielfach 50. Rätselhafte Stelle; früher übersetzt:
in den Anmerkungen hervorgehoben sind, die „gleich Barken schwammen sie allesamt um-
Überzeugnngauf, dafs der Rhapsode der „Höllen- her". Dafs der Beschauer weder einen „kahlen
fahrt" den Rhapsoden des Nimrod-Epos nahe Acker", noch ein „Waldfeld" sehen oder gar
steht, und dafs die Dichtung direkt im An- 10 von einander unterscheiden konnte (Jensen,
schlufs an die Liebesabenteuer verfafst wurde. a. a. 0.), dürfte aus dem Folgenden zu schliefsen
40. Über die Hskifte Arbeiter (Waffen- sein: nach zwölf Tagen wurde die höchste
schmiede?) giebt eine interessante^ Stelle der Bergspitze als „Land" sichtbar. Der Verfasser
von Dr. Lehmann veröffentlichten Samas-sum- sagt: „wo früher uru war, fand sich jetzt
j<£??i-Inschrift, Auskunft (Kol. I, Z. 23 ff.); gleicherweise usallu". Aber aus dem ange-
vgl. ferner V R 7, 3; 47, 38 vgl. K 2518 deuteten Grunde kann usallu hier nicht (wie
(PSBA X 1887/8 hinter p. 478), Z. 9: <"•'" was- z. B. Sanh. VI, 35, 38) „Steppe" bedeuten.
mas ina ki-kit-ti-e kisti ul iptar. 51. Zu den vier Strafgerichten vgl. Ezech.
41. S. Johannes Jeremias, Beitr. z. Assyriol. 14, 21 ; Jer. 15,3 (s. Delitzsch, Paradies S. 146);
I S. 285f. 20 zur Löwenplage besonders vgl. 2. Kün. 17, 25;
42. So lesen wir mit Jensen, Kosmologie Ezech. 14, 15.
S. 384 f. und Delitzsch, Wörterbuch S. 384, 52. Nach dem Gegensatz zu schliefsen
Anm. 4: „der Gerettete". Dafs er der „Ahn" wohl nicht Beiname des Sit-napislim, sondern
des Izdubar ist, folgt aus Tafel IX, Kol. III. "Name eines Götterboten, dessen Gespräch mit
43. Das „Wahrzeichen der Götter" kommt Ea das kleine Fragment Delitzsch, Lesest.
auch Taf. X, Kol. I vor. Die Stelle ist wichtig S. 101 zu erzählen scheint.
für die Vorstellung vom Aussehen des Helden 53. Eine lehrreiche Stelle für diese Reini-
Izdubar. gung der biblischen Erzählung vom rnytholo-
44. S. Haupt, Beiträge zur Assyriologie gischen Beiwerk ist Gen. 8, 21, wo in den
S. 127, dessen Deutung ich trotz Jensen, a.a.O. 30 Worten: „Gott roch den lieblichen Geruch"
S. 391 ff. beibehalte, da Jensens Auffassung gewissermafsen ein Rest der mythologischen
der Situation (Ea erzählt einem Rohrzaun und Schale zurückgeblieben ist; vgl. Sintfl. 151 f.:
einer Wand das Geheimnis) unmöglich er- „Die Götter rochen den guten Duft und sehar-
scheint. — Das Ganze ist nach dem Folgen- ten sich wie Fliegen um den Opfernden."
den eine Traum-Offenbarung. 54. Eig. „verwandle" ihn; das Verbuni
45. Die Stelle ist viel umstritten, da der lapätu enthielt nach Z 20f. 210. 218 die ent-
Anfang der Zeilen leider abgebrochen ist. scheidende Zauberhandlung, die mit dem Essen
Vgl. Haupt, a a. 0. S. 124ff. wie Jensen. a.a.O. des Zauberkrautes in Verbindung steht. Das
S. 396fF. ; rupsu „Breite" steht fest nach Nim- Verbum kommt jedoch auch in der Bedeutung
rod-Epos 53, 54. I R 7 F 18. V R 28, 47 ff. b. 40 „wecken" (hier aus dem Zauberschlafe?) vor.
46. Die Ergänzung der Zeilen 39 nach Z. 83 55. Das Weib des Sit-napistim vollzieht
ist nicht sicher. Dafs das Ganze eine von Ea den Zauber. Auch sonst sind bei Beschwö-
angeratene Lüge enthält (Jensen), bezweifle rungen Zauberinnen thätig; vgl. IV R 3,
ich, es scheint vielmehr eine Warnung zu ent- Kol. II, 4f.; 56, 19f.
halten: die Leute von Surippak, die unbesorgt 56. Nach Haupt steht XXX im Text (Beitr.
das Verderben nicht ahnten, sollen sich durch S. 144), vgl. jedoch Z. 278.
Bels scheinbare Segensfülle nicht täuschen 57. Man beachte den in der ganzen seini-
lassen. Zu mu'ir kukkis vgl. Jensen a. a. 0. tischen und indogermanischen Mythologie wie-
47. d. h. „der da geborgen ist in dem derkehrenden Gedanken: hat der Held die
grofsen Hort" (d. i. Bei iadü rabü, vgl. IV R 50 Wunder|. flanze, den Zauberstein, den Himmel-
18, 14b, 23, 29a). Mit Arad-Ea, dem Schiffer Schlüssel etc. gefunden, so wird ihm sein Glück
der Totengewässer, ist dieser Steuermann nicht durch einen tückischen Zufall von neuem ent-
ohne weiteres zusammenzubringen. Jensen, rissen. Es ist schade, dafs der Name des
a. a. O.S. 420 übersieht, dafs die Erzählung von mythologischen Wesens abgebrochen ist; im
Arad-Ea mit der Sintflut nichts zu thun hat. folgenden wird er „Erdlöwe" (oder „Eidgeist"?)
Oder darf daran erinnert werden, dafs bei genannt.
Berossos der Steuermann des ,.Noah" mit zu 58. Gemahlin des Nergal, Herrin der Arznei-
den Göttern versetzt worden ist? kunst (a-zu) und Unterweltsgöttin.
48. targulla, vgl. III R 68, 6 ff. ef und II R 59. tambukku und mikkü sind Insekten
57, 56f. cd (wo Adar „der targulli Himmels uo (V R 26, lOff. ab; s. Haupt, Beitr. z. Assyr.
und der Erde" heifst). I S. 74). Hier scheinen die Worte übertragen
49. Die Anunnaki erscheinen gewöhnlich zu sein und das Leid Izdubars um seinen
als die bösen Geister. — Nach Z. 162 dürften Freund auszudrücken. Krank kann er kaum
sie den Igigi gegenübergestellt sein. Nicht sein nach dem Schlufs der XI. Tafel.
alle Götter sind bei der Sintflut beteiligt (gegen 60. Zur Litteratur über diese Stelle siehe
Jensen, a.a.O. S. 430). Der Hauptvertreter der Delitzsch, Wörterbuch 384, Anm. 23. su-ku-
vernichtenden Mächte ist Bamman. Ob die la-at dikäri ist aber, wie Zimmern treffend be-
übrigen Götter (Nabu, Marduk, Vragal, Ninib) merkt, gewifs parallel zu kusipat akdli und
811
Izdubar (Istar im Epos)
Izdubar (Istai im Epos)
812
bedeutet das im Trfnkgefäfs übrig Gebliebene
im Gegensatz zu den Speiseresten.
61. Etana ist ein anderer Nationalheld der
Babylonier. In der Bibliothek Asurbanipals
ist ein Epos, das ihn zum Helden hat, aufbe-
wahrt worden; der Epenkatalog (Haupt, Nimr.-
Ep. II S. 92. 94] nennt es neben dem Izdubar-
Epos. Ein kleines Fragment K 85C3, von Haupt
kopiert, enthält die Spuren eines Gesprächs
erscheinungen ermutigt und im Frieden zum
Wagnis der Jagd ladet als Göttin des Bogen?,
Pfeils und Köchers (s. die Abbildung; ein be-
sonders interessantes Bild der bewaffneten
Istar, die auf einem Throne sitzt, auf einen
Panther tretend und Opfergaben empfangend
s. bei Munter, Religion der Babylonier Taf. I,
Fig. 5). Diese Doppelgestalt entspricht dem
Venusstern, der als Abendstern die Nacht
zwischen Etana und einem weiblichen Wesen. 10 heraufführt und als Morgenstern "den Tag ver-
Einem Schüler des Herrn Prof. Dr. Friedrich
Delitzsch, Herrn E. T. Harper ist es gelungen,
in den unveiöffentlichten Schätzen des Briti-
schen Museums vor kurzem grofse Fragmente
der .EVcfHa-Legenden aufzufinden, die zunächst
in der Academy veröffentlicht worden sind.
Die Geschichte erinnert entfernt an die Sage
vom babylonischen Gilgamos, der nach Aelian,
hist. anim. XII, 21 als heimlich geborenes
Kind der Prinzessin von einem Turme hinab-
gestürzt, von einem Adler aufgefangen und
gerettet wird. In den .E^mm-Legenden trägt
ein Adler den Helden zur Sonne empor. Der
Sonnengott erscheint als Schutzgottheit, wie
im Izdubar-Hpos. Wenn Etana nicht Nimr.
17 — 19 als alter Volksheld genannt würde,
könnte man denken, es liege die Jugendge-
schichte Izduhars vor. Näheres s. in dem Art.
Etana im Nachtrag.
Zusätze.
I. Istar-Astarte im Izdnbar-Epos.
Es sei verstattet, an dieser Stelle, über
den Rahmen des Epos hinausgreifend, einige
ergänzende Bemerkungen zu dem babyl.-assyr.
Teile des ausgezeichneten Astarte Artikels (Ed.
Meyer) Bd. I.Sp. 645 ff. hinzuzufügen. Wie
Äff
mm
ü
üBasaft
Istar als Gottin der Jagd mit Bogen und Pfeilen auf einem
Tiger stehend (British Museum, Menant, Cylhtdre de l'Assyris
Paris 18S6 pl. VHI, nr. 1).
Ed. Meyer treffend bemerkt, hat die Göttin
Istar einen doppelten Charakter: sie ist einer-
seits Repräsentantin der üppigen, sinnlichen
Liebe, tiefer gefafst Göttin der Fruchtbar-
keit und als solche hyperbolisch Mutter des
Götter- und Menschengeschlechts und „Göttin" co mein Antlitz.'
schlechtbin, andererseits als „stärkste (karidtu)
unter den Göttinnen" die Göttin, „ohne deren
Willen niemand in Ruhe und Wohlbehageu
dahinlebt" (IV R 4, 13 ff. b), „Göttin des Kampfes,
Herrin der Schlacht, Entscheiderin der grofsen
Götter" (Asurb. Smith 121,35), eine orientalische
Walküvengestalt, die zum Kampf auffordert, dem
Könige voranzieht, die Soldaten durch Traum -
kündigt, mit seiner Arbeit und seinen Kämpfen.
Deshalb wird dieser Stern der Göttin als
Emblem beigegeben, oder gar mit ihr identi-
fiziert (schon in alter Zeit, wie der siderische
Hintergrund der „Höllenfahrt der Istar11 be-
weist).*) Im Izdubar-~Epos ist Istar als Stadt-
göttin von Erech Göttin des Kriegesund Venus
foecunda zugleich, ohne dafs ein sideriscber
Vorgang zu Grunde liegend gedacht ist. Wie
o aber hier die letztere Eigenschaft vorwiegt,
so mag überhaupt im babylonischen Reiche
der sinnliche Kultus der Istar vorgeherrscht
haben. Hingegen tritt in den Inschriften der
kriegerischen assyrischen Könige Istar ledig-
lich als Kriegsgöttin auf mit starker Hervor-
hebung ihres siderischen Charakters. Freilich
mag hinter den geheimnisvollen Andeutungen
verschiedener /.sforr-Kulte auch die andere
Seite verborgen sein,
o Als „Mutter der Menschen" erscheint die
Göttin Istar im Pantheon der Sintflutgeschiehte;
zugleich als „Herrin der Götter", deren Rede
mächtig ist in der Versammlung der Götter.
Dieser Anschauung entspricht ein herrlicher
babylonischer Psalm, der uns einen tiefen
Blick in die edelsten Gedankenkreise des baby-
lonischen Volkes thun läfst. Der Rest der
zerbrochenen Tafel (Texte bei Haupt, Keil-
schrifttexte S. 116 f.): „0 Istar [. . . .], du
Gebärerin der Götter, die zum Vollzuge führt
die Befehle Bels, die du das Gras aufspriefsen
lassest, Herrin der Menschheit, Schöpferin aller
Dinge, Erhalterin (eig. Rechtleiterin) aller
Kreatur, o Mutter Istar, deren Macht kein
Gott nahe kommt, grofse Herrin, deren Gebot
mächtig ist, ein Gebet will ich sprechen ■ —
was ihr gut scheint, möge sie mir thun! — :
r0 meine Herrin, seit den Tagen meiner
Kindheit bin ich gar sehr an das Böse ge-
fesselt (wörtl. angezäumt), ich habe keine
[Speise] gegessen, Weinen ist meine Speise,
[ich habe keinen Trank getrunken], Thränen
sind mein Trank, [mein Herz wird nicht
mehr fröhlich], mein Gemüt nicht mehr
heiter [ ], unter Schmerzen klage
ich, [meiner Sünden (?) sind viel], voll von
Leid ist mein Herz; meine Herrin, erfahre
doch, was ich gethän habe, schaffe mir
Ruhe , bedecke (?) meine Sünde, richte
- **)
;.-C'-i
auf
*) Es ist nicht zu leugnen, dafs gerade in der Ver-
mischung der Astronomie und Theologie für das Ver-
ständnis des babylonischen Pantheons zur Zeit unüber-
steigliche Schwierigkeiten liegen. Auf eine „trübe l-'e-
sehaffenheit1, der babylonischen Religion daraus Schlüsse
zu ziehen, möchte ich nicht w;igen.
**) ^Merkwürdig ist, dafs an solche tief religiöse, an
alttestamentlicheBufspsalmen anklingende Gebete häufig,
813 Izdubar (Istar im Epos) Izdubar (Istar im Epos) 814
Aus der II. und VI. Tafel 'des Epos geht Bestimmung des „bürgerlichen Gesetzbuches"
weiter klar hervor, dafs in Erech der Istar der Babylonier — II R 10; vgl. V R 25) erwähnt
als der Venus foecunda zu Ehren Hierodulen- den Fall, dafs „jemand eine hadistu auf der
kultus getrieben wurde. Die Priesterinnen Gasse aufliest und in seiner Liebe sie hei-
heifsen Teizireti („die Verderblichen", vgl. hebr. ratet, obwohl sie eine hadistu ist (ga-dil-du-
alczär Deut. 32, 33) oder harimäti („die Be- us-su)".
strickenden") oder uhäti (wohl mit ahu „Netz" Als Tochter des Anu erscheint auch sonst
zusammenhängend; auf der II. Tafel im Sin- die Göttin in ihrer Eigenschaft als Göttin
gular als Eigenname gebraucht), und werden der Liebe (so in der Höllenfahrt der Istar),
als Gefährtinnen der Göttin gedacht. Ein 10 während sie an allen den Stellen, an welchen
Fragment K 261!)*) nennt Erech, „die Woh- ihr sideraler Charakter hervortritt, als Tochter
nung Anu und Istars, die Stadt der kizreti, des Mondgottes Sin, oder in rein astrologi-
harimdti [und uhätu], deren Händen Istar sehen Beschwörungen als Tochter des BeT,
den Mann übergeben und zugezählt hat.**) angerufen wird; z. B. in dem oben mitge-
Den Hauptfesttag scheint der Festtag des teilten zur Beschwörung benutzten Bufsgebet.
Tammuz zu bilden, an dem auch Totenbe- Es soll zunächst an einem Beispiel gezeigt
schwörungen mit Hilfe der Göttin vorgenommen werden, wie in den religiösen Urkunden
wurden, _s. den Schlufs der Höllenfahrt der Astrologie und Theologie vermengt worden
litar. Über die kulturhistorischen Fragen, ist. IV R 5 wird erzählt von den 7 Boten
die hiermit zusammenhängen, läfst sich erst 20 des Ann (Repräsentanten elementarer Ge-
dann endgültig urteilen, wenn die geheiinnis- walten, wie Südwind, "Wolken, Sturmwind,
vollen Beschwörungen an die „fleischfressende Glutwind u. s. w.) , „die zur Rechten des
und bluttrinkende Tochter des Anu" , die im Sturmgottes Bamman einherziehen und ihrem
im IV. Bande des Inschriftenwerkes sich finden, Meister viel Not machen: 'Im weiten Himmel,
gelöst sind. Dafs die märata" Anim***) mit dem der Wohnung des Königs Ann treten sie böse
Hierodulen- Kultus in Verbindung steht, zeigt auf und sind ohne Kivalen. Da vernahm Bei
IVR65, col. III, 37 ff. (hadistu mdrat "" Anim) diese Kunde und ersann ein Geheifs in seinem
und II R 17, 11 ff. ab (Haupt, Keilschrifttexte Herzen. Mit Ea, dem erhabenen v Ent-
S. 82f.). Offenbar ist der Hierodulen- Kultus scheider der Götter, hielt er Rat: Sin, Samas
nur ein religiöser Deckmantel für die sittliche 30 und Istar bestimmte er zur Herrschaft über
Verwilderung der babylonischen Städte. Jede den Damm des Himmels, mit Ann belehnte
Buhlerin heilst hadiitu („die Geweihte"), seil, der er sie, mit Herrschaft über den ganzen Himmel.
Göttin Istar, die gewissermaßen als Göttin der Diesen drei Göttern, seinen Kindern, befahl
Preisgabe selbst hadistu genannt wird. (Eine er ohne Unterlafs dazustehen. Da jagten die
7 bösen Götter auf dem Damm des Himmels
wie hier, Beschwörungsformeln geknüpft sind. Zur Text- umher, vor Aannafi-Sin (den Mondgott)
erklärung s. Zimmern, Babylonische Bufapmimen s. 33 ff. gingen sie zornig. Der erhabene Samas und
Vgl. auch den Beschwörungshymnus an litar, den Bamman, der Held, traten auf ihre Seite
Brünnow, Zeitsc/u: für Assijrioiogie IT, Heft Et veröffent- über. Istar schlug ihre glänzende Wohnung
licht und kommentiert hat. 40 bei .Anu> dem König, auf, und sann" über die
*) Bas Fragment erzählt, wie der Gott Imm im Herrschaft des Himmels" .... Nachdem sie
Auftrage der Dibara verschielene Städte verwüstet. Un- ■. ■»,.■ -i ,, m j "\t„„i +. u 1 ■• i. i
• ,,° . ... „. ,, . . c. ,, ,. den Alonagott lag" und JNacut bedrängt und
mittelbar vor der oitiorten Stelle ist von einer btadt die .. - . ,° ... ° . . o.
Eede, deren Mauern wider den Willendes Sonnengottes schliefsllrfl entthront haben, Sinnen SievOn
zerstört wurden (also nicht Erech). neuem Böses und kommen gleich einem
**) In den folgenden, zum Teil dunklen Zeilen werden Sturmwind vom Himmel auf die Erde herab.
Priester des Hierodulen -Kultes in E-anua versammelt: Bei sieht die Bedrängnis seines Sohnes und
umd KUR-GAR-ra und a,,iei i-sin-[nu] so. ana Supiuh sendet Nushu , den Boten, in die Wassertiefe
nisi litar likrusunu utSru ana [ ] (machte sie zu zu Ea, dem Gott der Weisheit, der auf Hilfe
Eunuchen!), ferner nai patri nai naglabi (Werkzeuge zur sinnt. — In einer AsuibanilXll- (nicht Asur-
K^strierung, s Haupt, Beitr. z. Assyr. I, 8 u. 175) Der ^ Mfls!>/,n?/) Ingchrift HR66 wird Istar, die
ganze ratselhalte Passus schlierst: Istar igugma, Istar . ,- i , ' __. , ..... . , ,.' ^,...
erzürnte! sidensche Himmelsgottin, gepriesen als die Oot-
«*) Von den hierher gehörigen Stellen IT E/C3, col. III; tia. "die Gebete erhört, die annimmt das
05, col. II, 32 ff. col. in, 13 ff. (in Verbindung mit Aruru), 29 ff. Seutzen, die entgegennimmt das liehen, das
(kadiitu mural n« Anim) sei nur die erstere hier wieder- vollkommene Licht (Himmels und der Erde),
gegeben (z. io ff. b): istanatti tiami nisbüti ia ameluti ieru das riesige, das Himmel und Erde er-
ia la akali nerpadu Sa la, karäsi taltamdi (= taitaddi f) . 1 eu chtet, deren Name in aller Lande Gegenden
marat üu Anim akal dimmäti u bikiti taltanattl darni niibuti crenannt wird die Leben verleiht die °"uaden-
ia amkuti ieru ia la akali nhpadu 'ia la karäsi liiäddiki Uu ^^ G,mi ' zu der es ut iat zu' beteS". Eiu
iadaki rukbi uddiniti maimaia aüpu «u Marduk .../... liturgischer Hymnus in Asurbampals BlbllO-
ana pän namaiie ia seri päniki i„kni (sioi) ia paiiiti iamni «0 tbek, der trotz der „sumerischen Zeilen assy-
mih_ri; „sie trinken 'sättigendes Menschenblut" (vgl. die rischen Ursprungs sein mag, besingt litar
„fleischfressenden und blutsaufenden" bösen Geister IV ■ folgendermafsen (Text bei Delitzsch, Assyrische
E 2), Heisch, das nicht zu essen ist, Knochen, die nicht Lesestiichc S. 134 ff., Vgl. Haler y , BevUC des
zu nagen sind; Anus Tochter mag hinwerfen die Speise EtudeS juives IS 1884 2, S. 173 ff.):
des Heulens und Weinens! — Du trinkst sättigendes
Meusckenblut, Fleisch, das nicht zu essen ist, Knochen, (Der Priester:)
die nicht zu nagen sind es möge dir's (der Istar?) hin- . , . „
werfen Anu, dato Vater, es möge dir'» hinwerfen Antum, Llcht des Himmels, das wie Feuer auf
deine Mutter" u. s. w. Erden entflammt, bist du,
815 Izdubar (Istar im Epos) Izdubar (Istar im Epos> 816
Istar, wenn du auf Erden auftrittst (d. h. (Der Sänger, der den Hymnus zum Zwecke
erscheinst), einer Beschwörung — in Wechselchören? —
die du gleich der Erde kostbar (?) bist, recitieren liefs , wendet sich nun zu der er-
dann grüfsen dich segnend die Pfade der zürnten Göttin mit den Worten: „Dein Herz
Gerechtigkeit. *) möge sich beruhigen, dein Gemüt besänftigen;
Wenn du eintrittst in das Haus der der Herr, der grofse Gott Ann, möge dein
Menschen, Herz beruhigen, der Herr, der gewaltige Berg,
gleichst du dem Tiger, der zum Raube der Gott Bei, möge dein Herz besänftigen,
eines Zickleins bereit steht, Istar, Herrin des Himmels, dein Herz möge
dem Löwen, der auf den Gefilden (?) ein- 10 sich beruhigen.")
herschreitet**); Einem Mythenkreis von litar, dem Venus -
o Licht, o Magd, Zierde**) des Himmels, stern, scheint auch die Beschwörungslegende
Magd Istar, Zierde des Himmels, von der „Höllenfahrt der Istar11 anzugehören.*)
die du in eine glänzende Wohnung gesetzt Die Tochter des Montlgottes steigt hinab in
bist, Zierde des Himmels, die Unterwelt jenseits des Ozeans. Sobald
Schwester des Sonnengottes, Zierde der Pförtner der Unterweltsgöttin die Nach-
des Himmels. rieht von Istars Ankunft bringt, erschrickt
(Istar:) sie gewaltig; sie sieht alles Unglück voraus,
Zur Vollstreckung der Befehle trete ich das Istars Abwesenheit von der Erde kervor-
auf, kraftvoll trete ich auf, 20 rufen wird. „Gleich der Überschwemmung
Für meinen Vater Nannar (Sin), znrVoll- der Hochflut, gleich rauschenden;?) Wassern
Streckung der Befehle trete ich auf, einer gewaltigen Flut will ich weinen über
kraftvoll trete ich auf, die Männer, die ihre Frauen verliefsen, will
Für meinen Bruder Samas , zur Voll- weinen über die Frauen, die von der Seite ihres
Streckung der Befehle trete ich auf, Gemahls [genommen sind]. Die Liebe hört auf
kraftvoll trete ich auf, Erden mit Istar's Verschwinden auf, alles ehe-
mein Vater Sin hat mich eingesetzt, zur liehe und soziale Leben ist in Frage gestellt.
Vollstreckung der Befehle trete ich auf, Der Mann verläfst die Gattin, die Sklavin den
am glänzenden Himmel zur Vollstreckung Herrn , die Mutter vergifst ihrer Kindes-
der Befehle trete ich auf, kraftvoll so pflichten, und in der Tierwelt hört alle Zeu-
trete ich auf. gung auf (Vorderseite Z. 76 — 80). Mit einem
Unter Jauchzen ob meiner Glorie , unter Trauergewande bekleidet kommt der Götter-
Jauchzen ob meiner Glorie, böte zu Istar's Bruder, dem Sonnengott, und
unter Jauchzen gehe ich, Tstar, erhobenen meldet das Unglück. Der Sonnengott fragt
Hauptes einher. seinen Vater, den Mondgott; dieser wendet
Istar, die Göttin des Abends bin ich, sich an Ea, der „in der Weisheit seines
Istar, die Göttin des Morgens bin ich — Herzens ein Wesen schuf", den Uddu'su-ndmir
Tstar , welche öffnet das Schlofs des gläu- (d. h. „sein Licht leuchtet"). Der Götterdiener
zenden Himmels, (das ist) meine Glorie! steigt hinab in die Unterwelt, bethört die
die den Himmel niedertritt und die Erde 40 Todesgöttin und „nachdem ihr Herz beruhigt
erschüttert — (das ist) meine Glorie! — war und heiter geworden ihr Gemüt", be-
den Himmel niedertretend, die Erde er- schwor er sie „mit dem Namen der grofsen
schütternd — (das ist) meine Glorie! — Götter" und zwang die ohnmächtig wütende,
den „ewigen Palast" zu öffnen, in dem die
(Der Priester:) Erdgeister das Wasser des Lebens bewachen.
Wenn sie am Damm des Himmels auf- Mit dem Wunderwasser besprengt, ward Istar
leuchtet, wird ihr Name gepriesen erlöst aus dem „Lande ohne Heimkehr". —
unter den Leuten — „(das ist) meine Wiederholt wurden oben dichterische An-
Glorie " ! klänge dieser grofsartigen Dichtung an das Epos
Als Königin des Himmels oben und unten 50 von Izdubar aufgezeigt, und man ist unwillkür-
soll sie verkündigen: — „meine Glorie". lieh versucht, Izdubar in seiner sideralen Gestalt
in diesem Mythus (der Venusstem versekwin-
(Istar:) <-)et jeuseits des Ozeans, der Götterbote klagt
Die Berge einzig überwältige ich — „(das es dem Sonnengott und dieser dem Mondgott;
ist) -meine Glorie!" JEa aber erzeugt den Uddu'su-ndmir, d. h. „sein
Ich bin der Berge gewaltige Burg, ich bin • Licht leuchtet") zu suchen. Sollte etwa der
ihr gewaltiger Verschlufs: „(das ist) Uddu'su-ndmir , dessen Name neckisch die
meine Glorie!" Umkehrung von Namir-uddu = Nimrod dar-
stellt, identisch sein mit Izdubar, dem Sonnen-
*) D. h. die auf rechten Pfaden dahergehen, vgl. die- 60 keros?? Dann würde der Held Izdubar und
selbe Wendung im Sonneuhyninus iv E, 17, iia. Man der Sonnengott Izdubar zwei verschiedenen
wird unwillkürlich an die 1. Sure des Koran erinnert. von einander abhängigen Mythenkreisen an-
**) Das Bild ist nicht ganz klar. Sind die leuchten- gehören, von denen der eine das Izdubar-
den Augen daB t-rtium comparationis':' Es scheint das
Ganze den Gegensatz zum Vorhergehenden zu bilden.
Es fürchten sicli vor Istar, die im Verborgenen Böses *) Neu bearbeitet vom Verfasser dieses Artikels in der
thun. Zu beachten ist, dafs der Tiger Symbol der Istar citierten Schrift über „Die babyl.-assyr. Vorstellungen
ist, s. Abb. Sp. 811. Zu ina kirbiti vgl. IV K 23, llf.a. com Leben nach dem Tode", Leipzig, Hinrichs 1887,
Jensen.) Kosmol. -43S; oder heilst es „im Innern"? S. 4 — -15.
817 Izdubar (u. ä. Zeichen d. Tierkreises)
Epos, der andere astrologische Dichtungen, wie
„die Höllenfahrt der Istar" erzeugt hat.
Als Göttin des Krieges und der Jagd wurde
Istar, wie gesagt, besonders in Assyrien ver-
ehrt. Tiglathpileser vollendete ihren Praeht-
tempel in [Assur. In den Inschriften der As-
syrerkönige heilst sie belit tcihäzi, „Herrin der
Schlacht". Ihre Hilfe spielt in den Jagd-
irschriften Asurbanipals (I R 7) eine grofse
Rolle. So heifst es nach einer Löwenjagd: 10
,,den gewaltigen Bogen der Iltar von Arbela
stellte ich auf sie , eine Opferspende brachte
ich auf ihnen dar, indem ich Wein über sie
ausgofs." Interessant ist ihr Auftreten in den
,, Orakelsprüchen an Asarhaddon" (IV R 68),
wo sie unter den „60 grofsen Göttern", die
dem Könige zur Seite stehen , ihm langes
Leben und Glück zur Regierung gehen, mit
obenan steht. So spricht sie zu Asarhaddon:
„Fürchte dich nicht, willst du gleich ver- 20
zagen? Ich komme und lasse mich nieder,
wenn man ruft: wehe!" und an anderer
Stelle: „Asarhaddon, treuer Sohn, mit eigener
Hand werde ich deirie Feinde vernichten."
Tstar von Arbela, die „Königin in den hei-
ligen Gemächern" (vgl. A^urbanipcd , col. X,
61 f ; über das Verhältnis zur Istar von Nineveh,
der „Königin von Kidmuru", Lt zur Zeit
nichts zu sagen) erscheint bei Asvrbanipal als
Schutzgeist des Heeres. Als die Truppen vor 30
einem schwierigen Flufsübergang standen,
„erschien Istar (col. V, 97ff.1 gegen Ende der
Nacht meinen Soldaten im Traum und sagte
zu ihnen: 'ich schreite einher vor Asurbanipal,
dem König, den meine Hände erschaffen
haben!' Auf diesen Traum vertrauten meine
Truppen und überschritten den Flufs wohl-
behalten." Es liegt an sich nahe, dafs auch
hier an die Göttin der Venus, und zwar des
Morgensterns zu denken ist. Dafs der side- dO
rische Charakter mit Asurbanipals Istar ver-
bunden ist, beweist aufser dem oben citierten
Gebet Asurbanipals an Istar die Stelle col. IX,
7 9 ff. in den Annalen, wo sie geschildert wird
als Göttin ..im Flammenkleid, Glanz tragend",
die Verderben regnen läfst auf das Feindes-
land. Col. IX, 5 ff. (ib.) erscheint übrigens der
Sirius, „der Bogenstern", als Emblem der
Göttin, der VR 46, 23 ab geradezu „die Istar
von Babel" genannt wird. Der Kronschmuck 50
auf dem Bilde der bewaffneten Fstar (Sp. 811)
stellt also die Venus oder den Sirius dar.
II. Das Izdubar -Epos und die Zeichen des
Tierkreises.
Unmittelbar mit dem Bekanntwerden des
Izdubar -Tipos wurde vermutet, dafs die Zwölf-
tafeldichtung einen Sonnenmythus darstelle,
und dafs die Zeichen des Tierkreises dem
Epos entnommen' seien. *) ■ Zuerst wurde das 60
behauptet von Henry Eawlinson; andere Ge-
lehrte, wie Lenormant , Sayce (s. besonders
Lenormant, Les origmes de Vhistoire S. 238 ff.)
*) Ist eine Verbindung vorhanden, so sind die Be-
ziehungendes Epos auf die Tierkreisbilder wahrscheinlich
sekundärer Natur. Dies ist nach dem folgenden des
"Verfassers Meinung im Gegensatz zu den oben ange-
führten englischen Hypothesen.
Izdubar (u. d. Zeichen d. Tierkreises) 818
stimmten zu. Man könnte noch weiter gehen
und Izdubar -Kimrod verbindend sagen, der
Held des Epos sei im letzten Grunde der
Sonnengott, der als „grofser Jäger" von den
zwölf Stationen der Sonnenbahn seine Pfeile,
die Sonnenstrahlen, auf die Erde sendet! —
In Wirklichkeit kann eine Verbindung des
Epos mit den zwölf Zeichen des Tierkreises
nur mit aller Reserve behauptet werden. Dafs
die Einteilung des scheinbaren Weges, den
die Sonne im Laufe des Jahres zurücklegt,
auf die Babylonier zurückgeht, hat Jensen,
Kosmoloaie S. 310ff. jüngst überzeugend nach-
gewiesen (s. auch Jensen, Ursprung und Ge-
schichte des Tierkreises, in der Deutschen Revue,
Juni 1890). Die Astronomen bezeichneten den
»o«**^
mm
wmmm
Skorpion und Skorpionmensch (aus einer Steininschriit
von Nebukadnezar I, s. V. B. 57).
Ort, an dem die Sonne zur bestimmten Jahres-
zeit steht, mit einem Symbol. Da die Bilder
tanrus, leo, scorpio, amphora den vier Haupt-
jahreszeiten entsprechen, mufs — so schliefst
Jensen — der Tierkreis in der Zeit entstanden
sein, in welcher die Sonne bei Frühlings-
anfang im Zeichen des Stieres stand, also vor
2500 v. Chr. (heutzutage' im Bild der Fische,
vor 2000 Jahren im Bilde des Widders). Der
Stier ist das Bild des Gottes Merodach, der
am Schöpfungsmorgen die Finsternis über-
wand und seitdem die Frühsonne und Früh-
lingssonne repräsentiert, der Löwe ist das
Bild der verzehrenden Sonnenglut im Sommer,
der Skorpion, der Steinbock, vielleicht auch
der arcitenens (s. die Abbildung; der darunter
819 Izdubar (u. d. Zeichen d. Tierkreises)
stehende Skorpion zeigt, dafs der Bogen des
arcitenens von den Fangarmen des Tieres her-
genommen ist), und die Fische entsprechen
den Helfershelfern der Schlange (?) lihamat,
welche Finsternis und Wasser, die Schrecken
des Herbstes und Winters, repräsentiert, wäh-
rend der Wasserkrug die Hegenzeit des Winters
selbst treffend symbolisiert. — Neben diesen
Beziehungen der meisten Tierkreisbilder auf
kosmische Vorgänge läfst sich jedoch ein Zu- 10
sammenhang gewisser Bilder mit dem Inhalt
der 12 epischen Gesänge nicht leugnen. Die
vielleicht sekundären Beziehungen, die beim
Epos vom Sonnenhelden nahe lagen, müfsten
entstanden sein in der Zeit, in der die Früh-
lingssonne vom Bilde des taurus in das Bild
des aries zu rücken begann (also um 2000 v.Chr.).
Das würde dem Inhalt einiger Gesänge gut
entsprechen. Im ersten Gesänge beginnt die
Heldenlaufbahn Izdubars , der nach den 20
Worten des Stuhl „wie ein Bergstier" über
die Helden hervorragt. Das gewöhnliche Bild
für Königsherrschaft wird bei den Assyrern
vom Widder und Leithammel entnommen:
lülimu = samt, die babylonischen Könige
heifsen bei Jesaias die „Leithammel" ("*"""")
der Völker, vgl. Sach. 10, 3. — Das zweite
Bild, taurus, würde der II. Tafel des Epos
entsprechen, in deren Mittelpunkt Eabani
steht, der als Stiermen=cb dargestellt (s. die 30
Abb. Sp. 791) und ideographisch als „aufrecht
stehender Stier" bezeichnet wird. Das dritte
Bild, gemini, entspricht dem Inhalt der
III. Tafel, in welcher Eibani und Izdubar,
nachdem sie miteinander gekämpft haben,
enge Freundschaft scbliefsen. Dafs die virgo
des 6. Monats etwas mit Istar zu thun hat,
beweist das unten angeführte Monatsideo-
gramm. Die VI Tafel des Epos aber erzählt
die Liebesabenteuer der Göttin Istar, Wenn 40
der arcitenens (9. Monat) als Skorpionmensch
gedacht werden darf (Abb. auf Sp. 818), so
wäre eine Verbindung mit der IX. Tafel, deren
Haupte: eignis die Begegnung mit dem Skorpion-
menseben bildet, naheliegend. Wenn endlich
die amphora (11. Monat) Symbol der Regenzeit
ist, so stimmt auch das zum Inhalt des Epos:
die XL Tafel erzählt bekanntlich den Flutsturm.
Im Anschlufs daran sei bemerkt, dafs auch
einige Monatschreibweisen dem Epos ent- 50
nommen sind. Der 2. Monat hat das Ideo-
gramm des Eabani, des „aufrecht stehenden
Stieres", entsprechend dem Inhalt der IL Tafel.
Der 6. Monat hat als Ideogramm: „Sendung
der Göttin lhtaru, entsprechend der Racbe-
sendung des Himmelsstieres auf der VI. Tafel.
Endlich steht fest, dafs ein Ideogramm des
11. Monats: „Fluch des Regens" dem Inhalt
des XL, der Sintfluttafel, entspricht, wie Le-
normant zuerst erkannt hat (s. Delitzsch, eo
Paradies S. 146). Die meisten der übrigen
Monatsideogramme , von denen leider viele
verstümmelt sind , beziehen sich auf die
Jahreszeiten, Erntearbeit u. s. w. *)
*) Wenn Lriioj-mant a.a.O. S 143 ff. sagt, das Ideogramm
des 3. Monats urah libitti (..Monat des Ziegelstreichens")
weise auf den Bau einer Stadt, das entsprechende Zeichen
des Tierkreises (Zwillinge) auf eine babylonische Er-
Izdubar (Istar und Semiramis') 820
Von einer kosmischen Bedeutung der Stadt
Erech im Epos und von einer Beziehung des
„Himmelsstieres" auf das betr. Sternbild, das
Sai/ce (Babyl. Religion S. 293), „ahnt" und
Jensen (a.a.O. S. 63 Anm.l) „kaum bezweifelt",
vermag ich nichts zu entdecken. •
III. Istar nnd Semiramis.
Lenormant , La legende de Semiramis (Me-
moire« de l'Acade'mie Royale, Bruxelles, 1873)
hat Semiramis und istar vollständig identi-
ticiert. Sauce (bei Cyrus Adler, The Legendi
of Semiramis and the Kimrod Epic, John's
Hopkins University Circulars, Januar 1887)
stimmt dieser Meinung zu auf Grund von Lucian
de dea Syria, und hält Semiramis für den
Lokalnamen der litar von Hierapolis. Die
Vergleichung ist mit gröfster Vorsicht auf-
zunehmen. Die Gestalt der Semiramis schwebt
noch völlig im Dunkel. Auch wenn eine
historische Königin Semiramis (aufser der
I R 35, nr. 2, 9 auf einer Xebo- Statue be-
zeugten Gemahlin des Rammannirari: Sa-am-
mu-ra-mat, d. i. Semiramis) als Gründerin
von Kineveh inschrifilich erwiesen wäre*), so
könnte immer noch die mythische Gestalt der
wollüstigen Semiramis so weit von ihr ver-
schieden sein, wie der historische Asurbanipnl
von dem Wüstling Sardanapal , wie ihn die
klassischen Schriftsteller schildern. Cyrus
Adlers Urteil, „die Königin Semiramis als
eine Wiederholung der Jstor-Legenden auf-
zufassen, sei unwahrscheinlich", ist zweifellos
berechtigt. Aber auch die a. a. 0. gebotene
Gegenbehauptung, „dafs die Istar- Legenden
des Nimrod - Ejjos e,ine „protection" der Semi-
ramis-Legenden" darstellen, entbehrt des Be-
weises. Beide Gestalten, die mythische Semi-
ramis und die Istar von Erech, wie sie in der
VI. Tafel des Epos geschildert wird (eine ganz
andere Istar schildert, wie oben ausgeführt
wurde, die XI. Tafel) stellen mit orientalischer
Anschaulichkeit ein Weib dar, in deren Wesen
sich Wollust und Grausamkeit paart — eine
Erscheinung, wie Sage und Märchen sie in
allen Epochen der Kulturgeschichte erzeugt
hat. Dafs die Mythenbildung beide Gestalten
mit gleichen Zügen ausgestattet hat, läfst
sich nicht leugnen — mehr darf jedoch nicht
behauptet werden. Der bewaffneten, zu Krieg
und Jagd ausziehenden litar entspricht die
Semiramis des Diodor (2, 8): ücp' i'nnov nccQ-
SaXiv äxovzi£ovcct. (Wollte man eine wirk-
liche Parallele aufstellen, so könnte man auch
NinuS und Izdubar zusammenstellen: stori
iiXrfiiov avxifi b uvrjo Nivog aaiav I« ^figog
l.iovza Xöy%n.) Den Liebesabenteuern litars,
Zählung von Kain und Abel, so kann die letztere rätsel-
hafte Bemerkung nur auf einem starken Mißverständnis
des einen Istar- Abenteuers auf Tafel VI beruhen.
*) Zu der Bemerkung des Synceüus, C/ironographia
p. 96 über die ersten assyrischen Könige Bei. Ninus,
Semiramis . Ninyas . die im 4. Jahrtausend geherrscht
haben sollen, ist zu beachten, was «sein Gewährsmann
Diodorus (ib. p. 166) sagt: olira in Asia ex indigenis crea-
bantur reges, Quorum gesta sei iwmina nutla hominuin me-
moria celebrat. Primus autem quorum Jiistoriete cel hontinum
wjtitiae fama conwiendaia est, fuii Ninus etc.
821 Izdubar (und Herakles) Izdubar (und Herakles) 822
die mit der Vernichtung des Geliebten en- „bodenlos", den griechischen Herakles in alt-
digten, entspricht die Erzählung (ib. 2, 13): babylonischen Sagen zu suchen. Seine An-
imXsyofiivrj Si zoov ezgctztatzmv zovg sv-ng?- nähme, dafs Herakles ursprünglich nur Dorier,
arfi« SictcpSQOvxag zovzotg ifhCeysro hk! ztävzog Ideal des dorischen Mannes (&itog dvrighez.ctvrjg
zovg czvzy nXrjaiäaavtag Ticpävifev. (Hierzu &i6c) sei, (vgl. jedoch auch Tümpel, Philoloaus
erzählt Georgias Syncellus, Chronographia ab N. F. 4 S. 608 ff.) schliefst angesichts der alten
Adamo p. 64 nach dem Bericht des Ktesias, von Doriern und Semiten gemeinsam bewohnten
Semiramis habe die berühmten Wälle nicht Kolonieen die semitische Beeinflussung des
als Schutz gegen die Flut, sondern als Denk- Herakles- Mythus nicht aus. Und wenn sich
mäler für ihre Geliebten gebaut.) 10 auch nicht leugnen läfst, dafs die typischen My-
Was übrigens den Namen Semiramis an- then von Istar- Astarie- Aphrodite und Izdubar-
langt, so stehen, abgesehen von der über- Simson- Herakles bei den verschiedenen Völ-
geistreichen Erklärung Bertins (das Wort kern unabhängig aus nationalen Sagengestalten
Sumer vorwärts und rückwärts geschrieben, entstanden sind, so ist eine Beeinflussung
vgl. Jmtmtl of the Boyal- Asiatic- Society, ihrer Entwickelung ans den Anschauungs-
Vol. XVIII, p, 434), zwei Erklärungen von kreisen der orientalischen Wunderländer durch
Delitzsch und Haupt einander gegenüber: orientalische Kunst und Dichtung mehr als
Semiramis = summu rämnt , „die Tauben wahrscheinlich Jedenfalls sollen im folgenden
liebende" gemäfs Diodor 2,4: bvofict &i(isvov die Parallelen zwischen Izdubar und Herakles
Etfiigauiv önig iazl xaza zfjv zäv Svgmv 20 mit allem Vorbehalt angedeutet sein. Vor
Si.aliv.Tov TTag(ovouiaoii,bvov tmb zäv 7Tsgiez£- allem ist es auffällig, dafs gerade die Be-
gäv (so Haupt, Beitr. zur Assyr. I S. 164. standteile der Herakles- Sage, die WilamowHz
323, dagegen Hammel, Geschichte Babyloniens S. 290 ff. für den Urbestand erwiesen hat,
und Assyriens S. 632, 1) und Semiramis ent- dem babylonischen Izdubar eigen sind: 1)
sprechend der oben citierten Schreibung die Zugehörigkeit zu äioytviig, den adligen
= Sammu rdmat die „Liebhaberin von Wohl- mit den Göttern direkt in Verbindung stehen-
gerüchen" (so Delitzsch bei Mürdter, Ge- den Geschlechtern; 2) der Löwenkampf; 3) der
schichte Babyloniens und Assyriens I S. 278). Kampf mit einem Riesen; 4) der Abstieg zur
Wenn man Züge der Semiramis bei Istar von Hölle und die Überwindung des Todes; 5) die
Erccli, sucht, so pafst zur letzteren Deutung 30 Fahrt zum Göttergarten und die Erwerbung
gut Taf. VI, 13: „in unser Haus (sagt Istar der Unsterblichkeit.- Gerade- diese Stücke
zu Izdubar) sollst du einziehen unter Wohl- bilden den Gang der Ereignisse im Izdubar-
gerüchen (sammüti) von Cedernholz". Epos, sogar der Reihe nach, wenn mau das
Gespräch mit dem zur Hölle gefahrenen und
IV. Izdnbar und Herakles. *) I°" j^Ä e*lö/*e ° B.a*?ni ™ d*e mittleren
Tatein ( V III. Tafel?) einfügen darf.
Vergleichende Untersuchungen über etwaige Ebenso zeigt die spätere Entwickelung der
Zusammenhänge des Epos mit den Sagen griechischen Sage auffällig verwandte Züge,
anderer Völker anzustellen . fühlt sich der Hier wie dort schwankt man zwischen dem
Verfasser nicht berufen. Doch kann ange- 4U Heros und dem Gott. Die einen opfern ihm
sichts der herrschenden Richtung in der cos ct&ctvdzro , die anderen erweisen ihm Ehre
mythologischen Forschung, nach welcher die wie einem Heros (vgl. Herodat 2, 44). Hier
alten Göttersagen der Griechen ohne orien- wie dort vollbringt der Held seine Thaten
talische Beeinflussung sich ausgebildet haben, aus eigener Kraft, und dennoch sind seine
ein Hinweis auf die Berührungspunkte zwischen Angelegenheiten zugleich Angelegenheiten der
Izdubar und Herakles nicht unterdrückt werden. Götter. Wenn die jonischen Orte den Herakles
r. Wilamowitz-Möllendorf hält es in seinem göttlich verehrten, wenn die Athener ihn
bedeutenden Werke Euripides' Herakles für äli^UocYog nannten und auf ihre Schwellen
sehrieben: 6 xov z/tös nötig -x.alXhiY.og HgctYXrjg
*) An Simson (..die kleine Sonne-), den Helden der 50 iv^gs Kazoiy.iL- uridlv naizco YaYOV — so
Hichtcrzeit, der die Israeliten von der Zwingherrschaft ents]iricht das genau dem Wesen des Gottes
tler Philister netreite, sei nur vnruberpeueiia erinnert T ,', i • i 1 n _-- -i ■ -u
Er verrichtet zwölf Thaten {Rostof, Die Simsomage 1860), Izdubar. der in dem oben Sp. 775 mitgeteilten
die mit der Tötung eines Löwen beginnen. Steinihal, schematisch eingerichteten Hymnus zur Ab-
Zeitschri/t für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft 1862 Wehr des Übels aufgefordert wird.
S. 129 — 178 begründete zuerst wissenschaftlich die Wie steht es aber mit dem argivischen
Ideutificierung der Sagen von Simson und Herakles (schon Herakles, dem die Spätere Sagenbildung Zwölf
Kusebios hat an die Ähnlichkeit erinnert und Herakles *frX0l ZUo-eZuhlt hat? Wie im Izdubar -EriOS,
für eine ..heidnische Nachahmung" des Simson gehalten). v j. l l ■ j ni. l i. j •
„ . , ,.., .. , -„,,., "<"r«=cu*","1>- so liegt auch hier der Charakter des sieg-
feelner Ausfuhrung stimmten zu Goldziher. Der Mi/thus . , ° , , . , ■ -, tt -i i - ^-i .
M den Hebräern und Braun, Naiurgescläohte der Saae. reichen und triumphierenden Helden zu Grunde,
wahrend Wellhamm scharf widersprach. Der Versuch co dessen Muhe und Arbeit schliefslich verdienten
von Emil Wietzke. Der biblische Simson der ägyptische Horus- Lohn findet. Izdubar Und Herakles , beide
Ra, die Geschichte von Simson (vgl. Rankes besonnenes erscheinen als die berühmten Jäger, „die es
Urteil, Weltgeld*. I S. « ff.) in einen aus Ägypten stam- wohl selbst mit den Unsterblichen aufnehmen"'
menden Naturtnvthus aufzulösen, dürfte wie Steinthals (V„J_ OdllSS. 8, 225); bei beiden wechselt
Arbeit dem Urteile Wellhausens verfallen, ,,dafs zu viel
an einen Nagel gehangt ist''. — Die vorstehenden Aus
Kampf und Streit mit Freudenfesten im Kreise
der Helden. Die „Arbeiten" der Helden mit-
einander zu vergleichen , wage ich nicht,
zu liefern. Eabani und Cheiron, der Löwe des Thespios
führungen vom ursemitischen Sonnenheros Izdubar sind C'0r Helden. Die „Arbeiten" der Helden mit-
vielleicbt geeignet, der Lösung des Problems neuen Stoff einander ZU vergleichen , wage ich nicht.
823 Kaanthos Kadtnos (Litterater) 824
und der Wüstenlöwe, den Eabcmi mitbringt, Kabye (Kaßvrf), Gemahlin von Lokros I., dem
— der Stier von Kreta und der Himmelsstier', Sohne des Physkios, Mutter von Lokros IL,
Humbaba und Geryon, das vergiftete Nessos- Plut. quaest. graec. 15. Vgl. Karnbyse und
gewand, der rasende Herakles und Izdübars Lokros. [Lorentz.]
Aussatz sind kühn konstruierte Berührungs- Kadineeie (KaS/insin), Beiname der Ino in
punkte. Prellers Behauptung*), in seiner einem den Bewohnern des karischen Magnesia
Griechischen Mythologie lange vor Auffindung erteilten Orakelspruch. Athen. Mitth. 15 (1890),
des Izdubar -Epos ausgesprochen, „dafs viele 332. [Höfer.]
der zwölf Arbeiten ganz offenbar orientali- Kadmilos s. K ad mos.
scheu Ursprungs seien", geht wohl zu weit. 10 Kadmogenes ( KaSgoyivrjg) wird Herakles
Wichtig ist auch hier vor allem die Fahrt genannt Soph. Track. 116, weil er aus Theben,
über den Ozean zu dem Göttergarten, in dem der Stadt des Kadmos, stammt; schol. Soph.
Htraldes durch Gewinnung der Hesperiden- a. a. 0.; er heifst daher auch G nßccy £vr)g Hesiod.
äpfel die Unsterblichkeit gewinnt, nachdem Theog. 530. Bei Attins 642 p. 218 (Bibbeek)
ihm Helios den Kahn zur Überfahrt geliehen heifst Sem ele als Tochter des Kadmos Kadmo-
hat. Das entspricht gewifs mehr als zufällig gena. [Höfer.]
der oben wiedergegebenen Erzählung: Izdubar Kadmos I (KdSyog), eponymer Ortsdämon
will den Ozean überschreiten, die Meerkönigin des gleichnamigen Berges und Flusses an der
wehrt es ihm mit der Erklärung, niemand Nordgrenze von Karien (Strabo 12, 578. Ptol.
aufser dem Sonnengott habe von Ewigkeit 20 5, 2, 13. Plin. 5, 31; nach Benndorf und
her das Meer überschritten; schliefslich aber Niemann, Reisen in Lykien 1, 146 = dem
darf er auf einer Fähre der Seligengefilde jetzigen Chonas Dagh). Auf Münzen von
das „Meer überschreiten". Siehe Sp. 795. Laodicea wird er abgebildet als jugendlicher
[A. Jeremias.] Berggott, einen Baum umfassend, unter dem
Kaanthos (Käav&og, von «<«<»?), Sohn des ein Flufs entspringt. In den Figuren, deren
Okeanos. Er wurde von dem Vater ausgesandt, Treiben Kadmos zuschaut, hat Imhoof-Blumcr
um die von Apollonnach dem Ismenos beiTheben wohl mit Recht (vgl. den Namen Jiicnolig und
entführte Schwester, die Quellnymphe Melia, die unter nr. 19 von ihm angeführte Münze
zu sucheu. Als er den Apollon in ihrem Be- mit Adrasteia, Zeus und den Korybanten) Rhea
sitze fand, aber sie ihm nicht entreifsen konnte, 30 mit dem Zeuskinde und Adrasteia erkannt und
wagte er Feuer in das Heiligtum 'des Gottes, damit Lokalisierung des Mythos von der Kind-
das Ismenion bei Theben, zu werfen und wurde heit des Zeus erschlossen; vgl. Jahrbuch des
deshalb von diesem erschossen. Sein Grabmal d Arch. Instituts 3 (1887), 289 T. IX, 18.
befand sich oberhalb des Ismenions, an der Der Name wird von den griechischen Be-
Aresquelle, Penis. 9, 10, 5. Stark. Niöbe 384. wohnern des Vorderlandes (Milet?) herrühren,
387. Gerhard, Gr. M. 1 § 751. [Stoll.] s. K.II nr. 90ff. Vielleicht liegt ihm eine Sage zu
Kabarnos (Kdßapvog) , ein Parier, welcher Grunde nach Art der 'illyrischen' unter nr. 53
der Demeter den Raub der Persephone an- behandelten, so dafs. sich eine Verwandtschaft
zeigte , Steph. B. v. ndpog. Demeter setzte mit dem 'Heros' Kadmos ergäbe. Über Kadmos
ihn and seine Nachkommen, die Kdßugvoi, als 40 und Zeuss. Kadmos II nr. 37 ff. 95 ff. [Crusius.]
erbliche Priester ihres Dienstes zu Paros ein, Kadmos II (KdSjiog, auch Kdoo^og, KdSficav,
Antimaeh. (fr. 57 Stoll. 46 Dülmer) bei Suid. KaSfictiiov, s. unten nr. 25. 58. SO. 85), gr. Heros,
v. Öpyftöi'fc. Phot. p. 251 Herrn. (Pors. p. 344, Litteratur (abgesehen von den Hand-
16): vgl. Ilesych. v. Kdßagvoi. Paros hiefs büchern): Zoega, Bassir. I p. 10 ff.; 0. Müller,
Kctßagvi's, Steph. a.a.O. Boeckh, C. I. n. 2384; Prolcgomina(i82b)li9f.; Orchomenos2 111— 115.
vgl. 2388. 2415, 15. Preller. Dem. u. Pers. 29. Buttmann, Mythol. II 171 ff.; Welcher, Über eine
Welcher, Tril. 221. [Stoll.] kretische Kolonie inThebenhes.S.TOl; Kl. Sehr.
lia\)eiriies(Kcißsi.Qi'ä8gvv(icpai), die 3 Töchter 5,34; Alte Denkm. 3, 385 ff. B. Unger,Thebana
des Hephaistos und der Kabeiro, Schwestern Paradoxa (1839) p. 1 ff. 50 f. 70 ff. 385. 400 ff.
der Kabiren, Strab. 10, 472. Stephan. Bys. s. v. 50 (reiche Materialsammlung). Movers, Hie Phö-
KaßeiQLct. [Lorentz.] nisier 1 S. 500 ff. 652 ff. Brandts, Hermes 2,
Kabeiro (A'cßfiooj), Tochter des Proteus und 258 ff. B. Köhler, Über die Dionysiaka des
derAnehinoi'', alsThrakerinund/(?jfi,»iKsbezeich- Konnus S. 2 tf . 38 ff. II. D. Müller, Mythol.
net, Gemahlin des Hephaistos, Mutter des Karnil- d. gr. Stämme 1, 7. 235 ff. 293 ff. 2, 312-328.
los(s.d.),derKabiren(s.d.)u.kabiridischenNym- Giseke , Thrakisch - pelasgische Stämme 16 f.
phen, Akus u. Phcreki/d. b. Strab. 10, 472. Steph. Hunckcr, Gesch. 5r", 551 ff. Tümpel, Ares und
Bys. s. v. KctßHQi«. Nonn. 14, 21. 27, 121. 29, Aphrodite {Fleck. Suppl. 11, 1880) 690 ff. Be-
194.30,61. Preller, Gr. Myth. 1,501. [Lorentz.] merkungen zu einigen Fragen der- griechischen
Kabeiroi s. Megaloi Theoi. Religionsgeschichte(Progr, Neustettin 1887) 18 ff.
CO 22 f. Heyelemann, Arch. Zeitung 1872, 35. 0.
*) Noch vor ihm schrieben über den ..orientalischen" Puchstein, das. 1881 S. 238 Taf. 12. Spiro, De
Serakies: 0. Miller, Sandon und Sartlanajial, Rheinisches Euripidis PhoenisSlS (1883) p. 8 ff. Crusius,
Museum 1829, S. 22 — 89. Movers, Phönizier 1 S. 385ff., Allg. EnCykl, 2 Sekt. (1882) 32, 38 ff. und
ii s. 109 ff. mit oishausens Nachtragen, r. Röchelte, Mi- Programm der Thomasschule 1886 S. 14 f.
vioires sur tllercule Assyrien et Fhinicie.n. Paris 1848. BllSOlt, Gr. Geschichte (1885) 49 ff. J. Töpffer,
Anmerkung. Sollten durch Auffindung neuer Frag- ... ^y 7 . ,icicn\\ ßnqff tp TJn„c~i~..~ „..
,, ... , „, .. , . „ ., t,, . Att. Gcneiiluaie (1889) 293 n. Mi. Hesselmeyer,
meute im Britischen Museum in nächster Zeit Ergan- v; . " wl"M-l'wy"v \ u „„„, .... «, .,~~ /• o-
zungon des wichtigen Epos möglich werden, so würden Du Pelasgerfrage (1890) 511t. 120 (im Sinne
dieselhon unter Nimrod nachgetragen werden. von Movers und Dlinckcr). Studnicska) KyrenC
825 Kadmos (in Theben: älteste Zeugn.) Kadmos (in Theben: älteste Zeugn.) 82G
(1890) S. 46 ff. 55ff. 71 ff. (im Geiste 0. Maliers). schaff mit dem Sagenhintergrunde des Hesiod
Maafs, Gott. gel. Ans: 1890, S. 348 ff.*) beim Hörer voraus. Ebenso nennt die *ky-
_. .f., .. „ klische Thebais' (fr. 2 p. 11 K.) den Helden
f- -uie UDemeierung als a]ten Landeskönig, denn Oidipus ist der
I. Kadmos und Harmonia in Theben. Erbe der Schätze Äa-d>0(0 &e6<figol0?. _ Er.
a. Die ältesten Zeugnisse. gebnis. 3. Die Beziehungen dieser ältesten
Die Tlieogonie. 1. Die erste ausführliche Zeugnisse beschränken sich durchaus auf the-
Nachricht bietet Hesiod. theog. 935 ff.: „Dem bisch-boiotischen Boden. Kadmos ist 1) der
Ares gebar Aphrodite (Kv#ioEia nach Herr der yaia Ka3fj.r]'ig', hat 2) Harmonia, die
epischem Sprachgebrauch) Phobos und Deimos 10 göttliche Tochter des Landesgottes, gefreit
(937) | 'jQfiovLTjV %-' r]v Kädfiog vnSQ&vfj.og und 3) — nach den Bedürfnissen der lokrisch-
&ir' änoiziv. Dem Zeus aber gebar Maia boiotischen Heroinenpoesie — vor ejnem ruhrn-
den Hermes: (940) | KaS^eii] 3' agcc of losen Sohne vier Töchter gezeugt, deren eine
Sifiilrj te'ke qxxiSifiov viöv . . . dimvvaav, 943 ihn zum Grofsvater eines neuen Gottes, des
'Alv.\ir\vr\ 3' üq' zzi-azs ßiryv 'HQaxXrjtirjv. In Dionysos, macht. Von der folgenschweren
dem Kataloge der &tai, welche „mit Sterb- Verbindung des Kadmos mit Kreta und den
liehen göttergleiche Kiuder gezeugt haben", weitgreifenden genealogischen Bezügen zu Phoi-
heifst es dementsprechend nach Erwähnung nix, Belos, Neilos findet sich keine Spur; auch
von Demeter, lasios und dem Plutoskinde: scheint die Schwester Europe, deren Name
(975) Käoficp 3' 'Agpovirj, &vydzrjQ %Qvoir]g 20 Theog. 357 einer Okeanide zugeteilt wird, noch
'j4<j>qo3iti]s, | 'Iva> y.al 2i[i£Xr]v xai. 'Ayavrjv nicht die bewegende Rolle zu spielen, wie in
■nallmdorjov , | Avzo v 6 r\ v 9', i]v yfjfisv der späteren Sage.*) Doch wurzelt auch diese
Aoiazatog ßa&v%aizi]g, \ ytivazo, nal Ilolv- Gestalt auf boiotischem Boden. Ihr Name ist
Staqov ivazscpdvip ivl -&qß]j. V. 935 ff. wur- inixXr^eig der Demeter in einem boiotischen
zeln gauz in thebisch - boiotischen Verhält- Kulte (zu Lebadeia, Paus. 9, 16, 5, Bd. 1
nissen: nur in Theben findet man Ares und Sp. 1409, Orusms h. Ersehn. Gr. a. a. O. S.39),
Aphrodite, Kadmos und Harmonia, Ino, Agaue, und nach Antimachos bei Stephanos aus Byzanz
Semele und Dionysos, Alkmene und Herakles s. v. TEi'firjocös = fr. 3 p. 277 Kk. (danach
neben einander (vgl. bes. Tümpel, Ares und Pausan. 9, 19, 1. Stat. Hieb. 9, 421 f. und
Aphr. S. 690 ff. 705 ff.). Dazu stimmt, dafs 30 Laetant. z. d. St.) war die $>oivix.og kovqtj in
Theben Op. 167 als in der Kuäfirfidi yaii] liegend einer Höhle des teumessischen Hügels bei
bezeichnet wird und die Thebaner Theog. 326. Theben von Zeus versteckt worden ( Welcher,
940. Scut. 13 Kadmeer heifsen. Das boiotische Kret.Kol.il. UngerpAböS. Bursian, Geogr. 1,
Gedicht**) vertritt boiotische Überlieferung. — 224).**) Und wenn Kadmos nach Pherekydes
Kadmos bei Homer. -. In den homerischen (Apollod. 3, 4, 2; s. unten nr. 27) das Harmonia-
Dichtungen wird Kadmos nur einmal indirekt Halsband von Europe zum Geschenk empfangen
genannt, in der (zu den älteren Teilen der hat, so mufs der Held sie nach dieser Sagen-
Odyssee zählenden) Kalypso-Leukothea-Episode Version, wohl in Theben, wiedergefunden haben;
s 333 f.: xbv dh i'3tv KdSjiov &vydxriQ , doch vgl. nr. 77.
■KuXXiayvQog 'Iva, j Asvaq& in, r\ tlqiv [ihv tiqv 40
ßqozbg av3riaaaa, | vvv 3' älog h nadyieai *• Die 'Üesiodisclien' Kataloge und
iteäv s|Efiftoj>£ zi^irjc. In der Ilias, wie in der Verwandtes.
Odyssee, sind die Ka8y.üoi und Ka3y.siav£g 4. DerHauptzugiujenenältestenNachrichten
die Bewohner der boiotischen Thebe, aus der ist die Vermählung des Heros mit der Götter-
sich zahlreiche ionische Geschlechter her- tochter. Mit glänzenden Farben war diese Scene
leiteten (Niese, Entw. S. 111), der Dichter hat in einem alten, in den Theognideis, bei Stesieho-
also an den thebischen Kadmos gedacht. Doch ros, Herodot, Pindar und Euripides benutzten
ist die alte Flufsnymphe und Inachostockter Epyllion ausgemalt, welches man mit Recht
zur rettenden Seegöttin geworden, wie in der hesiodischen Poesie zugewiesen hat (vgl.
Samothrake (Piniol. 48 [2], 686*); vgl. Archi- 50 den K))v*.og ydfiog, die Peleushochzeit im Ai-
lochos 11 noXXd 3' ivirXor.duov noXiijg dXög iv gimios und andere festliche Existenzbilder aus
TiBldytaaiv \ &£God[nvoi ylv-Asqov vöczov . .: diesem Kreise; s. Bergk, P. L. Gr. 2 p. 119);
Verse, .die man weitaus am wahrscheinlichsten am wahrscheinlichsten wird man dabei an die
auf die Leukothea von Samothrake und Um- Kataloge denken, aus denen die erste Notiz
gegend beziehen wird. Der Dichter schreibt über den Europe-Raub stammt (Schol. Yen.
also — und soweit stimmen wir v. Wilamo- B. II. M 292 = Hes. fr. 58 p. 165 Bz. ; vgl.
witz, Hom. Unters. 129 bei — aus kleinasiati- Bd. 1 Sp. 1410 f.). Derselben Quelle ist die
scher Anschauung heraus.***) Die andeutende kanonische Gestaltung der für die Genealogie
Erwähnung des Kadmos setzt aber Bekannt- wichtigen Spartensage, wie der tiefe, auf
•3 Die an letzter Stelle genannten Arbeiten konnten «o kleinasiatisck-orientalische Verhältnisse Bezug
erat nach Abschluft des Aufsatzes benutzt werden. nehmende genealogische Hintergrund der
**) Die von O. Gruppe {Gr. Kulte u. Mythen 604. 611)
empfohlene Ansicht setzt an Stelle einer gutgegründeten *) Die Bd. 1 Sp. 1410 von Heibig angeführte Ilias-
Tradition eine neue Hypothese, die nicht viel mehr ist stelle -E" 321 gehört bekanntlich zu den spatesten Inter-
als eine Nachbildung der Peisistratos-Legende. polationen; vgl. zuletzt E. Thrämer, Pergamos S. 128 f.
***) Das älteste datierbare Zeugnis ist Alkman 83 **) Anders Kelbig oben Bd. 1 Sp. 1411, dem wir freilich
p. 62 B. 'Irih oaAaooo/utdoio' uv unli fiüodwv . . Vgl. auch darin nicht beipflichten können, dafs er in dem
die jlzw/.üSttt in Teos C. I. Gr. 3066, 5. Sc/ietfler, de rebus Beiworte ?.s/enoi^ eine Anspielung auf das Brautlager
Teiorum 7. sehen möchte.
827 Kadmos (in Theben: b. cHesiod' etc.) Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' etc.) 828
Vulgärüberlieferung zuzuweisen. Als epische 667 äictg auciTOQog \ ipgadaioi IJaXXäSog \ yaizs-
Konkurrenzquelle darf die unter dem Kamen zsig Sv&mv böcvzag | tlg ßa&vG7tögovg yvag
des ' Mvsaios' kursierende Titanomaclue sowie [so richtig bezogen von Valckenaer, vgl. Apollod.
die korinthische Eigcänsia (des ' Eumelos'), 3, 4, 1 xzitvii zäv ägäxovza xal zrjg 'Afhnväg
möglicherweise auch der Aigimios gelten. Die v7io&£fiivrjg zovg iäövzag avzov aitiigii = Schol.
Überlieferung unserer Mythographen {Apollod. Hom., Hyg.fab. 175 Minerva monstrante sparsit.
3, 1 ff. Paus. 9, 5. Sygin. 178, 6. Schol. Aesch. et aravit = Ovid. 3, lOlff. Pallas adest . . .
Sept. 469. Schal. Eurip. P hoen. 688. Schol. Plat. sulcum patefecit aratro etc. Nur ein verdichteter
Bep. 9, 460 p. 419 B u.' s. -w.) geht durch Ver- Ausdruck derselben Überlieferung ist es, wenn
rnittelung anonymer 'Handbücher' über Lysi- 10 nach dem Schol. zu Phoen. 670 Stesichoros
machos' 0rjßa'ty.d (F. H. G.lll336&.\ Hillanikos iv Evgamia zijv 'Aftrrväv taita.QY.ivai rovg
und Pherehjdes gleichfalls auf jene epischen öäovzag cprjaiv = fr. 15 P. L. Gr. vol. 3 p. 211
Quellen zurück. Auch die römischen Dichter, Bgk.Y) üv&sv i^avfjxs yä \ nävonXov oipiv imlg
in erster Linie Ovid (Met. 3. 4, 600), folgen, von äxgcov | bgcav %&ov6g- [v. 818 i'zixeg, tu yä . . .
einzelnen colores abgesehen, im ganzen wohl zäv äno ^qgozgäcpov qpoiviv.oXocpoio ägdxovzog
mythographischer Tradition. Im Nachstehen- yivvav ääovzoapvfj, vgl. Pind. Isthm. 7, 10, 13
den soll eine summarische Scheidung der Über- EnagzoZv änuiiavzoXoyxäv ; fr. 29 p. 379 Bgk.
lieferungversuchtwerden, wobei freilich manche Gitagiäv isgov yirog ävögäv; Aesch. Sept. 399
Einzelheit problematisch bleiben wird. — Kad- (412), 461 (450), Soph. 0. C. 1539, Ejir. Bacch.
mos' Ankunft; die Drachen- und Sparten- 20 1025. 1314. Herc. 5, Senec. Herc. für. 260 ff.]
Sage. 5. Unmittelbar ans der epischen Quelle oiäagocpgcov \ äe viv cpövog ndXtv £vvf)ips yä
geschöpft sind die einschlagenden Stellen der fiXa, | ai'jiazog ä' säsvcs yaiav, a viv evsiXoiGi
curipideischen Phönissen (vgl. unten nr. 12 ti'.), äiigtv aiirigog nvoaig [= Ovid Met. 3, 121
besonders das Chorlied v. 638 ff., von dem wir non longius Mo [als sein Gegner] | vixit et
ausgehen*): Kääjiog . . ., a zizgaGy.iXljg \ eccspirat modo quus acteperat auras, 125 iu-
fiöaxog äääaazug nia^ua | öi'xe xtXEGtpogov ventus \ sanguineam tepido plangebat pectore
äiäovGu | xQrfBfiöv, ov v.azotxiGai \ niäi'a viv matrem. Apollon. Bhod. Argon. 3, 1186 Kää-
zo &ioq>azov | nvgocpoo' 'Aöviav iiqt] | 645 v.aX- [log . . . yairty£vri ti'aazo Xaöv I "Agiog äjiiäovzog
Xin6zatj.og vdazog Tvu ze \ vozig inigxszai gvzäg ogoi vno öovgi Xinovzo v.zX. Vgl. 3, 1172 =
Jig-xag . . yvag .... (Schol. Aesch. Sept. 469 6 30 Eumel. fr. 9 p. 191 AT;.]. — 6. Zu ergänzen ist
öl ortös imiv avzüi pszä zä s^sWclv . . zä Euripides durch Aischylos beim Schol. Eur.
eiiQi&tvzi üv.olov&iiv, Eustath. p. 270, 3 ^p^oö'at Phoen. 942 oi TtsgiXtKf&ivztg zäv Xnagzäv,
S\ ödrjyä . . zä ngazoi naQazvxovzt; vgl. Schol. ä>g Ai6%vXog (fr. 376 p. 110 JS'°). cprjciv,- ifiav
Apoll. 3, 1178 iv äs xta xgixco zr}g Movoaiov X&oviog Ovöaiog | TleXcogog (falsch ver-
Tizaioyoatptag**) Xiytzai, wg Ä'ad'fiog iv. zov standener Genetiv?) 'TTCiQr'/VcoQ 'E % i <o t: **)
jJiXqjiv.ov inogivtzo TtQOv.aifrjyovtiivrig avzcö [Vgl. 670, wo hinzugefügt wird: v.azä äh
T?js ßoog; ebenso Ovid Mttam. 3, 10. Eurip. Tiuayögav v.al Kgicov, s. Spiro p. 9]. Ahn-
Phoen. 638' p. 313, 17 Schw. Norm. 4. Ptndar. lieh aus gleicher Quelle Schol. Apollon. 3, 1178
hymn. fr. (5) 29 p. 379 Bgl;. 'laiirjvdv /j %gv- = Plurekydes fr. 44 EHG. 1 p. 83 9vr\-
euXüXazov MsXiov, | 7} Kää/iov JJ anagxäv 40 exovat, nXi[V nivzt ävSgäv Ovöaiov X&oviov
isg'ov yivog avSgäv, \ . . . r) zäv Jtoivveov 'E%iovog DiXcogog Titigrlvogog v.ai avzovg 6
TtoXvya&ta zt[iäv, j T[ yd[iov XevkcoXevov Äaöuog noitizai noXizag nazoinioag avzovg iv
Agy.ov tag vixvrjooiisv). 657 i'v&a cpöviog Qqßaig: Exe. bei Schol. Pind. Isthm. 7, 13.
r)v Sgäy-mv | "Agtog (Ocid Metam. 3, 32 Apollod. 3,4, 1; kürzer Hellanikos [durch lysi-
Mtirtius anguis; ähnlich Stat. Theb. 10, -612. machos Tlttb.] Schol. Apoll. 3, 1178 (fr. 2
2\onn. Bioii. 4, 35S,)***), cofiöcpQOv cpvXa£ IHG.l p. 45): «ßt EXXäviv.og iv a' <I>oga>i'iöo£,
vduaz' z'vvdga uai ois&gu | xXotgä dsgyiiäzwv iazogäv ozi v.ai zovg öäovzug i'cnngs d'gäy.ovzog
v.ogaici TzoXvnXävoig tniGY.onäiv ov tili xigv 1- *axä "Agiog ßovXijaiv (abweichend). y.ai
ßag u.oXu>v \ Käöixog mXsae ixaguägco [vgl. Schol. iyivovzo nivzi ävögtg hvoitXoi, OvSaiog,
Phoen. 662 ißoiXszo yäg zfjv ßoi'v tfvaat . ., 50 X&övi og, TIiXcog,'T7iE grjvwg, E%iw v. Vgl.
ort GviißoXov . . y.syovs. ö u.hv 'EXXävixog das Scliol. zu 1185, wo der Gegensatz zu
(/)-. 9 p. 47) Xi&m eprioiv ävaigtiri,vai zov Plurekydes (und Apollonios) betont wird. Hella-
ögäy.ovza, 0 dh &£g£xvärig ^icpsi. Nonnos nikos hat offenbar in summarischer, auf genea-
4, 469 verbindet beides, bei Ovid 8, 60 prallt
der Stein wirkungslos ab, S. unten nr. 100] f). XVII, in dev Rede des Hermes p. 47 [Flindera Petrie Papyri
t. II p. 7]: ötav tlf trämtjs ä?.o/ov Eig nigar zi&eii, |
*) Vorlage für Seheca Oed. 731? Dafs Euripides dem aagxüiv a&goioag ri,; ta?.ain<hoov tpüatv(?) | uotea TZupwaag
Hellanüios folgt, vermutet (kaum mit Recht) Pomiow ^geog eis XQijVtiv fiaZetv, \ lu; av ro J ur/.)}; vvofi enwvvnov
de Xantho et 11er. p. S. '-"ftü I *?'!'V ' «rtv gnougosdiBiatraazeog | nidia tu QrtpiJS
**) Wenn Hygin den Kadmoa sorti audiia . . ad Castalium hdaoiv igägdoiv dei .... Auch in der Antwort des Lykos
fontem kommen liifst, qwm draco Martisßlius cuztodiebat, so ^ erscheint die 'L-lnto; xgrp'ij neben den fcadfiuv oxiJTtrga.'}
hat er wohl dasselbe mythographisebe Handbuch- benutzt *) Die Abweichung genügt immerhin, um die Meinung
und mifsverstanden , vou dem Ocid Melam. 3, 14 ff. ( l'ix Sjiiros'(de Eurip. P/ioert. p. 9), dafs Euripides ans Stesichoros
o?ne Castalio Cadmus descenderat antro etc.) abhängig itt. geschupft habe, als zweifelhaft erscheinen zu lassen.
***) So ist wohl richtig korrigiert; Sciiwarlz. Fleck. . **) Nauck vermutet, dafs die Namen nur in den
Suppl. 12, 457 (= S. üi der Sonderausgabe zu Ehrcu AescttyLos-Scholien genannt uud durch einen sehr gewöhn-
ßüchelcrs) setzt freilich ein Kreuz. liehen Irrtum dem Dichter zugeschoben seien: was sich
t) [Die Aresquelle — Dirke wird erwähnt auf einem nicht ausmachen lafst; noch bestimmter aufsert sich
Papyrusfragmeute aus der Antiope des Euripides. für dessen Spiro de Eurip. Phoen. p. 9: man denke aber an die
Mitteilung ich J. P. ilahaßy sehr verbunden bin, Sermaihena Namenreihen in den Persern
829 Kadmos (in Theben: b, 'Hesiod' etc.;
Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' ete.) 830
logische Zwecke gerichteter Darstellung den
ihm unverständlichen Spartenkampf ausge-
merzt. — 7. Der Schlufs des Abenteuers er-
gänzt sich aus Apollod. 3, 4, 2 : KdSfiog 31
üv&' a>v Hktslvsv- ätöiov sviavxov (poetischer
Ausdruck) i&j'jxevoev AQsy rjv de 6 evictvxog
tote oKTiii Hxn , Tgl. den konfusen Bericht des
Schol. Hom. II. B 494 (Hellem, fr. 8 FEG. 1
p. 47) ÖQyio&Evrog äi "Agsiog ual (isXlovzog
Kddfiov avuLQiiv, sHoikvotv b Zsvg. v.a\
'Agfioviav avxä GvvoWios, xr\v "AQsmg xal
'AcpQoä lxtj g^ TTQOxtQov äs ixilsvasv avxöv
dvxl xrjg avaigsoecog xov ägd-Hovxog sviavxbv
nr. 3226) , von dem lucanischen Künstler
Assteas (bei Millingen Mon. ined. 1, 27. Mas.
Horb. 14, 28, vgl. Abb. 1) zeigt die Kampf-
scene mit dem bescheidenen Personal des
Euripides: 1. A0HNH als Schutzgöttin und
Ratgeberin, in der Mitte die Hauptperson,
KAJMOS, mit dem boiotisehen Helm, Schwert
und Speer in der Linken, in der Rechten den
hochgeschwungenen Steinblock. Das Wasser-
10 gefäfs, das uns an den Zweck des Angriffs
erinnert, ist der B. entsunken; von „Geführten"
keine Spur. Auf höherer Staffel erscheinen
die Ortsgottheiten : ISMHNOE als weifsbärtiger
^wgTgg g/gWggjg ^^(g)/pj/w<§i/cgy ^/g)/gj/(5> r4j^7W^r
1) Kadmos mit Hilfe der Athene den Drachen tötend; anwesend Ismeno6, Krenaie, Thebe, Vasenbild des
Assteas (nach Millingen, Mon. ined. 1, 27.)
&x]xsvaai v.xX. (trotz des Sehlufscitats wegen
schol. Apoll. 1. 916 = Hellem. /V. 129 nicht
aus Hellanikos , vgl. Schwarte, De schol. Hom.
p. 45866). Aus den Worten äv&' äv i'nxsi-
vtv ist zu schliefsen, dafs Kadmos, wie bei
Nonnos 4, 427 ff., zunächst selbst in den
Kampf eingreift und nalijxcpvsmv Htxkdfiriv
rjfinas yiydvxcov (Norm. 4, 442).*) — 8. Von
denselben Vorlagen angeregt sind einige in den
wesentlichen Zügen übereinstimmende Vasen-
bilder freieren Stils. Das eine (in Neapel,
*) Das späte Schol. Tzetz. Lykophr. 3 p. 391 verwirrt
Kadmos und Kekrops, Sparten und Erechthideu und be-
ruht schwerlieh auf antiker Überlieferung.
Alter mit dem Skeptron , KPHNAIE, ein
diademgeschmücktes Mädchen — doch wohl
als Nymphe der umstrittenen xgrjVTj 'Agrjxidg
aufzufassen (vgl. den nynvpha Isuunide natus . .
Crenaeus, Steit. Theb. 9, 320*)) — , und, mit
60 einer in Mythus und Kunst nicht ungewöhnlichen
„Prolepse", die Irönigliche, an das Here-Ideal
erinnernde Ge-talt der 0HBH. Die Darstellung
geht in den Versen des Euripides ohne Rest auf.
Die Vase bei Millingen, Mon. ined. 2, 25 = G.M.
18, 395 (Inijhireimi, Vasifitt. 239) weicht nur in
Nebenpunkten von der eben besprochenen ab.
*) Der Artikel fehlt Bd. 1 Sp. 930; s. Ärenaios. Heijde-
mdiui S. 36 erkennt ,,ein Brustbild des Thors Krenaiai ('?)".
831 Kadnios (in Theben: b. eHesiod' etc.) Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' etc.) 832
Kadrnos trägt statt der Waffen das Wasser- zigoig, | v.al Kqovov naiSag ßaadriag i'dov
gefäfs noch in der Hand; zur Seite stehen %QVCgaig iv Zäguig, ZSva zs | (95) äi^avzo •
zwei Frauen (Ortsnyrnphen?), und auf oberer Jibg äs %ugiv | iv. irgozigav fiezau.SLTpajj.svov
Staffel Aphrodite, Hermes, Pan und ein Satyr: y.updxmv sozuauv og&üv -AagSiav. iv d' avzs
unverkennbar eine Abweichung von dem älteren igövca | zbv iisv (Kadmos) i'S,siaiai irvyuzgsg
Typus. Verwandt sind endlich auch verschie- sgrjtiaaav nudcug | svapgoavvag fiigog v-xX.
dene abbreviierte. Darstellungen, in denen der Vgl. Apollod. 1, 4, 2. Schol. II. B 494 iv äs
Held den Stein als Waffe benutzt: eine vul- zip ydfica Movoag äaui xal zmv &stäv sxuozoii
center Schale Gatal. Durand nr. 19, abgeb. 'AgaovCa äcogov äovvai.*) Es wird der ogu,og der
Abh. d. k. sächs. Gesellschaft d. Wft. 1875, in Harmonia sein, den Hesiod fr. 252 Bz. (Suid. s.
T. III C (Athene giebt KAdMog den Stein zum äyaXuu) als ccyaXeia bezeichnete. — 11. Den Zug,
Kampfe); ein Krater aus S. Agata di Goti in dafs die Götter ihren Lieblingen Geschenke dar-
der Ermitage 847 = Gerhard, Etr. Camp. Vas. bringen, hat diese Darstellung mit der Peleus-
C 6;. (K. mit dem Stein ausholend, vordem sich hochzeit gemein**); den Hauptnachdruck legte
aufrichtenden Drachen, r. Athene, 1. o. Pan); sie aber auf denHymenaeus,welchenApolio,
ein Vasenbild bei B. Bochette, Mon.ined.i, 2; die Musen und Chariten anstimmen zu Ehren
vgK Meydemcmn S. 35 f. u. im Hallenser W inckel- der Braut, die wohl auch nach epischer Tra-
maimsprogr. 1876, 1*. Auch die einschlägigen dition (vgl. Hom. hymn. 2, 17, 195) ihre Ge-
Münzen (eine gute Abbild, bei Keller-Imhoof KU, nossin gewesen war (hiernach ist Sp. 1831 f.
27) u. geschnittenen Steine ( Winckelmannsprogr. 20 zu moditicieren). Vgl. Pindar fr. 32 (aus
p. 317, Toelken, Vers. S. 57, vgl. Pervanoglu einem mit Pyth. 3 auch dem Sinne nach ver-
Ann. 1859 p. 150, Arch. Ztg. IX 1851 S. 94*. 102?) wandten Hymnos) zov Zrsov (Apollon) | äy.ovcs
beschränken sich meist auf die Figuren des Kad- Kddfiog tj,ovoixdv ög&dv imasiy.WLi.ivov ; Eurip.
mos und der Schlange*). Dem Mythologen bieten Phoen. 7 u. 822 'Agfioviag äi noz' sCg vus-
sie nichts Neues, brauchen daher hier nicht ge- vaCovg \ f^.v&ov OvgavLäai nzl. Eine Remi-
nauer besprochen zu werden. Vgl. jedochnr. 73. — niscenz aus dem Musenliede hat uns, wie schon
0. Die Hauptzüge sind hiermit als einheitliche alt- Bergk, PLGr. 2 p. 119 vermutete, der dritte
epische Tradition erwiesen. DerheimatloseKad- einleitende Hymnus der Theognidea bewahrt:
mos befragt das delphische Orakel; dieses heilst Movclxl »cd Xagitsg, nobgcci Jiäg, ai nozs
ihn dem folgen, was er zuerst antrifft. Gleich so Kuäuov \ ig ydu-ov il&oboeu, y.albv äsioctz'
in der Nähe des Tempels sieht er eine Kuh, S7iog' \ ozzi y.albv tpiXov iozi- xb ä' ov y.uXbv
der er nachwandert, bis sie sich niederlegt. ov tpikov icxiv xzX.: ein sprichwörtlich ge-
Das geschieht im „aonischen Gefilde". L'm wordener Vers, auf welchen Earipides (Bakch.
für das Opfer Wasser zu holen, geht der Held 881 o xi %albv api'Xov äsi, Phon. 814 ov
zur Aresquelle, erlegt mit einem Steine den ydg o lli] v.aXbv ovnox' s'cpv qpiXov [xceXbv
areischen Drachen und säet seine Zähne auf Hss., korr. Valck.]) und Plato Lys. p. 216 C
Rat der Athene (Ares bei tiellan. Pherek, Eurip. Bezug nehmen. Die rnythographische Tra-
Herakl. ist, wie die Übereinstimmung der Vasen- dition berichtet kurz bei Apollod. 3,4,2: Lt-txä
bilder und Dichter ergiebt, sekundär, s. nr. 19); ds xijv ftrizsiav 'Atti^vlx avzä ßctoilsLctv y.azs-
gewappnete Männer steigen aus der Scholle 10 aysvaas , Ztis äs säoixsv ccvxä yvvaiv.a 'Aqllo-
empor, geraten in Streit und fallen im Wechtel- viav, 'Atpgoäiztjg ««1 "Agsog irvyctzsga, uul
mord bis auf fünf, welche Ahnherren der ein- Ttdvxig artol ■nazaXitiovx^g zbv ovqavbv iv xy
geborenen Adelsgescnlechter werden. Für den KuSfisia zbv ydfiov ivaiovfitvoi y.a&vuvrjoav.
Drauhenmord mul's derHeld Blutsühne leisten. — säoixa ös avzf] Käbfiog ninXov %ul zb'v !j(pat-
Die Hochzeit mit Harmonia (vgl. oben Bd. 1 axoxtvKzov oq^iov, ov vnb 'Hcpai'azov Xiyovai
Sp. 1830). — 10. Die 'hesiodische' Überlieferung zivsg boüijvai Kääfiio . . .***)
von der Kadmoshochzeit läfst sich aus den Die Genealogie der Kataloge; Kadmos
Nachbildungen der Lyriker und Dramatiker mit und Europe. — 1-. Da eine Reihe wichtiger
Sicherheit erschliefsen. Den Vergleich mit der Glieder der Genealogie bereits in Einzelartikeln
Peleushochzeit zieht schon Pindar, Pyth. 3, 50 behandelt sind (s. bes. Apis 2 Bd. 1 Sp. 421 f.,
88 (152) ff'.: cticöv ä' äocpaXrjg \ oiy. iysvz' ovz' Agenor Sp. 102ff., Argos 537ff., Belos 778f,
Alay.iba jrorpa XlrfXti \ ovzs nag' civrt&im Epaphos Sp. 1278, Europe Sp. 1410 f.), so be-
Kcedfia' Xiyovzut. f.idv ßgozcöv | olfiov vnigxa- schränken wir uns darauf, nach der nur in
zov öl 0%sCv, oi'xs Kai %gvGuy.Ttvy.u>v \ ijaX-no- wenigen Punkten modificierten Rekonstruktion
y.tväv iv oqei. Moieäv y.ct.\ iv inzaiivXoig i von Kirchhoff (Odyssee- p. 326 11'.), K. Tümpel
ä'Cov &ri§aig, öirötf' 'AqiiovCav yS.fisv ßoäniv (Aithiopenländer 135. 178f.) und Maafs {de
b äs NrjQiog svßovXov Qiziv naCSa y.lvzuv. Aeschyli Suppl. p. XXIV sq.), die wichtigste,
[Str. f' 1651 aal tTsoi äaieavxo nag' äuqn- . ,„,,, . . . ...
J s ~ T *) Das folgende lOTooet L/J.arty.o; kaun sich nicht
*) [Da9 wichtigste Stuck ist eiue neuerdings von Furt- auf diese Nachricht beziehen, vgl. oben nr. 7.
u-ängler.Märzsilz.d.A.Ges.mi. £.£. Z. 1891,471besproehene <>0 **) Vgl. B. Niese, Entw. d. hom. Poesie 41.
griechische Schale der Sammlung Branteghern, noch aus ***) Spiro p. 7 meint, dafs es lediglich der 7. Vers der
dem 5. Jahrhundert: Kadmos, mit dem erhobenen Stein Phoenissen [o; naida yyfiag Kvnoiöo; y.T?..) sei, welcher
in der r., die Cblamys über die 1. geworfen, vor ihm, dieser "Überlieferung von der Kadmoshochzeit die mafs-
aufgerichtet, die Schlange Leider fehlt die Beiscbrilt: gebende Stellung bei den Mytbographen verschafft habe.
aber an eiuen andern Helden, als Kadmos, kann um diese Die oben zusammengestellten Thatsachen überblickte er
Zeit bei attischen Künstlern kaum gedacht werden. Der schwerlich. Das Albanische Relief ist mit Unrecht auf
Typus entspricht den unter nr. 89 reproducierter Münzen die Kadmoshochzeit bezogen, vgl. Crusiw , A. E. S. 41
sowie (von dem Gotterpersonal abgesehen) dem Krater Anm. und zuletzt P. Schmidt, de Hymenaeo (Kiel &6J
bei Gerhard oben 2.] p. 65 ff.
833 Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' etc.) Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' etc.) 834
unmittelbar hierhergehörige Partie des Stern- i^svio&slg rjl&sv sig Asltpovg nsgl xijg Evgcö-
mas mit Apollodor 2, 1, 4 und den Fragmen- nrjg nw&uvopsvog. b äs &sbg slns nsgl Evqw-
ten der Kataloge hierher zu setzen. nrjg jmj nolvngayiiovsiv, xqfjO&ai äs Y.a&oöriyä>
Neilos Phoroneus P??. "*£• , ^S\, ^^ ^ 5 ! fa8t WÖrtlicil
| gleich Schol. 11. B 80), ähnlich Schol. Eurip.
Eelos ^Anchirrhoe Kassiope— Epaphos Phoen. 638 p. 313 SchlV. Kdä/iog lr\xäv xr\v
ThronleiHermaon Libye Neilos ä8tl<pqv Evganrjv _ fiavxs lov IXuBs ^ IWqI Tyg
\ | aöslrprjg oväsv antra orjfiazvov, all mozs avxov
Arabos (fr. 45) Agenor^Argiope S^sl&Övta tnsoftai ßoi %xl.). Im folgenden
Kassiepeia Jm^rmürThL^STmos 10 \at nur dje unhesiodische Fassung ausgeschrie-
| ben, statt deren die oben nr. 9 rl. erschlossene
Phineus Europe*) Sarpedon Überlieferung einzusetzen ist. — 15. Die mit
(fr. 79). (fr. 55. S S2i) Minos. Sicherheit zu gewinnenden Hauptdaten sind:
— 13. Die Sage von den Wanderzügen des Kad- Kadmos ist Sohn des Agenor, Oheim {y.aoCy-
mos liegt völlig im Gesichtskreise dieser zu- vrjxog im alten Sinne?) der Europe, die von
erst von Kirchhoff' für die Kataloge in Anspruch Zeus entführt wird, und Bruder des Kilix
genommenen Genealogie, darf also schon des- Phoinix Thasos (Agenor zeugt hier also vier
halb dem Kataloge zugesprochen werden. Zur Söhne, wie Kadmos in der Theogonie umge-
Bestätigung dient, bei der schon oben erhärteten kehrt vier Töchter). Der König schickte Frau
Abhängigkeit des Euripides von den Katalogen, 20 und Kinder aus mit dem Geheifs, die Verlorene
der Prolog des PItrixos Schol. Ar. Hein. 1Ü5 zu suchen oder die Heimat zu meiden. Als alle
= fr. 819 p. 627 N." Siäaviov nox' äexv Kdäfiog Anstrengungen fehlschlagen, besiedeln die Ge-
sxlincov, | 'Ayr'jvoQog naig r)l&s OrjßaCav %Qöva | schwister verschiedene Landschaften an den
$olvi% nscpvyoig, sv. ä' djisißszai ysvog | 'Ellrj- Küsten des Aigäischen Meeres, Phoinix und
vinöv, <Jigy.aiov ol-nriaag nsäov. \ y ä' rjl&' Kilix im Süden, Thasos und Kadmos im hohen
dvdyy.rj nsöia <Poivixrig Xmcäv | Isyoifi' av. Norden, in Thrakien. Dann zieht Kadmos —
rjoav xgsig 'Ayrjvogog -nogoi, | Kili'&, äqj' ov y.al immer auf dem Landwege — weiter und
Kilitiia mxÄrjoxErai, | Qotvi'g &' b&sv nsg kommt nach Delphi.
xovvofi' r; %cöga cpsgsi, | y.al ©äaog (nicht zu
korrigieren, vgl. Her. 2, 44. 6, 47. Paus. 5, 25, 30 Epische Parallelquellen.— -16. Diepoetisch-
12. Con. 37. Norm. 2,684, St. Byz.). — 14. Da- mythographische Überlieferung baut sich also im
nach läfst sich in der aus verschiedenen Quel- ganzen auf nach dem Plan und dem Material der
len kontaminierten rnythographischen Haupt- Kataloge. Doch sind in ihr zahlreiche fremd-
urkunde bei Apollodor 3, 1 (Eygin 178, 6. artige Stücke eingesprengt, deren Mehrzahl aus
Manilius bei Varro de ling. lat. 5, 31 fr. 4 einem einst zusammenhängenden, an die Argo-
FrPB. p. 284 u. a.) ein hesiodischer Kern mit nautenlieder(f£'i(me/os'? vgl.nr. 19ff.) angelehn-
Sicherheit ausscheiden: 'Ayr'jvcog äs nagaysvo- tenGanzen losgebrochen sein mufs. Wir ordnen
fisvog sig Evgomrjv (aus dem Morgenlande) sie in der bisher beobachteten Reihenfolge.
yafiEt Trjlicpacßav y.ui xsy.vot ftvyaxsgu (isv Kadmos' Ankunft; Kämpfe imd Abenteuer;
Evgiinrjv , naiäag äs KuSfiov yal $oiviv.a %al 40 Hochzeit. — 17. Kadmos erhält folgenden (Jra-
XlIihcc . . . depavoig äs EvQWTtrjg ysvoiisvrjg b kelspruch bei Schol. Eurip. Phoen. 638 p. 313
■n.a.zriQ ctixrig 'Ayr]vag inl grjzrjßiv s'£snsy.ips Seine. = Hendess, orac. fr. 1 p. 27; von ünger
xovg naCSag ilncov (irj tiqoxboov avciGXQttpiiv und 3Iiiller EEG. 3 p. 157 auf die lorfi^täv
Ttoiv äv ifcivgcoBLV Evqiimrjv (= Schol. AescJi. ovvaycoyrj des Mnaseas [kaum die primäre
Septem 469/473. Eyg. 178). evri^ffifts dt E7U Quelle] zurückgeführt: tpQu&o Sr) zbv (iv&ov
xr[V 'Qr]xrjt>iv avxfn Trjlicpaßaa 17 fir]zr]Q ...**) 'AyrjvoQog i'yyovs KctSfif | rjoig iygcjiEvog tcqo-
ag üh nüeav tzoiovjievoi- £r)xr]6iv bvqelv ))eav Intiav ifti llv&o] Siuv | rföüS' t%uiv ia&fjza
EvQf}>Ttr\v aövvazoi, xr\v slg oiyov ava%OtuSrjV v.ai alyavsrjv fisxa %sqal \ xr\v äia xs (Pls-
anoyvovzsg allog o)llce%ov y.axcpxrjGuv , Cxaiy yväv y.al <Pwy.idog, tax' av Zv.r\ai j ßovxblov
0OiVi| (isv $olvCktjv, Klli'E, ös $otvi'nr)g Tilr\- 50 rjd s ßöag HriQixosysog Eslayovx og. | sv&a di
ci'ov \_y.al~\ Tiäaav xrjv [vcp' savxovl y.sifisvr[v noocnsläoag avlläftßavs ßovv SQqtvy.ov \ [5] xi)v
%agav noxufiä avvsyyvg Tlvoaum Kiliy.Cav {äcp' % v.sv vazoioiv in ä[itf>ozsQOi6i.v s'%r)6i \ Isv-
savxoüy sy.alsBs'*'':":) (selbst im Ausdruck ähnlich y-bv cr/u' sv.Üxsq&e nsqCzQoyov tjvzs fir'jvrig'
Eygin 168 p. 34, 17: Cilix (ex) suo nomine [6 = E.W 455] xi]vbs ov -qysfibva 6%s (riysfibv'
Cihciae nomen indidit etc.). Kddpog äs v.al i'e^E?) nsqizgsTizoio xslsv&ov. \ efjfia Ss xoi
Trilscpaaoa sv @Qa-nrj ■aaxäy.rlaav , bfioimg äs sqsm jidcl' agiygaösg, oväs es lijosf [10 = Od.
■Kai Qdaog sv @Qicy.rj y.ziaag noliv Qdoov y.azia- l 126] | sv&a y.s xoi Tigcozioza ßobg HSQag
■nrjßsv . . . Apollod. 1, 4, 1 Kdä^iog äs ana- äygavloio [ll2 = 2?. V* 780] | i"Srjxai yllv-n xs
&CCVOVGUV aräipag Ti]liq>aßcav vnb Ggayäv nsäm ybvv noirjsvzi, j «ort xözs xt)v fisv STtsixa (?)
*) Die genealogischen Nachweise Bd 1, MIOf! sind 6" fisUaftqJuWß) ifovl eiplV | äyväg v.al xa&aQÄg •
ungenau. Europe als T. des Phoinix ist die älteste er- Tair] 8' bzav ISQa QS^Tjg, [141 = hymn. Apoll.
reichbare Überlieferung (JT 321, unten nr. 28), auch bei 1, 121] | 15 Ö'^co Sil' dy.QOzäzCO HZI^SIV Tioliv
Euripides, Tgl. fr. 472 p. 506 Nz <t>omY.oyivois ~Eigi\,ia\;. svgvdyviav | äsivbv 'Evvaliov nsfiipag tpvlay.'
**) Der Zusatz y.ai 0daog o Ilooiidmvo; y.. r. ).. er- "jLSog sieio. | v.al ov y' in' dvdQiönovg 6vo-
ZTdhT dUrCh d',S rraBment aus dem nrixo° al8 nioht (idy.lvxog saosai av»iS d&avdxiov Ispcov dvzr,-
" Der Text nach R. Wagner, Commmt. Riiteck. CßS, olßu KdSjLS. | xaixa dv.ovoag 0 K. depi-
p. 143 sq.; ein Hinweis auf Emin hätte die Umstellung V-SXO^Sig z 0^ ßoVKollOV zov Ilslayovzoj
von irp' iautoü urkundlich bestätigt. xov 'A {t-<f lä afiavxog, nag ov ayogaüag ßovv
Koscher, Lexikon d. gr. u. röm. Mythol. II. 27
835 Kadmos (in Theben: b. cHesiod' etc.) Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' etc.) 836
y.al ijysiiova xavxijv tijs bäov noirjoa^Bvos v.xi'C,si losgebrochen sein, der zufolge das bithynische
tag Qri ßa s [soweit = Pausan. 9, 12, 2. 9,19,4 Astakos benannt ist nach dem thebischen
Mvv.aXr]abv . . . cro^aaxrfjvai Öibxi v.al ?j ßovg Astakos, xiva täv Xsyofisvtov Znagxmv, s. unten
ivxav&a ifivxiiaaxo kxX.; s. Steph. Byz. s. v. und nr. 75. — 21. Der in derlasonsage bei ' Eumclos^
Apollod. 4, 1 sixa ßöl 6vvxv%äv sv xotg TlsXä- (fr. 9 p. 191 A'., oben Sp. 506. 511. Schol.
yovxog*) ßovy.oXiotg jt-ril.] ö (i atv v (i o v s xäv Apollon. 3, 1372) und in dem vielfach über-
AiyvTixicov Qrjßcöv, s itsl to üvsxad'sv Aiyv - lieferten modernen Märchenschwank 'vom
nxiog i\v o KäSfiog. xai [ij] Boiaxia äs dnb tapfern Schneiderlein''*) erhaltene Zug, dafs
xr)g ßoog ixXri&ri. (Vgl. Ovid. Metam. 3, 13 der Held die Riesen durch eine sehr naive
Boeotiaque illa vocato.) — IS. Über den Drachen- 10 List zum Wechselkampf veranlafst, setzt die
kämpf vermittelt uns eine abweichende Über- bislang (nach der Tradition der Kataloge)
lieferung Pherehydes Schol. Eurip. Phoen. 662 recht zusammenhangslos erscheinende Sage in
p. 318 Schw.: 6 äs ^sgsy.värjg (^sgsxQäxrjg ein ganz neues Licht. In märchenhaft novel-
codd., corr. Valchenaer) |«pEi (rpiqalv ävaigs- listischer Weise**) bethätigt der Held, nach-
drjvcu xbv ägav.ovxa): bei Hesiod bezwang der dem er seine Kraft und Fechterkunst im Kampf
Held das Ungetüm durch einen Steinwurf; mit dem Drachen erprobt hat, nun seine Schlau-
Ovid Met. 3, 70 stimmt zu Pherehydes, und heit und Geistesgegenwart, ein Zug, der aus
läfst (wohl nach rnythographischer Vorlage alter Poesie und volksmäfsiger Öagenüber-
beide Kampfarten verbindend) den Stein von lieferung herstammen mag, ohne dafs er des-
den Schuppen des Drachen abprallen; bei 20 halb in diesem Zusammenhange ursprünglich
Nonnos enthauptet der Held den Drachen mit sein müfste. 22. Ein zweiter Anhaltspunkt
dem Schwerte. —19. Derselbe Gewährsmann ist die Thatsache, dafs Ares — in böser Ab-
stellte auch die Spartensage anders dar, vgl. sieht — den Helden die Zähne säen heifst, nicht
Schol. Apoll, 3, 1178 (= fr. 44 FHG. 1 p. 83) (wie in den Katalogen) Athene, die jedoch auch
<Psgsv.värjg iv xfi 7zi[i7ixv ovxcog q>7]oiv STCSiärj — wohl als Schutzgöttin — zugegen ist. Ares
KuS[iog v.axco-Aio&rj iv 0rjßvaiv, "Agt]g äiäot ist Vater der Harmonia ***) , wie Aietes
avxä Kai 'A&iivaix) roü brpiog roig Tjfiiosig Vater der Medea. Also schon hiernach können
öd ovxag, rotig äs rjfiiosig Aifjxrj' y.al b wir dem Schlüsse nicht ausweichen, dafs in
Kädfiog civxixa emsigst avxovg stg xr\v agov- dieser Sagenversion die Bestehung des
gav, "Ags og ysXsvaavxog [y.axd "Ags os ßovXiqotv SO Drachen- und Spartenabenteuers eine
auch Hellanihos, s. oben nr. 6: ein abweichen- der Bedingungen war, unter welchen
der Zug, den Euripides Herald. 252 cö yfjg Kadmos die Harmonia heimführte.
Xo^svaa^-' ovg'Agiqg ansigsi %oxs xzX. im Wider- Dasselbe hat H. D. Müller (2 p. 322) schon
spruch mit der Darstellung in den Phönissen ans dem euhemeristischen Berichte des späten
und Bakchen aus der Quelle des Pherehydes über- Berhylos geschlossen. Vgl. Schol. Eurip. Phoen.
nommenhat, vgl. v. M'ilamowitz, Eurip. Herald. 7 p. 248 Schw. [fr. 4 FHG. 4 p. 387, Jsgy.vXog
II 103; nur wird die Aussaat, wie bei Stesicho- @rjßaiov xtvbg Jgüxovxog, "Agsag äs moü q>iqaiv
ros ob. nr. 5, der Gottheit selbst zugeschrieben]. slvai xrjv 'Agpoviav ftvyaxsga, ov tpovsveag
v.a\ avxm ävacpvovxai ävägsg (noXXol) änXiafisvot. KuSfiog syr]fisv'Ag^.oviav. Ahnlich auch Palaeph.
0 äs Käätiog äiiaag ßceXXst avxovg Xl&oieiv. 40 6, 7, der aber Harmonia zur SchwTester des
01 de äov.sovxsg v q>' savxätv ßaXXse&ai, Drakon macht. Wir haben hier offenbar zwei
yxsivovsi xs äXXrßovg Kai &vr\oxovBi, nXr\v selbständige Versuche vor uns, die rnärchen-
■asvxs äväqäv v.xX., s. nr. 6. — 20. Ebenso in hafte Überlieferung bei Pherehydes (Harmonia
kürzerer Fassung Schol. Find. Isthm. 7, 13. durch den Drachen bewacht) ins Menschliche
Apollcd. 3, 4, 1, und aus derselben Quelle umzudeuten. — 23. Jetzt erst haben wir die
Apollon. Bhod. 3, 1179: „Aietes gab dem Quelle blofsgelegt, aus welcher der Künstler
lason jjaisjroig Ig as&Xov oäovxag | 'Aovioio des bekannten, vor allem von Welcher (A. D.
ögüxovxog, ov 'SlyvyCy ivl @r]ßij | Kdäpog, ox' 3, 385ff.) besprocheneu Vasenbildes f) aus Vulci
Evgconriv Sitrjiilvog staacniaavsv, \ niwvsv „, „„„„ . , TTT,
,. V .i ? "^ . - *.« 1 i a ' tn *) Grimm KHM I, 20 p. 90 (1SS2), siehe III * p. 2Ü.
AgriyaSy xgnvj, sulovqov sovxa, | tv»a *ai 50 ' ^ ■ Eultnspiegel' mit den Dieben im Tolksbnch,
tviaavt] nofiTt)/ ßoog ijv oi AnoXXcov \ amaos g Hist
jxavxoßvvnai ngorjyrjxstQav bdoio. Athene **) vgl. die treffenden Ausführungen Ton Erdmanns-
teilte diese Zähne zwischen Aietes, aixä xs darf er, D. Zeitalter der Xuselle S. IS ff. des S.-A. Plierckydes
tpOVTJ'C' (1185) %aC g 0 flSl' 'AoviOlOlV STllGlteigag überliefert auch sonst märchenhafte Züge, Ton welchen
nsdioiaiv | Kdöuog 'Ayt]vogiörig yairiysvfj si'aaxo iie Vulgärepik nichts wissen will, Tgl. z. B. fr. 50 p. 85,
labv, | '^ofOS (= Kampf?) äflworxog OOOl vnö w0 das ^uscherohr und der Wunderstab des Tiresias
v* i t / **■. ! tt~i t ■ 7 c * ho vülliff im Stil des Murcheiis gehalten sind.
SOVQI XinOVZO**) »d, fVgl AtSCh. Sept. 412 „f MJ/WIIäJ1W. 3, 992 stammen die Amazonen
Znagxcov an avdgcoy av Agrjg (episch?) eepst- TOn Ares und Harmonia ab; als älteren Gewährsmann
oaxo. —Aus dieser Uberlieterungsschicht mag nennen die Schölten S. 43S Vherekydes; aus derselben Quelle
auch die Notiz des Memnon bei Phot. bibl. 228 60 schol. 11. T 189 "iostu,- de y.al ^ig/nvia; rdfi(f>i; NatSos
&uyatBQe; sialv, wo kaum 'Agpoviaz zu korrigieren ist,
*) Wenn Schmarlz, De Schol. Born. p. 64/457 sagt: con- da Harmonia Eponyni der Armenioi geworden zu sein
fuse rem narrat Apollodorus , so kann ich ihm nicht bei- scheint; s. Sp. S56, 60ff. Die Legende könnte diesem
stimmen. Er wird hier Apollodur mit dem kurz Torher auch sonst Ton Pherelcijdes vertretenen Zweige der Kadmos-
erwähnten Kygin verwechselt haben, der p. 31, 19 in der sage zugehörig sein: Kadmos als Kival des Ares
That an Deutlichkeit zu wünschen übrig läfst. hei Harmonia (-Aphrodite) pal'ste gut in die obeu
**) Spiro p. 11 nimmt Abhängigkeit von Euripides an, gewonnene Voraussetzung. Näheres unter nr. 65 Sp. 856.
wegen des Anschlusses an die Argönaulcnsage kaum mit t) [Oder dessen Vorlage; nach Reisch, der uns seine
lteclit. Gründe leider nicht mitteilt, ein grofses Gemälde des
837 Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' etc.) Kadmos (in Theben: b. cHesiod' etc.) 838
IV
839 Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' etc.)
Kadmos (in Theben: b. eHesiod' etc.) 840
geschöpft hat
(Vasensammlung
im Berliner Anti-
quarium nr. 2634,
Furtwängler ,
Katal. 2 p. 744).
Vgl.Abb.2Sp. 837.
Gerade bei den
beiden Haupt-
punkten ent-
spricht das Va-
senbild der eben
erschlossenen
dichterischen
Überlieferung;
1) KAAMOZ
(bärtig und lor-
beerbekränzt)
kämpft mit dem
Schwerte, den
linken Arm vom
Mantel gedeckt; 2) APMONIA
(jugendlich, Typus der 2«o-
niat) ist beim Kampfe zu-
gegen. Dafs Ares fehlt (Wel-
cher S. 389), kann ebensowenig
überraschen, wie die Abwesen-
heit des Akastos und Proitos bei
den Agonen des Iason und
Bellerophon. Wie weit der
Künstler die göttlichen Kampf-
zeugen aus der Dichtung ent-
lehnt hat, läfst sich nicht mehr
ausmachen: sicher Athene als
Beschützerin des Helden, wahr-
cheiulich Apollon als Spen-
der des Orakels, vielleicht De-
meter, Köre, Hermes*), die in
engster mythischer Beziehung
zu Kadmos stehen, und Posei-
don, einen Hauptgott Boiotiens.
Auffällig genug stehen Greif und
Hindin ganz im Vordergründe.
Der Künstler mag die
beiden Tiere mit Bezug auf
Apollon und Artemis zur
Kaumfüllung hinzugesetzt
haben; doch wurde er wohl
beeiuflufst durch eine Re-
miniscenz an die unten
nr. 25 f. zu behandelnde
verschollene Scene. — 24.
Derselben Überlieferung
folgt, abgesehen von der
attischen Lekythos bei
Welcher, A. D. 3
5. Jahrhunderts, Vgl.
Mitteilungen d. A. I.,
Eom V, 1890, 313 f.,
343. Die dort bespro-
chene Vase von Cor-
neto würde, "wenn die
Deutung sicher ist,
hierher gehören.]
*] Die weibliche
Figur neben Hermes
ist nach Welcher
iSS f. Aphrodite;
Furtwängler S. 715
denkt an M;iia.
841 Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' etc.)
Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' etc.) 842
aA^^^h
S. 306 (K. mit dem Schwert im Drachenkampf)
und nicht völlig sicher gedeuteten Gemmen (vgl.
Catal. of gems of the Br. M. 1343. Mus.
Florent. Gems. vol. II, T. XXXV, 4 p. 32 f.), das
Iunenbild einer Vase aus der Krim, Eremitage
nr. 2189 (abgebildet Compte-rendu 1860 pl. 5 =
Abb. 3 Sp. 839, von Stephani falsch auf Orestes
gedeutet). Schon Heijdemann S. 36 hat es auf
Kadmos bezogen, und Stephani hat später (C
M. 1881 S. 93) wenigstens eingeräumt, dafs 10 1884
auf dem Bilde „die Bekämpfung des Drachens
von Theben ebensogut gemeint sein könne".
Es ist der Moment vor dem Kampfe. Der
Held trägt zwei Lanzen (die Schwertseite ist
nicht sichtbar); das Schöpfgefäfs steht ihm zu
Füfsen. Athene, der
eine Nike entgegen-
flattert, spricht ihm
zu. Links von ihm
Ortsnymphen und ein
Palmbaum, der ver-
mutlich seine Her-
kunft aus Phünizien
andeuten soll (anders
Heycleinann S. 37).
Rechts vom Helden,
durch ein Diadem
ausgezeichnet, Har-
monia, vom Drachen
bewacht (nicht Thebe
[Heycleinann], da die
Ortsnj'mphe in der
..episch-mythischen
Überlieferung keine
selbständige Rolle
spielt); ihr zuHäupten
Hermes und vermut-
lich Aphrodite (an-
ders Heydemann).
Verstreute Lorbeer-
zweige sollen das
Lokal wohl als apolli-
nisch kennzeichnen.
Auch hier erscheint
Harmonia als Preis
des Drachenkarnpfes.
— 25. Nach gleicher
Richtung führt das
Sp. 841 f. aus d. Wien.
Vorlegeblätt. C, VII,
3 reproducierte zu-
letzt von Hersog
( Göttervereine 1 2 f.)
klärt die Einführung solcher Gespanne
bei der Hochzeit nicht. Die Bestien sind
kleinasiatische Reminiscenzen . . ." v. Wilamo-
icils hat hier die Lücke in seiner Erklärung,
nach welcher das Bestiengespann als unorga-
nisches Rudiment erscheint, selbst blofsgelegt.
Eine Ergänzung ergiebt sich aus dem Vor-
herigen zwanglos, wie sie, ohne Einsicht in
die mythologischen Zusammenhänge, schon
von A. Hersog a. a. 0. S. 15 geahnt
ist. Pelias will die Tochter nur dem geben,
der Eber und Löwe anschirrt: Admetos voll-
bringt es durch Apoll (ob. Bd. 1, Sp. 68). Einen
ähnlichen Agon mufs man auch hier vermuten:
und besonders sinnvoll ist es nun, dafs das
■1) Kassmos und Harmonia auf dem Hochzeitswagen, von Apollon geleitet
(nach den Wiener Vorlegeblättern C, VII, 3).
u. TJ.v.Wilamoivitz (Isyllos 187 ff.) besprochene
schwarzfigurige Vasenbild aus Rhegion. Ganz
neu ist KAZZM02 und HAPMONIA auf dem
von Löwe und Eber gezogenen Wagen, da-
neben Apollon, die Phorminx spielend, v. Wila-
moioitz bemerkt: „Die Gewalt seines Liedes
bezwungene Bestirnpaar dann den Hochzeits-
wagen zieht.*) — 26. Die Richtigkeit dieser
Vermutung wird urkundlich bestätigt durch
die litterarisch reicher bezeugte lasonsage,
welche, schon längst als Dublette des Kadmos-
mythos erkannt, zahlreiche altertümliche Züge
beweist Apollon, wenn er . . . die Bestien an oo allein erhalten bat. Ehe der Held sein Ziel
Admetos' Wagen schirrt: Es ist wohl ver-
ständlich, dafs er dasselbe für 'Apuovia thnt,
deren Namen auf die Macht der Musik hin-
deutet . . . [vgl. ob. Bd. 1 Sp. 1832], hat doch
die Macht der Musik auch die üo[ioyri der
Mauern Thebens bewirkt . . . Dafs Apollon
und Artemis . . . die wilden Tiere bezwingen,
ist natürlich und hellenisch: aber das er-
erringt, mufs er nicht nur einen andern ' Spar-
tenkampf' bestehen, sondern auch ein Paar
feuerschnaubende Stiere ins Joch spannen
(ob. Bd. 1 Sp. 505, 64; Sp. 512, 30); es gelingt
*) Die Helden leisten ääüvata , die sich vielfach
variieren, vgl. z. B. Verg. ed. S, 27 iunge.ltur iain grypes
>>qui* etc. So konnten Hinde und Greif auf der Berliner
Vase gemeint sein.
843 Kadmos (in Theben: b. rHesiod' ete.)
ihm unter dämonischer Hülfe. An ihrer Stelle
hat sich hier das alte, noch in den Schild-
zeichen des Tydeus und Polyneikes wieder-
kehrende Tierpaar boiotischer Märchenpoesie
erhalten. — 27. Mit Recht hat v. Wüamowitg
auf der eben besprochenen Vase den Hoch-
zeitswagen erkannt. Vielleicht fügt sich hier,
da wir Pherekydes schon oben als Vertreter
dieser Parallelüberlieferung vermutet haben, die
bei Apollod. 3, 4, 2 = Therek. fr. 45 FHGr.
1 p. 83 erhaltene Notiz ein, dafs der bgfiog, den
Kadmos der Harmonia als Brautgabe dar-
brachte, i>7rö Evgamrjg (äo&rjvai A"ac><icoV ov
naget Jibg avxijv Xaßsiv. Hiernach hat Kadmos
die Europe (ursprünglich in Boiotien?) wieder-
gefunden, s. oben nr. 3. — Genealogisches. —
28. Bei der meist in Schatten gestellten genea-
logischen Überlieferung dieser Gruppe gehen
wir von den Originalurkunden aus. Fherekydes
(1. 4) Scliöl. Apollon. 3, 1186, p. 478 K. (fr. 40
FEG. 1 p. 83): 'AywvcoQ äs 6 IJoanSävog
yatiEL AccfLvco xljv BtjXov. Toov äs ylvovxai
<I>oivi% Kai 'iactCiq [Aairj? 'idctirj'? s. nr. 67.
Siärjl s. Io. Antioch. 6 FEG. 4, 544], rjv i'axsi
Aiyvnxog' %ai MsXia, r)v i'g%si Java 6 g.
s'nsizsv te%£l 'Ayrjvag 'Agy i6nr\v zh,v N siXov
tov Tzozauov. zov äs yivszai Kääyog. Apollod.
3, 1, 1 (fr. 42 FHG. 1 p. 83) ovrsp'/X&s äs snl
ttjv {,ri%r\<iiv avzx\q TrjXscpaaaa 7] fiijxrjg, hui
f)äooq o TJoGsiäävog, äg äs <PsgSHvärjg cprjol,
KiXiw.og. Auffällig ist in dem ersteren Frag-
mente der Schlufs xov äs : es mufs xäv öh
korrigiert (Keil) oder <[xäv äi . . .)> eingesetzt
werden. Nun macht eine bisher unbeachtet
gebliebene Notiz den Kadmos zum Sohne des
alten Königs Ogyges; ein anderes Zeugnis
rückt diesen aus Boiotien (Korinna) nach 'Al-
yi)7rTos'. Vgl. Phot. 2p. 277 n. 6 (aus verwandter
Quelle bei den Paroemiographen interpoliert)
ilyvyta v.av.ä' snl xäv 6%Xrigäv inst Gvvsßrj
Kdäuov xöv Styvyov äiä xäq ftvyaxsgag xaxotg
nsgmsasiv dfisivov äs Xsysiv Sly. %. xa na-
Xaicc kxX. Dem entsprechend scheint Lyko-
phron Alex. 1106 'Qyvyov Gnagxbg Xsäg die
Sparten über Kadmos mit Ogyges in Zusam-
menhang zu bringen. Vgl. Tzetzes z. d. St. :
Kai b "Qyvyog Bijßäv Alyvnxiav f\v ßaGtXsvg,
b&sv b Kdäyog vnijgxsv »d., s. Unger, Theb.
Farad, p. 266 sq. Danach wird man (xäv
äs yi'vsxai . . . '£lyvyrjg,y xov äs y. K. schreiben :
müssen. Auf denselben Pherelcydes geht wegen
Strdbo 10, 472 (fr. 6 p. 71 Proteus zeugt Kabeiro
und Eioneus) zurück: Konon Narr. 32*) xa
nsgl Eigcöntjg xfjg xov Q^oiviv.og ftvyuzgog . . .
[vgl. Apollod. 3, 1, 1 zivsg äs (d. h. Pherekydes
u. a.) Evgamriv . . . ovv. 'Ayi)vogog (wie Kad-
mos), dXXd fPotVr/.os XiyovGiv, und die Inter-
polation der IL 3 36 f. ovä' oxs $<hWhos
xovgrjg xnXsKXsixoto \ ij zsns fioi Mivav xs nai
ävxL&sov'Paäduavftvv, aus verwandter epischer i
Quelle, ebenso Antim. Theb. 3 p. 277 Kk.,
Furip. fr. 472 p. 505, s. oben nr. 12 a. E.,
»al cos nsuxpsts zovg visig b nazfjg »Kt«
'C,i)xrjGiv . . ., av r\v «at Kdäfiog, pt& oo
avvanai'gs i Plgtoxsvg J£ Alyvnxov xi]V BovGt'gtäog
*) Auf ganz anderem Boden steht der euhemeristische
Bericht Narr. 37 ; auch der Anfang von 32 scheint keine
reine Überlieferung zu bieten. Ygl. Höfer, Konon S. 35 ff-
Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' etc.) 844
äsäimg ßuaiXst'av xzX. — 29. Hiernach läfst sich
folgendes Sternrna zusammensetzen:
Poseidon
I
Belos
i
-Damno
Neil ob
I
Argiope^ ^ Agenors • Damno Kilix
(Ogyges ?)MeliaPhoini2tIsaie'-- ' Aigyptoa Thasos
i i i
Kadmos Europe Proteus
Der Genealoge scheint sich den Agenor und
10 seine Sippe am Nil in Aiyvnxog ansässig ge-
dacht zu haben. Sehr wichtig ist in dieser
Hinsicht das Eingreifen des Proteus, der mit
dem mythologischen „Aigyptos" der Griechen
ständig verbunden ist. — 30. Von den Spät-
lingen, welche dem Mutterlande hellenistischer
Kultur eine begreifliche Vorliebe entgegen-
brachten, wurde vor allem diese Oberlieferung
in klarer geographisch-ethnographischer Auf-
fassung vertreten, vgl. Hekataios (v. Abdera)
20 bei Diod. 15, 3 (fr. 13 FÜG. 4, 392): Die
Ägypter vertreiben allerlei fremde, bei ihnen
angesiedelte Elemente, welche sich ihrer Re-
ligionsübung nicht fügen wollen. Die tüchtig-
sten kommen slg xr\v 'EXXaäa v.ui xivag sxsgovg
xoTiovq, s%ovxsq ä^ioXoyovg rjysfiovag, ävrjyovvxo
Jävaog v.al Kdä[iog xäv ctXXcov snitpttvsoxaxoi'
ö äs noXi'g Xaog i^insas slg xrtv vvv KaXov-
fiivr]v 'ioväatav %xX. Aber auch der Perga-
mener Charax vertritt diese Ansicht, vgl.
30 Mythogr. p. 324 Westerm. (fr. 13, FEG. 3
p. 639 31.) SsfieXr] r\ KdSfiov &vydxrtg Xsysxai
KvijoaL Tzgo xov yduov' roi' c)£ 7taida ftsioxa-
xov ovxa b Kääfiog, äioxi in nvgbg sacö&r],
nsgteins , nal xi&txai avxoj Alyviixlov z/ro-
vvGov Ticixgiov uvofia.
Boiotische Lokalbezieliuiigen. — 31. Kad-
mos mit den Sparten erbaut die Kadmeia und
damit Theben: das ist die Erfüllung des Ora-
kels. Die Sage vom Mauerbau durch Am-
40 phion und Zethos ist eine Parallellegende,
durch die Kadmos ausdrücklich auf die Burg be-
schränktwird, die er ö^arro in' dtigoxazca gründet
(vgl. Unger 1 — III p. 2 sqq. 26 sqq.). Dem. ent-
spricht es, wenn Pausanias 9, 12, 3 berichtet:
xatrort x^g dngonoXsüig dyogd GcpiGiv stp r^ttcöv
nsztoL7]xai, Kddfiov xo dg%aiov olv.iav sivai.*)
Vgl. 9, 16, 5 xo äs xrjg zlr]fir]xgog Isgöv zf\g
Bsofiotpogov Kdä(iov -nal xäv dicoyovav olv.la.li
■iroxs slvai XsyovGiv: d. h. Kadmos gilt als
50 Demeterdiener. In historischer Zeit führte man
vor allem gewisse Wasserleitungsanlagen der
Burg (Bwrsian, Gcogr. 1, 226; Urlichs, Topogr.
v. Theben, Payr. Akad. 3, 416) auf ihn zurück.
Vgl. Ps.-Dic. fr. Paris. 12 (FEG. 2 p. 258 31.
Geogr. Gr. 31. 1, 102): cpsgsxai äs Kai änb
xi)g KaäfjLsiug väag dtpavsg äi.d gcoXijvcov dyö-
ftEj'oi» v7ib Kdäuov zb xiaXaibv dg XsyovGz
xaxsoy.icaGusvov; was Unger S. 111 schwer-
lich richtig auf die Aretiasquelle bezogen hat.
eo — 32. In diesen Zusammenhang fügt sich auch
die apokryphe Legende, dafs Kadmos anstatt
der vergifteten Drachenquelle mit einem Fufs-
stofse eine Quelle (Kdäfiov jroig, später 'iGyn-
vög) eröffnet habe. Vgl. ' Sostratos'' bei Ps.-
Plut. de fluv. 2 (/V. 4 FEG. 4 p. 505 31.)
*) |Das wichtigste Zeugnis für diese Fragen ist die
Sp. S2S angeführte Kede des Hermes aus der Antiope
des Euripides.']
845 Kadmos (in Theben: b. 'Hesiod' etc.") Kadrnos (u. Typhoeus) 846
'/a.urjj'os.. iv.aXüxo 61 zb ngözzgov KdSfiov noch Adelsfamilien, die sieh auf die Sparten
novg, an' alxiag xoiavxrjg' KdSpiog xbv ygrj- zurückführten (gegen Studniczka S. 89 f.; vgl.
voyvXaya Sgäy.ovxa xo^tveag v.al ivgcov wenig 3Iaafs, Gott. g. Anz. 1890, 370 f.). — 35. Wenn
mcpagg,ayivfiivov zb väwg . . . yzvofisvog v.axd dagegen Herodot 5, 59 berichtet itäov öl v.al
zb Kwgvv-aiov avxgov xaxd ngovoiav 'A&Tqväg avxbg KaSfir/La ygäftaaza iv zw low zov 'AnöX-
zbv Si^ibv noSa ßa&vzigov sig nrjXbv TJgitoiv Xcovog zov 'laur]VLOV iv Qrjßrjei zf/ct Boiwzwv
nozafiov 8' dvado&ivzog . . b rjgwg ßov&vzi\euq . . . zä noXXd bfioia bvza zoiei Iwvty.olai (es
KdSfiov noda ngoarjyögsvaiv avxöv. Mag folgen Weih epigram me mythischer Kadmiden),
man über die Zuverlässigkeit des Ps.-Plutarch so spricht er wohl nur in seinem Xamen,
noch so gering denken, so entspricht doch die 10 nicht in dem der Priesterschaft: die Kadmiden
Legende der Erzählung, dafs Hermes in Aithio- mufsten naturgemäfs Kadurfia ygdufiaza sohrei-
pien, als er die Io bewachte, iXanzici xfjv yr\v ben. — 36. Als Muttermal sollten die Mitglieder
y.al äviScoy.sv vScog' c&cv -nal 'Egfiov nz sgva der Spartengeschlechter eine Lanze tragen,
KaXtLzai.; ähnlich die Chalkonsage von Kos vgl. Trag. Aristot. Poet. 16 p. 1454b, 22 Xoy%gv
Theokr. 7, 6 mit Schal. Vgl. C. Bötticher, r\v cpigovai yrjyiviig (aus Euripides' Antigone
'TJirke, die Quelle u. Heroine' Berl. Winckel- nach M. Mayer, de Eurip. Mythogr. p. 74 und
mannsprogr. 1864, 5 und zur Sache Bergk, W. Schilling, ad Trag. Gr. Symb. p. 24).*)
op. 2, 655. E. II. Meyer, Achilleis 541. Für Vgl. Bio Clnys. 4, 23 (Hagen, Qu. Dio». 12):
gewöhnlich wurde die Aretiasquelle mit der roig iilv iv Örjßaig Znagzoig ßnfisCov liyszai
Dirke (Euripides oben nr. 5) oder Melia (Paus. 20 ilvai zov yivovg Xoyxr] ^'S olfiai inl zov oä-
9, 10, 5. Bursian, Geogr. 1, 226 Anm.) iden- uuxog. Iulian p. 81 C: Xöy%r\ äl Xiyizai ..
tificiert. — 33. Ebenso lokalisierte man die übri- zoig ZnagxoLg ivzvnad^vui nagd xr)g xiy.ovar\g
genHauptscenendesKadmosnrythosan bestimm- . . avxovg ßmlov v.al . . diaow&rivai xovxo
ten thebischen Örtlichkeiten. Man kannte die xo) yivn cviißoX.ov. Hygin. 72 ex draconteo
Stelle, tv&a rj ßovg tfii7.li y.aiiovoa ov.Xdanv; genere omnes in corpore insigne habebant.
darauf iv incu'd-gw ßwubv v.al ayaXfia 'A&rjväg, Möglich wäre es, dafs hier eine ganz im Geiste
mit dem angeblich phönizischenBeinamen'Oyya der alten Sage (vgl. Tümpel, Bern. S. IS) ge-
oder "Oy/.a ; ein (mit den bei Herodot nr. 35 haltene Erfindung der Dramatiker vorliegt, um
erhaltenem wohl gleichwertiges) Epigramm eine dvayvwgioig zu vermitteln (vgl. W. Schilling
von ihrem vr\ög beim Schol. Eurip. Phoen. 30 a. a. 0.). Wenn bei den Kindern des oben nr. 34
1062 p. 360 Seine, (vgl. Unger p. 267.) Dicht erwähnten, zum 'Spartengeschleeht' gehörenden
beim noXvdvSgiov , wo die im Kampfe mit Python, nach Plut. de ser. num. vind. 21 i£av-
den Makedoniern gefallenen Krieger bestattet rjveyiis Xbyyr\g xvnov iv xw owaaxi, äia ygovwv
waren, dnoajaivovai %agiov j-v&a KdSfiov xocovxav . . dvaSvarjg wenig iv. ßv&ov zijg
Xiyovci . . zov Sgdv.ovzog . . rois bSbvxug ngbg xb yivog tmoiozirtos**): so darf man aus
Gnifgai, ävSgag 31 . . dvitvai ztjv yfjV. Tod dieser späten Wundergeschichte noch keinen
und Urzeugung neben einander (Paus. 9, 10, 1). Schlufs auf Alter und Volkstümlichkeit jenes
Und auf der Burg zeigte man 9uXäficov . . zov Zuges ableiten. — Über Tanagra als Aus-
zs 'Agfioviag igiintu v.al ov StfiiXrjg yuo'iv gangspunkt für die einwandernden Kadmeer
iivai und %<agtov . . . i'v&a Srj cpaai zag &iäg 40 des Jüngern Epos vgl. nr. 75.***)
deai (Paus. 9, 12, 3); die 3 alten Aphrodite-
(Athene-, Demeter-, Erinys-) Bilder auf_der II. Kadmos nnd Typhoeus.
Kadmeia sollten ävadraiaza 'Agfioviag tivai, 37. Nonnos beginnt sein abenteuerliches
igyaodfjvai dl änb zäv äv.gooxoXiwv d xaig Götterepos mit der Kadmos-Europe-Sage. Vgl.
Kdäij.ov vavalv r)v 'gvXov nsnoLrjfiiva (Paus. 9, Köhler S. 2 ff. Zeus entführt die Europe von
16, 3): vgl. K. Tümpel S. 654. 704. — 34. Auch Sidon nach Kreta, während der Kilikier Ty-
historische thebische Adelsgeschlechter hatten phoeus im Besitz der Blitzeswaffen den Olymp
Anschlufs an die Spartensage. Vgl. den gut und die Götter bedroht. Kadmos folgt den
unterrichteten (s. Schol. Find. Pyth. 4, 467) Spuren des Stieres und kommt 1, 140 (321)
Scholiasten zu Pyth. 5, 101: xivlg dl Aiyia, drp' 50 xal tig 'Agifimr <&X6y£ov aniog, wo das Un-
ov r\ xcöv AiyuSäv iv Qrjßaig ygaxgta xovvoua geheuer haust. Inzwischen erreicht Zeus seinen
i'Xaßs, Znagxbv üvai xäv dnb KdSfiov. Tzetz. Zweck, verstirnt die Truggestalt des Stieres
zu Lykophr. 495: Alysvg a) . . b) xivlg Sl v.al und überläfst Europe dem Asterion (1, 350 ff.).
zovxov Xiyovai xäv dvaSo&ivxav iv. xäv 6&6v- Dann im Arimerlande, von Eros begleitet,
xmv xov SgaY.ovxog xov iv Q-qßaig \mg v.ai yoixaXim [laoxfigi Sl' ovgiog r\vztzo Kd$\xu>. —
Avägoziav, wegen seines Sp. 879 angeführten
Zeugnisses wohl vor a) umzustellen]. Noch *> DaB Stemensymbol des Kai-Mnischen Thyestes
p.. . T7 „„„• „ j„ „1 „ „„l„i,„ TJ^ zieht mit Unrecht hierher A. Tümpel, Bemerkungen IS f.
rar tpameinondas nahm man solche Her- „„ „. , _ , „ ' ' ,. „,„
1 rj_ 1 „ „ . . _ .-. „\ **) Tümpel. Bemerkungen S. 18 hat die Stelle zuerst
kunft an, Vgl. PaUS. 8, 11, 5 (ß) ZOl raq>m dz ^ die3em Znsammenhange verwertet, aber nicht ganz
(des Epameinondasi xi'av ze tyiozrjiis y.al aenig 60 richtig verstanden.
in avzä Sgdxovza t'xovcu inngyacuivov ***) Merkwürdig, dafs sich auf thebischen Münzen
(der Drache als Schildzeichen, wie bei AiscJiy- keine Darstellungen aus der Kadmossage nachweisen
los)' 6 fllv 6rj ägdnoiv ifriXei ariuaCvUV yivovg lassen. Ein von Mionnet (tob. gen. S. 233) auf Kadmos
zäv Zxtagzäv laXovuivwV thai zbv 'Ena- gedeutetes Stück bezieht Imhoof-Blumer einleuchtend auf
» s TT— 1 u lr»T x 7 - • 7 Protesilaos. In Theben selbst scheint die epische Sage
ufivtavöav. Vgl. auch Plut. de ser. num. vind. z , T_ , .. . , , . „ .
^T ^ ., J? > ~ ~ t o' >s danach weniger Wurzel gefafst zu haben, als im Osten.
21 xav dl nv&avog xov Nieißtag naidoiv. phaIlta8ien ohne Halt sind die thebischen Aressniele,
os ivayxog xi9vrty.B, Xiyouivov xolg Snagxolg die Kadmos eingesetzt haben soll nach Pcmofka, Anh.
ngogr]y.civ: also selbst in jener Zeit gab es ztg. lä (1859), lflo.
847
Kadmos (u. Typhoeus)
Kadmos (u. Typhoeus)
848
SS. Zeus beschliei'st, ihn zum Werkzeug der Rache
an Typhoeus zu machen. Pan, sein zweiter
Reisegeselle, rüstet den Kadmos als Hirten
aus; vor allem äoXir/v avgiyya cpsgwv siör'iyovi
KäS fi<p | ää-xs Tvcpaovioto HvßsQvijzsiQav oXi-
&qqv. Eros soll den Typhoeus verwunden und
so weicheren Gefühlen zugänglich machen (1,
400), Kadmos — dem als Lohn die Hand der
Harmonia in Aussicht gestellt wird (1, 396
(je yctp purjjpa tsXsgoco | aQflovirjg nöofioio xal 10
'jQfiovt'rjg nctga-A.oizrjv) — soll ihn durch sein
Syrinxspiel anlocken und bezaubern. Das ge-
. schiebt; der DraohenfüTslei läfst die Blitzwaffen
in der Höhle (410 ff.) und folgt dem Klange,
während Zeus in Stiergestalt in der Nähe
bleibt, (409) sv&sv bgog -niXs TavQog s-ndvv-
(iov. — 8!). Kadmos verbirgt sich beim Er-
scheinen des Unholdes: der aber spricht ihm
freundlich zu und heifst ihn weiter spielen.
Der Listige fafst sich und geht darauf ein: noch 20
ganz anders, äufsert er beiläufig (487 ff.),
klinge seine Phorruinx, mit der er einst Apollon
besiegt habe; nur habe Zeus ihm um des be-
siegten Sohnes willen die Saiten mit dem
Blitze zerstört: st äs jtott' svqco\ (493) vsvga
näXiv oq>Qty6covza, &sX£(a äsvägsce Tiävxu xzX
Typhoeus läfst sich übertölpeln: (510) n«i
tcixiis sig sbv civxoov snsCyszo' hsi&sv asigug |
vsvga Jibg äoXosvzi nögsv t,sivr)ia Kääfim | :
er holt die Sehnen des Zeus, vsvga, 30
zdnsg x&ovl txitzzs Tvcpaovi't] nozs %ägiin.
(Rudiment einer von Nonnos nicht recht be-
rücksichtigten und mangelhaft verstandenen
Sage, über die vgl. Köhler S. 5 f.) Dies „am-
brosische Geschenk" lobt der listige Hirt: olä zs
%ogäi)v | (515) iaaofih'rji' qjoguiyyt. xazsxgvcps
r.oiluö'L nstgi]. Dann spielt er weiter: und
ovaza navza zizahcov | (520) äg^iovcrjg i'jy.ovs
. . . Kdäum | (534) &sXyoßi vrjv fieXeieaiv oXrjv
cpgsva ääxs Tvcpiasvg. Währenddem kriecht 40
Zeus (2, 1 ff.) in die Höhle und bewaffnet sich
xb SfjJrEpof ijtradt nvgoto, mit dem dort ver-
borgenen Blitzgeschosse , den Kadmos aber
umhüllt er mit einer Wolke, damit ihn Ty-
phoeus nach Entdeckung des Diebstahls nicht
töte. — 40. Typhoeus merkt, von den Zauber-
klängen betäubt, von dem allem nichts. Erst
wie sie schweigen, eilt er in die Höhle: ßgov-
xr\v ä' i]vsfi6(fOiTOv säigsxo . . (25) Mai. orEpo-
nrjv ä-Aiyrjzov . . . (27) v.al xsvsbv aniog svgs. 50
Jetzt gerät das Ungeheuer in blinde Wut,
stürmt gegen den Himmel und verwüstet und
vernichtet dort alles rings umher, bis die
Nacht hereinbricht. Die übrigen Götter haben
sich zum Teil geflüchtet: nur Zeus bleibt am
Tauros und nimmt den Entscheidungskampf an,
in welchem er vor allem durch das Blitzgeschofs
Sieger bleibt. Nun erst nimmt Zeus vom
Kadmos die deckende Wolke (2, 663), dankt
ihm und wiederholt ausführlieh die schon 1, 60
395 angedeuteten Verheifsungen. — 41. Dem
Nonnos eigentümlich ist dabei die Kombina-
tion verschiedener Genealogieen 2, 682 ff. {Köhler
S. 6), vor allem aber die mit der Warnung
vor dem Zorne des Ares verbundene An-
weisung: „Nachts den Himmelsdrachen vor
Augen (674 ff.) gi^ov vnlg ßwjxoto Xaßmv svoä-
fiov ötfhrjv , | yuy.Xrjav.cov Otpiovyov OXvumov,
sv itvgl Kcticov | 'iXXvQif.rig iXäcpoio noXvyXd>%iva
ysgai'rjv, um das Schicksal abzuwenden" —
eine Anweisung ganz im Stil der hellenisti-
schen Magie, wie das Zauberwort des LLvext]g
13, 485.
Quelle des Nonnos; Peisandros. — 42. Die
Grundzüge dieses Typhoeuskampfes sind nicht
neu: aber gerade das Eingreifen des Kadmos
(wie bei ähnlicher Gelegenheit des Herakles)
ist eine Singularität. Den Typhoeus besteht
Zeus in der älteren Tradition (Pindar fr. 93, 2)
allein; bei den Mythographen treten ihm Pan
und Hermes zur Seite ; Hermes spielt hier (und
noch mehr dem Argos gegenüber) eine ähn-
liche Rolle wie Kadmos in den Dionysiaka,
vgl. Flut, de Is. et Os. 55: eine von vielen
Beziehungen zwischen dem Heros und dem
Gotte. Erfindung des Nonnos ist die mario-
nettenhafte Rolle des Helden im einzelnen:
das Grundmotiv war aus älterer Poesie ent-
lehnt. — 43. Vgl. Pisander bei Olympiodor Plat.
Phaed. = Fr. d. ep. Poesie p. '91 D.: är/Xoi:
&soXoycöv xä y.axd KäSiwv sv xä fiv&co, Iv co
tprjßi xbv Kääyov v7ioxid~£6&ai xco Jiit, ncög av
HctTciycovioctizo zbv TvcpcZva. Man bezieht das
meist auf die rjgcoiy.al dsoyaLiiat, des späten
Epikers aus Laranda (Däntzer; 0. Müller,
Proleg. 147): ein durchschlagender Grund gegen
den cKamiräer' existiert nicht, und wenn man,
wie Kinkel, das von demselben Olympiodor
citierte Fragment über Perseus und Herakles
(fr. 10 p. 252 Kl:.) dem Kamiräer zuschreibt,
mufs man das Gleiche auch hier annehmen.
Da sich von dieser Persönlichkeit aber wenig
Sicheres sagen läfst (v. IVilamowitz , Som.
Unters. 347, Herakles I 309), würde damit
das Zeugnis nur älterer (vielleicht rhodischer,
s. unten nr. 85) Tradition gewonnen. Die
Titanoinacliie des 'Mnsaios'. — 44. Dem In-
halte nach fügt sich das Fragment in keine
der bisher rekonstruierten Quellen ein, kann
aber ebensowenig als späte willkürliche Er-
findung (Welcher, Kret. Kol. 33 u. ö.) auf
Grund einer spielenden Namenserklärung bei-
seite geschoben werden. In der That führt
uns, wie n. a. schon Zoega (Bassir il. 1 p. 12)
gesehen hat, das bereits oben nr. 5 Sp. 827, 34
angeführte Citat aus der Tizavoaaxia des
'Musaios' (p. 22S K.) in ältere Zeit zurück.*)
Wenn im Znsammenhang der Titanomachie
von der Wanderung des Kadmos die Rede
wai-, läfst sich keine bessere Verbindung her-
stellen, als die von Nonnos gegebene: durch
die Typhoeuslegende. — 45. Nun erzählt nicht
nur Hesiod' die Typhoeussage zuerst, sondern
in der Aspis heifst es v._32 xä%a ä' Z|e (Zeus)
Tvtpaoviov , ToaTE S' av&ig | <&Uiov av.QÖza-
zov kzX.; vgl. Hesych. 4 p. 187 Tvrpiov ögog
Bouoziag. Hier also mufs (vor der 'Zeugung
des Herakles') der Typhoeuskampf lokali-
siert gewesen sein, vgl. sehol. Find. Olymp.
4, 11 ivioi äs iv IIi&riHovottig cpaal zbv Tv-
<p<äva . ., ot äs iv Alyvnxio . . ., ot ^s sv x<o
6'pEt tä hutci Boiaziav. Wir befinden uns
wieder auf boiotischem Boden: boiotische
Poesie wird den Kadmos mit Zeus und Ty-
*) Sie ist aber kaum von Nonnos selbst benutzt, s.
lt. Köhler S. 3.
849 Kadmos (u. Harmonia in Illyrien) Kadmos (u. Harmonia in Illyrien) 850
phoeus in Zusammenhang gebracht haben; acpag etii zu oiv.siu, zug ztvXug diu d>v zrjv
selbst das in unseren Berichten rudimentäre y.d&oSov iiroiovvxo . . ovoud'Qovaiv 'OfioXotäug.
Eingreifen des Zeus mag darauf zurück- — 48. Den hier nur skizzierten tragischen Aus-
gehen. Wenn Zeus aber die Hand der Har- gang des geprüften Helden wird nach der-
monia als Preis für die Bezwingung des selben Quelle Euripides im Kadmos (TGFr.
schlangenfüfsigen Typhoeus aussetzt, so liegt p. 496 N.-) dargestellt haben. Hier wurde nach
darin eine ganz frappante Parallele für die Valckenaers wahrscheinlicher Vermutung (s.
oben nr. 22 ff. wiedergewonnene Sagenform Hör. En. 2 , 3 , 187 ) Kadmos vor den Äugen
(den Drachenkampf als Bewerbungsagon). Die- seiner Kinder in eine Schlange verwandelt;
selbe Quelle könnte die „Drachensöhne" viel- 10 vgl. fr. ine. 930 p. 661 ol'fioi, Sguy.tov fiov
leicht, nach Vorgang der Giganten und Aloa- ylyvtxui xb ijfiiav. ziyvov nignrXuyn&i zep
den, als Götterfeinde aufgefafst haben: doch Xomä zeuzgi: eine Stelle, an die Philostr. Imag.
fehlen hierfür, von den Namen oben Sp. 828 I 17, der die Verwandlung gleichfalls in Theben
und der Entstehung aus der Erde abgesehen, vor sich gehen läfst, sogar im Ausdruck (tu
feste Anhaltspunkte. Vgl. -jedoch M. Mm/er Xoiita zov Giop.uT.og) erinnert. Auch Inc. 263
a. 0. 9. 12. 23. 252 und unten nr. 124. Wir p. 890 bezieht sich auf die Kadmossage. Diese
begnügen uns damit, diese Probleme hier auf- berühmte Scene iBt es, die Hermor/enes it. IS.
zustellen, da ihre Lösung über die Grenzen II p. 376 W. (401 S) als erstes Beispiel für
dieses Artikels hinausführt. nagddotu anführt. Vgl. Crusius. Gott. gel. Awz.
20 1890, 700.*) — 49. Nach diesen Zeugnissen zieht
III. Kadmos und Harmonia in Illyrien. Kadmos mit Harmonia in Drachengestalt
Die Kataloge. — 46. Die ältesten direkten zu den lllyriem und Encheleern und führt
Zeugen sind auch hier Euripides und Eerodot. so als Schutzheros das Barbarenheer wider grie-
Nach der Bestrafung des Pentheus verkündet chische Städte (Theben?), bis es sich schliefs-
Diom/sos*), Balcch. 1340 ff. figdyoiv ysvriosi lieh am delphischen Heiligtum vergreift
aszaßuXoiv, ädfiag te or) \ rjv "Ageog Eff^Ec 'Ag- und vernichtet wird. Nur Kadmos und Har-
fioviuv &vrjTog yeyoig , [ iy.&^gico&i: te' ocpiog monia werden von Ares ins „selige Land"
uXXd^£i Tvnov. | byov <i£ [toGycov ygrjGiibg Gig versetzt.
Xsysi Jwg I iX.äg usx' aXö%ov ßuoßdgav fjyov- Epische (korinthische?) Parallclqucllen.
ixtvog- | noXläc de zregaeig ccvagi&aco cxgaxev- 30 — 50. Eine andere Form der Sage schliefst sich
;iuxi | nöXsig' oznv de Ao£,iov %orjGTr]oLov | diao- fester an das illyrische Lokal an; die älteste,
■nuGoici vbezov u&Xiov zidXiv | G%r)Govni- ae d' hinter den Hellenisten liegende dichterische
Agrjg 'Agixnvi'av te qvgbtui I uaxdgotv t ig uluv Quelle für sie war ein Epos, in welchem, wie
aov y.u&idgvGei ßiov. (Vgl. Philo Bi/bl. bei oben nr. 19, Kadmos mit den Argonauten in
Steph. Byz. [fr. 15 FEG. 3 p. 574] Bov&cirj- Verbindung gesetzt wurde. Apollon. Iihod.
TtöXig 'iXXvgiug, äg <&i'Xcov, diu xo Kdduov etil Argon. 4, 515 berichtet: Die 'Kolcher' siedeln
Zsvyovg ßoäv öyovixevov zuyjwg uvvgui zr\v ig sich, da sie die fliehenden Argonauten nicht
'fXXvgiovg < döv, vgl. Sophokles unten nr. 52.) — erreichen, an verschiedenen Stätten in weiter
47. Zur Interpretation jener dunkeln Stelle Ferne an, unter anderem ezt 'iXXvqiy.oio p.eX-
dient vor allem die Antwort des Kadmos 40 au.ßu&sog aozufioio | zvfißog i'v' 'Agpov Crjg
v. 1354ff.: „wir werden zuletzt ins Barbaren- KuSilolÖ xe . . \ (518) ävdgdoiv 'EyyeXeeGGiv
land wandern müssen, und gar clg 'EXXdd' icpecxiot, und an den Keraunien. — 51. Vgl.
nyaysiv uiyddu ßdgßagov gxquxüv , und die Phylarch (Zeitgenosse des Avollonios) bei
Harmonia 135S dgdv.cav dguyuivrjg G%rip i'yov- Athen. 11 p. 462 B (fr. 40 b FEG. 1 p. 345)
guv uygiag | ü£,a inX ßcoaovg v.aX xdcpovg 'EXXrr noXXolg de v.uX o iv '[XXvgioig zotioc diaß6r\zog
vmovg, | rjyovaivoc XöyyuiGiv v.xX. Auf die iaxiv b KuXovfitvog KvXweg, nug' dt Igti zö
gleiche Dichtung bezieht sich Herod. 9, 43 Kuduov xal 'Ag/ioviug uvrjfisiov, d>g igzo-
(vgl. Paus. 9, 5, 1), wo er die Verkündigung gzi <&vlug%og iv zr\ äsvziga v.u\ shoGxij zäiv
erwähnt, dafs 'IXXvgiovg tf y.u\ zbv 'EyysXimv 'iGxogimv. Ebenso Eallimaehos fr. 104 p. 364
Gxguxov das delphische Heiligtum plündern, 50 Sehn, bei Strabo 1 p. 46 (vgl. 5 p. 216) Xiys-
[i£xd <$e zi\v Siugnuyrjv zugrunde gehen würde; xai tioXXu ziKfiiigtu zfjg 'idaovog Gxguxsi'ug . . .
über das Motiv, weshalb die Encheleer ihn v.uX zäv iniduo^dvxcav KbX%iav . . ., div k'viu
aufnehmen, vgl. Apollodor unten nr. 58. In ent- v.ul b ' KuXX((iu%og intiGrjaaivsxca Xiycov . . : I
fernterem Zusammenhang damit steht Her. 5, 61 Ol (ilv in' 'iXXvgiv.oto nöoov Gy/tGGuvxsg igtxiid \
ent zovzov Sa zov AuotSdpuvxog zov 'EzsoyXsog Xüu nugu ^uvarfjg 'Aguovirig oqiiog \ uazv-
uovvugyjovxog i'gaviGxiuxui KuSfiiioi in' 'Ag- gov iv.xiGGuvxo, zb fiiv ' <&vydd(ov' zig ivianoi \
yeiav v.ul zgditoiixui ig zovg 'EyyiXeug. Hier Pgaixög, dxug y.sCvu>v yXü>GG' ovburjvs 'TJoXag' .
fügt sich ein Paus. 9, 8, 6: r\vUu imb 'Ag- Hiernach wird Schot Pind. Pyth. 3, 167
ysinov fidyi] ngbg VXCguvxi i-nguzfj9r]Guv, zöz8 p. 338 B. Kdäfxog slgotpiv ß ixußlri&EV dniaraviv,
ofiov AuoSdaavzi zjä 'Exso-uXiovg v7is^iuGiv of 60 6 Si TlrjXsvg . . ., rac -/.u\ KaXXip.ee/og pugxvgsi
■noXXoi' xovxcüv ovv fioigu zt)v fiiv ig zovg auch das von den Herausgebern nicht aufge-
'llXvgCovc TtoQEi'uv uncoy.vrjGs, xact7i6u,£voi öf ig nommene (fr. 372 p. 569 Sehn.) erste Glied
0?gguXovq v.uxuXuußdvovGiv 'OiiöXrjv . . . 0sg- dem KalKmachos gehören. — 52. Bei Apollonios
odvSgov de zov IloXvvei-tiovg uvuY.uXscufiivov ist von einem zvußog die Rede, während Ealli-
„,„.,,,,. ..... „. . , machos von den Xuu spricht: das sind verschie-
*) £>ine Propüetie, wie sie hier dem Dionysos m den L
Mund gelegt wird, könnte in der epischen Quelle Tei- *) Ob der 'Kadmos des Kteon von Sikyon unter
resias (vgl. v. 35S ff., Kallira. lavacr. Fall. 125 f.) gesprochen dem Eiudrucke der attischen Tragödie geschaffen wurde
haben. (p;;Ä. „. ;,. 35, 140) ?
851 Kadmos (u. Harmonia in Illyrien) Kadmos (u. Harmonia in Illyrien) 852
dene Dinge. Auf dieselben Sagen nimmt Bezug lieben Darstellung der Sage, die uns erbalten ist,
ein dritter hellenistiseber Dicbter, der jüngere der des Ovid, klar zu Tage. Ovid trennt sich,
Sophokles (Trag. p. 358 2V., Schneider Callim. 2, trotz gelegentlicher Reminiscenzen (v. 584
637, der die Stelle falsch dem Kallimachos = Trag. ine. 939), von Euripides (den Kata-
zuschreibt: Crusius, Gott. gel. Ans. 1890, 693) logen) und scheint direkt oder indirekt von einem
in einer Elegie Et. M. s. Bov&oirj- noXig xr)g Hellenisten abhängig. Metam. 4, 563: Kadmos
'iXXvgiSog' ZocpoxXijg 'OioaccKlsi' Bov&ot'n Jgi- luctu serieque malorum \ victus . .. verläfst seine
Xavog inl ngoxoyaiv ivda&rj. Denn eben Gründung, longisqiie erratibus actus | contigit
hier sollte auch das Grabmal sein, vgl. Era- Illyricos profuga cum coniuge fines. \ iamque
tosth. Steph. Byz, s. Jvggdxiov (= p. 83 Bh.) io malis annisque graves, dum prima retraetant \
nozayol äs dgiliov y.ccl 'Awog, ntgl ovg KdS- (570) fata domus . . \ 'num sacer ille mea tra-
fiov Kai 'Agpoviag xdcpog dsi'xvvzai. Ebenso iectits cuspide serpens'' Cadmus ait 'fuerot
Nicander Ther. 607 (p. 254 S., vgl. Schot, p. 47) . . .? | quem si cura deum tarn certa vindicat
igiv &', r]v i&giips JgiXav y.u\ Ndgovog ira, | (575) ipse precor serpens in longam por-
'6%iTtti,\Ei§ovCovKu§fioio TTifisiXiov'Agyovirjg zs. rigar alvurn^ Das geschieht vor den Augen der
— 53. Auch in diesem Falle bewahrt sich Kalli- Gattin und Genossen (s. oben nr. 48), aber
machos durch treue Erhaltung der Lokal- (600) subito duo sunt iunctoque volumine ser-
zeichen. Felsen des Kadmos und der Harmonia punt. \ donec in adpositi nemoris subiere late-
erwähnt auch Ps.-SIq/lax § 24. 25 (GGM. 1 bras. | nunc quoque nee fugiunt hominem nee
p. 31 21/.): Kai Kdäiiov xal 'Agfioviag ol XC&oi 20 vulnere laedunt | quidque prius fuerint placidi
slalv evzav&a, r.al isgör <VtSx^> &7z(o&sv zov meminere dracones. Die Verwandlung wird als
'Pit,ovvzog Tzozayov. dnö Sl 'Pi^oi'vrog nozceuov Sühne für den Drachenmord gesetzt: Ares ist
fi's Bov&oriv 6 iiXovg***. 25. 'iXXvgiäv faffos unversöhnt, vgl. v. 100. — 56. In diese Uber-
f lalv of 'EyxiXsig . . ir. Bov&ong di sig 'Eni- lieferung, nach der Kadmos lllyrierkönig wird,
Sayvov v.xX. Näheren Aufschlufs aber giebt pafst die Sage von seinem Sohne Illyrios, den
uns erst Dionysius Perieg. 390 ff. GGM. vol. 2 ' Apollodor' (unten 58) nach epischer Quelle
p. 127 31. (= Tzetz. Cliil. 4, 391): v.slvov 8' kurz erwähnt. Dafs die Figur poetisches Leben
ccv nsgl köXtcov i'äoig tgnivdia zvyßov | xvfi- hatte, zeigen die vatikanischen Yirgilscholien
ßov ov Agixoving Kdäyoio zs <pi][iig ivLOniL' | Mais AnA, 213 beiLion2 p.811. Cadmus relictis
Kti&i ydg eig ötpicov gv.oXiov äitiag -qX- 30 Thebis comiti Harmonia coniuge fortunae iniu-
Xd'gavzo, \ bnrtöx' an' 'Iepiyvov Xmagov fiexd rias [sustinenst?)] fines Macedoniae super-
yrlgctg [trotz jener schweren Prüfungen?] gressus parvulum filium qui iuxta Illyricum
i'xovzo. | i'v&a ccpiv zsgag üXXo &sol tTsoccv fluvium ab Harmonia editus fuerat dereliquit.
dyqil ydg aiav | (395) xeivrjv äarpozigwd'iv tgr}- Hüne serpens spiris suis innexuit et donec
giSctxcti ävo nsrgat, | aiz' &ucpa> ^vvCuoi ad adtütos veniret annos amplexu corporis fovit
Sovsvtisvai, svri zig ägxi] | yiyvszai [Wi- imbuitque civibus quibus omnem illam regio-
zrjBi KvXivöouiroio «anofo.*) Diese nizgai nem sibi subdidit. Hie ex vocabulo suo
(= KvXixtg?) sind offenbar die Xi'&oi des Illyrium denominavit. In dieser Sage scheint
Skylax und Kallimachos; man mochte, wie bei zunächst die 'iXXvgi'a am Pangaion gemeint,
so vielen Steinsagen, Menschengestalt in ihnen 40 vgl. Steph. Byz. p. 331 bitf. 'iXXvgia %mga nXn-
erkennen. — 54. Nonnos endlich 44, 27 (46,364ff. oiov zov TJayyaiov, änb 'iXXvgi'ov zov Kd.6y.ovog
und 4, 418) läfst den Helden und sein Weib (daraus wohl Eust-, Geogr. Gr. Min. II p. 289):
zu Drachen versteinert werden (dysißo- wo die falsch wegkorrigierte Nebenform Kdä-
yivoio ngoaiinov \ Xaivirjv r)[ifXXov s'xl,v otptco- yovog (sc. viög, Hexameterschlufs?) dafür bürgt,
äsa fiögcprjv). Aber für diese Form der Legende dafs wir es mit altepischer Überlieferung zu
ist kein älteres Zeugnis beizubringen, und der thun haben, vgl. Crusius, Fleck. Jahrb. 143,
Verdacht liegt nahe genug, dafs Nonnos oder 1891 S. 390. Ähnliche Traditionen (im Zusam-
seine dichterische Vorlage die beiden ge- menhange mit der Argonautensage) brachten
trennten Typen selbständig zu seiner wunder- die Hylleer und Hyllos nach 'Illyrien' als
liehen Verwandlungssage umgeformt hat. Aus 50 Nachbarn (iqisazLOi) devEnche\eev(Apoll. Ehod.
verwandten Quellen schöpfte der Kunstgenosse 4, 516ff.) und setzten schon sehr frühzeitig die
des Nonnos Christodor Anth. Pal. VII, 697: 'phönizischen' Taphier-Teleboer (unten nr. 76)
£(££ <5' än'tvatßeaiv ngoyövcov igixvdia Tidzgrjv,] in Zusammenhang mit Theben und Amphitryon
Av%viS6v, rjv &olvi£ Kdd/Aog i'ditys itöXiv (His. Scut.). Eustathios (a. 0.) denkt wohl an
sv&sv Xvxvog e'tjv 'EXittaviog, ovvExct Kdäfiog das westliche Illyrien und dem entsprechend
czoixBicoi' Javaotg izgwrog län^t zvnov. \ eis heilst auch Ehizon, der Eponymos von 'Pi'fcav
vTidzovg ä' dviXay.iji£ xcel 'iXXvgiotei dixdlZaiv. zwischen Buthoe und Epidamnos, zov KdSy.ov
Lychnidos, die Gründung des Kadmos, ist ufog Choerob. in Tlieodos. p. 76, 24. Theogn.
die Stadt der „Sesaretbier", im Hinterhände Can. p. 33, 11; vgl. Beider, An, p. 1417.
von Apollonia und Epidamnos. — 55. Die wahre, 60 Hcrodian II p. 737, 7. Müller, Geogr. Gr. M.
dem Nonnos unverständliche Absicht der 1 p. 31. — 56b. Ebenso kam Agaue, Toch-
Legende ist bei Kallimachos und Dionysios kaum ter des Echion und Mutter des Pentheus, nach
zu verkennen und tritt in der einzigen ausführ- Hyg. 184 errabunda in Illyriae fines
ad Li/cothersen regem,deri sie nach 240 und
*) Die OrtaangabM sind sehr aUgemein; die im „-4 tgtete M< regnum CadltlO patri dar et,
ersten Bande vorgetragene und im Atta* 1. 3 zur Geltung 1 -r» 7 4 o .«/, 17- 1 ~„1- ,' J^
gebrachte Fixierung Leint C. Müller später (2 p. 31) JB1- . SoScher 1 Sp 100. Eine konkuniereilde
xrteder aufgegeben zu haben. Richtig hebt Schneider Dublette ist die Legende der Lpeiros , T7JS
p. 364 hervor, daft Polai nur am Harmonialelsen liegen soll. 'ExtOVOg &l'yuTQÖg, die £•/. BoLcrrt'ug y£& Ag-
853 Kadmos (u. Harnaonia in Jllyrien) Kadmos (u. Harm. i. Samothrake u. Troas) 854
aoviccg %a\ KdSpov auszog mit den Istyora w Kadmos und Harmollia in Samothrake
des Pentheus, und m emem Sgvfiog des Lhaoner- nnd ijroas
landes begraben wurde. Wir kennen sie nur
durch einen hellenistischen Poeten bei Par- Diodors Samothracia. — 60. Die ausführ-
thenios 32: sie wird also, wie schon Bd. 1 lichste Darstellung der samothrakischen Legende
Sp. 1280 angedeutet wurde, schwerlich zum bietet (vielleicht nach Apollodors vsmv Kazd-
alten Stamme der Überlieferung gehören. — Xoyog: Bähe, Herrn. 24, 424 ff.*)) Diodor 5,
57. Die Hauptzeugnisse echliefsen sich zu 47 ff. Mszd Ss zavza [der grofsen Flut in S.
folgender Einheit zusammen: Kadmos und und Umgegend] Sdmva ysvöfisvov , äs fiiv
Harmoniakommen (wohl vom Ochsengespann ge- 10 zivsg cpaav, sk Jtbg Kai Nvfitprjg, mg Ss zivsg
zogen, vgl. nr. 52) nach IUyrien und leben dort J| 'Eg/iov Kai 'P>]vng, avvayaysiv zovg Xaoig
bis in hohes Greisenalter in der Verbannung. GitogdSr\v olxovvzag [Erklärung der Sparten-
Auf ein unvorsichtiges Wort des Kadmos hin sage, vgl. nr. 106] Kai vbfiovg &susvov avzbv
(märchenhaft) werden sie dann (von Ares) in fisv dnb rfjg vfjoov Sdmva KXri&rjvai. zb Ss
Schlangen verwandelt. An ihrer Grab- Tilrfiog slg nsvzs q>vXdg [vgl. die 5 Sparten]
statte, die zugleich ihr Heiligtum ist, wirken Siavsifiavza zmv ISüov vimv szimvvuovg avzctg
sie fort als segnende Genien. Zwei Felsblöcke noirjcai 2. . . . nag' avzotg em Jibg Kai aiäg itöv
in der Nähe, die man nach ihnen benannte, AzXa vziSm v'HXsKzgag ysvsafrai AdgSa vov
sollten, wenn dem Lande Unglück drohte, in zs Kai 'IaaCmva Kai 'A gfioviav [vgl. Kon. narr.
Erschütterung geraten und sich aneinander 20 21 JägSavog Kai 'laalmv itaiSsg iqGzwv Aibg sS,
schliefsen. — 58. Unklar (wahrscheinlich durch 'HXtKxgag = Apollod. 3, 12, 1 'HXsKzgag Ss
Verkürzung einer vollständigeren Vorlage) ist zfjg "AzXctvzog v.al Aiog 'laßimv «ßi AagSa-
die Überlieferung des mythographischen Hand- vog jctJ,., ebenso Ephoros und Demagoras,
buches Apollod. 3, 5, 4 6 Ss KdSfiog pszd Ag- s. unten nr. 62]. 3. mv zbv fisv AdgSavov . . .
fiovlag @r]ßag SKXi-nmv ngög "Ey %sXs ag naga- ngmzov tlg zrjv 'Aßiav snl ß%sSiag Siansgaim-
yivszai. zovzoig Ss . . . b &sbg s%gwßsv IXXv- &svza . . . Kzloai AagSavov tioXlv Kai zq ßaßi-
gimv Kgazr\ßsiv sdv r]ys(i6va K.kuVA. s%mßiv. Xsiov . . Tgolav cvBzrjßao&UL Kai zovg Xaovg
01 Ss nsio9svzsg . . . Kgazovßi. Kai ßaßilsvsi K. dq>' savxov AagSdvovg ovoudßai . . . Kai tou?
'iXXvgioiv Kai naig 'iXXvgiog avrm yivszai. avftig vnsg <9pßxr/g AagSdvovg KazoiKißai. 4. Dem
<?£ fiszä Agfiovlag s lg SgaKOvza fiszaßaXmv** slg 30 zweiten Sohn, Iasion, zbv zlia nagaSsikai zrtv
'HXvßiov nsSi'ov vtio Aibg s'^STtsficp&riaav. Schal. zmv iivazrigimv zsXszrjv, ndXai fisv ovaav sv
Tina. Pyth. 3, 153p. 338 B.: ...zovzov (K.) svdai- zy vrjaco ... 5. (iszoc ös zavza KaSfiov zbv
fiovqaavza sv-itscslv s Ig'lXXvglovg . . . a7to9soi9rj 'Ayr]vogog v.aza 'Qrjzr}6iv zfjg Evgmitrig
[isza zrjg . . Agfioviag Kai änsX&wv stzI Sga- äcptK se&ai ngbg avzovg, Kai zrjg zsXsrrig
kovzcov ag;iazog (?) Kttzor/.r\6sv sv reo 'JiXvaüo ßszao%6vza yr/^iai zvv ad sXcprjv laß Loivog
ttsSlco. Wertvoll ist der Eingang, der uns das A q[lovCuv ov Ka&äztsg "EXXrivsg (iv&oXoyovoiv
Motiv zeigt, weshalb die Encheleer den Kad- zriv "Agsog. 49, 1. zbv äs yafiov zovzov
mos freundlich aufnehmen. Der Schlufs bei ngmzov öaiaai &sovg, Kai Arjiirjzga ßsv
Apollodor wirft die Überlieferung der Kataloge 'laoimvog igac&siaav zbv Kagnbv zov nizov
mit der 'korinthischen' zusammen; in den 4,0 SwgrjaaG&ai , 'Eouf/v Ss Xvgav, A&rjv&v Ss zbv
Pindarscholien wirkt eine Reminiscenz an das Siaßsßorjusvov oguov Kai nsitXov Kai avXovg,
Ochsengespann mit, um die Verwirrung voll- 'HXsKzgav Ss zä zrjg /isyäXng KaXovfisvr]s tnqxgbg
ständig zu machen (besser schal, zu 167 oben zmv 9säv isgd . . . (s. ob. Bd. 1 Sp. 1234 f.) Kai
Sp. 850, 59). — 5f). Strdbo 2 p. 326: Hinter Epi- AnbXXaiva \Av Ki&agiaai, zag Ss Movaag avXrj-
damnos wohnen die 'Ey%sXs 101, ovg Kai Ssaagrj- coit (äaai?), zovg Ss äXXovg ftsovg svcpj][iovvzag
^riovg (Heliat. fr. 67f.) KaXovaf itgbg Ss zovzoig ovvav^rJGai zbv ydfxov. 2. fiszä Ss zavza zbv
. . . r] zginoXig TlsXayovia (vgl. nr. 17) . . . v.al jj.lv KdS fiov . . . Kxioai Orjßag zag sv Boim-
'EXifisia Kai 'Egäzvgad zavza Ss zigozsgov psv xia, zbv 8' 'IaaCmva yr]iiavza KvßsXrjV (die als
KazsSwaezsvszo .., äv sv zoig 'EyxsXst'oig ol Heroine angesehen wird) ysvvrjaat Kogvßavza'
KdSpiOV Kai Agfioviag aTtbyovoi rjgyov, 50 'laoimvog Ss slg ftsovg fiszaaxdvzog AdgSavov
v.al zd iiv&svou.sva itsgl avzmv SsiKvvzai. ovzol Kai KvßsXvv xat Kogvßavza (iszaKOiu-iGai slg
fiiv ovv ov% vtco l&aysvmv r]g%ovzo kzX. giebt zr/v Aaiav zd zr)g firjzgbg zmv frsmv tsgd (wo-
nichts mythologisch Neues, bestätigt uns aber, nach sie die Göttin selbst Kybele nennt)' zbv
dafs man die Herrschergeschlechter in der That S's Kogvßavza (der den Korybanten den
von Kadmos herleitete. Damit steht es im Namen giebt) yijfiai ®r]ßrjv zr)v KlXixag &vya-
Zusammenhange, dafs nach Plut. Pyrrli. 5 eine zsga. 4. So kommen die avXot nach Phrygien,
Schwester des Königs Neoptolemos von Epeiros die Lyra des Hermes nach Lyrnessos, das
KaSfisla hiefs, s. Droysen, Hellen. 2, 2, 260. Achill eroberte (Apollod.). e| 'Iaaimvog Ss
Ob Beziehungen zu der 'thesprotischen' Kafi- Kai Ar]fx,r]ZQog I7Xovzov ysvso&ai . . . Vor allem
liavla vorhanden waren, bleibt zweifelhaft. 60 aber ist die Telete berühmt u.a. w. — 61. Eine
Dem thesprotischen Kadmos-Flufs (St. B. 351, merkwürdige Ergänzung dieser Andeutungen
23) haben die Griechen des Vorlandes den bieten die späten, aber in kleinasiatischem
Namen gegeben; ebenso werden sie die Sesa- Kultbrauch entstandenen Orphischen Hymnen.
rethier mit ihren mythischen Encheleern iderx- Hymnus 39 p. 79 Ab. indigitiert, nachdem 38
tificiert und damit den Barbaren-Königen ihr of sv £au,o&gr)K-n avuKzsg gepriesen sind, den
Stemma verliehen haben, die sich solche Ehre
gern gefallen liefsen (vgl. Bd. 1, 2829, britan-
nische Fürsten als 'Hyperboreer'). i'oßff.
) Vgl. besonders 5, 49, 4 (Anknüpfung an Lyrnessos,
gern gefallen liefsen (vgl. Bd. 1, 2829, bntan- ;;v ^/üMa . . ?.afiüv) und dazu K. Tümpel, Philoi. 48 (2),
855 Kadmos (u. Harmonia in Samothrake) Kadmos (u. Harmoma in Samothrake) 856
Kogvßag oder Kvgßag als &sbv äicpvfj . . <poi- (cod. KaxoiK.), ov Kai noXväg%i]v Xeyeo&ai inb
vvov, a'ua%{revxa Kaeiyvr\xav vitb Sicarov (ein xtov iy^cogiav, ytal 'HexCoiva, ov 'laaüova
verschollener Mythos, vgl. Klein. [EW.] Protr. bvoyd^ovai . , . xgixrjv Se i'atev 'Agpoviav,
p. 12, Ontsius, A. E. a. a. 0. p, 24), dnovq y)v rjydys-co KdSfiog- xctl dno xrjg firixgbg
og yvcöiiTjOLV svr\XXdt,ag Ssyag dyvov | ftrigoxv- aix^g 'HXeKxgtäag nvXag rijc. Orjßng övofidaai.
Ttov 9e uevog fiogcpf/v Svoqie goi'o SqÜhovt.oc (ganz [axogei 'EV.dvi.-nog iv ngmxco TgcoiKcov Kai
wie Kadmos, s. oben 48. 53). — 6'2. Ephoros 'läojisveve. Vgl. Schol. Eurip. Phoen. 1129
und Hcllanikos. Eine Staffel weiter zurück p. 3G8 Schw. — 64. Auf Hellanikos gehen
führt uns Ephoros, Schol. Eurip. Phoen. 7 danach zurück die Grundzüge des diodorischen
p. 248 Sehn. (fr. 12 FHG. 1 p. 235) "Etpogog w Berichts und die Anknüpfung an die grofse
de 'HXeKxgag trjg "AxXavxog*) avxrjv (Har- Flut; Zeus und die Atlantide Elektra-
monia) flucti Xeyei- KdSaov de naganXeovxa (Elektryone)-Strategis als Eltern von Darda-
^auo&gaKriv dgndaai avxrjV xr\v Se ig xi- nos-Polyarehes, Eetion-Iasion und Harmonia;
\i,r\v xr\g p,r\xgbg ovofidaai xag 'HXeKxgag xtiXag- Kadmos, anf der Suche nach Europe bei
y.al vvv sxi iv tfi Xauo&gdKy fcrjzovetv avxi]v Samothrake landend; die Entführung (dg-
iv xaig eogxaig (s. den Art, Megaloi Thcol nayi.i6g) der Harmonia als aixtov einer Fest-
unter Samothrake). Vgl. Demagoras v. Samos sitte; die Gründung Thebens und die Be-
Schol. Eurip. Phoen. 7 p. 248 Sehn. (fr. 1 nennung des Elektrischen Thores. Durchaus
FHG. 4 p. 378) Jr]uay6gag de dnb Atßvrjg neu ist es, dafs Harmonia nach Samothrake
(als Atlantide) iX&ovoav xi]v 'HXeKxgav ot- 20 gesetzt wird. Im übrigen fügt sich die Über-
Krjaai. xrjv Zafio&QOMrjV ev&a avyyevouevn Jil lieferung in die bisher behandelte epische
sxsks 'Hu-i&eav J d gd avov 'Agiioviav ein. Das Hochzeitsfest in Samothrake wider-
xbv de Kddy-ov naganXeovxa fiexd @daov streitet jedoch der älteren Tradition. Es
tili tvixrjciv xrjg däeXcpr]g fivrj9fjvai xs Kai mufs bei Diodor aus anderer Quelle ein-
lud» o tS m e k o v läelv xtjv 'Agaoviav [wie geschoben sein. Die Hauptscene ist zwar offen-
Philipp die Olympia, s. Lobtck 12S9], ngovoia bar den Katalogen nachgebildet*), verrät
8h A&rjväg dgndaai avxriv. Für 'Hiii&eav aber eine genaue Kenntnis der Kultverkält-
korrigierte Valckenaer (Schwarte) 'Hex Cava nisse von Samothrake: sie mufs aus epiebo-
coll. schol. 1129 p. 358 Sehn.: [axogeixai de r\ risch er Dichtung oder Legende geschöpft sein.
HXeKxga xgeig naiäag e%siv, Jdgdavov 'He- 30 — 65. Ein« sachlich zu Ephoros-Hellanikos
xiiova, bv -aal 'lualmva dvofiaaav , «ca Aq- stimmende Überlieferung (vgl. Welhnannri. 59 9)
fioviav rjv yrjuavxa xbv Kdb'uov dnb tfig bringt umgekehrt Dardanos und Harmonia von
fiijTfjoj avvrjg 'HXsHxgidctg nvXag ovoixdacti xf/g Asien nach Samothrake. Vgl. Mnaseas, Steph.
0rißrjS. Ähnlich Arrhian bei Eust. 17. B 814. Bi/z. s. v. Adgäitvog (fr. 28 FHG. 3 p. 54) . .
Dion. 391 = fr. 64. 05. FHG. 3 p. 598. Demetr. Mvaaeag Se q>r[Civ, oxi Adgdavog iij,icbv in
Sceps.'p. 54 85 Gaede; vgl. Weltmann, Comment. toü »fco xrjg'Ad-nväg xb nceXXdSiov ägdaevog
phil. in hon. sodal. Gryphisw. p. 59. — 63. Das drpixsxo stg Saao&gdv.riv fifxd Agiioviag «ai
alles deckt sich mit Ephoros. Aber Ephoros 'Iaai'covog xeov d$sXcpcöv xdxzi Sidyovxa KdS-
selbst schreibt, wie sicher nachzuweisen ist, /j.og 6 Ayr]vogog icptXonoirjaaxo' v.ctl dinro&a-
den Hellanikos aus (vgl. Wellmann, p. 58 sqq. 40 vovarjg TwXzcpdrig [Nebenform, s. Meineke zu
U.Hoefer, Kotion S. 44 -"), auf dessen Atlantis Moschosi, 40] yapei xrjv'Agfiovinv b Kdö-
und Troika vor allem die genealogische Grund- fiog xal a7ToaxiXXsi xbv AdgSatov ttg rr)v'AaCav
läge zurückgeht. Vgl. fr. 58 FHG. 1 p. 53 31. usra xeov ixaigav -ngbg Tsvy.gov xbv Tgcöa axX.
Schol. s 125: r)v ös Xgfjg b 'Ictaicov 'EXXdviKog Diese mit den hieratischen Ansprüchen des
d'f 'HXsy.xgag nal Aibg aixbv ysvsctXoysl. svioi historischen Samothrake unverträgliche Version
6i cpaeiv avxbv yscogymcoxaxov bvxa do^av gewinnt an Autorität und Bedeutung durch
f'^ftv bxi xy Jiqiirixgi evvcov.si. xivsg (d. h. das Eingreifen einer bisher (Stoll ob. 1 Sn. 1832)
Hellanikos'? vgl. oben nr. 60) de cpaai (isxd unverstandenen Legende. Apollon. Khod. 2,
xbv ■HaxaKXvefibv (volg. imv.X.) netgd fiovm 992 leitet die Amazonen von Ares und der
iaoCtovi o-ttegua Ttvgcbv evge&fjvai (iv Kgr/x-ij 50 'Nymphe' Harmonia ab; die Sage wird in
nicht in allen Hdss.).**) fr. 129 p. 63 M. den 'akmonischen Hain' bei Thermo don
Schol. Apollon. Eh. 1, 916 iv.eC (in Samothrake) verlegt. Als älteren Gewährsmann nennen die
coksi 'HXiv.xga r) "AxXavxog, nctl mvou.dt;exo vnb Schollen S. 438 (= Steph. Byz. s. 'Axtiovi'a
xäv iyxcogicov £xgaxnyig' rr» cprfiiv 'EXXdvmog p. 60 M.) Phcrekydes: 'Agupvi'ce vvficpn Nal'g
'JIXeKxgveovifi' xaXsLß&ai. 'Eyevvr,ce de xgeig (als Tochter der Elektra?) ng v.al "Agecog Auet-
■neelSac, AugSavov xbv ig Tgoicev fisxoiK-qaavxa t,6vctg (vgl. 2xgaxi]yig - Elektra oben nr. 63 f.)
elvul tpriGi ^egeKväng = fr. 25 FHG. 1 p. 75;
*) Früher las man mit sachlichem Widerspruch aug verwan(Jter Quelle Schol. 11. T 189 (E.
y.tti li. ; rij* ist die beste Überlieferung : wonach oben -, 7 7 7 7 t_t — o/in^N / ^ ' 1
7.1 1 o iL, , ■ 7..- ■* Schwartz, de schol. Hom. p. 3/407) <<u Aßu-
Bd. 1 Sp. 1W5 zu berichtigen ist. . , x „> . >. , ' t ' x .- .Zs
**) Dafs Bellanikos trotz der Terbindung mit Samo- «° Zove e)^ Agecog^ Kai Agu-eviag ri^qprjs Naidog
thrake Iasion als Kreter bezeichnet habe, folgert aus dem &yyuxegeg eioh, WO kaum AgtXOVtag ZU korri-
Zougnisse Furtwängier oben i Sp. 1281b, 52. Bei der Ent- gieren ist, da Harmonia Epoiiyme der benach-
stehungsweise des in den Scltolien benutzten Eompai- barten AgueviOl (Vgl. Steph. Bl/Z. S. XdXvßsg
diums -wie der Schotten selbst bleibt das wegen sach- ;_ jPft.cajJ. fr. 195 p. 13) geworden sein kann,
lieber TJnzuträgUchkeiten zweifelhaft^ EmtalMos p. 152s, 'Kadmos als Rival des Ares' würde sich mit
5«;™«„P,,«a«HÄ»-to.;« d b 23ff behandeiten Sagenform
t/fi. Iigij'ta tu yivo;, diu; rtov y.cci Jlu&Qaz ist kein °
neuer Zeuge, sondern nur Interpret des una erhaltenen *) Die summarische Darstellung des Yfs. in der
Srftolions. AE. S. 41 läTst diese Gesichtspunkte noch aufser acht.
857 Kadmos (u. Harinonia in Troas) Kadmos (u. Harmonia in Libyen) 858
(vgl. auch die Oinomaossage) berühren; mit rühmte Epos zurückführen, welches der Ama-
dem ursprünglich böotischen Namen 0sg^m- zonensage in den Troicis zuerst Bedeutung
öiov könnte die Sage von der Saat der Drachen- verschaffte: der Al&ioittg oder 'Aixa^ovig (Bd. 1
zahne in Verbindung stehen (vgl. Duris Flut. Sp. 268). Bemerkenswert ist, dafs für beide
Dem. 19 = FH.Gr. 2 p. 471; GsgiimScov und Gedichte mit seltener Einstimmigkeit ein rni-
XaX-ncoSiov neben einander bei Paus. Boiaz. [9], lesischer Dichter, Arktinos, als Verfasser
19, 3). Doch die Einzelheiten bleiben vorläufig genannt wird. Wenigstens der Ursprung der
dunkel, s. 76. 20. — 66. Dafs auch das klein- Gedichte in Milet darf wohl als wahrschein-
asiatische Thebe mit Kadmos in Zusammenhang lieh gelten, zumal Milet noch andere klarere
gebracht worden sei, macht schon der Name 10 Beziehungen zur Kadmossage hat, s. unten
Eetion in den oben behandelten Legenden nr. 90 ff.
wahrscheinlich^ den man von dem Theber- y K&&mQS nnd Hamonia in Libyen.
konige bei Homer wird herleiten müssen. J
Direkt bezeugt es Dikaiarchos, Schol. Eur. Hellenistische Poesie. — 69. In dem Ge-
Andr. 1: Ainaiug%6g cpnoiv iv&aSs dnb- dichte des_ Konnos nehmen die 13, 333 ff. mit-
OTtaafiä zt, <(toü)> fisra toü KäSfiov ozb- geteilten Überlieferungen eine Sonderstellung
Xov o£xr]Gttt : ob Dikaiarchos hiermit das kiliki- ein (vgl. Köhler S. 39 f.). Zum Heere des
sehe Theben ' a Gadmi Thebis' abgeleitet hat Bakchos kommen auch die Libyer, dy%iv£tpri
(Schwartz, de schol. Dom. p. 441/45) ist zweifei- vaiovzeg dX-fjfiovog dazsa KäSfj.ov | (335) ksl&i.
haft; vielleicht liefs er Kadmos den Ort schon 20 ydg . . . nscpogriuivog avgaig \ slg %govov whee
auf seiner Wanderung von Phönizien her be- KdSfiog, i%a>v Zi&avCSu vvficprjv (die Samo-
rühren. Das scheinbar widersprechende Zeug- thrakerin) | ov\mXoov , 'Agfiovirjv tri naoftivov
nis der Schol. ADL Z 396 ist von Schwartz . . . rjv Xdgiv i^ovöfir]v£ Aißvg azgazbg —
a. a. 0. beseitigt. Anders Schol. V Z 396: "ASga- dßgozsgr) ydg \ (340) Biarovlg eßXdazrjasv l-ni-
fivg zig [ö] TliXaaybg dcpiuöiisvog ilg z'r\v "lör/v fftovCr} Xdgig äXXr], | zijg ano %ai Aißvr\q Xagi-
. . xtiJei itöXiv 'ASgafivzzsLOv xaXovfiivrjv; He- zcav Xötpog . . . Um ihretwillen greifen die Mau-
rakles gewinnt seine Tochter @r)ßr] und gründet rusier zu den Waffen: aber Kadmos (345)
und benennt ihr zu Ehren die Stadt vnb zb zivdaamv . . AißvoxCSog ty%og 'A&i'ivrjg \ Agfio-
W.dxiov etil' (nicht verderbt) 'Egi&rjXag (vgl. vir\g TzoXij.ii'^8 TcgoaanC^av Tiagay.oizijg, egjte gi'av
die Theliden) Kai Aößng oi Aazdxov (also 30 d' iqioßriosv oXov ysvog Al&i07trt<av \ avv Ait
Sparten, s. nr. 20. 79, Bd. 1, 645) dTtagxdg ei? ... "Ags'C -aal Kv&igsi'y • l he i&i «al, cög svinovai,
<Polvih7]v äiib Qrißiqg tpigovzsg (^ma&rjactv Ttctgä Tgizaviäi Xi'fivv I (350) 'Agaovi'rj nagiXsxxo
■/.al OLHijGavzEg tKxioav avzrjv. — 67. Schliefs- gobcoTtibi Kdbuog dXrjzrjg, | Nvfxcpca b EGirzgi-
lich gehört in diesen Kreis die Eidothea, <jfg fiiXog inlExov: und aus ihren Gärten holt
welche die Sophoklesscholien Antig. 992 als Kypris mit den Eroten die goldenen Früchte
zrrv Kdäfiov dSsXqnjv bezeichnen (identisch zum Schmuck des Hochzeitsgemaehes: >)g dnb
mit der 'Idaict, T. Aagbdvov zov 2%v&ä>v cpvXXcov \ 'Agfiorin v.ai KdBfiog . . \ ßöozgv%ov
ßaailicog, siehe oben 1 Sp. 1218). Isoliert dqivswiciv siiizgiaouvzo %ogvußoig \ dvzl gödov
ist die noch anonyme Notiz des Schol. Eurip. yajiioio . . . \ v.ai fitlog dazgcäi]g y.i9dgrjg inina-
Phoen. 5 p. 248 Schv). sVtot Ss dvzl 'Agfio- 40 [iov iyiigag (360) jj,rjzgo7idzcaQ ... ovgavbv dfieps-
vCag H X e' % x g a v avzov rpaoi yriiiav. war etwa XtXi'& Aißvq •x.vgzovfisvog 'AzXag\%al [izXog agfio-
in der nr. 64 postulierten alten Dichtung die viris ifisXi'^szo ysizovi, tpcovr]. Und zum Andenken
einheimische Elektra die echte Braut, die erst <?räns nobeov inlßci&gaAißvGziäi Kddfxog dgovgyl
bei einer harmonistischen Mythenbehandlung (365) dwfiriaag nolimv snazovzd da, däxs ä
der Harmonia weichen mufste? Auch Europe ixdazrj | Svaßaza Xa'Cvioig vipov/itva zsl'xsu
auf Kreta und Atymnios als ihr Bruder scheint nvgyoig. Während es Nonnos mit Rücksicht
in diesem Gedichte behandelt worden zu auf die kanonische Hochzeit in Theben ver-
sein, vgl. nr. 86. — 68. Die epische (iiiile- meidet, ein Verlobungsfest in Samothrake
sischeJ) Quelle. Dafs sich diese Überlieferungen zu schildern, bietet er dem Leser hier bei-
in vielen Punkten an die kanonischen Epen 50 läufig eine voll ausgebildete Dublette jenes
anschliefsen, ist längst erkannt, vgl. zuletzt später (nr. 102) zu besprechenden Abschnittes.*)
M. Wellmann a. a. 0. 58 ff. Ähnlicher Ursprung Er folgt also blind einer anderen Quelle,
ist auch für die befremdlichen, Kadmos und wahrscheinlich direkt (wie nachweislich v.
Harmonia angehenden Teile wahrscheinlich. 444ff., vgl. Köhler S. 41) den Bassarika des
In Betracht kommt hier besonders die 'IXiov Dionysios. Hinter beiden steht zunächst
nsgaig, in der nach einer (bei Kinkel p. 50 KalUmachos, wie schon Köhler S. 40 ange-
nur unvollständig mitgeteilten) Stelle des Dionijs deutet hat. Vgl. v. 529 (371): fr. 13 p. 123
v. Halikarnafs 1, 68 Dardanos mit dem Sehn., ol'v te Tgizavog iq>' vSaciv 'Aoßvazoio
Palladium von Samothrake nach Troas v. 340 f. 362: /}-. 266 p. 497 Sehn. ■?) vnlg
zog. Wenn nach derselben Quelle das echte 60 dazaXicav Xagizcov Xoyov, 267 ftißgijg Kvngi-
Palladium in Troas blieb, und nur eine Nach- Sog dgaovi'rjg. — Die epische (milesische J)
bildung in die Hände der Achaier kam, so Quelle. — 70. DenCharitenhügelamKinypsflusse
zeigt sich darin ein kleinasiatischer Lokal- erwähnt auch Herodot 4, 178, ebenso den Triton-
patriotismus, dem die Rolle von Samothrake see mit der Insel <&Xd, welche AaxsdaiuovLoiGi
und Troas in den oben dargelegten Über- tpaai Xoyiov slvai -/.ziaai. Auch wurde Iason
lieferungen ganz entspricht. Die Verknüpfung von Malea aus hierher verschlagen: ein Triton
der Harmonia mit den Amazonen läfst sich erschien ihm, verlangte von ihm eiuen Tripus
nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf das be- *) Vgl. das verwandte Beispiel PMioi. 48 (ä) s. 227.
859 Kadmos (u. Harmouia in Libyen) Kadinos (u. Harmonia in Libyen) 860
für sein Heiligtum und verkündete.- imav xbv stehen: Myrtilos, Schol. Arat. 172 b 81 Mvg-
xpinoda KOfiLOrtrca xäv xig i%yovv>v xäv iv xy xiXog xäg KaSfiov &vyaxsQug (xäg 'Tadag sintv
'Agyoi ev\ntXco6vt(ov, xöxs ixaxbv nöXiag oixi)- sivat) = Schol. Germ. p. 75 (Eratosth. Bob.
aai tciql xrjv TqixuivCSa Xijivrjv'EXXrjviäag näcav p. 110) Myrtüus autem Hyadas quinque filias
stvai avuyv.T\v (vgl. Nonn. v. 365). Wenn man Cadmi esse dicit; falsch erklärt von Welcher,
hier an Stelle des Iason den Kadmos setzt, Ep. Qykl. 101 (die Töchter des Kadmos,
hat man die Grundzüge von Nonnos v. 360 ff. Autonoe, Ino, Seniele, Agaue und die Schwieger-
— nicht der einzige Fall, dafs die eine Über- tochter Nykte'is werden wohl verstirnt zu
lieferung für die andere eintreten niufs, s. oben Hyaden, nicht umgekehrt), s. ob. 1 Sp. 2753 ff. —
nr. 26. Aus derselben Quelle (im Gegensatz zur 10 73. Vor allem aber gehört wohl in diese Gruppe
Ehoie) scheint Pindar Pyth. 4, 35 ff. (Apoll. Bh. das Ende der Europa im südöstlichen Lykien
1, lSl) Enrope, T. des Tityos und vonPoseidon oder in Karien. Denn wenn Herodot 6, 45
M. des Eupharnos (ob. 1 Sp. 1407), entlehnt zu bemerkt fj Ebgcönr] ovxs yiviaoKSxai. . . okö&sv
haben: die Schwester oder Base des Kadmos xb bvofia i'Xctßs xovxo .. tl (lt\ anb xfjg Tvqi/js
ist hier deutlich mit Kyrene-Libyen in Ver- cpr]ao[t,£v JLvqäitrjg Xaßsiv xb bvofia xrjv %tigr]V
bindung gesetzt.*) — 71. Die ganze Überliefe- tiqoxeqov äi jji> äga dvcövvfiog . . . äXX' avxrj ys
rang verbindet sich nun durch den firjxgondxcoQ Jx t?js 'Aising xs yaCvsxai iovea Hai ot!x dm-
Atlas v. 360 und Elektra mit dem oben xofiivTj ig xr\v yijv xavx-qv . . . ■ all' oaov jx
nr. 62 ff. dem Hellanikos zugewiesenen genea- c&oiju'xtjs ig Kgr'ixnv, ex Kgrjxrjg äh ig AvKirjv
logischen Konstruktionen. Der 'Göttergarten', 20 — so folgt er (oder sein Gewährsmann) ver-
in dem die Hochzeit stattfindet, lag Ursprung- mutlich demselben ionischen Epos, aus dem
lieb wohl auf Sarnothrake-Ji'ihoTri'o: (vgl. oben wir auch andere auf Kadrnos-Europe bezüg-
Sp. 388, Tümpel, AithiopcnländerS. 168 ff.), wurde lieben Zeugnisse abgeleitet haben. Vgl. noch
aber schon früh in den fernen Südwesten ver- 1, 173 oi äi Avy.101 iv. Kgrjxrjg xcogxaiov ysyo-
schoben. Da nun das oben nr. 68 als Quelle vuoi . . . SLZvtix&ivxav Ss . . xäv Eiga-nng
angesetzte milesische Gedicht bekanntlich die 7zaCäcov Zagnijdovog xe mi MCvco . . i^rjXaos
Aithiopensage in die Tgcoiy.d gebracht hat, avxov xs Sagirrjädva Kai roi's oraaicöxag avxov,
könnte es wohl auch den Göttergarten und of ds ditaGirsvxEg amteovro xfjg 'Acirjg slg yrjv
die Kadmoshochzeit mit den „westlichen xrjv MiXvdäa . . .vbfioiai St Kugmoioi xgiavxai.
Aithiopen" in Verbindung gesetzt haben. Das 30 So nennt bereits 'Hesiod' Schol. Yen. M. 292
ist um so wahrscheinlicher, als "Memnon nach = fr. 56 Bz. Enrope Mutter des Sarpedon;
demselben 'Arktinos' mit dem ägyptischen danach Aesch. p. 34 JSP. Bakchyl. 56 p. 586,
Theben in Zusammenhang steht (Dion. Perieg. Eur. Blies. 29. Asios von Samos hat die
249 f.). Doch kann die oben nr. 44 als Quelle Heroine als Schwester der Astypalaia nach-
der Kadmos-Typhoeuslegende bei Nonnos er- weislich in das genealogische System der Um-
schlossene, verschiedenen Dichtern (darunter gegend gezogen, und Aischylos liefs in seiner
auch dem Arktinos) zugeschriebene Titanomachie Europe Karer als Chor auftreten, Bücheier,
auch hier direkt oder indirekt seine Quelle Bh. Mus. 35, 94.*) In demselben alten Ge-
gewesen sein, denn nach Philodem nzgl svesß. dichte stellten sich vermutlich eine Anzahl
p. 43 Gomp. sprach b xfjv Tixavofiaxiav tzoitj- 40 von Eponymi, wie Seriphos (nr. S4), Poikiles
oag von den hesperischen Äpfeln und ihren (nr. 83), Itanos (nr. 86), Karchedon (nr. 87),
Wächtern (vgl. Nonnos 13, 350 ff.). Dafs die die rhodischen Kadmeer (nr. 85) unter den
kyrenäischen Gentilkulte Anknüpfungspunkte Schiffsgesellen des Helden ein, s. nr. 95,
boten, läfst sich nicht mehr nachweisen. Sp. 876. Denn dafs der Held hier als uinher-
Zweifelhaft ist es auch, ob auf der von Puch- kreuzender (phönizischer) Schiffshauptmann**)
stein, Arch. Zeitung 1881, 238 besprochenen auftrat, ist zweifellos, vgl. unten nr. 89 ff. —
kyrenäischen Schale der Drachenkampf des 74. Diesen veränderten Verhältnissen ent-
Kadmos gemeint ist.**) Es wäre doch auf- sprechend mufs vor allem der Drachen-
fällig, wenn der Vasenmaler das 'Quellhaus' kämpf anders gestaltet gewesen sein. Auch
ohne Wasserspeier und Krüge gelassen und 50 dafür haben wir unzweideutige Zeugnisse. Bei
die zweite Schlange (hinter dem Tempel) nur Ovid Metam. 3, 46ff. (vgl. jedoch unten nr. 95)
zur Raumfüllung angebracht haben sollte (wie tötet der Drache die ausgesandten ministri alle-
die andern Tiere). Möglieherweise liegt eine samt: hos mor.su, longis complexibus illos, | hos
Parallellegende nach Art der rhodischen Phor- necat adflati fwnesta tobe veneni etc., und Tzetzes
bassage (unten nr. 85) der Darstellung zu zu Lykophron 1206 = Chil. 10, 404 p. 379 (unbe-
Grunde: ohne dafs man gleich ihre Heimats- kannte Quelle, vgl. Härder, De Tsetz. fontt. p. 80,
berechtigung in Kyrene annehmen dürfte. — man könnte an Apollodor denken) nennt als
72. Mit diesem Zweige der Kadmossage Namen der gefallenen Genossen Deileon (fehlt
wird ferner (wegen gemeinschaftlicher Be- ob. 1 Sp. 978) und Seriphos (unten nr. 84). Der
Ziehungen zu Atlas-Elektra) in Zusammenhang 60 letztere pafst ganz in die Reihe der geo-
graphischen fiponyme, wie sie offenbar
*) Vgl. ob. 1 Sp. U08. 0. Malier, Orcitom.'1 258 setzt schon Herodot in diesen Epen vorgefunden
diese Europe = Demeter-Europe (Lebadeia), -was auf hat; von gleicher Herkunft (d. h. aus einem
dasselbe herauskommt. Über die Benutzung der ' Aithio- Katalo ge der K adm 0 SgenOS S en entlehnt)
vw bei Pindar vgl. Lnbbert, ind. lect. Bonn, issi/2 p. 15. sia(1 auch p0ikiles und Membliares Herod.
IE. Meyer Meht hier lediglich die Vertreterin des euro-
päischen Kontinents, die mit Kadmos nichts zu thun \) [Vgl. Seitwärts, quaest. Herod. p. 1059.]
hahe, vgl. aber unter nr. 120.] > Em Stammbaume des Arktinos (zum Sternbild
h*) [Wie Puchstein, auch Sludmcslca S. 33. 57.] äqxto;) steht an erster Stelle Navttj;,
Kadmos (in Boiotien u. Euboia) 862
nr. 72 angedeutet; auch sonst mag er seine
Überlieferungen und Hypothesen über Kadmos
und die Kadmeer (vgl. unter nr. 75. 79. 80 f.)
aus diesen Epen abgeleitet haben. Doch ist
es vorläufig nicht möglich, die alten Zusam-
menhänge wieder herzustellen: daher diese
Legendenbrnchstücke hier in örtlichen Gruppen
zusammmengeordnet werden sollen.
VI. Isolierte Lokalbeziehnngen.
Der ionisch-äolische
;n.
Boiotien und Euboia.
trabo 10, 447 :
Egizgia noXig
LGzrj rfjs Ev-
)iag u.8ia XaX-
iCSa . . . Kai
ztäv JloXecov
dt TLVlg U71U
tf;s Ilsvd-i-
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Ttffff •AOLZh-
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Xaibv na)
"Agaßsg(so
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lehrter eth-
nographi-
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these) oi KäS-
puo evvSiaßäv-
g ■ . . Egizgict
. . GWCOKIGE rag
gl IlctXXrjvrjv Kai
A&co noXtig ktX.
te Epos rnufs in
it Kadmos und
auf Euboia ge-
annt haben, denn darauf
nimmt direkt oder indirekt (vgl.
<Jcat.fi. 89) Bezug Herod. 5, 57 oi 81
igccioi ... cos (UV avzo'i liyovai,
lEGav e| 'EgBzgCiqg zfjv UQTtfV
tag d'f fycö üvttiivv&av6iJ,£VOQ SvgiaKCO,
ijOav <3>oivixsg zäv obv KdSficp ani-
xopivmv ig yfjv zrpi vvv Boicozirjv
■nocXioixivTjV, oixsov öl zrtg %iogrjg zuvzijg
ocTtoXaxövzig zr\v Tavaygiiirjv (ioi-
gav sv&svziv 61 Kaä/iiicav ngözigov
i^avuezavzaiv vtc 'Jgysiiov, oi Vstpv
gaiOL ovzoi Ssvziga vith Boicozmv
Kampfe l'guvuGzüvztg , izgunovzo In 'Ad'ij-
vza Sgd*ovza Ifrqtevesv '"Aqsi oHTci mit d™ ^c^™a(D^h vf cov . . . Die Gephyräer wissen,
i'zr]. Aber die rechte Pointe erhält ""' ' m' ' ' dafs sie nach Euboia gehören und
der Vergleich für die Herodotstelle erst durch zählen sich zu den Kadmeern: das ist Thatsache;
die Tradition, dafs die Gefährten des Kadmos go sie stammen nicht aus Euboia, sondern mit Kad-
bei dem Drachenkampfe getötet und verwundet mos aus Phönizien, das ist Sage oder Hypothese,
wurden; dafs Herodot gerade diesem Über-
lieferungsstrom gefolgt ist, wurde schon oben
*) E:ne bei Micmnet (s. Tables gen. S. 233) auf den Tod
eines Kadmosgenossen bezogene korinthische Münze
deutet Imhoof-Bhimer wohl richtiger auf Opheltes.
**) Seinen Namen hat in dem verderbten ^dYTO —
übrigens nicht Müller erkannt, wie es nach FUG. 4,
657 scheinen konnte, sondern schon Uiujer,
861 Kadmos (u. Harmoma in Libyen)
4, 147, s. unten nr. 83. Dafs hier ein altes
berühmtes Gedicht fortwirkt, scheint sich durch
einige Bildwerke zu bestätigen. Einschlägig
ist z. B. der prächtige etruskische Spiegel,
auf dem der Drache einen Gefährten des Kad-
mos bereits umwunden hat, während ihn ein
zweiter mit der Lanze durchbohrt und Kadmos
selbst mit dem Schwerte ausholt, s. d. Abb. 5
= Mon. 6, 29, 2 (Pervanoglu, Annal. 1859
p. 146 ff.). Auch der sehr proble
matisehe Typus einiger"
zen*) und geschnittent
Steine („Tod eines Ka
mosgenossen durch
den Drachen" :
Winckelmann, P.
gr. de Stosch
p. 317 nr. 16,
s. Pervanoght
a.a.OS.1491)
könnte hier-
her gehö-
ren. Nun
findet sich
schon bei
Herodot
KaSusia
«'jij
sprich-
wörtlich
für den
'Pyrrhus-
sieg': 1,166
cvjifiiayov-
zwv Sl zy
vctv[ia%iri, KctS-
(iiiu zig viv.r\ zol-
gl $ü}y.ca£vGL eyE-
vezo^ ai jilv ydg Zct
GEgä-novzä 0<pi vtsg
(p&ccgrjGuv, aide einooi «
TtEQLeovGai TjGuv ccxgrtG
Zwar leiten die meisten Inter-
preten (vgl. d. Paroemiogr. u. Lexi-
kogr. s. v.)die Wendung aus späteren
Ereignissen der thebischen Sage ab
(aus dem Epigonenkriege); aber natür-
licher scheint es, sie mit Lucill von
Tarrhai (unten nr. 104) und dem Verf.
eines Buches nsgl Orjßwv, wahrschein-
lich Lykos v. Ithegion (Etym. Gud.
p. 693 = Suid. s. v.; vgl. Leutseh,
Parocm. vol. 2 p. 75. Müller, FHG.
4 p. 657), auf Kadmos selbst zu be-
ziehen. Lykos**) erinnert daran, dafs 5) Kadmos und seine
Kddfxog dvsXcov zbv zrjv "AgEiav zt]gov- Genossen
die nie hätte geglaubt werden sollen (s. v. Wilamo-
witz, Hermes 21 S. 1061); vgl. unten nr. 90 ff.
104. 120. Ein Anklang an die drachenzahn-
entsprossenen , erzbewaffneten Männer der
Spartensage hat sieh vielleicht in dem euböi-
schen Abantenkönige Chalkodon erhalten (oben
Sp. 870), vgl. nr. 79 und //. D. Muller bei
863 Kadmos (in Boiotien u. Euboia) Kadmos (in Thrakien) 864
Tümpel, Bemerk, z. gr. Beligionsgesch. S. 18. zy (irjzgi tr/s EvgaiTtrjg TrjXKpdy iTiyti ngbg
Als älteren Sitz der ' <$oiviK£ g avv Äaäfico' — (cod. irtgl) 'Afri'ivag*) Kai iitvv&avizoEvgcöizrjv
d. h. als Sitz der Kadmos-Sage — nennt t'xsa^ai. iv zij &qä%ri, Kai ovzag dyUszo si'g
Herodot in dem angeführten Zeugnisse (5, zf\v v.az' dvznzigav i',7isigov ' xal tiQX£V *v
57) die TavaygtKrj fioigu von Boiotien (vgl. it] %<ÖQa zavzy ndvzav Evgcuitr] zov dv-
Kap. 129). Das bestätigt sich durch selbständige ögbg änolsicp&SLGCi**), ov% t) <3?oCviKog, dXX'
Überlieferung (Crusius in der eiligem. Encykl. iiti%a>Qiu zig yvvjj, da/ yg Kai j] fjnngog
S. 39 '-) bei Eustaih. p. 408, 4 = Pausan. anaaa t) Tigbg Bogsav avsiiov Ebgamy KiKXrj-
Att. p. 45 Seine. : oi ösHazsv&ivzsg . . . slg tat." Den Eingang nach demselben Gewährs-
Jsltpovg in 'A&yvai'cov*) Tscpvgaloi laßovzig 10 mann {Höfer S. 55) bietet vollständiger Konon
XQrjBjibv . . . ßovaiv ctKoXov&ovvzeg , icog dv narr. 32 . . . zb itigi Eigamyg zfjg <&oivi-
tKtivoi Y.oniaGüjOiv . . . . , äg b &ebg ab- -nag xtvyazgbg dcpavovg yiyBvyfisvyg, Kai d>g
zoig sxQTjOtv, onaig sjtgt Kaza^tivcoGi., iiti Td- Ä£fti/j£i£ zoyg ytsCg 6 Tiaryg Kazd jrjt/jcfjj' zyg
vaygav cöäsvGav , Sovzsg fisv xä> ngoyyoviiivcp äS^Xopyg, äv yv Kai Kddjiog, [i£& ob Gvvaiz-
KygvKSiov cog inl ngiaßsia . . . , KaftonXiGav- ca'ofi Kai Tlgcozivg i£ Aiybnzov . . . Kai dtg
tf s da Kazoniv zovg vsovg (vgl. V. II ilamoicitz Kazä noXXrjv TiXdvnv fitjSiv svgövzsg kuzso%ov
a. a. 0. S. 106f.). Die Beziehung auf Attika hat sig ITaXXyvrjv, Kai big Tlgcoz^bg . . . dyszai
derLokalpatriotisrnusdesDtHJcm hineingetragen; yvvaiKa zrjv ifvyattga (des Sithonerkönigs)
ebenso ist in nr. 77 Athen der Durchgangspunkt Xgveovbnv. Wie sich Proteus mit der thra-
fitr die Eadrueer-Gephyräer, vgl. die attischen 20 kischen Prinzessin vermählt, so mufs sich
Hyperboreer-Legenden Bd. 1 Sp. 2819 ff. Die Eadmos mit der von ihrem Manne
Legende ist eine Dublette zur thebischen Grün- verlassenen Thrakerkönigin Europe ver-
dungssage. Das benachbarte Mykalessos wird bunden haben, d. h. der Mythograph, der
durch eine ähnliche Geschichte mit Eadmos der Methode des iciogLy.bg Kai ^.egiczbg Xoyog
selbst ^Zusammenhang gebracht, s. Sp. 835, 1. folgt, verband mit der Vulgärsage, in welcher
76. Über Eadmos in Illyrieu und Epirus die „tyrische" Europe schließlich spurlos ver-
s. oben nr. 46 ff. 56. Doch hat der ursprünglich schwindet, eine seltenere Legende, nach welcher
griechische und mythische Begriff IXXvgiog Eadmos sich in Thrakien mit einer — ur-
und 'IXXvgig (Arist. eiv. 1521) keine feste sprünglich wesensgleichen — einheimischen
ethnographisch - topographische Bedeutung, 30 Heroine Europe vermählte, Tgl. nr. 3. — Das
sondern ist von den Griechen an verschie- bewährt sich vor allem durch die Spuren
denen Stellen, auch in Thrakien (nr. 56. 77) ihres Sohnes Sarpedon. Der £agm]davu]g
und Lykien (unten nr. 125) fixiert worden. Die dy.grjg in Thrakien gedenkt Herodot 7, 5S
in das Eiym. M. versprengte Notiz über die (vgl. Strabo p. 331. fr. 52) und die Lexiko-
benachbarten Taphier (p. 148, 40): avzoi graphen s. v. (= Zenob. Interpol. 486 p. 156,
$i zb dvsxa&Br <&oi'vixeg zäv [iszd Kdöfiov vgl. p. 540), die aus troischen Fabeln des So-
azaXivzav geht vielleicht auf diese westlichen vliokles (fr. 43 p. 141. fr. 580 p. 270) eine
Eadmossagen zurück. Denkbar ist es , dafs SagTirjäwv can) [nizqa) anlühren. Die Schöl.
eine alte epische Überlieferung die Basis ist; Apoll. Hhod. leiten den Namen dnb £. xov
Taphier und Teleboer liegen innerhalb des 40 xrjg OgaKrjg fiaGLXecog dSsXcpov TloXzvog
Horizontes frühböotischer Poesie (vgl. d. Hera- ab, nach Apollod. 2, 5, 9, 13 dem Sohn des
Messchild). Dafs diese Notiz nicht historisch Poseidon: wie das Schol. zu 211 = Plierec. fr.
verwertet werden kann, wie noch Oberhummer, 104 p. 97 zeigt, steht dahinter Tlierekgdes,
Akarnanien 53 gethan hat, wurde vom Verf. d. h. das Epos. Es ist ein altes Jenseitsbild
schon Phil. Ans. 17, 658 hervorgehoben und der boiotischen Religion (vgl. Theog. 774 f.),
bedarf jetzt keines Beweises. Von hier aus was hier im hohen Korden lokalisiert ist, wie
erklärt sich die Landschaft Kafifiavia und der sonst im Süden ^n Eilikien) vgl. Bd. 1 Sp. 2835.
Eadmosflufs in Thesprotlen, s. nr. 126. — 78. Hierher führt uns ferner die (aus Htl-
Thrakien. 7 7. Schon in den Eatalogen leinikos?) durch Aristoteles (Arist. Pseudcpigr.
und bei 'Eumelos' besiedelt Eadmos, der von 50 ' p. 493 R., unten nr. 105) vermittelte Notiz bei
Süden aus den Landweg einschlägt, mit seiner Plin. Kat. hist. 7, 57, 197), dafs auri metalla et
oder der Europa Mutter zunächst Thrakien, flaturam Cadmus Phoenix ad Pangaeum montem
s. oben nr. 12 ff. In merkwürdiger Form liegt 'erfunden' habe, = Klein. Alex. Strom. lp.307B
diese Legende vor in den Schol. Eurip. Blies. (II p. 54 Lips.) KdSuog p.haXXa_xQvoov zd ntgl
28: Aizzug Si ras Evgco7iag dvaygdipovGiv zb Tldyyaiov insvörjesv bgog. Ähnlich. Dtmetr.
IVtof piav liiv 'SlKiaviäa (Hesiod) ... tzigav Scepis. (nach Keülisth.) bei Strabo 14 p. 680
Ss ^>oivi.ßGav Kai (ziivl) 'Ayrjvogog . . . eial 6i = Demetr. Sc. p. 42 Gaede, Callisth. fr. 29
o'i xai xgi'zTjv dvaygdipovGi, Ka&dntg Hyu- p. 20 M. (und byzantinische Aussehreiber bei
Ginnog cv zoCg TlaXX^viaKoig (fr. 6. F.HAf. Unger p. 9). Vgl. Hygin fab. 274, unten
4, 424) yqdywv ovzcog- **) „KdSjiog gvv co nr. 105. Diese Legenden werden mit den eben
*) Das "Wort ist uiclit anzutasten. Es spricht der besprochenen euböischen Eadmosmythen zu-
AttMclograph .ßemon, -wie schon wuamowit; Herrn. 21, S. lou sammenhängen ; s. auch Steph. Byz. p. 331 31.
Amn. richtig erkannt hat; weshalh Topjfer, AU. Geneal.
5. 29S die andere Passung auf Denion zurückführen will, seltener rhodischer Legenden (oben s. Akantho) beweist,
weifs ich nicht. [Tgl. jetzt Crusius, Philol. Suppl. 5 S. 269 ff.] die Götterkataloge bei Cicero u. s. w. zurückgehen.
**) Warum JIa/l><r das Stück unter die Incerta setzt, *) Bei dem späten Schriftsteller kaum anzutasten.
bleibt unverständlich. Das Excerpt stammt übrigens aus **) So ist offenbar zu schreiben nud zu interpun-
Aristokles (dessen Namen man mit Hecht in dem hds- gieren: ., Europe herrschte in dem Lande, da sie von
jigtorozi?.7]s erkannt hat), auf den, wie die Bevorzugung ihrem Gemahl verlassen yfar" u. s. w,
865 Kadmos (in Bithynien, Tbasos, Lesbos) Kadmos (in Sparta) 866
s. v. 'IIXvqCol' 2<Bpa nXrfiiov xov Huyyuiov mittelt, auf den Zenobios-Didymos 3,70 Miü.
und dazu die Kadmos-Illyrios-Snge nr. 56. p. 372 = Ps.-Phd. 40 Paroeni. 1, p. 327 Gott.
Bitliynien. 79. Auf verwandte Quellen zurückzufahren ist: 6 Asoßiog ÜQvXig' uvttj
haben wir oben (nr. 20) die Angaben des v.u&' bfioicooiv Xsyszui 'cootzsq Asoßiog TlQvlig'' .
Memnon über das bithynische Astakos ver- öozil äs 6 IlQvXtg 'Eqjiov -riaig ysvsaSai
inutungsweise zurückgeführt, bei Plioi. bibl. xul fidvzig. An dieser Gleicbsetzung des
228 = F.H.G. 3 p. 536: zrtv "Aaratiov äs lykophroneisehen Kadmos mit Hermes zu
Msyugsav äniauv uttoikoi . . . 'Aozuv.bv stti- zweifeln ist kein Grund. Bemerkenswert ist es
xXrjv vuzu '%gr\0(ibv difisvoi (doch wohl von aber, dafs Hermes hier mit Harmonia als eng-
Delphi) unö zivog zäv Xsyofiivwv ZtnuQzäv Kai 10 verwandt hingestellt wird und sich auch als
ynysväv (s. oben 36) xäv [änoyuvcov xäv] sv Vater des prophetischen c Waffen tänzers ' mit
0r'ißaig, 'Aoxa-nov xi)v v.Xr\aiv v.zX. Vgl. M. Kadmos, dem 'Kureten' und Vater der streit-
Mayer, Die Giganten S. 30, der auch den baren Sparten, berührt, vgl. nr. 61 f. Näheres
Namen auf die 'Erdgeburt' zu beziehen ver- im Artikel Megaloi theoi.
sucht. Das benachbarte Chalkedon, nach Die mit lesbischen Überlieferungen vielfach
Charon, F. H. G. 4 p. 627 die Mutterstadt verflochtenen Sagen aus der Troas und aus
von Astakos, würde sich gleichfalls legen- Saniothrake s. oben nr. 60ff. Wenn Hermes
darisch leicht mit diesem Sagenkreise verbin- in diesen Überlieferungen Kadmos, oder (mit
den lassen, vgl. nr. 20. 65. Söhne des Astakos als üblichem Kosesuffix , s. Fiel: S. LI f.) Kad-
Gründer des kleinasiatischen Theben nr. 66. 20 milos heifst, so soll er damit nur als boioti-
Thasos. 80. Vgl. oben Sp. 833 f. Dafs die scher Gott bezeichnet werden, vgl. Crusius,
Überlieferung von dem vzi'ozrjg dauernd leben- Beitr. S. 14. Ebenso würde der Dionysos
dig blieb, zeigt der Personenname Kdoofiog, Kadmeios zu erklären sein bei Paus. 9, 12, 4:
vgl. Kuhn's Zeitschr. 29, 429. Vor allem TloXvätagov äs zb h,vXov zovzo %aXv.ä Xiyovoiv
die Anlage der Bergwerke schrieb man (schon snr/.oofi^aavzu Jiövvaov vuXsbul Käöfisiov,
im milesischen Epos?) den 'Phoinikern' zu wenn diese Lesart überhaupt zu halten und
(d. h. Kadmos und seinen Leuten), vgl. Herod. nicht mit Schubart, Eh. M. 5, 3471. {Brunn,
6, 47 zu jisxuXXu ..., xd o£ Gfoiviv.sg dvsv- Künstlerg. 1, 392) für Kdöfisiov: Kdäaov Si
qov oi fiszu ®daov vzi'ouvxsg xijv vqoov zuv- (zum Folgenden) zu lesen ist.*)
x-qv . . , Ebenso ein [qov 'Hgav.Xiovg vnb o?oi- 30 . ,
vC%cav lägvfisvov, o't v.ux' Evooinrig &\zr\aiv Dorische b-ruppe.
s-*.nXäouvxsg Qüeov s-nzioav (Herod. 2, 44). Sparta. 82. In der Nähe eines von
Danach Patisan. 5,25, 12. Kon. 37. 'Skymn.' 658. Theras gegründeten Athena-iffjdi' und eines
Gegen ethnographische Verwertung dieser Zeug- vuog für Poseidon -Hipposthenes befand sich
nisse ist zu protestieren, vgl. A.Emnann,Kypros ein Heroon des Kadmos. Paus. 3, 15, 68:
S. 4. Die Erklärung, „weshalb Thasos Bruder iv E-jictQz-n äs XsaxV xs saxi v.uXoviisvn
des Phoinix sei" (v. Wilamowitz, Heraides 1, Hoiv.iXn xui r\gäu ngbg uvzfj Küäaov xov
271 Anm.), scheint im Vorhergehenden gegeben. 'AyrjvoQog zäv xs dnoyovcov OioXvv.ov xov
Lesbos. 81. Lykophr. Alex. 219ff. (= Eu- ©rjga xul Alyscag xov OloXvxov , norijoui äs
Stath. 601, 2ff. 813, 40): cag firj as Kuäfiog 40 zu rjQäa Xsyovai Malaiv v.ai Acciuv xs v.ul Ev-
cacpsX sv 7zsqiqqvzo) 1 "laorj (= Lesbos) cpvxsv- gänav, sivui 6s uvzovg 'Tgaiov ituiäaq xov
eui ävofisväv noSiqysxriv, zsxuqzov si, "AxXav- Alyscag v.xl. [Studnizcka (Kyrene 70ff.) nimmt
tos u&Xiov otzöqov, | xäv uvQ-ofiaificav ovy- eine Verlesung von*KAPKO zu KADMO an,
xuxuaKUTtxnv IIqvIiv \ xoilovos itgog zu schwerlich mit Recht]. Auch die Namen der
Xäazu vrjpscizsozazs. Die Schollen erklären 'Stifter' AuCug — Auiog, Eioconag — Evqdmri,
V. 219: omag firj as o 'Egfirjg- üvxl xov Ka- 'Tgutog — 'Tqulu erinnern an Boiotien [vgl.
dfiiXog (s.d.)- xovzov yüo v[bg sysvszo TlQvXig; E. Maafs , Gott. gel. Anz. 1890, 363]. Oben-
V. 220. 222 zäv 'EXXtjvcov bdriyöv . . diu zov drein fehlt es nicht an sonstigen legendarischen
Sovgiov iitnov . . . zäv Tgoioiv zäv ovyysväv Beziehungen, vgl. Steph. Byz. s. v. SnÜQzn-
eov oviinoQ&rjzfjv. Ebenso erklärt mit rei- 50 Aav.mviv.bv imgiov , dito xäv [isxu Kdöfiov
cherer mythographischer Gelehrsamkeit Tzetzes Znuqxäv, tisqI cov Tifiuyboug cpt]ßi'v (fr. 2.
z. d. St. p. 482: . . TLqvXiv , og r\v fidvzig sv F. H. G. 4 p. 320) sv.nsa6vxug avxovg stg xfjv
lacy Tjxoi xfj Aioßcp, v[bg xov Kdöfiov <^xoiy Auv.a3Viv.rjV H-ndgzxjV urp' suvzäv övofideui.
■Aal KuSfiiXov (v.uzä ovyv.onriv . . .), rjrot toü Dem entsprechend bezieht K. Tümpel, Bemerk.
'Egfiov %ui "leorjg zivbg vvficprig . . . dg 77p. S. 18 (vgl. O. Müller, Darier l2, S. 65-) die del-
TtQOßsvsi%tiai zoig "EXXr\ai zij Asaßas vns&szo phische Bezeichnung der Lacedämonier als
xov xgonov xf^g zov 'lXiav üXcißsag Siü fiuv- öcpioßögoi (Orakel bei Flut, de Pyth. orac. 24),
xsiag, sins ydo xi)v v.uxuov.svr\v zov öovqsiov wofür er öcptobsigoi (Ps.-Arist. mirab. ausc.
'imcov äcogoig nsio&slg vnb nuXaprjäovg: folgt 24/23) setzt, auf das ßrjfisiov der Spartensage,
der Stammbaum: 60 als welches aber für gewöhnlich die Lanze
Okaanos iapetos^Aäia bezeichnet wird. Die Legende bei Ps.-Aristo-
.1 I teles läfst, zusammengehalten mit der rhodi-
"~l sehen Phorbas-Sage (nr. 83), eher auf einen
sieheu Tuditer, darunter Elektra[wZ eus] Maia Drachenkampf schliefsen. Den Namen
,.„ . ., .,„., I . „ I , XtiuqxoC Etiudziüzui scheint man übrigens
[ Kadmos^llarmwnia] Dardanos Eotion Hermes Ladmoä^Isae * °
I _ *) [Ob ilaafs bei seineu Bemerkiuigeu über den Bac-
,,.„., Pryhs chumKddftov Thetanum (i. Äescli. Stippt, p. XXT) dies«
JJie Ürklaraug scheint durch A2Wllodor Ver- Schwierigkeiten erwogen hat?]
Koscher, Lexikon der gT. u. rüm. Mjthol. II. 28
8G7 Kadmos (in Thera, Melos, Seriphos) Kadmos (in Rhodos, Kreta) 868
schon im Alteitum mit den thebischen Sparten falls einen 'Kadmeer' als oUi'azng bekommen
in Zusammenhang gebracht zu haben, vgl. auch zu haben, vgl. Tzetzes oben nr. 74 Sp. 860.
Sp. 869, 41. Aus dorischer Adelsfamilie scheint S. 0 Müller, Orchomenos " 318 f. A. En-
auch der Tyrann Kadmos von Kos, Sohn des man-», Kypros S. 4f. Ethnographischen Wert
Skythes von Zankle (Herod. 7, 163 f. Suid. s. v. (Wachsmuth, St. A. 409 ä) wird man diesen
EnixciQfiOS. Ps.-Hippocr. ep. 7), zu stammen. Zeugnissen daher kaum beimessen dürfen.
Vgl. 0. Müller, Bor. ls, S. 171 2 u. ö. (verfehlt Rhodos. 85. Zeno Bhod. bei Diodor 5,
Lonnz, Epicharm. 60fl'.), Stein zu Herod. 7, 58 (F. H. G. 3 p. 177) [imqov Si vGzzgov . .
163ff. p. 166. (nach Danaos) KuSpog b 'Ayr]vogog ditzozuX-
83. Thera. Herod. 4, 147 tjv äz 6 @rjgag 10 uivog vztb xov ßaoiXzag Kixxd £ijxr]0iv tjjc.
oi'xog, yivog zäv Kaäfiziog, tijs firjzgbg aäzX- Evgäin]g HctziTiXzvczv zig xr\v 'PoSictv ks^ei-
cpzbg xoloi AgiGxoSr\(x,ov iraiol Evgva&ivz'C xat fiacfizvog S'lo%BQÖ>s . . Kai nznotiqfiivog zv^äg
flgoY.Xzi , iovzcov dz zxi xäv naCSiov xovxcov iSgveciß&ai UoaziSävog Izgüv, 6iaaa>9zlg
vt\nltav , ZTtizgoTCoci'rjV si%z 6 Brjgceg ztjv iv tÖgvoazo iictzv- zi/v vrjoov xov &zov xovxov
2tiüqt->] ßaßü.rjlnv av^rjd~ivxcov dz . . . oi-x. xifisvog Ktti xäv $oivixaiv dniXini xivag xovg
zcprj (izvsiv iv xfj Auxzdai'fiovL, äXX' äno- iTtifizXncouivovg. [Dazu gehört der ,,Phoi-
7iXsvzcd-ai ig xovg evyyzriag. rjoctv dz iv xfj niker" des Ergeins Athen. 8 p. 360 = F. H. G.
vvv &riQTj KaXzOjizvrj vi]ecp,7tg6xzgov dz ÄaXXiezy 4 p. 405 mit dem gut griechischen Namen
xfi aizfj xavirj , änoyovoi Mz\ißXiugz<o xov Phalanthos; seine aus epischer Quelle ge-
rioixCXza (nach dem lakonischen Kadmos- 20 schöpfte Legende berührt sich mit der thes-
Heroon au der Tloiy.i'r/? Vgl. ob. nr. 82)*) äv- salisch-boiotiscben bei Aristot. Pseudepigr. 449
ägog &oivi*.oq. Kädfiog yäg b 'Ayrjvogog Ei- p. 469 B.}. ovzoi dz nctzafiiyzvzzg 'iaXvßioig
gännv Si^rjfizvog tcqogzo%£ slg xr\v vvv äizzzXzcuv ßv[i7ZoXi,zzv6fisvoi zovzot.g' e'£ äv
0r)QT]v KaXzouivrjv . . . Y.azaXztnzi . . . iv xij tpuai zovg izgzig xaxä yivog Siaäi %£-
vTfita zctvzn äXXovg xz zäv <Potvincov «at drj GaTai zag tzgcoovvcte. b ä'ovv Kdäfiog -nal
%ai xäv zcovzov ovyyzvzcov MifißXiagov (da- xtjv AiväCav 'Afrnväv izi^nazv äva&rjfiaaiv,
nach Pausan. 3, 1, 7). Ans verwandter iv oig r\v %aXv.ovg Xißrjg d^iöXoyog tiazzenzva-
Quelle Schul. Find. Pi/th. 4, 11 p. 344 B. ßfizvog zig zbv ägiaiov gv&fiov ovxog 3' eijjej'
Kdäpog imßaXcov *al xr\v vfjaov olxLGag ßco- izciygacpr/v <£>oiviY.iy.olg ygäuuaGiv , a (paet
fiofs lögvGaxo Tlocziäcovog -nctl 'A&rjvüg (wie in 30 Ttgmzav e'k ^oivly.yg zig xrjv EXXriäa xojxtclrjj-
Rhodos nr. 85). Sicher ist, dafs sich das von.. Die pseudohistorischen Ausführungen bei
Königsgescklecht in Thera „Kadmeisch" nannte; Diodor (Meursius, Rhodos llf. 17f., danach
die wahrscheinlich konstruierte Verbindung bes. Menge, Urgeschichte der Insel Rhodos
mit Sparta können wir auf sich beruhen S. 5f) lassen wir beiseite. Thatsache ist,
lassen. Der ältere Oikist, der Kadmos-Genosse dafs die Poseidonpriester (vgl. nr. 83) zu Ialy-
Membliaros, wird auch mit dem benachbarten sos (und die Athenepriester zu Lindos?) als
Anaphe in Beziehung gesetzt bei Steph. Bijz. Kadmeer galten. *) Wie alt und fest diese
p. 444 M. Mz fißXiagog, vrjoog nXr]Oiov P>rjgag Überzeugung war, lehrt der Eigenname
(rjy y.ul 'Avatpri, änb MziißX idgov xov KaßtivXog (-IXog), den ein von Pindar (Isthm.
Qrjguv ol-ni]oavzog &olviv.og xäv (izzd 40 fr. 2 p. 374) und Simonides {Epigr. 154 p. 500)
Kadpov zvö,. Danach scheint Membliaros der besungenes Mitglied der rhodischen Aristo-
Eponym der gleichnamigen Insel zusein**), wie kratie trug. Hierdurch erst gewinnen wir den
Seriphos nr. 84. Die ganze Sage ist älter rechten Gesichtspunkt zur Auffassung der
und wohl durch epische Quelle vermittelt; Phorbas-Sage bei Polyzelos u. Rhodos in Hyg.
Kadmos als anlandender Schiffshauptmann Astron. 2, 111 (= fr. 1 vol. 4 p. 481 31.)
entspricht der Auffassung des „milesischen und Diod. 5, 58 (4, 69): Die Rhodier sind
Epos" nr. 72 ff. , auf das wir schon oben ver- von zahlreichen Schlangen und einem furcht-
wiesen haben. baren Drachen bedrängt; auf Geheifs des
Die 'Phoiniker' auf Thera sind also rKad- delphischen Apollo wird Phorbas, der
meer', daher (trotz Busolt, Gr. Gesch. 1, so S. des Lapithas (Triops), aus Thessalien herbei-
176 und v. Gutschmid, ' Phoenicia', Encycl. geholt, der das Ungeheuer bezwingt (Müller,
Brit. 805) nicht ethnographisch verwendbar. Minyer p. 190): Eine wertvolle Dublette der
Melos und Seriphos. 84. Festus s. v. Kadmos - Sage. **)
Melos p. 124ff. : dietn est a Meto, qui a Phoenice Kretn. 86. Über Kreta in der Vulgärsage
(mit Kadmos) ad eandem fuerat profectus, vgl. s. oben nr. 12 f. u. Bd. 1 Sp. 1410. Eine weitere
Plin. 4, 12, 70 Melos cum oppido, quam Spur lokaler Beziehungen bieten zwei (aus
Aristides (von Milet, F. H. G. 4 p. 325) Mein- noch unbekannter Quelle geflossene) Notizen
blida appdlat [vgl. Membliaros'], Aristoteles Ze- später Geographen Solin. 11, 9 p. 81 f. Momm-
phyriam, Gallimaclms Mimalluta. Steph. Byz. sen: Gortynam amnis Lenaeus (d. h. Lethaeus)
s. v. Mfjkog . . . b&zv xtvi BvßXlgi-uXri&rj (in dem 60 praelerjluit (vgl. Strabo 10, 478), quo Europam
auch VOn Aristides benutzten Epos) änb xäv ») Xeuerdiiig9 haben selbst Wachsmutli (St. A. 40Ö5)
BvßXlvtov $0lVLX(üV dXXct xcel Zzqpvgice -azX. Töpfer, AU. Geneal. 300 dieser Notiz ethnographisch-
Das benachbarte Seriphos scheint gleich- historischen Wert zugestanden, und daran die weitere
Folgerung geknüpft, dafs auch die attischen *fro£vixeg,
) Nach 0. Müller, Orch. 320, vielmehr 'Buutwirker' denen der Poseidonkult erbeigentümlich war, ein Ge-
^ebenso Studniczka, ' Kyrene' 54]. schlecht 'phoinikischen Ursprungs' gewesen seien.
**) [Vaa/s, G. g. A. 18Ü0, 359 meint daher wohl mit **) Der Tyrann Kadmos von Kos gehört wohl {trotz
Recht, dieser , Kadmeer' sei in Thera sekundär und Lorenz, Epicharm. G0 ff.) eigentlich nicht hierher, s. oben
gehöre nach Anaphe.] nr. 82.
8G9
Kadmos (in Kreta)
tauri dorso Gortynii ferunt vectitatam. iidem
Gortynii et f Adymnum (corr. Atymnium) Eu-
ropae fralrtm etc. Wegen der Bd. 1 Sp. 727 f.
erörterten Bezüge der Atymnios-Sage zu Milet
ist es wahrscheinlich, dafs diese Notizen auf
das oben Sp. 864 erschlossene milesische Epos
zurückgehen. Auffällig und noch nicht ge-
nügend erklärt ist Vib. Sequ. Geogr. L. M.
p. 149 B. (p. 57 Hess.): Lethaeus (fons) in-
sulae Gretae , ita dictus quod Harmonia 10
(m. 2 : hermionia) [Veneris fdiaj Cadmon oblita
dicitur. Die Legende vom Raube der Har-
monia zu Samothrake ist oben nr. 64 behan-
delt: wie Harmonia dort in gewissem Sinne
Europa -vertritt (H. D. Müller, Myth. d. gr. St.
2, 320), so auch hier. An eine Korrektur des
Namens darf also nicht gedacht werden, _doch
liefsen sich diese beiden verwandten Über-
lieferungen durch Annahme einer Lücke hinter
Cadmon ausgleichen und verbinden: Cadmon 20
(secuta patriae ibi~y oblita dicitur , vgl. Meur-
sius, Greta 1, 10 p. 37; 2,6 p. 90; 4, 2
p. 199. Unger, Theb. Farad, p. 146 f.*) Über
Europa als angebliche Stammmutter des kre-
tischen Herrschergeschlechts vgl. O. Jahn,
Benkschr. d. Wiener Akademie 29 [1870]
S. 24 f. **) Danach ist zu beurteilen Steph.
Byz. s. 'Izavög: nbXig iv Kgrjzn, änb 'Ixavov
<I>oivixog i] zäv KovQt)tav svog. Diese Notiz
ist wohl nur auf die kretische Kadmos-Sage 30
zu beziehen (Hanos als Genosse des Kadmos)
und schwerlich ethnographisch zu verwerten,
wie noch Baudissin (Stud. s. sem. Bei. -Gesch.
1, 180) und Knapp (Philol. 48, 2 S. 500 3)
gethan haben. Eine Sondererklärung, wie sie
Enmann {Kypros S. 4) für Itanos zu geben
versucht hat (mit Beziehung auf einen Dai-
mon Phoinix des knossischen Kultes, Cauer,
Delectus " nr. 121), ist kaum von nöten. In
echter Lokal Überlieferung von Kreta hat Kad- 40
mos selbst hievnach wenig Anhalt. Auf-
fällig ist es nur, dafs auf Kreta neben den
Kureten die Sparten auftreten, bei Steph. Byz.
s. v. 2v.vXXi\ziov (Meineke 2xvXXiov)' opos
Kqtitvs ■ ■ ■ i'v&tt (paaiv uno&eo&ai zovg Kov-
Qijzag fitza. xmv EnuQzictzäv (die Formen
wechseln oft, vgl. Lobecl;, Aglaoph. p. 1146ff.)
zbv Aia. Wie denn auch die Geburt der Ku-
reten, ovg "jXtog ngäzos ineiäiv ösvÖQOtpvtlg
üvctfiXaazüvzag (P. Lyr. Gr. 3 p. 71325. = Ovid. 50
Metam. 4, 282 largoque satos Curetas ab
imbri) dem Spartenmythus nahe verwandt
ist (s. Lobeck a. a. 0.).***)
*) Den scliünen Münztypus von Gortyn, der ein in
den Zweigen eines Baumes sitzendes Mädchen zeigt, hat
0. Jahn a. a. O. auf Europe bezogen; Heibig Bd. 1 Sp. 1416,
Imhoof '- Blumer , Tier- und Pflanzenbilder T. 10, 40 S. 63,
0. Rofsbaeh, Rhein. Mus. -11, 436 ff. sind ihm gefolgt:
aber konnte man nicht an eine Nymphe denken? Vgl.
auch Imhoof a. a. 0. 10, 42 S. 63, wo ich auch lieber die 60
bedrohte Nymphe, die iünzüq&oio öi/a'Io/.iivoio zorivuptov
. . . äv&ooe däifV);; {Nonn. 2, 92), als die Artemis von
Myrea erkennen möchte.
**) Auch Meursius nimmt eine Lücke an, was ja schon
der auffallige Accusativ empfiehlt; sein von Messet u. a.
adoptierter Vorschlag Cadmi 'ciri ibi> oblita schwebt
in der Luft.
***) Die problematische Hosycbglosse : Käö/Lto;- Üoqv.
Äöfo;. aaniz. Ku^-te; (wozu M. Schmidt y.ty.aafiivov d'üou
Kadmos (in Afrika, Sidon, Tyros) 870
P h ö n i c i s c h e s.
Afrika. 87. Scheinbar vereinzelt steht
die Notiz bei Hygin. fab. 178 p. 34 Schm.
(s. oben nr. 14 Sp. 833, 53): Phoenix in Afri-
cam est profectus ibique remansit; inde Afri
Poeni sunt appellati. Zu kombinieren ist da-
mit Steph. Byz. s. v. Kaoxrjäcav (p. 363 JA.)-
Uno Kcegxridovog <£>oiviv,og- ixctXttzo äi
naivrj noXig «cfi KaSfi-iia Kai Oi'vovaa xal
Ä'cntxaffy {Sonny, Philol. 48 [2] S. 559f.).*)
Die Bezeichnung mit Kad'iiiic/. ist griechisch
und rnufs sich dadurch erkären, dafs man mit
Phoinix auch Kadmos auf seinen Irrfahrten
dahinbrachte, vielleicht schon in dem cmile-
sischen Epos', spätestens in hellenistisch-
römischer Zeit. Vgl. Tzets. ad Lycophr. 1206
p. 958: aXXog de naXiv itszaQiv.bg ygütpei (vor-
hin waren die Thebaica des Lykos excerpiert)'
Ztiig ©'ißy fltyslg Aiyvnxav ysvvä ov dvydzyg
Äapjrr;: <*<p' töv r\ zi zhg Alyv-mzov rroXig
@rjfin £Y.Xr[&Y] %al r] KctQ%rjSa>v vitaog u. s. w.
Über die Beziehungen zu Libyen und Kyrene
s. oben nr. 69 ff.
Sidon und Tyros. 88. Einen Tempel der
Europa in Sidon kennt [LueianJ de dea Syr. 4.
Tb 'AyrpoQiov xuXovaEvov in Tyros erwähnt
Arrhian Exped. 2, 24, 2. Aber wie der Name
Agenor griechisch (episch) ist, so mufs auch
Sage und Kult aus Griechenland stammen
und von den Einwohnern nur adoptiert sein.
Dafür, dafs das Gebäude
sich wirklich auf den
Vater des Kadmos (nicht
etwa einen anderen, wie
den Arrh. 6, 17, 1 er-
wähnten Agenor) bezog,
sprechen neben dem
Europafest ( Matal. 1
p. 39) die Münzen von
Tyros mit ihren viel-
fachen Beziehungen zur
Kadmos - Sage. **) 1)
Eckhel 3, 389 = Mion-
net 5, 451, 747, Abb.
bei Lajard, Becherches sur le eulte de Venus
pl. 3B, b S. 164: Kadmos mit Speer und
y.vvfj, anscheinend in der Pose eines Spen-
denden, vor ihm (1.) die ßovg 6-nXäaaßa, im
Hintergrunde Thor und Mauer mit &H\ BE
gekennzeichnet; unter seinem r. Arme eine
Purpurschnecke. Die Abbildung nach dem etwas
abweichenden Exemplar der Sammlung Lüb-
becke, auf dem die Purpursebnecke nach r.
unten gerückt ist. ***) 2) Mionn. 8, 310, 343
(Trebon. Gallus): Anscheinend Kadmos und Har-
monia, in der Mitte wohl die Purpurschnecke,
im Hintergründe r. die Kuh, Abb. Sp. 871 nach
einem Exemplar Imhoof- Blumers. 3) Mionnet
Aesch. Eum. 766 vergleicht) hat trotz 0. Müller, Orc/iom.2
S. 212 mit dem Heros direkt schwerlich etwas zu tlmu.
*) Kritik- und resultatlos Grasberger, Studien z. d. gr.
Ortsnamen S. 94.
**) Für freundliche Auskunft und Zusendung von
Abgüssen ist Verf. Herrn Imhoof- Blumer sehr zu Danke
verp fliehtet.
***) Die Purpurschnecke wird nicht auf eine Legende,
■wie die bei Polt. 1, 45, zu deuten sein, sondern ein Wahr-
zeichen von Tyros darstellen sollen.
28*
(!) Kadmos spendend, Münze
von Tyros, nach einem
Gipsabgufs.
871 Kadmos (in Afrika, Sidon, Tyros)
5, 441, 693. 444, 708. 445, 715, Abb. naob
einem Exemplar Imhoof- Blumers (Volusian);
ein ähnliches Stück in Neapel Katal. 9255
(Philipp., weniger gut erhalten). R. Kadmos
mit Speer und xvvfj , anscheinend den drei
(auf dem Neapler Exemplar vier) Männern
etwas überreichend; in der Mitte scharf um-
rissen die Purpurschnecke. Imhoof dachte
Kadmos (in Ionien: Priene, Samos) 872
ersten mit der entsprechenden Feier von Sanio-
thrake (nr. 62. 64) zu vergleichen. Sehr merk-
würdig ist die Notiz des 'Tryphon' in Plu-
tarchs Symposiaka 3, 1, 3 Tigioi fiiv 'Ayr\vo-
gCSn (zweifellos = Kadmos, vgl. Bd. 1, 104),
Mäyvrjtsg Ss Xsigcavi, to«, jrpraroig largsvaai.
Xeyofiivoig Ü7tagxdg «Ofujouci ■ gi^ai ydg etat
Y.cci ßoTctvai, dt <av laivzo zovs xa[i6vzag.
Zur Ergänzung und Erklärung könnte man
10 den Medea-Iason- Mythus heranziehen, wie in
nr. 26. Aber es genügt zur Erklärung wohl
die Thatsache, dafs der Heros überhaupt als
Kulturbringer und Erfinder galt, vgl. nr. 105.
Jedenfalls haben wir auch hier griechische
Anschauungen vor uns. S. Mannhardt, W. F.
K. 2 S. 47. 48.
Über die Beziehungen zu Libyen und Ky-
rene s. oben nr. 69 ff.
7) Kadmos und Harmonia, 8) Kadmos den Griechen eine
Münze Ton Tyros, nach Schrifttafel überreichend,
einem Gipsabgufs. Münze von Tyros, nach
einem Gipsabgufs.
an die Snagtoi. Head, Hist. num. 676 er-
klärt 'K. presenting the Greeks with the aipha-
bet' und trifft damit wohl das Richtige. Die
Beischrift des Blumer&chen Exemplars ist sicher
6AAH<NEr> KAA<MO£> zu ergänzen, auch
auf dem andern meint Verf. 6AAHN EC zu
erkennen; völlig deutlich ist die oblonge Tafel, 30
die der vorderste "6AAHN eben von Kadmos
empfängt. 4) Imhoof -Blumer und Keller,
Tier- und Pflanzenbilder 12, 27 (Gordian):
Kadmos im Kampfe gegen den sich auf-
richtenden Drachen , wohl zum Steinwurf
ausholend, s. oben Sp. 827, 49. — WennlVbnjiOS
sagt 40, 356: Kai ngoyovov Söiiov ilSi 'Ayrj-
vogog (Dionysos in Tyros) idgaxer avXdg j Kai
&ülu[iov Küäfioio Kai ag?rafiii>r]g noti vvficpng J
Evgamvg äcpvXaKtov idvaato nctQ&svEÜiva kzX., 40
so knüpft er danach an wirklich Bestehendes
an.*) Dafs diese Anschauungen hier schon in
hellenistischer Zeit völlig populär geworden
waren, hat uns neuerdings das merkwürdige
Epigramm auf der Basis einer Porträtstatue
gezeigt, die ein Mitglied der rhodischen Kunst-
schule, Timocharis von Eleuthernai auf Kreta,
im Auftrage der EiScovlav möXig angefertigt
hatte (Lebas -Waddington 6, 1866a = Kaibel,
Epigr. Gr. 932 p. 386)_: äazcöy ydg ngdziczog 50
dep 'EXXdSog iitniKOV svxog \ äyaysg slg äya-
tTcöv o'ikov 'Ayrjvogiöäv. | av%££ xal Gijßag
KaSfirjiSog [sgöv dazv | SsgKÖfitvov vixaig sv-
KXia fiargönoXiv. Die Sidonier sind Ageno-
riden und Sidon ist die Mutterstadt des „Kad-
meischen Theben". Ähnlich Achill. Tat. 1
p. 37 ZlSojv snl fraXdzzn izöXig, 'Aoovgiiav f\
ftalaoBa, ftrfzig $>oiviv.cov r) noXig, @r$uia>v 6
dfmog Ttaifjg (folgt die vielberufene Schilde-
rung eines Bildes mit dem Europa -Raube). 60
Griechisch war wohl auch das Fest der Kaxr]
ÖTpivtj, das der entführten Europa galt (Malal.
Chron. 1, 31; vgl. Bd. 1 Sp. 1412): es ist am
*) Gegen den Mifsbrauch , den besonders Movers mit
diosen Notizen getrieben hat, vgl. die einschneidende
Kritik von //. D. Müller 1 p. 303. Trotzdem findet Movers
immer wieder Gläubige, neuerdings z. B. Saglio, Dict.
(I. unt. 1. 2, 775.
9) Kadmos im Kampfe mit
dem Drachen, Münze von
Samos. (Aus Num. Chron.
m, 2, 13.)
Ionien.
Priene und Samos. S9. Die Einwohner
der im karischen Hinterlande gelegenen Stadt
Priene hiefsen nach Hellanikos Kadmeer:
Hes. 2 p. 384 Äa6V<f>KH, oi IIgnr\vilg, ä>s
'EXXäviKog (fr. 95. F. R. G. 1 p. 58) — d. h.
die Geschlechter lei-
teten sich von Kad-
mos ab; vgl. die an
Böotien anknüpfen-
den Besiedelungs-
sagen Strab. p. 633.
Diog. La.l, 83. Paus.
7, 2, 10 (Thrämer,
Pergam. 129 f. Len-
schau, De reb. Prien.
p. 123. Immisch, Kla-
ros p. 129). Ebenso
heifst die Stadt KdS-
jiij auf Münzen des
2. Jahrhunderts v.
Chr. (Mionnet; Ionie
888, Suppl. 1363. Head, Hist. mumm. p. 508) ;
vgl. Strabo p. 636 (Eustath. ad Dion.perieg. 822)
Xiyezai ds vno zivtov
i] IJgirjvn KdSfin.
Durchaus glaub-
lich ist es schon
hiernach, dafs die
männliche , Steine
gegen einen aufge-
richteten Sgdxmv
schleudernde Figur
auf einer samischen
Münze aus der Kaiser-
zeit (Abb. nach Percy
Gardner, Num. chron.
3 vol. 2, T. 13 =
Samos and Samian
coins S. 1— A. 1882
T.6nr.6) den Kadmos darstellt, vgl. Sp. 871, 34;
ein ähnliches Stück (Abb. Z. 43 = Add. nr. 4)
wird man auf den anlandenden Kadmos be-
ziehen dürfen, der auf gleichzeitigen typi-
schen Münzen gerade so dargestellt wird. *)
Dies bestätigt sich auch dadurch, dafs Asios
*) Dem Verf. ist das wegen des Schiffes wahrschein-
licher als die von Gardner S. 2S6 empfohlene Beziehung
auf the Emperor Philip or his son.
10) Kadmos anlandend, Münze
von Samos. (Nach Num.
Chron. m, 2 Add. 4.)
873 Kadmos (in Ionien: Milet) Kadmos (der 'Milesier') 874
bei Paus. 7, 4, 1 = fr. 7 p. 413 Mkch. (s. vol. 2 p. 713. Cramer, Anecd. Oxon. 4, 318 sq.
oben 73 Sp. 860, 33) Astypalaia, die Eponyme ... II. Kdäaog,] TlavöCovog MiXrjeiog, itrzogi-
der saniischen Barg und Altstadt, zur T. des «ög, 6g ngäzog Kazd zivag evyygacprjv i'ygaipt
Phoinix und Schwester der Europe macht und KazaXoydSrjv, fuxpcö vsaizsgog 'Ogcpicog (v. Gut-
von ihr die übrigen Eponymen der Gegend schmid setzte unglücklich Pherekydes ein)-
ableitet: evveza^s äi KzCaiv MiXijzov Kai rjjg oXrjg 'icoviag
Oineu8 £V filßMoig S' . . III. Kdäfiog,} 'AgvsXdov, MiXrj-
| Btog, lozogiKog vscozsgog. zivsg 61 Kai Avkiov
Phoinix Perimede (Küster, Avk[k\Ivov codd.) Kdäiiov dviygaipav
Maiandros Poseidon_Astypalaia Europe 10 i'aa>g o-iy iaziv izsgoy yiygacps äs zavza^ Xvaiy
| | igcoziKav na&äv S'. «ort ' AztiKag [azogi'ag is'.
Samia.^ ^Ankaios, 'Leleger'könig _ 92. Seit C. Müller (F. H. G. 2 p. 2) gilt
I der „Logograph" Kadmos mit Recht als
Enudos samos Haiitherses Parthenope mythische Person (vgl. zuletzt Lipshts, Quaest.
Vgl. dazu Gardner a. a. 0. p. 208 ff. 284. Da- logogr. 8 f. gegen Heil, und Bühl, Fleclceisens
nach ist es wohl verständlich, dafs die rätsei- Jahrbb. 1888 137, 117 ff. gegen Lipsius, mit
haften (legendarischen?) samischen Ansiedler in Unrecht trotz Christ, L. G. '' S. 277); schon
Oasis (Herod. 3, 26) ihren Wohnsitz Mattägtov die Zusammenstellung mit Aristeas (s. Bd. 1
vijoog nannten, wie nach Armenidas (Phot. Sp. 2814) lehrt, dafs wir uns hier nicht auf
Suid. s. v. = fr. 3 F. H. G. 4 p. 339) die 20 historischem Boden befinden ; und die Über-
Burg von Theben hiefs, s. 0. Müller, Minyer- lieferung selbst sagt es, wenn sie den Mann
p. 212. mit Orpheus in Verbindung setzt. Im Grunde
Milet. 90. Als 'Kadmeer' gelten und ist er wohl mit dem epischen Helden iden-
auf Kadmos oder Genossen des Kadmos führten tisch. Wenn von ihm eine v.zCaig 'icoviag kol-
sich zurück die ersten milesischen Adels- portiert wurde , so mag das ein Machwerk
geschlechter. Vgl. Her od. 1, 146. 170, wo gewesen sein, wie die Tagebücher des Diktys
Thaies zb yivog dvixa&sv <&olvi'£, heifst (ledig- und Dares, oder die Dionysosgeschichten des
lieh als Nachkomme des Kadmos)*), und Linos und Thymoites. Der kzibz r]g, der zugleich
Diog. Laert. 1,22 i]v zoi'vvv 6 ®aXfig . . . i k als svgizrjg zä>v ygaau-dzcov anerkannt war,
zäv &r}Xi§äv, ol iloi <t>oiviKig svysviazazoi 30 erzählt seine Erlebnisse und wird so der
zäv dnb Kääfiov zov 'Ayr]vogog (vgl. Egi9rjXag älteste Historiker. — 98. Obendrein läfst sich
ob. nr. 66) . . . . inoXizoygacpr'firjBav (so richtig die weitverbreitete Ansicht, dafs „Kadmos
Böper, Piniol. 30, 563, sc. die Theliden) 61 iv der Phoiniker" die Buchstaben in Griechen-
MiXr\zco, oze r\X%rov (Möper , r\X&s Hds.) avv land eingeführt habe, auf milesische Über-
NsiXsco iy.nsBovzfg (Crusius, Hds. txnioovzi) lieferung, in letzter Instanz auf Hekataios,
SotPÜajs**)' 10g ö' 01 nXn'ovg cpaat'v , l&ayivrjg zurückleiten*), vgl. Hekataios und ZJionysius
MiXriciog i)v Kai yivovg Xafingov, was mit der v. Milet, Beklier, Anekd. 1 p. 783 (fr. 361.
kadmeischen Abstammung völlig im Einklänge F. H. G. 1 p. 29; 2 p. 5) zäv ezoi%sicav svge-
steht. Das hohe Alter und die Volkstümlichkeit zi]v äXXoi zs Kai "Ecpogog iv divzigcp Kd-
dieser Überlieferungen verbürgt vor allem das 40 S/i-ov cpaoi' zrjg (zivlg Müller) dh 4>oivfaa>v
Kadmosgebirge und der Kadmosflufs (Strabo svgicicog ngbg rjfiäg diooxogov (diduzogov Böse,
12, 578, s. Kadmos I oben Sp. 824) im Hinter- Aristot. fr. 3 p. 316) ycyivrja&ui, tag v.nX Hgb-
lande, sowie das halbverschollene 'ionische (Jotos iv zaig 'Iazogi'aig Kai 'AgiazoziXrjg (Ps.-
Theben' bei Milet (Theopomp. Schal. Eurip. cp. p. 472, fr. 3 p. 316 B.) Xiysi. cpael ydg ozi
Andr. 1, Steph. Byz. s.v.); denn es leuchtet ein, ^oivi-nig fiiv svgov za ozoi%fiu , KdSfiog S\
dafs diese Örtlichkeiten von eingewanderten rjyaysv avza s(g 'EXXdSa- TLv&oäuigog äh
Griechen benannt sind, in Erinnerung an den iv zio nsgl aioi%aCatv v.ai i&iXXig ö JrjXiog
heimischen Heros, ganz wie Aigyptos und i v zeit nsgi %ogäv (xgoviov cod.) ngb Küäfiov
Neleus-Neilos. Aavaov iiszav.oaiaca avzcc tpaaiv tjrtfiap-
91. Eigenartig ist die Überlieferung über 50 zvgovai xovtotg v.ai 01 MiXrjaia-Ao\ avyyga-
Kadmos von Milet, den ältesten 'Historiker'. ipsig 'Ava^iiiavSgog ku\ J lovvaiog Kai Ey.a-
Vgl. Dion. V. Halik. ittgl z. GovhvS. %ag. 23 zaiog, oi)g Kai 'AnoXXoSiogog iv vsäv Kaza-
p. 863 (von den ältesten Historikern sind keine Xoyi» nagazifrtzai. (~ JEphor. Giern. Strom. 1
echten Schriften erhalten), iv 01g sleiv oi' zs p. 362 Kadfiog dl 6 <PoiviE, r\v b zäv ygaiifiä-
Kääjj,ov zov MiXrjGtov Kai 'Agieziov zov IJgo- ziov "EXXvfiiv ivgizr\g , äg qnqßiv "Erpogog.
Kovv7]aiov kxX. Ioseph. c. Apion. 1, 2. Plin. nat. Schal. Hom. Z 185. F. H. G. 1 p. 270. Luc. Voc.
hist. 7, 205 historiam Cadmus Milesius (instituit), iud. 5). Auch Herod. 5, 58. 59 (s. oben) geht
vor allem Suid. 2 _p. 9 Bh. (s. Hesych. p. 133 Fl.) von Hekataios aus **), wenn er sagt : 01 <boiviKtg
MSpof] 1.0 MiXyoiog, svgsziig zäv yga/ifiä- 4) Es stlmmt dazu die f(lhrelld8 Koll8i welche nach
ziov [andere Gelehrte beschränken seine lhatig- 60 den überzeugenden Darlegungen von ff. Birschfeld das
keit, z. B. der Verf. eines Traktats Über die milesische Alphabet einnimmt, vgl. Rhein. Mus. 44, 466 f. —
Buchstaben, der weifs, dafs Kädiiog 6 MlXr\- In einem wichtigen, bei Müller unvollständig mitgeteilten
Ciog HQOoi&T]K£ (den Buchstaben des Pala- Fragmente (358, vgl. Diels, Hermes 22, 435) behauptete
medes) zgi'a & cp y, s. LeUtSCh, Parocmionr. Hekataios, dafs die Namensform Java Iv tf, -/Qt'fiu täv
<t>OLviy.iov sei: auch bei Kadmos mag er sich auf die
*) Das betonte E. Meyer, Philol. 48 (2) S. 269f. Der Phönikier selbst berufen haben, die den griechischen
richtigen Auffassung nahe kam ImmiscJi, Klaras 129. Helden gern adoptiert haben werden.
**) So ist der von Diels (Archiv 2, 165 ff.) aufgegebene **) Von Herodot war wohl Sophokles angeregt, wenn
Passus hergestellt im Sinne von E. Meyer S. 270 Anm. er von ^oivixlotg ygäfiftaai sprach//-. 471 p. 244 .V.2.
875 Kadmos (im hellen.-röni. Epos) Kadmos (b. Ovid u. Nonnos) 876
ovxoi 01 bvv KdäfMip ävinöfisvoi, xäv TjOav oi oder EvQcimzici und 0rjßai-nd schrieb, vgl.
rztpvQuCoi, dlXct iE Tiollct .... tailjyayov Schneider , Nieandrea p. 33ff.) wäre die Ein-
SiSciGKulict fg xovg EXlrjvag ual Sfj v-cu yoä\i- führung der dienenden Gefolgschaft schon
[iccra . . niQioiy.eov Si otpictg xä noklä xoixov zuzutrauen. Diesen von Ovid schwerlich direkt
xov xqovov ^Ellrjvav "iiovsg' o'i 7taQct}.uß6vx8g benutzten Quelleu *) sind oben nr. 73. 74 ff.
äiäa%i] naoä xwv ifroivixcov xä ygä/ifiaxu, fiB- auch die Namen der gemordeten Genossen
zuQV&iiiaavcig otptav öliya i^imvzo' £<?£<»- sowie der übrigen kadmeischen Eponymoi,
[levoi <5e iqxxtiGctv . . . ioayayövzoiv <&otvi'xa)v lg wie Itanos, Membliares u. s. w. verrnutungs-
ti)v E?.Xüäa C&otjuxr/iK ■xsnXriod'ca . . . Ebenso weise zugeschrieben worden.**)
können im milesischen Religionswesen weitere 10 Nounos. 9G. Sehr ausgedehnt und wunder-
„Kadmeische" Spuren nachgewiesen werden, lieh sind die einschlägigen Partien bei Nonnos
vgl. Schol. Apollon. Ehod. 1, 1126 (F. H. G. (einiges schon Bd. 1 Sp. 1832 f.). Nur die
4 p. 448), Et. M. s. Ktjqvzsiov (Lobeck, Aglaoph. Grundzüge mögen hier wiedergegeben werden,
p. 11G6) und eleu Artikel Megaloi Theoi, Abscltn. In der Darstellung der genealogischen
Milet. Auf der andern Seite zeigen sich Verhältnisse folgt Nonnos, nicht immer kon-
auch sonst in ionischen Legenden Beziehungen sequent (2, 686 : 3, 296), mythographisehen
zwischen Milet und dem historischen Phöni- Traditionen, vgl. 2, 682rf. und 3, 276ff. (Köhler
zien, vgl. Steph. Byz. s. v. Bvßlog nolig 3>oi- S. 6fJ. K. ist S. des Agenor, Br. der Europe.
viv.rjq txgxcaoTcirrj naaäv anb Bvß).rtg xyg Mi- Seine Brüder sind Kilix, Thasos, Phineus (anders
lr[xov &vyaxoog (wahrscheinlich aus der Kavvov 20 2, 299, s. Kühler S. 8), Kepheus (die 5 Brüder
xTiGig des Apnllonios von Rhodos, vgl. Kanon kommen sonst nicht neben einander vor, s.
narr. 2 und dazu Höfer p. 51 f. 109; das äl- Köhler S. 6). Phoinix ist 3, 396 sein Oheim
teste Zeugnis — Demon. Zeuob. Ath. 2, 8, als Bruder des Agenor (anders 2, 686).
vgl. Anal, ad paroem. p. 113 — datiert den Seine Heimat ist Tyros, wo Dionysos 40, 356 ff .
Schauplatz nach Euboia zurück), falsch ver- das Haus des Agenor, des Kadmos und das
wandt von Curlius, Ionier S. 16. 49.*) Jungfrauengemach der Europe aufsucht; und
VII. Jüngere litterarische Bearbeitungen. fchts anderes soll es heifsen, wenn Zeus die
b ° Europe am fsidonisehen Ufer sieht (1, 46;
Das hellenistisch-römische Epos.-**) vgl_ 3> 8o). Damit wird, wie schon bei den
94. Zahlreiche Einzelzüge aus späteren 30 Mythographen (Kanon, Apottod. 2, 1, 5 u. a.),
Dichtungen (des Apollonios, Kallimachos , Ni- die 'aigyptische' Herkunft friedlich verbunden.
leander) sind oben (nr. 50 ff.) bereits verwendet. Agenor sitzt ursprünglich in Memphis, dann
Dem Geiste jüngerer Erotik entspricht es, im aigvptischen Theben, und zieht (3, 297 ff.)
wenn K. als igäiisvog des Hermes genannt von dort nach 'Assyrien', d. h. Phönizien und
wird in dem Katalog (s. v. Vilamoicitz, Coinin. Syrien. — 97. So kennt Kadmos durch seinen
tjratnm. 2, 14) bei \lAician\ Charid. 9: Namen, Vater auch aigyptische Kunst und geheime
wie PhanoMes, sind zur Hand. Die beiden Weisheit und bringt die lvvv%lag xiksxäg, Ai-
ausführlichen Darstellungen des Ovid und yvmiov Jiovvoov ogyia (4, 270) nach Theben
Nonnos, die wir neben dem attischen Drama (s. Herod. 2, 49). Der Seefahrt kundig als Phö-
bereits zur Rekonstruktion der ältesten Quel- 10 nizier, fährt der Held von Kilikien nach Sanio-
len herangezogen haben, verlangen noch thrake, wo er am zehnten Tage bei eintreten-
einen Überblick im Zusammenhang. Ovid 3, der Windstille landet (vgl. Ov. 12, 447). Vom
1 ff. (Drachenkampf u. Stadtgrüudung) 4, 469. Lärm der Korybanten erwacht er früh mor-
ö62ff. (Zug nach Illyrien) erzählt das Schick- gens. Peitho , als wassertragende Jungfrau,
sal des Kadmos im wesentlichen überein- führt ihn auf Befehl der Aphrodite zum Pa-
stimmend mit der mythographisehen laste des Königs (homerische Reminiscenzen, s.
Überlieferung, mit gelegentlichem An- Köhler S. Sf.), der von Hephäst der Nymphe
klänge an Euripides (s. oben nr. 55. 48).***) Elektra erbaut war. Da kommt der König
Hervorzuheben ist das Auftreten von ministri der Insel, Emathiou (sonst Eetion, s. Bd. 1
3, .26 f., die von dem Königssohne zum Wasser- 50 Sp. 1242), S. der Elektra und Bruder des
holen gesandt und vom Drachen getütet werden, Dardanos, der das gegenüberliegende Land
sowie die abenteuerliche Schilderung des Helden besiedelt hatte. Die Königinmutter Elektra
(5, 52 f. tehnn deeepta leoni | pellis erat etc.) — wie König Emathion***) nehmen den stattlichen
95. Dem 'ionischen Epos', in welchem Kad- Helden wohl auf, und während man nach
mos als Schiffshauptmann erschien, oder einem genossenem Mahle ins Gespräch vertieft ist,
Hellenisten, wie Nikander (der eine Evgionrj kommt, nur der Elektra sichtbar, Hermes mit
der Botschaft, dafs Harmonia, die T. des Ares
*) Bd. 1, 306 f. mufste wenigstens auf die Ausführungen und ^ Aphrodite die bei E als Pflegetochter
von Rohde [Roman S. \)ö f.) Bezug genommen werden. , A i • i j • i.- -\ -i. j tt i_-
**) Auch die hellenistische Plastik hat sieh des ^S^ d^ asiatischen mit der Vlllgat-
Themas wiederholt angenommen, so bildete Antiphilos 60 tradltlOü) ZU Gaste ist, dem KadmOS als Ge-
dei Ägypter Kadmos und Europe (Plin. n. h. 35, 11-1), *) Im Einzelnen bleiben diese Fragen, wie bei Nonnos,
vgl. Brann, Künstler gesch. 2, 218. 299. 392. noch offen.
***) Spiro erklärt das p. M durch Benutzung des Euri- **) Das von 21, Schmidt, Philol. 23, 542 f. mitgeteilte
jiides in der Quelle des Ovid. Die wörtlichen Anklänge Statiusscholion ist im "Wesentlichen von Ovid abhängig,
hier (s. oben nr. 5) und vielleicht in der Sage vom ***) 3, 195ff. wird Dardanos als Stammvater der Römer
Ende des Kadmos sprechen für unmittelbare Benutzung. zum Zögling der Dike gemacht, s. Kühler S. 7. Auch
Gegenstandslos ist Spiros Polemik gegen Haupt (p. 13), 'Emathion' wird mit dem gleichnamigen Yater des
dem es nicht eingefallen ist, das Euripideische Canticum Romos {Dion. Hai. 1, 72) zusammenhängen. Er ist
als Hauptquellö für Ovid hinzustellen. sonst in diesen Sagen nicht nachzuweisen, s. Kohler S. 7.
877 Kadmos (bei Nonnos) Kadmos (b. d. Historikern) 87S
rnahlin zugedacht sei. — 98. Harmonia nimmt (135 fl'.) xqvgiov oqjiov . .. 'Htpaiexov eocpbv
diese Aussicht erst wenig günstig auf (4, 35 ff.); i'pyov; vgl. Diod. 4, 65. — 103. Es fehlt, gleich-
aber in der Nacht stimmt sie Aphrodite um, falls wie bei Dioäor, der auffüllige Zug, dafs
in der Gewaudung der Peitho und der Gestalt K. vor der Hochzeit „ein grofses Jahr" dienen
der Freundm Peisinoe an ihr Lager tretend mufs. Wohl aber treibt der Zorn des Ares
und den Fremdling mit dem heimischen (4, 417 ff.) den Kadmos nach Illyrien; Dio-
Hermes-Kadmilos (4, 88 ff.) oder mit Phoibos nysos selbst rät es ihnen 46, 357 ff. Nachdem
vergleichend (Lobeck, Agjaoph. 1254ff. Köhler ein Zeichen (eine Schlange umwindet beim
S. 7). Schon am andern Tage eilt (unmotiviert) Opfer sein und der Harmonia Haupt) es längst
Kadmos mit seiner Braut davon (4, 213. 224ffi, 10 vorher verkündet hat (44, 107ff.), werden sie
vgl. Apollon. Iihod. 4, 54. 64ff.). — 99. Nach schliefslich „zu Schlangen versteinert": eine
der Landung in Griechenland zieht der Held, Kontamination zweier Legenden , die oben
wie Zeus geheifsen (2, 698), nach Delphi. Es nr. 54 behandelt ist. *) Über die Episode in
folgt der bekannte Orakelspruch (4, 295 ff.); Libyen s. nr. 69 f. Vgl. im allgemeinen B.
von der Kuh geführt zieht er durch Daulis, Kühler, Die Dionysiaka des Nonnos S. 6 ff. 39 ff.
Panopeus, Tanagra, KorODeia, Haliartos, Thes- . .
piai, Plataiai nach cAonien' u. s. w. In der Lationalistisch-euherneristische
Beschreibung des Drachenkampfes V. 356 ff. Darstellungen,
tritt die Gefolgschaft hervor , öaog noXvg Die Historiker. 104. Schon Hekataios
tansxo Kaäfico (V. 359), wie bei Ovid; nur 20 hatte den Kadmos alB einen Mann vom
sind es keine ministri. — 100. Athene greift Stamme der semitischen Phoiniker aufgefafst
V. 393 ein mit einer exhortatio; die Wahl der und zum 'Erfinder' oder Vermittler der
Kampfmittel dreht sich um: erst zerschmettert Schrift, vielleicht auch schon zum Schrift-
der Held dem Drachen mit einem Felsblock steller gemacht, s. ob. nr. 93 und die verwandten
([iüqIiciqov, V. 409) das Haupt, dann haut er Nachrichten bei Dioäor (Dionys) 3, 67 ff., wo
ihm den Kopf ab (V. 412 f.). Ares schreit auf Linos die nqä'%£ig des Dionysos in kadrneisch-
vor Zorn — %a>oy,ivov 81 | K. dXXorpvrjg fifiilXs pelasgischen Buchstaben aufschreibt etc. Diese
wap' 'JXXvQiSog acpvQa yairjg \ fcsivov i'%tiv tv- Auffassung blieb für die Historiker mafs-
daX(ia (eine merkwürdige Übereinstimmung gebend. Vgl. Herodot oben nr. 75 ; Charax und
mit Ovid 3, 95ff.). Die aufsteigende axd%vs 30 Hekataios s. oben nr. 30, und in gleichem
uvzoX6%ivzog Tiydvxuiv (427) bekämpft Kad- Geiste Lueill v. Tarrhai bei Zenob. v. Ka-
mos nach Kräften; aber erst als er JlaXXdSog dpiia vCy.n p. 97 Gott.: zd bk <DoivUrjg ygdii-
hficpQOVi ßovXy j yriysvicov xiva nixqov iizfj- fiaxa ßovXöiisvog Siaäod'fivai xoig "EXXrjdi Kd-
oipjjof xctQrjvcov, kommt er zum Ziele, indem 8pog dvsiXs Aivov v.ai uixbv i'Sice y^äftfiana
sie sich im Wechselmorde töten. *) Die inidiiy.vvixivov , ov unsSüa%av 01 noXixai.
Namen der Überlebenden werden (trotz V. 404 Nicht als Rival , sondern als Schüler wird
nivxi Xmmv t,wovxag) ebensowenig genannt, Linos mit Kadmos in Zusammenhang gebracht
wie bei Euripiäes (Ovid 3, 126 nennt Echion). bei Dioäor 3, 67 f. (s. auch Isid. Orig. 7,
Jetzt (5, lff.) opfert er die delphische Kuh. 73); vgl. Bcthe, Quaest. Diod. mythogr. 26.
Aber nun gilt es, die Ureinwohner zu bezwingen 40 Solide, Bhein. 3Itts. 36, 564. — 105. Herod.
(vgl. Baus. 9, 5, 1. Konon. 37). — 101. Dann 2, 49 nv&sad-ai 8s fioi Soy.hi txdXioxu Mi-
erst beginnt die anbefohlene Gründung The- Xdfiiiovg zu tziqI xbv Jiövvaov [was mit
bens (vgl. darüber bes. Köhler S. 10ff.). Kai ägyptischem Brauche übereinstimmt] naget
■jtoXig 'Aovir\ TvQiqg ■noiy.iXXtxo xi%vr\g (56). KdSfiov zs xov Tvqlov kui xäv avv avziö
. . £71zuti6qc» nvXzwvi ... | ovQavov znzd^tavov in <&oivi-ATqg dniKOfievcov ig zr\v vvv Botco-
f y fiifiijößTO xi%vrj , und weiht die sieben xiiqv -naXioiiivriv %wqt]v. 145 Aiovvam fisv
Thore den oigavloig . . dXr]zaig, den Planeten vvv zä> Ix SsfisXrjg xijg KäSfiov Xtyofiivio
(V. 70 ff.): das erste (Onkäische) der Mene- xtX. Herodot drückt hier einfach epische
Athene, das zweite dem Hermes, das mittlere Überlieferung in seiner Weise aus. Ahnlich er-
(Elektrische) dem Helios, das fünfte dem Ares, 00 klären sich die übrigen EvQifjfiuxa des Kadmos (auf
das dritte der Aphrodite , das sechste dem eine Zusammenstellung in der Qrjßaimv noXi-
Zeus, das letzte dem Kronos. Und die heilige zsia des Aristoteles zurückzuführen, s. Aristot.
Stadt Alyvnxlris indXtooev bfjKÖvvfiOv aoxsi Pseudepigr. p. 472 B ). Die „Steinbrüche"
'-*r;(3)js | TtoiY.iXov äev.rj6ag yßöviov zvnov laov (Plin. nat. hist. 7, 57 lapieidinas C. Thebis
OXvfimoj. — 102. Jetzt endlich wird die Hochzeit [invenit], aut, ut Theophrastus , in Phoenice.
gefeiert. Aphrodite schmückt den Palast des Clern. AI. Str. 1, 16) sind wohl aus dem Burg-
Kadmos , Ares tauzt zum Trompetenschall, bau, die Erzgewinnung (Hyg. fab. 274 C. .. aes
Apollon und die Musen spielen und singen, Thebis primum inventum condidit.) vielleicht aus
Nike und Eros führen einen Tanz auf — tjv der Spartenrüstung abgeleitet. Ähnliches unter
8h vorjeai (120) KdSfiov baoi %a\ Zfjva fttjjg 60 nr. 78. Wenn Kadmos nach Nicom. Geras,
tpavovxa xgani^?- Aber über dem Hochzeits- harmon. Pyth. 2 die Lyra einführt, so berührt
gemach geht der himmlische Drache auf, ein er sich wieder mit Hermes (und Amphion). **)
Bote des bevorstehenden Geschickes (121 ff.).
Die Götter bringen um die Wette Geschenke, *) ptole,n- HePh- "• *■ 7 (K- und H- in LUweu ver"
Zeus, Poseidon, Hermes ein Skeptron, Hephai- wandolt) steht iaollert und kMul. wie gewöhnlich, beiseite
■ - -p,- l tt ■ ml * i i-j_ Relasseu \verdeu.
stos ein Diadem, Hera einen Thron, Aphrodite „, ZoSga p g> 9> dor dim Ka(lmos die Verbreitung
*) Auf andere Übereinstimmuiigeii mit Euripides der Astronomie in Griechenland zuschreibt, hat da3 wohl
macht aufmerksam Spiro p. 11 ff. in die Nonnos- Stelle 1, 259 hineingelesen.
879 Kadmos (b. d. Historikern") Kadrnos (b. d. Komikern u. Euhemeros) 880
— 106. Androtion fr. 28. F. H. G. 1 p. 373. der Ort. Absonderlich Demophilos (S. des
Schdl. Find. Isthm. 7, 13: 'AvSgozCav äl tpnoi. Ephoros) Schol. Yen. II. 13, 301 (F. H. G. 2
rcvyövza £y. zrjg 3>oivtn7]Q zov KäSfiov fiszd p. 86) Kai ig-qpov ysvso&ai xrjv ztaXiv fiEggi
ixaväv B7togd§cov v.azsXd'iiv slg ©f/ßag. zrjg KäSuov äcpi^scog (seit der Eroberung
o&sv Sid zb avu/itylg Kai OTiogdSvv slvai, Thebens durch Eurymachos und die Phlegyer,
Enagzol snfaj&riaav. oi äs @r]ßaioi ti nsgl nach dem Tode des Zethos und Amphion).
avzäv ipEvdeäe izsgazovgynaav. (Die folgenden Die Komödie und Euhemeros. 109.
Fragmente 29. 30 bei Schol. Eur. Phoen. 674. Während gleichzeitig die Tragödie und das
Tzetz. Eye. 1206 sind lediglich dünnere jüngere Epos, trotz mancher Konzession an die
Excerpte des Mitgeteilten; aus verwandten 10 historische Auffassung*), im Geiste der Helden-
Überlieferungen Marm. Far. 7 [12] p. 4 Fl. sage und in steter Fühlung mit dem alten
u. A.). Diod. 19, 53, 4 fiszd ydg zov iitl JsvKa- Muster die Überlieferung weiterbildeten (s.
Xicovog v.azaxXvoiibv KäSiiov Kzt'cavzog trjv Ka- oben nr. 94 ff.), zog die attische Komödie den
Siiiiav BvvfjX&sv sn avzrjv Xabg ov zivig aiv Stoff in eine niedere Sphäre herunter. Vgl.
Snagzbv Ttgoonybgsvaav Sid zb Tiavzarb&sv Eubul. Europe fr. 34. C. A. Fr. 2 p. 176 K.
Gvvax&fivui. , zivsg di &t]ßocysvfj Stä zb zr\v vxl%s Boliozwv nbXiv ! avSgäv ägiezav ia&ieiv
KQxflv «* ^JJS ngosiQiquivrjg nbXstog bvza Sid kzX. (Parodie des Orakels an Kadmos, vgl. nr. 16;
zbv Kazav.Xvoubv . . Siaonagfjvai. zovg ovv dieselbe Fabel C. A. Fr. vol. 1 p. 230. 610).
tote KazoiKiqcavzag varsQOi 'Ey%BteEs v.aza7to- — 110. Völlig im Geiste der Komödie gehalten
Xspirjcavzig i^sßaXov, ozs Sr) ovvsßr] Mai zovg 20 war also die Darstellung des späten Eponj'-
mgl KdSfiov slg 'IXXvgtovg sktcsosiv. Vgl. nr. 60. mos dieser ganzen Richtung. Euhemeros
— 107. Kephalion bei Joann. Matal, p. 40 B. bei Athen. 14, 658 F sv zw zgizca rrjg isgäg dva-
(fr. 4. F. H. G. 3 p. 627 kti'Jei $£ (Kadmos) ygarpfig zoi<& tazogsC äg ZiScaviav Xsybvzmv
Kai nöXiv . . , fjVTiva iv.dXovv slg i'Siov bvoua zovzo (!), on KdSaog u-dystgog S>v zov ßaoi-
KaSfisiav Kai ßaoiXsvsi . . liest" dvsxaXsoazo Xsmg Kai nagaXaßcov zrjv 'Aguoviav avXrjzgi'äa
Si sk ztig il-OQias zov Tsigsoiav , Boiäziov Kai avzrjv ovaav zov ßaoiXscog ttpvys ovv
bvza q)tl6coq>ov, zov 9rjgoXszr]v, bvza nXovoiov avzfi. Es ist kein Zufall, dafs Kadmos hier
. . . , folgt eine euhemeristische Umgestaltung als Koch erscheint und dafs er bei Eubul. die
der Kadmos - Sage. Joann. Antioch. fr. 6. „Fresserstadt" gründet.**) — Ein 'syrophö-
.F. H. G. 4 p. 544 = Joannes N~ic. Notices et 30 nizischer' Handelsmann (ifi-mogog) ist K. dem
Extraits 24 (1S83) p. 371 f. (echt nach Jo. Momos Lucians (Deor. conc. 4, 3 p. 529 R.) und
Boissevain, Herrn. 22, 161 ff.): t\ St Aißvr) als, ,phönizischen Trug" betrachten die Drachen-
yafirj&srea TIoos iSävi rn>i(also keinem 'Gott') und Spartensage die Grammatiker, welche bei
z'zskiv s| ctotoS Ttaiäag y, 'Aytjvoga, BfjXov der Erklärung der Phrase tysvdog <&oivikik6v
Kai 'EvväXiov. 6 BfjXog ya^fjoag Ziärjv daran erinnern; vgl. Paus. beiEustath. p. 1757.
Ecf^s ovo viovg, Aiyvnzov Kai Javaöv l| Phot. Schol. Plat. Rep. 414C = fr. 318 p. 216
ov Ai'yvnzog Kai Ziäav covouäad-rjGav (?), ö ös Schw. (vgl. 'Punica fides' und Hom. Od. 14,
'Ayrjvcog r'iyays zrjv Tvgäf f'£ ov Tvgog 288. Hes. v. $>oiviK?XiKzr)g = com. dub. 1293.
iiöXig' Kai io%£V viovg S' Kai Qvyaziga fii'av, 3 p. 623 K.).
KdSfiov QoiviKa Zvgov Kai KiXiKa xal 10 Parodisti sehe Darstellungen des Mythus auf
Evgwnnv Kai iXa%ov zag e7icovvu.ovg %cogag Bildwerken fehlen.
(zrjvy KaSfiBiav \zr\v Orjßnv^, zrjv <Poivt'KT)v,
zriv Zvgt'av , ziv KiXiv.Cav Kai zrjv Evgcinr]v. ■"• Zur Deutung.,
Ttjv JLvgtönrjv äi agnäoag Tavgog (bei Müller 111. Mit grofser Zähigkeit hat sich aus
falsch klein geschrieben), ßaaiXsvg Kgrjzrjg, leicht begreif liehen Gründen, die älteste, schon
t ziks Mivcoa kzX. — fr. 7 p. 545 diovvoog von den Griechen angebahnte orientalisierende
■noXtu-rjOag Tlsv&ii zm i^aSiXcpa dtcfiiog rix&l' Deutung des Mythus erhalten, die aus Kadmos
Ayavrj 6h smiBiv aizovg GntieaG&ai ivwitiov einen orientalischen Gott oder Heros macht,
zoi naitnov Kääfiov kzX.\ ähnlich Tzetz. chil. den „Morgenländer" ('gadmon') , der das
6,61,681 Tis v&ivg . . . ävngntiiviov zäv Xomäv 50 „Abendland" ('ereV), oder den Sonnengott
lyyövoiv zäv zoi Käätiov ... tag ö' r/Kovos Melkart, der die verschwundene Mondgöttin
Aiovvoov i'yyovov vo&ov Kaö/iov ävzinonlo&ai Astarte sucht u. s. w. So neuerdings besonders
rrjg äg%rfg SsßfisC Kgazr\oag zovzov kzX. Movers, Brandts, Baiidissin,Lcnormant,Dunckcr,
108. Mit Joannes v. Antiochien und Der- Busolt S. 51 (mit Ansätzen einer richtigen Auf-
Jcylos (Harmonia, T. des Königs Drakon, oben fassuug) und zuletzt Hesselmcyer, Die Pelasgcr-
nr. 22 Sp. 836) berührt sich Palaiphatos 7 frage S. 52 Anm. Durch die oben gegebene
p. 276 W. nsgl Znagzmv (König Drakon), 7 Entwickelung des Materials ist diesen Hypo-
p. 277 W. Ttigl Etpiyyög (Harmonia, Schw. des thesen von vornherein der Boden entzogen.
Dr.), 16 p. 282 jrfot zijg Evgoinris (der Knosier Die ältesten Zeugnisse kennen Kadmos nur
Tauros); doch lohnt es sich nicht, diesen 60 in Boiotien und wissen nichts von seinem
Thorheiten (vgl. auch Tzetz. chil. 10, 409 ff.) Verhältnis zur Furope und zum Phoinix, oder
nachzugehen. Gleichwertig ist Konon 37 gar von seinem Phönikertume ; vgl. die ver-
p. 20 IL *) Auch auf die Einzelheiten der nichtende Kritik der JUows'schen Vermu-
chronologisch- genealogischen Anordnung (im . , ,
^ . j ^ n .. '\ • 1 • i_ i • ■ 1 i. ) V^«l z- E. die Käduov tdnoL (d. h. Buchstaben)
Kreise der 9nßaiKa) einzugehen, ist hier nicht ^jjaJLfcr, At/,e„. 3 p. S2» = p. 68 £ Sehn.
*) Eine Polemik gegeu diese Pseudohiatorie, wie ßie **) Es ist wohl die stärkste Leistung von Movers, dafs
Spiro p. 35 ff. und Enmann S. 13 fuhren, ist aber auch er selbst den Schwindel des yegtav a?>aMv ernst genommen
heute uoch nicht überflüssig. hat. Vgl. II. D. Müller 1_S. 302 ff.
S81 Kadmos (Deutung) Kadmos (Urbedeutung u. Heimat) 882
tungen bei H.D. Müller 1, 299 ff. — 112. Eine Boiotien zurückweisen. So ist Kadmos vor
bessere Gestalt empfängt diese Ansieht bei allem Heros Eponymos der Kadmeia,
O. Gruppe, Die gr. Kulte u. Mythen S. 162 f. wie Eekrops der Eponymos der attischen Burg
Nach einer mit gewohnter Schärfe geführten ist (vgl. Crusius, Beitr. z. Myili. S. 12 — 15).
Kritik der qadmön - Hypothese bemerkt er Die Etymologie bleibt unsicher und ist, wie
S. 163: „Man leitete Kadmos aus Tyros ab, gewöhnlich, für die eigentliche mythologische
weil er oder ein mit ihm identificierter Heros und mythographische Arbeit ohne Bedeutung,
dort wirklich verehrt wurde." Ob das aus- Am meisten Anhänger hat immer noch die
reicht, um die Anknüpfung an Phönicien Welckersche Erklärung KäSfios-xoaaog'*), die
(Tyros) zu erklären, ist zweifelhaft; der Kad- 10 aber (wegen des ä) sprachlich Schwierig-
mos-Agenor-Kult in Tyros ist schwerlich keilen macht und auch sachlich nicht genügt,
älter, als die Hellenistenzeit, sicher griechi- da der Held schwerlich nur eine „ethische
sehen Ursprungs und umgekehrt aus der be- Potenz" ist. Wenn wir K. richtig als Epo-
rühmten Sage herzuleiten. Im übrigen sieht nvmos der Kadmeia aufgefafst haben, würde
Gruppe nach den Ausführungen a. a. 0. S. 162 die Deutung von den Ortsnamen KuSixtia und
und den Bemerkungen in der Philol. Wochenschr . KdSfirj ausgehen müssen. Bei lVelckers Ety-
1883, 35, Sp. 1092 in Kadmos einen 'degra- mologie müfste man „Herrensitz" erklären,
dierten Gott'; der Kern des Mythus, „der Baunaclcs Versuch, an die Wurzel Sa/i- (Ka-
Kampf mit der Schlange der Nacht", „die Suflu, vgl. "J - d firjc:) **) anzuknüpfen, gäbe
Vermählung mit der Himmelskönigin", „die 20 die durchaus sinngemäfse Bedeutung „Zwing-
Verwandlung in eine Schlange" ist ein Aus- bürg"***); für -na- iu boiotischen Ortsnamen
druck „für die täglichen Schicksale des Sonnen- ist Ka-araUa ein gutes Beispiel, vgl. auch
gottes". — 113. Auf ähnlichen Pfaden wandeln Kar-aovla (voü Boiot-Ioniern benannt, wie
andere Meteorosophisten, z. B. E. H. Meyer, die Stadt Orjßr] in Kappadokien, Stepli. Byz.
Achilleis 486 f. Hier wird Kadmos gar ein p. 313, i°). Ebenso würde sich die Kadmeer-
,, Winddämon", Harmonia ist die Herrin des gründung 'EniSafivos (vgl. 'Etz - augia , 'Eni-
Regenbogens, ein Dublette der Iris-Eris &cpvQioi, 'E-m-nvrtfiCSLoi , 'Eiii-Y.ri(fiaaiä, 'Etci-
u. s.w. Der Hauptfehler dieser Anschauungen Xvksiov) erklären lassen, sowie die zta/ivco im
liegt darin, dafs sie die Sage als gegebene Stammbaume des Kadmos oben nr. 29. Docli
Einheit auffassen und nachweislich versc.hie- 30 das alles bleibt hypothetisch. Jedesfalls aber
denen Zeiten und Orten angehörige Über- darf man in dem Namen der Kadmeionen
lieferungen unter einem Gesichtspunkte be- oder Kadmeer ebenso wenig eine ethno-
trachten. — 114. Dafs aber in der That in die graphische Bedeutung suchen, wie in dem
Kadmos- Sage verblafste Reminiscenzen aus der Kekropiden; er ist lediglich eine vor-
Göttermythen eingedrungen sind, soll nicht nehmere Bezeichnung der Herrengeschlech-
geleugnet werden. Schon 0. Malier und nach ter von Theben (Crusius a. a. 0.). — 116.
ihm H. D. Müller haben auf Parallelen, be- Dafs sich auch die ältesten mythischen Be-
sonders aus der Demeter- und Hermes -Reli- Ziehungen durchaus auf Theben beschränken,
gion, hingewiesen und damit die Grundlage
des Mythus blofszulegen gemeint. Verf. hat «0 *) Welcher, Kret. Kol. S. 23 f., vgl. o. Müller, Proleg.
sich schon früher (a. a. 0.) diesen Anschau- 151. Fielt, Personennamen p. 180. H. D. Müller, InJogerm.
ungen im ganzen angeschlossen, glaubte dann Sprachbau S. 207. Maafs,Gött. gel.Anz. 1890, 349. Die semiti-
aber den Keim- und Ausgangspunkt auf an- sehen Etymologieen widerlegte vor 0. Gruppe Neuhäuser,
derer Seite suchen zu sollen (Beitr. zur ar. Cadm""s p- 6it. de38en eie6M Deutung (zu r.,\öm =
71 r .i-l T> 7-„* t -<no/* et ^ *\ tt procurator) Omo Möglichkeit von vielen iBt.
Mith. u. Heliqionsresch. 188G S. 14). Vor »„ . ,. .. s j ■ , i aT j
ny r , J .., t i -, **) Auch yi-duotv denn 80 wird der Name des
allem mu^ auch gegenüber d]esen beiden Steinsehneiders zu lesen sein: Brunn, Eünstlergesch.
Forschern — zumal gegenüber II. I). Müller 2, 535 f.
— eine schärfere Sonderung der poetischen ***) Maa/s, Gott. gel. An:. 1890 9, 349 weist diese
Quellen betont werden, wie sie im Vorher- „grimmige Etymologie" mit der Bemerkung ab: „Wer
gehenden wenigstens angebahnt ist. Von be- 50 soDte im ^t"1*1111 8° absurd gewesen sein, einen
Stimmten litterarischen Centren aus sind Drachentoter -Drachenniederbändiger' zu nennen . . .
Ain T?Trtw,««4.« J„_ o„,_ _ c c l i K. ist seinem TVe3en nach viel mehr, als ein Drachen-
ciie Memente der bage zusammenrrefafst und . a VH ,. > » w „ ,' . 7
., , .-, , , n .-P .. • n i nie at-rh mutiger . . . wenn Maafs Just nur an den
weitergebildet: Zu ihnen müssen Wir durchzu- 'Drachenniederbändiger' denkt, so ist Baunack daran
dringen suchen, wenn wir die geschichtlichen m. W. unschuldig. Einen ahnlichen Einfall hatten übri-
und traditionellen Grundlagen , wie die kühnen Kens, was Baunack entgangen zu sein scheint, schon alte
Hülfskonstruktionen der Dichter überblicken Erklärer; vgl. Io. Didk., Schal. Theog. 987 p. 287 fl. naqiaov
und verstehen wollen. *a *y- ftolifiov v.uiamntw/.öta tiini] rüv 7tö?.toiv zal
I. Urbedeutung und Heimat des Kadmos. *«*<**•<»<*/•«*/»*»<» awagnoXoroüai «;..,_ders. zu 940
115. Den Ausgangspunkt der Sage bestimmt *«^"». «**«*«*«*«?<>/»»'» ^^«^«(0, zu 975
die lhatsache dafs 1) die ältesten Zeugnisse 60 SeSa^aafiivoi hnb ttvoc oYvmQoü lyttQovtm x*X. Merk-
und Lokalzeichen auf das boiotische Theben, würdig ist es, dafs das Verbum im Hermeshymnus Vs. 137
insbesondere auf die Burg, sich beschrän- ov?.ozagnrai itvglc xattSüfirat' nüt^fi vom opfernden
ken (nr. 1 ff. 31 ff.), 2) in historischer Zeit der Hermes gebracht wird, der auf Samothrake den Namen
Name KaS/ltia (KaSfirj) an der Burg von Kadm(il)os trägt. Übrigens legen diese Thatsachen die
Theben (und von Priene) haftet (nr. 31. 89), Vermutung nahe, dafs man bei der Ka-Öfiiia r(y.n (oben
,,„A o\ ™« ~+: l ~ T> e fr l • l Pp- 861) mit dem Wortsinne spielen wollte: ähnliche
und 3) gennetische Bezüge auf Kadmos viel- J , - , . . , . ■ a ■ -u \ u ^
pi'.v, , ,...", ^ .. Kalauer finden sich auch sonst im Sprichworterschatz,
lach mit anderen boiotischen Reminiscenzen vgl. Fleck. Jahrb. 135 (1887) 657. - Die Namen Ehud,,,;
Hand in Hand gehen, also gleichfalls auf 'OQixaäßo; Bind wohl von dem Heroeunamen abgeleitet.
883 Kadmos (Urbedeutung u. Heimat) Kadmos (Urbedeutung u. Heimat) 884
ist oben nr. lff. bereits hervorgehoben. Wenn Bd. 1 Sp. 2813 ff.). — 120. So wird $oivi%r\ als
der Held die Tochter der Landes- und Burg- Heimat des Helden immerhin schon in den
götter Ares und Aphrodite (vgl. Tümpel a. a. 0. älteren, von Euripides und Ecrodot benutzten
S. 653 ff.) als Braut heimführt, so ist darin Dichtungen angegeben gewesen sein. Der
zunächst kaum eine tiefere „allegorische" Be- Name bezeichnet ursprünglich , ähnlich wie
deutung zu suchen: es ist eine Theogamie im das gleichfalls mit der Apollon- Religion in
Geiste boiotischen Glaubens und Dichtens, Zusammenhang gesetzte Avxia, das „Licht-
wie viele andere in den hesiodischen Epen. — land", das „rote Land", als das Land des
117- Viel reicher ausgebildet ist die jüngere Sonnenaufgangs. Das tritt noch deutlich zu
Sage von Kadmos in Theben, deren Urform 10 Tage bei Aischylos Prom. sol. fr. 192 p. 64 2V.2
aus einer Kombination der Kataloge (nr. 4 ff., ipoi viy.oxsdov x' tgv&gäg i&gbv | %evp.u
11/15, 46 ff.) und einer alten, vielleicht ho- ftaldcang, %a1Y.ov.iQu.vvbv te nag' 'Slutavä \
rinthischen Parallelquelle (16 ff. 50 ff ) erschlossen lipvav navtozgörpov Ai^t6nav\i'v' b . ."'Hliog . .
werden kann. Hier fällt besonders eins auf: ävanain, und in einem aus alter Dichterüber-
die mafsgebeude Rolle, die das delphische lieferung geschöpften Artikel des Etym. M.
Orakel spielt. Das Orakel heifst den Heros p. 797, 14 (vgl. Trag. Gr. fr. p. 639 -ZV.2) jrpö-
die Burg gründen und nach Illyrien ziehen ztgov of &5ot'j'txfs civ.ovv ngbg zfj igv&gä
(nr. 16. 46); eiu Raubzug wider das Heiligtum &uldcGn y.al ivxiv&iv airoie ro'vvoiiu.- qpot-
hat die Vernichtung der Encheleerscharen zur mKoCyäg tfjv %goiäv ccnb räv nuguy.iiuivcav
Fol.^e (47); nach der Erlegung des Drachen 20 avxoig nszgäv (nogyvgävy oveäv dtb koi
mufs sich der Held, wie Apollon, dem delphi- igv&gä Xsyi rat*) [das Folgende bei Miller, Mel.
sehen Brauche der Blutsühne (U. M ü'iler, Proleg. p. 302 im Flor.] y.al nag' EigmCSn $oIviogÜ
S. 304ff.) fügen (nr. 7). Es ist klar, dafs nur (j~yig altir] d'grjxai. "Wie wenig ethnographisch
in Delphi oder unter dem Einflüsse von fest bestimmt diese Begriffe der boiotischen
Delphi diese Züge entstehen konnten. Dichtung noch in historischer Zeit waren, zeigt
Sie umspannen und bestimmen aber das Ganze Korinna Athen. 4, 174 F = fr. 27 p. 550 B.: fj
dergestalt, dafs man (wie bei der von U. v. Kagi'a 3>oivly.tj ixoclsizo, mg nagd KogCvvn yai
Wüamoioüz [Isyll. Anh.] hergestellten Eoee) Bay.xvliSn iazlv nvgttv (s. H. D. Müller 1,308).
geradezu ein delphisches Gedicht als Damit hängt es zusammen, dafs der „Baum
Urquelle vermuten könnte. — 118. Der Ver- 30 des Morgenlandes", die Dattelpalme (apoivt^),
dacht liegt nahe genug, dafs von hier aus, in dem Gotte von Delphi und Delos geweiht war
Erinnerung an das Hauptdogma von Delphi, (vgl. Helm, Rultuipfl.u. Haustiere 4 S. 21Sff.,
auch der Drachenkampf (nr. 5.18) auf den Helden der nur S. 488 die Entwickelung auf den Kopf
übertragen ist; doch läfst sich das nicht zur stellt**): unter seinen Zweigen, d. h. im
Gewifsheit erheben; die Beziehungen des quell- mythischen &oiviv.r\ , war er geboren, das
hütenden Drachen*) zu Ares und Erinys- sonnige Palmenland war seine Heimat für die
Tilphosa sind alt und selbständig. Wenn Zeit wenigstens, in der unsere Epen und die
die zweite Quelle (nr. 22 ff.) und mit ihr viel- homerischen Hymnen (vgl. 1, 117 äficpl äi
leicht 'Musaios' (nr. 45) den Drachenkampf q>oCviy.i ßäli nfjxss, Theogn. 6) entstanden sind,
als Bedingung hinstellt, unter der Kadmos die 40 Vgl. auch das <&oiviy.£tov neben dem <t>iy.£iov
Hand der Göttertochter gewinnt (nr. 25 ff.), so bgog Strabo 9, 410 in Onchesmos zwischen
verwendet sie ein weit verbreitetes Mythen- und Theben und Delphi, ®oiviy.rj in Epirus, die
Märchenmotiv (Hahn, gr. M. 2, 49fi., Benfey, Städte und Flüsse <$oivi% in Lokris, Thessalien,
Orient u. Occident 2. Laistner , Rätsel der Sphinx Kreta. In dem Tempel von Buto sahen die
2, 26ff.) in durchaus angemessener Weise: Milesier (Hekataios fr. 284, den Herodot 2, 157
nur läfst sich nicht mit voller Sicherheit aus- [vgl. TJiels, Hermes 22, 421] ausschreibt und
machen, ob dieser Zusammenhang zwischen angreift) ein Apolloheiligtum, weil iwnicpvHaoi.
Drachenkampf und Hochzeit (wie man gern iv avzij rpoiiiv.sg av%voi. ***) Jene Vermutungen
annehmen möchte) ursprünglich ist, oder eine bestätigt vielleicht die oben nr. 75 angeführte
nachträgliche Verbesserung. — 119. Das del- 50 Notiz des Herodot 5, 57, dafs die „Phoiniker mit
phische Heiligtum hatte den Thebanern ihren Kadmos", ehe sie nach Euboia gezogen seien,
Burgheros entfremdet und als Sendung des in der Tavaygiyrj jicnpa von Boiotien gesessen
orakelspendenden Gottes dargestellt. Woher hätten. Das Tanagräerland mufs hiernach in den
war er gekommen? Alle Genealogieen weisen Epen zweiten Stils, die Kadmos als Schiffs-
uns in den fernen Südosten, wo man auch Hauptmann auftreten lassen, die Rolle der boio-
die ursprünglich griechischen Namen und Be- tischen Metropole gespielt haben. Über die
griffe Avyi'a, Ai&iont'a, $oiviy.rj, NsiXog, ®r}|3j], einbegriffenen Ortschaften Mykalesos und
Ai'yvnzog, 'Egv&gd ftdlaooa **) fixierte. Auch Harma (vgl. Harmonia?) in der Kadmos-Sage
das ist ganz im Geiste der ausgebildeten t) Noch bel fferodol bedeutct ^ ., erythrälscbe
Apollon - Religion gedacht. Aus den fernen 60 Meer" ganz allgemein die „ südöstlichen Teile des
Gegenden, WO der Gott während seiner Apo- Oceans", s. Berc/er, Gesc/i. der Erdk. 1, 20, der nur S. 33f.
deinie weilt, kommen auch die von ihm ge- Anm. von der mythisch - poetischen Unterlage dieser
sandten Propheten und Heilbringer, wie Abaris Begriffe zu gering denkt.
(Bypei'boieerland), Ölen (Lykien) U. S. W. (s. **) Die3QU Zusammenhang schlägt zu niedrig an
v ' s J ' Bätticlter, Baumkultus 413 ff. 30. [Vgl. neuerdings Diels,
*) Tgl. Soph.fr. 20G p. 179 Ar.2 fgitpovoi xqijvii; iprf- Sibyll. Bl. 57. Murr, Pflanzenwelt in der Myfhol 48 ff.]
?.ay.a /ctQc'ttjv otptv. ***) Wenn Hekataios weiter berichtete, dafs die Insel
**) Vgl. Verh. der 40. PJn'lologenversammlung in Görlitz schwimme und sich bewege, so ist hier die delifcbe
S. 3G und in diesem Lexikon Bd. 1 Sp. 2*17. 2S35. Legende auf das ähnliche fremde Lokal übertragen.
885 Kadmos (Urbedeutung u. Heimat) Kadmos (u. Europe; Typhoeus) 886
vgl. ob. Sp. 835, 1. Nun berichtet Pausan. 9, 19 die oben nr. 29 rekonstruierte Genealogie noch
zov Ss Evginov zfjv Evßoicxv . . äitb zrjg Bot- andere boiotische Lokalzeichen; für den Kad-
caziag Sisi'gyovxog, zrjg zs zlrjiirjzgog sv Ss^iä rnosahnen Ogyges in Boiotien und Aigyptos
zö isgov zrjg Mv-xalrjßiag v.al ölCyov . . ist schon nr. 28 Zeugnismaterial beigebracht;
ngosl&ovxi sazlv Avlig' ovofiao&i'ivai Ss räo auf seine Tochter Argiope werden wir den
zrjg 'Sl y v y o v ftvyazgog cpaoiv cevrrjv [die nach Tisgi Ttorauov Molosvztx iSgv[isvov Agyicmov zs
der oben nr. 28 nachgewiesenen Überlieferung %ü>gav ■xaf.fnu.svov {Herod. 9, 57) zwischen Pia-
eine Schwester des Kadmos sein würde], taiai und Hysiai beziehen dürfen, an dem sich
vabg Ss 'A gzs piSog toxiv ivzav&ce ««(■ auch ein Demeter -Tempel befand.
äydXtiaza li&ov Isvxov . . . ipoivixsg St ngb io Kadinos und Europe; Typhoeus. — 121.
zov isgov irscpvxccciv .... vifiovzai Ss Tava- Schon bei diplomatisch-litterarischer Betrach-
ygaioi zavzr\v zs zi\v %mgav xat oe/; Ttsgl tungsweise ist es erkennbar, dafs der erste
Mvv.ttlr\a6v sozl v.aV'Agfia. Also auch in diesem Teil der epischen Vulgär -Tradition — Kad-
epischen Ursitze der boiotischen „Kadmeer" mos auf der Suche nach Europe — einen
gab es einen Palmenhain, ein „Phönicien" selbständigen, aber arg verstümmelten Mythus
in eigentlichem Sinne, und da der gut grie- darstellt. Mit dem Eingreifen des Orakels
chische Held Phoinix (0. Müller, Orcho- wird, wie in vielen ähnlichen Fällen, der alte
menos " 112 f.) ursprünglich in Boiotien — Faden abgerissen und ein neuer angesponnen;
wegen seines Vaters Amyntor ( K 266) im es ist das eine charakteristische Eigentümlich-
gräischen Eleon — zu Hause ist, wird man 20 keit vor allem der delphischen Legenden,
seinen Namen von diesen Vorstellungen der in der sich des Gottes souveräne Überlegen-
Apollon-Religion ableiten dürfen.*) Auch im heit manifestiert, vgl. in der Orakelsammlung
nördlichen Boiotien, bei Tegyra, finden wir von Sendefs z.B. nr. 15: Paus. 10, 24, 2
nahe dem Delos-Hügel hinter dem Apollo- nazgiSa Si'Qr\ai — (irizgXg Ss zoi saziv, 63:
Tempel die Phoinix-Quelle, vgl. Plut. Pdop. Diod. 8, 13, 2. 70: Diod. 8, 21 v.u\äv zoi zö
16. 0. Müller, Orchom. 2 71. Wenn wir end- fisza^v KoqCv&ov koci Eiyivmvog' all' ovv. ol-
lich auf der Apolloinsel Delos neben dem xrjssig %zl. 78: Herod. 4, 155 Beirr' snl rpccvijv
alten heiligen Palmbaum auch einem Colle- rjl&sg. ava% Ss es iotßog 'Anöllav | Ig Aißvrtv
gium von $>oivixsg begegnen (Bull, de corr. nsfinsi nzl. 84: Herod. 1, 66 'AgtccSiqv fi al-
Hell. 14, 429), so wird auch hier die Frage er- 30 Xtlg ... ov zoi Smem . . . | Säaca zoi Tsysrjv
laubt sein, ob dieser Name nicht sowohl eth- v.zl. In der That führt uns jener erste Teil
nographisch, als sakral aufzufassen ist. in einen anderen Zusammenhang. Es ist kaum
Aber auch die Konkurrenzüberlieferung, die zu bezweifeln, dafs er eine ßeminiscenz an
Kadmos mit Neilos und Aigyptos in Zu- einen alten Hermes - Demeter - Persephone -
sammenhang brachte (nr. 29 ff.), scheint ihre Mythus enthält, wie besonders H. D. 3Iüller
tiefsten Wurzeln in boiotischem Boden zu ausgeführt hat (a. a. 0. 1, 235 ff. 2, 320 ff.).*)
haben. Dafs der Begriff Aiyvnzog Ursprung- Noch in der von Grund aus neu stilisierten
lieh griechisch ist, kann nicht bezweifelt epischen Redaktion der Europesage schimmert
werden; die ältere Phase finden wir bei das durch. Zeus ist der Unter weltsgott, der
Stephanus von Hyzanz s. v. in der ällrj 40 Doppelgänger des Hades; die Höhle, darin er
Ai'yvnzog iii%ga , welche Tümpel nach Kar- die Geraubte verbirgt und gefangen hält —
pathos und der thrakischen Küste verlegt durch Drachen und Hund bewacht, s. Unger,
(Die Aithiopenl ander u. s. w. Fleck. Jahrbb. Theb. Farad, p. 399ff. Robert, Eratosth. Caiast.
Suppl. 16, 161 ff. 174); ähnliche Anschauungen p. 166 ff. Schneider, Nicandr. p. 125 — ein
bezeugt die Existenz des Neleus- Flusses auf Gegenbild des Unterweltsreiches, vgl. Crusius
Euboia (Aristot. mir. 170 p. 59. Antig. 84 b. Ersch u. Gruber S. 39. 41 31. Usener, Eh.
p. 81 W.) und in der Hestiäotis (Eudicus bei M. 23,337. Hier, wie im Typhoeuskampf
Plin. 31, 2, 13, in beiden Fällen mit einem berührt sich Kadmos, dem die thebische Tra-
cHieron' verbunden), in dem das von denloniern dition (oben nr. 31) mit dem Demetertempel
fortgetragene griechische Prototypon des Neilos 50 in Zusammenhang bringt, aufs engste mit dem
zu erkennen ist; die Namen Nvltvg — Nsilog boiotischen Hermes - cKadmilos ' und mit
— Aiyvnzog gehören zusammen. **) Wie $ot- Demeter. Das sind alte boiotische Elemente.
viinq zu Apollon mit Artemis, so steht Ai'yv- Näheres darüber im Artikel Megaloi theoi.
jrrog u. s. w. mit dem zweiten Hauptgotte Im übrigen sind der gestrenge König Agenor
Boiotiens, Poseidon- Aigeus (Proteus, Nerens) (episch -dichterischer Name), sowie die Kom-
in engen Beziehungen; damit mag es zusammen- gin- Mutter und die Geschwister, die ausziehen,
hängen, dafs Kadmos in gewissen Gruppen um die Verlorene zu suchen, und nicht wieder
der Überlieferung (nr. 82 ff.) in. den Kreis des heimkehren, Figuren im naivsten Märchenstil.
Poseidonkultes gezogen wird. Übrigens bietet Apollinische (delphische?) Legenden - Poesie
60 scheint hier altheimische Mythen aus einem
*l An die Lustraliniiuohe de3 samothrakischen Kultoä fremden Religionskreise ohne volles Verständ-
wollte schon o. Müller, Orchom. s. 454 den Namen *ofn£ nis umgestaltet und neuen Zwecken dienstbar
(zu (fotviaam, cp6ro;) anschließen [vgl. jetzt IT. Diets, gemacht zu haben. Auffällig ist es, dafs
Sibyu. m. s. 70 Anm.] Aber ich meine, dafs die oben Europe in Boiotien wenig lokale Beziehungen
empfohlene Deutung den älteren Anschauungen eher ij.t\i j r< jj / • -u ' j
gerecht wird hat. Doch mag der Urund davon (wie bei den
**) [Pur die A'/yurtto? fay.nic in Euboia plädiert jetzt *) Beiläufig weise ich auf die wenig beachtete Sonder-
mit beachtenswerten Gründen E. Maafs, He Aesch. Suppl. form des Argos-Herrnes -Mythus hin bei Xantlt. 9. F. E.G.
p. XXII. XXT7J l p 3S.
887 Kadmos (Gründungs- u. Spartensage) Kadmos (Gründungs- u. Spartensage) 888
rhodischen Aitbiopen) ihre sozusagen trans- ist auch die Spartensage. Snagxoi (von
scendentale Bedeutung gewesen sein: als cnsigm =* ysvväv, s. Mannhardt, Myth. Forsch.
Unterweltsheroine dachte man sie sich mehr S. 351 ff., vgl. patricn, hidälgo) sind die edlen,
und mehr im fernen Norden wohnend. *) Wenn altansässigen Geschlechter , die Söhne des
also nach nr. 77 Kadmos mit Europe sich in Landes; dafs sie die yata ßiXatv' äv£8a>v.EV
Thrakien verbindet, so liegt das durchaus ist eine weitverbreitete Anschauung (vgl. den
innerhalb boiotischer Anschauungen. Eines der alten Lyriker bei Bergk, P. I. gr. 3 p. 712 f.
ältesten boiotischen Gedichte, der Hymnos auf und dazu H. I). Müller 1, 479 u. ö.). Indem
den delphischen Apoll, scheint das zu bestä- jener metaphorische Ausdruck wörtlich
tigen: s.V. 73 und 113 (251 u. 291), wo Apollon 10 genommen und mit der Drachensage (viel-
als sein Herrschaftsgebiet den Peloponnes, leicht, wie bei der Myrmidonenlegende, unter
Europe, die Inseln bezeichnet. Evgmn-q ver- volksetymologischem Anschlufs an thessalisch-
tritt hier die nördlichen Landschaften, wie boiotisch - euböische Namen wie ©sg^mScov
schon bei Hesychios (Et. G-ud. 220, s. Schneider, Xalx<A8a>vXafauo8ovTtg) kombiniert wird, bildet
Nicandr. 34 ') Evgmitr} mit %^Qa zfjg Svasmc:, sich die Saat der Drachenzähne. *) — 124. Zur
cxotfij'jj erklärt wird.**) Die Annahme, dafs weiteren Ausführung der Scene dienten (wie
die topographische Verwertung des Wortes oben nr. 121) anklingende Elemente aus der
in diesen Hymnenstellen und bei dem späten Demeter-Religion. Das Umbrechen des
Hegesipp (nr. 75) durch eine berühmte dich- Ackers hat schon H. D. Müller 2, 326 mit
terische Quelle, wie die boiotischen Kataloge, 20 dem Festbrauche der Proerosien und dem
angeregt sei, liegt nahe genug. Umzüge des heiligen Pfluges in Beziehung
Die Gfründnngslegende nnd die Sparten- gebracht: die Festsitte findet so im Gründungs-
sage. — 122. Wenn Kadmos dem Orakel zu- mythus ihr Prototypon. **) Die Richtigkeit
folge von einer Kuh sich zur Siedelungsstätte dieser Auffassung bestätigt sich besonders
führen läfst (Parallelen bei Klausen, Aen. durch eine von H. D. Müller noch übersehene
S. 35 i. Welcher, Eret. Kol. S. 14. 166. Abel, Thatsache: der rätselhafte (und deshalb von
Maked. S. 93 f. Nissen, Templum 132ff.), so Hellanikos unterdrückte) Kampf der Sparten
ist darin schwerlich der Rest eines religiösen unter einander läfst sich gleichfalls als Reflex
Symbols zu erkennen, sondern eher — worauf oder Prototypon eines agrarischen Festbrauches
vor allem die Erzählung des Ovid führen 30 — der eleusinischen ßaXXrjtvg, der troizeni-
könnte — eine etymologische Legende scheu Xi&oßofa'u , der rpvXomg atvrj des De-
zur Erklärung der historischen Namen mcterhymnus V. 265 ff. — auffassen. (Näheres
BoicoTLa, Boicoroi, Sr)ßai Boicäziai. Der bei Crusius, Beitr. z. gr. Myth. S. 19 ff.) Da-
Vers des Orakels, auf den man besonderes nach scheint es nicht zufällig zu sein, dafs
Gewicht zu lesen pflegte (die Zeichnung der die Tradition dem Helden teils beim Drachen-,
Kuh), ist eine Entlehnung aus epischer Quelle, teils beim Spartenkampfe (nr. 5. 19) einen
vgl. oben nr. 17. Möglich ist freilich, dafs Stein in die Hand giebt. Wie gerade Bolche
ursprünglich überhaupt keine tieferen Ab- Züge in die Sage dringen konnten , erklärt
sichten vorlagen; vgl. nr. 75 und die ganz die alte Verbindung des Kadmos mit der
ähnliche Ilos-Sage bei Apollod. 3, 12, 3 40 Demeter Thesmophoros (oben nr. 121. 31). Die
(Hellanikos, s. Wellmann, Comm. Gryph. p. 63), alte Dichtung scheint den Wechselkampf als
sowie den Epimenidesroman bei Diog. La. 1, juaivsa&ai dargestellt zu haben: so zwingt
10, 110 (bei der Entsühnung läfst er weifse Epimenides (vgl. nr. 122) durch Zauber seine
und schwarze ngoßara los, 7tgogoTKt,ag roig dxo- Feinde, sich gegenseitig umzubringen (Iambl.
?.ov&oig iv&a av %aTu%Xivot avräv ?xkotoj>, vit. Pyth. 222), und in einem Mirakel bei Hero-
frvsiv iä ngoariY.ovzt ■9-frä). Da diese Griindungs- dot 5, 85 töteten sieh Leute, die^ sich am Hei-
legende der allem Anseheinenach älteren (honie- ligen vergreifen, im Wahnsinu arf noXtiiiovs.
rischen) Sage von Amphion und Zethos — trotz Vielleicht klingt dieser Spartenmord noch in
späterer Vermittelungsversuche (Bd. 1 Sp. 313 f.) der Oidipussage nach.
— im Grunde Konkurrenz macht und durchaus 50 Kadmos bei den Illyriern. 125. Die
von dem apollinischen Orakel bedingt wird, boiotisch -euböische Form der Sage vertreten
scheint sie im Kreise von Delphi entstan- die Kataloge (oben nr. 46 ff.). Kadmos und
den zusein. — 123. Eine etymologische Legende *) Daßl Wer nicht eine willkürliche, irgend einem
Gewährsmann zuzuschreibende Etymologie (wie nr. 106 ff.),
*) [Diese chthonische Bedeutung der Europe hat neuer- sondern der ginn der Legende selbst zu erkennen ist,
dings E. Schwärt: in den quaest. Herod. wieder zu Ehren littst Spiro S. 9. 15 ans den Augen; die Schlüsse, die er
gebracht.] zieht, schweben in der Luft.
**) Eine Ahnung des Richtigen zuerst bei Vo/s, **) Eine merkwürdige Parallele bietet die (vgl. Brunn
Myth. Briefe 1, 87 (bei Gemoll nach Franke falsch 86), ge- bei Ritschl, Op. 3, 583) etruskische Tagessage. Das sah
nauer Völcker in einem vergessenen Aufsatze Allg. Litt.- schon Cemorin de die nat. 4 p. 13 Jahn (Varrof): . . . et in
Ztg. 1827 nr. 139 und Buttmann, Mythol. 2, 173 (dessen 60 Volchide rel Boeolia consitis anguis dentibus armati spartoe
weiteren Ausführungen man jedoch nicht mehr folgen (folgt die Vulgärsage), nee non in agro Tarquiniensi puer
kann); nach gleicher Richtung 0. Müller, Orchom. 149 s dicitur divinus exaratm nomine Tages, qui disciplinam
und H. D. Müller, Myth. 2, 390 f. [neuerdings Boscher, cecinerit extispicii , quam lucumones tum Etruriae potentes
Selene S. 12S Anm. 540]; nur darf der Same nicht auf ■xscripserunt. Wir haben -wegen der „pelasgischen" In-
Boiotieu beschrankt werden. Es ist eine der vielen Schrift von Lemnos auch die „Pelasger" von Samothrake
Eigentümlichkeiten der neuesten 'erklärenden' Hymnen- als Etrusker anzusehen; denkbar wäre es demnach, dafs
Ausgabe, dafs sie an beiden Stellen die platte Schlimm- sie von diesem Hauptsitz des Kadmos die Legende nach
besserung ijrtEtgov aufgenommen und mit grofsei Em- Westen hinüber getragen hätten. Siehe Crusius, Beitr.
phase vertreten hat (S. 160 f.). S. 20 =
Kadmos (b. d. Illyriern) Kadmos (b. d. Dlyriern) 890
Harinonia werden in der Heimat (auf der sind, vgl. '~E%Ca>v), oder der Pallantiden und
Kadmeia) zu Drachen verwandelt: d. h. Aigeuserben erinnert und auf durchaus my-
sie sterben und leben als Heroen (wohl im thischem, und zwar boiotischem Boden ge-
Demeter-Tempel, vgl. Hes. fr. 132. Bohde, wachsen ist. Der rettende Heros in Scklangen-
Psyche 149 ff.) fort; nichts anderes, als diese gestalt hat ein Gegenbild nicht nur in dem
bekannteste Anschauung des Ahnen- und eleischen Sosipolis {Paus. 6, 22, 1 ff.), sondern
Seelenkultes (vgl. zuletzt A. Marx, Gr. Mär- vor allem in dem benachbarten Kychreus
chen u. s. w. 98 ff.) ist hier zu suchen, am von Salamis (schon bei Hes.fr. 132 Bz.), der
allerwenigsten das „Schicksal des Sonnen- wie Kadmos die Insel von einem Drachen
gottes". Die Verbindung mit den Illyriern vo befreite (Apollod. 3, 12, 7. Diod. 4, 72) und
und 'Encheleem' scheint wunderlich genug. in der Schlacht bei Salamis einem delphischen
Wie noch bei Herodot das Wort 'RkvQioi einen Orakel zufolge (Patts. 1, 37, 1) selbst in
sehr vagen Sinn hat (B. Unger p. 22 sq.), so Drachengestalt den Griechen beistand.*) Es
läfst die ältere Überlieferungsschicht diese handelt sich hier um Vorstellungen der griechi-
Örtlichkeiten ganz unbestimmt. Nun ist sehen Heroologie, wie sie nach Bohdes Ausfüh-
der Name 'Ey%ilsioi sicher, 'IXXvqloi., der rungen (Psyche 166 ff.) besonders von der del-
keineswegs blofs im NW. haftet*), wahr- phischenPriesterschaftgepflegt und verbreitet
scheinlich griechischen Ursprungs, und die wurden. Dem Charakter sagenhafter Urein-
Vermutung liegt nahe, dafs es sich auch hier wohner, erdgeborener 'Giganten', die in der
um eine Fernübertragung der heimischen 20 Sage stets als Barbaren erscheinen, entspricht
Anschauungen handelt, die von den helle- die Empörung wider die Gottheit; auch dafür
nischen Kulturcentren aus immer weitere giebt es Parallelen in den früheren Abschnitten
Kreise zu ziehen und erst an der Grenze derKadmos-Sage, s. oben nr. 45 f. Gutboiotisch
der jeweils bekannten ol-novfiivr] Halt zu gedacht ist schliesslich das rettende Dazwischen-
machen pflegen. Es ist gute Überlieferung, treten des Ares und die (eigentlich tauto-
wenn Kephalion (F. IL. G. 3 p. 630, 63, vgl. Jo- logische) Versetzung auf die [iomuqwv vf\eoi:
annes Damasc. F. H. G. 4 p. 545, 8) Enche- hiefs doch nach Armenidas (bei Phot. Res.
lea als Huifwj an Stelle des späteren Theben in Suid. s. v. = fr. 3 F. H. G. 4 p. 338f.) [uxuügav
Boiotien gelegen nennt: hcci £var£a>g 'J[i<pia> v »jjoog' 17 uKgonoliq täv iv Boiaxla @j]ßäv xo
6 IvQixög KTtfst nbXiv fiaydlrjv itavv, 30 izccXaiöv (nach alter poetischer Quelle, vgl.
xt)v nQcprjv [ibv ovaav «cüftrjf Xsyofiivriv auch die Insel Aretias, Bd. 1 Sp. 495 und die
'EyX iXsitxv tixl. Dafs dieser Name mit dem Aretias- Quelle; eine Parallele oben nr. 89
Kopaissee und den Kopais- Aalen zusammen- Sp. 873). Vgl. auch K. Tümpel, Piniol. 48 (2),
hängt (nicht mit S%t$ und £y%£lvg = draeo), 128 ff. Schon frühzeitig wurde diese Sage im
hat im Gegensatz zu früheren Vermutungen fernen Nordwesten neu lokalisiert, (v. Wilamo-
des Verfassers (bei Ersah u. Gruber a. a. 0. icitz, Hom. Unters. 172 und K. Tümpel, Be-
S. 41 24 26) K. Tümpel dargethan (Beiträge merkungen u. s. w. S. 22 f.). Es waren verrnut-
S. 22 ff.). Den Illyriernamen auf boiotischem lieh boiotisch-euböische Volkselemente, die
Boden nachzuweisen, ist noch nicht gelungen; in den barbarischen Anwohnern des Lychnitis-
wenn man nicht in der Bezeichnung des 40 und Labeatis- Sees die Encheleer, in ihren
'Gründers' als IvgiKÖg eine schwache (trotz- Nachbarn die Illyrier der heimischen Sage
dem von Metzger bei Pauly 4, 112 gleichfalls wiederfanden (ähnlich schon C. Müller, Geogr.
empfohlene) Etymologie des Wortes 'illvgiog Gr. M. 1 p. 31 ff.)**); dafür sprechen vor allem
erblicken darf, wonach Amphion der Epony- die hier fixierten Namen „ionisches Meer" und
mos der neueren „illyrisehen" Bevölkerungs- 'Afiavxitx-'Aßavxt'g, die auf (I)Aonien- Abantien,
schicht wäre. — 126. Wichtiger sind zwei den Ursitz der Grundbestandteile des histo-
andere Züge. Die 'Encheleer', die ihrem rischen Ionierstammes , zurückweisen. Ein
Namen nach an den See und zu 'Ogyges' irrationaler Zug ist es, dafs das Schlangen-
gehören, sind mit den 'Illyriern', den benach- Heroenpaar auf einem Ochsengespann fortzieht;
harten Nachkommen des Drachenzöglings 50 wenn darin eine etymologische Legende zur
(nr. 56; vielleicht leitet auch ihr Name dahin, Erklärung des Namens Bov&orj zu suchen
vgl. IXXd'g) im Kampfe. Das Heroenpaar, selbst ist (s. oben nr. 46), kannte schon ' Hesiod'
in Drachengestalt, steht ihnen bei und ver- die Örtlichkeiten. — 127. In der Parallelquelle
söhnt die streitenden Parteien. Das ist eine (nr. 50 ff.) sind die Lokalzeichen zahlreicher
Erzählung, die an Sagen, wie die vom Kampfe und besser erhalten; die Metamorphose kommt
der SmtqxoC (die gleichfalls Drachensöhne ohne beeinträchtigende Konkurrenzzüge (wie
die Versetzung auf die (iuy.äQiav vrteoi) zu
*) So erklärt es sich dafs bei Herod. 9 42 'Mar- jj Geltung als dichterischer Ausdruck für
donios (d. h. Hekataios v. Milett Tgl. fr. 67 ff. 73 ff.) einen °
Orakelspruch auf die Perser bezieht, den Herodot kennt *) P. Meinhold, De rebus Salaminiis p. G. Heydernann,
als Es'Ik?.vQ tov c te y.ai xiiv'Ey % eIeoiv atoatbv 7tEnoo\- 60 'JÄlov 7tEO<Jt; p. 12. Rohde, Psyche 183 T.
fjLkvov. Es gab eine Überlieferung, -wohl kleinasiatischen **) Ebenso haben die Griechen — die Athener, wie es
(milesischen)Ursprungs, die einen Zusammenhang zwischen scheint — den sagenhaften Pelasgernamen auf die Reste
Ulyriern und Persern annahm, Tgl. Scholl. Arist. Ate. eines Barbarenstammes übertragen, die sie am Küsteu-
1521 neiVü'jvtEg öjanEQ 'H/.vQiot y.Ey.qiyo-tEg] . . . TtEQt äk säum und auf den Inseln des ägeischen Meeres antrafen.
fc^azijv eioiv ol 'ZUt/oic-t, tivEC, 6e ÜEQOidog tpaalv Verf. hebt das hier herTOr, da sein Programm über die
avtovc. ol yEwQyEiv [tkv ovy. s/ovai y>p', Xfiateöovtec. de Kabiren und Pelasger ohne sein Verschulden mrvoll-
tfjEcpovrai; auch die Insel Illyris in 'Lykien' iPlin. ständig bleiben mufste und Tielfach mifsTerstanden
5, 31, 131; Tgl. Forcellini s. t.) wird Ton den benach- ist. Vgl. Fleck. Jahrb. 1881, 293". Litt. Cenlralbl. 1889,
harten Griechen benannt sein. 4, 124.
891 Kadmos (Seefahrer in Sarnothrake etc.) Kadmos (Semit u. Buchstabenerfinder) 892
den Gräber- und Ahnenkult. Zur Quelle leitet Aphrodite*), der „gegenüberliegende" nord-
uns eine verwandte Sage von Epidamnos. westliche Landstrich von Europe (irr. 15. 121), die
Epigr. Gr. ed. Kaibel 1054 p. 474 (z. T. nach östlichen Länder von den Vorfahren des Kad-
den Lesungen von Unger p. 48, die K. wohl mos 'Aain Qoivit, Ai'yvnzog (mit ©fjßai) **) und
übersehen hat): A[Kp£a>v jiovcaig ki9Öqi]s i'azjje dem urmilesischen NijXsvg-NsiXos. Es sind
exl 0r]ßr/g \ z(C%Ba' vvv ö' in' sfiäg nazQi'öog milesische Sagenreminiscenzen , welche hier
'IXXvgiotg | 'AävXöyov fioveuv iiiftinaiv nzX., den Kahmen für die neuen ethnographisch-
vgl. Anna Comn. Alex. p. 99 D iv iazigoig geographischen Beobachtungen bilden müssen.
äl xQÜvoig (nach der Zerstörung im Pyrrlios- Kadmos der Semit und Buchstabenerfinder.
kriege), cog "EXXrjvig cpceai ncti avzä Sfj zcc iv 10 — 130. Erst in Samos und Milet wird endlich
zfj TtoXsi yXvnza ygäfifiaza (laQzvgovoiv, vn der Begriff Phönizien und Phönizier mit
'Autviovog nui Zij&ov dvoLKoSofiTj&sloci slg o seinen Verwandten in der uns geläufigen
vvv ögäzcti ojjjjfio: *) v.zX. Wir haben hier Weise geographisch und ethnographisch
vermutlich alten Aniphionkult vor uns, und im fixiert sein. Hier, scheint es, ward Kadmos
Anschlufs daran eine Legende aus historischer der Semit aus Sidon oder Tyros. Da unsere
Zeit, ein Abbild der unter nr. 125 mitgeteilten milesische Quelle die Insel- Eponymoi ange-
von Theben -Enchelea, ähnlich den Kychreus- führt hat, sind sie auch Phönizier geworden.***)
sagen auf Salamis (ob. nr. 126) oder den Hyper- Ebenso gehen die Nachrichten von den Ku-
boreerlegenden in Delphi (Bd. 1 Sp. 28u9f.). djifjia y^änftatci, der Erfindung der Buchstaben
Epidamnos weist aufKerkyra, Kerkyra auf Ko- 20 durch Kadmos (oben nr. 91 f.), durchweg auf
rinth zurück. Die Korinthier beherrschten seit milesische Quellen zurück. Sie schliefsen eine
der Besiedelung von Kerkyra und Apollonia geschichtliche Beobachtung (Ursprung der
den Küstensaum jener Gegenden; danach be- griechischen Schrift aus dem semitischen
stätigt sich die Hypothese, dafs die Parallel- Orient) an die historisch umgedeutete Sage
quelle (nr. 50) ihre Färbung durch korinthi- an. Vgl. Sp. 871. Doch mag auch an die
sehe Tradition erhalten hat. tfoiviy.oyQcicpoij-) auf kleinasiatischenlnschriften
Kadmos als Seefahrer iu Samothrake, erinnert werden (Athen. Mitteil. 14, 254. 11,
Libyen und Milet. — 128. Die Anwesenheit 288), deren Name auf die Palmblätter als
boiotischer Volkselemente in Samothrake, Lern- Schreibmaterial für apollinische Weissagungen
nos. Lesbos, der Troas (Thebe) ist eine That- 30 und Tempelakten gehn wird (Birt, Bucliw.
sache; hierdurch wird die Festlegung der Sag-e 51. Diels, Sibyll. Bl. S. 56 *). Für die spätere
bestimmt (nr. 60 ff.). Mythologisch neu ist Zeit war dies der Kern der Kadmos - Sage,
nur der äonuyiLog der Harmonia, offenbar ein wie es denn auch auf tyrischen Münzen (oben
Brautraub, der aber in Anlehnung an alte Be- Sp. S71a, 20) zur Darstellung kommt.
Ziehungen zur Demeter- Religion zur historisch- 131. Die übrigen, mythologisch wenig er-
pragmatischeu Deutung eines Festbrauches der giebigen Lokalbeziehungen scheinen meist von
Demeter-Mysterien verwandt wird (nr. 62), boiotisch- ionischen Bevölkerungselementenge-
vgl. den Artikel Megaloi theoi unter Samo- tragen zu sein (nr. 75. 89 ff. Khodos, Priene,
thrake. Die Hochzeit in Samothrake ist se- Milet); zum kleinen Teil beruhen sie auf Kon-
kundär, wenigstens stimmt sie weder zu dem 40
Brautraube, noch ZU den sonstigen Angaben *) So schlagend richtig, von der Koseform Maipw,
dieser Gruppe. Mvthologisch wertvoller ist die -if^ta ausgehend, Joh. Baunack, Stud. a. d. Geb. des Gr.
Hochzeitsfeier in Libyen (69 ff.). Dort ist der "■ Ar- *> 6üff- thel Eur°Pa uin "* anderer Meinung.
alte „Göttergarten" 'und der Charitenhügel, --)l>^s ans dem Ägyptischen für diese Xamen keine
i , * j. a i vi -> r -i i tt erträgliche Deutung beigebracht ist, bestätigte mir
dort regiert Aphrodite und freit der Heros E u*yer allf meine °Anfra°e.
die Aphroditetochter und Cüantengenossm. — *,*, [Auf diesem p^te berühren sich die Be-
129. Es ist klar, dafs diese neue Lokali- sultate des Verfassers mit den -weitblickenden Ver-
sierung vou einem seefahrenden Stamme aus- mutungen von u. v. Wilamowitz (Hermes 21 s. 106', vgl.
gegangen sein mufs , wie denn in all diesen Eum- Otters. 139. Herakles 1, 3S" und ilaaj's, Hermes
Überlieferungen Kadmos als anlandender 50 23 s- 79')- Nur das „Entstehen" der Figur des Kadmos
Schiffshauptmann erscheint. Das Ter- ^ ^ °i« ^"haupt in Kleinasien kann nicht zu-
. r 1 ., rij-ii l- j x gegeben werden: die Grundlagen sind bui«tisch-del-
mutungsweise rekonstruierte bedicht verbindet pMsch BeS 0 muer> 0rchom \12 B D m
den hohen Norden mit dem tiefsten büden; rf. gr, st. 1, sosff. Studmaia S. 57. Töpfer, au. Geneal.
auch dadurch bestätigt sich unsere auf litterar- 294 wird die (nach H. D. Müller in Kreta vollzogene)
historische Erwägungen gestützte Vermutung, Verknüpfung des K. mit dem griechischen Heros Phoinix
dafs es in der Sphäre von Milet entstanden und dessen „Gleichsetzung mit dem Eponymos des
ist. Als Schlufsstein folgendes: Die Griechen Stammes" als Grund seines Phoinikertums angenommen.
— und bis zu einem gewissen Grade wir mit ?abei bleibt aber als .^"^f «est die Frage, wes-
-, 1 , -i , • i 1 -l rt -, •>■ halb man jenen semitischen Stamm gut griechisch
w"un T ^trachten m klassischer Zeit die Pnonizier genamlt tat Auch scheiut \^os ^cht
Welt durch die Augen der ionischen GeO- 60 erst von den Historikern aus dem fernen Osten ab-
graphen, vor allem des Hthataios VOIl MÜet; geleitet zu sein; die Genealogieeu (Kataloge) haben ähn-
sollte es Zufall sein, dafs die geographische liehen Sinn.]
Terminologie in den wesentlichen Zügen durch t) Schon im Altertum wurden die <t>oivixtjia ynäu-
diese Fassung der Kadmos -Sage bestimmt >'aTa so Bedeutet, vgl. Phot. (Suid.) s. v.: Avöoi xai
wird? Afrika trägt seinen Namen nach jener "iTs r" niff«' (»•»«■fa *aXelo»ai Uyovaiv) äxb
am Cnaritenhugel waltenden Gottin- Kölnern ,■ V - < '. •«, . .s
*) Danach wohl Guil. Ap])ul. de reb. Norm. 4, dessen ststü^ot;- 2xdfllov dh . . . anl <Potvixy$ zits Idxzai-
Zeugnis n'esseliwj (Unger S. 49) beigebracht hat. covu; ütä.
893 Kadmos (ethische Tendenz der Sage) KaineuS 894
struktion und i^emtaviepos mythisch- dichteri- Kadys (Kaävg), nach Pamsay, The historical
scher Phantasie (nr. 77 Thrakien, nr. 85 Afrika; geography of Asia Minor p. 147, Bponym der
nr. 87 ff. Tyros). Mancherlei Bezüge bleiben Stadt Kadoi. [Drexler.]
problematisch, z. ß. auf Kreta und Sparta. Kreta ' Kaeira (Kcistga), die Tochter eines Töpfers
(nr. 85 ff.) könnte von einem ionischen Dichter zu Milet. Neleus, der Sohn des Kodros, hatte
als Station für Kadmos -Europe ebenso frei den Orakelspruch erbalten, er solle sich da
gewählt sein, wie Libyen für Harmonia; doch niederlassen, wo eine Jungfrau ihm mit Wasser
beweist die der alten chthonischen Bedeutung genetzte Erde geben würde. Nach Milet ge-
der Heroine entsprechende Lokalität der Lethe- kommen, verlangte er von Kaeira Thon zum
quelle (vgl. Paus. 9, 39, 8) das Vorhandensein 10 Abdruck eines Siegels und erhielt ihn, worauf
alter Anhaltspunkte im Kultus; auch das Auf- er Herr von Milet wurde und drei Städte
treten eines Dämon Phoinix (ob. Sp. 869, 38) ist gründete, Tzetz. L. 1379. [Stoll.]
merkwürdig genug. Bei Sparta liegt der Ver- Kaiata (Kaiärcc) s. Caieta und Strab. 233.
dacht nahe, dafs lediglich der anklingende Name Kaikias s. Windgötter.
2mxgtr\ ('Saatland') die Sparten- (und Kadmos-) Kaikos (A'caxog), 1) Stromgott in Mysien,
Sage hierher gezogen habe. Bemerkenswert Sohn des Okeanos und der Tethys, Hesiod.
ist es aber, dafs in der spartanischen Gruppe Th. 343. [Er erscheint gelagert, kenntlich
der Kadmos -Überlieferungen Kadmos aufser durch die Beischrift KAIKOC, auf Münzen von
zu Athene zu Poseidon in Kultbeziehungen Pergamon (Trajan), Mi. 2, 598, 961. Head, H. N.
steht, während er sich im übrigen mehr an 20 p. 464; Stratonikeia Mysiae (autonom, Obv.
Demeter und_ Hermes anschliefst. Auch kennt Brustbild der CTPATONIKGIA), Cat. Huber
die epische Überlieferung manche andere Be- nr. 623. Head p. 466. Imhoof, Griech. Münzen,
Ziehungen zwischen Boiotien und Lakedaimon. p. 725 nr. 631 und Akrasos (Commodus),
Die gesamte Tradition von der Herkunft Waddington, See. nuni. 1852 nr. 25, der Mion-
des Kadmos aus dem Osten fand schliefslich nets (S. 7, 313, 7; vgl. 4, 2, 8 nach Sestini,
bei den Kleinasiaten und Inselgriechen auch T). N. V. p. 412 ohne Flufsnamen) falsche
deswegen Beifall und Pflege, weil sie dadurch Lesung AYKOC berichtigt. Drexler.] — 2) Sohn
Anschlufs an die orientalischen Völker er- des Hermes und der Nymphe Okyrrhoü, der
reichten, ja geradezu Nachkommen der alten sich nach Ermordung des Timandros aus Furcht
Landesheroen wurden. Das Motiv der 'Re- 30 vor dessen mächtigen Verwandten in den Flufs
Vindikation' hat hier, wie in allen ähnlichen Astraios stürzte und diesem den Namen Kaikos
'Rückwanderungssagen' (H. T). Müller, Mytli. gab, Flut, de fluv. 21 {Müller, Geogr. gr. min. 2
d.gr.St.l S. 29. 34. 73) die endliche Fixierung p. 660). — 3) Trojaner, Gefährte des Aeneas,
mitbestimmt. Verg. A. 1, 183. 9, 35. [Stoll.] — [4) Kolcher,
Ethische Tendenz. — 132. Schon die von Lexanor im Kampfe mit den Argonauten
'delphische' Form der Sage hat eine religiös- getötet: Vol. Fl. 6, 688. Röscher.]
ethische Richtung: Kadmos ist der gottergebene Kaiinis (AWfus) = Horus (s. d.): Flut, de
schicksalsgeprüfte Held, wie Herakles. Diese Is. et Osir. 56: xov fiiv ovv 'Slgov flä&ctatv
Züge wird besonders Euripides (nr. 48) ver- Kaifiiv ngoaayogsvsiv, onig serlv ögdiisvov
tieft und verfeinert haben. Für die Ent- 40 (xia&rjtbv yäg xui ogarov 6 koc/lioc. [Röscher. |
stehungszeit seines Kadmos giebt es leider Kaineus (Kaivsvg „Bändiger" nach O.Müller,
keine festen Anhaltspunkte. Aber die Ver- Orchomenos 2 191 ; „Würger" nach Preller, Gr.
mutung liegt nahe, dafs er nicht zu lange vor Myth.3 2, 11) wird bei Hom. A 264 und Hesiod.
die dem Stoffe und Geiste nach verwandten aairig TlgaKltovg 179 unter den gegen die
Bakchen zu setzen ist; der Held, der lur.tu Kentauren kämpfenden Lapithen (s. d.) genannt.
serieque malorum victus sein Vaterland meidet Hom. B 746 nennt unter den Anführern aus
und sich bei nordischen Barbaren eine andere den Lapithenstädten (darunter Uyrtone) den
Heimat sucht, war der gegebene Träger für Leonteus, Sohn des Koronos, des Sohnes des
Stimmungen, die den bald darauf nach Make- Kaineus. Die Sage, dafs er unverwundbar von
donien übergesiedelten Dichter beherrschten 50 den Kentauren mit Fichtenstänimen bedeckt,
ur.d auch bei der Menge (vgl. die 'Vögel' und „die Erde mit geradem Fufse (d. h. aufrecht
den Phrynicheischen 'Monotropos') Widerhall stehend) spaltend" in die Tiefe gefahren sei,
fanden.*) [0. Crusius.] findet sich zuerst bei Pindar (fr. 167 aus Schol.
Ap. Rh. 1, 57; vgl. Plut. de absurd. Stoic.
*) [Allerneuestens sind die Hauptzüge des Kadmos- opin. C 1); S. Über diese Entrückung E. Bollde,
Sage untersucht in den interessanten Quaestiones Seroäoteae Psyche S. 108. Die Bewälticuno* des Kaineus
von E. Schwanz (Rostock 1890), die der Verf. leider erst durcn die Kentauren findet °sich bildlich dar-
erhielt, als der Satz bereits erheblich gefordert war. Doch te,lt jn Tempelskulpturen des 5. Jahrb. :
konnten noch einige iliuwi-m' als luusnoten einlese hauet ° „ . ,,. ,* -n • 1 mi
werden. Bedenklich ist der Versuch, in der Encheleer- auf dem westlichen Friese des Theseion, am
Sage historische Keminiscenzen aus der boiotischen Ur- 60 Friese des Apollontempels von Phlgalia, am
geschichte nachzuweisen. — 0. Gruppes Programm über die Athenetempel in Sunion, Vgl. auch die Fran-
Kadmossage konnte gleichfalls nicht mehr benützt wer- coisvase (hier inschriftl. s. Weizsäcker, Phein.
den. Unter den bekannten Voraussetzungen meint Gruppe Mus. 33 S. 372 f.) Und andere Vasenbilder bei
von einer genaueren literarhistorischen Ordnung und BouleZ, OhoiX de V. V. 11, p. 48, 4. Heydemann,
Schätzung der Zeugnisse absehen zu können; er bietet ^.^ % nn 54 M ^ Wemicke, Arch.
dafür eine Rekonstruktion eines durchsichtigen priuBter- ,,, Jnri_ ««.. /r\ w- > • n -n
liehen Mythus (vgl. oben nr. 112), die mit seinen Gesamt- Zt9- 1885 p. 261. (Der Kcavtvg in äesPaUSamaS
anschauungen steht und fällt. Vgl. K. Tümpel, Berl. pMM. Beschreibung des Westgiebels am Zeustempel
Wochensc/ir. 12, 1802, t;25fl'.j von Olympia 5, 10, 8 beruht, wie die Funde
895
Kaineus
Kaineus
896
lehren, auf irrtümlicher Erklärung; vgl. Treu
im Jahrb. d, arch. Inst. 3, 182 f.). Die Ge-
schichte von der Entrückung des Kaineus wird
wiederholt von Apoll. Rh. 1 , 59 ff. (nach ihm
A. 6, 448. Jüngeren Ursprungs mag die
Sage sein , dafs Kaineus , ursprünglich eine
Jungfrau, Kainis geheifsen, von Poseidon als
Geschenk ihrer Willfährigkeit die Erfüllung
ihres Wunsches, ein Mann
und unverwundbar zu wer-
den, erhalten habe. So er-
zählen Nikandros bei Anton.
Lib. 17, Schol. Ap. Rh. 1, 57
(ebenso Schol. 11, 1, 264 =
Eustath. Hom. A 264 p. 101,
Hyg. f. 14 p. 45, 5 Seh.),
Verg. Aen. 6 ,
Die Kaineusgruppe der Francoisvase (nach den Wiener Vorlegeblättern 1S8S. Taf. III).
Orph. 171 ff. und Schol. II. 1, 264 = Eust. zu
Hom. A 264 p. 101. Hyg. f. 14 p. 45, 3 Seh,).
Agatharchid. de mar. r. p. 114, 39 — 43.j Ov.
Die Kaineusgruppe vom wostl. Friese des Theseion (nach Baumeister. Denlcm. d. kl. Alt
S. 17S2 Kg. 1S6S = Stuart-Recett, Antia. of Athens Hl Taf. 21 ff.).
Met. 12, 454 ff. (dem Dichter eigentümlich ist
die Verwandlung in einen gelben Vogel, wohl
den Goldregenpfeifer*); vgl. darüber Röscher,
Gott. gel. Am. 1884 S. 155 f.). Sern. Verg.
*) [Röscher a. a. 0. ,,"Wenn nach Or. Met. 524 ff. K. in
448 f. und Serv.
z. d. St. (wo-
nach er in der
Unterwelt wie-
der zu einem
Weibe wurde)
undOv.il/et.12,
489 ff; mehr b.
R, Wagner,
Epit. Vatic. ex
Apollod. bibl.
p. 161. Sprichwörtlich wurde argeorog mg ö
Kaivsvg Apost. i, 19. Man erzählte auch von
ihm, dafs er mit Apollon zu wetteifern wagte
und seine Lanze
anzubeten befahl
(sprichwörtlich to
Kaiviag äögv),
Schol, Ap. Rh. 1, 57
(Schol, 17. 1, 264 =
Eust. zu ders. St.).
Nach Hyg. f. 242
p. 135, 4 (Über-
lieferung unsicher)
würde er sich selbst
getötet haben. —
Mit seinem Namen
wird eine Komödie
des Antiphanes bei
Athen. 10 p. 433 c
citiert; vgl. Meineke
1, 325. 3, 58.
Als Sohn des
Elatos bezeichnet
ihn Schol, II. 1, 264
und Hyg. f. 14
p. 45, 3 (gleiche
Quelle), /'.273 p. 28,
19. f. 242 p. 135, 4,
auch Ov. Met. 12,
189 (Elateiaproles).
492 (Elateius). Dafs Gyrton in Thessalien seine
Heimat gewesen, bezeugen Hom. B 746. Ap. Rh.
1, 57 ff. (Hyg. f. 14 p. 45, 2 ergänzt, vgl. p. 48
Anblick die Gelbsucht {'ixTsoo;) heile; daher er auch
r/.Ttgo; genannt wurde: Plin. n. h. 30, 11, 28 (94). "Was
einen Vogel mit gelbem Gefieder, von lauter Stimme (jn war natürlicher als einen Vogel, der in den /ctoadga
(clangor ingens) und sehr scheuem Wesen (daher ihn
Nestor nur einmal erblickt zu haben behauptet) verwan-
delt wird , so pafst dies trefflich auf den von seinem
Aufentbalte in den ;faoa'Joca [s. Kentauren] benannten
Xagatigiug, einen gelbenVogel mit unangenehmer lau-
ter Stimme und von sehr scheuem Wesen, den man bei
Tage fast nie zu sehen bekommt (vgl. Aristot. an. hist.
9, 9, 11). Gemeint ist der goldgelbe Goldregenpfeifer
(charaJriuB pluvialis). Man glaubte von ihm, dafs sein
lebt und durch sein Geschrei deren Füllung durch Regen-
güsse anzeigt, für den im Kampfe mit den tbessal. xet~
fidggot (s. Kentauren) verwandelten Lapithenfürsten
Kaineus zu halten? Übrigens ist der Goldregenpf oif er
der seinen Namen von der Ankündigung grofser Regen-
güsse erhalten hat (vgl. Nephele die Regenwolke als
Mutter und Beschützerin der Kentauren) noch immer
häufig in Hellas, wo er die ganze Regenzeit zubringt.
Vommsen, Oriech. Jahreszeiten 3, 2(i9. Röscher.]
897
Kainis
Kairos
898
not. zu p. 47, 23); als Thessaler heifst er
Perrhaebue bei Ov. Met. 12, 172, Atraeides (von
der Stadt Atrax; Anton. Lib. 17: Kuivlg "dtgcc-
KOg ovaa &vywtriQ scheint aus 'ArgaxiSrjg der
Vorlage [Nikandros] entstanden zu sein)
bei Ov. Met. 12, 209, Magnesius bei
Hyg. f. 14 p. 45, 3. — Zum Teil-
nehmer an der kalydonischen Jagd
machen ihn Ov. Met. 8, 305 und Hyg. f.
173 p. 28, 19 (seinName fehlt bei Apollod.
1, 8, 2). Nach Schol. Ap. Bh. 1, 57
hätte Kaineus an dem Argonautenzug
teilgenommen; doch wird A2)ollod. 1,
9, 16 der Argonaut Kcuvsvs ein Sohn
des Koronos genannt, also ein Enkel
des älteren Kaineus, vgl. Hyg. f. 14
bei Seh. in der Note zu p. 47, 23: Cae-
neus alter Coroni filius Gyrtone; da-
gegen wird Koronos, der Sohn des Kai-
neus, unter den Argonauten genannt
von Ap. Bh. 1, 57 ff. (danach Orph. 139.
Hyg. f. 14 p. 45, 2 nach Konjektur).
Koronos heilst auch Sohn des Kaineus
bei Hom. B 746. Diod. 4, 37; die Namen
anderer Söhne beruhen auf falschen
Lesarten: Hyg. f. 14 p. 47 not. zu Z. 23
„Focus et Priasus Caenei fdii ex Mag-
nesia"; f. 242 p. 135, 7 ist für „Cly-
menus Caenei filius" zu schreiben: Cly-
menus Schoenei filius; Orph. 171 ist
''Hrsiög Kca.vqog'' falsch überliefert
(Buhnkcns Verbesserung: 'nXsivbg ä'
av Kctivsvg «fpi'xsro' ist annehmbar).
Apollod. 3, 10, 3 wird ein Bruder des
Kaineus, Namens "le%vg, angeführt.
[Seeliger.]
Kainis s. Kaineus.
Kairoi {Kuiqol), die Jahreszeiten,
sind dargestellt als „eine Frau mit zwei
Kindern, welche ihr Blumenkörbe rei-
chen", mit der Beischrift KAAOI KAIPOI
auf einem figurenreichen Mosaik von
Tegea, Wochenschr. f. hlass. Phil. 7.
1890 Sp. 77 nach Athenaeum nr. 3235
p. 567. Ben. Arch. 3" ser. T. 15 1890
p. 270 — 271; als 4 Kinder mit der Bei-
schrift ETTYXEIC KAIPOI auf Münzen
des Caracalla von Laodikeia, Head
p. 566; Mi. 4, 329 — 330, 776 nach Vail-
lant; Mi. S. 7, 588, 461 nach Sestini,
Mus. Hederv. 2, 350. 19; vgl. Cavedoni,
Spie. num. p. 242 Note 209 , der den
Typus von römischen Kaisermünzen mit
der Aufschrift TEMPORVM FELICIT AS
(Ecl'hel 7 p. 33) entlehnt sein läfst.
Vgl. d. Art. Hören. [Drexler.]
Kairos (Kaigog), 1) der Gott des
günstigen Augenblickes, ist wie Nike,
Eirene, Plutos u. ä. keine urmythische,
sondern eine jüngere, durch Verkörpe-
rung einer Idee entstandene Gottheit.
Am nächsten steht K. dem Hermes als
dem Gott der Palaistra, in deren Bereich
jene Idee zuerst Gestalt gewonnen hat;
der einzige bezeugte Kult des K. knüpft sich
an einen Altar in Olympia, der am Stadionein-
gang dem Altar des Hermes Enagonios gegen-
überlag. In der Litteratur erscheint K. als Gott
Roscuer, Lesikou der gr, u rüm. Mytbol. II.
zuerst ineinem Hymnos des Ion von Cltios(Patts.
5, 14, 9), der sich vielleicht auf die Einsetzung
jenes Kultes bezog (Benndorf, Üb. eine Statue
des Polyklet, Festgabe für Ant. Springer S. 11).
Darstellungen des Kairos. Als Schöpfer
des Kairosideals hat Lysipp zu gelten, auch
nachdem es bekannt geworden ist, dafs schon
Polyklet den Gott darstellte in einem Werke,
29
899
Kairos
Kairos
900
das mit dem von Plinius (N. IL 34, 55) ge-
nannten nudus talo incessens identisch und
dessen Basis, ein in der Lage des glücklich-
sten Wurfes dargestellter kolossaler Astragal,
H\\
Kairos, Relief von Turin (nach Arch. Zeitung 1S75. Taf. 1 oben)
iir Olympia wiedergefunden worden ist {Benn-
dorf a. a. 0. S. 6 ff.). Das im späteren Alter-
tum vielgerühmte Werk des Lysipp, das man
Kairos und Metanoiü, Relief in Torcollo (nach Arch. Zeitung 1S75. Taf. 1 unten).
für ein Relief zu halten keinen Grund hat,
ist bezeugt durch Poseidippos, Anth. Plan. 4,
275 (vgl. Benndorf, de anthol. Gracc. epigramm.
p. 44). Kall istratos stat- 6, Himerios ecl. 14, 1.
Ccdren. Comp. last. p. 322 C; späte Reliefs
(s. u.) beschreiben Ausonius epigr. 33 (Peiper)
und Tsetz. Chil. 8, 428. Darnach stellte Lysipp
den K. als einen eilenden, mit. Knöchelflügeln
versehenen nackten Epheben dar,
entweder auf einer Kugel (so
Kallistratos, dessen Zeugnis Wol-
ters, A. Z. 43, 95 nicht entkräf-
tet), oder mit einem Schermesser
in der Rechten (Posehlipp.). Der
in späterer Zeit betonte allegori-
sierende Zug, dafs der Gott
kahlen Hinterkopf, dagegen lange
Locken um Stirn und Schläfe
hat, kann, mafsvoll verwendet,
schon diesem Werke eigen ge-
wesen sein. Raffinierte Weiter-
bildungen des T}Tpus fügen im
Widerspruch zu der raschen Be-
wegung die Waage hinzu. Die
so entstandene, an sich ziemlich
charakterlose Figur ging auch in
Darstellungen des Tierkreises
über, z. B. D. a. K. 2, 64, 823;
oder sie ersetzen die Kugel durch
geflügelte Räder, oder lassen K.
auf der scharfen Kante eines
Schermessers (Phaedr. 5, 8, wo-
mit das Sprichwort ini $vqov
är.uijg zu vergleichen ist) oder
eines Steuerruders laufen (Gemme
.4. Z. 33, Tfl. 2, 2). Die wich-
tigste der erhaltenen Darstellungen ist das
Turiner Relief A. Z. 33, Tfl. 1. Baumeister,
Denkmäler S. 771, von dem eine sehr frag-
mentierte , aus Athen
stammende Wiederho -
lung A. Z. a. a. 0. Tfl. 2,
4 abgebildet ist; später
und noch viel mehr mit
allegorischem Beiwerk
überladen ist das Relief
von Torcello A. Z. a. a.
0. Baumeister S. 772, das
wie das Epigramm des
Ausonius K. mit derJVIe-
tanoia verbindet. Über
Fälschungen s. Curtius,
A. Z. 33,8; ebd. 1 ff, die
letzte ausführliche Be-
handlung des Gegenstan-
des; von früherer Litte-
ratur ist Welcher ad Cal-
listr. p. 698. Brunn, K.
G. 1, 361 zu erwähnen.
[Vgl. Jahrb. d. Esl. D.
A. Inst. Arch. Ans. 4
p. 143: Trendelenburg,
Sarhophag- Belle f: Über-
raschung des Ares und
der Aphrodite durch He-
lios u. Hephaistos, Miliin,
Gral. myth. 38, 168: Ge-
flügelte Jünglingsfigur,
Fackel in der Rechten, einen schermesser-
ähnlichen Gegenstand in der Linken, ent-
eilend, sobald Helios das Stelldichein ver-
raten hat ; ferner 0. Jaluis Besprechung d. Belief s
901 Kaisareia Kaiserkultus (Vorstufen) 902
v. Torcello (= Baoul Rochttle, Monum. ine'd. ligion. Haarlem 1877 p. 337) , war in den
43, 2). Ber. d. K. Sachs. Ges. d. W. 5. 1853 orientalischen Monarchieen des Altertums et-
p. 49 — 59, Tf. 4; vgl. Julius Lessing, De Mortis was#ganz Gewöhnliches. Sie ist bezeugt sowohl
vetercs figura. Bonn 1866 p. 50: Kairos fürAgypten (Duncler, Gesch. d. A. I4 p. 139.
auf 2 geflügelten Rädern, mit Wage in der Lenormant, Hist. anc. des peitples de Vorteilt
L. und einem Messer von (0. Jahn als „Keule" 2 9 p. 38, 3 p. 24. Brugsch-Bey, Gesch. Ägyp-
gefafst) in der erhobenen R. vorwärts eilend, tens unter den Pharaonen. Leipzig 1877 p. 32.
von einem Jüngling entschlossen beim Stirn- Erman, Äg. u. äg. Leben im Altert, p. 91 fl'.,
haar gefafst, während hinter ihm ein Alter 393 Anm. 2. Maspero , Hist. anc. p. 58. Perrot,
vergeblich die L. nach ihm ausstreckt und io Hist. de l'art dans l'ant. 1 p. 25) , als für
mit der R. betrübt sich an den Bart fafst Persien (Spiegel, Eranische Altertumskde. 3
und hinter diesem abgewendet, in Schmerz p. 600 ff. Beurlier, De divinis honoribus quos
versunken, eine weibliche Gestalt, die Reue, aeeeperunt Alexander M. et successores eius.
steht. — 2) Name des Rosses des Adrastos bei Paris 1890 p. 26 Anm. 2), und für Indien
Ant imachos fr. 20 (ed. Dübner) = Paus. 8, 25, 9: Duncker 34 p. 152 — 153. Feuerbach, Erläute-
»,*. _,.»<— ,„ runqen und Ergänzungen zum Wesen des
"' , - .•*< v, ' '. », „ Christentums. Leipzig 1846 p. 450). Für die
■nomrioxog /Javawv fco aivtxm nlaasv muco r> • \. i ■ j i rr j-i j
v ■ - ' r-n 7 v ■ \ ■ \ Griechen, bei denen der Jtieroendienst und
Aaipov tb (Uliebner Aatoov xe) xgocmvov hui ... •'■ , . ,• , . ,,. ,
* v >i / n i • spater die euhemenstische Auflassung der
y 20 Gotter der Verehrung der Herrseher einen
V älclcenaer will in Kqcliqov, Jacobs ad anthol. günstigen Boden schufen, begann nach einigen
Pal. p. 445 in Kiqxov ändern, wogegeu Dübner früheren Anläufen, wie in der Feier von Ly-
und Jeschonnek, De nominibus quae Graeci sanderfesten durch die kleinasiatischen Städte,
peeudibus domesticis indiderunt. Regimonti mit der Errichtung der hellenistischen Monar-
1885 p. 53 — 54 Einspruch erheben. Letzterer chieen im Orient durch Alexander und die
vermutet: Potest n'omen contr actum esse ex Diadochen der Kultus der Könige etwas All-
Äcnpo-OHCOTos e. g. „qui tempus opportunum (ad tägliches zu werden (Chr. W. Mitscherlich,
vincendum) speculatur". Kaiqöv stellt Bergk De antiquissima Graecorum apotheosi eiusque
Lyr. Gr.'6 p. 834 auch in Alkmans Hymnos ratione, Göttingen 1809. Erahner, Grundlinien
auf die Dioskuren pag. II vs. 14 statt des band- 30 zur Gesch. d. Verfalles der röm. Staatsreligion.
schriftlichen Hßt?roi' als Pferdenamen her. Halle 1837 p. 32. Welcher, Gr. Göiterl. 3
Drexler.] [Sauer.] p. 294 ff. Nitzsch, De apotheosis apud Graecos
Kaisareia, Stadtgöttin von Kaisareia am vidgatae caussis. Kiliae 1840 4". Nägelsbach,
Argaios. Auf Münzen der Stadt erscheint ihr Nachhomer. Theologie p. 6, p. 20 ff. Feldbausch,
getürmtes Haupt, Head p. 633. Mi. S. 7, 706, Episteln des Horaz. 3. Anhang zu Ep. 2, 1, 16.
289, A Cat. of engr. gems in the Brit. Mus. Über die Vergötterung der Menschen bei den
p. 135 („Female head veiled, wearing Mount Griechen u. Römern bis auf die Zeit des Augustus
Argaios, Gordian HL"); oder die Göttin in [p. 220—232] p. 220—228. Schümann, Griech.
ganzer Gestalt, den Berg Argaios haltend, Altert. 23 p. 538—539; vgl. auch Opusc. acad.
sitzend, Iulia Domna, Mi. 4, 424, 123, Or- 40 1 p. 352 und zu Plut. Oleomen, p. 225. Chr.
biana, Mi. 4, 435, 202 (in der L. Füllhorn); Petersen, Bei. od. Myth., Theol. u. Gottesver-
stehend, Iulia Domna, Mi. S. 7, 682, 142; ehrung der Griechen. A. Enc. d. W. u. K.
Caracalla, Mi. 4, 425, 134 (in der L. Tropaion). 1. Sect. Bd. 82 p. 343—349. Lehrs, Pop. Aufs.'
Ein Serpentin des Brit. Mus. zeigt auf der p. 320ff. Marquardt, B. St.-V. 3 p. 57 Anm. 5.
einen Seite Helios auf dem Viergespann, auf Beurlier p. 1 — 6). Alexander M. erhielt
der anderen „City of Caesareia, veiled head of bei Lebzeiten und nach dem Tode göttliche
in profile to l., wearing Mount Argaios as a Ehren, Beurlier a. a. 0. cap. 1. 2 p. 7 — 36.
croion. Lnscribed 6TTTXI BOKONTf", A Cat. D. G. Hogarth, The deification of Alexander
of engr. gems in the Brit. Mus. p. 135 nr. 1106. the Great , English Historical Beview 1877
Gelagert, in der L. ein Füllhorn, die R. er- 50 p. 317 ff. Lumbroso , L'Egitto al tempo dei
hoben, nach oben schauend, wo Kaiser Con- Greci e dei Bomani p. 147 — 153 „Culto e sacer-
stantius (CONSTANTIVS AVG) mit einem Be- dote d'Alessandro" und „Biccrche alessandrine
gleiter einen Eber '(EI0IAC) im Walde spielst, (Estr. dalle Memorie della B. Acc. delle Sc.
erscheint sie auf einem Sapphir, der sich im di Torino Ser. 2 Tom. 27.) 1871 p. 25 — 33
vorigen Jahrhundert im Besitz des Maren. Rinuc- „Del sacerdote d'Alessandro". Eckhel, D. N. V.
cini in Florenz befand, Tanini, Numismatum 4 p. 433. Nicht minder fanden Verehrung
Lmp. Born, ab Ansehno Bandurio editorum die Diadochen, sowohl die Herrscher von
Supplementum. Romae 1791. 2". Titelvignette Makedonien, Beurlier cap. 3 „de divinis hono-
u. Tb. 12 p. 304 — 306. Du Cangius, De Lmpp. ribus quos Macedonum reges ptost Alexandrum
C.-P. numis p. 157; vgl. auch 0. Schultz, Die 60 aeeeperunt" p. 36—46, vgl. H. Usener, Ein
Ortsgottheiten in der griech.-röm. Kunst (Berl. Epigramm von Knidos, Rh. Mus. N. F. 29
Studien f. kl. Piniol, u. Arch. 8. Bd. 3 Heft) 1874 p. 25ff., als besonders die Ptolemäer
p. 83._ [Drexler.] in Ägypten (Beurlier cap. 4 p. 46 — 85, wo
Kaiserkultus. Die göttliche Verehrung des zahlreiche Litteraturnachweise , Lepsius, Ab-
Herrschers, die wir noch jetzt bei verschie- hdlgn. der Kgl. Pr. Ak. d. W. 1852 p. 483 ff.
denen Völkerschaften treffen (Waitz, Anthro- Wilcken, Hermes 22 p. 1 — 16, 23 p. 602 ff.
poloqie der Naturvölker 1 p. 463 — 465; vgl. Lumbroso, Bicerche aless. p. 33— 42 „dei sacer-
J. Happel, Die Anlage des Menschen zur Be- dozio e nome dei Tolomei". Bevillout, Etudes
29*
903 Kaiserkultus (Vorstuf.; allg. Darstellgen) Kaiserkultus (Caesar, Octavianus) 904
sur divers points de droit et cTMst. ptolemaique. Organisation depuis Auguste jusqu'ä Justinien.
Paris 1884. 4°. p. LXXXVIIf. Bevue arch. n. s. Paris 1891.
34 1878 p. 328 ff. u. Eevue egyptologique 1 Schon in der republikanischen Zeit em-
p. 15 — 22; C. W. Huber, Zur alten Kumis- pfingen die Göttin Roma und römische Feld -
matil; Ägyptens p. HOff. 130. 133 — 135. 177ff. herren und Prokonsuln von den Griechen
206. 212. 262. 264. 282fi'.; vgl. für Einzelheiten: Verehrung, Hirschfehl p. 3—4. Boissier p. 113.
C. Wescher, Kote sur un pretre d' Alexandre et Preller p. 770. Mongault, Dissertation sur les
des Ptolemees, Bev. arch. 1866 2 p. 156. Aures, honneurs divins qui ont este rendus aux gou-
Mtude des dimensions du temple que Ptolemee verneurs des provinces pendant que la re'pu-
Philadelphc a fait construire surle cap Zc'phyrium 10 blique romaine subsistoit, Mim. de l'Acad. des
en l'honneur de Venus Arsinoc , Bev. arch. Inscr. et B.-L. (lSpe ser.) p. 353 — 369.
1869 2 p. 377—391. G. C. Ceccaldi, Le temple Kühn gingCaesar vor. Er liefs seine Bild-
de Venus Arsinoc au cap Zephyrium , Bev. säulen in Rom und den Tempeln des Reichsunter
arch. 1869 1 p. 268 — 272; vgl. Arch. Zeit. denen der Götter aufstellen; die Inschrift einer
1866 p. 179. Beade, On the date of Cleopatras Bildsäule bezeichnete ihn als Halbgott; seine
assumption of the title @EA NESITEPA, Kum. Statue im Tempel des Quirinus trug die Wid-
Chron. London 1839 1 p. 209 ff. Burgon, Ob- nmng: „Dem unbesiegbaren Gott". Die ludi
servations on a coin of Cleopatra and Marie quinquennales wurden ihm zu Ehren ein-
Anthony with the title of f)EA NESITEPJ, gesetzt, das Priesterkollegiuni der Luperci
Kum. Chron. 1 p. I98ff.), die Seleukiden, die 20 Iulii für ihn eingerichtet; in seinem letzten
Herrscher von Commagene, Armenien, Baktrien, Lebensjahr ein Tempel ihm als Iuppiter Iulius
Parthien (Welcher, Griech. Götterlehre 3 p. 310. beschlossen, ein flamen für seinen Kult be-
Spanhemius, De praestantia et usu numismatum stimmt, der Monat Quintilis nach ihm Iulius
1, 1717 p.419ff. G. Hirschfeld, Arch. Zeit. 187 5 benannt, Mommsen, Rom. Staatsrecht 2 2, 2
p. 155. M. Holleaux, Bull, de corr. hell. 1885 p. 732. Preller p. HO.' Boissier p. 121 f. Beur-
p. 523 — 529. Beurlier cap. 5 „de div. hon. quos Her p. 5 — 7. Nach seinem Tode wurde ein
aeeeperunt Scleucidae" p. 86 — 98. Catalogue Altar auf dem Forum an der Stelle, wo sein
des monnoies grecques de la bibliotheque natio- Leichnam verbrannt worden war, errichtet;
nale. E. Babelon, Les rois de Syrie, d'Armenie Dolabella zerstörte ihn, aber bald erhob sich
et de Commagene. Paiis 1890. p. XVII. LVI. XCI. 30 an seiner Stelle ein Tempel. Der Komet, der
CXXXI. CXXXIV CLXX, 206. 207. Beurlier einige Zeit nach Caesars Tode erschien, wurde
cap. 7 „de div. hon. quos acc. reges Comma- als ein Zeichen seiner Vergöttlichung be-
genae" p. 108 — 116. Puchstein, Sitzungsber. trachtet (vgl. über ihn Preller 2 p. 427 Anm. 1.
der Kgl. Pr. AI: 1883 1 p. 29 ff. Humann Ecktet, D. K. V. 6 p. 11. Borghesi, Oeuvres
u. Puchsiein, Beisen in Kleinasien und Kord- compl. 1 p. 105, 2 p. 142 — 143).
Syrien, Berlin 1890. 4°. p. 335 — 344. Babelon Durch Senats- und Volksbeschlufs wurde
p. CCX1I. Babelon p. 216, Tigranes III nr. 29. der grofse Herrscher unter die Götter der
Beurlier cap. 8 „de div. hon. regtnn Bactrianorum römischen Gemeinde aufgenommen; sein Bild
l'arthorumque" p. 117 — 120. Gardner, Parthian folgte fernerhin nicht mehr denen der übrigen
Coinage p. 6, 20, 63 — 65. Cavedoni , Bull. 40 Angehörigen der gens Iulia bei den Leichen-
arch. napol. n. s. 7 p. 29. A. I). Mordtmann, begängnissen, Mommsen 2 2, 2 p. 773. Preller
Über die persepolitanischen Münzen, Kum. 11. 771. Boissier p. 125 — 127. Beurlier p. 7 — 10.
Zeitschr. 10 p. 207 — 208); wie nicht minder In den Kämpfen, welche dem Tode Caesars
die Attaliden (Beurlier cap. 6 p. 99-107 und folgten, liefs sich Sextus Pompejus als Sohn
die von 0. Hirschfeld, Sitzungsber. d. Kgl. Pr. des Neptunus, Antonius als Dionysos ver-
Al:. 1888 p. 834 Anm. 6 u. 7 angeführte Lit- ehren, Preller p. 782. Boissier p. 129 — 130.
teratur; für Mithradates d. Gr. von Pontus Beurlier p. 10 — 13.
vgl. Boscher, Sitzungsber. d. Kgl. Sachs. Ges. Octavianus, zur Alleinherrschaft gelangt,
1891 p. 117 Anm. 45. Th. Beinach, Mitltri- wandelte nicht die kühnen Bahnen Caesars.
date Eupator , Bev. mim. 1887 p. 102 nr. 2, 50 Er verbot seine göttliche Verehrung in Rom.
104, 105). Doch schon durch den Namen Augustus (seit
Für den römischen Kaiserkultus vgl. von all- 27 v.Chr.) wurde seine Person als eine den
gemeinen Darstellungen: Petersen a. a. 0. Göttern ähnliche bezeichnet, De la Bleterie,
p. 364 — 365. G. Boissier, La religion rom.d'Au- Diss. on Von examine ce que signifioit le nom
guste aux Antonins 1 °. Paris 1878 p. 117 — d' Auguste donne ä Ce'sar Octavien etc., Me'm.
208. Marquardt , Rom. Staatsverwaltung 3 de l'Acad. des Inscr. et B.-L. (Pre ser.) 19
p. 89, 443 — 455. Friedländer, Darstellungen p. 432 — 446. Preller p. 774. Mommsen, B. St.-B.
aus der Sittengeschichte Borns 35 p. 512—516. 22, 1 p. 742 Aum. 2; 2% 2 p. 734, 748 — 750.
Preller, Rom. Myth. 2. Aufl. p. 769 — 796 (wo- Cliristoph Schöner, Über die Titulaturen der
nach ich meist citiere) = 3. Aufl. 2 p. 425 — go röm. Kaiser, Acta seminarii philol. Erlangen-
453. Madvig, Verf. u. Veno, des röm. Staats 1 sis 2 p. 459 ff. Er nannte sich Divi Iulii Filius,
p. 550 — 552. Keim, Born u. das Christentum. Mommsen, B. St.-B. 2 -, 2 p. 734. Ferner
Berlin 1881 p. 72 — 81. Beville, Die Religion fügte er den 2 Lares compitales als dritten
zu Rom unter den Severern. Leipzig 1888 den genius Augusti zu, welcher göttliche Ver-
p. 29 — 38. Otto Hirschfeld, Zur Geschichte des ehrung genofs, Beurlier p. 16. Boissier p. 137
röm. Kaiserkultus , Sitzungsber. der Kgl. Pr. — 143. In dem Festlied der Salier wurde sein
Ali. d. W. 1888 p. 833 — 862 und als S.-A. Name schon bei Lebzeiten unter die der
E. Beurlier, Le eulte imperial son histoire et Götter aufgenommen, Mommsen, B. St.-B. 2!,
905 Kaiserkultus (Octavianus) Kaisei'kultus (Octavianus) 906
2 p. 734 u. Anm. 2. Der Monat Sextilis er- Compte rendu des seances et trav. de Vacad.
hielt ihm zu Ehren den Namen Augustus, des sc. mor. et polit. Inst, de Fr. 1880 p. 896
Beurlier p. 16. In den östlichen Provinzen — 905. de Boissieu, Inscr. de Lyon p. 5, 82 fi'.,
gestattete er seine göttliche Verehrung zu- 94f., 114, 156, 269 und Ainay. Son autcl,
sammen mit der der dea Roma, so in Perga- son amphithedtre, ses martyrs. Lyon 1864. 8°.
mum upd Nicomedia, aber nur den Nicht- Artaud, Discours sur les ntedaill.es d' Auguste
römern, die römischen Bürger in Asien durften et de Tibere au revers de l'autel de Lyon.
nur Roma und den divus Iulius verehren, so 1820. Aug. Bernard, Le temple d' Auguste et
in Ephesus und Nicäa, Beurlier p. 17 — 18. In nationalite' gauloise. Lyon 1863. 4"; vgl.
Hirschfeld p. 5. Marquardt 1 p. 374. Momm- 10 Berliner Bl. f. Münz-, Siegel- u. Wappenkunde
sen, B. St.-M. 22, 2 p. 733. Hertzberg, Gesch. 3 (1866) p. 322. E.-C. Martin- Daussigny , No-
Griechenlands unter d. Herrsch, d. Römer 1 tice sur la decouverte des restes de l'autel
p. 520. A. Parisotti, Evoluzione del tipo di Borna d' Auguste d Lyon. Lyon 1863. Musee de
nelle rappresentanze figurate dell' antichitä Lyon. A. Allmer et P. Lissard, Inscriptions
classica, Archivio della r. soc. di storia patria omt. 1 p. 3 — 12 nr. 1. 2. 3; 2 p. 4 — 134. 183
11 1888 [p. 59 — 148] 2. II culto della Borna — 184. E. Desjardins, Geographie hist. et ad-
[p. 97 — 111] p. 102. Boscher, Sitzungsber. d. ministratice de la Gaule rom. 3 p. 186 — 211.
Sachs. Ges. d. Wiss. 1891 S. 112ff. 1371t'. Auch in Narbo wurde ihm ein Kultus ein-
P Inder , Über die Cistophoren und die kaiserl. gerichtet, Boissier p. 131 — 132. Lebigue, Inscr.
Silbermedaillons der röm. Prov. Asia, Abhdlg. 20 de l'Ara Narbonensis, Bev. arch. n. s. 1882. 23
d. Kgl. Pr. AI;. 1852 p. 613 — 617 „Tempel p. 76ff. Hirschfeld p. 8. J.-B. MAspoulet, La
der Roma und des Augustus" Tfl. 4, 4 — 15; lex concilii provinciae Narbonensis d'apres les
für Ancyra: E. Guillaume, Le temple de Borne travaux recents, Bullcrit. 1890 nr. 1. Beurlier
et d' Auguste ä Ancyre, R/v. arch. n. ser. 22 p. 11 — 23. Im Gebiete der Ubier erhob sich die
p. 347; 23 p. 29. Perrot, Exploration arche'ol. ara Ubiorum, deren Priestertum im Jahre 9 Segi- .
de la Galatie et de la Bithynie. Paris 1872. 2". muud, der Sohn des Segestes, vorstand, Hirsch-
p. 295—312, PI. XIII— XXXI. de Longpeiier, feld y. 9. Mommsen, B. Gesch. 5 p. 32. Preller
Statue du temple d' Auguste ä Ancyre de Galatie, p. 773 Anm. 2. J. E. Bau, De ara Ubiorum
Gaz. arch. 7, 1881—1882 p. 73— 76 = Oeuvres 3 libri III Traj. ad Rh 1738. 8". Bitter, Bonner
p. 415 — 418, PI. 8. In Athen erbaute man kurz 30 Jahrbb. H. 17 1851 p. 46 — 50. J. Freudenberg
vor Christi Geburt der Roma und dem Augustus ebenda H. 29/30 1860 p. 95 — 101. Bergk. Zur
einen Rundtempel auf der Akropolis, Beule, Geschichte und Topogr. der Bhcinlande p. 141.
L' acropole d' Athenes 2 p. 200 ff. Bursian, Geogr. H. Düntzer, Die Ara Ubiorum, Picks Monats-
von Griechenland 1 p. 314. Philologus 23 1866 Schrift für die Gesch. Westdeutschlands 1880
p. 239 ff. Berliner Piniol. Wochenschr. 1887 p. 455 f. In Tarraeo wurde ihm von den Be-
p. 1523. Ant. Denkm. hrsg. vom. Ksl. Deutschen wohnern der Stadt eine Ara bei Lebzeiten
Arch. Inst. 1 Heft 3 Tfl. 25. 26. Hertzberg 1 geweiht, kurz vor seinem Tode von der Pro-
p. 519, wo Anm. 90, 91 und p. 520 Anm. 92 vinz ein Tempel, Hübner, Tarraeo, Hermes 1
weitere Belege für den Kaiserkult in Griechen- p. 110 — 120 und Römische Herrschaft in West-
land. In Cäsarea (Samaria) erbaute Herodes 40 europa. Berlin 1890. p. 196fi. Preller p. 774.
einen Kaisertempel, Beurlier p. 25. Parisotti Boissier p. 131. Marquardt, B.St.-V. 1 p. 372
p. 103. In Alexandria wo schon Cäsar ver- und Eph. epigr. 1872 p. 200 ff. ./. Jung p. 22
ehrt worden war, diente das Kaisareion oder — 23. Hirschfeld p. 8. Eckhel,D. N.V. 1 p. 57 f.
Augusteion dem Kulte' des Augustus und seiner In Italien duldete er wenigstens in den
Nachfolger, A. C. Merriam, The Caesareum von ihm ausgeführten Kolonieen und unter
and the worship of Augustus at Alexandria, seinem speziellen Schutz stehenden Städten
Trans, of the american philological association seine Verehrung von Gemeinde wegen, Hirsch-
1883 14 p. 5 — 35; vgl. Proceedings for July feld p. 6. Boissier p. 122—133. Preller p. 774.
1883 p. IX — XI. Neroutsos-Bey, L'anc. Alexan- Mommsen, B. St.-R 2-, 2 p. 734 u. Anm. 1.
drie p. 10—20 und Bull, de corr. hell. 2 p. 175ff. ; 50 Marquardt, R. St.- V. 3 p. 445. Beurlier p. 17.
vgl. Mommsen, Eph. epigr. 4 p. 27 und Suppl, Parisotti p. 103. 104. Nissen, Pompejan. Stud.
zu C. I. L. 3 p. 1203. Beurlier p. 24. Auch in p. 182 — 184, 270 — 275. Noris , Cenotaphia
den Provinzen des Occidents gestattete er seine I'isana Diss. 1 cap. 4 p. 50 — 58.
Verehrung bei Lebzeiten. Sechzig Völker- Als Augustus starb, wurde er am 17. Sept.
schaffen Galliens errichteten ihm und der 14 konsekriert, ein Tempel auf dem Palatin
Roma einen Altar am Zusammenflufs der von Livia und Tiberius gebaut, aber erst von
Rhone und der Saone im Jahre 12 v. Chr., Gaius eingeweiht , die Priesterschaft der so-
Boissier p. 131. Preller p. 773 Anm. 2. Foustel dales Augustales für den Kult der gens Iulia
de Coidanges, Hist. des institutions politiques gebildet, ein Samen zu Ehren des Divus
de l'anc. France. I. partie. Paris 1875, livre 2, 60 Augustus eingesetzt, zu den schon früher ihm
besprochen von H. Schiller, Jahresber. üb. d. zu Ehren gefeierten Festen, den ludi Circen-
Fortschr.d.cl. A. W. Bd. 19 p.435 — 439. Hirsch- ses, an seinem Geburtstag (23. Sept.), den
feld a. a. 0. p. 7 — 8 und Lyon in der Römer- Augustalia (anläfslich der Rückkehr nach
zeit. Wien 1878 p. 15—18. Beurlier p. 18 — 19. Rom nach Ordnung der Provinzen 19 v. Chr.),
Mommsen, Röm. Gesch. 5 p. 84 — 89. Jung, die ludi Palatini als Privatfest des kaiser-
Die roman. Landschaften des röm. Beiches. liehen Hauses eingerichtet, Marquardt, R.
Innsbruck 1881 p. 222. V. Duruy, La politieque St.- V. 3 p. 448— 451. Preller p. 77 5. Boissier
des empereurs romains ä l'cgard du druidisme, p. 146 — 148. Beurlier p. 28 — 30.
907 Kaiserkultus (^Tiberius etc.) Kaiserkultus (Apotheose) 908
Streng hielt Tiberius auf die Pflege des hauses erhielten die Ehre der Apotheose, wie
Kultus des Divus Augustus. Er bestrafte die Drusilla die Schwester des Gaius, Claudia
Kyzikener wegen incuria ceremoniarum Au- die Tochter Neros , Iulia die Tochter des
gusti, Marquard , Cyzicus u. s. Gebiet p. 82. Titus, Marciana die Schwester Trajans, Ma-
E. Curtius, Monatsber. ä. Kgl. Br. AI;, d. TI". tidia die Mutter der Sabina (Mommsen, B.
1874 p. 11. Beurlier p. 30 f. Für seine eigene St.-B. 2'2, 2 p. 805 Anm. 8), Maesa die Grofs-
Person duldete er in Rom keinerlei göttliche mutter des Severus Alexander, Barschfeld
Verehrung. Den Asiaten erlaubte er, ihm zu- p. 13. Domitilla, die Tochter des Vespasian,
sammen mit seiner Mutter und dem Senat in wurde konsekriert, obgleich Vespasian bei
Smyrna einen Tempel zu bauen, der Provinz His- 10 ihrem Tode noch nicht Kaiser war, Mommsen
pania ulterior schlug er es ab; Priester des Tibe- 2, 2 p. 805 Aum. 8. Von den Prinzen des
rius sind im Occident nur in einigen italischen kaiserlichen Hauses , von denen Gaius und
Städten zu finden, Mommsen , B. St.-B. 2'2, 2 Lucius Caesares nach ihrem Tod einen Tempel
p. 734 Anm. 3. Hirschfeld p. 9 — 10; für die in Nemausus , Germanicus und Drusus jun.
Verehrung des Tiberius, Drusus, Germanicus Priester in einigen juliseh- augustischen Kolo-
und dessen Familie im Osten s. Hertzberg 2 nieen Südfrankreichs und Spaniens hatten, ist
p. 16 — 19. Die Konsekration der Livia ver- erst Domitians Sohn, dann der Sohn des Gal-
hinderte er, erst durch Claudius wurde sie lienus, der Caesar Valerianus, und Roniu-
vollzogen, Hirschfeld p. 12. Mommsen 22, 2 lus, der Sohn des Maxentius, konsekriert
p. 806 Anm. 9. Er selbst wurde ebensowenig 20 worden , Hirschfeld p. 13 — 14. Mommsen,
konsekriert wie Gaius, der sich in wahn- B. St.-B. 2-, 2 p. S06 Anm. S zu p. 805.
sinniger Selbstvergötteruug gefiel , Beurlier Beurlier p. 36. Konsekriert wurde auch der
p.37 — 38. Erst der blödsinnige Claudius, dem Vater des Trajan, Divus Traianus Pater,
zu Lebzeiten ein Tempel in Camoludunum er- und Marinus, der Vater des Philippus Arabs,
.richtet wurde, erlangte wieder die Ehre der Beurlier p. 35. Die Konsekration wurde auch
Konsekration, die dadurch an Ansehen nicht unter den christlichen Kaisern beibehalten,
gewann, Mommsen, B. St.-B. 25 p. 735. Breiler Für die Verehrung des Kaisers bei Lebzeiten
p. 776. Beurlier p. 33; vgl. über Senecas that einen wichtigen Schritt Aurelian, der
Satire die Apokolokyntosis Sierivale, Gesch. der sich auf seinen Münzen als deo et domino
Bömer unter dem Kaisertum 3 p. 431 — 434. 30 nato Aureliano Aug. huldigen liefs, Eckhel,
Sein Kult lag den Sodales Augustales ob, die H. N. V. 7 p. 482. Mommsen, B. St.-B. 2Z, 2
nun offiziell sodales Augustales Claudiales p. 737 u. Anm. 1.
heifsen, Marquardt 3 p. 451. Nicht konse- Über die Bezeichnuug der konsekrierten
kriert wurden Nero, Galba, Otho, Vitellius; wohl Kaiser als Di vi siehe Cardinali, Hiplomi im-
aber Vespasian, zu dessen Kult die Sodales periali diprivilegj aecordati ai militari. Velletri
Flaviales eingesetzt wurden, die, als ihnen 1835. 4°. p. 100—103.
auch die Verehrung des apotheosierten Titus Über die Zahl der divi und divae schwankt
übertragen wurde, sodales Flaviales Titlales man. Listen derselben findet man bei Mar-
genannt wurden, Marquardt 3 p. 451. Domi- quardt 3 p. 446 — 447. E. Hesjardins, Le culte
tian , welcher sich in den Schriftstücken, 40 des divi et celui de Borne et d' Auguste, Bevue
welche seine Privatbeamten in seinem Namen de phüol., de litt, et d'hist. anc. 3 1879 [p. 33
abfafsten , als dominus et deus noster be- — 65] p. 43 — 49. Bobert Mowat, La Domus
zeichnen liefs (Feldbausch p. 232), ohne dafs Hivina et lesDivi, Bull, epigraphique [5 1885
diese Bezeichnung offizielle Gültigkeit erlangte p. 121— 240. 308 — 316] 6 p. 31 — 36, p. 137
(Mommsen, B. St.-B. 2 5, 2 p. 736 Anm. 1), „Essai de restitution d'un catalogue gcne'ral
wurde nicht konsekriert; er baute das templum des personnages divinises ä Tepoque imperial"
Divornm Vespasiani et Titi und machte das u. Suppl. 6 p. 272 — 27S. Beurlier, Appendice
Privathaus des Vespasian zu einem templum A p. 325 — 331; vgl. auch Marini , Atti dei
gentis Flaviae, Breuer p. 778. Nerva, Tra- Fratclli Arvali p. 387. Hensen, Acta Fratrum
jan, Hadrian erhielten die Konsekration, 50 An. p. 148. Mommsen, B. St.-B. 2-, 2 p. 805
letzterer nicht ohne anfänglichen Widerstand Anm. 7. 8. Cagnat, Cours elementaire d'epi-
des Senats; zu seinem Dienste wurden die graphie c. S § 3 „Türe des empereurs et des
sodales Hadrianales eingesetzt (Marquardt 3 membres de la famille imp. apres leur mort",
p. 452, Labus, Museo della r. acc. di Mantova Bull, epigr. 4 p. 246 — 248, sowie die Konse-
2 p. 50 Anm.), 1 wie zum Kulte des apotheo- krationsmünzen der einzelnen Kaiser bei
sierten Antoninus Pius die sodales Auto- Eckhel und Cohin.
niniani, die für dessen Nachfolger beibe- Über die Apotheose ist eine reiche Litte-
halten wurden, Marquardt 3 p. 452 — 453. ratur vorhanden, vgl. Jo. Alb. Fabricius,
Unter diesen knüpfte Septimius Severus, Bibliographia antiquaria ed. 2 p. 268 — 269.
der auch die Konsekration des Commo- 60 Claudius Guichard , Funerailles et diverses
dus und Pertinax beim Senate durch- manieres d'ensevelir les Bomains, Grecs et
setzte, insofern an die eigentlichen Anto- autres nations, tant anciennes que modernes.
nine an, dafs er sich, ähnlich wie Augustus Lyon 1581. 4°. Jo. Kirchmann, He funere
als Sohn des Divus Caesar, als divi Marci Boman. L. 4 e. 13 ff. Jac. Gutherius, He iure
filius bezeichnete, Mommsen, B. St.-B. 2e, 2 Manium ... libri IIB Paris 1615. 4° über II.
p. 735 Anm. 3. Wie die Kaiser wurden auch Banvinius, Commentarii in Fast. L. IL Vos-
die Kaiserinnen in der Regel konsekriert. sius, He idololatria lib. I c. 12. Jul. Caes.
Auch einzelne andere Angehörige des Kaiser- Bulenger , He imp. Born. L. I c. 6. 7. 10.
909 Kaiserkultus (Apotheose) Kaiserkultus (Symbole d. Konsekration) 910
Chr. Cnorr et Beneä. Hopferus, Diss. de ant. krationsmünzen des CaracaTla, Zeitschr. f. Num.
Bomanorum numismatibus consecrationem illu- 2 1875 p. 280 und Zu den Konsekrationsmünzen
strantibus. Lipsiae 1600. 4°. van Dale, Sehe- Caracallas ebenda p. 371. Töchon d'Anneci,
diasma de consecrationibus gentüium. Joach. Mein, sur les medailles de Blarinus frappe'es ä
Busse et Lev. Cliristoph. Hahn, Apotheosis Bhilippopolis , Mein, de l'ac. des inscr. et b.-l.
imperatorum Bomanorum. Wittebergae 1662. (n. s.) 6 p. 523 — 559. L' apotheose de l'emp. Con-
4°. J. Columbus , De apotheosi. Holmiae stantin le grand exprimee sur une medaille,
1683. 8°. Claudius Nicasius, De numo pan- Journal des Savans 1681 p. 230 ff. Chassot
theo Hadriani imperatoris. Lugd. 1690. 4°. v. Florencourt , Erklärung der rätselhaften Um-
Jo. Burchard. Menekenius , Bisputatio hist.- vi Schriften der Konsekrationsmünzen des Romulus.
philol. Augustorum Augustarumque consecra- Trier 1843. de Longpe'rier, Kote sur les monnaies
tionem ex nummis illustratam sistens. Lipsiae de Bomulus fils de Maxence, Bev. num. n. s. 5
1694. 4° u. in Dissertation es academicae p. 1 ff. 1860 p. 36 — 42 = Oeuvres 2 p. 463—469.
Hausotter, Be consecrationis origine, causis et Über einige Symbole der Konsekration
ritibus apud Bomanos. Geo Pittorius, Bibri III z. B. die von 4 Elefanten oder 4 Pferden
tarn exterarum gentium quam Bomanorum. gezogene thensa, bez. (für die Kaiserinnen)
Buonarruoti , Osservazioni istoriche sopra al- das von zwei weiblichen Maultieren gezogene
euni medaglioni ant. Roma 1698. 4". p. 42 Carpentum s. Gisb. Cuperus , De elephantis in
— 48, 171 — 172. de> Bossi e Maffei, Gemme rom. 3 [Sp. 1 — 264] Exercit. 2 eap. 10 Sp. 217
ant. figurate. 3. Roma 1708. 4°: „Bagiona- 20 — 232. Eckhel 8 p. 468. Camillo Silvestri,
mento sovra due medaglioni d'Antonino Bio e Lettera sopra una medaglia de Livia col car-
di Faustina" [p. 191 — 224] speziell p. 206 pento , Opusc. scientifici 5 p. 139 f. Keicton
— 224. Jo. Daniel Schoepflin, De apotheosi and Pullan, A hist. of the discoveries at Hali-
sive conseeratione imperatorum Bomanorum. carnassus, Cnidus and Branchidae 2, 1 p. 248
Argentorat. 1730. 4°. A. Scarin, Apotheoseos nummis obviis in de Sallengre, Nov. thes. antiq.
veterum et recentiorum parallelismus. Aboae — 250 Aust ob. Bd. 2 Sp. 737 ff.; über den
1732. 4°. Grübet, Diss. de conseeratione prin- Seheiterhaufen Baoul-Bochette, Blem. d'arch.
cipum. Gottl. Erdm. Zeibich, Observ. ad comparee. 1er mem. Sur VHercule assyrien et
num. ant. sacrae p. 74 ff. Eckhel, D. K. V. phenicien. Paris 1848. 4°. Append. B. Sur
8 p. 461 — 473. Basche, Lex. univ. rei num. 30 la pyra, comme tgpe de monument funeraire
vet. 1, 2 .Sp. 796— 816 Suppl.2 Sp. 5— 23. Ehr- p. 388— 401; über den Adler, auf dem der ver-
mann, Über die Apotheose auf einer Gemme klärte Kaiser zum Himmel getragen wird, Eckhel
[modern] s. 1. 1799. Dissertazione inedita di 8 p. 467—469. Grenzer, Symbolik Sa p. 41 — 42.
Stef. Antonio Morcelli, con aleune annotazioni Böttiger, Ideen zur Kunstmythologie 2 p. 44
del Dott. Gio. Labus sulV Apoteosi degli Im- —46; Vorlesungen über Kunstmythologie p. 68.
peratori Bomani, Memorie ModenesiT. 8 p. 447, Karl Sittl , Der Adler und die Weltkugel als
vgl. Labus, Museo della reale accademia di Attribute des Zeus in der grieeh. u. röm. Kunst,
Mantova 1 p. 97—99. Guhl u. Koner, Das S.-A. aus Jahrbb. f. kl. Phil. Suppl. Bd. 14
Leben der Grieeh. u. Böm.2 p. 738 — 740. J. p. 38. Von Gemmen mit diesem Typus vgl.
Sabotier, Funerailles chez les Bomains, Bevue 40 den Sardonys in Paris, auf welchem man
beige de numismatique 4e ser. tom. 6 1868 Gennanicus dargestellt sehen, (Bernoulli, Böm.
[p. 369ff.], speziell p. 390—402 PI. 16. J. de Ikonogr. 2, 1 p. 234, wo die Litteratur über
Witte ebenda 2. ser. tom. 2 1852 p. 338 ff. dieses Werk angegeben ist), und den grofsen
W. Teuffei u. W. Bein s. v. Apotheosis in Cameo in Nancy, auf dem man Hadrian er-
Pauly's B.-E. 1- p. 1332 — 1334. Marquardt, kennen will, Mongez , Icon. rom. pl. 38, 7.
B. St.-V. 3 p. 445—448. Daremberg et Saglio, Bernoulli 2,1 p. 234 Anm. 2; 2,2 p. 127.
Dict. des ant. gr. et rom. s. v. apotheosis p. 323 Leon Germain, Le came'e ant. de la bibliotheque
—327. Beurlier Partie 1 eh. 2 p. 55 — 76 de Nancy, Bull, monum. 1883 p. 458 — 464;
„honneurs divins rendus aux empereurs apres Bull, epigr. 3 p. 314. Auch am Titusbogen
leur mort." 50 ist der Kaiser auf dem Adler sitzend dar-
Für einige bestimmte Kaiser vgl.: Joannes gestellt, Jacobus de Bubeis, Arcus triumphales
Seobaldus Fabricius, C. Iulius Caesar numis- P. 1 tab. 6. Bellori, Vet. arcus August. 1690.
maticus, sive diss. historica, Dionis Cassii . . Tab. 8. Miliin, Gatt. myth. pl. CLXVH bis, 677.
commata, C. Iulii Caesaris ortum , dignitates, 3Iiiller-l]rieseler, Dkm. d. a. K. 1 Tfl. 65, 345b.
connubia, interitum, rogum et apotheosin com- Duruy , Gesch. d. röm. Keiiserzeit 2 p. 38.
plexa nomismatum comparatione illustrans. Bernoulli 2, 2 p. 35 nr. 35. Beurlier p. 67. .
Londini 1678. 8°. C. Cavedoni, Drusilla divi- Auf der Basis der Antoninussäule werden
nizzata da Caio Caligola col nome di Panthea, Antoninus Pius und Faustina von einem ge-
Bull. arch. nap. n. s. 4 1855 p. 71 — 72. flügelten Genius emporgetragen, Vignoli,
Wartinger , Domitians Münze auf Tihis' Ver- 60 Columna Antonini pii p. 149 ff. Zocga, De or. et
götterung in der Münz- u. Med.- Sammig. des usu obeliscorum p. 59 — 60. Seconda lett. del
Joanneums , Steierm. Zeitschr. 8 1827 p. 146. sgr. 31. A. de la Chausse sopra la col. d'apoth. di
Const. Landus, In D. Antonini Pii consecra- Ant. P. Napoli 1805. Visconti, Mus. Pio-Clem.
tionem et Claudii Neronis Caesaris decursio- 5 p. 184 PI. 29. Müller - Wieseler 1 , 394.
nem Castorisque et PoUucis numisma explicatio. K. 0. Müller , Hdb. d. A. d. K. § 191 p. 216.
Mediolani 1556. 4". Über die Konsekration des De Fabris, II piedistallo elella col. Ant. 1846.4°.
Commodus ein Brief von Gcdland in D'Orville. G. B. Piranesi, Colonna eretta in memoria
Mise. Tom. 6 p. 387. v. Sallet, Die Konse- dclT apoteosi di Antonino Pio. 2°. Miliin,
911 Kaiserkultus (Priester, Kultd. leb. Kaiser) Kaiserkultus (d. Provinzen u. Gemeinden) 912
Myth. Gall. pl. CLXXX nr. 682. Beber, ancienne. I. Macon 1890. 4". p. 334 — 356
Ruinen Borns 2.A. p. 267. Ad. Philippi, Über PI. 32 — 35; die des %oivbv Mav-sSoviav in
die rom. Triumphalreliefe, Abh. d. Kgl. Sachs. A cat. of the gr. coins in the Brit. Mus. Mace-
Ges. Phil. -hist. Kl. 6 1872 p. 281 — 282. donia p. 22— 29 und bei v. Sollet, Beschreibung
Duruy, Gesch. d. r. Kaisers. 2 p. 521. Meri- der ant. Münzen [des Kgl. Preufs. Münzkab.]
vale 4 p. 534 — 535. Lucy Mitchell, Hist. of Bd. 2. Päonien, Macedonien, die maced. Könige
anc. sculpt. p. 688. Baumeister, Dkm. d. Id. A. bis Perdiccas III. Berlin 1889. p. 25 — 29;
p. 111. Darembtrg et Saglio, Biet, des ant. 1 die des hoivov Bn&vvCag bei Warwick Wroth,
p. 325. Ovtrbeck, Gesch. d. gr. Plast. 2 3 p. 473 f. Cat. of grcek coins [in the Brit. Mus.] Pontus,
Friederichs -Wolters, Gipsabg. nr. 1939. La- 10 Paphlagonia, Bithynia. London 1889. p. 104
cour-Gayet, Antonin le Pieux p. 306. Beur- — 108, PI. XXIV; hinsichtlich der der übrigen
Her p. 67 u. a. m. Die ähnliehe Vergötterungs- Provinzen Head, H. N. Register p. 769.
scene am Arco di Portogallo {Bighetti, Garn- Den provinzialen Kaiserkultus leitete
pidoglio 1 tav. 170 p. 176 — 177. Philippi der provinziale Kaiserpriester, in Spanien,
p. 280 und Anm. 33 , wo weitere Litteratur) Gallia Narbonensis, dem Alpengebiet Samen, in
wird gewöhnlich auf die jüngere Faustina, von Lugudunum, Afrika, den Donauprovinzen sa-
G. Braun, Ruinen u. Museen Borns p. 124 auf cerdos, Hirschfdd p. 17 — 18, in den griechi-
die ältere bezogen, wogegen sich Bernoulli sehen Provinzen aQxnQsvg genannt, dem im
2, 2. p. 156 erklärt. Orient, Spanien, Gallia Narbonensis seine Ge-
Über die Priester der konsekrierten Kaiser 20 mahlin, flaminiea, der bald der Kult der Kaiserin
s. Borghesi, Oeuvres 3 p. 391 ff. H. Dessau, zufiel, zur Seite stand, Hirschfeld p. 17 — 19;
De sodalibus et ftaminibus Augustalibus, Eph. vgl. über denselben Marquardt 1 p. 367—369.
epigr. 3 1877 p. 205 — 229. Marquardt, B. Eph. ep. 1 p. 200— 214. Hirschfeld p. 17—30.
St.-V. 3 p. 449 — 455 = 2. Aufl. p. 469—475. Bcurlier partie 3 eh. 2 „Les pretres provin-
Beurlier 2t: partie eh. 3 p. 77 — 97; über die ciaux" p. 120—154. Uneinig ist man über
Tempel Marquardt 3 p. 448. Beurlicr, App.B. die Frage, ob der uQxitoivg der griechischen
„Etüde topographique sur les temples des divi Provinzen identisch ist oder nicht mit dem
ä Borne" p. 332 — 346. Beamten, dessen Titel gebildet wird durch
Der Kultus des lebenden Kaisers er- die Ansetzung von -&QxriS an den Namen
streckte sich über alle Provinzen, Beurlier 30 der einzelnen Provinzen ('Aciäg%rjg, TaXatäq-
3epartie „Leculte provincial des empereurs" p. 99 %r\q, AvkiÜqxIS etc.). Nach Eckhel 4 cap. 1
— 154. _Bo{ss(Vrp.l48 — 149. Die Landtage, noivd, § 6 „de pontifieibus ag%i£Q£ig, ifpoiV p. 203
communia, concilia der Provinzen erhielten — 206, § 7 „de asiarcha" p. 207 — 212. Wad-
ihren Mittelpunkt im Kaiserkultus, s. über dington, Asie Min. zu nr. 885. Perrot, De
dieselben: C. Menn, über die rom. Provinzial- Galatia provincia p. 150 ff.; Explor. arch. en
Landtage. Köln u. Neufs 1852. Marquardt, Galntie p. 35 f., p. 199 — 201; Melanges arch.
B. St.-V. 1 p. 365 — 377 = l2 p. 503 — 516 u. p. 170 und s. v. Asiarcha in Darcmberg et
Eph. epigr. 1 1872 p. 204 — 214 „De provin- Saglio, Dict. 1 p. 467 f. sind beide verschieden,
darum romanarum conciliis et sacerdotibus". nach Marquardt 1 p. 374 ff. u. Anm. 5. Henzen,
J.-B. Mispoulet, Les institutions politiques des 40 Ann. d. Inst. 1863 p. 285. Kuhn, Verf. d.
Bomains. 2. Paris 1883. § 89 nr. 95 „assem- rö'm, Reichs 1 p. 107. Lightfoot , Apostolic
ble'es nationales" p. 99 — 103. Daremberg et fathers 2 sect. 2 p. 987 identisch; vgl. auch
Saglio, Dict. des ant. rom. s. v. Communia, die Ansichten von Mommsen, Böm. Gesch. 5
Concilia. E. Desjardins , Le cidte des divi, p. 318 — 320 und bei Benndorf u. Niemann,
a. a. 0. p. 49 — 55. Paul Guiraud, Les assem- Beisen in Lykien 1 p. 157. Büchner, De neo-
ble'es provinciales dans l'empirc romain. Paris coria „Excursus de sacerdotibus Asiae provin-
1887; vgl. dazu Schiller, Jahresbericht üb. die ciae" p. 116 — 132. Monceaux, De communi
Fortsein: d. kl. A.-W. Bd. 60. Jahrg. 17. 1889. Asiae cap. 3 „de summo Asiae sacerdote"
Abt. 3 p. 376 — 378 und F. G. Hardy, Class. p. 47 — 54 u. cap. 4 „an iidem atque summi
Bevieio 3 p. 207 — 208. Beurlier partie 3 chap. 1 so sactrdotes Asiae existimandi sint qui dieuntur
„Les assemblees provinciales" p. 99 — 103. Über asiarchae?" p. 55 — 67. Guiraud a. a. 0. p. 97ff.
einige Provinzen speziell: Paulus Monceaux, Churchill Babington, Kmn.Chron. 1866 p. 105 f.
De communi Asiae provinciae. Paris 1885, Beurlicr p. 129 ff. In Ag3'pten, welches keine
mit der Kecension Bamsay's Class. Review 3 autonomen Gemeinden hatte, fehlt das xoivöv.
1889 p. 174 — 179. A. de Barthelcmy , Les An der Spitze der sämtlichen Tempel des
assemblees nationales dans les Gaules, Revue Landes stand der ixqx^Q^^'s Ui.s^aväQ£io:g xcel
des questions hist. 1868. E. Barry, Etudes Alyinxov näarig, der die Stelle des sacerdos
sur le cidte provincial de Borne et des Augustes der anderen Provinzen vertritt und dem Kaiser-
dans la Gaule chevelue et dans la province nur- kultus vorstand, Mommsen, Rom. Gesch. 5
bonnaise. Toulouse 1876. Cl. Pallu de Lessert, m p. 558 f., 568 Anm. 1. Wilcken, Hermes 23
Etudes sur le droit public et V Organisation p. 601 — 603.
sociale de T Afriquc romaine. lerfasc. Lesassem- Aber auch in den einzelnen Gemeinden
ble'es provinciales. Paris 1883 (Extr. du Bull. blühte der Kaiserkultus, und hier fanden so-
trimestriel des ant. afric. fasc. 7) und Nouoellcs wohl der regierende Kaiser als auch die divi
observations sur les assemblees provinciales et und divae ihre Verehrung mit Tempeln, Priester-
le cidte provincial dans l'Afrique romaine. schalt und Festspielen, Boissier p. 158 — 161.
Paris 1891; die Münzen des koivöv KQnräv Beurlier partie 4 „Culte munieipal des em-
bei J. N. Svoronos, Numismatique de la Crete percurs" p. 155 — 255. Über die Priester der
013 Kaiserkultus {veaxöqoi, Augustales) Kaiserkultus (Kultvereine) 914
Municipien s. Herbst, De sacerdotibus Roma- observations sur les Augustales , Bev. arch. 3
norum municipalibus quaestio epigraphica. 1847 p. 635 — 648, 774 — 790. A. W. Zumpt, De
Halis Sax. 1883 p. 5—13, 20—37. Desjardins Augustalibus et seviris Augustcd ibus commen-
a. a. 0. p. 55 — 62. Beurlier 4 eh. 2 „Les pretres tatio epigraphica. Berol. 1846. 4" mit Henzens
munieipaux" p. 168—193. E. Cicotti, 1 sacer- Recension in Zeitschr. f. A.-W. 1848 Sp. 193 —
doti municipali di Spagna e qli Augustali nell' 215,289 — 317. Marquardt, über die Auciustcden,
epoca imp.. rom., Biv. di fdöl. 19 1890 p. 1 Z. f. A.-W. 1847 Sp. 499—503, 505—516 und
— 84. Hirschfeld, I sacerdosi dei munieipj B. St. V. 3 p. 514 — 516. Kaudet, Delanoblesse
romani nell' Africa, Ann. d. Inst. 1866 p. 28 dies les Bomains, Mein, de l'Inst. Ac. des Inscr.
— 77 und Die flamines perpetui in Africa, 10 et B.-L. 25 1866 p. 66 — 74. Willems, Le droit
Hermes *Z§ 1891 p. 150— 152. Mommsen, Album public rom. p. 386. Herzog, Hist. Galliae
ordinis Thamugadcnsis , Eph. epigr. 3 p. 77 Narbon. p. 196 — 197. B.-J.-Armand Houcloy,
— 84; über die Festspiele: EcJihel 4 cap. 21 Le droit munieipal. Paris 1876. 1 p. 174 — 176.
„de festis ac lucds" p. 421 — 454. Krause, Nico- Boissier p. 161— 168, loa. Schmidt, De seviris
koqos § 21 „Ludi solemnes et dies festi in Augustalibus. Hai. Sax. 1878 mit 0. Hirsch-
nummis civitatium neoeorarum" p. 75 — 78. felis Recension in Zeitschr. f. Osterr. Gynm.
Büchner, De neocoria §2 „ele ludis in civi- 1878 p. 289 ff. und deren Übersetzung von
tatibus neocoris celebratis" p. 61 — 69. Beurlier Allmer in Bull, epigr. de la Gaule 1 1881
p. 161 — 169. Spanhemius, Epistola 5 „De num- p. 282 — 287, sowie Schillev's Besprechung,
mis, in quibus certamina cum ZsvriQiict, eaque 20 Jahresber. üb. d. Fortsei»-, d. kl. A.-W. Bd. 19
Bm.vsiv.LU, olvi-niia, (isycclu, itgäza, tum cpiku- p. 460 — 464. J.-B. Mispoulet, Les institutions
deltpsiu continentur" im Anhang zu Morcllius, polit. des Bomains. 2. L'administration. Paris
Specimen univ. rei num. ant. Lipsiae .1695 1S83 p. 141 — 142. Preller - Jordan 2 p. 446
p. 267 — 339. Hertzberg 2 p. 11 Anm. 10, 10 a, Anm. 2. J. Jung, Die vornan. Landschaften
10b; p. 12 Anm. 12; p. 337 Anm. 98; p. 424 des röm, Beichs p. 544 — 548. Duvuy , Hist.
— 425 Anm. 29 — 31; 3 p. 14 Anm. 9a, das des Born. 5 p. 133 nr. 1. Lemomiiev , Etüde
Register bei Head p. 794. hist. suv la condition privee des affranchis aux
Im Osten, besonders in Kleinasien, führten trois premiers siccles del'empire rom. Paris 1887.
eine Anzahl Städte, welche Kaisertempel be- p. 267 ff. A. v. Bremerstein, Zu einer Gruppe
saften, den Titel vseo-nögoi. Eine Hauptfrage 30 von Inschriften der Augustalen, A. E. M. 11.
hinsichtlich des Wesens des Neokorats ist, ob es 1887 p. 240. Mommsen, B. St.-B. 3, 1 p. 453
zusammenhängt mit dein Provinzialkultus, oder — 457. Hirschfeld p. 6 — 7 Anm. 28. 29. Beur-
ob es municipalen Charakter hat. Für ersteres Her p. 194 — 237. Conradus Nessling, De seviris
ist Marquardt 1 p. 367 und Cyzicus und sein Augustalibus. Gissae 1891. Laurentius Schneider,
Gebiet p. 84 ff. und Büchner, De neocoria. De sevirum Augustalium muneribus et condi-
Giessae 1888, speziell p. 30 — 61; dieser cione publica. Gissae 1891.
nimmt an, dafs die Metropolen, in denen die Über die Verehrung der Kaiser durch
Provinzialtempel der Kaiser sieh befanden, Vereine, z. B. die Epheben in Athen, und
jener, dafs die Städte, welche, durch Abgeord- durch Privatleute s. Beurlier partie 5 „Culte
nete am gemeinsamen Provinzialkultus teil- 40 rendu aux empereurs par les Colleges prives et
nahmen, den Titel j'troxopot führten; für letz- les particuliers" p. 257 — 262. Wie sich der
teres Monceaux, De communi Asiae cap. 2 Kaiserkultus in jeder einzelnen Stadt gestaltet
§ 1 „Civitatum Asiae neocoratum non ad pro- hat, kann natürlich nicht ausgeführt werden,
vincialem eultum Bomae et Augusti, sed ad vgl. z. B. für Cyzicus Marquardt, Cyzicus u.
municipalem Augustorum pertineve" p. 18 — 27 s. Gebiet. Berlin 1836 p. 82, 84 ff., 141 — 144,
und Beurlier p. 4 eh. 4 „Le nc'ocorat'' p. 238 150 — 157. E. Gurtiits, Ehrendenlcmcd der Kyzi-
— 255, speziell p. 246. Im übrigen vgl. über l'cner für Antonia Tryphaina u. ihre Familie,
das Neokorat die bei Fabricius, Bibliographia Monatsber. d. Kgl. Pr. Ak. d, W. 1874 (p. 7
antiq. ed. 2. Hamb. Lips. 1714. 4°. p. 296 - —17) p. 11 — 14. Beurlier p. 166 Anm. 11;
297 angeführten älteren Schriftsteller, auch 50 Th. Beinach, Sur l'e'poque et le nombre des
Ctiperus, Lettres crit. p. 484 ff. Hist. de Vac. neocorats de Cyzique, Bev. num. 3° ser. 8. 1890
des inscr. et b.-l. 1 p. 60 — 62. Pellerin, Mel. p. 244—252. Perrot et Delbet, Exploration
2 p. 266. Eclliel 4 cap. 7 p. 288—306. Krause arch. de la Bithynie et de la Galatie p. 76—81.
in Pauly B.-E. 5 p. 534—537 s. v. neocori Th. Beinach, Lettre a M. le Commandern- J.
und desselben Spezialabhandlung NtwxoQog. B. de Bossi au sujet du temple d'Hadrien ä
Lipsiae 1844. Cyzique, Bull, de Corr. Hell. 14. (1890)
In den einzelnen Gemeinden pflegte aufser p. 517 ff. ; für die Städte von Gallia Narbo-
den Priestern den Kaiserkultus besonders das nensis Ed. Beaudouin, Le culte des empereurs
hauptsächlich aus Freigelassenen zusammen- dans les cite's de la Gaule Narb. Grenoble
gesetzte Institut der August ales, Seviri Au- 60 1891 ; für Vienne T.-C. Delorme, Descr. dumusee
guBtales, Seviri et Augustales, über welches de Vienne pre'ce'de'e de recherches hist. sur le temple
s. Borghesi, Iscrizioni dalmatiche, Bull. d. Inst. d' Auguste et de Livie. Vienne 1841. Allmer
1842 p. 101 — 109 = Oeuvres compl. 4 p. 407 et de Terrebasse, Insc. ant. et du moyen dge
— 421. A. E. Egger, Examen critique des de Vienne I, 1 p. 11 — 25 nr. 3.
historiens anciens de la vie et du regne d' Au- Eine hervorragende Verehrung fand der
guste. Paris 1844. App. 2. Bech. nouv. sur Genius Augusti, den Augustus den beiden
l'hist. des institutions municipales chez les Bo- Lares compitales als dritte Gottheit zugefügt
melius. Les Augustales p. 357 — 411 u. Kouv. hat. Beim Genius des Kaisers wurde ge-
915 Kaiserkultus (K. des Genius Aug. etc.) Kaiserkultus (d. Kaiser als Deus) 916
schworen und der Meineid bei demselben Erlang. 2 1S81 p. 496 — 497. Beurlier p. 53.
streng bestraft. Der genins Augusti wurde Eckhel , D. N. V. 7 p. 181 — 182, 214, 323;
auch im eacrarium des Hauses verehrt; die 8 p. 457 — 458. F. G. Habel, Ann. d. Ver. f.
Arvales opferten ihm an den kaiserlichen Nassauische Altertumskunde und Geschiehts-
Festtagen zugleich mit iuppiter, Inno und fgrselwng 2 1837 p. 183 Anm. ***. E. H. Tölken,
Minerva, s. über ihn Preller p. 495, 775 = 23 Über die Barstellung der Vorsehung und der
p. 113 u. Anm. 3. Marquardt 3 p. 199, 443; Ewigkeit auf röm. Kaisermünzen. Berlin 1844
32 p. 127, 206 u. Anm. 1. Mommsen, E. St.-E. (S.-A. aus Zeitschr. für Münz-, Siegel- und
22, 2 p. 706 Anm. 2. 4; p. 773 Anm. 3; 784 u. Wappenkunde Bd. 4 p. 161 — 194 Tfl. 7, 8).
Anm. 5. Schiller, Gesch. d. röm. Kaiserzeit 1 10 Hulseboos, Die Ewigkeit d. röm. Kaisermünzen.
p. 247. Eeville p. 31, 38. Boissier p. 137—143. C. L. Visconti, Di rilievi di un' aretta, e di
E. De$jardins,Ge'ogr.dela Gaule rom. 3 p. 212 ff. un gruppo di statue esprimenti il concetto della
Beurlier p. 45—64; die Aufsätze von Jordan, eternitä, Bull, della commiss. arch. comun. 3
De Larum imaginibus atque cultu, Ann. d. Inst. 1875 p. 221 — 238 tav. 20,5; 22; 23.
1862 p. 300 — 339. Eeifferscheiil , De Darum Heilig gehalten wurden die imagines
picturis Pompeianis, Ann. d. Inst. 1863 p. 121 principum; sie hatten Asylrecht, Marquardt
— 134. Premier, Über Vesta, Laren u. Genien, 32 p. 463 Anm. 3. Beurlier p. 53 — 54; vgl.
Philologus 24 p. 243 ff. Birt in diesem Lex. Mommsen, E. St.-B. 22, 2 p. 736 Anm. 3.
Bd. 1 Sp. 1617. 1626. Visconti, Mus. Pie-Clcm. Die Aufstellung der Statue des lebenden
4 p. 337 — 357 pl. 45. Bernoulli 2, 1 p. 31. 58. 20 Kaisers unter den Götterbildern der Tempel
70. Gatti, L'ara marmorea dcl vicus Aescitleti, anfänglich verboten, wurde bald etwas Ge-
Bidl. della commiss. arch. comun. 17 1889 wohnliches, Mommsen, E. St.-E. 22, 2 p. 735
p. 69 — 72 tav. 3. u. Anm. 2. Beurlier p. 53.
Über die Zufügung des Beinamens Was vom Kaiser kommt und sich auf ihn
Augustus zu den Namen von Gottheiten gehen bezieht, wurde als heilig und göttlich be-
die Ansichten auseinander. Beurlier p. 156 — zeichnet, z. B. divinae litter ae , itgbv Ttcddrtov
157 bemerkt: „Quelques auteurs ont voulu voir ttgcorcitog (pi'ay.og, Beurlier p. 52. Die Ado-
dans cette epithete une simple allusion ä la ration, schon von Elagabal gefordert, Beurlier
reconstitution du eulte des dieux lares par p. 54, wurde erst von Diocletian eingeführt,
Auguste, mais il est difficile de n'y pas voir 30 Bevjlle p. 34.
en, meine temps un hommagc rendu ä l'em- Über Götterattribute wie die Strahlen-
pereur. Le seid fait qu'on joignait son nom kröne, welche zuerst nur das Haupt des kon-
ä celui de divinites respectees de tous etait de sekrierten Kaisers zierte, von Nero auf Münzen
•nature ä inspirer pour lui wie ve'neration reli- bereits zu Lebzeiten getragen wird, s. Scheg-
gieuse." Allmer, Eevue epigraphique du midi kius Anm. zu Vellejus Paterculus 2, 59, 7.
de la France 1 p. 57 zu nr. 77 sagt: „De Eckhel, D. N. V. 6 p. 269 — 270; 8 p. 459.
meine qu'en raison de cette association [du Mülin, Monuments inedits ou nouvellement ex-
Genie de l'empereur au eulte des Lares compi- pliques nr. 16 „Description d'un camee du cab.
talesj les Lares des carrefours de Rome avaient de la bibliotheque nat. representant Septime
pris le nom de 'Lares Augustes'', de meine les 40 Severe et sa famille'' p. 178 — 187. Stephani,
divinites locales admises au rang des Lares Nimbus u. Strahlenkranz in den Werken der
publics prirent le nom de divinites Augustes." alten Kunst. St. Pctersbourg 1 859. 4° (aus Mem.
Boissieu, Inscr. de Egon p. 48 drückt sich, de l'Ac. des sc. de St. Pe'tcrsb. 6. se"r. t. 9).
nachdem er die Reform des Religionswesens H. Schiller, Geschichte des röm. Kaiserreichs
durch Augustus erwähnt hat, so aus: „De la unter der Regierung des Nero. Berlin 1872.
capitale, cette institution, ä la fois sociale et p. 310 — 312. Mommsen, B. St.-E. I2 p. 413
religieuse, s'etendit dans VItalie et dans les u. A. 5, 414 u. A. 1. Beurlier p. 48 — 50.
pirovinces. A partir de cette re forme, opere'e Direkt den Namen deus bei Lebzeiten an-
par le plus habile politique d'antiquite, le eulte zunehmen haben die Kaiser auf offiziellen
des grands dieux, comme le eulte des divinites 50 Denkmälern wie den Münzen vor den Zeiten
inferieures, semblent se confondre dans un seid, des Aurelian in Rom nicht gewagt, Beurlier
celui d' Auguste: eulte de forme, et non defoi; p. 51 — 52. Im Osten wurde von jeher nicht
flatterie plutot fpie superstition. De la le titre gekargt mit der Bezeichnung des Herrschers
d' Augustus ou d'Augusta, aecole, dans le plus als Qsög. Aber auch in Rom war die Bezeich-
grand nombre des inscriptions de l'epoque qui nung des lebenden Kaisers als Gott oder die
nous oecupe, au nom des anciennes divinites." Vergleichung desselben mitbestimmten Göttern
Auch die kaiserlichen Tugenden, wie seitens der Privatschmeichelei, besonders im
die Providentia Augusti, die Clementia des Munde der Dichter, sowie die Darstellung
Kaisers, wurden verehrt, Beurlier p. 53. Boissier der Herrscher als Heroen oder Götter in
p.l37;dieGriechenhattenaufdieseWeisebereits co plastischen Denkmälern nichts Ungewöhn-
den Statthaltern geschmeichelt: Cicero Epist. liebes, s. über die Bezeichnung als &&ög vbcö-
ad Quintum 1, 1: „in Ulis urbibus cum summo rtpos, &su vseaziga Letronne, Eec. des inscr.
imperio et potestate versaris in quibus tuas vir- gr. et lat. de l'Eggpte 1 nr. 12 p. 98 ff., p. 102
tutes consecratas et in deorum numero collo- Anm. 1; für Beilegung eines bestimmten
catas vides", Boissier p. 137 Anm. 1. Götternamens mit Vorsetzung von viog, via
Auch die Aeternitas des Kaisers wurde Letronne ebenda p. 90 — 93 und Bech. p. s. ä
verherrlicht, Schoener , Über die Titulaturen l'hist. de l'Eg. p. 181 ff. ; für die Gleichstellung
der röm. Kaiser, Acta seminarii philologici der Kaiser mit einzelnen bestimmten Göttern
017 Kaiserkultus (Titel Deus) Kaiserkultus (Bildwerke) 918
Gisbertus Cuperus, Apotheosis vel consecratio lungen der Kaiser als Götter und Heroen in
Homeri. Arastelod. 1683. 4°. p. 285 f. Span- Statuen, Reliefs, Gemmen u. s. w. findet man
hemius, Diss. de praest. et usu num. ant. vol. 2. reiches Material in den bekannten ikono-
Amst. 1717. 2°. Diss. 12, 12 „De Dei in genere, graphischen Werken von Mongez, Iconographie
et nominatim de quorundam deorum nominibus romaine. Tresor de numismatiqiie et glyptique.
in nwmmis imperatorum" p. 489 — 497. Eckhel Gh. Lenormant , Iconographie des empereurs
8 p. 459 ff. Carolus Keilius, Specimen onomato- rom. et de leurs familles, Bemoulli, Römische
logi Graeei. Lipsiae 1840. eap. 1 „Deorum Ikonographie Bd. 2; vgl. auch K. 0. Müller,
nomina hominibus data" [p. 1 — 34] p. 11 — 12. Hdbch. d. Arch. d. Kunst § 199, 6ff. v. Duhn,
Krause, Nscoköqo? § 3 p. 10—12. Beurlier 10 Ann. d. Inst. 1879 p. 180 — 182. Beurlier
p. 155 — 156; für die Annahme des Namens p. 41 — 42.
oder der Attribute des Hercules de Witte, Von einzelnen Werken sei erwähnt das
Medailles med. de Postume. Paris 1845 (S.-A. Relief von Ravenna, Conze, Die Familie des
aus Bev. num. 1844) p. 29 — 42; Fröhner, Les Augustus, ein Relief in S. Vitale zu Ravenna.
medaillons de l'empvre p. 41. 81—82. 245—246. Halle 1867. 4°. Bemoulli 2, 1 p. 254 — 260
256—258.272; speziell für Commodus als Her- Tfl. 6; die Statue des Augustus von Prima
eules Eckhel 7 p. 125—126, 131. Spanhemius Porta, Otto Jahn, Aus der Altertumswissen-
p. 492. Fröhnerv- 142-146. Zürcher, Commodus Schaft p. 285—304 Tfl. 6. Bemoulli 2, 1 p. 24
in Büdinger, Unters, z. riim. Kaisergesch. 1 — 27 nr. 6 Fig. 2; die Halbfigar des Commo-
p. 247 — 248. Beurlier p. 38 — 39; für den Bei- 20 dus mit den Attributen des Hercules im Kon-
namen Zivg Letronne, Inscr. de l'Eg. 1 p. 81 servatorenpalast , P. E. Visconti, Commodo
— 82 zu nr. 9 u. Rech. p. s. A l'hist. de l'Eg. rappresentato come Ercole Romano busto sino
p. 161. Hertzberq 2 p. 333 Anm. 82 (Hadrian); al torace, Bull, della commiss. arch. munieip.
für einzelne mit bestimmten Göttern gleich- 3 1875 p. 3 — 15 tav. 1. 2. Bemoulli 2, 2
gestellte Personen: Augustus: Krall, Wiener p. 229 — 230 nr. 1 Tfl. 61; vgl. p. 22S, 242 —
Studien 5 p. 315 Anm. Livia, J. Aschbach, 243, 253; auch C. L. Visconti, Di una statua
Livia, Gemahlin d. Kaisers Auqustus. Denkschr. quasi colossale rappr. l'imp. Traiano Decio,
d. K. K. Ah. d. W. Ph.-H. Kl. 13. Wien 1864. Bull, della commiss. arch. comun. 7 1879
[p. 29 — 84] p. 56, 81 f. Hertzberg 2 p. 13 u. p. 128 — 141 tav. 19. 20. Für die Gemmen
Anm. 15. A. de Ratich, Ann. cl. Inst. 1847 so s. aufser den Ikonographieen auch King, Ant.
p. 282— 283; Gaius, W. Hoeci, Rom. Gesch. 1, 3 gems and rings 1 p. 229 f. Hervorragend
p. 235 — 238. Beurlier p. 37 — 38. Keim p. 76 darunter sind der grofse Pariser Cameo
— 78; Nero, Eckhel 6 p. 269— 270, 275 f., 278. (Camee de la Sainte Chapelle) , über den
de Witte p. 30. Spanhemius p. 492. Beurlier ältere Litteratur giebt Böttiger, Kl. Sehr. 2
p. 38; Domitian, Keim p. 78; Hadrian, Dürr, p. 296 Anm. *, neuere Bemoulli 2,1 p. 275
Die Reisen des Kaisers Hadrian. Wien 1881. Anm. 1 Tfl. 30, wozu man fügen kann King,
Anhang (p. 104 — 123) passim. Beurlier p. 38 The handbook of engraved gems. London 1866.
Anm. 6; über die Beinamen Olympius des p. 57 — 60. Ant. gems and rings 2 PL 51.
Hadrian und Commodus, Spanhemius p. 497 H. Middleton, The engr. gems of classical
— 499. Eclhel 6 p. 518, 7 p. 136-137. Preller 40 times. Cambridge 1891.' p. 61. Heydemann,
p. 793. Hertzberg 2 p. 332 Aum. 77, p. 335 Pariser Antiken p. 66 — 68 nr. 1. E."Babelon,
Anm. 89, p. 337 Anm. 96; über die Beinamen le cabinet des antiques de la bibliotheque na-
lovius und Hereulius des Diocletian und tionale. Livr. 1 PL 1; der sehr ähnliche Cameo
Maximian und anderer Kaiser jener Zeit, Span- Hawkins, Wieseler, Über einen bisher nicht be-
hemius p. 495. Eckhel 8 p. 8, 19 — 20. Beurlier kannten Onyxcameo mit einer Replik der Dar-
p. 39 — 40, 347; über das Beiwort Soter: lul. Stellungen auf dem oberen u. mittleren Streifen,
Cur. Schlaegerus , Commentatio de diis homini- des gr. Pariser Cameos de la Sainte Chapelle,
busque servatoribus ex numis atque marmori- Gott. Nachr. 1882 p. 709—793. Bemoulli 2, 1
bus petustis. Helmaestadii 1737. 4°. p. 277 Fig. 45; die gemma Augustea in Wien,
Über die Vergleiche der Kaiser mit den 50 worüber die ältere Litteratur bei W. H. E.
Göttern bei den Dichtern s. Alfr. Finckc, De Koehler, Über 3 Gemmen der K. K. Sammlung
appellationibus Caesarum honorificis et adula- zu Wien, Ges. Sehr. 5 p. 24. 25, die neuere bei
toriis usque ad Hadriani aetatem apud scrip- Bemoulli 2, 1 p. 262 Anm. 1 Tfl. 29, wozu
tores Romanos obviis. Regimonti 1867; spe- kommt King, Ant. gems and rings 2 PL 52,1.
ziell für Augustus Boissier p. 134 — 137. Pauckcr, Über die gröfseren Cameen verschie-
Feldbausch p. 231 f. Th. Pluefs , Die Gott- clener Sammlungen , insbesondere über die s. g.
menschlich!; eit u. die Wiedergeburt des Octavi- Gemma Augustea zu Wien, Sitzungsber. d.
anus Augustus, Jahrbb. f. id. Piniol. Bd. 101. kurländ. Ges. f. Litt. u. Kunst v. 7. Nov. 1856.
1870 p. 146 — 152. Andr. Weidner, Commen- F. de Mely , Le grand camee de Vienne, Gas.
tariolum Horatianum. Merseburg 1869. 4". 60 arch. 11 1886 p. 244 — 253 PI. 31; für die
Bentley zu Horaz ep. 2, 1, 16. Passow , Leben spätere Zeit s. Fr. Wieseler , Über einige be-
des Horaz p. CXV. Kiefsling , Zu Augustci- achtenswerte geschn. Steine des 4. Jahrh. n. Chr.
sehen Dichtern 1881 p. 92, w.ozu vgl. Premier, Abt. 2, 1. Gott. 1884. 4° (aus dem 31. Bde.
Jahresber. üb. d. Mythol. aus d. J. 1S76—1885 der Denkschr. d. Ak. d. W.).
= Jahresber. iib. d. Fortschr. d. kl. A.-W. Die Darstellung in Gestalt von Göttern
Supplt.-Bd. (25. Bd.) p. 449. 0. Jahn, Aus der war übrigens nicht auf die Kaiser beschränkt,
Altertumswissenschaft p. 298 — 301. 0. Jahn, Aus d. A.-W. p. 302. Monumento
Über die unzähligen bildlichen Darstel- delV apoteosi fatta in Aquileja ad una attrice
019
Kakasbos
Kalamos
920
da teatro. Udine 1826. E. Le Blant, Lettre
a M. le baron de Witte sur un sarcophagc chre-
tien portant l'image des Dioscures, Gas. arch.
4 1878 p. 1—6, PI. 1. de Wüte, Lettre ä M.
Fr. Lenormant sur les apothcoses prive'es dies
les anciens, Gas. arch. 4 1878 p. 6—8. Mais
n. v. Duhn, Ant. Bildwerke in Born 3 p. 266,
Sachregister s. v. Porträts. Visconti, Opere
rarie 4 p. 223 — 228 nr. LVI. Personnage ro-
main en Mercure dit le Germanicus. Vor allen
wurde der schöne Liebling des Hadrian, An-
tinoos, unter den verschiedensten Götter-
gestalten abgebildet, Weber, Antiquitates
Antinoi. Gissae 1711. 4°. Frangois Xavier
Bon, Conjectures sur une pierre grave'e repr.
Vapothc'ose d' Antinous, Acad. des B.-L. dre se'r.)
14 p. 117... EclJiel, D. N. V. 6 p. 528 — 639.
Levesoiv, Über den Antinous dargestellt in den
Kwnstdenkmälern des Altertums. Berlin 1808.
4". Cavedoni, Antinoo, Bull. arch. napol. n. s.
4 p. 158. Gregorovius, Kaiser Hadrian p. 267
— 270. Friedländer, Darst. aus d. Sittengesch.
Borns. 36 p. 515—516. Hertsberg 2 p. 345—348.
Kenner, Die Mihissammlung des Stiftes St. Flo-
rian. Wien 1871. 4". p. 71—73. r. Sallct,
Antinous- Hermes auf Münzen von Nicomedia,
Zeitschr. f. Num. 5 1S78 p. 107. Friedländer,
Bepert. p. 408. Dietrichson, Antinoos. Christi-
ania 1884.
Über die Juden und Christen als Gegner
des Kaiserkultus s. Beurlier Partie 6 „Les
ilissidents du culte imperial" p. 263 — 281.
Boissier p. 181 — 182; Fr. Maafsen, Über d.
Gründe des Kampfes zwischen dem heidnisch-
röm. Staat u. d. Christentum. Wien 1882 u. dazu
//. Schiller, Jahresbericht üb. die Fortsehr. d.
II. A.-W. Bd. 32 p. 526; über die aufgeklärten
Spötter in Rom Boissier p. 174 — 181 ; über
die Fortdauer des Kaiserkultus in der christ-
lichen Zeit Boissier p. 182 — 182. Waddington,
Asie-Min. p. 206 — 207 zu nr. 628. de Bossi,
Inscr. urbis Bomae christianae p. X, p. XXV,
p. 337 — 339 zu nr. 767. E. Beurlier Partie 7
„Le culte imp. apres Constantin" p. 283 — 317,
sowie Beurlier, Les vestiges du culte imperial
ä By'ance et la quereile des iconoclastes.
Eine gerechte Würdigung der Kaiser-
verehrung findet man bei Be'uille p. 37 f.
[W. Drexler.]
Kakasbos, kleinasiatischer, in Lykien nach-
weisbarer Gott, welcher zu Pferde dargestellt
wurde. Wir kennen ihn aus zwei Reliefs.
Das eine in der Sammlung des griechischen
Vicekonsuls Vitalis in Rhodos „enthält die Dar-
stellung eines Reiters in barbarischer Tracht,
nach r. reitend, sein Oberkörper en face ; die
R. hebt einen kurzen Stock. Späte Arbeit.
Darunter die Inschrift: Jioytvwg | MoXgrog
Ovaar](ii | os || Ka-naaßä (oder nach Petersen
Kanüeßco) fvxrfv", Loewy, A. E. M. 7 p. 124,
das andere, von E. Petersen in Lewissi ent-
deckt, zeigt den Gott gleichfalls zu Rofs r. h.,
mit Panzerschurz, in der erhobenen R. einen
undeutlichen Gegenstand (Blitzstrahl?) und
darunter die Inschrift 'Egfiaiog Slg \ KovvSaXi
•frfrä KctKaaß'ca svvriv, E. Petersen und Felix
v. Lusclian, Beisen in Lykien, Milyas und
Kibyratis. Wien 1889. 2°. p. 3 Fig. 2 nr 3.
Hierzu gesellt sich ein leider nicht näher be-
schriebenes Relief der Sammlung des Herrn
A. Mirzan in Narlikiöi mit der Inschrift MoXie-
£0? Tgci yXov Kaxüßco iv%r)v, vgl. Movasiov «ßi
ßißXio&rjxrj rfjg \iv 2/ivQvn] ivayyiXmijg a%oXrjg.
llsQioSog SsvTSQct. "Eros ngätov 1875 — 76
p. 30 nr. qX'. Das Fehlen des e beruht wohl
nur auf einem Versehen des Abschreibers.
10 In A. E. M. 13 p. 126 habe ich darauf hin-
gewiesen, dafs dieser Göttername auf dem Rs.
einer sog. gnostischen Gemme (Montfaucon,
L'ant. expl. 2 PI. 173. Kopp, Paläogr. crit.
§ 822—824 S. 299—303. Wessely, Eph. Gr. p. 22
nr. 221) unter einem auf einer Schlange stehen-
den Adler in der Form KAKAIBEYI sich findet.
[Drexler.]
Kakia (Kornia), Personifikation der «axja in
der Allegorie des Prodikos von Herakles am
20 Scheidewege ; Kenoph. Memor. 2, 1, 29. Lustin.
Martyr. apol. 2, 11. Kebes pinax 11. 17. 23.
Bei ihren Freunden heifst sie allerdings nicht
Kania, sondern Evdatfiovia (Kenopli. a. a. 0. 26).
Im schol. Rom. Od. 13, 289, wo es heifst:
Ssvotpcäv aal TtXiaiXXcc r; 'Jgysia dictygdqjovoiv
'.Vpstfjs Kai KaXoKayct&Lag sinöva, vermutet
Nitssch 'Agstfig not Kcmictg, doch s. Berglc,
Poet. lyr. 34, 381. [Höfer.]
Kakios {Kaniog), ein vornehmer Mann, der
so auf dem palatinischen Berge wohnte und zu-
gleich mit Pinarios den Hercules (s. d.) gastlich
aufnahm. Dafür blieb zu Rom das Andenken
beider; das vornehme Geschlecht der Pinarier
dauerte, bis in späte Zeiten, nach Kakios aber
wurde die steinerne Treppe, welche von dem
Palatinus zu dem Circus maximus und dem
Forum boarium hinabführte, in der Nähe von
dem damaligen Hause des Kakios (Atrium
Caci, Preller, Begionen d. St. Born 132), Kaxta
40 -/.li>a| (Scala Caci) genannt, Diod. 4, 21. Ge-
naueres ob. Bd. 1 Sp. 2275 ff. 2284 ff. 2287.
[StolL]
Kakodaimoiiia [KanoSaifiovCa), Personifika-
tion aus dem Pinax des Kebes lOf. ; vgl.
K. K. Müller in der Archäol. Ztg. 42 (1884)
S. 125 f. [Röscher.]
Kakos (Ääxos) = Cacus u. Kakios (s. d.).
Kalabros (KäXaßQog), Bruder des Tainaros
(s. cl); Steph. B. s. v. TaCvagog. Vgl. Kalau-
50 ros. [Röscher.]
Kalaino? {KaXaivcö ?), Gemahlin des Miletos,
Nicaen. ep. 6 v. 2 ed. Brunck. [Wohl Kclaino;
vgl. Parth. 11. Immisch.] [Lorentz ]
Kalaios s. Kalaos.
Kaiais s. Boreaden.
Kalametis s. Klaametis.
Kalamitcs (KceXanivrig), „ein mythischer Arzt
und attischer Heros, der in Athen ein Heilig-
tum hatte", Josef Murr, Die Pflansenioelt in
go der griech. Mythol. p. 280 nach Demosth. or.
XVIII, 129 und Hesych. s. v. KaXcciihng ?jp<ds.
[Apollonios in vita Aeseh. Beklccr, an. 269, 7;
vgl. Suid. bvofia %vqiov. Nach schal. Demosth.
19, 249 (p. 419, 22) war sein eigentlicher Name
Aristomachos; vgl. Bd. lSp. 2865, Z. 56 ff. Höfer.]
Vgl. auch Boscher, D. Heros Adristas, Jahrb.
f. 11. Piniol. 1881 S. 671. [Drexler.]
Kalamos (KaXaiiog), der schöne Sohn des
921 Kalaos Kalchas 922
Flufsgottes Maiandros, war mit Karpos (s. d.), Aulis sagte er die Länge des Krieges voraus,
dem Sonnendes Zephyros und einer der Hören, 11. 2, 300 fi'. Qu. Sm. 6, 61. 8, 475. Ov. Met.
einem zarten j Jüngling von ausnehmender 12, 1 1 ff. Er forderte dort die Opferung der
Schönheit durch die zärtlichste Liebe ver- Iphigeneia (s. d.), deutete im 10. Jahre des
bunden. Als beide einst zusammen in dem Kriegs den Zorn des Apollon (II. 1, 92) und gab
Maiandros badeten und Karpos ertrank, ward den Rat, den Helenos zu fangen (Sero. V. Aen.
Kalamos in seinem Schmerz in ein Schilfrohr 2, 166. KononZi), sowie den Neoptoleinos von
verwandelt; Karpos aber ward zur Frucht des Skyros und den Philoktetes von Leninos zu holen;
Feldes, die jedes Jahr wiederkehrt, Serv. V. Qu. Sm. 6, 57 ff. 9, 327. Zuletzt, als alle
Ecl._b, 48. Norm. Dionys. 11,370 — 481. (Murr, 10 Kraft und Tapferkeit gegen Troja nichts half,
Pflanzenwelt p. 279 — 280.) [Stoll.] riet er zur List und veranlafste mit Odysseus
Kalaos (KaXaög), 1) Phryger, Vater des die Erbauung des hölzernen Pferdes (Qu. Sm.
Attes, Hermesianax b. Paus, 7, 17, 5; vgl. Bd. 1 12, 3 ff. Verg. Aen.H, 185), in das auch er kinein-
Sp. 717, Z. 52 f. — 2) ÄKAaos Sohn des Thyestes, stieg, Tz. Posthorn. 645. Triphiod. 172. Nach
und einer Naiade, Bruder des Aglaos und Orcho- Eroberung der Stadt offenbart er dem Aineias
menos, schol. Hur. Or. 5 (v. 1. KaXaiog). — So- sein künftiges Schicksal und den Ruhm des
pjhokles fr. 144a (Dindorf) nennt ihn KdXiog; zu gründenden Roms, Qu. Sm. 13, 333 ff. Vor
Tzetz. Chil. 1, 449 KdXXaiog; mant. prov. 2, 94 dem Abzug der Aehäer fordert er die Opferung
KdXsvg. Vgl. Kallileon. — [3) = TaXaög, Vater der Polyxena, Serv. V. Aen. 3, 322. — Durch
des Parthenopaios, Schol. zu Soph. Oed. Col. 20 den Sturm, der die heimkehrenden Aehäer bei
1320: "Evioi ov x'ov 'AzaXdvzrjg qoacl Uuq&ivo- Euboia überfiel und zerstreute, wurde Kalchas
naiov ozoazivaai, dXXd z'ov TaXaov , ov tvwi mit Idomeneus und Sthenelos nach Kolophon
Sid tov v. KaXabv nqoaayooivovci, xa-iroijrfp verschlagen, Schol. Od. 13, 159. Zumeist aber
'AqißzttQxas o TsyEßTTjs -Aal i>iXoiiXfig ibzoqovoi, wird erzählt, dafs er und der Seher Amphi-
ovy/ocupicov dt 'Exazaiog o MiXriciog, Ludwig lochos, sowie Leonteus Podaleirios und Poly-
Mercklin, Die Talos-Sage und das sardonische poites, sich den heimfahrenden Achäern nicht
Lachen (aus den Me'm. des sav. etr. T. 7) St. angeschlossen hätten, weil die Schiffe durch
Petersbourg 1851. 4". p. 55 (19) p. 109 (73). die lange Dauer des Krieges angefault waren,
Anm. 184. Drexler.] [Stoll u. Höfer.] oder weil sie den Schiffbruch bei Euboia vor-
Kalaurcates (KaXavQtdzrjg), Beiname des auf 30 ausgesehen und zu Land von Troja abgezogen
der Insel Kalauria verehrten Poseidon; Boeckh seien, [Apollodori JSpit. Vat. 21, 25. Wagn.
in den Monatsber. d. Berl. Akad. 1853 S. 570. Exe. Sabbait., Eh. M. 46, 163. 174, nebst
573. P/ittenberger, Sylloge2d,12 p. 56. Poseidon Wagners Curae mythogr. 256 ff., 290 und Rli.
hatte Kalaureia von Apollo gegen Pytho (oder M. 46, 407. Andere Stelleu bei Immisch,
von Leto gegen Delos, Strabo 8, 373) einge- Klaros {Jahrb. Suppl. XVII) 160 ff.; vgl. nament-
tauscht; Paus. 2, 33, 2. 10,5,6. Slrdbo 8, 374. lieh Lykophr. 427 ff. (nebst Scholl, u. Tzetz.).
Philostephanos im schol. Apoll. Ehod. 3, 1242. Schol. II. 2, 135. Qu. Sm. 14, 360. 366 u. a. ;
Eust. zu Dionys. Perieg. 498. Suid. s. v. s. auch Amphilochos (I Sp. 305 ff.). Immisch.]
üvzß.zv; vgl. Agathem. 1, 5 p. 193 Gron. Plut. Dem Kalchas war prophezeit worden, er werde
Pomp. 24; Schneider zu Eallim. fr. 221. In jo sterben, wenn er einen besseren Weissager treffe,
seinem Tempel war eiu Asyl, Lucian. Demosth. als er selbst sei (Sophokles in der Tragödie' EXiviqg
enc. 46. Pseudo- Demosth. ep. 2, 20 p. 1472. unaizrjoig nach Strab. 14, 643); wahrscheinlich
[Vgl. Earl Eeil, Inschriften aus Griechenland, war die Prophezeiung von Helenos in Troja,
Philologus, Supplbd. 2 p. 622ff. nr. 8, wo die Welcher, Gr. Tr. 1, 123. Den besseren Wahr-
Litteratur über P. K. verzeichnet ist. Drexler.] sager traf er in Kolophon oder vielmehr in
Vgl. Kalauros. [Höfer.] Klaros bei Kolophon, wo das alte Orakel des
Kalaur[e]ia(Aa?.avpiof oder KaXavoaia), eine klarischen Apollon war. Dies war der dort
Nymphe, Uemahlin des Jndos, Mutter des wohnende Mopsos, der Sohn der Manto und des
Ganges, Pseud.-Plut. de fluv. 4, 1. [Lorentz.] Rhakios od. Lakios, mit dem er sich in einen
Kalauros (KdXavgog) , Sohn des Poseidon, 50 Seherwettstreit einliefs und besiegt wurde,
nach dem die Insel Kalaureia ihren Namen Infolge davon starb er vor Trauer, oder er gab
hatte, Steph. B. v. KccXavQSia. Vgl. Kalabros. sich selbst den Tod. Seine Begleiter begruben
[Stoll.] ihn zu Klaros. Die Rätsel, die dem Kalchas
Kalchas (KüXxctg, von KuXxoiiva) , der Sohn das Leben kosteten, haben Hesiod (in der
des Thestor, aus Mykenai oder aus Megara Melampodie) und Pherekydes aufbewahrt, Strab.
(Paus. 1, 43, 1), „der beste der Vogelschauer, 14, 642. 643. Immisch a. a. 0. Jung ist diese
der da wufste das Gegenwärtige, das Zukünftige Sage: Kalchas, mit Mopsos streitend, weissagte
und das Vergangene und den Schiffen der dem lykischen König Aniphiinachos, der das
Aehäer nach Troja Führer war durch seine Amt des Schiedsrichters übte, in einem bevor-
von Apollon ihm verliehene Weissagung", II. eo stehenden Kriege den Sieg, welchen Mopsos
1, 69. Schol. Ap. Rh. 1, 139. Hyg. f. 97. 128. ihm absprach. Mopsos behielt Recht und
Er heifst bei Homer fidvzig, oiiovonöXog, &io- wurde noch mehr geehrt; aber Kalchas gab
Ttgönog oicoviBzrjg, II. 1, 69. 92. 13, 70. Nagels- sich den Tod, Eono>i 6; (vgl. Immisch 144
bach, Hom. Thcol. 151 Anm. u. 164. Er leitete nr. 4. Höfer, Konon 88). Auf Euphorion ist
die Aehäer vor dem Krieg und während des- die folgende Sage mit einiger Wahrschein-
seiben, so dafs sie zum Ziele kamen. Er ver- lichkeit zurückzuführen: Als Kalchas im Haine
kündete, dafs ohne Achilleus Troja nicht ge- des Apollon bei Grynoi im Gebiet von Myrina
nommen werden könne, Apollod. 3, 13, 8. Zu in Aiolis Reben pflanzte, prophezeite ihm ein
923 Kalchas Kaie 924
benachbarter Weissager, dafs er von dem Weine hingen des K. finden sich auf dem Gemälde des
nicht trinken werde. Nachdem der Wein ge- Timanthes (s. Iphigeneia n. vgl. Reibig, Wand-
keltert war, lud Kalchas unter andern Gästen gemälde nr. 1304 u. 1305, wo auch weitere
auch den Weissager ein. Schon hielt Kalchas Litteratur angegeben ist), ferner auf der Tabula
den vollen Becher in der Hand, da wiederholte Iüaca C. I. Gr. 6125; vgl. auch Arch. Ztg. 4,
der Seher seine Weissagung; Kalchas brach 286 (?). 9, 103*. R] [Stoll und Immisch.]
darüber in Lachen aus und erstickte, bevor er Kalchedonia (Kal%rj8ov£u), von Zeus Mutter
getrunken, Serv. V. Ecl. 6, 72. (G. Schnitze, des Solymos, von dem die Solymer stammten,
Enphorionea 5 Off. Knaack, Jahrb. 1888 150ff. Antimavhos b. Schal. Od. 5, 283 = fr. 16 b.
Immisch 149.) Kallinos erzählte, Kalchas sei 10 Bergk, P. X.4 2, 292. Bei Steph. B. v. ütaiSta
in Klaros gestorben, seine Begleiter aber, heifst sie XaXSqvT]. [Stoll.]
die von Troja mit ihm gezogen, seien mit Kahhiiiia (Kul%ivia), lochter des Königs
Mopsos über den Tauros gezogen und zum Leukippos in Sikyon, welche dem Poseidon
Teil in Pamphylien geblieben, zum Teil den Peratos gebar. Leukippos erzog den
weiter gegangen bis nach Kilikien , Syrien Beratos und hinterliefs ihm die Herrschaft,
und Phönikien, Strab. 14, 668, vgl. Eerodot Paus. 2, 5, 7. Lauer, System 391. [Stoll.]
7, 91. Paus. 7, 3, 4. Qu. Sm. 14, 367. Pam- Kalchos (KdX%og), König der Daunier, Ge-
phylier, die mit Kalchas von Troja abzogen, liebter der Kirke, die ihn jedoch, als sie mit
bildeten einen Teil der Bevölkerung von Ery- Odysseus Umgang pflog, nicht mehr auf ihre
thrai, Paiis. 7, 3, 4; daher das Bild des 20 Insel liei's. Seinem Andringen nachgebend,
Kalchas auf einer Münze dieser Stadt, Mionn. lud sie ihn endlich zum Mahl und verzauberte
3, 130. [Die Münze zeigt nicht das Bild des ihn durch vorgesetzte Speisen. Als nach
K. sondern den Beamtennamen KAAXAX. einiger Zeit ein Heer der Daunier, den König
Dagegen sieht Svoronos, 'Ecprjfi. <xqx- 1890 suchend, bei Kirke erschien, gab sie ihn zu-
Sp. 165 — 170. Pinax 8, 29 — 31 das Haupt des rück gegen das Versprechen, dafs er ihre Insel
Kalchas (nr. 29) und das seines Sohnes (nr. 30. nie mehr betreten und von jeglicher Werbung
31), nach welchem laut Hesych. Mil. § 21. abstehen wolle, Parthen. 12. (Vgl. Kalchas.)
F. IL G. 4 p. 150 Cbalkedon benannt ist, auf [Stoll.]
älteren Münzen dieser Stadt. — Ecktet 2 p 411. Kaie (Kalrf), 1) eineNereide, C. I. Gr. 4 nr.8406.
Mi. 2 p. 421. S. 5 p. 25. Leake, Num. Hell, so — [2) Eine der 3 Chariten (= Aglaia), Schwester
As. Gr. p. 40. Head p. 438 lassen diese Häupter der Pasithea und Euphrosyne, von Teiresias
unbenannt, während WarvAck M'roth, C. Gr. [dem Schüler des Cheiron in der Mantik,
C. Brit. Mus. Pontus , Paphlagonia , Bithynia Tümpel], in einem Schönheitswettstreit mit
p. 124 an Zeus und Apollon denkt. Drexler.] Aphrodite für die Schönste erklärt. [Als Tei-
Sophökles in der oben erwähnten Tragödie resias von der erzürnten Aphrodite in ein
verlegte mit andern den Wettstreit des Kai- altes Tagelöhnerweib verwandelt wird, spendet
chas und Mopsos und seinen Tod nach K. diesem zum Tröste schönes Haupthaar und
Kilikien, das er Painphylien nannte, Strab. führt es nach Kreta; vgl. 'Nachträge' zu Bd. II
14, 643. 675. In Pisidien soll Kalchas die u. 'Araehnos'. Tümpel]: Sostratos b. Eustath.
Stadt Selge gegründet haben, Strab. 12, 570. 40 zu Rom. x 492; vgl. R. Wagner im Reimes 27
Eustath. Vionys. Per. S58, ebenso lialcbedon am (1892) S. 132 u. 136, der an Rom. 2 382f. er-
thrakischen Bosporos (wohl wegen der Namens- innert. Röscher.] — 3) [KAAH als Beischrift einer
ähnlichkeit, richtiger Maafs, Herrn. 23, 619; Bakchantin fafst Heydemann, Satyr- u. Bakchen-
doch vgl. Immisch 15S nr. 2), Hesych. Miles. namen A, T, W, f. y. nicht als Namen der-
in Müller, hist. gr. fr. 4, 150, 21. Auch in Italien, selben p. 12 Anm. 43; vgl. O. Jahn, Vasenbildcr
in demfrühzeitiggräcisiertenApulien (Daunien), p. 18 Anm. 27. — i) Stephani, Der ausruhende
zeigte man ein Grab und ein Tiaumorakel des Herakles p. 16 sieht auf einem Vasengemälde
Kalchas auf dem Gipfel des Hügels Drion; am „den Gedanken, dafs die wahre Glückseligkeit
Fufse desselben war das Grab des Podaleirios. in reichlichem, mit Liebesgenufs verbundenem
Ebenso war in Siris in Lucanien ein Grab des so Mahle, in Gesundheit, langem Leben und
Sehers Kalchas, den Herakles durch einenFaust- Schönheit besteht, dadurch ausgesprochen, dafs
schlag getötet haben sollte, doch will Tzetzes Eudaimonia von Pandaisia mit herzuschweben-
diesen nicht für den Thestoriden, der in Argos dem Eros, von Hygieia, Polyetes und Kaie um-
begraben sei, anerkennen: Lykopin: 978 ff. geben ist"; ebenso fassen das Bild Minercini,
1047ff. nebst Schol. und Tz. Strabo 6, 284. lllitstr. di im vaso di Ruvo 1845 und de Witte,
Preller, Gr. M. 2, 480. 482 f. [Rohde, Psyche Eev. arch. 2 p. 550 ff. Elite ceramogr. 2 p. 61.
1, 175. Immisch 158ff. Wahrscheinlich liegt Ann. dell' Inst. 17 p. 414ff. Auch Heydemann,
der Sage eine Umbildung des einheimischen Heroisierte Genrebilder auf bemalten Vasen,
Königs Kalchos zu Grunde (vgl. Kalchos).] Commentationes philol. in hon. Tli. Mommscni
— Tzetz. Posthorn. 666 beschreibt den Kai- CO p. 164 Anm. 6 ist nicht abgeneigt auf dieser
chas als klein und schmächtig, von weifser zweifach (Jahn, Vasen mit Goldschmuck Tf. II,
Haut, mit dichtem grauem Haar und ganz 1. 2 u. 3. 4 = Brit. Mus. 1263 u. Dresd.
weifsem Bart. — Ein Bruder des Kalchas war Antik. 88) erhaltenen Darstellung xaln hier
Alkmaou, II. 12, 394, Schwestern desselben „im Hinblick auf Hygieia u. s. w. ausnahms-
Leukippe und Theonoü, welche ihr Geschick weise als weiblichen Eigennamen (vgl. Antli.
auch nach Kleinasien führte, Hyg. f. 190. Von Palat. 7, 599 u. a.) zu fassen und zu deuten".
Schol. II. 13,45 wird Kalchas unter die Herolde — 5) Auf einer Hydria fafst de Witte KAUE als
vor Troja gerechnet. [Bildliche Darstel- Namen der dargestellten Amazone, de D'itte
925
Kaie Thea
Kalligeneia
926
Descr. d'une coli, de vases peints et de bronses
provenawt des fouilles de l'Etrurie, Paria 1837
p. 92 nr. 145. — 6) Ebenso hält er auf einer
Hydria mit Darstellung von drei bestimmt
durch ihre Attribute als Musen, [TEJPYIXOPA,
[0JAAEIA, KAAAIOr[H] charakterisierte Frauen
und zwei anderen, von denen die eine ohne
Beischrift ist, während bei der anderen KAAH
steht, dieses für den Namen der Frau, die er mit
der anderen nicht mit einer Beischrift ver- 10
sehenen, gleichfalls für eine Muse erklärt,
Cat. d'objets d'art . . . composant la coli, de
M. Castellani. Paris 1866 p. 21 nr. 50. Cat.
d'une coli, de monum. ant. (de M. Paravey).
Paris 1879 p. 20 nr. 42. Drexler.] [Lorentz.]
Kaie Tbea. Eine Inschrift von Ramleh
lautet: @sä -AaVq \ Iv HavSoixn \ Kai ovv-
M ,W , , , ,
väoig | &£otg | AfijMOVUQLOV \ HqcoSov actrj
äv£&r)Y.£v, F. G. Kennyon, Class. rev. 5 1891 2o
p. 483; vgl. p. 486 und Atlienaeum 1891,
14. Nov. [Drexler.]
Kaieon (Kultmv), Flufsgottheit, erscheint auf
Münzen der Sabina von Smyrna, mit der Bei-
schrift KAA€ßN, gelagert, das Füllhorn in der R.,
den 1. Arm gestützt auf eiue Urne, Mi. S. 3,
341, 1694—1696; vgl. Note a. Cat. de Moustier
p. 85 nr. 1305. Head, H. N. p. 510. [Drexler.]
Kaleos s. Kalaos.
Kaieros (Ä'a'Ar/gos), ein König, von welchem so
Alopekonnesos den Namen Kaieros hatte, Steph.
B. s. v. [Stoll.]
Kalesios (KaXrj6iog), Gefährte des Axylos
vorTroja, aus Arisbe, von Diomedes erschlagen,
IL 6, 18. Tzetz. Rom. 113. [Stoll.]
Kaietor (Kalrixiaq) , 1) Sohn des Klytios,
Vetter des Hektor, von Aias erlegt, II. 15,
419. Paus. 10, 14, 2. [Vgl. die Tabula Iliaca:
C. I. Gr. 6125. R.] — 2) Vater des vor llion
von Aineias erschlagenen Aphareus, II. 13, 541. 40
[Stoll.]
Kaleus s. Kalaos.
Kalia s. Kolias.
Kaliadue (KaXLÜSvr)), eine Nymphe, die dem
Aigyptos 12 Söhne gebar, Apollod. 2, 1, 5 (b.
Heyne u. C. Müller KaXiävärf). [Stoll.]
Kaliande s. Kaliadne.
Kalias (KaXuig), Beiname der Aphrodite in
einer samothrakischen Inschrift bei Conze,
Meise auf den Inseln des thrakischen Meeres 50
p. 69, nach Usener, Eh. Mus. N. F. 23 1868
p. 324 Anm. 16 „sicher keine KmXidg, schwer-
lich mit K. Keil {Piniol. XXIII p. 614) her-
zuleiten von naXid, 'Aphrodite in der Grotte'".
Vgl. Kolias. [Drexler.]
Kalike s. Kalyke.
Kallianassa (KuXXiävaßea), Nereide, II. 18,
46. Hyg. praef. p. 29 Bunte. Braun, Gr.
Götterl. § 99. [Stoll.]
Kallianeira (KaXXiäveiga), Nereide, II. 18, co
44. Braun, Gr. Götterl. § 99. [Stoll.]
Kalliaros (KaXXiagog), Sohn des Odoidokos
und der Laonome, nach welchem die gleich-
namige Stadt der opuntischen Lokrer benannt
war, Hellanikos bei Steph. B. s. v. Bei Schol.
11.2, 531 heifst er Kalliaraos, Sohn des
Opus. [Stoll.]
Kalliaraos = Kalliaros (s. d.).
Kallias (KaXXi'ag), 1) Sohn des Temenos, Bruder
der Hyrnetho, der Gemahlin der Dei'phontes,
Apollod. 2, 8, 5. [Stoll.] — [2) Name eines Satyros
auf einem rotfig. Kylix: C. I. Gr. 7473. Heyde-
mann,Sat.-u BakchennamenS.W. R.] — [3)KAA-
AIAZ KAAOX neben Theseus u. Antiope auf einer
Vase bezieht Welcher , Hy perbor. -röm. Stud. auf
Theseus, „als den Helden, dessen Schönheit die
Amazone gerührt hat"; ihm widerspricht mit
Recht 0. Jahn, Arcli. Beitr. p. 149. Drexler.]
Kal(l)icliora (KaXXixoga), beigeschriebener
Name einer Nymphe auf einer schwarzfigur.
Vase, welche den Kampf des Herakles mit
Triton darstellt: C. I. Gr. 7591. [Röscher.]
[Broendsted, A brief description of thirty-
two ancient greek painted vases. London 1832
p. 15 — 18 nr. 7. Eine Quelle bei Eleusis
hiefs Kallichoros, Apollodor. 1, 5, 1; Broendsted
p. 16 Anm. 12. Drexler.]
Kallicliore (KaXXixögrj), eine Bassaris, Be-
gleiterin des Dionysos nach Indien , Nonn.
Dlonys. 14, 221. [Stoll.]
Kallidike (KuXliöUrf), 1) Tochter des Danaos,
vermählt mit dem Aigyptiden Pandion, Apollod.
2, 1, 5. — 2) Eine der Töchter des Fürsten
Keleos in Eleusis, Hom. h. in Cer. 109. —
3) Königin der Thesproter, vermählt mit Odys-
seus, dem sie den Pofypoites gebiert, ihren
Nachfolger in der Herrschaft, Telegonie des
Eugammon in Prolä. Chrestom. (Schol. in Hom.
11. ed. Bekker p. III). Preller, Gr. Myth. 2, 468.
[Stoll]
Kalliergos (KuXXCzgyog), Beiname der Athena
auf einer Weihinschrift aus Epidauros 'dd-nväg
KalXiigyov — AnoXXäviog . . . 7ivQoq>OQrJGag,
Kabbadias in ephem. arch. 1884 28 = BaunacJc,
Studien auf d. Gebiete des Griech. etc. 1, 102
nr. 72. [Höfer.]
Kalligeneia (KalXiytvi «2; vgl. Lobeck, Para-
lip. p. 321), eigentlich Demeter selbst als Mutter
des schönen Kindes (A'o'pr;) und Dämon des
Kindersegens; oder SaifimvTisglx. A:\unxgav, Ari-
stoph. Thesmoph. 298 und Schol. Nonn. 6, 140
(K. Briv svTiaiäa xi&i]vr]v; nach Phot. lex. 127,
10 xgocpog), die Tochter des Zeus und der De-
meter, Phot. lex. 127, 9; oder = rty^l(r>l) Apollod.
bei Phot. lex. a. a. 0.; oder eine Dienerin und,
Priesterin der Demeter, C. I. Gr. 3 nr. 5432.
Hesych. s. v. Als Schwur gebräuchlich war:
[ia trrv KaXXiyivaav , Alciphr 2, 4. Ihr zu
Ehren wurde das Fest der KuXXiytvELcc ge-
feiert (xit KaXXiyivua &vsi,v), Alciphr. 3, 39.
Flut, quaest. graec. 31. Preller, Gr. Myth. 1, 640
Anm. 3. Demeter u. Perseph. S. 346 u. Momms.,
HeortolSOlL 295; vgl. Kolias. [Lorentz.] [Kalli-
geneia will Stephani erkennen in einigen in
Südrufsland gefundenen Terracotten, die eine
kleine weibliche Figur auf den Schultern bald
einer, bald zweier weiblichen, von ihm im
Widerspruch gegen Overbeck, Demeter u. Kora
p. 488 auf Demeter und Kora gedeuteten
Figuren getragen zeigen, C. r. p. l'a. 1S76
p. 184 ff., speziell p. 203—204: „dafs aber Kalli-
geneia von ihnen auf der Schulter getragen
wird, ist . . . nichts anderes, als ein Ausdruck
für die engste, natürlich mit sympathischer Ge-
sinnung verbundene Zugehörigkeit"; s. bes.
auch Usener, Kallone, Eh. Mus. N. F. 23 (1 868)
927 Kallikarpos Kallipolis 928
p. 329 Anm. 32, p. 360. Drexler.] Der Bedeu- des Ann. de VInst. arch. tom. 17) Paris 1846.
tung nach vgl. Kalliteknos. p. 17 u. Note 2. Gerhard, Ges. ah. Äbh. 1 p. 55,
Kallikarpos (Ka.llh.aq%og) , Sohn des Ari- p. 122 Anm. 106*; 107. p. 137. 307 Anm n.
staios (s. d.), Bruder des Charmos, auf Sardinien Heydemann, Mitteilungen a. d. Antikensamm-
geboren, Diod. Sic. 4, 82, 4. [Lorentz.] Jungen in Über- u. Mittelitalien p. 116. Kaum
Kallikelados (KaV.tKs?.aäog), Beiname des mit Recht will de Witte, Deser. d'une coli, de
Bakchos; frg. adesp. 115 b. Bergk, Poet. lyr. vases peints etbronzesant.provenant des fouilles
34, 725; Tgl. den Beinamen Keladeinos (Kala- de l'Etrurie. Paris 1837. p. 130 nr. 293 auf
äsLvog) Anth. Pal. 9, 524. [Höfer.] einem Spiegel bei Micali, Storia tav. 50, 1
Kallikrates (KctX\_l]i-Agazr]g), beigeschriebe- 10 mit der Befreiung des Prometheus (Prumathe)
ner Name eines der von Theseus durch die durch Kastor (Castur) und CAl'AMICE unter
Erlegung des Minotauros befreiten athenischen letzterem statt Herakles den Polydeukes er-
Jünglinge auf einer schwarzfigurigen Amphora: kennen. Dresler.] [Vgl. ferner die von Bergk,
C. 1. Gr. 7719. [Röscher.] poet. lyr. 2 4 p. 418 angeführten Stellen und
KaMikriie (KaHr/.Qizri), eine Nymphe, Tochter aufserdem Eur. Herc. für. 180. 582; vgl. 49.
der Kyane, Plat. Theag. 125 d. e. [Lorentz.] 570. 681. 788. 961. 1046. — Lukian. Piscat.
Kaliilampetes (ÄKHtAafiÄETTjs), Beiname des 31. Anth. Pal. 11, 269. Plut. de exil. 18.
Helios; Andkreon fr. 27 (25). Etym. M. 670. Kikephoros progymn. bei Walz, rhet. 1, 491.
19. Cramer. an. Ox. 3, 389, 21. 390, 14. Fa- Suid. s. v. 'laß-, Weihinschrift an den Herakles
vorin. 363; ähnlich y.alliquyyrig Eur. fr. 781, 20 KulXCvs ir.og vom Berge Pagos bei Smyrna,
11; vgl. Bd. 1 Sp. 2001, 51ff. [Höfer.] Mavesiov «et ßißl. 5 (188586), S. 93 nr. 267;
Kallileou (KuXXtXitav), der sonst Kalaos vgl. Larfeld in Bursian's Jahresb. 66 (1891),
(s. d. u. Bd. 1 Sp. 714, 30) genannte Sohn des 72. Nach Eesych. s. v. hiefs KalUvwog auch
Thyestes, Bruder des Agoos (s. d. im Anhang) ein Tanz inl xy zov KiQßsQov ävaycoyy. —
und Orchomenos (Apollodor. bibl. frg. Vat. ed. 2) Beiname des Dionysos, Eur. Bakch. 1147
Wagner 2, 10, 4). [Steuding.] vgl.- 1161. Höfer.]
Kallimaelios (KAAAIMAXOS) heifst auf einer Kalliope s. Musen.
Vase von Cumae der Begleiter des von der Kalliphaeia s. Ionides.
Eos verfolgten Kephalos, Bull. Napol. 1 Tav. 1. KaUiphora (KaX[l]t.q>6pa), beigeschriebener
Minervini p. 5. Avellino p. 35ff. Schultz, Bitll. 30 Xame eines Rosses des Demophon auf einer
delV Inst. 1842 p. 9f. Gerhard, A. Z. 1 p. 59f. schwarzfig. attischen Amphora in Berlin; Furt-
0. Jahn, Arch. Beitr. p. 141. Stepliani, C. r. ivängler nr. 1720. [Röscher.] [C I. G. 4154.
p. l'a. 1SG7 p. 88. Franz Winter, Die junge- Jeschonnek p.43. — Arthur Schneider, D. troische
ren attischen Vasen p. 71, XIV, B nr. 16. Sagenkreis in der ältesten griech. Kunst p. 109
[Drexler.] schlieist sich Brunns (Troische Miscellen 3
Kallinikos (KuXXivixog), Beiname des Hera- p. 172) Ansicht an, dafs der Maler in dieser
kies als des Beschützers vor allem Übel, Archil. Scene „wohl weniger den troischen Krieg an
bei Schol. Arist. Acharn. 1227. Apollod. 2, 6, 4. sich, als die Verherrlichung zweier athenischer
ep. bei Diog. Laert. 6, 2 nr. 6. Suidas s. v. Namen im Auge hatte. Ebenso lautet auf
G. I. G. 2 nr. 2385. Preller, Gr. Myth. 2, 236. 40 einer schwarzfigurigen Amphora des Exekias
271. 272. [Lorentz.] [Aristid. Ur. in Herc. aus Vulci der Name eines der Pferde am
t. 1 p. 34. Boeckh, Expl. Find. p. 187. S. be- Viergespann des Anchippos, C. I. G. 8155;
sonders auch die Erklärungen des pompejani- Jeschonnek p. 43. Derselbe Name auf einer
sehen Graffito: schwarzfigurigen Vase aus S. Agata de' Goti
- . . > .,, <rr ,- mit dem Auszuge des Amphiaraos IC. I. G.
0 rot; Jtog Ttaig xocfJ.LViixog Hoav.lng _.„, ■ A tt- 7 7 oj 7 m 1000 o
,r „, ,,. , ., ■, • , ' . <ill) wird von Welcher, Schulzeitunq 1832. 2
L J ' ' ' p.2l3f. und Gruneisen, Altgricüi. Bronz. p. 64t.
(Eaibel, Epigr. Gr. 1138) von Minervini, Bull. mit Hinweis auf den Peplos, durch welchen
arch. napol. n. s. 4 p. 33 — 35. Buechclcr, Rhein. Thersandros die Eriphyle zum Verrat an Alk-
Mus. N. F. 12 (1857) p. 247 — 248. Dilthcy, 50 maion bestimmte, auf diese bezogen, dagegen
Epigrammata Graeca in muris pieta. Göttinger von Minervini, Bull, dell' Inst. 1842 p. 44 ff.
Lekiions-Katalog, Wintersem. 1878/79 p. 3—10. Bull. arch. napol. 2 p. 122. 0. Jahn, Arch.
— Minervini p. 35 u. Dilthey p. 8 Anm. 1 stellen Beitr. p. 140 und E. Curtius, C. I. G. a. a. 0.
v.ullCviY.oq gleich dXst,Ua-/.og. Das löwen- als Name eines Rosses des "Agiozog (Adrastos
würgende Bild des Herakles erscheint gernäfs oder Alkmaion) erklärt. [Drexler.]
der Vorschrift des Alexander von Trolles de Kallipüös {KaU.icpäg), einer der vielenNamen
medicam. not. 1. x. c. 1 auf Amuletten gegen des Sonnengottes in einer Beschwörung des
die Kolik, Macarius, Abraxas ib. XXII nr. 89. grofsen Pariser Zauberpapyrus, Wessely, Griech.
90 p. 127. Cli. Lenormant, Her. arch. 3 (1846) Zauberpapyrus von Paris und London p. 59
p. 510— 511 (mit der Aufschrift ANAXOJPI KOA€ 60 vs. 594; Dieterich, Abraxas p. 49. [Drexler.]
TO AION C€ AIOK6I = avayaQti, %olri, zo Kallipolis (KaXkinolig), Sohn des Alkathoos,
ftziov öf bids-Asi); Edm. Le Blant , Bev. arch. Königs in Megara. Als die Nachricht kam,
3e ser. 3. 18S3 p. 43 nr. 10. Auf den etrus- dafs sein älterer Bruder Isehepolis auf der
laschen Spiegeln bezeichnet Calanice nicht kalydonischen Jagd umgekommen, eilte er auf
selten den Herakles, Müller, Hdb. d. A. d. die Burg, wo sein mit dem Unglück noch un-
K. § 390, 2. 410, 1. Baoul-Bochette, Me'm. bekannter Vater dem Apollou opferte, und
sur Atlas p. 58 f. (). Jahn, Lettre ä M. J. de warf die Holzscheite vom Altar. Der Vater,
Witte sur les representations d'Adonis (Extr. von Zorn erfafst, erschlug den Sohn mit einem
929 KallirrLoe Källis 930
Feuerbrand. Sein Grabmal wurde zu Megara multum dicitur rupti amoris clulce flevisse con-
gezeigt, Paus. 1, 42, 7. 43, .5. [StolL] sortium; lianc comocdiam scripsit Atines Celer
Kallirrhoe (KaXXiQQÖri, KuXligürf), 1) Tochter pueriliter", s. 0 Jahn, Arcli. Beitr. p. 331
des Okeanos und der Tethys, von Chrysaor — 332, Anm. 9, der den Namen des Dichters
Mutter des Geryones und der Echidna, Hes. für unrichtig, die Angabe einer Komödie für
Theog. 288. 297. 351. 981. Hom. H. in Cer. sehr verdächtig erklärt. Drexler.] — 4) Toch-
419. Apollod. 2, 5, 10. Tzcts. L. 651. Hyg. ter des Maiandros, zeugte mit Kar den Ala-
praef. extr. f. 111. Mit Poseidon zeugte sie bandos, Steph. B. v. 'AXäßaväu, [ — 5) Toch-
den Minyas, Tzets. L. 874, mit Neilos die ter des thrakischen Flufsgottes Nestos; Steph.
Chione, Serv. V. Aen. 4, 250, nach lydischer 10 B. s. v. Biorovia. R.] — 6) Tochter des Lykos,
Sage mit Manes, dem ersten König der Lyder, Königs in Libyen, welcher den nach der Zerstö-
den Kotys, Dionys. A. B. 1,27. — 2) Tochter rung von Troja dorthin verschlagenen Diomedes
des Acheloos, Gemahlin des Alkmaion, Apollod. fesselte, um ihn dem Ares zu opfern. Die Jung-
3, 7, 5. 6. Paus. 8, 24, 4, s. Alkmaion und frau, von Liebe zu dem Helden ergriffen, befreite
Amphoteros. — [Ihr Haupt, geziert mit Perlendia- ihn; aber Diomedes liefs die Wohltbäterin im
dem und Halsband, erscheint im Quadratum Stich und fuhr davon, worauf diese sich erhängte,
incusum auf dem Rev. von Silbermönzen des Flut. Paroli. Gr. et B. h. 23. — 7) Eine
5. Jahrhunderts von Stratos mit der Aufschrift Jungfrau in Kalydon. Koresos, ein Priester des
£-T-R-A, deren Obv. der bärtige Kopf des Dionysos, warb mit heifser Liebe um ihre
Acheloos mit Stierohren einnimmt, Imhoof 20 Gunst, wurde aber beständig zurückgewiesen;
Blumer , Die Münzen Akarnaniens , Num. darum wendete er sich flehend an seinen Gott,
Zeitschr. 10 1878 p. 158 nr. 1 Tfl. 1, 20; des- und dieser liefs nun Wahnsinn wie eine Pest
gleichen ohne Schmuck, Prokesch- Osten, Abh.d. unter den Einwohnern wüten. Das dodonäische
Berl. AI;. 1845 Tfl. 3, 67. Imhoof p. 158 nr. 2 Orakel weissagte, damit der Zorn des Gottes
Tfl. 1, 21. C. Gr. C. Brit. Mus. Thessaly to und das Übel ende, müsse Kallirrhoe oder
Aetolia p. 191 nr. 1 PL 29, 15. Head p. 281. einer, der sich für sie stelle, von Koresos ge-
Etwa in der Zeit von 400 — 350 sind eben- opfert werden. Schon standen das Opfer und
daselbst Bundesmünzen mit den gleichen der Opferpriester am Altare bereit, da wurde
Typen geschlagen; die Reversaufschrift lautet Koresos aufs neue von Liebe ergriffen und
A-K; das Haupt ist hier nach C. B. Mus. mit 30 tötete sich für die Jungfrau. Diese tötete
einer Taenia, nach Imhoof mit einem Perlen- sich darauf, von Scham und Reue ergriffen, an
diadem geziert, Imhoof p. 14 nr. 1. C. G. C. einer Quelle, die nach ihr benannt wurde,
Brit. Mus. Tliess. p. 168 nr. 1 PI. 27, 1. Head Paus. 7, 21, 1. Vgl. Kall; mann, Pausanias der
p. 282; oder der Rev. trägt die Aufschrift Perieget p. 133. — 8) Tochter des Phokos; s.
ATHMQN und das Haupt trägt Ohrgehäng und Phokosi. [ — 9) Tochter des Piranthus, Schwester
Halsband, Imhoof p. 14 nr. 2. Head p. 282. des Argos, Arestorides und Triopas; Hyg. f. 145 ;
Auch Bronzemünzen des 4. Jahrh. zeigen im doch vgl. Kallithoe. R.] — [10) Quellnymphe zu
Obv. wohl das Haupt der Kallirrhoe, geziert Tyros, wie Abarbarea und Drosere, von Dio-
mit der Sphendone, auf dem mit der Auf- nysos bewundert und von Eros mit seinem
schrift T-TPATIQN versehenen Rev. das Haupt 40 Geschofs entflammt, Konnos Dionys. 40, 359 ff.
des Acheloos, C. G. C. Brit. Mus. Thess. p. 197 538ff.; vgl. Movers 2, 1 p. 230ff. R. Eoehler,
nr. 2, PI. 29, 16; nr. 3. Head p. 282. Von Über die Dionysiaka des Nonnus von Pano-
Head p. 281 werden Stratos zuerteilt auch polis p. 80 — 81. Bmdissin, Stud. z. semit. Bei.
die Silbermünzen mit dem Haupt des Ache- 2 p. 157 — 158; letzterer ist indessen geneigt
loos im Obv. und F im Quadratum incusum Kallirrhoe und Drosere für eine Erfindung des
mit der Umschrift KAAAIPOA im Rev., Bev. Nonnus zu halten. Drexler.] [Stoll.]
num. 1859 IT. 1, 19a. Berliner Blätter für Kallis (KaXXig oder KaXig), eine Bacchantin.
Münz-, Siegel- u. Wappenkunde 2 1865 Tfl. 13, 2. Ihr Kopf ist neben dem des Dionysos und
Imhoof - Blumer p. 145 f. nr. 4, 5 Tfl. 1, 17. zweier Bacchantinnen abgebildet auf einer
C. B. Mus. Thess. p. 189 nr. 2 PL 29, 11; So schwarzfigurigen Trinkschale (Heydemann, Sa-
ni. 3; und mit T zwischen zwei Eichenzweigen tyr- und Bakehennamen S. 14) und auf einer
und KAA darunter im Rev., L. Müller , TJnder- Trinkschale des Euxitheos {Heydemann a. a. O.
sogeise at graeake Mynter, der have Tegnet T S. 30). C. I. Gr. 4 nr. 7446 b. Archäol. Zeug,
til Typ. 1857 Tfl. 1 nr. 2. Imhoof p. 147 nr. 8. 6, 1848 S. 220. [Lorentz.] [Auf der Vase der
G. G. C. Brit. Mus. Thess. p. 189 nr. 4 PL 29, Coli. Santangelo aus Capua: Minervini, Bull.
12. Head p. 281, die J. Friedländer, Berl. arch. napol. n. s. 6 p. 191, tav. 13. Gerhard,
Bl. 2 1865 p. 1 — 7 Oiniadai zugewiesen hatte, Bull. areh. nap. 7 p. 9 — 11. Gerhard, über die
was aber bereits das Bedenken Imhoofs p. 151 Anthesterien, Berlin 1858 p. 169. 204. Tf. 1, 1. 2
erregte. Drexler.] — 3) Tochter des Ska- = Gl. Gr. 7446b. Heydemann, Satyr- u. Bak-
mandros, Gemahlin des Tros, Mutter der Kleo- go chennamen p. 14 nr. G fafst Frochner, Choix
patra, des Ilos, Assarakos und Ganymedes, de vases grecs inedits de la coli, de son Altesse
Apollod. 3, 12, 2. Schot II. 20, 232. Nach Dionys. Imp. le Prince Napoleon. Paris 1867. 4". p. 26
A. B. 1, 62 zeugte sie mit Erichthonios den nr. A u. p. 34 Note 4 KAAIS als Beinamen
Tros. — [Mutter des Ganymedes auch nach<S'c7ioZ. der Athena: ,,Je m'etonne que jusqu'ä present
German. 283 p. 68. sehol. Stat. Theb. 1, 548. l'egide bien caracterise'e de Minerve ait ete
Mylhogr. Vatic. 2, 198. Im schol. Pers. 1, 134 prise pour une robe brodee. Le nom de KcdXig
heifst es: „Galliroe nympha fuit, quam Paris doit etre une epithete comme KaXXiazä, hkXXi-
ante raptum Helenae habebat, quae desertn fiogqcos, KaXXiyivsta. Minerve fait souvent
Roscuer, Lexikon der gr. u. rüm. Mytliol. II. 30
931
Kallistagoras
Kallisto
932
partie du cortege bacchique, de plus eile est
Vamie intime de la mere de Bacchus." Auf
einer rotfigurigen Vase in Athen ist KAAAIS
einer der Gefährtinnen der Sappho beigeschrie-
ben, Maxime Collignon, Cat. des vases peints
du muse'e de la societe arch. d'Athenes. Paris
1878 p. 137 ff. nr. 517; auf einer Vase in Mün-
chen (nr. 404) einer Troerin. Drexler.]
Kallistagoras (KaXXiorayÖQag), Saificov siti-
xrigwg bei den Teniern, Clem. Alex. Protr. 10
p. 12 Sylb., J. Geffken, Hermes 25 1890 p. 94f.
[Drexler.]
Kalliste, Beiname der Artemis oder Hekate,
Usener, Kallone, Rh. Mus. N. F. 23 1868 p. 325
— 326. Dilthey, Rh, Mus. N. F. 27 1872 p. 398.
[Drexler.]
Kallistheiies tötete seine Tochter Euboea
nach einem Orakelspruch im Interesse seines
Vaterlandes. Hygin, f. 238. [Röscher.]
Kallisto (KaXXiorco), 1) Mutter des Arkas, d. 20
Stammvaters der Arkader. Nach anderer (wohl
tegeatischer) Überlieferung hiefs sie Megisto,
Tochter des Keteus (Ariaithos b. Hyg. Astr.
2, 1 u. 6), oder Themisto (Istros b. Steph. B.
v. 'ÄQY.uS(a. Clem. Rom. Recogn. 10, 21). —
Monographie von Reinhold Franz, De Callistus
fabula, Leipz. Stud. XII (1890).
Genealogieen: Nymphe nach Hesiod (wohl
richtiger Eumelos) b. Apollod. 3, 8. 2, 2, Tochter
des Nykteus nach Asios ebd., T. des Keteus 30
(durch Übertragung von Megisto) nach Phere-
l-ydes ebd. und Schol. Eurip. Or. 1646, T. d.
Lykaon nach Hesiod b. Eratosth. Catast. rel.
ed. Roh. p. 50 (vgl. Apollod. a. a. 0., wo die
Namen EvfiriXog u. 'HgloScq ihre Plätze ge-
tauscht zu haben scheinen) und bei den Spä-
teren. Mutter von Zwillingen, Arkas u. Pan,
b. Epimenides (und Aischylos?) nach Apollod,
irfpt dfäv (vgl. Roh. Münzel, Quaest. mythogr.
p. 16. Franz a. a. 0. p. 238 ff'.). 40
Entwickelung der Sage: Die älteste
Form trägt den Namen Hesiods: K., die jung-
fräuliche Jagdgenossin der Artemis, erleidet von
Zeus Gewalt, verheimlicht es aber der Göttin
und wird daher , als bei einem Bade ihre
Schwangerschaft an den Tag kommt , zur
Strafe von ihr in eine Bärin verwandelt
(Eratosth. Catast. 1 p. 50 R,). Als solche ge-
langt sie nach dem Lykaion, wo sie den Arkas
gebiert und (auf Befehl des Zeus) von Hermes 50
genährt wird (Schol. Ambr. Theoer. 1, 123.
Franz p. 266 ff.), der ihr Kind seiner Mutter
Maia auf der Kyllene überbringt (vgl. die
Münze vou Pheneos Bd. 1 Sp. 533. Apollod, 3,
8, 2, 5. Franz p. 269 f.). — Über die KaXXiezd
des Aischylos (frg. 98Är.s) wissen wir nichts.
— Ein neues Motiv erfand Amphis hinzu:
dafs Zeus in Gestalt der Artemis sich der K.
nahte (Eratosth. Cat. 1 p. 50 ff. R,). — In der
arkadischen Überlieferung ist die Strafe ver- 60
ändert: K. wird von Artemis erschossen. So
auf den Münzen von Orchomenos (c. 370): auf
der Vorderseite Artemis knieend, den abge-
schossenen Bogen haltend, auf der Rückseite
K. , die Brust von einem Pfeil durchbohrt,
zurücktaumelnd, am Boden ein kleines Kind
(Imhoof- Blumer , Monn. gr. tab. E 10 und 9.
Archaol. Zeit. 1864 Tat'. 183, 4 und 1872
p. 79, 4); auf den etwa gleichzeitigen Di-
drachmen von Pheneos: Hermes den kleinen
Arkas davontragend (s. Bd. 1 Sp. 533); als
Grab der K. galt ein hoher, mit allerhand
Bäumen bestandener und mit einem Heilig-
tum der "AQzsfiLg KaXXiazrj gekrönter Erdhügel
nahe dem Südwestabhang des Mainalos (Paus.
8, 35, 8). Dieselbe Version im Cert. Hom. et
Hes. 111 Rz. (Alkidamas) und b. Apollod. 3,
8, 2, 4. — Eine 3. Version mufs an Stelle des
Zorns der Artemis die Eifersucht der Hera
gesetzt haben: diese könnte der verderbten
Stelle Eurip. Hei. 375ff. zu Grunde liegen, wo
nicht von einer Löwin , sondern von einer
Bärin die Rede ist (Franz p. 254). — Als eine
Vereinigung dieser und der arkadischen Version
mit selbständig erweitertem Schlufs stellt sich
die Erzählung des Kallimachos dar: Hera, als
sie die an ihr begangene Untreue entdeckt,
verwandelt K. in eine Bärin und veranlafst
Artemis, sie als wildes Tier zu erschiefsen,
worauf Zeus durch Hermes das Kind aus dem
Leibe der Mutter nehmen und der Maia über-
bringen läfst, während er die Bärin selbst an
den Himmel versetzt (Schol. Yen. A Hom. II.
18, 487. Eustath. p. 1212. Paus. 8, 3, 6; An-
spielungen Callim. hymn. in Ion. 40. Catull.
66, 66. Theoer. 1, 125). Ein späterer Mytho-
graph liefs nach einem der Io-Sage entnom-
menen Motiv Zeus selbst die K. verwandeln,
um sie der Eifersucht der Hera zu entziehen
(Apollod. 3, 8, 2, 4. Liban. p. 1101. Hyg. Astr.
2, 1 p. 31, 6 B.). Ein Katasterismenschreiber
setzte am Schlüsse für Zeus Artemis ein (Hyg.
Astr. 2, 1 p.31,3J3.); ein anderer fügte den Jagd-
hund der K. als kleine Bärin hinzu (Schol.
Arat. 27); ein dritter, wie es scheint, verband
mit der Bärin das Sternbild des Löwen, dessen
Gestalt Zeus angenommen habe (Clem. Rom.
Homil. 5, 13). Ein unbekannter Alexandriner
dichtete als Erklärung, warum die Bärin nicht
untergehe, hinzu, dafs Hera ihre Amme Tethys
gebeten habe, ihre Nebenbuhlerin nicht zum
Bade im Ooean zuzulassen (Hyg. f. 177. Franz
p. 327). Istros frg. 57 (vgl. Hermes 19, 447
A. 2) übertrug die kallim. Erzählung auf The-
misto, Ariaithos frg. 1 auf Megisto und liefs
dieser daher auch ihren Vater Keteus als iyyö-
vaaiv an den Himmel folgen. — Wieder an die
hesiod. Erzählung anknüpfend dichtete Era-
tosthenes (Catast. 1. 8. 2 p. 52. 74. 56 R.)
einen neuen Schlufs, der die Lykaonsage mit
hineinzog und für 3 zusammengehörige Stern-
bilder die Erklärung gab: K. als Bärin wird
von flirten eingefangen und mit dem Kinde
ihrem Vater Lykaon überbracht; dieser schlach-
tet, als einmal Zeus bei ihm einkehrt, den
Knaben und setzt dessen Fleisch mit anderem
gemengt, dem Vater als Speise vor; Zeus stöfst
voll Abscheu das Mahl zurück, zerschmettert
das Haus mit dem Blitz und verwandelt den
Frevler in einen Wolf; den Knaben aber ruft
er ins Leben zurück und übergiebt ihn einem
Hirten; herangewachsen begegnet derselbe auf
der Jagd seiner Mutter und verfolgt sie in
das äßetzov des lyk. Zeus; als infolge dessen
beide getötet werden sollen, werden sie von
Zeus entrückt und als "Aqv.xog (isydXn und
933
Kallisto
Kallisto
934
'AQKToepvXa^ unter die Sterne versetzt; Artemis,
die unterdes den Sachverhalt erfahren, fügt,
um ihre frühere Härte wieder gut zu machen,
noch die '^fjxros faxpa hinzu. — Die letzte
Umgestaltung erfährt die Sage durch Ovid
(Metern. 2, 409 — 530 und Fast. 2, 155—192),
welcher Hesiod-Amphis-Eratosthenes mit Kalli-
machos kontaminiert und den später erfundenen
Schlufs (Tethys) erweitert: E., die als Jagd-
■Brit. Mus. Peloponnesus S. 190 Taf. XXXV,
nr. 15, Methydrion] , Hermes mit dem Ar-
kaskinde [Pheneos], Arkas spielend (Revue
numism. 1865 t. 7, 5). Ein bei Valencia ge-
fundenes silbernes Gefäfs aus dem 3. Jahrh.
n. Chr. zeigt Zeus in 4 Liebesabenteuern, an
4. Stelle als Artemis der K. nahend (Froehner,
Masees de France 1873 t. 5). — Nicht hierher-
gehörig ist die Bärin auf den Münzen von
genossin der Diana Keuschheit gelobt, wird von 10 Mantineia aus dem 5. Jahrb. (Franz p. 242 ff.),
Münze von Orchomenos in Arkadien.
Av. : Artemis knieend, Rev.: Kallisto
vom Pfeile durchbohrt und Arkas (nach
Arch. ZUj. 1861. Taf. 183 nr. 4.)
Iuppiter in
Gestalt der
Diana über-
rascht; bei
einem Bade
als schwan-
ger erkannt,
wird sie von
Diana ver-
stofsen.nach
Geburt ihres
Kindes aber
von der eifersüchtigen Iuno in eine Bärin ver-
wandelt; nach 15 Jahren Umherirrens begegnet
sie ihrem Sohne; als dieser den Speer auf sie
richtet, werden beide von Iuppiter an den
Himmel entrückt; Iuno aber beredet ihre
Pflegeeltern Oceanus
und Tethys, ihre Neben-
buhlerin für immer vom
Meere auszuschliefsen.
Von Ovid hängen un
mittelbar oder mittel-
bar die römischen My-
thographen ab (Argum.
Ov. Metam. 2, 5. Hyg.
f. 177, Lact, zu Stat. ThtV.'
3, 685. Myth. Vat. 2, 58 f.
Schol. zu Verg. Georg. 1,
246 u. ö. lsid. Hisp. Etym.
3, 35), auch Tzetzes zu lies.
Op.564. — Eine verschollene
Überlieferung scheint an
Stelle des Zeus den Apollo n
als Vater des Arkas bezeich-
net zu haben (vgl. Apollod. 3,
2, 3. Tzetzes zu LyJc. 478.
Franz p. 343). — Ganz abwei-
chend machte Buris frg. 26
Orchomenos zum Vater des
Arkas (vgl. F. H. G. 2 p. 133)
Kunstdar Stellungen:
Polygnot stellte auf dem Unter-
weltsgemälde in der delph.
Lesche K. auf einem Bären-
fell ruhend dar (Paus. 10, 31,
10). Auf der Akropolis zu
Athen standen die Statuen von
K. und Io nebeneinander, beide
von Beinomenes (Paus. 1, 25, 1)
der Schlacht bei Leuktra weinten
kader (Paus. 10, 9, 5 nennt fälschlich die
Tegeaten) die Statuen der K., des Arkas
u. a. nach Delphi, wovon die Weihinachrift
erhalten ist (Mitt. d. d. arch. Inst. 1889
S. 17). Auf arkad. Münzen des 4. Jahrh.
sind dargestellt: K. vom Pfeil durchbohrt [Or-
chomenos; vgl. Catal. of greek coins in the
und auf Fälschung beruhen die Darstellungen
der Poniatoivslci- Gemmen (vgl. Förster, Raub
u. RückJc. d. P. p. 116).
Deutung: Dafs KaXXtßra ursprünglich
mit Artemis KaXXi'atrj, unter deren Heiligtum
man sie begraben glaubte, identisch gewesen,
ist seit 0. Müller, Proleg. p. 73 ff. u. Bor. 1",
376 wohl allgemein angenommen. Zur Nymphe
wurde sie, als die Vorstellung von der jung-
fräulichen (homer.) Artemis die herrschende
wurde (s. Artemis Bd. 1 Sp. 579 f.). Dafs die
Bärin der Artemis in Arkadien heilig war, er-
giebt sich, wenn man die Sagen von K. und
Atalante, beide Gefährtinnen der Artemis und
einst A. selbst, die eine in eine Bärin ver-
wandelt, die andere von einer Bärin gesäugt,
mit dem Symbol von Mantineia auf den
Zeus als Artemis der Kallisto nahend, anwesend Eros, Relief von einem
Silbergefäfs (nach Froehner, Mus. de France 1873 T. 5).
Nach go Münzen des 5. Jahrh., einer Bärin, zusammen-
die Ar- hält (Franz p. 243 ff.). Von einem Zusammen-
hang des Sternbildes der Bärin mit der Sage
(Lauer, Syst. d. gr. Myth. p. 295 f. Usener,
Rh. Mus. 23, 334. Preller, Gr. Myth. 1 4, 305)
kann in der älteren Zeit keine Rede sein;
derselbe ist erst durch Kallimachos geschaffen.
Das ursprüngliche Wesen der Göttin ist dunkel :
Mondgöttin ist sie nach Welcher, Gr. Götterl.
30*
935 Kalliteknos Kallone 936
1, 580, Usener a. a. 0., Röscher, Sehne u. Kallitoxos (KaXXizot,og) , Beiname des Apol-
Vmvandtes S. 36, 146, Immer iv ahr , Kulte u. Ion; Aristeides in Rhet. Graeci Spengel 2, 511;
Mythen Arkadiens 1 S. 159 f., die alle von dem nachzutragen zu Bd. 1 Sp. 437, Z. 62 ff. Vgl.
Namen KaXXiaxai ausgehen, Erdgöttin nach Klytotoxos. [Höfer.]
Robert b. Preller, Gr. 31. I4, 304 A. 2, der Kallon (KäXlmv), Argiver, Geliebter des in
von QsfLiBzä ausgeht. Anders Lippe rt , Die ein Mädchen verwandelten Teiresias (s. d.);
Relig. d. europ. Kulturvölker p. 381 u. Görrcs, den Sohn der beiden (Strabon) machte die
Berl. Stitd. 10 (1889). [S. auch Bachofen, Der zürnende Hera zu einem Schieler. Sostratos
Bär in den Religionen des Altertums p. 15 — 24. b. Eustath. z. Hom. -x 492. Vgl. Wagner,
Auch E. Curtius, Studien zur Geschichte der to Hermes 27 (1892) S. 132 u. 135. [Röscher.]
Artemis, Sitzungsber. der K. Pr. Ah: d. W. Kallone (KaXXövri). 1) Eine von H. Usener
1887 p. 8: „In Arkadien ist Artemis Kallisto {Kallone, im Rhein. Mus. N.F. 23 1868 S.318ff.)
als Zeus' Gattin die Landesmutter". Drexler.] aus Piaton (Symp. p. 206D Moiqa ovv xal ElXiC-
— 2) Kallisto oder Phake (3>ax»j) hiefs eine &via r\ KctXX6vr\ im\ zjj yevsati; lib. ■xaXXovi])
Schwester des Odysseus nach Mnaseas b. Lysi- mit Billigung 0. Jahns (ed. p. 55, 10) sowie
machos (Athen. 4, 158 c. Eustath. p. 1572, 53). aus dem Etym. Gud. Kaßigoi (p. 289, 30) <ä?
— 3) Priesterin zu Athen zur Zeit von Trojas änXoi Agißzorpdvrjg iv Eigrjinj Xsyoiv äXX' si' zig
Fall nach Hellanikos b. Tzetz. Posthorn. 776. vfiäv iv Satiodgcix)] zvyx<xvn. \ fiifivi^uivog
[Franz.] vvv sv^ocio xctXXov y (sie!) gewonnene und in
Kalliteknos (KaXXixtxvog) heilst 1) Apollon 20 Arist. Frei. 277 mit Änderung vvv i^agäa&s
in Pergamon Aristid. 2, 708 (Dindorf); er KaXXovn eingesetzte Göttin der samothra-
hatte unter diesem Beinamen einen Tempel kischen Mysterien, welche in den er-
Aristid. 1, 469. 0. Müller , Archäol. d. Kunst - weiterten Schollen z. d. St. (Suidas ''AXX' il zig'
516, 6. — Fränkel, Die Inschriften von Perga- und '^aiiod-gcexn') unter Billigung Useners als
mon p. 3, der über den dortigen Apollonkultus Hekate Zerynthia erklärt wird. Weitergehende
handelt, erklärt diesen Beinamen des Gottes Untersuchungen jedoch werden vielmehr auf
aus seiner Beziehung zu Asklepios. — 2) Leto die Göttin der „Schönheit" selbst, Aphrodite,
und Niobe Luc. elial. deor. 16, 1; vgl. l'arthen. führen, die sonst neben den Kabeiren als
33. — 3) Die Nereiden Orph. hymn. 23, 3. [Der Mittelpunkt der samothrakischen Mysterien er-
Bedeutung nach vgl. Kalligeneia und xaXXi- 30 scheint und von Lykophron (v. 119) und bei
TtcaSa Käßtigov b. Pindar , Poet. lyr. gr. ed. Suidas ('ZrjQvvditt') in der zerynthischen rHe-
Bergk" p. 1060. R.] [Höfer.] kate' erkannt wird.
Kallithea (KctXXi&ia), Tochter des Choraios, 2) Ein von den Rhodiern für Kassiepeia
von Atj-s Mutter des Lydos und Tyrrhenos, scherzweise gebrauchter Name, wohl wegen
Dionys. 1, 27. [Stoll.] ihres Schönheitswettstreits mit den cNereiden%
Kallithoe (KaXXt&örj), 1) Tochter des Fürsten nach den vom Verf. (Kallone, in Fleckeis.
Keleos zu Eleusis, Hom. h. in Cer. 110. — Jahrb. 135 1887 S. 104) behandelten Glossen:
2) Erste Priesterin der argivischen Hera (Bei- Hesych. KuX(X')övng' slgü>v<{iK(ögy 'Püäioi, sc.
narne der Io), Clem. Strom. 1, 25 p. 418. KaXXi- avzi zov Kaoonnsiag wegen Suidas Kaaaii-
&via heifst sie bei Syncell. p. 283. Hieronym. 40 micf 7) KaXXövn (lib. toIIo^') • v.cti (!) övofia
Chron. ad ann. Abr. 376. 'Ia> KaXXidvtooa xvqlov. Vgl. den Artikel 'Kassiepeia' 3.
Hesych. s. v. Welcker , Tril. 134f. Preller, 3) Auf Lesbos haftet noch heute nördlich
Gr. M. 2, 40. Gerhard, Gr. M. 1 § 216, 4. vom alten -nolnog zqg KaXXov^g der Name an
2 § 793. Vgl. Io. [Stoll.] [Vgl. besonders einem Gau, in byzantinischer Zeit an einem
Knaaek, Quaest., Phaethonteae (Piniol. Unters. cpgovgiov KaXXovr] (Kantakuzenos Par. p. 291 D,
von Kiefsling u. Wilamoieitz Hft. 8 1886 p. 59 292 A; 20, 1, 479 Bonn.), bei dem nach (Myrsilos
u. Note 67. Der Vater war Peiras, der zuerst bei) Plut. VII Sap. conv. c. 9 (vgl. de sollert.
der Hera in Argos ein Holzbild gestiftet haben anim. c. 36 = F. H. G. 4, 459, 12) eine nicht be-
soll, Plutarch de Daeclal. bei Euseb. praep. er. nannte Jungfrau durch Wassersturz den Wasser-
3, 8; vgl. n^igr/v Vater der Io, Hesiod. fr. 50 gottheiten geopfert ward. Denn das Lokal dieses
174 u. Hygin fab. 145: ex Pirantho et Colli- Opfers, das (iseoyeiov tgfia, kann nichts anderes
rhoe Argus Arestorides Triopas, was Knaaek als jener für Lesbos charakteristische Golf von
in Pirante et Callithoe geändert wissen will. Kalloni sein. Dann würde in diesem Mythos
Der Verfasser der Phoronis fr. 4 A". erwähnt sie: das Mädchen (oder seine Mutter) etwa cKallone'
KaXXi&on iiXsiäovxos 'OXvyiiLuäog ßaoiXfnjg geheifsen haben; und obgleich der Mythos
"Hgng 'Agysing, rj azifitxoioi xki Q-vßävoiei ganz in den Zusammenhang der Geschlech-
ngwzn Y.oaarjotv mgi Hiovct ij.ay.gov ärdaang. tersage und des Poseidon-Enalosmythos ein-
Ihr Sohn war Trochilos, schol. Aratca 161: wandernder lakonischer Penthiliden (Anti-
01 Se (iv&oXoyot. zov 'Hvio%ov Xiyovaiv flvai kleides bei Athen. 11, 15 p. 466 C. D, 781 C)
&i'öaiXov . . . Tgo%ilov zov KciXXi&iag (scr. KaXXi- 00 verflochten ist, so wird er doch, wie der Vater
&viag Knaaek) itaiäög zrjg ngäzrig iv "Agyti der geopferten Jungfrau, Smintheus, vorpenthi-
yivof.iivrjg iigBt'ag agaa 7Tgoizov ^v^avzog. Vgl. lidisch sein. Das Wasseropfer erhielten,
auch R. Foerster, Über die ältesten Hera- wenn man für Nngrfi'dtg den einheimischen
liilder. Breslau 1868. 4". p. 7 Anm. 43. p. 10. Terminus einsetzt, den der lesbische Referent
Engelmann, De Ione p. 39 Note 20. Drexler.] des Mythos, 3Iyrsilos, gebraucht haben mufs,
Kallltlijia, -thyessa == Kallithoe (s. &.). die Asvxo&bcil (Et. Mag. p. 56, 45 = F. H. G.
Vgl. Usener, Kallone, Rh. Mus. N. F. 23 (1S68) 4, 459, 10). Zu ihnen wird die geopferte
p. 325. [Drexler.] Jungfrau versammelt: diese ist also selbst als
937
Kallone
Kalybe
938
eine Lenkothea zu bezeichnen (PMlologus
N. F. 3 1890 S. 105 40, 112). Ebenso ist auf
Samothrake die Purpurbinde, durch welche die
Mysten des Aphrodite-Eallone- und Kabeiren-
kults die Seegefahr von sich fernhalten, welcher
bei Aristophanes durch Kallone der reisende
Herold geweiht wird, nichts anderes als der aus
der Odyssee bekannte Zauberschleier der Leu-
kothea (Schal. Apoll. Eh. 1, 917. Cnisius,
'Kabiren' S. 23 sl. Beiträge S. 23). In Ehodos
endlich dreht sich derselbe Mythos, welcher
Aphrodites Landung berichtet, um den Wasser-
sprung der Halia-Leukothea: Diodoros 5, 55,
kompiliert über den grofsen Apollodoros (Bethe,
Hermes 24 1889 S. 429) aus dem Rhodier Zenon
und anderen (F.H.G. 3, 175). Ist aber gerade
die Leukothea von Crusius nach 0. Müllers Vor-
gang als heroische Hypostase der Aphrodite
für die tyrsenischen Kabeirenmysterien in
Anspruch genommen, in deren Genealogieen
als Gattin des Hephaistos, wie sonst Aphro-
dite, eine Kaßsiga (= Aphrodite) erscheint
('Kabeiren' S. 21 ,5), so ist die rhodische
„Käcpsiga, Tochter des Okeanos und Pflegerin
des Poseidon", welche Strabon dem einen Rho-
dier entnimmt, identisch mit der Leukothea-
Halia, die als „Tochter der Thalatta und Gattin
des Poseidon" in der anderen rhodischen Quelle
Strabons erschien; Leukothea-Kapheira aber
ist = Aphrodite-Kabeira, deren Mutter eben-
falls Thalatta war (Isthmos: Paus. 2, 1, 7;
Athen: Parthenon- Westgiebel?). Pelasger, die
Träger des Aphrodite-(Kallone-)Kults in Thebai,
und unter Führung des Kadmos auf Samo-
thrake, sind verbürgt auf Lesbos-Pelasgia
(Philol. N. F. 2 1889 S. 125. 128 und 3 1890
S. 707ff. 719 ff.), wo die Sapphobiographie
aus dem Aphroditemythos gerade um das
Motiv des Wassersprungs vermehrt wurde;
ferner auf Rhodos durch die Sage von der
Landung des Kadmos mit dem Kult des (Leu-
kothea-Gatten) Poseidon und Pelasgern in
lalysos-Achaia (Diodoros 5, 58 nach denselben
Quellen F. H. G. 3, 177 a); vgl. Dionys. Hai.
de Dinarcho c. 10. Konon c. 47), jener Stadt,
die durch ihren Kult der Alektrone-Elektryone
(v. Wilamowits , Hermes 14, 457) im Hinblick
auf Elektryon, den Sohn der Andromeda von
Perseus, unter den rhodischen Orten das meiste
Anrecht auf den Mythos von Kallone und das
Wasseropfer ihrer Tochter zu haben scheint.
Endlich ist allen drei Inseln gemeinsam der
Name Aithiopia (-ope) und die Sage von der
grofsen Flut, die mit dem Wasseropfer zu-
sammenhängt. — Da nun
4) die philistäische loppe, gleich vor-
sintflutlich wie Kyrbe-Ialysos (Buttmann,
Mythol. 1, 137 zu Diod. 5, 57) und überhaupt
Rhodos, und später berühmt als das Lokal
der Andromedasage , den damit verflochtenen
Kult und jMythos der ins Meer springenden
Atargatis-Derketo hat, von welchem schon
Herodotos den Aphroditekult herleitete, da
ferner der auf Lesbos (Troas) und Rhodos
heimische Smintheus mit Mänsekult, -Symbol
und -sage sich genau entsprechend in Philistäa
(1 Samuel. 1, 6, 11 — 18) und der Philisterstadt
Pelusiurn (Herodotos 2, 141, vgl. Strabon 13
p. 604) wiederfindet (Aitlnopenl. S. 200), so
erwähnte Verf. die Möglichkeit (ebda. S. 141'",
177. 200), dafs eine Urverwandtschaft zwischen
ioppensischen und rhodisch-lesbisch-samothra-
kischem Wasserkult vorliege. Eine Bestätigung
hierfür ist die Beobachtung von O. Gruppe
(' Aitliiopenmythen'' , PMlologus N. F. 1 1888
S. 92), dafs der einheimische Name der Stadt
Iapho, nichts anderes bedeutet als „die
in Schönheit" (s. Gesenius, Lexikon s. v.).
[Tümpel.]
Kailos (KdlXog), die personificierte Schön-
heit, der die Musen den mit Kränzen gefes-
selten Eros übergeben (Anakreontea 19 [30]).
[Höfer.]
Kalokagathia (Kalouaya9ia), die Personi-
fikation aller vollkommenen menschlichen
Eigenschaften; Telesüla im Scliol. Hom. Od. 13,
289; vgl. Kebes, Pitvix 15 u. Kakia. [Höfer.]
20 Kaloi Daimoiies (KaXol 6ui'[iovsg). Ihnen ist
gewidmet eine Inschrift von Neapel: KaXolg \
äaCfioetv. | EXtvicov ISiy ftvyaxQl Tv%?]fi (nväv)
lä, fj(usQäv) iß' | tnoiriaiv, Kaibel, Inscr. Gr.
Ital. et Sic. 813. [Drexler.]
Kalöpa (KaXmna, KAAOTTA) auf der Vase
G. I. Gr. 7711 mit dem Auszug des Aniphia-
raos wird von E. Gurtius u. anderen als Name
der Eriphyle, von O. Jahn, Arch. Beitr. p. 14
jedenfalls richtiger als Pferdenamen erklärt.
30 [Drexler.]
Kalos (KdXcog), Nebenform für TdXwg:
Paus. 1, 21, 6: Iovxiav 6s 'A&rivvaiv ig xijv
ä-AQOTtoliv dnö xov frsüzQOv xi&cmxai KdXmg'
xovxov rov KdXcov aösXcpfjg 7C(xiSa bvxcc nal
rrjg rsxvrjg jia& rrzr\v cpovevBag JaiSaXog ig
Kqi]t7]v i'cpvys x. x. X.; Suidas s. v. LUgSi-xog
isgov Ttcegd xfj diigonoXsi. EvnaXdfio} yctQ
iyivovxo naiäsg zlcüSuXog hki IJsqSi^ rjg viig
KdXcog' co cp&ovrjGaq o ducdaXog xrjg xs^vrig
40 SQQiipsv clvxov naxa xrjg d-nQOTTÖXsayg y.. x. Z.,
L. Mercklin, Die Talos-Sage u. das sardo-
nische Lachen p. 53 (17), p. 55 (19), p. 109 (73),
Anm. 163 u. 165; [s. ferner Paus. 1, 26, 4; zum
Grabe des Kalos vgl. Baumeister, Denkmäler
194,1. Höfer.] [Drexler.]
Kalpetos (KdXnsxog), Nachfolger des Kapys
(dessen Vorgänger Kapetos [s. d.] war) in der
Königsherrschaft von Alba; Dion. Hai. ant.
B. 1, 71. Diod. Sic. 7, 4 = Euseb. chron.
50 p. 210 f. Mehr bei Klausen, Aeneas 2, 953. 982.
Schwegler, jßörn. Gesch. 1 S. 342 ff. [Röscher.]
Kaipos (KdXnog), Sohn des Numa, Bruder
des Pompon, Pinos, Mamerkos, Ahnherr der
Calpurnier; Plut. Numa 21 (vgl. C. I. Gr.
3989, 5). Mehr bei Schivegler, P. G. 1 S. 343
A. 2. De Vit, Onom. s. v. Calpus. [Röscher.]
Kalpyia (?) (KAATTYIA), Beischrift einer ge-
flügelten Göttin auf einer rotfigurigen Le-
kythos, Collignon, Cat. des vases peints du
go muse'e de la soc. arch. d'Athenes p. 171 nr. 580:
„Une divinite aile'e, sans doute Nike, vetue
d'une robe flottante et d'un chiton, vole vers
la droite, les mains ouvertes et etendues. Au-
dessus, on lit Tinscr. suivante (Voir pl. V n° 30) :
KAAlTriA." [Drexler.]
Kalybe (KaXvßrj), 1) e.ineNymphe, mit welcher
der troische König Laomedon den Bukolion
zeugte, Apollod. 3, 12, 3, vgl. P. 6, 23. —
939 Kalydnens Kalypso 940
2) Bejahrte Priesterin der Iuno zu Ardea, dem Jüngling Euathlos ergriffen, erflehte von
Verg. Aen. 7, 419. [StolL] Aphrodite die Ehe mit demselben; von ihm
Kalydneus (Kalvävivs) , Kalydnios (Ka- verschmäht, stürzte sie sieh von dem leuka-
XvSviog), Beiname des Apollon von der Insel dischen Felsen. Sie ward in einem alten
Kalydna (Androtion bei Steph. Byz. s. v. Kä- Vol'ksMei Kah/Jce besungen, Stesichoros b. Athen.
Iväva). [Höfer.] 14, 619d; vgl. Eustath. II. 1236, 62. Preller, Gr.
Kai villi us (Kdlvävog) , 1) Sohn des Uranos, Myth. 1, 296. — 6) Eine Bassaride, Begleiterin
der erste König vonTheben, Vorgänger des Ogy- des Dionysos gegen die Inder, Nonn. Dion.
gosjersollThebenzuerstummauertundumtürmt 14, 222. 29, 251. [Vgl. auch die Trinkschale
haben, wovon Theben KälvSva und KaXvSvov 10 bei Heydemann, Satyr- u. Bakchennavien S. 29.
rvQOig hiefs, Steph. B. v. KälvSva. Tzetz. Lyli. C. 1. Gr. 7558. E.] — 7) Nach Schol. II. 2, 104
1209, vgl. 1206 p. 962 Müll. — 2) Nach einem Ka- soll Pelops Sohn des Hermes und der Kalyke
lydnos waren die Inseln Kalydnai bei Tenedos sein, Stark, Niobe 416. — 8) S. Kalyka. [StolL]
genannt, Tzetz. L. 25. Steph. B. a. a. 0. [StolL] Kalypso (Kalvipco), eine Nymphe (a 14; £ 14.
Kalydon (Kalvämv), 1) Heros, nach welchem 57 u.ö.; &£(i e 92u.ö.; äsivrj S-fög avdrjießa u. 449 ;
die gleichnamige ätolische Stadt benannt war; Siu afsäcov e 78 u. ö.), die den schiffbrüchigen
Sohn des Aitolos und der Pronoe, einer Tochter Üdysseus aufnimmt und sieben Jahre (n 259;
des Phorbas, Bruder des Pleuron, zeugte mit sechs, Ovid. ex Pont. 4, 10, 13; zehn, Serv,
Aiolia, einer Tochter des Amythaon, die Epikaste Aen. 3, 678; ein Jahr, Hyg. f. 125) auf ihrer
und Protogeneia, welche dem Ares den Osylos ge- so Insel zurückhält, vergeblich um seine dauernde
bar, Apöüod. 1, 7, 7. — Steph. B. s. v. nennt Liebe werbend (a 15; ävdytin iaxsi S 556 ff.;
ihn Sohn des Aitolos oder des Endymion, £ 14; fialanotei xai ai/ivlioiei Xoyoiai ftilysi
Daimachos aus Plataia bei Schol. II. 13, 218 «56; Solotcaa ^245; aber keine cpag/xaKig ;
Sohn des Pleuron, Enkel des Aitolos, Urenkel vgl. Schol. T zu tj 245). Sie verheilst ihm
des Endymion, Bruder des Eures. Nach Ps- Unsterblichkeit (s 209; r] 257; ip 336; vgl.
l'hit. de fluv. 22, 1 u. 4 war Kalydon, Sohu des Mythogr. 318, 32 Westerm.), vermag aber sein
Thestios, von dem Vater wider Willen getötet Heimweh nicht zu bezwingen (a 58 ff. ; s 151 ff. ;
worden, der sich dann aus Keue in den Flufs t29ff. Overbeck , Galerie heroischer Bildwerke
Axenos stürzte und diesem den Namen Thestios S. 753). Hermes überbringt ihr im 8. Jahre den
gab (d. i. der spätere Acheloos); oder Sohn des 30 Befehl der Götter, Odysseus zu entlassen
Ares und der Astynome, der in einen Felsen, (s 112. Pomp. Wb., Mus. Borb. 1, 32; vgl.
den Berg Kalydon am Acheloos, verwandelt Michaelis, Arch. Ztg. 1867, 14. Gaedechens,
wurde, weil er die Artemis im Bade gesehen. Ersch u. Gruber 2, 32, 200). Sie fügt sich
[StolL] — [2) Heroine, Personifikation der Stadt ungern, ist aber dem Odysseus beim Bau der o%s-
Kalydon, welche nach Philostr. jun. im. 4 dem äii] behülflich (e 163. 241ff.; /;264; geschnittene
Kampfe zwischen Herakles und Acheloos bei- Steine; vgl. Ooerb. a. a. O. S%s3iri = Block-
wohnt. Vgl. Arch. Ztg. 20, 319. [Purgold, schiff, Bieusing, Nautik 129 ff.), auf der dieser
Arch. Bemerkungen zu Claudian m. Sidonius zu den Phäaken fährt (vgl. auch Mythogr.
p. 75. Drexler.] [Röscher.] 343, 24ff. Westerm.).
Kalydoiiisclie Jagd s. Meleagros. 40 Kalypso trägt alle Züge einer Nymphe:
Kalyka (Kalv-xa), Nereidenname auf einer Einsame (n 246) Wohnung in bebuschter Grotte
Vase in München, O.Jahn, Beschr. d. Vasens. (E57ff.; vgl. Ath. 1, 16d. Aelian. hist. an. 15,
König Ludwigs 2 p. 96 nr. 331 (HAVVKA „was 28. Bio Chrys. or. 2, 27 M.). Weben und Singen
an Flamn oder TXavv.a denken Heise" (Schlief, (e61; vgl. Lehrs, Pop. Aufs.- 123 und B. Schmidt,
aber von Brunn im Katal. von 1871 Kalma Volksleben d. Neugr. 1, 106). Sie heifst vvficpn,
gelesen), „Rosenknospe", Schlie, Zu den Ky- &ici u. s. w., ifst Nektar und Ambrosia (e 199),
prien. Waren 1874. 4°. p. 17 u. Anm. 4. vermag Unsterblichkeit zu verleihen und kann
Vgl. Kalyke. [Drexler.] dem Odysseus einen günstigen Fahrwind senden
Kalykadnos, Flufsgott, erscheint schwim- (e 167. 269; r\ 266). Gleichwohl ist sie keine
mend zu Füfsen der sitzenden Stadtgöttin von 60 in Volksglauben und Sage lebendig wurzelnde
Diokaisareia, vor welcher Tyche steht, auf Gestalt, sondern lediglich poetische Fiktion
einer Münze des Philippus sen. von Diokai- (weswegen Vergleichungen mit Halia und
sareia, Mi. S. 7, 209, 236 nach Scstini, Leu. sonstige Deutungsversuche in sich zerfallen;
Num. 9 p. 52 tav. 3, 7. Head p. 602. Doch das wichtigste bei Müllenhoff, Deutsch. Alt. 1,
fügt Head dem Namen des Flusses , den 30 ff.). Die ältere Gestalt der Odysseusdich-
Mionnet unbenannt läfst, ein Fragezeichen zu. tung kannte sie nicht, sondern liefs Od. von
[Drexler.] Thrinakia unmittelbar nach Scheria gelangen
Kalyke (Kalvv.rj), 1) Tochter des thessa- (Spuren bes. t 273 ff. u. die Erwähnung der
lischen Aiolos und der Enarete, von Aethlios Heliosrinder im Prooemium a 7 ff.). Kalypso
Mutter des Endymion, Apollod. 1, 7, 3. 5. cu ist nach dem Muster der Kirke, deren Doppel-
Ilesiod bei Schol. Ap. Eh. 4, 57. — 2) Danaide, gängerin sie ist, frei erfunden und der Odyssee
durchs Los dem Lynkeus zur Ehe bestimmt, eingefügt, um den Odysseusnostos auf zehn
Apollod. 2, 1, 5. — 3) Tochter des Hekaton (?), Jahre zu dehnen. Da aber gleichwohl das
zeugte mit Poseidon den Kyknos, Ilyg. f. 157. — eigentliche Kalypsolied e (Kalvipovg avrqov
i) Stiefmutter des Tennes, der ein Sohn des als Rhapsodietitel: Aelian. v. h. 13, 14) formell
Kyknos war; dieser aber war Sohn des Po- nicht von % abhängig ist (wie zu zeigen ver-
seidon und der Skamandrodike, Schol. II. 1, suchten Eayser , Hom. Abh. 32 ff. und Niese,
38. — 5) Eine gewisse Kalyke, von Liebe zu Entw. d. homer. Poesie 174. 184ff.), so ist an-
941 Kalypso Kamareites 942
zunehmen, dafs das Kalypsolied nur von der kalisierung der unbestimmten Kalypsoinsel ist
Kirkesage abhängt und vielmehr seinerseits bei den Alten durch für uns nicht mehr kontrol-
das Kirkelied, wie es heute vorliegt, be- lierbare Voraussetzungen geleitet und scheidet
einflufst hat (so v. Wilamovrite , Hom. Unters. sich darnach in 2 Richtungen: 1) In der Nähe
115 ff.). von Kreta: a) Antimachos: 'SlyvXiog (zw. Kreta
Schon die Durchsichtigkeit des Namens und Kythera). Er führte den Namen sogar
Kalypso (Occulina nach G. Hermann, die Ver- in seine i v.doaig ein (Scholl, a 85). b) Kalli-
bergerin) beweist, dafs sie in Bezug auf machos: Gaudos bei Kreta, vgl. fr. 524 Sehn.
Sagenechtheit mit Kirke nicht Wettstreiten sowie Apollod. n. vswv v.axal. bei Strabo 299.
darf. (Die Alten wandten das txvfiov falsch: 10 c) Eust. zu Dion. Per. 823 (aus Steph. Byz.
■/] (ii] ct7tJ.fi, kccXvtcxovou xö dtavoovfisvqv, Et. M. vgl. p. 453, 5 Meineice): XsyExai Ss kki xfjv
Gud. Suid., wegen doXösaoa r\ 245. Über son- KaXvipovg vf\Gov MiXnxov *lr]&rivui noxs. Auch
stige Allegorie uad Rationalisierang der Er- hier ist wohl vom kretischen Milet auszugehen
Zählung: Herakl. Alleg. 67 [ßchol. ET zu (anders v. Wilamowitza,. a. 0. 139). 2) Gewöhn-
£ 85. Eust. 1389, 40ff.j. Diktys 6, 5. Ioann. lieh suchte man die Insel im Westmeer (vgl.
Antioch. fr. 24, 10 [F. H. G. 4, 551].) Der Strab. 26. Scholl, s 100. Wenn bei Eust. 1389,
Name ist sonst nicht populär, und seine Trä- 52 ff. die Solonische 'AxXavxCg erscheint, so ist
gerin eignet nur der Odyssee oder unmittel- das wohl Irrtum, hervorgerufen durch Strabo
bar abhängiger Dichtung (s. u.). Auch in der 20 und 102). Dies besonders geläufig seit der
späteren Litteratur und Kunst ist K. wenig 20 Lokalisierung der Odysseusabenteuer in Italien,
bemerklich. Die mythologische Neigung der a) bei Lakinion: Shylax 13 (Plin. 3, 96; all-
mittleren Komödie hat sich gelegentlich ein- gemeiner, in der Nähe von Kroton: lambl.
mal mit ihr beschäftigt (Anaxilas Kalypso, vit. Pyth. 57; vgl. Prohop. bell. Goth. 4, 22,
Koch 2, 266; von demselben eine Kirke; vgl. 628 c). b) Nviirpaia (-rtapei xä 'Aöqia, Steph.
Meineke, Hist. crit. 407. Io. Schmidt, Ulixes Byz. s. v.): Ap. Bh. 4, 574. c) Aeaea, durch
Com. Jahrb. Suppl. 16, 398). Ein hellenisti- Verwechselung mit Kirke: Prop. 4, 12, 31.
sches Epyllion setzt wohl Ovid Ars am. 2, Mela 2, 7, 18. Hygin. 125 (vielleicht Kor-
123 ff. voraus (Keime dazu schon bei Homer; ruptel). d) bei Puteoli: Cassius Dio 48, 50
vgl. jti 390). Auch der bei Kalypso der Heimat (Heroinenstandbild. Dies ist die einzige Spur
vergessende Odysseus wird auf ähnliche Quellen 30 von einer Art Kult. Aber nicht alle deuteten
zurückzuführen sein: Philostr. vit. Ap. Tyan. das Bild auf Kalypso).
7, 10; vgl. auch Lucian. ver. hi&t. 2, 36 (sowie Von diesen italischen Einflüssen abhängig
27. 29. 35). — Kalypsobilder von Nikias: Plin. sind auch die Nachrichten über Kinder des Odys-
35, 132. seus und der Kalypso. Zuerst TIesiod. Theog.
Der Dichter des e kennt keinen Vaters- 1017 (junger Zusatz, Füllstück zwischen Theo-
namen der Kalypso. Daher kann sie in den gonie und Katalog, auch sonst unter grofs-
Katalog bei Hesiod. Theog. 359 als Okeanide griechischem Einflufs, Kissen, Ital. Landcsk.
aufgenommen werden (identisch beide schon 1, 5; vgl. Io. Schmidt, Ulixes posthom. I.
für die Alten: Schal. V zu «52). Aus diesem Berl. 1885, 33): Nausithoos (vgl. r\ 56) und
Katalog die Gespielin der Persephone, Hymn. 40 Nausinoos, beide ohne jede Sagenbedeutung,
in Cer. 423 (vgl. Gemolls Ausg. p. 308). Bei entfernt nicht zu vergleichen mit dem Kirke-
Eurip. Gycl. 264 ist sie vielmehr Nereide. söhn Telegonos (der bei Eust. 1796, 47 irr-
Dies ist auch die Version der Vulgär mythologie: tümlich der Kalypso gegeben wird; vgl. v. Wila-
Apd. 1, 2, 7. Ganz vereinzelt als Hesperide moieitz a. a. 0. 182 ff.). Von Hesiod offenbar
auf der Neapeler Assteasvase, Heydemann 2873. abhängig Pacuvius fr. ine. 40 Bibb. (wo filios
Atlas als Vater erst ia Stellen, die s ausführen tris nicht richtig sein kann). Die Vulgär-
wollen, jedesfalls kennen: «52. n 245. Daher tradition nimmt nur einen Sohn Kalypsos an,
'AxXavxig bei Ap. Bh. 4, 575; vgl. Schol. P Namens Auson. Die Zeugnisse (zumeist auf
Q T zu s 29. Paneg. in Messall. 77. Priap. Theun zurückgehend) siehe ob. Bd. 1 Sp. 734.
68, 23 M. v. Wilamoivitz a. a. 0. 17. (Singular 50 Hinzuzufügen ist: Scholl. Dion. Per. 78. Schalt.
als Gemahlin des Atlas, Eustath. zu Dion. Marc, zu Lyhophr. 44. Paulus Epit. Fest. v.
Per. 78 [aus Steph. Bys. vgl. p. 148 Mein.] Ausoniam. Auch hier ist, wie bei der Lokali-
— vgl. auch Tsetses zu Lylcophr. 174 [Helios]). sierung der Insel, Kalypso mehrfach mit Kirke
Beachtenswert ist, dafs dieser Erdichtung ein verwechselt. [0. Immisch.]
Muttername fehlt. Erst bei Hygin. fab. p. 11, Kamareites (Kaaaastxiqg), Name des Men
19 Schm. heifst die Mutter Pleione. Auch auf Münzen von Nysa, Head p. 552. Boscher,
lokal ist Kalypso nicht zu fixieren : denn ihre Die Beiterstatue Iulius Caesars auf d. Forum
Insel ist von Haus aus namenlos (vgl. bes. lulium (Ber. d. K. S. Ges. d. W. 1891) p. 129.
f 55). J172 vtjaov an wyvyirjs hindert nichts, Echhel 2 p. 587, unter Hadrian (stehend mit
adjektivisch zu verstehen (vgl. v. Wilamoioitz 60 Schale und Scepter), Mi. 3, 365, 362; Antoni-
a. a. 0.). Als Name erscheint 'üyvyirj erst in nus Pius (ebenso), Mi. S. 6, 520, 411 u. Marc
den abhängigen Partieen: ij 244. 254. (i 448. Aurel (stehend zwischen zwei Löwen, mit
«85 (vgl. a 50). i/) 333. Die richtige Deutung Pinienapfel u. Scepter), Mi. S. 6, 520, 415.
schon bei Steph. Byz. v. 'Slyvyia; Scholl. «85. Der Name wird mit dem arabischen Qainar
Eust. 1393, 31 (unabhängig hiervon und für = Mond in Zusammenhang gebracht, Eclchel,
die Sage irrelevant ist die Frage nach Her- D. N. V. 2 p. 187. Numi vct. p. 16. Wad-
kunft und Bedeutung des Wortes eoyvytog, dington, Asie-Min. p. 216 nr. 7. — Pappado-
Müllenhoff a. a. 0. p. 61). Die gelehrte Lo- poulejs, nigiyocupri iytxv7zoiixdx<av ciq%. o<pQuyi-
943
Kamariiia
Kam[mo]ris
944
SoXi&tav ävBV.S6ttav. Athen 1855. 4°. p. 30
nr. 559 möchte zu diesem Namen auch er-
gänzen die Aufschrift KAM einer Gemme, auf
der erscheint: „&sbg, bg&iog, q>ogü>v %itmra,
ngbg agiaxfgäv , fii Hiqjalrjv ätixivaxrjv , %ga-
xäv xy dgiaxigä avBifiivrj , 6id xov äfiov,
liäexiya, xrjv §' sxsgav vipäv i^ingbg, xarcoth
KAM. i'awg Xontbv b SLxovigbfiivog sivcci xo-
my.og xig -S'fös ävxioxoixog xä MrjvL" [Drexler.]
Kamarina (Kafidgiva), Tochter des Okeanos,
Nymphe des Sees Kamarina an der Südküste
von Sicilien, an welchem die gleichnamige
Stadt lag, Find, OL 5, 2 (6) und die Schol.
Lehrs, ' Popul. Aufsätze 121 Anm. [Stoll.]
[Das Haupt der Nymphe Kamarina erscheint
auf Silbermünzen der gleichnamigen Stadt,
von vorn, nach 1. blickend, mit losem Haar,
Ohrring und Halsband, mit je einem Fisch zu
beiden Seiten des Halses (Rs. Nike), A Cot.
of greek coins in the Brit. 3Ius. Sicily p. 37
nr. 20, oder 1. h. blickend, mit Sphendone,
Ohrring u. Halsband (Rs. Nike?), C. G. C. B.
M. Sic. p. 38 nr. 21. 22, oder mit der Bei-
schrift AMI AMAX, mit steingezierter Sphen-
done, Ohrring u. Halsband (Ks. Schwan flie-
gend über Wellen, worin ein Fisch), a. a. 0.
Y>. 38 nr. 24. 25. In ganzer Gestalt erscheint
sie, mit der mehr oder weniger vollständig
erhaltenen Beischrift KAMAPINA, auf einem
die Flügel ausbreitenden Schwan sitzend: 1. h.
schauend, den r. Arm um den Hals des Schwa-
nes gelegt, den oberen Teil ihres schleier-
artig über dem Haupte wehenden Peplos,
dessen unterer Teil die Kniee bedeckt, mit
beiden Händen haltend; unter dem Schwan
Wellen mit Fisch; r. ein Frisch, a.a. O.p.36 nr. 16;
oder ebenso, ganz bekleidet, 1. h. sehend, auf
dem Schwan, umgeben von 3 Fischen, a. a. 0.
p. 37 nr. 17; oder r. h. schauend, bekleidet,
auf dem 1. h. schwimmenden Schwan, mit der
L. den schleierartig über dem Haupte wehen-
den Peplos haltend; unter dem Schwan Wellen
mit Fisch. (Obv. bei allen 3 Darstellungen
Haupt des Hipparis) a. a. 0. p. 37 nr. IS. 19.
Read, Ft. N. p. 113. Drexler.]
Kauiatos (Kdjiazog) nach Kuibel, Epigr.
Gr. 1027 vs. 27 als fttög erwähnt an einer
korrupten Stelle des Kasseler Asklepiospaian.
[Drexler.]
Kambles (KäfißXrjg), König in Lydien, soll
so gefräfsig gewesen sein, dafs er sogar sein
Weib zerstückte und verzehrte, weshalb er-
sieh nachher den Tod gab, Xanthos b. Athen.
10, 415 c. KafißXi'xag heifst er bei Nicol.
Damasc. p. 36 Ureili. Müller, Mit. gr. fr. 3,
372, 28; bei Aelian V. II. 1, 27 Kdpßrjg, bei
Eustath. Hom. p. 1630, 15 Ka^ßvoig. Die beiden
letzten Namen sind in KdixßXrjg zu ändern, s.
Iardanos. f Stoll.]
Kambyse? (Kajiövori?), 'Onovvzog tjv &vyd-
Tjjp, 'HXsltov ßaoiXicag, rjv 'AgicxoriX (js Kafi-
ßvoip* xuXsi (Scltol. Bind. Ol. 9, 86; vgl.
Aristot. fr. p. 280 (nr. 557) ed. Heits). Nach
anderen Überlieferungen (s. Bindar a. a. 0.
u. d. Schol.) hiefs sie Protogeneia (s. d.) oder
Kabye (s. d.); vgl. Blut, quaest. Gr. 15: <I>v-
av.t'ov xov 'Aiicpimvovog vibg rjv Aoxgog, ek öl
xovxov Kai. Kaßvrjg Aoy.gog. [Röscher.]
Kanieiro (Kaus igd>), eine Tochter des Panda-
reos, mit ihrer Schwester Klytie von Poly-
gnotos in der Lesche zu Delphi gemalt mit
Blumen bekränzt und mit Würfeln spielend,
Baus. 10, 30, 1. [Stoll.]
Kameiros (Kdusigog), Sohn des Heliaden
Kerkaphos auf Rhodos und der Kydippe oder
Lysippe, Bruder des Ialysos und Lindos. Die
drei Brüder teilten sich in die Insel und grün-
io deten die nach ihnen benannten Städte, Bind.
Ol. 7, 73 (135) u. Schol Eustath. p. 315, 28.
Diod. 5, 57. Steph. B. s. v. — Hyg. f. 275 nennt
Kameiros Sohn des Helios, Müller, Aegin. 41 ff.
Vgl. Cic. d. nat. deor. 3, 21, 24. [Stoll.]
Kauiephis (Kdfirjcpig oder Kau,fiqug?), ägyp-
tische Gottheit, bei Stob. Ecl. p. 120 als ngo-
ndxcog «et ■Kavxav Ttgoyiviaxtgog (Jablonski,
Banth. Aeg. 1 p. 96) bezeichnet. Daniascius
nzgl agxäv, Anecd. Gr. ed. Wolf t. 3 p. 261
20 erwähnt xbv ngmxov Kdfintpiv , sixa xbv dsv-
ztgov anb xovxov, zixcc Kai anb xovxov xov
xgixov. O S\ vsaixsgog 'llgaioxog xbv xgixov
ovo{MccGd~£vxa KaiLTjtpiv, anb xov naxgog Kai
rov ndmiov, xbv ffXiov eivai tprjGtv. Auf diesen
Gott bezieht man auch die Notiz des Iam-
blichus de myst. 8, 3 p. 262 — 263 ed. Partheg:
Kax' aXXrjv äi xd'£,iv ngoxdxxti \'o Epfiijs]
frsbv xbv 'Harjcp xäv snovgavCav fttwv r]yov-
atvov , bv qinai vovv civai avxbv lavxbv vo-
30 oijra Kai xdg vofjßtig eis iavxbv i-maxgs-
cpovxa, in welchem man Kvijcp, Chnum erkennt,
vgl. Jablonslä, Banth. Aeg. lib. 1 cap. 4 § 9
p. 93 — 98 u. über Chnum Bruasch, Bei. u.
Myth. d. a. Äg. p. 65. 94, 112f., 139, 141,
146, 160 ff., 191 ff., 290 ff., 298 ff., 303 ff, 30Sff.,
502 ff., 582 ff. Der y.vgtog Äfu/qp wird angerufen
bei Wessely, Eph. Gr. p. 20 nr. 171. B. B. 20 R.
[Drexler.]
Kamese s. Camese.
40 Kameses s. Camese.
KaniiUos (KdgiXXog), 1) Sohn des Hephaistos
und der Kabeiro, Vater der Kabeiren: Alcusi-
laos b. Strab. 10, 472: 'Anovoi'Xaog d' b 'Agystog
in Kaßsigovg «ort 'HcpaCoxov KdaiXXov Xsysi,
xov <5e xgiig Kaßft'govg k.t.X. — 2) = Hermes:
Iuba b. Blut. Numa 7: köj xbv 'Eguijv ovxutg
tvioi xäv 'EXXrjvmv KdaiXXov änb xi)g äta-
■xovi'ag 7igoor]yög£vov. Vgl. Macrob. S. 3, 8, 6:
Statius Tullianus de vocabulis verum libro
DO primo ait dixisse Callimachum Tuscos Camil-
lum appellare Mercurium, quo vocabulo sig-
nificant praeministrum deorum. Vgl. auch Et.
Gud. p. 290. Serv. ad V. Aen. 9, 542. S. oben
unter Hermes Bd. 1 Sp. 2352 und unter Kadmos.
Conze, Arch.Z. 1880 (38) 7 ff. Lobeck , Aglaoph .
III § 7. Neuhäuser, Cadmilus S. 49. Keil,
Bhilol. 2. Suppl.-Bd. 1863 S. 601. Vgl. d. Art.
Megaloi theoi. [Röscher.]
Kaiuiiieutes (Kag.Lvivxrig), Beiname des
60 Hephaistos, Anonymi Laurentiani duodeeim
deorum epitheta VI. 'Em'dtxa 'Hcpaiaxov nr. 2
in Anecdota varia Graeca et Bat. edd. Schoell
et Studemund. Vol. 1 S. 268. [Drexler.]
Kamise = Camese (s. d.).
Kam[mo]ris ( Kdfi[^o)gig) y Beischrift des
einen von zwei Männern in einem Kahne auf
einer Vase, deren Litteratur von Stephani, G. r.
p. l'a. 1805 p. 137 Anm. 1 verzeichnet wird,
945
Kamos
llandaios
946
wollen Welcher, Rh. Mus. N F. 9 1854 p. 290 ff.
Alte Dkm. 6, Tfl. 30, 1 ; 5 p. 345 u. Minervini,
Bull. arch. nap. n. s. 1 p. 144. 2 p. 14 als Namen
des Odysseus (Kdfifiogog) erklären. Dagegen
sieht Stephani, der den Namen Kctfiiiagt'g liest,
in den Männern einfache Fischer. [Drexler.]
Kamos (LXX: Xccuaig), der kriegerische
Hauptgott der Moabiter , von den Griechen
mit Ares identificiert , erscheint auf Münzen
von Rabbath-Moab (Areopolis) auf einem Ge-
stell stehend, in der L. Schild u. Lanze, in
der R. das geschwungene Schwert, E-cTchel,
D. N. V. 3 p. 504 f. Head p. 687. de Saulcy,
Num. de la Terre Sainte p. 355 ff. pl. XX
fig. 8—10. Vgl. über diesen Gott Ed. Meyer,
Gesch. d. A. p. 246 § 205. Paul Scholz, Götzen-
dienst u. Zauberwesen bei den alten Hebräern
u. den benachbarten Völkern p. 176 — 179.
Baethgen , Beiträge zur semit. Religionsqesch.
p. 13, 15. 238, 256. W. Baudissin in Herzog-
Plitts' B.-E. f. prot. Theol. u. Kirche 72 p. 636
— 639 s. v. Kemoseh, der weitere Litteratur-
nachweise giebt. Übrigens zweifelt Baudissin,
dafs in dem Gott von fiabbath-Moab der alt-
moabitische Kamosch zu erkennen sei und infolge
dessen auch an der Richtigkeit der Erklärung
des letzteren als Kriegsgottes. [Drexler.]
KAMOS statt Käiiog, Satyrname auf den
2 Vasen Millingen, Vas. Coghill 19. Inglti-
rami, Vasi fitt. 336. C. I. G. 8379. Heyde-
mann, Satyr- u. Bakchennamen p. 21 nr. b
und Tischbein, Vas. 2, 44 (50). Inghirami,
Mo». Etr. 5, 26. Müller -Wieseler , Denhm. d.
a. K. 22, 487. C. I. G. 7462. Heydnnann
a. a. O. p. 22, d. — Visconti, Mein, dell' Inst. 3
p. 43 wollte es durch xrjfiög, labeo erklären;
O.Jahn, Vasenbilder p. 18 Anm. 21 u. Welcher,
Philostr. Imag. p. 214. A. D. 3 p. 125 halten
es für eine dorische Form, wogegen sich be-
stimmt Heydcmann p. 21 Anm. 97 erklärt.
[Drexler.]
Kanipania s. Kampos.
Kampaiios (Ka/XTcavog) Gründer von Kampos:
St. B. s.v. Kufi-nag; vgl. Schol. Dion. Per. 357
und d. Art. Kampos. [Röscher.]
Kampe (Kda-rtg), ein Ungeheuer, das die
Kyklopen und Hekatoneheiren im Tartaros be-
wachte. Zeus tötete es, als er diese zur Hülfe
gegen die Titanen herbeiholte, Apollod. 1, 2, 1.
Ausführlich wird es beschrieben von Norm.
Dion. 18, 237 ff. Vgl. Diod. 3, 72. Völcher,
Iapet. Geschl. 68. [Ausführliches darüber b.
Mayer, Gig. u. Tit. S. 232ff., der auch in dem
Ungeheuer b. Oe. Fast. 3. 799 f. die Kampe
erkennt. Röscher.] [Stoll.]
Kampesos Hat. Campesus), ein Kolcher: Val.
Flacc. 5, 593. 6, 243. [Röscher.]
Kampos (KdfiTtog), 1) König von Epeiros;
seine Nachkommen hiefsen Kanrpolidai; Ale-
xarchos und Aristonihos bei Serv. ad Verg.
Aen. 3, 334. Nach seiner Tochter Kampa-
nia ist die Landschaft [vgl. auch Steph. B.
s. v. Kafiuavict u. Polyb. 31, 9. R.] benannt,
Varro bei Serv. a. a. 0.; andere nennen seine
Tochter Kestria, Serv. a. a. 0. — 2) Vgl.
schol. Dion. Per. 357 Kaunavol ü'grjvzui r] dno
KäiLiiov r dnb Kafindvov (s. Kampanos)
zwbg ovzcog ivofia^oiitvov. [Höfer.]
Kanaehe {Kavdpi), 1) = Kanake (s. d.V —
2) Hund des Aktaion: Ov. Met. 3, 217; Hyg.
f. 181; vgl. y.avu%r). [Röscher. 1
Kanake (Kavdxn, auck7fo:jȊ;fr)),l)Tochterdes
Aiolos und der Enarete, von Poseidon Mutter
des Opleus, Nireus, Epopeus. Aloeus, Triops,
Apollod. 1, 7, 3. 4. Diod. 5, 61. Kallim. h. in
Ger. 99. Wegen verbrecherischer Liebe zu
ihrem Bruder Makareus tötete sie ihr Vater,
10 oder sie mordete, wieMakareus, sich selbst, Hyg.
f. 238. 242. 243. Ov. Her. 11. Schol. Plat. Leq'g.
8, 94, 20. Stob. Flor. 64, 35. Sostratos bei
Plut. Parall. gr. 28. Serv. V. Aen. 1, 75.
Diese berühmte Liebe bildete den Inhalt der
Tragödie Aiolos von Eurinides, welcher Ov.
Her. 11 gefolgt ist; Schol Aristoph. Nut. 1371.
Ran. 849. Welcher, Gr. ZV. 2. 860 ff. Kauch,
Traq. gr. fr. p. 291 ff. Der Vater ist in diesen
Erzählungen bald derthessalische Aiolos, dessen
■M Gemahlin Enarete, bald der Windgott, dessen
Gem. Amphithea, Preller, Gr. M. 1, 520. —
[Kanake erkennt nach Kalkmanns (A. Z. 1883
Tfl. 7, 1 p. 51 ff.) Vorgang Vogel, Scenen euri-
pideischer Traqödien in qriechischen Vasen-
aemäldcn p. 28 — 32 in dem Gemälde einer
Hydria von Canosa. im Besitz der Signora
Petrone , während Jatta und Heydemann an
Phaldra denken. Sie liegt, nach Kalkmann,
im Sterben, nach Voqel bereits verschieden,
00 auf einer Kline, in der matt herabhängpnden
R. das Schwert haltend, womit sie sich in der
Brust eine klaffende Wunde beigebracht hat.
Auf einem vatikanischen Wandgemälde (Baoul
Rochette, Feint, ant. PI. 1 p. 399. Biondi,
Momcm. Amaranz. tav. 2) ist sie in sitzender
Haltung dargestellt, das ihr vom Vater ge-
sandte Schwert in der R. , vgl. 0. Jahn, Te-
lephos u. Troilos. Kiel 1841 p. 53 Anm. 56.
Brunn, Künstlerg. 2, 172. Jahrb. d. arch. Inst.
40 3, 227. Ganz unsicher ist die Deutung auf K.
auf einer von Margherita Garden bei Bologna
gefundenen etruskischen Stele, deren dritte
Seite zeigt: „6 mythologische Bilder: Scylla,
Circe, Nereide auf Delphin, Weib mit Dolch
fCanace?), Weib mit Blumen, Jünsding mit
Flügeln, in Händen Hammer, Winkelmafs,
Säge", Wochenschr. f. kl. Phil. 1890 Sp. 816,
nach Athenaeum nr. 3262 p. 578. Auf einer
Münze von Kyme, Dumersan, Gab. Allier de
50 Hauteroehe PI. 13, 27 will Cavedoni, Spie,
num. p. 157 — 158 unwahrscheinlich Poseidon
mit Arne oder mit Kanake erkennen. Drexler]
2) Ein Hund des Aktaion, Ov. Met. 3, 217.
Hyq. f. 181. [Stoll.]
Kanastraios (Kuvaazgatog) wird Hektor ge-
nannt bei Lyhophr. AI. 526 (uaiTiEg ngb nvg-
yaiv zbv Kavaatgalov fiiyav \ syx<ögiov yiyavza
SvGtitväv [Lo%lhv \ i'xovTa); siehe Tzetzes zu
diesem Verse: „Kdvaozga, ccxgcorrfgiov Maui-
60 dovtag v.cd Sgtlv.ng ue&OQLOv, ov nlgoiov co%tj-
aav oi riyavxzg' Kavctotgaiov äs vvv liysi zbv
"E-nzoga, Sid zb ysvvalov Sib Kai sy%usgiov
aizbv slnsv"' [Drexler.]
Kandaios (Kav Salog), nach Pausan. bei
Eustath.z. Hom. 437, 12: ix zov -naisiv hui äcäsiv
("vgl. auch Tzetz. lyhoph. 938) Beiname des
Ares, lyhophr. 1410 und Schol. = Kavädcav
Lyhophr. 328. 938. [Nach Tzetzes zu Lyhophr.
947
Kandalos
Kanopos
948
328 ist Kavddcov Name des Orion bei den
Boiotern, vgl. Ahrens, Über eine loichtige indo-
germ. Familie v. Götternamen, Orient u. Occi-
Jent 2 p. 7 — 8. Drexler.] [Lorentz.]
Kandalos (KüvSaXog), einer von den sieben
Söhnen des Helios und der Rhodos. Er floh
von Rhodos nach Kos, nachdem er mit den
übrigen Brüdern den Bruder Tenages gemordet,
Schol. Find. Ol. 7, 131. 135. Biod. 5, 56. 57.
[Vgl. Bethe, Hermes 24 p. 431 Anm. 2. Drexler.] 10
Dibbelt, Quaest. Coae mythol. Greifswald 1891.
S. 4. fStoll.]
Kandaon = Kandaios (s. d.).
Kandarene (KavSugrjvfi), Beiname der Hera
von der paphlagonisehen Stadt Kandara, wo
ein Tempel der Hera K. stand, Steph. Bij:.
s. v. KdvSaga. [Drexler.]
Kandaulas (KavSavXag), iydiseher Name
1) des Hermes, Hesych. Hipponax bei Tzetz.
in Cramers anecd. Öxon. 3. 351, 7 = Bergt: 20
24, fr. 1 : 'Eqjjltj xvväyxa, Mijoviczl KavdccvXa,
cpiogcöv tzatgs, vgl. Bd. 1 Sp. 2390, Z. 43 ff.
Kandaulas bedeutet nach Tzetz. a. a. 0. und
Chiliad 6, 483 Hundswürger {ev.vXonv i-Azrig), d. i.
ArgOstöter, und auch Curtius, Gr. Etymologie'
159 (vgl. Höfers Zeitschrift 1, 220) leitet das
Wort von dem griechischen Stamm «bo», kvv,
lat. can ab; nach Hesych. (s. v. Kvvdy%rj. 01
di zo Kvvdyxa uvzl zov y.Xs7tza) bedeutet
Kandaulas Dieb und würde in diesem Falle so
durch das folgende q>cogäv szaigs erklärt
werden. — 2) des Herakles, Hesych. [s. auch
Baoul-Buchette, Mcmoires d'arch. comp. 1. Sur
VHercule assi/rien et phe'nicien p. 283 Anm. 1.
Drexler.] [Höfer.]
Kundulos (KdvdovXog), einer der Kerkopen
(s. d.), Suid. s. v. Ktguconsg, der sonst ge-
wöhnlich Andulos heifst ^AvSovXog) , Phot.
158, 2. Harpohat. s. v. Kigv-mip. Apostol. 9,
64. [Höfer.] [Vgl. AJirens, Orient u. Occident 40
2 p. 18 — 19: ,,Die erste Form des Namens
wird bestätigt durch Hesych. s. v. KdväcoXog,
y.ctHovgyos, Xrjezrjg, die man mit Recht mit
jenem Kerkopen in Verbindung gebracht hat.
KdvömXog wird die richtigste Form sein."
Drexler.]
Kaudybos (KdvSvßog), Sohn des Deukalion,
nach welchem die lykisehe Stadt Kandyba
benannt war, Steph. B. v. KdvSvßa. [Stoll.]
Kanes (Kdvng), Sohn des Kephalos, König 50
der Phylaker , vermählt mit Euadne , der
Tochter des Pelias und Schwester der Alkestis
und der Amphinome, Biod. 4, 53; vgl. Bd. 1
Sp. 1392, 7 ff. [Höfer.]
Kauethos (Kdvij&og) , 1) Sohn des Lykaon,
Apollod. 3, 8, 1. — 2) Sohn des Abas auf
Enböa, nach welchem der gleichnamige Berg
bei Chalkis benannt war, Vater des Argo-
nauten Kanthos (s. d.); Ap. Bh. 1, 77 u. Schol. —
3) Vater des Skiron, den er mit Henioche, T. go
des Pittheus, zeugte, Flut. Thes. 25. [Stoll.]
Kaiietonnessius(?), Beiname des Mercurius
auf einer bei Berthouville in der Norrnandie
gefundenen Inschrift Beo Mercurio Kaneton-
nessi(9). Be ~\Yal , Mythol. septentrion. mon.
epigr. 335. [Höfer.]
Kanuökos (?), Beiname des Zeus in zwei In-
schriften aus dem Tempel des Zeus Pana-
marios, Beschamps, Cousin, B. C. H. 12. 1888
p. 261 — 262 nr. 47. 48. [du Kawäiicp hccI
'Hga -Aal Nsiktj. Höfer.] Die Herausgeber be-
merken dazu p. 263: „Ka.vvuv.oq ou Kavvaxäig
est Sans doute une dctermination antique du dieu
national [des Cariens], adore sous ce nom, dans
un sanctuaire particulier. II se peut que Kav-
vmy.ä soit une forme indeclinable , comme 'Oao-
ytäa, epithete de Zeus ä Mylasa, comme Tidyov
et Kdgov, surnoms du dieu Min. En tout cas,
il n'est invraisemblable de supposer im nom de
Heu tel que Kavvtov.a"-. [Vgl. Kariös, Labran-
deus, Osogos, Stratios, Zenoposeidon. Höfer.]
[Drexler.]
Kauobos s. Kanopos.
Kauopitas (Kavanizag), 1) Beiname des
Sarapis {KavanCxag &sög), Callimach. epigr. 56
p. 94 Schneider = Anth. Pal. 6, 148; vgh
Strabo 17 p. 801 Käva ßog . . . i'xovoa zö
zov Zagdizidog isgöv. [Vgl. über den Kultus
des Sarapis in Kanobos Guigniaut, Serapis et
son angine p. 22 ff. Flew, Be Sarapide p. 25.
Bouche-Leclercq, Hist. de la dirination dans
l'ant. 3 p. 384. E. Braun, Bassorilievo di
granito, proveniente dal tempio di Canopo de-
dicato a Serapide da Tolomeo Euergetes, Bull,
d. List. 1849 p. 154 — 156. Eine Widmung
aus Alexandria beginnt Ji'i 'HXim uBydXm
, , T n t]
ZagämSi [rrä] sv Kaveoßw. Im Sarapeion zu
Karthago ist eine dem iv Kccvcößai &sä>i fis-
yiazcoi dargebrachte Weihinschrift gefunden
worden, C. I. L. 8, 1003. Drexler.] — 2) Name
des Adonis bei Parthenios , Steph. Byz. s. v.
Bogved-svrjg. [Höfer.]
Kanopos (Kccvanog, nach Et. 31. 489, 25
die allein richtige Schreibart, aber bei den
griech. Schriftstellern seltener als Kdvicßog,
vgl. Steph. B.), Steuermann des ' Menelaos,
nach welchem die kanopische Mündung des
Nil sowie die Insel und Stadt Kanopos be-
nannt sein sollten. Als Menelaos bei seiner
Rückkehr von Troja nach Ägypten gekommen
war, starb Kanopos, zu welchem Theonoe, die
Tochter des ägyptischen Königs Proteus, wegen
seiner Schönheit und Jugend eine vergebliche
Liebe gefafst, durch den Bifs einer Schlange
auf der nach ihm benannten Insel und wurde
daselbst von Menelaos und Helena begraben,
Konon 8. Bionys. Per. 13 und dazu Eustath.
Strab. 17, 801. Steph. B. v. Kdvamog. KiJcandr.
Ther. 309. Tac. Ann. 2, 60. Dictys 2, 60.
Mela 2, 6. Serv. V. Ge. 4, 287. Aen. 11, 263.
Nach späteren christlichen Schriftstellern soll
dieser Kanopos und sein WeibMenuthis von den
Agyptiern verehrt worden sein, Epiphanius
Ancorat. § 10S. Opp. T. 2 p. 109 ed. Petav.
Bufin. Hist. Eccl. 2, 26. Suid. v. Kävomog.
Einen ägyptischen Gott Kanopos aber gab es
nicht. Nach Flut. Is. et Os. 22 war Kanopos
der Steuermann des Osiris, der mit seinem
Schiffe Argo verstirnt worden sei, und auch
Kauopos sei als Stern an den Himmel versetzt
worden, d. h. als der Stern Kanopos am Sternbild
Eridanos, das auch Nil genannt wurde, Hi/g.
P. A. 2, 32. Eratosth. Catast. 37. — Müller,
Orch. 111. Preller, Gr.Myth. 2,333, 1. Schwenck,
Myth. d. Ägypter 156 fi". - Haakh in Paulys
949 Kantharos Kapaneus 950
■
B.-Enc. v. Canobus. — [Vgl. auch die £agd- profecti Erizam urbem primo' impetu eeperunt)
itsi,, "lasi, 'Avovßai, 'Agno-ngdrsi, Kuvani[co~) ge- bieten. Eckhel, D. N. V. 2 p. 581 bezeichnet
weihte Inschrift von Ambrakia G. I. Gr. 1800. R.] das Haupt als „Caput Iovis", und Mommsen
rStoll.] \JablonsJci, Panth. Acg. 3 p. 131 — 154, zu G I. L. 3, 859 wäre geneigt, darin den in
besonders aber Ebers, Der geschnitzte Holz- dieser Inschrift genannten Iuppiter Optimus
sarg des Hatbastru, Abh. d. K. Sachs. Ges. Maximus Erusenus zu erkennen, wenn nicht
d. W. in Leipzig Bd. 21 p. 233 f. — Das Waddington, Bull. arch. de l'Atheneum franr.
Gemälde eines Manuskripts der Theriaka des 1855 p. 51 nach sorgfältiger Prüfung der Münze
Nikandros hinter den Versen 309 — 319 zeigt erklärt hätte, dafs darauf nichts deutlich zu
Kanoboa mit Nimbus auf dem Ufersand liegend, 10 erkennen sei. Auch eine Amphora von Nola
den Oberkörper erhebend, gestützt auf den 1. mit einem Satyr auf Vorder- u. Rückseite zeigt
Ellenbogen; neben ihm sich windend die die Aufschrift EAOS, die de Witte, Cot. d'ob-
Schlange, auf welche Helena, gleichfalls mit jets d'art eomposant la coli, de M. Castellani.
Nimbus am Haupt, losstürmt. Ein Mann von Paris 1866 p. 25 nr. 60 als Schreibfehler für
der Besatzung des Schiffes, das in einer der KAAOC anzusehen geneigt ist. [Drexler.]
Ecken sichtbar ist, bewaffnet mit Schild und Kapaneus (Kanavsvg), Sohn des Hipponoos.
Lanze, sieht der Scene zu, E. de Chanot, Bei Homer erscheint er nur als Vater des
Gas. archeol. 2 1876 p. 34 — 35. PL 11, 2. Helden Sthenelos, Ilias 2, 564. 4, 403 mit
Drexler.] den Epitheta dyänleizog und xvd'dligog, vgl.
Kantharos (Kdv&agog), ein attischer Heros, 20 Eurip. Iph. Aul. 246. In der Thebais des
nach welchem der Kriegshafen der Athener epischen Cyklus hatte er natürlich auch seine
im Peiraieus, 6 Kav&dgov liarrv , benannt Stelle, vgl. Welcher, Ep. Gykl. 2, 347. 359 f.
war, Aristoph. Pac. 145 u. Schol. [Stoll.] Stat. Theb. 3, 604. 4, 176. 6, 731. 753. Doch
Kantuos (Kdv&og), 1) der Sohn des Kane- bieten uns die Tragiker, die offenbar aus dem
thos aus Euboia (Kerinthos), ein Argonaut, der Epos schöpfen, einigen Ersatz für dessen Ver-
in Libyen durch die Hand des Kaphauros fiel: lust, vgl. Aesch., Sieben g. Theb. 422 ff. Soph.
Apoll. Rh. 1, 77 ff. (darnach Orph. 142. Hyg. O. G. 1319. Antig. 134 ff. Eurip. Phoeniss.
/'. 14 p. 45, 15 Seh. p. 48, 21 — Kephalion 1191 ff. 1202. Suppl. 496 ff. Iph. Aul. 246.
statt Kaphauros genannt). Tal. Flacc. (vgl. Überall erscheint er hier als einer der sieben
1, 451 ff. , wo er Sohn des Abas heifst), 30 argivischen Fürsten, die mit Polyneikes gegen
läfst ihn in Kolchis durch die Hand des Theben zogen, als Held von riesenhafter Ge-
Gesandros fallen, 6, 317 ff., vgl. 7, 422. — stalt (yi'yag Aesch.^ili. Philostr. Imaq. 2, 29)
Nach Schol. Ap. Eh. 1, 77 stand sein Name und frevelhaftem Übermut. Durchs Los fällt
auch im Verzeichnis der Argonautika des Klean ihm der Sturm auf Elektras Thor zu (Aesch.
von Kurion. — [Nach Maafs im Index lect. 423. Paus. 9, 8, 7). Apollodor nennt das
Gryphiswald. 1889 S. VII ist Kanthos eigent- ogygische Thor (3, 6, 6, 1). In vermessenem
lieh der Eponymos der Stadt [AJkanthos auf Trotz ruft der Riese, selbst des Zeus Blitz-
der Chalkidike, einer Kolonie der Euboier. R.] strahl soll ihn nicht hemmen, die Stadt zu
— ■ 2) Ein Sohn des Aigyptios, mit der Danaide verbrennen. Im Schild führt er bei Aeschylos
Hippothoe verheiratet, nach Hyg. f. 170 p. 33, 40 einen Feuerträger mit brennender Fackel und
6 Seil. [Seeliger.] dazu die Inschrift: Tlgifioi itbliv. Er legt die
Kanzaras? r*«v£«e«S?) vielleicht Bei- Sturmleiter an, als deren Erfinder er genannt
name des Asklepios in folgender Inschrift w"d <Fe^ £ 2 V ff" T scb,me?tert lh*
von Komana: CQTHPIA I CKÄHTTIÖ I KANZA [ ™lt semem Blitzstrahl nieder, ayxuvna b
PAIAAPOC I YTTePGCIN ; OYTOYTI OY. Barn- ™\ VL^Tr ^t " v'S nvW°£?q (,So^-
sag, Inscriptions of Cilicia, Cappadocia, and Ant ^ dafs sei? Leioh°am fUcite' "s^"
Pontus, Journal of philology 11 (1882) p. 159 VL?V äi^ wnvovxn Eur. Suppl. 496, ■»
nr. 21 liest Zazrjgt 'Acv.lnJo, Klaget legog (?) T^T? Fhf°f-Im- 2< 2C9" Übereinstimmend
kt*.; es dürfte aber zu lesen sein Kuv'rdg«"lL \e ™h,tenft ^odoros 3 6, 3 13, 6 6 1.
b *['] 50 3, 6, 7, 8. Hyg. f. 70. 71, vgl. Ovid Met. 9,
pos, vgl. für die Endung: 'Anollcav Tvgiiivag 404. Seine Gemahlin Euadne (s. d. nr. 3),
C. I. Gr. 3493. 3497, Zeig TIaniag C. I. Gr. des Iphis Tochter, stürzt sich bei der Leichen-
3817. [Drexler.] feier in die Flammen des Scheiterhaufens, Apd.
KaosJ Auf einer Münze von Eriza (hei Mi. 3, 7, 1, 3. Mythogr. graec. ed. Westermann
3, 345, 248. Boutkoivski, Biet. mim. p. 603) 359,5. Philostr. Imag. 2, 30. Sein Grab erwähnt
ist einem bärtigen Haupte mit Dreizack da- Earipides, Suppl. 981. Nach anderer Über-
hinter die Beischrift KAOC gegeben. Im Re- lieferung soll ihn Asklepios ins Leben zurück-
gister zum ganzen Werk S. 9 p. 235 fal'st gerufen haben, Apd. 3, 10, 3, 10. [Die von
Mionnet Kaos als Flufsnamen, und noch im K. handelnden Stellen latein. Schriftsteller s.
B. C. H. 1883 wird von jArgiixcag, Ilegl 'Egi- 60 bei De Vit, Gnom, unter Capaneus. Röscher.]
£qvmv vofiiBadrmv (p. 58—66) KAOC als Flufs Über seine Verwandtschaftsverhältnisse wei-
auf Münzen von Eriza nach Sestini, Class. gen. chen die Quellen vielfach von einander ab. Als
1821 p. 88 aufgeführt. Die Annahme, dafs sein Sohn erscheint durchweg Sthenelos, als
KAOC einen Flufsgott darstelle, stützt sich sein Vater Hipponoos, Nachkomme des Proitos,
auf Livius 38, 14, wo als Namen eines Schol. Find. Nem. 9, 30. Schol. Eur. Phoen.
Flusses in der Nähe von Eriza die Hand- 181. Seine Mutter heifst Astynome Hyg. f.
Schriften Chaus oder Cahus oder Casus (tertio 70, oder Laodike, Tochter des Iphis, Schol.
inde die ad Casum amnem perventum; inde Eur. Phoen. 181. Seine Gemahlin ist Euadne,
951
Kapaneus
Kapheira
952
Tochter des Iphi's (es sind also entweder hier
Verwechselungen oder mehrere Träger des
Namens Iphis anzunehmen) oder Ianeira
Schol. Find. Ol. 6, 46), was wohl nur ein
anderer Name der Euadne ist.
Bedeutung des Namens. Nach Pott,
Ztschrift f. vgl.
Kapaneus vom Blitze getroffen,
Gemmen (nach Ocerbeck, Gal. her.
Bildw. T. V, nr. 4, u. 5 ; Tgl. ili-
cati, Mon. t. 116 nr. 10 u. 11).
Bildliche Darstellungen, a) Litterarisch
überlieferte: 1) In Delphi Statuen der Sieben
gegen Theben, von Hypatodoros und Aristo-
geiton, darunter auch K. Paus. 10, 10, 3. 2) Ge-
mälde im Tempel des Kastor und Pollux zu
Ardea Sero, ad Verg. Aen. 1, 44. 3) Gemälde
des Tauriskos, Plin. 35, 40, 40. — b) Erhaltene
Bildwerke s. Overbeck, Gal. heroischer Bildwerke
S. 125-129 : Taf. 5, 2 etrusk. Aschenkiste, Kapa-
abzuleiten von 10 neus von der Leiter stürzend, Taf. 5, 3 ein Sarder,
■Hanüvrj, was nach 5, 4 u. 5 zwei Gemmen, wo der Blitzstrahl im
Nacken des Helden erscheint, Taf. 5, 6 Relief
von Villa Albani {Winckelmann , Mon. med.
nr. 109. Zoega, Bassirilievi 1, 47), ferner Over-
beck a. a. O. S. 148 f. u. Taf. 6, 9 Relief mit
zusammenfassender Darstellung der Haupt-
begebenheiten der Theba'is, worunter auch
Kapaneus mit der Leiter, endlich ein Relief
von Giölbaschi, Benndorf. Vorläufiger Bericht
Sprachforschq. 7,
324 ist der Name
Aristophanes bei
Athen. 10, 418 d
tkessalische Be-
zeichnung für
auaS,a ist, also
etwa Wagener,
ein Name, der sich
für einen Sohn
des Hipponoos 20 45 a; Wien. Vorlegebl. 1889 Taf. XL Die Deu-
wohl schicken würde. Nach Hesych. wäre v.a- tungdes sogenannten sterbenden Alesander auf
ndvri = xqixCvt] xvvrj, wonach der Name einen Kapaneus ist längst aufgegeben und, wie die
Helmträger bedeuten würde. Aus dem Wortspiel des Kolossalkopfes in Neapel ai Studi, den
TTelcker, Ep. Gqkl.
2, 360 Anm. 94 aufK.
deutete, durch die
richtigere auf einen
sterbenden Giganten
ersetzt, vgl. K. Lange,
Arch. Ztg. 1883 S. 81.
[Auch auf Vasen
kommt K. vor: vgl.
Neapel nr. 3255 (in-
schriftl. bezeugt) und
Petersburg nr. 523 (?)
Röscher.] Sogar in
Tänzen wurde Kapa-
neus dargestellt, Luc.
epigr. 11, 254. Salt.
76. [Weizsäcker.]
Kapetos(Äair£To<;),
1) einer der Freier
der Hippodameia, von
Oinomaos getötet,
Paus. 6, 21, 7. — 2) Ca-
petus, Albanerkönig,
Sohn oder Vater des
Kapys, Lü\ 1, 3. Ov.
Met. 14, 613. Serv. V.
Aen. 10, 145. Wahr-
scheinlich identisch
mit Calpetus , Diod.
7, 4. Ov. Fast. 4, 46:
aber Dionys. 1 , 71
nennt Kapetos Vor-
gänger , Kalpetos
Nachfolger desKapy s.
[Vgl. De Vit, Onom.
unter Capetus und
Schwec/ler, Rom. G. I
S. 342f. R.] [Stoll.]
Kapliauros (A'a'opcrunos), Sohn des Amphi-
themis oder Garamas und einer tritonischen
Nymphe, in Libyen, Enkel des Apollon und
der Akakallis; er tötete den Argonauten Kan-
thos durch einen Steinwurf, als dieser in seine
Schafherden geraten, Ap. Eh. 4, 1490. [Stoll.]
Kapheira (Kacpsiga), Tochter des Okeanos,
Kapaneus (?) sterbend, Eelief in Villa Albani (nach Winckelmann. Mon. ined.
1, 109 = Baumeister, Denkm. S. 1750 Kg. 1810).
des Namens mit %K7tvoieai bei JEurip. (s. o.)
ergiebt sich nicht eine andere AuffassuDg der
Bedeutung des Namens im allgemeinen, son-
dern nur in dem betreffenden Zusammenhang.
VWüamowite {Hermes 1891 S. 226) deutet K.
als Snancxvsvg; vgl. Lykoph. 652 mit Bezug
auf KciraayictTTTSiv itöXiv. R.]
953 Kapheira Kaphene 954
welche auf Rhodos mit den Telehinen den soll (vgl. auch Dionys. Hai. de Dinarcho 10).
ihnen von Rhea anvertrauten Poseidon erzog, Diese sind nicht mit Buttmann (Mythol. 2, 41)
[nach einer fragmentierten Tradition bei Dio- und Gerhard ( Ursprung etc. des Poseidon,
doros 5, 55 § 1, zu der noch aus § 5 die An- Abh. d. Berliner AJc. d. W. 1850) als Phöni-
gabe gehört: yevia&ai nuxu xov kcuqov xov- zier oder Karer zu verstehen, sondern als
xov iv rofs nQug sa> [ligsei xf;g vrjoov roig Thebaier, welche über Argolis (Menekrates bei
Klndsvxag (s") "Iyvrjxug (hs. yiyavxag). *) Ka- Seh. Pindar. Ol. 2, 16. Konon 47; vgl. Bohde,
pheira ist identisch mit Halia nr. 2 (s. oben Bhein. Mus. 36 1881 S. 4331), letzthin viel-
ßd. 1 Sp. 1819 f.**), welche als Tochter der leicht über Athenai (Menekrates) kamen und
Thalassa, Schwester der Teichinen, den Po- 10 von Konon korrekt als Pelasger (d. h. Ein-
seidon liebte und mit ihm erzeugte 7iaiäag wanderer aus der Urheimat des Aphrodite-
Sf aQQivag ovg (tpuoi) nlrftrivai ngoaricöovg dienstes, Thessalien, speziell Pela bei Orme-
Suipovag (Diod. a. a. 0. § 4. 6). Beide Mythen- nion) bezeichnet werden (vgl. Philol. N. F. 4
traditionen, die bis auf den Namen der Heroine 1891 S. 48 9); 3 1890 S. 715 und S. 116 f.
in allen wesentlichen Punkten sich decken, Es ist dasselbe Volkstum, welches den gleichen
sind von Diodoros, der ihre Identität nicht kabeirischen Kultkomplex auch auf die thra-
erkannte, oberflächlich kontaminiert (Philol. kischen Inseln übertragen hat. Als diejenige
N. F. 4 1891 S. 43 ff.), und zwar nach einem rhodische Stadt, wo jener kadmeische Priester-
Berichte des grofsen Apollodoros (Bethe, Her- kult des Poseidon und, wie man hinzusetzen
nies 24 1889 S. 429). Aus beiden Mythen- 20 darf, der aphrodisischen Kapheira haftete,
formen leuchtet gleichermafsen die Beziehung wird bei Diodoros 5, 58 Ialysos genannt,
auf den Kreis der Aphrodite heraus. Die auf und damit entfällt als unwahrscheinlich die
Rhodos Kult geniefsende Halia - Leukothea von Lobeck gewagte Beziehung auf Kameiros
einerseits erfährt die Vergewaltigung durch (Agl. 2, 1184*: Capheira . . . haud dubie
die eigenen Söhne auf Veranstaltung der , Cameira dieta ab icrbe). [K. Tümpel.]
Aphrodite, die über die 6 proseoi'schen dämo- Kaphene (Katpivq), eine karische Jungfrau
nischen Igneten eine fiavia schickte, wie ja von Kryassa (= Kryassos), wo sich unter
überhaupt die thebanisch-lemnisch-samothra- Führung des Nyrnphaioa, eines durch Schön-
kische Leukothea schon von 0. Müller (Etrus- heit ausgezeichneten jungen Mannes, griechi-
Tcer 1, 198; 2, 55. Proleg. S. 371; vgl. Preller- 30 sehe Kolonisten von Melos niedergelassen
Plew 1,378) als Nebenfigur des Aphroditedienstes hatten. Als diese melische Kolonie binnen
erkannt, und von O. Crusius als Aphrodite- kurzer Zeit zu grofser Blüte und Macht ge-
hypostase bezeichnet ist (Beiträge s. griech. langt war, beschlossen die karischen Bewohner
Myth. u. Beligionsgesehichte , Progr. Thoman. von Kryassa, die ihnen lästig gewordenen
Leipzig 1886 S. 22 f., wegen des rettenden Griechen zu vernichten, und luden dieselben
Zauberschleiers = der TioQtpvQig der samothra- zu einem Gelage ein [um sie bei dieser Ge-
kischen Kabeirenmysterien; wozu als zweites, legenheit hinterlistig zu überfallen]. Doch
der Aphrodite und Leukothea gemeinsames Kaphene, die in Nymphios verliebt war, hatte
Motiv der Wassersprung und als drittes die ihrem Geliebten den Plan verraten. Als nun
Vergewaltigung durch gigantische Söhne 40 die Boten der Karer die Einladung über-
kommt: Fleckeis. Suppl. 16 1887 S. 197 f. mit brachten, erwiderte ihnen Nymphios, dafs es
Amn. 176. 178 und Strabon 11 p. 495). Ander- bei den Griechen Sitte sei, auch ihre Frauen
seits klingt der Name KcKfiiqa schwerlich nur zu Gastmählern mitzubringen. Die Melier er-
zufällig an den der Kcußstga oder Kctßngco an, schienen nun zwar selbst unbewaffnet beim
die, wiederum auf Samothrake, als Gattin des Schmause,aberjedeihrerFrauentrugeinSchwert
Hephaist09 (Mutter des Kasmilos) direkt für in ihrem Gewände versteckt, und als nun mitten
Aphrodite eintritt: AJcusilaos und Pherekydes im Schmause den Karern das Zeichen zum
bei Strabon p. 209; vgl. 0. Crusius,' Kabiren' Überfalle gegeben wurde, ergriffen die Grie-
in der Allg. Encyklop. 2. Sekt. 32 S. 21 15. chen plötzlich, ehe die Karer sich dessen
Kapheira ist also wohl als heroisierte Aphro- 50 versahen, die von ihren Frauen mitgebrachten
dite-Kabeira aufzufassen; und auch der Schwerter und töteten ihre arglistigen Wirte,
Kasmilos, der auf Samothrake die Kabeira als worauf sie deren Stadt zerstörten und eine andere
Sohn begleitet (und als Kadrnos die Leuko- Nsa Kqvuoou gründeten. Kaphene aber wurde
thea zeugte), scheint auf Rhodos nicht gefehlt die Gemahlin des Nymphios und erhielt für ihre
zu haben. Wenigstens kennt daselbst Dio- That den gebührenden Ehrenlohn. Die Legende
doros 5, 58 (nach Zenon u. a.) Kadmeionen steht bei Plutarch de mul. virt. 7 p. 304 Dübn.
(avv KuSfitp QoivMig); ja diese gründeten imd u. Polyaen. 8, 64 [vielleicht nach den KagiKo:
verwalteten erblich gerade das Priestertum des Apollonios, der die Ktisis von Kryassos
des Poseidon, den Kapheira aufgezogen haben behandelte: Oeff'ken, De Stephano Byz. p. 52 zu
60 Frgm. 28; vgl. F. Dümmler, Athen. Mitteil. 13
*) Für die Bd. l Sp. 1693 u. Bd. 2 Sp. in fehlenden 1888 S. 301, der die Sage von der Gründung der
Artikel Gnes, -etea und Ignetes steht das Material Stadt Nea-Kryassa in Karien durch die Melier in
hei Lobeck, Agi, 2, lisss. Boeck, Kreta l, 352. Begehen, weiterem Zusammenhang behandelt und diese
De Stephano Byz. cap. n, Doktordiss. Göttingen 1S86 p. 44. Wanderung für trotz ihrer dorischen Etikette für
Tümpel PMioi N f. 4 1891 s. 43 v o r dorisch hält. Tümpel.] J(«h^ macht mich
**) Daäelhat ist zu erganzen „Tochter der Thalassa" . . , , i l ■ j?i- "t ^-a -i
, , ' „ , r „, , iT, -j ■* in einer dankenswerten briet liehen Mitteilung1
und zu tilgen, dafs Thalassa den Poseidon mit erzogen ^ „ , 1 ' . &
habe. — Halia m. 3 (Tochter der Sybaris ) und nr. 4 darauf aufmerksam, dais die Legende bei Plut.
(Tochter des Tyllos), s. in den Nachträgen zu Bd. 2. a. a. 0. (vgl. die SchlufswOl'te a'^lOV OVV Sya-
955
Kapheus
Kapys
956
c&cti rwv yvva.iv.SiV v.al tr\v <siianr\v %a\ zo
&dgaog) etymologisch auf die ouanij der dabei
beteiligten Frauen, wohl auch der Kaphene,
zugespitzt scheint, so dass dem aiziov die-
selbe Beziehung zu Grunde läge wie der Ety-
mologie von xnyrjvsg (vgl. Hcocpog) = schweig-
sam, stumm im Etym. Magn. [Röscher.]
Kapheus (Kacpsvg), bei AUcman frg. 72
Bergk (r)oy.s rig [o]xa(psvg äväaccov) zuerst
richtig eingesetzt von H. Neumann (bei Bobert,
Eratosth . reliq. p. 246 17), wo neuerdings wieder
Sitzler (Die Lyriker Eumelos, Terpander und
Älhman etc., Festschrift des . . . Gymn. Karls-
ruhe 1886 S. 54 oxacpsvg stehen lassen und
= e-nanrav erklären will, und JE. Silier (in
Bursians Jahresbericht über die griechischen
Lyriker und Bukoliker S. 171) mit Berufung
auf JSwrip. frg. 700 Na. (xconng ävaeoav) e-nci-
(fsvg (so) als Gen. von otacpos = Schilf fafst.
Vgl. d. Artikel 'Kepheus'. [K.Tümpel.]
Kappadokia (Kctnita.8ov.ia), die Personifi-
kation der Provinz Kappadokien , erseheint
mit der Beiachrift CAPPADOC1A auf Bronze-
niüozen Hadrians stehend, mit der Turmkrone,
haltend den Berg Argaios und eine Standarte
(Cohen 22, 121f. 200—211. Cavcdoni, Bull. arch.
napol. n. s. 4 p. 124 Dr. 9), auf Grofsbronzen
des Antoninus Pius stehend, mit der Turm-
krone, haltend einen Korb und eine Standarte,
zu Füfsen den Argaios, Cohen 2-, 282, 120.
[Drexler.]
Kappadox (KannäSot,, auch Kanna.doY.og),
Sohu des Assyriers Ninyas, Enkel der Semira-
mis, nach welchem Kappadokien benannt war,
Eustath. zu Dionys. Per. 772. Steph. B. v.
Kannaöonia. [Stell.]
Kappotas (Kanncotag = Katanavrag, Be-
ruhiger), Beiname des Zeus. Der Sage nach ge-
nas Orestes vom Wahnsinn auf einem [Meteor-?]
Steine sitzend, welcher Zs vg xannarag genannt
wurde, Pausan. 3, 22, 1. Preiler-Bobert, Gr.
Myth. 1, 146. [Vgl. Overbeck, Über das Kultus-
objekt bei den Griechen in seinen ältesten Ge-
staltungen, Her. üb. d. Verh. d. K. Sachs. Ges.
d. W. Ph.-H. Kl. 16 1864 p. 144—145. Drexler.]
[Lorentz.]
Kapros (Kangög), 1) Flul'sgott auf Münzen
von Atusa in Assyrien aus der parthischen
Periode, zu Füfsen der sitzenden Stadtgöttin
(„The city seated on rock from lohicli issucs a
sicimming Biver-god the Caprus , with long
goat's horns") , Head p. 690 nach Gardner,
Parthian Colns PL 7, 22. — 2) Flufsgott auf
Münzen von Laodikeia Phrygiae. Er erscheint
a) auf Münzen Caracallas in menschlicher Ge-
stalt, mit Lykos, zu Füfsen der von drei Kory-
banten umtanzten , das Zeuskind auf dem 1.
Arm haltenden Adrasteia, neben welcher 1. der
Genius von Laodikeia, die L. aufs Steuer ge-
stützt, steht, während oben in der Luft ein
Adler sichtbar ist, Imhoof, Jahrb. d. Ksl. D.
Arch. Inst. 3 1888 p. 290 nr. 2 Taf. 9 nr. 19;
vgl. Mi. 4, 330, 781. 782; Cat. Northwick
nr. 1232. Head p. 566; b) ebenso gelagert in
menschlicher Gestalt zusammen mit Lykos,
beide durch die Beischriften KATTPOC u. AYKOC
kenntlich gemacht, zu Füfsen der sitzenden
und ein Bild des Zeus Laodikeus haltenden
AAOAIKGIA auf einer Münze des Commodus,
Mi. 4, 325, 754; c) als Eber (KATTPOC) mit
Lykos (AYKOC) als Wolf die stehende und ein
Bild des Zeus Laodikeus haltende Laodikeia
umgebend auf Münzen der Iulia Domna, Vail-
lant, N. Gr. p. 92. Mi. 4, 327, 764. Raver-
camp, Mus. Begin. Christ, p. 180 Tb. 26, 12
(ohne Angabe der Beischriften); Sestini, Mus.
Chaudoir p. 109 u. Blas. Hedervar. 2, 349, 18
10 Tb. 27, 3. Mi. S. 7, 587, 460. Head p. 566.
Gardner, Greek Biver -Worship , Trans, of the
B. Soc. of Lit. of the united Kingdom. 2d ser.
vol. 11 1878 p. 205f. PI. 2, 2; d) sitzend als
Eber gegenüber dem als Wolf dargestellten
Lykos, Head p. 566, auf autonomen (Obv.
Haupt der Synkletos), Mi. 4, 316, 700. Streber,
Nu/m. nonnulla Gr. ex mus. regis Bavariae
hactenus minus aecurate descripta. München
1835. 4° (Akad.) p. 248 Tb. 4, 10 und Münzen
20 des Caracalla, Mi. 4, 330, 783 aus Vaillant,
N. Gr. p. 101; S. 7, 589, 465 nach Bamus,
Cat. n. vet. mus. reg. Daniae 1, 228, 12
Tb. 7, 11. Die Tiere sind in den früheren
Beschreibungen vielfach falsch benannt; das
Richtige sahen Cavedoni, Spie. num. p. 241
Anm. 208 u. Streber a. a. 0., vgl. auch Bn-
hoof, Monn. Gr. p. 406 zu nr. 125. Gardner
bemerkt zu dem Typus: ,,'This may be a mere
punning allusion to tlie name of the river, as
so these coins are of a very lote date, but we
have reason to (hink thai boars clid sometimes
typify the violency of water especially as wild
boars notoriously haunt swamps"; und Adolf
Gerber, Naturpersonifikalion in Poesie u. Kunst
der Alten. Leipzig 1883 (Jahrbb. f. kl. Phil.
Suppl. Bd. 13) p. 270: „Ebenso sahen die
Griechen in den Flüssen nicht wirkliche Stiere,
Eber oder Widder, sondern nur die Wesens-
gleichheit liefs sie solche Benennungen wäh-
40 len"; vgl. auch E. Curtias, Peloponnesos 1
p. 405 u. Sitzungsber. d. Bert Akad. 1888.
S. 1228, der auch (p. 388) in dem erymanthi-
schen Eber den Flufs Erymanthos erkennt u.
durch die Namen der Wildbäche Achajas
Krios (Bock) und Sys (Eber) ihre heftige und
zerstörende Natur bezeichnet sein läfst (s.
Boscher, Selene u. Vcrw. S. 52 A. 206). Aus
der slavischen Mythologie führt Gardner
p. 206 eine Notiz von Karamsin, Hist. de
50 Bussie 1 p. 114 an, dafs, wenn ein grofses
Unheil das Slavenvolk bedrohte, der Genius
des Sees von Rhetra unter der Gestalt eines
wilden Ebers mit furchtbarem Grunzen aus
den Wogen emportauchte, um alsbald wieder
zu verschwinden. [Drexler.]
Kapys (Kdnvg), 1) Sohn des Assarakos und
der Hieronyme, T. des Simoeis, Nachkomme
des Dardanos, Fürst der troischen Dardaner;
zeugte mit Themis, der T. des llos, den
60 Anchises, II. 20, 239. Apollod. 3, 12, 2. Diod.
4, 75. Od. fast. 4, 34. T:etz. L. 1232. Serv.
Verg. A. 1, 272. 284. Nach Serv. Verg. A.
5, 30 war die Troerin Segesta seine Gemahlin
und Mutter des Anchises. Bei Dionys. A. B.
1, 62 heifst Klytodora, T. des Laomedon,
Mutter des Kapys, der mit der Nymphe Nais
den Anchises zeugt. — 2) Trojaner, Verg. Aen.
2, 35 bei der Eroberung Trojas genannt; nach
957 Kar Kariös 958
Serv. z. d. St. war er ein Verwandter des Karche (K<xQxv)t Tochter des Aigyptos,
Aeneas und der Gründer von Capua, also eines Sohnes des Zeus und der Thebe, nach
identisch mit nr. 3. — 3) Begleiter des Aeneas welcher die „Insel" Karchedon benannt war,
der in Latium mitkämpft, Verg. Aen. 1, 183. Tzetz. L. 1206 p. 958 Müll. [Stoll.]
9, 576, derselbe, von welchem Capua ge- Karchedon(Äcp^?)i?cöv),l)PhönikierausTyrus,
gründet und benannt sein sollte, Verg. Aen. der 21 Jahre vor dem Fall Trojas mit dem
10, 145. Steph. B. Kanva, vgl. Sero. V. Aen. Tyrier Ezoros Karchedon (Karthago) gründete,
1, 2. 242. 10, 145. Dieser Gründer von Capua Philist. b. Euseb. Can. Chron. nr. 804 {Müller,
wird auch Samniter genannt, Serv. V. A. 10, ldst. gr. fr. 1 p. 190, 50). Steph. B. s. v. [Stoll.]
145. Liv. 4, 37. Nach Dionys. 1, 73 gründete 10 — 2) Tochter des tyrischen Herakles, Gic. de
Romus Capua und nannte es nach seinen troja- nat. deor. 3, 16, 42. Vgl. Karthago. [Höfer.]
nischen Vorfahren. [Das Haupt des Kapys er- KaQfA6ovi<ov öaifiiov, d. i. Tanit, wird
kennt Cavedoni, Spie. num. p. 14 auf dem Obv. zusammen mit 'HqaY.lfjg (Baal Chamman) und
von Münzen von Capua, deren Rs. eine einen 'ioXaog (Eschmun) als höchste Gottheit der
Knaben säugende Hirschkuh zeigt, M. S. 1, Karthager bezeichnet im Vertrage derselben
236, 259. T. Combe, Mus. Brit. Tb. 2 fig. 14. mit Philipp von Makedonien, Polyb. 7, 9,
Baoul-Bochette , Notice des fouilles de Capoue 2 — 3. Bäthgen, Beitr. z. semit. Beligionsgesch .
p. 94 — 95 hat sich Cavedonis Erklärung an- p. 46. [Drexler.]
geschlossen; dagegen erkennen Avellino, Bull. Kardys (KdgSvg), Vater des Klymenos, ein
arch. napol. 1 p. 11 und Friedländer, Osli. 20 Kreter aus dem Geschlechte des Herakles Idaios,
Münzen p. 13 Telephos, und Cavedoni selbst, Paus. 5, 8, 1. [Stoll.]
Bull. arch. napol. 1 p. 72 pflichtet ihnen bei; Karia (KctQi'u), 1) die Personifikation von
Minervini, Bull. arch. napol. n. s. 7 p. 170 Karien, erscheint auf den oben Bd. 2 Sp. 35S
will Auge erblicken; Poole , Cat. Gr. C. Brit. angeführten Münzen des Septimius Severus
Mus. Italy p. 83 nr. 14 beschreibt den Typus von Tarsos zusammen mit Isauria u. Kilikia.
nur als „Young head, r., wearing sJciii of beast". Auf Münzen von Laodikeia Phrygiae sieht
Drexler.] — 4) Begleiter des Aeneas (vgl. nr. 3); man Laodikeia sitzend zwischen der stehenden
er kam mit ihm auf seiner Irrfahrt nach Ar- <t>PYI""IA u. KAPIA, Eclhel 3 p. 160. Head, IL
kadien, wo sie eine Stadt gründeten, die nach N. p. 566. Mi. 4, 329, 775. Caracalla („«DPYriA,
ihm Kaphyae oder Kapyae genannt ward, so La Plirygie personnifie'e, tutule'e et debout, por-
Dionys. A. B. 1, 49. Strab. 13, 608. Nach tant sur la m. dr. deux simulacres; en face
Steph. B. v. Kacpvai war die Stadt nach dem KAPIA, la Carie, egalement debout et tutule'e,
Vater des Anchises benannt. — 5) Albaner- tenant dans la m. dr. des e'pis, et dans la g.
könig, Liv. 1, 3. 'Verg. Aen. 6, 768. Dionys. une corne d'abond."). [Drexler.] — 2) Ver-
A. B. 1, 71. Diod. 7, 4. Tzetz. L. 1232 p. 974 derbter Name einer Höre b. Hygin f. 183, wo
Müller. Ov. Met. 14, 613. fast. 4, 45. Auch wahrscheinlich Carpo zu lesen ist. [Röscher.]
ihm schreibt man die Gründung von Capua Kariös (Kägiog), 1) Sohn des Zeus und der
zu, Serv. V. Aen. 10, 145. [Schivegler, Böm. Torrhebia, der an einem See, der später nach
Gesch. 1 S. 342 f. A. 1 u. 2. R.] [Stoll.] ihm Torrhebia benannt wurde, von den Nym-
Kar (Kay), 1) nach griechischer Sage Sohn 40 phen in der Musik unterrichtet wurde und die
des Phoroneus, erster König von Megara, nach Lyder die pikn ToQQTjßia lehrte, Nikol. Dam.
welchem die Burg dieser Stadt Karia hiefs. bei Steph. Byz. Töggrißog. In der Landschaft
Ihm wurde zu Megara die Stiftung des De- Torrhebis befand sich auf dem Berge Kariös
rneterheiligtums, des sogenannten Megaron auf sein Heiligtum, Hekataios (?) bei Steph. Byz. a.
der Burg, zugeschrieben, Paus. 1,39,4. 1,40,5. a. O. — 2) Beiname des Zeus, dessen Tempel
Steph. B. v. Kaqia. Sein Grabmal war am in Mylasa stand, und der gemeinschaftlich von
Wege von Megara nach Korinth, Paus. 1, 44, den Kariern, Mysiern und Lydern verehrt
9. — 2) Nach dem Glauben der Karer in wurde, Herod. 1, 171. Strabo 14, 659. Steph.
Kleinasien Stammherr dieses Volkes, Bruder Byz. KagCa. Ael. nat. an. 12, 30. Waddington,
des Mysos und Lydos, Herodot. 1, 171, vgl. so Asie min. 415. Corr. hell. 12 (1888) p. 97
Strab. 14, 659. Sein Grab zu Suagela in Anm. p. 250 nr. 23. p. 251 nr. 24. 25. 26.
Karien, Steph. B. v. SovüyAa. Gründer der 15 (1891) p. 209 nr. 151. Strabo a. a. 0. er-
karischen Stadt Alabanda, die er nach seinem wähnt aufserdem in Mylasa noch einen Kultus
Sohne Alabandos benannte, Steph. B. v. 'Alu- des Zeus Osogos (s. d.) , Labrandeus (s. d.)
ßavSa. Ein anderer Sohn hiefs Idrieus (s. d.). und Stratios (s. d.). — Waddington a. a. Ü. setzt
[Vgl. auch Plin. n. h. 7, 203: Auguria ex den Zeus Kariös von Mylasa dem Zeus
avibus Car, a quo Caria appellata (invenit). Chrysaoreus (Strabo 14, 660; vgl. Bd. 1 Sp. 900,
Vgl. Kremmer, De catalogisheurematum. Leipzig Z. 55 ff.) von Stratonikeia gleich, während er
1890. S. 9 f. 61. Röscher.] [Stoll.] den Zeus Labrandeus und Stratios als den
C Karaios (Kaguiog)- Zfis tzuqu. Boicorotg ovtco 60 Nationalgott von Mylasa und den Zeus Osogos
7TQoaayoQ£vezai, mg fisv rivig cpaai diu rb vipw- wiederum als Spezialgott der myiasischen
J.6s tivai, änö xov «a'pa, Hesych. s. v. Kagaiog. Phyle Otorkondeis (Zsvg 'Otcogy-ovSscor) be-
Man hat Kagaiog in Kugiog umändern wollen zeichnet.. [Vgl. über die karischenZeusgestalten
nach der Glosse des Photios: Kagiog Zsvg- A. Maury, Hist. des religions de la Gr'ece ant.
sv ©fCößU'cz xal BoiiaxCa, vgl. Welcher, Aeschyl. 2 p. 18; 3 p. 139 — 144. Jahn, Arch. Aufs.
Trüogie p. 136, aber Meineke, Fr. Comic. Gr. p. 41 f. Overbecl; , Zeus p. 268 — 271 und die
2 p. 85 hat sich dagegen erklärt; s. O. Jahn, von ihm p. 268 Note a angegebene Litteratur;
Ann. dell' Inst. 1842 p. 210. [Drexler.] Preller, Gr. M. I4 p. 141 Anm. 2; über einige
959 Karinos Karnabon 960
interessante karische Zeustypen auf Münzen, Karko (Kaqv.ci), ein anderer Name für
J. Friedländer, Zeus Troios, Zeus Aseis u. Lamia (s. d.). Vgl. Hesych. s. v. v.ctgxa-
Zeus Osogo, Ztschr. f. Num. 2 1875 (p. 107 layia, wo wahrscheinlich zu lesen ist: Kagv.cö'
— 112) p. 109 ff. Drexler.] Auch in Athen Aduiu- Der Name hängt wohl mit vägvctgog,
ward der Zeus Kariös verehrt, Herod. 5, 66; v.dgv.aga, v.ctQxctgoäovg etc. (Curtius, Grdz. d.
vgl. Kratin. bei Piut. Per. 3; zur Erklärung gr. Etym. ° 144) zusammen und bezieht sich
liierfür weist Stein zu Herod. a. a. 0. auf die vielleicht auf die scharfen Zähne , die der
von Strabo (9, 397. Paus. 1, 40, 6; vgl. Herod. Lamia ebenso wie den Gorgonen eigen waren.
1, 117) bezeugte Thatsache hin, dafs Karer einst [Koscher.]
bis nach Attika vorgedrungen seien. [Höfer.] 10 Karcuanor (KuQy.ti.vcoQ), ein kretischer Sühn-
Karinos (Kctgiväg), Beiname des Apollon priester zu Tarrha, Vater des Eubulos und des
in Megara , der daselbst in Gestalt eines Sängers Chrysothemis. Er sollte nach kre-
Steines verehrt wurde, Paus. 1, 44, 2. Auf tischer Sage Apollon und Artemis von dem
um 300 v. Chr. geprägten Bronzemünzen der Morde des Python gereinigt, und Apollon in
Stadt erscheint ein Ubelisk zwischen zwei seinem Hause mit der Nymphe Akakallis üm-
Delphinen, den man als Apollon Kagivog gang gepflogen haben, Paus. 2, 7, 7. 2, 30, 3.
deutet, Head, H. N. p. 270. Imhoof- Gardner, 10, 7, 2. 10, 16, 2. Nach Schol Pind. Hypoth.
A numismatic commentary on Pausanias p. 6 Pytli. p. 298 Boeckh reinigte Chrysothemis den
PI. A, 8. Ein ähnlicher 'Stein wurde in Am- Gott, Müller, Bor. 1, 207. 343." Welcher, Chr.
brakia als Apollon Ayvtsvg verehrt und er- 20 Götterl. 1. 503. [Stoll.]
scheint auf Silbermünzen dieser Stadt, Head Kanne (Kcigurt}, Tochter des Eubulos (S.
u. Imhoof- Gardner a. a. 0. [Drexler.] der Demeter, Diod.; S. des Karmanor, Paus.);
Karissai (KugiaGui), Name von Göttinnen. zeugte auf Kreta mit Zeus die Britomartis,
die sonst nicht bekannt sind, auf einer myti- Diod. 5, 76. Paus. 2, 30, 3. Nach Ant. Lib.
lenäischen Inschrift tigsav zäv diav 'Et/j- 40 ist sie Tochter des Phoinix, Sohns des
cpi!.av y.al Kctgieectv v.al igGoyögov zäv Agenor, und der Kassiepeiä, T. des Arabios.
dyiataziöv ywozagimv, Bechtel, Die inschr. In Verg. dir. 220 ist sie als bejahrtes Weib
Denkm. d. äol. Bial. bei Bezzenberger, Bei- zu Megara im Dienste des Königs Nisos Amme
träge 5, 124 = Collitz, Samml. d. griech. Bial.- seiner Tochter Skylla. Sie ist als Gefangene
Inschr. 1, 232. Durch diese Inschrift wird zn- so (v. 290) dorthin gebracht, eine Tochter des
gleich die von Crusius (Bd. l Sp. 1389, Z. 37 ff.) Ügygiers Phoinix, also wohl aus Böotien, wo-
angezweifelte und durch Konjektur beseitigte hin Phoinix mit Kadmos gekommen sein mag,
Göttin Etephila gerettet, die sich auch auf Heyne, Exe. zu v. 220. — Schwende, An-
der Bresosinschrift (Bezzenberger a. a. 0. 5, 134. deutungen 159 f. Vgl. Kassiepeiä. [Stoll.]
Collitz a. a. 0. 255) findet: zeig 'EzKcpilag Karmeios (Kaguitog), Flufsgott, erscheint,
TIoGEtöcovog Mvyra v.u\ Mv^tag v.al zäv cenet- mit der Beischrift KAPM6IOC, unbärtig, ge-
Qairrjzcov &iuv ... GvyTidgsdgov. Such Bechtel lagert, in der R. ein Füllhorn, den 1. Arm
bei Bezzenberger a. a. 0. 5, 124 sind die 'Et;}- auf eine Quellurne gelehnt, auf einer Münze
cpiXai = 'Erif^ilui, die „wahrhaft freund- des Severus Alesander von Hadrianopolis
liehen'- (vgl. Evutvi'dsg), ähnlich wie Hades 40 Phrygiae, Head p. 564. Imhoof, 2\um. Zeitschr.
den Beinamen Evßovlsvg (s. d. nr. 4) führt. 16 1884 p. 291 zu nr. 144 u. Griech. Münzen
[Höfer.] p. 737 nr. 687. [Drexler.]
Karkafoos (Kagv.ußog), Sohn des Perrhäber- Karmeios (KuQui)log), göttlich verehrter
königs Triopas. Er tötete seinen Vater wegen Berg, Tac. bist. 2, 78: „Est Iudaeam inter
seiner grausamen Tyrannei und erhielt deshalb Syriamoue Carmelus, ita ooeant montem Deum-
von den Bürgern ein Ehrengeschenk. Als oue, nee simulacrum Deo aut templwn situm
Flüchtling kam er nach Brenthis in Troas, tradidere maiores: aram tantum et rerentiam."
wurde von Tros vom Morde gereinigt und er- v. Andrian, Der Höhcnkultus asiatischer und
hielt von ihm Grund und Boden, auf dem er europäischer Völker. Wien 1891 p. 257ff.; vgl.
die Stadt Zeleia gründete. Von ihm stammte so lo. lac. Bosius, Epistola de Carmelo monte et
Pandaros, der vor Troja kämpfte, Schot H. deo in Taciti et Suetonii locos. Lipsiae 1752.
4, 88. Eiistath. nennt ihn KctQvußctg. [Über 4'; in anderen Quellen wird Kannelos nur als
Kamabas s. Marauardt, Cyzicus p. 22. Drexler.] heilige Stätte erwähnt; so nennt Micha 7, 14
[StoD.] Jahwe den einsam auf dem Karniel Wohnen-
Karkinos (KagnCvog, Kagnivog), 1) In der den. und Slylax, Pcriplus p. 42 ed. Hudson
späteren euhemeristischen Auffassung erscheint bezeichnet den Karmel als isgov Jiog, vgl.
der Krebs (xagy.ivog), der in der Sage von Baudissin, Stud. z. semit. Beligionsgesch. 2
der lernäischen Hydra den Herakles (s. d.) zu p. 228 Anm. 1: p. 234, 240, 254. [Drexler.]
hindern suchte, als ein avr\q fiiyag zmv loyvv Karnabas s. Karkabos.
y.al 7ioJ.syiv.6g und Bundesgenosse des Lernos eo Karnabon {JCagvaßäv) od. besser (harnabou
(s.d.), Namens Karkinos. Vgl. Palaeph. 39. (XaQvaßäv), König der Geten. der den Tripto-
[Roscher.] Nach Tzetz. Chiliad. 2, 239 war lemos (s. d.) zuerst gastlich aufnahm, als dieser
er Bundesgenosse und Freund der Lerna, d. h. auf Geheifs der Demeter mit seinem Draehen-
der neun gegen Herakles kämpfenden Brüder. wagen durch die Welt zog, um die Menschen
— 2) Ein Krebs, der den Herakles bei dessen den Getreidebau zu lehren; später aber stellte
Kampfe gegen die Hydra in den Fufs bifs, von Karnabon dem Triptolemos nach und tötete
ihm aber zertreten wurde; Hera versetzte ihn einen seiner Drachen; zur Strafe versetzte ihn
unter die Sterne, Eratosth. katast. 11. [Höfer.] Demeter samt dem getöteten Drachen an den
9G1 Karneios Karneios 962
Himmel, wo er nun Ophiuchos (Öipiovxoe) Das Fest des Gottes (Kägviia) dessen Ur-
heifst. Sophokles bei Merodian. tcsqI fiov. Xs$. Sprung von der spartanischen Legende auf
p. 9, 29. Hygin. astr. 2, 14. Lobeck, Aglaoph. die Tötung des Sehers Earnos (s. d.) zurück-
215. 1351; vgl. Theognostos bei Gramer, an. Ox. geführt wurde, galt nach Thuc. 5, 54. Paus.
2, 29, 30. 30, 33. [Mehr b. Knaack, Jahrb. f. 3, 13, 4 und dem Schol. Theoer. 5, 83 als eine
kl. Piniol. 1887 S. 318f. Röscher] [Höfer.] allen Doriern gemeinsame Feier und wurde
Karneios (Kägvetog), Beiname des Apollon, in Sparta alljährlich vom 7. bis 15. Tage des
der unter diesem Namen einen weit verbreiteten Monats Karneios gefeiert. Der Verlauf des-
Kult hatte. Wahrscheinlich ist Karneios oder selben war nach dem freilich spärlichen und
Karnos (s. d.) ein uralter Gott, der mit Apollon 10 verstümmelten Quellenmaterial folgender. Es
identifiziert wurde. Eine lakonische Inschrift wurden aus jeder Phyle auf vier Jahre fünf
'erwähnt den Gott Karneios Oiketas und Kar- unverheiratete Männer, die sogen. Karneaten,
neios Dromaieus (C. I. G. 1446). Der Dienst erlost, die das Fest besorgen sollten (Hes. v.
der Karneios wird gewöhnlich (mit Kecht?) Kagviätai.). Der fungierende Priester hiefs
als ein gemeindorischer aufgefafst (Thuc. 5, 54, Agetes (Hes. v. dyvrrjg). Ein Mann, der Stem-
wo jedoch nur vom Monat Karneios die Rede mata trug (vielleicht der genannte Agetes),
ist, Paus. 3, 13, 4; vgl. Schol. Theocrit. 5, 83); wurde von jungen Männern, den sogen. Sta-
jedenfalls ist er nachweislich in mehreren phylodromen, indem er für die Stadt gute
dorischen Staaten verehrt worden: Argos Wünsche aussprach, verfolgt. Wenn die Sta-
Schol. Theoer. 5, 83; Kaibel Epigr. gr. 465; 20 phylodromen ihn einholteu, galt dies als ein
Thuc. 5, 54; Sikyon Paus. 2, 10, 2. 11, 2, vgl. gutes Vorzeichen für die Stadt, das Gegenteil
Euseb. Chron. 1, 175. 2, 56 Schoene; Megara, aber als schlimmes (Bekkeri Anekd. 1 p. 305,
wenn Apollon Karinos (Paus. 1, 44, 2) mit dem 25; vgl. Hes. v. araifvioägofioi). Es ist an-
Karneios identisch ist; Knidos Collitz-Bechtel, zunehmen, dafs die Staphylodromen so benannt
SGD. 3527; Kos Paton and Hicks, Inscr. of waren, weil sie in den Händen Traubenzweige
Cos 38, 10, 21; Kameiros Bull. corr. hell. 1881, hielten.
337. Journ. of hell. stud. 4, 351; TheraC i\ G. Dann folgte wahrscheinlich der gesellige
2467, 2467 b, vgl. die Belegstellen unter Kyrene; Teil des Festes. An neun Plätzen wurden
Kyrene Find. Pyth. 6, 75 (100)ff. und Schol. Lauben in Zeltform eingerichtet, wo je neun
Callim. hymn. in Ap. 71ff. Phit. Quaest. conv. 30 Männer, die drei Phratrien oder besser Oben
8, 1, 2 p. 717D; Messenien: bei Pharai Paus. repräsentierten, zusammenspeisten, wobei alles
4, 31, 1; im Karnasischen Haine Paus. 4, 33, auf das Kommando eines Heroldes geschah
4; vgl. Sauppe, Die Mysterieninschrift, von (Demetrios von Skepsis bei Athen. 4, 141 e. f).
Andania (Dittenb., Syll. 388). Den mit dem Natürlich fand bei den Karneien ein Opfer
Kultus des Karneios verknüpften Monat Kar- statt, von dem wir nur wissen, dafs in Thu-
neios , der mit dem attischen Metageitnion rioi ein Widder geopfert wurde, Theoer. 5,
(Aug.-September) zusammenfiel (Plut. Nik. 28), 82. Im Karnasischen Haine in Messenien
finden wir auf Rhodos 0. I. G. 8518, Kos wurde dem Apollon Karneios ein Eber ge-
Bull. corr: hell. 1884, 42, Kalymna Bull. corr. opfert, Dittenb., Syll. 388. Auch kam bei
hell. 1884, 31, Nisyros Diltenberger, Sylloge 40 dem Feste ein musischer Wettkampf vor:
195, in Knosos auf Kreta Mon. Antichi 1(1890), Eur. Ale. 445 ff. Hellanikos bei Athen. 14,
47, vgl. Bull. corr. hell. 1879, 293, in Syrakusai 635 e.
Plut. Nik. 28, Tauromenion G. I. G. 5640, Gela ■ In Karneios sehen die meisten Forscher
C. I. G. 5475, Akragas C. I. G. 5491; viel- einen Gott der Weiden und Herden (Ger-
leicht gehört hierher auch der Monat Carinus hard, Griech. Myth. 1, 285. 289. 308. Welcker,
in Byzanz, vgl. Preller- Robert, Griech. Mythol. Griech. Gö'tterl. i, 469ff. Preller-liobert, Griech.
1 S. 252 ff. Für Thurioi wird der Dienst des Myth. 1, 251. Gilbert, Stud. zur altspart. Gesch.
Karneios von Theoer. 5, 83 bezeugt. Vor allem 45 u. a.). Andere dagegen betrachten die
aber blühte die Verehrung des Gottes in La- Karneien als ein Erntefest (Schoemann,
konien: Sparta Paus. 3, 13, 3. 14, 6. C. I. G. 50 Griech. Altert.3 2, 459. Mannhardt, Ant.Wald-
1446 (KÜQvsiog Oi-nixag und dQofiixisvg); Gy- und Feldkulte 255. Boscher in diesem Lexikon
thion Paus. 3, 21, 8; Knakadion Paus. 3, 24, Bd. 1 Sp. 431). Die erstere Annahme stützt
8. Polyb. 5, 19; Oitylos Paus. 3, 25, 10; Leuk- sich auf die Etymologie des Karneios (von
tra Paus. 3, 26, 5; Kardamyle Paus. 3, 26, 7. uagvog, Schafbock, Widder); für die zweite
Vom Karneios ist der bei Paus. 3, 20, 9 er- Ansicht spricht die Rolle, welche die Traube
wähnte Kgdvtog 2t£ii[iarictg, dessen heiliger beim Wettlauf der Staphylodromen spielte,
Bezirk am Wege von Sparta nach Arkadien dann der Umstand, dafs das -Fest in die Zeit
lag, wohl nicht zu trennen. Bemerkenswert der beginnenden Weinernte fiel, und vor allem
ist, dafs der Kult. des Gottes vorwiegend in Analogieen mit sowohl griechischen wie nord-
Westlakonien , in den Taygetosgegenden zu 60 und mitteleuropäischen Erntegebräuchen, vgl.
Hause gewesen ist, wo der dorische Einflufs Mannhardt, Ant. Wcdd- u. Feldkalte 255ff. u.
niemals sehr stark war. Dagegen deckt sich Mythologische Forschungen (passim). Indessen
die Verbreitung des lakonischen (und messe- lassen sich beide Ansichten sehr gut ver-
nischen) Karneioskultes mit derjenigen der einigen: Karneios ist sowohl ein Herden-
alten Minyer, deren Wohnsitze besonders in und Hirtengott, wie ein Ernte- oder vielmehr
den Taygetosgegenden zu suchen sind. Viel- Weinlesegott. Er gehört ursprünglich den
leicht gehört Karneios einem noch älteren Hirten, welche neben der Viehzucht auch
Stamme an. Weinbau trieben; vgl. die Anfänge des Dio-
Koscher, Lexikon der gr. n. rom Mythol. II. 31
963 Karneios Karneios 964
nysoskultes in Attika , die aitolisclie und gvyu,azog ngaeozzcti (Kaibel, anö ^oezdyixazog
ozol.-lokrische Sage von QgiG&Evg, dem Berg- Y.ijgvooszai Hss.) beweisen nichts anderes, als
mann, durch welchen der Weinbau eingeführt dafs der gesellige Teil des Festes nach einer
worden sein soll (Athen. 2, 35 b. Paus. 10, bestimmten Ordnung gefeiert wurde.
38, 1). Die spartanische Tradition betrachtete Die Verehrung des Karneios haben die
das Fest als ein Sühnfest zur Erinnerung an Spartiaten von der vordorischen Bevölkerung
den von Hippotes (Apollodor 2, 8, 3. Conon Lakoniens übernommen. Die Zurückführ'ung
26. Schal. Theoer. 5, 83) oder Aletes (Schol. der Karneien auf die Tötung des Karnos bei
Find. Pyth. 5, 106. Schol. Oallim. hymn. Apoll. der Überfahrt der Dorier von Naupaktos nach
71) erschlagenen akarnanischen Seher Karnos io der Peloponnesos ist wohl nur eine aitio-
(s. d.). Vielleicht verträgt sich auch diese logische Legende, die im spartiatischen Inter-
Auffassung mit der Annahme eines Weinlese- esse erdichtet wurde. Auch behauptete sich
festes, denn bekanntlich sind Erntefeste und daneben die alteinheimische Tradition, dal's
Sühnopfer häufig miteinander verbunden. Zwar Karneios in Sparta vor der dorischen Wan-
besitzt die Sage von dem auf dem Dorierzug derunginr Hause des Krios(s.d.)verehrt worden
erschlagenen Karnos einen geringen histo- war, Paus. 3, 13, 3. Das ist übrigens nicht
risehen Wert, jedoch ist wohl der Zug der das einzige Beispiel für die spartanische Po-
Sage von dem Totschlagen des Karnos auf litik, sich die alten Landeskulte anzueignen
etwas Faktisches, d. h. auf eiuen Kultgebrauch und nach der Hauptstadt zu übertragen. Wir
beim Karneienfeste, zurückzuführen. Es ist 20 dürfen also in Karneios oder vielmehr Karnos
nämlich wahrscheinlich, dafs bei diesem Feste, einen alten vordorischen Gott des Hirten-
wie häufig bei Erntefesten, ein Karnos als lebens und der Weinlese sehen, der später
Symbol des Erntedämons getötet wurde, und mit dem Apollon identificiert wurde. Als
vielleicht ist der mit azsagaza geschmückte solcher berührt er sich mit seinem Doppel-
Mann, der von den Staphylodromen verfolgt ganger Krios (s. d.), der auch ein altpelo-
wurde, ein Vertreter des Erntedämons Karnos, ponnesischer Gott war und später zu den Ti-
vgl. verwandte Erntegebränche in Mitteleuropa tanen gezählt wurde, Paus. 3, 13, 3; vgl. Paris.
bei Mannhardt, Mythol. Forschungen 170ff. 7, 27, 11. Callim. Lav. Minercae 40 u. Schol.
und Hes. v. azfufiaziaiov in Verbindung mit M. Mayer, Giganten u. Titanen 59. G. Kirch-
Hes. v. di'xrjlov txzviimuci, caoicoua, li'dialov. 30 ner , Attica et Peloponnesiaca , Greifsw. Diss.
ävägiag. ^cöSiov. neegu Aäxioaiv. 1890 p. 35 ff. Dazu stimmt, dafs im karnasi-
Unter anderen Analogieen zu den Karneien scheu Haine in Messenien Apollon Karneios
ist besonders die troizenische Überlieferung und Hermes Kriophoros gemeinsame Ver-
von Orestes' Sühnung hervorzuheben. Nach ehrung genossen, Paus, 4, 33, 4.
Paus. 2, 31, 8 lag vor dem Heiligtum des Der Name Karneios wird .am besten von
Apollon Thearios in Troizen ein oiKoäegntia xdgvog = Schafbock, Widder, abgeleitet (andere
'Ogeazov v.a\ov(i£vov exqvrj , wo troizenische Deutungen bei Paus. 3, 13, 4. 5. Schol. Theoer.
Männer (nach Paus. 2, 31, 4 waren es neun) 5, 83. Macrobius 1, 17, 48). Karneios ist also
den Orestes vom Morde der Mutter gereinigt dem Apollon Kereates, unter dessen Tempel
haben sollten; zur Erinnerung daran speisten 40 der Flufs Karnion entsprang (Paus. 8, 34, 5),
ihre Abkömmlinge dort zu bestimmten Zeiten. und dem Apollon Keraton (Plut. Thes. 21),
Die Reinigung im Zelte und die Zahl der Keratinos (Piut. de soll. anim. 35. Callim.
neun Männer bieten eine Analogie zu dem ' hymn. in Apoll. 61) nahe verwandt,
lakonischen Festbrauch an den Karneien, dafs Im allgemeinen vgl. die Darstellungen bei
in jedem Zelt neun Männer safsen (vgl. auch O. Müller, Orchomenos 327 ff. Welcher, Griech.
die neun Männer und neun Weiber, welche Götterl. 1. 469 — 472. Preller- Bobert, Griech.
in Patrai den Dienst des Dionysos Aisymnetes Myth. 1, 250 — 252. Über die Feier der Kar-
versahen; Paus. 7, 20, 1). Die Ähnlichkeit neien Hermann, Lehrb. d. gottesd. Altertümer -
wird noch gröfser, wenn man in Betracht 349, 354 f. Schoemann, Griech. Altert. 3 2, 458 ff.
zieht, dafs der von den Troizeniern gesühnte 50 Mannhardt, Ant. Wald- u. Feldkidte 254 ff.
Orestes ('Ogiczrjg, 'Ogia&ivg, der Bergmann) [Wide.]
ursprünglich ein Gott der Hirten und Winzer Karneios *) (Kdgvaog), 1) Sohn des Zeus und
war, Welcher, Kachtr. zur Aeschyl. Tril. 186 ff. der Europe , Liebling des Apollon , Praxilla
u. 211. Lübbert, Ind. Schol. Bonn, per mens. bei Paus. 3, 13, 5 und im schol. Theoer. 5, 83
aest. 1888 p. 19; vgl. die Rolle, welche Orestes = fr. 7. Bergk 4 p. 568. Hesych, wo er Kdgvog
bei den attischen Choen spielte. Dagegen heifst. — Alhnan im schol. Theoer. a. a. O. =
entbehrt die geläufige, auf Demetrios von fr. 103 Bergk 4 p. 67 nennt ihn Kägviog (Bergk
Skepsis bei Athen. 4, 141 e zurückgehende vermutet Kdgios) und einen Trojaner. Wenn
Behauptung, dafs das Karneienfest einen er im schol. Theoer. a. a. 0. auch Sohn der
kriegerischen Charakter trug, jeder Stütze in 60 Demeter heifst, so beruht dies auf einem Irr-
unserer Überlieferung von den dortigen Fest- tum des Scholiasten, 8. Bergk zu Alkman a. a. 0.
brauchen, denn die von diesem Gewährsmann Nach Paus. 3, 13, 3. 4 und Theopompos im schol.
dafür angezogenen Gründe sind nicht stich- Tlicocr. a. a. 0., die ihn Kdgvog nennen, stammt
haltig. Die Errichtung der Zelte oder Lauben,
beweist nichts, weil auch unter anderen Völ- . ''> f68" A^fkeI , iat S'eichseltig von zwei «rsclue-
denen Seiten geliefert worden. .Da beide Bearbeitungen
völlig unabhängig von einander sind, so trägt die Ke-
naung vorkamen. Auch die Worte des De- daktiun keju Bedenken, sie neben einander abdrucken
kern derartige Gebräuche bei den Erntefeston
häufig vorkamen. Auch die Worte des De-
metrios bei Athin. 4, 141 f. navza ze cenö v.n- zu lassen
965 Karneios Karneios ' 966
er aus Akarnanien und ist Wahrsager im 80; vgl. Weil, Athen. MM. 2, 73f. Enidos,
Heere der Herakleiden, wird aber von ihnen Waddington, Inscr. <V Asie min. 1572. Colliti,
als Spion verdächtigt und erschlagen; als Samml. d. griech. Dial.-Inschr. 3, 3527; in
seinen Mörder nennen Paus, und schol. Theoer. Rhodos und in Eos, Corr. hellen. 8, 42; Ka-
a. a. 0. den Hippotes (s. d. 2.), das schol. meiros, Corr. hell. 5, 337; auf einer anderen
Find. Pyth. 6, IOC und schol. Callim. 2, 71 den Inschrift aus Kameiros heifst es 'Aitollcavog
Aletes. Wenn es bei Euseb. praep. ev. 5, 20, 3 Kagvitov v.a.1 Mvlavxog, Journ. of hell.
heifst diaxovTi'£si Kdgvov limoxnv QvldvSgov stud. 4 (1883) 35 nr. 10; vgl. Larfeld in Bur-
zbv Alxalov, wobei aus dem vorigen Satz als sians Jahresb. 66 (1891) 3; Lindos, Foueart,
Subjekt Temenos zu ergänzen ist, soll man da xo Inscr. ined. de Vile de Rhodos 62; vgl. Corr.
nicht schreiben SiaKovxi'Qsi Kdgvov 'Innpxng hell. 5, 338; vielleicht auch inKnosos, Corr.
». x. l.'i s. Höfer in Fleckeisens Jahrb. 1891, hell. 3, 293. 298; Eyrene, Find. Pyth. 5, 81.
751 f. Auch im E'ym. M.. 61,52 wird Hippotes Plut. quaest. conv. 8, 1, 2; vgl. schol.- Callim. •
als Mörder genannt, der getötete Seher aber 2, 86; in Syrakus, Plut. Nilt. 28; in Phin-
heifst Kdgvig. Um den wegen des Mordes tias, einer Stiftung von Akragas, Kaibel,
zürnenden Apollon zu versöhnen, erweisen die Inscr. Graecae Sicil. 256; in Sybaris [oder
Herakleiden dem Karneios (Karnos) göttliche vielmehr Thurioi, denn der a. a. 0. Sprechende
Ehren und geben dem Gotte selbst denBeinamen ist Schafhirt des Thuriers Sibyi'tas. Wide.],
Kdgvtiog. Konon narr. 26 nennt den K. ein Theokr. 5, 83.
cpdafia AnöXlcovog, das dem Heere der Dorier 20 Über das im Monat Earneios gefeierte
folgte, aber von Hippotes erlegt wurde. — 2) Bei- Fest der Karneia (Herod. 7, 206. 8, 72.
name des Apollon in Sparta, Find. Pyth. Thuk. 5,75. 76. Für. Alk. 449. Theokr. 5,83
5, 80 (106) und schul. Callim. hymn. 2, 71. 72. und schol. Plut. de Her. mal. 43. instit. Lacon.
80. Paus. 3, 14, 6. Nonn. 16, 104. Euseb. 17. de mus. 6. schol. Find. a. a. 0. Athen. 4,
praep. eo. 5, 20,3. 4. Schon vor dem Ein- 141e. 14, 635e. Bekker, An. 234, 3. 305,25;
dringen der Dorier war bei den Achaiern der vgl. 32, 18 ff.); vgl. Bd. 1 Sp.431, Z.41ff. Preller
Kultus des KttQvfLog, der in Sparta den Bei- in Paulys Realencyklopädiel, 152 f. und Sauppe
namen Ohfaag — vgl. auch die Inschrift a. a. 0. 261, der. sie zu den uralten Sommer-
iigiav . . Kctgvtiov Olv-ixa xai Kugvsiov Jgo- festen rechnet , can denen man teils das Hin-
fiaiiog, C. I. Cr. 1, 1446 — führte, verbreitet, 30 welken alles Lebens im glühenden Sonnen-
Paus. 3, 13, 3. 4. Der Apollon Earneios ward der brande betrauerte, teils die für Menschen und
Nationalgott der Dorier; seine Verehrung nennt Herden Seuche und Tod sendenden Mächte
Paus. 3, 26, 7 Jcognvaiv hiiiiwgiov und der zu sühnen suchte'; denn der Name Earneios
Monat Kagvtlog heifst iigofii'ivict Jcagitvoi, Thuk. hängt weder mit dem Wahrsager Earnos (s. o.),
5, 54. Aufser für Sparta [Belegstellen s. o.] (da- noch mit dem Eornelkirschenbaum (tgdv cua),
selbst sein Tempel xo Kctgviiov, Paus. 3, 13, 6) ist aus dem die Griechen das hölzerne Pferd ge-
seine Verehrung bezeugt für Gythion, Paus. zimmert haben sollten (Paus. 3, 13, 6. schol.
3, 21, 8; Las, Fa,us. 3, 24, 8; Oitylos, Paus. Theoer. 5, 83), noch mit kquivccl = inixsliaai,
3,25,10; Leuktra, 3,26,5; Eardamyle, Demetriosim schol. Theoer. a.a.O. zusammen, son-
3, 26, 7; ein Kdgviov in der Nähe von Asine 40 dem er bezeichnet den Apollon als Herden-
erwähnt Polyb. 5, 19, 4; in Sikyon durften gott,\g\.Hesych. -nag- ngoßaxov. — ndgcc-"l(av£g
nur die Priester seinen Tempel betreten, Paus. xd ngößaxa. — -ndgvog' -izgöfiuxov, wie zuerst
2, 10, 2. 11, 2; in Argos hiefs Apollon Ear- Lobeck, Paral. 74. 323. Pathol. serm. graec. 1,
neios auch Zeus oder Hegetor (Hyr)xcag), schol. 108 erkannt hat, vgl. Hermann, Gotlesd. Altert.
Theoer. 5, 83, und durch eine Inschrift aus 53,33. Welcher, Götterlehre 1,471. K.Schwenck
Argos sind Kagvslai 9vaCai bezeugt, C. I. G. im Rhein. Mus. 6 (1838), 575. Sauppe a. a. 0.
1, 1152. Kaibel, Epigr. 465; vgl. auch Thuk. 261. Preller 22, 198. Curtius, Etymol. 5 147 .
5, 54; in Messenien befand sich nahe bei Damit hängt auch der Name des Priesters
Pharai ein Hain des Apollon Karneios, Paus. des Apollon Karneios, Krios (Paus. 3, 13, 3)
4, 31, 1, und in dem heiligen Kypressenhain 50 und das Widderopfer (Theokr. 5, 83) zusammen,
von Andania, dem Karnasion oder Karneia- vgl. Bd. 1 Sp. 443, Z. 64f. Ausführlich handelt
sion, wurden ihm, der Demeter, dem Hermes, in neuerer Zeit über die Karneia Fr. Mezger
den Kabeiren und der Kora Mysterien gefeiert, bei Ersch und Gruber 2. Sektion 34. Teil S. 92f.;
Paus. 4, 33, 4. H. Sauppe-, Die Mysterien- nach ihm sind sie ursprünglich ein unter der
inschrift aus Andania, Abhandl. d. Königl. achäischen Bevölkerung der Peloponnes hei-
Gesellsch: d. Wiss. zu Göltingen 8 (1860), 217ff. misches Hirten- und Bauernfest: denn 1)
260ff. Le Bas 2, 326a. Dittenberger , Sylloge bedeute Kdgvnog = der Gehörnte; 2) sein
388 p. 567 ff. Auch aufserhalb der Pelopon- Kult sei durch die Aigiden Ziegenmänner (txi%)
nes war der Kultus des Gottes verbreitet, verbreitet worden; 3) verweist er auf den Seher
vgl. schol. Theoer. 5, 83 xctvxnv xt\v sogxrjv co Krios (Widder); 4) auf die oxucpvXoSgönoi,
(des Apollon Karneios) oi (i£xoiy.j]eavxtg in Bekker, An. 305, 25;' die eingewanderten Dorier
nslonovvriaov iig sxigag nölzig insxslovv, so hätten aberihrenApollodienst mitdern vorgefun-
in Kalymna, Neioton, Anc. Greek inscr. 2, denen verschmolzen, und dadurch hätte das Fest
322 p. 100. Corr. hellen. 8, 31ff. 42; Nisyros, allmählich einen ganz anderen Charakter an-
Dittenberger , Sylloge 195 = Collitz , JDial.- genommen, es sei ein Kriegerfest geworden;
Inschr. 3, 3497, Boss, inscr. ined. 2, 166; die näheren Ausführungen sowie.sonstige Litte-
Thera, C. I. G. 2, 2467 (KagvrjCog). 2467b ratur s. bei Mezger a, a. 0. Über die Form
add. p. 1087.» Kdllim. 2, 74. Find. Pyth. 5, Kagvticav statt Kagvsiogs. Schneider, Kallimach.
31*
967
Karneos
Karteria
968
1, 142. — 3) Beiname des Hvakinthos, Koluth.
rapt. Hei. 235. [Höfer.]
Karneos = Karneios (s. d.).
Karnis (Kcigvig) heifst Etym. M. 61, 52
der sonst Karneios (s. d. 1.) genannte Seher;
auch hier wird der Herakleide Hippotes als
sein Mörder bezeichnet. [Höfer.]
Karnos (Kdgvog, Kägveiog), 1) ein apolli-
nischer Seher aus Akarnanien (wohl wegen
der Namensähnlichkeit) , der von deni Hera-
kliden Hippotes*) erschlagen wurde, als das
dorische Heer im Begriff war bei Naupaktos
• nach dem Peloponnes überzusetzen, weshalb
durch den Zorn des Apollon eine Pest über
das Heer kam; seitdem hatten die Dorier den
Brauch, den akarnanischen Seher zu sühnen
und den Apollon Karneios zu ehren, Paus. 3,
13, 3. Scliol. Tlieocr. 5, 83. Apollod. 2, 8, 3.
Schol Callim. H. in Ap. 71. Müller, Bor. 1,
60. Preller, Gr. M. 1, 205, 2. Karnos oder
Karneios, nach welchem Ap. Karneios benannt
sein sollte, heifst auch Sohn des Zeus nnd
der Europa, Liebling des Apollon, aufgezogen
von Apollon und Leto, Schol. Theoer. 5, 83.
Praxina bei Paus. 3, 13, 3. Hesych. v. Kug-
viiog (Europa scheint auf Theben und die
thebanischen Aigiden, welche die Herakliden
in den Peloponnes begleiteten, hinzuweisen,
Welekeir, Gr. Götterl. 1, 472. Stoll bei Pauly, R.
v. Apollon 1, 2, 1263 -, oder auf Kreta, Preller,
Gr. M. 2, 116, 3). — Alkman bei Schol. Theoer.
5, 83 leitete den Beinamen des Ap. Karneios
von Karneos, einem Trojaner, her. Der Seher
Karnos ist eine Parallele zu dem Seher Apollon,
der die Dorier in den Peloponnes geführt
hatte und als solcher in den Karneen gefeiert
wurde. Vgl. Karneios. — 2) Sohn des
Phoinix, nach welchem die phönikische Stadt
Karne genannt wurde, Istros bei Steph. B. v.
Kdgvn. [Stoll.]
Karou (Kägov), Beiname des MHN auf
Münzen von Attuda, Head p. 559. Sestini,
Mus. Sederv. 2, 339 nr. 3. Lett. num. eont.
6 p. 80. Mi. S. 7, 514, 193. Mi. 4, 241, 282.
A. Maury, Hist. des rel. de la Grece ant. 3
p. 139 Note 4. Waddington, Asie Min- p. 216
nr. 6. Ed. Meyer, Gesch. d. A. 1 p. 304 § 254.
Poscher, Über die Reiterstatue Julius Cäsars
p.. 124 (Ber. d. Sachs. Ges. d. Wiss. 1891).
Der Tempel des Men Karou, zu dem das Dorf
Menos Korne gehörte, lag zwischen Karoura
und Attuda, s. Strabo p. 579. Athen. 2 p. 43 u.
dazu Ramsay, A historical geography of Asia
Minor p. 135 nr. 5; p. 137f. nr. 31. [Drexler.]
Karpo s. Hören.
Karpodotes (Kagnodozng), Beiname des Zeus
auf einer Inschrift aus Prymnessos : Ju Msyiazco
KagnoSozy Athen. Mut. 7, 134. [Verbessert
teilt diese Inschrift mit Ramsay in Tlic histo-
rical geography of Atia Minor p. 235: Jil Ms-
yi'azco Kagitoöozrj S[u> z?tgi 'ÖXvvnim Fdiog Tspi-
i'ios OiaXrig svkceu.Evog Hctd[t-\£QCüO£v. Drexler.]
[Höfer.]
Karpoi? (Kagnoil), auf einer Inschrift aus
Ephesos, in der vor dem jedesmaligen Per-
sonennamen des Priesters der Name einer
*) Nach Schol. Pind. Pylli. 5, 106 und Schol. Call. It. in
Ap. 71 von Aletes erschlagen. 'Wide.]
Gottheit im Genitiv steht, liest Newton-Hicks,
anc. Greek inscr. in the Brit. Mus. 3, 600,
p. 221 f. K~\ugnä>(v'}) Zcoaäg. Hat man viel-
leicht darunter Daimonen der Fruchtbarkeit
zu verstehen? [Höfer.]
Karpoplioros (KagTcocpögog), Beiname 1) der
Demeter und Kora in Tegea, Paus. 8, 53, 7.
In einer freilich arg verstümmelten, vermut-
lich ans Mytilene stammenden Inschrift werden
10 nach Boeckhs Erklärung neben Demeter •frfoi
xagnocpügoi ial TioXv-nägitoi y.al zsXietpögoi
genannt, C. I. GV.2175; vgl. 2192. Kagtto-
epogog ist Beiname der Demeter in Ephesos,
Dittenberger, SyM. Inscr. Gr. nr. 390 = B. C. H.
1877 p. 289 nr. 12. Epidauros, 'Ecprjfi. ägx-
1883 p. -152 nr. 50; p. 155 nr. 55; Paros,
C. I. Gr. add. 2384f.; vielleicht auch in Pes-
sinus, wenn im C. I. Gr. 4082 0EA HTPI.
KAPTTO0 richtig zu Jrjfijrjzgi xapo7rqp[op<» er-
20 gänzt ist und man nicht vielmehr in Anbe-
tracht, dafs Pessinus eine Hauptkultstätte der
Kybele ist, 0sä Mr]zgl Hagitoyöga herzustellen
hat. — 2) Karpophoros ist ferner Beiname
einer unbestimmten, von Lechat und Radet
auf Isis gedeuteten Göttin in einer Inschrift
von Hamamlü: 'A]7ioXX[6]do)go[g\ Ka]g-
noq>6g[o) | v.az £n]irayr;[i>, B. C. PL. 12 (18S8)
p. 194 nr. 4. — 3) Beiname der Ge in einem
Orakelspruch aus Delphoi an die Kyzikener,
30 Corr. hellen. 6, 454 nr. 87. Beiname der
Ge in Athen, C. I. A. 3, 16« Tijs Kag-no-
epogov xazci fiavtiiav. [Höfer.] — 4) Auch ver-
schiedene Kaiserinnen, die oft als Demeter
verehrt und dargestellt wurden, hiefsen so (vgl.
Wieseler , Über einige beaelitenswerte geschn.
Steine des vierten Jahrhundeiis n. Chr. (Abh.
d. K. Ges. d. W. zu Göttingen Bd. 32) 1885
2, 1 p. 41 f. u. 46 f.): a) der 'lovXitx Zsßaori] d. i.
Livia, Eckhel, D. N. V. 6 p. 153, p. 168. Bout-
40 kowski, Biet. num. Sp. 1650 nr. 2794. Mi. 6,
671, 404; vgl. Wieseler, Über einen bisher
nicht bekannten Onyxcameo mit einer Replik
der Barstellungen auf dem oberen u. d. mitt-
leren Streifen des grofsen Pariser Cameos de ■
la Sainte-Cliapelle, Gott. Nachr. 1882 p. 763 f.
Anm. 28. Heydemann, Pariser Ant. p. 67. —
b) der älteren Agrippina, Gemahlin des Ger-
manicus, die als &SÜ AloXXg Kagnocpögog be-
sonders auf Lesbos verehrt wurde, C. I. Gr.
50 3528 („in Aeolia"). Cichorius, Mut. d. K. B.
A. Tust, in Athen 13 p. 63 nr. 13. Epli. epigr.
2 p. 9; vgl. die Münze von Mytilene, welche
sie ©sä AloXCg nennt, Eckhel 6 p. 214. Mi: 3,
49, 122. S. 6, 65,- 89. Boutkouski Sp. 1650. —
c) der jüngeren Agrippina, Eckhel 6 p. 214 f.
C. I. Gr. 2183 (wo auf die ältere Agrippina
bezogen). C. /. Gr. zu nr. 2960; add. 2183 b. —
d) vermutlich der Sabina, die in einem atti-
schen Besehlufs [iJ'fa] svsgyizig Kceg7z[o<pögo$
go genannt wird, C. I. A. 3, 12. [DrexlerJ
Karpos (Kctgnög); ein durch seine Schönheit
ausgezeichneter Jüngling, Genosse des Kalamos
(s. d.). Als er mit diesem um dieWette schwamm,
ertrank er, Konn. 11, 385—481. [Höfer.]
Karleria (Kagzsgia), die personificierte
Standhaftigkeit, mit Tlsvia, IJovog, Zotpia und
'AvSgsia zusammen im Gefolge des Aifiög
(Lucian. Tim. 31). [Über Kagzsgia und 'Ey-
969 Karteron Kasios 970
Kgäxsia auf dem Pinax des Kebes s. K. K. kannten Dienst hatte. Plierenikos aus Heraklea
Müller, Areh. Ztg. 1884. Bd. 42 Sp. 122 — 123. hatte gedichtet, dafs Oxylos, S. des Orios, mit
Drexler.] [Höfer.] . seiner Schwester Hamadryas die Hamadryade
Karteron (Kagxsgcov), Sohn des Lykaon, Karya und viele andere Hamadryaden be-
Apollod. 3, 8, 1, s. Lykaon. [Stoll.] stimmter Bäume erzeugt habe, Athen. 3, 78 b.
Karthago, Personifikation der Stadt Kar- Eustath. p. 1964, 15. [Stoll.] [Vgl. auch Statins,
tbago. Eine Inschrift von Tunis lautet: K]AR- Theb. 4, 225; über das Fest Hes. v. Kdgva,
THAGINI • PATRIAE • SVAE | [P]OMPEIVS • Kccgvdxsa, Kagvätig, vgl. Diom: Ars gramm. 3
FAVSTINVS. Delattre bemerkt dazu: „Les deux p. 486 Keil. Lactant. Placidus ad Stat. Theb.
premieres lignes qui en resteni, montrent que cette 10 4, 225. Wide.] [S. auch Bötticher, Baumkultus
pierreportaitladedicaced'uncitoyendeCarthage p. 264; Murr, Pflanzenwelt -p. 36. Drexler.]
äsaPatrie, Sans doute, personnifie'e sous les traits Karystos (Kügvoxog), Sohn des Cheiron und
d'une Statue dont la de'dicace ornait la base", der Chariklo, nach welchem Karystos auf
Bull, epigr. de la Gaule 1 1881 p. 217. Diese Euboia benannt sein sollte, Schol. Pind. Pyth.
Behauptung möge dahingestellt sein. Sicher 4, 181. Steph. B. s. v. Eustath. p. 281, 10.
haben wir die Personifikation Karthagos auf Anth. Pal. 14, 68. Er heifst Vater des Zarax,
Münzen des Clodius Macer, auf deren Obv. nach welchem der gleichnamige Berg auf
ihr Haupt mit der Mauerkrone und einem Euboia benannt war, Tzets. L. 373. 580, auch
Füllhorn dahinter mit der Umschrift L ■ C ■ Vater des Aristaios, Schol. Ap. i?/(.2,498. [Stoll.]
MACRI • CARTHAGO S • C. (L. Müller, Nu- 20 [Vgl. auch Areh. Z. 9, 399. R.]
mism. d. l'anc. Afrique 2 p. 170 f. nr. 381. Kaseos (Kdasog), Beiname eines Gottes auf
Cohen l2, 318, 11) oder L. CLODI. MACRI einer Inschrift aus Ulumbad (dem bithynischen
CARTHAGO S. C. (Cohen 318, 10) erscheint. Lopodion) 01 axgaxsvadfisvoi iv toig xaxarpgdy.-
Auf Goldmünzen des Maximianus Herculius tois • ■ ■ £^i An\i-r\xgiav xov AvaivXiiovg iic-
erscheint als stehende, in beiden Händen nctgiso) vi Kacicoi bv%tjv , Bull, de
Früchte oder Ähren haltende Prauengestalt corr. hell. 12 (1888) p. 190. Lechat - Radet
die FELIX CARTHAGO, Eckhel, D. N. V. a. a. O. 192 ergänzen TIooHdäty A'cgeW; aller-
8 p. 18. Cohen 62 p. 504 nr. 107; FELIX dings könne man auch an 'An6Uto]vi denken;
KARTHAGO, Cohen 62 p. 505 nr. 108; auf aber bei einem von glücklich zurückgekehrten
Goldmünzen des Maxentius die FELIX 30 Seeleuten dargebrachten Opfer komme doch
KARTHAGO ebenso mit Ähren (?) und Wein- wohl Poseidon in erster Linie in Frage. Kä-
beere, Cohen 72, 173, 66. Noch auf Silber- cfog sei wahrscheinlich ein lokales Epitheton,
münzen des Vandalenkönigs Hilderich findet ein Zusammenhang mit K&oiog aber, dem
sich der Typus der ährenhaltenden FELIX • Beinamen des Zeus , sei trotz der grofsen
KART., Eckhel, D. N~. V. 4 p. 138. Auch auf Ähnlichkeit wohl nicht anzunehmen. [Höfer.]
Bronzemünzen des Diocletian, Eckhel 8 p. 11. Kasios (Kdaiog), Beiname einer semiti-
Colien 62, 464, 437. 438; Maximianus Heren- sehen, mit Zeus identifizierten Gottheit. Den
lius, Cohen 62, 546, 509. 510; Constantius Namen bringt Fr. Lenormant, seiner Auffassung
Chlorus, Cohen 7S, 84, 270 — 272; Galerius des Gottes als eines „dieu-aerolitht" gemäfs,
Maximianus, Cohen 72, 121, 190 — 192 mit 40 zusammen mit einer Wurzel, die dem hebr.
der Umschrift SALVIS. AVGG. ET. CAES. qäcac schneiden, brechen, qäcah schneiden zu
AVCTA oder FEL. KART, und auf solchen Grunde liegt, „en rapportant le sens primitif
des Flavius Severus IL, Cohen 72, 138, 64. 65; ä Vexplosion qui aecompagne et precede de
Maximinus Daza, Cohen 7S, 157, 150;. Maxen- quelques secondes la chute de tout aerolithe",
tius, Cohen 72, 177, 103; Constantinus M., Lenormant, Zeus Casios, Gas. areh. 6 1880
Cohen 72, 284, 479 mit der Umschrift SAL- p. 143; vgl. Les betyles; Bev. de l'hist. des
VIS AVGG. ET. CAESS. FEL. KART, sieht rel. 3 p. 41, Artikel Casius in Daremberg
man die in beiden Händen Früchte haltende et Saglio's Dict. des ant., Lettres assyriologiques
Karthago. Gleichfalls stehend, in jeder Hand 2 p. 118. — De Vogüe, Syrie centrale, Inscr. semit.
eine Frucht verschiedener Art, erscheint sie 50 p. 104 erklärt ihn als allgemeine Bezeichnung
auf Gold-, Silber- und Bronzemünzen des für Höhe, Bergspitze, wörtlich ,,das Abge-
Prätendenten Alexander mit der Aufschrift schnittene"; Movers , Phoen. 1 p. 669 ganz
INVICTA ROMA FEL. KARTHAGO, Cohen verkehrt als 'pp isa „Gott der Obsternte";
72, 185 f., 3. 4. 6; ebenso, stehend in einem Baudissin, Stud. z. semit. Beligionsgesch. 2
Tempel auf Bronzemünzen des Maximianus p. 239 als ""pap „Entseheider", „Richter".
Herculius, Cohen 62, 501, 74 und des Maxen- Seinem Wesen nach hält ihn Lenormant, Gaz.
tius, Cohen 1°, 171. 50 mit der Aufschrift areh. 6 p. 143, wie schon bemerkt, für „un dien
CONSERV ATORES KART. SVAE. Cicero de foudre ou un dieu-aerolithe"; Baudissin p. 239 f.
nat. deor. 3, 16 bezeichnet Karthago als Toch- für einen Berggott u. p. 242 wegen seiner Ver-
tex des zu Tyrus verehrten Herakles. Vgl. go ehrung auf dem Berge für einen Himmelsgott,
Karchedon. [Drexler.] „der auch speziell als Gewittergott gedacht
Karya (Kagva), Tochter des Dion, Königs werden mochte"; Stark, Gaza p. 571 für den
in Lakonien, Geliebte des Dionysos, der sie in „Gott der wolkenumhüllten, Regen u. Frucht-
einen Nnfsbaum (Kagva) verwandelte, Serv. barkeit bringenden, aber auch von dem Soloriens
Verg. Ed. 8, 30; s. Dion. Die Fabel hat Be- (6 ävioxmv rjlwg), den alle Syrer verehren, Zu-
zug auf das Nnfsdorf Karyai im nördlichen erst beschienenen Berghöhen". Als Kasiu er-
Lakonien, wo Artemis Karyatis (vgl. Stat. Theb. scheint er in einer hauranischen Inschrift:
4, 225, und namentlich Paus. 3, 10, 8) einen be- „Geheiligt dem Gotte Kasiu", de Vogüe, Syrie
971 Kasios Kasios 972
centr., Inscr. sein. Hawaii 5. Baethgen, Beitr. l'einp. rom. p. 90) stellt den Kaiser dar, bekränzt
z. semit. Btligionsgesch. p. 103 und in einer von einer bewaffneten Figur (Roma?) dem auf
nabatäischen Inschrift auf einem scbwarzen _ einem Berg sitzenden, in der L. den Blitz-
Basaltaltar aus Bosra: „Dies hat dargebracht strahl haltenden Iuppiter eine Victoria über-
Natarel, Sohn des Natarel, dem Gotte Kasiu", reichend. Fröhner will diesen Typus aus
de Yogüc a. a. 0. Textes nabate'ens 4. Baethgen einem Besuch des L. Verus nach Beendigung
p. 103. — Lenormants (G. A. 3 p.__143) Ableitung des Partherkrieges beim Zeus Easios von Pe-
des Namens der idumäischen Örtlichkeit 'Hi- lusion erklären. Allein von einem Aufenthalt
rata-Qacai auf einem Keilschrift- Prisma des des Kaisers in Pelusion ist nichts bekannt,
Assurbanipal (Smith, Hist. of Assurbanipal 10 denn die von Frühner a. a. 0. Anm. 1 dafür
p. 258. Cuneiform inscr. of West. As. t. 3 angeführte Notiz des Julius Capitolinus vit.
p. XXIII Prisme A Kol. 7 1. 118) von diesem Verl c. 8, Veras habe in Syrien und Alexandria
Gottesnamen Kasiu ist zu gewagt. Auch den Musiker und andere Künstler gekanft, ist kein
von de Vogüe Irqncioun gelesenen Namen der Beweis dafür, dafs er selbst nach Ägypten ge-
sebulonitischen Stadt (los. 19, 13) erklärt er reist ist. Dagegen ist sein Aufenthalt in
wenig wahrscheinlich als Stadt des Gottes Antiochia während des Partherkrieges hin-
Kasiu, während Baudissin p. 239 f. Anm. 7 länglich bezeugt (2Ierivale 4 p. 520) und es
ihn mit „Stadt des Führers" (des Schofeten) liegt nahe, dafs er dem Heiligtum des Gottes,
übersetzt. Ob Lenormant, G. A. 6 p. 143. welches der Stadt benachbart war, die ge-
A. Levy, ZDMG 18 p. 631. Paul Scholz, 20 wohnlich der Ausgangspunkt der Operationen
Götzendienst und Zauberwesen bei den alten für einen Partherfeldzug war, nach glücklicher
Hebräern p. 144 Anm. 1 und Baudissin 2 Beendigung des Krieges seinen Dank abgestattet
p. 239 den Kasiu mit Recht mit dem von hat. Julian opferte an einem Festtage dem Iup-
Iosephus, Amt. iud. 15, 7, 9 als einen Gott piter auf dem Kasios, Amin. Marc. 20, 14, 4; vgl.
der Idumäer bezeichneten A'off identificieren, Iul.Misopog. p. 361 Spanh. Baudissin 2 p. 241.
lasse ich dahingestellt sein. Mit zwei Bergen In hellenistischerZeit entstanden eine AnzahlFa-
in Vorderasien ist der Kult des Zeus Kasios beln, die an den Bers Kasios anknüpften. Philo
verknüpft: erstens mit dem Kasios bei An- Bgblius leitet den Namen des Berges Kassios
tiocheia. Auf Münzen von Seleukeia, dem von einem Riesen der Urzeit ab, jF. H. Gr. 2, 7
Hafen von Antiocheia, erscheint häufig ein 30 p. 566. Baudissin p. 235, p. 242. Nach Eu-
Stein in einem Tempel, zuweilen mit einem hemeros bei Euseb. praep. et). 2, 2 hat Zeus
Adler darüber und meist mit der Beischrift auf seinen Reisen den Herrscher von Syrien,
ZGYC KACIOC darunter, Echhel 3 p. 325 f. Kassios, besucht und der Berg von diesem
JScad p. 661. Mi. 5, 276, 884, 277 f., 891—899, den Namen erhalten, Baudissin p. 241. Nach
279, 905; ohne Namen 904, 908 u. 280, 914. Servius zu Aen. 3, 680 flieht der kretensische
S. 8, 190f., 293, 294, 298— 300; ohne Beischrift Jüngling Kyparissos vor Apollon nach dem
297, 301. Baudissin 2 p. 242 erklärt den Kasios, wo er in eine Cypresse verwandelt
Stein für ein Bild des heiligen Berges, Lenor- wird, Baudissin p. 214, p. 241. — Malalas 2
mant, G. A. 6 p. 142. Bev. de Vhist. d. rel. 3 p. 28 und Synkellos p. 237 ed. Dind. machen
p. 52 — 53. Art. Casius in Darembirg- Saglio, 40 Kasos und Belos zu Söhnen des Inachos , die
Dict. des ant. für einen Aerolith, in dessen Ge- mit Triptolemoa eine argivische Kolonie nach
stalt Zeus Kasios verehrt wurde; er erinnert Syrien führen und Iopolis oder Ionopolis (An-
an den Donnerkeil, der dem Seleukos Nikator tiocheia) gründen. Auch Kreter und Kyprier
den Ort der zu gründenden Stadt Seleukeia an- führt nach Malalas 8 p. 201 Kasios nach
gezeigt hatte und der nach Appian als Gott ver- seiner Vermählung mit Kitia, der Tochter des
ehrt wurde, App. Sifl\ 58. Malalas p. 199 Dind. kyprischen Königs Salaminos, dorthin, Lenor-
Eckhel 3 p. 326. Dieser Donnerkeil erscheint mant, G. A. 6 p. 144. Baudissin 2 p. 242.
bald für sich allein, bald auf einem Tisch, Die andere Kultstätte des Zeus Kasios ist auf
bald ohne Beischrift, bald mit der Beischrift dem Berge Kasios bei Pelusion, wo nach
ZGYC K6PAYNIOC -auf den Münzen von Se- 50 Baudissins (2 p. 240) Vermutung phönikische
leukeia, Eckhel 3 p. 326. Hcad p. 661. Mi. 5 Verehrer ihm ein Heiligtum errichteten. Philo
p. 572 — 580. S. 8 p. 186— 190 (s. Keraunios). Byblius, Fr. H. Gr. 2, 17 p. 568 erzählt, die
Auch Baudissin 2 p. 242 ist nicht abgeneigt, in Nachkommen der Bioskuren, identisch mit den
Typus und Aufschrift dieser Münzen Symbol phönikischen Kabiren, hätten, verschlagen an
und Namen des Zeus Kasios zu sehen. Auf dem den Berg Kassios, dort ein Heiligtum ge-
Berge Kasios feierten die Antiochener bei An- gründet. Nach Epiphanius , Ancoratus e. 106
Wesenheit des Seleukos Nikator ein Fest, p. 209 Dind. ist Kasios ein von den Pelusioten
und der König opferte auf demselben dem verehrter Schiffsherr, was Bawlissin 2 p. 243
Zeus Kasios und befragte ihn über die Grün- damit erklärt, dafs die Seefahrer dem Zeus
düng von Seleukeia, Slrabo 16, 2, 5. Matal, 60 Kasios ihre Ehrfurcht erwiesen. Das Heilig-
p. 199. Trajan brachte auf dem Berge dem tum des Zeus Kasios auf dem Berge erwähnt
Zeus Weihgeschenke dar, Suidas s. v. Kaaiov. Strabon 16, 2, 33, den Namen des bei Pelusion
Als Hadrian ihn bestieg, um den Sonnen- verehrten Iuppiter Casius Lucan Phars. 8,
aufgang zu sehen, tötete ein Blitz Opfertier 858. Baudissin 2 p. 242 — 243. Nach Achilles
und Priester, Spart, v. Hadr. c. 14. Vielleicht Tatius 3, 6 stellte ein heiliges Standbild des
hat auch L. Veras dem Zeus Kasios bei Antiochia Zeus Kasios in Pelusium ihn als Jüngling,
seine Huldigung abgestattet. Ein Medaillon ähnlich dem Apollon, mit einem Granatapfel
(Cohen 33, 197, 291. Fröhfier, Les medaillons de in der Hand dar, Baudissin a. a. 0. Wenn
973 Kasios Kassandra 974
Lenormant, G. A. p. 144 auf Grund dieses Südlichen Aufschrift ZGYC KACIOC, seltener
Symbols, das auch dem" Rimmön eigen war (154, 576. 577) ZCTC KACCIOC, oder (159, 638
(Lenormant, Lettres assyrioloyiques 2 p. 215), M.- Aurel) nur KACCIOC. Den Eaisermünzen
vermutet, man habe vielleicht beide Götter "fehlt meistens die Beischrift (159, 639 M. Aurel;
assimiliert, so ist dies zu kühn. Haltlos ist 160, 646 L. Verus; 161, 652 Commodus; 163,
auch R. Försters (Die Hochzeit des Zeus und 671 — 674, 165, C87 Caracalla; 166, 694 — 695
der Hera. Winckelmann - Programm. Breslau Geta); .vgl. Lenormant, Q. A. 6 p. 144 Note 11,
1867 p. 13) Annahme, er halte ihn, um ihn der die von Ecldicl, Mionnet und Tloaxolatiag,
seiner Gemahlin zu reichen. Die Granate er- Kax. xäv <xq%. vofi. Keqhvqccs k. x. X. mit-
scheint übrigens auch auf Münzen Hadrians 10 geteilten Exemplare verzeichnet. Wie Behr
von Pelusion, Feuardent, Fg. anc. 2 p. 314 das Heiligtum in Ansehen stand, beweisen
nr. 3546. 3547. Auf Münzen desselben Herr- auswärtige Münzen, so von Lakedaimon und
schers sieht man einen jugendlichen, lang- Knidos (C. G. C. B. M. Thess. to Aet. p. 158
gelockten Kopf mit Diadem und ägyptischem nr. 630, 631) mit dem Gegenstempel dtbg
Kopfputz, Feuardent 3545. Gewöhnlich be- KaaCov , die vermutlich als Weihegaben an
zeichnet man diese Gottheit als Isis, zu wel- den Tempel zu betrachten sind. Aus Epi-
cher ja als lvBiv.6y,og die langen Locken sehr dauros kennen wir die Widmung: Ja Kaaiwi \
gut passen; in Anbetracht aber der Notiz des 'EXXnvoy.oäxrjg Hociy.XslSov , 'Eqtrju. <xq%. 1883
Achilles Tatius von der Apollonähnlichkeit p. 87 nr. 22. Bev. arch. 1883 3e ser. 1 p. 397.
des Bildes des Zeus Kasios und in Verbindung 20 lievue des renies 8 p. 310: [(Ja KaaCmi EXXccvo-
des Umstandes, dafs dieses Bild eine Granate y.Qcixrjg'HQauXiiSov). Baunacl; (Stud.a.d. Gebiete
hielt mit dem Vorkommen der Granate auf der griech.u. and. Sprachen 1,1,88) erklärt Käaiog
Münzen Hadrians von Pelusion dürfte viel- a.usya9-ai-og = xa9%ägeiog, unter welchemNamen
leicht die Frage nicht ganz abzuweisen sein, die Eleer den Zeus verehrten (Paus. 5, 14, 8);
ob wir nicht in dem Kopfe vielmehr Zeus wozu vielleicht passen dürfte, dafs nach Wide
Kasios zu erblicken haben; auch für einen (De sacris Troezeniorum etc. üpsala 1888 S. 8)
dem intonsns Cynthius ähnlichen Gott passen Plinius nur die Schreibung Käooiog kennt,
die Locken; auch ist der Kopfputz verschieden Nach Tümpels mir brieflich mitgeteilter An-
von dem gewönlich der Isis gegebenen, welcher sieht liefse sich zum Verständnis des Namens
in der Sonnenscheibe zwischen zwei Hörnern 30 einerseits an das Ji.bg xcööiov (von -xäg Schaf-
besteht. Vielleicht ein Weihgeschenk an das vliefs), andererseits an das sinnverwandte he-
Heiligtum des in Pelusion verehrten Zeus Kasios sychische nag Fell (vgl. Hesych. s. v. xuaaog =
haben wir in dem Bronzespiegel der ehemaligen zottiges, derbes Uberkleid) erinnern, sodafs Zivg
Sammlung Anastasy im Leidener Museum, das Kao(a)iog = Z. xcoSioyopog wäre. „Ja man
einen ägyptischen Kopfputz und die Aufschrift könnte sich den epidaurischen Zeus sogar
Jibg KaaCov, 'A&r[väg Amtiuvov 1 ' . . . . zeigt, ebenso gut wie mit dein Dioskodion auch mit der
C. I. Gr. 7044b. Ganz allein dürfte Brugsch, Aigis geschmückt denken als Alyio%og. Denn
Dict. ge'ogr. p. 915 mit seiner Ansicht näg ist nicht wie xäg an das Schaf gebunden,
stehen, dafs der Zeus Kasios von Pelusion sondern kann auch einer Ziege eignen. Die An-
ein Amoo sei. — Durch Handelsbeziehungen 40 knüpfung an den Gott des Kceeiov bgog würde
mag der Kultus des Zeus Kasios nach Kas- dann natürlich sekundär sein." [?] Röscher. |
siope auf Kerkyra gelangt sein , wo nach Über die mit dem Namen des Gottes zusammen-
Plin. h. n. 4, 12 (19), 152 ein Tempel Cassi gesetzten Personennamen s. Letronne, Ann. d.
Iovis stand. Suetons Notiz (Nero c. 22), Nero Inst. 1845 p. 300. Vgl. über Zeus Kuoiog auch
habe den Altar Iovis Cassii zu Kassiope be- Steudings Artikel Casius oben Bd. 1 Sp. 855 f.
sucht, bezieht man wohl am besten nicht mit und Overbccl:, Kunstmythol. Zeus S. 3 — 4; 198.
Lenormant, Gaz. arch. 6 p. .144 auf die Stadt 214. Vgl. auch Kassiepeia u. Kasos. [Drexler.]
Kassiope (Kassiopia) in Epeiros, sondern, wie Kasipliones (Ka<u<p6vr]g), Sohn des Odysseus
dies Preller in Paulys It.-E. 2 p. 205 und und der Kirke, Bruder des Auson und des
Bursian , Geogr. von Griechenland 2 p. 361 50 Telegonos, Tzetz. Chiliad. 5, 567. Vgl. Kassi-
Anm. 4 thun, auf die kerkyräische Stadt Kas- phone. [Höfer.]
siope (s. d. Art. Kassiopeia). Hier sind zwei Kasinilos (= Kadmilos) s. Kamillos und
lateinische Widmungen an Iuppiter Casius ge- Kadmos. [Boscher.]
funden, C. I. L. 3, 576. 577. Procop debello Goth. Kasos (Kdaog), Sohn des Kleomachos, nach
4, 22 p. 576 Dind. erwähnt ein hier beSndliches dem die gleichnamige kykladische Insel sowie
aus Steinen zusammengesetztes Schiff, dasWeih- der Berg und die Stadt Kasion in der Nähe von
geschenk eines Kaufmanns an Zeus Kasios, Bar- Pelusium benannt waren, Steph. B. v. Kdeog u.
sian a. a. O. Die Münzen der Stadt zeigen ihn Kuoiov. Vgl. Kasios u. Kassiepeia. [Stoll.]
ganz wie den hellenischen Zeus dargestellt, Kasperia (Kacitegia), Gemahlin des Khoitos,
thronend, mit dem Scepter, einige auch mit go des Königs der Marrubier, Stiefmutter des
Schale und Scepter (Cat. Gr. C. in the Brit. Anchemolos, von diesem entehrt, Verg. Aen.
Mus. Thessaly to Aetolia p. 154 nr. 578 — 581), 10, 388 f. Alexander Polyhistor bei Serv. zu
oder ohne Attribute (C. G. C. B. M. Thess. to Verg. a. a. 0.; vgl. Bd. 1 Sp. 2863, Z. Uff.
Aet. nr. 582 — 584) und der bald im Obv. [Hängt der Name etwa mit der sabinischen
(p. 155—156 nr. 598—608 PI. 25, 6—11), bald Stadt Casperia zusammen? Vgl. die von De
im Rs. (p. 153 — 155 nr. 570 — 575, 582 — 597 Vit, Onom. s. v. Casperia gesammelten Stellen.
PI. 25, 5-8 autonom; p. 158 nr. 633. 634 Röscher.] [Höfer.]
PI. 26, 1 Antoninus Pius; p. 159 nr. 638) be- Kassandl'a (KttcGuvSiiu), 1) T. des Priamos
975 Kassandra Kassandra 976
und dar Hekabe, so wie Laodike (Hout. Z -252) nixoXwfxEvog 'Agyvgozo'gog KccaadvSgnv insXiv-
gleichfalls ftvyuzgäv siSog dgiGxi\ genannt esv d-novovz^oeiv uhiezu 9iani^siv Tgiösoai.
(V365); Othryoneus forciert sie zur Ehe (dvd- Myth. lat. ed. Bode 1, 180 fidem vera dicenti
eSvov) indem er dafür die Griechen aus Troja" sustulit, vgl. 2, 196. Apul. op. (ed. Altenb.) 2
zu vertreiben verspricht. Als Priainos den S. 112 incredita vaticinia. Tryphiod. al. 'IX.
Leichnam Hektors nach der Stadt bringt, ist 417 zx^v ydg 'Autoklav d(iq>6zigov (idvziv %'
K. die erste, welche von der Burg aus das uya&ryv xai uniozov t&gxsv. Gewöhnlich wird
Herannahen des Vaters bemerkt (Sl 699 ixiliq für sie eine ähnliche Art der Weissagung wie
XgvasTj 'AcpgoSizrj)' Von Agamemnon mit nach für die Pythia in Anspruch genommen, d. h.
Griechenland geführt, wird sie von Klytai- io sie weissagt mentis incitatione et permotionc
mestra dicht neben-dem sterbenden König ge- divina (Cic. de divin. 1, 40, 89; vgl. ebd. 1,
tötet, der ihr nicht mehr Hülfe zu leisten 31, 66 quid oculis rubere Visa es derepente ar-
verrnag (X 421). Dazu fügte die IXiov Tlegaig dentibus, aus dem Alexander des Ennius, 1,
(Ep. gr. fr. ed. Kinkel S. 49) die Erzählung 39, 85 C'assandra furens und 2, 55, 112. Sen.
von der Gefangennahme der Kassandra. Sie Troad. 34), während ihr Bruder Helenos au-
hat, als die Stadt eingenommen wird, sich in guriis die ■ Zukunft erkennt; doch wird bei
den Tempel der Athena geflüchtet und das Hyg. f. 128 unter den augures auch Cassandra
Bild der Göttin umklammert; Aias, Oileus' Priami filia angeführt. Als Seherin heifst sie
Sohn, reifst sie mit Gewalt fort, sodafs das fiavzinoXog Edv-xii Ettr'. Hei;. 121; dsamcpäog
Bild mit umgerissen wird; wegen dieses 20 v. 677; apoißdg v. 827; ginzti £av&äg nlov.d-
Frevels wollen die Griechen den Aias stei- (iovg %lcooo-AÖfico ozscpdvco ädapvag Hocftjjarsiea,
nigen, der aber sucht und findet Schutz bei ozuv 9eov fiavzoavvoi nvsvecoe' dvdyv.ai, Eur.
dem Altar der von ihm beleidigten Göttin. Ipli. Aul. 757; wegen der Dunkelheit ihrer
Die Wegreifsung der Kass. vom Bilde der Orakel wird sie bei Lykophr. Alex. 7 Ztplyt,
Göttin war auch auf der Kypsele in Olympia genannt; sie selbst bezeichnet sich wegen des.
dargestellt (Paus. 5, 19, 5) mit der Beischrift Unheils, das sie über Agamemnon bringt, als
Ai'ag KaaoavOgav an' 'Adavaiag Aoxgbg t'Axfi. fxiav zgi&v 'Eqlvvv bei Eur. Troad. 457. Sie
Auch in der Lesche in Delphi hat der Mythus erkennt das Unheil, das der Stadt durch Paris
der Kass. mehrfache Berücksichtigung gefunden; droht, und fordert auf, ihn zu töten, fisydXav
zunächst war unter den toten Troern Kogoi- 30 ügidfiov nuXsag Xatßav, Eur. Andr. 297; als
pog dargestellt (Paus. 10, 27, 1 dyiy.ezo inl aber Paris Gefahr läuft- von seinen Brüdern
zbv KaaaävÖQctg yäfiov, also wie bei Homer getötet zu werden, verkündet sie, dafs er ein
Othryoneus, vgl. Verg. Aen. 2, 343 iuvenisque Sohn des Priarnos ist, sodafs er von dein
Coroebus Ulis ad Troiam forte diebus venerat, König anerkannt wird, Hyg. f. 90. Bei der
insano Cassandrae incensus amore), aufserdem Ankunft des Paris mit Helena weissagt sie
der Schwur des Aias, vermöge dessen er sich das kommende Unheil nvxvd Si ziXXs v.6fir\v,
von dem ihm vorgeworfenen Verbrechen an xQva^rlv ä' £9orl& xaXvnzgnv , viotpoizov In'
der Kass. reinigte; Kassandra safs dabei, das dxgonoXt]og ISovaa, Koluth. rapt. Hei. 389.
Bild der Athena im Schofse haltend (Paus. Myth. lat. 2, 196 cum iam adventu Helenae
10, 26, 3). Auch in der ozod noi-xiXv in Athen .10 Troiam destruendam praaliceret. Sie- erkennt,
war eine ähnliche Scene dargestellt, 01 ßaoi- dafs Priarnos den Leichnam Hektors zurück-
Xeig rj&QOiOfiivoi ö'iä zo Ai'avzog fg Kaoodvdgav briugt, wie bei Homer, Tzetz. Hom. 410. Be-
zoXixrijia (Paus. 1, 15, 3). Während Homer sonders gegen die Hereinbringung des hölzer-
von der Sehergabe der Kassandra nichts weifs nen Pferdes eifert sie mit aller Kraft, doch
(vgl. Schol. Hom. H 699), erscheint sie schon umsonst, Verg. Aen. 2, 246, Hyg. f. 108 fides
von Pindar ab (Pyth. 11, 49 fidvzig xöga) als ei habita non est. Quint. Smyrn. 12, 526 dxov-
Seherin, die aber mit ihren Prophezeiungen izo d' tx rtvog ai'arig chg dv&nmXiov aikv Zv' •
keinen Glauben findet. Nach Schol. Hom. äXyta Tga>ai yivtjrai. Tryphiod. S.X. 'IX. 358.
H44 und Eustath. Hom. 11. 663, 40 wurden Priarnos schilt sie und läfst sie schliefslich
ihr, als sie in kindlichem Alter zusammen mit 50 nach der Burg bringen, wo sie ihr Schicksal
Helenos, ihrem Zwillingsbruder, im Hain des beweint. Dieser Zug ist wohl aus Eykophrons
Thymbiäischen Apollon zurückgelassen war Alexandra entlehnt; dort schliefst Priarnos die
(nach B L V. zu Hom. H 44 wird nur Hele- Tochter ein olxizr\v nagKxazaezijaag dxovsiv
nos im Tempel des Apollon, Kassandra da- zCav %gr\<s\Läv , onmg dvctygatpofis'vog ctvzovg
gegen in dem Tempel der Artemis vergessen), dnayynXrjavziä(Lykophr.Alex.Prooem.). Nach
durch Schlangen die Ohren gereinigt, xdvzsv- Verg. Aen. 3, 183 hat sie dem Anchises ge-
fti-v rrjv [lavxixrjv dxgag 8z(Xia9rjeav; oder weissagt, dafs er in Italien eine Heimat finden
Apollon verleiht ihr die Seherkunst, um da- wird; vgl. 10, 68 Cassandrae impulsus furiis;
für ihre Liebe zu gewinnen (Apollod. 3, 12, 5). sie verkündet, dafs ihre Verbindung mit Aga-
Als sie sich nach Empfang der Seherkunst uo memnon den Griechen böses Leid bringen und
weigert, ihr Versprechen zu erfüllen, nimmt dafs Hekabe in Troja sterben wird, Eur.
der Gott ihren Prophezeiungen den Glauben, Troad. 356; sie wird von Hekabe gesucht,
vgl. Aesch. Ag. 1202. Nach Servius Verg. Aen. um einen Traum auszulegen, Eur. Hei. 88.
2, 247 thut er dies dadurch, dafs er ihr in Auf eine im Traum erfolgte Verkündigung
den Mund speit. Hyg. f. 93 verbindet beide der Kassandra beruft sich auch Beroe, als
Erzählungen, den Schlaf im Hain und die sie ihre Genossinnen beredet, die Schiffe des
Liebesverweigerung der Kassandra, mit ein- Aeneas anzuzünden, Verg. Aen. 5, 636. Zu
ander. Vgl. Orph. lith. 759 avzoKctoiyviji-jv spät erkennen die Troerinnen, nach Quint.
977 Kassandra Kassandra 978
Smyrn. 14, 395, dafs ihnen' die Seherin einst gegeben hatte. Ebd. v. 294 verlangt Talthy-
die Wahrheit vorausgesagt. Als Seherin schil- bios, dafs ihm Kassandra zur Auslieferung an
dert sie auch Christod. descr. stat. 189. Agamemnon aus der Mitte der Gefangenen
Bei der Zerstörung Trojas flüchtet sie sich übergeben werde. Durch die Verbindung mit
in den Tempel der Atbena und umfafst hülfe- ihr wird Agamemnon der troischen Sache ge-
suchend das Bild der Göttin; dort wird sie neigter, er versucht in Bezug auf Polyxena
von Aias, üileus' Sohn, gefunden und weg- u. a. den Troern günstig zu sein (Eur. Hek.
gerissen; hierbei kommt das Bild der Göttin 120 u. a.). Polymestor, der von den Troerinnen
mit zum Fall. So schon in der 'iXiov itsgatg des Augenlichts beraubt ist, verkündet ihr den
(Ep. gr. fr. ed. Kinkel S. 49) und auf der 10 Tod (Eur. Hek. 1275). Bei der Teilung der
Kypsele in Olympia, Paus. 5, 19, 5, ferner in troischen Beute erhält Eurypylos eine Xdgvcc£,
der Lesche von Delphi (Paus. 10, 26, 3) und welche von Aineias zurückgelassen sein soll,
in der Poikile in Athen, Paus. 1, 15, 3; vgl. die aber nach andern von Kassandra hin-
oben Bd. 1 Sp. 135ff. Auch heiPhilostr. her. 8, 2 geworfen ist als cvßcpogd xä zbgovxi^EXXrjviov,
wird behauptet, dafs Aias zwar die Kassandra Paus. 7, 19, 7. Die Ankunft der Kassandra
vom Bilde der Göttin weggerissen, sonst ihr in Mykenai und ihr Tod durch Klytaimestra
aber keinerlei Gewalt angethan, sondern sie ist besonders durch Aischylos im Agamemnon
'in sein Zelt geführt habe. Dort sei sie dem behandelt. Als Hauptstück der Beute ist sie
Agamemnon vor Augen gekommen, der, sofort dem Griechenfürsten zugefallen; er empfiehlt
in Liebe zu der Seherin entbrannt (itgbg ydg 20 sie bei seiner Rückkehr der Klytaimestra
xfj utga Y.al v.axaaniTtxo mzgü xfjg xi%vrig), sie (950 — 955). Diese gebietet ihr vom Wagen
weggeführt habe; um sie sicher in seinen abzusteigen und verhelfst ihr milde Knecht-
Besitz zu bringen, habe er dann die bekannten schaff (1035), aber Kassandra bleibt stumm
Verleumdungen gegen Aias ausgestreut. Wie auf dem Wagen sitzen, bis Klytaimestra zornig
Kassandra zu den Schiffen geschleift wird, weggegangen ist, ' erst dann beginnt sie, in
schildert Verg. Aen. 2, 404; vgl. Tzetz. Posthorn-. wilder Verzückung Seufzer und Klagen aus-
735 KaaadvSgrjv §' Jk v-nov Aov.gbg dwsiXito zustofsen (1072 — 1173), Prophezeiungen, die
Ai'ag. Hyg. f. 116 ira deorum, quod Cassan- sie in ruhigerer Rede weiter erläutert; sie
dram Aiax Locrus a signo palladio abripuerat, erzählt, wie sie den Apollon, dem sie Liebes-
Dafs Aias die Kassandra im Tempel geschän- 30 genufs versprochen , getäuscht hat, und wie
det habe , ist wahrscheinlich erst eine Er- infolge dessen ihre Prophezeiungen keinen
findung der Alexandriner, wohl des KaTli- Glauben mehr gefunden haben (1202 — 1213).
machos (nach Schol. Hom. IV 66; vgl. Lykopin: Sie zerreifst ihr Seherabzeichen (1264) und
Alex. 358. Tryphiod. aX. 'IX. 358. Ov. am. 1, verkündet die Rückkehr des Orestes und die
7,17. Propert. 5, 1,118), wenngleich Stellen Rache, die er nehmen werde (1280 — 1284.
wie Eur. Troad. 70 in Verbindung mit v. 170 1316). Darauf geht sie in den Palast, trotz-
glaublich machen könnten, dafs diese Wendung dem sie vor der Mordluft, welche er aus-
der Sage älter ist. Die Göttin soll aus Scham strömt, zurückschaudert, in den sicheren Tod
über das vor ihren Augen Vorgehende sich (1330); sie stirbt kvkvov Slv.tjv xbv varaxov
abgewandt haben, Strab. 6, 1, 14 dnoorgacpi]- 40 ßiXipaaa 9avdeiuov yoov (1444). Seneca hat
vai Xiyixai xaxä xöv KuGadvSgng ßiaaaov, in seinem Agamemnon dies zu verändern und
oder sie wendet ihre Augen nach oben (Schol. zu überbieten versucht. Agamemnon läfst sie,
Hom. N 66. Quint. Smyrn. 13, 422); später weil sie mit Prophezeien nicht aufhört, ein-
nimmt sie an Aias oder der Gesamtheit der sperren (v. 253. 793); als sie zum Tode fort-
kriechen (weil sie den Aias nicht gestraft geführt wird (v. 998), bietet sie sich freiwillig
haben) furchtbare Rache, Eur. Troad. 70. 170. dar, um den im Hades Befindlichen die Nach-
Eustath, Hom. Od. 1460, 19. Quint. Smyrn. rieht von der Rache für Trojas Untergang zu
14,436. Ov. met. 14,468. Myth. lat. ed. Bode bringen. Nach Pind. Pyth. 11, 30 sendet
1, 181. 3, 10, 6. Zur Sühnung des Verbrechens Klytaimestra, vnXrig yvvd, die JagSaviSu xö-
müssen die Lokrer tausend Jahre lang durch 50 goev LTgutfiov noXim %uXy.ö> avv 'AyctfiEfivovut
das Los bestimmte Jungfrauen nach Troja ipvxci zum Hades hinab, vgl. v. 49. Dafs Aga-
senden, welche dort getötet werden, wenn es memnon die Kassandra mitbringt, wird für
ihnen nicht gelingt, unbemerkt zum Tempel der Klytaimestra der Grund, ihn und sie zu töten,
Athene zu gelangen; im letzteren Fall werden Athen. 13, 3 (556 c); 13, 10 (560 d). Hyg. f.
sie dort Tempeldienerinnen, Sßiol. Hom. NG&. 116. 117, hier beim Opfer (sacrificantem securi
Strab. 13, 1, 40. Schol. Lykophr. Alex. 1141 cum Cassnndra interfecerunt) , während Homer
(wegen der ä&s uixoui^ia 'Aiavxog). Vgl. oben sie beim Mahle (Ä421), Aischylos beim Bade
Bd. 1 Sp. 135 ff.' töten läfst (vgl. Schol, Lykophr. Alex. 1108
Durch Beschlufs der Griechen wird Kas- lyw 3i, rprjoiv rj KaaadvSga , nXrjaiov xr\g
sandra dem Agamemnon als Beute zuerkannt 60 nviXov dvaigs9r)B0ixai). An die homerische
(Eur. Troad. Arg.), der sie als Gefangene Schilderung schliefst sich das von Phäostrat
davonführt (Quint. Smyrn. 14, 20), weil er zu beschriebene Bild an (imag. 2, 10); vgl. noch
ihr in heftiger Liebe entbrannt ist (Hör. carm. Plut. parall. 37 (315 A).
2,4, 7 arsit Atrides media in triumpho tirgine In Bezug auf ihr Begräbnis weissagt Kas-
rapta. Seneca Ag. 187). Sie wird als otoxiov sandra bei Eur. Troad. 448, dafs man sie
Aya\ii(x,vovoq, Xi%og bezeichnet (Eur. Troad. 44), nackt in den Giefsbach werfen und den wilden
oder als cv.öxiu .vviicpivxrjgia (ebd. v. 247), ob- Tieren zum Frafse geben werde, xfjv 'AitoXXia-
gleich ihr Apollon als ysgag aXsy.xgov £aidv vog Xdxgtv. Man darf wohl daraus schliefsen,
979
Kassandra
Kassandra
980
dafs dem Euripides Sagen über eine Grab-
stätte der Kassandra in Argos oder an an-
deren Stellen nicht bekannt waren. Pausanias
(2, 16, 6) zweifelt dagegen, ob Kassandras Grab
in Mykenai oder in Amyklai sei [s. Sp. 984 f.];
ihre beiden mit Agamemnon erzeugten Kinder
(Teledamos und Pelops) seien von Aigisthos
getötet und bei Mykenai bestattet worden.
Plut. Agis 9 (799) berichtet, dafs nach einigen
Kassandra in ©dXauca gestorben und äid xb
näei cpaiveiv xü fiavxila Uaaiqiäa genannt
worden sei. Sie wurde in Amyklai verehrt, in
einem sehenswerten und mit Standbild aus-
gestatteten Tempel, nach Paus. 'S, 19, 6 unter
dem Namen 'AXs^dväga, ebenso in Leuktra (iu
Sparta), ebd. 3, 26, 5 [s. unt.]. Die Benennung
'JXi^dvSga bestätigt auch Hesychius (s. v.
Kaoedväga). Auf ein Heiligtum in Italien
weist Sehet. Lykophr. Alex. 1128 hin. Sie
wird yXavxöimts genannt bei Ibyc. fr. 9 yXctv-
ntöntda KetoGdvd'gav, igaonrXoxaiiov xovgav
Bild des Polygnotos in der Lesche zu Delphi,
der Eid des Aias, wodurch er sich vor den
Grieehenfürsten von der gegen ihn vorge-
brachten Beschuldigung reinigt; Kassandra
safs dabei, mit dem Bilde der Athena im
Schofse (Paus. 10, 26, 3). Lucian (imag. 7)
hebt besonders ocpgvcov to £nt7ig£7zhg xtxl xta-
oeicöj' rö svigiv&ig hervor, oiav xtjv Kabodv-
ägav iv xrt Xzgxt) i-noiriGs xoig JtXcpoig. Auch
lö in der Poikile zu Athen war die Versamm-
lung der Könige und Aias in Gegenwart ge-
fangener Frauen, unter denen sich Kassandra
befand, dargestellt (Paus. 1, 15, 3). Ob das
Gemälde des Theorus (oder Theon, Brunn,
Künstler gesell. 2 S. 255), welches Plinius er-
wähnt (n. h. 35, 144. Iheorns — Cassandram
quae est in Concordiae delubro) ein Einzel-
gemälde war oder eine gröfsere Scene dar-
stellte, ist nicht auszumachen. Ein angeb-
.'0 liches Bild, ziemlich genau an Homer (aber
auch an Aisclajlos) sich anschliefsend , wird
Kassandra vor Aias fliehend (nach Benndorf, Gr. u. sie. Vas. 51, 1).
rigidfi,pio cpüuig f'pjct ßgoxäv; eine eingehende
Schilderung ihrer Gestalt giebt Tzetz. Posthorn.
370. Vgl. noch Lykophr. Alex. 1462 und Schol.
Ihr Name ist fast gleichbedeutend mit Seherin,
die keinen Glauben fiudet, geworden, so be-
zeichnet Cic. de orat. 2, 66, 265 den Sex.
Titius als Kassandra, und bei Petron. sat. 74
wird Cassandra caligaria für mulier viridis au-
ilaciae gesetzt. Eine thörichte Etymologie des
Wortes giebt Tzetz. prol. zu Lißophr. S. 271
naget to xÜolv dvägeiov i%nv xbv "Etixoga.
aioXiy.cog dt ygdcptxui dicc ovo gg. Dafs die
Form mit gg vor der mit einem o den Vorzug
verdient , sucht Böcldi . in Notae in Find.
S. 505 zu beweisen. (Vgl. noch Iuvenal. sat.
10, 262, wo Kassandra als Glied der Familie
di 's Priamos genannt wird.)
Von bildl. Darstellungen der Kassandra
aus dem Altertum ist die Scene, welche auf der
Kypsele nachgebildet war, mit der Umschrift
AZus KctGodvdgav an 'A&uvctiag Aoy.gog tXv.ei
(Paus. 5, 19, 5) schon erwähnt, ebenso das
bei Philostratos (imag. 2, 10) geschildert. Aga-
memnon ist beim Mahle getötet; mit dem
noch blutwarmen Beile tritt Klytaimestra zur
50 Kassandra, die durch ihre Tracht als Seherin
bezeichnet ist, um sie zu töten; Kassandra
scheint im -Begriff, sich auf Agamemnon zu
werfen, nachdem sie die Zeichen ihrer Seher-
würde sich heruntergerissen hat. Eine Statue
der Kassandra als Seherin (old xi %£QitC^ovGa
navvaxaxa nr'jßccxa ndxgr,g) schildert Christod.
descr. stat. 189. Erwähnt sei noch, dafs bei
Petr. sat. 52 als Verzierung eines Bechers
Cassandra oeeidit filios sicos, et pueri mortui
eo iacent sie ut vivere putes erwähnt wird; wahr-
scheinlich war der Kindermord der Medea
dargestellt.
Von den aus dem Altertum erhaltenen
Darstellungen der Kassandra sind diejenigen,
welche andere Momente als die Verfolgung
derselben durch Aias oder ihre Wegreifsung
vom Bilde der Pallas darstellen , verhältnis-
mäfsig selten. Auf den Verkehr der Kassandra
981
Kassandra
Kassandra
982
mit Apollon wird ein in Herculaneum ent-
decktes Wandgemälde bezogen (s.Helbig, Wand-
gem. S. 55 nr. 203 und die dort angeführte
Litteratur): Apollon steht neben einer sitzen-
den lorbeerbekränzten Jungfrau , aber die
Deutung ist doch sehr unsicher, mit gleichem
Recht könnte man die Jungfrau auch für
Manto halten. Ebensowenig sicher scheint
mir die Deutung mehrerer pornpejanischer
Klein in den Ann. ä. Inst. 1877 S. 246, wozu
Benndorf, Griech. u. sie. Vasenb. S. 103
Anm. 516 Nachträge geliefert hat. Von Denk-
mälern, welche seitdem hinzugekommen sind,
ist hervorzuheben Arch. Zeit. 1882 T. 8 nr. 2
(ein leider ziemlich stark fragmentiertes Terra-
cottarelief des Berliner Museums), Arch. Zeit.
1885 S. 239 (eine Lekythos des Brit. Mus. mit
Hochrelief, wohl dasselbe Gefäfs, welches
Bilder (Sogliano, Le pitture murali campane 10 Heibig , Bull. 1880 S. 131 besprochen hat),
sowie Ann. d. Inst. 1880 S. 27. 3Ion. d. Inst.
11 T. 15 und Bull. d. Inst. 1884 S. 208; vgl.
noch Ann. d. Inst. 1885 S. 155. Die Darstel-
lungen sondern sich in zwei .Gruppen, erstens
diejenige, wo Kassandra vor Aias
fliehend dargestellt wird,
eitens diejenige , wo
Kassandra schon beim
Palladion angelangt
ist und dasselbe
umfafst hat. Als
Beispiel für die
erste Art kann
Benndorf, Gr.
u.sic.Vasenb.
Taf. 51, 1
gelten:
Kassandra
enteilt mit
weiten
Schritten
nach
rechts, in-
dem sie
sich wäh-
rend des
Laufens
umblickt
und gegen
ihren Verfol-
ger den r. Arm
ausstreckt, nach
Athena hin , die,
wie es scheint, in
eigener Gestalt, nicht
als Statue, mit vorge-
haltenem Schild und ge-
zückter Lanze dem Ver-
folger entgegentritt.
Dieser hat den Schild
fallen lassen, er läuft
mit blofsem Schwert in der r. Hand; die
Linke,- in welcher er die Scheide hält,
streckt er nach der Kassandra hin aus; vor
ihm bäumt sich die Schlange der Athena
auf, um ihn zu beifsen. Links davon gewahrt
man einen Greis mit Scepter, der klagend die
r. Hand aufs Haupt legt. Zu dieser Gruppe
gehört auch das in Orvieto gefundene Gefäfs
nr. 628; vgl. Bull. 1874 S. 251; ferner Heibig,
Wandg. nr. 1391 u. 1391 b) auf Kassandra als
Seherin; das letztere Bild hat durch C. Robert
.eine allseitig genügende Deutung auf die Be-
fragung der erythräischen Sibylle
durch Aeneas gefunden. Da-
gegen ist Kassandra zu
gegen bei der Erken-
nung des Paris, auf
etruskisch. Aschen
kisten, vgl. Over
beck, Gal. her.
Bildiu. S. 239
Brunn,Bil.d.
um. etr. 11,
24; wahr-
scheinlich
mit Recht
wird sie
auch in
einer
Figur
eines Bry-
gosbildes
erkannt,
welches
Bobert
(Bild und
Lied S. 91)
aufdieRück-
kehr des Paris
vom Ida ins
Vaterhaus gedeu
tet hat, während ich
(Boscher, Lex. Bd. 1
Sp. 1968) es auf die
Heimkehr von Sparta mit
Helena erkläre. Als Ks-
oaväga benannt findet sie
sich ferner auf einem
schwarzfigurigen Vasen-
bild (Mon. d. Inst. 1855 T. 20) beim Auszug
des Hektor gegenwärtig; bei der Einholung
des dovQios' Umtos sucht sie mit wild-
erregten Gebärden die Troer vom Einzug in
das Skäische Thor abzuhalten auf dem un-
tersten Streifen der Tabula lliaca (0. Jahn,
Bilderchroniken T. 1); vielleicht ist auch Kas-
sandra in dem Gemälde bei Heibig, Wandg.
Aias und Kassandra, Vasenbild {Ann. d. Inst.
1877 tav. d'agg. N).
nr. 1326 (und dem neuerdings gefundenen bei 60 (Bull. 1884 S. 208), wo zwei Frauen nach ent-
Vrlichs, Das höh. Pferd Würzb. 1881) in der
Frau vor dem Pallasbild zu erkennen. Auf der
Tab. lliaca ist Kassandra noch ein zweites Mal
unter den gefangenen Troerinnen abgebildet.
Bei weitem zahlreicher sind die Monumente,
welche die Gewaltthat des Aias zur Dar-
stellung bringen; sie sind aufgezählt bei
Overbecl, Gal. her. Bildic. S. 635—655 und von
gegengesetzter liiehtung fliehen , denn dafs
mit der einen Kassandra gemeint ist, scheint
mir durch die vom Maler nicht verstandene
und deshalb fehlerhaft wiederholte Inschrift
KVSSVV ziemlich sicher bewiesen zu werden.
Über die Vereinigung der Verfolgung der
Kassandra und Helena vgl. Klein in Ann.
1877 S. 2C0 und Htydemann, Ann. 1885 S. 155.
983
Kassandra
Der zweite Typus, Kassandra am Palla-
dion von Aias ergriffen, wird am besten durch
das Ann. 1877 tav. d'agg.- N abgebildete
Vasengemälde vertreten. Kassandra, durch
Namensbeischrift bezeichnet, nackt bis auf
einen über die Schulter geworfenen Mantel
(es wird dadurch die Eile angedeutet, iu
welcher sie vom Lager hat fliehen müssen),
mit Binden im Haar, die sie als Seherin be-
zeichnen, umklammert mit beiden Armen das i
nach Art eines Xoanon mit geschlossenen
Kassandra
984
bar), dieses Typus zeigt eine Vase der Ber-
liner Sammlung (Furtwängler, Kat. nr. 3863).
Die Deutung eines Becherreliefs auf Aias und
Kassandra , die Kumanudis aufgestellt ' hat
(Eph. arch. 1884 S. 64), hat C. Robert
{50. Winckelmannsprogr. 1890 S. 43) mit Recht
zurückgewiesen. Öfter ist die Scene durch
Zuschauer erweitert; so sind auf der Berliner
Vase 1698 [Overbeck , Gal. her. Bildw. 26, 16)
i TIoXv^svi], 'Av&iXo%os und 2y.aiuxvSQorpii.og zu-
gegen, auf nr. 1863 derselben Sammlung
W^.^^J^WJ^M^W
o/^S/^^S/S^XS/^/S/^/S^^^g^S^/^/
Aias, Kesandra und Priesterin, Vaseubild (nach Overbeck, Gal. her. Bildw. T. 27, 1, v,gl. S. 7340).
Füfsen gebildete Palladion, welches den Schild
an die 1. Schulter hält und die Lanze zückt;
von rechts kommt Aias heran (Jiag) , mit
Helm auf dem Haupte, Schild und Speer in
der 1.' Hand haltend; indem er scheu, fast eo
ängstlich zum Pallasbild hinblickt, sucht er
den r. Arm der Kassandra von der Umschlin-
gung des Bildes zu lösen. In anderen Dar-
stellungen tritt er gewaltsamer auf, gewöhn-
lich reifst er K. an den Haaren vom Götter-
bild fort, vgl. z. B. Overbeck, Gal. her. Bildw.
T. 27, 1. Eine verkürzte Darstellung (von
Aias ist nur die 1. Hand und der Schild sicht-
(Overbech 26, 15) entfernt sich Hermes, ein
andermal ist die Priesterin zugegen u. a." m.
Auf einem Vasenbild aus Bologna Mon. d. Inst.
11 T. 15 ist der Frevel an Kassandra mit der
Erkennungsscene der Aithra durch ihre Enkel
Akamas und Demophon verbunden (s. diese Art.).
Die Namensformen, welche der Kassandra auf
diesen Vasenbildern gegeben werden , sind
KctcoctvSoa , Ksoctvdoct oder Ärjeavöga und
Karavöga. Vgl. noch Agamemnon, Aias, He-
lenos, Paris u.a. — [Die Alexandra zu Amyklai
ist nach LöschcJce eine besondere Göttin und
wurde erst nachträglich mit der troischen
985
Kassandros
Kassiepeia
9SG
Kassandra identifiziert (Athen. Mitteilungen
3 S. 164f.). Wahrscheinlich geschah dies,
als man zu der Pindarischen Nachricht, dafs
Kass. zu Amyklai getötet worden sei (Pyth.
11, 17), in späterer Zeit ein aufzeigbares Denk-
mal suchte. Dies fand man in dem sitzenden
Tempelbilde der Alexandra, welche leierspielend
dargestellt war: nur erhalten durch ein Relief
aus Amyklai selbst, auf dem drei Ephoren der
(inschriftlich benannten) Göttin Alexandra ein
Opfer bringen. Da nach Piwlar Amyklai, nach
den Tragikern Mykenai der Todesort war, so
zeigte man dem fragenden Reisenden an beiden
Orten ein iivrjfia KotGoüvdpag. Weil nun (ivfifia
sowohl allgemein 'Denkmal, Statue', aber im
besonderen 'Grabdenkmal' heifsen kann, so
hatten beide Recht. Über den etymologisch-
mythologischen Gehalt des Namens Kassandra
vgl, Hinrichs im Philologus 1885 S. 401
(Helena -Kassandra und Skamander-Xanthos;
Kreusa am Ausfiufs des Lindos auf der Grenze
von Karien und Lykien gebar, Qu. Sm. 8, 81.
[StolL]
Kassiepeia (Kaaanitsia; so nach den besten
Hss. jetzt überall hergestellt, vgl. u. nr. 3, Ab-
schnitt 'Name' u. Art. 'Kassiopeia'; Litteratur
s. Bd. 1 Sp. 347), eine bei Homeros fehlende, erst
von Hesiodos bezeugte Heroine, erscheint bei
diesem und sämtlichen Späteren in drei meist
10 streng unter einander geschiedenen Beziehungen,
von denen die erste und letzte die wichtigsten
sind: 1) zum Mythenkreis des Agenoriden
Phoinix, 2) zu dem des Epaphos, und 3) zum
Kephens- und Andromedamythos. Nur Phineus
nnd Arabos bilden zwischen 1 und 3 teilweise
ein Bindeglied».
1) K. mit Phoinix. Hesiodos frg. 53 KL
aus Schol. Laurent. ApoTlon. Ehod. 2, 178:
Gattin des Agenoriden Phoinix, Mutter des
20 Phineus; wohingegen derselbe im frg. 52 Ki.
Aithra mit Akamas und Demophon und Aias mit Kassandra,
Vasenbild (nach Mon. d. Inst. XI T. 15. Ann. d. Inst. 1880 S. 28).
über die Alexandra-Kassandra vgl. Deneken
s. v. Heros in Boschers Lex. 1, Sp. 2449 unten,
über den Streit der Amykläer und Mykenäer
um das ftv^fio: K. vgl. Beiger in der Berliner
philolog. Wochenschr. 1891 Sp. 1282 flf. Beiger.]
— 2) T. des Iobates, des Königs von Lydien,
nach Schol. Hom. Z 155. Nachdem Iobates er-
kannt hatte, dafs Bellerophontes unschuldig
war, gab er ihm rr/v ISiav d-vyaziga Kaadvögav
xai Tijs ßaat-lfiag /loigäf tiva. r\ äe igtoqlcl
Tictga AaiiXr]7tidärj ev TQaycoSovfi.ivoig. Es ist
nicht unwahrscheinlich, dafs Äsklepiades aus
dem Iobates des Sophokles geschöpft hat, dafs
also der Name KaeavSga odor KccecdvSqa als
Tochter des Iobates auf Sophokles zurückgeht.
. Vgl. Anteia, Bellerophontes, Iobates. — 3) Plin.
n. h. 6, 111 insula contra Persidem sita.
[Engelmann.]
Kassandros (Kdaaavdgog), Vater des Menes,
eines Bundesgenossen der Troer, den ihm
(aus Schol. A IL M 292), wo der fehlende
so Kassiepeianame aus Schol. A II. 3 321. Eustath.
p. 989, 35 ff. zu ergänzen ist, die Phoinixgattin
K. vielmehr Mutter der Europa nennt, was
Bd. 1 Sp. 1410 nicht bemerkt ist. — Bakchy-
lides frg. 56 Bgk. (aus Schol. ABB II. M 292,
vgl. Schol. A II. S 321) = Hesiod. frg. 52. —
Pherekydes (von Leros) frg. 41. F. H. G. 1, 83
(aus Schol. Apoll. Rhod. 2, 178; s. u. nr. 3)
öfioi'cog = Hesiod. frg. 53, doch mit der ge-
naueren Angabe, dass K. Tochter des Arabos
60 und Mutter auch des Kilix und Doryklos von
Phoinix ist, Mutter des Atymnos aber infoige
Ehebruchs mit Zeus. — Antimachos (bei Schol.
ApoTlon. Ehod. 2, 178. frg. fehlt bei Kinkel)
= Pherekydes (nur mit Einschaltung des teu-
messischen Lokals in den Europamythos, frg.
2 — 4); ebenso Asklepiades (ebendaher, F.H. G.
3, 302, 4). — Antoninus Liberal. 40 {Wester-
mann Mvd-oyg. p. 235) : Tochter des Arabios,
987 Kassiepeia Kassiepeia 988
Gattin des Phoinix, Sohnes des Agenor, Mutter 2, 192 f.) = Anchiroe a. a. 0. 12, 15. Die Auf-"
der Karrne (s.d.), der Mutter der kretischen Brito- nähme des Nildeltas in die eigentlich argo-
martis. — Die Genealogieen weisen nach Land lische Epapkosgenealogie wird, ebensowie die
und Inseln von Kar ieu, das BakchylidesQ'rg. 53 Verschmelzung des argolischen Apis mit dem
Bgk.) und Korinna {frg- 27 Bgk.) ' $oiviKr) ' ägyptischen, eine Folge der Ostfahrten sein,
nannten (Athenaios 4 p. 174 F, vgl. H.H. Müller, welche seit der Beschäftigung karischer und
Myth. 1 , 308 ff.) ; davon ist $om| der Epo- rhodischer Söldner unter Psammetichs Heer
nynios gewesen, bevor die bis auf die Neue- in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts (Kirch-
ren (Movers, Olshausen, Brandes) herab ge- hoff, Studien3 41. H. I). Müller, Myth. 1, 56.
billigte Übertragung auf das syrische Land der io Hirschfeld, Rhein. Mus. 42, 1887 S. 222) die
(ägypt.) s. g. Fen(a)chu Platz griff (s. des Unterz. mit argolischen Heimatsagen erfüllten griechi-
Aithiopenländer des Andromedamythos , Fleck- sehen Einwohner des ursprünglich karischen
eisens Jb., Supplem. 16, 1887 S. 158). In Gebiets der sog. Hexapolis nach dem afrika-
Karia-$osvni7j, und zwar Miletos, ist auch nischen Nillande machten. Als dasgrieckische
Kadrnos(s.d.)einPhoinikergeworden(ü.TFiZamo- Gebiet aber, welchem vor der Übertragung
Mute, Homerische Untersuchungen 1883 S. 139). auf das ostafrikanische Delta sowohl der Name
Dafs auch jener Zug der Kassiepeiasage: Zeus Aiyvnzog ursprünglich eignete, als auch die
sei in Phoinix' Gestalt der Kassiepeia genaht Epaphos und Iosage, ist jetzt Euboia von E.
(s. Bd. 1 Sp. 727 nr. 1), wegen der bedeutungs- Maafs überzeugend nachgewiesen (De Aeschyli
vollen Übereinstimmung mit dem gleichen 20 supplicibus Ind. Lect. Gryph. 1890 S. 21 ff.),
Motiv in der rhodischen (v. Wüamowite, wo -zu den gegebenen Nachweisen noch der
Alektrone, Hermes 14, 1879 S. 457) Alkmene- an Aiyvnzog erinnernde Ai'ycov (- aüov) von
sage (Zeus in Amphitryons Gestalt die Alk- Karystos und- der Flufs NnXtvg [= NnXtvg,
mene verführend), zu der milesischen Sarpedon- . NtiXtmg, König von Aigyptos = NtlXog'i]
sage gehören müsse, sah auch JRobert (Bild treten mag (vgl. dazu auch über Thronie
und Lied S. 1164B). Die kretische Karme (s. d.) Sp, 989).
der Britomartissage und Atymnos, der kretische 3) K, mit Kepheus. Als Tochter des
Sonnenwagenheros (Konnos 11, 129 ff.; vgl. Hermessohnes Arabos und Gattin des Kepheus
Knaack, Quaest. Fliaethont. p. 14 sq.; v.'Wua- iv xazaXoya yvvcaxmv Hesiods (frg. 43 Ki. aus
mowitz, Hermes 18, 18S3 S. 428 f.), sind durch 30 Strabon 1 p. 42 § 34, vgl. Eustath. zu Od. ä
die Handels- und Kolonialbeziehungen der 84 p. 1484, 63): «at Hovgrjv 'Agäßoio, zbv 'Eq-
karischen Miletos zu Kreta zu Kindern der K. fidaiv ä-Aan^za | ytivazo xal QoovCn hoiS^tj Brj-
geworden; denn Miletos heifst der mythische Xoio avanzog. Der fehlende Name der Kassie-
Doppelgänger des Atymnos, der „aus" Kreta peia wird erschlossen aus der Wiederholung
„nach" Karien gewandert sein soll (s. Bd. 1 Schal. Apollon. Fhod. 2, 178, wo es nach Be-
Sp. 727). Der troische Doryklos (S. des Pria- rufung auf Asklepiades, Antimachos, Pherekydes
mos, IL A 489f.) und der thrakisch-bithynische heifst: I« yüp Kasan nt tag zov Agdßov
Phineus verdanken ihre Aufnahme in die <Poiviy.i yCvtzat KlXi% y.al $ivtvg »al ztogvxXog,
Phoinix-Kassiepeiagenealogie der milesischen «ki "Azviivog iniiiXnoiv und Antonin. Lib. 40
Kolonisation der Pontosküsten, und Kilix die 40 (s.o. nr. 3). — Ovzojgäi (wie Hesiodos) xai Zznoi-
seine den ostfahreuden Rhodiern aus Milets %OQog (frg. 64 Bcrgk) Xiyti, fährt Strabon
Nachbarschaft, welche das kilikische Tarsos fort (a. a. 0. c. 31 § 24), der den ganzen Ab-
besiedelten (Pompon. Mela 1, 13; vgl. 0. Müller, schnitt aus Apollodoros iv zä> ittgl vsSv uaza-
I)or. 1-, 113 f.). I6ya> citiert. Dieser brachte die Genealogie in
2) K. mit Epaphos. Hygin. F. 149 nennt einem Exkurs über deu Nostos des Menelaos
nach unbekannter Quelle als Gattin des Epa- (ö 84 , a 22) und seine Abenteuer bei den
phos und Mutter der Libye statt der Heroine Aithiopen vor. Der 'Agaßog Hesiods gehörte
Memphis (Apollod. Bibl. 3, 1, 6; s. Bd. 1 nach seiner Überzeugung also zu den Ai&ioirtg
Sp. 1278; dazu Schol. Stat. Tlieb. 4, 737. Homers; än'o zovzov (HoloSov) xtü r; %<oga rj
Mythogr. Vatic. 2, 75. Isid. Origg. 14, 15, 1) 50 vvv Agaßia -nalovaivri r'iär] zözt (zu Hesiods
abweichend die Cassiopia, hinter deren römi- Zeit) 'Agaßia olvofid^tzo, v.axä dt zovg iJQioag
scher Schreibung vielmehr die griechische (Bienelaos, Homeros) zv%6v iacog ovnco, sondern
Kaaßiintia der „arabisch-aithiopischen" Mythen Ai&ionia. Mithin waren dem Apollodoros
(s. aufser o. nr. 1 namentlich u. nr. 3) zu Kassiepeia und ihre Tochter Andromeda (1 p. 43
suchen ist: Epaphus . . . (in) Aegypto . . . op- genannt) arabische Aithiopinnen, die man
pidum primus Memphim et alia plura con- ebenso wenig nach Ioppe zu verpflanzen (fit'
stituit et ex Cassiopia uxore proereavit dytiv § 35) berechtigt sei, wie man die Ke-
filiam Libi/en, a qua terra est nominata (die phenen ihres Gatten Kepheus (und die Erember
ajiaij Xt yojxt va sind hervorgehoben). Die Mehr- und Pygmaieu) zu einem besonderen aithio-
zahl, in der hier die von Epaphos gegründe- CO pischen Stamme stempeln dürfe (vgl. Art.
ten Argeierstädte in Ägypten erscheinen, lehnt 'Iope', und übh. Aithiopenländer etc. S. 135 ff
sich zwar an Pindaros an: nolXd 6' Aiyvnzio über die Kritik, die an dieser Auffassung
zu nazcomazo ("AQyog) dazt] zaig 'Emxtpov na- Apollodors nun wiederum Aristonikos tziqI zrjg
l.dfiuig '(N. 10, 5rt'.); aber die Kassiepeia ist MtvtXäov nlävng, Strabon p. 38 § 31, und
ohne solchen Vorgang, vielmehr erscheint nur nach ihm Strabon selbst übten). Ihr Gemahl
als neue Variante einer Gattin des Epaphos Kepheus ist als König der Aithiopen in diesem
und Mutter der Libye bei Schol. Fiat. Tim. dürftigen Stemma nicht nachweisbar, nur sie
12, 9: Amphirrhoe, nach Biovers (Phönis. 2, selbst heifst Araberin, d. h. Aithiopin, und hat
989 Kassiepeia Kassiepeia 990
ihn vielleicht zu einem 'Aithiopenkömg' erst Mesopotamiens machten (über etwaige Mit-
gemacht. (Vgl. Art. 'Eepheus'.) Da hier Wirkung des Kassiepeianamens bei dieser Lo-
Eassiepeia 3 als 'Araberin' bezeichnet wird, kalisierung s. den Schlufs d. Art.). Charakte-
so könnte man meinen, sie sei verschieden ristisch für die Sophokleische Darstellung war
von E. 2 der 'Aigypterin' von Eaboia. Doch das igicai ntgl xaHou; xaig Nngntaiv : vgl.
kommen im ursprünglichen Sinne beide Be- das Argument in den Eratosthenischen Katastc-
zeichnungen auf eine hinaus. Merkwürdiger- rismen 16 (KaBcuntiu) = 36 (xjjros), Hygin.
weise hat Apollodors Eommentar zum home- P. A. 2, 10 (gloriata sit). Arat. Phain. 186.
rischen Schiffskatalog bei Strabon 10 p. 447 Schol. German. Arat. Phainom. 138, 9 Breysig,
§ 8, vgl. § 7) sowohl östlich als westlich des 10 vgl. Apöllod. Bibl. 2, 4,3 (naaöiv shai-ngiiaamv
Euripos (wie östlich und westlich des roten 7ji'j;iy0f), Hygin. F. 64. Liban. 31 (ras Nr\gr\l-
Meeres) 'Agaßtg gekannt: xcezifinvav tv zfj Sag v.dXXn vimüv Ivojii&zo Kai i'Xsysv) und
vt)ß(p zö dt Tialcaov Kai"Agaßig 01 KdSficp avv- Kikolaos Progymn. Westerm. Mv&oyg. p. 375
ätaßävzsg; und auch Piutarchos, der genaueste nr. 40. Phavorin. s. v. (Bei Schal. Germanic.
Kenner boiotischen Altertums, bringt (Thes. 5) Arat. ist von einer einzigen Nere'is die Rede
die auffallende Nachricht, dafs nach einigen p. 173, 11. 19sq.). Die Verstirnung der
die nordphokischen und euböischen Abanten K. wird aus Sophokles nicht so bestimmt citiert
ihre der Haartracht der euböischen Eureten wie diejenige des «rJToc; aber da in dem Erato-
ähnelude Haartracht in' 'Agußwv diSax&svzig athenischen KatasterismoslS (vgl. 36) derK. gerade
angenommen hatten (vgl. Bursian, Quaest. 20 .Zbgpoxifys 0 zfjg zgaymdiag*) noi-qzfjg cv 'Av-
Eubo'ic. p. 11. Aithiopenländer S. 180, 130a). SgoiiiSa ausgeschrieben wird, so hat Robert,
Auch ist die Mutter der E., Thronie, keine zugleich bestimmt durch die Beständigkeit,
andere als die Eponyme xler epiknemidisch- mit der sich die Benennungen der Sternbilder
lokrischen Stadt Thronion, Namens Thronia: immer erhalten haben, die Verstirnung für
Schol. D. zu IL B. 533 Sgovtov] äno QgovCag einen integrierenden Bestandteil des Mythos
vvycprjg ovz<og wvofiaozui; vgl. Eustath. z. d. St. erklärt (Arch. Zeit. S. 19 gegen 0. Müller,
p. 277, 44 avxb fikv ovk iyxa&rjuivovg ü%ei Proleg. S. 204). Die Astronomen denken sich
rotis itaXawvg tlg zöv itgög avzov (avzfjg?) E. sitzend inl Siqigov (Eratosth.; Schol. Ger-
■noXvv Xoyov , was sehr zu bedauern ist! Die manic. Arat. p. 139, 4: sella ävd.KXizog\ Theon:
Beziehungen Euboias zu Argolis sind alt und 30 Ka&iSga dg SikXis, Hygin. P. A. 2, 10: sili-
erklären eine frühzeitige Aufnahme dieser quastrum, Germanicus : sella) und zwar of (i.iv
euböisch-lokrischen Anschauungen in den ar- (dazigeg änozilovai) nXäyioi zag %£igag inzi-
golischen Mythenschatz und somit die weitere zafxivag (vgl. Germanic. Arat. 197 wie Andro-
Übertragung durch Argeier und Rhodier nach meda!), 01 Ss Kazazigco . . . nöSag {Theon.),
dem Osten. — Pherekydes von Leros hat in und in der Richtung, dafs sie propter im-
seiner ausführlichen Darstellung der Per- pietatem vertente se mundo resupinato capite
seussage (vgl. .F. H. G. 1, 75, 26 aus Schol. ferri videtur (Hygin. P. A. 2, 10). — In
Apollon. PJwd. 4, 1515. 1890 und Pollux des Euripides Tragödie dagegen spielte E.
10, 139 'Aogzr^gy) die Befreiung der Andro- nur eine Nebenrolle. In den erhaltenen Frag-
meda gewifs nicht übergangen, obgleich diese 40 menten (114 — 152 Nauck) wird ihr Name
für uns verloren ist; auch ihm war E. eine ebensowenig genannt wie in der Parodie des
Tochter des Arabos (s. 0.). — Die angeb- Stückes bei Aristophanes (Thesmophoriazusen);
liehe 'Androrneda' des Phrynichos beruht aber die Argumente nennen die K. (Hygin. P.A.
sicherlich nur auf einer falschen Kombination 2, 11; vgl. 2, 10). Nach Bobert (S. 21) trat E.
der Erklärer zu Aristoph. Nub. 553 f. (Suidas erst am Schlufs auf, als Andromeda ihrem
<&gvvixog 0 MsXav&ä, vgl. Bobert, Arch. Zeit. Retter Perseus folgen und die Eltern verlassen
36, 1878 S. 16 10) und Aithiopenl. S. 178 12ä). — will (Eratosth. Kat. 17: 'A. o.v% il'Xhzo z& nazgl
Sophokles hat, wie es scheint, seine Andro- ovfj.fiivBLv ovöe zij finzgi; Hygin. P. A. 2, 11:
meda in Mesopotamien spielen lassen, wohin neque pater Cepheus neque C. mater ab ea po-
durch die Perserkriege die Aufmerksamkeit so tuerunt impttrare quin parentes ac patriam re-
gelenkt worden war und der Name des retten- linquens Persea sequeretur ; vgl. Ennius frg. 3,
den Helden in der Andromeda- Eassiepeia- nach Euripides: <[a)> filiis propter te obieeta
sage, Perseus, noch ganz besonders hinwies. sum innocens Kerei, wohl von Andromeda zu
Wenigstens fühlt man, wenn die von Ktesias Eassiepeia gesprochen (anders Feddc p. 33 sla).
(Hesych. ZaXrjzbv und Zugrjzov) als ein persi- Euripides' Darstellung hat die spätere Mytho-
sches Gewand bezeichnete adgarcig im frg. 139 graphie ebenso beherrscht wie vom gleichen
Dind. der SophoJcleischen Andromeda erscheint, Zeitpunkt an Theopompos' Verlegung des Schau-
sich an die gleichzeitigen Darstellungen des platzes nach Ioppe die geographisch-historische
Hellanikos und Herodotos erinnert, welche den Litteratur. Euripides ist der erste,, der den
Perseus und seinen erstgeborenen Sohn von 60 Eepheus ausdrücklich als Aithiopenkönig be-
der Andromeda, Perses (-eus II.), mit den zeichnet hat (Argum. in Eratosth. Katast. 15);
Persern der Landschaft Artaia, den Achai- doch mufs er ihn mit der E. zusammen als über
mene(u)s, Stammvater des Achaimenidenge-
schlechts, als Sohn des Perses mit der achäi- *> Ribbecks Einwand gegen obige Stelle und Versuch,
1 / • • 1 ' 1. \ tt - i.j tt r i. die SophokleiscJie Andromeda als ein Satyxspiel zu erweisen
sehen (aisialeischen) Heimat des Urgroßvaters , ' . *' „ ,„.., . . „ . , v, . ,
„ , » = , . . / . ,. ° ,, , ., (Rom. Trag. S. 163) ist nach Roberts Gesenbenierkungen
Eepheus kombinierten und diesen selbst mit (a. a. 0. s. 17") ebenso gegenstandslos wie Schaubachs
seinen Eephenen zum mythischen Vertreter der Vorschlag Zoipoxtf; </-u\ Ev»ntiA<];> ü rij,- znaymdiag n.
alten ehaldäischen, vorpersischen Bevölkerung zu lesen.
991 Kassiepeia Eassiepeia 992
westliche Aithiopen herrschend gedacht haben, zeit zwischen 300 v. Chr. und den rörni-
da er das y.rjrog ans dem atlantischen Meere sehen Nachdichtern treten originelle Varian-
hervortosen läfst: xijros &oä^ov s| 'ArXavTLKfjg ten auf, wie der Zug, dafs K. nicht über
äXög (frg. 134 a Kauck, aus Plutarch. de die eigene Schönheit mit den Nereiden ge-
audiend. poet. 5. Philostrat. d. A. Imagg. 1, 29: stritten habe, sondern über die Schönheit ihrer
xfjtog 'AxXavxmöv , vgl. Robert, Arch. Zeitung Tochter (Hygin. F. 64; vgl. die Q-v/azi^a ndvv
S. 18). Diese Atlantis hätten Preller-Plew nalr/v bei Konon c. 40, wo freilich Kass.
G. M. 1 3, 463 nicht in „das grofse Weltmeer" fehlt, sowie Antiphilos, Epigr. Anth. Plan.
verflüchtigen sollen, denn sie wird nie im 147), und jene andere Abweichung, dafs sie
Osten liegend gedacht. Zu dieser westlichen 10 nicht mit den Nereiden, sondern mit Hera den
Ansetzung war JEuripides durch den Vorgang Schönheitswettkampf einging (Tzetz. Byk. 836.
des Sikelioten Stesichoros veranlafst worden, 838). Ersteres Motiv, durch welches für das
der zwar seinerseits nach Strabons (= Apollo- Schicksal der Andromeda eine wenigstens
dors) Zeugnis die Kassiepeia in Arabien an- objektive Verschuldung als erklärende Ur-
setzte, aber doch ein anderes Lokal der Per- sache geschaffen wird (Ribbeck, Rom. Trag.
seusfahrt, die den Kyprien (frg. 21 Ki.) zufolge S. 172), möchte Fedde (de Perseo et Andro-
von den Gorgonen bewohnte Sarpedonsinsel, meda , Diss. Breslau 1860 p. 37), weil an die
in sein heimatliches „atlantisches" Gewässer Niobidensage anlehnend, einer Tragödie wie
verlegt hatte (frg. 10 Bgk. aus Schol. Apollon. der (freilich fast unbekannten, ' 'Andromeda'
Iihod. 1, 212, vgl. Aithiopenl. ß. 204 f.). So 20 des . Lykophron zuweisen, letzteres dem ver-
entstand auch hiusiohtlich der Ürtlichkeit ein lorenen Referate eines Aristeides (von Mi-
Gegensatz zwischen dem west-aithiopischen, letos? F. H. G. 4, 324, 17) oder Prokopios, da
durch Euripides vertretenen Mythos von der die anderen beiden von Tzetzes aufgerufenen
K.r den Photios' Einleitung zu Konon (40, Zeugen, Iosephos (B. 1. 3, 9, 3) und Libanios
Westermann Mv&oyg. p. 143, 6) als 'EXliqrav (31. 32 p. 375 West.) nichts davon erwähnen.
(iv&og charakterisiert, und den jene Parenthese Aber ein, Irrtum des Tzetzes ist nicht aus-
im Hermolaosexcerpt des Steph. Byz. 'Iönrj [Ar/- geschlossen, da er überhaupt diese Zeugen
cpzag rov tictTctGTSQi.B&svzog, ov £6ti yvvr\ Kaa- vielmehr für den Iopenrythos aufbietet, was
oiiniiu (sc. cocjtfp) of "ElXvvsg xaxajs cpaaiv] wenigstens für den Libanios ungerechtfertigt
meint, einerseits — und anderseits dem orienta- 30 ist (so schon M. Gh. G. Müller ed. Schol.
lischen, von Theopompos, Konon, Steph. Byz. Tzetz. 1811, 2, 821 -1). Ebenso liegt ein Irrtum
u. a. vertretenen Mythos von der Kepheus- Feddes vor, wenn er behauptet, die Angabe
gattin und Andromedamutter Iope zu Ioppe des cod. Strozz. Schol. German. Arat. Ph. 197
(vgl. d. Art. 'Iope', 'Kepheus', sowie Aithiopen- (p. 139, 12 ff. Breysig): Andromeda filia fuit
liinder S. 144. 146 f.). Weder die eine noch Cepliei et Cassiepeiae , quae adamata est a Cu-
die andere Version giebt jedoch den eigent- pidine, beziehe sich auf eine Liebe des Eros
liehen älteren „aithiopischen" Schauplatz, zur Kassiepeia, während doch die Andromeda
welcher vielmehr' in der später so genann- gemeint ist (vgl. darüber Robert,' Eratosth.
ten dorischen , ursprünglich „phoinikischen" Catast. reliq. p. 220). An Euripides schliefst
d. h. karischen Hexapolis zu suchen ist (vgl. 40 sich die Andromeda des Ennius an (frg. lff.;
weiter unten). Die Beweise dafür, dafs die Ribbeck, Rom. Trag. S. 162.— 176. Das grie-
alte Zeit mit der Heliosinsel Rhodos (der chische Vorbild, der gleichnamigen Tragödie
Meropsinsel Kos) den Begriff einer Al&io-nia. von Livius Andronicus (Fedde p. 9: Sophokles
verband, s. in Aithiopenl. S. 164 ff. Ein Be- nach Ribbeck, R. Trag. S. 32, der die Sopho-
wufstsein von der Zugehörigkeit der Kassiepeia kleische Andromeda für ein Satyrspiel fälsch-
an diese jüngste cDoris' ist vielleicht noch lieh hält: Euripides'!) und Accius (frg. 1 — 14,
bei der Quelle des. Nonnos (43, 165 ff.) erkenn- Ribbeck, Rom. Trag. S. 561 — 564; nach Fedde
bar gewesen, wo Poseidon, seine Wassergeister p. 9 = Sophokles) ist unbekannt. — Manilius
auf die Aithiopen des Dionysos hetzend, droht: Astron. 5, 538ff. folgt Ovid. Zu erwähnen
die aithiopischen Söhne der Kassiepeia von 50 ist aufserdem Luhianos, Dial. mar. c. 14.*)
Kepheus sollten zur nachträglichen Strafe für Der Name KaeaitniLa wurde von den
die prahlerische Rede ihrer Mutter und zur Römern, welche sich an die ihnen nahe-
Genugthuung der beleidigten Nereiden ge- liegende und frühbekannte kerkyräische Stadt
knechtet und der Nereide Doris dargebracht KaaCLonri (und vielleicht deren Heroine Kaa-
werden (Al&iönav 8\ tfäXayyag igvocaiz k«1 oiönsia; s. d.) erinnert fühlten, in Cassiope
oxCxag 'Ivääv | IrjtSa Nrjgr)Täeaai, xuiioyXoioooto (Ovid. Met. 4, 738. Hygin. F. 64) verkürzt,
ös vv(iyr]g | JioQiäi äovkta rixva «oui'ccarE worin ihnen in der Kaiserzeit Spätgriechen
KaßßLB7iii'rjg | Ttoivrjv oipixilsoTov). — Lyko- wie Antiphilos folgten (Kaaaiona a. a. O. v. 3).
phron (Suidas s. v.) wird in seiner sonst un- Sonst konnte neuerdings fast durchweg auf
bekannten Tragödie 'Andromeda' die gleichen GO Grund der Hss. die echte griechische Schreibung
Entlehnungen ans dem Herakles-Hesionemythos -inna hergestellt werden (so in Buntes Hyginus,
gehabt haben wie in der 'Alexandra' (v. 838 ff.
Vgl. Tzetzes Z. d. St:; Perseus vom xijrog ver- ') Hinsichtlich der DarsteUuRg der Kassiepeia als
schlungen, zerstört von innen dessen Ein- Mutter der Andromeda in der Kunst ist zu -s-erweiseu
geweide); aber da in der Alexandra eine Gattin ™f «<> /"": Neapel nr. 3225 Santangeio nr 84 u.
j T.r l ■ i j. j. • j. 1-p j. ■ i '08 (vgl. 11,'ydemann. D. Vasensamrmungen des Museo ssazw-
des Kepheus nicht genannt ist, so lafst sich ,lote ,-n ^^ s. 5g0 637. 8Uf.). Trentelmburg in d. Annali
auch hinsichtlich der 'Andromeda' über diesen ,, !ml 1872 s 108-iso. Baumeister, Denkm. d. klass. Alt.
Punkt nichts ausmachen. — In der Zwischen- s. uaif. n. Fig. 1440. [Röscher,]
. 993 Kassiepeia Kassiepeia 994
Breysigs Sehet. Oermanici, vgl. auch Gaedechens Philol. 49, N. F. 3 S. 105. 112) als Bezeich-
Art. Kassiepeia in Ersch und Gruber, B.-E. 2 nung der kabeirischen Aphrodite oder ihrer
Sekt. 34 S. 241). Somit ist die bisher .ge- Heroine Leukothea vor und wird auch auf
bräuchliche und noch jüngst von Gruppe ' Rhodos entweder der Aphrodite selbst gehört
(Piniol. K. F. 1, 1888 S. 92) ohne Beweis haben, welche die einheimische Sage (bei
festgehaltene Etymologie aus naivvuai und Pindaros Ol. 7, 14; vgl. v. Wilamowits, Ser-
on- — die „durch ihren Anblick glänzende" mes 18, 1883 S. 429) als Gattin des Poseidon,
(Pape-Benseler), wenigstens in ihrem zweiten Mutter der Rhodos kannte, oder der Leukothea-
Teile hinfällig geworden; und man mufs Halia-Kapheira, welche die bei Diodoros (5, 55)
vielmehr annehmen, dafs der Gedanke an 10 nach Zenon u. a. (Apollodoros: Bethe, Hermes
Hccivviicti und In- mit der Bedeutung „Prunk- 24, 1889 S. 429) kontaminierten Stemmata
rednerin", „Prahlerin" jenen Dichtern vor- (Philol. N. F. 4, 1891 S. 43) als Tochter der
schwebte, welche das igioai, ccvxtiv, gloriari, Aphrodite von Poseidon angaben. Die eigaviia
lootpaQi&iv (Konnos 47, 448), vo(ii£etv xai der Rhodier ist also verständlich: sie wollten die
Isyeiv (NB.) huXXii. vwüv NrjgrjiSag zu be- Prahlerin treffen, welche mit ihrer Verachtung
tonen nicht müde wurden, so dafs sogar ein der Nereustöchter zugleich die sehaumgeborne
Ovidiiis und Antiphilos, trotz ihrer schlechten Göttin selbst oder ihre mit dem Meergott er-
und sinnverändernden Schreibung -ope und zeugte Tochter beleidigte. Die Verknüpfung
-ömx, unter dem Zwang der Überlieferung sich der Kassiepeia mit der Göttin der „Schön-
gescheut haben, diesen charakteristischen Zug 20 heit" ist also eine witzige oder rein poetische,
zu unterschlagen; Met. 4, 670: immeritam Gruppe (Philol. N. F. 1 S. 93) nimmt s"ie
matemae pendere linguae \ Andromedam (gegen den Wortlaut) ernst, um mittels einer
poenas . . . iusserat Amnion; Antiphilos v. 3: Gleichung Kaooiinttu = KaXlovr] und der
Kaaaiönag XtiXog svt&y.vici. Der gelehrte IS'on- Etymologie Iapho (Narne der philistäischen
nos schöpfte wiederum die echte Schreibung Stadt 'lonitiq) phönizisch = _„die Schönheit"
-f'jrfia aus seiner klassischen Lektüre und zu- KaoGio-iuLa (sie) als eine Übersetzung von
gleich auch das (,;sogar von der Nereide Iapho zu erweisen. Aber eine Heroine Iapho
Thetis gefürchtete") axö^a Kuoaimziag (41, ist nirgends bezeugt und auch aus der grieehi-
236), zr\g Kcc-xoyXoJaaoio vvarprjs (43, 166). sehen 'Ionij (s. d.) nicht zu erschliefsen; ferner
Wenn die alten Grammatiker also hätten eine 30 stammt die rhodische mit Poseidon verbundene
Etymologie geben wollen, so hätte nichts Aphrodite (Kallone) nebst Leukothea-Kapheira
anderes als eine Glosse, wie etwa Kaooti-nEia- (= Kußiioa) ebenso wie der gleiche Kult-
Y.o(inr]y öqo g, xouTzoQ p /) fi co v oder substanti- komplex auf Lesbos und Samothrake- wohl
vischiiofi7z;oioy('K herauskommenkönnen. Lesen vielmehr aus dem kadmeischen Thebai,4 wo
wir nun aber bei Suidas Kaaatineta' r\ v.aX- nach Plut. Apophth. lac. 26 Leukothea. die
P.oi'tj, so ist das eben nicht eine Etymologie Kadmostochter, ferner der onchestische Posei-
oder Zusammenstellung zweier synonymen Sub- don, die kadmeische Aphrodite und Kabeiren
stantive „?j Kaooiinna — rj xccXlovri", wie verehrt werden (so der samothrakische , vgl.
man aus dem gedankenlosen Zusatz des Suidas: Crusius, Beiträge S. 22 f.; der lesbische, vgl.
Kai (!) övofia hvqwv geschlossen hat; Viel- 40 Lesbiaka 3, Philologus N. F. 3, 1890 Heft 2);
mehr ist in beiden zusammengeleimten Glos- und zwar der rhodische Kultkomplex, weil
semen der Eigenname Kaoaiin^ia das Lemma, Poseidon das Priesterturn seines rhodischen
und eine Etymologie so wenig beabsichtigt Kults (Ialysos) stets aus den avv Kaäfim <I>oi-
wie in Hesych. s. v. KaXövng, die der Unterz. vi-ueg, d. i. Kadmeionen (Diodor. 5, 58, vgl.
(Flecheisens Jahrb. 135, 1887 S. 104), den Dionys. Hol. d. Dinarch. 10), seinen Stiftern,
Genetiv des glossierten Textes bewahrend, er- besetzt erhielt, die über Athenai eingewandert
gänzte: KaX(iyovfjg' ilgiov^i-nägy 'Pöäioi (sc. waren (Menelcrates , Schal. Pindar. OL 2, 16,
üvtl toxi 'KaocisnsLag' , da eine Bezeichnung F. H. G. 2, 344b. Konon 47 p. 148 Westerm.), '
%aX6vrjg für den Typus des eigeov sich nicht vielleicht auch über Karien-$ou<ix(; und das
hat finden lassen (vgl. Mibbech, Über den Be- so kadmische Miletos (H. D. Müller, Myth. 1,
griff des siocov, Bhein. Mus. 31, 1876 S. 381 ff.). 308 f. v. Wilamowitz, Hermes 7, 1874 S. 139.
L>ie beiden einzeln genommen unverständlichen E. Maafs ebda. 23, 1888 S. 79). Ebenso ver-
Glossen bezeugen sich gegenseitig, dafs die fehlt ist der weitere Vorschlag Gruppes (a. a. O.
Rhodier, d. h. vielleicht nur: ein rhodischer S. 95 ff.), die Derketo (Atargatis) von foppe in
Dichter, dem . jene bei Hesychios erhaltene der rhodischen Aphrodite wiederzufinden, und
alte Interlinearglosse beigeschrieben ward, und diese der Kassiepeia gleichzusetzen. Denn die
seine Leser in scherzhafter (spöttischer?) Tochter der Derketo (Semiramis) wird nicht,
Weise die Bezeichnung „Schönheit" brauchten, wie die Töchter der beiden anderen, dem
und zwar für die Kassiepeia, was völlig im Wassertod geweiht, sondern in der Wüste aus-
Einklang steht mit dem karischen Lokal- «o gesetzt; und von der Kassiepeia ist weder eine
kolorit ihrer Genealogie und der Nonnianischen Vergewaltigung durch ihre Söhne (wie bei der
Bezeichnung der beleidigten Nereiden als An- rhodischen Aphrodite) noch eine unwürdige
gehörige der „Doris". Nun kommt der Titel Liebschaft (wie bei der Derketo) bekannt oder
KaXXoviq auf Samothrake (vgl. TJsener, Bhein. gar ein Sprung ins Wasser wie bei der Muttei'
Mus. N. F. 23, 1868 S. 318 ff. ; vgl. O. Crusius, Derketo. Gruppe selbst wird darum schliefs-
Beiträge zur griech. Mythol. und Beligions- lieh dieser Parallele untreu, um lieber Andro-
geseh. Progr. Leipzig Thomassch. 1886 S. 22 f., meda, die Tochter, mit den beiden Wasser-
Aithiopenll. S. 159) und Lesbos (Lesbiaka 2. Springerinnen: Leukothea-Halia (der Tochter)
Koscher, Lexikon der gr. u. rüm. Mythol. II. 32
995 Kassiopa Kastalios 996 ,
und- Derketo (der Mutter!), zu vergleichen Namensähnlichkeit mit der Kaaaii-mi ict (s. d.),
(S. 97). Die Widersprüche, welche diese ist ausgeschlossen. Doch bliebe dann immer noch
Parallelisierungen unter einander und mit der die Möglichkeit, dafs Kaaaionrj nur eine dia-
tJberlieferung aufweisen, sucht Gruppe zu * lektisch verschiedene westgriechische Form für
paralysieren durch die Formulierung seiner das östliche KaoaiiTtsicz wäre, im Sinne O.
Hypothese: dafs der Andromedamythos nur Gruppes {Philo}, a. 0. S. 92). Kerkyra-Coreyra
„als eine Fortsetzung der Leukotheasage er- (mit ähnlichem Vokalwechsel) ist von Chal-
funden sei". Mit der daraus gefolgerten weiteren kidiern kolonisiert, und in nächster Nähe von
Behauptung, dafs Kassiepeia ursprünglich nur Chalkis liegt Thronion, dessen Heroine Thronie
die Adoptivmutter der Andromeda gewesen sein 10 Mutter der Kassiepeia heilst, und der Euripos,
könne, die eigentliche Mutter aber Leukothea an dem die mythischen Araber ihres Vaters
sein müsse, und dafs Kepheus ein böser Frevler Arabos wohnen. Der Schlüssel liegt wohl in
an der Leukothea aus der Zahl der rhodischen dem von Kerkyra bis zum afrikanischen Aigyp-
Igneten gewesen sei, schwindet der Boden me- tos verbreiteten Kult des Zeus Kasios (s. Kasios),
thodischer Mythenerklärung unter den Füfsen. dessen oft vermutete Beziehungen zum Namen
Endlich bedarf auch die Behauptung, der alt- der Kassiepeia oder gar des Kadmos trotz Maafs
testamentliche Prophet Iona sei in seinem Fisch- {de Aeschyli Suppl., Ind. lect. Gryphisw. 1890
abenteuer eine mifsverstandene und vermänn- S. 25) noch ebenso problematisch bleiben, wie
lichte weibliche Heroine Iona (phöniz. das auffällige Verschwinden des Kepheus (5.)
=Taube)=Semiramis, mitsamt dem, was daraus 20 aus den boiotisch-euböischen Erinnerungen (bis
bald für die Identität mit der taubengenährten auf Schal. BL zu II. A 498). [K. Tümpel.]
Semiramis, bald mit deren ins Wasser ge- Kassios s. Kasios.
stürzten Mutter Derketo gefolgert wird, noch Kassiphone {KuaoLtpövr]), Tochter des Odys-
der Begründung, um einigermafseu glaubhaft seus und der Kirke, Schwester des Telegonos.
zu erscheinen. — Über die ursächlichen und Der von Telegonos irrtümlich getötete, von
zeitlichen Verhältnisse bei der Übertragung Kirke wiedererweckte Odysseus vermählte sie
der ursprünglich rhodisch-karischen K. nach mit Telemachos, den sie ermordete, weil er
West und Ost vgl. im allgemeinen Art. 'Iöpe', ihre Mutter Kirke getötet, Tzetz. L. 798. 805.
'Kepheus', 'Kephenen'. Mitgewirkt zu habegi 808. 811. Vgl. Kasiphones. [Stoll.]
scheint noch der im ersten Teil des Namens so Kassmia {Kuocfiiu, KASSMIA), Bezeichnung
liegende Anklang an Kdoog, Käaiog. -lov. der Sphinx auf einer attischen Kanne des
Wenigstens fand sich auf dem mesopotamischen schönsten Stils der 2. Hälfte des 5. Jahrb.,
Schauplatz der Sophokleischen (Hellanikisch- Jahrb. des Es. D. Arch. Inst. Arch. Am. 1891
Herodotischen) Bearbeitung eine Insel Kasos p. 119. Erwerbungen des Antiquariums [in
(Steph. Byz. s. v.: [j'ijcos] ttigu TLiooiSog imi Berlin] nr. 17. Zum Vergleich wird daselbst
jrtUig; vgl. den einheimischen Volksnamen der angeführt die Schreibung Kdaajiog statt Kdd-
Kaschu = Koeauioi = Kiaaioi, Aithiopenil. ftog auf einer attischen Amphora des späteren
S. 186), entsprechend der bei Rhodos gelegenen schwarzfigurigen Stils, Wiener Torlegeblätter
Insel Kasos; ferner war das aus Achilles Tat. C, 7 nebst Eretzschmers Bemerkung in Zeit-
(3, 6) bekannte Bild des Euanthes von dem 40 Schrift f. vergl. Sprach f. Bd. 29 p. 429. [Drexler.]
Andiomedaabenteuer gerade auf dem ägypti- KassillOS = Kadmos (s. d.).
sehen Kdaiov opog im Tempel des Zeus Kasios Kassotis {KaaaoTig), eine parnassisehe
zu sehen; und im Westmeer haben wenigstens Nymphe, nach welcher die begeisternde Quelle
die Römer (ungefähr entsprechend der Stesi- Kassotis in Delphi benannt war, Paus. 10, 24, 5.
chorisch-Euripideischen Fixierung in der west- [Stoll.]
liehen Atlantis) eine Beziehung auf die kerky- Kastalia {KaazaXia), eine delphische Jung-
räische Stadt des Zeus -Kasios, Kassiope, frau, welche, vor Apollon flüchtend, sieh in
herausgefühlt {Aithiopcul. S. 203). Wirklich die nach ihr benannte heilige Weihequelle zu
hat schon die griechische Sage den Eponymos Delphi stürzte, Lactant. Stat. Tlieb. 1, 697. —
der Insel Kasos unter die argivischen Kolo- so Panyasis bei Paus. 10, 8, 5 nannte sie Tochter
nisten der Sporaden gerechnet, entsprechend des Acheloos. Sie war Gemahliu des Delphos,
der Herkunft des Perseus und dem späteren Schal. Eur. Or. 1087. Vgl. Kastalios. [Stoll.]
Wohnsitz der Andromeda (Kasos, Sohn des — Die Personifikation der Quelle K. will Robert
luaebos: Paumnias Damasc. F. H. G. 4, 469. in der einen der beiden ruhig stehenden Ge-
Aithiopenll. S. 174); doch s. Art. 'Kassiopeia'. stalten in den unteren Ecken des Mittelfeldes
[K. Tümpel.] des Mosaiks von Portus Magnus, das nach ihm
Kassiopa(A'a<7<Ho'jra) = Kassiepeia(s.d.'>, J./i<*- Leto von Aquilo nach Ortygia getragen, dar-
philosmAnth.Planud. 147; s. Sp.992f. [Höfer.] stellt, erblicken, Jahrb. d. E. D. A. Inst. 5
Kassiope {Kacaiont!), Hygin. f. 64. Uvid. Met. 1S90 Tfl. 5 p. 219. [Drexler.]
4, 738 = Kassiepeia nr. 3 (Sp. 992). [Höfer.] co Kastalides (KaotaXiStg), Beiname der Musen
Kassiopeia (Cassiopeia), nur einmal (vom (s. d.), nach der Kastalisehen Quelle am Parnas-
Mythog. Vatic. 1 , 80) bezeugt als Gattin des sos, Theoer. 7, 148 u. Schol. Mart. epigr. 4, 14,
Oineus, Mutter des Tydeus, also im Zusammen- 1. 7, 12, 10. [Lorentz.]
hang aitolischer Mythen. Der Name geht wohl Kastalios {Kaaxdliog) , nach welchem die
auf die kerkyräische Stadt Kaaaionrj (Zeus Quelle Kastalia benannt sein sollte, war 1) del-
KctGLog), deren Landschaft freilich Kaaaio- phischer Autochthon, Vater der Thyia, die mit
■naia heifst. Ein Irrtum des Mythographen Apollon den Delphos zeugte, oder Sohn des
in .der Schreibweise, veranlafst durch die Delphos und der Kastalia (s. d.), der nach des
997 Kastianeira Katachthonioi 998
Vaters Tod die Herrschaft des Landes erhielt. und pultuke (Polydeukes) den menle (Menelaos)
Sein Sohn war Laphrios, Paus. 7, 18, 6. 10,6,2. und melakre (Meleagros); s. Gerhard, Etr. Sp.
10, 8, 5. Schol. Eur. Or. 1087. Oder er war t. 355. Fabr., C. I. I. 108. Conest, Insc. Etr.
ein Kreter, der eine Kolonie nach Delphi 194,' t. 59, nr. 206 aa, Der andere Spiegel
führte, Tzetz. L. 208. [Stoll.] — [2) Beiname aus Perugia, im dortigen Museum, hat in ähn-
des Apollon, der als Kaazalmg angerufen wird, licher Anordnung zwischen kastur und pultuke
Parthey, Zioei grieeh. Zauberpapyri des Berliner als Liebespaar elinei (Helena) und lamtmi
3Iuseums p. 46 Pap. 2 vs. 133 u. 140. Drexler.] (Laomedon, wohl als Name 'des Paris nach
Kastianeira (Kctaziävaiga) , eine Gemahlin seinem Grofsvater [s. d.]); s. Conestabile, Bull.
des Priamos, aus Aisyme in Thrakien, Mutter 10 1869, 47. Monum.di Per. 4, 468 nr. 695 — 1023,
des Gorgythion, II. 8, 305. [Stoll.] t. 80, 1 u. 96, 1. Fabr., Pr. Spl. 252. — Ein
Kastilia (Kaazvia), Beiname der Aphrodite dritter Spiegel, 1826 im Gebiet von Chiusi
von dem Berg Kastnion (Steph. Byz.) in der gefunden, bietet die Namensform kasutru
pamphylisehen Stadt Aspendos, Lykopin: 403. (stärker etruskisiert; s. Namen wie apatru,
1234 und Tzetz. Aspendos war nach Strabo veratru, fastntru, und zur Einschiebung des u
14, 667 eine Kolonie der Argiver; die Argiver z. B. pulufna neben, pulfna u. s. w.). Hier
verehrten aber nach Kallimaclios oder Zenodotos wird von ihm und pulutuke ein zwischen
b. Athen. 96 A Aphrodite mit Schweineopfern. ihnen stehender, %alu%a&u (Kalchas?) benannter
Nach Kallimaclios, Iamben bei Strabo 9, 438 = Mann in der Trunkenheit gestützt oder be-
fr. 82b p. 238 tf. ( Schtieider) jedoch bestanden 20 wältigt, während rechts turan (Aphrodite) be-
aphrodisische Schweineopfer im Kult der Käst- schäftigt ist, links Minerva (der Name ist zer-
nietis zu Metropolis in Thessalien, wohin sie stört) ruhig sitzend zuschaut; s. Micali, Stör.
von Onthyrion verpflanzt sein sollte (Strabon t. 47, 1. Gerh., Etr. Sp. t. 56, 1. Lajard, Ann.
a, a. O. [Kallimachos widerspricht sich und XXlIf = 1851, 228. Fabr., C. I. I. 479, t. 30.
korrigiert an der zweiten Stelle die erste: — Die gewöhnliche Form des sonst häufig
Schneider-]?. 356. 240. Tümpel.] Vgl. Kastnietis. auf Spiegeln, Gemmen u. s. w. vorkommenden
[Höfer.] Namens ist castur; s. Fabr., Gl. It. 802 u.
Kastnietis (Kaozviijzig), Beiname der Aphro- 2078. Ind. der Spl.; herzustellen C. I. I. 304;
dite zu Metropolis in der Histiaiotis, die dort vgl. Corssen, Etr. 1, 822. Deecke, Bezz. Beitr.
mit Schweineopfern verehrt wurde, Kallim. b. 30 2, 168 nr. 62. Er kommt mit den verschie-
Strabon 9 p. 437 f. Leake, Travels in Northern densten Gottheiten, Heroen und Heroinen ver-
Greece 4 p. 507.' Engel, Kypros 2 S. 156f. Ihr bunden vor, doch am häufigsten mit seinem
Haupt mit einem Vogel (?) zur L, bekränzt von Bruder pultuke (Polydeukes; s. d.); ferner mit
Nike, erscheint auf dem Obv. von Silbermünzen itas (Idas; s. d.); mit calanice (Kalliviuos d. i.
der Stadt, Read, H. N. p. 257. C. G. G. Herakles) und prmnafte (Prometheus), Fabr.,
B. 31. Thess. PI. 7, 8. Auf dem Rs. von Sil- C. I. I. 2505; mit menrva (Minerva) und vile-
bermünzen sieht man sie in ganzer Gestalt, (Iolaos), ebda 2054 quat. ; mit evas (Eos),
in Chiton und Himation, einen Thyrsos haltend, castra (Kassandra) und capne (Kapaneus), ebda
auf einem Felsen unter einem Baum sitzend, 2536 bis; mit arafta (Ariadne), aminft (Amor),
Head p. 257. C. G. C. B. M. Tliess. p. 36 nr. 1 40 eiasun (Iason) und fu/luns (Dionysos), Fabr.,
PI. 7, 7; auf dem der Bronzemünzen stehend, Pr. Spl. 374; mit latva (Leda), tuntle (Tynda-
in Chiton und Himation, eine Taube in der reos) und turan (Aphrodite), Frz. Spl. 308 u. s. w.'
R., vor ihr Eros, Head p, 257. C. G. C. B. 31. Sehr häufig steht er auf den Bronzespiegeln
p. 36 nr. 4 PI. 31, 6. Zu Neigebaurs Notiz seinem Bruder gegenüber ohne Namensbei-
über den Fund einer „Venus von Terracotta, schritten. Merkwürdigerweise haben wir sonst
die ein Ferkel an den Busen drückt", in der keine Nachrichten aus dem Altertum über
Nekropole von Tharros, Arch. Anz. 1858Sp.201* den Dienst der Dioskuren in Etrurieu; s. Dennis,
bemerkt E. Gerhard ebenda Anm.**: „Wäre Ctt. a. Cem. Is, LVIII. [Deecke.]
beachtenswert und der Aphrodite Kastnia Katachthonioi Theoi (Kazax^övioi frtoi),
(Gltd. Myth. § 378, 1 a) vergleichbar, wenn die 50 die Götter der Unterwelt = Chthonioi (Bd. 1
Figur durch Nacktheit oder sonst als aphro- Sp. 907, Z. 64ff.), auf einer Inschrift aus dem
tlisisch gesichert ist." Bernoulli, Aphrodite kretischen Lyktos, Corr. hell. 9 (1885), 25
p. 363 Anm. 1 : „Indessen liegt es wohl näher, nr. 23. Zwei athenische Inschriften (C. I. G.
in der sardinischen Terracotta eine bekleidete 1, 916 und add. p. 919 = C. /. A. 3, 1423.
Figur und in dem Ferkel ein cerealisches 1424) sind geweiht IlXovzatvt Kai z/rjftr/trpt «ai
Attribut anzunehmen, wie u. a. bei der als TLtQGtcpovn kccl 'Eqivvvol -Aal itäoiv xotqnctTu-
eleusinische Demeter von Lenormant publi- %&ovioi$ trfojs; ebenso C. I. G. 1, 916; Arch.
eierten Figur in der Arch. Ztg. 1864. Taf. 191." epigr., Mitt. aus Oesterr. 9 (1885) 127 nr. 91.
[Drexler.] 10 (1886) 242 nr. 8. Gazette archeol. 13 (1888;.
Kastor s. Dioskuren und Kastur. oo Chronique p. 47. Auch unter der Abkürzuug
Kastores (KdaroQfg, Castores) = Dioskuren &. K. sind die &ioi Huxa%&öviot zu verstehen,
(s. d.) Plin. hist. not. 5, 86. 10, 121. 34, 23. G. I. Cr. 2, 1832; vgl. ferner schol. Find. Ol.
35, 27. 71. 93; vgl. Schneider, Callimachea 13, 46; sie heifsen auch y.arax&övioi d'ctiuovsg,
2, 10. De Vit, Onom. unter Castor. [Höfer.J Anth. Pal. 7, 333, [Ilv&uyoQov xqvgü Hitn vs. 3,
Kastur (kastur), etruskischer Name des Melanges greco-rom. 3 p. 549. Drexler.]; &aal
Kastor auf zwei Bronzespiegeln. Der eine, im naxax&onai bei Apoll. Bhod. 4, 1411. Hades
Florentiner Museum, schon bei Dempst, Etr. heifst -AazoLx&oviog Hesych.; vgl. Pollux 1,
Beg. t. VII (Bonarr. 22) zeigt zwischen ihm 24 Dion. Hai. 2, 10, oder Zeiis narax&oviog,
999 KatacMbonioi Kataibates 1000
Hom. II. 9, 457. Etym. M. 409, 8. Paus. 2, 'moni, Wortes p. 142 Fol. Lond. 1G62); in the
24, 4. "iQtois -xcezax&ovtoL schol. l'inä. Ol. language of the Algonldns , her name is iden-
2, 104. 'Egivvg Kaxax&ovi'a, Etym. M. 374, 5. tical ivüh the words for night, death, cold,
[Eine den &ioig Kuxax&ovioig geweihte In- sleep, and water." —
schrift verzeichnet auch Sterrett,- An cpigraphi- Die oben 1 Sp. 348 nach Schal. Theoer. Id.
cal journey in Asia 3Iinor = Papers of the 2, 12 erwähnte "Ayyilog (Hekate) hiefs, naeh-
american school of classical studies at Athens. dem Zeus sie durch die Kabiren hatte reini-
Vol. 2. Boston *18S8 p. 218 nr. 242; eine aus gen lassen, KuTccx&ovia. Waddington zu le
Philippopolis Millingen 'O iv Kcovar. s'U. cpiX. Bas, Voyage arch. en Gr'ece et cn Asie Min.,
oi!ll.l873 — 74 p. 169 nach Skordelis = Dumont, 10 Explic. des inscr., Asie Min. nr. 515 p. 141.
Mel. d'arch. et dipigr. 1892 p. 343 nr. 57 v. Vgl. Hekate.
Häufig ist besonders in lykischen Grabinschriften Zu Artikel Chthonios 5, oben Bd. 1 Sp. 907
die Fluchformel «pfiarcoAos zoxai aTioignarax^ro- — 908 ist nachzutragen die Anmerkung 5 von
vwig, Gustav Hirschfeld, Über die griechischen Gustav Wolff zu p. 112 von Porphyrii de
Grabschriften, welche Geldstrafen anordnen, philosophia ex orae. haurienda librortan reli-
Königsberger Studien Heft 1 18S7 [p. 83 — 144] quiac , wo u. a. aus Ariemidor Oneir'oJcr. 2, 34
p. 108, p. 120, B nr. 13. 15. 36. 37. 45 [äpfia- angeführt wird: x^ovioi äs Tllovrcov Kai fifpöf-
xcoXbg sgtcoi &£ol$ y.azcix&ovLOis]. 47. 50; auch (povn y.al dr}iif]xriQ Kai ^Enäzn x^ovlcc kkI'Eqiv-
vntv&vvog iaxai ftioig Kaxax&ovioig , B 43 vveg Kai Saifiovtg oi 7i?gl xovxovg v.al <l>6ßog
(Aperlai); hgÖGvlog ■fftoig ovgavioig Kai Kare- 20 Kai dsi[jiog . . xbv "Aqi] xtrj [ilv iv xofg iiti-
X&ovioig, B 14 (Pinara); äasßfg 9eoig Kaxa- ysioig, nr) öf iv xoig jjtroi'tots KataxaKxi ov . . .
X&ovioig, B 1 (Telmissos), Hirschfeld p. 120— Drexler.] Vgl. d. Art. Inferi. [Höfer.]
121 kommt in lykischen Grabinschriften mit Katagaidioi Theoi. Eine Inschrift von
Anordnung von Geldstrafen vor. Ben von Centuripae lautet: 0eofg Kaxa\yaidCoig.
Preller, Demeter u. Persephone p. 187 zwischen KoQvih'a j xQylozrl la<- 9£- £'£nasS I ^zrl -*ß'i
Zfis -/.axax&oviog und Z. jjtroi'tog gezogenen Kaibel, Inscr. Gr. Ital. et Sicil. 581.
Unterschied stellt in Abrede Bohde, Psyche [Drexler.]
p. 191 Anm. 2. dibg Kaxa[x&oviov] ergänzt Katagusa (Kaxdyovaa). Bei Plin. n. h 34,
Sterrett, The Wolfe expedition to Asia Minor 69 heifst es von Praxiteles: Fecit tarnen ex
= Papers of the american school of class. stud. so aere pulcherriina opera: Proserpinae raptum,
at Athens. Vol. 3. Boston 1888 in dem Würfel- item Catagusam et Liberum .patrem ....
Orakel von Anabura [p. 206-214 nr. 339 — Hinsichtlich der sehr verschiedenen Deutung
342] p. 214, D vs. 16, mit Zustimmung von des Ausdrucks v.axdyovaa, den man bald auf
Kaibel, Hermes 23 p. 536, 537 Anm. 1. Men Demeter, bald auf Hekate, bald auf Kora,
erhält das Beiwort kkibj^. in Grabinschriften: meist aber auf die Zurückführung der Kora
von Iconium: ... iäv xig x>)v Gxr{lr]v \ aäiKrjßii, aus der Unterwelt oder auf deren Hinabführung
Xsxola jiivov i'xoixo [?fj;oi xbv] | M^va Kaxa- in das Bereich des Hades bezogen hat, vgl.
X&äviov. Badeta. Paris, B G. IL 10 1886 p.503f. die Darlegungen und Litteraturangaben bei
nr.6; . . . og ä' iav £[7c]ioßiderixaL r) d\[ä]i.Kf,asi Förster, Baub d. Persephone S. 104f. und
i'xoi xbv M~\i)va Kaxax&övi [o~\v xe xoXafii vov, 40 bei Overbcck, Kunstmythol. 2 S. 433' [sowie bei
Sterrett, An epigr. journey to Asia Minor Brenner, Jahresber. üb. d. Myth. aus d. J.
p. 200 nr. 211, und von Derekieui: . . . iv- 1S76—1SS5 p. 264—265. Drexler.] [Röscher.]
[o QKi^öijiS&a] ö'f MTjvcC Kaxax^oviov slq xovto Kataibates {Kaxaißuxng), Beiname 1) des
[iviqijLsiov [irjdiva iiasXiitiv, Sterrett, The Wolfe Zeus, Orph. hymn. 19, 12. 15, 16. Arist. pax
expedition to Asia Minor p. 174 nr. 284; .vgl. 42. Lylophr. 1370. Klearch. bei Athen. 12,
ebenda p. 146 nr. 251, wo zu [og S\ av k<3]< 522 f. Pollux 1, 24. 9, 41. Comut. de nat. deor.
K))arj xo (jLvijfia Mijva avm&sv Kai Kcex[a>&iv] 9 p. 28 Osann. [Anecdota _ varia Graeca et
'zu ergänzen sein wird kfxoX(o(ibvov £%oi. Latina edd. Schoell et Stademund Vol. 1 p. 265.
Der Beiname Kazax&oviog wird bei Men 266. 274. 262. Drexler.] Der Beiname bezeichnet
nicht auffallen, wenn man sich erinnert, dafs 50 den Zeus als den im Blitz und Donner herab-
der Mond im Glauben vieler Völker, besonders steigenden Gott anb xov Kaxaßaivsiv xovxißxi
als Aufenthalt der abgeschiedenen Seelen, mit Kaxa-niincnv xovg KEgavvovg, Etym. M. 494, 41;
dem Tode in Zusammenhang gebracht wird, vgl. Suidas, der neben der richtigen Erklä-
Boscher, Selene p. 90 f. u. Anm. 357. Ettig. ruug aber auch die falsche giebt dizb xov
Acheruntica, Leipz. Stud. 13 1891 p. 198 — v.axaßaivr-AV 6/ i'^ata xcöv yvvaiKcov. Dem
200 „de luna animarum sede". F. Schnitze. Zeus Kataibates waren die BvnXvaia, die vom
Der Fetischismus p. 248. Bastian, Ethnol. Blitz getroffenen Orte, heilig,- Etym. M. 341,
Forschungen 2 p. 346. Bastian, Der Papua 10. Nach Apollodor im schol. Soph. Oed. Kol.
p. 66*, p. 319 Anm. 7. Bastian, Die Völler- 705 hiefs Zeus Kataibates auch Morios (s. d.)
stamme des östl. Asiens 5 p. 437 Anm. * zu eo und besafs einen Altar bei der Akademia; die
p. 436; 6 p. 165. Ztschr. f. Ethnol. 4 p. 374 Inschrift -eines Altares (vgl. Bevue arche'ol. 16
Anm. 2 zu p. 373. Waits, Anthropol. der [1890], 235) aus Athen trägt die Widmung
Naturvölker 3 p. 197, p 311 u. a. m. ; vgl. die Jiog Kaxaßaitov, 'Erprjiji. dgxatol. 1889 61; auch
interessante Notiz von Briidon, The myths of in Olympia war ein Altar Kaxaißäxov Jiög,
the neic ivorld p. 137: ,,In the o:cult philo- Baus. 5, 14, 10. Ein Relief aus der Nähe von
sophy of the middle ages she [the moon goddts] Nauplia, das den Zeus darstellt, der mit der
was „Chief over the Night, Darkness, Bis', R. den Blitz schleudert, während die L. aus-'
Death and the Traters'' (Adrian van Hei- gestreckt ist, trägt die Widmung Jibg Äga-
1001 • Kataon Kathegemon 1002
zaißdzov , Kophinitios (in der Zeitung Kaigoi ■ Bonifikation der Unzucht: "Hguv zi ol'Aanuaiav
1890 nr. 476; vgl. Athen. Mitt. 15 (1890), 233. nata Kazanvyoavviq. [Höfer.]
Revue arcJieol. a. a. 0. 236, Anm. 10) meint, Katarrhaktes ( Kazaggäy-z-ng) , Flufsgott,
dafs ein Versehen des Steinmetzen (Kga- erscheint gelagert auf Münzen des L. Verus
zaißdzov für Kazaß.) nicht anzunehmen sei, (Loebbecke, Zeitschi', f. Num. 12 1885 p. 326
und erblickt in Kgataißdzrig ein neues Epi- nr. 1) und des Septimius Severus (Lealce, N.
theton des Zeus, das er durch Worte wie Hell. As. Gr. p. 80) von Magydos, Hcad, H.
xgcczaißoZog,y.gazcayvalog,y.gazai7tovg zustutzen N. p. 584. [Drexler.]
sucht; auch bezieht er den von Paus. 2, 25, Kataskopia(_ffarci:ffK07rtß), Beiname derAphro-
10, vgl. Bd. 1 Sp. 2077, Z. 61 ff. erwähnten 10 dite in Troizen. Ihr Tempel stand oberhalb
Kultus des Zeus zu Arachnaion auf dieses des Stadions des Hippolytos; der Name Kaza-
Epitheton. Mag man nun ein Versehen des oy-onia stammt daher, weil von dieser Stelle
Steinmetzen annehmen oder nicht, auf jeden aus Phaidra dem Geliebten bei seinen Übungen
Fall entspricht Kgazaißdz-qg inhaltlich voll- im Stadion zuzuschauen pflegte (Paus. 2, 32, 3,
ständig dem Kazaißdzrjg. — Auch dem gött- vgl. Bd. 1 Sp. 2682, Z. 57). Auch in Athen hatte
lieh verehrten Dcmetrios gab die Schmeichelei Phaidra, während Hippolytos in Troizen weilte,
der Athener den Beinamen Kataibates, Flut. der Aphrodite einen Tempel geweiht, von dem
TJemttr. 10. Clem. Alex, protr. 16 p. 48 Potter. aus sie den Aufenthaltsort ihres Stiefsohnes
[Die Tarentiner opferten dem Zeus Eataibates, erblicken konnte; Eur.Hipp. 30 (vaugy.azuipi.os)
weil ihre Landsleute wegen ihrer bei der Ein- 20 IMod. Sic. 4, 62 (o&sv rrv nuftogäv ilg Tgoi-
nähme der Iapygerstadt Karbina verübten Jr/i'a). [Nach Wide, De sacris Troezeniorum etc.
Frevel vom Blitz erschlagen wurden, Athe- Upsala 18S8 S. 32 f. bezieht sich der Name K.
■naeus 12 p. 522 (reo. Kaibel vol. 3 p. 153). vielmehr auf die „dea marina, quae mare de-
Auf den Münzen von Cyrrhus erscheint Zeus K. spiciens nautis favet et consulif'. Röscher.]
mit der Beischrift AIOC. KATAIBATOY oder Stephani, Compte-rendu 1861 127 will in
KATGBATOY, sitzend 'auf Felsen, in der R. der dicht versehleierten Figur auf einem
den Blitzstrahl, in der L. die Lanze, oder sein Vasengemälde (a. a. ü. 124 ff. Taf. 5 nr. 1)
Kultusbild im Tempel, P. Burmannus, Yecti- und auf drei Marmorreliefs (a. a. O. 120 f.)
palia populi Born, et Zsvg y.azaißdziqg , sive die Aphrodite Kazaoy.onCa erblicken. Möglich,
Iupiter fulgurator in Cyrrhcstarum numis. 30 dafs die auf einer Inschrift aus Troizen [Bau-
Traj. Bat. 1700. 4°; ed. 2. Leidae 1734. 4". nach, Studien 1, 166. 171) erwähnte 'jcpgoäiza
Eehhel 3 p. 260. Head p. 654. Overbech, Zeus ä t'fi ßaeeaig mit der Kazao%onCa identisch
p. 214 — 215 Münztafel 3, 16. 17. Dafs der ist; freilich gab es in Troizen noch eine
Widder über dem Tempel auf Münze nr. 17 Aphrodite 'Ay.gaia, Pazis. 2, 32, 6 und Nvucpt'a,
nicht als Symbol der Wolke aufzufassen ist, Paus. 2, 32, 7. [Höfer.]
wie Overbech will, .sondern als Zeichen des Katliaroi (Kairagoi). Pausanias (8, 44, 5)
Zodiacus hat Eehhel 3 p. 260 u. 284 f. aus berichtet von Pallantion in Arkadien: zä
Manilius Astron. 4, 747: „Illum etiam venerata locpm äs zä iizig zrjg noXsiog oaa dtigonoXsi zo
colit vicina Propontis, Et Syriae gentes, et laxo dg%aiov iygiövzo' liimzai ös y.al ig rjfiäg i'zi
Persis amictu" bewiesen. Drexler.] Vgl. zlibg 40 snl -/.ogvqifj zov löyov fttäv isgöv. iniyj.naig
Kazaißdzov aßazov Class. revieio 1891 288a. — pkv Sr) tazi avzoig Ku&agoi, "7zigl jisyiozcov
2) des Hermes als Totenführers bei den de avxö&L. v.a%e6zriy.aaiv 01 ogy.oi. y.al ovö-
lihodiern und Athenern, schal. Aristoph. pax fiaza filv zäv &eü>v ovy. i'caaiv, 7) y.al eiäözeg
650; vgl. Bd. 1 Sp. 2375, Z. 12. Sp. 2356, ovx i&elovaiv i^ayogeveiv Ka&agovg äe ixi
Z. 31 ff. — 3) des Ächeron, Eur. Bahch. 1361; zoimSe äv zig y.lr]9fjvai zev.fiuigoizo, ö'zi avzoig
vgl. Apoll. Blwd. 2, 353. Lyhophr. 70. [Höfer.] ov y.azu xavzd 0 Tldllag e&voe, y.a&ä neu o
Kataon (Ketzdtar), Beiname des nach Strabo naz-qg 01 zä Avxaim rfii. Nach Immenvahr, D.
p. 537 in ganz Kappadokien verehrten Apollon. Kulte u. Mythen Arkadiens 1 S. 68. 91. 104.
Cavedoni , Spie. num. p. 255 Note 217 will 119. 231 sind die Katharoi von Pallantion den
Apollon Kataon in dem von Sestini, Mus. 50 am Tilphosion bei Haliartos ebenfalls als
Hed. 2 p. 368 nr. 30 Tb. 29, 1 als „Apollon Schwurgottheiten verehrten Praxidikai
nudus ad s. stans d. ramum , s. demissa (s. d.) analog zu erklären und gehören dem
arcum" beschriebenen Typus einer Münze von Kult der in Pallantion zu besonderem Ansehen
Kaisareia erkennen. Dagegen will Otto Puch- gelangten Demeter-Erinys- oder der Ka-
stein, Pseudöhethitische Kunst. Berlin 1890 p. 21 beiren -Religion an. [Röscher.]
den Apollon Kataon erkennen in der Figur Kathegemon (Ka9rjysji(ov), Beiname 1) des
auf dem mit phantastischen Attributen ver- Dionysos in Pergamon auf Inschriften,
sehenen Tier der Münzen von Tarsos (Baoul- Fränhel, Die Inschriften von Pergamon 221.
Bochetle, Me'moires d'areh. compare'e I. Sur 222. 236. In Inschriften aus- römischer Zeit
VHercule Assyrien et Phenicien. PI. IV. Im- 60 sind dem Dionysos Kathegemon Weihungen
hoof, 3Ionn. gr. pl. H, 14), in der man gewöhn- in Gemeinschaft mit einem Thiasos (Fränhel
lieh Sandan, Babelon, Les rois de Syrie, d'Ar- a. a. U. p. 127 zu nr. 222. Waddington, Inscr.
menie et de Commagine. Paris 1890. p. CLVI d'Asic min. 281. Lüders, Dionys. Künstler 181)
— CLIX „Le tombeau de Sardanapale (autel dargebracht; in Inschr. 248 werden zgiezn-
de Zeus Dolichenus)" den Zeus Jolt-xaiog er- giäeg Ka&qye jiovog Jiovvoöv erwähnt, vgl.
kennen will. [Drexler.] Fränhel p. 167. E. Curtius im Hermes 7
Katapygosyne (Kazanvyoavvri), von Krck (1873)39. Keivton-Hichs , anc. inscr. 3 p. 230.
tinos bei Flut. Ferikl. 24, 10 gebildete Per- Der Tempel und der Kultus dieses Dionysos
1003 Kathetos Kaukasos ■ 1004
wird als eine Stiftung des Telephos (s. d.) Kciroixiöioi = Penates; %azoi-*CStog &sög —
betrachtet, Robert, Pergamenischer Telephon- Lar, Cyrilli, Philoxeni aliorwnque veterum
Fries in Jahrbuch d. Kais, deutsch, dreh. Inst. auctorum glossaria graeco-latiua a C. Labbaeo
3, 105 (Bild des Dionysos K. bei Baumeister, colleeta. Lutet. Paris. 1679. 2° p. 101; ebenda
Denkm. 1260f. Conze, Zur Topographie von Per- p. 270: Lares familiäres, rjgcosg kutoi-hiSioi;
gamon 9). Auch auf einer Inschrift aus p. 292: Penates, nazgmot 9sol, tuxtoiv.ISloi;
Thyateira findet sich ein fcgsvg zov Ka&i]- vgl. auch G. Wölff , Porphyrii de philos. ex
yspovos Jiovvaov , Bull, de corr. hellen. 11 orac. haur. libr. rel. p. 113 Anm. 5 zu p. 112:
(1887), 102; ferner in Teos, C. 1. G. 2, 3067. „In terrestrium numero Olympiodorus in Plat.
3068a, s. Büclh zu 2 p. 657. Corr. hellen. 4, 10 Alcibiadem priorein in ipso initio refert Klipa-
170; vgl. auch C. I. G. 4, 6829 und Bd. 1 zägxag Kai tTii%v)Qiovg , nazgmovg, scnoüjjot's,
Sp. 1876, Z. 66ff. — 2) des Hermes auf einer xazor*.i8i'ovg.iL [Drexler.]
Inschrift aus Sparta, Bull, de corr. hellen. Katrens (Kazgsvg), erstgeborener Sohn des
a. a. 0. 223; [= Sterretb, An epigr. journey Minos und dessen Nachfolger in der Herrschaft
in Asia Minor p. 119 nr. 91; Herbert Weir von Kreta. Seine Mutter war Pasiphae* oder
Smith, Class. Bev. 3 1889 p. 330. Drexler.]. Krete. Er war Vater der Aerope, Klymene,
— 3) ähnlich heifst Apollon auf einer Apemos37ne und des Althaimenes. Aerope und
Inschrift aus Kalynma 7rgona&riy£[ia>v &?6g, Klymene wurden von ihm wegen gemeiner
Corr. hellen. 8, 28. — 4) Artemis auf einer In- Leidenschaft dem Nauplios übergeben, damit
schiift aus Ephesos zfj zs ngoiiced-rjyizidi zijg 20 er sie im Meere versenke; dieser aber gab
■jiolttijg &sä 'AgzifiiSi Neicton-Hicks a. a. O. 3 Aerope dem Pleisthenes zur Ehe, welchem sie
p. 147. — 5) ngoKaftriyhig &tu 'Excizri Inschrift den Agamemnon und Menelaos gebar, und
aus Sidyma in Lykien, Benndorf- Biemann, heiratete selbst die Klymene, die von ihm Mutter
Meisen in Lykien und Karlen p. 68 nr. 43; des Oiax und Palamedes wurde. Über Althai-
vgl. ebenda p. 69 nr. 43 izpo ny szai &soi menes und Apemosyne und den Tod des
"AQTtiiig *ai 'Ancllav. — 6) bei Plut. Thes. 18 Katreus s. Althaiment-s, ApolloJ. 3, 1, 2. 3, 2,
'Aq/goSirnv xcc&riysiJiova noisCc&ai. .Kai naga- 1. 2. Diod. 4, 60. 5, 59. Schol. Sopll. Ai. 1291.
xaXtiv oi))'£fi7to(30v ist ita9rjyi[iciv nicht Bei- Tzetz. L. 384. Die Arkader sagten, dafs
name. [Höfer.] Katreus, ein Sohn des Tegeates, Enkel des
Kathetos {Ka&r]zog) verliebte sich in Salia, 30 Lykaon, aus Arkadien nach Kreta eingewan-
die schöne Tochter des tuskischen Königs dert sei, Paus. 8, 53, 2. Nach Schol. Od. 5,
Annios, als er sie beim Spiel erblickte, und 125 war Iasion Sohn des Katreus und der
entführte sie nach Rom. Als der Vater die Phronia, Gerhard. Gr. M. 2 § 729; vgl. Preller,
Entführte und den Entführer nicht einholen Gr. M. 2, 127 ff. , der den Katreus für den
konnte, sprang er aus Verzweiflung in einen Repräsentanten der phönikisch-karischen Vor-
Flufs (TLugtovoiog rcozatiog), der nun nach ihm zeit, namentlich ihres Unterliegens unter dem
Anio ('Avviiov) benannt wurde; Kathetos aber Andrang der hellenischen Ansiedlungen er-
erzeugte mit der Salia den Latinos und Salios, klären möchte. [Stoll.J
von denen die edelsten Geschlechter ihren Kaukaseus (Kavxaesvg) ," Beiname des
Ursprung ableiteten. Apokryphe Sage bei Ps.- 10 Apollon von dem Hafen Kaukasa (Herod. 5,
Plut. paräll.'&O, der sich auf den Milesier 33) auf Chios, Dittenberger, Sylloge I. G. 370,
Aristeides(?) und Alexander Polyhistor (?) be- 19 p. 537. Ebenso hat auch Artemis den Bei-
ruft. Vgl. Müller, Fr gm. Mstor. Graec. 3 namen Kaukasis (Kavv.aoi'g), Dittenberger
p. 230. [Röscher.] a. a. O. [Höfer.]
KatllOKOS (Kd&omog), Name eines Heros. Kaukasos (Kavxaeog), 1) ein Hirt, von
Thcognost. bei Gramer, Anecd. Oxon. 2, 59, 28. Kronos getötet; Zeus benannte nach ihm das
[Höfer.] früher Bogsov Y.otzr] geheifsene Gebirge; Klean-
Katis (Küzig) nennt Tzetzes schol. inLycophr. thes bei Pseudo-Plut. de fluv. 5, 3. — 2) auf
Cass. v. 22 als Sohn des Phrixos. Aber schon der rechten Seitenfläche eines römischen
Müller in seiner Ausgabe der Schollen 1 p. 310 so Sarkophags (Bighetti 1, 75), wo die Befreiung
Note 27 und Baou'l l Bochette, Hist. de Vetablisse- des Prometheus durch Herakles dargestellt
' ment des colonies grecques 2 p. 194 Note 1 er- ist, erblickt Baumeister , Denkmäler p. 1414
kannten, dafs dort an Stelle von Kaxig und (vgl. Abbild. 1568 C) in der oberen Ecke den
Sägog herzustellen ist Kvziaaiogog. [Drexler.] gelagerten Berggott Kaukasos, der einen
Katochos (Kdzoxog), Beiname 1) der Ge auf Zweig (irrtümlich statt eines Füllhorns, wie
einer Bleitafel mit Verwünschungsformel aus Baumeister meint) im rechten Arme trägt,
einem attischen Grabe, C. I. Gr. 53S. — 2) des [Vgl. über dieses (auch bei Bellori-Bartoli,
Hermes auf einer ähnlicheu Bleiplatte, C. I. Gr. Admiranda Born. ant. 66. 67. Montfaucon,
539, vgl. Fr. Lenormant, Bh. Mus. N. F. 9 Ant. expl. I, 1, 24; I, 2, 131. Miliin, Gal.
1854 p. 366f. 373; C. Wachsmuth, Bh. Mus. ao myth. 93, 383. Müller -Wieseler, Dkm. I2, 72,
N. F. 18 1863 p. 560 — 561. Den Beinamen 405; 2, 65, 838, b. 0. Jahn, Ann. d. Inst. 1847
erklärt Boeckh zu nr. 539: „Haud dubie Terra Tav. d'agg. Q. B. Be, Scult. del Campidoglio
et Mercurius xrtrojjot dicti sunt, quod necessitate Tav. 176 — 177. Milchhöfer , Die Befreiung
irrevocabili detinent defunctos . . . Sed a prae- des Prometheus. 42. Berliner Winckelmanns-
stigiariim sacerdotibus vocis vis ad KazaSiafiav programm p, 1, Vignette abgebildete) Relief:
rationem translata videtur, ut iam xarojjof &8oi Wieseler , über ein Votirrelicf aus Mcgara
essent ii, qui defixos a viagis homincs dctine- p. 28f. Anm. 38 und Einige Bemerkungen über
rent." [Drexler.] die Darstellung der Berggottheiten in der klass.
1005
Kaiikon
Kaüsios
1006
Kunst, Gott. Nachr. 1876 p. 72 f. Müchhöfer
a. a. 0. j5. 6 — 7. 0. Schultz, Die Ortsgottheiten
in der griech. u. rüm. Kunst. Berlin 1889 =
Berliner Stud. f. II. Phil. u. Ärch. Bd. 8 H. 3
)). 78. Den Berggott Kaukasus erkennt ferner
Müchhöfer a. a. 0., bes. p. 10 — 11, mit Zu-
stimmung von Schultz p. 77 in der gelagerten
Gestalt eines plastischen Figurenbikles aus
Pergamon. Drexler.] [ — 3) Name eines Kol-
chers bei Val. Fl. 6, G41. R.] [Höfer.] 10
Eunkon (Kav-xtov), 1) König und Heros Epo-
nymos der Kaukonen, eines altgrieehiseken
Volksstammes, der an der Westseite des Pelo-
ponneses und in Arkadien sowie auch in
Kleinasien safs. Er heifst Sohn des Lykaon,
Apollod. 3, 8, 1. Tzetz. L. 481, ein Arkader,
Schol. Od. 3, 366, und hatte zu Lepreos in
Triphylien sein Grab, Paus. 5, 5, 4. Der Er-
bauer von Lepreon, Lepreus oder Lepreos, ist
Sohn des Kaukon, dessen Vater hier Poseidon 20
heifst, und der Astydameia, einer Tochter des
Phorbas, Athen. .10, 412 a. [Weiteres s. bei
Töpfer, Alt. Geneal. S. 215 ff. Röscher.] —
2) Nach später Sage Eleusinier, Sohn des
Kelainos, Enkel des Erdgebornen rhlyos;
er brachte von Eleusis die Orgien der grofsen
Göttinnen nach Andania in Messenien und
wurde von den Messeniern als Heros ver-
ehrt, Paus. 4, 1, 4. 5. 4, 2, 4. 4, 26, 6.'
4, 27, 4. [Genaueres_ bei Töpffer a. a. O.-30
5. 214f. Koscher.] — Über die Sitze der Kau-
konen s. Deimling , Leleger 41. 97. 130 ff.
Cartius, Pelop. 1, 411, 2, 9. 75. 153. [0. Crusius
bei Ersch und Gruber, Allg. Encykl. Sekt. 2
Bd. 35 S. 23 ff. Töpffer a. a. 0. S. 216, 1. 223.
236. B.] [Stoll.]
KavXaxav , gnostische Gottheit, Epipha-
nius 2, 34 Dind. Wessely, Ephesia Grammata
nr. 57; nr. 64: „Caulacau, Philastrius c. 33,
Petavius ad Epiph. c. 44, Wetstenius ad Orig. 40
p. 102." [Drexler.]
Kaulos (KavXog), Sohn der Amazone Kleite,
welcher die Stadt Kauion oder Kaulonia in
l Tuteritalien gegründet haben soll, Serv. V. Aen.
3,553. [Vgl. Steph.Bys. s. v. KavlwvCa: änayäo
tov KavXävog vatsgov fitxiovoiiüo&r] KavXcavt'a.
Diesen Kaulos oder Kauion will Panofka,
Über die Münztypen von Kaulonia, Arch. Zei-
tung 1 1843 [Sp. 165 — 175] Sp. 174 erkennen
in der eilenden, zuweilen an den Füfsen ge- 50
Äugelten, in den Händen einen Zweig halten-
den Figur, welche auf Münzen von Kaulonia
eine nackte männKche, in der erhobenen R.
einen Zweig haltende, meist für Apollon er-
klärte Gestalt mit einem Hirsch zur Seite,
auf der ausgestreckten L. hält. Soviel mir
bekannt ist, hat sich niemand Panofkas Deu-
tung angeschlossen. Die verschiedensten Ver-
mutungen sind über die Bedeutung des merk-
würdigen Typus aufgestellt worden. Um nur 60
einige davon anzuführen, so erkennen unter
einstimmiger Deutung der Hauptfigur als
Apollon in der kleinen Gestalt K. 0. Müller,
Hdb. d. Arch. d. K. p. 516 und Denhm. d. a. .
K 1, 14, 72 Orestes; der Duc de Luynes,
Nouv. ann. de la sect. franc. de l'inst. arch. 1
p. 426 Aristaios; de Witte, Per. num. 1845
p. 400 Daphnis; Raoul-Rcchctte, Memoires
numismatiques et d'antiquite. Paris 1840. 4°:
„ Observations sur le type des monnaies de
Caulonia" [p. 1 — 48] p. 26ff. den Genius der
Lustration 'Ayvta^og oder Kaftagfiog , womit
sich einverstanden erklärt Cavedoni, Bull. d.
Inst. 1842 p. 90 f. ; Watkiss Lloyd, Num. Chron.
10 1847 p. 1 ff . den die Luft reinigenden Wind
auf der Hand des Apollon Katharsios; S. Birch,
Notes on types of Caulonia, Num. Chron. 8
1845,46 [p. 163ff.] p. 168 Hermes, verfolgt von
Apollon; Gardner, Types of greek Coins
PI. 1, 1 p. 85 — 86 van embodiment of the %6Xog
or wrath of the Apollo, ivho is about to attack
the enemies of the deity ivith swiftness indica-
ted by the icings of his feet, and an energy
corresjjonding to his attitude''. Avellino, Giorn.
num. 2 p. 24 und Opuscoli diversi 2 p. 110 f.
sah in der Hauptfigur Dionysos, in der kleinen
Gestalt OiozQog; Stcinbücltcl in letzterer einen
Satyr oder Pan; Streber, Gel. Anz. d. k. b. Ale.
Juni 1837 nr. 128-129; Intelligenzblatt p. 1052,
Sitzung vom 14. Jan. 1837 in der gröfseren
Figur Herakles, heinikehrend aus dem Lande
der Hyperboreer, in der kleineren einen Ker-
kopen. Eckhel , Poolc , Head verzichten auf
eine Benennung. Drexler.] [Stoll.]
Kauuos (Kavvog), Sohn des Miletos, des aus
Kreta gekommenen Gründers von Milet, und
der Eidothea, Tochter des Eurytos (Ant. Lib.),
oder der Tragasia, Tochter der Kelaino (Par-
titen.), oder der Areia (Schol. Theoer.), oder
der Kyanee, Tochter des Maiandros (Ovid.),
oder der Doie, Tochter des Maiandros (Schol.
Dion. Per. 825), Bruder der Byblis. Bei Norm.
Dion. 13, 546 ff. ist Kaunos Bruder des Miletos
und der Byblis. Die Variationen der mit den
Traditionen des Aphroditekultus in der Nähe
von Milet zusammenhängenden Sagen von der
unglücklichen Liebe des Geschwisterpaares
Kaunos und Byblis s. unter Byblis. Kaunos
entwich, die unnatürliche Leidenschaft der
Schwester fliehend, oder um über die eigene
Liebe zu der Schwester Herr zu werden, aus
dem väterlichen Hause nach Lykien, wo er
die Stadt Kaunos gründete, Anton. Lib. 30.
Partiten. 11 (Meineke, Anal. Alex. 313). Konon
2. Schol. Theoer. 7,115. Eustath. zu Dion. Per.
533. Ov. Met. 9, 453 — 665. Hyg. f. 243. Steph.
B. v. Kavvog. [Mythoqr. Vat. 1, 204. R.]
Hock, Kreta 2, 313. Preller, Gr. M. 1, 296.
2, 135. [E. Rohde, Der griech. Eoman p. 95
Anm. 1. Drexler.] Kavviog igoig wurde sprich-
wörtlich für eine krankhafte unnatürliche
Liebe, Aristot. Rltet. 2, 25. Hesych. u. Suid.
v. Kavviog tQiag. Diogenian. 5, 71. In Lykien
zeugte Kaunos mit der Nymphe Pronoe' den
Aigialos, und dieser gründete eine Stadt, die
er nach dem Vater Kaunos nannte, Kon. 2,
vgl. Partiten. 1. [Stoll.]
Kansnntlia (Kavaäv&a), ein Daimon, wel-
chen Porphyrios aus einem Bade vertrieb,
Eunapius, Vitaephilosoph. et sophist. Antverpiae
1568 p. 17. — Maury, Hist. des religions de la
Grece ant. 1 p. 158 Anm. 1 erklärt den Namen
mit: „brülant, de'mon atiquel etait attribuee la
vertu de cette eau thermale". [Drexler.]
Kaüsios ( Kaovaiog ) , _ Beiname des Askle-
pios von dem arkadischen Dorfe Kaüs , in
1007 Kantus Pates Kaystros . 1008
dessen Nähe ein Tempel des Gottes stand, Kaystros oder Kaystrios (A"«i'orpog, Kav-
Pcius. 8,25,1. Steph.Byz. s.v. Kcxovg. [Höfer.] orgiog), der Gott des gleichnamigen lydischen
Kantus Pates, C. I. L. 8, 2228, Bezeichnung Flusses, der bei Ephesos mündete. Er war der
des Mithras, s. oben 1 Sp. 857 f. Die Schrei- Sohn der Amazone Penthesileia und des Achil-
bung mit C ist die gewöhnlichste, auch die leus und hatte mit dem Heros Asios an dem
mit G kommt vor, Orelli 2041: DEO | GAVTO 1 Flufs ein Heroon auf der Asischen "Wiese,
PAT, C. L. Visconti, Bull, arcli. mun. 2 1874 Serv. V. Aen. 11, 661. Strdb. 14, 650. Nach
p. 234f., Tav. XX: G P | PRIMVS PATEll Paus. 7, 2, 4 war der Plufsgott Kaystros Vater
FECIT. Zu den oben nachgewiesenen Pro- des Ephesos, der die Stadt Ephesos und den
vinzen, in denen der Name vorkommt, tritt 10 dortigen Tempel der Artemis gründete. Zu
noch Gallien, wo in Vienne sich die Inschrift Askalon heiratete Kaystros die Derketo und
DEO : CAVTjE findet, C. I. L. 12, 1811, Allmer zeugte mit ihr die Semiramis, Et. M. v. Kdv-
et de Terrebasse , Inscr. ant. et du moyen dge ctqos. [Stoll.] [Der Flufsgott Kaystros kommt,
de Vienne 1, 2 p. 454 — 457. Zu den dacischen durch die Beischrift KAYCTPOC kenntlich ge-
Inschriften kommt noch A. E. M. 6 18S2 p. 103 macht, häufig auf den Münzen von Ephesos
nr. 18: S(oli) I(nvicto) M(ithrae) C(autopati) vor: autonom, Mi. 3, 91, 238 (mit Schilfstengel
Speel(ius) ValefrianttS?] und p. 106 nr. 41: in der R., den 1. Arm auf der Quellurne);
Cautopati sac(rwm) Synetfms adiut(or) tabu- Hadriau, Mi. 3, 97, 277 (in der R. Ähren, in
l(arii) v. s. I. m. Über das Denkmal zu Fried- der L. Füllhorn, bei ihm Quellurne); Commodus,
berg'in Hessen (Hennen 5853) handeln Ph. so Mi. 3, 105, 329; Gallienus, Mi. 3, 125, 464;
Dieffenbach, Über den Gott Cautopedes und Salouinus, Mi. 3, 126, 470; S. 6, 212, 893. 894.
seine Beziehung zum Mithrasdienste , Archiv f. — KAYCTPOCundKENXPEIOC sollen erscheinen
Hess. Gesch. 6, 2 1852 p. 243—262 u. de Bing, gelagert zu Füfsen des Bildes der ephesischen
Du surnom de Cautopates donne ä Mithra sur Artemis unter Antonin us Pius, Cat. Huber p. 53
une inscr. de Friedberg 1853. Des Altars C. nr. 574 uud Septimius Severus, Mi. S. 6, 155,
I. L.- 5, 5465 von Rocca d'Angera gedenkt 497 nach Vaillant; vgl. Mi. 3, 106, 335 nach
A' Garovaglio, 77 cxdto di Mitra in Lombardiu, Sestini, 73. TV. V. p. 330 und Philippus sen.
Archivio storico lombardo 1890 p. 167. Zu der .Mi. 3, li9, 428 nach Vaillant (letztere beide
oben angeführten Ableitung des Namens ohne Beischrift). Doch erwähnt Head den
kommen noch folgende: de Bing erkennt darin 30 Flufsnamen Kenchreios nicht; auch erscheint
nach Allmer a. a. O. 2 p. 457 ,,les mots sanscrit häufig auf Münzen von Ephesos das Kultus-
et persiaue seigneur" et giti „univers"; Garrucci, bild der Artemis Ephesia so zwischen 2 am
Tre sepolcri con pitlure ed isarizioni appartenenti Boden sitzenden Kindern (Apollon und Arte-
alle superstizioni pagane del Bacco Sabazio mis nach Imhoof): Septimius Severus, Sancle-
e del Persidico Mitra. Napoli 1852 und Les meide 2 Tb. 24, 214 p. 2S5 = Mi. S. 6, 154,
mysteres du syncretisme phrygien dans les cata- . 489 ; J7Y. S. 6, 15_6, 502 ; Imhoof, Monn. Gr.
combes romaines de Pretextat (Extr. du tome 285, 41; 286, 42; Gordiauus Pius, Kenner,
IV des mel. d'arch. d'hist. et de litt.) Paris Die Miinzsamml. des Stifts St. Florian p. 118;
1854. 2°. p. 25 Anm. 4 zu p. .24 das persische Philippus jun., Kenner p. 118f., Tfi. 4, 5;
ghoda pat „allmächtiger Gott und König". 40 Gallienus, Mi. S. 6, 199, 799 nach Beger, Thes.
Be'rille, Die Beligion zu Born unter den Severern Brandenb. 3 p. 159; Säloninus, Mi. 3, 125, 469),
Leipzig 1888 p. 83 Anm. 6 bemerkt über Cauto die nach Imhoof nr. 42 Würfel spielen, wie
Pati: „Der erste dieser Namen scheint der zwei Kinder zu Füfsen des Bildes der sami-
Dativ von Cautes (Felsen) zu sein. Was Pati sehen Hera auf einer Münze des Salonmus
betrifft, so könnte es von pateo oder patesco von Samos, Percy Gardner, Nvm. chron. Third
abgeleitet sein." (£. Visconti a. a. 0. p. 234 Series 3 1882 p. 276 nr. 12, PI. 5, 8; vgl.
bringt den Namen Cautus Pates vermutungs- Caracalla, Mi. S. 6, 420, 222. Vielleicht dür-
weise inZusammenhangmitdemFelsen (Cautes), fen wir aber in diesen Knöchel spielenden
aus welchem Mithras hervorkommt, erklärt sich Kiudern Flufsgötter erblicken; wurden doch
aber (Anm. 2) nicht einverstanden mit Labus, 60 auch die Nymphen Würfel spielend dargestellt,
der auch Cautes allein als Bezeichnung des und kann man, was E. Curtius, Die Plastik
Mithras fafst, während dasselbe nach ihm der Hellenen an Quellen und Brunnen, Abh. d.
gleichbedeutend mit Petra Genetrix ist. Da- Berl. AI: d. W. 1876 p. 162 von letzteren
gegen hält es Maionica, A. E. M. 2 1S78 p. 37 bemerkt, dafs eine Darstellung derselben in
Anm. 11 für unsicher, ob die Benennung des Gestalt mit Knöcheln spielenden Mädchen „um
Mithras als Cautus Pates mit der Petra Gene- so näher lag, da die Wellen mit den Steinen,
tris zusammenhängt. Th. NoldeTce bei Harn- welche ihr Bett füllen, unaufhörlich ihr Spiel
meran, Zum neuen Mithräum in Heddernheim, treiben" wohl auch für die Flufsgötter geltend
Korrespondenzbl . der Westd. Zeitschr. f. Gesch. machen. — Früher wollte man den Kaystros
u. Kunst 6 18S7 Sp. 87 erklärt pates aus dem co auch erkennen in der am Boden hingestreckten
persischen päta „geschützt". Hammeran ver- Figur einer Münze des Antoninus Pius, die
mutet deu Kautopates in den Fackelträgern Zeus vhwg vom Berge herab Regen auf
der Mithrasdenkmäler; 7?. Fröhlich, der AEM. Ephesos entsendend darstellt, Cat. ~Grcau
14 1891 p. 67 nr. 43. 44 aus Aquincum dem PL 6, 4; Head p. 498. Aber schon Wieseler,
Deo Cauti und Deo Cautopati dargebrachte Giitt. Nachr. 1876 p. 54 hat hier den durch
Widmungen mitteilt, will den Namen Cautes die Beischrift bezeichneten Berggott TT6IQN
dem einen, Cautopate.s dem anderen Fackel- erkannt. Ebenso hat Imhoof den TTCIfiN fest-
träger beigelegt wissen. [Drexler.] gestellt auf Münzen des Macrinus (7177. S. 6,
1009 Kazanes Keb 1010
168, 586 nach Sestini, Mus. Hed. 2, 170, 85, ,ityo£' (Lcpsius, Äbh. d. Berliner Ak. 1851
Tb. 19, 4; 588, Gab. Millingen) und Severus p. 170: X^>°i") -fiiz' aixbv Säg, r'jTot, "Agug, ftjor'
Alexander (Jahrb. d. K. JD. A. Inst. 3 1888 ov Jifjß zov 'Hlt'ov (nach Lepsius a. a. 0. Anni. 1
p. 294 nr. 1, Tfl. 9, 25; nr. 2, Tfl. 9, 26) in einer gehört tot 'HlCov hinter Säg), rjroi Koövog.
bis dahin für Kaystroa gehaltenen, am Boden Gewöhnlich wird der Name Seb gelesen,
sitzenden, ein Bild der Artemis Ephesia auf Für den Namen Keb oder Geb tritt ein Brugsch,
der R. haltenden und den 1. Arm mit dem Zeitschr. f. äg. Spr.- u. Altertumskunde 1886
Füllhorn an Felsen lehnenden Figur, hinter p. 1 — 5, während Le Page Benouf, Proceedings
oder über der sieh ein Berggrat erhebt, auf ofthe society of biblical archaedlogy 1887 p. 83ff.
dessen- Höhe ein durchschossener Eber r. h. 10 ,,The name of the God Seb" und Wiedemann,
flieht.' — Auf der puteolanischen Basis stützt Beligion der alten Ägypter p. 121 diese Schrei-
neben dem auf einer Säule stehenden Bilde bung für irrtümlich erklären. Auch Maspero,
der epbesischen Artemis EPHESOS als Ama- 'Revue de Vhist. des religions 9e annce, tome 18,
zone mit entblöfster rechter Brust, Turmkrone 1888 p. 274 Anm. 1 verwirft Brugschs Lesung
auf dem Haupt, Ähren- und Mohnbüschel in und nennt den Gott Sibou, mit der Endung u,
der erhobenen R. dargestellt, den 1. Fufs auf welche Le Page Benouf, Proceed. Soc. Bibl.
die bärtige Maske des Kaystros, O. Jahn, Arch. 1885 p. 152f., 1887 p. 94 f. als „a common
Über die puteolanische Basis, Bei: üb. d. Verh. not to say the gener dl termijiation of masculine
d.K. Sachs. Ges. d. W. zu Leipzig 1.851 p.llüff., names in the Egyptian language" nachgewiesen
speziell p. 141 — 147, Tfl. 3, 9. — Kaystros er- 20 hat. Brugsch verteidigt seine Ansicht Pro-
scheint ferner auf einer autonomen Münze ceedings 1888, 5. June und Die Ägyptologie
von Dioshieron Lydiae, gelagert, mit Schilf- p. 172 und Le Page Benouf entgegnet ihm
stengel in der R., Füllhorn in der L. bei der von neuem Proceedings 12 1889,90 p. 363ff.
Quellurne, Mi. S. 7, 343, 124. Dafs wir ihn Da seb oder sbu auch der Name einer
zu erkennen haben, zeigt die Beischrift KAY- Gänseart war, wurde der Gott mit der Gans
CTPOC .auf einer Münze des Mus. Pembroke identifiziert; Seb wurde Nagaga uer „der grofse
Pars 2, Tb. 8, Mi. 4, 35, 181. Die angebliche Gackerer" genannt, Le Page Benouf, Vorles.
Beischrift KAYCTPOC eines Flufsgotts auf einer über Urspr. u. Entwicklung der Bei. d. alten
Münze des Aelius Caesar von Pergamon bei Mi. Ag. p. 103 f. und „Seb the great cackler" in
-S'. 5, 438, 986 nach Sestini, Mus. Hed. 2, 117, 46 30 den Proceedings 7 1S84 p. 152— iö&;' Brugsch,
ist wohl verlesen statt KAIKOC oder KHT6I0C. Bei. u. Myth. d. alten Äg. p. 171 f., Lanzone,
Auch den auf unter Caracalla (Mi. S. 7, 339, Dizionario di mitologia egizia p. 1008. Die
109 nach Sestini, L. N. Cont. 7,92, 42; nr. 110 Gans erscheint zuweilen „wie ein Wappen-
nach Vaillant) und Geta (Mi. 4, 32, 162 nach zeichen" auf dem Kopf des Seb, Brugsch, Bei.
Vaillant; S. 7, 340, 114. 115; 335, 90 nach p. 172, 576 — 577. Pierret, Le Pantheon dg.
Mus. Sandern, num. sei. 3 p. 14, Tb. 27, 259) p. 54. Wiedemann, I). Bei d. a. Ag. p. 122
geprägten Münzen der Kilbianer vorkommen- bemerkt: „Sein heiliges Tier war die Gans
den Flufsgott nennt Head p. 549 Kaystros, und bisweilen heifst er die Gans, welche das
doch erscheint auf einer Münze des Antoninus Ei legte, aus dem die Welt entstand", und Lc
Pius neben demselben die Beischrift KIABOC, 40 Page Benouf, Vorlesungen p. 104: „Es sind
Imhoof, Num. Zeitschr. Bd. 20 p. 6 nr. 2, so noch Spuren der Mythe von einem Weltenei
dafs wir schwanken können, ob wir in dem vorhanden, das er zerteilte oder ausbrütete."
Unbenannten Kaystros oder Kilbos zu erkennen Im Totenbuch 54, 1 wird erwähnt das Ei des
haben. Für Kaystros erklären E. M. Ghanot grofsen Gackerers, welches Seb von der Erde
und Imhoof auch den in einem Manuskript getrennt (Le PageBcnouf, Proceedings 7 1884/85
der Tlieriaka des Nikandros als Jüngling mit p. 153) oder nach Liebleins Übersetzung (ebd.
Nimbus, sitzendbei einem Wasserbeckengegen- p. 99 — 100) für die Erde bereitet oder nach
über der personificierten Gemeinde der Be- Brugsch, Bei. p. 172 auf die Erde gelegt hat.
wohner der Kilbianischen Ebene dargestellten In den Proceedings a. a. O. deutet Le Page Benouf
Flufsgott, Gaz. arch.-l 1876 p. 34— 36, PL 11,1, 50 dieses Ei als die Sonne, welche sich täglich
Imhoof a. a. O. p. 3. Drexler.] vom Rücken der Erde zu erheben scheint.
Kazanes (Kaiavvg), Flufsgott, erscheint, mit Seb ist der Erdgott; die Erde wird nicht
der Beischrift KAZANHC, gelagert auf dem selten „Rücken des Seb" genannt, J. Lumichen,
Revers autonomer Münzen von Themisonion, Zeitschr. f. äg.' Spr.' 1871 p. 91 — 93. Le Page
Borvell, Num. Chr. First Ser. 8 p. 35 nr. 3. Benouf, Vorlesungen p. 103. Wiedemann, Bei.
Cat. Borrell 1852 nr. 351. Loebbecke, Ztschr. f. p. 121. Brugsch, Bei. p. 172, 179, 238, 577.
Num. 12 1885 p. 348. Head p. 584. Wadding- Lanzone p. 1007 f. Er heifst „Herr der Nahrungs-
tow, Bull, archeol. de V Athenäum francais 1 mittel", Pierret, Panth. ig. p. 54. Seine Ge-
1855 p. 51 mit Abbildung. [Drexler.] mahlin ist die Himmelsgöttin Nut. Anfangs
Keas (Klag), Vater des Troizenos, Grofs- 60 lagen beide eng vereint, der Gott unter der
vater des Euphemos, des Führers der Kikonen Göttin in beständiger Umarmung, Maspero,
vor Troja, II. 2, 847. Et. M. p. 498, 30. Bevue de Vhist. des rel 9e annee t. 18, 1888
Ghoirobosc. Bekk. An. 1183. fStoll.] p. 274. Ähnlich wie im neuseeländischen Mythus
Keb (Krjß), der ägyptische Erdgott wird von Tanemahuta, der Gott und Vater der Wälder,
Ioannes Antiochenus F. H. Gr. 4 p. 539, I 21 sich zwischen Rangi, den Himmel, und Papa,
mit den Worten erwähnt: Alyvmioi tpaaiv äg die Erde, welche dicht aneinander hafteten,
Hcpaiavog av-zäv ißaoiksvasv dicsiQovg Tn>äs drängt und den Himmel von der Erde ernpor-
^pöz'ous' fiErö: zovxov "HXiog b 'Hcpatarov hrj hebt (Tylor, Die Anfänge der Kultur 1 p. 317),
1011 Kehren Keäei 1012
so schiebt sich Schu zwischen Seb und Nut namen, Hermes 23 p. .617. Gaede, De Demetrio
und hebt den Himmel empor, Maspero a. a. 0. Scepsio p. 28. Drexler.] [Stoll.].
Zahlreiche Darstellungen zeigen Seb am Boden Kebriones (Äfßeiöxijs), Sohn des Priamos,
ausgestreckt und Nut, zuweilen d6n Körper Wagenlenker seines Halbbruders Hektor, von
mit Sternen bedeckt, über ihn 'gebeugt, mit Patroklos erlegt, II. 8, 318. 11, 521. 16, 738.
Händen und Füfsen die Erde berührend, Pierret, Apollod. 3, 12, 5. Eyg. f. 90; nach der Stadt
Panth. vg. p. 22. Brugsch, Bei. p. 578. Lanzone Kebrene und der Landschaft Kebrenia benannt,
Tav. 155—163. Über die Dauer der Trennung, Strab. 13, 596; oder umgekehrt, Steph. B. v.
nimmt Maspero a. a. 0. p. 275 an, mögen die jCtfa-nvla. [Er ist abgebildet auf einer figuren-
Ägypter verschiedene Vorstellungen gehabt 10 reichen Vase, auf welcher der Abschied des
haben. Nach Ansicht der einen ist sie end- Hektor dargestellt ist, mit der Beischrift
gültig, nach Ansicht der anderen kehrt Nut Keßgiovctg, Ann. et Monum. dell' Inst. 1855
jede Nacht in die Arme des Gemahls zurück, tav. XX. Arch. Z. 4 p. 302 f. nr. 2. de Witte,
um am anderen Morgen aufs neue durch Schu Etudes sur les vases peints. Paris 1865 p. 12.
von ihm getrennt zu werden (s. auch Maspero, 45 — 46. Drexler.] [Stoll.]
Bev. de Thist. des rel. 8e annee t. 15, 1887 Kebros (Ksßgog), Troer, vor Troja von
p. 276f.). 'Neoptolemos erlegt, Qu. Sm. 10, 86. [Stoll.]
Sonst ist über Seb wenig zu bemerken. Keclienös (Ktxrjvcog). Eine Statue des
Unter den Königen der Götterdynastie nimmt Apollon Ks%7]vc6g erwähnt Polemon bei dem.
er die vierte Stelle ein, Brugsch, Bei. p. 417, 2u AI. Protr. p. 32. Potter, F. E. Gr. 3 p. 135, 70:
578. Wiedemann, Bei. p. 122. Die Texte Ilolipcov Ss v.txiqvoTog'Anollavog olStv ayalgu,
nennen ihn einen erpä der Götter, was Jl'iede- v.ctl Sipoipuyov itäXiv 'AnöXXmvog aXXo iv "HXtSi
■mann, Bei. p. 122 mit Nomarch, Brugsch, Bei. ngmgsvov. Doch beruht diese Angabe nach
p. 434, 578 niit Thronfolger übersetzt. Als Prellers von Müller angeführter Vermutung
sein Vater wird Schu bezeichnet, Wiedemann, auf einem Irrtum des Clemens AI., welcher
Bei. p. 122. Brugsch, Bei. p. 297, 577, 579. den Apollon mit dem Dionysos Ksxvyiög von
Lanzone p. 1007. Aus seiner Ehe mit Nut Sanios verwechselt habe. Über letzteren s.
gingen hervor Osiris, Isis, Set, Nephthys und oben Bd. 1 Sp. 1152 und de Witte, Ann. d.
Hor-uer, Brugsch, Bei. p. 411, 530f", 580. Inst. 6 1834 p. 344 Anm. 7. [Drexler.)
Lanzone p. 1007. 30 Kedaliou (KnSaXicov), Lehrmeister und Ge-
Über seine Beziehungen zum Totenkultus hülfe des Hephaistos in der Schmiedekunst,
s. Brugsch, Bei. p. 579f. Lanzone p. 1009f.; Als Hera den Hephaistos geboren, übergab
über die Stätten seiner Verehrung Lanzone sie ihn in Naxos dem Kedalion, um ihn die
p. 1011. Schmiedekunst zu lehren, Schol. II. 14, 296.
Seine Identifikation mit Kronos seitens der Eustath. II. p. 9S7, 7. Das in Chios ent-
Griechen erklärt Wiedemann , Bei. p. 122 aus standene Märchen von der Blendung des Orion
dem Umstände, dafs er „als Vater des Osiris Is. d.) durch Oinopion erzählt, dafs der ge-
älter ist als andere Gottheiten" während blendete Orion nach Leninps zu der Esse des
Brugsch, Bei. p. 576 bemerkt: Die Form Seb, Hephaistos gegangen sei, und dieser ihm seinen
gleichlautend mit dem Worte seb, sib, siu für 40 Gehülfen Kedalion übergeben habe, damit er
Stern, Zeit und die Fünfzahl [vgl. hierüber ihn nach dem Sonnenaufgang führe, wo er
auch E. de Bouge, Kote sur les noms egypt. sein Augenlicht wieder erhalten sollte. Orion
des plan'etes, Bull. arch. de l'Atheneum frang. nahm den Führer auf die Schulter und er-
2 1856 p. 28] liefert den Schlüssel zu den reichte seinen Zweck, Eratosth. Kai. 32. Schol.
Varianten in der Schreibung seines Namens Arat. v. 322 (wo KvSaXiav). Schol. Kik. Ther.
und der Gleichstellung des ägyptischen Gottes 15. Eyg. P. A. 2, 34, vgl. Apollod. 1, 4, 3
mit dem griechischen Kronos. Die Angabe mit Heyne, Kot. crit. u. Obss. p. 22. Serv. V.
von Brugsch, Bei. p. 585 — 610, dafs wir in Aen. 10, 763. Ein Gemälde bei Lnk. d. domo
dem Gotte Sebek, Suchos eine Lokalform des 28: Kedalion auf den Schultern des blinden
Seb #-zu sehen haben, vermag ich, unkundig 50 Orion, Hephaistos von Lemnos aus ihnen nach-
des Ägyptischen, nicht zu kontrollieren. Aller- blickend. Sophokles hat ein Satyrdrama Ke-
dings scheint ebenso wie Seb auch Suchos mit dalion geschrieben, Kauck, trag. gr. fr. p. 160. —
Kronos identifiziert worden zu sein, denn in Welcher, Nachtr. z. Aeschyl. Tril. 315: Lauer,
dem „Saturne voilc, debout, ä g., la tele sur- System 384. Engel, Q. Nax. p. 36. Preller, Gr.
montce d'un disque, un crocodile sur la dr., 31. 1, 145. 369. Dieser erklärt den Namen:
unc faux dans la g.'~ einer alexandrinischen Feuerbrand, v. y.aico, inna u. öaio's, Welcher:
Kaisermünze aus dem 4. Jahre des Antoninns = «)jdffM»i>; vgl. Völeker, lapet. Geschl. 115 f.
Pius (Feuardent 105, 1587. Mi. 6, 218, 1464) [vgl. 0. Jahn, Ber. üb: d. Verh. d. K. Sachs.
dürfen wir wohl auf Grund des Krokodils Ges. d. W. Ph.-E. Kl. 13 1861 p. 312 f. Schol.
Suchos erkennen. [Drexler.] co German. v. 331. Drexler.] [Stoll.]
Kehren (Keßoijv), Flufsgott in Troas, Vater Kedes oder Kades, eine durch die Ägypter
der Oinone, der Geliebten des Paris, Apollod. von ihren asiatischen Nachbarn entlehnte
3,12,6. Strab. 13,596. Partiten. 4. Tzetz. Göttin, erscheint auf Stelen der 18. u. 19. Dy-
Lyk. 57, und der Asterope , welche Aisakos nastie (in Paris, Turin und London) nackt, in
(s. d.) heiratete, Apollod. 3, 12, 5. Bei Üv. der einen Hand eine oder zwei Schlangen, in
Met. 11, 769 hiefs die von Aisakos geliebte der anderen ein Blumenbüschel haltend, das
Tochter des Kehren Hesperie, bei Tzetz. L. Haupt bald ohne Zier, bald mit der Sonnen-
224 Merope. [Vgl. E. Maafs, Myth. Kurz- Scheibe zwischen den Hörnern, nach Art der
1013
Kedreatis
Kekrops
1014
assyrischen und babylonischen Gottheiten auf
einem Löwen stehend, in Mitten von Reschpu
und Chem, s. Perrot, Hist. de Vart dans l'ani.
1 p. 713 Fig. 480 nach Willdnson PI. 55. Ed.
Meyer oben s. v. Astarte 1 Sp. 653. Lnjard,
Sech, sur le culte du cypres pyramidal PI. 11.
Prisse ä' Avenues, Choix de monuments cgyptiens
PI. 37. Pierret, Panth. ig. p. 46. Fr. Lenor-
mant, Gag. arch. 2 1876 p. 13. LatizoneTav. 191,
192, 1. Da in der Beischrift nur die Konso- 10
nanten geschrieben sind, kann, wie Ed. Meiler,
Z.B. M. G. 31 1877 p. 728 bemerkt, die Vo-
kalisätion beliebig lauten. Meyer selbst liest
Kadesch, ebenso wie Pierret a. a. 0. Perrot
a. a. 0. p. 712. Lanzone p. 1195f. de Vogüc,
Melanies d'arche'ol. Orient. Paris 186S p. 44.
Thomas Tylor , The goddess Kadesh and tlie
Semitism of the Hittites, Academy 1890 6. Sept.
nr. 957 p. 203 f.; hingegen Wiedema/nn, d. Bei.
d. a. Ag. p. 83. Fr. Lenormant a. a. 0. p. 13. 20
Otto Puchstein, Pseudoheth /'tische Kunst. Berlin
1890. p. 17 Kedes; endlich 3IasperoheiSaiidissin,
Stud. z. semit. Beliqionsqesch. 2 p. 31 Anm. 1
und Baudissin selbst Kodesch. Hinsichtlich
der Bedeutung des Samens bemerkt Fr. Lenor-
mant p. 13 Anm. 7: „Ce- nom, purement se'mi-
tique, fait de la de'esse Je type surnaturcl des
qedeschoih ou prostitue'es sacre'es gm jouaient
un si grand role dans les mltes euphratiques
et Syriens"; vgl. Baudissin a. a. 0. p. 30 f. 30
(„Für die Bedeutung [von C"tp] „erhaben"
[abgesondert] als ursprüngliche kann da-
gegen geltend gemacht werden der jeden-
falls alte Name einer auf ägyptischen Denk-
mälern vorkommenden phönicisch-ägyptischen .
Gottheit Kodesch, wenn wir hierin einen wirk-
lichen, selbständigen Gottesnamen erkennen
dürfen.") Tylor p. 203 schwankt, ob er dem
Wort die Bedeutung ..heilig" geben oder darin
die Übertragung des Namens der Stadt Kadesch 40
auf die Göttin erblicken soll. Bedingungs-
weise bringt auch Otto Puchstein p. 17 — 18
den Namen der Göttin mit dem der Stadt
Kadesch in Verbindung. („Falls diese Göttin
in der Hethiterstadt Qadesch zu Hause ist,
würde bewiesen sein, dafs die alten Hethiter
sich ihre Götter ebenso, wie die Assyrier vor-
stellten.") Bestimmt für die Stadtgöttin von
Kadesch erklären sie de Voqüe p. 44, Ed. Mtyer
oben 1 Sp. 653 und Z. B. M. G. 1877 p. 729, 50
sowie Wiedemann, Bei. p. 83. Dagegen be-
merkt Baudissin a. a. 0. p. 31 Anm. 1 : „Aber die
Übertragung des Stadtnamens auf die Gottheit
ohne weiteres Epitheton ist doch wenig wahr-
scheinlich, und soviel ich weifs, ohne Analogie."
Ihrem Wesen nach erklären sie Ed. Meyer und
Tylor für dieselbe wie Astarte, Lanzone p. 1196
für eine Form der Hathor. Die ägyptischen
Teste bezeichnen sie als „Kades die Herrin des
Himmels, die Königin aller Götter, das Auge 60
der Sonne, welche nicht ihresgleichen hat",
„Kades die Herrin des Himmels, die Königin
aller Götter", Lanzone p. 1195 — 96. [Drexler.]
Kedreatis (KsSgtärig), Beiname der Aphro-
dite im arkadischen Orchomenos, in dessen
Nähe sich ihr Bild sv v.iSga ueyäh/ befand,
Paus. 8, 13, 2. [Immeru-ahr, Kulte it. Mythen
Arkadiens 1, 155. R.] [Höfer.]
Keisos (Ksieog), der älteste Sohn des Teine-
nos, nach diesem Herrscher von Argos, Feind
seines Schwagers De'iphontes, des Gemahls
der Hyrnetho, 'Paus. 2, 19, 1. 2, 26, 2. 2, 28, 3.
Nach argjvischer Sage war Phlias, nach
welchem Phlius benannt worden, sein Sohn,
Paus. 2, 12, 6, s. De'iphontes. Müller, Dor.
1, 79 f. Vater des Thestios, Porphyr. Tyr. b.
Müller, Fr. hist. gr. 3 p. 690; des Maron,
Satyros fr. 21 b. Müller 3 p. 165. Über die
Schreibung des Namens Ktioog, Kiaog, Kioaog,
Kiocioq etc. s. Müller 2 p. 8. fr. 4 Anm. 5.
[Stoll.J
Kekoia (Ksxoia), Beiname der Artemis in
Rhodos auf Inschriften aus Lindos, Corr. hell.
9, lOOff.; s. die von Holhaux-Biehl a. a. 0. 101
Anm. angeführten Stellen: Bofs, Arch. Aufs.
2, 594 f. 597. 604 nr. 4. 6. 8. 15. Inscr. ined.
3, 272. Foucart, Lnscr. ined. de Bhodos 62.
65 f. 71, Bofs, Beisen a. d. griech. Ins. 3, 109;
vgl. Guerin . Etüde sur I'ile de Bhodos 253.
Biliotti, L'ile de Bhodes 447. [Siehe auch
Bev. arch. n. s. 15 1867 p. 219 — 221 nr. 62.
Kol. 1 Z. 2; n. s. 16 1867 p. 24 nr. 66, Z. 3.
Auch als "Agta/iig sv Ksv-oia wird sie in
den Inschriften bezeichnet, Bofs, Inscr. Gr.
ined. 2 p. 19 nr. 272. Bev. arch. n. s. 16
1867 p. 23 nr. 60; p. 30ff. nr. 71. — Holleaux u.
Dichl, Bull, de corr. hell. 9 1885 p. 100 f.
vermuten, dafs das Kloster zu Artamiti im
Gebiet von Lindos an der Stelle des Tempels
der Artemis Kekoia gelegen sei. Selivanov,
Mitt. d. B. A. Inst. Ath. Abt. 16 1891
p. 124 f. hat die Stätte und den Namen
des alten Ki-noia in der Ortlichkeit 'Eoqtio-
Ksv.oiov (Eiimotschetschiam) im Gebiet von
Lindos, wo die im B. C. 3. 9 p. 99 mitgeteilte
Inschrift gefunden worden ist, nachgewiesen.
Drexler.] [Höfer.]
Ke[kropeia] (KtlKgöirziaJ), vielleicht Bei-
name der Athena in einer Inschrift von der
athen. Akropolis {'A&rjv~\uia Kl . . . . , Le Bas
1, 2 nr. 3. Die Ergänzung von Le Bas, der die
Athena Alavtig {Paus. 1, 42, 4) vergleicht, ist
sehr wahrscheinlich. • Vgl. Kekrops. [Höfer.]
Kekropides ( KnY.Qrmi§r\g) , Beiname des
Theseus, Ovid. Met. 8, 551. [Lorentz.]
Kekropis (RtKoonig) , Tochter des Kekrops.
Bei Ovid Met. 2, 806 wird die Aglauros so
genannt. Cecropides heifsen, als Athenerinnen,
auch die beiden Töchter deB Pandion, Ovid.
Met. 6, 667. [Lorentz.]
Kekrops ( Kixpoil)) , attischer Autochthon,
von Körper halb Mensch, halb Schlange (di-
(puris; geminus, Ovid. Met. 2, 555; biformis,
Justin 2, 6, 7), in der Vulgärtradition erster
König von Attika, das nach ihm statt Akte
Kekropia umgenannt wurde, die Einwohner
KzY.Qoni$cu (Herod. 8, 44; vgl. 7, 141 v. 4).
Eurip. Phoen. 855; Ion 296. Aristoph. Plut.
773; Equ. 1055; später als poetischer Aus-
druck in mannigfaltiger Variation beliebt,
vgl. Habron tteqI ■nuocaviqKov bei Steph. Byz.
v. 'Afrgvai p. 34 Mein, und Steph. Byz. v.
KfY.QOnia). Von Agraulos, Tochter des Ak-
taios, ist er Vater des Erysiehthon, der Agrau-
los (Aglauros), Herse, Pandrosos (vereinzelt
auch Oreithyia, Steph. Byz. v. Eiovmog).
1015 Kekrops Kekrops 1016
Unter ihm fand die &sä>v sQig über Attikas euboische Kekropssage (wohl durch Töpffer
Besitz statt. Vgl. Marm. Par. 1. Apd: 3, a. a. 0. bewogen) für älter als Saec. 5. Seine
14, lff. Paus. 1, 2, 6. Hyg. fab. 48 p. 72 Auffassung wird aber erst von Wichtigkeit
Sehn. Ant. Lib. 6. Tatian, Adv. Graec. 60 d für die Beurteilung der Sage von
{Giern. Strom. 1, 397 P). Eüseb. Cliron. 2 p. 6, 4) Kekrops in Ägypten. Da nämlich im
22, 24, 27, 28 Seh, Praep. ev. 10, 9,8. Schol Hesiodischen Aigimios (fr. 3 Bz.; vgl. Strab.
Aristoph. Flut. 773 (Suid. v. KskqoiP und 445") der sonst in Ägypten geborene Epaphos
IlQoiiridsvg). Tzetz. zu Lykopin: 111 und CJtil. in Euboia geboren ward und bei Stcph. Byz.'
5, 37 ff. der Artikel Aiyvnxog scbliefst: saxi Ss «o:i aXXn
Ehe auf die sagengesebichtliche Geltung 10 Aiyvnxog (uy.qü, so verlegt Maafs diese A'i-
des Kekrops eingegangen werden kann, bedarf yvmng fiiKgü nach Euboia. Dies sei auch
es der kritischen Loslösung unechter Tradi- das Ägypten , von wo Kekrops eingewandert
tionen. Als solche sind auszuscheiden: wäre. Aber diese Kombination wird von
1) Kekrops IL, der Jüngere. (Sohn des keiner anderen Seite her unterstützt. Das
Erechtheuä), eine chronographische Erfindung Gegenteil ist der Fall. Im Aigimios fand .
im Interesse der attischen Königsliste (jünger die Befreiung der Io vom Panoptes Argos
als Hellanikos? KirchJwff', Herrn. 8, 184 ff.; offenbar in dem euboischen "Aqyovga statt
vgl. aber Busolt, Gr. Gesch. 1, 363). Marm. (Steph. Byz. s. v., Gewährsmann wohi Aristo-
Par. 16. 17. Apd. 3, 15, 1, 5. Paus. 1,5,3 teles b XctXxidsvg, 7rsgi Evßoiag, vgl. Harp. v.
(vgl. 41, 6 und Hesych.. s. v. sv S' Al'&via so "AgyovQcc [Beider , Anecd. 443: "AQyovou]). Die
|' Hemsterh. , M. Schmidt, Wentzel s-rtiuXtiosig Lage des Ortes ist mit Sicherheit auch aus
2, 13; iv Sagd-via cod.]). Schol. B L zu Demosth. 21, 164 (vgL 183 u. Schaefer, Dem. 2 2,
B536; desgl. gemeint bei Paus. 9, 33, 1, wo 80, Usener, Nachr. d. Gott. Ges. d. W. 1892
er (wohl versehentlich) Sohn des Pandion 188) nicht zu ermitteln (Lolling in Iw. Müllers
heifst, dessen Vater er sonst ist. Hdb. 3, 192 sucht ihn nördlich von Chalkis
2) Kekrops in Böotien: Strab. 407. bei Psachnä, vgl. Bwsian', Gcogr. 2, 416). Er
Paus. 9, 24, 2. Steph. Byz. v. 'A&fjvai p. 35 war aber jedenfalls chalkidisch, d. h. der
Mein.; vgl. 0. Müller, Orch. ■ 51. Diese Dichter des Aigimios behandelte eine speziell
Überlieferung hängt durchaus ab von der chalkidische Lokalsage über Io. Da nach
Auffindung von Stadtüberresten bei Abzugs- 30 Strabo (445) in dieser Sage Epaphos von Io
arbeiten am Kopaissee zur Zeit Alexanders in einer Höhle am (sicherlich auch chalki-
d. Gr. Die Deutung auf Eleusis und Athen disehen) Ostufer der Insel geboren ward, so
am Triton (mit Rücksicht auf die Athena von konnte hier unmöglich von einer Irrfahrt der
Koroneia?) ging ersichtlich von Athen aus, Io die Rede sein, sondern (auch die von Lo-
die Boioter bezogen die Trümmer auf Orcho- ,becl; , Agl. 1131 beigebrachte und auch von
menos (Strab. und Steph. gegen Paus.), wenn Maafs benutzte Analogie einer euboischen
auch nicht mit Recht. Bezeichnend ist, dafs Herasage legt es nahe) Io war hier von Zeus
ein von Paus. 9, 33, 1 erwähntes und offenbar geraubt und in jener Uferhöhle verborgen
, damit zusammenhängendes fu'fjua in Haliartos (vgl. auch Europa am Teumesos). Im. Mittel-
Kekrops II. gehörte. Die Fiktion eines atti- -io punkt dieser Lokalsage von der Argiverin Io
sehen Urrechtes wurde von den Athenern ge- steht offenbar "Agyovqa, um seines mit Argos
wifs auch geltend gemacht bei ihrem erfolg- verwandt klingenden Namens willen (wie es
reichen Gesuch an die Kömer tun Abtretung denn auch von dem dort getöteten Panoptes
des Gebietes von Haliartos an Athen (im Per- Argos seinen Namen im besonderen abgeleitet
seuskriege, Pohjb. 30, 18. Strab. 411). Für zu haben scheint. Beachtenswert ist auch, dafs
ethnographische Hypothesen im Sinne 0. Müllers umgekehrt der Name Euboia als Bezeichnung
(Orch." 116 ff.) ist, wie man sieht, die ganze eines Berges beim argivischen Heraion wieder-
Tradition unverwendbar. . kehrt; Paus. 2, 17, 1. Strab. 449. Möglicher-
3) Kekrops in Euboia. Ms xcö-xnasv : weise entstand die chalkidische Sage überhaupt
Paus. 1, 5, 3, und zwar nach 'A&i]vai diadsg 50 nur aus diesen Homonymieen. Es ist sogar die
(Strab. 446. Steph. Byz. v.'A&ijvai p: 34 Mein.); von Bwsian früher (Bei: d. sächs. Ges. d. Wiss..
Euseb. chron. 2 p. 26. 27 Seh.; vgl. 0. Müller, 1859 142) vertretene Ansicht nicht ganz ausge-
Orch.- 117. Die Sage kann nicht wohl vor schlössen, dafs Argura auch an der Ostküste
Athens Ansprüchen auf Euboia entstanden lag und die Grotte Boö? avXri ganz und gar
sein (vgl. den 506 von Athen im lelantischen zu der -Stadt gehörte. Bei dieser Sachlage
Feld eingeführten Pallasdienst [Aelian, v. lt. 6, 1, würde zunächst jedermann schliefsen (welche
mit Bezug auf das von Herod. 5,77 Erzählte]), Möglichkeit auch Maafs offen läfst): die im'
vielleicht erst im Zusammenhang mit der Aigimios dargestellte Lokalsage von Argura
grofsen Kleruchie in Nordeuboia, vom Jahre kannte los Flucht nach Ägypten überhaupt
445 (Thul: 1, 114). Der Name Kekrops in eo nicht. Die ganze Blaafssche Hypothese hängt
einer euboischen Genealogie (Scholl.' B L zu also ausschliefslich an den obenerwähnten
E536) bezieht sich wiederum auf Kekrops IL Worten des Steph. v. Ai'yvnxog, die er auf
(nicht beachtet in der weitgreifenden Kom- jene euboische__ itaquXCa sich beziehen lässt.
bination von Töpffer, Att. Geneal. 163 ff.). Das enboische Ägypten ist also aufserordentlich
Der echte Autochthon wanderte (ursprünglich zweifelhaft. Al&ömov, ein Artemisheiligtum an
wenigstens) gewifs nicht aus, nur sein schatten- der jener • nagaXla entgegengesetzten Küste,
haf'ter Doppelgänger. Maafs freilich, de Aesch, welches ohne jeden Grund von Maafs mit AI-
Siqipl. (ind. Gryph. 1890/91) p. 22 hält die &t07tia zusammengebracht wird, kann diesen
1017 Kekrops Kekrops 1018
Zweifel nicht mindern. Von hier aus also von Gauverband, zum Schutze in der Kriegs-
kann die Tradition vorn Ägypter Kekrops, gefahr gegen Karier und Boiotier, Philoch. fr.
deren endgültige Vernichtung 0. Maliers Ver- lt (F. H. G. 1, 386); vgl. Steph. Suid. Et. M.
dienst ist (Prüll. 129. 175ff. Oreh.2 99ff. ; v. 'EndxQiu. Bezeichnend für diese Über-
Gruppe, griech. Kulte u. Mythen 1, 164 gegen lieferung ist, dafs unter den Namen auch ein
Ebers, Ägypten und die Bächer Mos. 139; bereits vorhandener Verband wie Tetrapolis,
vgl. Wachsmuth, Stadt Athen 1, 452), nicht ferner, dafs Eleusis erscheint; vgl. auch Tkuk.
von neuem belebt werden. Thatsächlich ist 2, 15 (Steph. Byz. s. v. 'A-/.xr\). Waehsmuth,
auch Kekrops nicht (wie Danaos und Kstd- Gesch. d. Stadt Athen 1, 452. v. Wüamowitz,
mos) in orientalische Genealogieen herein- 10 Aus Kydalien 122 ff. Gilbert, Altatt. Konun-
gezogen. Die ägyptische Herkunft (schon vcrf. (Jb. Suppl. 7) 204 ff.
durch Anknüpfung an das verh'altnismäfsig b) Kekrops als &vQtxr)g: 1) des Städte-
junge Sais verdächtig) ist den Tragikern wie baues: Plin. n. h. 7, 194; vgl. Steph. Byz. v.
auch dem ägyptisch interessierten Herodot 'A&rjvai, p. 34 Mein. 2) der Sitte die Toten
fremd. Zuerst erwähnt Piaton (Tim. 21 E; zu begraben: Cic. legg. 2, 25, 63. 3) der
vgl. Kritias 110 A) eine Beziehung zwischen Volkszählung: Philoch. fr. 12 (= schol. Find.
Athen und Sais (Athena = Neith). Kekrops Ol. 9, 08). 4) der Schrift: Tac. ab exe. 11, 14.
wird dabei nicht erwähnt, doch darf nicht c) Eine besondere Gruppe hierhergehöriger
verschwiegen werden, dafs der im Gespräche Autoschediasmen bilden die auf Spekulation
Angeredete Amynandros heifst, vielleicht also 20 über den_Sinn von di(pvr)g beruhenden Nach-
(ein Zufall ist nicht ausgeschlossen) den Amy- richten (Übersicht bei Euseb. chron. 2 p. 24.
nandriden angehörte, in deren Geschlecht der 27 Seh. Schol. Ar. Plut. 773 (Suid.). Tzetzes
Kult des Kekrops erbte (s. tu). Piaton selbst a. a. 0.). 1) Gesinnungswechsel vom milden
neigte also hier vielleicht zu jener Auffassung zum grausamen (ÖQCtKovxmSng) Herrscher (oder
des Kekrops; wie sehr er aber damit sich im umgekehrt): Plut. de sera num. vind. 6. Nahe
Widerspruch zur herrschenden Meinung auch verwandt damit: weil er seine Unterthanen dn'o
noch seiner Zeit sah, zeigt der (zweifellos dyoioxrjxog slg r)uipoxTjzo: r]yaysv, Suid. Tzetz.
platonische) Menexenos (245 D): ov ydg IJi- Milder Herrscher: Nonn. JHon. 13, 151 Si-
lorng oväi KdSfioi ■ ovSs Aiyvnroi xs «tu Y-aanilog ib. 36, 126; vgl. 43, 126. 2) Weil
Javaol .. . evvoiKovciv ripiv , all' avxol "El- 30 er die Monogamie ordnete, die Menschen
Irj-vtg, ov yi^oßdpßupoi oUovfiiv (vgl. Luk. gleichsam Sitpvsig machte (so wohl Ursprung;
pteudolog. 11: &dtxov dv xbv EpEx&sa xo:i lieh gemeint, später verschieden gewendet).
röv Kixponu ^ivovg ditocpi'jvciig v.cu imqlvSag Das Ganze wahrscheinlich eine Erfindung des
xmv 'A&nvü>i>. Kekrops als Typus des Uradels: galanten Zeitalters, zurückzuführen auf Klearch
A.P. 11, 319, 5. Luk. Timm. 23; vgl. Ne- von Soloi (Ath. 13, 55öc = fr. 49. F. II. G.
kyom. 16). Alles übrige scheint erst ans Piaton 2, 319; vgl.' Crusius, Allg. Ertcykl 2, 35, 114),
(im Tim.) herausentwickelt (vgl. Procl. z. St. dann bei Judin 2, 6, 7. Charax Perg. fr. 10
Theopomp. fr. 172 (F. H. G. 1, 307); günstiger (rö voyiyag tx Svoiv (pveo&ut). Ioann. Antiocli.
Boden dafür fand sich in der Ptolemäerzeit fr. 13 (F. H. G. 4, 547). Nonn. Dion. 41, 384.
(vgl. Istros Aiyvnxitav d-noixtcti, F. II. G. 1, 40 Tzetz. Suidas (wo mifsverständlich: dicpvrjg =
423). xa y\v dvio ctvSpög, xd öh ndxco yvvca-xog);
Als bestimmte Tradition über Kekrops vgl. Tö'pffer, AU. Geneal. 147. 3) Erklärung
erscheint die Nachricht nicht früher als bei durch die ägyptische Einwanderung, und zwar
Uiod. Sic. 1, 28 ff. (die Lücke ist gar nicht entweder: Svo cpcovdg r]v rjOKriui-vo'g (Euseb.
anders zu ergänzen; demnach ist nicht Euseb. vers. Arm. 2 p. 24 Seh Nonnos in Greg. Naz.
chron. 2, 24 Seh. die früheste Stelle, wie Duncker p. 374, 30 ff. West. Unklar bei Hirn. or. 7, 4),
5 3, 74 meinte). Vgl. Charax Purg. fr. 11 oder ävsiv nolixsiäv yixaaxiav (Diod. 1, 28).
(.F. H. G. 3, 639. Crusius, Allg. Encykl. 35, .Nachdem dies alles in Ordnung gebracht
2,115). Schol. Aristoph. Plut. 773 (Suid. und ist, erübrigen als echte Züge der Sage
Tzetz. a. a. 0.). Ioann. Antiocli. fr. 13 (F. H. 50 i) die Autochthonie (ynysvrig oft, z. B.
G. 4, 647). Nonnos in Greg. Naz. p. 374, 30ff. Lykopin: 111. Ant. Lib. 6. Hyg. fab. 48 p. 72
West. Schm. Euseb. praep. eo. 10, 9, 8; dpxtyovog
5) Vereinzeltes, Unkontrollierbares, Un- Nonn. Lion. 41, 59; vgl. sprichw. indva xoi
sicheres: Ksngonis' 1®qu Qpdxiqg, St. Byz. KtupOTiog: Ath. 7, 285 e; dp'£,dytvog d-nb Ki-
s. v. KfAQOitici , wo auch ein (sagengeschicht- -xgcrcog: Marin. Pur. init. Straft. 397). Kekrops
lieh nicht in Betracht kommender), örj/xog hat keinen Vater (Vulcanus bei Hygin. fab.
dieses Namens in Thessalonich; vgl. Strab. 158 p. 14. Schm. ist ein durch Erwähnung des
321. — Kixpönnov (= Assos?), Steph. Byz. Erichthonios veranlafster Irrtum), weshalb es
v. 'Aaeog. — Kekrops „holding trec" , Münze auch zweifelhaft bleibt, ob bei der Erdgeburt
von Kyzikos bei Head hist. numm. 452. — eo die Göttin Gaia als Mutter gedacht ist (Ger-
Kekrops (er selbst?) im kyprischen Salamis: hard, Myth. § 137). Kekrops zeugt auch ur-
Porph. de abstin. 2, 51. — Verstirnung als sprünglich kein Geschlecht. Sein Weib Agrau-
Wassermann: Hyg. aslr. 2, 29. los ist" sicher erst ans der gleichnamigen
6) Schliefslich sind zusammenzufassen und Tochter erschlossen. Die Töchter selbst sind
beiseite zu schieben alle Nachrichten histo- Hypostasen der Athena und können ihm ur-
rischer Tendenz, welche von Kekrops als sprünglich auch nicht gehören (Töchter des
erstem Landeskönig von Attika ausgehen. Aktaios sind sie bei Suid. v. Soira^i« ypdy-
a) Stiftung einer Dodekapolis, einer Art jxkxu), Erysichthon noch weniger, da er ur-
1019
Kekrops
Kekrops
1020
sprünglioh als mythischer Theore nach Prasiai
gehört und erst durch Reception des delischen
Apollonkultes nach Athen gelangt ist (Tüpffer,
Herrn. 23, 329). Auch leitet sich von Kekrops
kein Adelsgeschlecht ab (Ktv.Q07ti§ai in diesem
Sinne irrtümlich angenommen von Martha,
Les sacerdoces Ath. ibibl. des ecoles franc. 26)
146; vgl. Töpffir, Att. Geneal. 134). Die Ke-
ryken stehen nur durch eine der drei Töchter
des Erechtheions (snl zjj ycovt'a oder Jui.
zy TiQOBtaaai zfj 7i$bg zov Ksv.qotzlov, C .1.
Att. 1 , 322 a col. 1,9 u. ö. Antiochos (von
SyraJeus? vgl. F. H. G. 1, 184; 4, 301. Stiehle,
Phil. 8, 611) oder Antilochos bei Clem. protr.
p. 39 P. (Eusep. praep. eo. 2,6, 2. Theodoret
£U.izud-.&£Qun. (MigneSS) 1017c. Amob.adv.
mit. 6,6); vgl. Bötticher, Aach. Ztg. 1855,101*.
Jahn- Michaelis, Paus. arc. descr. 29. Wachs-
(wohl Herse, Kaibel, Epigr. 1046) mit ihm in 10 muth a. a. 0. 1, 450. Bohde, Psyche 1, 128.
Verbindung; vgl. Töpff'er, Att. Genccd. Sl.
2) Die Schlangenfüfsigkeit, der eigent-
liche Grund der Bezeichnung Sicpvqg (selbst
von Philoch. verkannt, fr. 10 (F. H. G. 1, 386):
öt-a urjnog oco-
uazog ovzco %a-
Xovuevos). Vgl.
Gaia übergiebt den kleinen Erichthunios der Atbena, anwesend Kekrops
(Thonrelief nach Arch. Zeit%. 1S72 Taf. 63).
Eurip. Icn 1164 (nicht = Paus. 10, 10, 1;
vgl. E. Ourtius, Arch. Zig. 1872 51 und G.
Hermann, Ion p. 119), darnach wohl Nonn.
Bion. 41, 59ff. Ps.-Deinosth. 60, 30 (Tzets.).
Lykophr. 111 (Tzets.). Über die bildlichen
Darstellungen Stcphani , C. R. pour 1S72
(1875) p. 43 ff., sowie Deneken ob. Bd. 1 Sp. 2469.'
Aufser der hier wiederholten Berliner Terra-
kotta ist zu vgl. das Bd. 1, 1306 abgebildete
Hauptbild einer Vase von Corneto. Abwei- gu Kekrops auch in der Darstellung des Westgiebels
chend ist die Darstellung des Kekrops beim
< (reithyiaraube auf dem Vb. München -376
[Welcher, A.D. 3, 144ff.); vgl. aber auch ebda.
748 und Athen 485 (Gollignon, Bibl. des ecoles
:;, 119 = Heydemann, griech. Vb. 1, 1). 3)
Kekrops ist r/gcog. Aristoph. Vesp. 438:
r'iqcog avat, (Paus. 10, 10, 1). Sein Grab und
Heiligtum befand sich an der SW. - Ecke
Milchhöfer in E. Curtius, Stadtgesch. v. Athen
p. LI. Nach Eurip. Ion 1400 scheint Kekrops
auch an den Grotten der Nordseite Kultanteil
gehabt zu haben. Der Kult gehörte erblich
dem Geschlechte der Amy-
nandriden (noch in augustei-
scher Zeit, C. 1. A. 3, 1276, 8.
Hesych. s. v. (Bofs, Deinen
24); vgl. Martha a. a. O. 171.
Töpffer a. a. 0. 160. Über
die Art des Kultes ist nichts
überliefert. — 4) Die Be-
ziehungen des Kekrops zu
Vgl. den Artikel
opeiaj. Sein Heilig-
.st nag avzijv xr\v
v%ov (Theodoret a. a.
Besonders deutlich
diese Beziehungen
er Erichthonios-
Sage hervor;
vgl. namentlich
die hier ausBd.l
Sp. 1577/8 wie-
derholte Terra-
cotta (auch das
Vb. oben Bd. 1
Sp. 1305). Vor
allem aber in
der Sage vom
Götterstreit
um Attika,
bei welcher
freilich das
Schiedsrichter-
amt d. Kekrops
nicht einmütig
überliefert wird
(die Zeugnisse
bei Stephani a.
a. 0. p. 64 ff.; vgl. namentlich aufser Xenoph.
Mem. 3, 5, 10 [wo of ntgl Kiv.qona natürlich
noch nicht nach dem von Lehrs, Quaest. ep.
28 ff. entwickelten Sprachgeb rauche soviel als
KexQoxp ist], Callim. fr. 384 [Hecale? vgl.
Beizenstein, Ind. Eostoch. 1890/91 p. 15 nr. 26J
und die Rationalisierung bei Varro [inlibro
humanarum II; vgl. Schol. Bob. ad Cic. pro
Sextio p. 299 Orelli in Aug. Civi dei 18, 9). Ob
vom Parthenon in dieser Weise vorkam, ist
streitig, da hier nicht eigentlich die xyioig,
sondern die 'igig dargestellt war (vgl. Petersen,
Arch. Ztg. 1876 116. Herrn. 17, 130. Bobert,
Herrn. 16, 67 ff. Overbeck, Plastik 1% 298).
Schliefslich spricht sich die Beziehung za
Atbena auch in der Nachricht über ein von
Kekrops in den Poliastempel gestiftetes Holz-
1021
Kekrops
Kekrops
1022
bild des Hermes aus (Paus. 1, 27, 1) und in
der von Diod. Sic. 5, 56 erzählten Geschichte
(aus Apollodor? vgl. Bethe, Herrn. 24, 429).
Athena ist in diesem Verhältnis von ausge-
sprochen agrarischem Charakter (vgl. Roseher
ob. Bd. 1 Sp. 683), wie dieser namentlich an
den Töchtern des Kekrops deutlich ist (vgl.
Steph. Byz. v. 'Ay^ttvlrf). Kekrops selbst als
Pfleger ländlichen Kultes: Philoch. fr. 13
(F. H. G. 1, 386). Für den Regenheros, den 10
Forchhammer (Arch. Ztg. 1877 107) aus Ke-
krops, und für die Cisterne, die er aus dem
Kekropiou macht, fehlt in der Überlieferung
jeder Anhalt. Aus dem Gesagten geht zu-
gleich hervor, dafs die überlieferten Bezie-
hungen Kekrops' IL zu dem Heiligtum der
Athena Al'&via in der Megaris den alten Ke-
krops nichts angehen. Denn diese Atbena
war, wie ihr Name lehrt (slg al'&viav d.7t£i-
nur diese vier verwendet hat (vgl. Busölt, Gr.
Gesch. 1, 614ff.). Kekrops unter den Statuen
der t]qo)8s e-jicovvuloi in Athen und Delphi,
Paus. 1, 5, 1 ff.; 10, 10, 1. Als äg%r]y6g seiner
Phyle geniefst Kekrops innerhalb derselben
einen Ahnenkult (vgl. Rohde, Psyche 1, 158fF.).
Dieser ist aber natürlich eine mit der Schöpfung
dieser Phyle zugleich getroffene Einrichtung
und darf daher nicht ohne weiteres in die
vorausliegende Zeit übertragen werden.
Zusammenfassung: Für die älteste Zeit
haben wir es also mit einem Autochthonen,
einem als schlangenfüfsig gedachten König und
Heros zu thun, der zu den ältesten Kulten der
Burg im innigsten Bezüge steht. Er repräsen-
tiert offenbar eine bestimmte, die kekropidische
Epoche Athens (vgl.-E. Curtius, Herrn. 25, 145),
in welcher die Einwohner möglicherweise wirk-
lich KsxQOTiiäou, die Burg jedenfalls Khv.qonia
Kekrops beim Streit des Poseidon uod der Athena um Attika; anwesend links Dionysos-Iakchos und Orts-
nymphe (Pandrosos r), rechts Amphitrite (od. Aphrodite?), Hydria vod Kertsch (nach Comple rendu 1S72 Taf. I
= Baumeister, Denkm. S. 1395, Big. 1542).
XCtedSLBCt Vnb TU ItTSQCt hXQVIpS TOV KsKQOTta
Kai äisxotiiaBv fi's rä Mtycega), maritimer
Natur. Ein Felsenriff am Meere ist ihr heilig
(Paus. 1 , 5 , 3) , und es brannte wohl ein
Leuchtfeuer daselbst ((paaqiuQog, Eust. zu Od.
p. 1385, 65). Aufser den genannten Stellen:
Paus. 1, 41, 6. Hesych. v. i v $' Ai'&via. Lykophr.
359. — 5) Die Beziehungen des Kekrops zu
Zsvg 'EQ-nsiog und "'Titccxog, d. h. zum äl-
testen Burgkult, wiederum im Bezirk des alten
Königsschlosses und des damit wohl eine Ein-
heit bildenden Poliasheiligtums (Paus. 8, 2, 3;
1, 26, 5. Euseb. praep. tv. 10, 9, 22. thron. 2,
24. 27 Seh.). — 6) Endlich kann als ein fester
Punkt für die Erklärung der Sage gelten
die Stellung des Kekrops in der älteren
Königsliste, die vor Theseus nur vier Namen
kennt (vgl. Schäfer , Quellenkunde ° 17). Der
kleisthenische Phylenname Kingonig setzt diese
Überlieferung über Kekrops schon für das
6. Jahrh. voraus, da Kleisthenes für seine
Phylen von Königsnamen dieselben vier und
hiefs (Eurip. Suppl. 658; El. 1289. Mann. Par.S.
Steph. Byz. v. Kt-HQOTcCa. Schol. Ap. Rh. 1, 95).
Zunächst entsteht die Frage, ob KsngoTfi von
50 Ksxgoniu den Namen hat (anon. it. antaztav
p. 321, 5 West. Buneker 53, 74), oder um-
gekehrt (die gewöhnt. Überl.). Die Etymo-
logie ist mifslich: schon dem Hekataios klang
der Name barbarisch (Strab. 321). Sehr unsicher
üt (trotz Prellers Zustimmung, Myth. 2 3, 136)
die Erklärung von G. Curtius, Grundz. 5 144:
Vielschnitt , mit Rücksicht auf xagnög und
xqwtilov (Sichel), wobei das Wesen des Erd-
geistes nicht zum Ausdruck kommt. Crusius
60 a. a. O. p. 116 deutet in lokalem Sinne (vgl.
näga, Kogiv&og etc., und zur Bedeutung:
'Axruwg, Kgavaög etc.) Ks --ng-oit-Ca = hohe
Warte, wobei indes die Annahme einer Re-
duplikation Schwierigkeiten bereitet. Das
Wahrscheinlichste scheint mir, mit Rücksicht
auf den hervorstechenden Zug der Misch-
gestalt und unter Annahme einer sehr ge-
läufigen Metathesis (vgl. Kigncoip, oft mit Ki-
1023 Kekrops Kelaino 1024
«e'01/1 verwechselt, z. B. bei Hesycli. v. Ks-xQotp), nach Ed. Meyers gesunder Kritik der attischen
auszugehen von Kjpv.os = Schwanz (vgl. y.Cq- Pelasger-Sage nicht mehr geboten {Phil. N. F. 2,
hos, King) Curtius, Grdz.5 158) und Äs xp-oir-s 466 ff.), eher thrakisch-barbarisch, nach Heha-
' demnach von seinem geringelten Drachen- taios bei Stroh. 321; vgl. S~teph. Byz. v. Ks-
schwanz benannt zu denken (wie ihn die %Q07tia. Die nächste Analogie zu Kekrops
Bilder zeigen; vgl. Eurip. Ion 1164: A'e'xoo- bietet, wie es scheint, der Drache Kychreus
na onslguiOLv slXigaowa. Die beste Analogie von Salamis. [0. Immisch.]
würde der argivische yrjyevrjs KsQxcoip bilden, Kcladeine (Ks XuSi ivrf) , Beiname der Arte-
auf den sich Welcher, Gr. Götterl. 3, 108 be- mis, Anecdota var. Gr. et Lat. edd. Schoell et
zieht, wenn er nicht auf einem blolsen Ver- 10 Studemund 1 p. 270. 277. 283, den sie bereits
sehen beruhte; vgl. Apd. 2, 1, 3, 3. Andere bei Homer führt, $551. T70. IL 183. hymn.
Deutungen (lautlich ähnlich operierend) bei in Ven. (4), 16 u. 118. hymn. in Dian. (27),
Gerhard, Mythol. § 754, 1). 11; s. Bilthey, Die Artemis des Apelles u. die
Demnach wäre wohl KtxQoip der primäre, wilde Jagd, Eh. Mus. N. F. 25 1870 [p. 321
Kt-AQonlct der abgeleitete Name. Aber auch, — 336] p. 328 Anm. 3. Die Seholien zu den
wenn diese Etymologie aus dem Spiele bleibt, angeführten Homerstellen erklären das Bei-
darf man aus der Thatsache, dafs Kekrops wort aus dem Jagdlärm,, s. p. 331. [Drexler.]
nicht Ahnherr eines einzelnen Geschlechtes Keladon (Ktlüdtov), 1) Sohn des Miletos und
ist, folgern, dafs er der als „priesterlicher der Doie, einer Tochter des Maiandros, Bruder
Stammkönig" gedachte (ü. Müller, Grell." so des Kaunos und der Byblis, Gründer von Milet,
117) jjoco? f'jrcäj>t>ftos eines ganzen Stammes Schol. Dion. Per. 825. — 2) Ein Lapithe, von
war, der nach ihm sich selbst KsxqoitiSdli, seine dem Kentauren Amykos auf der Hochzeit des
Niederlassung Ksxoom'a benannte. Dafs der Peirithoqs erschlagen, Ov. Met. 12, 250. —
Kult, den Kekrops bei diesem Stamme genofs, 3) Ein Ägypter aus Mendes, von Perseus auf
gleichfalls ein Ahnenkult war (so dafs dessen Hochzeit erlegt, Ov. Met. 5, 144. [Stoll.j
sein Kult in der späteren Phyle seines Na-1" Kelaine (Ä'fiauoj), Tochter des Argivers
mens nur eine erneuernde Umbildung gewesen Proitos, Schwester der Elege. Beide Schwestern
wäre), scheint schon seine Schlangengestalt in wurden ton Aphrodite in Wahnsinn versetzt,
Verbindung mit den feststehenden Thatsachen Acl. V. H. 3, 42. [Stoll.]
des Atmen- und Heroenknltes nahe zu legen do Kelaineus (Kslaiv^vg), 1) Sohn des Elektryon
(vgl. oben Deneken Bd. 1 Sp. 2466). Doch ist und der Anaxo, Bruder der Alkmene, Apollod.
hier die Erkenntnis verdunkelt durch die 2, 4, 5. Tzetz. L. 932. — [2) Beiname des
Konkurrenz des Erechtheus (mit Kekrops zu- Dionysos in Apameia Kibötos auf einer
saminen zu den echtesten Gestalten altattischer Münze mit folgender Darstellung: „AIO-
Überlieferung gehörig; vgl. Welcher, Arch. Ztg. NYCOC. KEAAIN6TC. Brustbild d,es bärtigen
1852 496). Erechtheus lebt als p,v%iog, als Dionysos mit Gewandung r. Rev. ATTAM6.
oipig ocxovpog, in Kultgemeinschaft mit Athena TTAPA CTPATONIKIANOY. Zwei Löwen rechts
in dem Allerheiligsten, der Krypta, ihres Tern- vor einem Wagen, auf welchem die Cista
pels, zugleich des Königsschlosses (vgl. Bohde, mystica mit rundem Deckel, ein aufrecht
Psyche 1, 126). Kekrops, gleichfalls und 40 stehender Thyrsos und eine nach vorn ge-
friiher König, gleichfalls ein JguxovTiäiig, neigte Fackel", loebbecke, Zeitschr. f. Num.
gleichfalls mit innigen Beziehungen zu Athena, 15 p. 49f. Taf. 3, 13. — 3) Beiname des Zeus
mnfs sich mit einem Plätzchen an der Aufsen- ebendaselbst auf Münzen mit dem Kopf des-
ecke des Tempels begnügen. Dazu kommt selben und der Beischrift Z6YC [KGJA6N6YC,
die nicht bestimmt genug hervorzuhebende Imhoof, Griech. Münzen, Abh. d. 1. Kl. d. I:
Thatsache, dafs das ionische Epos als Ver- bayr. Ah. d. W: Bd. 18 Abt. 3 p. 729 nr. 651a.
treter der Königsherrschaft und des Athena- Kat. Ivanoff nr. 574 (wo falsch Z6YC A6N6YC)
dienstes der Burg nur Erechtheus nennt und in einer Inschrift von Apameia, S. Bei-
und Kekrops ignoriert (vgl. bes. B 546 ff.). nach, Bev. man. 3e ser. 12 1S88 p. 222. Nach
Der Eindruck ist also nicht abzuweisen: Ke- r.ü Bamsay (Transact. of the Aberdeen ecclesio-
krops ist aus seiner ehemaligen Gel- logical society) trat an Stelle des Tempels des
tung zurückgedrängt durch Erech- Zeus Keleneus im 4. Jahrh. eine christliche
theus, dem er früher gewifs noch viel ahn- Basilika, S. Beinach, Bev. arch. 3e ser. 15
lieber gewesen ist, vielleicht wie Erechtheus 1890 p. 263. Drexler.] [Stoll.]
von der Burgschlange ursprünglich nicht ver- Kolaiiio(Ä'fic:[i'co), l)TochterdesDanaos, ver-
schieden (doch folgt es sicher weder aus mahlt mit dem Aigyptiden Hyperbios, Apollod.
Soph. fr. 585 JV.2, noch aus Eurip.fr. 930 N.2; 2, 1, 5. Poseidon zeugte mit ihr den Kelainos,
schol. Hermog. Walz 7, 833; vgl. v. Wilamowitz, Stroh. 12, 579. — 2) Tochter des Atlas und der
Ans Eydathen 141). Dafs in dieser Zurück- Pleione, eine der sieben Pleiaden (s. d.), Ov. fast.
drängung des'Kekrops das Verhältnis zweier uo 4, 173. Serv. V. Ge. 1, 138. Hyg. Praef. p. 30
verschiedener Stämme zum Ausdruck kommt, Bunte, f. 192. Diod. 3, 60. Poseidon zeugte mit
von welchen der eine (der ionische?) über den ihr den Lykos, Apollod. 3, 10, 1. Hellanikos b.
anderen die Oberhand gewann, ist längst er- Schol. II. 18, 486 [vgl. auch Ov. Heroid. 19,135 ff.
kannt und wird durch die schillernde Theo- Myth.Vat. 1,234. Seliol. ad German.Arat.p.397
krasie bei v. W'ilamowitz ä. a. 0. 140 ff. nicht ed. Eyss. R.]; und den Eurypylos, Schol. Ap.
von neuem in Frage gestellt. Die Kekropiden Bh. 4, 1561; den Eur3'pylos und Triton, Tsetz.
pelasgisch zu nennen (mit 0. Müller und lyh. 886. Schol. Pind. I'yth. 4, 57. Oder
Wachsmuth a. a. 0. 1,450), scheint freilich Prometheus zeugte mit ihr den Lykos und Chi-
1025 Kelainos Keleos 1026
rnaireus, Tzetz. Lyk. 132. 219. Heyne, Apollod. vertrieben von den Heliossöhnen Makareus
Obss. p. 273. Müller, Orch. 466. Volcker, Iapct. (Eponym der arkadischen oder messenisehen
Geschl. 75. 108. 240. Gerhard, Gr. M. 2 § 834. Makaria), Auges (= dem eleiscken Heliossohn
Stammtf. 2 p. 228 D. 4. E. 1. Preller, Gr. M. Augeias, -es) und Tbrinax (Eponymos von Thri-
1, 383. — 3) Tochter des Ergeus, welche dem nakia = Peloponnesos, v. Wüamowtz, Homer.
Poseidon den Euphemos, Lykos und Nykteus Untersuch. S. 169): also aus der Peloponne-
gebar, Hyg. f. 157; vgl. nr. 2. — 4) Mutter der sos. Nach Eusebios zu 1787 und 1737 a. Ch.
Tragasia, der Gemablin des Miletos, dem sie und Synlellos p. 238, 12, ähnlich Orosius 1, 7
den Kaunos und die Byblis gebar, Nikainctos zu 1070 a. u. c. (vgl. Lübeck, Ayl. 2 p. 1181,
b. Parfhen. 11 (vgl. Kalaino). — 5) Tochter 10 1202, 1195b) weichen die Teichinen infolge eines
des Hyamos, eines Sohns des Lykoros, von Kampfes mit Phoroneus, Karyaten und Par-
Apollon Mutter des Delphos, Paus. 10, 6, 2. — rhasiern, wahrscheinlich also aus Arkadien, wo
(!) Eine der Harpyien (s. d.), Verg. Aen. 3, 211. auch die in die telchinischen Zauberkünste
Serv. Aen. 3, 209*. Hyg. Praef. p. 31 B. Tal. verflochtene Styx fliefst. Unweit dieses Grenz-
Flacc. 4, 45:s. 499. [Mylhogr. V. 1, 111. 2, 13. flusses liegt Triteia, und über Acha'ia geht
3, 5, 5. Claudian 20, 378. R.] — 7) Eine überhaupt der Strom der peloponnesischen
Amazone, von Herakles erlegt, Diod. 4, 16. — Auswanderung nach Unteritalien und Rhodos.
8) [Eine Quellnymphe_ Kelaino wollen Ch. Le- So war also Kilßidug- Kiluig nach Triteia
normant u. de Witte, Elite ce'ramogr. 2 PI. 64 wohl aus der nordarkadischen Telchinenheimat
auf einer Vase mit Darstellung der Verurtei- 211 übertragen. Vgl. Kelmis. [K. Tümpel.]
hing des Marsyas erkennen in einer Frau, Keleflones (Kiflrfövvsq), bezaubernde Sänge-
weiche an einen Felsen gelehnt mit über- rinnen, ähnlich den Seirenen. Von ihren goldnen
geschlagenen Beinen hinter Marsyas steht. Bildern, die über dem Giebel des mythischen,
Gerhard, Ant. Eildw. Taf. 27 dachte an eine von Hephaistos erbauten ehernen Tempels zu
Muse oder die Ortsgöttin Phrygiens, Stephawi, Delphi sich befunden haben sollten, sang Pindar
G. r. p. l'a. 1S(>2 p. 131 nr. 2, p. 137 ff. an in einem Paian an den pythischen Apollon (fr.
Apate. Overbcelc (Apollon p. 439 nr. 15, p. 442 25 p. 268 Boechh. fr. 30 Bergh), Paus. 10,
— 443; Atlas Tfl. 24 nr. 23) verwirft die bis- 5, 5. Athen. 7, 290 e. Eustath. Od. 1689, 30.
herigen Deutungen, ohne selbst eine neue zu 1709, 56. — Philostratos V. Apoll. 6, 11 nennt
geben. Drexler.] [Stoll. ] 30 sie %qvGui i'vyysg, 2iiQy]viov tLva iitrjxovcai.
Kelainos (KtXaivog), 1) Sohn des Poseidon tzii&co. Huschjce und Boettiger im Neuen T.
und der Danaide Kelaino, Strab. 12, 579. — Merkur 1800, 2 p. 38 ff. Boeclch zu Find. 1. 1.
[Sein Haupt erscheint mit der Binde ge- Lobeck, Agl. 2, 906. [Stephani, C. r. p. Ta.
schmückt mit der Beischrift KGAAINOC auf 1866 p. 19 Anm. 3, p. 58. H. Schinder, Die
autonomen Münzen von Apameia Kibotos, Sirenen. Berlin 1868 p. 101. Drexler.] [Stoll.]
Mi. S. 7, 510, 146. Imhoof, Grieeh. Münzen Keleos, (Kilsög), 1) alter König in Eleusis,
p. 729 nr. 651 Taf. 12, 3. Drexler.] [Den welcher die Demeter, als sie, die verlorene
Berggott des KtXatvög lotpog erkennt Ooer- Tochter suchend, in Eleusis erschien, in seinem
becle , Apollon p. 467 in einer sitzenden Hause gastlich aufnahm, Hom. H. in Cer.
männlichen Figur auf einem Sarkophag mit 40 Apollod. 1, 5, 1. 3, 14, 7. Paus. 1, 39, 1. Schol.
der Darstellung des Wettstreits des Apollon Aristoph. Egu. 698. Serv. V. Georg. 1, 147.
und Marsyas, Frühner , Notice de la sculpt. Philarg. V. Georg. 1, 165. Hesych. s. v. ; ein
ant. du musee imp. du Lciwre p. 107 ff. nr. 85. altes Thema attischer Gesänge, Preller, Dcm.u.
Bio», d. Inst. 4 tav. 18. Overbech, Apollon Perseph. 106 Anm. 71. Der homerische Hymnus
p. 456, A nr. 8; Atlas Tfl. 25 nr. 9. Drexler.] auf Demeter erzählt, wie Demeter in der Gestalt
— 2) Sohn des Phlyos, eines Erdgeborenen zu einer trauernden Frau am Jungfrauenbrunnen
Eleusis, Vater des Kaukon, der die Mysterien zuEleusis vonden Wasser holenden Töchtern des
der grofsen Göttinnen von Eleusis nach Mes- Keleos getroffen und in ihr väterliches Haus zu
senien brachte, Paus. 4, 1, 4. [Stoll.] ihrer Mutter Metaneira [od. Neaira; s. unt.] ge-
Kelaithros (Kilai&Qog), Gründer der böo- so führt ward, welche ihr als einer dienenden Magd
tischen Stadt Kelaithra in der Nähe von Arne, die Pflege ihres jüngst geborenen Söhnchens
Stepih. B. v. KsXcti'd-Qct. [Stoll.] Demophon (s. d.) übertrug. Demeter wollte dem
Kelbidas (KilßiSag), Gründer der archa- Kind durch ihre Wartung und Pflege Unsterb-
ischen Stadt Triteia, angeblich aus dem os- lichkeit und ewige Jugend verschaffen, wurde
kischen (unteritalischen) Kyme stammend aber durch die thörichte Dazwischenkunft der
(Pausanias 7, 22, 4); d. h. wohl umgekehrt Mutter in ihrem Werke unterbrochen und ver-
mach der Rück- oder Doppelwandernng) : von liefs erzürnt das Haus. Indem sie sich jetzt als
Triteia in Achaia aus Kyme besiedelnd, wohl Göttin zu erkennen giebt, befiehlt sie ihr einen
der Vollname zu Ksluig, dem 'Idäischen Dak- Tempel zu bauen; Keleos läfst in einer so-
tylen', Begleiter des Damnameneus und Akmon 00 gleich berufenen Volksversammlung den Tem-
(Phoronis frg. 2 Ei.\ die mit der Adresteie pelbau beschliefsen, der unter dem wunder-
zusammen aus der Sikyonia und Aigialeia nach thätigen Beistand der Göttin schnell vollendet
dem Ida übertragen sind (vgl. Pauly, Rcalencykl. wird (v. 94 — 300). Hier nahm Demeter ihren
3. Aufl. rAdrasteia') = Zy.ilt.iig, dem Bruder Sitz, und bevor sie den Ort verliefs, um in
des Damnameneus und Lykos, dem arkadi- den Ülympos zurückzukehren, lehrte sie noch
sehen Teichine bei Nonnos 37, 334 und be- den König Keleos und die ihm beigeordneten
sonders 14, 39ff.; vgl. Fleclccisen JB. 20, 1891 Fürsten Triptolemos, Diokles und Eumolpos
165 ff. Diese drei Teichinen werden nach Rhodos die Gebräuche ihres heiligen Dienstes (v. 473
RoscnER, Lexikon der gr. u. rüm. Mythol. II, 33
ctiav
1027 Keleos Keleutlieia 1028
—477). Vgl. Paus. 2, 14, 2. [Vgl. auch Mann. geehrt (Clem. Protr. 1 p. 39 Potter); im Heilig-
Par. C. I. Gr. 2374, 23 ff.: '4cp' ov dr][irixriQ tum der Metaneira zu Eleuais in der Nähe des
äqif>iojjL£vr] slg Aft'tfvas v-kquov irpv[Ts]vEv xctl Brunnens, an welchem Demeter gesessen, Paus.
7tQ[6ii£iQa i]nQci[x&n jrgJraTjj ö'[f i^avxcov T]qi- 1 , 39, 1. 2. — Preller, Demet. u. Persephone
nzoliiJLOv toü KsXsov Kai Nsaigag, etj] 92 ff. Griech. Myth. 1,635. Welcher, Zeit sehr.
XHAÄAAT ßctoiXEvovzog 'AS-rjvrjaiv 'Eoi%i)-£(og, f. a. Kunst 127 f. [B. Feilster, D. Baub u. d.
äcp ov TQi7iTo[X£[iog ö KbXsov naondv] Heitligsv Rückkehr d. Peiseph. 1874 S. 30 ff. Mannliardt,
iv xij 'Paqia Y.alovy,svrj EXsveivL v.%1. Eoscher.J Mythol. Forsch. 1884 S. 213ff. Töpffer, AU.
In v. 153 ff. werden die eleusinisohen Fürsten Gcneal. S. 45. 61. 101. 108. Bildliche Dar-
Triptolemos, Diokles, Patyxeinos, Eumolpos 10 Stellungen des Keleos finden sich auf Vasen
und Dolichos genannt. Über das Verhältnis mit der Aussendung des Triptolemos: so auf
dieser ßaai%st$ zu Keleos s. Ilgen und Vofs zu dem Agrigentiner Gefäfs C. I. Gr. 7434b, wo
v. 97. Preller, Dem. 104 f., vgl. Plut. Sympos. Äf'iEosund'ljriro'S'wi'inschriftlich gesichert sind;
4, 4, 1. \_Philochor. fr. 28 Müller.'] Von vielleicht auch auf der Petersburger Vase
dem apokryphischen Eumolpos gab es ein nr. 1207, der Münchener nr. 336; ferner wohl
Gedicht, nach welchem der mystische Dienst auf Sarkophagen: Förster, Arch. Ztg. 33, 82.
zu Eleusis von Demeter den Töchtern des Mehr bei Overbeck, Eunstmythol. Demeter u.
Keleos übergeben wurde, Suid. v. EvpoXnog. Kora S. 530 ff. 542, besonders S. 546. S. auch
Eudocia p. 167, vgl. Paus. 1, 38, 3. Preller, Annali d. I. 1844 S. 149 ff. 1850 S. 113ff.
Demet. 105. Ihre Namen sind im homerischen 20 1856 S. 82. Röscher.] — [Vgl. auch die Epi-
Hymnus (109 f.) Kallidike, Kleisidike, Demo gramme von Lindos: Loeivy, A. E. M. 7 p. 126
und Kallithoe; Pamphos nannte sie Diogeneia, — 130 nr. 56 = Anthol. ed. Dübner 15, 11,
Pammerope und Saisara, Paus. 1, 38, 3, welcher Z.7ff.:
sagt, dafs Homer hierin mit Pamphos überein- ., „ . , „ , , „.„ , , ,T
stimme, eine sehr zu bezweifelnde Angabe, rf8?" *"* ™SJ laS™ A^mr, noge NiQivg
welche mancherlei Vorschläge zur Änderung «V^oxafzoe, «n» »«fwraoG wnmw,
des Textes des homerischen Hymnus veranlafst **?aeov ^[^Xsoco «ca. Xk«<>«ho x«r
hat, Vofs zu H. Hymn. Geier, v. 474-478. ««P*«" a^''caL zrlv maWv sXar'v
Baumeister zu v. 109 ff. Preller, Demet. 68 Anm. und nr. 56 :
u. 105. — Keleos heifst Sohn des Autochthonen 30 -, < > „ „ , \ > > t
Eleusis und gilt also für den ersten König von ■•'']*T^l't' "* 5 ? ^F^!*?* ^'^
Eleusis (H.Hymn.Cerer.105. Preller,Deml01), Ba™°v S £»<«<?">S> Tq^twv^Sos AyXcoXccQrog.
und Eleusis bleibt immer vorzugsweise die B. Förster, Der Baub u. die Bückkehr der
Stadt des Keleos, Stat. Theb. 12, 619. Norm. Persephone p. 288. Gh. Lenormant et de Witte,
Dionys. 13, 185. Spätere Fabeln bezeichnen Elite ce'ram. 3, 62. Stephani, G. r. p. l'a. 1859
ihn als einfachen Hirten und Bauern, Ov. fast. p. 75 f. 94. 104. 108; p. l'a. 1862 p. 34. 53.
4, 507. Verg. Georg. 1, 165. Sein Name hängt Strube, Studien über den Bilderkreis von Eleu-
wohl zusammen mit Ktlsvco (= ttoCgavog, H. sis. Leipz, 1870 p. 2 ff. und Suppl. hrsg. v.
Hymn. Gm: 96), Methodios b. Et. M. 59, 43. Brunn. Leipz. 1872. 4° p. 8. Drexler.] —2) Ein
Schwende, Andeutungen 114. Dagegen leitet to-Kreter, welcher mit Aigolios, Lai'os und Kerberos
ihn Welcker zu Schwenck von xaiio ab, Preller, (s.d.) in die den Göttern und Menschen verwehrte
Demet. 107, 72. — Demophon, der Sohn des Höhle in Kreta, in welcher Zeus geboren worden
Keleos, tritt in den späteren Sagen ganz zu- war und die heiligen Bienen, die Ernährerinnen
rück, und an seine Stelle tritt Triptolemos als des Zeus sich befanden, eindrang, um Honig
Sohn des Keleos und der Metaneira und als zu rauben. Als sie von dem Honig nahmen
Pflegling und begnadeter Liebling der Demeter. und die Wiege des Zeus sahen, sprangen die
Apollod. 1, 5, 3. Paus. 1, 14, 2. Bakchyl.b. Schol. ehernen Rüstungen, die sie angethan, von
Aristoph. Ach. 47. Oo. fast. 4, 550. Sern. Verg. ihrem Leibe, Zeus donnerte und wollte die
Ge. 1,147. 163. Philarg. Verg. Ge. 1, 165. Nonn. Räuber mit dem Blitz zerschmettern; aber die
Dion. 19, 82. Vofs zu H. Hym. Cer. 153 — 155, 50 Moiren und Themis hinderten ihn, weil an
s. Triptolemos. — Nach Hyg. f. 147 wollte dem heiligen Orte niemand getötet werden
Keleos, der Fürst von Eleusis, den Triptolemos, dürfe. Daher verwandelte er sie in die Vögel
Sohn des Eleusis, als er von seinen Wunde- gleiches Namens, welche von guter Vor-
rungen nach Eleusis zurückkehrte, töten, mufste bedeutung waren, Ant. Lib. 19. An dieser
ihm aber auf Anordnung der Demeter die Herr- letztenStelle nenntJUiio/mmsdenVogelMoloios,
Schaft abtreten. Die Geschichte kam wahr- während er früher den Waffenmann KsXsög ge-
scheinlich in dem Triptolemos des Sophokles nannt hat. Von einem Vogel ms/Uös spricht
vor; doch will Welcker, Gr. Trag. 1 p. 301 Aristot. H.A. 8, 5, 4. Hesych.u.M.M. s.v. [Stoll.]
für Keleos Kepheus setzen, der bei Myth. Vat. Keleus = Kileus (s. d.).
2, 99. Schol. Stat. Hieb. 2, 382 genannt wird; 60 Keleustauor (KeXivcrdvaiQ), Sohn des Hera-
bei Serv. V. Ge. 1, 19 heifst er Kephalos. — kies von der Thespiade Iphis, Apollod. 2, 7, 8.
Die Phliasier nannten ihren Ackerheros Dys- [StolL]
aules, der ihnen die Demetermysterien von Keleutlieia (Kelsvd-zia), Beiname der Athena
Eleusis aus gebracht haben sollte, einen Bruder in Sparta, Paus. 3, 12, 4. Odysseus hatte der
des Keleos, nach welchem er den phliasischen Athena ein Standbild errichtet und diesem
Flecken Keleai benannt habe, Paus. 2, 14, 2. den Namen Keleuthia gegeben, nachdem er
Welcker zu Schwenck 304. Keleos und seine im Wettlauf vor den anderen Freiern (Paus.
Töchter wurden zu Eleusis durch Monumente 3, 13, 6) die Penelope errungen; auch hatte
1029 Keleutheiai Kenckreios 1030
er der Göttin drei, von einander getrennt 4, 282 war Kelmis ein treuer Pfleger und
stehende Tempel gestiftet, Paus. 3, 12, 4. [Höfer.] Freund des kleinen Zeus, wurde aber später
Kelentlieiai, vgl. Hesych. KsXzv&siag tag von ihm wegen irgend eines Vergehens in
ivoS[s~\tovg äaiuovag. Gemeint scheinen also einen harteu Diamant verwandelt. Nonti. Dion.
weibliche Dämonen, die ivoStoi waren, wie 14, 39. 23, 156 nennt ihn einen Teichinen, Loh.,
z. B. Hekate, und ihr aus den Seelen derVer- Aglaoph, 2, 1177. 1181. Schwende, Andeutungen
storbenen bestehendes Gefolge. Vgl. auch die 172. Preller, Gr. Mijth. 1, 644, 2. [Kremmer,
„dii penates et viales (= animales) bei Sero. De catalogis heurematum. Leipzig 1890. S. 29.
z. Verg. A. 3, 168 und Labeo daselbst, sowie 31. Röscher.] [Stoll.] Bei No)tn. Dionys. 14,
die di Bivii, Trivii u. Quadrivii der römischen 10 39. 21, 195. 23, 156. 37, 164. 263. 290. 306.
Inschriften. [Röscher.] 334. 346. 452. 471 liest man gewöhnlich 2-nil-
Kelentor (K'cltvzcng), Sohn des Agrios in (itg statt Kslfitg. Nach Hesych. bedeutet Kslfils'
Kalydon, der mit seinen Brüdern ihrem Oheim natg ij Ivxi&ov. Von Leuten, die sich und ihrer
Oineus die Herrschaft nahm und dem Agrios Kraft allzuviel zutrauten, gebrauchte mau das
gab. Dafür wurden sie von dem aus Argos Sprichwort Kei./itg iv atdrjQoi Plut. a. a. 0.
kommenden Diomedes, dem Enkel des Oineus, Zenob. 4, 80. Prelhcitz , Die Teichinen bei
getötet, mit Ausnahme von Onchestos und Bezzenberger , Beiträge 15, 154 Anm. leitet
Thersites, Apollod. 1, 8, 6. Paus. 2, 25, 2. den Namen Kilfiig von indogerm. *kelmos
Hyg. f. 175, s. Agrios nr. 6. [Stoll.] (nhd. Helm) = 'Helmschmied' ab. Vgl. oben
Kelkaia (Ktlv.ata), Beiname der Artemis in 20 Kelbidas. [Höfer.]
Attica, Arrian. 7, 19, 2. C. I. G. 1947. [Anecd. Keltine (KslTtvn), s. Keltos.
rar. Gr. et Lat. edd. Schoell et Studenmnd 1 Kelto (ÄfArco), s. Keltos. [Stoll.]
p. 270. Correspondance inedite du comte de Keltos (Kskrög), 1) Sohn des Herakles, den
Caylus arecle P. Paciaudi 1 p.LXVIf. Drexler.] er mit Keltine, der Tochter des Bretannos, im
Petersen, Die dreigestaltige Hekate, arch. epigr. Keltenlande zeugte, als er auf der Rückkehr
Mut. aus Österr. 5 (1880), 21ff. handelt aus- von Erytheia begriffen war. Das keltische
führlich über dieses Epitheton der Artemis Land erhielt seinen Namen von Keltos, Partiten.
und vermutet, dafs das von Arrian. a. a. 0. 30. Nach Et. M. s. v. Kskrot zeugte Herakles
erwähnte rijs 'Agriuiäog rö £'<?0£ , das von den Keltos mit Kelto, der Tochter des Bretan-
Xerxes nach Susa entführt und von Alexander 30 nos. Bei seinem Abzug hinterliefs er der
dem Grofsen wieder nach Athen zurück- Kelto seinen Bogen, mit dem Befehle, wenn
geschickt worden war, das älteste athenische ihr Kind ein Sohn sein werde, solle er König
Bild der Artemis Brauronia und dafs diese werden, sobald er den Bogen spannen könne,
mit der Artemis Kelkaia identisch sei. Ein Ebendaselbst heifst Keltos, nach welchem das
Hekataion der Sammlung Modena in Wien Keltenland benannt war, Sohn des Herakles
(abgebildet arch. epigr. Mitt. aus Österr. 4 und der Sterope, der Tochter des Atlas. —
Tat'. 5, 1), nach Mommsen {C. I. L. 3, 3156a) 2) Kiktog, ein Phrygier, Sohn des Meges,
dalmatinischer Herkunft, trägt die Widmung Enkel des Dymas, zugleich mit Eubios von
Deanae Cdceitidi Flavius Silvanus pos. — Periboia an den Ufern des Sangarios (vgl. H.
Petersen a. a. 0., vgl. 9, 63, erklärt diese als 40 16, 719) geboren, vor Trojamit seinem Zwillings-
Hekate gebildete Diana Celceitis für dieselbe bruder von Neoptolemos erlegt, Quint. Sm.
Göttin wie die Kelkaia. Ein Tempel der 7, 611. [Stoll.]
Artemis Kelkaia (Ktlytaiov) findet sich auf Kelusa (Krjlovoa), von Poseidon Mutter des
einer Inschrift ans Nikopolis (Epeiros) hga- peloponnesischen Flufsgottes Asopos, Paus. 2,
capivnv zi\ ■frfcö iv Kzl-tatm, Arch. epigr. Mitt. 12, 5. [Stoll.]
aus Österr. 14 (1890), 113 nr. 1. [Eine Dar- Kenaios (Kijvatog), 1) Sohn des Euphorion
Stellung der Artemis Kelkaia haben wir viel- oder des Elephoros, nach dem das Vorgebirge
leicht auf einer im Mus. Sanclement. Num. Kenaion auf Euboia benannt sein soll, schol.
Sei 2 p. 183 Tab. 19, 118 mitgeteilten Soph. Track. 237. — 2) Beiname des Zeus
Münze des Trajan zu sehen: AYTOK TPAIA- 50 von diesem Vorgebirge, wo ihm Herakles
NOC, Caput Traiani cum chlamyde ad pectus. einen Altar (Kr/vaia HQrjitlg ßcouäv, SojJh.
Bs. TT6AK6A Diana venatricis habitu, d. telum Track. 993) errichtet hatte (Apollod. 2, 7, 7 ;
e pharetra depromens , laeva extenta arcum vgl. Soph. Track. 753 f.) Aesch. fr. 29 =
gestans, ad pectus canis venaticus. AE. min. Strabo 10, 447. Soph. Track. 238. Shißax
Es liegt die Vermutung nahe, dafs San Cle- peripl. p. 51 Gronov. Suid. s. v. Kvvaiog.
mente falsch TT6AK6A statt K€AK€A gelesen [Anecdota varia Gr. et Lat. edd. Schoell et
hat. Drexler.] [Höfer.] Studenmnd 1 p. 265. 266. 274. Drexler.]
Kelmis (Ktlfiig, der Heizer, der Schmelzer?), Ovid Met. 9, 136. Bei Steph. Byz. s. v. Karat
einer der idäischen Daktylen, Phoronis b. Schol. (Kavatog Ztvg ov /jlovov äno xov Kavatov,
Ap. Bh. 1, 1129. Sophokles (fr. 336 Nauck) co Ulla, nal anb rijs Kdvrig) scheint Kavatog die
b. Zenob. 4, 80. C. I. Gr. 2374. Strab. 10, 473. dorische Form für Knvaiog zu sein. Kurz
Clem. AI. Strom. 1, 75. Hesych. s. v. — Plut- vor seinem Tode opferte Herakles dem Zeus
arch. Prov. Alex, sagt, dafs Kelmis im Ida das auf dem Kenaion, Soph. Track. 287. Diotl.
sprödeste Eisen bearbeitete. In der korrupten 4, 37. 38; Tzetz. Lyk. 50. 51. p. 348; vgl. die
Stelle des Zenob. scheint gesagt zu sein, dafs von Stephani, Gompte rendu 1869 180 angeführ-
Kelmis im troischen Ida in hartes Eisen ver- ten Stellen und die Darstellung des Opfers
wandelt worden sei, weil er die Mutter Rhea Bd. 1 Sp. 2235 Z. 55 ff. [Höfer.]
übermütig behandelt hatte. Nach Gv. Met. Keuchreios (KtyxQttog), 1) Flufsgott, er-
33*
1031 Kenchre'is Kentauren (Abstammung) 103^
scheint auf Münzen des Antoninus Pius von Eenclll'is {Ksy%q(g), Tochter des Pieros, mit
Ephesos zusammen mit Kaystros, beide durch ihren Schwestern von den Musen in einen
die Beischriften KAYCTPOC • KGNXPIOC kennt- Vogel verwandelt, Anton. Lib. 9. [Stoll]
lieh gemacht, gelageit zu Füfsen des Bildes Kendreisos (?). In der Inschrift C. I. Gr.
der Artemis Ephesia, Andr. Morellius, Spe- 2049 wird in Philippopolis eine Phyle Ktv-
eimen univ. rei numm. ant. Lipsiae 1695 dgiaeTg erwähnt. Boeekli vermutet, dafs die-
p. 120 — 121 Tab. 10, 5 („in thesauro Lamo- selbe nach einer Gottheit benannt worden sei,
nii"). Fckhel, D. N. V. 2 p. 522. Cot. Huber wie die Phyle 'Agtepiaiüg, C. I. Gr. 2047. 2048.
p. 53 nr. 574; desgleichen auf Münzen des In derselben Stadt wurden Festspiele Kendrei-
Septimius Severus, Vaillant, Num. Gr. p. 82 10 seia gefeiert, Eckhel, I). N. V. 2 p. 44; 4 p.437.
(„Fr. Cameli"), p. 344f. Mi. S. 6, 155, 497. Sestini, Mus. Hedervar. 1 p. 74 nr. 44 Tb. 1
Allein kommt er vor mit der Beischrift K6N- Fig. 14 (KENAPEICEIA ■ TTY0IA). Sestini, Lett.
XPIOC unter Hadrian, Mi. S. 6, 13S, 396 nach num. cont. 3 p. 35 = Mus. Hedervar. 1 p. 74
Sestini, Mus. Hed. 2, 166, 52 = Wiciay nr. 7354, nr. 43. Wiczay 1 nr. 2456 Tab. 10 nr. 209
und unter Severus Alexander mit der 'Beischrift (K6NAP6CIA -"nTGIA). Diese K6NAP6CIA
KENXP6IOC, Mi. 3, 115, 398 (Cab. Covsinery). kommen auch vor auf Münzen von Nikaia,
— 2) Sohn des Poseidon, Stepli. Byz. s. v. Head. H. N. p. 443. [Drexler.]
KiyxQBiu, s. unten d. Art. Zenehrias. Als zwei Kentauren (KtvzavQOL, 'lu7toyJvtavQoi).
gelagerte männliche Fig-uren erscheinen die T „. „ ,, ., . , .
?, D .„, ,. , , °. , n..f v I. Die Mythen von ihrer Abstammung.
Personifikationen der beiden Haien von Ko- 20 J
rinth, Lechaion und Kenchreai, nach Mülingen Hinsichtlich ihrer Abstammung hat man
und Gardner, Countries and cities in an- zwei Klassen von Kentanren zu unter-
citnt art, Journ. of hell. stud. 9, 1888 p. 69 scheiden, die auch ihrem Wesen und Cha-
beide mit einem Ruder, nach Imhoof- Gard- rakter nach sehr wesentlich von einander
ner, Numism. Commentary on Pattsanias und verschieden sind. In die erste gehören nur
Head die eine mit einem Puder, die andere zwei: Cheiron und Pholos. — Cheiron (s. d.)
mit einem Anker in der Hand, zu beiden ist der Sohn des Kronos (Saturnus) und der
Seiten der Aphrodite auf Akrokorinth auf Phil[l]yra, einer Tochter des Okeanos, und
Münzen des Septimius Severus von Korinth, wird daher KqoviSng und <t>iXlvgiSng (Phiiy-
Mülingen, Syll. of anc. coins p. 56f. PI. 2, 30. 30 reius) genannt (Hes. Th. 1002. Eumelos [?] b.
Imhoof -Gardner p. IS nr. 7,2, p. 26 sub nr. 33 Schal, z. Ap. Eh. 1, 554 [= Fr. ep. gr. ed.
PI. G. 134. Head, Cat. of Greek Coins [in the Kinkel 1 p. 8], Find. P. 3, 1 u. 4. ib. 4, 103
Brit. Mus.] Corinth p. 85 nr. 652 PL 21, 14. — u. 112. 9, 31. Kern. 3, 43 u. 47. Ap. Bh. 2,
Gardner, Journ. of h. st. a. a. O. bemerkt zu 1232 ff. ; vgl. ib. 1, 554. ApoUod. 1, 2, 4. Verg.
der Darstellung: „it would seem tliat the two Geo. 3, 550. Propert. 2, 1, 60. Ov. Met. 2, 676.
are personifications of Lechaeum and Cenchreae, FaU. 5, 383 ff. A. A. 1, 11. Schol. Germ. Arat.
perhaps in the persans of Leehes and Cenchrias 87 BX Nach Eumelos (?) a. a. O. und Phere-
tico sons of Poseidon (Paus. 2, 2, 3), tclw were kydes b. Schol. Ap.Bh. 2, 1232 ff. wohnte Kronos
eponymous heros of the harbours." Als zwei (s. d.) der Philyra in Gestalt eines Rosses *) bei,
langbekleidete Nymphen, stehend, jede ein 10 während er sich nach Ap. Bh. a. a: 0. und
Ruder in der Hand, den Arm um die Schulter Schol. (vgl. Verg. Geo. 3, 92 ff.) erst dann in
der anderen gelesrt, mit der Beischrift LECH ein solches verwandelte, als ihu Rheia mit der
^Ol 1
und CENCH sind die Personifikationen der Philyra auf der Insel Phily reis**) überraschte,
beiden Häfen dargestellt auf einer Münze des worauf Philyra aus Scham nach Thessalien
Hadrian von Korinth, Imhoof- Gardner , Num. entwich, wo sie den Cheiron gebar. Nach
Comm. on Paus. p. 15 nr. 7, 1 PL C, 40. Hyg. f. 138 fand die Liebschaft des Kronos
Gardner, Journ. of h. st. 9 p. 69. Head, C. in Thrakien (Thessalien? vgl. Verg. Geo. 3, 94
Gr. C. Corinth p. 75 nr. 595 PL 19, 15. PH- und Philarg. z. Verg. Geo. 3, 93) statt, und
lostratus, Imagg. 2, 17 beschreibt ein Ge- Philyra wurde nach der Geburt des Cheiron
mälde, auf welchem Lechaion in Gestalt eines 50 in eine Linde verwandelt (vgl. Philarg. a. a. 0.).
uiigciKiov und Kenchreai in Gestalt mehrerer Ganz abweichend ist die von Suidas in seinen
Mädchen den gelagerten Isthmos umgeben. ThessaliJca überlieferte Genealogie des Cheiron,
[Drexler.] wonach er der Sohn des Ixion und Bruder des
Kenclireis (Ktyxgt'tg), Gemahlin des assy- Peirithoos war (Schol. Ap. Bh. 1, 554 u. 2,
rischen (und kyprischen) Königs Kinyras, Mutter 1231). Wahrscheinlich erklärt sich diese Ab-
der Smyrna oder Myrrha, Ov. Met. 10, 435. weichung einfach aus der Verwechselung des
Hyg. 58. Lactant. fab. 10, 9. [Stoll. ] Cheiron, der oft schlechtweg Ksvravgog heifst,
Kenchrias (Ktyxg(ac), Sohn des Poseidon mit Kivvavgog, dem Sohne des Ixion und
und der Peirene, Bruder des Leehes. Als er Stammvater der anderen Kentauren nach Pin-
von Artemis getötet wurde , entstand aus den CO *j offenbar um die Boragestalt des Cheiron zu erklären.
Thränen der Mutter die korinthische Quelle **) [Diese 'Insel Philyreis' ist keine andere als die
Peirene. Nach den beiden Brüdern erhielten 'Insel Lakereia', auf -welcher dasselbe Paar Philyra nad
die korinthischen Häfen Kenchreai und Le- Kronos den Aphros, Vater der Aphrodite, erzeugte : C/iro-
chaion ihre Namen PüU^ 2^3 ^ 3 3 niion Pasch, p. 66 Bonn. Joann. Antioch. F.H.G. 4, 541,
Steph. B. v. KlyiQsctl wo er Kenehreios'heifst.' *< * aus, <&-rtoä> f>»™*™»j "«^lieh die thesaiische
»ii i ■ i t- i -ii i t Maat Lakereia an der Boibeia. Die Verlegung in den
Auch das argohsche Kenchreai soll nach diesem P(mto, ist durch die Homonymie dea pontischen Voiks
Sohne der Peirene benannt sein, Paus. 2. 24, 8. der *a„„s verschuldet. Vgl. Phiioiogw N. v. 3 1890
Vülcl-cr, Iapet. Gesehl. 120. 189. [Stoll] s. lifi. Tümpel.]
1033 Kentauren (Abstammung) Kentauren ( Abstammung) 1034
dar, — Pholos (s. d.) dagegen, der Epony- xivlg öi [cpaei] iJot'AIAI <(AIAI, vgl. Sp. 766,64;
mos des Pholoegebirges an der Grenze von 767, 14. 20.47. Tümpel^ Tgiova (iiyiivat, a'fia dl
Elis und Arkadien, ist nach Apollod. 2, 5, 4 Y.ai ll^yaaov xbv Ttxtqaxbv %uxä xrjv avzriv
(vgl. Pind. Fr. 57 B. b. Paus. 3, 25, 2) der vvuzct, J§ äv yivio&ai Kivzctvgov, äcp' ov ttoXv
Sohn des Seilenos und einer melisehen Nymphe nXjj&og yivtxui. — [Dia ist selbst Kentaurin.
(vgl. über diese lies. Th. 187. Callim. hy. in Denn 1. mufs sie Rofsgestalt gehabt haben, wenn
lov. 47. Ap. Ph. 2, 4 u. Schol. Tzetses z. Hes. Zeus, um mit ihr den Peirithoos zu erzeugen
Op. 145. Max. Mayer, Gigant, u. Titan. S.l4ff.). 'intim huai.w%t\g avzr]v 7ciQi&htv mufste (Eust.
Beide, Cheiron und Pholos, sind insofern von den 11. A 265 p. 100, 45; Et. M. p. 668, 16; Nonn.
übrigen Kentauren verschieden, als ihnen einmil- ;o 7, 125, emend. Welcher Ep. Cyel. 1, 21779,
der, gastlicher Charakter eigen ist, und nament- 16, 241); 2. floh nach dem unglücklichen
lieh dem Cheiron (s. d.) allerlei wohlthätige Lapithenkanipf Dia mit den übrigen Kentauren
Künste und Thätigkeiten zugeschrieben werden nach Malea, um von dort allein 'umkehrend'
(s. jedoch Sp. 1055 Anm.). — Ganz anders lautet mit Zeus den Peirithoos zu erzeugen: Sah. A
die Genealogie der übrigen Kentauren, D Tl. A 263, wo zu bessern ist: . . . Aanixtat,
über deren Charakter weiter unten gehandelt diaxovßiv ctvzovg sts MccXsav oqoq zrjg IltXo-
werden soll. Nach I'indar sind dieselben Söhne novvrjoov rj §£ tTINI (1. ACa) dvaargicpo-
des Kentauros (bei Tzctz. Chil. 7, 40 u. 9, 477 jievr] f.tixaßaX6vTi. xi]v cpvoiv slg innov AIEMITH
heifst er Imbros), eines frevelhaften, weder (1. Au l/w'yjj) Kai zbv ngoeiQrjyivov iyivvrjaz
deD Menschen noch den Göttern wohlgefälligen 20 ntigi&oov, dg o)voixcca9r] änb zov ntgi&tlv
Ungetüms, das die Wolke (NscpsXa) gebar, ütnea öuoico&ivxa xbv ACa iv xä fii'yvvadcti zr\
welche der nach der Hera lüsterne Ixion (s.d.) nrjroj avzov (sc. Aiu)*). Tümpel.] — Mehrfach
statt dieser umarmt hatte. Dieser Kentauros heifsen die Kentauren nach ihrer Abstammung
[hatte nach Schol V Od. <p 303 seine Doppel- nubigenae(Verg. 4.7,674.8, 293. Ov. Jf.12,211.
gestalt nach dem doppelten Vorbild des mensch- 541 . Stat. Th. 5, 263) oder Ixionidae (Lucan. 6,
liehen Vaters und der rofsgestaltigen Mutter 386). Schlicl'slich müssen wir in diesem Zusam-
[Tümpel.] und begattete sich mit magnesischen menhange noch der verschiedenen Kentauren-
Stuten, welche am Fufse des Pelion weideten. genealogieen des Nonnos gedenken, welcher
So entstanden die wunderbaren Mischgestalten im 14. Buche seiner Dionysiaka drei Arten von
der Kentauren, welche am Unterkörper den 30 Kentauren unterscheidet, die alle den Dionysos
Müttern, am Oberleibe dem Vater ähnlich sahen auf seinem indischen Zuge begleiten. Als
{Pind. P. 2, 42 ff. u. Schol. Wagner, Epitoma ex erste Klasse erwähnt er (v. 49 ff.) den Pholos
Apollod. biblioth. p. 57. 148. Lucan. 6, 385 f. und Cheiron u. s. w., die zweite Klasse sind
Eust. in II. 102, 15. Schol. II. 1, 268; vgl. Hyg, die gehörnten**) Kentauren (144, 180; vgl.
f. 33 u. 34 u. Schol. Luc. p. 56 ed. Jacobitz). 20,224), Söhne derHyaden, welche ursprilng-
Ganz ähnlich lautet die eine der Versionen, lieh Menschengestalt besafsen, aber von Hera
welche TJiodor 4, 69 f. überliefert: Ixion*) habe zur Strafe für die Bewachung und Pflege dea
mit der Wolke nicht einen, sondern mehrere, neugeborenen Dionysos***) verwandelt wurden
undzwarmenschengestaltigeKentaurengezeugt, (14, 143 — 192; die Namen ihrer 12 Führer
diese aber seien auf dem Pelion von Nymphen 10 sind: Spargeus, Gleneus, Eurybios, Kepeus,
aufgezogen worden und hätten sich später mit Khiphonos, Petraios, Aisakos, Orthaon, Amphi-
Stuten vermischt, aus welchem Verhältnisse die themis, Faunos, Phanes,Nomeion; vgl.v. 186 ff.);
mischgestaltigen (SicpveZs) Hippokentaurenent- die dritte Klasse endlich bilden die (kyprischen)
sprangen seien. Nach der zweiten von TJiodor Söhne des Zeus und der Gaia, welche aus
a. a. O. überlieferten Version dagegen war dem Samen entstanden, den der in Aphrodite
Kentauros der Bruder des Lapithes und Sohn verliebte Zeus, als er diese vergeblich ver-
des Apollon und der Stilbe. Endlich gedenkt folgte, auf die Erde fallen liefs (14, 193 ff. vgl. 32,
Diodor noch einer euhemeristischen Tradition, 72 ff. 5, 614). f) [Hinsichtlich der sogen. Seeken-
wonach die Kentauren, die Söhne des Ixion
und der Nephele, gewöhnliche Menschen ge- 50 nügelpferden und Kentauren aiuf uralten Gefärsfragmen-
wesen seien, welche zuerst die Kunst des ten aus Kairos "nd anderen Bildwerken (Müehhöfer
Reitens übten und infolge dessen vom Mythus ^n^ws™™^' D' "' * 2' 590) ZMammcu- TeL
als mischgestaltig (SlfVEtg) aufgefafst worden n ™ [Dasselbe Zeus-Abenteuer, in 3 Worte zusammen-
waren (TMod. 4, 70, Vgl. Palaeph.l. Schol. T erg. gezogen, in dem von HÖJer (s. ob. 1 Sp. 2(571, JOff.) un-
Geo. 3, 115; mehr b. Boeckh, Schol. in Pind. nötig beanstandeten Polypoites-Stemma Eustath. IL l;
[Tom. 2] p. 319). Sehr merkwürdig ist die in 738 p.332, 3G, das durch ein Komma sich teilen läfst:
den Scholkn [B(L)\ z. II. 1, 266 überlieferte nu/.vnoiriK vlbs rr«o<9öou, Sv 'iw.i Zib; ■,, i£ 'Innaö«-
Version, welche die Mischgestalt der Kentauren >'ei";- E™"">>- ersparte sich die schon vorher (p. 100, 45
aus einer in derselben Nacht vollzogenen Ver- ™ \A. 2Ü5) Begebene Ergänzung zu „» „. z. ,**,,
■ 1 ix- a j i_ a- ij. rt /.^ uftütioZret; y.ai tityec r>. Jt,< . Tümpel. 1
HllSChuns des Ixion Und dea beflügelten Pega- 60 ,,} Gohörat'e Kentauren kommen auch in Bildwerken
SOS mit einer Sklavin [Dia] au erklären Suchte**): vor, sogar in hocharchaischen Ton Kypros, Ohnefalsch-
Richter im „Ausland" 1891 S. 547; vgl. dazu Nonn. D. 5, G14;
*) [Nach Diodor 'Gatte der Dia, Besitzer von Rossen, Knaack im Hermes 25, S2f. ; ferner Saunas Memoria d. f. A. 2,
die ihm als Entschädigung für die vorenthalteuen Braut- 518. Benndorf, Ant. v. Zürich 458 Taf. S, 94 und die l'eters-
geschenke der Schwiegervater abpfändet'. Tümpel.] lmrger Vase nr.91G. Stephan!, C. R. p Va. 1874 S.5 u. S. 86, 3.
**) Vielleicht hangt dieser Mythus mit der Erscheinung ***) Vgl. auch den Sarkophag in Paris bei Froehner,
beflügelter Kentauren auf assyrischen Bildwerken (s. Notice du Louvre 1,295 u. 261 f.
Sp. 1155) uud etiuskischen Buccherovasen (MtlchhÖfer, 1) [Diese Aphrodite ist wohl die thessalische Apbros-
Anf. d. Kunst in Gr. 76), sowie mit der Gruppierung vun tochtcr aus der boiboischen Lakereia, die in die Chei-
1035 Kentauren (.Kampf m. d. Lapitlien) Kentauren (Kampf m. d. Lapithen) 1036
tauren s. d. Art. Ichtbyokentanren u. Triton. Menschen und Kentauren entstanden. Auch der
Nur beiläufig sind hier noch die von Lucian (vera Dichter des Heralclesschildcs gedenkt v. 178 ff.
hist. 16. 18. 28) erfundenen, im Solde des Phae- der Schlacht der lanzenschwingenden {aly^irjtai;
thon stehenden (geflügelten) Nephelokentauren vgl. II. 12, 128) Lapithen, deren 9 Kaineus,
zu erwähnen, als deren Führer der Schütze aus Dryas, Peivithoos, Hopleus, Exadios, Phale-
dem Tierkreise fingiert wird. Auf diese Idee ros, Prolochos, Mopsos, Theseus (s. jedoch
seheint Lucian durch Ariitoph. Nub. 346 (vgl. Hermes 27, 374f.) genannt werden, und der
Schal.) und Aristot. n. iwitvicov 3 (ed. Berol. 9 mit Fichten (Härai) bewehrten Kentau-
p. 461 b 20) gekommen zu sein. Mythische ren Petraios, Asbolos, Arktos, Ureios, Mimas,
Bedeutung haben sie natürlich nie gehabt.] 10 Perimedes, Dryalos und der 2 Söhne des
IIa) Kampf mit den Lapithen (thessa- Peukeus. Hinsichtlich des engen Zusammen-
lischer Mythus; vgl. die Münze von Ma- banges dieser Schilderung der Kentaurenschlacht
gnesia Thessaliae in der Arch. Ztg. 1847 mit den ältesten Vasengemälden und dem Kypse-
Taf. 10, 5). Derselbe fand nach der gewöhn- loskasten vgl. die von Meyer, Gandharven-
lichen Überlieferung vor dem Kampfe mit Kentauren S. 39 u. 60 angeführte Litteratur.
Herakles statt (vgl. Apollod. 2, 5, 4. Schol. Mit grofser Wahrscheinlichkeit läfst sich ferner
Pind. P. 2, 85. Schot. 11. 1, 263. Ov. Met. 12, vermuten, dafs der Kampf der Kentauren und
306 u. 535), wonach mehrere später von Hera- Lapithen auch in den verloren gegangenen
kies erschlagene Kentauren, darunter Pholos Theteen und Kentauromachieen (vgl. Ael. V. H.
und Nessos, den Lapithen entfliehen; das um- 20 11, 2) eine Rolle spielte (Meyer a. a. O. 39).
gekehrte Zeitverhältnis behauptet hur Schol. Mehrere Hindeutungen auf diese Sage finden
IL 1, 266 und, wie es scheint, Herodor b. Plut. sich bei Pindar Fr. 147 (vgl. Hör. ca. 4, 2, 13)
Tltcs. 30). Die ältesten litterarischen Zeug- u. 148 Böckh, aus denen hervorgeht, dafs die
nisse für diesen Kampf finden sich bei Homer. Kentauren sich in Wein berauschten und den
II. 1, 262 ff. rühmt Nestor als die stärksten unverwundbaren Kaineus mit grünen Fichten
Menschen der Vorzeit die Lapithen Peirithoos, so völlig überschütteten, dafs er aufrecht in
Dryas, Kaineus, Exadios und den güttergleiehen die Erde hinabsank. Auf die bei dieser Ge-
Polyphemos und sagt ib. 267 von diesen: legenheit hervortretende Trunksucht und vßgtg
xdgrißTOL fisv Icav hcu ytagtiazoig sWvoi>ro del' Kentauren beziehen sich ferner Stellen wie
cpnaßlv*) oQtßKoioiBL y.ai iKTtdyXcog anölsa- 3Ü Theogn. 541. Isoer. 10,26. Verg.Geo. 2, 455 ff. Hör.
Bav ca. 1, 18, 8. Von den Tragikern scheint nament-
Von Polypoites, dem Sohne des Peirithoos, lieh Aischylos in seinen vielleicht von Ovid (vgl.
heifst es IL 2, 742 ff. (s. Mannhardt , A. W. ■afe*:T12' m u- 242 mit ÄesA- Fr- 178 u- 179
u F. K. 46): e"- Nauck) benutzten Perrha%bidm die Lapithen-
',' r, < . T-r „. , , . «, „/ schlacht behandelt zu haben (vgl. Welcher, Aesch.
« v - r, v - - , , , ■ Iril. oo9. Meier a. a. U. 44. Kur. Audi. 791).
" , ,., •> „ ,\ lv r , ,,„, ' .,' mner euhemenstischen Auffassung der Ken-
zovg o ek Llriliov aas v.ai AlViksool ntlaaaiv. i.„, ,_ j ■, i7„ j -a i t -j-u
1 tauren und ihres Kampfes mit den Lapithen
Od, 21, 295 ff. wird die Entstehung des Zwistes begegnen wir bei Palaeph. de incred. 1 und
erzählt. Der Kentaur Eurytion habe sich im 40 Apostol, prov. 9, 73 (vgl. Diod, 4, 70 u. Serv.
Hause des Peirithoos mit Wein berauscht und ]T Geo. 3, 115). Ausführliche Schilderungen
in semer Raserei allerlei^ Frevelthaten verübt der Lapithenschlacht finden sich erst bei Diodor
(uaivöusvog ««»' t'pt& öopov »cm Iteipt&ooto 4, 70 und Ovid Met. 12, 210 ff., zu denen noch
v. 298), wofür er von den Lapithen durch Ab- Schol. Pind. F. 2, 85 u. Schol H. 1, 263 ff. Ap.
schneiden seiner Ohren und Nase bestraft itt. l,ö9ff. Epitoma ex Apollod. biblioth. ed.
worden sei*':). So sei der Streit zwischen den Wagner p.57f. vgl. p.147 (Kaineus). Hyg.f.33.
rongenealogie verwickelt ist; s. o.Sp. 1032*). Die Tendenz Val. Fl. 1, 140 ff. SerD.Z. Ver(J. A. 7, 304. Plut.
dieses Mythologcms ist etymologisch: Kevtuvpog von TllCS. 30. Orph.A.ill. Lactant. Z. Stat. Theb.2,
xtvtüv auQav, wie auch das Motiv von des Ixions Brunst 563. Schol. Lucian. p. 251 Jacobitz. Ml/thoijl:
gegen die der Hera substituierte tttgia vtipü,/ dem glei- 60 yat ^ 154, 162. 2, 108. 3, 6, 25. TzctZ. Chil.
chen Vordacht etymologisierenden Fabulierens unter- g 1000tf u, s w hinzukommen. Nach Diodor
liegt, welchen schon die Alten herausfühlten: Et. Gud. 1 „i. 1 ■ tt a j j n
b.„ -n E, c. r- , ., r, , ov ,„., .,„ t-, ,, verlaugten die Kentauren, da sie derselben
p. 31-1, aO. 51. 54. Eustaih. IL A 2Mj p. 102, 20. Lt. M. ... ^L . r, . .., * rn , , ^ tll
P.503, 51; vgl. weicker, Kl. Sehr. 11, 18. Tümpel.] Abkunft wie Peirithoos waren [Schol. V Od. <p
*) Mit Becht leitet Wiiamowitz . Eurip. Seraki. 2 303 a. E. mit Berufung auf Pindaros. Tümpel.],
S. 124 den Ausdruck yrp statt #,;o aus dem thessalischen von diesem einen Teil des väterlichen Erbes und
Dialekt ab; die dialektische Form scheint mit der Sage gerieten darüber mit den Lapithen in Streit,
gewandert zu sein. Nach Beendigung desselben lud Peirithoos zur
**) Ein von Heijdemaim erläutertes, die Uberbringung Fejer 8einer Hochzeit mit Hippodameia (Deida-
von HoclizL'itsgaben an Peirithoos und Hippodameia (oder _ - n r -r,. . ™7 Ä g)/, rrr- „ -u 4.„-„ „ u
„ , ,„, J? ., , . „ „ „ ■ „7 j ,j meia nach Plut. Ines. 30, [Hippoboteia nach
Peluus u. Thotisr) daratellenaes Pompeian, Wandgemälde 0 , , . T. . _rt„ „... ,Ln Ttr . . ,
s. Arch. Zig. 30 (1873) Taf. 67. 2. - [Schal, v zu v. 303, vgl. ™ Schol A II. A 2b3. Tümpel.] Laodameia nach
zu 295, nennt die K. ovyyerti; des Peirithoos, um deren einer Vase Arch. Ztg. 14, löö'5. 29, 159. C. I.
Toilnahme an seiner Hochzeit zu erklären, und begründet Gr. 8442 b), der Tochter des Butes [auch ein-
(uuter Berufung auf Pindaros) des Peirithoos Liebes- zusetzen bei PindarOS fl/J. Schol, V Od. q>
Werbung um die 'Kentaurin' Hippodameia (vgl. Buttmann 303. öfter Kai zav Hiigi%OOV, lni%lr\GW 'i&OVOQ
z. d. St. u. Mythol. 2, 221ff.*) durch die Analogie seines „-„ fo Xaaßävsiv b»sXei,<vS yvvcciov nupa
Bruders (Kentauros), der, kentaurengestaltig, ebenfalls ' x '
itoXläzis InXnnla^e raJg y.ata tb iltihov 'innote. Auch (Sp, 1033, 24ff.; 103C, (Uff.). Auch PeiTithoos liebt die
dieser habe seine uy.i).aotog ogtiij ?rpc^ tue ovvovatag Tochter des Keutaurenhäuptlings als Sohn einer Ken-
vom Vater Ixion über die 'rofsgestaltige' .Mutter Nephele taurin (i>p. 1034, 5 — 22). Tümpel.]
1037 Kentauren (Kampf m. d. Lapitlien) Kentanren (Kampf m. d. Lapithen) 1038
tcöv avyysväv Ksvravpmv xhv tBAZIN (1. Bovra, Kaineus hervor, den drei Kentauren unter Fels-
wenn nicht xüeiv?) xov iiQov%ovxoq avxwv stücken und Baumstämmen zu begraben suchen
(HS. -öv) 7tag9ivov 'irnioSäusiav- vgl. auch (s. Abb. 1). „Aber es fehlt Eurytion und seine
Buttmann z. d. St. Bei Diodoros las man früher Frevelthat, wie auf der hesiodischen Aspis, und
Bvorov statt Bovra. Tümpel], den Theseus und damit fehlen die Weiber, deren bedrohte Schön-
die Kentauren ein, wobei letztere trunken den heit dem wilden Kampf einen Hauptreiz ver-
anwesenden Franen Gewalt anzuthun versuchten, leiht. Als Waffen führen die Kentauren Äste
In dem nun folgenden Kampfe wurden viele und Steine, sie haben grofse B'ärte, borstig
Kentauren getötet, die übrigen vertrieben. über der Stirn emporstehendes Haar und
Jedoch der bald darauf von den sämtlichen 10 Satyrohren." Der menschliche Oberkörper
Kentauren erneuerte Kampf war für die La- aber sitzt bei ihnen, abweichend von der Dar-
pithen unglücklich; viele von ihnen wurden Stellung Cheirons auf derselben Vase, auf
getötet, die übriggebliebenen aber nach Pheneos einem vollständigen Pferdeleib, so dafs die
in Arkadien und Malea vertrieben. (Hier scheint Francoisvase auf der Grenze zwischen der
Diodor den alten Mythus willkürlich entstellt älteren und jüngeren Kentaurenbildung steht
zu haben, da z. B. Apollod. 2, 5, 4 u. Schal. (Meyer a. a. 0. 68 f.). Ferner müssen wir hier
11. 1, 263 ausdrücklich Malea als den Ort be- gedenken der Figuren des westlichen Giebel-
zeichnen, wo die vertriebenen Kentauren felds des Zeustempels von Olympia, welcher
wohnten; vgl. auch Apollod. 3, 9, 2, wonach noch in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts
Atalante die Kentauren Rhoikos und Hylaios 20 vollendet worden ist. Hier erscheinen die
in Arkadien erlegte; s. a.uch Schol. Pind. P. 2, 85 Kentauren als Frauen- und Knabenräuber (vgl.
u. dagegen Verg. A. 7, 304 u. die Erklärer dieser Funde v. Olympia herausg. v. Direktorium S. 13 ff.
Stelle.) Durch diesen Erfolg ermutigt, hätten T. 10. Furticätigler, Preufs. Jahrb. 51, 375 ff.
die Kentanren, aus dem Pholoegebirge her- Arch. Ztg. 38, 117. Meyers,. a. 0. 72f. E.Curtius,
vorbrechend, die vorüberziehenden Hellenen Sitsungsber. d. k. Akad. d. Wiss. Berl. 1883
durch Raub und Mord bedrängt. Die bei S. 115. Wolters, Gipsabgüsse S. 128ff. u. 134ff.
weitem anziehendste und schwungvollste Schil- wo auch die übrige Litteratur bis zum Jahre
derung des Lapithenkanrpfes verdanken wir 1885 zu finden ist. Treu im Jahrb. d. arch. I.
aber Ovid, der gewifs vieles älteren Quellen 3 (1888) S. 175ff. Taf. 5 u. 6. Flusch, bei
(z. B. Aischylos' Perrhaibiden?) und glänzen- 30 Baumeister, Den/ihn. d. kl. Alt. S. 1104 DD ff. u.
den Bildwerken der alexandrinisch-pergarneni- Taf. XXVII Fig. 1273. Sauer u. Treu im Jahrb.
sehen Epoche entlehnte, manches auch hinzu- 6 S. 88ff. u. S. 105ff. Einige Zeit nach den
dichtete und einflocht, wie ■/.. B. das „fast olympischen Skulpturenund,wie es scheint, unter
sentimental ausgemalte, an Zeuxis (Luc. Zeuse. demunmittelbarenEinflufsderselben(i<Mr(i<;«)i(/-
c. 3 — 6) und Plnlostratos (Imag. 2, 3), sowie ler a. a. 0. 377) entstanden die Metopen des
an erhaltene Bildwerke (Müller, Hdb. § 138, 1. athenischen Parthenon, welche ebenfalls Ken-
Meyer a. a. 0. 79) gemahnende Liebesleben tanrenkämpfe darstellen (Michaelis, Parthenon
des' Kentaurenpaares Kyllaros und Hylonome T.III, 10. 12. 22. 25. T.1T, 29. Müller-Wieseler,
(v. 393 ff.). Zu den älteren Zügen des Ge- D. a. K. 1, 111 u. 112. Meyer a. a. 0. 73), sowie
dichtes gehört z.B. die Erzählung vom trunkenen 40 der Westfries des Theseion in Athen (Müller-
Eurytos, der sich (v. 224) an der Hippodameia Wieseler, Denkm. a. K. 1, 110), auf dem die
vergreifen will (vgl. Od. 21, 295 ff), ferner das Kaineusgruppe bedeutungsvoll hervortritt (s.
Schleudern des Altars v. 258 ff., der auch auf Kaineus). Gewifs mit Recht hat man vermutet,
Vasenbildern oft erscheint und an das vor dafs die sämtlichen dieser Epoche angehörigen
der Hochzeit versäumte Aresopfer erinnert grofsartigen Kentauromachieen ebenso wie im
(vgl. Schol. Pind. P. 2, 85. Aristid. 1, 368 pergamenischen Zeitalter die Gigantomachieen
T)ind. Meyer a. a. 0. 76), die Verschüttung und zu den denkwürdigen Kämpfen der Hellenen
Verwandlung des Kaineus (s.d.), vor allenDingen gegen die Barbaren gewissermafsen mythische
aber die 56 Kentauren- und 18 Lapithen- Parallelen bilden sollten (Meyer a. a. 0. 72 f.
namen, die gewifs zum gröfsten Teil älterer 50 Gurtius, Arch. Ztg. 1883 S. 355). Von den
Überlieferung entstammen (Röscher in Fleck- olympischen und athenischen Skulpturen sind
cisens Jahrb. 1872 S. 421 ff.). Im Kampfe be- wiederum die des Frieses von Phigalia ab-
dienen sich die Kentauren der Trinkgefäfse hängig (E. 0. Müller, Hdb. 119, 3. Müller-
(vgl. Verg. Geo. 2, 457), eines Leuchters, der Wieseler a. a. 0. 1, 123 b u. c), nur dafs
Feuerbrände, Bäume und Steine, ferner führen hier, der fortgeschritteneren Zeit entsprechend,
Lykotas (v. 350) und Teleboas (v. 443) Wurf- leidenschaftlichere Bewegungen und drasti-
spiefse, Pyrakmos ein Beil (v. 460); ihre schere Motive hervortreten. Die kürzlich zu
Kleidung besteht ans Bären-, Wolfs- und Gjölbaschi in Lykien entdeckten Friesreliefs
Löwenfellen (v. 319. 381. 430), wofür sich teil- sind nach Friederichs- Wolters, Gipsabgüsse etc.
weise aus Bildwerken Parallelen anführen 60 nr. 993— 999 S. 315 ff. ins fünfte Jahrhundert
lassen (s. u.). Unter den Bildwerken, welche zu setzen. In betreff der Vasen und sonstigen
den Lapithenkainpf darstellen, sind besonders Bildwerke, welche die Lapithenschlacht dar-
hervorzuheben: Die Francoisvase (Abb. 1), auf Btellen und mehrfach von den vorerwähnten
welcher die als al%/j,rixai(Hes.äanis 178) gerüste- Skulpturen abhängig sind, vgl. Meyer a. a. 0.
ten Lapithen gegen die Kentauren Hylaios, Ak- 74 und 75 f. Mütter, Hdb. 389, 3. Brunn,
rios, Hasbolos, Petraios, Pyrrhos, Melanchaites, Künstler gesch. 1, 182. 2, 23. 101. 409. 0. Jahn,
Orosbios kämpfen (Weizsäcker, Eh. Mus. 32, Beschr. d. Vasens. g. München nr. 84. 86. 368 etc.
373 f.). Unter den Kämpfern ragt besonders 846. 1258 u. s. w. Arch. Ztg. 18 Taf. 139 f.
103'J Kentauren (Kampf m. d. Lapithen)
E. Cmtius, Arch. Ztg. 1883 S. 347 ff. Taf. 17
u. 18. Müller -Wieselet- a. a. 0. 1, 83 u. 84 f.
Hcydcmann, Arch. Ztg. 1871 S. 45 u. 54. Der-
selbe 3. Hall. Winckelmannsjprogr. 1879 S. 86
nr. 86 Taf. HI, 1.
Kunstmythol. Zusatz.
[Den Typus der ältesten Ktntauren-La-
pithendarstellungen erkennen wir aus Hes. Sc.
Herc. 178 ff.; die Kämpfer standen sich hier 10
nicht paarweise, sondern in Reihen gegenüber,
von deren primitiver Gestaltung sicilische und
etruskische Reliefgefäfse einen Begriff geben
können (Löschcke, A. Z. 1881, 44 f. Sittl, Jb.
</. I. 1887, 184). Die ältesten erhaltenen Dar-
stellungen finden sich auf einer CävetanerHydria
(A. d. Inst. 1863 Tav. E). welche wahrschein-
lich aus einer ionischen Fabrik stammt (siehe
Abbildung 2 und vgl. Diimmler , Böm. Mitt.
3, 16'Jff.) und der attischen Franeoisvase (M. 20
d. I. 4, 56f; Wiener Vorlegchl. 1S88, 3); siehe
Abbildung 1. In beiden Darstellungen ist
1) Kaineusgruppe aus der Kentaurornachie der Franeoisvase (nach Wiener Vorlegebl. 1SSS, 3).
die Waffe der K., wie bei Hesioä, der Baum-
stamm. In Attika gelangt der Gegenstand zu
grofser Popularität, die seit den Perserkriegen,
vermöge der naheliegenden Beziehung auf die
Niederwerfung der Barbaren, ihren Höhepunkt
erreicht. Von Werken der Malerei gehören
hierher Mikons Wandgemälde im Theseion
(Paus. 1, 17, 2) und mehrere wertvolle rf. 50
Vasen, worüber Curtius, A. Z. 1S83, 34 zu ver-
gleichen ist. Auch die älteste, plastische Be-
handlung des Themas, die westliche Giebel-
gruppe von Olympia (Jahrb. d. I. 3, 5. 6), fügt
sich der durch jene Monumente vertretenen
Typenreihe ungezwungen ein: immer entbrennt
jetzt der Kampf beim Hochzeitsmahle und es
fehlen regelrechte Waffen (vgl. Jahrb. d. I. 6
S. 91 u. S. 105 gegen v. Wilamoioits, Herakles 1
S. 305, 4). Derselben Typik folgen die an neuen 60
und schönen Motiven reiche, aber nicht ganz
gleichwertige südl. Reihe derParthenonmetopen
(Michaelis, ParthenonTÜ 3 f.), die stürmisch be-
wegten Scenen im Westfries des sog. Theseion
(D.a.K. 1, 21, 110. 111), der von einem attischen
Künstler entworfene Fries von Phigaleia
(Staclcelbcrg, Tempel des Apollon Epikurios 20
—29. Aue. Marbles 4, 1 — 10) und der von
Kentauren (Kampf m. d. Lapithen) 1040
Sunion (Ath. Mitt. 9, 17 — 19, vgl. S. 347
[Fabricius]). Auch wiederholte sich die Dar-
stellung als Schmuck der Sohlen des Parthe-
nos (P/in. N. H. 36, 18), und nachträglich
schmückte Mys den Schild der Athena Pro-
machos des Pheidias mit einer Kentauro-
machie, zu der Parrhasios die Zeichnung
liefeite (Paus. 1, 28, 2). Starke Abhängigkeit
von attischen Motiven zeigt die Kentauromachie
des Heroons von Gjölbaschi-Trysa (Benndorf,
Heroon von G-Tr. taf. 17. 18. 23); doch wird
hier und in der entwickelten rotfig. Vasen-
malerei, von Aristophanes und Erginos (EJein,
Vasen m. Meistersign. S. 185, 2), Polygnot
(KlcinS. 199, 2) und den Meistern der Münchener
Vasen 368 und 805 (abg. Dubois-Maisonneuve,
43; A. Z. 18 Taf. 139) das Thema ähnlich wie
am Theseion wieder verallgemeinert (vgl. auch
die Ciste Man. d. I. Suppl. 17. 18); nur matte
Nachklänge geben C. B. 1873 Taf. 4, 1;
Benndorf, Gr. u. sicil. Vasenb. 35 und M. A.
d. I. 1854, Tfl. 16; die apul. Vase Berlin 3241
(Gerhard, apul. Vb. 7), der
Grabstein des Metrodoros v.
Chios Berlin 766. In der
späteren Malerei erscheint
der Stoff selten, wie das Ge-
mälde des Hippens (Overbeck,
S. Q. 1960); in der Überliefe-
rung steht das schöne Mono-
chrom von Her-
culanum (Hei-
big, 1241, Mus.
Borb. 5, 4) unter
den erhaltenen
Monumenten
vereinzelt da
(vgl. Heibig,
Untersuchungen
S. 79 f.). Un-
bedeutende
Darstellungen
enthält das vatikanische Mosaik von Otricoli
(Pistolcsi, il Vat. descr. 5, 102). Auch Sarko-
phage steUen den Gegenstand nichthäufig dar ;
s. Visconti, M. P. Cl. 5, 12. Lebas-Beinach, voy.
arch. 100. Ath. Mitt. 2, 12, besonders aber
M. A. d. I. 1855, TM. 19, wo die Deutung auf
Herakles durch nichts gesichert ist; das Gleiche
gilt von etruskischen Aschenkisten (Cone-
stabilc. dei mon. di Perugia 67 ff. Mus. Greg.
1, 94, 3) und Spiegeln (Gerh. 309, 1). Sauer.]
II b) Über die ebenfalls in Thessalien spie-
lende Sage von der Bedrohung des Peleus
durch die Kentauren des Pelion und dessen
Rettung durch Cheiron oder Hermes s. den
Art. Peleus.
III) Herakles' Kentavrrenkampf (elisch-
arkadischerMythus).*) In betreff des chrono-
*) Vgl. in betreff des nahen Zusammenhangs der
Eleier und Thessaler Bursian, Geogr. c. Gr. 2, 272 f. Wita-
momitz, Kurip. HerakU's 2 S. 123 und den Artikel 'La-
pithen'. Überhaupt scheint die vorzugsweise in Thessa-
lien, Elis und Arkadien heimische Kentaurensage aioli-
schon Ursprungs (vgl. Kiepert. Lehrt), d. allen Geogr. § 21S
u. unten Sp. ] OSO ff. und das Ende des Artikels). Augcias,
der König von Elis. war nach einigen Zeugnissen ein
Sohn des Phorbas von Oleuos und Enkel des Lapithes.
1041 Kentauren (Kampf mit Herakles)
logischen Verhältnisses desselben zum Lapithen
kämpf s. Sp. 1035. Die ältesten leider größten-
teils nur sehr fragmentarisch überlieferten litte-
rarischen Zeugnisse finden sieh in dem Homer
zugeschriebenen kleinen Gedichte Kämvoq r\
*£Qa(Liis V. 17 f., wo Cheiron als Anführer der
Kentauren gefafst wird, bei Stesichoros
fr. 7 und vielleicht auch in den Frag-
menten der Scrakleia des Panyasis
(Epici gr. ed. Kinkel 1, 255 ff. nr. 4,
12 — 14), sicherlich wird aber dieser
Mythus noch in vielen älteren Hera-
Meen, z. B. in der des Peiza ndros (Hesych .
vovg ov nagä KsvzavQOLBi), behandelt
worden sein (Meyer a. a. 0. 39 f.
Stephani C. M. p. l'a. 1S73 S. 92 ff).
Auch im griechischen Drama finden
wir nur wenige Anspielungen auf He-
rakles' Besuch bei Pholos und seinen
Kentaurenkampf. So z. B. bei Sopliökles,
der Track. 1095 die von Herakles be-
siegten Kentauren bezeichnet als :
diyvrj z' afiittTOv i7i7ioßcii.iovu argaröv
&ijQ(äv vßqiaxriv avouov, vizioojrov (jt'av.
Vgl. v. 714ff., wo es heifst, dafs auch
der &&6s Cheiron dem mit dem Blute
der lemäischen Hydra benetzten Pfeile
erlegen sei. Eigentümlich ist der
Widerspruch , den sich JEuripides im
Herc. furens zu schulden kommen läfst,
indem er v. 182 den Kentaurenkampf
des Herakles auf das Pholoegebirge,
v. 368 aber (ebenso wie Polyaen. Strat.
1, 3, 1, Myth. Fat. 1, 61 u. Tzetz. z.
I.ykophr. 670) an den Peneios und auf
den Pelion und die Homole verlegt,
was auf eine Verwechselung mit dem
Lokal der Lapithenschlacht deutet,
die um so näher lag, als es ja auch in
Elis, in der Nähe der Pholoe, einen
Flufs Namens Peneios gab.*) Von
Epicharmos ist uns der Titel einer
Komödie 'HguxXfjg nctQa <X>6la> über-
liefert, worin die Efslust des Heros
in lustiger Weise dargestellt war.
Nach Theoler. id. 7, 149 f. u. Schal, war
Cheiron vor dem Beginn des Streites
bei der Bewirtung des Herakles durch
Pholos zugegen.
Den ersten zusammenhängenden
und ausführlichen Berichten über He-
rakles' Kentaurenkampf begegnen wir
erst bei Apollodor und Diodor, welche
in der Hauptsache übereinstimmen,
im einzelnen aber besonderen , zum
Teil sehr alten Traditionen folgen.
Nach Apollodor 2, 5, 4 wurde Herakles,
als er, um den erymanthischen Eber zu
erjagen, Pholoe**) durchzog, von Pho-
Ebenso sollte der eüsclie König Endymion (s. d.) aus
Thessalien stammen u. s. w.
*) Nach Lucan. 3, 108. 6, 388 ff. 7, -149. 827 und Stat.
Ach. 1, 16S u. 238 gab es freilich auch in Thessalien eine
Pholoe; vgl. Scliol. IL 2, 739. Wie es scheint, fufst jedoch
diese Annahme lediglich auf Eur. Herc. für. a. a. O.
**) Auf der Pholoe wächst nach Dloskor. 3, 6 (8) das
sogen, xevtavgtov.
Kentauren (Kampf mit Herakles^ 1042
los, dem Sohne des Silenos und einer meli-
schen Nymphe, gastlich aufgenommen (vgl.
die Bildwerke in d. Arch. Z. 1865 S. Sltf.
u. 201. Heydemann
progr. S. 95 nr. 47)
rakle
'. Hall.
Dieser
gebratenes Fleisch vor
Winckelmanns-
setzte dem He-
afs selbst aber
nach Kentaurenart rohes (vgl. KevtavQovg äuo-
tpäyovg Theogn. 541). Als Herakles ihn um Wein
bat, sagte Pholos, er fürchte sich, das gemein-
same Fafa (ni&o;) der Kentauren zu öffnen, that
es aber dennoch, als Herakles ihn deshalb be-
ruhigte. Sobald nun die Kentauren den Duft
des Weines witterten, kamen sie an die Höhle
1043 Kentauren (Kampf mit Herakles) Kentauren (Kampf mit Herakles") 1044
des Pholos heran, gerüstet mit Felssteinen und weiteren Schicksalen der geflüchteten Kentauren
Fichtenstämmen. Den Anchios ("Aß-nrog'i) und meldet Diodor, dafs Homados später in Ar-
Agrios, welche zuerst einzudringen suchten, ver- kadien von Herakles getötet wurde, weil er
l'agte Herakles mit Feuerbränden, die übrigen der Halkyone, der Schwester des Eurystheus,
trieb er mit Pfeilscküssen bis nach Malea (oder Gewalt angethan hatte. Zum Andenken an
MaXcu'ct in Arkadien? Vgl. Bursian.Geoar.v. Gr. 2, Herakles' Sieg über die Kentauren und um
•243, 1), wosiebeiCheiron, dernachdemLapithen- ihn zugleich vom Morde derselben zu reinigen,
kämpfe dorthin entwichen war, Schutz suchten.*) stiftete Demeter die kleinen Mysterien (Diod.
Hier durchbohrte ein Pfeil den Arm des Elatos -1, 14: etwas anders Apollod. 2, 5, 12). In betreff
und fuhr in das Knie des Cheiron, welcher von 10 des Eurytion berichtet Apollod. 2, 5, 5, Herakles
nun an an einer unheilbaren, schmerzhaften sei nach der Reinigung des Augeiasstalles
Wunde litt (vgl. Tzetz. Chil. 5, 123), so dafs zum Dexamenos (s. d.) nach Olenos gekommen
er schliefslieh gern seine Unsterblichkeit preis- (nach anderen war Dexamenos (s. d.) selbst ein
gab (vgl. Sopk. Tr. 7141, anders und zwar wohl Kentaur: Schol. Callim. in Del. 102. G. I. Gr.
nach Autisilienes [Eratosth. Kat. 40; vgl. Schol. 7605; vgl. auch Et. M. u. Bovgu, wo der
German. Arat. p. 419 Eyss. Welcher. El. Sehr. Kentaur 'Et,dSiog ['?] heifst). Dieser sei gerade
3, 8] Ovid. fast. 5, 387 ff). Nach Philostratos' gezwnngen worden, seine Tochter Mnesimache
Beroilcos p. 328 = vol. II p. 214 ed. Teubn. dem Kentauren Eurytion zu verloben, und habe
u. Tzetz. Clnl. 5, 121 ff. überredete Asbolos die deu Herakles um Hülfe angerufen, worauf
anderen Kentauren zum Kampfe mit Herakles 20 dieser den Kentauren in dem Augenblicke, wo
und wurde dafür von diesem gekreuzigt. Die er seine Braut besuchen wollte, erlegte (vgl. auch
übrigen Kentauren aber entflohen teils in das Bäkdhyl. b. Schol. Od. ep 295 u. Eustath. p. 1909,
Maleagebirge, Eurytion aber nach Pholoe (/?01e- 61). ' Nach Diod. 4, 33 tötete er den Eurytion
nos nach Apollod. 2,5,5undZ>;'o<(.4,33),Nessosan auf der Hochzeit des Azan und der Hippolyte
den Euenosflufs, die andern nahm Poseidon (der Tochter des Dexamenos), weil der Kentaur
auf (ei's KaXväävct'}**) slg zä Aivy.cöaia opjj?) dieser Gewalt anthun wollte. Nach Hyg. f.
und verbarg sie in einem Berge (vgl. die Sage 33 (vgl. 31) war Deianeira, die Tochter des
von Taphiassos in Aitolien bei Strab. 427). Als Dexamenos, Braut des Herakles und wurde in
aber Herakles nach Pholoe zurückgekehrt war, dessen Abwesenheit von Eurytion umworben,
traf er den Pholos in Verwunderung darüber, 30 Am Hochzeitstage aber kehrte Herakles zurück,
(die unsichere Lesart läfst sich aus Diodor 4, tötete den Nebenbuhler und führte seine Braut
12 verbessern), dafs ein so kleines Ding, wie mit sich fort. Nach Paus. 7, 18, 1 gab es
ein von ihm ans einem toten Kentauren ge- eine Elegie des Hermesianax auf Eurytion,
zogener Pfeil, ein so gewaltiges Wesen ver- welche nach Heynes Vermutung dem Berichte
nichten könne. Da glitt der Pfeil ihm aus Hygins zu Grunde liegt. Weitere, aber nichts
der Hand und fiel ihm in den Fufs, worauf er NeuesbietendeDarstellungenoderErwähnuugen
sofort starb. Nachdem Herakles den Pholos des Herakleskampfes s. bei Polyaen. 1, 3, 1. Q.
bestattet, begab er sich wieder auf die Jagd Sinyrii. 6, 273 ff. 7, 108 f. Io. Pedias. de lab.
nach dem Eber. Die Abweichungen und Zu- Here. 4. Verg. A. 8, 293 f. G. I. Gr. 5984 f.
sätze, welche uns Diodor 4, 12 und 14 bietet, 40 Tzetz. z. Lykophr. v. 070. Beachtenswert ist
sind kurz folgende. Bei Diodor ist das Fafs, dagegen die bei Paus. 5, 5, 10 erhaltene Lokal-
wie auch auf Bildwerken, eingegraben [aaza- sage vom Flusse Anigros, der unweit des tri-
KEgcocftEVOs), Dionysos hatte es einem Ken- pbylischen Pylos vom Gebirge Lapithos herab-
tauren gegeben mit der Weisung, es erst beim kommt. Man erzählte nämlich, dafs Cheiron
Erscheinen des Herakles zu ötlnen (nach Schol. oder ein anderer Kentaur Namens Pylenor
'Theoer. 7, 149 zum Lohne dafür, dafs Pholos (offenbar Eponymos von Pylos\ vor Herakles
als Schiedsrichter zwischen Dionysos und He- fliehend, seineWunde in diesem Flusse gewaschen
phaistos ersterem die Insel Naxos zugesprochen und dadurch diesem einen üblen Geruch*) ver-
hatte). Ferner sind bei Diodor die Kentauren liehen habe (vgl. auch die Sage von den
nicht blofs mit ausgerissenen Fichten und 50 Schwefelquellen des Taphiassos bei Strab. 427
Steinen , sondern auch mit Fackeln und und das ähnliche Motiv der Gigantensage bei
Schlaehtbeilen((3oi><jp<)j'(H TtsXaxsig; vgl. Dfötschke, \Aristot.] jc.&avix. d-novafi.Ql. Strab. 281 u. 245).
Ant. Bildw. in Oberit 2, 349 ; mehr b. Stephani Nach Schol. II. 2, 739 gründete Herakles die
C. R. p. l'a. 1S73 S. 99) bewaffnet. Hoch- perrhaibische Stadt Elone „ixl tä 9-avä reo Ksv-
altertümlich und für das Wesen der Ken- zuvgav". Endlich ist noch zu erwähnen, dafs Ly-
tauren überaus charakteristisch ist der von Jcophr. v. 670 die Seirenen he vtuvqoktÖvol nennt,
Diodor aufbewahrte Zug, dafs Nephele, die wozu Tzetzcs bemerkt: £7zsiSfj of Ksvtcivqoi
Mutter der Kentauren, ihre Söhne durch ge- dtaxd-tvxtg äno QsaectXiag v<p' 'HpcmXsovg etg
waltige Regengüsse unterstützte, welche den 7151' tcov Hsiprivcov v-fjaov nupsyivovzo -Aal rij
Herakles umzureifsen drohten, den vierfüfsigen 60 ääfj ixsivav &sXyou£voi aiitoXovzo. Vgl. auch
Ungetümen aber nichts schadeten. Von den Ptölem. nov. hist. 5 p. 192, 22 Westerm. 01 Ksv-
rctvQoi (pevyovrsg *HpccxX£a §ta Tvqgtjvlccs Xitic»
*) Vgl. Theophr. hist. pl. 9, 15, 4 ff., wo Pelion und
Arkadien (namentlich Ivleitoria, Psophis, Pheneos) wegen *) Derartiges übelriechendes "Wasser erinnerte die
ihres Reichtums an Heilkrautern gerühmt werden. Alten an Leichengestank; vgl. Philo n. utp&aQuius r.oo-
**) Das Taphiassosgebirge, unter dem Nessos und die jitov I ed. Beniays (Bai. Akad. 1ST6 S. 267): et .ui; 7tQo;
andern Kentauren ruhen sollten, lag im Gebiete von Ka- chtttwv (jtTiuoiTo ru üdwq axivlftov ia&hv ou/ v(p i;av-
lydon unmittelbar am Meere; nicht weit davon befand ^t'as VGXQov'tai; [ivtaßaXfal yovv y.ctl ävaivd ierator
sich das Vorgebirge Poseidion. yivETat, ota \pu/i;v cript;oijfi ivo v ^töov.
Kentauren (Kampf mit Herakles) 104Ö
schon zwei Pfeile getroffen haben, einen dritten
nachsendet (vgl. Fig. 4; E. Curtius in d. Abh. d.
Bcrl. Ak. 1879 S. 22 f. Funde v. Olympia hrsg.v.
d. Dir. d. Ausgrab. 1882 S. 16. Meyer a. a. 0.
60 f.). Von Münzen gehört u. a. hierher die
röm.-carnpan. bei Babelon, Monnaies de la rep.
1, 18. Unter den verloren gegangenen Bild-
werken dieses Kreises ist vor allem der Kypselos-
kasten zu erwähnen, welcher nach Paus. 5, 19, 9
10 auch TO^vovra czvdgcc KtVTUvgovg, xovg ä£ «ort
uTt£Y.zov6xa ifj cLvrüiv darstellt, sodann, der
1045 Kentauren (Kampf mit Herakles)
diicp&dQrioav, Q-sXx&tvrtg inb tijs Sstgr/vcov
riSvcptaviag und Apollod. 2, 5, 4, wo mehrere
statt 'EksvBiva og£i Aivxmaia ögrj oder Aevytco-
alav oqsi (s. ob. Sp. 1043) lesen wollen (s. auch
Sehrader, D. Sirenen S. 59). Wie die Ken-
tauren- und Seirenensage zusammenflössen, ist
nicht ganz klar, als wahrscheinlich aber kann
angenommen werden, dafs [entweder die aitoli-
schen Kentauren hier gemeint sind, die Nachbarn
der vom Acheloos entstammten Seirenen; vgl.
1 Sp. 8, 23 ff. (Tümpel); oder dafs] die Kentau-
rensage der Lokrer, deren Pflanzstädte
Kyme in Aiolis und Campanien waren,
schon in sehr früher Zeit nach Italien
wanderte und sich hier mit
der Seirenensage vermischte
(vgl. Steph. Byz. s.v. 3>gi'xiov).
Nach Aelian V. R. 9, 16
scheint die Kentaurensage in
Italien
sogar ein-
heimisch
gewesen zu
sein, da der
Stamm-
vater der
Ausoner
Mares (=
iTtno^iiyrjg
nach Ae-
lian; vgl.
germ. mar-
ha ; Fiele,
Yi)l. Wort.2
831) Ken-
taurengestalt g
habensoll. Vgl
die alten et
sehen Vasen,
denen häufig
tauren (auch geflügelte)
erscheinen, sowie den
galoppierenden Kentau-
ren auf den Münzen von
Larinum; Catal. of greek
eoins in the Brit. Mus.
Itahj S. 71. Was die
Bildwerke des Hera-
kleskampfes aulangt, so
vgl. Müller, Hdb. 410, 5.
Meyer a. a. 0. 60 f. 62 f.
64 f. u. 77. Jahn, Vasens.
in München nr. 55. 126.
151. 156. 435 f. 650. 691. 746. 10S1 (vgl.
auch 622. 1097) u. s. w. In betreff der Eury-
tionsage vgl. Jahn a. a. 0. nr. 772 und Meyer
a. a. 0. 77, der Gerhard, Auserl. gr. V. 2, 121
T. 117 f. Benndorf, Griech. u. sieil. Vas. 68
anführt. Vgl. auch die von Ileydemann, Vasens.
in Neapel nr. 3089 (C. I. Gr. 7605) geschilderte 60 KuiutmythoL Zusatz (vgl. oben Herakles
Vase, wo Dexamenos (s. d.) an Stelle des Eury-
3) Fragment einer rotthonigen Vase von Kameiros (nach Milchhöfer,
An/, d. Kumt Fig. 48).
amykläische Thron mit zwei, wie es scheint,
verschiedenen Kentaurenkämpfen des Herakles,
nämlich mit einer naga <$6icp täv Kevtavgoyv
fidxi (Paus. 3, 18, 10) und einer 'Hgceultovs
ngbq'Ogt iov Kivtavgov ficcxv (ib. 16).
tion oder Nessos erscheint. Eine der ältesten
und wertvollsten Darstellungen des Herakles-
kampfes ist jedenfalls das Bd. 1 Sp. 564 unter
Artemis abgebildete bronzene Relief, auf dessen
drittem Streifen der knieende Herakles einem
gewaltsam den Kopf umwendenden, mit mensch-
lichen Vorderbeinen versehenen Kentauren, den
in d. Kunst Bd. 1 Sp. 2140. 2193 f. 2229f.).
[Die Darstellungen der Verfolgung und
Erlegung der Kentauren durch Herakles sind
in der archaischen Kunst die vorherrschenden
und treten erst_ in den Hintergrund, als die
Lapithendarstellungen beliebt werden. Schon
die ältesten aller erhaltenen Kentauren-
darstellungen auf rhodischen Reliefvasen (Salz-
1047 Kentauren Kampf mit Herakles")
mann, Ke'crop. de Camirus 26 f. hier wieder-
holt nach Milchhöfcr. Auf. d. K. Fig. 48) lassen
die Deutung auf das Heraklesabenteuer zu,
das bestimmt charakterisiert zum erstenmale
in dem Bronzerelief von Olympia uns ent-
gegentritt (Oarbius, T>. archaische Bronzcrelief
Tu. 1 f. OlympialV, 3S; s. Abb. 4 u. auch Bd. 1
Sp. 564). Ob die ausführlichere Darstellung
am Kypseloskasten (Paus. 5, 19, 9) den Helden
noch in dem altertümlichen Laufschema oder
wirklich knieend zeigte, wie es später üblich
wird (Furticängler, A. Z. 41 Sp. 157), wissen
wir nicht; die des arnykläiscken Thrones
scheint auf den einfacheren Typus zurück-
4) Bronzerelief aus Olympia.
zugreifen (Paus. 3, 18, 16). Dafs auch im
Tempel der Athena Chalkioikos zu Sparta das
Abenteuer dargestellt war, ist wahrscheinlich
(Paus. 3, 17, 3V
Von Vasenbildern stellt das älteste, das
einer „protokorinthischen" Lekythos (Berlin
336, A. Z. 1883, Tfl. 10), die Scene mit köst-
licher Naivetät dar, während das kvrenäische
Vasenbild A. Z. 1881, Tfl. 12 ziemlich roh
ist. Von korinthischer Typik abhängig ist
die Darstellung der altattischen Vase des Oiko-
pheles; Barlington, Fine Arts Chib 18S8 pl. 1.
Sonst sind zu erwähnen Berlin 1670 (Gerhard,
A. V. 119/20, 1), ebd. 1737 (Gerhard, Etr. u.
camp. Yb. 13, 1), wo den Kentauren Kamen
Kentauren (Kampf mit Herakles1) 1048
gegeben werden, deren einer, "AoßoXo;, zu Hesiod
stimmt, und eine Pariser Amphora Rom. Mitt.
2, 173, 6 (Bummler). Vereinzelt steht nach
Auffassung und Stil München 151 (Micali,
Storia 95); vgl. Diimmler, Eöm. Mitt. 2 p. 177,
Anm. 1.
Später verliert sich der primitive Typus
infolge genauerer Durchbildung der verschie-
denen Kentaurenabenteuer des Herakles. Aus-
10 nahmen erklären sich aus Verkürzung oder
Verallgemeinerung der speziellen Typen; zu
nennen sind hier die Vasen München 55
(Lützow, Miinch. Ant. Tfl. 29), Brit. Mus. 1687
(Passeri 2, 117), wo das Schema des Antaios-
kampfes auf unseren Gegenstand übertragen
ist, die Marmorgruppe in äenTJf&cien (Dütschke
3, 13S. Gori, Mus. Flor. 3, 64), die albanische
Marmorschale (Zoega, Bassiril. 2, 63), das
römische Münzbild Babelon, Monnaies de la
so repuU. 1 S. 18.
Individuellere Ausbildung erfuhr der uralte
Herakles-Kentaurenkampf schon in der archai-
schen Kunst nach zwei Seiten, indem man 1) die
Darstellung deutlich als das Abenteuer von
Pholoi} charakterisierte. Dies scheint zuerst
in dem Architravrelief von Assos geschehen
zu sein (abg. Clarl;e, Investigations at Assos
PI. 15), wo die hinter dem Herakles zum Vor-
schein kommende Gestalt wahrscheinlich Pholos
30 ist (anders Glarke p 109). Über die Zeit dieser
Bildwerke gehen die Meinungen weit ausein-
ander, worüber Friederichs-Wolters, Berl. Gips-
abg. S. 8 zu vergleichen ist; ich möchte sie
in die erste Hälfte des 6. Jahrb. setzen. Am
amykläischen Throne (Paus. 3, IS, 10) war die-
selbe Scene dargestellt. Die Vasenmalerei,
und zwar häufiger die sf., stellte sowohl die
Bewirtung des Herakles durch Pholos als die
Vertreibung der übermütigen Kentauren dar;
40 s. Gerhard, A. V. 2, 119,20, 3. 5. 7. A. Z.
1S65 Tfl. 102. Mm. Greg. 2, 39, 2 und vgl.
die Liste der Darstellungen bei Stephani, C. E.
1873 S. 94ff. und 102f. Besoudere Beachtung
verdient das Vasenbild I. H. S. 1, 1, wo He-
rakles die lüsternen Gesellen mit Bränden ver-
treibt ; vgl. Sidney Cölcin ibd. p. 124 ff. — 2) Das
Nessos-Heraklesabenteuer s. unter 5. — 3) Ganz
vereinzelt steht die burleske Scene des feinen
Vasenbildes Mon. Grecs 1876, Tfl. 3 = Wiener
50 Vorlegcbl. E 7 'S, 3, wo Herakles, mit Kike
als TVagenlenkerin , von vier betrübt drein-
schauenden Kentauren gezogen wird; hier hat
wohl sicher das Satyrspiel eingewirkt. Sauer.]
IV) Atalantes Kentarirenkampf (ar-
kadische Sage). Der Kentaurenkampf der
Atalante wird zwar erst erwähnt von Kallim.
in Dian. 221 (vgl. d. Schol.), ist aber wohl
für eine alte Lokalsage zu halten, da er auch
von Apöllod. 3, 9, 1 [vgl. Wagner, Epitoma
so Vatic. p. 46] erzählt wird. Am ausführlichsten
berichtet Ael. V. H. 13, 1 die Sage, freilich
mit starker rhetorischer Ausschmückung. Alle
drei Quellen stimmen aber sowohl in den
Namen der beiden Kentauren, welche der Ata-
lante Gewalt anthun wollten (Hylaios und
Rhoikos \Avv.og codd. Apollod.]). als auch darin
überein, dafs sie dieselben von der Jnngfrau mit
Pfeilen erlegt werden lassen. Aelian schildert
1049 Kentauren (Nessossage) Kentauren (mit Dionysos u. Eros) 1050
in drastischer Weise die Trunkenheit und den pl. 4, wo Stephani p. 102 ff. Näheres über
Übermut der beiden lüsternen Liebeswerber, den Gegenstand giebt). Auch gehört hierher
welche, brennende Fichten in den Händen tra- eine in der pompejanischen Wandmalerei rnehr-
gend, mit Fichtenkränzen geschmückt, der in fach wiederholte scnöne Komposition: Beispiel
einer Höhle wohnenden Atalante zu nahen such- Heibig 1146 {Mus. Borb. 6, 36 u. ö.). Wo
ten. Nach Propert. 1, 1, 13 wurde der die Ata- frauenraubende Kentauren weder durch In-
lante mit seinen Liebeswerbungen verfolgende Schriften noch durch charakteristische Neben-
Meilanion vom Kentauren Hylaios, seinem eifer- personen in einen bestimmten Sagenkreis ein-
süchtigen Nebenbuhler, durch einen Schlag gereiht werden, handelt es sich entweder um
mit einem Baumaste verwundet. Ein ganz 10 die in archaischer Zeit heimische Verbindung
ähnliches Motiv scheint den obenunter Iris (s.d.) von Kentauren und Nymphen (s. unt. VI) oder
behandelten Vasenbildern zugrunde zu liegen, es liegen, wie in dem schönen Relief Anc.
welche diese Göttin bald von Satyrn bald von Marblcs 2, 15, Auszüge aus dem Lapithen-
Kentauren bedroht werden lassen. oder dem Heraklesabenteuer vor. Sauer.]
V) Der Mythus von Nessos (aitolische VI) Die Kentauren in Verbindung mit
Sage). Ausführliches darüber siehe unter Dionysos und Eros (spätere Sage).
Nessos, Deianeira und Herakles. Hier nur so a) Die Verknüpfung der Kentaurensage mit
viel, dafs die älteste bekannte Schilderung des dem Mythus des Dionysos läfst sich wohl am
Nessosabenteuers dem Archilochos verdankt besten aus der schon in der uralten Lapithen-
wird, „dessen fast dramatisch ausgeführtes 20 und Pholoslegende ausgesprochenen Anschau-
Gedicht Sophokles in seinen Trachinierinnen ung von der Trink- und Zechlust der Ne-
vielleicht benutzte'1 (s. Schneidewin im Philol. phelesöhne erklären. Diodor (4, 12) erzählt,
1, 148 ff. und Einl. zu Soph. Track.3 p. 6. dafs das gemeinsame Fafs der Kentauren, das
Schol. Ap. Rh. 1, 1212. Bergk, P. L. Gr. Archil. Pholos in Verwahrung hatte, diesem von Diö-
fr.&Ou. 146. Bio Chrys. Or. 60 T. 2,666. Schol. nysos gegeben worden sei, was Schol. Theoer.
IL $ 237. Vgl. Soph. Tr. 557 ff. 1241 f. etc.). 7, 149 mit dem Schiedsspruch, den jener Ken-
Für die Deutung des Kentaurenmythus ist die taur in betreff der Insel Naxos zu Gunsten des
Sage von Nessos insofern wichtig, als daraus Dionysos gegeben hatte, zu begründen sucht,
deutlich eine Beziehung zu einem Flusse, Die erste Andeutung des bakchischen Ken-
dem Euenos (dessen nog&nsvg Nessos war), 30 taurenthiasos giebt uns vielleicht Eurip. Iph.
und zu den übelriechenden Schwefelquellen Aul. 1058 ff. in der Beschreibung der Peleus-
des aitolischen Taphiassosberges (offenbar von hochzeit auf dem Kentaurengebirge Pelion
dem xdcpog des Nessos so genannt; vgl. den (1046) mit den Worten: dvd 6' ilaxutOL ote-
Flufs Ozon b. Schol. II. a. a. 0.), in der Nähe tpavmSsi xs %X6u Si'aaog s'fiolsv irnioßüxag Kiv-
des ozolischen Lokris, hervorgeht (vgl. Strab. xavQav itti Salxa xdv dsäv xgccxrjQä xs
9, 427. Plut. Q. Gr. 15. Paus. 10, 38, 1. Myr- Bäxxov. So wurden die Kentauren schliefs-
silos b. Antig. hüt. mir. 129 (117 Westerm.). lieh zu ständigen Begleitern des Dionysos, wie
Schol. II. 2, 527. Bursian, Giogr. 1, 134, 3. das namentlich Nonnos Dion. 14, 49 ff. 143 ff.
Forchhammer, Hellen. 17). Übrigens war Nessos 193 ff. ausgeführt hat. Doch scheint dieser
auch Name eines Flusses in Thrakien, den iO späte Epiker in diesem Falle weniger _ aus
Curtius, Grdz.b 243 f. von Wurzel vtS brüllen litterarischer als aus monumentaler Über-
ableitet, lieferung geschöpft zu haben ( Welcher, Gb'tterl.
[Herakles-Nessos. Neben dem Pholos- 3, 152). Zu den früheren bildlichen Darstel-
abenteuer fand sich am amykläischen Throne lungen dieser Art mag das bei Müller- Wieseler,
(Paus. 3, 18, 12) auch die Bestrafung des D. a. K. 2, 589 gegebene Vasenbild (4. Jahrb.)
Nessos, welche auch fernerhin zwar minder gehören, welches einen mit Schale und Fackel
häufig als jenes, aber doch nicht selten dar- ausgestatteten schreitenden Kentauren dar-
gestellt wird. Die Namen des Kentauren stellt, dem ein Satyr (oder Silen?) vorausgeht,
wechseln, doch scheint es nicht geraten, des- Ebendort ist unter nr. 588 ein schreitender
halb besondere Reihen zu unterscheiden. Die 50 Kentaur mit Fichtenzweig und Tiinkgefäfs ab-
ältesten Vasenbilder finden sich auf einer gebildet (vgl. ib. 596). Noch bedeutend älter
altattischen Amphora (Ant Denkmäler 1, 57; als diese beiden Darstellungen scheint das bei
mit der Beischriffc Nix[x]og) und einer aus Jahn, Vasensamml. in München, unter nr. 957
der Gegend von Tenea stammenden Schale beschriebene schwarzfigurige Vasenbild zu sein:
(Boß, Arch. Aufs. 2 S. 344, Tfl. 2); beide „Ein bärtiger ithyphallischer Satyr . . ver-
scheinen auf ein älteres Vorbild zurückzugehen, folgt . . zwei bärtige Kentauren mit vollstän-
in welchem Deianeira nicht wie auf der Am- digem Menschenleib, welche die Linke erheben
phora fehlte, und Herakles das Schwert, nicht und in der Rechten eine Tanne halten." Plin.
die Keule, führte. Auch auf Gerhard, A. V. n. h. 33, 154 f. führt von Akragas, einem der
117/18, 1. 2 und Eoulez, choix de vases 8, 2 «0 berühmtesten Toreuten, als zu Rhodos im
ist Deianeira mit dargestellt. Von den rf. Tempel des Dionysos befindlich, Becher mit
Vasen sind zu erwähnen der Pinax Brit. Mus. 932 der Darstellung von Kentauren und Bak-
(Inghirami , Vasi fitt. 2, 119), das Innenbild chantinnen an (vgl. Müller- Wiesel er 2, 596).
einer Vase des Aristophanes und Erginos „Auf dem Friese des Dionysosheiligtums zu
(Klein S. 186), besonders aber Petersburg 1787 Teos, der um 200 v. Chr. gearbeitet sein wird,
(Antiquitc's du Bosphore Cimmerien 53), Neapel prangt der ganze moderne bakchische Olymp.
3089 (Mus. Borb. 5, 6), wo der Kentaur Dexa- Neben dem gewöhnlichen Gefolge des Wein-
rnenos beifst, und Petersburg 2016 (C.R.p. 1SG5 gotts, dem Pan und Seilen, den Satyrn und
1051 Kentauren (mit Dionysos u. Eros)
Bakchanten , erscheint das Kentaurenvolk,
Männer und Weiber in friedlichen Gruppen,
mit Trinkgefäfsen und Fichtenzweigen aus-
gestattet. Ein Kentaur spielt die Leier (Arch.
Ztg. 33, 28 T. 5)." Sehr häufig werden in
der späteren Zeit Kentaurengespanne , welche
den Wagen des Dionysos oder der Ariadne*)
ziehen '(vgl. Müller- Mieseier 2 T. X 115 f. T.
XXXIII 377, T. XXXVI 422. 423. T. XXXVIII
437. Dütschke, Ant. Bildw. in Oberit. 1, 12. 23.
26. 114. Arch. Ztg. 3 Tat'. 30. 22, 162. 17,97. Meyer,
Gandharven 80 f. Müller, Hdb. 358, 6 u. 7).
Die hierher gehörigen Attribute der Kentauren
sind der Thyrsos, die Lyra, Flöte, das Tym-
panon und die Fackel (vgl. die Schilderung
der Kentauren als ■Äay.aazai bei Ael. V'. H.
13, 1). So kommt es wohl auch, dafs mehrere
der von Ovid in seinen Metamorphosen über-
lieferten Kentaurennamen sich auf Fackeln
oder Feuerbrände beziehen : rgvvi vg (von ygv-
vog 12, 260), Ilvgcufrog (ib. 449) und Ilvgctnfiog
(v. 460), vielleicht auch ^X^ygaCog (v. 378).
S. auch Diod. 4, 12. Von besonderer Anmut
und Schönheit der Komposition sind einige
schon von Winckehnann bewunderte Gruppie-
rungen von Kentauren und Mainaden oder
Bakchantinnen auf pompejanischen Gemälden
{Müller, Hdb. 389, 2. Müller- Wieseler 2 T. 47
nr. 594 f. Dütschke a. a, 0. 168). Die Köpfe
des Kentauren des Aristeas und Papias (Müller-
Wieseler 2 T. XL VII 598) gleichen ganz denen
von Satyrn (vgl. auch den wundervollen Kentau-
renkopf im röm. Konservatorenpalast: Abb. 15).
b) Ganz ähnlich wie die Beziehungen der
Kentauren zu Dionysos aus der Trink- und
Zechlust, erklärt sich ihre Verbindung mit
Eros aus ihrer ebenfalls in sehr alten Sagen
(s. ob.) hervortretenden Lüsternheit. Doch
scheint diese letztere Verbindung ausschliefs-
lich der späteren monumentalen Tradition an-
zugehören, welche für uns namentlich durch
Werke derKunstschule inAphrodisias repräsen-
tiert wird (Brunn, Künstlergesch. 1, 592 f.). Am
berühmtesten sind die beiden Kentauren des
Aristeas und Papias , wahrscheinlich Kopieen
eines älteren bedeutenden Werkes (Brunn
a. a. 0.). „Dem Älteren von beiden sind von
einem Eros . . . (welcher in dem Pariser Exem-
plar erhalten ist; siehe Frühner, Notice du
Louvre 1,293 f.) die Hände auf den Bücken
gebunden; er ist wehrlos gemacht, und seine
sonstige Wildheit erscheint zu schwermütiger
Trauer umgestimmt. Aber wie die Fessel
nicht hindert, in seinem Körper die volle
natürliche Kraft zu erkennen, so schimmert
auch durch die augenblickliche Melancholie
die angeborene Wildheit überall durch. Der
*) Ebenso ziehen Kentauren öfters auch den Wager.
ihres Überwinders Herakles; vgl. z. B. Daremherg-Saglio,
Dictionnaire des anliquitis 1 S. 1012 Anm. 38 und die Münze
der Aurelia bei Babelon, Mann, de la rep. 1 S. 240 f.; s.
Sp. 104-S u. 1054. Die interessante Münze von Kyzikos
bei Imltonf. Blumer, Gr. Münzen S. 614 Taf. VII, 3= Müller-
Wieseler, D. a. K. 2, 101 und 115 stellt wohl nicht Köre
oder Demeter, sondern Ariadne dar (vgl. den Dionysos
auf dem Pantherwagen b. Ini/toof a. a. O. S. 615 Taf. VII,
d, der offenbar das Gegenstück dazu bildet). Nur ist
hier die Hochzeitsfackel statt den Kentauren der Ariadne
in die Hände gegeben.
Kentauren (erot. u. bakchiscke Bildw.) 1052
Jüngere jubelt und höhnt das Schicksal seines
Genossen, ohne zu bedenken, dafs Gleiches
ihm selbst bevorsteht; und wir glauben schon
in seinem Jubel die Ungefügigkeit und Un-
bändigkeit zu erkennen, die sich seiner im
Gegensatz zu der schwermütigen Kesignation
des Älteren bemächtigen wird, sobald das
Geschick ihn ereilt" (vgl. Müller- W.ieseler, D.
a. K. 2, 597 und 598. Baumeister, Denkm. 1,
10 127). Weitere hierher gehörige Bildwerke, sogar
mit päderastischen Darstellungen (an Hesych.
KsvzctvQoi . . . Kdl ot nuiStQUGrai, cmb rov
oqqoi'*) [d. i. ravQov = Ttsgtvsov = rQcifiLäog:
also = *nivTO-Toivgoi. Tümpel.] und an den
knabenraubenden Kentauren des olympischen
Giebelfeldes erinnernd) s. b. Meyer, Gandharv.
81f. Müller -Wieseler 2, 596. 671. Arch. Ztg.
1848. N. F. 2, 353 ff. Taf. 23. Welcker, A. B.
1, 318ff.). Mats-Duhn, Bildw. in Born nr. 2296.
20
Kunstmythologischer Zusatz.
[Dafs ein erotisches Element wie in den
Silenen ursprünglich auch in den Kentauren
steckte, wird am deutlichstenbewiesen durch ar-
chaische makedonische Münzen, wo in ganz ähn-
lichen Typen nymphenraubende Kentauren
neben Silenen vorkommen;
s. D. a. K. 1, 17, 83 f. Head,
Catal. of Gr. coins in the Brit.
30 Mus. Maced. p. 147 — 149,
wonach nebenstehende Ab-
bild. (5). Auch später, als die
Kunst besonders die trunkene
Wut und die tierische Boheit
dieser Geschöpfe betont, bleibt
jener Zug ihnen eigen: ihre
Lüsternheit ist es, welche die HeTÖIachCatolö/
Bache sei es der Lapithen, greek coins in the
sei es des Herakles heraufbe- Brit. Mus. Maced.
40 schwört. Wichtig sind in s- 147)-
dieser Hinsicht der West-
giebel von Orympia mit den weiber- und
dem einen knabenraubenden Kentauren, sowie
die Parthenonmetopen und der Fries von
Phigaleia. Dagegen erklärt sich aus einer Ent-
lehnung vdn der ursprünglich verwandten,
aber harmloser entwickelten Silensnatur, viel-
leicht sogar direkt aus einer Anregung des
Satyrspiels, da3 schöne Florentiner Vasenbild,
50 wo lüsterne Kentauren sich an Iris (s. d.)
vergreifen wollen (I. H. S. 1, 3), ein würdiges
Seitenstück zu dem Satyrbild des Brygos (M.
d. I. 9, 46).
Dais auch die Freude am Wein ein alter
Charakterzug der Kentauren ist, beweist die
früh dargestellte Sage von Pholoc; die Kunst
hat sich auch diesen Zug für das Lapithen-
abenteuer zu nutze gemacht. Sonst bietet die
ältere Kunst wenig sichere Zeugnisse für Be-
60 Ziehungen zu Dionysos und keines von der
Beweiskraft des attischen Vasenbildes Benn-
dorf, Gr. u. sicil. Vasenb. 8, das einen Ken-
tauren mit einem mächtigen Trinkhorn zeigt;
München 957 ist ein so flüchtiges Machwerk,
dafs darauf kein Wert zu legen ist. Doch er-
klärt sich aus dem Gesagten zur Genüge, dafs
*) Vgl. auch Sclml. in Acscldn. Tim. § 52. Bekker,
Änecd. 389, 25.
5) Kentaur eine
Nymphe raubend,
Münze der Orres-
1053 Kentauren (erot. u. bakehiscke Bildw.)
bei weiterer Ausbildung des bakohischen Thia-
sos die Kentauren in diesen aufgenommen
wurden, danach ist auch das unteritalische
Vasenbild I). a. K. 2, 589 zu erklären.
Das erste wichtige Zeugnis für diese neue
Auffassung bietet der (oder die) Becher des
Caelators Akragas im Dionysostempel zu Rho-
dos, doch ist der Bericht des Plinius (N. H.
33, 155) so summarisch, dafs wir nicht einmal
wissen, ob die Kentauren und Bakchantinnen
in einer Darstellung vereinigt waren. Es
folgen, frühestens in der zweiten Hälfte des
3. Jahrh., die jetzt im Konak von Sinyrna be-
findlichen Friesreliefe des Dionysostempels
von Teos (A. Z. 33, Tfl. 5 t vgl. Hirschfeld
Kentauren (im Orcus)
1054
G) Satyrhaft gebildeter jugendlicher Kentaur des
Aristeas und Papiaa (Capitolin. Museum).
S. 29 f.), flüchtige Arbeiten einer schon sinken-
den Kunst, aber reich an hübschen Motiven
und voll kräftiger bakchischer Lust; sehwache
Spuren ähnlicher Auffassung verrät noch das
späte Relief M. P. Gl. 4, 21. In diese oder
nicht viel spätere Zeit wird man die Erfindung
der bekannten Kentauren und Kentaurinnen
von Pompeji (Heibig 499—502. Mus. Borl. 3,
20 f. D. a. K. 2, 47, 594 f.) setzen dürfen; ge-
wisse sentimentale Züge sind wohl der späteren
Zeit anzurechnen, in der diese Wiederholungen
entstanden (vgl. Helbig, Untersuchungen S. 23 f.).
Mit dem Eindringen nämlieh der in der
späteren hellenistischen Welt so beliebt ge-
wordenen Eroten verlieren die Kentauren viel
von jenem ausgesprochen bakchischen Cha-
rakter; die früher derbsinnlichen Gesellen
verzehren sich in verliebtem Schmachten und
müssen sich von den mutwilligen Eroten quälen
lassen, oder sie erscheinen in idyllischer Liebes-
tändelei oder gemütlichem Familienleben im
Sinne des Zeuxis und seiner Nachahmer (s.
unten Abschn. XII). Die erstere Auffassung ist
durch die Kentauren des Aristeas und Papias
und ihre Wiederholungen vertreten, deren
wichtigste die Pariser (Fröhner , Notice 299.
D. a. K. 2, 47, 697) ist; vgl. Brunn, K. G. 1,
10 573. Overbeck, Plastik3 2, 409; der jugendliche
Kentaur des capitolin. Museums ist hier ab-
gebildet. Für die idyllische Richtung bieten
schöne Beispiele die Silberbecher von Pompeji
(Mus. Borb. 13, 49. D. a. K. 2, 47, 596) und
Bernay (Babelon, Gabinet des medailles pl. 14)
und ein Marmorputeal der Sammlung Jakobsen.
Im übrigen sind wir fast ausschliefslich auf die
Sarkophage angewiesen, von denen man
feinere Individualisierung nicht erwarten kann;
20 genug, dafs die Kentauren hier bei allen wich-
tigen Ereignissen im Leben des Dionysos sich
unter seinen Thiasos mischen. Besonders beliebt
sind sie als Gespann des Dionysos und der.
Ariadue (ZoM/a, Bassiril.2,11 ; Neapel: Gerhard,
Ant.Bw.m,l; MünchenlOO: D.a.K. 2, 36, 422;
Lateran Benndorf- Schöne 373 : M. d. I. 7, 80, 2 ;
Pisa Dütschke 1, 114: Lasinio 124; Verona
Dütschke 4, 435: Maffei 73, 1; M. P. Ol. 4,
22; vgl. auch die Gemmen D. a. K. 2, 36, 423.
30 10,116; C. B. p.1881, 5, 17 und die Münzen
ebd. 2, 10, 115. 33, 377); auch ziehen sie
den Wagen des in den Thiasos aufgenom-
menen Herakles (M. P. Ol. 4, 26. M. d. I.
1856 Tfl. 6), was an das schon erwähnte
Vasenbild Mon. grecs 1876 Tfl. 3 erinnert.
Sie beteiligen sich, was gut zu ihrer ursprüng-
lichen Wildheit pafst, am Kampfe (Corlona,
A. Z. 1845 Tfl. 40 = D. a. K. 2, 38, 443) und
teilen den Triumph (Lateran Benndorf- Schöne
40 408: M. d. I. 7, 80, 1). Sogar bei der Bestrafung
des Pentheus erscheinen sie, auch hier gewifs
als Gespann des Gottes: D. a. K. 2, 37, 437.
Bei der Beliebtheit bakchischer Darstel-
lungen für heitere Ausschmückung von Ge-
räten und Gefäfsen konnte es nicht fehlen,
dafs auch die Kentauren zuletzt ohne tieferen
Sinn rein dekorativ verwandt wurden. Bei-
spiele sind ein Altarrelief M. P. Cl. 4, 25, das
Bronzekästchen Lasinio, Scult. del Campo Santo
50 24 (Dütschke 1, 168). Hierher gehören auch
die als Zierat von Gefäfsen verwendeten Ken-
taurenprotomen Michaelis, Anc. Marbles Liver-
pool 24. Benndorf, Antiken von Zürich 458
Tfl. 8, 94; ein Prachtstück dieser Art ist
das Kentaurenrbyton auf dem berühmten Sar-
donyxkantharos I). a. K. 2, 626a, ähnlich der
silberne Kentaur in Wien: Arneth, Die ant.
Gold- «. Silbermonumente S. 6. Sauer.]
"VII) Die Kentauren im Orcus (italiseh-
60 etruskische Sage?). Vergil (Aen. 6, 286ff.)
und dessen Nachahmer Statius (Sdv. 5, 3,
277 ff. ; s. auch Sen. Herc. für. 782 ff.) ver-
setzen die Kentauren zusammen mit anderen
Ungeheuern*), der Skylla, dem Briareus, der
*) Aus der allgemeinen Auffassung der Kentaureu
als Ungeheuer erklärt sich wohl auch ihre Verwendung
als unorüijnaia, z. B. auf Schilden. Vgl. Meyer, Gan-
dharveii 74 Anrn, 1. S. auch Iloin. ICüfilvo* 1) xenafilEig 17,
1055
Kentauren (im Oreus^)
Kentanren 'im Orcus)
1056
Lernäischen Schlange, der Chimaira, den Gor-
gonen, Harpyien und dem Geryoneus an den
Eingang der Unterwelt. Einen Anklang an
diese Vorstellung könnte man einerseits in der
Sage von der Gorgo, die nach Odyss. I 634
(vgl. auch Ar. Man. 475) ebenfalls in der
Unterwelt weilt, andrerseits in dem Mythus
von den Erinyen und von Cheiron, welcher
seine Unsterblichkeit aufgab und an Stelle
neolscarabäus bei 3Iüller- Wieseler 1 nr. 324, auf
dem sogar ein Kentaur mit Gorgonenantlitz, Fit-
tichen und Vogelbeinen, einen Löwen an
den Vordertatzen aufrecht haltend, erscheint.
Dieser, ebenso wie der geflügelte Kentaur der
rhodischen Scherbe bei Sahmann, Necrop. de
Camiros pl. 38, und der Löwenkentaur mit
menschlichen Vorderbeinen auf dem Scara-
bäns des Brit. Mus. bei Keller, Tiere d. Irfass.
des Prometheus in den Hades hinabstieg 10 Altert. S. 338 erinnern an ähnliche altorien-
(Apollod. 2, 5, 4), erblicken; doch findet sich,
soviel ich weifs, bei keinem griechischen
Schriftsteller irgend eine bestimmte Nach-
richt über den Aufenthalt der sämtlichen
Kentauren im Hades. Dagegen scheinen
mehrere, zum Teil alte, etruskische Bildwerke,
welche Kentauren entweder mit Skylla allein
oder mit der Chimaira und einer geflügelten
talische Vorbilder; vgl. Perrot (t Chipies, Hist.
de Vart 2 p. 580 ff. 3, 600. 604; Lajard, Culte
de Mithra Taf. LXVII, 19 u. 20 = Cades 212
u. 213. Vgl. auch die für die Anfänge der grie-
chischen Kunst überaus wichtige Stelle des
Berosos, frgm. 1, 4 Müller: rivio&at q>rjd
XQOVOV, SV Ip ZO 7TCIV GKOTOS V.CU vSlOg £ivCtl
«at iv zovzoig £ä>a tsgaräSr] y.ai iSiotpviig
[Supvsig Scalig.] zag [Sias f'xov'
za 'Qiooyoviio&ui. 'Av&gcönovg
yag Si7Zzigovg yivvrj&rivai,
ivfovg Ss Kai zszganzigovg v.al
Singooiönovg [vgl. ob. Bd. 2
Sp. 777J' Kai owua fisv t'xovzag
'iv, y.£tpaXäg Ss Svo, ävSgsiav
zs v.al yvvaiv.siav, v.al aiSoiä zs
Sicca, aggsv v.al &rtXv, Hai szs-
govg dvftgioTZOvg zovg piv aiymv
gv.sXj] v.al y.sgara s%ovzag [vgl.
ob. Bd. 2 Sp. 791], zovg Sa irniö-
noSag, zovg Ss ib 6 tzi Bio
a s v (i s O 1] 17! 71 Ol v , ib Ss
sungoGirsv a v & giöncov , ovg
imtov.svzavgovg xr\v iSsav
sivai v.xX. ä>v v.al zag siKÖvag
sv zip zov EijXov v aä av a-
nsio&ai. Dafs diese Worte
des Berosos auf Wahrheit be-
ruhen , lehren die erhaltenen
Bildwerke , namentlich auch
der (Figur 7) nebenstehend
abgebildete assyrische Ken-
taur. Übrigens lassen sich
kentanrenartige Dämonen auch
bei den semitischen Verwand-
ten der alten Chaldäer* den
Frau (Gorgo oder Artemis?) zusammen dar- Hebräern nachweisen. Vgl. Hesycli. s. v.
stellen, auf italischen oder etruskischen (orieu- övovsvzavgof nagä 'Av.vXa zgi%iävzsg, Sai-
talischen?) Ursprung dieser Vorstellung hin- fiovcov zi ysvog, y.a&vXov y.al ayozsivov zf]
zudeuten (vgl. Müller-Wieseler, D. a. K. 1, 283. 50 smipavsia, onsg Esisiv [= Siim; Basilius ad
2, 593). Vgl. darüber Rosther, Gorgonen 28 ff.
Anm.53. Mei/cr&.&.O. S. 82f. Noch rätselhafter
■■:,"
7) Geflügelter, bogenschiefsender Kentaur = Schütze des Tierkreises
(nach Perrot-Oripiez, Bist, de Vart. HI S. (504, Fig. 112).
ist eine etruskische Buccherovase, abgebildet
(Fig. 8) bei Milcliluifer, Anf. d. Kunst in Gr.
76, welche einen menschenbeinigen, mit Lanze
und Fichtenstamm ausgerüsteten Kentauren
zeigt, der, hinter zwei ebenfalls speerbewaff-
neten, nackten Männern hergehend, sich einem
bekleideten, auf einem Thron sitzenden Herrscher
(der Unterwelt? s. Milchhöfer a. a. O. 229 u. go Bildwerke auf die Kentauren im Orcus bezogen
Esai. XIII, 22 p. 253 D. Procop. in Esai. p. 215]
lovo^iaoav oi zrjv 'EßQa'Ctirjv cpiovrjv fisxa^svzsg
oi loiizoi. Vgl auch Sp. 1068 und Nestle bei O.
Crusius im Philolog. N. F. 4 S. 97 Anm. 6 und
was Aclian de not. an. 17, 9 aus Pythagoras und
Krates von der bvoxsvzavga (s. d.) berichtet.
Kentauren im Orcus.
[Vermutungsw-eise sind einige etruskische
Meyer a. a. O. 60) naht. Vgl. auch die oben
erwähnten italischen und etruskischen Ken-
tanrendarstellungen, die viel Eigentümliches,
auf verlorenen (oriental.?) Mythen Beruhendes,
z. B. auch Beflügelung und Gruppierung mit
Pegasos zeigen, ferner den archaischen Car-
wo die Kentauren (auch Cheiron!) in einem Fluche
als verderbliche l'ngcheuer erscheinen.
worden: Berliner Vasen 1545 (Micali, Storia
19, 1); 1550 (Micali 20, 1); 1563 (vgl. Micali
20, 13>; Grifi, Mus. Chiusino 1, 52. S4; D. a.
K. 1, 57, 283. 47, 593; s. d. Abb. nach Milch-
höfer, Anf. Fig. 49. Mythologische Deutungen
sind hier nicht am Platze; es handelt sich wohl
um willkürlich und beziehungslos zusammen-
gestellte, konventionelle Bildertypen. Sauer.]
1057 Kentauren (als Sternbilder)
VIII) Kentauren als Sternbilder (spätere,
wohl ans Chaldaea [s. u.] stammende astro-
nomische Sage der Alexandriner?).
Die erste Erwähnung eines Sternbildes
Namens Ksvtavgog findet sich bei Aratos
Phaen. 431 ff. — Hermippos in den Schotten z.
v. 436 identiflciert ihn mit Cheiron (vgl.
auch Hyg. P. Astr. 2, 18 und Seneca Thyest.
863 ff.), auf dessen Jägerei er auch ein in
der Nähe befindliches Sternbild Qrjoiov be-
zieht. Nach Schol. Amt. 436 u. Hyg. P- Ast?:
2, 38 wurde Cheiron wegen seiner Tugend
und Gerechtigkeit von Iuppiter unter die
Sterne versetzt. Derselbe soll nämlich an
einem Pfeile des Herakles gestorben sein, der
ihm, als dieser ihn besuchte, in den Fufs fiel.
Dieselbe Erzählung s. bei Ov. Fast. 5, 379 ff.
Erat. Kat. 40, mit einzelnen Zusätzen b. Schol.
Germ. p. 419 Eyss. (v. 417); vgl. p. 410 Eyss.
(v. 291). Das Tier, welches das Sternbild des
Kentauren zu halten scheint, wird von Hygin
nicht als Jagdbeute, sondern als Opfertier
(hostia) gedeutet, welches Cheiron über einen
Altar zu halten scheint. Nach andern ist,
8) „Kentauren im Orcus". Ton einer etrusk. Bucchero-
vase 'ililchhöfer, An/, d. Kunst S. 76 Fig. 49).
wie Hygin hinzufügt, unter dem Sternbild
nicht Cheiron, sondern Pholos zu verstehen.
Dies erklärt sich einfach aus dem oben an-
geführten Mythus, wonach der Pfeil des Hera-
kles nicht dem Cheiron, sondern dem Pholos
in den Fufs fiel (vgl. auch Serv. z. V. A. 8, 294).
Ein Sternbild in Gestalt eines Kentauren er-
scheint auch (als „Sagittarius") auf ägyptischen
Zodiakalbildern aus der Zeit der Ptolemäer (so-
wie auf dem att. Festkalender, den Bötticlier im
Philolog. v. J. 1865 besprochen hat). „Der jugend-
liche , unbärtige Kentaur mit vollem Haupt-
haar und Haar an Bug und Beinen trägt einen
Hasen als Jagdbeute in der Rechten, einen
Bogen, von dem nur ein Stück erhalten ist, in
der Linken" (J. Overbeck, Gr. Eunstm. 1, 252 ff.).
Vgl. auch Meyer a. a. 0. 82. Müller, Hdb.
400, 5. Müller-Wieseler, D. a. K. 1, 407.
2, 554. 785. Fröhner, Notice de la sculpt. ant.
du mus. not. da Louvre Paris 1878 p. 17. 25
(vielleicht dient letzteres Bildwerk, das nach
Fröhner ein Wesen halb Löwe [?J, halb Ken-
taur darstellt, zum Verständnis von Müller-
Wieseler 2, 599; s. auch Mats-Duhn, Ant. Bildw.
in Rom nr. 3704'). Wenn in diesen Bildwerken
Koscher , Lexikon der gr. u. röm. Mythol. U.
Kentauren (Wesen und Charakter) 1058
der Kentaur mit einem Bogen erscheint (den
nach Hyg. P. Astr. 2, 27 und Erat. Kat. 28
keiner der Kentauren führt, und der auch
auf sonstigen echtgriechischen Darstellungen
nur äufserst selten vorkommt, vgl. die von
Meyer a. a. 0. 81 angeführten Monumente),
so wird das, wie überhaupt die Versetzung
des Kentauren (als des Schützen) in den
Tierkreis, wohl auf altchaldäischen An-
10 schauungen beruhen (s. den oben Sp. 1056 ab-
gebildeten altassyrischen Kentauren, der ent-
schieden den Schützen des Tierkreises dar-
stellt und unten Sp. 1075).
Kentauren als Sternbilder.
[Darstellungen bieten die nicht seltenen
Tierkreisbilder, deren ältestes wohl die aus
dem 11. vorchristl. Jahrhundert stammende
babylonische Säule mit dem als Schützen
20 zwischen Skorpion und Steinbock dargestellten
Kentauren ist; Perrot 3, 604. E. H. Meyer,
Gott. Gel. Anz. 1888 S. 146. Die sonst er-
haltenen Darstellungen sind sämtlich spät z. B.
die in dem athenischen Festkalender Lebas 21
(Friederichs-Wolters 1909 f.); andere D. a. K.
2, 44, 554. 61, 785. A. Z. 35 Tfl. 3; spezifisch
astrologisch ist D. a. K. 1, 172, 407. Die in-
teressanteste Darstellung zeigt ein Altar, Bouil-
lon, Mus. d. ant. 3, autels 2. Overbeck, K. M.
30 Tfl. 3, 22. Bemerkenswert ist auch ein Basis-
relief der V. Casali, Mats-Duhn 3704, abgeb.
Montfaucon, Suppl. 4, 32, 2 , wo der Kentaur
die Jahreszeit des dargestellten Kampfes sym-
bolisiert. Sauer.]
IX) Wesen und Charakter der Ken-
tauren. Ihre ursprüngliche Bedeutung.
a) Die ursprüngliche Bedeutung der Ken-
taurenkämpfe. Zu den charakteristischsten
Merkmalen des griechischen Bodens gehört es,
40 dafs „die grofse Mehrzahl der griechischen Flüsse
Cliefs- oder Wildbäche sind ([jrorafiol] %£i-
(lueQOi, %aguSQai*), EvctvXot, torrentes), die sich im
Winter mit reifsendem Ungestüm von den
Bergen herabstürzen und alles, was ihnen in den
Weg kommt, mit fortreifsen, wogegen man in
den heifsen Sommermonaten, während welcher
es in Griechenland mit wenigen Ausnahmen
nie regnet, nichts von ihnen erblickt als aus-
getrocknete und zerklüfteteSchluchten;
50 oder wenn sie wirkliche Quellen haben, ist der
Wasserschatz derselben so ärmlich, dafs kaum
wenige Tropfen davon im Sommer das Meer
erreichen" (Bursian, Geogr. v. Griechen!. 1, 7 **).
*) Oder yctQaÜQOi ; vgl. ^Cdoaönog als Namen mehrerer
griechischen Flüsse.
**) Vgl. auch Neumann-Partsch, Phys. Geogr. v. Gr. 29.
86 f. 89. E. Curtius, Ber. d. Berl. Ak. 1888 S. 1215 ff. Paus.
2, 15, 5: ovte "Xvayog vdojo out* ül?.og TtaqiyElui tum . . .
jtotaitöiv u'tL /.iij voavtog tov &eov' &£QOVg 6's aüa oipiatv
60 io-rl >tu QEv/aa-ta. Varro r. r. 1, 12: torrentes flitmi pericu-
losi Ulis, qui in humilibus ac cavis locis aedificia habent.
Philo n. ay&arjoUtg y.öofiov 1 (ed. Bernays, Berl. Ak. 1876
S. 274f.): otav de ya-tay.7-uaf.iog [xataZa/ußavfl] drtaaav
t};v vöatog y.atofifiqlav yatauüou (püotv aufrtyEvoJv y.al
XEt/idonaiv rtotauwv oü 7tÄi]up.tvqovvTU}v ftorov aV.a y.al
tb y.a&Eatbg 7tqoau7tafjßaX?.övtu)v iTjg Znifiüotüig y.al 'tag
by&äg ijtfj ßlcc 7t a qa qqtjyvuvtwv ?} v7tEQ7tijd'vjV-
Twv avapäüEL trj Ttqbg [tf)y.L0,eov vipog' ä&tv vnEoßl.v-
oavtag eig ti]v napayti/.itv^v uvaytio&ut ntdiuaa tijv 6e
34
1059 Kentauren (Wesen und Charakter) Kentanren (Wesen und Charakter) 1060
Fast dieselbe Erscheinung gewahren wir in Kanalisierung Thessaliens durch die Herstellung
Sioilien und Italien, dessen meiste Wasser- der äiüiQvii, von Ternpe (Diod. 4, 18. Lucan. 6,
ädern ebenfalls nur Giefsbäche (fiumare) sind. 347), an die Sage von Pisa in Etrurien (Strab.
Im Sommer sind dieselben völlig trocken und 222), an den Kampf mit der Hydra u. s. w. (vgl.
bilden in ihrem untern Teile treffliche Fahr- K. F. Hermann, Privatalt. 2, 23).
wege, die sich allmählich, je höher man hinauf- Zu denjenigen Landschaften Griechen-
steigt, immer mehr zu Sautnwegen verengen lands, welche am meisten durch solche im
und tief ins Innere des Gebirges hineinragen. Winter und Frühjahr von den Gebirgen herab-
in tiefen Spalten, den gewaltigen Krallen kommende Wildbäche zu leiden haben, ge-
eines Ungeheuers gleich, reifsen in der Regen- 10 hört der weite, rings von Gebirgen um-
zeit die Regengüsse das lose Gestein von den schlossene Thalkessel Thessaliens, der
steilen Hängen. Ganze Berglehnen setzen sich Wohnsitz der sagenberühmten Lapithen (s. d.).
dann in Bewegung irnd strömen, flüssig ge- Von den zeitweilig daselbst vorkommenden
worden, mit furchtbar verwüstender Kraft dem Überschwemmungen, die ebenso plötzlich ein-
Meere zu, die Dämme und Mauern zerbrechend treten wie aufhören (Vischer, Erinnerungen
und die Felder und Gärten mit Schutt und etc. 478), sagt Strabon 430: zavza ä' iezl
Geröll füllend (Nissen, Ital. Landeshunde 1, t« [itoa zr)g OizzaXlag, tvdaiuoviozcizri jjcopa,
295. Neumann - Partsch , Phys. Geogr. v. Gr. tiXtjv bar] noTctfioxXvazog iaziv. b yctQ il?j-
S. 348f. Fischer, Beitr. S. 8). Zu allen Zeiten vnbg Siu (iiagg qia>v v.al itolUts 8t%b-
haben daher die Bewohner solcher von wilden 20 g-s vog Tzozagovg viteQjreirai jroHäms.
Bergwassern heimgesuchten Gegenden ihre zb de naXaibv Kai tXigvci&zo, äg Xbyog, zb
Fluren durch Erbauung von Schutzdämmen nsSiov s« zs zäv aXXav ßsgäv oqici TtSQisigyb-
und Mauern oder durch Anlegung von Ab- usvov k.t.X. (vgl. D iod. 4, 18. Lucan. 6, 343ff.).
zugskanälen zu bekämpfen und zu bändigen Im folgenden schildert Strabon die Verhee-
gesucht, so die alten Römer im nördlichen rungen des Peneios, welcher den Bewohnern
Sicilien und die Lombarden in der Poebene von Larissa, einer von Ision und Peiri-
(Nissen a. a. 0. 300; vgl. Hör. ep. 1, 14, 29. thoos bewohnten Lapithenstadt (Apostol. 9,
2, 3, 67. Tac. a. 1, 76. 79. Suet. Oct. 30. Mehr 73), regelmäfsig gutes Ackerland weg-
bei E. Oartias, Her. d. Berl. Ak. 1888 S. 1223). rifs, wogegen sie sich durch Dammbauten
Auch in Hellas läfst sich die Bekämpfung 30 (nctgaxoigaza) zu schützen suchten (440). Von
der Wildbäche und ihrer Überschwemmungen der Pelasgiotis am Fufse des Pelion heifst es
seitens der Menschen schon in den ältesten 441: äv b noit]z>ig bXiytav g.igvrizui Sta zb
Zeiten nachweisen. So kennt schon Homer fii) oi*ig&)]vki nm xäXXa r) cpavXmg ohioargvca
Flufsdämme und Schutzmauern, welche die diu zovg kcctcckXvb ixovg &XXoz' aXXovg yzvo-
Verheerungen der xfigciggoi abwehren sollten; g.ivovg .... IJinov&e Se ti xolovzo xat ?;
vgl. II. E 88 jjfifiäppi», os t' cohot giav ine- Muyvt[zig «. z. X. (in betreff der zahlreichen
Saoos ystpvgag [= Dämme; vgl. ngoaxoiotig 1] ys- Giefsbäche des Pelion vgl. Bursian, Geogr. v.
q>vQco6st.g b. Strab. 1, 59; vgl. ib. 458], zbv 8' Gr. 1, 97*). Dasselbe ist nach Forchhammers
ovz' äg zs yicpvgca isgyfiivaL io%c(vöcootv, ovz' Hellenila 9 f. auch in dem die südliche Grenze
aga SQ-xict i'oxti aXmämv sgi&nXhcov. Herod. 40 Thessaliens bildenden Thale des Spercheios
1, 189 u. s. w. Man denke ferner an die der Fall, wo nach Steph. Bi/s. (s.v. (DgUiov) der
Thatsache, dafs bereits in der Blütezeit des Kentaur (X>gixiog hauste: „Im Winter ergiefsen
Reiches von Orchomenos die Minyer die furcht- sich nicht nur die unzähligen Quellen, welche
baren, ganze Städte zerstörenden Überschwem- in den Spercheios ihren Abflufs haben, reich-
mungen des Kopaissees, welche durch die in lieber, sondern es häuft sich auch durch den
diesen einmündenden Wildwasser herbeigeführt mehrere Wochen, ja Monate hindurch herab-
wurden (vgl. II. M 18 ff.), durch sorgfältige stürzenden Regen und durch den Schnee der
Reinigung der Abzugskanäle und Deichbauten das Thal umgebenden hohen Gebirge die
bedeutend einzuschränken gewufst haben, und Wassermasse des Flusses in dem Grade, dafs
dafs noch Alexander d. Gr. durch Bohrung 50 er nicht nur die Sümpfe an seiner Mündung
grofsartiger Stollen die gefährlichen Über- überfüllt, sondern auch einen grofsen Teil des
schwemmungen jenes Sees zu beseitigen ver- im Sommer festen Erdbodens überschwemmt,
sucht hat (Bursian a. a. 0. 1, 198 ff. Forch- so dafs sich der untere Teil des Thaies in
Kammer, Hellenika 160. E. Curtius , Bcr. d. Meer verwandelt" (vgl. Newmann-I'artsch, Phys.
Berl AI: 1888 S. 1223 f.). Ferner erinnere ich Geogr. v. Gr. 191 f.). Bei dieser aufserordent-
an den Kampf des Herakles mit Acheloos, in liehen Bedeutung, welche die ^Ei^appoi. für
welchem man schon längst eine mythische Sym- viele griechischen Landschaften, namentlich
bolisierung des uralten Kampfes der Kultur- aber für Thessalien haben, dürfen wir wohl
arbeit gegen die verheerende Macht der Strom- auch iu der griechischen Mythologie, besonders
natur erkannt hat (Nissen a. a. 0. S. 300. 00 aber in den Lokalsagen der von Gebirgen um-
Prcller, Gr. M." 2, 245. 0. Midier, Orchom.1 66 f.; schlossenen und durch die Überschwemmungen
vgl. Strab. 458. Diod. 4, 35), an die Damm- der Wildbäche heimgesuchten Thalebenen, vor
arbeiten des Herakles zu Pheneos ( Visclier, Er- allem in den Mythen Thessaliens, deutliche
inncrungen. aus Griechenland 494 f.), an dessen
*) Vgl. auch die Sage von dem am Otbrys gelandeten
to /.chv rtgürtov eis /usyaXas Xijurag viaviptndai . . . auß-ig Deukalion (s. d.) und vom yatay.Xva/^bs Iv &sooa?.ia bei
0 IrtLQQiovto; [toü vdatos] . . . eis (.ttyE&os a^avovs ItE- C-'dren . 1, 1-16, 17 Bonn. , sowie Uerod. S, 12 vdtog un?.E-
Zayovs y.az.u ttyv rtoZXüiv hvoioir anoy.givaoDai. Isid. de tuv... fato toü HyZlou .... tjfißgog'ge Zctfioos y-al
nat. rer. p. 74 (Becker). $Ei<fiata iayVQU £s &C(Xao<jav WQfiiJfiiva.
1061 Kentauren (Wesen und Charakter) Kentauren 'Wesen und Charakter) 1062
BeEexe der soeben im allgemeinen geschilder- vergehender Naturphänomene, wie z. B. den
ten wichtigen und augenfälligen Naturerschei- Giganten, Kyklopen, der Gorgo, der Lernäi-
nungen suchen. Wäre es doch geradezu wunder- sehen Hydra und der Chimaira (vgl. Lukian,
bar, wenn eine so häufige, wenn auch bisher Contempl. 23 äizo & vy gv. ovgi y.al noxaiioi
von mythologischer Seite noch nicht gebührend öloi. E. Curtius a. a. 0. 1215). Versuchen
gewürdigte Erscheinung in den griechischen wir es nun im folgenden kurz alle wesent-
Mythen keine Spur zurückgelassen hätte, zu- liehen Züge des Kentaurenmythus auf die
mal da die Schilderungen der Wildbäche in der schon von den Alten an die %£iiiuggoi oder
Litteratur eine so hervorragende Rolle gespielt xagadgai (torrentes) gemachten Beobachtungen
haben. (Vgl. z. B. Theoer. 22, 49: t)vx£ tcsxqol io zurückzuführen.
bloLiQO%oi ovats v.'oXtvSmv %tiu,ciggovg 7ioxayi.bg b) Dafs die xiifiäggoi TOn den Bergen
fisydiag -ns gii& ce SCvaig u. s.w.). Wir finden sie plötzlich niederströmen, wenn starke Regen-
unverkennbar wieder in der Sage von den Kentau- güsse aus den Wolken niederfallen, erhellt
ren, die entschieden am reichsten in Thessalien namentlich aus mehreren herrlichen Gleich-
(vgl. Ew. E. für. 373) ausgebildet worden ist und nissen Homers :
an sämtliche dieses Land einschliefsenden Ge- /,„„ * «> . » _-,'&
, . , „ ,. „ -n- i tt i i A. 492: wc o ottote n/.riitaiv noxaixog «i-
birge, den Pehon, Ossa, Pindos, Homole und » ,' „ ■ '
r^.-P ' l •• cj. 1 • i. 1 1, 1 • OlOVOt y.UXILGLV
Othrys geknüpft erscheint, dann aber auch m , > „ , ,,
... ,J. a /T-, r ., i m 1 • t." \ t?i- ytuiaggovg y.ax ogiGqjiv OTzee^o-
Aitolien Euenosthal, Taphiassosgebirge), Ehs * r vv v . 7 „ „ *
j « 1 v »TM 1 - 1 1- T)l 1 1 UEVOC dlUQ ÜUÖOCO.
und Arkadien (Pholoe, vgl. die Pholos- und 20 . ... t ,. » r ' ' rv ' ,
.,, , v -, ! ?„ . », j J 452: coc o oxs ysiuaggoi nozctuoi y.az
Atalantesage),__ also ebenfalls in (regenden, * v ^ P, '
welche durch Überschwemmungen heimgesucht , . " „»,., »5
, , i . t, £■ -i -n j.i i £ff uLGya.yy.tiav gvilIjccIIszov onoiuov
wurden (vgl. m Bezug auf das Euenosthal ' ' «„ • r r* •
V Ö CO o
Isambert, Itineraire de V Orient 202 f., in Bezug . , . S ,, ,, „
airt Pnoloe Tischer, Erinucrunqen etc. 471 — 473 - r ' .» '
u. Aeumann-Eartsch, Flnis. (xeoqr. v. Gr. 2d4. ., __ „~ . -. * \. , ' - , »
„._ , ,j, „,r ' „ ^ ■ -r, J c \ ^ Ü 87: ärws yap eft ztioiov Ttoxaum n/.ri
2o9, s. auch ist. ilf. 426, 9, in Bezug auf Arka- ' "■ r „ . . ' ■ '
dien Vischer 478. 49o. 497. Bursian, Geoqr. 2, , , -> r, > .^
1B5. 19off.) und von aiohschen Stammen be- A r yy'' . y
wohnt waren (Kiepert, Lehrb. d. alt. Geoqr. 30 . ,,> >- > » ' ™ ? ' ,
S 218; s. unten ftp. 1084), heimisch ist. Es ", ' " ' y'r
liegt durchaus in der JNatur der ysiuagooi, M i,., > ,f ,* -» > i , „ ,
, , ,. ,,• , r u ' ', V 91: tlirovz itanivrig, ox ■cTtiboiGi]
gegen welche die menschliche Kulturarbeit zu = ,' ',, , r- ./
allen Zeiten angekämpft hat, dafs sie, einmal '°s °tlPQ0S.
personificiert, ähnlich den Dämonen der Wetter- Vgl. auch LT 390 ff. %uou6qui . . . gsovaca J|
wölken (Giganten*), Kyklopen, Gorgonen, Chi- ogicov. Lucr. 1, 281: quam laquam) largis
maira; vgl. Bd. 1 Sp. 76öfi. unter Bellerophon), imbribus äuget montibus ex altis magnus
des Wirbelsturmes (Typhon) u. s. w. zu ge- decursus aquai. Verg. Aen. 2, 305: rapidus
waltigen Ungeheuern werden mufsten, über montano flumine torrens. Ov. fast. 2, 219 f.
welche jedoch nach heftigem Ringen die per- 40 Von den Wildbächen des Pelion, an welche
sonificierten Mächte der Kultur, Heroen (He- sich der uralte Iasonmythus knüpft, handelt
rakles, Atalante) und Menschen (Lapithen; s. d.) Apoll. Eh. 3, 69:
triumphierten**). Inder kurzen Dauer ihrer ver- -..>,,,
derblichen lhatigkeit, welche nur auf die T / , - <■ ■- i
vrr- i j tj -it. , . u ■ i , , onpfa v.tti Gy.GTZiu.i TTf p( uriv. e f s , ot dt y.az
Wmter- oder Regenzeit beschrankt ist (vgl. * *• ' ' ' . -
Ci V T CO 1'
Sen. Nat. Q. 6, 7, 2: ad tempus collectos tor- , „ . , . ,
.. • c , • x .■ % f iiiagoOL v.uvü:yr,oa y.vlivooii'cvoi wooiovzo.
rentium impetus, guorum vires quam repentmae ' r " *' r r v
tarn breves. ib. T)icd. 10, 9, 2. de Benef. 6, 31, 7. Der berühmteste unter diesen Bächen war der
Ov. Am. 3, 6, 105 f.), liegt natürlich auch ihre "Avuvgog {Ap. Eh. 3, 67 u. 1, 9), welcher Name
Kurzlebigkeit begründet: alle Kentauren, 50 öfters auch geradezu appellativ im Sinne von
selbst Cheiron nicht ausgenommen, sind sterb- ^Eifißppoug gebraucht wird (vgl. Hesiod. scut.
lieh, ähneln also auch in dieser Beziehung Herc. 477f. u. Schdl. z. Ap. Eh. 1, 9).
entschieden den Repräsentanten anderer rasch Schon jetzt mache ich auf die Parallelen
Ksvx-avgog, av-avgog, i'71-avgog (Hesyeh.), iv-
*) Auch bei den Giganten acheint man, wie der avXog (Hovi.), ETt-CCvXog (Hesgcli.) — %£iu,äg-
Name [XaoJaAQtii; auf dem pergamen. Gigantenfriese govg, %agdÖOU aufmerksam. Von den Wild-
lehrt (Bert. Sitzungsber. 1889 S. 342), an die Terheerende wassern des^PiudoS handelt SU. It. 4, 522.
Wirkung der Xaq&äjm gedacht zu hahen; vgl auch den Eines der sichersten Vorzeichen der Regen-
ebenda vorkommenden YcpaplccyyEug von eperpaye (acnlucntj .. -, ,. > , , , ■ ,
, ,. . . . v 1. 7." . i i ttv. • gusse, aus denen die yeiuaggoi entstehen, ist
und die auch sonst mehrfach hervortretende TJberem- &.%*,, , . , . A ' ">. . . , }
Stimmung von Giganten- und Kentaurennamen (Mimas 60 die Wolken blldung an Berggipfeln (vgl.
Agrios, Eurytos). Cornelius, Meteor. 545). Das gilt besonders
**) Vgl. Eur. Htrakl. 365ffi, wo die durch das Nieder- vom Pelion nach Theopihr. 71. Grpi. 22: iäv B7ZI
Stampfen der thessal. Fluren seitens der Kentauren he- T0 TJt'jlLOV rBtpiXr] TZOOGl'Qv . . . vdcoo GnfiaiVSl.
wirkte Unfruchtbarkeit deutlich hervorgehoben wird. (Jeriau dasselbe gilt^auch von den Berggipfeln
Wenn WUamowilz, Herakles 2, 121 hierin keinen alten A; ■ yom Hymetto8 u, s w_ (vgl. Theophr.
%e7 IX *U!TT erkenneniqwl "v3 „J*::: ■ y- a. a. O. 20. 24. ArehU. fr. 56 B. Kommen,
in Merc. 224f. und Kuuivoz t. 19 anfser acht gelassen. ' . '
Über das Niederstampfen blühender Fluren durch Pferde DelphÜM %% , 1). Man kann Sich daher wohl
vgl. Long. p. ed. Hercher p. 310, 5. denken, wie ängstlich die Bewohner Thessa-
34*
1063 Kentauren (Wolkensöline;i. Geb. haus.) Kentauren (sohlend. Fels. u. Bäume etc.) 1064
Kens beim Beginn der Regenzeit nach der N 137 ff. 'Exzag] ävziy.gv [isauoig, öXooizgo-
Spitze des Pelion auszuschauen pflegten, um ^os o>s änb nszgng,
zu wissen, wann die verderblichen Wildbäche Zv zs v.azct ßtiipävqg nozuu.bg %si-
(vgl. neugr. Y.av.ÖQgsvfia) auf ihre Fluren herab- fiaggoog äoi]
brausen würden. Mythisch gedacht mufste gq^ag de-jisza bfißgta avaiäiog l%-
natürlich die Wolke zur Mutter der %zi- fiara nizgiqg,
uaggoi werden. Vgl. Find. Ol. 10, 3: vädzcov vipi S' ava&giooxaiv nszszai uxvnisi
üußgtmv, naidcov N f cpiXag. id. Pißh. 6, 11: Si 9' vn avzov vXq -nzX.
Xtiuigiog bußgog, igißgouov vsmiXtxg azga- „ „_ „. , » „, - ,„
> > /, ol t, \ o/T ■ ■ E 87 &vv£ vag au itidiov ttozocuco nXiiVovzi
zog a[i,eui%og. btrao. 1, 30 o . . . . xtiu>ctggovg 10 r > r'
vizsgptpXqxai. tods otXXovg nozauovg ra dum- • » , - ?. ' 's-
t»s f tvai. Alkiphr. 3, 16, 3 tnt l&wv oi oubgog h • vv ■ < , * '
ts Toftc nusgctg .... jtotoiuous avojire»' f« ths \ «= « > » T T i > >
> / ,r - > - > , t- = i- TUV $ 0VT a„ TE ysmvgcu ssgyatvai
tt«propf (CfS TWV OPCOJ' iVSVVnaSV, Ol Ol'UW Mit«- y, I r T V vir
Gvgouivoi iXvv tTtsenaeavTO v.ai rovg bovgovg „ » * « *. »i ' >
jtaTf^coc«»', (bcte ftfai nccvTa LGoiteoa. • Vgl. o, •, >
auch »S'opA. Tc. 1095 f. Hesycli. s. v. rap«6'pat ,,„ , > ,. , " ^A , 0 , . .
und hinsichtlich der plötzlichen furchtbaren ' „' 'ß ^v ./
Regengüsse in den griechischen Gebirgen Neu- ,, , »» , ,°"".?°s' , ,,
° T) j 7 Tii /-r n o nn Itolltt O VTl KVZOV IgVCC MCTl/pUTS %<XA.
mann-ParUch, Phys. Geogr. v. Gr. S. 66. 20 «.# v' '
c) Den vorstehenden Darlegungen ent- "^
spricht es nun genau, wenn die Kentauren als $ 282. Arist. Bitter 526 ff. Demosth. d. cor.
Söhne äerNscpiXrj galten und ausschlief- 153. Tlieokr. 22, 49. .4/). i?7i. 4, 460 f. Dion.
lieh auf Gebirgen, vor allen auf den Grenz- Per. 1075. Liier. 1, 283 ff. Verg. Aen. 2, 305.
gebirgen Thessaliens: Pelion, Pindos, Othrys, 12, 524. Ov. Met. 8, 548. 1, 286. Hör. ca. 3,
Ossa, Homole, ferner auf Oite, PholoS und 29, 33 ff. Lucan. 6, 388 f. Cälpurn. ecl. 5, 48 f.
Maleia heimisch gedacht wurden (vgl. Fleck- Aiühol. Gr. 9, 278 etc. Ein bekannter Wild-
eisens Jahrb. 1872 S. 424). Schon die llias bach in Attika führte den charakteristischen
{A 268) nennt sie cprjgtg oqcokcöoi, ebenso Namen Kvy.loßögog, weil er die kreisförmigen,
Hesiod. fr. 110 Göttl. Vgl. Kur. Iph. A. 705. so um die Ölbäume und Weinstöcke angelegten
1046. H. für. 364. Seil. Herc. f. 974 ff. Hier- Gräben (xtJkäoi) gewisserrnafsen frafs ( Wachs-
her gehören die zum Teil uralten Kentauren- muth , Eh. Mus. 1S89, 153). Ein anderer in
namen Ovgsiog ("Ognog, Ögocßiog), IJ^zgaiog, Arkadien hiefs Bovipuyog. Vgl. auch neugriech.
'TXctiog('TXrjg), niv-nfiSat, Jgvalog,"E7.azog etc., Namen wie Phonissa und Ga'idaropniktes (E.
welche den Wohnsitz der Kentauren in Bergen Cwrtius a. a. O. 1228).
und Bergwäldern andeuten. Zu der Deutung e) Diesen Schilderungen von der Felsen
der Kentauren als Wildbäche pafst es ferner schleudernden und Bäume entwurzelnden Kraft
vortrefflich, wenn in der alten Sage bei Diod. der Wildbäche sind diejenigen Zeugnisse aus
4, 12 erzählt wird, dafs Nephele, die Mutter dem Kentaurenmythus gegenüberzustellen, aus
der Kentauren, diese im Kampfe mit Herakles 40 weichen hervorgeht, dafs man sich die Kentauren
durch starke Regengüsse unterstützt habe. Felsen*) und Bäume schleudernd dachte :Hes.
Deutlich blickt der natürliche Hintergrund des seid. Herc. 188: Kzvzavgoi] %QV6&ccg ßXüzug
Mythus auch noch durch folgende Schilderung iv %tgelv l'xovzsg. Apoll. Rh. 1, 64. Apollod.
Yergils hindurch, Aen. 7, 674: 2, 5, 4 nag^eav oi, K. nizgaig i>nXLBfiivoi neu
n , ,. ,. ,. kXazaig. Diod. 4, 12. Philostr. im. 2,3. O.
Ceu duo nubiqenae quom vertice montis c, ° ,_., _ . ' . tt- •. „,.•'„ j;„
J x h lt omyrn. 6, 273. 7, 109 etc. Hiermit stimmen die
, , . ,-, . ■ 77 7 nn ' älteren Vasenbilder, in denen die Kentauren
aescendunt Ventauri Jriomolen Othrynque , , o. • J D„ is „ „„i,m:
. , * l durchweg Steine und Baumstamme schwingen,
,. , ., ,. f'falem auffallend überein t Meyer, Gandharv. 66. Milch-
Imquentes cursurapido dnteuntibusmgcus ^ . (J fr g >Ardh y 18g4 Tf g
Suva locum et magno cednnt virgulta fragen. 1'T( ^ \ ^ yrey. erkennt Dicüt in dem
Vgl. auch Ap. Eh. 1, 553. Or. Met. 3, 79 etc. Mythus von der Überschüttung des Kaineus
Wie wunderbar stimmen doch solche Schilde- mit Steinen und Bäumen ein prächtiges Bild
rungen mit den homerischen Schilderungen der der furchtbaren Anhäufungen von Felssteinen
Xfi^aggoi überein! und Baumstämmen, welche die natürlichen
d) Häufig wird in den Schilderungen der Folgen der zu Thale gehenden Wildwasser
Wildbäche hervorgehoben, dafs sie mit ge- sind?**) Wenn Kaineus {Ov. M. 12, 524 ff.) in
waltiger Kraft (vgl. II. J 453. Ov. Met. 3, „ _. .., .. , „ „ .. _ , , .
ö v „ x.,0 , . *) Eine almuche Rolle -wie die I-elaeu und grofsen
79. 1, 278) grofse 1 eisen und ausgerissene steine ^ den Betten der /Hfll;Q„m spielen dje Meinen
Bäume, ja _ ganze Wälder und Hänge mit CO steinchen in den Betten der Quellen und Bache, mit denen
sich herabreifsen, Dämme und Mauern durch- die Naiaden wie knöchelspielende Mädchen ihr anmuti-
brechen und Menschen und Tieren, nament- ges Spiel treiben (vgl. E. Curtius, Abh. d. Beri. Ak. 1876
lieh Rinderherden, ja sogar ganzen Städten S. 162).
sicheren Unter°-an°- bereiten Vffl **> Von eülem kaukasischen Gebirgsflusse (dem Terek)
A 494 f. „oU& dt ägvg &&0&i n0U«s Si **? C" «?»• .*"• *' ** Z\\ 1S91 "; 2*9 (2f > S' V
a, r „Der unbändige Terek, welcher sich tobend durch
, , Tf ^^^S , die enge Pforte drängt. Er rollt in seinen "Wassern ge-
torpSQtxat Ttollov ÖS t acpvaytrov ffff waltige Steine fort, wo sie ihm aber zu grofs und
uXoc ßuXÄEL. zu mächtig sind, da bäumt er sich an ihnen auf und
1065 Kentauren (sohleud. Fels.u. Bäume ete.) Kentauren (trank-, streit-, lärinsücht. etc.) 1066
einen ^ajacffjio's (Regenpfeifer) verwandelt wird, Ghar. 23 uTto&vqG-Hovoi . . . v.ui itoxaiiol oloi.
der durch sein Geschrei die bevorstehende Fül- Wenn Hom. ep. 14 die Kentauren als Zerstörer
lun» der ^upaiJßat mit Regenwasser anzeigt, eines Brennofens gedacht werden, so gilt Ähn-
so stimmt das gut zu unserer Deutung der liches von den Wildbächen: Herodian. 3, 3, 7.
Kentauren als xaQÜdgai. Vgl. Gott. gel. Am. Isoer. 10, 26.
1884 S. 155 f. und oben unter Kaineus. Als Zer- f) Die oft hervorgehobene Trinklust und
störer eines Töpferofens treten die Kentauren Trunkenheit der Kentauren (Hom. Od. 21,
auf Hom. epigr. 14, 19: xvnxoisv xääs i'gyct 295. Find. fr. 147.B. Apollod. 2, 5, 4, vgl. die
kkhms, -ninxoi äs xdfin'os, wo xvnxio trefflich Münzen von Lete bei Imlwof- Blumer, Monn.
die zerstörende Stofskraft der Wildwasser 10 gr. 82, welche einen Kentauren zeigen, der
bezeichnet.*) Als mordlustige, wilde Gesellen, einen xcivdagos hält, etc.), die sich zu völliger
welche einsamen Wanderern in wilden Berg- Raserei steigert (Hom. Od. 21, 297 ff. fiaivo-
thälern aullauern, um sie zu töten und roh fisvog v.a% sgs^s. Verg. G. 5, 455 furentes
zu verzehren (daher äfiocpäyoi. bei Theogn. Cent. Stat. Theb. 4, 534; mehr bei E. Curtius
541), erscheinen die Kentauren in der alten a. a. 0. S. 1228), erklärt sich einfach aus
Peleussage. Ihre Gegner, die Lapithen (s. d.), den Ausdrücken nkrfösiv, fis&vsiv, furere,
sind natürlich als die Vertreter der in den saevire u. s. w. , die mau von dem scheinbar
gefährdeten Ortschaften und Burgen der Ebene trunkenen, rasenden Wesen der Wildbäche ge-
sefshaften Bewohner zudenken, worauf schon die brauchte. Vgl. Pind.fr. 90 B.: ovv x&ifiuoQm
zahlreichen von bestimmten Städten Thessa- 20 ft s& vio. Antiphü. b. Brunck, Anal. 2, 177,
liens abgeleiteten Lapitheunamen (s. d.) hin- 21: [xsifMxggs^ t) fis&vsig ö/ißgoio. IL A 492:
weisen (vgl. Isoer. 10, 26). Herakles aber ist 7tlr'i&a>v noxa^'og . . kuxiibiv ^EtfiKp^oug.
auch hier wie sonst ein Sonnengott, da er die Orakel bei Flut. Mor. p. 406 F öpfftTrörat =
Kentauren (wie auch die lernäische Hydra!) noxaiioi. II. E 87. Ov. Met. 3, 571 (saevior
mit Pfeilen und Feuerbränden (äalolg ibat). Verg. Aen. 10, 603 (torrentis aquae ....
Apollod. 2, 5, 4)**), den Symbolen der die more furens). ib. 2, 496 etc. Man denke an den
Xagaägai (torrentes von torrere!) rasch aus- von Strab. 426 geschilderten jjEifiappovs Boa-
trocknenden Sonnenstrahlen, vernichtet. Vgl. 7910s oder Mäv rjg in Lokris, sowie an die trnnk-
Antiphil. b. Brunck, Anal. 2, 177, 31: süchtigen Wassergeister der Slaven (Ausland
30 1888 S. 744). Vgl. auch das einigermafsen
Aaßgonoäri %s£(ittQQe, xC ärj xoaov ääs Hogvaen, verwandte Bild der mit leerer Urne zum
xe£6v ummXtlmv i%vog bäontoging; ^ ( Wasserbecken (Quelle) kommenden also des
OTpoucti rjsXia> es v.s-Aav(isvov, vaxig slsyxsiv Wassers bedürftigen Nymphen, die sonst als
jtol yoviiiov noxaiibv »ai vöüov***) olStv wasserspendend gedacht werden (Curtius, Abh.
vämQ- d. Berl. Ah 1876 S. 170).
Oo. Am. 3, 6, 105: gj Die Streit- und Kampflust der Ken-
At tibi pro meritis, opto, non candide torrens, tauren erklärt sich einfach aus mehreren
Sint rapidi soles siccaque semper hiems! schönen Vergleichen gewaltiger, unaufhaltsam
vordringender, alle Gegner vernichtender Krie-
Auch der Zug des Kentaurenmythus, dafs die m ger mit den %ziiiÜqqoi. Vgl. II. A 492. ä 452.
cpfjgsg ogsanmoi ohne Ausnahme sterblich sind E 87. Verg. Aen. 12, 524 ff., den Flufsnamen
und trotz ihrer Stärke bald überwunden wer- 'OTtXCxng u. s. w.
den, ist in der Natur der xsijiäggoi wohl be- h) Oft wird das Lärmen, Tosen und
gründet, deren plötzliches Erscheinen und Schreien der Kentauren hervorgehoben. Ich
rasches Verschwinden (Forchhammer , JErhl.^ erinnere nur an die Namen Jovitmv, 'EgCyäov-
d. Ilias 13), wie aus zahlreichen Zeugnissen jcog, Trfisßöag, Bgöjiog, r'0[iaöog, Nsaeog (Cur-
erhellt, einen tiefen Eindruck auf die dichtende tius, Grds.5 244) und an die Schilderung des
Volksseele machen mufste. Vgl. II. E 91 Kentaurenkampfes bei Diod. 4, 12. Damit ver-
Xsi/xaggov] sl&ovx' £ £ctitLvrie, oV snißgien gleiche man Stellen wie IL J 455: xäv äs
Jiog bpßgog. Fest. 352 s. V. Torrens . . .signi- 50 xs [%si(iaggiov] xr\X6os äovnov sv ovgseiv
ficat ... fluvium subitis imbribus concitatum, s-ulvs jrotftijv. JV 140: yixvnssi äs &' vit
qui alioqui siccitatibus exarescit. Sali. avxov vir]. IL $ 237. Od. x 515: itoxaiiäv
hist. 1, 12 Dietsch. Sen. Rat. Q. 6, 7, 2. Luc. igiäovniov. Ap. Bh. 3, 71. Verg. Aen. 2,
308. 7, 566. 12, 524 etc. Artemidor Oneir. 2,
wälzt sich in mahnen artigen Gebilden über sie weg." 27. Pollux On. 6, 129 etc. Ein bekannter
Das ist also gewissermafsen das Bild eines kaukasischen Wildbach in Arkadien heifst KsXtxäulV.
Hippokeutauren. _ j\ Das Epitheton äiioway og bei Theogn. 541
•) Vgl auch Isoer. 10, 26 KevawQovg xou; dW; o, , , Apoji0(L o, 5, 4 und den Wildbach KvkIo-
■taysi v.ai gtauij y.ai toi/in OMrevy.ovre; tag ttsv eitöQ- „ ? ^ ■ ■» c • ±~ n- ^
9ow *&s r %tMov ««FsV faMouv tS«, «dl.o,. ßoQO?) wird sofort verständlich wenn man
**) Über Waldbrände als naive Mittel gegen Wüdbäche e0 bedenkt, dafs die Wildwasser_ häufag lebende
s. /(. </> 342 ff. Auch die Lapithen kämpfen hie und da Rinder (vgl. die Namen Bovrpäyog, BoväoQog),
mit Feuerbränden: Anh. Zig. 1883 Tf. 18. Hinsicht- Pferde (vgl. den ' [nirocpOQCCg), wilde Tiere und
lieh der Bekämpfung der lernäischen Hydra s. Apollod. Menschen verschlingen. V°d. _Z7. <l> 281 ff.
2, 5, 2: ßatältiV f/Uaoi 7ts7lugojfi ivot; tfväyy.air^v &£e2.&eiv
. . . inexalioato y.ai aütö; fioij&üv töv 'IuZaov, o; /it'pog ti vvv Ss (is Xsvyalsio &ctvaxca si'fiagxo alävai
y.atanQi](ja; tfjg eyyu; u?.ijg, tot; SaXoTs Iniv.aluy SQ%&ivz' sv tisyali» noxaiioy, cognaiäa ovopogßoi',
tu; ivatoXa; töiv uvaipvo/iivuv xeipaXmv ly.aiXutv ävüvat. %v gei x' svavlog änos'gay %sifi,ü>VL nsgüvxu.
***) Dieser Ausdruck erklärt trefflich die to&sia der
Kentaureu. 312 ff. Ov. Met. 8, 553. Hör. c. 3, 29, 37. Sil.
1067 Kentauren (rofsgestaltig) Kentauren (rofsgestaltig) 1068
It. 4, 623 ff. So erklärt sich die troische und (0. Jahn, Arch. Ztg. 1862 S. 313 ff. Taf. 167 f.
vielleicht auch griechische Sitte (Gemoll, EM. E. Curtius, Berl, Ak. 1876 S. 152. Comut. 22.
*. d, hom, Ged. 3), den jjfijiiäpooi, wenn sie an- Eust. z. Dion. Per. 431; vgl. Eur. Ion 1261.
geschwollen und gefährlich waren, lehende Lehnerdt, A. Ztg. 1885 S. 105 fi.), andererseits
Tiere (z. B. Pferde) und Kuchen (in Ge- aus dem früher als Io gedeuteten Kopfe eines
stalt von Tieren?) in die Wogen zu werfen jugendlichen Bergstroms (Arch. Z. 1874 S. 112;
(vgl. z. B. II. & 132 vom Skamandros, der oben Bd. 1 Sp. 1489) hervor. Über den Zu-
ganz als xsifiuQQovs zu denken ist, Paus. sammenhangderpferdefüfsigenSeilene(Quellen)
10, 8, 10). mitdenKent. s. Mitteil. d. arch. Inst. Böm. Abt. 3
k) Die Rofsge st alt der Kentauren erklärt io (1888) S. 169. Übrigens kommen neben den
sich wohl am besten aus dem Vergleiche des Rofskentauren {iitno-nivtavqoi) hie und da auch
schnellen, ungestümen, sich bäumen- Eselkentauren (övottsvxavgoi) vor. Vgl.
den, schnaubenden und schäumenden Gramer, Anecd. Oxon. 4, 262, 20: ovo-n. ünb xov
Pferdes mit den nozctfiol %ti(iaggoi, welche eben- czriftovs ngog zy ueqiaXf) av&ganog ögüzui xö
falls schäumen, schnauben und ungestüm, mit S\ Xoinbv bvog; Hesych. s. v. und das bvomv-
hochgeheuden Wogeu (da, wo Unebenheiten zctvga genannte Fabeltier (Pgthag. bei Ael.h. an.
im Bette sich finden), raschen Laufes zu Thale 17,9. Man. Phil, de anim.propr. 1063ff. C.I.Gr.
strömen (vgl. Neumann, -Partseh, Phijs. Geogr. 6131b (mit Abbildung); s. Sp. 1056. Auch sonst
v. Gr. 255. Curtius, Berl. Akad. 1876 S. 143). ähnelt der Flufsgott Acheloos sehr den Ken-
Man denke einerseits an den bekannten Ver- 20 tauren, insofern er auf schwarzfigurigen Vasen
gleich der Wogen mit Rossen (ital. cavalloni, mit dem vollständigen Oberkörper eines Mannes,
engl, white horses; Über Land und Meer mit menschlichen Armen, Bart, langen Haar-
Bd. 54 S. 702. Brinkmann, Metaphern 1, 299), flechten, Satyrohren- und. -Nase (aber mit
andererseits an Gleichnisse, in denen schnau- Stierhörnern) und einem vierfüfsigen Stierleib
bende, rasch dahinsprengende Rosse mit den ,,ganz nach Analogie der späteren Ken-
ytipaggoi zusammengestellt werden*): II. taurenbildung" dargestellt wird; Lehnerdt,
n 389 ff. Vgl. auch spumosi amnes Verg. A. Arch. Ztg. 1885 S. 105 ff. u. Taf. 6. — Gegen
12, 524. Ol'. Met. 3, 571 spumeus et fervens die öfters [nach dem Vorgänge des Palaipha-
\torrens']. ib. 1,280 ff. Val. El. 6, 390 f. Curtius, tos 1. Plin. n. h. 7, 202. Serv. z. Verg Geo.
Abh. d. Berl. Akad, 1876 S. 143. Hierzu kommt 30 3, 115 von Buttmann, Mythol. 2, 221*. O.
noch, dafs in Troja angeschwollenen Wildbächen Müller, Hdb. d, Arch, §389. Welcher , Ep.
Pferde geopfert wurden, zumal da diese Cycl. 2, 217 mit T9); vgl. auch die Litt, bei
Tiere xmv vdccxcov xa froXsqcc xüvovei und <jpi- Ebeling, Lex. Somer. u. 'KivtavQoi'. Tümpel.]
Xolovxga xki cpiXvd'ga sind (Aristot. de an. h. W. Müller, Z. Mythol. d. griech. u. deutschen
8, 24). Dieselbe Opfersitte ist auch von den Heldensage. Heilbronn 1889. S. 22 ff. ausge-
Persern (Herod. 7, 113), Parthern (Tac. ann. sprochene Deutung der Kentauren als Ver-
6, 37), Indern {Philost/r. v. Ap. Ty. 2, 19), treter eines mythischen Reitervolkes macht
Germanen {Grimm, Deut. Myth.3 41. 89. 558 f.), Wüamoicitz, Euripides Herakles 2 S. 124
Slaven (Ausland 1888 S. 744) überliefert. Die mit Recht ihre älteste Bildung mit mensch-
deutschen Wassergeister nehmen sogar Rofs- 40 liehen Vorderfüfsen und den Umstand
oder Kentaurengestalt an (Simrock, d. M." geltend, dafs sie im wilden Waldgebirge
469. Bliiller, Gesch. d.altd. Bei. 370 f. Grimm, D. (wo kein Reitervolk hausen kann) wohnen.
J/.1 407. Vemaleken, Mythen aus Österr. 185. Wenn jedoch Wilamoivitz a. a. O. gegen die
191). Wie die Rosse und xsiP<xqqol (Brunck, Deutung der K. als Bergströme behauptet, dafs
Anal. 2, 177, 31 laßgoitöäi] %t ifiäggs. Ben. Dial, die Verwüstung der thessalisehen Fluren (Eur.
10, 9, 2. Verg. A. 1, 317. Sil It. 2, 74. 3, 307), 'Herakl. 364ff.) erst eine spätere „Umbildung
so sind auch die Kentauren schnellfüfsig und Ausdeutung der Fabel sei, entstanden, als
(Hymn, in Merc. 225. Isoer. 10, 26 A'. xd%£i das Pferd in ihrem Wesen vorwog", so kann
xai era'«?; dnvsyxövxsg. Verg. A. 7, 676). Wahr- man dagegen auf Stellen wie Hom. hy. in Merc.
scheinlich würde man sich die Kentauren als 50 v. 224, ferner auf die alte Sage von Nephele als
reine Rosse gedacht haben , wenn nicht das Mutter der Kentauren, auf ihr Kämpfen mit aus-
ihnen zugeschriebene Schleudern von Felsen gerissenen Bäumen und Felsen, auf ihre teilweise
und Baumstämmen, sowie ihre Geschicklich- Pferdegestalt u. s. w. verweisen, uralte Charak-
keit im Heilen von Wunden (XsCqcov von terzüge, die sich nicht aus der von W. (nach
%£ig; s. u.) mit Notwendigkeit die Vorstellung dem Vorgange von Vo/'s, Blyth. Briefe 2, 33
menschlicher Arme und Hände erzeugt hätte, [71]) angenommenen Deutung als „wilde Wald-
weiche natürlich wiederum auf die Vorstellung menschen" sondern eben nur aus ihrer Berg-
eines menschlichen Vorder- oder Oberleibes stromnatur erklären lassen,
führen mufste (vgl. Eustath, z. II, 1051, 9 ff.). 1) Wenn in dem uralte Anschauungen ent-
Dafs man sich überhaupt Flufsgötter ken- oo haltenden Hymnus auf Hermes v. 224 die
taurenartig (mit Stierleib und Menschen- sonderbaren Ful'sspuren des Hermes den un-
kopf) dachte, geht einerseits aus den bekannten geheuren Fufsstapfen eines Kentauren ver-
Darstellungen des Acheloos und anderer Flüsse glichen werden (baxi.g xola nsXiaga ßißä loci
■nagnaXifioiBiv), so braucht man nur an die
*) „Der ZoheniB-zkali (= Pfordeflufe) in Swanetien furchtbaren Löcher und Aufwühlungen des
Ji:U diesi'n ispmen schon im Altertum, wo er Innoz r>i -ii iij.j.t tut j
helfet. Hat er den Namen erhalten davon, daft er hüpft l,i°^S. ?U ^nken, Welche stets den Weg der
und sich gleichsam bäumt wie ein wildes Kofs?" C. Halm W lldbächo bezeichnen (Fohjb. 4, 41).
in der Beil. .-. Aiig. Ztg. 1880 Nr. 235 S. l. in) Vielfach dachte man sich die Kentauren
1069 Kentauren (Räuber u. Mörder, brünstig) Kentauren (ayoiot etc. Ärzte, Jäger) 1070
ebenso wie die slawischen Wasserdänionen
(Ausland 1888 S. 744) als Räuber und Mörder
(Xyozctl); vgl. Diod. 4, 70: Tovg Kivxuvqovg ■ .
ÖQficoixsvovg I« rrjg (PoXörjg lyfco&ai zovg tkxqiüv-
tag zäv'EXXr'irav r.al noXXovg zär TClQioinmv äv-
iXiiv. Vgl. nxichHesiod.fr. 110 Göttl. und Hom.
Kdftivog v. 17 ff., Hesych. s. V. Kivxuvgoi. InazaC.
Gramer, Anecd. Par. 4, 60 üoy sitpovzng
.... Kai oi Kivzavpoi ovrcog imö zivav tcooo-
rjyoQevdnouv (= äqysiotfovzai'i). Eust. in IL 10
102, 8. Walirscheinlicb gehört hierher der
Kentaurenname Aatpivg ( = latro), wie ich
bereits in Fleckeisens Jahrb. 1872 S. 426
vermutet habe. Um diesen Zug des Mythus
zu verstehen, brauche ich nur an die zahl-
reichen Dichterstellen zu erinnern, in denen
von dem räuberischen Charakter der
Wildbäche die Rede ist. Vgl. z. B. Hör.
c. 3, 29, 37: stirpesque raptas et pecus et
domus volventis una. Verg. Aen. 2, 499. 12, 20
525. Ov. Met. 1, 286: Cumque satis arbusta
simul pecudesquc virosque Tectaque cumque suis
rapiunt penetralia sucris. ib. 8, 550: nee te
committe rapaeibus undis. ib. 552: Vidi eonter-
mina ripae cum gregibus stabula alta trahi.
Tac. ann. 1, 30 Signa . . . turbine atque unda
(d. i. imbrium) raptabantur. Inc. Poet. b.
Wernsdorf P. min. 3 p. 245 v. 25: Saepe domos
etiam saepe addita motnia raptat. Sil. It. 4,
522 ff. Der von Herakles gebändigte Räuber 30
Sauros (Paus. 6, 21, 3 f.) scheint auch einen
Wildbach zu bedeuten.
n) Die Lüsternheit der Kentauren nach
Weibern, die schon in den ältesten Sagen her-
vortritt und später die Beziehungen der Ken-
tauren zu Eros (s. ob.) und zur Päderastie zur
Folge gehabt hat*), dürfte sich ursprünglich
aus ihrem natürlichen Verhältnisse zu den
Dryaden, den Nymphen der von deu xfiiaiig-
qoi 80 oft bedrohten und fortgerissenen Bäume 40
und Wälder, und zu den Naiaden, den Nym-
phen der Quellen, die in den Wogen der Flüsse
und Giefsbäche verschwinden (E. Curtius a. a. O.
1225), erklären. Vgl. aufser Stellen wie II.
Ai'äi. Soph.Ant. 712 f. Antipham. 8,138 Mein.
Demosth. in Callicl. 10 — 14 p. 1274 ff. Euer.
1, 284. Arr. An. 6, 25, 5 u. s. w. auch die
alte sinnige Sage von der Errettung einer
solchen von einem %£L(iaQpovg bedrohten Dryade
durch Arkas (Eumelos b. Tsetz. Lykophr. 480. 50
Kinkel, Ep. gr. fr. 1, 194; vgl. Schol. Ap. Eh.
2, 477. Schol. Theoer. id. 3, 13). S. auch Brunck,
Anal. 2, 177, 31, wo unter den von dem %ti-
lidoQOvg bedrohten Nymphen offenbar Dryaden
oder Naiaden zu verstehen sind. Weitere Be-
ziehungen der Kentauren zu den Nymphen
(z. B. zu der Philyra, Chariklo, Melie) s. unter
q Sp. 1071 f. Auch die germanischen Wasser-
geister rauben Jungfrauen und halteu sie bei
sich zurück oder überfallen sie mit Gewalt 60
(Müller, Gesch. d. altd. Bei. 374, 2). Vielleicht
*) Vgl. auch die Frauen (Nymphen ?) raubenden Ken-
tauren (Fig. 5) auf alten thrakischen Münzen (Imhoof-Blumer,
Monn. gr. 86. Catal. of gr. coins in the Brit. Mus. Maced.
147 ff. Plln. n. 7t. 36, 33: 'Centauri Nymphas gerentes Arcesilae")
und die rottigurige den Überfall der Iris (s. d.) durch
Kentauren darstellende Vase Hellen. Stud. 1 pl. 3. Vgl.
Arch. Ztg.il, 347 T. 17 ff.
hat auf diese Vorstellung von den K. auch
ihre Auffassung als Alpwesen mit einge-
wirkt; s.Iaistner, D.Iiätsel d. Sphinx 1, 309 ff.
O) Dafs die dyqiozrig (Eur. Herc. f. 364;
vgl. KEJTcn'ßixois- äypoixcog, äygiiag Hesych.
Arist. ran. 38), die vßoig, ävopCa (Eur. a. a. O.
181, Isoer. 10, 26. Apostol. 9, 73), endlich die
ßia der Kentauren (vgl. Soph. Tr. 1096. Stat.
Theb. 6, 407) sich trefflich aus dem natürlichen
Charakter der Wildbäche (vgl. z. B. den Boaygiog
in Lokris) erklärt, braucht nicht erst im Ein-
zelnen bewiesen zu werden. *)
1>) Sehr merkwürdig ist es endlich, dafs
auch die m i 1 d e n und 1 i e b e n s w ü r d i g e n Züge
im Charakter einzelner Kentauren, namentlich
des Cheirou (s. d.), sich sehr wohl aus der Natur
der %agudgca erklären lassen : ich meine dessen
Beziehungen zur ärztlichen Kunst und zur
Jagd, als deren Erfinder und Verbreiter er
in vielen alten Sagen auftritt. Die Funktion
des Cheiron als Arzt und Rhizotom (vgl.
Müller, Hdb. d. Arch.3 § 389, 4. Mannhardt,
A. W. u. F. K. 47 f.) hängt offenbar mit den
Heilkräutern zusammen, welche im Bereiche
der Kentauren, namentlich auf dem Pelion
(vgl. Dikaiarch fr. 60 bei Müller, Fr. hist. Gr.
2, 261 f. Plin. N. H. 25, 94. 12, 31), besonders
aber in der Pelethronischen Schlucht (Nik.
Th. 505. Anon. in Didots Ausg. des Opp. Nie.
etc. 115 ff.) und überhaupt in den juapadoM
wachsen. Das gilt namentlich von der Wurzel
des Cheiron (Xs igavog gi^a, Diosk. 3, 57 (50).
Nik. Th. 500 u. Schol.), auch navänsiov ge-
nannt (Nik. a. a. O. 508), aber auch von anderen
Heilkräutern, von denen Nik. Th. 499 aus-
drücklich sagt, dafs sie gerade an denselben
Stellen wachsen, wo sich giftiges Gewürm auf-
zuhalten pflegt, d. h. in den äqvuoi, Xaaiwvtg
und ^afja'cVfjM (vgl. ib. 389 u. 489 ff.). Das-
selbe ist der Fall beim Elichrysos, der nach
Diosc. 4, 57 tv zqa%£Gi v.ai %c<qa&QO)dEGi zoitotg
wächst, beim Trisphyllon (r)s nov iv zprj%ovzi
itaym }) änoecpäyi ßriooy Nik. Th. 521), beim
Strychnos (bfioivvuog zij ttuvühi]), der sich nach
Theophr. h. pl. 9, 11,' 5 (vgl. Nik. Th. 878)
iv %agu&qa.ig xci. xoig ixvijfiaotv findet, beim
Agnos (Chion. fr. 2, 6, 2. Mein. Diosc. 1, 134),
beim Halimon (Antiph. fr. 3, 87. Mein. Diosc.
1, 120) u. s. w. Das Kivzavgiov wächst eben-
falls in der Pelethronischen Schlucht (daher
TttXt&oöviov genannt) oder auf der Pholoe,
dem Sitze der Kentauren; Diosc. 3, 8 (6). — Die
Jagdlust der Kentanren, die besonders häufig
in Vasenbildern (vgl. z. B. Jahn, Yasens. in
München 573. 155. 380 etc. Stephani, Compte
B. p. l'a. 1ST3 S. 99. 1807 S. 62 ff. 1862
S. 71; vgl. auch Opp. Kyn. 2, 5 ff. Meyer
72. 78. 80ff.), aber auch auf dem hoch-
*) Vgl. Anlhol. Gr. 9, 278, 3 /ff/iß (■/tifiioQov) umtos;;
v. 6 (i?.oaugoü /tü/nctto;. Aisc/t. Prom. 717 i&i; <?' 'Vfigt-
arijv Ttotafxlv ov tpEväoyvvflov . . . ov yäg eufiato; nEoüv.
Eerocl. 1, 189 nola/iü vßoiaavti. Themist. or. 18 p. 221D
710t. aXatüva. Die Grabschrift des von Herakles gekreu-
zigten, d. h. an einer Fichte (nach Art des Marsyas) auf-
gehängten AsboloB (s. oben Sp. 1043) lautete nach Fhilostr.
Her. p. 328 = vol. 2 p. 214, 8 ed. Teubn.t "Aaßolo; otke
&ft~)V ZQÜfJ.Ui)V 0711V OUt &V&QW7tWV \ U&XOflOtO XQ£[tC£Otb;
Lijl1 tul-alto; y.atü Tteuy.i]; | äy/siftcei /(f')'a öetTtvov t}fte-
tooffloig y.oQÜr.eootv.
1071 Kentauren (Beziehungen zu Nymphen) Kentauren (Gesamt- und Einzelnamen) 1072
archaischen Halsband (Fig. 10) aus Kameiros fr. tr. gr} S. 404—408. Welcher, I). gr. Trag.
(Daremberg-Saglio, Dict. desant. 1, 1011 ff. 1285), S. 848t'). Die beiden Namen Okyroe (= die
auf dem archaischen Relief in Ince Blundell Hall schnellfliefsende Bergquelle) und Hippe (Hippo)
(Arch. Z. 32, 31 Taf. 6), auf 'hühattischen' Ge- lassen keinen Zweifel, dafs unter der Tochter
fäfsen {Jahrb. d. arcli. I. 2, 41) und in Gemälden des Cheiron eigentlich eine Quellnymphe
(z. B. des Zeuxis; vgl. Fig. 14; JBrwnn, Künstlerg. zu verstehen ist (vgl. die Okeaniden Hippo b.
2, 78. Müller, Hdb.3 § 389, 4) dargestellt ist, Hes. theog. 351 und Okyxoe b. Hes. theog. 351.
hängt nicht blofs mit ihrem Aufenthalte in 360. Hom. hy. in Cer. 420. Paus. 4, 30, 4 u. s. w. ;
einsamen Bergwäldern, den Sitzen der jagd- vgl. auch die Okeanide Leukippe hy. in Cer.
baren Tiere, und der oft zu machenden Be- 10 418. Paus. a. a. 0. Schoemann, Opusc. 2, 148.
obachtung zusammen, ^dafs solche Tiere in den Vö'lcker, Myth. d. Iapet. Geschl. 146 f. u. s. w.).
XSiiidpQOi und ihren Überschwemmungen den Dagegen erklären sich die Beziehungen des
Tod finden, indem sie in den Zweigen der Cheiron zur Philyra und des Pholos (s. d.)
von den Wildbächen mit fortgerissenen Bäume zu einer Melia einfach aus dem Wohnsitz
hängenbleiben*) (vgl. YogtinUb.Lamdu. Meer dieser Kentauren in Bergwäldern, den
Bd.51 S. 287. lllustr. Ztg. 1884 Bd. 82 S. 285 f.**), Wohnsitzen der Baumnymphen. Über die
sondern erklärt sich auch aus der grofsen Be- Kurotrophie, welche Cheiron nach Find. P.
deutung, welche die zagäägai im trockenen 4, 103 (als Quelldämon'?) zusammen mit den
Zustande für den Jäger haben; denn einer- Quellnymphen Chariklo und Philyra (Hes. Th.
seits sind sie die natürlichen, gebahuten Pfade, 20 346 ff. u. Schal.) ausübt, ebenso wie der Quell-
auf denen der Hirte zu den Alpen (Scliol. Nik. därnon Silenos, der Vater des Pholos, das
Tli. 28), der Jäger zu den Schlupfwinkeln der Dionysoskind pflegt, vgl. 1\ A. Voigt in der
Jagdtiere emporsteigt (s. oben die Sage von Allg. Encylrf. unter 'Kentauren' S. 225.
Arkas)***), andrerseits dienen sie diesen selbst X) Gesamtnamen und Einzelnamen
zum sichern Versteck (vgl. Hom. hymn. 4, 124. der Kentauren. Um den vielbehandelten (vgl.
Xen. de ven. 5, 16 u. 6, 5. Suid. u. Zenob. s. Benseier, Gr. Eigcnu. s. v. Buttmann , Le.vil.
v. ^ßpcögatog Itcov). 2, 221. Meyer, Gandharreu 165), aber immer
q) Die Beziehungen des Cheiron und noch nicht endgültig erklärten Namen Ksv-
Pholos zu Quell- und Baumnymphen. tavgot richtig zu verstehen, rnufs man, glaube
Die Höhlen und Felsgrotten (civzoa) des 30 ich, von der Erkenntnis ausgehen, dafs die
Pelion und der Pholoe, welche die natürlichen Kentauren Dämonen der Wildbäche sind. Da
Endpunkte der £c:pß<5'o<u, ßriaocti, vän-q (vgl. diese schon bei Homer iv-txvloi heifsen, neben
Find. P. 3, 4. Nik. Ther. 440. 505. Philostr. welcher Form auch tn-uvloq (Hesych.) und
im. 2, 3 = II p. 343, 29 K.) bilden, galten als ^'n-avgog Hesych. (vgl. auch &v-avgog und
Wohnungen des Cheiron und Pholos (Find. avgov pvaypövC. 171b. Hesych. ed. 31. Schmidt 1
Pißh. 3, 63. 4, 102. Isthm. 7, 41. Theoer. id. p. 324) erscheinen, so könnte der Name Kiv-
7,149. Apollod.2,6,i. Polyaen. 1,3, 1. Hesych. ravgog recht wohl mit avl-äv (vgl. Si-avX-og)
s. v. uvtö%&cov lazia. Bursian, Geogr. von = Schlucht, Hohlweg etc. (also einem Syn-
Griechenl. 1, 97). Da nun in solchen Höhlen onymon von xagadga) verwandt und mit v.sv-
häufig Quellen entspringen (Od. 13, 103. Find. 40 rsti», stechen, durchstofsen zusammengesetzt
F. 4, 103. Theoer. 7, 136f. lerg. A. 1, 166. sein, so dafs vJvxavoog eigentlich einen
Dion. Hai. a. B. 1, 79. Paus. 10, 32, 5 u. 7. durch das Stofsen und Drängen seiner Wellen
Philostr. a. a. O. Q. Smyrn, 6, 470 ff. Porphyr. Schluchten und natürliche Kanäle hervor-
de antra ny. 6 u. 7; vgl. auch die ävzgidäss bringenden Bach bezeichnen würde (vgl. die
vvfiqiai b. Preller, Gr. M.'- 1 S. 567 u. 569, Ausdrücke SiUY.67tT.ta, diaggi',aato und [i-/.]xu-
3), so dachte man sich die Kentauren auch gaögovv, die von Wildbächen gebraucht wer-
zu Quellnj'mphen und Quelldämonen den).*) Die Einzelnamen der Kentauren (vgl.
(den pferdefüfsigen Silenen) in naher ver-
wandtschaftlicher Beziehung Stehend. So er- *) Vgl. tvtitsiv von den ein Gebäude zerstörenden
klären sich wohl am einfachsten die Sagen 50 Ken"»"-™ bei Hom. epigr. 14. XagaSQova&tu Hemd, bt-
von Pholos als Sohn des Seilenos , von der ?«?«*?»»» ^ tm*t*at, b. Balyb. 4, 41,9: x^aggov,
Najade Chariklo (s. d.), der Gattin, und von t6£v? f/J^., t/Qov;a ä{ nüv yho; Si,s xai Y,1;
Ukyroe (Oe.Met. 2, 636Ü. fiha centaurt, quam xai xi&ur, tm/wosi; äh Ttowv.usvov t,f).ir.ainai , äat'
quoiidam nympha Chariclo, \ fluminis in rapidi AUoiovv 1%-iots xal /ur,6i yivdiaxsiv lr ßga/tZ xgivqi
ripis enisa VOCavit | Ocyroen) , der Tochter roii, avtov; rijtov;. Plut. C. Gracch. 7: /eifiaogoi äti-
des Cheiron. die in ein Bofs verwandelt und xontov. Schal. Eur. 0r. 1377 : tip yt/r diaQQi'jooovoi.
demzufolge Hippe (s. d.) oder Hippo benannt phUo *■ i{f9- *>>°t>ov p. 265 Bernays: näpvxt ylgr, S6a-
worden sein sollte. (Ov. a. a. 0. 675; vgl. die T°; «T* *°i ?'*"'?*, .""" , "f^ot^v xa-tagaviavo«
-r\ tJ . .1 1 ii/7 • 1 -Kr 7 Ta M*v £*oj<reiv tr, ßia tu ob toi oivs/si tun- ipsy.a-
Fragmente von Eunpides Melamppc b. Nauclc iatfml&mmaa y.Ja\vilv. Ähnlich gebraucht der La-
*) Geradeso hängen die von den Kentauren, nament- ^0 teiner die A'erba percutere und secare von Flüssen.
Hch von Cheiron, erjagten Tiere an den von ihnen ge- Vgl. Forchharimter, Erkl. d. Ilias 9 f. Hinsichtlich der
schulterten Bäumen. obigen Etymologie von Ksrr-avooz ist noch zu bemerken,
**) Vgl. auch Ausland 1S8S S. 744, wo von den grolsen dafs avZwv nach Curtius, Grdz.5 3S7 u. 646 ebenso wie
Herden ertrunkener Pferde, Kühe, Schafe und Schweine uuXlg von "Wurzel au oder ob abzuleiten ist. Da nun
die Rede ist, welche den slavischen "Wassergeistern ge- nach G. Meyer, Gr. Gr. % 160 ff. o gewöhnlich in ). (nicht
hören. umgekehrt 1) übergeht, so ist entweder in KivravQo;,
***) Vgl Ausland 1891 S. 436°: „Die inneren Verbin- Kjtavaos u. uravooz die ältere Form -uv(tog tax -txvZog er-
dungswege [Miriditiens] sind im besten Falle die Wild- halten, oder dieses -aUQog ist mit Suffix -qoz, HvavXog,
bäche." auXtov etc. aber mit Suffix -Xog (Xojy) gebildet. — Ganz
1073 Kentauren (Einzelnanien) Kentauren (Litteratur) 1074
Ov. Met. 12, 220 ff.) habe ich ausführlich in Attribut der Fackel (vgl. Meyer, Gandharven
Fleckeisens Jahrb. 1872, 421 ff. behandelt. Sie 78, 80. Äel. v. h. 13, 1): Gryneus, Pyrakmos,
lassen sich in folgende Gruppen teilen: 11 direkt Pyraithos (Pyretos). — 7) Auf individuelle Eigen-
auf Flufsnatur hinweisende (Eurytos, Rhoitos, schaffen geben: Asbolos (wohl einen dunkel-
Rhoikos, Klanis, Krenaios), — 2) solche, die sich haarigen Kentauren bezeichnend, vgl. On. Met.
auf die Rofsgestalt beziehen (Hippasos, Chro- 3, 218), Melaneus, Melanchaites, Phaiokornes,
mis, Monychos, Eyllaros), — 3) solche, die das Pyrrhos*), Irnbreu», Aphareus, Peisenor, Or-
lärmende und geräuschvolle Wesen der Ken- neios, Perimedes, Dexamenos (?), Cheiron (vgl.
tauren oder Wildbäche bezeichnen sollen (Du- xngi£u>, fic/Xa^oyjtg, o'iiS^fip, r)niag xilgcts tsl-
pon , Erigdupos, Homados, Teleboas [zugleich 10 vat von Asklepios als Arzt gesagt Herodas
Flufsnarne!], Biomos,Nessos[auch Flnfsname!]), mimi. 4,18; mehr b. Maafs, Ind.Sehol. Gryphisw.
— 4) Namen, die sich auf ihren Wohnsitz in 1890/91 S. Xff). — 8) Gewöhnliche Namen sind:
Bergen, Wäldern oder an bestimmten Orten Amphion, Eurynomos, Medon, Echeklos (Ov.
beziehen (Hyles, Hylaios, Hylonome, Petraios, Met. 12, 450). 'Für Hodites (Ov. Met. 12, 457)
Chthonios [vgl. Besych. kvtox&oiv toria. Theoer. ist wohl Orites (vgl. Oreios), für Isoples (Diod.
id. 7, 149], Peukeidai, Elatos, Daphnis*), Drya- 4, 12) vielleicht Isokies, für Argeios (ib.) wohl
los, Oreios, Orosbios, Phlegraios, Abas, Elops, Agrios zu schreiben. [Für Kentaurinnen er-
Elymos, Pholos, Thaumas, Argeios, Phrikios scheinend. N. Hylonome, Dia und selbst Hippo-
(vgl. den Bach ^pi'fos), Pylenor), — 5) Namen, dameia (s. o. Dr. I u. IIa), als rofsgestaltig
die sich auf den wilden, rohen Charakter der 20 Hippe (-o), wohl auch Chariklo und Okyroe
Kentauren beziehen und zum Teil von wilden (s. o. nr. IS a. E.). Tümpel.]
Tieren (Curtius, Äbhand. d. Berl. Ah. 1876 XI) Litteratur. In erster Linie ist hier die
S. 143) entlehnt sind: Demoleon**), Lykotas, Ly- reichhaltige und sehr gediegene, von mir in den
kabas, Lykos, Lykidas, Ophion, Bianor, Iphinoos, ersten Abschnitten viel benutzte Schrift von El.
Mermeros, Apheidas, Styphelos, Latreus (vgl. H. Meyer, Gandharren-Keidauren, Berlin 18S3 u.
XißCTTqg), Arktos, Agrios (vgl. deiiFlufs 'Aygiavrn), desselb. Achilleis ebd. 1887 S. 447f. zu nennen
Phrixos (= Phrikios?), Mimas***). — 6) Kriege- (vgl. meine Rezension in den Gott. gel. Ans. 1884
rischen Sinn, Kampf- und Jagdlust deuten an: S. 144 ff.), aufserdem Welcher, Kl. Sehr. 3. 3 ff.,
Antimachos. Areios,Dorylas,Am}'kos,Nedymnos, Kuhn, Z. f. vgl. Spr. 1,513. Mannhnrdt, Wald.- u.
Rhipheus, Diktys, Therensf). — Einige gehen so Feldkulte S. 88; lOlf. Die Stromnatur der Ken-
vielleicht auf die Bewaffnung der Kentauren tauren vermutete zuerst Klausen, Aeneas 495ff.
mit Feuerbränden oder auf das dionysische (vgl. auch Preller, Gr. M.- 2, 16. Wieseler in
Ersch u. Grubers Enc. 1, 67 S. 183 b. Rascher
andere Etymologieen haben aufgestellt: Kuhn, Zeitsdlr. 1, in FlcckeisenS Jahrb. 1872, 421 ff. Gült. (Jil.AnS.
513ff. und El. H. Meger a. a. O. S. lff, der an etymo- a a Q. Berl. Philo!. Wochenschr. 1885 S. 1 ff.
logische Verwandtschaft mit dem indischen Gandharm 18g7 g 1506ff . ahnlich F. A. Voiqt in ElSCh
denkt, von Fick, Sprach?/ iuif.it lrj3 aber zurechtgewiesen ri i. -r? tt „r n cc , a: i ' i t-
■ ■, , „, . , T „ . * u. Grubers Enc. II, 35 S. 224fl der in den K.
wird; ferner von Christ, Lautlehre 2(8: xevtag Co; von ..... ' , _,., A ..
scr. arvan-Henner, endlich von L. Laistner , D.Rätsel ,1. wie m den lhnen verwandten Sllenen Quell-
Sfhinx 1, 313ff. Ztschr. f. d. Ssterr. Gymn. 1891 S. 711ff., dämonen erkennt), während Meyer und
der xsTtauQtov (= Erdgalle) ebenso wie xivtavgog von 40 Manrthardt die Kentauren als Winddämonen
Wu. quend, queneih beifsen, ableiten will und in y.tv- erklären, eine Deutung, bei welcher freilich
tavQtov eine „beifsende bittere Wurzel", in xcvtavQo; Y[e]e Züge des Mythus, Z. B. die Sterblichkeit,
ein beifsendes Tier" (vgl. xvtiäctXor, xfraöos) erkennt. k& Zahl Flägellosigkeit der (echtgriech.)
Die Alten leitexen dagegen den Namen K&vtavpot ge- rr l j o i 1 j p r? l j
-.., u, „ „ .. , - .,„ , - - , . Kentauren, das Schleudern grolser reisen, der
wohnlich von XBVtEtv und tauQOS ab (Benseier, Warterb. ,, „ . '. . ,_ , ^ . , , T .\,
d. gr. Eigennamen l, 6« u. Ebeiing, Lex. Homer, u. ' Kh- Kampf mit den als Menschen gedachten Lapithen
■tavgoi'), erblickten also in ihnen entweder Stier- (s.d.), die mehrfache Identität von Kentanren- und
jäger (vgl. dagegen namentlich 31. Mayer im Jahrb. d. Flufsnamen, die Trinklust, endlich die lokale
archüoi. Lnst. 1892 S. 78f.), obwohl eine derartige Funk- Beschränkung auf Gebiete, die notorisch nicht
tion der K. weder in der älteren Litteratur noch in der durch Winde, sondern durch Wildwasser
älteren Kunst sich sonst nachweisen läfst, oder nai- 50 yerheert werden**), unverständlich bleiben
OBoaotat (s. oben VIb). Viel eher hätten die Alten / -, „ t •!.*.,. „j. v. 71 r ~ r\ ö ae\
™ -a: i,«„i „ t er L > ■ 1 • ■■ , 1 „r (weitere Litteratur b. Meyer a. a. O. S. 2 1.).
im Hinblick auf Besuch, ai'oot- layot taavooi (vgl. M. v -t^^t, ,^. _.,.,, * „ '
Schmidt z. d. st.) mit Bezug auf die an den von den XI1) Dle Entwiekelung des Kentauren-
K. geschulterten Bäumen hängenden HaBen einen Zu- ideals in der bildenden Kunst. Die Ver-
sammenhang mit diesem "Worte vermuten können. Über bindung von Menschen- und Tierkörpern zuselt-
die andere alte Etymologie des Nephele-Ixiou-M.vthos samen Mischwesen war lange vor der Ent-
von xertsiv avgav = asniav vttpilyv s. o. nr. i a. E. u. stehung einer eigentlich griechischen Kunst
Eust. ad II. 102, 20.
*) Vgl. die Flufsnamen 'YXias, "Yiai&og, Jauno;, *) Vgl. damit Flufsnamen wie Me).u;, MoXo;,
Jaipvoü;, &sXXlag (von (psV.f'j; = Korkeiche) ; Angermann, MoZoBtc;, t/>oii'U, Sav&oz.
Progr. v. ileijsen 1883 S. 13. **) Ganz besonders spricht dies gegen Meyers Wind-
**) So wird z. B. der nemeische Löwe mit einem 60 hypothese, dafs reine Ostwinde in Griechenland über-
durch Überschwemmungen verheerenden Flusse ver- haupt nur eine ganz untergeordnete Balle spielen (Ab-
glichen 'Theoer. id. 25, 201 itävra; füg rtusr\ae bltxXifyiv mann-Parisch, Plnjs. Geogr. u. Gr. 118. Jsambert, Itin.b),
nota^dj; in; (XI; äf.toto; y.toü'Cs). so dafs, wenn wirklich die thessalischen Kentauren Wind-
***) ParaUele Flufsnamen sind: Kängog, Jiur, dämonen wären, ihr Wohnsitz auf dem Pelion im Ost en
^ivxoofta;, Avxo; , '0(pt;, Vqjioü;, Taüoo;, "EX.uipo;, Thessaliens ganz unbegreiflich wäre. Überhaupt zeichnet
Boaygtog, Tgayo; u. s. w. Angermann a. a. O. S. 9 ff . sich Thessalien durch zahlreiche Üb erschwemmungeu
jB. Curtius a. a. O. S. 1228. und als Kesselthal durch verhältnismäfsige Windstille
t) Mit dem Kentauren Thereus vgl. den Flufs t)i\- aus: Lucan. Fhars. 6, 341 ff. 370. Seil. Q. nat. 4, 8. Neumann-
gnv, mit Antimachos u. s. w. den Fluls 'OrtXttJi;. Partseh a. a. O. S. 146.
1075 Kentauren (Entwicklung d.Kent. -Ideals') Kentauren (Entwicklung d. Kent.-Ideals) 1076
im Orient so oft und so mannigfach vollzogen
worden, dafs es schwer fällt in der Kentauren-
bildung eine völlig selbständige Leistung der
griechischen Kunst zu sehen. Andererseits
darf die Existenz selbst des ausgebildeten
Kentaurentypus in der babylonischen Kunst
(vgl. Perrot 3 S. 604, wiederholt ob. Sp. 1055.
E. H. Meyer, Gott. Gel. Ans. 1888 S. 146*)
nicht zu der Annahme verleiten, dafs die
griechische Kunst den Kentaurentypus als 10
solchen fertig aus dem Orient entlehnt haben
müsse. Aus schwachen Reminiscenzen jener
reichen Gestaltenwelt und fast ganz von vorn
beginnend hat die griechische Kunst sehr lang-
sam ihren Kentaurentypus entwickelt. Der
sog. geometrische Stil verbindet den vollstän-
digen Menschenkörper mit einem hinterwärts
ganz unorganisch ansetzenden Pferdeleib. Auf
dieser ersten Stufe der Entwicklung stehen
die rottonigen Vasen mit geprefsten Reliefen 20
aus Kameiros (Salzmann, Necrop. de Com. 26 f.,
oben [Fig. 3] wiederholt nach Milchhöfer, Anf.
d. K. Fig. 48), an deren Typus sich auch die
hauptsächlich in Sicilien gefundene ,,red-ware"
(vgl. Löschcke, A. Z. 1881, 40 ff.) und die etrus-
kiseken Buccherovasen (s. unter VII Kent. im
Orcus), sowie Goldreliefe von Athen und Ko-
rinth (A. Z. 42 Tfl. 9, 1; 8, 1) anschliefsen.
Auch der Kentaur Carapanos,
Dodone 19, 5 gehört dem geo- 30
metrischen Stil an, dessen
feinste Spielart, den „Dipylon-
stil", die Bronzestatuette
Olympia 4, 13, 215 vertritt.
In verschiedenem Sinne
haben dann neue orientalische
Einflüsse eingewirkt. Schon
das kyprische Figürchen eines
gehörnten Kentauren (s. d. Ab-
bild.) wird man sich so er- 40
klären müssen. Die Kentauren
mit Jagdbeute auf den Gold-
plättchen von Kameiros (Salg-
man.11, Kecrop. d. Camirus 1,
s. die Abbildung 10) erinnern
sowohl inhaltlich als formell an orientalische
Vorbilder (so z. B. Penot 2 S. 281 , F. 114)
während die au die Dipylonvasen anknüpfen-
den „frühattischen" Vasen (Jb. d. I. 2 Tfl. 4)
im Typus sich selbständiger zeigen und grie- 50
chischer wirken. Wie die von orientalischen
Vorbildern sich allmählich lossagende Kunst
Kentauren bildet, zeigt das Bronzerelief von
Olympia (s. Fig. 4 unter III Herakles' Kentauren-
kampf), dessen Typus jedoch bei weiterem
Fortschritt zu naturalistischer Darstellung auch
zu keinem besseren Resultat führte, als den
liebevoll ausgeführten Kentaurenbildchen der
*) Höchst merkwürdig ist der bisher unerklärte Typus
des dahiusprengenden, den Wagen eines Gottes (?) ziehen- $0
den , menschenküpfigen Kosses [cheval androcepliale) auf
zahlreichen altgallischen Münzen , die man am voll-
standigsten bei Euqm Elidier, L'art Gauloi*. Paris 1SGS bis
1873, I p. 7. 38. 41f. G0f 93. II Taf. 1. 6. 9. 14. 15. 16. 27.
29. ül u. s. \v. findet: Tgl. Head, HisL niim. p. D. Ganz
ahnlich ist die Gestalt des oroxivtavqa (s. d.) genannten
Fabeltieres, von dem bereits Pythagoras und Krates
gesprochen haben soUen (Aetian d. nat. an. 17, D. C. I.
Gr. 0131 b m. Abbildung). Koscher.
9) Kyprischer, ge-
hörnter Kentaur
(nach Arcli. An;.
1880 S. 88).
„protokorinthischen" Vase A. Z. 41 Tfl. 10,
wo die Mängel des Organismus durch die An-
wendung verschiedener Farben für Tier- und
Menschenleib noch drastischer vor Augen ge-
führt werden. Eine bessere Gesamtwirkung
erzielt sogar das sorglos gearbeitete Bild I.
H. S. 1, 1. Die besten und jüngsten schon
dem 6. Jahrh. angehörenden Vertreter dieses
älteren Kentaurentypus sind zwei Bronzen von
der Akropolis , die eine abgebildet bei Hofs,
Arch. Aufs. 1 Tfl. 6, die andere erwähnt Ath.
Mut. 1888 S. 108; die etruskische Bronze
M. d. I. 2, 29 (Fig. 11, wiederholt nach Barem-
herg-Saglio Fig
1283) scheint eine
barocke Umbil-
dung dieses Typus.
Wann und wo
dieser Weg ver-
lassen und die
Unterordnung des
menschlichen unter
den Tierleib zuerst
versucht worden
ist, wissen wir
nicht; schwerlich
war es schon am
Kypseloskasten ge-
schehen, aus dessen
Beschreibung bei
Paus. 5, 19, 9 nichts
Bestimmtes folgt.
Beide Formen ver-
einigt finden wir
auf dem Fries von
Assos, der obeu in
die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts gesetzt
wurde (M. d. I. 3, 34. ClarJce, Investigations
pl. 15. 20), der Francoisvase (Fig. 1), auf der nur
Cheiron mensehenleibig ist, der allerdings,
im Unterschied von der Masse der Kentau-
ren, bis in die spätere Vasenmalerei hinein
diese Gestalt behält ;z. B. Heydemann, Gr. Vh.
7, 1. M. d. I. 1, 37. Schulz, Amazonenvase 1
und vgl. Cbeiron) und dem kyrenäischen Deinos
A. Z. 39 Tfl. 11 f. Archaische Gemmen zeigen
nur den entwickelten Rofsleib (A.Z. 41 Tfl. 16,
16 und noch freier A. d. I. 1885 t. G H 31.
32); ihnen schliefsen sich die oben Sp. 1052
citierten makedonischen Münzen an. Jeden-
falls sind beide Formen geraume Zeit neben-
einander hergegangen; auch hat man es ge-
wagt, den menschlichen wie den Pferdeleib
mit Hufen zu versehen (Fig. 2), was sich aus der
ursprünglichen Wesensgleichheit vonKentauren
und Silenen erklärt: .4. d. I. 1863, Tav. E.
Mit dem Ende der archaischen Zeit ist der
Sieg der Rofsgestalt entschieden, ihre Durch-
bildung jedoch noch nicht vollendet; bis in
die Blütezeit hinein bleibt die Formbehand-
lung eine unsichere. Sehr deutlich zeigt dies
ein Relief in Ince Blundell Hall (Michaelis,
Aue. Marlies Ince 267 fig. 4 und A. Z. 1874
Tfl. 6), wo die Verbindung von Menschen- und
Rofsleib vollkommen mifsraten ist und das
Unorganische auch dieser Verbindung em-
pfinden läfst Glücklicher sind in dieser Hin-
sicht die Kentauren des olympischen West-
10) Goldschmuck von Kamei-
ros (nach Daremberg-Saglio
Kg. 12S5).
1077 Kentauren (Entwicklung d.Kent. -Ideals) Kentauren (Entwicklung d.Kent. -Ideals) 1078
giebels, die freilich im übrigen durch Gewalt-
samkeiten und Härten der Formgebung und
Bewegung stören, während die Köpfe, teils
von dem wilden Ausdruck des eben erwähnten
Reliefs, teils starr und maskenhaft, das Ringen
nach einer Idealbildung deutlich bekunden.
Ähnlich, wenn auch etwas milder, sind die Ken-
taurenköpfe des Theseionfrieses (s. Kaineus),
während die Leiber hier wie bei einem grofsenTeil
derParthenonmetopen(Fig. 12) noch die oben er-
wähnte unorganische Bildung aufweisen, die sich
allerdings öfters auf ein wulstiges Rudiment
an der Verbindungsstelle im Rücken reduciert;
daneben finden sich aber auch zum erstenmale
die vollendetsten Gebilde (Anc. 31. 7, 3. 5. 9.
10). Dem entsprechend finden sich neben den
edelsten Kopftypen, die nur durch das zer-
zauste Haar und den Schmerz einen Zug von
Wildheit erhalten (Anc. 31. 7, 1 (s. d. Abb.).
12. 17), solche voll wildester Grausamkeit
(ibd. 8. 13), zum Teil gleichsam stilisiert zu
jenem von Olympia her bekannten masken-
haften Typus; bei anderen ist das Tierische
als solches wie in der Aktion auch im Kopfe
betont (s. besonders den silenhaften Kopf ibd.
11). Der Phigaleiafries (s. Kaineus) ist in
dieser Betonung des Tierischen konsequenter
und voll geistreicherEinzelheiten, wennauch
weniger edel. Zwei Kopftypen herrschen
vor: der eine sucht das Tierische durch den
verwilderten Ausdruck des Gesichtes und
das flatternde Haar darzustellen, der andere
nähert sich dem Silenstypus, indem zum
Glatzkopf die Tier- (und zwar Pferde)
Ohren treten (Stackeiberg 23. Anc. 31. 4, 3;
vgl. die Parthenonmetope ibd. 7, 11); die
Stumpfnase (s. d. Irisvase J . H. S. 1, 3
u. oben Sp. 345/346) läfst sich jedoch nicht
ein einziges Mal nachweisen.
Das in Pheidias' Umgebung sicher im
Anschlufs an die Schöpfungen der grofsen .-
Malerei vollendete Kentaurenideal hat zu-
gleich mit dem Stoff die jüngere Malerei
in anderem Sinne weitergebildet. Die er-
wähnte Irisvase hatte den unholden Wesen
eine harmlose Seite abgewonnen, indem sie
wohl die Lüsternheit beibehielt, dagegen die
freche Gewaltsamkeit milderte. Von einem
anderen Gesichtspunkte aus schuf die Tafel-
malerei eine zwar nicht im Sinne der Pheidias-
schen Gestaltungen innerlich notwendige, aber
höchst sinnreiche und liebenswürdige Weiterbil-
dung des Kentaurenideals. Zeuxis erfand den
Typus des Kentauren weib es*) und, iudem er
„im Widerstreit mit der bisherigen Kunstübung
von dem Begriffe des Halbmenschlichen aus-
ging" (Brunn, Pliilostr.Gem. S.266), schuf er das
anmutige, die idyllische Auffassung einer spä-
teren Zeit ankündigende Bild der Kentauren-
mann, Terracotten im 3Iuseo Nagion. z. Neapel,
7. Hallesches Winckelmannsprogr. S. 12 ff. und
d. Abbild, einer Florentiner Gemme Sp. 1079).
Hinsichtlich der malerischen Behandlung rühmt
Lukian aufs höchste, wie gut Zeuxis trotz des
Lächelns die Wildheit in dem alten Kentauren
getroffen und wie vorzüglich er die Misch-
gestalt bei der Kentaurin dargestellt habe. Wie
weit in letzterem Punkte koloristische Fein-
lü heiteu mitwirkten, ist nicht sicher; das Ge-
mälde des Philostrat 2, 3, das auf bedeutende
Nachwirkung des Bildes in der späteren Malerei
schliefsen laust, und der zweifarbige Cheiron des
pompejanischen Wandbildes Heibig 202 (Bonos
2, 25; vgl. p. 103 [55 der Übersetzung]), so-
wie analoge noch kühnere Versuche der Plastik
(Kentaur Doria Matz-Dvihn 1611; vgl. B. d. I.
1850 p. 72) machen es sehr wahrscheinlich
(vgl. Brunn, K. G. 2, 83. I). philostr. Gemälde
20 p. 205). Auf ähnliche Kunstwerke mag Oviol,
3Iet. 12, 395 ff. in der Schilderung
des Kyllaros anspielen.
Das von Zeuxis bis zur Grenze
des Möglichen ausgebildete Ken-
taurenideal konnte fernerhin wohl
modificiert, nicht aber von Grund
aus umgeschaffen werden; nahe lag
es besonders, das Pathetische oder
Sentimen-
tale , wozu
die inzwi-
schen voll-
zogene Ver-
bindung mit
Dionysos
und Eros
und die Ein-
führung
11) Etruskischer Bronze-Kentaur des älteren Typus (nach
Darembery-Saglio, Oictionn. des antiquites I S. 1011, Fig 1283).
jugendlicher Kentauren (erste Beispiele: Ger-
hard, Apul. Vasb. 7 und Grabstein des Metrodoros
Berlin 766) den Anlafs gab, hervorzuheben.
Ziemlich vereinzelt stehen, als Beispiel der
o ersteren Richtung, zwei Reliefe der helle-
nistischen Zeit Anc. Marlies 2, 15, das wie
die Kentaurin des Zeuxis die spitzen Satyr-
ohren zeigt, und das sehr zerstörte Untersuch,
auf Samothrake 1, 52. Die hellenistische Zeit
erfand aber andererseits, wie oben unter 6
erwähnt wurde, den Typus, der uns in den
Kentauren des Aristeas und Papias und ihren
Verwandten, unter denen Mus. Chiaramonti
2, 13 und Arneth, B. ant. Gold- u. Silbermon.
erhalten ist.
familie (Luc. Zeuxis 4). Wir können uns von der 60 in Wien S. 6 hervorzuheben sind
Stimmung dieses Bildes, das Lukian genau be- Auch der Gedanke, die zu Halbmenschen er
schreibt, auch aus Werken der späteren Kunst,
besonders Sarkophagreliefen, eine Vorstellung
machen (s. die Zusammenstellung bei Heyde-
*) Der noch ziemlich strenge Pariser Intaglio mit
der Figur einer raenschenbeinigen Kentaurin (Babelon,
Cab. d. med. 513, 20) ist eben wegen jener Bildung ver-
dachtig.
höhten Kentauren im Kampfe mit wilden Tieren
darzustellen, erscheint wie eine Fortbildung
der Idee des Zeuxis (vgl. Brunn, K. G. 2,
83 und Philostr. Gemälde S. 265 f.). Das schöne
Berliner Mosaik (31. d. I. 4, 50), die Löwen-
jagd Mus. Borb. 3, 51 (Sp. 1081/2 wiederholt) und
die Tierkämpfe in den Stuccoreliefen von der
1079 Kentauren (abnorme Bildungen)
Via Latina (
Sarkophagen
phagreliefs 2,
dieser Ideen,
des Dionysos
kämpfen und
M. d. I. 6, 49) und später auf
(Gaz. Arch. 1, 12; Amt. Sarko-
6. 7) beweisen die Popularität
Wie die Kentauren im Dienste
und unter der Macht des Eros
musicieren, sich ihres Daseins
lü) Parthenonmetope (nach Baumeister, Denkmäler S. 1175, Fig. 1364)
freuen und gequält werden, zeigen in reicher
Mannigfaltigkeit die unter VI, sowie die "von
Heydemann a. a. 0. angeführten Monumente.
XIII) Abnorme Bildungen seien nur kurz
13) Gemme in Florenz (nach Darember>j-Sa<jlio Fig. 12S6).
erwähnt. Geflügelte Kentauren sind der
griechischen Kunst fremd; dagegen hat von
orientalischen Vorbildern (s den oben abgebil-
deten babylonischen Kentauren) die etruskische
Kunst die Beflügelung übernommen (Bucchero-
vase Berlin 1556). Das Mischwesen auf der
Gemme D. a. K. 2, 599 scheint ein nach Ana-
Kentauren (Lokale der Sagen) 1080
logie der Kentaurengestalt umgebildeter Sphinx.
— Auch gehörnte Kentauren weisen auf
orientalische Vorbilder zurück (s. das kyprische
Figürchen unter XII); in später Kunst tau-
chen sie wieder anf, aber rein dekorativ; s.
Petersburg 916 und Benndorf, Ant. v. Zürich
458 Tti. 8, 94. Die sonst
--»---»-;n nur c|eu Halbtieren des
Meeres eigentümlichenBlatt-
auswüchse zeigen die Ken-
tauren des Sarkophags Gaz.
Arch. 1, 12. In gewissem
Sinne abnorm, aber nur eine
Konsequenz der Erotentän-
deleien der Spätzeit, sind
Erotokentauren oder
Kentaureroten, z. B. A. Z.
1848 Tu. 23. — Vgl. Cheiron,
wo der inzwischen bekannt
gewordene Marmorkopf M.
d. I. 12, 1 (vgl. Krolcer, A.
d. I. 1884 p. 50 ff.) hinzuzu-
fügen ist: s. die Abbildung
Sp. 1083. Sauer.]
XIV. Die Lokale der
Lapithen- und. Kentau-
rensage.
Anhang.
1"| Thessalien. Diese
Landschaft im weitesten
Sinne genommen kann als
die eigentliche Heimat der
Kentauren und Lapithen
gelten. Was die Kentau-
ren betrifft, so bewohn-
ten diese, an ihrer Spitze
Cheiron (s. d.), nach der
ältesten Tradition bei Homer
(II. 2, 744. 16, 142 ff. und
Hesiod ( Catal. fr. ed. Göttling.
nr. 110; vgl. Find. Pyth. 2, 42 ff.) das waldige
Peliongebirge*), aus welchem sie nach II. 2,
744 von den Lapithen in die Nähe des Ge-
bietes der Aithiker (an den Quellen des Pe-
neios am Pindos; vgl. d. Schoh zu H. 2, 744)
vertrieben sein sollen; erst in weit späteren
Quellen werden noch andere thessalische Ge-
50 birge als Wohnsitze der Kentauren genannt;
so Homole und Othrys (Eur. H. für. 370.
Verg. A. 7, 675. Ov. Met. 12, 513), der Ossa
(Ov. Met. 12, 319. Stat. Theb. 9, 220. Solin
68, 15 Mommsen), der Pindos {Orph. Arg. 382),
das Oitagebirge (Schot. 11. A 268) und dessen
östliche Fortsetzung, das unmittelbar den Ther-
mopylen benachbarte (nach Midier, Dorier
1, 42, 1 ursprünglich dryopische) <Z><ji'kioj> (Bur-
sian, Geogr. 1, 186), an der Greuze von Lokris,
60 *) Vom Pelion kommt der Flufs AmyTOS herab,
an welchem eine gleichnamige Stadt lag {Bursian, Geogr.
v. Gr. 1, 64. 99. 104), deren lelegische Bewohner nach
der euheraeristischen Auffassung bei Steph. Byz. s. v.
"-iuvnoz ICevtaupoi und j7l3loxhrtttvQOt geheifsen haben
sollen, wahrend andere die Kentauren mit den Ainianen
identificierten [Hasyctl. 8. v. htvrai not). [Wirklich sollen
die Ainianeu, genau wie die Kentauren, aus dem Dotion zu
den Aithikern vertrieben worden sein, und zwar ebenfalls
durch die Lapithen: Piutardi. quaest. graec. 13. Tümpel.]
1081 Kentauren (Lokale der Sagen)
wo nach Steph. Biß. s. v. der von Herakles ge-
tötete Kentaur Phrikios hauste. Nach Hesychios
Kentauren (Lokale der Sagen) 1082
SictcptvyovTic: rmv Kfvxavgow, woraus hervor-
zugehen scheint, dafs man sich den Schau-
Ä^, \
war JJvQQaia ein iotpo? Iv /tatim oder eine fioigu
T7js ©töCßliKg (vgl. auch Steph. Bys. s. v.
TLvqalu), doxovci öl s(g xuvzr\v ■AUTatpvyftv ol
platz des Kentaurenkampfes in der tiefsten,
von Überschwemmungen am meisten heim-
gesuchten Niederung Thessaliens, also in der
1083 Kentauren (Lokale der Sagen)
Kentauren (Lokale der Sagen) 1084
Gegend des dotisohen Gefildes dachte (Bursian,
Geogr. 1, 63, 3. Strab. 442. Neumann- Partsch,
Phys. Geogr. v. Gr. 156). Nach Sehol. II. 2,739 soll
Herakles die LapithenstadtElone in Perrhaibia
inl tcö 9ai'ocT(p KivzavQcov gegründet haben,
■wie denn überhaupt nach einigen Quellen auch
der Kampf des Herakles mit den Kentauren
in Thessalien stattfand (vgl. Mythogr. Tat.
ed. Bode 1, 61; s. ob.). Ziemlich in dieselbe
Gegend, aber vorzugsweise in die fruchtbare 10
am Fufte des Pelion, der Homole und Ossa,
den Überschwemmungen am meisten aus-
gesetzte Tiefebene des dotischen Gefildes (wo
nach Soph. fr. 353 N. Koronos herrschte; vgl.
Bursian 1, 73) verlegt die Sage auch die Sitze
15) Kopf des Cheiron im Conservatorenpalast zu Eom
(nach M. d. I. 12, 1),
der Lapithen. Die in dieser Tiefebene gelege-
nen hauptsächlichsten Lapithenstädte wai'en:
Argissa oder Argura (= Leontinoi, Steph. Byz.
s. v. "jQyovQct), einer von den Sitzen der bei-
den Lapithen Leonteus und Polypoites (II.
2, 738 ff.), Larissa, der Sitz des Ixion und
Peirithoos (Apollod. 1, 8, 2. Palaeph. 1. Apostol.
9, 73), oder des Polyphemos (Ap. Bh. 1, 40), eo
ferner Atrax, die Stammburg des Atrax und
Kaineus, Gyrton, Elateia, der Sitz des Elatos,
Mopsion, die Stadt des Mopsos u. s. w. (s.
d. Art. Lapithen). Ferner gelten auch die im
nördlichsten Teile von Thessalien gelegenen
Städte Orthe, Elone, Oloosson, sodann die
Gegenden am Othrys und Pindos als zum La-
des Olympos (wo Koronos herrschte, Diod. 4,
37), also auch Pierien*), wird hierzu ge-
rechnet werden müssen, wenigstens seheint
Eioneus [bei TJioäor. IV, 69 Hesioneus], Sohn
des Magnes, Freier der Hippodameia (Paus.
0, 21, 11. Schol. Ein: Plioen. 1760) und
Schwiegervater des Ixion (Pherek. b. Schol.
Ap. Bh. 3, 62), nach Apollodor Bruder des
Pieros, Eponymos des von Steph. Byz. als
■nolig izQog rjj üisgia bezeichneten 'Hliov ge-
wesen zu sein. Hierzu stimmt, dafs auf sehr
alten um 500 v. Chr. in der Gegend des
Pangaion (wo nach Herod. 7, 112; vgl. Thul;. 2,
98; vgl. Pauhj, Enc. s. v. Pieria, die aus ihrer
Heimat am Olympos vertriebenen Pierer wohn-
ten) geschlagenen Münzen der Ürreskier, Zaie-
lier etc. Kentauren erscheinen, welche Frauen
(Nymphen?) rauben (vgl. Catalogue of the greek
coins in the Brit. Mus. Maced. S. 147 ff.).
Vgl. auch die Kentauren auf Münzen des in
der Nähe gelegenen Amphipolis (Cat. a. a. 0.
46 u. 50) und auf sehr alten Münzen von Lete,
welches nördlich von Thessalonike an der von
Pierien nach dem Pangaion führenden Strafte
lag (vgl. die Karte zum Catal. a. a. 0. und Im-
hoof-Blumer, Monnaies gr. S. 82). Beachtens-
wert erscheint, dafs nach Hygin (f. 138) die
Liebschaft des Kronos und der Philyra nach
Thrakien verlegt wurde und dafs einer der
bekanntesten Kentauren mit dem thrakisch-
makedonischen Fluft Nessos (vgl. auch den
thessalischen See Niaccovi'g bei Larissa) ho-
monymist. Dafs dieser thrakische Fluft ebenso
wie der thessalische See Nessonis seiner Um-
gebung oft durch Überschwemmungen
schadete, erfahren wir aus Strab. 331,44. 430, 2.
Weist etwa der von Ocid Met. 12, 334 erwähnte
Kentaur Helops auf die von Steph. Byz. s. v.
'EXXoitCa erwähnte Stadt der Doloper am Pin-
dos, und Elymos (Oe. a. a. 0. 460) auf die in
der Nähe des Gebietes der Aithiker gelegene
Landschaft Elimia, deren Eponymos nach
Steph. Byz. s. v. 'Elifiia EXvuog hieft?
2a) Euböa (?). Wie schon die Alten an-
nehmen, hingen die Hestiaier im nördlichen
Thessalien mit den Bewohnern von Hestiaia im
nördlichen Euböazusammen (vgl. Bursianßeogr.
v. Gr. 1, 50); in Eretria wohnten (thessalische)
Minyer (Bursian 2, 419), in Styra, Karj'stos,
Kythnos Dryoper (Dibbelt, Q. Coae mythol.
Gryphisic. 1S91 S. 43ff.). Aus dieser That-
sache erklärt es sich vielleicht, dafs einzelne
Kentaurennamen, z. B. 'Ogößiog (C. I. Gr. S185)
und "Aßug (Ov. M. 12, 306) auf euböische
Gegenden hinweisen. Orobios scheint mit
Orobiai, "Aßag dagegen mit den "Aßavzeg auf
Euböa zusammenzuhängen. Vgl. auch Karystos
[den Eponymos des der Sage nach von Dryopern
(am Spercheios) gegründeten Karystos] als
Sohn des Cheiron und der Chariklo.
2b) Phokis (?). Hier saften bekanntlich
thessalische Phlegyer unter Phorbas (Bursian 1,
*) Dafs Pieria und Emathia nicht zu Thrakien, son-
dern eher zu Thessalien gerechnet wurden , ersieht man
schon aus Hom. IL -T 225 ff.; Tgl. Riese, Jahrb. f. kl. Phil.
1877 S. 227. Vgl. auch den Ort Pierion in Thessalien
(Tltuc. 5, 13), nach Ael. h. a. 3, 37 wohi an der Nessonis
liegend (Bursian. Geogr. 1, 73, 3).
1085 Kentauren (Lokale der Sagen) Kentauren (Lokale der Sagen) 1086
158ff. 168. Müller, Orchom.1 188. 263) sowie 6) Arkadien. Hinsichtlich des ursprüng-
Dryoper {Dibbelt a. a. 0. 46 f.). Derselbe lieh wohl zu Arkadien gehörigen Pholoe-
Name (Phorbas) spielt bekanntlich unter den gebirges (vgl. 4>oi.o'?js ovgsa IiagoctatSog b.
Lapithen eine Rolle. So erklärt es sich viel- Stepjh. Byz. p. 509, 5 = Schneider, Callim. 2
leicht, wenn Hygin fab. 14 p. 43 B. einen p. 766) s. d. vor. Abschn. Aufserdem exi-
der Argonauten Phocus Caenei filius ex Mag- stierten noch an anderen Punkten Arkadiens,
nesia nennt, insofern daraus hervorzugehen wie es scheint, sehr alte Kentaurensagen. So
scheint, dafs der Eponymos von Phokis ein sollte die im südöstlichen Arkadien in der
Phlegyer oder Lapith und aus Thessalien ein- Gegend von Tegea, Mantineia und Methydrion
gewandert sein sollte. 10 heimische Atalante die beiden Kentauren Hylaios
8) Aitolien und Ozolisches Lokris. und Rhoikos (Lykos), welche ihr Gewalt anthun
An der Grenze dieser beiden Landschaften lag das wollten, in Arkadien erlegt haben (Kallim. hy.
Taphiassos- oder Taphiosgebirge (Bursian, 3, 221 ff. u. Schul. Ael.v.h. 13, 1). Auch von
Geogr. 1, 134), hv co rö xov Niaaov avrifiu dieser Gegend, namentlich aber von dem Ge-
Kca xmv ciXXutv KavravQoiv, av änb ryg öf/itf- filde Mantineias ist bekannt, dafs es, wie im
Öovog cpaoi zb vnb zjj Qifcrj xov Xocpov iznoxio- Altertum so auchjetzt noch, häufig von den durch
ysvov övaääig »cl tfoöijißovg i'iov väao qsiv die Wildbäche'*) hervorgerufenen Über-
(Strab. 427, 8; mehr oben Sp. 1044f. und schwemmungen zu leiden hat (vgl. Bursian
Sp. 1049, [sowie Lykaphr. 670 mit Schol. Ptol. 2,208. Vischer, Erinn. 343 ff. Neumann-Partsch,
Reph. 5 über die Kentauren der (aitolischen) 20 Phys. Geogr. v. Gr. 250 f.) Übrigens sind auch
Seireneninsel. Tümpel.] 1. Ganz in der Nähe für diesen Teil Arkadiens thessalische Ein-
strömt der häufige Überschwemmungen Süsse anzunehmen, da Atalante die Enkelin
bewirkende (Isambert, Bin. de V Orient 202 f.) des Minyas (Apollod. 3, 9, 2) und des ur-
Flufs Euenos, dessen Tiog&iJ.i'vg der Kentaur sprüuglich in Thessalien heimischen Athamas
Nessos gewesen sein sollte. Einer der von sein sollte. Ferner finden wir Spuren von Ken-
Ovid (Met. 12, 433) aufgezählten Teilnehmer tauren- und Lapithenmythen in dem ganz beson-
an der Lapithensehlacbt heilst Tectaphos ders von periodischen Überschwemmungen
Olenides, was wohl auf die alte aitolische heimgesuchten Thalkessel von Pheneos (Neu-
stadt Olenos hinweist (Bursian, Geogr. 1, 131). mann- Bartsch S. 252 — 254). Denn nach Diodor
Wahrscheinlich stammt die ätolische Kentauren- 30 (4, 70) sollen einige Lapithen nach Pheneos
sage aus Thessalien, da nicht nur Endymion, und Malea, nach Apollod. 2, 5, 4 Cheiron und
der Vater des von Elis eingewanderten Aitolos, andere Kentauren von den Lapithen aus Thes-
aus Thessalien stammen sollte (Apollod. 1, 7, salien nach Malea (und Arkadien) vertrieben
5), sondern auch von einer Einwanderung von worden sein (vgl. Schot. II. 1, 263. Immer-
thessalischen Aiolern in die Gegend von Kaly- wahr, D. Kulte u. Mythen Arkadiens 1, 39 ff.).
don und Pleuron erzählt wird (Bursian 126, 2), Esmufs einstweilen fraglich bleiben, ob in diesem
wie denn auch mehrere Lapithen (z. B. Peiri- Falle unter Malea das bekannte Vorgebirge
thoos, Kaineus, Mopsos) an der kalydonischen Lakoniens oder der arkadische Ort Malaia. südl.
Jagd teilgenommen haben sollten. von Megalopolis zu verstehen ist, wie Welcher
4) Elis und Triphylien. Unmittelbar an 40 annimmt. Sodann finden sich Spuren von
der Grenze von Elis und Arkadien und wahr- Kentaurensagen auch in dem Kesselthale von
scheinlich mehr zu letzterem gehörig, liegt Kleitor, dem Mittelpunkte des Azanengebietes,
das Pholoegebirge „von tiefen (höhlenreichen) denn nach Diod. 4, 33 wollte der Kentaur
Schluchten durchschnitten, in denen die Ge- Eurytion der Braut des Azan Gewalt anthun,
wässer teils nach Süden dem (häufig aus seinen wurde aber von Herakles erschlagen. Auch
Ufern tretenden) Alpheios zufliefsen, teils sich die Münzen von Kleitor zeigen einen Kentauren
den Weg nach dem Tieflande von Elis bahnen, (Imhoof-Blumer, Monn. gr. 188. Cat. of gr. in
das sie, zum Peneios vereinigt, durchströmen" the Brit. Mus. Beloponn. Tat. 33, 11). End-
(Vischer, Erinn. 473. Neumann- Partsch 259). lieh sollte der Kentaur Homados in Arkadien
Dieses Pholoe ist der Schauplatz der Sage 50 von Herakles erlegt worden sein, weil er der
von Pholos gewesen. Südlich vom Alpheios Alkyone (s.d.), Schwester des Eurystheus, Gewalt
liegt das Lapithas (-os?) -Gebirge, von welchem angethan hatte (Diod. 4, 12). Wahrscheinlich
der übelriechende Anigrosbach (= Minyeios) ist die Mutter des Halirrhothios aus Mantineia
herabkommt (Bursian 2, 280). Von diesem und Gattin des Perieres gemeint (Schol. Pind.
Flusse gab es eine Lokalsage, wonach Cheiron Ol. 10 [11], 83), so dafs dieser Mythus wohl
oder der Kentaur Pylenor (Eponymos von nach Mantineia (s. 0.) gehört. Die hohe
Pylos?j, vor Herakles fliehend, seine Wunde Popularität der Kentaurensage in ganz Arka-
in diesem Flusse gewaschen haben sollte (Parts. dien erhellt übrigens zur Genüge aus den im
5, 5, 10). Da nun in Elis eine Einwanderung 5. Jahrhundert entstandenen Darstellungen
des Lapithen Phorbas (Diod. 4, 69), Sohnes go des Frieses des Apollontempels zu Phigaleia.
des Lapithes, und der ebenfalls thessalischen
Minyer (Bursian 2, 272 ff. Müller, Orchom. 360) *) Vgl. auch folgende (oaca t, 68 aus Arttinos
erfolgt sein sollte, SO erklärt sich hieraus leicht stammende) Schilderung des arkadischen zatarj.voftog
die elische Kentaurensage. Die grofse Populari- Os1 li 6S bio/ißQla), welcher den Iasos und Dardanos
tat des Kentaurenmythus in Elis ergiebt sich zur Auswanderung gezwungen haben soll, hei pion. Bai.
nn\ „ • t^ , ,1 i n* i_ i o.nl. R. 1, 61: xataxXvauov yeroutrov utyu/.ov tiboi
schon aus seiner Darstellung an dem Gn-bel < >_/ \< - • „ \- >- ■? -o. i ÜA-t - ■ s
j , . _, o v thv udpxadiav zu jlisv 7ttut.ee e-^/^roicr?/ y.cu TtOMov yqovov
des olympischen Zeustempels und aus anderen Ymgri;a»ai Mmta >}r, „l äh äv»Qmtiot öiy.ow . . .'. äv'u
Bildwerken.
tu üoi] yZio/ßoil noQLLufnvoi Taz roor/icic y.. t. ?..
1087 Kentauren (Lokale der Sagen) Kentauren (Lokale der Sagen) 1088
6) Malea. Mehrfach wird die „durch zahl- ros, Periphas, Mopsos, die zugleich der tkessali-
reiche Katavothren und geschlossene (also von sehen und derattischen Sage angehören und viel-
Überschwemruungen durch Giefsbäche heim- leicht 'Dryoper' waren, 1 'öpffer,Aus d. Anomia
gesuchte) Kesselthäler" (Neumann-Partsch 30ff. u. 40ff. Anders Kirchner, Attica et Pelo-
253) ausgezeichnete Halbinsel (vgl. Orph. Arg. ponnesiaca. Greifswalder Diss. v. 1890 S. 6011'.
20&Mcd.£rJTidog axQijs a^J.röi'ßs) Malea als der Ort 10°) Ebenso war die Kentaurensage schon
angegeben, wo Cheiron und andere Kentauren iu sehr alter Zeit auf der von Argolis aus
nach ihrer Vertreibung aus Thessalien durch kolonisierten Insel Rho dos (Müller, Dorier 1,
die Lapithen gewohnt haben sollen (Apollocl. 102 ff. 108) höchst populär. Dies ersieht man
2, 5, 4. Schol. IL 1, 263) und wohin sich auch to aus zahlreichen sehr altertümlichen rhodiseben
mehrere von Herakles aus Pholoe verjagte Bildwerken (aus Kameiros); vgl. Fig. 10; Meyer
Kentauren flüchteten (Apollocl. a. a. 0.), während a. a. 0. 59. Milchhöfer , Anf. d. K. S. 75 f.
Malea nach Diod. 4, 70 umgekehrt den La- Salzmann, Ne'cropole de Camiros pl. 38. 39.
pithen als Zufluchtsort diente. Es scheint dem- Daremberg-Saglio, Dict. des ant. s. v. Centauri.
nach auch in Lakonien die Kentaurensage Auch hier ist thessalischer Einflufs denkbar,
heimisch gewesen zu sein, wozu stimmt, dafs da Phorbas, der Sohn des Lapithes, nach Rho-
einerseits sich daselbst auch einzelne Beste dos, der Thessaler Triopas, ebenfalls ein Sohn
altthessalischer Stämme, der Minyer und La- des Lapithes oder des Phorbas (nach anderen
pithen an den Abhängen des Taygetos nach- Vater des letzteren), nach dem nahegelegenen
weisen lassen, andererseits die Kentaurensagen 20 Knidos gewandert sein sollte (Diod. 5, 58;
in altlakonischen Bildwerken, z. B. dem Throne vgl. ib. 61). Hinsichtlich der Beziehungen
von Amyklai (Paus. 3, 18, 9 ff.), dargestellt zwischen Rhodos und Olenos sowie Bura in
waren, also in Lakonien populär gewesen sein Achaja s. Tümpel in Fleckeisens Jahrb. Supjpl.
müssen. Vgl. das Lapithaion auf dem Tay- 16 S. 156 f.
getos (Bursian, Geogr. 2, 131) und hinsieht- 10b) Dasselbe wie von Rhodos gilt auch
lieh der Minyer Müller, Orchom. 313. Bursian von Kypros, der u. a. von Arkadien aus
2 , 108. 145. Hcrod. 4, 145 ff. Beachtenswert kolonisierten Insel, auf der (bei Aipeia) eigen-
erscheint in diesem Zusammenhange eine Notiz, tümliche archaische, mit Bart und Hörnern
dafs Pholos der Sohn des auf Malea (Malta- ($. oben) versehene, öfters gorgonenhaften
yovog Pind. fr. 57 B.) geborenen Silenos und 30 Ausdruck zeigende Kentaurenidole gefunden
einer melisehen Nymphe war (Apollod. 2, 5, 4). sind (Jahrb. d. Arch. Inst. 1889 Beiblatt S. 88).
7) Achaja. Nach Apollod. 2, 5, 5 und 11) Wenn auf dem hochaltertümlichen
Diod. 4, 33 erlegte Herakles den Kentauren Friese des Tempels von Assos vor Herakles
Eurytion zu Olenos, als dieser die Tochter fliehende (nicht stierjagende; vgl. M. 3Iayer,
des Dexamenos (s. d.) freien oder ihr Gewalt Jahrb. d. Arch. Inst. 7 (1892) S. 78f. Anm. 18)
anthun wollte. Nach anderen Quellen (vgl. Kentauren erscheinen, so erklärt sich dies
C. I. Gr. 7605. Schol. Callim. in Del. 102. Et. möglicherweise aus der indirekten Verbin-
31. 209, 42. Callim. ed. Schneider 1 p. 277) düng, in welcher Assos mit Thessalien ge-
war Dexamenos ([H]exadios) selbst ein Ken- standen haben soll. Denn Assos war eine
taur. Wahrscheinlich hängt diese Kentauren- 40 Kolonie von dem gegenüberliegenden Lesbos,
sage eng mit der elisch-arkadischen und aito- dessen Eponymos nach Diod. 5, 81 ein Sohn
lischen zusammen, da Olenos ursprünglich des Lapithes und Enkel des Aiolos sein sollte,
mit zu Elis und zum Gebiet der Epeier gehörte Hinsichtlich der prähistorischen Beziehungen
(Bursian, Geogr. 2, 322. Schol. Od. <p 295). zwischen Lesbos einerseits und Thessalien und
8) Korinth. Von Wohnsitzen der Ken- Arkadien anderseits vgl. Tümpel, Philolog.
tauren in der Gegend von Korinth wissen wir N. P. 2 S. 124ff , 3 S. llSff. 723ff.
nichts, dagegen haben die Lapithen entschie- 12) Hinsichtlich der Vermischung der Ken-
dene Beziehungen zu Korinth, insofern nach tauren- und Sirenensage in der Nähe des itali-
Herod. 5, 92 die Kypseliden ihren Stammbaum sehen Kyme s. oben.
auf Kaineus zurückführten. Nicht unwahr- 50 Auf Grund der vorstehenden Übersicht
scheinlich ist daher die schon von O. Müller, können wir nunmehr als höchst wahrschein-
Handb. d. Arch. § 57 ausgesprochene Vermu- liches Resultat aussprechen, dafs als eigentliche
tung, dafs die an dem Kasten des Kypselos dar- Wohnsitze der Kentauren nur gebirgige und
gestellten Kentaurensagen mit den alten Fami- häufig von Überschwemmungen heiin-
lientraditionen der Kypseliden zusammenhingen. gesuchte Gegenden (Kesselthäler) wie Thessalien,
9) Ganz Ähnliches wie von Korinth gilt Arkadien, Aitolien anzusehen sind, und dafs über-
auch von Attika, wo die Perithoiden und haupt in der ältesten Zeit die Sage von den
Philaiden sich lapithischer Abstammung rühm- Kentauren nur da heimisch ist, wo nachweislich
ten (s. Lapithen), und dessen Nationalheros thessalischeStämme(Lapithen,Minyer,Dryo-
(Theseus) Freund des Peirithoos und Teilnehmer 60 per, s. Dibbelt, Quaest. Coae mythol. Gryphisw.
am Kentaurenkanipfe gewesen sein sollte. Die 1891 S. 42 ff. u. Tüpffer, Aus d. Anomia 42 f.) ein-
hohe Popularität, welche daselbst die Ken- gewandert sein sollen (Thessalien, Euboia,
taurensage genofs, erhellt aus vielen gröfseren Aitolien, Elis, Arkadien, Lakonien, Rhodos,
und kleineren Bildwerken am Parthenon, The- Attika etc.), daher als eigentliche Heimat der
seion, der Francoisvase u. s. w. (Meyer, Ken- Kentauren in erster Linie Thessalien, in zwei-
tauren-Gandharven S. 61 ff.). Vgl. über die ter Arkadien anzusehen ist. [Röscher.]*)
thessalischen Beziehungen des Kentauren- ») [Derjenige thessalisehe Stamm, dem ursprünglich
kämpfers TheseilS ZU PeiithoOS, Phorbas, Phale- die Kentauren -Vorstellung geeignet zu haben scheint.
1089 Kentaureroten Kephalos (Abkunft, Heimat, Mythen) 1090
Kentaureroten s ob. Sp. 1080. der einst blühenden Zwölfstadt der Paralia
Kentaurides (KsvTavgiäss), weibliche Ken- im "äufsersten Osten Attikas, ansässig (Phere-
t.auren; s. oben Sp. 1 0 7 7 ff. n. vgl. Heydemann, hydes schal, i. 321. Apollod. 2, 4, 7. Anton.
7. Hall. Winclcelmannsprogr. S. 12 f. [Röscher.] Lib. 41), also ohne Zweifel als Eponymos
Kentauros (KevxavQOg) s. oben Sp. 1032 f. des nordwestlieh von Thorikos gelegenen (vgl.
Keos (Kswg), Sohn des Apollon und der Milchhöfer, Sits.-Ber. d. Berl. Ale. 1887, 53)
lihodoessa, Eponymos der Insel Keos, Et. M. Demos Kepkale, der wie Thorikos zur aka-
507, 54. Steph. B. v. Käs. Er kam von Nau- mantischen Phyle gehörte, {Welcher, A. D. 3,
paktos dorthin (Lokrer aus Naupaktos = Kolo- G0. v. Wilamowits, Kydathen 125. 146; vgl.
nisten von Keos, Bursian, Geogr. 2, 409, 2), 10 auch Suidas Hspu/iEvetv) und als Ahnherr des
Heiakleides b. Müller, fr. lüst. gr. 2 p. 214, 9, 1. attischen Geschlechts der KscpcdiSai (Hesych.
[Stoll.] s. v.), dessen ursprüngliche Zugehörigkeit zu
Kepens (Krinevq), Anführer der Kentauren, Thorikos nach den Untersuchungen von Töpffer,
Nonn. 14, 188. [Lorentz.] Attische Genealogie S. 260 f. nicht mehr be-
Kephalion (KtepaXimv), ein Hirt in Libyen, zweifelt werden kann (wie bei Maafs, Anal.
Sohn des Amphithemis und einer tritonischen Eratosth. p. IIS). Als Gemahl der Erechtheus-
Nymphe, der die Argonauten Eribotes und tochter Prokris wird er auch zu Athen
Kanthos tötete, weil sie seine Herde plündern wohnhaft gedacht (Apollod. 2, 4, 7. 3, 15, 1.
wollten, Hyg. f. 14 p. 44 Bunte. Er heif^t bei Ovid Met. 7, 723) und geradezu als Athener
Hygin Bruder des Nasamon; bei Ap. Eh. 4, -20 (Kyklische Thebais bei Phot. u. Suid. Tevfirj-
1496 dagegen tötet Nasamons Bruder Kaphau- ata. Schol. V IL 4, 330. Nonn. 48, 680), selbst
ros den Kanthos bei der Herde. [Stoll. ] als König von Athen (Hyg. /'. 48. 189. Serv.
Kephalos (Kfcpulos). ad Georg. 1, 19), oder als Sohn des atheni-
. sehen Königs Pandion (Hyg. f. 270) bezeichnet.
I. Abkunft und Heimat. Diea war eine Fo!ge der von pammias x, 37, 6
Nach überwiegender Angabe war Kephalos berichteten Ansiedelung der Kephaliden mit
der Sohn des Deion oder Deioneus (s. ihren apollinischen Gentilheiligtümern in der
„Deion"), welcher, von Apollodor 1,9, 4 unter den Nähe von Athen an den Abhängen des Aiga-
Deukalioniden aufgeführt, Gemahl der Diomede leos, vgl. Töpffer a. a. O. Nun wurde der
und König von Phokis genannt wird. Ohne 30 Hymettos, über welchem für Athen die Mor-
Rücksicht auf diese phokische Heimat erscheint genröte erschien, zum Jagdgebiet des Kephalos
er dagegen in der attischen Sage zu Thorikos, und zum Schauplatz sowohl der Eos- als der
Prokrissage (Ovid Met. 7, 702. Art. am. 3, 687),
sind die Aioler, und die Religion die aiolische des während die paralische Sage sich diese Vorgänge
Helios und der Hera, wie sie II. D. Müller skizziert hat am Ostrand von Attika gedacht hatte. Bei der
Viijtii. d. griech. Stämme 2, 337 ff., l, 7. 248 ff.; vgl. Philo- Zusammenstellung dieser ursprünglich getrenn-
*•. B. F. 4 [1891] S. 618 ff.). Nicht nur sind in den ^ g schien& es geeignet, dem VOU Eos
Kentaurenlandschat ten gerade die Heliosheroen Ixion ,„.., ° „ . . P ° x... • ,, •
(mit Sonnenrad und Roftgespann: Vioäor. 4, 69), Phae- entführten Kephalos eine andere für einen atti-
thon, Angelas, Aietes (von Kolchis-Euboia: E. Maafs. scflen Heros passende Abstammung zu geben
Hermes 18SS S. 699 ff.; Götting. Oei. Am. 1890 S. 352) u.a. 40 als dem Gemahl der Prokris, und so machte
sowie berühmter Helioskult (am Taygetos, auf Bhodos) man ersteren zum Sohn des Hermes und der
mit Rofsopfer und Rofsgespann heimisch; auch die Hers e (Apollod. 3, 14, 3. Hyg. f. 160, WO Kreusa
Genealogie zeigt die Kentauren mit Helios-Heroen (Ixion, st Herse), was aber dann mit Unrecht auf den
Peirithoos = n^i-»oo;-M. Mayer Giganten u. Tit. 91, prokrisgemahl übertragen wurde (Ooid Art.
v. Wilamowitz. Homer. Unters. 203 *), Polypoitea = no/.v- „ _„. Drr - ft„. ri° TT r * a ^ ->
,poka;: Pape-Benseler u. a.) und Heraheroinen verknüpft 3- <2°- HV9- f- **£■ Gegen Heyne (ad Apollod.
(Dia, in Phlius = Ganymeda, in Sikyon = Hebe, ist eine 1; 9. *)> der zwei Kephalos annahm, S. II elcker,
Hera-Hypostase: v. Wilamowitz, Herakles 1, 301 <■>; Philo- A. D. 3, 58. Die attische Heimat des Kephalos
logus a. O. S. 616). Nephele, des Kentauros andre Mutter, ist also aufser Zweifel trotz seiner Abstam-
wird sogar vom Mythos selbst als Heraeidolon bezeugt, mung vom Phoker Deion. Versuche zur Er-
Ixion ist beider echter Gatte, ein aiolischer Helios neben 50 klärung der letzteren S. bei Töpffer a. a. O.
der Hera; Zeus, der achäische Stammgott, nur fremder o oqq Anm -i . orr; Anm 2
Eindringling. Die Rofsgestalt haben aufser Zeus , der ' '
sie erst von Ixion haben mufs, Hippe (-o), Chariklo und jj TV/Tirtri^n
Okyroe(V), Dia, Nephele; Ixion ist Besitzer von Rossen', _ " . . '
sein Sohn Peirithoos zugleich Sohn und Gatte einer Ken- Die Kephalossage ist in ihrer letzten Ge-
taurin; denn der Name der Hippodameia weist diese He- stalt, wie sie bei Ovid und in HyginS Fabeln
roine dem Kentaurengeschlecht zu, aus dem sie erst unter vorliegt, ein novellenartig ausgesponnenes
dieLapithen geraten zu sein scheint (Buttmann, Mijth. 2 Mythengewebe, in welchem die attische Pro-
222f.). Hochaltertümlicb, und wohl durch die 'niedere' 1„„"„„^™„ ,-l„„ tt~ ™ t*;i,1.-4- „ , A~~ r;^l, -il+~„~
.,., ' . . . !_,.... ,, , . . „ . krissage den Kern bildet, an den sien tiltere
Mythologie so treu bewahrt, ist der Zug, dals das Rofa , ..? ,T ., i - t n
hier nicht, wie sonst in den aiolischen Heliosmythen, Und jüngere Mythen aus verschiedenen Sagen-
ais Gespanntier erscheint, sondern als die Tiergestalt spuk- 60 kreisen ansetzten. Diese Mythen sind:
hafter, räuberischer und lüsterner Menschen- (= Toten-?) 1) Der Raub d e S K ephal O S dur ch E O S ,
Seelen in die Wildnis Entrückter. Verwandiungs- zuerst in der Theogonie erwähnt, dargestellt
mythos, also Dualismus einer wechselnden Tier- und oben Unter ,,Eos" Bd. 1 Sp. 1268f. 1273f.
Menschengestalt, ist ja oft im Mythos vorausgegangen, 2) Die Sage VOUl teumesisclien FuellS
bevor die Kunst (hier wohl unter Anregung orientali- ]autete jQ der kyklischeri Tebais (bei phot un(J
sener A orbilder vom KolsiiicuHclien) nwv. \ >:\ scbinulzung „ , -, _. , .** «7 ■-, t - mi i t -kt 1
beider in ein Mischgeschopf versuchte, und den mon- ?Uld. 1 tvunotec) : Weil die Thebaner die Nach-
strösen Typus der weiterarbeitenden Mythenbildung als kommen des KadlUOS vom thron ausschlössen,
neues Motiv zurückgab. Tümpel.] schickten ihnen die Götter zur Strafe ein
Koscher, Lexikon d. gr. u. röm. Mythol. IT. 35
1091 Kephalos (Sage v. teunies. Fuchs) Keplialos (in der att. Prokrissage) 1092
schlimmes Tier, den teumesischen Fuchs (der den Berg, um zu lauschen, und als sie ihn
nach dem Ort und Berg Teumesos bei Theben dieselben Worte ausrufen hörte, lief sie auf ihu
benannt (Paus. 9, 19, 1. Steph. B. Tevfirjaeog), zu, Kephalos aber aufser Fassung (wohl besser
nach der Bestimmung des Schicksals nie er- nach dem kürzer gefafsten Scliolion z. d. St. :
griffen werden konnte und von den Thebanern in der Meinung, ein Wild im Gebüsch zu
jeden Monat einen Knaben zum Frafs ver- hören) warf den Speer, den er in der Hand
langte (Apollod. 2, 4, 6. 7). Kephalos aber, hatte, nach ihr und tötete sie. Er liefs nun
Deions Sohn, aus Athen, besafs einen Hund, den Erechtheus kommen nnd sorgte für eine
dem kein Tier entrinnen konnte. Zum Dank glänzende Bestattung. Dieser Bericht findet
dafür nun, dafs ihn die Thebaner von dem 10 sich teils . wörtlich , teils in erweiterter Form
unfreiwilligen Morde reinigten, den er an seiner bei Eustath. ad X 320.
Gattin Prokris begangen, jagte er mit seinem Die Verschmelzung der Sagen nr. 2 und 3
unentrinnbaren Hund den unfafsbaren Fuchs. wurde dadurch herbeigeführt, dafs Prokris zur
Dieser ewigen Jagd wurde bei Teumesos da- Besitzerin des unentrinnbaren Hundes gemacht
durch ein Ende gemacht, dafs Hund und wurde (bei Apollod. 3, 15, 1. 2, 4, 7. Eratosth.
Fuchs (von Zeus, Apollod.) in Stein verwandelt Catast. 33. Hyg. astr. 2, 35 nebst den damit
wurden. Der Inhalt der Sage, die auch in zusammenhängenden Schriften bei Robert, Ca-
nordeuropäischen Märchen wiederkehrt (vgl. tust. p. 166 — 169). Hier wird erzählt: Aus
Mannhardt, Ant. Wald- und Feldkulte 58) Beschämung über ihre Untreue (die bei Apol-
spricht von selbst für ein hohes Alter. Am- 20 lodor in einem gewöhnlichen Ehebruch mit
pkitryon erscheint hier noch nicht wie bei Pteleon, nach Töpffer a. a. 0. S 258 dem Heros
Späteren als Vermittler zwischen den The- Eponymos des attischen Demos Ptelea, um den
banern und Kephalos. Der Tod der Prokris Preis eines goldenen Stirnbands besteht) floh sie
ist vorausgesetzt, doch steht diese mit dem zu Minos auf Kreta. Zum Lohn dafür, dafs sie
Hund noch in keiner Verbindung, so wenig diesen von seiner häfslichen Krankheit heilte
wie in der folgenden Prokrissage selbst. (Apollodor wieder gröber: dafs sie ihm trotz
3) Die attische Prokrissage ist zuerst derselben beiwohnte), schenkte ihr Minos den
in der Kekyia der Odyssee, und zwar in einer unentrinnbaren Hund und den unfehlbaren
attischen Interpolation des Frauenkatalogs da- Speer, die früher der Europa angehört hatten
selbst l 321 (vgl. Wilamowits, Kydaihen 225; 30 und nun durch Prokris an Kephalos kamen.
Komposition der Odyssee 149) erwähnt, indem In beiden Sagen lag ein Anknüpfungspunkt
hier Prokris in einer Weise genannt wird, die für diese Verschmelzung. Der wunderbare
ihr Schicksal als bekannt voraussetzt. Die- Hund gehört auch anderen Sagenkreisen an,
selbe galt allgemein für eine Tochter des und besonders spielte der von Hephaistos für
Erechtheus (vgl. Apollod. 3, 15, 1); dafs sie Zeus gefertigte auf Kreta im dortigen Zeus-
bei Hygin. f. 189, 24 Tochter des Pandion, kultus eine Rolle (Anton. Lib. 36). Phcrekydes
bei Servius ad Aen. 6, 445 des Iphiklos heifst, sprach von demselben bei der Pandareossage
beruht auf Verwechslung, s. Schwenck in (schal, r 518), ohne ihn mit seiner Prokris-
Welckers Bhein. Mus. 6, 1838 S. 531. Nach sage zu verbinden. Andere aber reihten die
der ältesten Fassung bei Pherekydes (Schal. I 40 Besitzer des wunderbaren Hundes, Zeus, Europa,
321; vgl. dazu WilamomtZ, Hermes 1883, 425) Minos, Prokris, Kephalos, aneinander, so Ni-
lantet die Sage: Kephalos, des Deioneus Sohn, kandros (fr. 97 Schneider) in seinen 'Etsqoiov-
heiratete die Erechtheustochter Prokris und (itva, und vor ihm Istros, auf welchen die an-
wohnte in Thorai (südlich vom Hymettos; so geführten Stellen bei Apollodor, Catast. 33
Wilamoivitz und Töpffer, Lesart nicht sicher). u. s. w. ohne Zweifel zurückzuführen sind (s.
Um die Treue seiner jungen Frau auf die Robert a. a. 0. Wilamowit:, Hermes 1883, 424).
Probe zu stellen, ging er auf S Jahre in die Europa, welche, den Hund (und Speer) zum
Fremde und kehrte dann in verstellter Gestalt Wächter oder als Geschenk erhält, bildet
und mit reichem Schmuck zurück, um dadurch durch ihre Einschliefsung in der Höhle bei
Prokris zu gewinnen, die auch wirklich teils 50 Teumesos (Antim. Tlieb. fr. 3 Stall) auch wie-
durch den Schmuck teils durch die Schönheit der eine Anknüpfung für den teumesischen
des Kephalos sich verleiten liefs, sich ihm zu Fuchs. Andrerseits enthält auch die Prokris-
ergeben. Jetzt gab er sich unter Vorwürfen sage einen Zug, der zur Verbindung mit dem
zu erkennen, doch kam es zur Versöhnung. unentrinnbaren Hunde führt: Prokris ist
Da nun Kephalos häufig auf die Jagd ging, Jägerin, von Xenojilion Cyn. 13, 18 wird sie
schöpfte Prokris gegen ihn Verdacht wegen mit Atalante unter den berühmten Jägerinnen,
Untreue. Sie befragte seinen Diener, und dieser von Kallimachos Dian. 209 unter den jagd-
berichtete , Kephalos rufe oft auf einer Berg- liebenden Begleiterinnen der Artemis auf-
spitze: Wolke, erscheine! (ci vnpsln, naga- geführt. Dies tritt auch mehrfach in den Dar-
ytvov).*) Prokris begab sich nun selbst auf 60 Stellungen der Prokrissage hervor: bei Ovid
schweift sie, nachdem sie der Untreue über-
*) [unter der Bergspitze, auf der Kephalos jagt, ist führt ist, jagend durch die Berge, bei AyOÜO-
wahrseheinlich der westlich von Thorikos und Kephale (jor 3> ^ j begleitet sie nach der Wieder-
gelegene Hynieltos zu verstehen, um dessen Spitze öfterB
früh morgens dünne Nebelschleier flattern, welche die ist, hegen genau denselben "Wunsch wie Kephalos (u> vs-
hoher steigende Sonne bald zerstreut. Vgl. Neumann. <P&*1, naoayivov), weil die "Wolkenbilduug am Hymettos
Bartsch, Pliys. Oeoar. v. tiriechenl. S. 26 u. 12t. Die Be- nach langer Dürre in der Kegel das ersehnte Vorzeichen
wohner der attischen Ebene aber, deren Eeprasentant des Kegens ist (Neumann-P. a. a. O. S. 27. A. ilommsen,
in dieBem FaUe Kephalos, der Eponymos von Kephale, Griech. Jahreszeiten 1 u. 2 S. 140). Koscher.]
1093 Kephalos (in der att. Prokrissage) Kepbalos (vor d. Areopag) 1094
Versöhnung mit Kephalos diesen auf die Jagd ling verkleidet kehrt sie zu Kephalos zurück
{fjv yag 9ngsvrL-xri), und hierbei tötet sie Ke- und jagt mit ihm unerkannt; ihn ergreift
phalos, ohne es zu wollen, mit dem Speer. heftiges Verlangen nach dem Besitz des wert-
So wird denn auch die Schenkung des Hundes vollen Hundes und Speers; sie verspricht ihm
durch Minos bei Hyg. astr. 2, 35 mit ihrer dieselben, wenn er sich ihr zur Knabenliebe
Jagdliebe begründet, und auch sonst erscheint ergebe, und da er bereit ist, giebt sie sich zu
sie als Besitzerin des Hundes (Athen. 12 erkennen. Sie versöhnen sich, und Kephalos
p. 553 b) und des dazu erdichteten unfehlbaren erhält Hund und Speer. Nun folgt der Tod
Speeres, woher das sprichwörtliche ügotigiSog der Prokris, bei Ovid wiederum übereinstim-
aKovza, Suid. s. v. JEustath. ad X 3f>0. Ebenso 10 mend mit Pherekydes, aber durch ausführliche
gut aber konnte die Schenkung von Hund Gefühlsmalerei erweitert, in doppelter nur
und Speer, wie bei Hyg. f. 189, Ovid und wenig abweichender Erzählung Met. 7, 796
Paus. 9, 19, 1, auf Artemis zurückgeführt wer- und Art. am. 3, 686 — 746. Hier erscheint zu-
den, die auch bei Callim. Dian. 207 einer erst das tragische Motiv, dafs Prokris durch
ihrer Nymphen einen Hund schenkt, und es den unfehlbaren Speer, ihr eigenes Geschenk,
fragt sich, ob Minos oder Artemis das Ur- stirbt; aus Nephele bei Pherekydes macht Ovid
sprüngliche war. Erwägt man, dafs Istros eine Aura, die kühlende Luft, vgl. Jahn, Arch.
der Schüler des Kallimachos war, der in seinem Bettr. 74--f. Eine günstige Meinung für die
Gedicht auf Artemis von Kreta ausgeht und Darstellung Orids erweckt die Übereinstimmung
Prokris unter den kretischen Nymphen Brito- 20 mit dem attischen Vasenbild, das den Tod der
martis und Upis aufführt, 60 möchte man Prokris wiedergiebt, s. unten. Bei Hygin ist
glauben, Istros sei hierdurch veranlafst worden, die von Prokris gefürchtete Nebenbuhlerin statt
Prokris nach Kreta und mit Minos als dem Be- Aura wiederum Aurora. Die Verwechslung
sitzer des Hundes in Verbindung zu bringen. dieser beiden hat in dem Bericht des Servius
In die Krankheitsgeschichte des Minos scheint (ad Verg. Aen. 6, 445 ed. Thilo), der im ganzen
dann Prokris durch eine etymologische Spielerei dem Ovid, in einer Einzelheit Hygin folgt,
hineingezogen worden zu sein (vgl. Antun. Lib. heillose Verwirrung angerichtet. Antoninus Lib.
41 ngörsgov t£,i%QLvev). erzählt den Tod der Prokris gar nicht, sondern
Endlich wurde auch die Sage nr. 1 mit schliefst an die Versöhnung und die Über-
nr. 2 und 3 verbunden, sehr äufserlich bei 30 lassung des Hundes an Kephalos die Geschichte
Apollod. 1, 9, 4, der Kephalos Gemahl der vom teumesischen Fuchs, die Ovid vorher ein-
Prokris und Liebling der Eos neben einander schiebt, und vom Taphierzug an.
nennt, zu einem Ganzen verschmolzen bei 4) Kephalos vor dem Areopag. Der
Hyg. f. 189. Ovid Mit. 7, 690—862. Anton. Bericht Apollodors 3, 15, 1, der manches Eigen-
Lib. 41 (Serv. ad Aen. 6, 445), die im wesent- tümliche hat, schliefst die Erzählung vom Tod
liehen übereinstimmen, im einzelnen variieren, der Prokris mit den Worten: „und Kephalos
besonders in der Motivierung, die bei Ocid wurde vor ein Areopaggericht gestellt und
am feinsten durchgearbeitet ist. Die Er- zu ewiger Verbannung verurteilt." Schon
Zählung beginnt mit der glücklichen Ehe des Hellanikos hatte unter den der Sage ange-
Kephalos und der Prokris, wozu Hygin das 40 hörigen Richtersprüchen des Areopag den Fall
ausdrückliehe Versprechen gegenseitiger Treue des Kephalos aufgezählt (Schal. Hur. Or. 1648),
hinzufügt. Kephalos jagt in der Morgenfrühe doch scheint Apolludor dies nicht aus ihm ge-
auf den Höhen des Hymettos, da sieht ihn schöpft zu haben (Robert, Apoll, p. 90). Viel-
Eos, liebt ihn und verlangt Gegenliebe; Ke- leicht aber auch nicht aus Istros (fragm. 19,
phalos widersteht. Eos entläfst ihn, bei Hygin Müller, Fr.H.Gr. 1 p. 420), bei welchem die Er-
mit den Worten: ich will nicht, dafs du die Zählung von Prokris' Tod mit dem feindseligen
Treue brichst, wenn Prokris es nicht zuerst Auftreten des Erechtheus geschlossen zu haben
thut. Bei Ovid spricht sie: „behalte Prokris, scheint, der bei der Beerdigung die Lanze ins
Undankbarer, aber du wirst bereuen, sie be- Grab stiefs, um es damit als das eines ßiuiag
sessen zu haben", wodurch der nun in Kephalos 50 cltiq%uvwv zu bezeichnen (das äögv insvsynsiv
aufsteigende Verdacht gegen die Treue der vgl. Schümann, Gr. Altert. 2-, 541), während
Prokris und sein Entschlufs, diese auf die bei Pherckydes (s. oben) sich Erechtheus ohne
Probe zu stellen, motiviert wird. Hierbei hilft derartige Handlung an der Bestattung beteiligt.
Eos, besonders bei der Verwandlung des Ke- Die Verbannung des Kephalos aus Athen wird
phalos, tritt aber von da an ganz zurück. Die öfter erwähnt, um dann die Begegnung mit
Verbindung der Eos mit Kephalos mufs bei Amphitryon anzuknüpfen, Strab. p. 456. Paus.
dieser Verschmelzung aufgegeben werden (bei 1, 37, 6. Etym. M. 507, 26. Eustath. p. 307, 5.
Anton. Lib., der jene beibehält, zeigt sich der — Töpffer, Attische Geneal. S. 258f. hält die
Widerspruch); dafs man das schon frühe er- Version der Sage bei Apollodor, welche die
kannte, beweisen die attischen Vasenbilder; s. 60 vom Areopag gerichtete Blutschuld des Ke-
Bd. 1 unter „Eos" Sp. 1269. 1275. Hierauf folgt phalos zum Mittelpunkt hat, für älter als die-
die Versuchung der Prokris, nach Pherekydes ; jtmige bei Pherekydes, welche erst durch die
dann die Trennung und Flucht zu Artemis oder Übersiedelung der Kephaliden in die Nähe
Minos und die Schenkung des Hundes Lailaps von Athen entstanden sei. Vielmehr ist die-
und des Speeres, nach Istros. Nur der letzten jenige Version, welche den Kephalos vor den
Gestalt der Sage (bei Hygin und Anton. Lib.; Areopag in Athen stellt, als die spätere, zum
bei Ovid, wo Kephalos erzählt, nur angedeutet) Ruhm Athens ersonnene anzusehen,
gehört die Rache der Prokris an. Als Jung- 5) Kephallenisehe Sage und Taphier-
1095 Kephalos (kephallen. Sage, Taphierzug) Kephalos (u. Klymene; Deutung) 1096
zug. Kephalos galt, gewifs nur infolge der der ersteren den Rücken zuwendend, weil nach
Namensgleichheit, als Eponymos von Kephal- Pausanias in den Nosten gedichtet war, Kly-
lenia (früheste Zeugnisse Aristoteles im Etym. mene, Tochter des Minyas, sei mit Kephalos,
31. 144, 26 u. Heraclid. Polit. fr. 27 Schmid), Deions Sohn, verheiratet gewesen und habe
und gewisse Geschlechter der Insel leiteten ihm einen Sohn Iphiklos geboren. Pausanias
ihre Herkunft von den Söhnen desselben ab. sucht seinerseits die ursprünglich sich aus-
Zur Begründung dieser Meinung bedurfte es sehliefsenden Sagen dahin zu vereinigen, dafs
der Anknüpfung an die attische Kephalossage, „allgemein die Ehe mit Prokris für die frühere
und hierzu bot sich der von Theben aus unter- gelte". Die Namen Klymene und Iphiklos sind
nommene Zug des Amphitryon gegen die 10 auch sonst in die Kephalossage verflochten,
Taphier dar, an welchem man den Kephalos s. Wileimowitz, Hermes 18, 423 und oben,
teilnehmen liefs. Dies konnte entweder direkt Die Identität des Kephalos im Eosmythos
durch den Aufenthalt des Kephalos in Theben und in den an seine Verbindung mit Prokris sich
nach seiner Verbannung aus Athen geschehen ansehliefsenden Sagen zeigt sich auch in der
(so bei Paus. 1, 37, 6. Eustath. p. 308, 14) übereinstimmenden Auffassung seiner Person,
oder durch Einschiebung der Sage vom teu- In beiden erscheint er jung und schön (j>eos
mesischen Fuchs, indem Amphitryon nach Athen n«t Kalos «at ävägsiog Anton. Lib. 41); seine
kam und Kephalos durch das Versprechen eines Schönheit spielt ebenso beim Raub durch Eos
Anteils an der Taphierbeute zur Jagd auf den (Patts. 1, 3, 1. 3, 8, 12) als in der Prokrissage
teumesischen Fuchs und zugleich zum Taphier- 20 (bei Pherehydes) eine bedeutsame Rolle; bei
zug gewann, wie Apollodor 2, 4, 7 und nach Athen. 13 p. 566 d und Hyg. /'. 270 wird er
ihm Anton. Lib. 41 erzählt. Da somit die unter den hkMigtoi aufgeführt. Ebenso wesent-
Verbindung zwischen der Jagd des teumesi- lieh und beiden Sagen gemeinsam ist der Zug,
sehen Fuchses und dem Taphierzug nicht dafs Kephalos Jäger ist; er bildet für den
wesentlich ist , darf die Teilnahme des Ke- Raub der Eos wie für die Schicksale der
phalos an letzterem, wie überhaupt die kephal- Prokris, ihre Rache, ihre Eifersucht und ihren
lenische Sage, als späteres Erzeugnis der Re- Tod die Motivierung und Voraussetzung. Auch
flexion angesehen werden. Über den Verlauf auf den Bildwerken mit der Verfolgung durch
des Taphierzugs s. „Amphitryon" Bd. 1 Sp. 323; Eos (s. unten) erscheint er mit Hund und
die auf Kephalos bezüglichen Thatsachen, dafs 30 Speer, wenn den letzteren hier auch noch nicht
er für seine Teilnahme die Insel Taphos er- dieselbe Bedeutung wie in der Sage von Prokris
hielt und dieselbe nach sich Kephallenia be- und vom teumesischen Fuchs zukommt. Auch
nannte, werden oft erwähnt, aufser dem dort X.enophon Gyn. 1, 2 zählt ihn unter den be-
Angeführten Strab. p. 456. 459. 461. Epaphrod. rühmten Jägern der Sage auf; vgl. Aelian nat.
in Et. 31. 507, 26. Stepli. B. p. 381, 18. Eustath. anim. Epil.
p. 307, 5. 308 14. Hier erzeugte er mit Ly- m Deut
sippe vier Bohne, welche lnr die Eponynioi
der vier kephallenischen Stämme der üqovooi, Der Raub des Kephalos durch die Göttin der
Eapaiai, Kqüvhoi, TlaXfig galten (die Namen Morgenröte, verglichen mit dem ähnlichen
der Stämme und noch mehr die der Söhne 10 Schicksal ihrer andern Lieblinge, insbesondere
sind seh wankend überliefert); Etym. M. p. 507, die Aufführung jener Begebenheit mitten unter
26. Steph. B. KgüvioL. Andrerseits leitete auch den Erscheinungen des Sonnenaufgangs auf der
ithakesische Ortssage das Gesohlecht des Laer- Vase Mus. Blacas 18 (abgeb. Bd. 1 Sp. 2010),
tes von ihm ab, mit folgendem Stammbaum: führen darauf, einen natürlichen Vorgang als
Kephalos, Keleus (Kileus), Arkeisios, Laertes, Grundlage des Kephal osmythos zu vermuten,
vgl. Eustath. ad B 631. Sehol. L V ad B 173. So sah Welcher (A. D. 3, 55) in Kephalos das
Arkeisios galt aber auch für den Sohn des Ke- Dunkel, welches von der erscheinenden Morgen-
phalos, entweder von Prokris Hyg. f. 189, oder, röte entführt wird; O. Jahn (Arch. Beitr. 77)
nach einer eigentümlichen, von Aristoteles be- „die Frühe des Morgens vor und um den
zeugten Sage, von einer Bärin, s. „Arkeisios" 50 Sonnenaufgang, in ihren verschiedenen Er-
Bd. 1 Sp. 554. An Kephallenia knüpfte sich scheinungen, wie sie sich namentlich auf dem
endlich auch die, offenbar der Sappho nach- Berge zeigen" [ähnlich Ch. Ploix, La nature
gebildete Sage vom Sprung des Kephalos vom des dieux. Paris 1888 S. 235 ff. R.], letzteres
Leukatischen Felsen aus Liebe zu einem Ptere- auch mit Rücksicht auf die Erzählung von
las (?) Strab. p. 452. 461. Schwende, Welckers Nephele oder Aura im Prokrismythos. Um
Lihein. Mus. 6, 554. Welcher, A. I). 3, 59. — auch zugleich den letzteren zu erklären, nimmt
Töpffer a. a. O. S. 265 findet darin eine Be- Prcller (Gr. Myth. 2a, 145) Kephalos für den
ziehung auf einen daselbst üblichen apollini- Morgenstern, Prokris für den Mond, während
sehen Sühngebrauch. Max Müller (Essays 22, 78 Franche) in Ke-
6) Die Verbindung des Kephalos mit 60 phalos die aufgehende Sonne sieht, die ebenso
Klymene, Tochter des Minyas, gehört dem zu Prokris, dem Tau, wie zu Eos in Beziehung
Sagenkreis der Mi ny er an und ist uns nur aus stehe. [Ganz ähnlich wie M. Müller deutet
der Beschreibung der polygnotischen Lesche den Mythus von Kephalos und Prokris auch
bei Paus. 10, 29, 6 bekannt. Polygnotos folgte Pohtes (O "HXios Kazä rois Srjiicödsig fivd-ovs-
in seiner Darstellung der Unterwelt der honte- 'Er 'A&r)vais 1882 S. 25 ff.), indem er sich auf
Tischen Nehyia, fügte aber auch einzelnes aus ein neugriechisches aus Attika stammendes
den Kostoi hinzu (vgl. Welcher, Kl. Schrift. 5, Märchen beruft, das ihm die wesentlichsten Ele-
66). So stellte er neben Prokris die Klymene, mente der Kephalossage in einfachster Form
1097
Kephalos (Deutung)
Kephalos (.Deutung)
1098
zu enthalten scheint und folgendermafsen
lautet: „6 "HXtog navxgsvxrj xr\ ZsXrivrj'
xi\v 'TtiJQS yvvaixa Kai xr[V dyaitovot, äXXd xa!
xrjv gijXivz TtaganoX-i. /Sid xovxo oao rjxov ö
"HXiog 's xb enLxi, r/ £tl. Siv itpa&exo, dXX'
tficvs Kgvfi^-ivi]. "H&eXs oficog vec tßyy Kai avxr]
v.OfjfiaraHt e'|w Kai xr/gays itoxs 9ä 'ßyr] b
avxgag xr\g yiaxi rjrav Kvvr\y bg Kai 'nriyaive
Ka&Tjusga 'g xb %vvr\yi. "Oxav nsgvays b HXiog
gehörigen astronomischen Mythen (K. 0. Müller,
Prolegom. z. Mythol. 196) und erlangte durch
Homer allgemeine Geltung, Kephalos, sein
attisches Ebenbild, verlor durch seine Herein-
ziehung in die attische Landessage den sideri-
schen Charakter. Aber aufser seinem Hund
erinnert noch daran die Sage, dafs er mit Eos
den Phaethon d. h. den Morgenstern erzeugt
(Hes^ theog. 986. Hyg. astr. 2, 42), der aus
fr
\
■H'-T-
niaco ano xa ßovva, aua ätv auovys xa ßr\- 10 der Begegnung des schönen Jägers am Nacht
fiaxd xov Kvxxagi i^7tai.b7iovXcofiav7] mg xa ' Lidxta
tioxs &d 'ßyfj. ~"Av t'ßXsns xr,v dy.oXov&ia xov, \
xäg durlvag, i'fisvs c«f jrao'fiei'jj • dfia ivdvsxo '-'A
Kai b xiXzvxalog dnb xr\v dv.oXov&ia xov ävbgog '-- &■•__ T ^'^
T7js, i'ßyavs xb ngboartto xvg v.ai E^aipfro xbv
v.ößfio. 'Afia itdXiv ißXsns dnb xa ßovvd xf/v
aKoXov&Ca iig xrpi uvaxoXrj, eunaivs ii£Ga.
Exgi, ^ovgs Twvxoxs KaXd fxe xov dvxga tt^s."
Vgl. auch Boscher, Seieneu. Verwandtes Kap. 10.
Der Mythus vom Raube des Kepha-
los durch Eos läfst sich mit dessen m
Deutung als Sonne leicht in Ein- %'
klang bringen, wenn man be- \ V Jär
denkt, dafs Eos nicht blofs die '""'"'''
Morgen-, sondern auchdie Abend-
röte bedeutet, daher ihre Wohnung schon \
bei Homer (/* 1 ff.) auf die westliche \
Insel Äiaia verlegt wird. (Weiteres unter ■
„Eos" Bd. 1 Sp. 1256 f.). Röscher.] v ;
In den astronomischen Schriften, die fc'J
wahrscheinlich auf einen gelehrten Ära- j,* '
toskommentar zurückgehen, [Enitodh.~\ ' W%
Catasterism. 33 und den Germanicus- ..-.'*
scholien b. Bobert, Eratosth.
p. 166 f., schliefst die Er- ," ■%
Zählung von der Jagd des ■ ■/'
teumesisehen Fuchses da- * ..---'
mit, dafs nur der Fuchs -•:" A?.y' ?
in Stein verwandelt, der ,»-'' *-.iyjf i
Hund des Kephalos aber /
unter die Steine versetzt
wird. Hieran knüpft der
Verf. der Catasterismen die
Bemerkung: „Manche hal-
ten diesen Hund für den
des Orion, der zugleich mit
Orion unter die Sterne
versetzt wurde", also für
den Sirius (TZ.A'29); ebenso
Schol. Sangermanens. in
Germern, p. 167, 18 Breysig.
Kephalos hat sogar den
Orion aus dem Besitz des
Sirius verdrängt, indem in
den Cataster. und bei Hyg. astr. 235 der Kvcov
(Sirius) dem Kephalos, der ngoKvav dem Orion
zugeschrieben wird. Ist aber der Jäger Ke-
phalos der Besitzer des unsterblichen, an den
Himmel versetzten Hundes — und dafs er,
w
r
'W—^J:
is&
1) Eos den Kephalos raubend, Terracotta (nach Arch. Zcitg. Ed. 33,
Taf. 15 nr. 1).
himmel mit der Morgenröte hervorgeht, wofür
die Erzeugung des Heosphoros durch Eos und
Astraios (Theog. 381) nur eine Variante ist.
Endlich erinnert noch daran der der Keule
des Orion und unserem „Jakobsstab" ent-
nicht Prokris, ursprünglich der Besitzer ist, 60 sprechende Speer (vgl. Wilamowitz, Hermes
lehrt die alte teumesische Sage — so ist er
selbst nichts anderes als der himmlische
Jäger, der am nächtlichen Sternenhimmel
glänzt. Somit ist Kephalos der attische Orion
(vgl. Robert, Eratosth. p. 244 A), der ja eben-
falls Jäger ist und von Eos geraubt wird.
Orion, der Riese des Nachthimmels, gehört zu
den ursprünglichen, dem Volksglauben an-
18, 425), der natürlich wie der Hund zum
Katasterismos bestimmt war. Dem Griechen
gingen die Vorstellungen eines von Jugend
und Schönheit strahlenden Jünglings und eines
leuchtenden Sterns leicht ineinander über. Wie
auf Vasenbildern die Sterne als Knaben, Helios
als Strahlenhaupt dargestellt wurden, so wurde
umgekehrt auch ein schöner, Liebe erwecken-
1099
Kephalos (Deutung)
der Jüngling ein „Stern" genannt, vgl. Z 401
nnd das Epigramm Piatons A. P. 7, 670.
Den Morgenstern dachte man sich als schönen
Knaben, und Callim. Del. 302 nennt ihn oiXog
i&ii'gats "Eontgof, einen „Krauskopf". Darum
wird auch der Name seines Vaters Kiqiul.os,
der von xsrpalri abzuleiten ist {Cartius, Etym.b
S. 148), als „Sternhaupt" zu deuten sein, um
so mehr, da bei den Sternbildern zuerst der
einzelne, grofse Stern den Namen eines Men- 10
sehen, Tiers u. s. w. erhielt, und erst in der
Folge die kleineren Sterne damit zu einem Stern-
bild verbunden wurden; vgl. Robert, Erotostk.
p. 244.
Die Deutung der Prokris auf den Mond,
welche von Preller, Gr. Myth. 2-, 147 aus
ihrem Tod hergeleitet wurde („ein Bild für
den sich versteckenden und erblassenden Mond,
Kephalos (in der Kunst) 1100
sich auch die Erzählung von der Begegnung
des Kephalos mit der Bärin deuten, welche
nach Useners Ausführung (S. 334) eine alte
Vorstellung für die Mondgöttin war. Manchen
einzelnen Zügen der Sage wird übrigens keine
tiefere Bedeutung beizulegen sein, so z. B. der
achtjährigen Abwesenheit des Kephalos, worin
Tiiptf'er a. a. O. S. 260 den Gedanken einer
Sühnefrist findet, den er mit dem im Kepha-
lidengeschlecht heimischen Apollodienst in
Verbindung bringt.
IV. Kephalos in der Kirnst.
1) Da die Sage von der Entführung schöner
Jünglinge durch Eos sich aufser der attischen
Kephalossage auch in den Mythen anderer
griechischer Stämme, von Orion, Tithonos,
Kleitos, wiederholt, und der älteste Kunsttypus
2): Eos verfolgt den Kephalos, Yasenbild (nach Millin, Peint. de tases II, 35).
wenn der junge Morgen kommt"), ist von
Usener, liliein. Mus. 1868, 337 [vgl. Boscher,
Selene u. Yrnvandtes Kap. 10] umfassender
begründet worden. Nach ihm stellt das
Märchen von Prokris, die den Gatten meidet,
zu ihm zurückkehrt und durch ihn stirbt, das
Gehen, Wiederkehren und die Verfinsterung
des Mondes dar. Darauf bezieht er auch
ihre Verbindung mit Artemis, das goldene
Stirnband nnd den Hund als Tier der Hekate
und Symbol des Lichts. Wenn der letztere
auch nicht der frühesten Gestalt der Prokris-
sage angehört und in dieser überhaupt bald
die märchenhaften Züge überwiegen, so finden
doch die wesentlichen Bestandteile derselben
in dieser Deutung ihre ausreichende Erklärung,
und namentlich scheint Prokris als Mond auf-
gefafst gut zu dem schöuen Jäger am Sternen-
himmel zu stimmen, dem sie bald nahe kommt,
bald entschwindet. In gleichem Sinn läfst
dafür, welcher Eos mit dem Knaben in den
50 Armen als Gruppe darstellte, der altioni-
schen und etruskischen , nicht aber der alt-
attischen Kunst angehörte, so können diese
Darstellungen (aufgezählt und zum Teil ab-
gebildet unter „Eos" Bd. 1 Sp. 1272 f.) nicht
mit Sicherheit auf Kephalos bezogen wer-
den. Nur einmal, am amykläischen Thron,
ist die Benennung Kephalos durch Paus. 3,
18, 12 angegeben, und auf der Gruppe von Delos,
die vielleicht unter attischem Einflufs ent-
60 standen ist (vgl. Furtwängler, Arch. Ztg. 40,
363) ist durch den Hund auf Kephalos hin-
gedeutet. Erst seitdem die attische Kunst
diesen Typus übernahm, ist die Beziehung auf
Kephalos sicher. Das erste Denkmal dieser
Art ist das in noch etwas altertümlichem,
feierlichem Stil gehaltene attische Thonrelief
Archäol. Ztg. 33 Tf. 15, 1 (s. Abbildung 1),
welches Curtius (ebd. S. 167) der kimonischen
1101 Kephalos (in der Kunst)
Zeit zuschreibt. Kephalos ist hier sowie auf den
attischen Vasenbildern, welche diesen Typus
wiedergeben (s. „Eos"), der attischen Sage ge-
mäfs, die ihn als rüstigen Jäger auffafst, zwar
mit jugendlich schönem Körper, aber erwachsen
dargestellt, im Anschlufs an den überlieferten
Typus jedoch ohne Attribute, nur mit einer
Binde oder einem Kranz im Haar, dem hoch-
zeitlichen Lorbeer (über die Leier dlon. d.
Inst. 3, 23, 1 ; s. unten), und in der traditio- 10
nellen Haltung, dafs er den rechten Arm um
den Nacken der Göttin legt. Wenn er ander-
wärts auch nicht, wie hier, der Göttin ins
Auge blickt, so ergiebt er sich doch ruhig in
sein Schicksal. Auf den Vasen wendet sich
die Göttin zuweilen (vgl. die Abbildung von
M. d. I. 10, 39, 3, Bd. 1 Sp. 1275) rückwärts,
offenbar nach andern Personen, aus deren Kreis
sie Kephalos geraubt hat, wodurch sich die ge-
Kephalos (in der Kunst) 1102
die Vase.B?r<crts (abgeb. Bd. 1 Sp. 2010), wo die
Verfolgungsscene unter die Naturerscheinungen
des Sonnenaufgangs aufgenommen ist. Die von
O. Jahn, Arch. Beitr. 93 gegebene Aufzählung
ist von Stephani a. a. O. S. 194 bis auf 31
vermehrt worden. In diesem Typus geht Eos
mit raschen Schritten auf Kephalos zu und
sucht ihn meist mit ausgestreckten Händen
zu fassen, während dieser, eine jugendlich
schlanke Heroengestalt, sich eilig ihrer Ver-
folgung entzieht, indem er sich meist nach
ihr umwendet. Hier erscheint er vollständig
als Jäger ausgerüstet, mit Chlamys, dem Pe-
tasos im Nacken, hohen Jagdstiefeln, oder auch
unbeschuht; als Jagdwaffe hält er eine oder
zwei Lanzen in den Händen, zuweilen dazu
noch eine Keule (Roulez, Clioix de vas. Tf. 6)
oder auch diese allein (Compte rendu a. a. 0.
Tf. 5, 3); öfter ist er von seinem Hund be-
3) Tod der Prokris, anwesend Erechtheus. Attisches Vasenbild (nach MUlingen, Anc. im. mon. I. Ser. pl. 14).
schlossene Gruppe auflöst, um in die Ver-
folgungsscene überzugehen.
2) Der attischen Kunst eigentümlich da- 50
gegen scheint die Darstellung vom Raub des
Kephalos durch Eos als Verfolgungsscene,
namentlich insofern hier Kephalos der atti-
schen Lokalsage gemäfs als Jäger erscheint
(zweifelhaft ist in Beziehung auf Alter und
Vorbild die einzige Vase, die nicht attisch
und rotfig., sondern etruskisch und schwarzfig.
ist, Memorie äelV Inst. 2 Tf. 15, 1, vgl. Heibig
p. 433 das. und Furtwängler , Arch. Ztg. 40,
350). Dieser Typus war seit der Mitte des eo
5. Jahrb. im rotfig. Vasenstil üblich, vgl. die
Va?enbilder Miliin, Feint, de vas. 2, 35 (s. Ab-
bildung 2). Stephani, Compte rendu 1872 Tf. 4,
3. 5, 1. 3. 5 und Winter, Die jungem Vasen,
Anhang S. öOf. Die hier abgebildete unddieVase
Bull. Nap. 1, 1 sind die einzigen dieser Gattung,
auf welchen Eos und Kephalos inschriftlich
bezeugt sind; eben solche Sicherheit gewährt
gleitet (VaseBlacas; Mittingen, Vas. Cogh. 42).
Mehrmals sucht er ihr im Fliehen Widerstand
zu leisten, indem er einen Stein (Vase Blacas
und M. d. Inst. 3, 30) oder den Jagdspiefs
gegen sie erhebt (Compte rendu 1872 Tf. 4, 3).
Einmal geht sie mit einer Tänia auf ihn zu
(Gerhard, A. V. Tf. 160), um ihn zu schmücken,
er aber weist dieses Liebeszeichen von sich.
Die Abneigung erklärt sich aus der Einwirkung
der Prokrissage, siehe „Eos" Bd. 1 Sp. 1269. —
Obgleich in der Sage Kephalos als einsamer
Jäger gedacht ist, haben ihm die Vasenmaler
häufig einen Jagdgefährten (auf der Vase
Bull. Nap. 1, 1 Kulliixaxog , Compte rendu
a. a. O. Tf. 5, 3 Tt&wvog genannt) oder nach
der sonstigen Darstellungsweise von Entfüh-
rungsscenen Freunde und Gespielen beigegeben,
aus deren Kreis er geraubt wird, wozu noch,
auf der Vorder- . oder Rückseite der Vasen,
der alte Vater kommt, dem die Entführung
gemeldet wird, vgl. Jahn a. a. 0. 95. Stephani
1103 Kephalos (in der Kunst) Kephenes 1104
a. a. 0. 196. Hieran reibt sich eine zahlreiche Same auf den Hund Lailaps, vgl. Bosset a. a. 0.
Klasse von Vasenbildern, auf Vielehen eine nr. 42 u. 47. Comic num. Hunter. 46, 22. Catdl.
geflügelte Frau in ganz ähnlicher Weise einen a. a. 0. S. 90 Tf. IS, 9 f. S. 92. Wegen der
Jüngling mit einer Leier (z. B. Millingen. Vas. Ähnlichkeit mit .jenem Kephalos auf den Mün-
Cogh. 42), zweimal auch mit einem Packet zen von Pale in der Stellung wurde eine kleine
Bücher (Miliin, Vas. 1, 48) verfolgt, vgl. /07m Brouzefigur in Paris, Gazette arehe'ol. 2 pl. 36
a. a. 0. 97. Stepltani a. a. 0. p. 199 und neuer- ebenfalls auf Kephalos bezogen; ob mit Recht,
dings die Hermonaxvase, Heibig, Bull. d. Inst. mufs bei der Abwesenheit aller Attribute frag-
1873 p. 167; auch diese Darstellungen sind lieh bleiben. [Rapp.]
zum Teil ebenso mit Nebenpersonen versehen. 10 ." Kephenes (Krjcp^vig, fKrjcpfii'ai nur einmal
Jahn trug Bedenken, hierin Kephalos zu er- bei Arrianos in Eustath. zu Dionys. Perieg.
kennen, da die Sage ihm nicht solche Züge 1005, F. H. G. 3, 601, 78, wo der accus, her-
ephebischer Bildung verleihe; Stephani wollte zustellen ist: zovg ds IIsQaag . . . Krjrpfjvds
in allen diesen Darstellungen Tithonos sehen [Hs. -vai] noze v.uXiia&aC tpnoiv 'A. — Ocid
(nach der Inschrift Bull. d. Inst. 1848 p. 40); Met. 4, 764 einmal Cepheni proceres adjektivisch,
neuerdings nimmt man ihn einfach als einen wonach -wohl Plinius n. h. 6, 10 [27f.] sein
mit den Attributen des musisch gebildeten Substantivum Cepheni [a'jra£ isy.] schuf): das
attischen Jünglings ausgestatteten Kephalos Volk des Kepheus in der Andromeda- Sage,
(Heibig a. a. 0. Furtwdngler , Areh. Ztg. 40, doch in unseren Quellen erst seit Herodotos
350. Bobert, Bild und Lied S. 32). 20 und Hellanilcos auftretend. Seitdem wird der
3) Kephalos wurde aber auch in seiner Ausdruck promiscue mit Ai&i'onsg gebraucht.
Verbindung mit dem attischen Prokrismythus ». Wilamowitg hat einmal (Homer. Unters.
dargestellt, welcher zu den aus der attischen S. 152) behauptet, sie seien ursprünglich in
Landessage, wahrscheinlich von Polygnotos Tegea zu Haus. Aber diese sinnreiche Kom-
(vgl. oben dessen Prokris in der Lesche bination der stets in Mehrzahl auftretenden
von Delphi, und Bobert, Bild u. Lied S. 2S), K. mit den 50 Söhnen des Tegeaten Kepbeus
entnommenen und in die Vasenmalerei des kann sich einstweilen auf kein direktes oder
5. Jahrh. übergegangenen Stoffen gehört. indirektes Zeugnis berufen. Ebensowenig wird
Kephalos wird hier durchaus wie in der Eos- in den erhaltenen Zeugnissen die Bezeichnung
sage dargestellt, ein Beweis für die schon be- so K. im Zusammenhang des hesiodischen Mythos
gonnene Verschmelzung der beiden Sagen. von der ' Araberin ' Kassiepeia gebraucht, gilt
Auf einer Vase des „schönen" Stils bei Mit- also nicht für die Aithiopen Arabiens und des
lingen, Ancient unedited monuments Tf. 14 (s. Nillandes (nur der geschäftige Polyhistor bei
Abbildung 3), dem einzigen erhaltenen Exem- Steph. Bijz. Aißvnm %ooqu nolvcövvuog zählt
plar dieses Gegenstandes, ist der Tod der unter 12 anderen Namen für das afrikanische
Prokris wiedergegeben in dem (ganz ebenso von Libyen aufser Ai&ioTtia auch Krjynvirj auf; und
Ocid Mit. 7, 840 geschilderten) Augenblick, Eustathios zu Dionys. Per. 910. G. G. M. 2, 375
wo sie, von dem Speer in die Brust getroffen, bat aus dem Krjqifji'is oi Ai&ioneg des Steph.
auf einen Felsen niedersinkt, indem sie sich Bgz. Aönn auf eigene Faust ein A". ot Alyv-
bemüht, den Speer herauszuziehen, während 40 iizioi (!) gemacht). Auch in der von Theo-
Kephalos, der herbeigeeilt ist, den Irrtum er- pompös abhängigen ioppensischen Kepheus-
keunend an die Stime greift. Er erscheint sage ist von K. nicht die Rede; denn bei
ganz wie sonst mit Chlamys, Petasos und Strabon 1 p. 42 § 36 steht das t&vog Alftio-
Keule und mit dem Hund an der Leine, Pro- jrtxör . . . «Ho Krjcprjvcov in einer apollodo-
kris (in Vorderansicht und deshalb etwas mifs- rischen Aufzählung mythischer 'Aithiopen-
lungen) ebenfalls als Jägerin in amazonenhaft^r Völker' (Erember, Pygmaien) und ist von dem,
Tracht; über ihr das entschwebende Eidolon in allerdings demselben Apollodoros angehörigen
Vogelgestalt. Auf die Scene eilt ihr Vater Theopompos - Citat über Ioppe p. 43 C zu
Erechtheus zu, um dem Kephalos seine That trennen. Dagegen sind in dem ostaithiopischen
vorzuhalten (vgl. oben Abschn. II, 4). — Das 50 Mesopotamien , in welchem schon Hesiodos
von Jahn, Areh. Beitr. S. 72 auf Kephalos (frg. 44 Ki.) und Aischylos (Suppl. 276) bei
und Aura (oben Abschn. II, 3) gedeutete pom- den Kaurßoßoay.oi des persischen Meerbusens
pejanische Wandgemälde bei Zahn 2, 78 stellt (vgl. Strabon 16 p. 767f. Aithiopenländer etc.,
Selene und Endymion dar, vgl. Heibig, Fleclieisen JB. Suppl. 16 S. 181) die Aithio-
Wandgem. Campamens nr. 960. pen der Memnon-Sage lokalisiert hatten,
4) Auf die Sage, welche den Kephalos zum durch Herodotos und Hellanilos oder viel-
Eponynios der Insel Kephallenia machte, sind mehr ihren gemeinsamen Gewährsmann (Sky-
die Münzen der kephallenischen Stadt Pale lax? vgl. Aiihiope.nl. S. 155) auch die K.
zurückzuführen, auf welchen ein Jüngling mit angesetzt und mit dortigen Ureinwohnern
einer Lanze, inschriftlich als KeqiccXog bezeieb- 60 identificiert worden. Ihnen folgte Apollodoros
net, auf einem Felsen sitzt, vgl. Bosset, Essai (b. Strabon a. a. 0.), der aQyoXiv.bg oxtSictouög
sur les me'daüles des iles de Ce'phalonie Lond. bei Deinias von Argos (F. H. G. 3, 25, 4:
1815 Tf. 1 nr. 1 — 5. Combe num. mus. Britann. Al&ionla ixu?.i izo . . .xöze Krjq>7]via, mit Er-
Tf. 7, 22. 23. Catal. of greek coins in the Brit. wähnung der Perser, des Perseussohnes Ery-
Mus. Peloponncsus S. 84 f. 89. 91 Tf. 17, lOff. thras tt. der "Egv^Qa &äXaeaa), Ovidiws, Nonnos.
IS, 4. Wahrscheinlich ist auch die schon von Weder für diese örtliche Beschränkung auf
Eckhel angenommene Beziehung des Wind- Mesopotamien noch für das späte Auftreten
hunds auf den Münzen des kephallenischen des Namens ist eine Ursache zu entdecken.
1105 Kephenes Kephones 1106
Dafs die Form Krjcprjvtg = Drohnen mit Krj- wären Kepheus und die Kephenen zu Ai&tOTtig
cpsvg selbst weder lautlich noch inhaltlich entweder in der Umgegend der Heliosstadt
in notwendigem Zusammenhang steht, ist Korinthos geworden oder auf der Heliosinsel
unten (Kepheus nr. 4) bemerkt; auch dafs in Rhodos oder im euböischen XaXxig , dem Ur-
den ethnographischen Verhältnissen Mesopo- bild der sagenhaften KoX%ig (Maafs, Hennef!
tamiens etwa die Ursache für das Auftreten 1888 S. 699ff., Giitting. gel. Am. 1890 S. 362)
des Wortes Kncprjvsg bei den Historikern des und der Aia des Helios -Aietes- Mythos der
5. Jahrhunderts liegen sollte, ist nach dem Argonautik. Das Urbild der Pindarischen
Mafs des über das Zweistromland Bekannten %tXctt'vom£g KoX%oi hat Maafs in euböischen
nicht anzunehmen. Vielmehr lassen sich als 10 Aithiopen aus dem Al%iimiov %mgiov iv Ev-
mitwirkende Ähnlichkeiten nur feststellen: ßoia,7iXrjaiov zov Evginov (Harpokration, Steph.
1. die Altertümlichkeit sowohl der griechi- Byz. s. v., u. a.) erschlossen. An der Peraia
sehen Kepheusleute als auch der Ureinwohner von Chalkis liegt Thronion, verknüpft mit
Chaldäas (vor der Einwanderung der Chaldäer Kepheus' Gattin Kassiepeia (s. d. nr. 2), und
aus Babylon); 2. der Fischerberuf; 3. die wohnen die nvggol ra?s oipiaiv'Av&rjdövioi, (Ps.-
Gefährdung durch Wasserfluten; 4. die Sitte, Dikaiarch 1, 23, F.H.G. 2, 259, 24; vgl. C.
Sterbende (d. h. noch Lebende) wie Leichen Müller zu Geogr. Gr. 31 in. 1, 104, 24 und
der Flut zum Wegspülen auszusetzen (vgl. zu Aithiopenländer S. 208), welche auf die Vor-
den aithiopischen Ichthyophagen Chaldaias Stellung von Al&i'oizeg am Euripus mitbestim-
bei Herodot 1, 200 und Strabon 16 p. 746 § 20 20 mend einwirken konnten. (Vgl. auch 'Kepheus'
das, was Agatharclu'das G. G. M. 1, 137, 46 über nr. 4.) — Obige 6 Kriterien müssen auch an jenem
die gedrosischen sagt); 5. der Glaube an uns nicht näher bekannten kleinasiatischen
opferempfangende Nereiden (so die der roten Volksstamm beobachtet worden sein, in denen
'Nerei'deninsel', der tQv&oa &aXaeaa bei Plin. der griechische Alexanderhistoriker bei Plin.
6, 26(97) die mit der roten*) Palmen-Insel n. h. 6, 16 (41) und 10 (27f.) die Kephenen
des Erythrasgrabes bei Strabon 16 p. 766. 779 seiner*) Heimatssage wiedererkennen wollte,
identisch ist) sowie an heilige Urwesen in so dafs er dieselben zwischen Kommagene,
Fischgestalt, dem y.rßog entsprechend (Berosos Adiabene und Grofs-Arrnenien (etwa in Sophene
Chald. 1. 3. F. H. G. 2, 496f.); endlich 6. der und Gordyene) ansetzte (vielleicht war es der
sog. 'aithiopische' Charakter, der beim meso- 30 Pharsalier Kyrsilos oder der Larisaier Medios,
potamischen Urvolk, z. B. von Susiana (Kie- welche beide gelegentlich des Alexanderzuges
pert, AlteGeogr. S.1412; vgl. E. Meyer, Gesch.. d. griechische Mythen des thessalischen Arme-
Altert. 1 S. 157ff. Duncker , G. d. A. I5 S. 247), nion in der armenischen Gegend von Sophene
feststeht und, wenngleich in anderem Sinne, auch und Adiabene angeknüpft hatten: Strabon 11
von der Bevölkerung der alten Kepheusstädte p. 530 § 12. Script, rer. Alex. M. p. 127).
Bura und Olenos ausgesagt werden konnte: Daselbst fand sich (am Ararat) Flutsage, und
wenigstens ist in der hellenischen Mythologie zwar in Anknüpfung an die Urzeit (des Xisu-
von jeher die Aithiopenvorstellung untrennbar thros- Noah), Fischkult, Kotvölker, ja sogar
gewesen vom Heliosmythos (so schon bei der aus der Heimat vertraute Minyername
Homeros y 1. Mimnermos frei. 11. Bergk, Ai- 40 (vgl. Aithiopenländer S. 192f.). — Aber auch
sehylos frg. 192 und besonders eigentümlich nach Westen war (von Euripides) der Per-
Pindaros Pyth. 4, 376 niXuCvamsg KoX%oi im seus- Andromeda- Mythus mit Gorgonen und
Helios - Aietesmythos; des aithiopisch - helia- in Verknüpfung mit der aus Piaton bekannten
dischen Tithonossohnes Memnon zu geschwei- Atlantis übertragen (vgl. Aithiopenl. S. 203 ff.);
gen). Helios aber beherrschte einst von Akro- und wenngleich bei Euripides der Kephenen-
Korinthos aus Weichbild und Golf; einen name nicht nachweisbar ist, verdient doch
Aethiops rex auf dem Isthmos nennt der sog. eine auffällige Übereinstimmung der atlan-
Lactantius zu Stat. Theb. 3, 478, und einen tischen Westaithiopen mit den ausdrücklich
sprichwörtlichen Ktistes Ai&ior!> KogCv&iog der als Kephenpn bezeichneten Ostaithiopen Meso-
Skepsier frg. 73 Gaeelc aus Athen. 4 p. 167 D; 50 potamiens Erwähnung, weil sie Rückschlüsse
vgl. den auf dem argolischen Pron begra- auf die älteste Vorstellung von den kephe-
benen Melanchro(o)s bei Deinias, F. H. G. 3, nischen Aithiopen zuläfst: Einkleidung und
24, 3 und über Al&io-usg an der 'Eaxaziwrig Schmuck mit Exuvien grofser Fische findet
Xt'ji,vn auf dem korinthischen Isthmos den Art. sich bei den Westaithiopen der atlantischen
Eschatiotis unter den 'Vorläufigen Nachträgen' Küste (Strabon 17 p. 828), bei den von Gorgo
Lieferung 24 Umschlag. So empfiehlt sich O. und Poseidon abstammenden Königspaaren der
Crusius' Hypothese, dafs der eigentliche al&i'otp Insel Atlantis (Ailiancs H. A. 15, 2) und im
= Helios (mit dem brennenden Antlitz) sei, und Osten bei den Urwesen der'.Eowfrp« ddlctceu und
nach ihm das Heliosland und seine Bewohner ihren Opferpriestern (Berosos bei Synkellos
Ai&ionia und Ai&Consg genannt seien. Mithin eo und Eusebios, F. H. G. 2, 496, 3, dazu noch
Helladins bei Phot. bibl. 535 a, 34; vgl. Bkhm,
*) Mit dieser Erinnerung an die rosige 'Pi'iSo; geht PI. ]V. B. 1 , 61 Abbildung). — Auf Rhodos,
auffällig noch der Anklang an Doris Hand in Hand:
Bei der Erythrasinsel dwQu, Einwohner Joint.*!];, und *) Oder waren die dort nach dem 2. Peraerkriege
hei loppe Jüjna, Einw. Juqlti;;, beides bei Steph. Byz. angesiedelten 'EgEtQlBTs al ävaonao&ävtEg V7tl Usoawv
u. d. "Worten. Strabon 16 p. 767 fafst die Erythrasinsel (Strabon 16 p. 747) die Träger dieser Auffassung und
mit Doxa, Alexandros iv jlaio: bei Steph. doigos v* ayy^ltxXoq Vermittler an jenen Historiker? Nnch dem oben Aus-
z *Io7lr] zusammen. Das erleichterte sehr die Anknüpfung geführten mufsten diese Leute die Kepheus-Kassiepeia-
au den Kepheneninythos der dorischen Hexapolis. Kephenen-Aithiopon-Sago gekannt haben.
1107 Kepheus (y. Tegea, S. des Aleos) Kepheus (v. Tegea, S. des Aleos) 1108
dem einzigen griechischen Ort, wo sich Er- in einer der verlorenen (5?) Strophen des nach
inneruugen an Kassiepeia und den Andro- JBergk p. 28 etwa 12-strophigen Partheneion
medamythos (Lykophron) mit der Vorstellung (Papyros MarietteP. L. G. 3* frg. 23 p. 23 sqq.)
von Helios- Aithiopen (und den Helios-Rosse- gebildet haben, das in den ersten erhaltenen
Stallungen) kombiniert vorfinden, finden sich Strophen die Besiegung der Hippokoontiden
Erinnerungen an eine verderbliche, vorweit- behandelt, freilich nicht durch Herakles (und
liehe Flut, Poseidon- und Nerei'denknlt (die Kepheus?), sondern wie es scheint, blofs durch
Doristöehter Lykophrons 43, 165 ff., s. oben unter dieDioskuren. Jedenfalls war ein anderer Sagen-
Kassiepeia; vgl. Aithiopenl. S. 185f.) ebenso gut kreis, in dem ein K. vorkommt, aufser dem
wiezn Buraund Helikeund der achaischen Küste 10 von den Hippokoontiden, dem Alkman, nach
überhaupt; auch Fischerbevölkerung giebt es den erhaltenen Resten zu urteilen, nicht be-
hier wie dort. — Namen einzelner K. nennt kannt, und es scheint vorderhand nicht rät-
nur Ovid; als proceres hat er Lyncides {Met. lieh, hier den K. der Andromedasage (und die
4, 767), den post regem primua Hodites (5. 97), Kephenen) zu sehen (v. Wilamowitz , Homer.
Prothoenor (98), den grandaevus Emathiou Unters. 1883 S. 152: ,,K. und seine Kephenen
aequi eultor timidusque deorum (99 f.), die sind eigentlich in Tegea zu Hause."). — Viel-
Zwillinge Broteas und Amnion , (107), den leicht nannten auch die Erzähler von Herakles'
Cereris sacerdos Ampycus albenti velatus tem- Besuch bei Aleos in Tegea und der Erzeugung
pore vitta (110 f.), den friedlichen Sänger und des Telepbos mit der Aleostochter Auge:
Kitharspieler lapetides (111), den ferox Ly- 20 Hekataios (F. H. G. 1, 27, 345), Sophokles
cormas (119), Menaleus (128), den reichen 'AXsäSai frg. 98 — 112 Ddf.), Euripides (Avyn,
Nasamonen Dorylas (129), den Kinyphrier Pe- frg. 114 — 152 Nauck u. a. den K. — Nach
lates (124), wozu als Genossen des Perseus Apollon. Ehod. A. 1, 161ff. war er S. des
noch Aconteus (201) und wahrscheinlich Abas Aleos, Bruder des Amphidamas von Apheidan-
(126) kommen. Versteint wird nur der vor- tion, nach Pausanias 8, 4, 8: Bruder auch des
letzte aus Versehen, also kein Kephene; viel- Lykurgos, nach dessen kinderlosem Hinschei-
mehr mit dieser Ausnahme nur fremde Ge- den die Herrschaft auf ihn und seinen Stamm
nossen des Phineus, worüber s. unter Kepheus übergeht; 8, 5, 1: Vater des Aeropos, Grofs-
Sp. 1112, 48ff. [K. Tümpel.] vater des Echenor; nach der etymologisch-
Kepheus (Krjtftvg, dor. Kacptvg). Vertreter 30 explikativen Tempelsage des tegeatischen tov
dieses Namens erscheinen in den Quellen fünf, 'EgvfJiaTog fcgov (Paus. 8, 47, 5) hatte K. von
die sieh vorderhand nicht sämtlich auf eine der Athene Polias (nicht der Athene Alea,
einzige mythische Persönlichkeit zurückführen deren tegeaiischer Tempel vielmehr von seinem
lassen. Dionysios SJcytobrachion (beim Sehol. Vater Aleos gegründet war), eine Locke von
Apollon. Ehod. 1, 162; vgl. Schwarte, d. Dion. dem Haar der Medusa zum Geschenke be-
Scyt., Diss. Bonn 1880 p. 46 ') unterschied nur kommen ig rpvluxriv zrjg nolsiog. d. i. als igvfia,
zwei: ovo äs etat Knrpsig, 6 fiiv 'Alsov (1), ov und mit der Zusicherung, dafs Tegea „die ganze
fivri^iovivei 'AnoXltiviog, b äi 'iztgog, ov gvn- Zeit" unerobert bleiben sollte. Die Apollod.
fj,ovEv£L 'EXXdviv.og iv xä -nsgl 'Ag-naSCac, näm- Bibl., welche zu dem Vater des K. (Aleos, S.
lieh der S. des Lykurgos (2). Er hat also den *o des Apheidas, Königs von Tegea: 3, 9, 1 [2 f.],
achaischen K. von Bura und Golgoi des 3, vgl. Scliol. Apollon. Eh. 1, 162) auch des
Lykophron (3) sowie den mit diesem schon K. Mutter nennt: Neaira, die Pereustochter,
von den Alten kombinierten Vater der Andro- erzählt den Mythos (2, 7, 3, 5) so: K. hatte
meda, den berühmten 'Aithiopenkönig' (4), von Neaira 20 Söhne und 1 Tochter Sterope
den doch derselbe Hellanikos ausführlich be- (1. Aerope, Mutter des Aeropos, Schwedler, De
handelt hatte, entweder nicht gekannt — was rebus Tegeaticis, Leipzig. Studien 9 1886 S. 291);
kaum anzunehmen ist — oder . mit einem der er weigerte sich anfangs, mit Herakles gegen
beiden Arkader identificiert, worin ihm dann die lakonischen Hippokoontiden zu ziehen, aus
Hellanikos vorangegangen sein müfste. Der Furcht, dafs die Ärgeier Tegea überfallen
thespische (6) ist wohl mit dem 4. identisch. 50 könnten. Aber Herakles giebt eine von Athene
1) Die absolut älteste Erwähnung eines K. empfangene Locke {ßoGzgv%os; ob vielmehr
findet sich bei Alkman (frg. 72 Bqk. aus Schlange?) vom Haupte der Gorgo in einer
Cramer, Anecd. Oxon. 1 p. 159, 32): ya-ns w; ehernen Hydria (vgl. den. Schlangentopf, der
c-Äacpfvg (so!) ävdaacov , von U. Neumann in in die pergamenische Sage vielleicht aus Tegea
Robert sErntosthenisCatasterism. reliqn. p.246 lv) durch die berühmte Wanderung der Auge und des
schon 1878 in Kcirpsvg verbessert, was Bergk, Telephos kam; im allgemeinen s. Poscher, Jahrb.
P. L. G. 3*, 1882 p. 60. und Hiller, An/ho- f. kl. Phil. 1886,225ftV) an die Tochter des K, Ae-
logie elc. 1890 p. 172 übersahen. Das Frag- rope, zum Schutze gegen die Argeier (s.Sp. 1114).
ment scheint metrisch dem Dioskurenbymnos Auf dem Zuge fällt K. mit seinen Söhnen, von
fremd zu sein, der stofflich verwandt ist — fio denen nach Diodoros 4, 33 drei leben bleiben,
er behandelt den Anlafs zu des Herakles — Die Lokalsage von Kaphyai in Arkadien
Rachezug gegen die lakonischen Hippokoon- (bei Paus. 8, 23, 3; vgl. Steph. Byz. Katfvui
tiden (frg. 15 B.), an dem nach späteren Zeug- . . . äno Krjcpscog, richtiger A'acpf cog) behauptete,
nissen (Apollod. Bibl. 2, 7, 3, 5) der Aleossohn dafs in dieser Stadt König K, Sohn des Aleos,
Kepheus aus Tegea mit seineu Söhnen teil- einst athenischen Schutzfiehenden, die von
nahm. — Dagegen könnte frg. 72 den 9. Vers, also Aigeus vertrieben worden seien, ein Asyl ge-
den Eingang der impSbg (Crusius, Commentat. geben habe. Von diesem A"?jcp?r>c sei cfcovfj räv
O. Ribbeckio etc. 1888 p. 21, und brieflich) 'Aquaömv die Stadt benannt. Die arkadische
1109 Kepheus (Sohn des Lykurgos; Achaier) Kepheus (der Andromedasage) 1110
Namensform des Königs war also, was Pau- gemeinschaftliche ältere Quelle, nur gründ-
sanias nicht bemerkte, dieselbe wie die lako- licher als jener, ausgebeutet haben. Fragm. 160
nische bei Alkman: Kacpsvq. aus Persika 1 (bei Steph.Byz.XalSaioi. F. E.G.
2) K. der Arkader {Hellanikos frg. 59 aus 1, 67) läfst K., rden Vater der Andromeda,
Schol. Apollon. Rhnd. A. 1, 162. F.H. G. 1, 162); welche mit Peraeus (I) den S. der Danae von
nach Dionys. Skytobr. (s. o.) vom vorigen ver- Zeus Perseus (II) erzeugte', das später sogen,
schieden, war nach der Apollocl. Bibl. (1, 8, 2, Chaldaia bewohnen, aus dem die nach ihm
4) Sohn des Lykurgos, Bruder des Ankaios, benannten Kephenen (s. d.) erst durch die aus
Teilnehmer an der kabydoniseken Eberjagd; Babylon eindringenden Cbaldäer vertrieben
nach einem anderen Hellanikosfragment (ohne 10 worden seien Krjq>za>s ovv.ixi £ävxog. Den-
Numnier aus Schol. 31 TA zu Eurip. Phoiniss. selben Schauplatz wählte, wie es scheint,
150) Sohn des Poseidon, nazfjg i'Agyrjnov Sophokles in der 'Andromeda' (vgl. frg. 139
(s. d.), Vorfahr des Partben opaios. Es ist Ddf. und dazu Aithiopenl ander S. 132). In
zweifelhaft, ob wegen des Herodotisüien (9, 26) diesem Drama wurde das «/jrog ausdrücklich
Phegeus, Vaters des Aeropos, auch hier Aeropos über den K. geschickt (Argument in den
zu ändern ist (bei Pausan. 7, 4, 1 ist ähnlich Eratosthen. Eata.sterism.S6: «r/Tos . . . o TToßft-
Ankaios selbst als Vater mit einer Parthenope Smv tntuips K^cpti), obgleich gerade bei Sopho-
verknüpft). kies die Verschuldung seiner eitlen Gattin
3) K. der Achaier wanderte an' 'iHivov | Kassiepeia (siehe diese, nr.3) gegen die Wasser-
dvurjs tf Bovqui'olgiv rjystimv czgazov nach 20 geister einen breiten Raum einnahm. Des K.
dem kyprischen Golgoi {Lykophr. Alex. 586 ff.) Palast bildete wohl den Hintergrund der
zusammen mit Lakonern unter Praxandros aus Bühne, im Gegensatz zu der Euripideischen
Therapne (= Philostephanos frg. 12 aus Tzttz. 'Andromeda' {Robert, Ar eh. Zeit. 36, 1878
z. d. St. F.E. G. 3, 31). Er dürfte höchstens S. 17;. — Die erste sichere Bezeugung des K.
mit dem Lykurgossohn1 K. 2. identificiert wer- ah eines cAithiopen' findet sich erst bei
den, da der Aleossohn 1., wenigstens der Euripides (Argument in den Erat. Eatast. 15:
Hippokoontidensage zufolge, vor Sparta ge- Ai&ionmv ßaadivg), ebenso das erste sichere
endet haben soll. Nicht unterschieden hat die Zeugnis für seine Verstirnung. Dafs Euripides
pragmatisierende Mythographie der Alten ihn im Westen suchte, im Gegensatz zu särnt-
diesen Achaier von dem 30 liehen Früheren und Späteren, beweist die
4) Kepheus der Andromedasage. Diesen Bezeichnung des x?;tos als „atlantisch" und
mufs zuerst genannt haben Hesiodos sv xats- „hervoitosend aus dem Atlantischen Meer"
Xöyto {frg. 43 Ei. aus Strabon 1 p. 42 C, § 43; (frg. 134a = Philostrat. d. Ä. Imagg. 1, 29,
vgl. Eustathios zu Od. ä 84 p. 1484, 63', welcher vgl. Aithiopenländer S. 131). Er nannte den
die xovQT] Agäßoio, d. i. Kassiepeia (s. d. nr. 3) K. nicht Phoenicis fdium , wie Hyginus be-
im Zusammenhang mit - der Andromedasage hauptet {P. A. 2, 9: Euripides cum ceteris);
nannte; desgl. Stesichoros {frg. 64 ebendaher, denn solche Zeugnisse sowohl für die ceteri
P. L. G. 34, 226 Bergk) und Pherekydes (frg. wie für Em. selbst fehlen (Salmasius bei
26 aus Schol. Apollon. Rhod. 1, 1091. F. E.G. Heyne zu Apollod. p. 104); auch nicht als
1, 75). Obgleich direkte Zeugnisse nicht vor- 40 Sohn des Belos, Bruder des Phineus, wie die
liegen, so ist doch aus der engen Verbindung Apollod. Bibl. (2, 1, 4) behauptet. Das kann,
mit der 'Araberin' Kassiepeia zu entnehmen, wie Robert (Arch. Zeit. a. a. O. S- 19) nach-
dafs damals Kepheus ebenfalls als in oder bei weist, sich jedenfalls nur auf ein anderes
Arabien, d. i. nach des grofsen Apollodoros Er- Stück des Euripides beziehen und nicht auf
klärung (bei Strabon 1 p. 42, § 34) in Aithiopien, die 'Andromeda', da sonst 'Andromeda um
wohnend gedacht ward; denn nach dessen Urteil 4 Generationen älter als Perseus gewesen
hiefs das Land, welches Hesiodos und die ande- wäre, und sich anderseits Perseus gegenüber
ren vz azsQoi 'Agaßice nennen, in der älteren ho- den Vorwürfen des Kepheus wegen seiner
merischen Heroenzeit Aidio-nia. Das hier ge- Stammfremdheit auf seine Verwandtschaft mit
meinte arabische Aithiopien ist also das dem so ihm hätte berufen können' {frg. 142 verweigert
Altertum von Ägypten aus bekannt und zu- K. seiner Tochter den Perseus zugleich wegen
gänglich gewordene Nubierland. — An eine dessen unechter Geburt). K. war also hier
ganz andere Gegend denkt die Pentekontaetie wohl S. des Agenor, wie bei Nonnos 2, 680 ff.
und deren Folgezeit. Herodotos 7, 61 nennt Aristophanes persifliert den aithiopischen Bar-
zuerst als einen Vater oder Vorfahren des K. baren des Euripideischen Dramas ia dem Sky-
den Belos: Knrpia zov BrjXov, in mangelnder then der Tliesmophoriazusen. — Theopompos
Übereinstimmung mit Hesiodos (und Stesicho- (bei Strabon 1 p. 42 f.; vgl. Art. 'Iope')
ros); denn diesen beiden war Belos vielmehr glaubte die Aussetzung der Andromeda in
(mittels Thronie und Arabiosl Urgrofsvater der loppe lokalisieren zu sollen, so dafs an ihn
Kassiepeia gewesen, seiner Gattin! Herodotos 60 und seine Nachfolger die Aufgabe herantrat,
weifs noch, dafs K. aiztxts sgasvog yövov die überkommene Angabe vom arabiseb-aitbio-
(d. h. nur Vater einer Andromeda), Schwieger- pischen Schauplatz mit diesem neuen Lokal
vater des Perseus (I), Grofsvater des Perses (II) in Einklang zu bringen. Eonon (c. 40 p. 143
und Beherrscher der Kephenes (s. d.) war, Westerm.) läfst den K. herrschen zu loppe in
welches ein älterer, speziell hellenischer Name Phoinike, damals Aithiopia genannt, ünö zrjs
für die Perser sei. Hellanikos, sonst später vt«{r' r/uäg &aXuoa>jg ui%Q' 'Agäßoiv zmv zozs ngos
schreibend, ist hier ausführlicher und mufs t>\v igv&Qctv &ülaacav (iy.rjusvcov = Plinius
entweder den Herodotos beeinflufst oder eine N. H. 6, 183: (Aithiopiam) et Syriae imperi-
1111 Kepheus (der Andromedasage) Kepheus (der Andromedasage) 1112
tasse nostroqtie littori aetate regis Gephei (in 319 ö&veiov Tligan xiXimv yd(iov Evgvfiiäovxi.
Iope Phoenicum). Tacitus (Hist. 5, 2): Die (Aglaopham. p. 574pp). — Konon (c. 40 p. 143
Aithiopen des Kepheus seien aus Afrika (so West., nach unbekannter euhemeristischer
richtig Stark, Gaza S. 41 gegen Movers, Phö- Quelle) hat die Neuerung, dafs K. seinen
niz. 2, 1, 288) nach Judaea gewandert und Bruder Phineus als Nebenbuhler des Perseus
hätten sich dort „als Juden" ('.) angesiedelt. begünstigt (K. und Ph. als Brüder auch
Über die Etyrnologieen von 'Ionn aus Jifr-ionrj, Apollod. Bibl. 2, 1, 4, 3), nach längerer Über-
ia Tgl. Art. 'Iope'. — Ähnlich waren andere legung jedoch die Tochter dem Freier Phoinix
bestrebt, den niesopotamisehen K. bei Hero- zuerkennt unter der Bedingung, dafs derselbe
dotos-Hel~lanil;os- Sophokles mit dem achäisch- 10 zum Schein sie entführe; so will er die Vor-
kyprischen (Bura und Dynie — Golgoi) des würfe des Bruders vermeiden. Weder Phineus
Lykophron (s. o. nr. 3) zusammenzubringen; noch Phoinix kamen in Euripidcs' Andromeda
so Kikolaos v. Damask. (im Et. M. p. 180, 43. vor. — Von Lykophrons Andromeda {Suidas
F. H. G. 3, 365): 'Axaifiinjg . . . ufos ilfgoiaig s. v.), auf welche Fedde (p. 37) Hygins F. 64
(II)' ävöfiaotca de cinb xov slvcti xov itQOTtd- von K. zurückführen möchte, ist nichts be-
xoga ctvTOv cc-nb xrtg 'A%atag, Der xcQonaxaQ kannt. Diese Fab. 64 bietet lauter sonst un-
ist nicht = Perseus (I), wie C. Müller, F. H. G. bezeugte Züge: Cepheust.'i pater cum Agenore,
a. a. 0. will*), sondern Kepheus {Aithiopenl. cuius sponsa fuit(!), Perstum clam interficere
S. 151 55); die 'A%ata ist nicht das 'Agyog voluerunt. Ille cognita re Caput Gorgonis eis
'A%uii*6v, wie wiederum derselbe, an Perseus 20 ostendit omnesgue(!) ab summa specie sunt in-
denkend (P/eiiüas, F. H. G. 3, 25, 4), erklärt, formati in saxum — bis auf die Versteinerung
sondern, wenn man nicht an das rhodische von Polydectes sive Proetus herab. Weder
Kastell 'Axatu zu Ialysos denken will, das Land hätte Bibbeck {Rom. Trag. S. 174) hier euri-
Achaia um ßura und Dyme. Die Kombination pideische Nachahmung (frg. 152) vermuten
ward erleichtert durch den Gleichklang in sollen, noch durfte 0. Gruppe gerade diesen
'A%ata und 'A%cafi,bvris und führte sogar weiter Winkelmythos seiner Deutung (s. u.) zu Grunde
zur Genealogie: Achaimenes S. des Aigeus legen. — Ovid hat ebenfalls, wie Konon, K.
(d. h. Aigialeia): Steph. Byz. 'A%ai(i,svCa; vgl. als Bruder des Phineus {Met. 5, 12 f.). Hier
Bd. 1 Sp. 2861. Nicht blofs aus der ver- rüstet K. vielleicht nach Vorgang des Euri-
mittelnden geographischen Lage, den kolo- 30 pides {fr. 135 f., vgl. Philostratos; Bibbeck, Rom.
nialen Beziehungen und dem rhodischen Kastell Trag. S. 170) zur Hochzeit (vgl. auch o. Euphor.
Achaia ist die vermittelnde Rolle der Insel frg. 67) ein üppiges Mahl, an welchem die kephe-
Rhodos als einer Zwischenstation bei dieser nischen Edeln alle teilnehmen (4, 764 ff. 5, 1 ff.);
östlichen Mythenübertragung zu ersehliefsen, er nimmt gegen den gewaltsam eindringenden
sondern auch daraus, dafs in einem rhodische Phineus und dessen indisch-assyrisch-baktritch-
Lokalfärbung tragenden Mythologem die Acliae- medisch - nabatäisch - chaonisches Mischvolk
meniae urbes erscheinen: in Oiids {Met. 4, seinen Schwiegersohn Perseus und seine Ke-
212 ff.) angeblich auf Hesiodos {frg. 44 Ei.) phenen in lebhafter Rede in Schutz und betet,
zurückgehenden Mythos von Leukothoe und als die Eindringlinge im Palast trotzdem den
Helios {Ovid: Apollon), in welchem die koische 40 Waffenkampf beginnen, vor den Pforten des
Klymene und die rhodische Rhodos vorkommen Palastes zu den Göttern des Gastrechts, da-
(vgl. Aithiopenl. S. 166 9S). Auch wenn K. mit sie die Verletzung desselben rächen (5, 43ff).
'laaiSrig heilst (bei Arat. Phainom. und Germani- Als Perseus die letzten 200 Leute des Phineus
cms Arat. v. 184), zeigt er dieses Schwanken zwi- (= 01 nuyi rxsg big XC&ovg uv&qcotioi sc. des
sehen Argolis (wo Agenor Bruder des Iasos Entführers Phoinix bei Konon c 40) und aus
ist), Achaia (wo Paus. 7, 13, 7 eine Stadt Iasos Versehen auch den Akonteus aus dem eigenen
nennt) und dem karisch-triopisehenlasos, dessen Gefolge, mit dem Gorgoneion versteinert,
gleichnamiger Eponymos {Steph. B. s. v.), S. des bleibt K. mit den Resten seiner Kephenen (s. d.)
Triopas, letzthin mit einem der vielen pelo- verschont; und es war ein unglücklicher Ein-
ponnesischen Heroen Namens Iasos identisch 50 fall 0. Gruppes {Philul. N. F. 1, 97\ wenn er
sein wird. davon ausging, dafs bei Hygin F. 64 Kepheus
Auf Tegea führen keine dieser rhodisch- und die Kephenen (!) versteinert würden, und
orientalischen Beziehungen zurück; sogar die dies zum Beweis dafür nahm, dafs in seinem
unhistorische {Bohde, Bit, Mus. 36, 1881 S. 432) Namen das aramäische keph = Fels stecke.
Althaimenessage läfst den Katreus = Arche- Damit fällt die letzte Stütze seiner gewalt-
dios (?), Sohn des Tegeates {Paus. 8, 53, 4), samen Kombination des Andromedamythos
gleich beim Anlanden auf Rhodos von dem mit dem rhodischen Haliamythos, in wel-
eigenen Sohn erschlagen werden {Diodor. 5, chem er das Y.ovtyui v.axöt. yijs {Diod. 5, 55)
59), und er bekommt nicht wie dieser Heroen- mit der angeblichen Versteinerung der Ke-
kult auf Rhodos. — K. oder Akrisios oder 60 phenen, und die Poseidonsöhne dort mit den
Zeus rüsteten dem Perseus die Hochzeit aus Kephenen hier identificieren will, in sich zu-
nach Lobecks Deutung und Lesung des Eupho- sammen. ■ — Die Apollod. Bibl. 2, 1, 4, 3 hat
rionfragmentes 67 Mein, aus Sclwl. V. 11. S K. als Sohn des Agenorbruders Belos und der
Neilostochter Anchirrhoe, Bruder des Phineus,
*) Er Hefa sich durch die Analogie des Scholion zu Danaos und Aigyptos; Hiwin P. A. 2, 9 als
Jjiunus. Peneg. v. 10o3 (ff. G. iL 2, 4o6 a tauschen: Q , D, . . SJi, ''? „„„ a , ' c ,
tt i n -t\ •-'./ v„ i ■. - " » ' ,•„„ . S. des Phoinix; Aonnos 2, 6S2 ff als S. des
Knyiu: ... 77('?o,,>. (II i Muaoi. K. ist zwar nann„: des Agenor und Bruder des Kadmos, Thasos. Kilix,
versc(u)s n, aber n uoTtutai/j ' von dessen Sohn Achaimenes. Phineus, und eingewandert in südliches Aithio-
1113 Kepheus (der Andromedasage) Kepheus (von Boiotien; auf Münzen) 1114
peuland (voxiqv x&öva Krjcpsvg | vciaaaxo Kr\- (vgl. jedoch den Artikel Kekrops); und auch
cprjvcav i-nirJQavog Aixrionrjcov). — K. als Aithiope die Nebenform zu Kqqisvg (Kucpsvg), Kijcpig
sonst noch bei Nikolaus 2, 6 und Libanios 32, (Käqug) lebt (aufser in Chios) nur in Phokis,
vgl. Westermann Mv&oyq. p. 375, 40, 1. 2. — wo sie zweimal (einmal in Tithoreia), und
Die Verstirnung des Kepheus, die Robert S. 19 in Thespiai, wo sie einmal bezeugt ist. Wenn
schon Euripides und überhaupt der ältesten hier keine Rückübertragnng aus Karien und
Form des Mythos zuspricht, giebt Hygin P. A. sekundäre Lokalisation vorliegt (wie beim Phoi-
2, 9. 3, 8 und die Eratosthen. Katasterismen 15 nikion des Kaclmos bei Thebai), so hätten wir
(über die Parallelversionen vgl. Boberts Aus- hier die älteste Heimat des Mythos zu suchen,
gäbe 1878). Ober die römischen Tragödien 10 der von da über Euboia nach Argolis and weiter
und ihre Vorbilder s. Art. 'Kassiepeia'! übertragen wäre (vgl. übh. Art. 'Kassiepeia').
Der Name der Kncptvg, der, wie gesagt, [Bewaffnet mit Helm, Schild und Schwert
nicht mit dem aramäischen Keph (Suidas Krj- erscheint Kepheus (ganz so wie Aias der Sohn
cpäg) = Fels zusammen gebracht werden darf des Oileus auf Münzen von Opus, Hcad p. 285)
(s. o.), wird von den alten Grammatikern (über auf Silber- und Kupfermünzen von Tegea,
das abgeleitete Kr,tprivsg s. d. ) mit yacpbg Khell, Append. alt. Tab. 3, 12. Eckhel, D.
(y.acpr)v, v.r]cpr]v) zusammengebracht, ohne dafs N. V. 2 p. 299. C. Combe, Hhis. Hunterianwm
man für eine Bedeutung „Stumme" oder gar Tab. 57, 5. Mi. 2, 255, 71 und S. 4, 292, 112.
„Drohnen" im Mythos irgend welchen Anhalts- Sollin et Feuardent , Cat. d'une coli, de med.
punkt oder sinnvollen Erklärungsgrund ent- 20 gr. 1, 264, 4159. Bröndsted, Voy. et rech. 2
decken könnte. Am nächsten liegt es wohl, p. 233. Friedländer , Sitgungsber. d. Kgl. Pr.
an einen der vielen KrjcpLßabg-i'lüsse zu denken, Ak. zu Berlin 1878 p. 451. B. Weil, Z. f.
dessen Epon'ymos er seiu könnte; K. wäre ein Num. 9, 1882 p. 36 Tfl. 2, 9. Cat. Bompois
Kurzname für das Ethnikon * Kr,<pieosvg von 98, 1223. Imhoof, Monn. Gr. 208, 278. Imhoof-
KrjcpLoeog (ähnlich das lautliche Verhältnis Gardner, Numism. Comm. on Pausanias p. 109.
etwa von Töfuea: Topicsvg; Tojjlsvs). In Be- Cat. of Gr. Coins in the Brit. Mus. Pelo-
tracht käme wegen des Perseus zunächst der ponnesus p. 201 nr. 11 — 13 PI. 37, 14. 15.
argolische Kephissos; wenn man an K. den Head, H. N. p. 380. — O. Jahn, Ar eh. Aufs.
rAchaier' denkt, der sikyonische, der freilich p. 167 ff. Tfl. 1, 5 deutete den Heros als Teie-
weder Bura noch Dyme benachbart ist; der 30 phoa, Urlichs, Skopas p. 36f. als Echemos.
boiotisehe aber, wenn man eine Gruppe von Auf Bronzemünzen mit dem bärtigen Haupte
Zeugnissen berücksichtigt, die ich hier zu- des AAEOS im Obv. ist dargestellt Athena,
sammenstellen möchte unter dem Kepheus die Haare der Medusa über-
5) Kepheus von Boiotien, Vater des reichend, welche Sterope in einem Gefäfs
Thespeios, des Eponymos von Thespeiai aufnimmt, Eckhel, D. N. V. 2 p. 299 Mil-
(= Thespiai): Schol. B (L) zu II. B 498 lingen, Bec. de quelques med. grecques ined.
(@SG7iEictv] ctiib &i67t£iov xov Krjqitmg, co &v- p. 53 ff. de Witte, Cat. Gre-ppo p. 96 nr. 719
yaxigig rjactv v' (dem Thespios nämlich). Man (welcher die Figuren falsch als Athena und
könnte denken, das sei nur eine spielende Ares deutet). Bollin et Feuardent 1, 264, 4162.
Kombination der 50 Söhne des Kepheus mit 40 Coli. Bompois 98, 1225. Cat. of Greek Coins
den 50 Töchtern des Thespios; oder aber eine in the Brit. BIus. Peloponnesus p. 202 nr. 21
Verwechselung mit dem ßeoiiisvg Narkissos, PI. 37, 19. Imhoof- Gardner , Num. Comm. on
Sohn des Krjcptaaog. Jedoch finden sich wirk- Pausanias p. 109 nr. 3 PI. V, 23. Derselbe
lieh in Boiotien auch sonst Anklänge an die Typus kommt vor auf einer Münze des Ela-
Perseus- und Andromedasage. Dafs die Mutter gabal von Tegea, Kenner , Die ant. Stanzen
der Kassiepeia, Thronie, sich gerade nur im des Stifts St. Florian p. 98 Tfl. 3, 12. Auch
epiknemidisch-lokrischen Thronion, die Araber ohne Kepheus wird die Überreichung der
ihres Clrofsvaters Arabos (im Gefolge des Haare dargestellt, Bollin et Feuardent 1,264,
Kadmos und im Zusammenhang mit Aban- 4160. 4161. Num. Chron. 1873 p. 116 nr. 70.
ten) gerade in Boiotien und Euboia nach- so Imhoof -Gardner a. a. 0. PI. V, 22. — Kepheus,
weisen lassen, ist oben (Kassiepeia 3. Eingang) Kassiopeia, Andromeda, Perseus etc. dargestellt
bemerkt. Perseus' Sohn Erythras deckt sich am Atlas Farnesianus, s. bei Gori, Thcs. gemm.
mit dem Eponymos von boiotisch Erythrai, astrif. 3 p. 60f. cap. 17 Tab. 3. Drexler.J
'Egv&gag (s. die Nachträge am Schlüsse des [K. Tümpel]
2. Bandes); für die Graien bietet sich sonst keine •_ Kephisso (Kncpioacö, Kr,cpi6c6), Name einer der
ursprüngliche Lokalisation aufser in der tanagräi- Musen (s. d.). Der Dichter Eumelos aus Korinth
sehen Graia und dem rgaiag tdos oder axrt&og (fr. 16 Marksch.) b. Tzetz. zu Ilesiod. opp. p. 23
bei Thebai; und die Gorgonensage haftet an Gaisf. nahm drei Musen an: Kephisso, Apol-
Mykalessos (Schol. B [L] zu II. B 498 Mv- lonis (Hermann: Achelois) und Borysthenis,
■xaXrjOeög] nctQU xb iy.tCas rag FoQyövag il&ov- 60 von denen zwei wenigstens von Flufsnamen
aag fivy.fieao&cu; Eustath. p. 266, 30 inei abgeleitet sind, und nannte sie Töchter des
yf y ovvi'ag rag FoQyövag v.xl.). Vgl. auch das Apollon. G. Hermann, De Musis ftuvialibus
boiotisehe MiSia, gleichnamig der argolischen Epieharmi et Eumeli, 1819 (Opusc. 2,288 — .305).
Perseusstadt. Zum Überflufs hat jetzt Maafs Buttmann, Mytholog. l,273ff. Prdler, Gr. Myth.
(de Aeschyli Supplicibus, Ind. lect. Grypb. 1890 1, 406. Madiger, Die Musen, im 8. Suppl.-B. d.
p. 24) das alte Ai'yvnxog der hellenischen Jahrbb. f. Mass. Philol. p. 281. [Stoll]
Kassiepeiasagen (die Aiyvnxog luy.Qct des Kephissos (KijCftoaog und Ktjcpioög), der Gott
Steph. Byz.) mit der Insel Euboia identificiert verschiedener Flüsse dieses Namens, in Phokis
1115 Kephissos Keraunios 1116
und Böotieu, in Attika, in Argolis, Sobn des nannt waren und dem die Töpfer opferten,
Okeanos und der Tethys, Hyg. praef. p. 28 ein Sobn des Dionysos and der Ariadne,
Bunte. Der argivische Kephissos hatte ein Paus. 1, 3, 1. HarpoJcr. Suid. v. Ksgafiig.
Heiligtum in Argos, Paus. 2, 20, 5. Er hatte [Zu 0. Jahn's (Über ein Vasenbild, welches
mit Phoroneus und den Flufsgöttern Inachos eine Töpferei vorstellt, Ber. üb. d. Verh. d.
und Asterion bei dem Streite des Poseidon Kgl. Sachs. Ges. 1854 [p. 27 — 49 Tfl. 1, 1]
und der Hera um den Besitz des argivischen p. 45 ff.) Deutung einer bärtigen Maske an
Landes der Hera das Land zugesprochen, Paus. einem Ofen auf der Münchener Vase nr. 731
2, 15, 4. Der phokisch-böotische Kephissos als eine als Apotropaion dienende Satyrmaske
war Vater der Nymphe Lilaia (Paus. 10, 33, 2. 10 bemerkt Goettling , Carmen Homeri fornacale.
Hesiod. b. Schal. 11. 2. 523), der Melaino, der Jenae 1860. 4" p. 6: „Crederem si aures ca-
Mutter des Delphos (Paus. 10, 6, 2), der Daulis, pitis essent acutae, nunc autein larvam esse
(Paus. 10, 4, 5), des Eteoklos, Königs von Orcho- putaverim Cerami herois , qua invidiosorum
menos (Hesiod. b. Schul. Pind. Ol. Argum.), noxiam reprimi posse putabant Athenienses.
des Euonymoa, des Vaters der Aulis, Sehol. Vgl. auch de Witte, Description des collections
II. 2, 496. Steph. B. v. Avf.t'g. Der attische d'antiquite's conserrees ä l'hötel Lambert. Paris
Kephissos heilst Vater der Diogeneia, deren 188G. 4" p. 5: „Les Grecs, qui etaient dans
Tochter Praxithea mit Erechtheus vermählt Vhabitude d'attribucr les inventions utiles ä
war (Apollod. 3, 15, 1), Vater des Elieus ; leurs dieux, ou du moins ä des personnages
dieser zeugte mit Skias den Eunostos, Heros 20 lieroiques de race divine , disaient que Ceramos
von Tanagra. Plut. Qu. Gr. 40. In dem Tempel etait le fils de Dionysos et d' 'Ariadne. C'etait
des Amphiaraos bei Oropos war ihm gemein- de lui que le Ceramique tirait son nom, ce
schaftlich mit den Nymphen, dem Pan und quartier d'Athenes habite par les' potiers. Ort
dem Acbeloos ein Teil des Altars geheiligt, peut se demander pourquoi Dionysos etait con-
Paus. 1, 38, 2. Kephissos war Vater des Nar- sidere comme le pere du heros, protccteur des
kissos, den ihm Leiriope geboren, Hyg. f. 271. potiers? C'etait sans doute pour donner ä en-
Ov. Met. 3, 343. — [Über Kephissos am West- tendre que Von conservait le vin dans des
giebel des Parthenon s. Michaelis. Parthenon vaisseaux de terrc , et que des coupes de terre
p. 192 f. E. Petersen, Die Kunst des Pheidias scrvaient ä porter aux leeres la liqueur bac-
p. 194—198. A". Bötticher, Arch. Z. 1871 p. 63. 30 cltique." Drexler.] [Stoll.]
H. Brunn, D. Bddw. d. Parthenon u. d The- Kerainyiites (KrjQaiivvtrjg), Beiname des
seion. München 1874 (S.-A. a. d. Silzungsber. d. Herakles, Lykopin: 663; vgl. Tzetz. z. d. St.
philos.-philol. Kl. d. k. b. AI:, d. W. 1874 II) Ktjgctijtvvrqg b 'Hgctxlrjg, b rag xr/gag ätäxiov
p. 30. Adolf Gerber, Katurpersonifikation in als^ixa-xog yäq. Zu Herakles üls£iy.cty.og s.
Poesie u. Kunst der Alten, Jahrbb. f. klass. Luc. Gall. 2. Fuqit. 32. Alex. 4. Anllt Pal.
Phil. Suppltbd. 13 p. 277. J. Orerbeck, Gesch. 9,441. Sehol. Apoll. Bhod, 1, 1218; 'HgaKltovg
d. griech. Plastik l3 p. 309 — 310 Fig. 64. AjicMu^Lxdxov Inschrift aus Delos, Corr. hell.
31. Collignon, Pheidias. Paris 188G p. 57. 58. G, 342 nr. 53; aus Chaironeia 'HqkxXsl äjrar-
Gegen die Deutung der Eckfiguren als Flufs- Af|<x«xro, 'J&rjvcuov 4, 377. [Höfer.]
gottheiten soll sich nach Otto Schuh, Die 40 Keraon (Kegdcov), Heros des Weinmischens
Ortsgottheiten der griech, u. röm. Kunst. Berlin (xfpäco), welchem zu Sparta die Diener bei
1889 (Berliner Stud. f. kl. Phil. u. Arch. 8. Bd. den Pheiditien eine Statue errichtet hatten,
3. Heft) p. 15 Anm. 23a erklären Arnold Walz, wie auch dem Matton (tiatrai), dem Heros des
Über die Erklärung der Eckfiguren am Ost- Brotbackens, Polemon b. Athen. 2, 39c und
giebel des olympischen Zeustempels u. am West- 4, 173 f, wo statt Matton der Heros Daiton
giebel des Parthenon (Programm des Seminars genannt ist. Töpjfer, Alt. Gen. 152. [Stoll.]
zu Maulbronn 1887); vgl. auch die allgemeinen Keras Ainaltheias s. Amaltheia.
Betrachtungen von O. Schul: a. a. O. p. 20 — Kerasos (Kigaaog) soll zuerst mit dem Flufs
23. Noch nicht einsehen konnte ich H. Blüm- Acbeloos in Aitolien den Wein gemischt
ner, Zum icestl. Giebelfelde des Parthenon in so haben, Hyg. f. 274. [Stoll.]
Gesammelte Studien zur Kunstgeschichte gewid- Keraulos (KtgavXog), Begleiter des Bakchos,
met A.Springer. Leipzig 1885. Drexler.] [Stoll.] G. I. Gr. 4 nr. 8184. [Lorentz.]
Ker s. Keres. Kerannia (KsquvvCa), Name einer sonst un-
Kerambos(A"fpß:|ußos'), ein amOthrys wohnen- bekannten Göttin, die neben Ksgavviog (== Zeus)
der Mann, der sich bei der deukalionischen Flut auf einer Inschrift aus Kition erscheint, xt %o-
auf einen Berg geflüchtet hatte und, von den 7.coy.ivov xv%ot rov Kiguvvlov . . . av zig ßcily
Nymphen in den Käfer xtpaußi'^ verwandelt, y.ongta v.B%oltouivrig rvxoi rrjs K^gawictg,
den Wassern entging, Ov. Met. 7, 353. Vgl. Waddington, Inscr. d'Asie min. 2739; vgl.
Ant. Lib. 22, wo der in den Käfer Verwandelte Le Bas 2 p. 209. Vgl. Keraunios. [Höfer.J
Terambos (s. d.) heifst. Auch hier ist wohl 60 Kerauuios (KsQavvtog), Beiname des Zeus,
mit Rücksicht auf den KeQ<iußv$ Kerambos zu s. Anecd. var. Gr. et Lat. edd. Schoell et
lesen. [Eine Deutung der Sage s. b. Laistner, Studemund 1 p. 265. 266. 274. 281 und die
D. Bätsei d. Sphinx 2, 200 f. R.] [Stoll.] von Höfer s. v. Keraunos anzuführenden Stellen
Keramnos? (Ceraunus?), Skythe b. Val. Fl. und Inschriften, zu denen man noch fügen
6, 550. [Röscher.] kann eine Inschrift aus Melos, 'Ecpnu. <X9%.
Keranios (Äf'pauos), ein attischer Heros der nr. 3544 p. 1846. K. Keil, Philologus, Suppl.
Töpfer (-Kepcciitig), nach welchem der Demos Bd. 2 p. Gllf. u. eine aus Nikopolis ad Istrum,
Kerameis und der Kerameikos zu Athen be- A. E. M. 10 p. 242 nr. 7.
1117 Keraunios Keraunos 1118
Der von Paus. 5, 14, 7 erwähnte Altar des das letzte Wort grofs geschrieben wissen, in-
Z. Keraunios in Olympia ist- nach Robert, dem die Inschrift von Mantineia ihn zu der
Hermes 23 p. 430 Anm. 2 identisch mit dem Vermutung führt „qu'il faut . . . reconnaitre
von Paus. 5, 14, 10 (aus einer anderen Quelle) ici la mention du dieu foudre". Aus Cyrillus
angeführten Altar des Zeus Kataibates. Gatech. 13 citiert Eckhel, D. N. V. 3 p. 326
Für Pergamon kann mau zu dem inschrift- die Notiz: „Die Griechen verehren den Blitz."
liehen Zeugnis vergleichen den von Mi. 8, Über den entsprechenden luppiter Fulgur s.
617, 659 so beschriebenen Typus einer Münze oben Bd. 2 Sp. 656. Wollte man mit Stephani,
des Herennius Etruscus: „lupiter assis, tenant C. r. p. l'a. 1S72 p. 86 Anm. 4 den blitz-
un foudre dans la m. dr. et la haste dans la 10 schleudernden Zeus ohne Beischrift auf Münzen
g.; en face Hercule debout, tenant im foudre von Petiha, der Bruttier und Lukaner als Zeus
dans la m. dr. et sa massue dans la g."' und Keraunios bezeichnen, so könnte man dieses
die unter Keteios anzuführende Münze des Beiwort auch auf die Zeusgestalten unzähliger
Commodus. anderer Städte (s. Pasche 2, 2 Sp. 1186 ff,
Die Inschrift C. I. Gr. 3446 aus Ghieuldiz Suppl. 3 Sp. 259 ff.) ausdehnen; doch ist der
ist, wie K. Keil a.'. a. 0. p. 609 ff. nr. 5 be- Blitz ein so gewöhnliches Attribut des Zeus,
merkt, identisch mit Waddington, Aste Min. dafs der Typus des blitzwerfenden Zeus auf
1674. Wagner, Inscr. Gr. rec. en Aste min. den Münzen einer Stadt noch keinen hinläng-
p. 14f. Hamilton, Researches in Asia Min. 2, liehen Beweis für die Verehrung desselben
137. 140 p. 166f. nr. 336. 20 als Keraunios daselbst bietet. Römische Kaiser -
Die Inschrift von Tefeny (B. C. H. 8, 503) münzen bezeichnen zwar zuweilen (Diocletian)
findet sich auch bei Sterrett, An epigraphical den blitzeschleudernden Zeus durch die Bei-
journey in Asia Min. (nrs. (56 — )58, C, 15 p. 89. schrift als Fulgerator, aber andere dagegen
Für den durch Hesychios bezeugten Kultus als (Konservator, Defensor Salutis Aug., Stator,
des Zeus Keraunios in Seleukeia lassen sich Victor, luvenis. (Vgl. luppiter.) —
auch Münzen des Caracalla von S. mit der Über andere den Zeus als Gewittergott
Beischrift Z6YC- K6PAYNIOC zu dem auf einem charakterisierende Beiwörter s. Preller - Robert
heiligen Tische liegenden Blitz oder Donnerkeil, l4 p. 118 Anm. 1; über ctoTocmaiog Fr. Lenor-
der ohne die Beischrift auch auf zahlreichen mant, Inscr. grecque d'Antandrus , Rev. arch.
anderen Münzen der Stadt vorkommt (s. z. B. 3u n. s. 10, 1864. p. 49 — 51. [Drexler.]
Noris, Annus et epochae Syromacedonum. Lips. Keraunobolia die Personifikation der Blitz-
1696. 4° p. 267 f. Ch. Lenormant, Nouv. galt. schleuderung, war zusammen mit der des
myth. p. 30 PI. 5, 17 u. p. 56 — 58 zu PI. 8, 13. Donners, Bronte, und der des Blitzleuchtens,
Babelon, Les rois de Syrie, d 'Armeide et de Astrape, auf einem Gemälde des A gelles dar-
Commugene. Paris 1890 p. 105), anführen. gestellt, welches Plin. n. h. 35, 96 erwähnt.
S. Spardiemius , De praest. et usu man. ant. 1. Brunn, Gesch. d. gr. Künstler 2 p. 207 zieht
Am.-t. 1717. 2° p. 430 ff., speziell p. 431. zum Vergleich heran ein Gemälde bei Pliilo-
Echhel, D.N. V. 3 p. 326. Mi. 5, 279, 909. stratus 1, 14, worauf bei der Feuergeburt des
910. Ooerbeek, Zeus p. 215; vgl. auch Appian, Dionysos „der Donner in dräuender Gestalt
Syriaca 58 und oben s. v. Kasios. 40 und der Blitz, wie er Strahlen aus den Au^en
Die Inschrift von Damaskos (C. I. Gr. 4520) entsendet", zu sehen waren. Dilthey , Rhein.
verzeichnet auch Waddington , Syrie 2557a. Mus. N. F. 25 p. 335 u. Anm. 2 vermutet, dafs
Hinsichtlich des Zeus Hsyuvvtog in Palmyra die von Plinius angeführten Personifikationen
bemerkt Baethgen, Beitr. z. sentit. Religions- auf einem Gemälde mit der Darstellung des
geschickte p. 82. 103, dafs man in ihm den blitzsehleuderndenAlexander angebrachtwaren.
Baalschamen zu erkennen habe. In dem Ke- [Drexler.]
raunios von Kition hat man den Reschef Hes Keraunos (Kcoavvog), Beiname des Zeus
sehen wollen, s. Clermont Ganneau, Rtv. arch. auf einer Inschrift aus Mantinea Jtbg Ki-
n. s. 32, 1876 p. 381. de Vogile, Mil. d'arch. Qctvvä, Corr. hell. 2, 515 nr. 1 = Le Bas 2,
Orient, p. 19. Foucart, Monum. grecs publ. par so 352 a. Collitz , Samml. d. yriech. Dial- Inschr.
l'assoc. pour l'encouragement des etudes gr. en 1, 1197; ähnlich auf einer Inschrift aus Tegea
France nr. 4. 1875 p. 24; vgl. H. R. Lang, rä psyiazcp v.al ytagavvoßöXcp z/ü, C. I. G.
Transact. of the Roy. Soc. of Liter, of the 1513 = Collitz a. a. 0. 1, 1231; vgl. Luc.
United Kingdom. 2d ser. 11, 1878 p. 33 Anm. 7, Philoputr. 4. — Zeus selbst heilst KtQavvLog
und über die Bedeutung des Namens Keschef in Seleukia (Hesych), hatte als Ksgavvtog
Hes „der mit dem Blitz", „der, welcher den einen Altar in Olympia, (Paus. 5, 14, 7; vgl.
Blitz als seinen Pfeil entsendet", Baethgen Orph. hymn. 15, 9. Tit. zu hyinn. 19) und wird
p. 52. Die KtQu.vvlu dürfte vielleicht die erwähnt auf Inschriften aus Kition C. 1. G.
'Anat' sein, welche auf Cypem der Athena 2, 2641, aus Lydien 2, 3445, aus Syrien
(s. Baethgen p. 53) gleichgestellt wurde. 60 3, 4501. 4520 (Damaskos) und auf einer am
Zu der Inschrift von Mantineia vgl. die Fufse des Albanerberges gefundenen In-
Abhandlung von P. Foucart, Le Zeus Ke- schlift 3, 5930; vgl. ob. Sp. 656. 751. 756. Zfis
raunos de Mantine'e , Monum. gr. 4, 1875 Kiuaivetog, Bianor in Anth. Pal. 1, icJ. Arist.
p. 23 — 26 und Henri Weil, Zeus Keraunos, de mundo 7. — Ztvg v.iQctvvoßQÖvzng, Arist. pax
Revue arch. n. s. 32, 1876 p. 50 — 51. Letzterer 376. — Ztig y.bquvvovxos, Phil. sept. mir. 3; der
will bei Hesiod, Theog. v. 886 f. Blitz selbst heifst zb zov Jtbgauvvztiyiov, Hesych.
Evetfiuptpag d' oft %tQ<i\v {ftv iyy.az&&zo vrfivv, Zeus heifst ferner Ktouvviog in derlydischen
Jiiaag ft?j zi^y nQazt^dxhoov uXXa xsquvvov Landschaft Maionia, Waddington , Inscr.
1119 Kerberos (b. Homer und Hesiod)
d'Asie min. 1674; in Thyateira, Bull, de
corr. hellen. 10 (1886), 401 nr. 4 (unter der
Inschrift ist ein Blitz eingemeifselt); 11 (1887),
470 nr. 36; auf einer Inschrift aus Tefeny in
Phrygien, Corr. hell. 8, 503; in Syrien,
Waddingtön a. a. 0. 2195. 2631 (Palmyra);
in Pergamon, Fränlel, Die Inschriften von
Fergamon p. 134 nr. 232; in Thasos, Jour-
nal of hellenic studies 1887, 425 nr. 29; auf
Kaly mna, Inschrift aus dem dortigen Apollon-
tempel, Newton, Anc. Greek inscr. in the lirit.
Mus. 2, 100 nr. 321; auf einer Inschrift aus
Jeni Nikup (Thracien), Arch. epigr. Mitteil.
a. Österr. 10 (1886) 242, nr. 7, ohne Zeus findet
sich Keraunios neben einer Göttin Keraunia (s.
d.) auf einer Inschrift aus Kition, Waddingtön
a.a.O. 2739, vgl. 2740; auf uuteritaliseben
Schleuderbleien vinn Jibg KtQuvviov, Kaibel,
Inscr. Graec. Siciliae 2407, 3 p. 608; auf
Münzen von Petilia, der Bruttier und der
Lukaner, Slepliani , Compte rendu 1872, 86
Amn. 4; Goldmünze des Diocletian ebenda 222.
Vgl. Keraunios. [Höfer.]
Kerberos (A'f'ofitpoc). 1) Ein mythischer
Honigdieb in Kreta, der in einen Vogel ver-
wandelt wird. Darnach die Vogelart xegfiiooi.
Ant. Lib. 19 (nach der Ornithogonie der Boio
oder des Boios; vgl. Knaack.Anall. AI. Rom, lff.).
— 2) Der Hund und Thorhüter des Hades.
Soph. 0. C. 1572. Eurip. Herc. 1278. Theokr.
29, 38. Apcl. 2, 5, 12, 8. Schol. Hes. theog. 311.
Tartareum custodem: Verg. A. 6, 395; vgl. 8,
296. Tib. 1, 3, 72. Stat. Hieb. 2, 53 (vgl. 8,
56). Sil. It. 3, 35. Doch seheint der lanitor
Orci nicht immer Kerberos zu sein; vgl.
Spiro, De Eurip. Phoen. p. 55, dessen Be-
merkung gut berichtigt und ergänzt wird von
Ettig, Acheruntica, Ipz. Stud. 13, 407, welcher
feststellt, dafs jedenfalls bei lucau. Phars.
6, 702 der lanitor vom Cerberus unterschieden
wird; vgl. Stat. Silv. 3, 2, 112 (HermanubisV).
Über Kerberos im hom. Epos schol. A B
Townl. V zu 0 368: tj äi.7rXri .... ort nvva
(ibvov Xsysi, A'f'pJjfDOV öe ovv. oVofiaJft, (hg ot
vsoizagoi. oiSi ös zöv %vva v.al zrrv cpvciv
ccvzov (vgl. Paus. 3, 25, 6). Die zwei Stellen,
auf die sich dies bezieht, sind beide nicht
sehr alt: ©368 (xvva czvyioov A'idao) und
X 623 (v.vva). An beiden ist Kerberos erwähnt
innerhalb der ihn betreffenden Höllenfahrt
des Herakles (vgl. Hygin. 251 p. 139 Schm.).
Diese gehört offenbar zum ältesten Bestände
der Herakles -Sagen und mufs frühzeitig ,poe-
tisch fixiert gewesen sein (in Argos? vgl.
■o. Wüamowite, Herakl. 1, 291. 301 ff.), und
zwar, wie es scheint, ursprünglich vor den
Hesperidenäpfeln (z. B. Soph. Track. 1097),
später als letztes Abenteuer (z. B. Eurip. Herc.
23 und überwiegend die Mythographie) , vgl.
v. Wilamowitg a. a. 0. 304, 71, sowie Welcher,
Kl. Sehr. 1, 88. Das Genauere gehört in den
Artikel Heroldes.
Der Name Kerberos begegnet zuerst bei
Jlesiod. Theog. 311: A\ cofirjoziiv. 'Atäsm %vi>a
%aXv.t6apavov , 77f vzrj-AovzaY.itpaXov. (Im Scho-
lion ist zu lesen: ö fiiv üivSagog ineezorza-
v.EtpczXöv tprjOiv sivea zöv KtQßngov (codd.: Tv-
epcoia; durch Verwechslung mit Ptjth. 1, 31),
Kerberos (b. Stesichoros, Pindar) 1120
ovxog <5t ■asizriY.ovzecnitpaXov. Vgl. Schol.
0368. Schol. Soph. Trach. 1098. Die Zahl der
Köpfe bei Hesiod offenbar ovx KQi&u,r)ziy.äg,
aXX' ävzi zov noXvHicpctXog (wie von Typhoeus
Schol. Pind. Pyth. 1, 31). Daher noch Horaz
carm. 2, 13, 34: belaa centieeps (während die
Interpolation 3, 11, 17ff. ganz auffallend einen
Kopf mit os trilingue giebt). Ahnlich nannte
Simonides die lernäische Schlange fünfzig-
10 köpfig {fr. 203 Be.*): also ein dichterischer
Ausdruck, keine Vorstellung des Volksglaubens,
was für diese älteste Stelle namentlicher Er-
wähnung des K. wohl zu bemerken und schon
hier scharf zu betonen ist. K. ist bei Hesiod
Sohn des Typhaon und der Echidna (vgl. Soph.
Trach. 1099. Ovid. Met. 7, 408 [während 10,
22 3Ietlusaeum monstrum nicht genealogisch
gemeint ist). Hygin. fab. 30. 151 ; vgl. p. 12,
16 Schm. Buk. fugit. 31. Quint. Smyrn. 6,
20 261]. Dadurch sind Kerberos' Geschwister
u. a. Orthros, der Hund des Geryon, die Hydra
und der neme'ische Löwe; also liegt auch bei
Hesiod die Beziehung zum Abenteuerkreise
des Herakles zu Grunde. Ganz allgemein da-
gegen, als Ausstattungsstück der Hadesschilde-
rung, als Thorhüter vor dem Hause des Hades
und der Persephone, erscheint K. in einer
anderen Stelle der Thtogonie, und hier be-
gegnet der berühmte Zug (769 ff.): ig fihv
30 iövzag Xaivsi bu,ä>g ovgf] zs xocl ovaeiv äjx-
tpoziooieiv, E'£iX{tslv S' ovx avztg iä ndXiv,
äXXd Sokbvcov 'Eaxrisi, ov xf Xäß-ijci nvXscov
t-xroofrsv lovza. Dies liegt auch zu Grunde
dem scherzhaften Orakel bei Aristoph. Equ.
1030 ff. (vgl. 1017ff.), doch vermischt mit
der allgemeinen Vorstellung eines tückischen
Hundes: oai'vtig ääxvovoa; s. Schol. zu 1031
(vgl. Lul: de luctu 4. Quint. 6, 264. Stat.
Hieb. 2, 28: saevus et intranti populo, mit
40 ausdrücklicher Abweichung. Die Vorstellung
moditiciert sich später: tacet piis; vgl. Stat.
Site. 5, 1, 26S; 2, 184; 3, 3, 26; 5, 3, 279).
Die fremde und doch wohl jüngere Her-
kunft der zweiten Hesiod- Stelle erhellt schon
daraus, dafs ovaeiv aixipozsQOiGiv nicht mehr
50 Köpfe, sondern 1 Kopf voraussetzt.
Vom Kerberos des Stesichoros steht nur
der Titel fest; doch enthielt auch dies Gedicht
wahrscheinlich das Herakles- Abenteuer (vgl.
so Kleine, Stes. fr. p. 70). Pindar verknüpfte
das Kerberos -Abenteuer mit dem Acheloos-
Kampf und nannte K. wahrscheinlich bei
dieser Gelegenheit 100 köpfig, wie sp. Horaz;
vgl. fr. 249 Be.4 (nach der von Bergk citierten
Stelle aus Tert. de cor. mil. 7 scheint es, als
ob bei Pindar auch das ai'ziov der Acherois
[Olympia] damit in Verbindung stand; vgl.
Eratosth. schol. Theokr. 2, 121. Paus. 5, 14,
2 ff. Et. M. v. 'Axiqcoi's).
co Für die ältere Zeit ergiebt sich also, mit
Ausnahme der für jünger anzusehenden zweiten
.ffesiod-Stelle, dafs K. durchweg mit Herakles'
Höllenfahrt verbunden erscheint. Es fragt
sich aber, ob er auch zu diesem Abenteuer
von jeher gehörte. Vgl. Buttmann, Mi/th. 1,
261. Welcher, Götterlehre 2,776. Ahrens/Philol.
19, 415 ff. H D. Müller, Myth. der griech.
Stämme 1, 156. Cecil Smith, Joum. of hell.
1121 Kerberos (und Herakles)
stud, 4, 107 ff. Valentin, Orpheus u. Herakles
in d, Unterwelt. Berlin 1865 und besonders
AI fr. Emerson, De Hercule Homerico (Diss.
Monach. 1881) 20ffi, sowie Ettig a. a. 0 391ff.
und oben Bd. 1 Sp. 1782. Es baudelt sich um
die schon im Altertum strittige Auffassung
von £ 395 ff. : Kampf des Herakles mit Hades
iv icvlcp. Aristarch, der iv nvlco für iv nvXn
verstand, dachte auch bei diesem Kampfe an
das Kerberos -Abenteuer. Doch ist von Ker-
beros hier gar nicht die Rede. Dagegen hat
Pindar Ol, 9, 29 ff. eine von dem Aristarcheer
Didymus zu v. 43 natürlich als Licenz ent-
schuldigte Sage im Auge, die Herakles in
einem Götterkampf bei Pylos in Gegensatz
zu Hades setzt, ohne dafs K. der Kampfpreis
ist, sondern es liegen andere Motive zu
Grunde (vgl. A 690 ff. mit Schol., sowie Schol.
zu JE 392. Apd. 2, 7, 3, 1; 1, 9, 9, 2. Paus.
6, 25, 2). Diese Sage kannte wohl auch
Panyassis (vgl. fr. 20. 21 Kink.; die sonsti-
gen Herakleenreste sind für uns unergiebig;
Kerberos (und Herakles) 1122
Dagegen findet sich das Kerberos -Aben-
teuer (um von der völlig hysterogenen Ver-
schmelzung mit der Alkestis- Sage beim Myth.
Vat. 1 , 92 ganz zu schweigen) schon früh in
Verbindung mit der Sage von der Befreiung
des Theseus , dessen Descensus wenigstens
schon bei Hesiod vorkam (Paus. 9, 31, 4. Ettig
278). Nach Welcher (Gykl. I2, 237 ff.) enthielt
die Befreiung des Theseus durch den Kerberos-
10 holenden Herakles auch die Minyas; doch vgl.
0. Müller, Orchr 12 (Welcher, Cykl. 2-, 422 ff.).
v. Wilamowitz , Homer. Untersuchungen 222ff.
Bohle, Psyche 1, 278. Ettig 282 ff. Überhaupt
scheint die Befreiung des Theseu9 nie von
dem Kerberos -Abenteuer getrennt gewesen
zu sein (gegen Zoega, Bassiril. 2, 58 ff. ; über
Flut. Thes. 30 vgl. Ettig 408). Auch Pa-
nyassis wird diesen Zusammenhang gehabt
haben; vgl. fr. 9 Ei. Die Verbindung mit der
20 vorausgehenden Mysterienweihe des Herakles
(vgl .bes Diod, 4,25) ist wohl attisch- eleusinischen
Ursprunges. Ein Gedicht des Musaios (und
vgl. Ettig 394), und sie fand sich in den he-
siodischen Katalogen {fr. 33 Bz.). Sie be-
steht für sich, und est ist nicht wahrschein-
lich, dafs das Kerberos -Abenteuer in sie erst
später hineingetragen ward , sondern auch
dieses bestand für sich. Die Auslegung der
Aristarcheer aber ist eine Hypothese nach be-
kanntem Schema, die man nicht stützen darf 50
durch die hier (Fig. 1) wiederholte Darstellung
eines schwarzfigurigen Skyphos aus Argos, auf
der allerdings der Kerberos hol ende Herakles den
erschreckt von seinem Thron aufgesprungenen
und zur Flucht gewandten Hades mit einem Stein-
wurf bedroht. Denn obwohl die mehrfach be-
zweifelte Echtheit der Darstellung feststeht
{Wieseler, Abh. d. Gott. Ges. d. W. 9, 49. Klüg-
mann, Bull. 1876, 116. Jul. Schneider, Die ztcölf
Kämpfe des H., Diss. Lips. (ohne Jahr), 24 ff. 60
— Conze, Arch. Ztg. 1880, 74. 0. Bofsbach,
Griech. Antiken in Breslau 16), so hat sie
doch mit der genannten Sage von Hades'
Verwundung durch Herakles deshalb nichts
zu thun, weil diese nach E 399 durch einen
Pfeilschufs erfolgte. Die Abweichung wäre
um so auffallender, als Herakles auf dem
Bilde in der Rechten den Bogen hält.
Röscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II.
Eugammon?) wird nach Orph. Arg. 24 angenom-
men von 0. Müller, Dor. ls, 423. Auch sonst
kennt die orphische Poesie Herakles' Höllen-
fahrt, doch ist^alles Nähere unsicher; vgl.
Serv. A. 6, 392 (fr. 158 Abel) und Lobeck,
Agl. 813. Dafs K. eine gewisse Rolle auch in
Orpheus' Höllenfahrt spielte, dafür scheint
aufser Verg. G. 4, 483 auch die Darstellung
der Blacasschen Vase Arch. Ztg. 1844 t. 14
zu sprechen, auf der man in dem Manne mit
Leier und Kranz, der Kerberos hält, Orpheus
hat erkennen wollen. Doch vgl. dagegen
0. Jahn, Arch. Ztg. 1867, 43 ff. A. Winkler,
Bresl. philol. Abh. 3, 5, 76 (Aiakos u. Adonis?).
Von den Tragikern gehört hierher Eurip.
Herc. 613. Soph. Phaedra fr. 625 N." (Ettig
396). Eurip. (oder Kritias) Peirithus, über
den zu vgl. 2V.2 546ff. Ettig 293. Endlich
Sennca Hipp. 841 f. Weiterbin ist zu vgl.
Axioch. 371 E. Lykophr. 1327 (nebst Scholl, u.
Tzetz.). Diod, 4, 25f. Apd. 2, 5, 12, 2. Schol.
Ap. Bh. 1, 101, sowie Furtwängler ob. Bd. 1
Sp. 2185. Gerhard deutet auch die Zweige
neben der Gestalt des Herakles auf dem Ker-
berosbilde A. V. 2, 131 (= Baumeister, Denkm,
1, 662. Engelmann, Ilias t. 9, 48) in mysti-
36
1123 Kerberos ^und Herakles Kerberos (.und Herakles) 1124
scheni Sinne (vgl. auch Serv. zu A. 8, 276). böotische Lokalsage (am Laphystion) nennt
■v. Wilamoicitz bat sogar (zu Eurip. Her};. 612) den rückkebrenden Herakles Vaooip (Paus. 9,
angenommen, dafs zu dieser eleusinischen 34, 5), nach 0. Müller (Dor. 1-, 423) der Ereu-
Sagenversiou die eine bequemere Erfüllung dige. 5) Auch die thesprotisehe Hadesregion
der Aufgabe bringende Intervention der Perse- scheint die Sage an sich gezogen zu haben,
phone gehöre (vgl. Flut. Kik. 1. — Dargestellt ohne dafs es sich doch hierbei in Lokal- und
auf dem von Tischbein, Peintures des vases Inbaltsgestaltung um etwas Altertümliches
Elr. d' Hamilton 4 pl. 25 gezeichneten Vasen- handeln müfste , wie Otfr. Müller meinte
bild? Gehört auch Verg1. A. 6, 396 hierher?). (a. a. 0.). Die darüber uns vorliegende Tra-
Sonst mufs H. den Hund bezwingen, und 10 dition ist durchweg euhemeristisch, vgl. Ettig
zwar nach Apd. nuter der Bedingung, jjcoßic 397. Hier ist A'idoneus ein iJ olosserkönig
d>v si%sv on?.av xgarovvza, nur mit S'ojpaj und Kerberos sein Hund (E. als Hnndename
und Xeovtij (vgl. Scholl. £395). So die auch sonst bezeugt : Fall. 5, 42), dem Peirithus,
Vase Altainura- Neapel 3222; doch vgl. Wink- der des Königs Tochter Köre entführen will,
ler, Bresl. phil. Abh. 3, 5, 26. Bei Seneca H. zum Frafse vorgeworfen wird, während sein
f. 800 (und Qumtus 6, 265?) führt er da- Helfer Theseus gefesselt und erst von He-
gegen die Keule , die auch auf den alten rakles erlöst wird. So erzählte schon Philo-
Bildern nicht fehlt. Doch scheint namentlich choros fr. 45 und 46 (F. H. G. 1 p. 391) =
das Würgen des Tieres ein alter Zug: He- Plut. Thes. 31, 35 nebst den von Müller aus
rakles ist v.vvay%rfi so gut wie Hermes (Ahrens, 20 dem armenischen Eusebivs und Syncellus an-
Phil. 19, 405ff. , 412). Wenn bei Aristoph. geführten Stellen, sowie Paus. 1, 17, 4. Aelian.
Ean. 465 ff. wirklich Atenos spricht (vgl. V. H. 4, 5. loann. Antiocli. 1, 3 (F. H G. 4, 538).
Schol. 465), so hatte nach 469 auch dieser mit Tzetzes Chil. 2, 36, 406. Alleg. Od. 11, 145 ff.
dem Abenteuer des H. irgendwie zu schaffen. (1, 288 Matr.) und an anderen bei Nauck,
Als Helferin des Herakles erscheint schon Fragm. trag.- p. 547 abgedruckten Stellen.
llom. @359ff. Athene, desgl. auf bildlichen Weitere Brechungen der Sage in derselben
Darstellungen (vgl. Gerhard, A.V. t. 128 fi'. und rationalistischen Richtung: Anonym, p. 322,
oben Bd. 1 Sp. 2205). Auf einer Relief- Vase 19 W. (verb. von Ettig p. 398). Heracl. de
aus der Nähe von Tenea ist sie wenigstens incred. 21 (p. 317 TF.). Eustatli. ad II 717,
durch die Eule vertreten (Samml. Sab. 1 30 50 ff. (der das Abenteuer nach Thrakien ver-
t. 24). Um so sonderbarer ist Stat. Th. 8, legt). Noch sonderbarer und willkürlicher
513 ff. , wo Herakles von der Göttin sagt: Palaeph. 40 und das jVöN»osdiegerna bei
Ipsa heu comes invia mecum Tartara, ni Su- Westermann, Jlythogr. p. 375 (38). Rationa-
peros Acheron excluderet , isses. Dagegen ist listische Erklärungen der Gestalt des K.
X 626 Hermes neben Athene Geleiter des seien gleich hier mit erwähnt. Euseb. pr. er.
Herakles. Die bildlichen Darstellungen des 3, 11: der 3köpfige v.vcov bedeutet die v-vr^ig
verschiedensten Ursprunges zeigen auch Her- tcöj' xagnäv nach y.azaßoXr], vtzoSox>). uvääoais;
mes allein (vgl. Furtuängler a. a. 0.), so noch alberner Heracl. de incr. 33 (319 IE.). Eine
Ganosa- München 849. Ruvo- Karlsruhe 388. rationalistische Etymologie (Schal. Theo g. 311)
Santangelo 709, vor allem auch der „homeri- 40 ist weiter unten zu erwähnen. 6) Besonders
sehe Becher'', den Robert im Winckelmanns- merkwürdig ist die Lokalisierung des Auf-
programm 1890 (über hom. Bechtri p. 86 ab- stiegs in Herakleia am Pontos, wo die
gebildet und besprochen hat. Hier streckt zugehörige aeherusische Höhle noch heute
Hermes „die Rechte wie beschwichtigend oder nachweisbar ist. Vgl. neben Meineke, Anal.
beschwörend über die mit offenem Racheu Alex. 64 besonders 0. Kümmel. Htracleotica.
erhobeuen Köpfe des Kerberos". Robert hätte Progr. Plauen i. V. 1869 p. 48 ff. Hit dieser
auf Stat. Theb. 2, 30 verweisen können, wo Sage steht in Verbindung das aiziov des in
Hermes gleichfalls den Höllenhund bändigt der Nähe beim Dorfe 'Av.ovcu wachsenden
und zwar einschläfert: Lethaeo limine mul- Akonits (aus dem Geifer des Kerberos), mit
cens. Auf den obengenannten unterit. Vasen 5ü verschiedenen Erklärungen des Namens selbst,
ist auch Hekate anwesend, drohend oder Lokalpatriotisch Herodor , Schol. Ap. Rh. 2,
warnend. Vgl. auch Santangelo 11. 354 [=/r. 25 (F. H. G. 2 p. 35 1; vgl. Müller,
Das Lokal des Abstiegs ist Tainaron Dor. 1-, 423; 2-'j 450], der auch die Theseus-
(Sophokles' Satyrspiel ~'HQay.Xi)g int Taeväga, Sage änderte {Plut. 30). Ferner: Xenoph.
vgl. Xauck, Fragm." p. 178. Eurip. Herk. 23; Anab. 6, 2, 2. Ap. Rh. 2, 353 ff. 734ff. 743.
aufserdem Apd. und Paus. 3, 25, 5 ff. Strabo Euphorion iv reo SsvCco (fr. 2S Mein.; doch
363; anderes bei Ettig 397). Der Aufstieg vgl. auch Knaack, Herrn. 25, S7ff. u. Reizen-
wird 1) von Seneca Here. f. 813 u. a. auch in stein, Ind. hct. Rostoch. 1S90/91 p. 9). A7-
Tainaron gedacht. Daneben mannigfaltige kander Alexiph. 13 (Scholl.). Andron r. Teos
Lokallegenden: 2) Troizen, beim Heiligtum 60 fr. 1 (= F. H. G. 2 p. 348). Xymphis fr. 2
der Artemis Soteira (Paus. 2, 31, 2. Apd. 2, (ib. 3 p. 13). Dion. Per. 788ff. mit den Scholl.
5, 12, 9. loann. Ptdiasim. p. 354 TT7.). — und Eust., der Diodor (14, 31) und Arrian
3) Im nahen Hermion im chthonischen Be- eitiert. Quintus Smyrn. 6, 470ff. Ovid. Met.
zirk, von wo der Weg zum Hades so kurz 7, 406 ff. 415 ff. Tal. Flacc. 4, 595. Pomp.
ist, dafs sogar das vavXov für die Toten über- Mela 1, 19, 7. Plin. n. h. 27, 4 (vgl. 6, 4.
flüssig wird (Strab. 373); vgl. Eurip. Herk. Solin 45). Avien 960 ff. Ammian 22, 8, 17.
615 und Paus. 2, 36, 10. — v. Wilamouitz 2,165 Serviw G. 2, 152. Weiteres über dasAkonit
hält dies Lokal für das ursprüngliche. 4) Eine bei Tlieop. Ath. 3, 85 b. Steph. Ryz. v. 'Av.ovul.
1125
Kerberos (Gestalt)
Kerberos (Gestalt)
1126
Auson. technop. 9, 9 ff. Ettiq 3 15 ff. Dazu die
von Käminel p. 49 und Meaä, Hist. numm.
443 genannten Münzen (auch in Kyzikos:
Head 452). Auch das Weingeschenk der He-
rakleoten in Olympia gehört hierher: Paus.
5, 26, 6. Soviel vom Aufstieg. Der Hund
heult, schäumt oder zittert (vgl. Verg. A. 6,
397 und Seneca Herc. f. 813ff.\ Das Licht'
blendet ihn (Ovid. Met. 7, 4M, sowie Seneca l. I.
Auf dem argivischen Napf (Fig. 1) hat K.
einen Kopf (altkorinthisch?); altattisch scheint
die zweiköpfige Bildung (schwarzfig. Vasen,
z. B. Petersb. 122; München 153.406. 1206; die
Metope ist unsicher), die Dreiköpfigkeit ist
Furtwängler nach Mon. dell' Inst. 6, 36 geneigt,
der altionischen Kunst zuzusprechen. Über
ein Mischwesen (aus Hund, Wolf, Löwe), das
den Kerberos des Sarapis darstellt, vgl.Löschcke,
Sehol. Kik. Alexiph. 13). Dafs sich Eurystheus 10 Aus d. Unterwelt 10, der auf Journ. of hell.
aus Furcht vor ihm ins Fafs verkriecht (wie
beim erymanthischen Eber), ist vereinzelt auf
der Vase Mon. dell' Inst. 6, 36 zu sehen,
scheint aber sonst nicht bezeugt; vgl. Jul.
Schneider p. 47/48. Nur bei Apd. (und Io.
Pediasimos) bringt Herakles den Hund auch
zurück. Von der Flucht des Tieres durch die
argivische Kynadra spricht v. Wilamowitg 1,
301: das beruht auf Eust. Od. 1747, 10 ver-
bunden mit Hesych. v. iXcv&EQOv vöcoq.
Von der Gestalt des K. herrschen keines-
wegs einmütige Vorstellungen.
Über den Vorrat an Bildern, die
wohl ausschliefslich das Herakles-
Abenteuer darstellen, ist neben
Gerhard, A. V. 2, 152ff. (156)
t. 129 — 131 und Conze, Annali
1859 (31) 404, sowie Jul. Schneider
p. 44ff. namentlich auf Furtwäng-
lers Artikel (Bd. 1 Sp. 2205. 2229),
und bezüglich der unteritalischen
Unterweltsvasen ( Wiener Vorlege-
blätter Ser. E t. 1 — 6) auf Aug.
Wmhlers Arbeit zu verweisen, Die
Darstellungen der Unterwelt auf
unteritalischen Vasen. (Bresl philol.
Abhdlgn. 5) 1888. bes. p. 42 f. 50 ff.
Dazu Robert, Homer. Becher 86.
Über einen Berliner Cameo mit der
Fesselung des K. vgl. Furtwängler
im Jahrb. des Inst. 3, 106 ff.
Schon der Amykläische Thron
stellte 'Herakles den Kerberos
führend ' dar (Paus. 3, 18, 9). Des-
gleichen fehlt das Abenteuer nicht
auf denMetopenvon01ympia(^lws<7r.
4, 28) und am sog. Theseion in Athen Mon. dell'
Inst. 10 t. 59; vgl. Julius, Annali 1878 (50),
193. Hier zerrt der Held das Tier aus einer
Hö
stud. 6, 292 verweist. Man wird auf dies
Schwanken bei einer für die primitive Kunst
schwierigen Bildung nicht ein entscheidendes
Gewicht legen dürfen (vgl. Klügmann, Bull.
1876, 116. Conze, Annali 31, 399). Dafs es
indessen nur aus technischen Gründen sich
erkläre, ist unmöglich. ,,Man sieht, das
Phantasiebild vom K. hat keine festen Um-
risse, sondern ist im Flus?e"; dieser Satz
20 löschckes ist wohl zu merken.
Von der attischen Tragödie (Soph. Trach.
2) Herakles und Kerberos, von einer Vase von Canosa,
wiederholt aus Bd. 1, 1326.
1098. Eurip. Herk. 24. 611. 1278) ab ist die
Dreiköpfigkeit mit wenig Ausnahmen in Wort
und Bild durchgedrungen. Schon Altrens war
e (auch auf einem Sarkophag in Florenz 50 von der Unursprünglichkeit dieser vulgären
angedeutet; 3, 77 Dütschke), die man für eine
Andeutung des Hades ansehen kann (doch giebt
es auch einen besonderen rönog K&Qßtgtog im
Hades selbst (Hesych. v. Ä'fpßf'pioi, zu Ban.
187), den sich besonders die Späteren als eine
Höhle vorstellen: Soph. 0. C. 1572. Verg. A.
6, 418; 8, 297. Stat. Th. 8, 97. Sil. 13, 591ff.
K. ist dort angekettet; er zerreifst seine Bande
(Sil. a. a 0.) und ist nachts als echter Ketten-
Vorstellung so überzeugt, dafs er sie durch eine
Vermischung des dreiköpfigen Geryones mit
seinem Hunde Orthros erklären wollte (Phil.
19,411).
Eine hellenistische Schilderung giebt z. B.
Hermesianax fr. 2, 10 ff. Be. Die Stellen
der Römer sind schon angeführt. Es findet
sich sogar der Ausdruck Tricerberus (Myth.
Vat. 1, 92. Serv. A. 1, 133). Auch braucht
hund frei (Prop. 5, 6, 90. Sil. 2, 552). Ein 60 man Tgt-ndQrivog schlechthin für Kerberos,
Hundetorso, wie es scheint mit Schlangen-
schwanz, ist kürzlich an der Akropolis ge-
funden und liegt mir in Photographie vor;
doch ist die Beziehung auf K. nicht sicher.
Praxiteles mufs das Abenteuer im Giebel des
thebanischen Herakleions dargestellt haben
(Paus. 9 , 11, 6) , in Alyzia Lysipp nach
Strabo 459.
Buk. Philop. 1 (vgl. auch Pseudol. 29).
Auch abgesehen von der Kopfzahl ist das
Bild von Kerberos schwankend. Bald ent-
fernt sich die Darstellung nicht allzusehr
von den natürlichen Formen eines Hundes,
bald wird das Ungetüm durch Löwentatzen
ausgezeichnet (z. B. Ruvo - Karlsruhe 388).
Häufig sind ihm Schlangen am Leib und
36*
11:
Kerberos (Gestalt)
Kerberos (Gestalt)
1128
besonders am Nacken beigegeben (vgl. den
Gxvcpog von Argos.3 31on. 6, 36. Gerhard t. 129
u. a. m. ; in der Litt, bei Plat. Eep. 9, 588 c
[Zusammenhang!], Apd. und besonders bei den
Römern, vgl. namentlich Verg. A. 6, 419. Culex
221. Ovid. Met. 10, 21. Tibv.il. 1, 3, 71; 3, 4, 87.
Seneea Herc. f. 785. Horaz carm. 3, 11, 17
[interpol.] u. a.). Auf der Hadesstatue in Villa
Borghese (abgebildet Bd. 1 Sp. 1803) wird
L. die beiden Hunde an der spart. Statuette
(Arch. Ztg. 1881 t. 17, 3), die er für einen
ehthonischen Zeus hält. So sind ihm die
zwei Hündinnen (weiblicher Kerberos auf einem
Scarab. nachgewiesen von L. p. 11 n. 29 u.
p. 7) die Hüter des Unterweltsjafades, und die
zwei Hähne hält der Jüngling, d. h. der Ver-
■ storbene selbst, als ä-norqonaia. Hiermit
würde sich die hochaltertümliche Vorstellung
der Leib des Hundes nur umwunden von 10 von zwei Totenhunden ergeben und diese sich
einer Schlange, die nicht mit ihm verwachsen
ist. Dies ist nach Macrdb. Sat. 1, 20, 13 ff.
bei dem Sarapiscerberus der Fall. Auch der
Schwanz endigt vielfach, doch nicht immer,
in einen Schlangenkopf (vgl. Apd. und Sil.
13, 594. Seneea H. f. 812). Wie bei Apd.
beifst er damit den Herakles ins Bein, z. B.
auf dem vorstehenden
Bilde (Fig. 2), sowie auf
den Neapeler Vasen
Altamura 3222 und
Santangelo 11.
Diese schwankende
Gestalt, der ältesten
Dichtung wie Bildnerei.
soviel wir sehen, mit
einer einzigen Aus-
nahme nur im Zusam-
menhangeines bestimm-
ten Abenteuers geläufig,
war sie wirklich -von
Anfang so, wie sie das
spätere Altertum kennt,
eine echte Schöpfung
des religiösen Glaubens?
Die Frage wird zumeist
bejaht.
I. Auf
Grund
einer An-
sicht, die
K. aui
sprach-
und my-
then ver-
gleichen-
dem
Wege als
ein uraltes Erbstück
) angedeutete Scene. Von einem Thonsarkophag aus Klazomeuai (nach
Löschcke „Aus der Unterwelt1').
fast decken mit der von L. p. 6ff. beban-
delten altindischen Anschauung, wonach der
Pfad des Yama von den zwei vieräugigen,
bunten Hunden der Sarama belagert ist, die
gelegentlich auch als Boten des Todes er-
scheinen. Zum Schutz für sie erhalten die
Toten cLTioiQO-itaiu in die Hand, die Nieren
des Opfertieres,
oder auch zwei
Reisklumpen, wo-
mit sich die als-
bald zu erwäh-
nende griechische
utXizovtxG für
Kerberos verglei-
chen liefse. Auf
dem Napf von
Argos, meint L.,
sei die ursprüng-
liche Zweizahl
schlechthin ver-
einfacht, die alt-
attische Zwei-
köpfigkeit ent-
stamme mechani-
scher Addition, die
vulgäre
Dreiköp-
figkeit
der ge-
heimnis-
vollen
Macht
der
Trias. So
anspre-
chend
diese
auch der griechischen Ansieht ist, so entbehrt sie doch alles Haltes.
Phantasie erweisen will. Vgl. besonders J. ran 50 Vgl.DeneftewBd. 1 Sp.2586. Buhde, Psyche 1,281.
den Gheyn S. J., Le mythe de Cerbere = Essais
de Mythologie et de philo!, comp. Bruxelles et
Paris 1885, 68ff. , wo sich p. 89ff. auch eine
interpretation du mythe findet.
Vorerst sei bemerkt, dafs an semitische
Übertragung in diesem Falle schwerlich zu
denken ist. In den beiden Descensus der Keil-
sehriftlitteratur fehlt ein Kerberos. Die höchst
unsichere Spur eines Äquivalents (auf einem
Arth. Schneider , Prolegomena zu einer neuen
Galerie heroischer Büdw. (Lpzg. 1890) 25fl?. Die
Deutung der lakonischen Statuette ist ungewifs,
die Zweizahl der Hunde kann hier der Sym-
metrie verdankt werden. Auf dem klazome-
nischen Bilde scheint ferner der Jüngling
„eher spielend als drohend", und L. selbst
hat p. 4 die entscheidende Beobachtung ge-
macht, dafs der Gestus nicht der des Ent-
in Palmyra gekauften assyrischen Hadesrelief) 60 gegeuhaltens, sondern der des Entziehens ist
hat mir A. Jeremiaa nachgewiesen; vgl. dessen
,,Bab.-assyr. Vorstellungen vom Leben nach dein
Tode" (Lpzg. 1887) S. 80. Dagegen hat weit-
greifende Kombinationen nach anderer Rich-
tung hin Löschcke angestellt, „Aus der Unter-
welt", Dorp. Progr. 1888.
Mit dem hier wiederholten Bilde (Fig. 3) eines
klazomenischen Thonsarkophags kombiniert
(was sich namentlich in dem unwillkürlichen
Höherhalten der nicht zugleich vom Auge be-
herrschten linken Hand zeigt). Also kann es
sich hier gar nicht um die Hähne als licht-
erweckende Vögel handeln, als änoTQOitaia,
die „die finstern, schädlichen Dämonen ver-
scheuchen". Somit versinkt das Bild ins
Rätselhafte zurück, und damit verschwinden
1120 Kerberos (Bedeutung) Kerberos (Bedeutung) 1 1 3< )
die Spuren eines Urzusamnienkangs der alt- Das Appellativum ist also das ursprüng-
indischen mit der griechischen Anschauung. liehe, das N. P. nur ein Gebilde der isländi-
Diesen Zusammenhang hat auch die Etymo- sehen Dichtung, der Höllenhund Garmr rufst
logie nicht herzustellen vermocht, worüber zu nur auf der Vpluspa- Stelle. Trotz dieses un-
vgl. die sorgfältige Sammlung und Kritik aller günstigen Thatbestandes hat Burige (Studien
dieser Versuche bei 0. Gruppe, Die griech. über die Entstehung der nordischen Göttersage
Kulte und Mythen l, 113 f. (van d. Gheyn p. 1793) die Behauptung wiederholt, Garmr
82 ff.). Besonders bekannt ist Kuhns Gleich- sei einfache nordische Wiedergabe des Wortes
setzung von Kigßegog mit Cabala (vgl. prakr. Cerberus, und E. H. Meyer (Volusp. p. 181)
gabbala = carbala und ved. carrari), der 10 meint sogar, dem Fqfa«s/Ja- Dichter habe speziell
„Bunte", Name des einen Sarameyahundes. Verg. A. 6, 417 vorgeschwebt. Die Kenntnis
Dies schien besonders passend, weil nach dem der Aeneide ist aber für das Alter des sicher
Schol. Nik. Alexiph. 578 der von Nikander noch heidnischen Dichters fast eine Uninög-
erwähnte ,, stumme" Frosch, also möglicher- lichkeit. Dazu kommt die Übertragung Ver-
weise die scheckig gefleckte Kröte, Kerberos berus in der Praef. der Sn. E. 1,7. Garmr
hiefs (vgl. auch die unter nr. 1 erwähnte scheint vielmehr ein echt nordisches Wort
Vogelart). M. Müller denkt an cärearas und läfst sich zu garma stellen, das in norw.
(perniciosus). Doch schwebt all dies in der Dialekten vom Brüllen der Tiere gebraucht
Luft. Das eranische Äquivalent (Zaringösh, wird (vgl. gael. gairm Geschrei, bret. welsch.
„aux oreilles jaunes", Hüter der Brücke Cin- 20 garm Schrei) und also ursprünglich „Brüller
vat; vgl. v. d. Gheyn 84) ist hysterogen und oder Heuler" heifst. Das Wort ist mithin keine
völlig aufser Rechnung zu setzen, nach Gruppe, direkte Übertragung des antiken; ob die
der sich dafür auf Casartelli, Phil.rel. 173 be- Sache von Einflnfs gewesen ist, scheint zwar
ruft. Über das germanische Analogon hat nicht erwiesen, doch nicht unmöglich,
mir mein Kollege E. Mogh etwa folgendes Für uns geht hieraus soviel hervor, dafs
mitgeteilt: Garmr erscheint in den nordi- die germanische Mythologie zwar ein Ana-
schen Quellen als Simplex und als zweiter Teil logon des K. kennt, dafs indessen weder für
einiger Composita. 1) Simplex. In einer Re- eine ursprüngliche Hundsgestalt des Hades-
frainstrophe der zeitlich und örtlich noch nicht Wächters, noch überhaupt für die Ursprüng-
sicher fixierten Vojuspa (44. 49. 54. 58 Bugge): 30 lichkeit dieser Figur eine sichere Gewähr
„Laut bellt Garmr vor der Felsenhöhle." G. vorliegt.
ist hier Wächter des Unterweltseinganges. Die Versuche, dem K. auf sagenvergleichen-
Nicht genannt, doch gemeint ist er in der dem Wege näher zu kommen, scheitern aber
jüngeren, möglicherweise von der ersten Stelle auch daran, dafs keine zuverlässige Etymo-
abhängigen Vegtamskviäa (2/3) , wo Odin logie des griechischen Wortes vorliegt. Nach
beim Eingange ins Totenreich einem Hunde Hesyeh. v. Keoßzgog (■x.iQßsQov.i'vävvos cod.)
begegnet, „der war blutig vorn auf der Brust, bedeutet es coxQog, wozu M. Schmidt auf
und des Zaubers Vater heulte er lange an". maked. y.tßfooog' d>%oog verweist. Das würde
Interpoliert ist die erst saec. 12 oder 13 ent- zu der fahlen Farbe der Kröte oder eines
standene Strophe Grimnismäl 44, wo G. als 40 Vogels sehr wohl stimmen. Doch hat diese
„der trefflichste der Hunde" aufgezählt wird; Bedeutung vielleicht ihren Ursprung nur in
gleichwohl die einzige poetische Stelle, wo sprichwörtlichen Redensarten, wie tgiiiccQrivov
Garmr Nom. Propr. sein mufs. Doch hat vt&toteca (von Erschrockenen) bei Buk. Philop.
schon die Yqluspa- Stelle in derselben Weise 1; vgl. auch Ksoßigtöv xi v-ito%&öviov y.uv-
der Verfasser der pros. Edda aufgefafst, der rsiov, Skymn. 239; cerbereus =■= formidabilis
beim letzten Götterkampfe den Garmr mit bei Euer. 4, 733 (und die alte Konjektur cer-
Tf/r kämpfen läfst, so dafs jeder den anderen berastris bei Cic. ad Att. 7,3,8). Besonders
tötet (2, 291); dies ist aber ohne mythischen haben sich aber die alten Grammatiker um
Boden, erfunden von einem Christen um 1230. die Ktgßegioi bei Arist, Ran. 187 bemüht.
Dem gegenüber findet sich Garmr öfter als so In den Glossen (Hesyeh. Phot. Et. 31.) sind
sicheres Appellativum. Innerhalb der eddi- drei Erklärungen erkennbar: 1) = üo&t vslg,
sehen Dichtung allerdings nur in dem erst inferi, Hesyeh. (vgl. auch xtgßceld), wohl das
aus saee. 17 erhaltenen Ejqlsvinnsmäl (13,14), Richtige. 2) tokos iv'jidov Kigßigiog, wohl die
wo zwei garmar, Gifr und Geridic, die Burg Höhle, von der oben die Rede war. Doch begriffe
der Menglpct bewachen, doch um so öfter von man alsdann den Plural nicht. 3) = Kiiifizgioi,
ca. 900 ab in den skaldischen Umschreibungen, denn KsgßagiOL. glaubten manche, habe Aristo-
wie „Garmr der Gluten" (= Feuer), „Garmr phanes und Sophokles (fr. 957 N.2) schon bei
der Scheiden" (= Schwert) u. a., wobei die Hom. A. 14 statt Aiufisptoi gelesen. Deshalb las
allgemeine Bedeutung „Schädiger" zu Grunde Aristareh an dieser Stelle nicht Kt/xfisgi'cov, son-
liegt. Ob Hund oder Wolf damit gemeint «o dem Ktoßintav und Krates Ktoßboitov (vgl. die
ist, scheint bei der nahen Beziehung beider scholl, zu 114, sowie zu Ban. 187, ferner
Tiere zu einander im germanischen Mythus Hesyeh. und Et. M. 513, 45). Eine Folge
nicht auszumachen. Selbst für die Vqluspa dieser Hypothesen ist Ksoßspia als fabelhafter
gilt dies. 2) Composita. Auch hier ist festar- Stadtname (vgl. Plin. n. h. 6, 18. Hesyeh.
garmr = Kettenhund Appellativ, während Phot.). Abgesehen von diesen Beziehungen
Mäna-garmr in der Sn. Edda (2, 259) ein deB Wortes KigßiQog zum Namen Kimmerien
mythologisches N. P. für den mondverfolgen- liegen aus dem Altertum die Etymologieen
den Wolf darstellt. vor: K. nagä rö rag Kijpug (= ipv%üg) s^siv
1131 Kerberos (Bedeutung) Kerberos (Bedeutung) 1132
ngog ßogäv (Euseb. pr. ev. 3, 11, 8 oder xsag tos deutet. Es bleibt also als rituelles Ele-
ßagvvsiv. Eust. II. 717, 30, oder = xgscoßögog ment nur die fizXizovzzu , die man den zum
(Serv. A. 6. 395; 8, 297. Law. Lyd. de mens. Hades eingehenden Toten mitgab; vgl. Aristoph.
3, 5; vgl. Benoist, Virgile 1, 287). Die Ratio Lysistr. 601. Der ausdrücklichen Versicherung
dieser Erklärung geht aus Schol. Theog. 311 des Scholiasten (und Suid. v. (iiXizoizzee) cog
(loann. Dial: alleg. 565 Gnisf., sowie Flachs f/s röv Kigßsgov mit Rohde zu mii'strauen
Glossen und Schol. 391! hervor: K. äh, nago- sehe ich keinen Grund. Denn ihr entsprechen
eov ot vnb oit-aiiov xetzctTtovzigouavot ßißgio- offenbar die offae bei Vergil (A. 6, 420: melle
onovrcii zo oif'nrp ftToi zrjv ii>v%rjv %al iv "AlSov soporatam et medicatis frugibus offam) und
v.urayvvvzai ("Ad-n *occäyovrai eodd). Wohl 10 Apuleius (met. 6, 18: oft'as polentae mulso con-
wegen der Abstammung von Typhos; vgl. cretas), mit denen die Sibylle und Psyche
Schoemann <)p. 2, 197. Damit in Zusammen- (beim Eingang und Ausgang) das Untier ein-
hang steht dann die Erklärung bei Servius: schläfern. Vgl. Lact. Plac. 72, 28 Deuerl.,
Cerberus terra est, i. e. consumplrix omiiium sowie Hermann, Ant. Prii:3 368 nr. 3. Ettig
corporum. Daher dann das Herakles -Aben- 359 und besonders Friedländer, Sittengesch.
teuer den Sinn gewinnt, quia omnes cupidi- 15,488 und 501 (dänische Parallele). Darauf,
tates et cuncta vitia terrena contempsit et dafs es sich hier um in den Hades eindrin-
domuit. Deshalb wirft Virgil bei Dante dem gende Lebende handelt, ist trotz Ap. Met.
Cerberus zur Beschwichtigung Erde zu {Inf. 6, 19 kein besonderes Gewicht zu legen; denn
6, 25 ff. ; doch vgl. auch 1, 103). Über neuere 20 es ist keineswegs nur eine späte Vorstellung,
Etymologieen ist auf Schoemann, Op. 2, 197ff. dafs K. zu den Schrecknissen des Hades
und Flach, System d. hesiod. Kosmotj 90 zu gehört und die Schatten sowie Menschen von
verweisen; abgesehen von ägyptisch -serniti- Fleisch und Blut ohne Unterschied, auch die
sehen Spielereien seien angeführt: Hiscius. Eintretenden, bedroht oder gar zerreifst
xgtfitgog G. Hermann; taiisgog Völcker; igt- und verschlingt. Den Glauben daran setzt
ßegog und "Egeßog Welcher, Preller; andere, das Herakles-Abenteuer in seiner Gesamtheit,
wie Göttling zu Hesiod. theog. 311, denken das doch auf die Überwindung des Todes-
an eine onomatopoetische Bildung wie ßdg- Schreckens hinauswill, setzt dann später Phi-
ßctgog, Kcigßavos, xdgiagog (was bei LuJc. de lochoros' Version über Peirithoos' Ende voraus.
luctti 4 Beiwort des K. ist) u. s. w. Mit Rück- 30 Bei Sophokles knurrt E. wenigstens (offenbar
sieht auf die Bezeichnungen einer Frosch- dem Eintretenden entgegen) aus seiner
(Kröten?)- und einer Vogelavt scheint die ur- Höhle hervor (gegen Rohde 1, 281). Von
sprüngliche Bedeutung „fahl" doch noch am Aristophanes {Pac. 313) und Piaton (Schol Pac.)
meisten wahrscheinlich. Vielleicht sind N. P., wird Kleon Kerberos genannt, offenbar Stä zb
wie Kißgr]v , Ksßgiovrjg verwandt. Der Flufs- xagaxädtg. Vgl. auch Antipater Thess. A. P.
name wenigstens heifst in Euböa Kigßrjg. 5, 30. Er gehört zum Inventar des Hades an
Auch ist wohl zu beachten, dafs es die Form Schrecknissen; vgl. App. epigr. 236, 4. Lille.
Kigßtlog giebt; vgl. Kaibel , Inscr. Graec. It. Philops. 24. Dial. Mort. 21. Lucr. 3, 1011.
1746, 4 (App. epigr. 236, 4); vgl. -AtQßol.tlv = Gic. Tusc. 1, 5, 10. Einige von den oben ge-
XoiSogeCv ünazctv, Hesych. 40 gebenen Etymoloaieen wurzeln in dieser Vor-
II. Schlagen also die Versuche, Kerberos Stellung. Dazu kommt Ktgßcgoxi'vdvvog =
als festausgebildetes Stück ursprünglicher Tcegzagog, Hesych., kommen Stellen wie Plut.
Hadesvorstellungen der Griechen zu erweisen, oväi ^fjv %zl. 27 = Mor. 1105A. Luk.Katapl.%8;
nach diesen Richtungen bin fehl, so mufs Menipp. 14. Artemid. On. 2, 55. A. P. 11,
als andere Instanz der Einflufs in Frage 143, 2 Vergil. A 6, 401; G. 4, 483. Apuleins
gezogen werden, den die Figur des Ker- Met. 1, 15 fin.; vgl. Ettig 279. Bei Verg. A.
ber-os etwa auf den griechischen Ritus 8, 297 ist er ossa super 1 ecubans dargestellt
ausgeübt hat. Dafs K. den Neugriechen, (was einige nach Servius seltsamerweise auf
wenigstens soweit echtes Volkstum vorliegt, die ossa Amphiarai bezogen),
fehlt (_B. Schmidt, Volksleben d. Neugr. 245), SO Der vom Aristophanesscholiasten gegebenen
verschlägt nichts. Hier hat ja Cbaron alle Einbeziehung der attischen fiilizo iitxcc in den-
Schrecken der Unterwelt auf sich vereinigt. selben Vorstellungskreis (der sich eben durch
Für die alte Zeit hat aber Löschcke (a. a. 0. 9) sie als sicher alt erwiese) stehen nur zwei
behauptet, dafs bei Soph. 0. C. 1568ff. nach Bedenken entgegen. Erstens würde sich ein
der Erwähnuni; der Erinyen und des Kerberos Widerspruch zu der zweiten Hesiod- Stelle er-
mit dem rätselhaften m Täs real xat Tagtugov geben, der zufolge die Eintretenden kein Be-
Hesyehos angerufen wäre, ein Gott, der schwichtigungsmittel brauchten, zweitens pafst
neben den Semnai am Areopag (am Hades- die (itlizovzxa nicht für den höllischen Hund,
eingang!) seinen Kult habe und der in der sie ist das feststehende Opfer für chthonische
Vorstellung wurzele, der Höllenhund ängstige «0 Schlangen. Man bedurfte ihrer z. B., wenn
die einziehenden Toten und könne nur durch man zum Trophonios abstieg: Nub. 507; vgl.
Vermittelung des Hesychos besänftigt werden. Schol. und Suid. v. fx.ilizovz.zct. Luk. dial. mort.
Töpffer (AU. Genealogie 172) hat dann ge- 3, 2. Philostr. v. Ap. 8, 19 (jisüiyauza tgirt-
legentlich der Hesychidenfamilie diesen Ge- zäv , S xoig -naxiovciv zyrginzsi); vgl. auch
danken Löschckes weiter ausgeführt. Dafs in- Rohde a. a. 0.
des auch dieser Teil der Ausführungen Lösch- Wir beseitigen die zweite Schwierigkeit
ckes unhaltbar ist, zeigt Rohde, Psyche. 1. 280, zuerst und gewinnen damit zugleich das
der die Verse, wie der Scholiast, auf Thana- richtige Urteil über Kerberos überhaupt.
1133 Kerberos (Bedeutung) Kerberos (auf Münz. u. in Zanberpap.) 1134
III. Es ist auszugehen von der bekannten Opfergabe stellt also einen hochaltertüm-
Erscheinnng, dafs die Schlangen teils als Ver- liehen Rest derjenigen älteren Ansehau-
körperung, teils als Vertreter, Boten, Diener ungen dar, die auch bei Homer (trotz Ari-
von %&6viol aller Art (Göttern, Heroen, Toten) stareh) selbst in den verbältnismäfsig jungen
gedacht werden; vgl. Deneken im Art. Heros Partieen erhalten sind. Erst aus einer be-
Bd. 1 Sp. 2466 ff. Rohde, Pst/ehe 1,223. Ettig stimmten Passung des Herakles -Abenteuers
377. Dafs vor allem Hades selbst eine solche stammt der bei Hesiod zuerst begegnende
Schlange haben rnufste, ist von vornherein Name des Kerberos, den die neugeschaffene
anzunehmen. Da fällt es denn schwer ins Mischgestalt übernahm (wertlos leider Plut.
Gewicht, dafs Helataios nach Paus. 3, 25, 5 10 fluv. 16, 1: A'., ov tvioi kuIovoi $oßigov).
erzählte: oq>iv Ini Tctivctgcp xgtx<p>ivai Ssivöv, Die Mehrköpfigkeit könnte schon der Schlangen-
■alri&rjvceL äs"JiSov «w«, ort SSst xbv 8n%&£vxu bildung zu eigen gewesen sein (vgl. •/.. B. He-
zs&vavat nagavxiy.a vnb xov lov. y.cA xovrov rodot 9, 81). Leuchtet das Gesagte ein, so
fqprj xov otpiv vTtb 'Hga-tliovg üy&rivai nag' wird der andere oben bezeichnete Einwand,
Evgva&ict, eineBemerkung, die auch AieMesiod- die zweite Hesiod- Stelle, von selbst hin-
scholien zu Theoq. 311, wenn auch namenlos, fällig. Denn hat der Aristophanesscholiast mit
aus dem alten Kerne ihrer guten Gelehrsam- seiner Deutung der attischen uslnovxxa recht,
keit bewahrt haben. Helcataios hat zwar sonst so ergiebt sich der den Eintretenden an-
rationalisiert (Diels, Herrn. 22, 436ff.), doch wedelnde und nur den Austretenden ver-
kommt das hier nicht in Betracht, da er ja der 20 schlingende Kerberos ohne weiteres als jün-
ohnehin zu erwartenden Volksvorstellung ent- gerea Autoschediasma, wie es sich denn auch
spricht. Dazu kommt, dafs der Name für eine bezüglich der Kopfzahl in Gegensatz zur ersten
solche Schlange, Hvtov "AiSov, von ihm aus Stelle setzt und seine ganze Umgebung schon
Homer entnommen ist mit richtigem Gefühl vielfach angefochten worden ist. Der Dichter
für seine echt archaische Farbe. „Hund" hascht nach Effekt, nicht eben glücklich;
bezeichnet nämlich im archaischen Stile den denn ein wedelnder Höllenhund ist etwas
Diener überhaupt. Die Beispiele sind ge- tpvxgov. Lehrreich ist aber, dafs er über-
sammelt von v. Wilamowitz , Heroki. 2, 135 haupt dies Autoschediasma wagen konnte:
(xvvsg Jiög oder chgoipoixot = Greife, Geier, auch das beweist, wie wenig fest zu seiner
Adler; xvmv 'Pias = Pan; ^igascpovng (des 30 Zeit die überhaupt nicht im Volksglauben
Mondes) xvveg = die Planeten; xvvtg Ka-nv- wurzelnde Gestalt eines höllischen Hundes
xov (jir/tßds) = Erinyen. Vgl. namentlich San. war. Zum Schlufs sei noch darauf hinge-
1287 ff. So heilst auch die Sphinx, die Hydra wiesen, dafs mit unseren Ausführungen die
v.vtav, bei Källimachos archaistisch Iris. Diese Möglichkeit, Kerberos mit den indischen Hun-
bildliche Bezeichnungs weise dringt aber durch den in Verbindung zu setzen, definitiv abge-
und verwischt die ursprüngliche Vorstellung. schnitten ist.
Das ist deutlich zu verfolgen. Es stellt sich statt Im ganzen vgl. noch Preller, Grieeh. Myth.
der Schlange der Hund als Symbol des Heros 2:!, 222 f. Baumeister im Artikel Unterwelt,
auf Bildwerken ein; vgl. Furtwängler , Aih. TJenkm. 3, 1922 und F. A. Voigt bei Ersch
Mitteilungen 7, 166 (der die Thatsache gut 40 und Gruber 2, 35, 263.
ermittelt, doch sie nicht richtig erklärt hat). [Über Kerberos auf Münzen s.F. Bompois,
Wie ein Diener erscheint auch Kerberos, Drachme inedite frappee dans l'Etrurie, Sev.
friedlich an das rechte Knie des thronenden arch. n. s. 38, 1879 p. 28 — 34. — Natürlich
Hades (aus Villa Borghese) angeschmiegt, der erscheint Kerberos auch auf den magischen
Bd. 1 Sp. 1803 abgebildet ist. Es ist dieselbe Gemmen, Lippert . Daktyl. 2, 1, 20 p. 3.
Darstellung, die Hund und Schlange un- L. Maller, Musee Thorvaldsen p. 185 nr. 1693
verbunden läfst, und also noen kräftig auf Mehrfach wird Kerberos in den Zauber-
die ehemalige Selbständigkeit der Schlange papyri erwähnt. Im grofsen Pariser Pap.,
hinweist. Damit gewinnt die bei Paus, im Wessely , Grieeh. Zauberpap. aus Paris und
Zusammenhang mit dem Citat aus HeJcataios 50 London wird von vs. 1872 an ein Liebeszauber
erhaltene antike Gelehrsamkeit über Homers mit einem aus Wachs bossierten Hunde mit-
Verhältnis zu Kerberos einen tiefen und be- geteilt und vs. 1911 ff. Kerberos bei den Er-
deutsamen Sinn: ovdsv xi uällov 'Our/gov henkten und Toten, den eines gewaltsamen
y.vva xm üv&gänco avvxgorpov f i'prjudroc,)] sl Todes Gestorbenen und dem heiligen Haupte
Sgänovxa övxa tiictlia£v"Ai§ov -nvvct. Den Über- der unterirdischen Götter beschworen , die
gang von der Schlangen- zur Hundsgestalt Geliebte herbeizuführen. Die Beschwörung an
illustriert das wiederholt betonte Schwanken Selene vs. 2240 ff. findet statt in der Nacht
der Vorstellung bei Dichtern und Künstlern. iv y ngokvaaä Kigßsgog xs gccvvonXog , 2261 —
Auch wird man nunmehr das Unorganische 2262; und der Beschwörende erklärt: r/voi^ci
der Verbindung, mit dem die Mischgestalt 60 xctgxagov%ov nlBt&gu Ksgßigov, 2293 — 2294.
z. B. auf dem argivischen a-nvipog sich dar- In einer anderen Beschwörung an Selene
Btellt, nicht ausschliefslich dem Ungeschick vs. 2861f. Orphica ed. Abel p. 294 vs. 51 wird
primitiver Kunst zuschreiben, besonders auch Selene angerufen: Kigßsgov iv deofioieiv ä'^fis
im Hinblick auf den Kerberos am Hades cpoXid'tooi Sga-növzcov. In dem Traktat 7g<?
Borghose. War also Kerberos ursprünglich n.gocprixig xä vidi uvxfjg heifst es in der einen
die Hadesschlange, so pafste für ihn die fifAi- Fassung, Coli, des anc. alchimistes grecs publ.
toüttk in Attika so gut wie sie in Lebadeia pur M. Berthelot. Texte grec. Paris 1888
für niemand anders gedacht sein kann. Diese I, XIII, 13, 5 p. 30: 'Ogv.i^a> ob e£g 'Egfirjv, uni
1135 Kerdemporos Keres d. i. Keren (Litteratur) 1136
"Avovßiv, vluyjia z&v Ksgxögov, Sgdxovza zbv sicher auf Hermes). Gornut. de nat. deor. 16
tpvXaxa, in der anderen, I, XIII bis, 5 p. 34: p. 74 Osann erklärt xsgäcäog = weuv fiövog
Ogxi^a öf ft's 'EQfifjv xal "Avovßiv %cu ilg z&v äXrjdiväv xsgäwv zoig äv&gcönoig ai'ziog
vXayy,a zov xigxovgoßogov Sgdxovzog xal xv- civ. [Anecilota varia Gr. et Lat. edd. Schoell
wog zgixtipdXov zov Kigßigov zov tpvXaxog et Studemund 1 p. 268. 279. Drexler.] [Höfer.]
zov "AiSov. In der Traductiou bemerkt Her- Kerdylas (KsgävXag), Beiname des Zeus bei
thelot p. 32 Note 4 zu Kerkoros: „Her- Hör Lykopin: 1092 (%ägtv zivovzig KtgdvXa Aagvv-
est le premier prophete d'Ammon; c'est le nom &i<?), wozu Tzetzes (vgl. auch d. Schol. z. d. St.)
d'un personnage historique de la XXe dynastie bemerkt: KigSvXag xal Aagvv&iog inwvv(i.a
(Dict. d'Arch. egypt. de Pierret). Ici il est 10 zov Jiög. [Roseher.]
devenu un personnage infernal", und zu dem Kereatas (Ktgidzag), Beiname des Apollon
dgdxcov b qptUag p. 33 Note 1 : „C'est le serpent in Mantineia; Paus. 8, 34, 3; vgl. de Witte,
Ouroboros. Dans L on lit: „le hurlement de Reo. num. 1864 p. 23 Anm. 2. [Drexler.]
Eerkouroboros le serpent, et du einen tricephale, Kerebia (Kqgfßia), Gattin des Poseidon,
Gerbere gardien de VEnfer". — Kerkoros et Mutter des Diktys und Polydektes von Seri-
Ouroboros sont ici co-nfondus en un seul mot, phos, Tzetzes zu Lykophron v. 838 (= Natal.
par Verreur du copiste. D'ailleurs le Iturle- Com. 7, 18 p. 814; Eudokia: A'jjosfua). Nach
ment du serpent n'a pas de sens. Cerbere anderer Sage (Hesiod. fr. 24 Ei. Apollodor
parait avoir e'tc ajoute en raüon de l'ancien Cod. Bibl. 1, 9. 6) sind D. und P. vielmehr
mot, gardien (du tcmple) ; (voir l'urticle I, V, 5), 20 Söhne des Magnes, und also von dort nach
qui n'etait plus compris et qui a cte applique Seriphos offenbar über Euboia verschlagen, da
ä VEnfer par l'un des copistes dont L pro- das dortige Karystos-Aigaia nach dem rnagne-
cede." Die Deutung von Kerkoros als Her- sischen Aig(ai)on, Genossen der Thetis (II. A
Hör wird wohl niemand befriedigen. Drexler.] 407), hiefs (Bemerkungen zur Gr. Beligionsgesch.
[0. Immisch.] Progr. Neustettin 1887 S. 12 f.; vgl. Aithiopen-
Kerdemporos (KigS?f.ntogog), Beiname des länder etc. S. 201 u. A. 188). In Euboia aber
Hermes bei Orph. hymn. 28, 6 und auf einer In- findet sich auch der einzige an K. anklingende
schritt aus Tefeny in Phrygien 'Epfioü Afp- Name: der Flufs Kngivg (Strab. 10 p. 449 C),
äsvnogov, Bull, de corr. hell. 8, 504 [= b. Ps.-Aristot. Mirab. ausc. 170 Kigßrjg gab
Sterrett, An epigraphicat l journey in Asia Minor 30 wohl einer Flufsnymphe *Ki]gsj--i'a den
p. 89 nr. 66 — 58. C. xx.]; vgl. Bd. 1 Sp. 2381, Namen; er ist in der Nähe von Karystos an
Z. 50. [Höfer.] zusetzen; vgl. Bursian, Geogr. v. Gr. 2, 402.
Kerdeoii (Ktgditov), Beiname des Hermes [E. Tümpel.]
wie Kerdie Ktgäir] der Peitho bei Herontlas Kerenos. Der Apostel Bartholomaeus wird
Mimiambi 7 , 74 p. 53 Biicheler:'Egiii~i zs xtg- auf Grund eines von ihm in der Stadt Elwa
Sicov xal ev , xigdirj IJci^oi. S. Crusius, vollzogenen Wunders von den Bewohnern der
Unters, zu den Mimiamben des Herondas S. 140. Stadt gefragt, ob er Kerenos sei; s. Lipsius,
[Drexler.] Die apokryphen Apostelgeschichten 2, 2 p. 88,
Kerdo (Ksgäco), Gemahlin des Phoroneus, welcher frageweise annimmt, dafs mit Kerenos
die am Markte zu Argos ein Grabmal hatte 40 Kronos gemeint sei. [Drexler.]
in der Nähe eines Tempels des Asklepios, Keres d.i. Kereu(Är,pfs), Dämonen. — Litte-
Paus. 2, 21, 1. Preller, Gr. M. 2, 37. Gerhard. ratur (abgesehen von den bekannten Hand-
Gr. M. § 314, 4. Panofka, Asklep. p. 35. Stark, büchern): Nägelsbach, Homerische Theologie,
Niobe 340. 341. [Stoll.] herausg. von Autenrieth S. 83. 197 (Originalaus-
Kerdoios (Kigäotog = Kegääog), Beiname gäbe 1840 S. 62. 129). Heffter, Bei. d. Gr.
1) des Apollon auf einer thessalischen In- S.359. Welcker, Gr. Götterlehre 1, 768 f. 3, 100.
schrift. Collitz, Samml. d. griech. Dial.-Inschr. Crusius, Allgem. Encyklop. 2. Sekt. 35 (1883)
1, 345 p. 134, 22. p. 135, 44: iv zb 265—267. E. H. Meyer, Indogermanische My-
isgbv zov 'AnXoivog rot KsgSoiov ebend. 1, thtn 2. Achilleis (1887) 228. 232. 275 f. 299.
372 = C. I. G. 1766; vgl. Fick bei Bezzen- 50 L. Laistner, Das Bätsei der Sphinx (1889) 2,
berger, Beiträge etc. 5, 19: "AnXovvi Ksg- 53. 430 f. [E. Bohde, Psyche (1890), erst nach
doi'ov Zovoinazgog . . b frvzag ovi&fixs [sgo- der Skizzierung des folgenden Artikels er-
^iva/xoniaag xal ägxidovxvacpogiioag' [und schienen und noch unvollständig, legt zum
in einer Inschrift aus dem Tempel des Apollon erstenmale urkundlich die Zusammenhänge
Ptoos, Bull, de Corr. Hell. 14 1890 p. 46 nr. 12 dar, in die diese Gestalt einzureihen ist, vgl.
Z. 29 f. xal äva&sivca uvzb iv zä> hgcoi zov bes. S. 218 f.]
'AnoXXcovog | zov Ktgdwiov; vgl. d&iiv on Lolling, . _. TThprlipfprllT10.
MM. d. K. D. Arch. Inst, in Athen 8 p. 23 A' Ue U Deruelerlulg-
nr. 1 mitgeteilte Epigramm aus Larissa Z. 3.4: *■ Homer.
... r--, . , „ c, - ,. , i;o 1. In den meisten Fällen läfst sich das Wort
AI zv rag \ri g oaicog. hsgotoi, oaaoxgazftcov, , , ■ „ , • c , , ,, ,.
"a ™ r vi 'i i $'t ' i r?^ 'x Kf19 hei Homer als einlaches Appellativum in
Av\it\£ii\a Zi imlE o) offo «ai PjViigazLOa. 1 d j 4. mim. . Sf , , ..
1 J rl J' -1 b y der Bedeutung „Tod, Todesart, Todesverhang-
Drexler.] Auch bei Lykopihr. 208 u. schol. heilst nis" erklären. Dabei steckt aber in vielen
A. Higdmog. — 2) des Hermes, Lucian. Tim. 41 ; Bildern und "Wendungen doch schon persön-
vgl. 24. Plut. tranq. an. 12 (rtöv dfdiv . . . liehe Auffassung. Die Zeugnisse, die in dem
0 ftfr ivväliog, b äi garrnog, b di Ksgdmog Homer-Lexikon von Ebeling-Capelle zusammen-
inovofia^tT.aL. Da Apollon hier schon durch gestellt sind, brauchen wir hier nicht vollstän-
fiavzmog bezeichnet ist, so bezieht sich xsgdmog dig mitzuteilen; wir beschränken uns auf eine
1137 Kerert (Homer) Keren (Homer) 1138
Besprechung der bezeichnendsten und 'leben- Gestalt. Sie heilst öXor\; der Mantel, der ihre
digsten Züge. — 2. Die Eer heilst „schwarz" Schultern umflattert, ist von Männerblut ge-
und ist allen verhafst, wie der Tod selbst: //. rötet; in drei verschiedenen Abstufungen (aov-
r 454 laov ydg atpiv itüeiv cmr\%%ixo Ktjqi toj> — vsovzazov — zi&vrjäza) kommt ihre
(islcävri (Paris den Troern), vgl. A 228. *P 78 grausige Thätigkeit zum Ausdruck: wobei dem
Krjg azvyegrj. Od. q 500 'Avzt'voog dt [idXiazct Dichter eine Darstellung vorgeschwebt haben
HsXaivf] Krjgl f'oiKsv. Sie bezwingt einen jeden mag, wie die in jeder Klaue ein Opfer davon-
Sterblichen; Od. X 171.399: tj's vv bs Krjg sSd- schleppende Harpyie Bd. 1 Sp. 1847, die man
fiaecf zavrjXsyiog ftavdxoio (formelhaft); nicht wohl auch als Ker ansehen könnte,
einmal der Zeussohn Herakles vermochte ihr io 6. Soweit erscheint die Eer lediglich als
zu entrinnen (II. £ 116 ff). — 3. Von allen raffende Todesgöttin. Es finden sich aber
Seiten umlauern, „umgähnen" (Wli Krjg dficp- auch bei Homer Spuren einer allgemeineren
£%txvs) die Keren den Menschen; den einen Bedeutung. Schon bei der Geburt wird jeder
treffen sie in der Schlacht, den andern auf dem Sterbliche seinerKer zugeteilt. So klagt die ipvxrj
Krankenlager, den dritten auf den Fluten des nazgonXfjoq W 78 dXX' l/xs jiiv Krjg | tt(icpE%avs
Meeres (Ä170. 397) £uni}g ydg Krjgsg iqisezöceiv azvyfgrj, r\ nsg Xd%s y £ ivöjxsvov nsg. Zwar
ftavdzoio | fivgiai, dg ovx. toxi q>vys£v ßgoxov spitzt sich auch diese Wendung auf den Tod
ovä' vnaXv^ai, meint Sarpedon M 325: da hat zu: aber Mensch und Ker gehören doch von
es keinen Sinn, sein Leben ängstlich zu hüten. Anfang an, auch während des Lebens, zusam-
Der gehetzte Hektor (X 102) Kfjgag ints&tpvytv 20 men. Deutlicher tritt das hervor I 410 ^rjzrjg
Qcivdzoio, da Apollon ihm beisteht, aber nur, um ydg tf (i£ yrjGi . . . öi%&adictq Kfjgceg cpsgs-
ihnen wenige Minuten später anheimzufallen. (isv &avdzoio ziXogSs: Achill hat die Wahl:
Die Keren sind in solchen Fällen als verfolgende die eine Ker giebt ihm ein langes, ruhmloses
Dämonenscharen gedacht, wie die Erinyen Leben in der Heimat, die andere ein kurzes,
und Harpyien. Ahnlich heilst es B 302 ndv- ruhmreiches vor Troja. Die Ker bestimmt
zsg.. ovg firj Krjgsg "ißav ftavdxoio cpegoveai, nicht nur den Todesmoment: sie führt den
vollständiger | 207 zvv Krjgsg sßav &avdzoto Helden auch auf der Lebensbahn. — 7. Zwar
cpsgovoai | 11g 'AtSao Söfiovg. Scharenweise läfst sich dieser Gedanke mit Stellen wie A
ziehen die Keren über die Erde und nehmen 416 ff. 2 95. 440 ff. nicht recht vereinigen
die Geschiedenen mit sich hinab in das Reich 30 (Niese, Entw. d. hom. Poesie S. 34'). Aber eine
des Hades, wo sie selbst zu Hause sind [s. ähnliche Anschauung findet sich vereinzelt
Bohde, Psyche 9]. — 4. Damit löst sich das auch sonst. So scheint auch dem Euchenor,
alte UTtogrifia & 525. Hektor ruft: svxofica dem Sohn des Sehers Polyidos, die Wahl frei-
sXnofisvog dit z' äXXoißiv rs &soietv | s^sXdctv gestellt: aber sv si$a>g xtjq' öXorjv zieht er
sv&svds Hvvug xrjgsoaiipogrjzovg (die Griechen) I aus '(N 665). Auch A 330 ff. tritt die Krjg
[ovg Krjgsg cpogsovai tisXatvdiav hml vr\a>v]. Vs. lange vor der entscheidenden Stunde in Thä-
528, von Zenodot weggelassen, von Aristarch tigkeit. Es fallen die Söhne des Merops, die
athetiert, ist eine Rhapsodenerklärung, die im ihr Vater in prophetischer Ahnung nicht hatte
Altertum mafsgebend geblieben ist, vgl. Schol. ausziehen lassen wollen: zd> ds 01 ovzi | nsi-
Eustath. Etym. M. Apollon. Hesych. zovg vnb 40 &sod"r]V Krjgsg ydg äyov (in den Krieg) fis-
zrjg üfiagfiivrig fisxsvrjvsyasvovg. Für eine Xavog ftuvüroio (daraus B 833 f.), wie sonst
solche Thätigkeit der Keren wird man aber die Motga (E 614. N 602) (liXavog ftavdxoio
kein zweites homerisches Beispiel beibringen (g 326). — 8. Auch sonst berührt sich Krjg
können. Die Erklärung ist im Geiste einer und Motga. Achill antwortet auf die Zumu-
jüngeren Zeit gehalten, in der die Keren wie- tung der Thetis, den Hektor zu schonen, da
der eine selbständigere und bedeutendere Stel- sein eigner Tod gleich nach dem des Feindes
lung gewonnen hatten, und für diese von Wert. eintreten werde, 2 115 ff. Krjga ä' iyä zozs
Dem Richtigen nahe kam der zweite Interpret Si %0/xiu arntözs xsv äfj | Zsvg t&sXrj zsXeaui r/S'
(aiHo&rjaopsvovg svfrsvds vnö zäv Moigäv), d&dvazoi &10I dXXof oväs ydg oväs ßCrj'Hga-
nur fafst auch er den Begriff zu allgemein. 50 xXrjog cpvys Kijgcc . . , dXXd s Molg' iSdfiaaes.
Kr]g80ciq>6gT]zos (eine singulare Bildung) heilst 120 äg Kai tywv, il dr; fioi bfiot'ri Moiga zizv-
einfach „von den Keren entrafft"; Hektor hofft v.tc/.i | Kfiaoiiai. — 9. Wie hier Zeus und die
seine Feinde in den Tod zu jagen («f)pf ggi- Götter über der Ker walten, so geschieht es
cpogrixovg „proleptisch", d. h. prädikativ). auch X 200 ff. Apollon verleiht dem Hektor
■">. Solche halb erloschene Züge sind es, die Kraft und weifs sein Todesstündlein hinauszu-
der unter die jüngsten Hände zählende Dich- schieben. Da ergreift Zeus die Schicksalswage
ter des Schildes 2 534 ff. bei der Beschrei- und legt die itijgs hinein: X 209 xat tote 6'ij
bung der Schlacht wiederbelebt und zu einem xgvoiiu nazr\g Izizaivs zdXctvzct, \ iv d' frtiTEt
kräftigen Gesamtbilde zu ergänzen versteht: §vo «f)ps zavrjXsyiog duvdzoio, | zr/v ficv 'A%iX-
sv 8' "Egig, sv Ss KvSoifiog öfiiXsov, iv 6' 6Xor\ m Xijog, zfjv 3' "Exzogog imTioäduoio, tXv.i de (isgou
Krjg, | [535] dXXov £a>bv i'%ovG<x vsovzarov, Xaßwv gsne §' JLv.zogog oci'oiixov 7Jjxap, | a>%szo
aXXov dovzov, j dXXov zE&vrjäza nazd fio&ov d' eig 'Atdcto' Xütsv Se f <&oißog AnoXXav.
iXks noSoiiv, | slfiu §' e%' dfirp' äfiotai datpot- Die schwerere, also gewaltigere Ker (fatum bei
vsov al'uazi cpwzmv. \ wfii'Xsvv S' atazt jeuot Vergil 12, 725 ff.) bringt ihr Opfer ins Verder-
ßgozol rfS' e fxdxovzo, | vzxgovg z' dXXrjXcov i'gvov ben: das ist wohl verständlich (vgl. Eustath.
Y.azari&vr]äzag. Unter den Dämonen, die wie de Thessal. opusc. p. 288,4), sobald man nur
Geier über das Schlachtfeld schweifen, ist die die moderne, aus Daniel 6, 27 abgeleitete An-
Ker die bedeutendste, persönlich -lebendigste schauung fernhält. An persönliche Auffassung
1139 Keren (Homer, Hesiod) Keren (Hesiod) 1140
des Begriffs zu denken, sind wir hier wenig dem Seite wäre als Bedeutung anzusetzen
geneigt: die Alten empfanden anders, wie sich „von der Ker' ernährt". Es giebt eine Eer,
unten herausstellen wird. — 10. Dies Wägen die dem Mensehen bei der Geburt zufällt und
der Kijgs ist nämlich ein fast sprichwörtliches ihn in den Tod geleitet (oben nr. 6f.): von
Bild, das immer wieder aufgenommen und da bis zu dem Gedanken, dafs die Ker des
weitergebildet ist. Schon in der Ilias & 70 ff. Menschen pflegt, wie ein Gott oder Genius, ist
taucht eine Dublette auf. Während der nur ein kleiner Schritt. Auch bei Semonides
Schlacht, um Mittag, ergreift Zeus die goldne ,, nährt" eine der Keren, die sX-nCg, den Men-
Wage: sv S' szi&st, Svo nfjgs xavylsysog &a- sehen, fr. 1, 6 unten nr. 23.
vaxoto | Tgwmv &' imtoäüfKov Kai 'Axaiäv Xa^~ 10 1^. In das theogonische System der böoti-
ko%iz<bvoov, s'Xks Ss pseoa laßäv, gsns 6' ai'ei- sehen Sängerschule wird die Todes-Ker einge-
fiov rjfiKp 'A%aiäv. | ai fxiv'Axaiäv nf/gsg snl fügt Theog. 211 sq. Nvi, S' szsks azvysgöv zs
X&ovl zzovXvßozsigr) | t£io&ril>, Tgwmv ds ngbg Mogov v.al Kfjga piXaivav (homerisch) | «al
ovgavov svgvv dsg&sv. Die beiden letzten f)ävazov, zsks 3' "Tizvov, szikzs äs tpvlov
Verse hat bereits Aristarch (Ludwich, A.8 'Ovsigcov ovzlvl xoiurj&SLOa dsd zsxs Nv£ sgs-
Textkritik 1, 284) athetiert; der Widerspruch ßswrj. Der schon bei Homer lebendige Ge-
zwischen Krjgs und y.fjgsg läföt sich in der That danke, dafs Schlaf und Tod Brüder seien (C.
nicht mit den Hausmitteln der Xvztv.oi (Porplt.) Robert, Thanatos 6 f.), ist hier durch Differen-
wegschaffen. Jede Partei (das heben auch zierung der Begriffe weiter ausgeführt, und
die Alten gut hervor) hat nach v. 70 eine 20 sinnreich genug wird die Nacht zu ihrer Mut-
Ker: o äs äiaousvaexrig (der Verfasser von ter gemacht. — 14. Neue Züge geben v.217ff.:
v. 73 f.) s^sXaßs jtoUiis (Schol. A 73 f.). Und v.al Moi'gctg v.al Kijgag sysivsxo vr]Xso^zotvovg^
zwar mit gutem Grunde: es giebt keine KXa&ä zs Ad%saCv zs Kai "Azgo-nov, ai'zs ßgo-
zweite Stelle bei Homer, wo einer zolat \ ysivousvoiot ölSovbiv H%siv üyct&ov zs
Mehrzahl von Personen eine Ker zuge- kccxÖv ts' | [220] alz' dvägäv zs frsäv nagai-
schrieben wird. Man könnte eine falsche Über- ßaaiag sysziovcai ] oväiizoxs Xrjyovei &sal äsi-
tragnng aus X annehmen (s. B. Niese a. 0. volo yöXoio, \ ngCv y' dito xm ämaai v.av.r\v
S.66f.). Bemerkenswert bleibt aber auch diese oiziv oazig iudgxrj. Man pflegt v. 218 f. als
Erweiterung des Begriffs. Der Diaskeuast Interpolation auszuscheiden, da später 905 f.
kannte die vom Einzelnen losgelöste, hyposta- 30 eine andre Genealogie gegeben wird. Aber die
sierte Ker, die in andern Überlieferungs- ganze Stelle ist eine Dublette, die erst der
schichten wirklich nachweisbar ist. Redaktor mit dem Vorhergehenden verbunden
haben wird (Köclüy). Dadurch verliert sie
II. Besiod. aber nichts an Wert, da sie, wie verwandte
11. Bei Hesiod tritt der Ausdruck „"Ker" Einlagen in den homerischen Epen und Hym-
tregen Synonyme, wie ftdvaxog und uoiga. auf- nen, aus lebendiger Rhapsodik hervorgegangen
fällig zurück. „Werke und Tage" 93: Einst sein mufs. V. 211 ist die Ker lediglich die
lebten die Menschen ohne Übel, ohne schwere allgemeine Todesgöttin: hier ist sie ein Rache-
Arbeit und lästige Krankheiten, vovccov z' dg- dämon geworden, wie die eng verwandte Eri-
yaXscov, atz dvägdai v.r\gag sdcoxav; das Weib io nys, die gleichfalls die Ttagaißaciag bei Men-
liefs die Übel (die Keren?) aus dem ntQ-og sehen und Göttern ahndet und als „zürnende"
entschlüpfen, in den sie gebannt waren, wie Gottheit dargestellt wird. Dieser neue Zug
die ipvxai auf der Nr. 32 erwähnten Vase, die wird durch delphischen Einflufs kanonisiert
Winddämonen des Aiolos oder die bösen Gei- sein. Er begegnet uns bei den Attikern, wie
ster im Märchen (Tausend und Eine Nacht, bei den Hellenisten, vor allem in dem alter-
übers. von Habicht 11 S. 68, 22 S 186). Hier tümlichen Koroibosmärchen, das direkt an
ist -lirjg einfach = „Tod " ; denn an Änderungen Delphi anknüpft, s. unten nr. 41.
wie dg . . Krjgsg oder dvögag Krjgaiv ist nicht 15. Derbere und härtere Züge zeigt die Ker
zu denken. Das ist der einzige Fall der Ai-t in dem jüngsten „hesiodischen" Gedichte, der
bei Hesiod. — 12. Von einer ganz neuen Seite 50 Aspis. Der Dichter des Perseusschildes kennt
zeigt sich der Begriff „Ker" in dem proble- und überbietet die späte homerische Darstel-
matischen Kiqgt.zgsq>rig, in einer altertümlichen lung im 18. Bnche der Ilias. Auch bei ihm
Formel der (auch nach Kirchhoff) echten walten die Keren auf dem Schlachtfelde (Aspis
Bauernregeln "Egya 417 f. äfi ydg zözs Zsigiog Hes. 249 f.): Kqgsg Kvdvsai, XsvKovg dgaßsv-
dcxr]g \ ßaibv vnsg Kscpakfjg Kngizgscpsmv Bai 6ä ovzag, j Ssivwiroi ßXoevgoC zs, äacpoLvoi
uv&gcinav \ sgxszui r'ißdxtog hxX. Man pflegt z' a-nlnxoi zs \ SfjgLv s%ov nsgl Ttntxovxwv
hier „zum Tode bestimmt", „dem Tode heim- ndaai 8' dg' i'svzo \ alua fisXav tiissiv ov
fällig" zu deuten. Das pafst aber schlecht in eis ngäzov ys (isfidgnoi ] xsiusvov ri itmzövza
den Zusammenhang. Die zweite alte Stelle, wo vsovxazov [2 535 sq.], afitpi fj,sv avzä \ ßaXX
das Wort erscheint, ist das oben Sp. 834 be- so ovvy^ag jisydXovg, Tpvxfj §' 'JtSögSs xazjjsv
handelt? Kadmosorakel: s'ax' dv i'tnai \ ßovxo- [255] Tdgzagov sg ngvösvir'. ai Ss cpgsvag
Xov r}ds (3das xrjgizgtq>sog JAsXdyovxog. Auch tvz' dgsaavzo ] ai'fiazog dvdgotisov, xov fiev
hier paTst die gewöhnliche Deutung so wenig, gtTizaoxov pziiaaco , | ai/> §' ofiaSov Kai fiäXov
dafs Unger (Theban. parad, 5) dafür den Sinn t&vvsov uvzig lovaui. \ KXm&ä xal Aüy.teig
Cirrhae [in Kirrha] nutritus forderte." Nach crpiv sepsazaeav r) tisv vcprjoocov * * *"Azgonog
Analogie von Kqgseaicpognzog Krjglcpazog (Hes. 0!' zi tzsXsv asydXr] ftsög, dXX' dga r\ys \ [260]
= oaoL voam xs&vr)y.aoi) auf der einen, von xäv ys piv dXXdaiv Ttgotpsg^g x' rjv TigscßvxdxT}
Jioxgicprig JuzgsqiTjg 'Eg/iozgsgn]g auf der an- zs. | ndaaL S' dficp' svl tpazi pdxTjv Sgipsiav
1141
Keren (Hesiod)
i&evzo ... | iv ö' ovv%ag %£lqc(S zs froctosiag
laäeavzo. | itäg S' 'A%Xvg siozrixii*) 87iiafivyigrj
ze %ai aivi] (folgt eine fast groteske Schilde-
rung dieses Scheusals). In den Versen 258 —
260 stehen wieder die Moiren neben den Ke-
ren, wie in der Theogonie 217 (nr. 14). Das
kann kein Zufall sein; es spricht sich darin
offenbar der Glaube aus, dal's diese Gestalten
zusammen gehören. Stammen die (seit G. Her-
mann ausgeschiedenen) Verse aus einer Du-
blette, so hat der redigierende Dichter diesem
Glauben gehuldigt, dem wir
auch im späteren Epos be-
gegnen (unten nr. 51). Das
Auftreten der Achlys („Todes-
dunkel", nicht „Trübsal", wie
Bd. 1, 66 erklart wurde) wird
sich aber für ihre Ursprüng-
lichkeit geltend machen lassen.
16. Mit der Darstellung des
Perseusschildes berührt sich
der inschriftlich gesicherte
Eerentypus auf der Kypselos-
lade, Pausan. 5, 19, 6: zäv
Si OiSinoSog TtcciScav TLolv-
Keren (Hesiod und andre Epiker-) 1142
den Worten äg zbv (isv vitb zov nntoau-ivov
nzl. hat mau wohl Worte des Pausanias oder
seiner Quelle zu erkenneu vermeint. Wahr-
scheinlich sind sie aber (wie schon rpijfft ver-
muten läfst) Paraphrasen von Epigrammversen,
die auf dem vierten Streifen der Lade sonst
nie fehlen (etwa avzr] [ihv Ktjq i'oriv xzl.).
Aber auch in diesem Falle hat man nicht
das Recht, die Ker als vr/lsoTcoivog zu fassen,
10 wie vielfach geschehn ist. Sie lauert beim
Zweikampf auf ihre Beute, wie in der
Abb. 1) "Wägen der yJjQe , Lekythos aus Capua (Brit. Mus.) (nach Murray,
Bist. 0/ Gr. sculpt. 2 p. 28).
VEi-Kti nenzaniozi sg yovv hnsi-
aiv 'Ezfoulrjs. zov Uolvvtiuovg äh omc&8v
sbztjksv ödovzug zs [zig? vgl. Schubart, JSpist.
crit. p. XIX] f xovaa ovSev rifiiocDZtQovg &rjQiov,
•Aal oi -Aal zäv ££ipajj> sigiv
£TiiY.a(i7tlig oi cru^ts. sni-
yQafifia [Subjekt] 6i in'
uvzr\ sivai tprjOi [nicht
cpaoiv, wie Overbeck u. a.
lesen] Ktjqci, wg zov (isv
V710 ZOV nSTtQlOfLlVOV , zov
flolvvsUrj [kaum zu tilgen ],
ümx%&£ vza , 'EiZiovltl äs
ysvO(livrjs y-ai ovv zip Sixai'co
zfjg zeXsvzijg. Das unver-
kennbare Zusammentreffen
des alten Bildners mit dem
Dichter kann erklärt wer-
den durch Annahme einer
gemeinsamen Quelle, und
diese kann die Volksvor-
stellung selbst sein oder
ein älteres Epos, etwa eine
Qrjßal'g. Ebenso gut ist
aber direkte Abhängigkeit
des einen vom andern mög-
lich, wie Bie Serqk annimmt.
Vielleicht ist hier, wie so
oft, die Phantasie des
Dichters befruchtet durch
einen Bildner, der grelle,
greifbare Einzelheiten, wie
zahne und die krummen Krallen, zum ,,al
legorischen Ausdruck einer dem dargestellten
Wesen innewohnenden Eigenschaft" gewisser-
mafsen als Notbehelf anwenden mufste (Mann-
hardt, Wald- und Feldkulte 2, 81). Des Künst-
lers Bild aber pflegt die Volksanschauung nicht
zu ignorieren, sondern sie besonders energisch
zum Ausdruck zu bringen. Doch würde es
verkehrt sein, diesen grassen Kerentypus für
den allgemein geltenden zu halten. — 17. In
*) Ähnlich Berondas 1, 15 f. von rij^ag and ay.ta.
Schlacht. Ähnliche Typen sind auf spä-
teren Kunstwerken, besonders auf etruskischen
Spiegeln, nachzuweisen; für die Ker treten auf
) Achill und
= Reinach
Memnon, Kerostasie, Nolanische Vaae bei Miliin 1, 19
p 15 (verkleinert nach Overbeck, 67. h. B. 22, 7).
die Raubtier- ihnen furienartige Gestalten ein, wie bei Sta-
tins Theb.
her. Bildw.
III
11, 136 ff. S. J. Overbeck ^ Galerie
Taf. 5, Text S. 135 ff.
Die übrigen alten Epiker;
Elegiker nnd Lyriker.
18. Die Epikerfragmeute bieten kaum Zeug-
nisse, die uns neue Züge kennen lehrten. Er-
wähnt sei Hom. epigr. 4, 13 f. = Biogr. Gr.
p. 7 W. (vor der Herrschaft der elegischen
Form entstanden, wie die Epigramme der Ky-
pseloslade): Kfjga d' sycö, zrtv fioi 9sog ämaoe
114c
Kereu ('Arktinos')
ysivofisvep 7C£q, | xXrjooiicci axQÜavxoc cpsQmv xi-
zXtjoxi &i>fiä : xrjg deckt sich hier vollkommen
mit notfiov (v. 12) und aiG?7 (v. 1). — 19. In
der Aethiopis des „Arktm,"*) wurden die x>jpf
Abb. 3) Wagen der y.rtm, Vasenbild des Htrzogs von Lnynes (nach Overbeck. G. h. B. 22, 9),
des Memnon und Achilleus beim entscheiden-
den Zweikampf gewogen, wie in der Kerosta-
sie der Ilias (eine Hypothese von Welcher, Ep.
Abb. 4) AXJE und EFAS, d. h. Achill und der Eos
Sohn, von Mercur gewogen, AVAV [Apollon] als
Zuschauer. Etruskischer Spiegel (nach Miliin, Ptini.
d. cases I Taf. LXXII, 1).
Cyel. 2, 175, die sich glänzend bestätigt hat). fi0
Die Schicksalswage wird in dieser Scene noch
") Es ist auch heute noch nicht überflüssig , darauf
hinzuweisen , wie der Name Arktiu im lebendigen Ge-
brauch kein Gegenstück findet , sich dagegen mit vielen
sagenhaften Namen des Stammbaums (Teles Nautes) so
gut zuBammeureimt, dafs er selbst als fingiert angesehen
werden mufa. Ähnlich steht es mit den Namen der
meisten andern Epiker der ältesten Zeit.
Keren (Elegiker und Meliker> 1144
bei Quintus Smyrnaeus 2 , 539 in Bewegung
gesetzt. Auch die Vasenbilder (aufgezählt bei
Hirsch, De anim. imag. 19 f.) sind, wie Robert
(Bild und Lied 143 ff.) wahrscheinlich gemacht
hat, nicht von der
Psychostasie des
Aeschylos abhängig,
sondern von einer
epischen Quelle (vgl.
auch A. Schneider,
D. tr. Sagenkreis
U2f.). Deu Aus-
schlag giebt die
Sp. 1142 abgebildete,
voräschyleische Le-
kythos aus Capua
Abb. 1). Die Keren
werden durchweg
nach Art der ipv%aC
oder fi'ScaXa darge-
stellt, in dem ältesten
Beispiele (Abb. 1) als
nackte (geflügelte)
Figürchen später
auch bekleidet oder
bewaffnet (s. Abb.
2. 3. Millin 1, 19.
Bullet. 1865 p. 144
= Overbeclc, G. h.
Bw. 22, 7. 9. Abb 4
nach Gerhard. Etr.
Spiegel 2, 235, 1). Dafs bereits Arktinos
geradezu die ipv%ctl habe wägen lassen (Bobert
145), wird sich schwerlich beweisen lassen. ■
20. Auch die Elegiker und Meliker arbeiten
im ganzen mit den überkommenen epischen
Formeln, vgl. z. B. Tgrt. 11 p. 15 B.*: I^pai»
fiiv tyvxitv ftigsvog, daväzov äs uiXcti'vag \ Krj-
Qctg oucog avyaig r/fii'oto cpiXag (nach einigen
unter nr. 2 f. behandelten Homerstellen). Se-
monides fr. 94 (Epigramm bei Herodot, s.
Preger, Inscr. metr. p. 16): ixavxiog, ög xozs
A'/Joag iirtQxouivceg oäqia slSäg | ovh i'xXrj
ZTTUQtris rjytgövctg tiqoXittsiv (oben nr. 7 f.). —
21. Persönlich zu fassen sind die Keren in .
dem Artemishymuus bei Theognis 13: KßKag
6' ktto A'/joag aXaXxe , wohl auch in dem Ge-
bet an Zeus xrjXov §h xanas anb Kfjgag afiv-
vui | yr)gcig x' ovlöfisvov xai 9avixoio xiXog.
Die Keren sind an dieser Stelle der all-
gemeine Begriff, Tod und Alter die Unterarten.
Das bestätigt die berühmte MimnermossteWe,
die dem Dichter jener Verse vorgeschwebt
haben mag, fr. 2, 5 ff. p. 26 B.i: . . . av&saiv
fj(3?js i TiQ7tög£Tra . . . KfjQsg Si 7iaQsaxrjKciai
usXcavca, I rj fiev f'xovea xsXog yr^Qceog ägyce-
Xiov, | r\ S sxbqij ftczvaxoio' fiivvv&a Si yiyvt-
xai tjßrjg j xuQiiög — ein durch den Kontrast
wirkendes, visionär lebendiges Bild: der Mensch
Blumen und Früchte suchend (vgl. Xei^äva 1146,
14) aber neben ihm lauernd die beiden schwarzen
Spukgestalten, Greisenalter und Tod. In solchen
Fällen ist die Machtbefugnis der Keren wie-
der unverkennbar erweitert. — 22. So kann
es kein Wunder nehmen, dafs humoristisch die
bösen Geister des Trunkes Keren genannt
werden, Theogn. 837: Stcaai xoi -noaiog Kfj-
geg 'dsiXoCoi figoxoioiv \ St'ipct xi XvaifisXrjg xal
1145 Keren (Lyriker) Keren (attische Zeit) 1146
f.is9vaig %aXsnfj. Sehr allgemein, aber wenig avfmscpvgfisvrjv Kai dfirjxaviyoi. Nach solchen
bezeichnend heifst es auch bei Pindar fr. 277 Stellen auch Ps.-Tim. (ein Hellenist?) 2 p. 547
[246] Kfjgsg bXßodgs[iiiovsg . . . (isgi.iiva[idza>v (S9M.) zb za> Ttavzbg oäu.a dKTjgazov ztäv sv.zbg
dXsyst-vcöv, „die im Reichtum genährten Sor- y.rjgtf>v. 10 p. 561 (UM.) jioXXal äs Kagsg Jcoäg.
gengeister " (Bergks Konjektur 6Xßo9gsixfx6- Hipp. Stob. Flor. 108, 81 p. 98 31. noXXal KÜgsg
vseai ist unnötig). — 23. Bei Semonides 1, 20 Kaza ndvza zbv ßiov nscpvKavzt (s. nr. 29). Alles
p. 444 Bgk.* ovzco %av.äv an' oväsv dXXd ftv- freilich ohne mythische Färbung. Wichtiger
Qiat, | ßgozolai Kfjgsg KavsTZi'rpgaazoi. ävat \ Kai Empedokhs 460 f.: Die Frommen werden schliefs-
nfjfiaz' iozi'v erscheint der Ausdruck ziemlich lieh &sol zififjei cpsgiazot, | d&avdzotg aXXoiatv
unpersönlich; er bezieht sieh auf ilrclg yfjgag 10 bfisoziot. . .dn oKrjgoi [frei von der Ker] dzsi-
voooi "Jgrjg usw. (6. 11. 12 ff.), die dem Hades gstg. 18 f.: . . .dzsgTisa Jiräpoi', | sv&a <&6vog
seine Opfertiere zuführen (v. 4 sehr. "AiSrj ßozd zs Közog zs -xai. dXXcov i'&vs a Krjgäv | av%^r\-
t,coovaiv, vgl. Pallad. Anth. Pul. 10, 85, Plaut. gai zs Nbaot. aci Zfjtyisg "Egya ze gsvezd \
Gas. 2,1,12). Auch bei Alkman fr. 56 A p. 55 B. Azijg av Xsifiävd zs Kai okozov rjXdoKOvoiv.
atpoig däsXqiiäsotg | Kaga Kai epovov ist er Die Keren sind böse Geister, die scharen-
fast appellativ gebraucht; interessant ist aber weise in dem irdischen Jammerthale umher-
die hier und öfter überlieferte Form Kagav ziehn (fjX. doch wohl zu s&vsa); wichtig ist
für y.äga, wie man mit Bast und Ahrens (dial. es, dafs sie zur Ate gestellt werden. Hier
2 p. 140) zu korrigieren pflegt, s. nr. 53. 59. klingt das schon bei Hesiod auftauchende und
— 24. Weitaus das wichtigste Zeugnis dieser 20 wohl in Delphi kanonisierte Dogma an, dal's
Gruppe ist Stesich. fr. 93 p. 232 B.* (Eustath. die Vollstreckerinnen der strafenden Gerech
772,3 = Aristoph. Byz. Suet , cf. Miller, Me'l. tigkeit . Keren sind. — 26. Es stimmt dazu
p. 417): Zzrjßixogog äs, tpaai, zag Kfjgag [y.al aufs beste, dafs diese Vorstellung ein Haupt-
zdg OKozdosig] zsXxivag Ttgocr/yogsvas. Die ein- artikel in der Theologie der attischen Tra-
geklammerten Worte sind, wie schon das späte giker ist. In den Hieben gegen Theben des
OY.OTcoeig verrät, ein Glossem (üy.ozoo) byzant. Aesthylus 1040 (1055) klagt der Chor über die
= cpovivo): Du Cange 1395), und zwar des Eu- (isyaXavy.oiY.al (p&sgeiysvsig Kfjgs g 'Egt vis g,
stathios (vgl. de Thess. capta 27 Op. p. 275, 2 xarc die des Oedipus Geschlecht vertilgt hätten mit
dndzrjv anozmas agf'). Weshalb bezeichnete Stesi- Wurzel und Stamm. Apollon der Delphier
choros die Keren als Teich inen? W. Prell- 30 selbst ist der Führer der Keren bei Sophokles
witz (Bezzenb. Beitr. 15, 150) geht irre; aber auch Oed. B. 469 ff. : svonXog yag sii avzbv snsv-
Welcker (Aesch. Tril. 185) kommt übers Raten &gcioy.si | nvgl yal ozsgo7iaig 6 Jibg ysvszag
nicht hinaus („vielleicht die den Freunden das (der Herr der JsXcplg nszga v. 463)" | ästval $'
Leben eines Geliebten mifsgönnenden Keren"). dfi' snovzai \ Kfjgsg dvanXdy.rjZOt.: die Keren
Nach einer sehr altertümlichen und volks- sind hier unverkennbar das Erinyenheer.
tümlichen Vorstellung pflegen die Teichinen Wie die Keren dort den Oedipus als Vater-
mit höllischen Zaubermitteln die Saat zu ver- mörder hetzen, so verkünden die Dioskuren
derben (Pt,ut. prov. Alex. 1 p. 3 in. A : zä zfjg bei Euripides Flektr. 1252 dem Orestes äsi-
Zzvybg väazi zfjv yitv KaxaggaCvovzsg dyovov val äs Kfjgsg 0 , at Kvvamiäsg oTfat (wie
snoiovv, ähnlich Strabo 14 p. 654. Nonnos 14, 43 sonst die Erinyen heifsen), [ zgoxrjXaxfiOovo' sfi-
46; vgl. Fleckeisens Jahrb. 135 [1887] p. 242. fiavfj nXavwusvov. Auch Euripides Herakl. 870
Zur Quellenkunde der Paroemiographen p. 301): äsirä fivv.äzai. äs Kfjgag dvayaXäv zag Tag-
insofern hat Laistner (Bätsei der Sphinx 2 S. zdgov mag hierher gehören: Herakles ruft
262) gut den modernen Bilwis- oder Bilmes- durch sein rasendes Beginnen die strafenden
Schneider verglichen. Nun vernichten auch Keren aus dem Tartaros. Ähnlich heifst bei
die Keren die Saat nach 'Orpheus'' Lith. 269 Aesch. Sept. 760 Zaov zoz' Olätnovv ziov zyjv
Xvyyi, av ä' sy. izsäCov gö&iov dnösgys £KÄa- ä gjza^dvägav Kfjg dq>sX6vza jjüipas die zur
£av rjfiszsgov, Kai Krjgag oaai ozi%6a>vzai Strafe ins Land gesandte Sphinx die „männer-
sn dygovg' \ Kai as ydg d&avdzatv cpiXsst, raubende Ker". Eine Kritik dieser Lehren bei
voog kzX., und wie ein leiser Nachhall solchen so Eurip. El. 1298 ff. ntög bvzs &sä> . . . ovk
Glaubens wirkt es, wenn Theophrast de caus. rigKsadzrjv Kfjgag (isXd&goig; | JI. poigav dvdy-
plant. 5, 10, 4 meint: Kai SKaezoi xäv zönwv xtjs fjysv zb %gsmv \ <Poißov % deocpoi, yXooearjg
iäiug s'%ovei Kfjgag, nämlich für die Pflanzen. svonai. — 27. So wird die Ker ganz all-
Wahrscheinlich wufste schon Stesichoros von gemein als Unglücksdämon gefafst, wie
bösem Zauber, den die Keren auf den Äckern schon bei Mimnermos. Sie steht dann, wie
anrichten. die vrjXsÖTtoivog bei Hesiod, im Dienste der
IV. Die attische Zeit.
Mächte, die der sittlichen Weltordnung warten
und für Ausgleichung von Schuld und Strafe
25. Auch bei der religiösen Umwälzung, die Sorge tragen: denn dafs hierin eine Neu-
sich im sechsten und fünften Jahrhundert voll- eo Schöpfung der Attiker zu erkennen sei, wie Vf.
zog, behaupten die Keren ihren Platz. Demokrit. früher mit Anderen angenommen hat (a. 0.
Stob. Flor. 1, 40 (Fr. Ph. Gr. 1 p. 341 M.) orä S. 266a), kann nicht mehr als wahrscheinlich
öXiyag Kfjgag sv za> ßi'm äiüesai, cp&bvov Kai gelten. In Übereinstimmung mit solchen Leh-
ifjXov y.al ävßusvCrjv . . . TtoXXoiai Kngai zs renbedeutet Kfjg bei den TragikernnichtnurTod,
„ _. , . .. .,, „, ,. _ , sondern auch Unglück und Krankheit, Fehler
*) Die kühnen Schlulstolgt-rungen, die Sdtwarts T. ■ -r17 „R, ,, ->>>>/
(Prähütor.-anthropol. Studien 211f.) an dieses Wort ge- (ßwrtP- Phoen. 9o0 *.sXaivav Kqg sn o^ccaiv
knüpft hat (nach ihm Laistner a. O. 205. 269), hängen ßaXoiV. Aesch. Ag. 206. Soph. Phllokt. 42. 1166
also in der Luft. Kfjga zdvä' ftjrorpf vys iv. Track. 133. 454).
1147 Keren (attische Zeit; Aristias)
Keren (attische Zeit; Kult) 1148
28. Doch lassen diese Zeugnisse kaum ahnen,
welche Stelle die Kereu im attischen Volks-
glauben einnahmen.*) Wichtiger ist die That-
sache, dafs Aristias ein Satyrdrarna K^gsg
schrieb. Mit einer Mischung von Grauen und
Humor müssen die Spukgestalten von ihm
geschildert sein**), gleich den "Hgcoi g bei den
Komikern. Die Satyrn werden sich mit den
Unholdiunen eingelassen haben, wie mit Sphin-
vvcicpctg fifv vu.iv Krjgag dvzidarx. t%uv. 484
™AiÖ7]v vofii&ov tzev&sqÖv, xtjSog niHgöv (vgl.
ron Wilnmoivitz S. 147). — 29. Auch Pinto de
leg. 11 p. 937 D, wo man gewöhnlich das Ap-
pellativum erkennt, ziehe ich hierher: nolläv
de uvzcov xal y.alwv sv z<o tü)v av&goincov ßtoy
zoig nltiazoig avzäv oiov Kf[gtg £7Tin£q>vxa-
aiv, a'i -nazccfiiaiv ovai iE xoi y.axaggv-
Tiociv qvgiv avTtt. Hai. Si] v.al StHrj ev ccv~
gen (Aesch. Sphinx) und Lamien (21/. Mayer, 10 dgwitoig näg ov xuXov v.zl. Parallelgestalten,
Athen. Mitt. 16, 300f.). Die bei Athenaeus 15
p. 686 (fr. 3 p. 727 N.) citierten Verse avv-
öitnvog tj trrntcujros [iniKcouog Dindorf, kaum
Abb. ö) Totenklage, attische Lekythos (nach Slonum. 8 T. 4. 5)
richtig, s. Dion. Chalk. fr. 6, 1 f.J r) fia£u-
ygezag | 'AiSov rgane^vg^ axgaztcc vrjövv t%(ov
wird man freilich eher auf Kerberos oder
Charon[vgl. das überlieferte ixixionog] beziehen
müssen; doch könnten auch die Krjgig zu den
xvvsg TQciTit gjjfs ***) des Hades gehören; 'At-
wie die gespenstigen Harpyien und Lamien,
oder die Totenvögel der Aresinsel {Apoll. Bhod.
189 ff. Verg. Aen. 3, 227. Sero. Am. 8, 300)
besudeln in der That id v.a\a mit ihrem
Kot: eine Vorstellung, die schwerlich
so jung ist, wie Bd. 1, 1844, 60 mit
Jacobi und Vofs angenommen wird.
Etwas Ahnliches scheint Plato , doch
wohl aus attischer Überlieferung, von
den Keren gewufst zu haben.
80. Den lebendigen Glauben des atti-
schen Volkes lehrt uns aber erst dgr Ku 1 1,
die Festsitte, authentisch kennen. An
das attische AnthesterienfeBt, dessen
letzten Akt ein Opfer für den chthoni-
schen Hermes und die Seelen der Ver-
storbenen bildete, schlofs sich, gerade
wie an die Lemuralien der Römer (Varro
bei Non. p. 135) ein „Seelenaustreiben"
an [s. jetzt E. Eohde, Psyche 219]. Bei
dieser Ceremonie (vgl. Hymn. Orph. 12,
15 f.) rief man den als gegenwärtig ge-
dachten Geistern die sprichwörtliche
Formel zu: &vga^s, Krjgsg, ovv. et'
'Av&£ozi)qi.u [die Kägig in der Vulgata
der Paroemiographen sind von Demon
eingeschwärzt, s. meine Anal. crit. ad
Puroemiogr. p. 48 sq. 146]. *) Didymos
erklärt das treffend bei Phot. 1 p. 286
Nb. : cög «ara zrjv nöliv zoig 'Av&zazrj-
gioig zäv Tpv%ü)v 7r£QisQ%o[iSvcov. Un-
verkennbar sind die A'ijpt s hier die ip v % a t,
die an den fiictgccl j/iif'pat (Phot.) des
mundus patens umgehenden Seelen der
Verstorbenen. — 31. Das ist wirklich
herrschender Glaube in Athen ge-
wesen, wie sich — abgesehn von den
unten zu besprechenden Parallelgestal-
ten der Erinyen — aus dem unzwei-
deutigen Zeugnis des berufensten Ver-
treters attischer Anschauungen, des
Aeschylus, ergiebt. Im Epos — wahr-
scheinlich auch noch bei „Arktin" — wer-
den die «fjfjE der kämpfenden Helden ge-
wogen; Aeschylus in der ipvxoazaaia (fr. 279 f.
p. 88 N.") setzte dafür die ipvxui Achills und
Memnons ein, nach der Ansicht der antiken
Grammatiker geradezu durch eine falsche Deu-
tung'einer Homerstelle verleitet, mit der die
3ao xvvig nennt sie Apollonios von Rhodos 4,
1666, s. unten nr. 36. Als seine Töchter er- ko von ihnen grundsätzlich beiseite geschobene
scheinen sie in einer schönen, altertümlichen Aethiopis in diesem Punkte übereingestimmt
Stelle des Euripid 'es, Herakl. 480 f.: ry zvxn
*) Vgl. ron Wilamouiilz, Eurip. Her. 2, 147.
**) Dafs Tragödie und Satyrdrama von Festbräuchen
des Ahnenkultus ausgegangen 8ind, meine ich nach-
weisen zu können.
***) Oder waren sie gar umgekehrt als fiooa gedacht?
Vgl. Porphyr. Euaeb. Praep. ev. 3, 11, IS, unteu nr. r>S.
*) Meine Ausführungen in der A.E., die im ganzen
wenig Beachtung gefunden haben, sind angenommen und
weitergeführt von E. Rolde a. O. TU. Koch hat die Fassung
Ijemons unter die Komikerfragmente (!) eingereiht (t. 3,
fr. 548 p. 508) und polemisiert p. 754 gegen Didymus, ohne
über diese Fragen orientiert zu sein; sein Einwand ist
oben erledigt.
1149
Keren (attische Vasen*)
Keren (attische Vasen)
1150
haben wird. Vgl. Schal. A. 11. & 70 sv ä'
tti&si Svo ktjqs . . ;] ort rüg d'ccvavqtpÖQOvg
[lOcgag Xeyet' 6 äh Alo-fyXog vofiioccg Ipyso&ttt
rag Tpv%ag, inoirias xr\v Vv%oexaa£av %rl., ähn-
lich Schol. BT. zu X 204. Eustath. p. 126(3,37.
Plutarch de aud. p*et. 2 p. 17 A. In der Tnat
wird dem Aeschylus das Sprachbewufstsein
seiner Zeit, wie es in dem altattischen Sprich-
worte zu Tage tritt, das neue wirksame Bild
des Seelenwägens an die Hand gegeben haben.*)
32. Wichtiger noch sind die lebendigen
Zeugnisse, die uns die attische Kleinkunst
bietet. Flatternde kleine Seelen-Keren am (im?)
Grabhügel neben der Schlange des ävägög
äiiotp&LfiivoLo zeigt eine zuletzt von P. Wol-
ters , Ath. Mitt. 16, 379 besprochene Leky-
thos (Abb. 5); man hat in ihnen wohl mit
Recht die Seelen verstorbener Verwandten
gesehn. Der Typus entspricht ziemlich genau
dem auf der Kerostasie archaischer Vasen,
s. Abbildung 1. Ähnliche Lekythen bei Benn-
l'hiloloijcnrers. zu Gera 1879 S. 115) beschrie-
benen Lekytbos in Jena erkennen dürfen:
„Hermes steht vor einem Fal's; aber es ist kein
Weinfafs, denn Seelen flattern an der Öffnung
umher. Sie entströmen derselben, oder stürzen
sich hinein oder klammern sich am Rande fest
. . . Das Fafs soll -wohl den Eingang der Unter-
welt bedeuten. Davor steht Hermes, nicht nur
mit dem -xriQvxiiov, sondern auch mit der
o odßdog ... Ob die Darstellung des Einganges
derUnterweltdurchein Fafs absichtlicher Humor
ist oder nicht, bleibt unklar." Man wird viel-
leicht an die Sitte erinnern dürfen, Gefäfse,
oft ohne Boden, auf den Grabern anzubringen
(s. Abb. 5 und dazu P. Wolters, Ath. Mitt.
16, 386f. Crusius, Philol. öl, 4,739); auch die
grofsen Dipylongefäfse sind Grabaufsätze ge-
wesen (MUchhöfer, Ath. Mitt. 5, 178, Wolters
a. 0.)*). — 33. Hiernach haben wir das Recht,
:o manche nackte, meist geflügelte Figuren auf den
Kampfseenen der attischen Vasenmalerei als
1 XI
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<r ...... -AV>
Abb. &) Prothesis, attische Lekytbos in Wien (nach Benndorf, gr. u. Sic. Vasenb. 33).
dorf, Gr. u. sie. Vasenb. Taf. 14. 33: kleine
Flügelgestalten neben dem Grabmal, und neben
dem auf der Bahre liegenden Toten, s. Abb. 6
(B 33). Für die Gebärde der Klage vgl. Tib. 1, 5,
51 harte volitent animae circum sua fata querentes.
Das Gegenstück zum Seelenaustreiben, das
tyv%uy(ay£iv durch Hermes, den itQoyovog der
Wv%uye>yot (Aesch. Psych. 2TS p. 87) und sei-
nen geistermächtigen Zauberstab **) (attischer
Glaube nach Aristoph. Av. 1555, Plato de
leg. 10,909, vgl. das römische manes elicere),
werden wir auf der von Gaedeehens {Verh. d.
*) Mau könnte auch eine Stelle der Theognidea , die
Härtung (Eteg. 1, 91) dem Solon zugewiesen hat, hierher
ziehen, v. 207 f. aV.ov ö ' ou xatifiagyie d'lxn' &ävato; ya(j
avauSrfi ngöa&sv Iti'l ^XetpaQoig e&to y.ißa tpiqmv: der
Tod, die Seele entführend, ehe die Strafe gekommen ist.
Aber die gewöhnliche Erklärung (der Tod, "Vernichtung
bringend) ist möglieb und deshalb vorzuziehen. Vgl.
aber Kaibel, Epigr. Gr. ex lap. coli. 415, unten nr. ■14.
**) Die fjüßdoi macht'den Hermes nach dem Hymnus
V.53Ö uy.rjoioi ; mau ist versucht „fest gegen die Ker" zu
übersetzen. Hermes ist das Prototyp des Opferpriesters
und Geisterbanners.
Keren zu bezeichnen. Das schönste Beispiel ist
wohl das zuletzt von P. Hartwig , Journal of
Hellenic studies 12 1891 340 feinsinnig be-
sprochene Vasenfragment Abb. 7 Sp. 1151/52.
50 Ein Krieger, gewifs ein Heros, ist in die Kniee
gebrochen; auf ihn zu flattert ein kleiner,
nackter Dämon mit mächtigen Schwingen; die
rechte Hand hält er vor den geöffneten Mund
des Verscheidenden, die linke drückt nach
Hartwig sein Haupt nieder, was mir nicht
ganz sicher scheint. Schon Klein hat in der
ersten Ausgabe des Euphronios S. 53 f. das
Richtige geahnt, ist später aber durch Ein-
spruch von archäologischer Seite (Kopp, Arch.
eo Zeitung 1884 31 ff.) daran irre geworden. Die
Seele verläfst durch den Mund (wohl auch
durch die Augen) den menschlichen Leib (Bei-
spiele bei Crusius, Unters, zu Herondas S. 53 f.
PJiein. Mus. 46, 519): in diesem Moment sucht
*) [Erst während der Korrektur wird mir ein Auf-
satz von 0. Kern, ,,0?-pkischer Totenkult" (Aus d. Anomia 90 f.)
zuganglich. Die Hypothese, dafs in diesen Vasengemälden
orphische Ideen steckeu, will mir nicht einleuchten ]
1151 Keren (attische Vasen)
sie die Flügelgestalt zu fassen. Der Maler
hat gewifs die epische Ktjq ftuvuroio darstel-
len wollen, die des Helden ipvxrj mit sich fort-
führt ins Jenseits (oben nr. 3 f.). — 34. Ebenso
richtig hat Robert {Thematos,, 17) auf einer
späteren Darstellung des von Athiopen getra-
genen Memnon die Ker des Epos erkannt. Die
betreffende Flügelfigur mag männlich sein:
das ist aber bei der in der A. E. und hier
(vgl. auch Philo!. 50, 102 16) entwickelten Auf-
fassung kein Gegengrund.*) Auch auf der
Darstellung vom Tode des Priamos und Asty-
anax bei Gerhard, Auserl. Yasenb. Taf. 214 =
Overbeck, Gal. her. Bildw. 25, 23 wird man in
dem nackten Figürchen, das auf der Volute
des Altars hinter dem Haupte des Priamos ba-
lanciert, die Ker erblicken dürfen. Neoptole-
mos würgt Priamos mit der Linken und holt
eben mit der Rechten zu dem tötenden
Schlage aus; dem entsprechend erhebt das
nackte Figürchen die rechte Hand gegen das
Haupt des Pri-
amos, als
wollte sie es
niederdrücken.
— 35. Früher
meinte Vf. vor
allem'die kleine
Flügelfigur, die
auf einer Dar-
stellung des
Kampfes zwi-
schen Hera-
kles und Al-
kyoneusauf den
Giganten los-
stürmt, wie um
ihn vollends hinabzudrücken (Tüchbein 3, 20.
Miliin, Gall. Myth. 120, 459. Ann. d. Inst. 5,
tav. D' p. 310), als Ker ansprechen zu sollen
(A. E. 2666). Kopp hat a. 0. 42 unter grofsem
Beifall für Hypnos plädiert; dafs mindestens in
diesem einen Falle die lebhafte Bewegung der
Figur seine Auffassung nicht begünstigt, scheint
er selbst zu empfinden. Ich halte es auch
jetzt noch (mit Hartwig 345 f.) für sehr wahr-
scheinlich, dafs der attische Künstler die Ker
darstellen wollte.**)
*) Kopp meint, die Darstellung einer Ker müsse der
Beschreibung des Pausanias oben nr. 16 entsprechen
{Arch. Z. 42 1881 S. 42). Der Typus des Perseusschildes und
KypseloskaBtens braucht aber nicht der einzigo ge-
wesen zu sein.
**) Ob die Forderung, dafs die Flügelgestalt auf
allen Alkyoneusdarstellungen einheitlich zu deuten sei.
aufrecht zu halten ist? Die Figur auf dem Kopfe des
Riesen (Petersburger Vase, s. Kopp Sp. 42 Anm.) lässt
sich gleichfalls gut als Ker auffassen, vgl. Theognis
kein Attiker?) 207 f. frävaro? yäp äraidij: tzq'g&ev
ini [SXewaQOL; s~£ro v.xX. (a. oben nr. 31 *), Eurip. Phoen.
150 y.rto In ußtua(JL y.rl. — Manche verwandte Figuren auf
Vasen anderer Herkunft (besonders aus Kyrene, s. Stud-
niezka, Kyrene 24) habe ich mit Absicht aus dem Spiele
gelassen, da es noch nicht gelungen ist, für ihre Be-
nennung in der Überlieferung ähnliche Anhaltspunkte
nachzuweisen. Sicher ist nur, dafs in den männlichen
und weiblichen Flügeldämonen, welche die Göttin Kyrene
umflattern (a. O. S. 18, Fig. 10), Harpyien und Boreaden
nicht erblickt werden dürfen, s. Verf. CentralMatt 1890
1142. Untersuchungen zu Herondas 143*. Bemerkenswert
Abb. 7) Ker über einem fallenden
Krieger (aus dem Journ. o/ Hellen.
stud. 12, 390).
Keren (die Hellenisten ; Apollonios etc.) 1152
V. Die Hellenisten.
36. Von den hellenistischen Epikern bietet
Apollonios von Bhodos den interessantesten St off.
Die Apostrophe 4, 1485 Kdv&t, ah ä' ovXofis-
vai Aißvv svi KfjQig tXovro zeigt die Keren
unverkennbar in höchst persönlicher Auffas-
sung. Das bestätigt sich auch sonst. Die
Hauptstelle ist 4, 1665 ff.: i'v&a ä' doiSfjaiv
10 fitdiaoETO [Medea den Talos], fiiXits St Ä7J-
pag | #»u oßÖQOvg, 'ACSao &oug Kvvctg,
al 7CSQI Tcäaav \ i]iga § ivevovaui inl
^moioiv ayovzai. Die lebeuzehrenden Keren,
rHunde des Hades', wie die Erinyen, schwirren
überall in der Luft umher und können durch
Zauber auf die Menschen gehetzt werden [so
das Schol. richtig, Merkels Konjektur ist un-
nütz]. Wie ein hellenistischer Orpheotelest
ruft Medea diese Geister rglg fihv doidaig,
20 rg'ig äe litaig, fasciniert Talos s%&oSoitoiaiv
ö'fijxact .... Sit S' d'(är}Xa äsixrjXa (= Krjgag,
als liSmXa?) 7iQotuXX£i>. —
37. Dafs hinter dieser Scene
wirklich die Übung helle-
nistischen Glaubens oder
Aberglaubens steht, be-
stätigen dieorphischen
Hymnen, deren Bedeu-
tung für die Religions-
gesebichte jener Zeit
betont zu haben das
grofse Verdienst B.
Schöll's ist (Sat. Saup-
piana 176 ff.).
Einige Stellen blei-
ben innerhalb
der Grenzen
des alten Epos,
wie verwandte
Verse der for-
phischen' Ar-
gonautica und
Lithica, vgl.
Hymn. 66 [As-
fioXoig Kazüyav vylsiav | %a\
navav vovaovg ;xa'7.e7ro:§ &avdrOLO r£ Kr/gag;
88 [Ares], 17 ävay.£via>v 7iQoq>vyövzcc y.6&ov
KiiQag tb ßittiovg. 'Orph.' Lith. 536 [542] ff.
rogyöva ydg IIsQoiji . . . Sa{ii)vca | nuQdivov
50 ägyaXcrjr, igtßcomda , -/.ijpo; fisXaivav I av-
&Q(ö7icov, oiaiv -/.iv in' dvögocpövco ßdXtv öofff.
Argon. 1032 [1029] s'x ä' hsXsPco döXog arvys-
gög y.ai xrjQtg cclövcu \ Mrjdeirjg vn egeorog
dyay.Xvrov 'Aipvgroio. — 3S. Wie man sich
die Keren in diesen Kreisen wirklich noch als
lebendige, umgehende Geister dachte, zeigt
besonders die schon oben nr. 24 angeführte
und mit einem Stesichoros-CitsA kombinierte
Stelle der Lithica 272 (269): Kijgag, oaui ari-
sto %6amzai in' äygovg. Medea hetzt (indyn)
ist die Zahl: Fünf weibliche Gestalten links hinter der
Kyrene (eine zu ergänzen), drei männliche rechts vor
ihr (Sludniczia S. 25); ob das den fünf Städten (der'Penta-
polis") und drei Phylen der Kyrenaike nur zufällig ent-
spricht? Die Flügeldämonen strecken, wie bittend oder
empfangend , ihre Hände ans : sind es die Gaben der
Landesmutter, die sie ihren Schutzbefohlenen austeilen
sollen ?
klep.J, 4
1153 Keren (Ps.-Linos; Apollonios) Keren Hellenisten; Koroiboslegendej 1154
diese Dämonen auf ihr Opfer: so berichtet sie noch zu gut bei Kräften ist und sie be-
Plutarch [d. h. Ephoros oder Theopompos, zwingen könnte.
vgl. 39], Lys. 17, nach hellenistischem Glauben: 41. In derberer Weise verkörperte diesen
oi tpgoviu.d>xaxoi xösv S7zagxiaxöiv .. äisfiagxv- Gedanken das hochaltertümlicbe, bei Kalli-
qovxo xoig scpogoig o» orJio nofins lo&ai nüv machos nachweisbare Märchen von Koioibos
xb ägyvgwv . ■ . nonsg Kfigug s nay cayi- (Pausan. 1, 43,7),*; der eine Ker erlegte, wie
lio vg [ein Nachklang bei Synts. Dion. p. 38 F., Euthymos einen bösen Heros bezwang [Bohde,
unten nr. 46], und eine solche Ceremonie, dem Psyche 180 f]. Psamathe gebiert ein Kind
attischen ' Seelenauotreiben' entsprechend, von Apollon, setzt es aber aus Furcht vor
hat wirklich vor Augen der Verfasser des 10 ihrem Vater aus. Der Knabe [Linus nach
12. orphischen Hymnus 'HgauXsovg, wenn er Konon 19] wird von Hunden zerrissen [, Psa-
den Herakles äXs£iv.uKog V. 15 f. bittet: ||a- mathe nach Konon zum Tode verurteilt]. 'JtioX-
lacov äs xoxäg üzag v.Xctöov iv j;jpt TiäMmv, Xmv äs Agysioig . . . 7tsu.nsi üoivijv xavxrjv
Ttxnvoig x' ioßöXoi g Kfigag %u\ snäg cenö- tois notiSag änb zmv u-rjzsgiav (paolv
nsa-ns (Terminus technicus; vgl. die alte agnäfcnv, ig b Kogoißog tg %cigiv 'Agysioig
Formel Xxgiyy' cmo^noyuTtsii , carm. pop. 26 ipovsvsi xfjv Tloivqv. yovtvoag äs {oi yag
3 p. 664 Byk., llesych. änonojntslv . . . uito- ävisi acpäg äsvxsga snmsßovGu^vbaog Xoitxai-
Y.uftrigctodai; vgl. a.ir,uTisg,Tixai^ ÜTton6fi,7riiioi' ö'wg) Kogoißog ixcov j[X&sv Ig d sXcpovg vcp-
ai änocpguÖsg rjiisgai, wie die fiiagal in Athen). s^cov dtuag zä 9fä zov tpövov xfjg JloCvqg.
Der zum Austreiben der bösen Geister be- 20 S. Ovid Ib. 573: inque tuos ea Pestis eat, quam
nutzte v.Xdäog entspricht genau den gußäoig, dextra Coroebi | Vicit, u[jem mistris Argo-
mit denen der Priester der Demeter Kidaria licisque tulit (vgl. Paus, ig %üqiv 'Agysioig
xovg vnoi&oviovg Tratst. (Pausan. 8, 15, 1); _ww ). Ausführlicher in direktem An-
wenn die Keren. vom 'HgctuXrig Kr^gaavvxrig schlufs an Kallimachos: Statins Theb. 1, 562 ff.;
(Lykophr. 663 mit Sehol.) mit Pfeilen verjagt vgl. G. Knaack, Anul.Alex.-B.om. 14 ff. Höfer,
werden sollen, denkt sie sich der Dichter orten- Konon 5 ff. Dies von Apollon gesandte und
bar fliegend, wie die stymphalischen Vögpl, die von der Hand des Koroibos erlegte Scheusal
sich auch in anderer Hinsicht mit ihnen be- heifst Ker in dem bei Pausanias benutzten
rühren (s. oben nr. 29).*) — 39. Als gegen- Epigramme des den Mord darstellenden fivfjita
wärtige Geister, die durch einen xa&agfjiog zu 30 (vgl. die Worte iaxi äs MsyagsvGi . . . v.oivä
vertreiben sind, kennt die Keren auch der oficog ovxu zotg 'Agystcov, Mifsverständnis von
hellenistische Theurg, der sich Linos nennt, V. 1), Anth. Pal. 7, 154: sliil äs Ar/p xvu-
bei Stobaeus Floril. 5, 22 Kfjgag aniooäfis- ßov%o s' **) b äs nxsivag fis Kogoißog' ttsixai
vog 7toX.vnrju.0vag , ai zs ßsßi]Xiav \ 6%7.ov dt- S ää' vrt suoig tiogg'i äid zginoäa (Anspielung
oiovßai axaig Tttg'indvxa nsääßi navxoiatg, auf die Gründungslegende von Tripodiskos). —
pogcpäv laXhTtäv dnazr^az' s%ovgui . . . ovxog 42. Das anonyme Epigramm verrät sich durch
ydg as xa&agubg äv.r)giog cöv öoiioast, 1 si seine Stilisierung als Produkt der HcTlenisten-
kev äXTj&sirj iitßijg öXobv ysvog uvxütv. Be- zeit (vgl. den gesuchten Gegensatz y.zsivag —
merkenswert ist die sehr allgemeine Bedeu- v.sizai); es könnte von Kallimachos oder viel-
tung des Wortes, unter das der moralisierende 40 mehr von einem Nachahmer des Kallimachos
Poet auch die vnävg u. ä. einbegreift, vgl. oben (Knaaclc p. 26) herrühren. Kallimachos selbst
nr. 25. mag den Ausdruck Krjg gebraucht haben(/"r. 534
40. Ein ungelöstes Problem (s. Zuletzt H. de etwa: b y.aväv 8aGnXr\xa Kogoißog | ('Krjguy).
la Ville, Apollon. p. 237) bietet eine andere Statius nennt es v. 597 f. monstrum infandis
Apollonios- Stelle, 1, <;89f.: f\ (ilv iyäv (Po- Acheronte sub imo | conceplum Kumenidum
lyxo) si v.ai fis xu vvv ixi nscpgiiictüiv \ Kr\- thalamis (vgl. 615); es hat virginis ora pecto-
gsg, snsgxöfisvov nov biouai sig sxog tfSrj | raque, aber aeternum Stridens a vertice suryit
yaiav icpsaasa&ai. Weshalb 'fürchten' die et ferrugineam frontem discriminat unguis; es
Keren die alte Polyxo? Dübner (bei H. de pflegt animas a stirpe recentes abripere altri-
la Ville a. a. 0.) erklärte: 'horrentem ob for- 50 cum gremiis morsaque cruento divesci (vgl.
mam . . . , cf. Plaut. Epid. Fastidium Drei . . .' Ki)gag . . &vuoßbgovg oben 36). Wie er sie trifft,
Aber das wäre eine sonderbare Selbstkritik: lateri duo Corpora parvum \ dependent . . Ferra-
und weshalb sollte es im nächsten Jahre anders tique ungues tenero sub corde tepeseunt (vgl. die
werden (H. de la VÜle)1 Be la Tille hat nur *j Dieser zu Megara begrabene Koroibos ist mit dem
Verlegenheitsauskünfte (soit ä cause du re- eleischen Olympioniken (Paus. 5, 8, 6. 8, 26, 3) ursprüng-
SpCCt . ■ . , SOit danS la Crahlte de depetipler Uch Wal identisch: der Bezwinger der Unholdin kommt
LemnoS), die sich gegenseitig aufheben. ^Och au8 der Fremde, wie Oidipus, und ist Olympionike, wie
Wir sprechen VOm Todeskampf: SO haben auch Euthymos^ vielleicht spricht sich das in den Worten
die Alten die schlimme Stunde aufgefaßt S ^ine Solche T^ w^os^os wixd auch die «af-
lhanatOS und Geras müssen im Kample mit 60 ,^vo.. gewesen sein, die auf dem Grabmal des Midas
Herakles das Feld räumen, und Thanatos atand (s. zuletzt Preger, Inscr. Gr. metr. p. lÄ8f.l. Die; be-
wird von Sisyphos gar gefesselt (Bobertt Tita- kannten Terse -waren in zwei griechische Volksbücher
natOS S. 28 f. V. Wilamoivitz , Eurip. Herakles eingelegt, in die Somerbiographie und (unter dem Kamen
2, 174. Hurtwiq, Piniol. 50, 189). Die Keren Kleobul») in den Novellencyklus von den Sieben Welsen.
fürchten also die PolyXO als Gegnerin, weil Damit erklaren sich aüe Schwierigkeiten der Überliefe
J ö ruBg, denen noch 17>ller {Rh. J/. 33, o24) und Preger (p. 196)
*) Manche Herakles -Mythen sind Prototypa dieser ratlos gegenüberstehen. In dem verdienstlichen Aufsatz
Brauche und Anschauungen, was hier nicht weiter ver- von Hiller wird manches als Schwindel und Fälschung
folgt werden kann. bezeichnet, was Dichtung ist.
Röscher, Lexikon der gr. u, röm. Mythol, II. 3?
1155 Keren (d. Hellenisten ; Epigrammatiker) Keren (Hellenisten; nach ehristl. Epiker) 1156
'.Harpyie' mit zwei Opfern Bd. 1 Sp. 1847). nistischen Prosa liefern keine rechte Ausbeute.
Das Bild, dessen einzelne Züge von Statins Erwähnt sei Theopomp. fr. 77 (vol. 1 p. 291 M.):
vergröbert sein mögen, entspricht im ganzen zooavzcti Y.figsg zcp pico nccgcms cpvxaoiv , cooze
wirklich der Schilderung in der Aanig (oben zbv iv zuig fiajjats 9dvctzov ctigszcözzgov sivai
nr. 15). Die Ker ist in diesem Märchen ein Sotcsiv (aus der Rede des Silen): xr/gfs fast
ha lbm enschliches Wesen, eine Unholdin, = Trübsal, Leiden, im Gegensatz zum gewalt-
die ein rechter Held bezwingen und töten samen Tode s nr. 45. Zur Ergänzung Plut. Lys.
kann, wie den bösen Heros in Temesa oder 17, oben nr. 38. Philon. V. 31. 3 vol. 2 p. 158 M.
den Pestbringer bei Philostratos, Apullon. 4, 10. unag ftr) Tigoüciipctizo (das irdische Feuer) xov
43. Die hellenistischen Epiker und Elegiker, 10 ßcoiiov, diu zb iivgiag iocog d.vuiibLidx&ai xrigag,
bis herunter zu ihren Nachahmern in nach- worunter hingemordete Menschen und Tiere
christlicher Zeit, verwenden im übrigen eklek- verstandeu werden; vgl. p. 167 Y.rjgctirovoi
tisch die vorhandenen Elemente ; solche Stellen %al Sva&avazovai. Dion. Hai. Ant. R. 2,
brauchen hier nicht vollständig aufgezählt zu 2, 3 ngootivcti äs zivctg ixiiozy (der Staats-
werden. Sehr gewöhnlich ist der appellativische formen) xijpag av Licpvzovg (vgl. nr.25). 8,01:
Gebrauch = 'Tod', 'Gift', z.B. Lykophr. iynv- ixetvtp zavzag b öctiiiiov zag ctgezdg %uQiadi-
v.cooctr xvjpo: von Kirke, ■jzctxgbg y.ijgct iLttczevcov itsvog ezegctg ovv. Evzv%£tg Kijgctg z£ xctt etzetg
cpövov 1120, ähnlich 909. 1294; czivd^cov -nfjQccg TtQoofjipt. Plut. De frat. am. 12 p. 484D:
807; vgl. 289. Nikander ther. 192 bcpiog x?/pi- ai zv%ui cpftövovg iinzoiovacti xai £t[Xozvnictg,
zgöcpov, nach dem Sdwl. = frctvazozgöcpoi', 20 aia^ioza voar'jiiaza xai Ki]gctg ovv. oiv.iaig
oepicov iniXccißecL xijpa, ther. 35. 411. Alex. 536, fiövov cXXct xai noXiaiv oXs&giovg. Anton. 2
väazi xijpas üXv^ctg, ther. 540. 699. 862 (nicht 'Avzcavico <?t ... z)]v Kovgicovog cpiXictv xai
bei Kallimachos, Theokrit, Herondas, was be- ovvr'i&tictv, coensg zivä KrJQu, Tcgocntoslv
merkenswert ist; Schneiders v.r]gi für nvgi Xiyovai (persönlich empfunden;. Synes. Dion.
Hymn. 4, 201, ist unnütz). — 44. Seltener ist p. 38 _P. zovg ein' etvzcöv ä'S,io%vzi nciorjg sXctv-
die Bedeutung = 'Schicksal', 'Leben', 'Seele', vso&eti yfjg xai fraXäzzrjg, mg uvzag Ki)getg
aber sie findet sich bei wichtigen Zeugen nöXicav v.zX., an das Austreiben der Keren oben
volkstümlicher Sprache. Inscript. Graec. ex nr. 38 anklingend. An diesen Stellen tritt
lap. coli. 603 p. 244 Kaib. Evzvxovg aiü^eov die Beziehung auf den (gewaltsamen) Tod
xijpa iiLvvv&ciöiov , 415 p. 165 fi'xofft xai evi 30 ganz zurück; man könnte etwa „böser Geist"
nfjQa v.azce^ßsod'sig [ = dvixbv äirorpih'ftfi'os übersetzen,
nach Kaibelj iviavzä. Die Gegensätze bleiben
immer lebendig (s. nr. 53) und müssen irgend- VI. Die nachchristlichen Epiker,
wie vermittelt werden. - 45. Bemerkenswert Qnintns von Smyrna,
ist sonst etwa Theodor. Anill. Pal. 7, 439: 47. Bei Konnos und seinen Schülern tritt
ovzoj di) TLvXiov zbv 'Ayr)vogog, et-xgizs Moigct Name und Sache wenig hervor (z. B. Dion.
7ZQcoiov I5 ijßctg i'&gioctg AioXicov, \ Kfjgctg 32, 195 fSgctfiE . .. K>jqcc cpvycav). Nur Quintus
smeotvGixoa ßiov Kvvetg [schwerlich 'AtSov nach von Smyrna macht eine Ausnahme. Allego-
Apoll. Bh. u. A., s. Sp. 1146, 4]: die Keren als rische Figuren und niedere Dämonen spielen
Meute der Moira, wie die Erinyen, s. nr. 26. 40 in seinen barock, fast römisch stilisierten
Diod. Anth. Pal. 7, 700: ovzi (i' etvr)g, o Xa- Schilderungen überhaupt eine grofse Rolle,
yovai, ■Huzsy.zctvsv . . ., äXXei fis Kr)gsg ayovai keine aber, auch die Moiren nicht, eine be-
(ispoQiievai: die vorbestimmten Keren ge- deutendere, als die Keren. Diese Thatsache
radezu im Gegensatz zum gewaltsamen ist wenig beachtet und verdient hier genauer
Tode. Arehias Mityl. ebd. 9, 111 baovg alcova behandelt zu werden. — 48. In eiaigen Fällen
Xtnovzug \ ungoiSiig KtjqcZv Xcizgig siiagipi kann man xi)p als Appellativ auffassen, z. B.
Mogog: der Tod als Diener der Keren, 1, 307 cpövov r.al xfjq izi&tvzu. 10, 262 iiögov
die wiederum nicht selbst mit ihm identisch xki x/;eo;s aXv^cti. In weitaus den meisten ist
sind, sondern als Schicksalsgöttinneu aufgefafst das Wort aber entschieden persönlich gedacht,
werden müssen. Antip. ebd. 9, 269 . . . ov vs- 50 Vgl. 1, 309 f. tieql di ocpLoi Kijgig | Xi vyaXiai
fnatjzov, | r)v yao vtiIq ^pvxfjg' <*XX' iiiiXrias azgcocpmvzo, cpövov ozovöevza cpigovaai-, neben
Aiv.n. | vr\itv b fiiv, zbv S' slXs xvwv äiöj' Thanatos und Kj-doimos. 11, llf. üficp' avzjjoi
'ij 7cavaXdozcog | Krjgcöv ovo' vygco navszai iv (den Erinyen, Eris uud En3'o) §i Krjgtg dvai-
nsXciysi: hier sind die Keren wieder Voll- Sicx ftvfiöv ä'%ovcca ] ügyctXicog lmxivovzo; hier
streckerinnen der Strafe; Dike selbst und öfter, z. ß. 5, 341'., wohl unter hesiodischem
scheint, wie vielleicht bei Plato (oben nr. 14), Einfiufs. 6, 427: aoi ay%i ndgiozuzcti ovXoy.ivri
zu ihnen gezählt zu werden.*) In den Beginn Ä'jjp TgcoCov tu ntöiov. 9, 190: sXsv äs iiiv
der Hellenistenzeit würde endlich wohl die ovXofiivrj Kiqg. 11,449: iztii-ys yüg ovXoiiivr]
interessante kyprische Inschrift D.-Coll. 68 Ki]g | »ai Kvngig. 12, 473: neönas ydg ovXo-
(= Hoffmann, Dial. 1 p. 76f.) gehören, auf 60 fisvi] Kr/g | xal dtög (vgl. Ps.-Linos nr. 39).
der Ahrens (kl. Sehr. 1, 267. 272) das epische A'ryp 10, 428: cos fi' bcptXov zoze Kfjgig üvngstyavxa
erkennen wollte; möglich wäre z.B. äXX' t'zvx' uiXuivcti. 10, 304: xa-xtig K7rö Kijgag i'gvxt,
ü Kr\g | &scö Kvfisgijvai neivza {Ki)g = Mo iget): vgl. 13, 154. 1, 172: Xvyga'i öe (iiv cözgvvs-
doch bleibt Lesung und Erklärung unsicher. bkov | Kf]gsg (die Penthesilea), ähnlich 1, 651.
46. Die spärlichen Reste der frühhelle- 2, 483. 8, 73. 1, 193 f.: xaxa noXXct zizXrjKu j
*) Die sonst angestrebte clironologisehe Ordnung ist taiäcOVoUv^VmP, Ovg flOl Ttlgl Ki)glg i^ctQ-
bei diesen Stellen aufser acht gelassen, da ihre Verfasser ^""i,, ähnlich 8, 192. 11,39. 1,204: v.ctl zo
meist mit Keminiscenzeu arbeiten. (IE* cög IjjllXXoV . . Ä;;pJS VTtEHTSXs f I V. 13, 177:
1157 Keren (Quintus von Smyrna) Keren (christl. Schriftsteller; Byzantin.) 1158
Kfjgsg yäg oi rtgosrjxav oXs&gov. 1,591: öcpga auch eine gute tritt. Achilleus und Mernnon
as Kfjgsg djisiXixoi- ü(icpt,%£a>vTca, vgl. 5, 611 kämpfen mit einander; die Sympathieen der
K.'a. d[i.<pt.%uvwaiv. 2, 13. 172: Kfjgsg ydg Olympier sind geteilt, 2, 507tf. : ual vv %s Sri
tt(LttXi%oi eial y.ul f)fitv; vgl. 14, 235. 7, 614f.: fiayidgsGGtv dpsiXixog s'firtsGS dfjgig, | si (ii) Vit'
yflQag .. Kfjgsg r syyvg sugi ... 7, 127: Kfj- svvsGLrjGi zii.bg asyaXoßgsfiszao | Öoiai ag'
gag äXsvöfisvot ßzvysgdg; vgl. 10, 37. 8, 139: d(iq>ozsgoiGi &swv sndzsgirs itagsGzov 510 Kfj-
r] as itgbg "Alba Kfjgsg äusiXixzoi cpogsovatv. gsg' s gs fivaijj psv sßrj itozX Mifivovog ijzog
10, 330: kslvov ditocp&iasvoio Kai avzfj | Kfjgsg [vgl. 11, 105], | cpaiägfj 8' datp' 'AxiXfja Sat-
sitsGdai (der Oinone). 6, 498 f.: dXX' 6zs <Jr/ cpgovcf zoi o soiSovzsg [ d&dvazoi asy' av-
adXa itoXXoi svsitXrjGavzo KsXawag \ Kfjgag äv 10 aav . . . | "Hgcosg d' tu.d%ovzo . . ., j 515 . . ov
aifiazösvza . . Kvöoifiov: die Gefallenen als ös zi Kfjgag sitoixofisvag svorjaav. Dadurch,
Nahrung der Keren. Besonders glänzend 1, 335, dafs dem Achill eine 'lichte Ker' zur Seite
wo die losstürmende Penthesilea mit der steht (vgl. die 'Egivvsg fxsXatvai und XsvnaC,
Ker verglichen wird : 335 ..'Agysioioi jisya qpgo- Paus. 8, 34, 1), ist die Entscheidung gegeben;
vsova' svögovas | Krjgi ßhjv elnvEoc noXvv wenn später (540f.) Eris auch noch die Schick-
ä' vnsddfivazo Xuov (vgl. 2, 266. 10, 251 dvrj- salswage zur Hand nimmt, so wirkt ein be-
Xs'C Krjgi öajisvzsg). — 49. Soweit sind alt- riihmtes altes Vorbild störend nach (oben
bekannte epische Phrasen gebraucht oder ent- nr. 19), von dem sich Quintus nicht ganz frei
wickelt. Besonders hervorzuheben sind folgende gemacht hatte. Jedenfalls sind hier die Keren
Stellen: 8, 109f. Kanug siti Kfjgag i'aXXs | öva- 20 Schicksalsgöttinnen, die teils freund-
fASVsoiv: an siziitsuitsiv, sitdysiv erinnernd, lieh, teils feindlich ins Menschenleben
oben nr. 36f. 8, 324f. v.s%dgovzo ös Kfjgsg Kai eingreifen, wie die Moiren.
Mögog (vgl. das nr. 45 angeführte Epigramm So gewinnen die Keren am Ausgang der
des Archias). Ahnlich 9, 145. 11, 151. 13, 126: antiken Litteratur eine Bedeutung, wie sie
Xvygai | Kftgsg ötjtipoög sitsyfj&sov öXXvjiivoiaiv. kaum ein älterer Gewährsmann ihnen zu-
11, 105: ovvs/.a Kfjgsg bfiäg tpogiovzo ßsXsavio spricht. Man könnte an den Binflufs römischer
Kaigiov sig Kgcdirjv. Die Keren — doch wohl Fata und Genii denken. Aber es wird dem
fliegend vorgestellt, wie 3, 43 — dringen mit Leser nicht entgangen sein, dafs alle bei Quin-
dem Geschofs dem Feinde ins Herz, wie tus nachweisbaren Eigenschaften vereinzelt
Eros Anacreont. 12, 15. Ahnlich 1, 273 uns- 30 schon früher auftreten. Quintus hat sie wie in
nXdyi&rj ydg 6'iazbg | aXXy , oit-ij [iiv Kf/gsg einem Brennspiegel gesammelt.
dasCXixoi i&vvsoKov. sie lenken das Geschofs
vom Ziele ab. — 50. Doch wirken hier die VU. Christliche Schriftsteller. Byzantiner.
Keren immerhin noch in der gewöhnlichen 52. Wenn die Apologeten mit den übrigen
epischen Weise auf dem Schlachtfelde. Aber heidnischen Dämonenscharen auch die Keren
sie greifen weiter aus; sie verblenden den entlarven, so beweist das noch nichts für
Menschen und spotten seiner, wie Ate und ein wirkliches Fortleben des Begriffes, s. z. B.
Erinys, wenn die Strafe kommt. Vgl. 3, 43 ff. Clem. Alex. Protr. 64 C ovös fifjv Kfjgag oüdt
o ö' dg' ovzi &sov zgsasv daßgozov avöfjV Eifiagfisvrjv oii<Jt Moi'gag &sdg ivölKcag sgsizs.
fjSij yäg oi Kfjgsg dfistXixot d ficpsitottä vzo. 40 Ganz lebendig ist der Ausdruck aber an den
Die Troer gehn 3, 14f. ins Verderben, otSj/tx' andern Stellen, z. B. Clem. Alex. Protr. 62 C
dga Gfpt | Kfjgsg sjii ozsgvoiGt ftgaGog ßdXov, dyvoia alzia fjSrj y.azaGKSvaG&stGa tw rdtv
und nehmen 12, 523 den Feind auf, Kijgsg äv&gcÖTCaiv ysvsi Krjgäv 6Xs9giojv nal släciXmv
ydg nä-vzbiv vaov sxßaXov. Böse Keren bringen tJiiGzvyäv . . htjXISu xoig sitopsvoig aury iv-
alles Unheil, 5, 535f. zu äh itdvza xaxai dtd aasfia^azo &avdzov fiaxgov. — 53. Aber das
Kfjgsg iisvav. 5, ,601 f. ag üga Kfjgsg dvrjXsa Wort wurde in dieser Spätzeit auch noch formell
ftvfiöv s'xovaai [ fjfi.iv aiipa ßdXovzo Ivygä sni weiter entwickelt, kann also nicht anfser Kurs
nsv&s'c izsv&og. 10, 386 f. dyov ös jis Kfjgsg gesetzt sein. Vgl. TheopMl. Corydall. bei Fabr.
d<fvv.zoi | sig 'EXivijV, klagt der reuige Paris Bibl. Gr. 13 p. 723 /lovog <ai' xr'igag vnsgrsgog
vor Oinone. 8, 10 ff. dXXd oi sXTCcogi] fisv s'tjv 50 zmv aXXcov dndvzmv snmfjgiov bvzwv (nach-
svaXiywog avgy \ fnaipiäCy Kfjgsg dt pdXa gewiesen von liuhnken, zu Tim. Lexik, p. 18).
6%sSbv SGzrjV-vlai | noXXbv HayxaXdaoKov szoioia Nil. Episc. sent. 246 (= Op. seilt, p. 352 Or.)
fitjzioavzL. Kassandra ruft 12, 646f. : dXXd fioi dnsiga zd -nttzagvnaLvovza zfjv i\>v%tjv xaxd ansg
ov 7LSL&SG& . ., | ovvsk Egtvv v sg uuga ya- sy.vl\paG&ui ... navzsXfäg ovh svsoztv dno-
fiov xsxoXa>{isvai aivoi | dfitp 'EXsvrjg Kai Kfj- Xsinovzai ydg ... navzX &vrjtcö nrjQUi' Xco-
gsg dfisiXixot. diGGOvai j Ttdvxrj dvd nzoXCs&gov: cpfjGai fisv ydg sinbg, avaigs&fjvuL äs sig dna%
sie sieht die Geister leibhaft durch die Stadt dfifjxavov. 'Tim.' lex. Plat. p. 18 B. dxsgaLof
schweben. — 51. Aber auch Eigenschaften oi s^o> Hr'igug, ähnlich Suid. Hesych. Hr'igag'
der Moira werden der Ker beigelegt: Dem dKaftagaiag (kaum zu ändern). Apollon. de Pron.
vnsgpogov entspricht xmsg Kfjgag; die Keren 60 403, oben nr. 23. Mit vollem Rechte erkannte
'spinnen' selbst das Schicksal, 7, 289 f. ov ydg also liuhnken a. 0. eine jüngere Form v.fjga
vTtsg Kfjgag zig vit' "Agsi ädftvazai ävfjg' \ si = Y.fjg 'Fehler', 'Tod', die Orelli, Sindorf
äs fioi ai'Gtptov sgzi Safj^isvai; vgl. 11, 290 fifj u. a. bei jüngeren Schriftstellern nicht hätten
■Aal vitsg Kfjgdg fn.iv shj &sög. 13, 234 f. zb beanstanden dürfen; in das Alkmanfragment
asv rtov | Kfjgsg S7tsy.X(aaavzo. Vgl. dazu die ver- (oben nr. 23) mag sie durch einen Byzantiner
wandten Hesiodstellen oben nr. 14. 15. Es kann eingesetzt sein. Die Gegenprobe ermöglichen
also nicht wunder nehmen, dafs neben die böse folgende Zeugnisse (nach Du Gange p. 628):
oder finstere (azvysgfj, igsuvr), (isXaiva) Ker Zacliar. Pap., Obersetzung von Greg. M. Dial.
37*
1159 Keren (Deutung; moderne Ansichten) Keren (Deutung; die alten Theologen) 1160
3, 18 ääiXcpös xig . . yvncicog jioi ovvavaazgi- gang ist ohne rechte Nachfolge geblieben.
cpiiptvog .., öozig xi\v ifirjv xr)gav hnegs- Und doch führt halbverschollene alte Über-
jiaivsv, rni Urtext des Gregorius M.: qui lieferung selbst nach dieser Richtung, freilich
nie antäte praeibat. Ebenso 4, 49. Arsen. auf ein Ziel zu, das Grimm noch nicht im
Synops. p. 770. Eine itacistisehe Nebenform Auge hatte.
xsiQct citiert Hu Gange aus einem Cod. Canon. öti. Die griechischen Grammatiker und
eccl. Afric. 76: .. oi inloxonoi oi'xivcg oiixs Lexikographen pflegen durchweg xö xftg durch
HEipo: (aetute) oiixi aa&ivcta ovzs Zivi ßagvxega ipv%ri zu erklären (vgl. Hes. Said. Hellad. Phot.
aväyxn tunoöi&vxai (vgl. Canon. 126. 131), Bibl. 279 p. 532a. 29 u. s. w.): nicht ohne Grund,
auch verzeichnet sie aus uyzantinischer Quelle 10 da dies Wort, anders als xagdia, fast durch-
(vgl. Cyrill. 63) Hesych. 2 p. 455 (xtiga, Cyr. weg übertragen gebraucht wird für 'Sinn',
richtiger xtiga); docü ist sie weniger gut be- 'Gefühl', 'Seele'; doch wird auch xgaöüj-
legt. Offenbar sind diese Zeugnisse mit jeuen xagäia vereinzelt ebenso verwandt, vgl. So-
hellenistischen zusammenzustellen, wo xr)g phokl. Ant. 1105. Eurip. HcraM. 833 (dazu
'Leben', 'Lebenszeit" bedeutet (xriga fiivvv- e. Wilamovj ii« 2 p. 204) und besonders Meleay.
V-ctöuv oben nr. 44). Auch in dieser Spätzeit Anth. Pal. 12, 147 ßaivs tiäXiv . . . xgaöin.
also hat das Wort, so völlig es seinen mythi- Analer, 29 p. 314 Byk. : xgaduj $1 givög üxgig \
sehen Gehalt eingebüfst hat, noch jene rätsei- ävsßcavs (d. h. mihi anima in naso esse, s.
hatte Doppelfunktion , auf die wir wiederholt Wochenschr. f. kl. Philo!. 1891 432). Man
hingewiesen haben und die unsere Deutung 20 fufste also das Wort gern abstrakt auf, ohne
auch erklären mufs, wenn sie befriedigen soll. die physische Bedeutung mit zu empfinden:
sehr begreiflich, da ursprünglich die Bewegung,
B. Zur Deutung. Parallelen und Ana- das zuckende Leben damit bezeichnet wurde,
logieen. (Jas man jn ,jem pochenden Muskel verspürte.
54. Die bisherigen Deutungen zerfallen in Das Herz gilt als Sitz des Geistes, auch des
zwei Gruppen. Entweder das Appellativum ^yifiovixöv, nicht nur bei den Römern, sondern
'Tod' ist das prius und wird, wie Eris und auch bei den Griechen, beim Volke (Crusius,
Kydoiinos, durch poetischePer.-onifikation, wohl Fleck. Jahrbb. 1889, 654), wie bei den Philo-
erst durch den Dichter des Achilleusschildes, sophen (Hirzel, Unters, s. Cic. 2, 136. 152.
zur mythologischen Figur erhoben. Hierher 30 titein, Psych, d. Stoa 1, 135). — 57. Die herr-
gehört vor allem 1 Yelcker's , noch von Cur- sehende, an Homer gebildete Grammatiker-
tius, Grunds, d. Etym. 53 S. 147 u. Laistner, Büts. schule pflegte nun freilich xö xrig und i) Äijg
(2, 53. 431) gebilligte Herleitung von xsigio; zu trennen. Vgl. die Polemik gegen Äscliylus
y.i\q soll „den Akt, sozusagen den Treff des oben nr. 31. Hesych. KHP' 7tsgia7noy.£vov Kai
Todes", bezeichnen (Welcher, Gr. Gölterlehre oväszigwg Xtyöfitvov ij ipv%rj' ö^vxorov^Livov
1, 708 f.) Ähnlich die meisten anderen, wie äi Mai &riXvxü>g ixqxgö/xivov r/ ftavaxrjcpogog
Gerhard, Mythol § 575, Nägelsbach a.O., Niese, noiga, i) &dvazog. Etym. M. p. 511 Äi,p, ntgi-
zuletzt ü. H. Meyer (S. 275f.), der „Todes- entafiivwg oijuaivBi xi[V Thvyi\v , yivovg ovde-
augenblick" übersetzt und meint, dafs das zsgov yCvszav (ycig) nagä xö xiag, o Sj\Xoi av-
Wort die Entwickelung vom Appellativ zur io zr\v xr\v ipvprv ...Ä";Jd, ö^vzövag, yi vovg&riXvxoö,
allegorischen Fjgur in den von ihm glücklich xcti ayfiaivti zrtv &avaxrj(p6gor jioCgav. Herod.
geschiedenen 'Stilen' „vor unsern Augen 11. Br. zu J 46 7te<h x/jpi' xö xijgi ovösxtgov
durchmache". Diese auf den ersten Blick öxav ?/, ropoirEpicjrärat ■ ix yäg xov xiag
sehr emleuchtende Autfassung wird den Ober- BvvriXiiTtxuf ozav öi 9i]Xvxöv y, 6$vvtzai.
lieferuugsthatsachen nicht gerecht; sie mufs Die Begründung des Accentes beweist, dals
zahlreiche Züge , die schon im alten Epos wir es nicht mit der Aufnahme einer sprach-
nachweisbar sind und später immer ener- liehen Thatsache, sondern mit einer Theorie
gischer hervortreten, als sekundäre, eigentlich zu thun haben, und zwar mit einer falschen,
sinnlose Interpolationen beiseite schieben. da die alte Form xf,g sicher nicht aus xsag
55. Umgekehrt ist es auch denisbar, dafs 60 entstanden ist (Curtius, Grunde. 39 p. 143);
die Ker eine im Volksglauben wurzelnde natürlicher wäre (nach Analogieen bei Hero-
mythische Gestalt ist, die erst nachträg- dian 1 p. 398 L.) auch hier die Oxytonierung.
lieh, durch häutige 'metonymische' Über- 58. Es gab aber auch Gelehrte, die xhy
tiagung, zu einem Appellativum herabsank Mfyoa, wie xö «>;?, mit ipv%i) erklärten. Vgl.
oder nur von einem solchen den Namen eut- z. B. Hesych. s. v. xr/ga' tyvj,)ii>. &ävaxov (von
lehnte. Dabin gehört wohl der Vorschlag Schmidt ist grundlos der Nominativ eingesetzt,
Leo Meyers, einen angeblichen indischen mit Änderung an drei Stellen!), x/jpfs' i/'u^at.
Todesgott Kala mit der Ker gleichzusetzen ovtitpogai, /xotpai &aiaxrjcpögoi. Hellenistische
(Kuhns Zcitsdir. 5 S. 375;, oder der verwandte Theologen waren es, die, wie Aschylus , Krjg
Versuch Maurys (Hist. des rel. 1 p. 286), das 60 und tyv%r] ohne weiteres gleichsetzten, s. Poe-
Wort von sauskr. kal. 'zuteilen' (Ä>;p = Motpa) phyr. bei Euseb. praep. evany. 3, 8, 11. p. 110 A
abzuleiten. Solche Sprünge pflegen wir nicht ov yag netgee xö xag xijgag t%£iv ßogäv, o
mehr zu machen. Auch Grimm glaubte an ö ijXoi zag ipv%dg, xexX^zai xvcov (verkürzt?),
eine mythisch -religiöse Substanz der Gestalt, äXXä nagä zb xvsCv, ?/ ^opijyos ö IlXovzmv xzX.
wenn er sie mit den Valkyrien gleichsetzte Die abenteuerliche Etymologie von Kerberos
(-D. Myth. 1, 240. J354).*) Auch dieser Vor- [s. 0. Gruppe, Dte gr. Kulte 113. Bohde,
', Aul ■ dm nordischen ' Sturmriesen' Käri und ähnliche Psyche 280 Anm.] wird verworfen, die Erklä-
Auklange wird man hoffentlich nicht zurückkommen. rung von Krtgag durch ipvxdg dagegen gilt als
1161 Keren (= Seelen") Keren (und Erinyen) 11R2
etwas Selbstverständliches. — 59. Diese For- ansuchte Seele als vvy.Ttgi'g (Xaigtcpäv, vgl.
scher konnten sich auf den Sprachgebrauch Vs. 1296); man kannte also den Glauben, dafs
der Attiker und auch hellenistischer Dichter die umgehende Seele, der „Nachzehrer ", als
berufen, und scheinen das in der That gethan Fledermaus (vvv.xigi'g, ßiifrc, OTpi'yf, vgl. C.
zu haben. Die Zeugnisse geben ihnen Recht. WacJismwth, Das alte Griechenland im neuen
Die Umdeutung- der xfjpES in tyviai bei Äschy- 1 1 4 f . ) erscheint, den vielleicht auch schon die
los (nr. 31) zeigt, dafs jene Bedeutung im zweite Nekyia (m 6 ff.) voraussetzt. Das wirft
Sprachbewufstsein noch lebendig war; der at- auf die eigentümliche Darstellung der Seelen-
tische Anthesterienvers &vgu£i Krjgzg (= ipv- Keren auf den attischen Lekythoi ein helles
Xal ■nsQisQxöasvat, oben nr. 30) bietet eine 10 Licht. *) — 63. Auch sonst entspricht das
Bestätigung, die um so weniger angezweifelt vorherrschend finstere Bild der Keren dem,
werden darf, als Sprichwörter und religiöse was besonders die niederen Kreise des Volkes
Formeln das Ursprüngliche auch sonst zu be- von den Verstorbenen glaubten, die xaitovv
wahren pflegen (s. Rutherford, Zur Gesch. des iroiuoi ukV.ov i; ivsgysrsiv (Grusius, T)e
Atticismus 365. 389f.). Auch in einem Grab- Bahr. att. 235 f. Usener, Rhein. Mus. 29,
epigramm der Hellenistenzeit (oben nr. 44) ist 41 1 [jetzt Deveken Bd. 1 Sp. 2478. Rohdc,
die alte Bedeutung zu erkennen. Wir haben Psyche 225ff.]). Dafs Mifswnchs und Krank-
also die Form xr/pFg, 75 x?jp fauch y.rjga, s oben heit von einem zürnenden Heros, einer ge-
nr. 53. Lübeck, Paralip. p. 145. Du Cange s. v.) kränkten Seele verhängt wird, erzählen zahl-
neben zb xriQ zu stellen und als Bereicherung 20 lose Legenden, vgl. Bd. 1 Sp.2477f. — 64. Ganz
unseres Lexikons zu registrieren. — 60. Hier- vereinzelt liefsen sich neutrale, ja freundliche
mit ist die Sachlage völlig verändert. Wir Züge nachweisen. Die Ker nährt den Men-
haben nun zunächst zu fragen, ob mit den sehen (nr. 11); aufser den schwarzen giebt es
xrjgig in dieser Bedeutung die mythischen, auch weifse Keren (nr. 52). Unter der Ker,
ganz namensgleichen Kfigpg nicht auch dem die den Menschen lü%f yetvoiiivov neg, scheint
Wesen nach verwandt sein können. Und in Homer zwar nur die Todesgöttin zu verstehen
der That werden die Hauptzüge der Keren- (nr. 6); aber hier und in den Siyß-üäiai Krjg^g
Vorstellung im volkstümlichen Glauben oder (nr. 7) spürt man doch noch etwas von einer
Aberglauben der Griechen auch den Seelen andern Auffassung, in der die Ker der äat-
der Abgeschiedenen beigelegt. so ficov des Menschen im eigentlichsten Sinne
6). Die Keren werden meist als unheimliche, ist. So finden sich auch in dem Seelenglauben
finstere Dämonen gedacht, die dem Menschen freundlichere Züge; die umgehenden Seelen
den Tod bringen und sich wohl gar an seinem bringen ihren Freunden Glück ins Haus, und
Blute letzen (nr. 15 u. ö.). Auch MifswachB und der Heros wird zum Schutzgeist für die Stadt
andere Not können sie über den Menschen \Rohde a a. 0. Deneken Bd. 1 Sp. 2481]. Das
verhängen (nr. 24). Nach einer über den ganzen hesiodische xr/piTpf<j»j? wird sich kaum besser
Erdkreis verbreiteten, hochaltertfimlichen An- erläutern lassen, als durch Hippolcr. nsgl ivv-
schauung sind es nun wirklich die Seelen der nvltov 2 p. 14 K. : änb yctg zäv dno&a-
Verstorbenen seihst, welche die Überlebenden vövtojv a[ tgoq>al -/.cd av^rjosig; über ähn-
nach sich ziehen in das freudlose Jenseits. 40 liehe Gedanken bei Späteren s. .7. Burckhardt ,
Dieser Gedanke ist bei den Römern noch Constnntin 222 [E. Rohrle 226f.J.
ganz lebendig (Ovid. Fast. 2, 545 ff.); bei den 65. Erst jetzt wird auch eine Reihe ab-
Griechen findet er sich nicht nur im späteren geleiteter Ausdrücke recht verständlich, wie
Aberglauben (Rnhde, Rom. 387 '. Rhein. Mus. der Doppelgebrauch von y.ngai'vm*'*) (oben
32, 329), sondern ist schon für die älteste Zeit Sp. 1156 v.Wüamowitg, Enrip.Hera7cl.iy 152),
zu erschliefsen aus den in epischen Iliaden, äv.rjoarog (Valckenaer zu Eurip. Hippol. 1114),
behandelten Sagen von Protesilaos und von äv.ngaoiog ccxrigiog (feige, leblos, frei vom Tode,
Polyxena, die der Schatten des Neoptolemos Ps -Phocyl. 99. Hom. Hymn. 2 [3], 530, 72),
als Totenopfer fordert, sowie aus der Pa- Hesych. IniKrjgaivsiv smdvaiinvivsa&ca, sni-
trokleia und der Totenbeschwörungs-Scene der 50 x7jpos = i-rcifiolgLog, vn6-*.rigog = uiag6g(Eippokr .
Nekyia Ä45f. Blutgierig, wie die Keren, drän- -ntgl hgrig vovaov p. 303, nicht 'mit Wachs
gen sich die Schatten zur ctiua-xovgta um die überzogen' [PassowJ, sondern mit der Ker be-
Opfergrube, und erst wenn sie daraus ge- haftet und dadurch verunreinigt, Gegensatz
trunken haben, erhalten sie Leben und Bewufst- äyvög) Vor allem aber bewährt sich unsere
sein wieder. Hier haben wir bereits die Grund- Deutung bei einem Vergleich der mythischen
idee des Vampyrismus, der in antiken Ge- Gestalten, die sich mit den Keren berühren. —
spenstergeschichten (Phleyon, Mirab.1, Goethes 66. Obenan stehen die Erinyen. Wer an-
Braut von Korinth), wie im neugriechischen nimmt, dafs die Erinyen ursprünglich Gewitter-
Volksaberglauben die vornehmste Rolle spielt. wölken bedeutet hätten, legt den Nachdruck
— 62. In Attika, wo die Keven mächtig her- bo auf die verkehrte Seite und verwechselt die
vortreten, sind auch diese Gedanken recht
im Schwange. Oedipus hofft als fvämv ... *) [Die obi?en Ausführungen habe ich im wesent-
vi-avg . . das &s gubv alacc der Thebaner ZU liehen schon vor zehn Jahren in der A. F.. 267 gegeben,
trinken (Sopll. Oed Col. 622)- in der Toten- "Während der Revision dieses Artikels Bind die Arbeiten
beschwörung bei Aristophanes Av. 1555f. (wohl VOn Den"ken lI?d bs80nde" iie Hauptkapitel des Buches
■ i , i* i nw c n a? i i -i von Ro?i</>> erschienen, woraus man noch manches weitere
nicht nur nach;. 35f, «, 6 ff., sondern auch mit TVtaü entlenllen kann_:
Rucksicht auf die Wv%aymyoi des Aschylos; vgl. **j Kngiim wird zu xi/pto gehören, obgleich Hesj/eli.
1555) kommt ngog xb Xv&gnr rrjg x«fi7jlou die ixxBxijgiaifihii mit igu ri,; tpir/tj; yeyovvtu erklärt.
1163 Keren (und Erinyen) Keren (u. Teichinen, Moiren, Harpyien) 1164
Form mit dem WeseD, über das schon von man- verfolgt werden soll, obgleich oder weil es
ehern alten Theologen richtiger geurteilt wurde, in die Fragen nach dem Ursprung der Tragö-
Doeh ist die von Rapp 1, 1311 ff. gegebene um- die hineinführen würde. Auch der Opfer-
sichtige Zusammenstellung der Hauptzüge auch ritus und die Art, wie die Erinyen durch das
für unsere Zwecke verwendbar. Die Erinyen xdcaa (Eurip. El 1221. Aesch Eum.) aus
sind aiXaivai zg to näv (1, 1311, 40), sie der Erde aufsteigen und in sie zurückgehen,
raffen (£vvo>gmi£ovoi) den Verfolgten beflügelt entspricht genau den parallelen Elementen
durch die Lüfte fort (1311, 9. 59); sie sind im Seelenkult. Die geflügelten Dämonen auf
Todesgöttinnen (1328), die das Blut ihres attischen LnkYthen, die den Sgcivcov, den Ver-
Opfers schlürfen (1328, s. bes. Aesch. Agam. 10 treter des Verstorbenen (Bd. 1 Sp. 2467), um-
1187); sie verursachen Unfruchtbarkeit im flattern, hat man richtig als Geister der Ver-
Hause, wie auf den Ackern, gleich den Keren wandten angesprochen (nr. 32); wenn der Tod
und Teichinen 1 1311, 59. 1322); sie verhängen des ävö'gbg änocpftiuhoio widerrechtlich er-
über den Menschen Raserei und Verblendung folgte, würden es seine Krjgeg 'Egivvsg sein.
(1315. 13231) und treten als strafende Gewalten 69. Die Kijgsg Tsl%Vvsg bei Stesichoros
neben Dike und Moira (1321 f. 1323). Aber (oben 24) sind sprachlich ebenso aufzufassen,
sie sind nicht nur böse Dämonen: jtävxa xd Es sind durch Zauberkraft schädigende Seelen
■xctx' dv&gwnovg i'Xaxov\xg\.Kr,g . . fia^f] Siinsiv 'Hexengeister'. Von hieraus wird man den
(Aesch. Eum. 930). Wer sie versöhnt hat, dem Telchiuenlegenden besser beikommen, als es
erscheinen sie als Eumeniden in weifser Licht- 20 zuletzt Freiheit: gelungen ist. Fördernde Ge-
gestalt (Paus. 8, 34, 3; s. Bd. 1 Sp. 1331), wie Sichtspunkte bei L. Laistner, Bätsei d Sphinx
es eine gute, helle Ker giebt. So decken sich 2 S. 262ff., dem ich aber in den S 265 ff. ge-
die Erinyen-Eumeniden im Umrisse vollständig gebenenEtymologieen nicht folgen kann,
mit den Keren. — 67. Damit ist das Rätsel 70. Ähnliche Bezüge würden sich in den
der Kijqeq 'Egivvsg 'nr. 26) gelöst, das Rapp Überlieferungen von den Moiren (und Ne-
Bd. 1 Sp. 1327, 42 f. beiseite gelassen hat. ineseis) nachweisen lassen, die, ursprünglich
KriQtg ist das Nomen, 'Egivvsg oder EvfisviSts, Schutzgeister — Stxt'fiovtg in eigentlichsten
die ,, Zürnenden" und ,, Holdgesinnten", das Sinne — des einzelnen Menschen*), von der
Attribut. Die KT]g?g 'Eqivvbs sind die Dichtung, wie die Ker. in eine höhere Spare
zürnenden Seelen, die dem Mörder, der ao neben Dike und die Götter erhoben werden;
ihrem Amte vorgreift und vnlg Möqov oder der moderne griechische Glaube kennt die
vn\g Kfjgag (nr. 51) eine Psyche ins Jenseits 'Miren' noch ganz in der ältesten Weiße, an
befördert, mit schweren Strafen heimsuchen: den Einzelnen gebunden (s. zuletzt Thumb,
Vorstellungen, deren klassische Fixierung nach- Ztschr. d. V. f. Volkskunde 2, 286). Die Moira
weislich die Apollon- Religion vollzogen hat. ist im Grunde die zugeteilte Ker selbst; so
Über igiivfir = zürnen vgl. 0. Hoffmann, Die erklärt es sich, dafs sich im Epos die beiden
gr.Dial. 1, 102, derdas Wortzurfe.-rw (lat. rivi- Ausdrücke ablösen (oben nr. 8). oder wie ein
nus, riealis) stellt und eine Urform *i gij--vva> paar zusammengehörige Gestalten, gleich den
konstruiert. Was man Euphemismus zu nennen Erinyen und Eumeniden, nebeneinander stehn
pflegte, im Widerspruch mit der Oresteslegende 40 (nr. 14f.) — 71. Einen weitern Synonymtypus
und dem religiösesten griechischen Dichter, bietet die griechische Mythologie in den Har-
Aschylos, bezeichnet in der That etwas wesent- pyien, deren eigentlichste Aufgabe es ist, die
lieh anderes: die Eumeniden sind die rver- Seelen in die Unterwelt zu entraffen. Es sind
söhnten' Geister, die den Menschen nun Segen die in den &vs XXai dahinfahrenden „raubenden"
spenden, wie früher Fluch.*) — 68. Erst jetzt Keren, die von den Dichtern als Töchter oder
sind die ältesten Zeugnisse über die Erinyen Dienerinnen zur „zürnenden" Ker gestellt
wirklich verständlich geworden. Od. X 279f. werden (bereits Od. v 66. 77f. [Rohde, Psyche
xä 8' [OlSfaoSi] uXyeu xdXXnt' onieoco | TtoXXn. 66]V Charakteristische Einzelheiten sind schon
fidX', ogcci te nvxgog 'Egivvtg inx&Xior- oben nr. 29 nachgewiesen; im übrigen vgl.
aiv, ähnlich ß 135 sjrfi firixrjg axvytgdg dgri- 50 Bd. 1 Sp. 1842 ff. — 72. Auch die Einderseelen
asx' 'Egivvg*) | oi'nov dnfgxouivg. Aesch. entführenden Stringen und Gellen ('= 'AysXXdl
Sept. 887 7Tttxg6g .. nbxvi 'Egivvg lniv.ga.viv. Baunack, Stud. 63*), die Sphingen, Sirenen,
Soph. Oed. C. 1434 xäv xs xovä' 'Egtvvmv. Lamien, Empusen und ähnliche Gestalten des
Wie kann man von eines Menschen Erinyen Aberglaubens stammen aus dieser Familie; nur
sprechen? Bd. 1 Sp. 1322 wird keine Antwort ist bei ihnen ein Zug ganz einseitig ausgeprägt,
gegeben. Es sind die Ahnengeister, die Seelen Bemerkenswert ist, dafs auch Sphingen und
der abgeschiedenen Blutsverwandten, Sirenen vereinzelt in männlicher Bildung dar-
denen die Blutrache gerade so gut obliegt, gestellt werden, wie die Ker. Die jetzt auf
wie den Überlebenden. Das spricht wiederum der Hand liegende Lösung ist schon im Philo-
Aschylus ganz deutlich aus im Agamemnon so logus 50, 10216 gegeben. — 73. Schlitfslich sei
1 1 8 7 f . -xal iitjv nsmoKag ... | ßgöxsiov alua noch auf Herondas 1, 17 f. hingewiesen: to
xeöfios fv do'fioic fiivFi ... avyyövmv 'Egi- yctg yijgag | fjiiscxg na&iXKCi XV ffxtij (= der
vviov. Überhaupt ist der «röuog der jagenden Todesdämon) nag{ax7]xtv. av.id tritt in dieser
Erinyen eine Spiegelung der ibvr&v TTfoupro-
pivew (oben nr. 30); was hier nicht weiter ' s° ?'.'*£*-?? !ü ™f' ^^ 5 T
v pereon beschrankte Bedeutung von sudatfxiov o/.piooatfimr
*l Eine Hauptkraft in diesem Yorstellungskreise ist duodatfufvr xay.oöac/uatr. Die Worte tvtvyi]; övotv/ij:
der znuberhaft wirkende, beschwörende Fluch, der die setzen slelcbfalls eine dämonische Tv/'ij voraus: Phllein.
Erinyen entfesselt {vgl. Area als Erinyen genossen . fr. 10.
1165 Keren (italische u. moderne Analogieen) Kerkopen 116(i
Redensart für das sonst übliche h/jo ein (s. oben Nachtr. 3, 266f. Mannhardt, Myth. Forsch. 366.
3. 21. 51 und Unters, zu Her.S.5); unverkertn- W. F.K. 1,45.52. Tglor, Anfänge der Kultur
bar hat der Begriff tyv%-r) vermittelt, vgl. das 2, 11 1 ff. 192 ff. 200ff. Die Fylgja wird mitge-
römische umbra. Bei den modernen Griechen boren, wie Kr)g SaCfimv Tv%n (Philem. fr. 10.
ist ein verwandter Gebrauch von i'eniog (= Men. fr. 205) genius. Dafs ihr Sitz die Seknn-
CHta) nachzuweisen, s. die trefflichen Aus- dinen sein können, weifs der moderne Aber-
führungen von B. Schmidt, Das Volksleben der glaube, wie der antike (Lamprid. Anton. Dia-
Neugriechen S. 181 (Y.aXol'GmioTos = sväaiuav dum. 4. J'hilol. 46, 627); nach vornehmeren
u.s. w.). Auch für die Alten ist das anzunehmen: Anschauungen ist es wohl auch ein neu auf-
was für die Beurteilung von Paus 8, 38, 6. 10 tretender Stern (Usener , Belig. Unters. 76 f.
Plut. Qu. Gr. 39 wichtig ist (der vom Menschen Mannhardt. Germ. Mythen S. 3103). Bei den
geworfene Schatten als Sitz des Schutzgeistes Germanen haben diese Vorstellungen im
[s. jetzt Boscher, Fleck. Jahrbb. 145 [1892], ganzen einen freundlicheren Charakter, wäh-
702f.]). Nach neuerem Aberglauben mufs rend bei modernen Orientalen der ,, mitgeborene
der Mensch, der seinen 'Doppelgänger' sieht, Begleiter aus dem Geisterreich" meist als
binnen Jahresfrist sterben (Wuttke, Volksabergl. mifsgünstiger, böser Geist gilt, ganz wie die
§322, s. Grimm, K.LT.M. 44, 177 n. Anm.): homerische Ker. S. Mannhardt, Myth. Forsch.
eine ähnliche Vorstellung scheint auch durch 366. Doch kennt auch die nordische Über-
die Formel bei Herondas durchzuschimmern. lieferung böse, 'schwarze' Fylgjen, die die
74. Die frappantesten Parallelen bietet aber so Helden in den Tod locken. Die Nomen und
die römische Religion und Folklore, in der Valkyrien stehn mit ihnen in engster Ver-
gerade diese primitivsten Elemente der Mytho- wandtschaft. S. Mannhardt, Germ. Mythen 306.
logie besonders gut erhalten sind. Den Keren 513 ff. Grimm, D. M . 4 339 ff. So bewährt
und ihren Verwandten entsprechen ziemlich sich der schöne Gedanke Grimms, von dem
genau die Di Manes, La res, Lemures, die gleich- wir oben ausgegangen sind. [0. Crusius.]
falls die Seelen ins Jenseits hinüberführen (Di- 6 Kerkaphos (Keg-xcccpog), 1) einer der sieben
lieber des Todes unverkennbar z. B. bei Vergil. Söhne des Helios und der Rhode oder Rhodos,
Catal. 11/14), aber auch das Gedeihn oder der die Kydippe, Tochter seines Bruders Ochi-
Verkiimmern der Acker wie der Familie mos, heiratete und diesem in der Herrschaft
verursachen (Tibull. 1, 10, 15. 1, 1. 20 u. ö.). 30 von Rhodos folgte. Seine Söhne Ialysos, Lin-
Oer besonders in Grabschriften ständig daneben dos und Kameiros teilten sich in die Hen-
erscheinende Genius i luno) ist die Psyche schaff der Insel und gründeten die gleieh-
selbst oder die Einzel -Moira (vgl. auch die namigen Städte, Diod. 5, 56. 57. Schol. Find.
Ker. die dem Menschen ysivopivto icbo zu- Ol. 7, 131. 132. 135 (Hellanikos). Eustath. Rom.
geteilt wird). Das griechische al 'Egivvsg p. 315, 29. Strab. 14, 654. Steph. B. v. Kafii-
arjrgog, OlSCitoSog findet an dem römischen oog und AivSog. Müller, Aegin. 41 ff. Nach
di Manes matris , Hermetis u. s. w. (in beiden Midier, fr- hist. gr. L. prolegg. p. 37 bedeutet
Fällen der Genetiv) sein genaues Gegenbild ; der Name den Glänzenden und Strahlenden. —
die Manen wirken auch als Furiae [— 'Egi- 2) Sohn des Aiolos Vater des Ormenos, des Grün-
vveg), s. Horaz Eporl. 5, 92. 94. 40 ders von Ormenion in Thessalien, Strab. 9, 638,
75. Die übrigen italischen Stämme scheinen wo auch Kerphios (s. d.) gelesen wird. [Stoll.]
diesen Anschauungen einen ebenso vornehmen . Kerke s. Kerthe.
Platz in ihren Religionen eingeräumt zu haben; ,■ Kerkeis (KsQ-xnig), Tochter des Okeanos
nur läfst die Überlieferung meist kein zuver- und der Tethys, Hes. Theog. 355. — Schümann,
sichtliches Urteil zu. Für die oskische Formel Opusc. Acad. 149 übersetzt Strepera; C Müller,
Keri Arentikfai (in einer Devotionsinschrift bei Prolegg. zu fragm. hist. gr. 1 p. 37 Anm. 4
Zvetaieff, Inscr. Lt.inf. p. 43f. Bücheier, Bh. M. Radiosa oder Splendida; Braun, Gr. Götterl.
33, 6. 296. Umbrich p. 80) hat man das make- § 155 erklärt sie mit Rücksicht auf die sie
donische 'Agävrieiv 'Epivvai (Hes.) verglichen; umgebenden Schwestern Melobosis, Polydore,
man könnte dann in Keri (meist = Cereri er- 50 Pluto als die fleifsige Weberin (y.eq*£s). [Stoll.]
klärf) geradezu Krjgi suchen und diese Gestalt , Kerkestes (Ktg-zJarng), Sohn des Aigyptos,
mit der Kr)g 'Egivvg gleichsetzen (oben nr. 67); vermählt mit der Danaide Dorion, Apollod. 2,
der Ritus der unteritalischen SziBiSaiaovfg 1, 5. [Stoll.]
scheint hellenistisch zu sein (s. nr. 38 ff.). Kerkios (KsgxLog), aus Sparta, Wagenlenker
Schlieislich soll auch die Möglichkeit, dafs der Dioskuren, mit Amphitos Gründer von
Cerus (Bd. 1 Sp. 869; nachzutragen Bitschi, Op. Dioskurias; Amin. Marcell. 22, 8. [Lorentz.]
4, 282) zum griechischen Kr)a (Kr]ga) gehört, Kerkope (Kfgy.wnn), Mutter der Kerkopen
wenigstens frageweise erwähnt werden. Cerus (s. d.); vgl. Etym. M. s. v. Kigncontg . . . JkUtj-
manus, duonus cerus wäre „guter Geist".*) &r)eav 6s r) Sict to xigSodeov avtmv y.al tta-
7(5. Die antike Überlieferung ist in sich 60 vovgyov rj äno urptpbg KigKoimnc. [Röscher.]
so klar und vollständig, dafs wir den Glauben ; Kerkopen (Kignmns g, die „Schwänzlinge",
der modernen Völker zur Ergänzung kaum ' von y-eg-nog). Die uns nur in späterer Üher-
heranzuziehen brauchen; mancherlei Ver- lieferung vollständig erhaltene Erzählung lautet:
wandtes bei Grimm, D. Myth. 2 ', 728 (830) ff. Zwei Brüder, Erzschelme, Räuber und Betrüger,
_ . . _ . , wurden von ihrer Mutter vor dem Melam-
*) Aus der FlügelKestalt auf dem Ken pocolom . r, ..i i . -,
iRttJa, Op. 4, 1S2 Tai > 9] , ist kern Schluß, z. ziehen, da P??08, »f**™*:, ^^ ersuchten Sie den
solche erotenartige Figuren auch auf den verwandten schlafenden Helden zu berauben, wurden aber
stücken abgebildet sind. dabei erwischt und mit den Beinen an einen
1167
Kerkopen
Kerkopen
1168
Tragbalken gebunden; so trug sie der Held,
die Köpfe nach unten, auf den Schultern
fort. In dieser Lage hatten sie Mufse, den
nackten Mann zu betrachten, und erkannten in
ihm den Mclampygos, vor dem die Mutter sie
gewarnt hatte. Ihre spafshaften Bemerkungen
darüber versetzten jenen in so gute Laune, dafs
er sie laufen
Hess (vgl. Flut,
de adul. et am.
13 na! yag 6
'IlQaxlfjS Afp
KCOTjjl ZLGl ....
iziontzo). Am
besten ist
diese Erzäh-
lung überlie-
fert b.Konnos,
tarr. ad Greg.
nuntische Metope (um 600 v. Chr.) und mehrere
altertümliche Vasen, die von Furtwängler im
Artikel Herakles Bd. 1 Sp. 2214 besprochen
sind, Darstellungen nach einem feststehenden
Typus (s. Abbild. 2): der ausschreitende Held
trägt zwei Zwerge mit den Köpfen nach unten
an einer Stange, an welche die Füfse ge-
bunden sind, __auf der Schulter; damit steht
in völliger Übereinstimmung die Sehilde-
10 rung z. B. in Tzetz. Chü. v. 84 ff. : ög äficpco
zovzovg -/.tvraö^cov xtu ztov noöav dsGfirjöag
dno zov oofiov ze ctvrov -/.Qiuäeag äurfozsgovg,
zov (ihv peQCÖv zäv E-'LU7rpociTfi>, zov d' f'x zäv
anLG&'twv, st'xzzo ovzco z?,g öäov v.ctl zrjg ctvzov
TtOQfi'ag. oi'Tcu Ss ävTingoocoitoL Kgsiidfisrot
äXXijXoig . . . Nim existierte unter dem Namen
Homers ein Scherzgedicht (naiyvtov) Ktgxconeg
(Prolrf. Chrestom. in der Bekkerschen Ausgabe
der Tliasscholien p. 1. Pseudo Herod. vitn Ho-
invect. 1, 39 20 meri 24 in Westennamis Biogr. S. 12. Harpo-
Abb. 1) Herakles und die Kerkopen.
Selinuntische Metope (nach Seemann,
Kunstlästor. Bilderb. 1 Taf. 16 nr. I).
fert; für die letztere Lesart entscheidet sich
Westermawn im Hinblick auf Schol. Hom. 1, 453
andere für Dion) und in Tzetz Chü. 5, 74 ff.
kürzer beiZcfiofc.5, 10 und im Cod. CoisUn. nr. 17"
p H0(Westei- kration s. v. A'fpxtujrfs), dem durch Kombi-
mann, Mytho- nation der Artikel Ksgxwnsg bei Suidas und
gr. S 375,= Ha/rpokration mit Recht folgendes die Kerkopen
Eudokiay.il ; schildernde Bruchstück zugeschrieben wird:
während hier U'fvozag ijnsQOnrjug diisq%avä z' tgy ävvotxvzag
der Gewähre- (überl. EÜoavzctg) iS,aizazi]zrjgag' iroXXi)v §' sni
mann Dion yaiav t'ovzig oVO'oMjroue ändzctßxov äXäusvoi
genannt wird, rifiuza nävza. Die Monumente beweisen, dafs
ist bei Nonnos der Ursprung dieses Gedichtes, dessen Inhalt
Dios überlie- 30 unbedenklich auf die Heraklessage bezogen wer-
den darf, über das 7. Jahrh. hinaufreicht. Der
Kern der Erzählung
Abb. 2) Herakles und die Kerkopen; anwesend Hermes und Athena. Arcbaiscbe
Amphora (nach Gerhard, Auserl. Vasenb. 2 T. Uli).
(die Stelle ist abgedruckt im corp. paroemiogr.
I, 119), an letzterer Stelle mit dem auffallen
den Schlufs. Herakles habe die beiden Schelme
im Zorn getötet; aufserdem vgl. Suid. s. v.
MslafiTtvyov zvxoig (= Photius s. v. und Apostol.
II, 19) und Tzetz. zu Lyk. 91, endlich auch die
Anspielung bei Eunapius vit. Aedes, p. 21 Boiss.
Dafs diese Humoreske aus älterer Zeit
stammt, beweisen (Abb. 1) die bekannte seli-
besteht in der sprich-
wörtlich gewordenen
mütterlichen War-
nung vor dem Melam-
pygOS (uij TTtQlTV%£il
gtlagnvya b.Nonnos
bez. Eudokia und im
cod. Coisl a. a. 0. ;
,uf) ev y? uiXauzivyov
zvxoig bei Zcnob. 5,
10; fitj uiXaunvyov
zvyyg bei Diogen. 6,
38. Greg. Cypr'.Hosq.
4, 33. Leideixs. 2, 73;
MtXafiTivyov zv%otg
bei Suid. Phot. s v.
Apostol 11, 19; Me-
Xaunvyco ovvzv%oibei
Macar. 5,82; otijrojfif-
Xct^invytp z^zv%i]Y.ctg
bei Zonaras p. 1339;
oi'7tco MiXapniyca iv-
ztzv%r)nctT£ bei Tzetz.
Lyk. 91 — bei Suid.
Phot. Apostol 11, 19
werden die Kerkopeu
selbst als piEXafijtvyoi
co bezeichnet, wenn nicht ein Fehler der Überliefe-
rung vorliegt). Diese Warnung ist bereits von
dem Dichter Archilochos fr. 110 aus Schol Hom.
„Q 315 in der Form überliefert: ^itj ziv fisXaunv-
yov rujfjjs; doch bemerkt der Scholiast, dafs
der Dichter die Warnung auf einen Adler
dieser Färbung; bezogen habe, und Lobeck
(Aglaopham. p. 1299) will dies dahin verstehen,
dufs ein solcher Adler zu den Unglücksvögeln
1169 Kerkopen Kerkopen 1170
gehöre. Wie dem auch sei, wahrscheinlicher weehslung mit den Poseidonsöhnen Alebion
ist es, dafs die sprichwörtlich gewordene und Derkynos (Apollod. 2, 5, 10, vgl. Diod.
Warnung der Eerkopenmutter von Archilochos 4, 19, 3 und die Artikel Alebion und Dcr-
in seinem Sinne verwendet worden ist, als dafs Jcynos) liegt im Schol. Aesch. 2, 40 vor, wo
umgekehrt erst das Sprichwort die Erzählung die Kerkopen nach Ligurien (Aiyvrj statt
veranlafst habe. Wie eng die Kerkopen mit Aißvrj schlagt Lobeck a. a. 0. 1300 mit Recht
dem Melampygos zusammenhängen , ergiebt vor) versetzt werden. Endlich werden sie
sich aus einer Stelle des Herodot (7, 126). wo nach den Pitheknsen, den Inseln an der cam-
am Steige Anopaia bei den Thermopylen neben panischen Küste (Pith. in Libyen bei Diod. 20,
dem Felsen des Melampygos die eSgat der 10 58, 3, dagegen c. 44, 7; vgl. noch Skyline 111
Kerkopen prwähnt werden (Lobeck a. a. 0. 1298 und Steph. Byz. s. v.), in einer Überlieferung
fafst tdgai = iviSgai „Hinterhalt"; aber es versetzt, nach der die Kerkopen (Schwänz-
handelt sich um Felsgebilde, die die Volks- linge) wegen ihrer Schlechtigkeit in Affen
phantasie als Kerkopensitze oder wohl als (wßfrjitoi) verwandelt worden sein sollen:
sitzende Kerkopen deutete). Xenagoras {Müller, fr. h. 4, 526) bei Harpöler.
Nach der oben besprochenen Herodotstelle s. v. Ktgy.ontsg (Suid. und Phot. s. v.). Apostol.
wäre die Kerkopensage an den Thermopylen 9,64. Schol. Aeschin. 2,40. Eustath. 1864, 66
lokalisiert gewesen, einem für die Sage von [vgl. Keller im Ausland 1881 S. 261. Röscher].
Wegelagerern passenden Orte. Damit läfst Bei Ovid (Metamorph. 14, 91) wird diese Ver-
sich die Überlieferung vereinigen, die die Ker- 20 Wandlung dem Zeus zugeschrieben, der ihre
kopen ans Oichalia (auch Eüboia) stammen betrügerische Gesinnung gehalst habe; bei
und in Boiotien ihr Wesen treiben läfst. So anderen Schriftstellern lesen wir, dafs die
dichtete ein uns sonst unbekannter Dioiimos Kerkopen Zeus zu täuschen versucht hätten
(noch citiert b. A'hen. 13, 603a: iv zjj 'HgcmXettt) und zur Strafe von ihm in Stein verwandelt
in den 'HganXtovg ä&Xoi (vgl. Suid. s. v. Evgv- worden seien. Letztere Überlieferung wird im
ßazog = Apostol. 8, 12, der dritte Vers in Schol. Luc. Alex. 4 (cod. Vindob. 123) auf
falscher Überlieferung bei Schol. Luk. Alex. Pherekydes zurückgeführt; die Lesart ist sehr
c. 4): KsQXaitcg, toi TtoXXä -xazä zgioäovg na- zweifelhaft, Jacobit: (4, 139) schlägt $fqf-
tiovzeg Boimrmv givovzq' "jivoq S' f'cav Olva- Y.gazrjg vor. Vgl. aufserdem Suid. s. v. Kig-
Xiri^g, 'PAög r Evgvßarög tf, äva ßagvdaiaovig 30 xconsg: oxj's cpaeiv änoXi&co&fjvai Sia zb f'y^fi-
ävdgig. In Bezug auf den Aufenthaltsort, giiv änazr]aai zbv Ji'cc (= Eustath. 1864, 34)
nicht aber auf die Namen stimmt mit Diotimos und Zenob. 1, 5. Die Sage kann mit der Be-
das Scholion zu Luk. Alex. 4 (Jacobitz 4, 139) nennung der beiden Felsen an den Thermo-
überein (= Bachmann, Anecd. 2, 340 ohne pylen (s. oben) zusammenhängen; jedenfalls
Citate); auch Alkiphron 3, 20 nennt Eurybatos stammt sowohl sie wie die von den Pithekusen
einen Oichalier; sonst weist der Name Eury- aus späterer Zeit; nur dieMelampygosgeschichte
bates, wie wir sehen werden, nach Ephe- erscheint alt und im östlichen Mittelgriechen-
sos; und in der That werden die Kerkopen land heimisch; dort und nicht in Asien
auch Ephesier genannt, nämlich bei den Par- wird wohl auch das itaiyviov entstanden sein
ömiographen im Artikel ayogä Kigynanmv 40 (Lobeck a. a. 0. 1297 spricht die Vermutung
{Zenob. 1, 5. Apostol. 1,18. Diogen. 1, 3. Greg. aus, dafs dasselbe den Anhang zu dem Epos
Cypr. 1, 3). Diese Überlieferung ist aber OlxaXi'ag aXmaig gebildet habe). Anders urteilt
schlechter bezeugt als die von Oichalia, viel- Preller3 2, 230, der von kleinasiatischen Vor-
leicht nur durch den berüchtigten Eurybates bildern, von den Handelsmärkten zu Sardes
von Ephesos (s. unten) veranlafst; sie wird und Ephesos redet, ohne dafs die Überlieferung
auch nicht durch Diodor 4, 3, 6 (= Apollod. genügenden Anhalt dazu böte.
2, 6, 3) besonders gestützt, wo erzählt wird, Wir dürfen annehmen, dafs schon in dem
Herakles habe im Dienste der Omphale die ,,homerischeu" Scherzgedicht die beiden Brüder
Räuber der Umgegend bestraft. Unter anderen Namen gehabt haben. Wie sie dort geheifsen,
werden auch die Kerkopen genannt, von denen 50 läfst sich nicht mehr feststellen, da die späte
er einige getötet, andere der Omphale lebend Überlieferung zwischen verschiedenen Namen
überbracht habe (vgl. Zenob. 4, 30 und Dioyen. schwankt. In dem oben besprochenen Bruch-
2, 100 s. v. KsgncoTtigsiv) ; hier werden also stücke des Diotimos heifsen die Brüder Olos
mehr als zwei Kerkopen angenommen, und die und Eurybatos; Olos könnte au den Aloaden
Erzählung ist ihres ursprünglichen Charakters (s. d.) Otos erinnern; die Aloaden Otos und
entkleidet. (Die Omphalesage selbst gehört Ephialtes sind besonders in Thessalien und
vielleicht ursprünglich an dpn Oita.) Auch die Boiotien heimisch; könnte der Name Olos
Bezeichnung äyogä Kigy.oiiiajv gehört nicht nach nicht auch falsch überliefert sein? Eurybatos
Ephesos, sondern nach Athen, wo es einen oder Eurybates__ sind sprichwörtliche Namen
sog. Spitzbubenmarkt gab ("vgl. M'achsmuth, Die 60 für Diebe und Übelthäter, diiher wurde auch
Stadt Athen 2, 1, 498): Hesychius s. v.: zo-rrog zvgvßaziviafrut im Sinne von novngtveod-cti,
nXrjaiov'HXiai'ag; ebenso Eustath. zu Hom. ß 7 gebraucht (Diog. 4, 76. Suid. s. v. Zonaras
S. 1430, 32 und zu v. 552 S. 1669, 59; vgl. p. 921). Alkiphron 3, 20 nennt einen Dieb
noch Galen, zu Hippokr. Epidem. bei Kühn aus Oichalia Eurybates; Eurybatos wird neben
(Medic. graec. op.) 17a, 616 und 643; Diog. Phrynondas oder allein sprichwörtlich für
Laert. 9, 114. Wahrscheinlich hat erst dieser novggoc gebraucht bei . Plat. Protag. p. 327"1,
Ort Veranlassung zu dem sprichwörtlichen Aus- Demosth 18, 24. Aeschin. 3, 137; L-uk. Alex. 4
druck ayogä Ktgucozicav gegeben. Eine Ver- nennt aufs er den Kerkopen noch Eurybatos
1171 Kerkopen Kerkopen 1172
und Phrynondas ; vgl. auch Apul. Apol. 81: s. v. uud Apostol. 11, 19); wertlos ist die Notiz
quis Palamedes, quis Sisyphus , quis deniquc des Etym. M. v. xf'pxcojrfc: sv-lrjO-gaecv ....
Eurybates aut Phrynondas talcm excogitavisset? r; &nb (irjrgbg K&gxcnitrjg (BekJcer, Anecd. 1,
Aristoteles (fr. 73 der Berliner Ausg. aus 271, 21 KigY.coTtn: ovoiiu itaigctg). Der Name
Apostol. 8, 12 = Suid. v. Evgvßnrog; vgl. Theia scheint von den angegebenen am besten
Gregor. Corinth. zu Hcrmagor. bei Wals, Bhet. bezeugt.
gr. 7, 2, 1277 und Eustath. p. 1864, 12 ff.) hat Die Kerkopen sind mehrfach in der grieehi-
von einem schlauen Dieb Namens Eurybates sehen Komödie verwertet worden (Bekker,
erzählt, der seinen Wächtern auf listige Weise Anecd. 1, 271, 14 Xfpxa>i/> 6 litl itnvnQio: xra-
zu entrinnen wufste; aufser diesem wird be- 10 acoSov fis vog) ; allerdings ist es nicht bei allen
sonders noch der Ephesier Eurybates (oder Stücken sicher, ob sie das Heraklesabenteuer
Eurybatos) angeführt, der an dem König dargestellt oder unter dem Namen der Ker-
Kroisos zum Verräter wurde (Ephoros fr. 100 kopen Lug und Trug gegeißelt haben; das erstere
aus Harpokr. s. v. Evgvßüriig. Apostol. 8, 12; würde wohl mehr der Stoff für ein Satyrdrama
vgl. Diod. 9 exe. 32. Eustath. und Gregor. gewesen sein. Am häufigsten citiert werden
a. a. 0. Schol. Aeseh. 3, 137 und Hesych. s. v. die Kigv.consg des Hcrmippos (vgl. Meineke, fr.
Jnuov.XsiSai u. a. St.). — Nikander (bei Apostol. com. 1, 94. 2, 393); Herakles tritt auf in den
8, 12) bezeichnet einen Eurybatos aus Aigina Kigxanisg des Eiibulos (Meineke 1, 363. 3, 229;
(? Überlieferung unsicher) als Erzschurken. vgl. fr. 2 aus Athen. 10, 417d); die SavTQiixi
Alles dies kann die Echtheit des Kerkopen- 20 des Piaton führen auch den Titel Ksgytcaitsg
namens Eurybatos nicht stützen, dürfte sie (Suid. v. THäraiv und Eudokia p. 358; vgl.
vielmehr im Gegenteil verdächtigen. Im Schol. Meineice 1, 176. 2, 646); die Kigv-co-rtsg des
Luk. Alex. 4 (= Bachmann, Anecd. 2, 340; Menippos (Suid. s. v. Eudokia p. 302) beruhen
vgl. auch Gramer, Anecd. 3, 413) werden die vielleicht nur auf Verwechslung mit Hermippos
Brüder Sillos (Syllos) und Triballos genannt (Meineke 1, 494). Endlich hat Kratinos der
(diese Namen sind auch in den daselbst angeführ- Kigxwirig in seinen Ag%ö.oxoi Erwähnung ge-
fcen Vers des Diotimos geraten; anders urteilt thau (fr. 14 Meineke 2. 24 aus Schol. Luk.
Meineke. fragm. com. 5, 15); Sillos bedeutet Alex. 4 cod. Vinriob). Bergk , comment. de
den Spötter, Triballos nach Hesych. s. v. den com. antiqu. 24 vermutet, dafs sie bei ihm
Sykophanten. Drittens werden die Namen An- 30 Sillos und Triballos gebeifsen haben,
dulos oder Kandulos und Atlantos (Atlas) Die Kerkopeu werden allgemein als novn-
angeführt und als Gewährsmann dafür Aischincs goi, ibsvßxai, l^cnzKzrjtfigsg und xöXaxtg ge-
aus Sardes (tv rnig idußoig) citiert (Lobeck schildert; vgl. aufser dem oben citierten
a. a. O. p. 1302 schlägt vor, dafür Aischrion Homerfragment Suidas, Photius, Hesychiuss.y.,
zu setzen, wogegen sich Bernhardy, Gr. I.3 Eustath. Od. 1864. 32. Tm Etym. M. s. v.
2, 1, 546 ausspricht). Andulos und Atlantos wird der Name deswegen von v.igSog (Sia xb
geben Harpokr. s. v. KtgKcaip. Apostol. 9, 64. KsgSaliov) abgeleitet; vgl. Festus p. 56: cer-
Photius s. v. Ksgy.aTrsg, Kandulos und Atlas: copa Graeci appellant lucrari undique cupien-
Suid. s. v. Kigy.am?g. Auf Grund von Hesych. tem, cß(asi nigdeovet, quem nos quoqiic lucrionem
y. KcivScoXog: xctxovgyog lyavqs möchte man 10 vocamus. Daher wurde etyoget Ksg-xconcov (s.
Kandulos für die richtigere Form halten. Es oben) sprichwörtlich von den Schelmen ge-
bleiben noch die Namen Passalos (der Nagel) braucht (Zenob. 1, 5. Diogen. 1, 5. Apostol
und Akmon (der Ambofs) übrig, welche von 1, 18. Gregor. Cypr. Mosqu. 1, 3 Macar. 1, 4)
Nonnos (s. 0. = Eudokia) und Tzctz. Chil. 5, und asg-acoinXiiv für äizcträv gesagt; man er-
74 (hier statt Akmon wohl irrtümlich Aklemon) klärte dabei den Ausdruck etymologisierend
überliefert werdeu; Akmon ist auch der Name mit v.sgy.co irgoaccthsiv (Zenob. 4, 50. Diogen.
eines der idäischen Daktylen, mit denen die 5, 51. Apostol. 9, 64. Gregor. Cypr. Leid. 2, 47.
Kerkopen ebenso passend zusammengestellt wer- Hesych. s. v. Etym. M. s. v. Eustath. Od.
den konnten, wie mit den Kyklopen (Et. M. 1S64, 32). Endlich lautet bei Aesop. prov. 4
MEßxcojrfs' ovreo Trgoxsgov ty.alovvxo 01 Kvv.Xio- 50 (Paroew. 2, 228) ein Sprichwort: Jjjrtöi' 'Eg-
n?g) oder den Teichinen (Ael. hist. anim. 6, 58: pf/r yXvtliai Kig%ona (sie) sylvifra.
Ziavepov xai Kigv-äittov «at Til%fo(ov ^gliorcti) Über die Kerkopen hat am besten Lobeck,
oder den Molioniden (Tzet:. Chil. 5, 76); De Cobalis et Cercopibvs, wiederholt im Aglao-
Lobcck a. a. ü. 1296 vergleicht sie mit den phamus p. 1296ff., gehandelt. Über die Kunst-
Kobaloi (s. d.); sie alle sind Vertreter der darstellungen sind zu vergleichen 0. Müller,
niederen Geisterwelt in der griechischen Sage. Handbuch d. Arch. § 411, 4 und Dorier* 1,
Auch der Name der Mutter, die eine so 460. Welcker, Der epische Cyclus2 1, 383
bedeutsame Rolle in der Kerkopensage spielt, Anm. 675. Gerhard. Auserl. Vasenb. 2, 86 ff.,
wird verschieden angegeben. Theia, Tochter besonders aber Benndorf, Metopen von Selinunt
desOkeanos,heifst s\eZcnob. 5, 10. Tzetz.zuLyk. go S 46 ("s. auch Heydemnnn im Jahrb. d. Arch.
91. Eustath. Hom. 1864, 34 und in der oben Inst. 1 S. 281. R.] und Furtwängler im Artikel
angeführten Erzählung des cod. Coislin. nr. 177, Herakles in der Kunst Bd 1 Sp. 2214f. und 2233,
auch im Schol. IL m 315 nach Lobecks (p. 1299) worauf hier verwiesen werden kann. Mit Un-
Konjektur (Szictg viovg für &iäaovg). Memno- recht ist früher die Darstellung bei Hancar-
nis heifst ihr Name bei Suid. s. v. Kigv.coTr.sg. ville3, 88 (Herakles überbringt dem Eurystheus
Tzets.Chil. 5, 77 und Jfonnos a. a. 0. (überl. zwei affenartige Wesen im Käfig = Pygmäen?)
Mrjuavig). Verdorben ist wohl die Lesart Aifivr\g und Millingen, peint. d. ras. pl. 35 (Satyrn
viot bei Suid. s. v. Mslafinvyov tv%oig (= Phot. entwenden dem Herakles die Waffen) auf die
1173 Kerkyaneus Kerkyra 1174
Kerkopen bezogen worden; zweifelhaft bleibt antichi del real museo Estense del Catajo p. 92 f.
auch die Deutung der Berliner Vase 2359 bei nr. 1151 auch ein anderes Relief als „Ippotoo
Furtwänciler a. a. 0. (vgl. 0. Jahn im Piniol. 27, portato dinnanzi a Cercione dai pastori di lui,
17 ff.). [Vgl. auch C. D. Hiülmann, De Cercopi- che sembrano fra se contendcre", findet aber
1ms atque Oyclopibus. Col. ad Rhen. 1826. Guhl, nicht den Beifall Stephani's, Cr. p. l'a. 1864
Ephesiaca Berlin 1843 p. 1 36 — 138.195. Ahrens, p. 159 Anm. 1. Zum Artikel Hippothoon sei
Kleine Schrift. 1 p. 388 f. F. L. Seitwärts, Sonne, hier nachgetragen, data die Darstellung einer
Mond und Sterne p. 249ff. Drexler.] [Seeliger.] Bleitessera: ,,Equa dm. stans puerum laetans;
IT erkyaneus = Kerkyon (s. d. u.Kerkyoneus). in area superne noctua dm. stans; ante ccjunm
Kerkyon (Kegwcäv oder Ksgxvctvivg, d. i. 10 calathus" von Postolacca, Ann. d. Inst. 1866
Keg-xvovtvg; s. Wernicke , Jahrb. d. a. I. 7, p. 353 nr. 263, p. 355 auf diesen Heros be-
208ff.), t)Eleusinier, Sohn des Poseidon (oder zogen wird. Ob Stephani, C. r. p. l'a. 1864
des Hephaistos, Hyq. f. 38. 158. 238) und einer p. 142 — 171 mit Recht Kerkyon, Theseus,
Toehterdes Amphiktyon,HalbbrnderdesTripto- Alope auf einem Gorytos dargestellt sieht,
lemos, dessen Vater Raros war (Clwirilos in lasse ich dahingestellt sein. Drexler.] — 2)Ar-
seiner Alope b. Paus. 1, 14, 2), Vater der Alope, kader aus Stymphalos, Sohn des Agamedes,
der Mutter des attischen Hippothoon; ein be- Enkel des Stymphalos, Vater des Hippothoos,
rüchtigter Räuber, der die Fremden zwang mit Paus. 8, 5, 3. 8, 45, 4. Hya. f. 173. — Charax
ihm zu ringen und sie tötete, bis Theseus (s. d.) b. Schol. Aristoph. Nub. 508 erzählt, dafs Aga-
ihn überwand und erschlug (s. auch c Alope'). so medes, Herrscher von Stymphalos, die Epikaste
Paus. 1,5, 2. 1,39,3. Byg. f.S8. 187. Plut.Thes. heiratete, die ihm den Trophonios als Stief-
11. 20. Ziukian. Tup. trag. 21. Ol). Met. 7. 439. söhn zubrachte und in der Ehe den Kerkyon
Tbis&09. Stnt Theb. 12,577. Hellan. b. Harpokr. gebar. Als Agamedes, Trophonios und Ker-
p. 13, 7. Schol. Aristoph. Av. 559. Diod. 4, 59. kyon das Schatzhaus des Augeias in Elis be-
Suid. s. v. Preller. Myth. 2. 290. — Antimaehos stahlen, wurde Agamedes in einer Schlinge
(fr.. 37 Stoll, 20 Diibn. bei Schol. Eurip. Phoen. gefangen und verlor das Leben. Um nicht
150) nennt deu Kerkyon Sohn des Poseidon, entdeckt zu werden, hieb Trophonios dem
Vater der Lysimache, der Mutter des Parthe- Agamedes den Kopf ab und floh mit Kerkyon
nopaios. Nach Said. v. Movaaiog ist er nachOrchomenos inBöotien, und als Augeiaa sie
Vater des Ekphantos, Ahnherr des eleusi- 30 bis hierher verfolgen liefs, entwich Trophonios
nischen Musaios. Manche identificieren ihn nach Lebadeia, Kerkyon nach Athen. Die
mit nr. 2, dem Arkader, wie Plut. Thes. 11. Flucht des Kerkyon aus Arkadien nach Attika
[0. Jahn hält es (Her. d. Sachs. Ges. 1853 erwähnte auch Kallimachos in der Ilekale, in
p. 139 Anm. 12) nicht für unwahrscheinlich, dem von Charax angeführten fr. 143 Bentl.
dafs die naXcaazai des Pratinas denselben Müller, Orchom. 95. Preller, Gr. Myth. 2, 499.
Stoff wie der Kerkyon des Aischylos behan- [Stoll.]
delten. („Der Ort, wo Kerkyon die Fremden Kerkyoneus (K^gKnov^vg), 1) Beiname des
zu ringen zwang, hiefs -nctXaiaxga Kegxvovoz Apollon auf einer Inschrift isoevc: 'AnoXXasvog
[Paus. 1, 39, 3], die Satyrn, die in seine Hand KtQnvovicog, C. I. A 3, 1203. — 2) = Ab-
geraten waren, konnten daher wohl Tialaiatai 40 Y.vavtvg. d. i. Ksq-kvcdv (s. d.). [Höfer.]
genannt werden". ) Von Bildwerken, welche Kerkyra und Korkyra (KiQ-xvQct, Koqxvqu),
den Kampf des Theseus und Kerkyon dar- Tochtfr des phliasischen Flnfsgottes Asopos
stellen, ist zu nennen eine Metope des The- und der Arkaderin Metope, von Poseidon auf
seion, Stuart, Ant. of Athens 3, 1 PI. 13, 12. die nach ihr benannte Insel entführt, wo sie
Marbles of the Brit. Mus. Tom. 9 PL 21; ihm den Phaiax gebar, Paus. 2, 5, 2. 5, 22, 4.
[ Baumeister , Verikm. d. kl. Alt. Fig. 1864. Schol. Find. Ol. 6, 144. Ap. Eli 4, 568. Diod.
Röscher.]; ferner eine Anzahl Vasen, welche 4, 72. Hellanikos b. Steph. B. v. #«(.«£. Schol.
Gerhard, Auserlesene Vasenbilder 3 p. 33 TA. 234 Od. 13. 130. [Das Haupt der Korkyra erkennt
verzeichnet [s. auch Arch. Ztg. 41 S. 11 f. 43, 258. Gardner auf dem Obv. von Bronzemünzen von
Baumeister a. a. 0. Fig. 1873. Jahrb. d. a. I. 7, 50 Kerkyra: ,,KOPKYPA Head of Corcyral.,wearing
208 f.]; [s. ferner 0. Wulff, Zur Tlieseussage. wreath of ivy and earring. jRs. Wreath of ivy",
Dorpat 1892: 2. Die Theseusathlen auf den Cot. ofGreek Coins [in the Brit. Mus.] Thessaly
Metopen des sog. Theseion und in der rotfig. to Aetolia p. 132 nr. 290—294, PI. 23, 15; vgl.
Vasenmalerei; Heydemann, Khein. Mus. 1881 (ohne Beischrift) noetoXcixag, KurdX. tcöv äox-
p. 469 nr. 5. Klein, Die gricch. Vasen mit voyLeiiaToyv Kig-nvQag, AivxaSog 'i&citirjg ...
Meistersignaturen p. 194 nr. 7; die Deutung p. 20 nr. 221 ,.KicpctXi] hauxrig ßorgvei jrtpi-
der Darstellung eines Gefäfsdeckels auf diesen ßEßXrifisvr] ng. S.'1; ferner erkennt es de Witte,
Kampf durch de Witte, Descr. d'une coli, de Ont. Gfreppo p. 78 nr. 581 auf dem Obv. einer
vases peints et bronzes ant. provenant des fouilles kleinen Silbermünze: „ Tete de la nymphe Cor-
de l'Etrurie. Paris 1837 p. 66 f. nr. 114 = eo cyra, avec le diadtme, ä dr. ; derriere K. i?s.
Cat. Beugnot p. 43 nr. 44 wird von Stephani, Grand astre" ; vgl. Coli. Bompois 80, 1003:
C. r. p. l'a. 1S67 p. 23 Anm. 4 verworfen. „Tete de nymphe" ; weiter Gardner, Bompois
EinSarkophagreliefderVillaPanfilistelltdar nnd Postolakas in einem mit der Stephane
denkleinenHippothoon, von der Amme demKer- oder dem Epheukranz gezierten Haupte neben
kyon überbracht, Stephani, C. r. p. l'a. 1863 dem des jugendlichen Herakles auf dem Obv.
p. 187 nr. 64, mit Litteraturnach weisen, und von Bronzemünzen, deren Rs. das Vorderteil
p. l'a. 1864 p. 159 — 165. Fragweise deutet eines" Schiffes nnd die Beamtennamen API-
Cavedoni, Indicazione dci principali monumenti ZTEAI APIITQNOX oder <t>IAQTAZ zeigt,
1175 Kerkysera Kestrinos 117fi
C. G. C. Brit. Mus. Thess. p. 146 nr. 493— 498; Sp. 71 ff. Röscher.] [— 2) dichterische Be-
ll. 152 nr. 557 — 560; Coli. Bompois r>. SO nr. 1010; Zeichnung der Selene, Manetho, Apntelesmatica
rioGToldxctg p. 32 nr. 396 — 399; p. 35f. nr. 449 A' 282; sowie Beiwort derselben, Manetho
— 451, während L. Müller, Muse'e Thorvaldsen ?' 138. 593. 640; A' 271. ISTonnus, Dionysiaca
p. 252 nr. 43. 44 und Cohen, Cat. Greau p. 110 23, 309: rctvgocpvrig Y.Egoseßtt ßoäv iXdzzigcc
nr. 1299 vielmehr Oraphale erkennen wollen. SsXrjvrj; vgl. Boscher , Selene p. 20 Amn. 64,
Abzuweisen dürfte de Wittes, L. Müllers, B oll in p. 123 Anm. 525; Mgvrj KtgofCGa. Manetho
et Feuardents, Cohens Deutung eines belorbeer- s' 44; A' 26. 64. Drexler.] [Stoll.]
ten Hauptes als Korkyra sein für den Obv. yon Kerphios(?) (Kigtpiog?): zweifelhafter Name
Bronzemiinzen mit verschiedenen Reverstypen: 10 eines Sohnes des Aiolos, Vaters des Ormenos,
Dreizack, L. 3Iüller p. 95 nr. 508; Bollin et des Gründers von Ormenion in Thessalien:
Fcuardent, Cat. d.'unc coli, de med. des peuples Beutet r. Sceps. b. Strah. 438. Andere lesen
et villes de la Grcce 1 p. 214 nr. 3260; Amphora, statt KtgcpLoi> Ksg-näcpov. [Röscher.]
L. Müller p. 253 nr. 49; ArP6YC, L. Müller Kerthe (Ksg&rjX Thespiade, von Herakles
p. 252f. nr. 47. 48; Dionysos auf Panther, L. Mutter des Iobes, Apollodor 2, 7, 8, s. oben
Müder p. 253 nr. 59; ZEYC KACIOC (hier mit Bd. 2 Sp. 282. Unwahrscheinlich macht Fr.
der Obv. -Aufschrift KOPKYPA und einer Leier Lenormant , Gaz. urch. 2 p. 126 und Lettres
vor dem Haupte), L. Müller p. 252 nr. 45. 46: assyriologigues 2 p. 190 zu ihrem Sohn den
de Witte, Cat. Greppo p. 79 nr. 588; Cohen, Iolos = Iolaos und bemerkt über ihren
Cat. Greau p. 110 nr. 1300; Bollin et Feuar- 20 Namen: ,,On en fait l'une des Thespiades,
dent I p. 215 nr. 3261. Hier erkennt Gardner mais il est impossible de nc pas etre frappc
wenigstens für den zuletzt angeführten Typus de l'analogie de son nom avec le plie'nicien
(p. 153f. nr. 570 — 577) vielmehr Apollon, wäk- nip „la ville", Clement essentiel du nom indi-
rend er freilich seinerseits das Haupt der gene de Carthage P'ain r^p .Ja rille neuve";
Korkyra sehen will in der belorbeerten Büste Certha est, du reste, comme Carthada, le nom
des Obv. von Bronzemünzen mit dem Revers- d'un des quartiere de Carthage, ,.la cite" par
typus eines Schiffes mit Ruderern und der excellence (mp) . . . Le Iolos, fils d'Heraclcs
auf Vorder- und Rückseite erscheinenden Auf- tt de Certha, me parait donc avoir du etre ä
schritt KOPKYPAICON. Mit Unrecht auch sehen Vorigine le jeune dien carthaginois , fils de
L. Müller p. 253 nr. 52 und de Witte, Cat. 30 Khammon et de Tani.t , identifie ä la cite
Greppo p. 79 nr. 591 Korkyra in der von qu'elle prote'ge." [Drexler.]
TloeTo7.tiY.cic (p. 37, 463. 467: 40, 489: 42, 501; ' Kerillkos (KsgovXKoa) = Apollon; Suid.
49, 543), Gardner (p. 159, 635, PL 26, 2; 636; s. v. K. o 'Aitollcov. Vgl. auch Hesi/ch. s. v.
p. 160, 643—645; 649, PL 26, 5; 650; p. 161, [Röscher.]
653; 658; p. 163, 674; p. 165, 688, PL 26, 13; Kerus = Cerus (s. d.i.
p. 166, 696. 697. 699) und Read, ET. N. p. 277 Kerynes (Ksgvvrjg), Sohn des Temenos, der
als Ares erkannten stehenden Figur auf mit seinem Bruder Phalkes ihre Schwester
Münzen verschiedener Kaiser. Drexler.] [Die Hyrnetho, Gemahlin des Deüphontes, Herrschers
Insel Korkyra ist ferner dargestellt auf von Epidauros, rauben wollte, aber von diesem
einem Relief (Corr. hellen. 2 pl. 12): vor la getötet wurde, Bans. 2, 28, 3; s. DeTphontes.
einem links auf einem Felsen sitzenden bärti- [Stoll.]
gen Mann, in dem wir wohl eine Personiflka- Keryx (Kfjovi;), der Stammvater der im
tion des drjuog rmv 'A%r\va(a>v zu sehen haben, eleusinischen Dienste thätigen Familie der Ke-
steht eine Frauengestalt im Peplos, die mit ryken, nach der Behauptung der Keryken
der rechten Hand ihren Schleier hebt, wäh- selbst ein Sohn des Hermes und der Kekrops-
rend sie die linke auf die Hüfte stützt; weiter tochter Aglauros, und nicht des Eumolpos,
nach rechts steht Atbena; es handelt sich um wie andere sagten (Paus. 1, 38, 3. Hesjich. und
einen Vertrag zwischen Athen und Kerkyra, Suid. v. Kr)gv*£g), Sohn des Eumolpos, sowie
Kiihler in C. I. A. 2, 496 p. 398. Dumont in auch Vater eines zweiten Eumolpos, Andrem
Corr. hellen, a. a. 0. 560. 562. Höfer.] [Stoll.] 50 b. Schol. Soph. 0. C. 1051. Bollux 8, 103. Er
Kerkysera (Keg-nvaiga), Name des Achil- heifst auch Sohn des Hermes und der Kekrops-
leus, als er verkleidet unter den Jungfrauen tochter Pandrosos, Androtion b. Phot. p. 671,
bei Lykomedes in Skyros lebte, AristoniJcos v. 16. Schol. Tl. 1, 334. Loheck Aal. 1, 213.
Tarent b. Btol. Eephaest. Nov. Hist. 1 p. 183 [Mehr b. Töpffer, AH. Genau. 25. 80ff. Dittcn-
Westermann. [Stoll.] herger im Hermes 20, lff. Röscher] \Bohde,
Keroessa rKtgösaea. die Gehörnte'), l"l Tochter _P.«/c^ p 120 Anm. 2. Drexler.] [Stoll.]
der Io und des Zeus, zu Byzantion auf der Kesandra (KEIANAPA^ == Kassandra (s. d.),
Halbinsel Keras geboren und von der Nymphe Amphora in Wien, p. Sacken u. Kenner, Die
Semestra aufgezogen, von Poseidon Mutter des Sammlungen d. K. K. Münz- u. Antiken-
Byzas, des Gründers und Königs von Byzan- 60 Kahinetfs p. 199 nr. 100. [Drexler.]
tion; auch Mutter des Strombos, der den Byzas Kestria (Keatgia), Tochter des epirotischen
und die Byzantier bekriegte, Steph. B. v. Bv- Königs Campus, Gemahlin des Helenos, der
tavtiov. Eustath. zu T)ion. Per 803. Prokop. r\i? Chaoner nach seinem Schwiegervater Campi
de aed. 1, 5 Eesych. Mil. b. Müller, fr. hist. nannte, Serv. Verg. A. 3, 334. [Stoll.]
nr. 4 p 148, 8. 9. 150, 20. Müller. Dm: 1, 120. Kestrinos (Kiatglvog), Sohn des Helenos und
Prolegg. 133. [Vgl. auch die schönen Münzen der Andromache, der die Landschaft Kestrine in
von Byzanz mit dem Bilde der 'K. in der Epirus gewann und nach sich benannte, Paus. 1,
'Ecprip. ägx- 1889 niv. 1 nr. 7 — 9 und Text 11, 2. 2, 23, 6. Steph. B. v. Kafifiavia. [Stoll.]
-1177 Kestros Ketos 1178
Kestros (Aiargog), 1) Trojaner, von Neopto- von Pergauion, K. und Selinos, erkennt Hubert
lemos vor Troja erlegt, Qu. Sm. 8, 298. [Stoll.J {Jahrb. d. arch. Inst. 3 S. 94) in den beiden
— [2)Flujfigott, dargestellt auf Münzen des Marc gelagerten Männergestalten einer die Gründung
Aurel (Waddingtun, Mevue num. 1852 p. 44 vonFcrgainondarstellendenPlattedespergamen.
nr. 1) und Claudius Gothicus von Sagalassos, Telephosfrieses. Röscher.] [Drexler.J
(Heilerin, Eec. 3 p. XX. MdL 2 p. 368. Eckhel, Keten(Ä'fir/j'/i, mythischer König von Ägypten,
D. N. V. 3 p. 25. Mi. 3, 526, 133. Head, H. N. von den Griechen mit Proteus (s. d.) identi-
p. 592) mit der Beischrift KECTPOC gelagert, Meiert, weil von ihm erzählt wurde, dafs er
in der R. ein Rohrbüschel, d, 1. Ellenbogen nvsv iiätav i%av i\x,nngiav nun ttjv fioqcfiriv
auf der Wasserurne. Merkwürdig ist der 10 ^Bzu^äXlnv öte fitv tig '(,äcav xvnovq ots d'i
Typus einer Münze des Gallienus bei Imhoof, eis dsvägov i) nvg ij ti täv allu>v. Diod. Sic.
Grieeh. Münzen p. 699 nr. 508: „CAMAAAC- 1, 62. Vgl. Herod. 2, 112 und Wiedemann,
C6S2N. Riesenhafte (?) männliche Figur in Herod. 3. Buch S. 431ff. [Röscher.]
langem Chiton, der die r. Seite des Ober- Keteus (Ktjzsvs), Arkader, Sohn des Parthis
körpers entblöl'st läfst, r. h. schreitend, die und der Archiloche, Bruder des Paros; zeugte
R., wie zum Schlage ausholend, über den mit Stilbe die Kallisto, Schol. Eur. Or. 1642.
Kopf erhoben, und mit der L. einen neben Pherekydes b. Apoüod. 3, 8, 2. Oder Sohn des
ihr r. h. schreitenden Stier mit erhobenem Lykaon, Vater der Megisto (=■ Kallisto), unter
Schweif an einem der Hörner packend", die Sterne versetzt, Ariaithos b. Hyg. 1'. A.
eine Darstellung, welche mit der ßeischrift 20 2, 1 u. 6. Heyne, Obss. Apoüod. a. a. 0. [Vgl.
KGjCjTPOC auf einer Münze des Volusianus, auch Wolters in der Arch. Ztg. 43 S. 266 u.
Imhoof p. 700 nr. 509 Tfl. 2, 11. Sestini, Lett. 267 Anm. 4. Röscher. j \_Frane, De Callistus
num. cont. 8, 92 TU. 2, 11. Mi. 3, 515, 129 fdb. p. 305. 345f. Drexler.J [Stoll.J
(falsch „Femme assise sur un Hon courant Ketios = Keteios (s. d).
ä dr.") wiederkehrt. Imhoof bemerkt dazu: Keto (Ki)zm), 1) Tochter des Pontos und
„Auf den Münzen nr. 508 und 509 scheint der der Gaia, welche mit Phorkys die Graien,
Stier den Plufs darzustellen und von einer (Jorgonen .und den Drachen zeugte , der die
Gottheit, die nicht Herakles ist, in seinem goldnen Äpfel bewachte, Hes. Theog. 238.
Laufe angehalten oder bekämpft zu werden." 270 ff. 333. Apollod. 1, 2, 6. 2, 4, 2. Hyg.
Head, H. N. p. 585 erkennt fragweise (s. Ee- 30 praef. p. 28 f. Bunte. Lucan. Phars. 9, 646 ;
gister p. 801) den Kestros auch auf Münzen vgl. Find. Fyth. 12, 13. Auch gebar sie dem
von Perga (Mi. 3, 463, 95, Septimius Severus), Phorkys die Hesperiden, Schol. Ap. Rh. 4,
sowie zu Pulsen der Stadtgöttin auf Münzen 1399. Gemahlin des Typhon nannte sie Eupho-
von Sillyon, p. 588 {Mi. S. 7, 84 f., 268. rion b. Et. M. p. 396, 31. Schümann, Op.
Sestini, Lett. num. cont. 8 p. 89 nr. 9. 10, Acad. 2, 176 ff. 181 ff. Braun, Gr. Gotteil.
Salonina). Drexler.J § 102 ff. Preller, Gr. Myth. 1, 459. Gerhard,
Keteios (Är/taos), Flufsgott, erscheint zu- Gr. Myth. 1 §105. Boscher, Die Gorgonen 23 f. —
sammen mit Seleinos, beide kenntlich ge- i) Eine Nereide, Apollod. 1, 2, 7. — 3) Eine
macht durch die Beischrift CGACINOC KHTGIOC .Naiade, vom Geschlechte des Ukeanos, Mutter
auf Münzen des Marc Aurel von Peigamon, 40 des Deriades, Konn. Dion. 26, 365. [Stoll.J
gelagert, nach Spanhemius mit einem Eppich- Keton s. Ketos 3.
zweig in der Hand, zu Füfsen der Statue des Ketos (KBTOM), 1) Beischrift des Seeunge-
Asklepios, Spanhemius, De pjratsl. et usu num. lieuers [welches die Andromeda verschlingen
ant. 1 p. 507 — 508 (Kabinett der Königin sollte; vgl. die Stellen bei Nauclc, Fr. trag, gr.1
Christine von Schweden). Yaülant, Num. Gr. S. 312f. Apollod. 2, 4, 3. Roscher.J auf einer
p. 55 (Kab. des Grofsherzogs von Tot>cana, Amphora aus Caere mit der Darstellung der Be-
CEAE1NOC KETIOC) = Eckhel, D. K. V. 2 p. 472. freiung der Andromeda durch Perseus, Monum.
Mi. 2, 602, 582. Mi. S. 5, 442, 1012 = bestini, d. Inst. 10 tav. 52. Löschckc , Ann. d. Inst.
Descr. N. V. p. 291 nr. 33 Tab. 7, 7 ^EAEI- 1878 p. 301-316. liobert, A. Z. 1878 p. 16.
NOYC • KHTEIOC). Sestini, Mus. Hedeivar. 2, 50 Furtwängler, Vasensammlung im Antiquarium
118, 51 (CEAEINOYC • KHTEIOC). Num. Chiron. nr. 1652. Dumont et Chapilain , Les ceramiques
1882 p. 37 PI. 2, 3. II. M'roth, Cat. of the de la Grece propre p. 253f. nr. 14. Das tote
greek coins of Mysiu p. 146 nr. 287 (CGA6INO[CJ Ungeheuer glaubt v. Sollet, Zeitschr. f. Num.
KHTöOCj. Cat. Ivanoff 24, 222; ebenso auf 13, 1885 p. 7 3 f. auf einer Münze des Valeria-
Münzen des Marc Aurel zu Füfsen der Tyehe, nus sen. von Koropisos mit der Darstellung
Pelltrin, Suppl. 2 PI. 4, 2 p. 7 Off. Mi. 2, 602, des Perseus und der Andromeda und der Re-
583 (KHTIOC • C6AINOC). Auf einem Medaillon versaufschnft KOPOTTaCeWN "HC KIHTGJN
des Commodus soll dargestellt sein: „Iuppiter MTTPOTTO zu erkennen. Er vermutet, dafs
iuvenis slans inter capita Solis et Lunae, dextra das jhjtos das gemeinsame Abzeichen der Land-
fulmen, laeva hastam tenet: in imo hinc figura 60 schaft Äiyng ist. Vgl. auch d. Art. Kepheus,
Seiini, Mine Cetil, fluviorum, intermedia lovis Kephenes,Kassiepeia, lope, Perseus, Andromeda.
aquila", Morelltus, Specimen univ. rei numm. — 2) Auf einer Vase mit der Darstellung
ant. 13.33 Tab. 1,3. Spanhemius, Epistola IV der Flucht des Perseus vor den Gorgonen,
ad Morellium p. 209, 238ff. Gefsner, Impp. Ann. d. Inst. 1866 Tav. R p. 2a8ff. Brunn,
Tab. 123, 10. Eckhel 2 p. 472. Mi. S. 5, 446, 1041. Bull. d. Inst. 1865 p. 148 erkennt Heydemann,
Allein mit der Beischrift KHTEIOC findet er Bhein. Mus. 1881 p. 471 nr. 10 in der neben
sich auf einer Münze des Aelius Caesar, Wrotli der Meduse befindlichen Beischrift OETOS
p. 144 nr. 277, PI. 28, 18. [Beide Flufsgötter „<pETOI (n<>os) als Bezeichnung der schreck-
1179 Ksv&ijveg Kewan 1180
liehen Medusa, welche nach Hesiods Theogonie erklärt worden ist. Auch auf der Münze des
(270 ss.) ja eine Tochter der Keto war und Antiochos XII. ist wohl Hadad zu sehen,
daher als f*ijros' sehr wohl bezeichnet wer- BeidieserGelegenheitrnögeneinigeBildwerke
den konnte (vgl. dazu ihre Benennung als zu Hadad (Iuppiter Heliopolitanus) nachgetragen
öslvov nikmQOv bei Rom. IL 5, 741 und Od. werden. Auf eiuem 1838 in Marseille gefun-
11, 634. Hes. Heut. 233)". — [3) Das Meer- denen Marmorrelief, welches ins Musee Calvet
ungeheuer, welches in der Hesionesage (s. zu Avignon gelangt ist, Stark, Arch. Anz.
Hesione) eine Rolle spielte, nach der euherne- 1853 p. 365, wollte R. Bazin, Bev. Arch. 3eser.
ristischen Auffassung bei Palaeph. 38 eigent- 8. 1886 p. 257 tf. PI. 26 Artemis Diktynna dar-
lieh ein König Krjrav. — 4) S. Sternbilder. 10 gestellt sehen, während Wolters, American
Röscher.] [Drexler.] Journ. of Arch. 6 1890 p. 65 ff. Fig. 14 ZeÜs
Ktvfhfjvss' ot w.cctu%&ovioi öaigovss Suidas. 'HXionoXiriß erkannte. Eine Bronzestatuette
Vgl. Katachthonioi. [Koscher.] des Gottes im Antiken- und Münzen-Kabinett
Keutüonyiiios (Kiv^ävvfiog) , Vater des am Joauneum zu Graz hat W. Gurlitt, A. E. M.
Menoitios (s. d.), des Wächters der Rinder 14. 1891 p. 120 — 125 bekannt gemacht. Zu
des Hades, Apollod. 2, 5, 12; vgl. Wagmr, der oben angeführten Münze des Antiochus XII.
Epit. Vatic. p. 33. Tzetz. Chiliad. 2, 397. bemerkt Imlioof, Monn. gr. p. 437, dal's der
[Höfer.] Typus durch die beiden Stiere an der Basis
Kewan, der Planet Saturn, assyrisch Ka-ai- an die Gottheiten der Münzen von Rhosos
va-nu, II . A. I. 2, 32, 3 1. 25. Lenonnant, 20 (Imhoof, Monn. gr. p. 440 nr. 8. Choix PL 7,
Essaidecommentairedesfragmentscosmogoniqucs 22s), Hierapolis in der Cyrrhestika, Dion in
de Be'rose p. 373 Anm. 1 zu p. 370. Oppert, der Dekapolis (Mi. 5, 322, 18—20. Suppl. 8,
Journ. asiatique 1871 p. 445. Sehrader, Monats- 226,7; de Saulcg, Numismatiaue de la Terre
berichte d. Berliner Akad. 1880 p. 275 und Saude PI. 19, 9) und Neapolis in Samaria (Mi.
Die Keilinschr. u. d. A. T. 2. Aufl. p. 443. 5, 501, 79—81; 503, 95. 96; Suppl. 8, 348, 66.
Arnos 5, 26 erwähnt ihn als Sternengott der Sanclemetde 3 Tab. 38, 46) erinnert. Ich habe
Bewohner des Nordreichs. Movers, Phoen. 1 oben gegen Studniczkus (A. E. M. 8 p. 61 f.)
p. 289. Lenormaut a. a. O. p. 124. Schrader, Bezeichnung des Götterbildes auf den Münzen
Theol. Stud. u. Krit. 1874 p. 827 und K. u. von Neapolis und Eleutheropolis als Iuppiter
d. A. I. 2. Aufl. p. 442 f. Baethgen, Beitr. z. 30 Heliopolitanus Bedenken ausgesprochen. Doch
sentit. Beligionsgesch. p. 239. Letzterer be- wirft Gurlitt a. a. 0. p. 122 Anm. 3 mit Recht
merkt: „Sakkut wie Kevan sind assyrische dagegen ein, dafs wenn Eckliel den Typus
Gestirngottheiten, welche die Israeliten von von Neapolis für weiblich gehalten habe, dies
den Assyrern angenommen hatten und, wie es nichts gegen Studniczkas Deutung beweise, da
scheint, mit ihrem Moloch (König) und der auch das Lenormantsche und Bazinsche Relief
aramäischen Gottesgestalt Selem, die unter und die Grazer Statuette früher für weiblich
den Israeliten Anhänger gehabt haben mufs, angesehen wurden. Bei einer Durchsicht der
in Verbindung setzten, sodafs ein Sakkut- im Berliner Kabinett befindlichen Münzen von
Melek und ein Kevan-Selem entstand.'' Bei Neapolis bemerke ich, dafs wenigstens ein
dfti Ssabiern wird er bezeugt durch JS'orberg, to Stück, eine Münze des Marc Aurel, sicher
Cod. JS'as. p. 54. Movers p. 290. Den „Kewan, eine männliche Statue, mit Kalathos auf dem
welcher seine Kinder f'rifst" kennt als Gott- Haupt, Geifsel in der R., zwei Ähren in der
heit der Syrer der h. Ephraemius II p. 458. L., unten rechts und links Vorderteil eines
Movers a. a. 0. Lenonnant a. a. 0. p. 124. Zebu, darstellt. Von Gemmen führt Studniczka
Die arabischen Lexika verzeichnen Keiwan a a. 0. p. 62 Anm. 6 an die bei Lajard, Culte
als Namen des Saturn, Movers und Lenonnant de Venus PL 3 B, 6; 5, 2; 14 A, 8 abgebildeten,
a. a. U. Den Baal Kevan will Babelon, Es dürften hierher aber auch noch folgende
Les rois de Sgrie, d'Annenie et de Commagene gehören: Lajard, Culte de Venus PI. 14 G, 5.
p.CLXXIIIerkennenauflolgenderTetradraehme Jaspe rouge, Coli, de Montlezun: Götterbild mit
des Antiochos XII Dionysos in Dresden: „Tete so Kalathos, Strahlenkrone, Geifsel in der er-
diademee d' Antiochus XII. a dr. Bs. BAXIAEftX hobenen R. , langer Ahre(?) in der L., zwei
ANTIOXOY EniOANOTI QIAOTTATOPOI KAA- Stiervorderteilen zu Fülsen; A Catal. of
AINIKOY. Divinitc barbue, de face, entre deux engr. gems in the Brit. Mus. London 1888
taureaux couches, sur une base ä deux degres. p. 109 nr. 772: Artemis of Ephesus, with modius
Le dieu est coiffe d'un bonnet pointu, vetu d'un on head, ears of com m r. hand; Jlail in l.
chüon long, avec unelatge ceinture nouee autour hand; an animal at each side; rüde execution.
du Corps, et d'un peplos agrafe sur le cou. Ses Sard. ,-nr. 773: Artemis of Epliesus with modius
deux mains sonte'tendues; dans la gaucheil tient on head; ear of com in l. hand, whip in r.
«» epi avec deux feuilles. Le degre superieur hand; at her feet, tuo diminutive oxen. Brown
de la base parait porter une inscription. Dans go Jasper. Tgre (man beachte die Herkunft!).
le champ ä gauche, le monogr. nr. 14S ; ä l'exergue, Merkwürdigerweise zeigt ein derartiges Götter-
la date A5KX (= an. 227). Couronne de laurier bild mit zwei Ähren in der R., Geifsel in der
au pourtour1' = Imhoof, Monnaies grecques L., zwei Stieren zu Füfsen auf einem Karneol
p. 437. Babelon erkennt in der Figur dieselbe bei Caglus, Beeueil. d'ant. 6 PI. 45, 1 drei Köpfe,
Gestalt, welche auf Münzen von Hierapolis in sodafs es kaum anders als mit Gtrhard, Ant.
der Cyrrhestica erscheint und von Six, Num. Bildw. 307, 36 p. 91, 3961'. Hekate benannt
Chron. N. S. 18, 1878 p. 111, 120 für Baal werden kann; indessen Petersen, A. E. M.
Kevan, von mir oben 1 Sp. 19891'. für Hadad 5 p, 74t'. , DD, f. zweifelt an der Echtheit
1181 Keyx Kibyras 1182
des Steines. Vielleicht beruht auch die Drei- Apollod. 2, 7, 7. Auch Hylas heifst ein Sohn
köpfigkeit nur auf ein^m Versehen seitens des Keyx bei Ant. Lib. 26. Über das hesiodeische
Caylus' und seines Zeichners infolge schlechter Gedicht von der Hochzeit des Keyx, welche
Erhaltung des Steins. Dals derselbe that- er wohl einem Sohn oder einer Tochter aus-
sächlich beschädigt ist, zeigt die am oberen richtete und zu welcher Herakles als Freund und
Teile auf der Abbildung sichtbare Abschabung, naher Verwandter ungeladen kam (Athtn, 5, 178),
welche Petersen irrig für den Mond in Wolken s. Müller, Dor. 1,457. 2, 481. Preller, Gr. Myth.
ansah. Ferner dürften hierher gehören zwei 2,247 u. 248, 1. — Müller, JDor. 1, 416. Preller
Gemmen der Bibliotheque imperiale bei Cha- 2, 246 ff. — 2) Sohn des Heosphoros und der
bouillet p. 222 nr. 1616: Ceres, ou plutöt Xoanon, 10 Nymphe Philonis, Gemahl der Alkyone, einer-
ou simulacre de Ceres, sur une base. La cleesse Tochter des Windgottes Aiolos. Beide Gatten
est repre'sentee debout, avec le modius, eile tient nannten einander aus Hochmut Zeus und Hera
d'une main un fouet et de l'autrc des e'pis et und wurden deshalb zur Strafe in Vögel ver-
de« pavots. Cornaline brülee. Bapportee de wandelt, Keyx in einen Taucher (xrjujj, x>/'£),
Syrie [!! !] par M. Guys und nr. 1677. Meine Alkyone in einen Meereisvogel (üIkvojv), eine
sujet. Cornaline. Das Fehlen der Stiere be- aus einem alten Naturmärchen entstandene
weist nichts gegen unsere Deutung; bei der Geschichte, Hyg. f. 66. Schol. H. 9, 562. Schal.
Grazer Statuette fehlen dieselben gleichfalls. Aristopih. Av. 250. Apollod. 1, 7, 4. Ov. Met.
Der von Studniczka schon richtig nach der 11, 410 — 750. Serc. Verg. Ge. 1, 399. Dieser
Abbildung beiLajard, Culte de Venus PI. 14G, 15 20 Keyx wird öfter mit nr. 1 vermengt; Ooid
erkannte Typus des Steins der Sammlung z. B. und Schol. Aristuph. nennen ihn König
Mertens- Schaff hausen wird im Cat. of engr. von Trachis , Apollodor nennt seine Gattin
gems in the Brit. Mus. p. 109 nr. 775 irrig Alkyone, Tochter des thessalischen Aiolos,
beschrieben als: Artemis of Ephesus, between Preller, Myth. 2, 248 ff.; s. Alkyone nr. 3.
Aphrodite and Athene, all Üiree Standing to [Mehr bei De Vit, Gnom. s. v. Ceyx. Röscher.]
front. Artemis icears modius, holds flau in r. [S. auch v. Wilamomtz-MöUendorf, Hermes
hand, and ears of com in l. hand; at her feet 18 (1883) p. 417 Anm. 2. Mei'kwürdig ist die
two animals ... Onyx. Mertens and Castellani von Alirens, Kleine Schriften 1 p. 504 — 505
Colls; cfr. Raspe p. 152 nr. 2057. Soufre de gegebene Zusammenstellung von Kifü^ (xt/|,
Stosch = Winckelmann , Cat. de Stosch p. 79. 3u xerar/ij, xaiiai;, xafJaij, xuvng, xäß-rjs) aus xaj--ai;
Ähnlich scheint zu sein ein Diaspro rosso des mit 'Aäog und tetvag d. i. Adonis , und von
Museo Borgiano 3. cl. 9 div. nr. 32b. Doc. mriQvXog, xtigvlog, hbiooq mit KiQig, Kiggtg,
ined. 3 p. 477: Diana Efesia ...; tiene nell' Kvgig, d. i. gleichfalls Adonis, sowie die Deu-
abbassata destra una torcia breve (wohl eine tung desselben als Morgenstern. „Die Sym-
Ähre), nell' alzata s. un flagro. Intomo al sito bolisierung des 'Aäog durch diese Seevögel
delle ginocchia souo due bori gibbosi . . . Alla rührt offenbar daher, dafs man sich den Mor-
sua destra trovasi Astarte, alla sinistra Mer- genstern bei seinem Verschwinden ins Meer
curio ..." stürzend dachte wie einen Tauchervogel."
Wenigstens erwähnt sei schliefslich noch Drexler.] — 3) Sohn des Hyllos und der lole,
der im Catalogue des ant. gr. rom. . . . com- 40 Tzetz. L. 804. [Stoll.]
posant la coli, de MM. de Fegervary de Pulsky Kiauis {Kiavig), nach J. de Wüte, Etudes
Paris 1868 p. 47 nr. 762 verzeichnete Steiu: sur les vases ptints. Paris 1865 p. 45 und
Des trois grands Dieux de la Syrie, assis sur Dumont et Chapluin, Les ceramiaues de la
des trönes formes de Eons. Sardoine, wenn- Grece propre p. 251 f. Name eines der Pferde
gleich man sich aus der allzu knappen Be- des Hektor auf einer Vase von Caere mit Dar-
schreibung kein rechtes Bild der darauf dar- Stellung des Abschieds des Hektor von seineu
gestellten Gottheiten machen kann. [Drexler.] kitern. Im C. I. Gr. 7379, wo der Name
Kevx (Kr'iv^j, 1) König der mit den Dorieru Kvarig gelesen wird, und von Luckenbach,
verwandten Malier in Trachis, Freund und Das Verhältnis der gtiecli. Vasenbildcr zu den
Verwandter des Herakles (Bruderssohn des 50 Gedichten des epischen Kyklos p. 544, welcher
Amphitryon, Schol. Soph. Traclt. 39], ein treff- richtig Kianis liest, wird das Wort als Name
licher, von den Göttern geliebter Fürst, Hesiod. einer der der Scene beigegebenen Jungfrauen
Scut. 354. 472 ff. Trachis, das Herakles ge- gefafst. [Drexler.]
gründet (Steph. B. v. Tquxis), wurde von Kibyra (CIBYRA), beigeschriebener Name
diesem öfter besucht und war längere Zeit der einer amazonenhaft geschürzten mit Helm und
Wohnsitz seiner Familie, Soph. Trach. Paus. Lanze ausgerüsteten weibliehen Figur, der
1, 32, 5. Apollod. 2, 7, 6. Diod. 4, 36. Tzetz. Personifikation der Stadt Kibyra, auf der sog.
Lyk. 50. Auch des Herakles Kinder fanden puteolanischen Basis; vgl. Ö. Jahn, Ber. d.
nach dessen Tod Schutz bei Keyx; doch zwang Sachs. Ges. d. Wiss. 1851 S. 119ff. u. Taf. I —
ihn die Macht des Eurystneus, sie von sich 6u IV; Baumeister, Denkm. d. kl. Alt. S. 1295 ff.
zu lassen, Apollod. 2, 8, 1. Diod. 4, 57. Heka- Fig. 1441. [Röscher.]. [Das Haupt der Stadt-
taios bei Longin. de suhl. c. 27; s. Herakles göttin mit Mauerkrone und Schleier und der
und Herakliden. Seine Tochter Themistonoe' Beischritt KIBYPA erscheint auf dem Obvers
war mit dem Aressohn Kykuos vermählt, und autonomer Münzen der Stadt Kibyra, Mi. 4,
als dieser von Herakles im Zweikampf erlegt ^58, 375. S. 7, 533, 241. Berliner Cabinet
worden war, begrub Keyx seine Leiche, Hes. aus Sammlung von Prokesch Osten. Drexler.]
Scut. 356. 472 ff. Hippasos, ein Sohn des Keyx, [Höfer.]
zog mit Herakles gegen Oichalia und fiel, Kibyras (KißvQug), Bruder des Marsyas,
1183 Kichyros Kileus 1184
Gründer der Stadt Kibyra in Lydien, Steph. B. das xtulai piv raXlaixrj , vvv äs Bpiavxiyu)
v. Täßai. [Stoll.] genannte Land wird^ebd. 108 als zu ihrem
Kichyros (Kixvpog), Sohn eines Königs der Gebiet gehörig bezeichnet. Auch Zsqqsiov
Chaonen, welcher auf der Jagd bei der Ver- soll dazu gehören (Herod. 7, 59), ebenso Zävn
folgung eines Pardels durch den Wurf eines nach Hekataios (Steph. Byz. 298, 8). Vgl.
Speers in das Dickicht eine darin mit ihrem noch Eustath. ad Muni. 1096, 5 u. 1615, 11.
Geliebten versteckte Jungfrau Anthippe tötlich Nach Plin. n. h. 6, 55 wohnen sie dagegen
traf, vor Schreck vom Rosse fiel und umkam. nördlich von den Skythen. Sie sind Thraker,
Den Ort, wo er gestorben, umgaben die Chaonen nouiCAXovres £<"S gpotaig xi)v a^ipitoiv. Ihren
mit einer Mauer und nannten die so ent- 10 Namen haben sie erhalten von KUwv, dem
stehende Stadt Kichyros, Parthen. 32. Kichyros Sohn des Apollon und der Rbodope (Et. m.
in Epeiros ist das alte Ejjhyra. [Stoll.] [Sohn 513, 36). Dessen Sohn ist wieder Biston, nach
des Mermeros , nach dem die Stadt Ephyra Philostephanos , von dem das Land Biaxovin
in Epeiros Kichyros benannt sein soll, schul. den Namen hat (Schal. Apoll. Rh. 2, 704). Bei
Find. Nein. 7, 53. Phylarch. bei Partiten. 32. ihnen wohnt Boreas mit Oreithyia (Ov. met.
Höfer.] 6, 710), vor allem aber weilt dort Orpheus
Kidaria (KiSagia), Beiname der Demeter (Ov. met. 10, 2), der sogar als Herrscher über
(s. d.) zu Pheneos in Arkadien, Paus. 8, 15, 3. das Land bezeichnet wird (Orph. Arg. 77
Vgl. über diesen Kult Immeruahr, Kulte u>id BioxovCn Kixovsaai nolvpprivoieiv dvaaemv).
Mythen Arkadiens 1, 126. [Röscher.] so Er lehrt dort die Mysterien (Diod. 5, 77, 4),
Kikon (Ki'kwv), Eponymos der thrakischen und wird von den Frauen derselben (nurus
Kikonen (s. d.), Vater des Biston, Philostephanos Ciconum Ov. met. 11, 3) zerrissen, per Liberi
b. Schal. Ap. Rh. 2, 704. — Kikon, der Sohn Sacra simulata, Serv. ad Verg. Georg. 4, 520.
des Amythaon, bei Hesych. s. v. scheint dem Strab. 7 fr. 18 vnö xä 'OXvgitm nokig Alov,
Iambographen Mipponax anzugehören, s. fr. sx£L 8i xcignv nhqaiov Iliimksiav tvxai&a
2 Bergk. [Hinsichtlich der Kikonen vgl. 0. xov 'Opcpia äiaxgCipai cpctoi zbv Kixova. Bei
Crttsius in Ersch und Grubers Enc. unter den Kikonen soll er auch begraben sein, nach
Kikon u. d. Art. Kikonen. R.] [Stoll.] dem Epigramm (Bergk, Lyr. Gr. 2 S. 352):
Kikonen (Ä'iKotfj), ein thrakisches Volk, wel- dgifixa xoveokvQhi' Oläyqov naiSa fravovxa
ches vor Troja im Bunde mit Priamos gegen 30 Opcpia iv %copco xää' t&toav Ki'y.ovsg. Seit
die Griechen kämpft (Hom. £846 Evrprjjiog 8' Monier (t 204) hat der Wein der Kikonen
Üqxos Kiv.övav t)v alxg>nxdav viog Tpoit,i)voio einen vorzüglichen Ruf, vgl. Said. s. v. Ki-
öioxQicpsog KsciSceo), ohne irgendwie hervor- v.ovt'a x^Qa >"" Kmöviog olvos, er wird später
zutreten. Moni. P 73 nimmt Apollon, um mit (nach Et. m. 443, 8) für thasischen Wein er-
Hektor zu sprechen, die Gestalt des Mivxng, klärt. Im Lande der Kikonen ist ein Flufs,
eines ihrer Führer, an, der sonst nicht er- quod potum saxea reddit Viscera, quod tactis
wähnt wird (vgl. den Namen des Taphier- mducit marmora rebus, nach Ov. met. 15, 313;
fürsten in Moni, a 180). Als Odysseus von vgl. Plin. n. lt. 2, 226 in Ciconum flumine —
Troja die Heimfahrt antritt, landet er zu- lignum deiectum lapideo cortice obducitur. Vgl.
nächst im Lande der Kikonen und plün- to Abel, Makedonien vor König Philipp (1847)
dert ihre Stadt lsmaros. Während die Grie- R. 70. B. Giseke, Ihrakisch- pelasgische Stämme
chen, in Mifsachtung der Warnungen des der Balkanhalbinsel (1858) S. 11. 109. Vgl.
Odysseus, der ihnen geraten mit der ge- Kikon. [Engelmann.]
machten Beute sich schleunigst zu entfernen, Kilarios, vielleicht Bezeichnung des Helios,
ein Gelage abhalten, rufen die Kikonen ihre s. Mesychios: v.ikägiog b r'fiiog, vgl. de Witte,
Nachbarn, die auf dem Festland wohnen Rev. mim. 1864 p. 21. 31. Schmidt schlägt
(r'iTtEiQov vaioixsg) zu Hülfe und schlagen allerdings vor: „Forte axiäkkiog' 6 'Anökkav
am anderen Tage im harten, den ganzen Macrob. Sat. 1, 17". [Drexler.]
Tag währenden Kampfe die Griechen, so dafs Kilbis (Ki'lßig). die Stadtgöttin der Kilbis,
von jedem Schiffe sechs getötet werden (Moni. 50 ist abgebildet, mit einem Turm gekrönt, auf
1 39). Aus dem Lande der Kikonen führte einem Felsen sitzend, in einer Handschrift
Odysseus den Wein, vermöge dessen ihm die der Theriaka des Kikandros (zu vs. 630 — 635),
Betäubung des Polyphemos gelang; Maron, Gas. arch. 2, 1876 p. 34 — 36 Tfl. 11.
des Euanthes Sohn, Priester des Apollon, hatte [Drexler.]
ihm bei der Zerstörung von lsmaros wegen Kilbos (Kikjiog), Flufsgott, dargestellt auf
der ihm und seiner Familie zu teil gewordenen einer Münze der oberen Kilbianer (Antoninus
Schonung neben anderen Gaben den Wein Pius), mit der Beischrift KIABOC, gelagert,
verehrt. Vgl. Hyg. f. 125. Nach Tsetz. in im 1. Arm das Füllhorn und darunter den
Lyc. 818 ist "Iofiapog r\ vvv Isyousvrj Magd- umgestürzten Wasserkrug, lmhoof, Num.
vsia. Vgl. Steph Byz. ed. Mein. 372, 11. eo ZeUschr. 20, 1888 p. 6 nr. 2. Ein Exemplar
Eustath. ad Moni. 359, 13 Evüvfrns 8' oi'xtjosv dieser Münze befindet sich im Berliner Kabinett.
iv Kixoviy Iva Mugdvtia xalhxui. Herod. I Drexler.]
techn. 2, 887, 37. Schol. Hom. i 39. Nach Kileus (KtUvg), Grofsvater des Laertes,
Strabo 7 fr. 58 liegt das Land westlich von Vater des Arkeisios, Sohn des Kephalos (s. d.
Ainos; vgl. Plin. n. h. 4, 43 oppidum Aenos Bd. 2 Sp. 1095), Enkel des Hermes; vgl. Schol.
liberum, Ciconum quondam regio. Die Kikonen zu Hom. II. B 173: Maxi äs Aaipxov xov 'Aq-
werden bei Herod. 7, 110 unter den Völkern xnaiov xov Kikscog xov Kecpdkoi' xov 'Eppov
genannt, durch welche Xerxes zieht; auch und Tiipß'er , Att. Geneal. S. 85. — Eustath.
1185 Kilissa Kimmerier 1186
ad II. p. 307, 5 bietet Krjlevg statt Kiluvg. Ist hier ist anzunehmen, dafs Killas bei der Heimkehr
vielleicht Ktlltvg zu lesen? (Vgl. Hesych. u. des Pelops von Pisa nach Lydien umgekommen
Pliot. s.v. KilXsiau. Schol. II. B 631.) [Röscher.] ist; s. Preller, Gr. Myth. 2, 386. Stark, Niobe
Kilissa (Kilißoa), Amme des Orestes, Aesch. 401.416. [Hubert, Bild und Lied p. 187 Anm.35.
Clweph. 713 (K.J und Schol.; bei Pindar [Pyth. Knaack , Qunestiones Phaethonteae p. 57 u.
11, 17 (25)] heilst sie Arsinoe, bei Stesichoros Anm. 62. Drexler.] [Dargestellt ist Killas im
im Schol. Aesch. a. a. 0. = fr. 41. Bergk 3l Ostgiebel des Zeustempels von Olympia: Flusch
p. 222 Laodameia. [Höfer.] b. Baumeister, Denkm. d. kl. Alt. S. 1104 AA;
Kilix {Kilig), Sohn des Agenor und der vgl. Taf. 27 Fig. 1272 C. Friedericiis- Wolters,
Telephassa (Argiope, Hyg.), Bruder des Kadmos in Gipsabgüsse S. 123. Röscher.] [Stoll.]
(s. d.), Phoinix, Pbineus. Wie seine Brüder zum Killeus = Rileus (s. d.).
Aufsuchen der Schwester Europa ausgeschickt, Killos = Killas (s. d.).
liefs er sich in Kilikien nieder, das nach ihm Kimmerier (Kififisgiot). Nach Hom. I 14
benannt ward, \_Eurip. Phrixos fr. 816 Isauck. wohnen sie ganz im Weiten am Okeanos,
Röscher.] Hcrodot 7, 91. Apollod. 3, 1, 1. dicht beim Eingang zum Hades (oder nach
Hyg. f. 178. Eustath. zu Dion. Per. 874. Eustath. ad Hom. 1670, 49 im Hades selbst,
Nonn. Dion. 2, 685. Serv. V. Aen. 3, 88. Io. daher der Name KeQßifjioi), yJsqi Kai vicpsly
Antiuch. b. Müller, fr. hist. gr. 4 p. 544, 15, KlHalv/iitivoi, so dafs sie niemals von der
der die Mutter Tyro nennt und den Bruder Sonne beschienen werden, weder beim Auf-
Syros hinzufügt, s. Agenor. Deimling, Leleger 20 gang noch beim Niedergang, all' inl vhi,
p. 14. Oder Enkel des Agenor, Sohn des Phoi- ölorj zizuzai Sulotav ßgozolai. Plut. de superst.
nix und der Kassiepeia (s. d.), Tochter des Ära- 10 (169 P) KifiutQCovg ö' ovöslg slnav äatßtCg,
bos, Bruder des Phineus und Doryklos, Hesiod. ozi zbv rfliov ovo' itvai zonagänav vofit^ovai.
Pherekyd. u. a. b. Schol. Ap. Rh. 2, 178. Vater Tzetz. ad Lyc. 695. 1427 ffl-i'os negl zbv &ks-
des Thasos, Pherekyd. b. Apollod. 3, 1, 1 ; vgl. uvöv Jdijpra x£ xalvuuivov. Anon. de Ulix.
Steph. B. v. Qdacog. Vater der Thebe, Diod. err. 6. Schol. Hom. x 86. Cie. acad. 2, 61
5, 49. Gründer der Stadt Rhosos in Kilikien, Cimmeriis quidem quibus aspectum solis sive
Pausan. Damasc. b. Midier, hist. gr. 4 p. 469. deus aliquis sice natura ademerat sive eius loci
In einem Kriege gegen die Lykier war Sar- quem incolebant situs, ignes tarnen aderant quo-
pedon sein Bundesgenosse, dem er einen Teil 30 tum Ulis uti lumine licebat. Vgl. Nonn. Dion.
von Lykien überliefs, Apollod. 3, 1, 2. [Mehr 45, 269, wo ein dunkles Gemach KifiptoCwv
b. DeVit, Onomast. s. v. Sein Sohn war Py- (iiurjua Svoixßazov genannt wird. Der Um-
lodes, welcher ignem e silice invenit: Plin. stand, dafs Homer die Kimmerier nach Westen
n. h. 7, 198. Röscher.] [S. auch Pobert, Bild verpflanzt, während die historischen Kirnine-
und Lied p. 116 Anm. 49. 50. Drexler.] [Stoll.] rier im Osten nördlich vom Schwarzen Meere
Killa (Killa), Tochter des Laomedon und wohnen, führt dazu die einen als einen vom
der Strymo oder Plakia oder Leukrppe, Schwester ganzen Volk losgesprengten Teil anzusehen;
des Priamos, Apollod. 3, 12, 3. Als der Seher so sagt Plut. Mar. 11 ro Ttleiarov avräv xai
Aisakos mit Bezug auf einen Traum der mit (iu%iua)TctTov in ioxäroig olnovv nagä zr\v
Paris schwangeren Hekabe geweissagt hatte, 40 f'ija &älaaaav yrjv piv v£jj,ia&ai evoxiov xul
Mutter und Kind müfsten, um Verderben ab- vloiörj xai Svaqliov ndvziq äiü ßd&og Kai
zuwenden, getötet werden, deutete dies Pria- 7tvy.vozrjza ögontSv v.zl. Diese werden dann
mos fälschlich auf Killa und ihren heimlich mit den Kimbern gleichgesetzt, deren Auf-
mit Thymoites gezeugten Sohn Munippos treten jedenfalls erst zu der Vermutung Ver-
(Munitos), der an demselben Tage mit Paris anlassung gegeben hat. Auch Diod. 5, 32, 4
geboren war, und tötete sie, Tzetz. Lyk. 224. 314. sieht in den Kimbern oder Kelten die Nach-
Vgl. 315, wo Killa Schwester der Hekabe heifst kommen der Kimmerier, ebenso Poseidonios
und von Priamos Mutter des Munitos. [Stoll.] bei Strab. 7, 2, 2. Herod. Techn. rel. 1, 202,
Killaios (KillaCog), Beiname des Apollon 27. Steph. Byz. ethn. 9,5 s. v. "Aßgoi, andere
von der Ortschaft Killa in der Troas, Strabo 50 (Diod. 5, 32, 4) finden sie in den Iren wieder.
13 p. 612. 613. 618. de Witte, Apollon Cillaeus, Auch bei Hesych. lex. s. v. werden die tzeqI
Her. num. 1864 p. 16 — 33 [Drexler.] zöv 'SZ-xiaviiv wohnenden von den zu den Zv.v-
Killas (KCllag, auch KCllog), Wagenführer &ui gerechneten unterschieden. Vgl. noch
des Pelops, der nach troizenischer Sage Sphai- Strab. 1, 2, 9. 3, 2. 12.
ros hiefs, Paus. 5, 10, 2. Nach Theopomp. b. Ganz merkwürdig und wohl nur durch die
Schol. IL 1, 38 fiel Killos, als er mit Pelops Nähe anderer Örtlichkeiten, die man in der
aus Lydien nach Pisa zum Wagenkampf mit Odyssee erwähnt glaubte, hervorgerufen ist
Üinomaos zog, in der Gegend von Lesbos ins die Überlieferung, welche die Kimmerier bei
Meer und ertrank. [Weitere bedeutsame Kom- dem lacus Avernus ansetzt. Dort erwähnt
binationen bei Tümpel, Philologus N. F. 3 60 Plin. n. li. 3, 61 ein Cimmerium oppidum
S. 96ff. besonders Anm. 19. Röscher.] Pelops quondam. Strabon 5, 4, 5 (375) erzählt nach
errichtete ihm in Troas ein Grabmal, baute Ephoros, dafs sie bei Kyme in unterirdischen
dabei einen Tempel des Apollon Killaios und Häusern wohnen, die sie aQyü.Xag nennen, und
gründete die Stadt Killa. Vgl. Strab. 13, 613, die durch unterirdische Gänge untereinander
der bemerkt, dafs Killos in dieser Gegend ge- verbunden sind. Die Fremden werden von
herrscht habe. Theopomp meint, dafs Killos ihnen in das pavxsiov tief unter der Erde
auch nach seinem Tode noch dem Pelops imWett- aufgenommen. Zi,v äs und utzalltiag Kai
kämpf beigestanden zu haben scheine; doch änb zäv fiavzsvoufvwv -aal zov ßaoilicog äno-
Koscher, Lexikon der gr. u. rüm. Mythol. II. 38
1191 Kinyras Kios 1192
p. 295). Enge] 1, 205 ff. 228. 2, 106. Movers liehe Reichtum der Insel Kypros und des
2, 2, 236. 241. Teukros kam nach dem Fall Priestergesehleehts der Kinyraden). Er genofs
Trojas, von dem Vater Telamon aus dem sein Lebensglück bis in hohes Alter; er ward
attischen Salamis vertrieben, nach Kypros und 160 Jahre alt (Anakreon b. Plin. H. N. 7, 49.
gründete das kyprische Salamis, vermählte Engel 2, 107) und wurde begraben in dem
sich mit Eune, der Tochter des Kinyras. und Tempel der Aphrodite in Paphos, wie alle
seine Kachkommen blieben Könige in Salamis seine Nachkommen, Clem. Alu:. Protr. 3 p. 13
bis in späte Zeiten: Euagoras, der Athener- Sylb. Arnob. 6, 4 (Maller, fr. hist. gr. 3 p 66
freund, betrachtete sich als Nachkommen des fr. 1). Schul. Gregor. Naz. Carm. p. 35. Engel
attischen Teukros und des Kinyras, Paus. 1, 10 2, 108. — Kinyras war Vater des Adouis, den
3,-1. 2. 29, 4. Engel 1, 212 ff. — Als Stifter er ohne sein Wissen mit der eigenen Tochter
des Aphroditedienstes auf Kvpros war Kiny- Myrrha oder Smyrna zeugte, s. Adonis und
ras auch der erste Priester der Göttin und Smyrna, Engel 2. 565. Nach der Entdeckung
vererbte dieses Priestertum über die ganze der Blutschande gab er sich selbst den Tod,
Insel an seine Nachkommen, die Kinyraden, Hyg. f. 242. Die von um gegründete Stadt
welche ihren Sitz in Paphos und auch in Smyrna benannte er nach dieser Tochter,
Amathus hatten; auch übten sie die Weis- Hyg. f. 275. Seine 50 Töchter sprangen ins
sagung, und Kinyrüs selbst heilst Weissager, Meer, nachdem Apollon ihn getötet, Schol. II.
Schal. Find, P. 2, 27. Hesych. Kivvgddai. 11. 20. Nach Ovid. Met. 6, 98 (s. d. Erklärer
Tacit. Hist. 2, 3. Clem. Alex. Strom. 1 p. 333 20 z d. St.) wurden seine Töchter, weil sie es gewagt,
Sylb. Engel 1, 169 f. 2, 95 ff. 100 ff. 477 ff Er sich über Hera zu stellen, von dieser in die
galt namentlich für den Urheber der in diesem Stufen ihres Tempels verwandelt. Eine Tochter
Kult ausgebildeten Festgesänge und Klage- des Kinyras, Laodike, gebar dem Elatos, dem
lieder um den Tod des Adonis und wurde Sohn des Arkas, den Stymphalos und Pereus,
deshalb unter die ältesten Sänger und Musiker Apollod. 3, 9, 1. Der Name des Kinyras ist
gezählt; darum war er Sohn und Liebling des in diese arkadische Genealogie durch die Ver-
Apollon, Find. P. 2, 15 (27) und Schol. 27. bindung Arkadiens mitKypros gekommen; denn
31. Schol. TheoJcr. 1, 109. Midier. Darier 1, Agapenor, der Führer der Arkader vor llion
348. [Genaueres bei Stark, Arch. Zeitg. 28 II. 2, 609), soll sich mit seinem Volke in Kypros
S. 72 f. Röscher.] Sein Name Kinyras ist aus so niedergelassen und Neu -Paphos gegründet
dem phoinikischen Worte kinnor, das ein haben, Lykophr. 478 ff. u. Tzetz. Paus. 8, 5, 2;
Saiteninstrument, aber auch eine klagende vgl. Aristot. Pepl. 30 Bergk. Engel 1 , 225 ff.
Doppelnöte bezeichnete, in volksetymologi- 2, 125. — Meursius, Cyprus 2, 9. Engel, Kypros
schem Anscklufs an v.iwqos umgeformt: die 1. 169 ff. 203 ff. 2, 94 — 136. 565 ff. Movers,
von ihm vertretene, in dem asiatischen Aphro- Phönizier 1, 239 ff. 2. 2, 236 ff. Heyne, Obss.
dite- und Adonisdienst übliche Musik war ad Apollod. p. 325 f. Boeckh zu Schol. Find.
Flötenmusik (Engel 2, UOff. Movers 1, 243). 314 f. Expl. Pind. p. 244. Preller, Gr. Myth.
welche im Gegensatz zu dem Saitenspiel des 1, 2S4. 287. 292. Gerhard, Gr. Myth. 1 § 365.
Apollon stand; und darum entstand von ihm, [Greve, De Adonide. Diss. Lips. 1877 S. 7f.
wie von Marsyas, die Sage von einem musi- 40 De Vit, On. s.v. Cemola- Stern, Cypern S. 22f.
kaiischen Wettstreit mit Apollon, der ihn be- 40 f. Röscher.] [Fr. Lenormant, Lettres assy-
siegte und tötete, Eustatli. u. Schol. II. 20, 11. riologiques 2 p. 255. A. Maury, Hist. des rel.
Kinyras stiftete die Mysterien und nächtlichen de la Grece ant. 3 p. 202. Bcmche'-Lcclercq,
Orgien der asiatischen Aphrodite mit ihren Hist. de la divination . dans l'artt. 2 p. 56.
unzüchtigen Hierodulen, von denen die Kirchen- Baudissin, Stud. 2 p. 200. M. B. James, Journ.
schriftsteiler in ihrer Weise berichten. Iul. of hell. stud. 9. 1888 p. 175ff. A. Enman,
Firmicus de errore prof. religion. p. 15 ed. Kit. Versuche zur ältesten griech. Gesch. 1.
Ouzel. Arnob. 4, 25; vgl. Clem. Alex. Protr. Kypros und der ürspirung des Aphroditekultes,
c. 2 § 13 f. p. 12. 13 Pott. Engel 2,96. Kinyras Mem. de l'acad. de St. Petersbourg. 7. Se'r.
war ein milder Priesterkönig (Pind. F. 2, 15), 50 Tom. 34 nr. 13 1886 bes. p. 54. 56 und gegen
kein kriegerischer Heros. Auf ihn übertrug ihn F. Back. Jahresber. üb. d. Fortsein: d. kl.
man auch die Anfänge aller Kultur und Gesittung A. TT. Bd. 66 p. 330. Drexler.] [— 2) Cinyras,
von Kypros; er eröffnete die für Kypros so ein Sklave des Akastos, von Neoptolemos ge.-
wichtigen Metallgiuben, lehrte den Erzbau und tötet, Dictys 6, 8; die Handschriften haben Ty-
die Bearbeitung des Erzes und erfand die dazu niras, Syniras ; s. Dederich z.d. St. Höfer.] [Stoll.]
nötigen Werkzeuge, Brecheisen, Hammer, " Kiiiyros (in den Handsehr. Cinyrns, Cinirus
Zange und Ambos, sogar die Dachziegel, Plin. b. Sereius Cunarus, wofür manche auch Ciny-
H. jV. 7, 57. Engel 1, 204. 2, 105. Movers 1, ras lesen wollen), Name eines Bundesgenossen
242. Als Pflegling und Freund und Geliebter des Aeneas, Bruder des Cupavo, Anführer der
der Aphrodite (Schol. Pind. P. 2, 27) war tio Ligurer bei Tergil Aen. 10, 185 f; (vgl. Serv. zu
Kinyras von wanderbarer Schönheit, Hyg. f. d. St. und die erklärenden und kritischen Aus-
270. Engel 2, 96, und sein von der Göttin ihm gaben, besonders die von Bibbeck ; auch Jahn
geschenkter Reichtum war sprichwörtlich, wie zu Macrob. S. 5, 15, 4 n. 9). [Röscher.]
der des Midas, Tyrt. 12, 6 Bergk. Pind. Kern. . Kios (AVoc). der Gründer von Kios, Aristoteles
8,18(30). Plat. legg. 660e. Lcutschu. Schneidew., in der noXtrsia Kiavmv bei Schol. Apoll. Bh.
Paroemiogr. 1 p. 316. Schal. II. 11, 20. Suid. 1, 1177; vgl. Schol. 1, 1346 (Et. magn. s. v.
v. SagSavanuloc u. Karcsyr^iaaie u. a. St. b. p. 512, 37. Eustath. :u Dion. Per. 806). Er
Engel 2, 99 (allbekannt war der aufserordent- soll die Stadt als Gefährte des Herakles auf
1193 Kirib' Kirke (bei Homer) 1194
der Rückfahrt von Kolehis gegründet haben, berühren will, mit gezücktem Schwert auf sie
Strab. 12 p. 564. Sohn des Ölyrnpos heilst er ein, so dafs sie fufsfällig den Helden bittet;
Schol. TJieokr. 13, 30. [Auf einem attischen denn sie hat in ihm Odysseus erkannt, den
Relief, auf welchem Athenaeinem vor ihr stehen ihr Hermes wiederholt als ihren Bezwinger
den bärtigen Mann die Rechte reicht, wodurch verkündigt hat (v. 330 ff.). Ihren Liebes-
der Abschlufs eines Vertrags zwischen Athen Werbungen aber folgt er nicht eher, als bis
und einer anderen Stadt zur Darstellung ge- sie ihm geschworen, keine Hinterlist mehr
bracht wird, steht über dem Kopfe des Mannes üben zu wollen. Vier Mägde, unsterbliche
KIOZ. Doch glaubt Schöne, Oriech. Reliefs Nymphen (Eustath. z. Od. s 348; vgl. Apollon.
Tfl. 9 Sp. 27 — 28 nr. 53 in dem Rifs vor dem 10 Eh. 4, 711 vrjiddtg nponolot. Lehrs, Populäre
Namen ein l zu erkennen, so dafs "Iklos zu Aufs.- S. 115. Mannhardt, Wald- und Feld-
lesen wäre. Bedenken für die Deutung auf leulte 2, 33), bedienen das Paar beim Mahl,
Kios erweckt Schöne anfserdem der Umstand, nachdem die Göttin den Wunsch des Helden
dafs der Mann in der Tracht eines gewöhn- erfüllt und seine Gefährten durch Bestreichung
liehen Sterblichen dargestellt sei, während mit einer Zaubersalbe (v. 392) zurückverwandelt
man Kios, den Gründer der Stadt, sich nur hat. Nach einjährigem Aufenthalt entläfst K.
in Heroengestalt denken könne. Freilich sei Odysseus zu der Fahrt in die Unterwelt, wo
auch bei der Annahme, es habe IKIOX auf er nach ihrem Rate den Teiresias über die
dem Relief gestanden, „eine Analogie für eine Rückkehr in die Heimat befragen soll. Von
solche Vertretung von Ikos der athenischen 20 dort nach Aiaie (11 1 ff.) zurückgekehrt , um
Stadtgöttin gegenüber durch reinen lkier' die Leiche des hier verunglückten Elpenor zu
nicht nachweisbar". Drexler.] [Auf dem Revers bestatten, sieht er noch einmal die Göttin,
einer Münze derOrbiana von Kios in Bithynien die ihm die bevorstehenden Gefahren voraus-
erscheint nach dem Catal. of greek coins in sagt und ihn darauf mit günstigem Fahrwind
the Brit. Mus. Pontus etc. S. 135: „youthful (v. 149 f.) entläfst. [Eine Hypothesis der ho~
male figure, naked, seated r. on rock, adjusting menschen Dichtung findet sich u. a. in den
sandal" mit der Beischrift KIA NQN; vgl. Schol. Aristoph. Flut. 303, besonders aber in
PI. 29, 3, worin Warwick Wroth dc-n Gründer den fragment. Apollodori Sabbaiticis (Phein.
von Kios erkennt; vgl. auch Head, Hist. num. 3Ius. 46, 16lff.^ fr. 120a S. 177, 31ff. mit der
S. 440. Röscher.] [Seeliger.] 30 Abweichung von Homer, dafs die Gefährten
'Kiris = Adonis (s. d.). in Wölfe, Schweine, Esel und Löwen verwan-
Kirke (Kiqxii dor. Ai@-A.ct; die alten Ety- delt werden (s. dazu Bio Chrysost. 8 p. 134
mologieen = Kiovöiact oder von xspxt'g im und die Bildwerke); vgl. auch Hyg. f. 125.
Elym. M. und bei Sui.das sind wertlos). Myth. Vat. 1, 15; aus der Bearbeitung des
1) Kirke in der Odyssee. Bei Hom. s Livius Andronicus ist ein auf K. sich be-
135 ff. wird erzählt, dafs Odysseus von den Lai- ziehender Vers bei Fest. 352, 22 erhalten;
strygonen auf die Insel Aiaie gekommen sei, wo eine Nacherzählung bei Ov. Met. 14, 248 ff.] —
K., die Schwester des Aietes, die Tochter des Kirchhoff, Die Homerische Odyssee- S. 287 ff.,
Helios und der Okeanide Perse {Bes. Theoy. der die Gesänge x — /x zum gröfseren Teil
956 f. 'Slv.iavivr\ LLsQBrjig), wohnt. Seine vor- 40 einem „jüngeren Nostos" zugewiesen hat, hält
ausgeschickten Gefährten finden die Göttin die Gestalt der K. nicht für eine originale
(v. 455 ätu ftsdcov u. a. St.; nur k 543 = £ 230 Schöpfung, sondern für eine Nachbildung der
vvficpq) in ihrer Wohnung aus behanenen Medeia aus der Argonautenaage, die der Ka-
Steinen, die in einem Thale auf freiliegen- lypso (s. d.) zur Seite gestellt sei. Dieser Ansicht
dem Platze liegt, umwandelt von Löwen tritt namentlich Miillenhoff bei (Deutsche Alter-
und Wölfen, die durch den Zaubertrank der tumskunde 1, 52 ff.), indem er noch andere Ent-
Göttin verwandelt worden sind (v. 213 xovg lehnungen aus der Argonautensage und die
avti) ■/.ari&sX^v iitil xaxa cpapticn' iScoxsv, Lokalisierung der Kirkesage im westlichen
vgl. v. 434 — daher v. 276 7ioi.vcpdQixay.og). Meer für den „jüngeren Nostos" annimmt.
Singend (v. 136 avdfjBoeu) am Webstuhl 50 Auch r.Wilamotvitz (Homerische Untersuchungen
sitzend (v. 221 f.) empfängt K. die Helden, S. 115 ff.) weist die erhaltene Dichtung einem
die aufser Euryloc.hos ihrer Einladung arglos ' ,. jüngeren Nostos" zu, doch mit der Ein-
folgen und durch einen Mischtrank von pram- schränkung, dafs dieser auf Grund eines älteren
nischem Wein (vgl. A 639. Athen. 1 p. 10a. Kirkegedichts verfafst sei; die Zauberin K.
30°) und Honig, Mehl und Käse, worin sie den sei eine ursprüngliche Schöpfung der griechi-
Zaubersaft geträufelt hat, der die Heimat ver- sehen Sage. Und in der That, man mag über
gessen läfst (v. 236), unter Berührung mit dem das Alter der homerischen Kirkeerzählung, wie
Zauberstab (v. 238 ndßdm ntnlriyvlu) in sie vorliegt, denken wie man will, die Ur-
Schweine, die sich ihres Zustands bewufst sprünglich keit des Kirkemärchens sollte a.ufser
bleiben (v. 240 f.), verwandelt werden. Von 60 Frage stehen, und mag Odysseus von Anfang
Euiylochos benachrichtigt steigt Odysseus, an in dasselbe verflochten sein oder nicht,
mit Schwert und Bogen bewaffnet, vom Strande jedenfalls steht es der Odyssee näher als der
hinauf und empfängt unterwegs von Hermes Argonautensage (s. unter 4). Kirke, Agamede
das gegenwirkende Kraut Moly (v. 305; vgl. (.4 741; bei Tlieokr. 2, 15 f. und Propert. 2, 4, 8:
Theophr. Hist. PL 9, 15, 7. Plin. N. H. 25, 26. Perimede) und Medeia (s. d.) sind die Zau-
Eustalh. z. Od. a. a.O. Plut . Mor. 369 e). Sobleibt herinnen der griechischen Sage (vgl. Welcher,
er unempfindlich gegen die Wirkungen des Kleine Schriften 3, 20 ff.); und zwar steht
Tranks und dringt, als K. ihn mit dem Stabe den guten Feen, Agamede und Medeia (s.
1195
Kirke (bei Homer)
Kirke 'bei Homer)
1196
das. den 1. und 8. Abschnitt), welche über
heilsame, verjüngende und .'gegen Wunden
festmachende Kräuter verfügen, die arglistige
Kirke gegenüber, die mit ihrem Trank Menschen
g[fMM@HHJM3^BrMS
Abb. 1) Kirke, Vase von Nola (nach Arch. Zeitg. 1865 Taf. 19i).
in Tiere zu verwandeln vermag. Gerade im
Kirkemärchen finden wir dieselben Elemente,
die uns aus den Zaubermärchen anderer Völker
geläufig sind: den einsamen Palast, den Zauber-
Abb. 2) Bedrohung der Kirke durch Odysseus, Vase von Vulci
(nach Monum. d. Inst. 5 Taf. 41).
stab, den Zaubersaft, die Verwandlung, die
Rückverwandlung; es fehlt nur die Zauber-
formel, als welche das fpjcEO vvv cvcpfövSs
(v. 320) nicht gelten kann. Man vergleiche
z. B. mit den Künsten der Kirke die der
Königin Laba in Tausend und Eine Nacht
(Erzählung vom König Beder, 510. Nacht u. ff.),
und man wird überraschende Analogieen finden.
Nicht zufällig scheint es, dafs Kirke die Tochter
des Helios (Myth. Tat. 1, 204: des
Apollon) heifst, wie Agamede und Me-
deia seine Enkelinnen; mit dem Kult
der dem Helios verbundenen Selen e
(K. als Priesterin des Helios und der
Selene bei loh. Antioehen. fr. 24. Müller,
fr. h. 4, 551) steht das Zauberwesen
im engsten Zusammenhang (vgl. Boscher,
Selene u. Verwandtes S. 84 ff. 99. 144. 147).
Vielleicht ist K. erst als Heliostochter
in Aia (vgl. u. 3 f. und die Artikel Aia
und Argonauten Bd. 1 Sp. 510, 47) lo-
kalisiert, wahrscheinlich erst dadurch
mit Aietes verbunden worden; diese
Verbindung mag auch den Dichter von
u 69 ff. veranlagt haben, der allbekannten
Argonautensage zu gedenken. Es lag
daher nahe, die genannten Zauberinnen
aus Mondgöttinnen abzuleiten, wie dies
mehrfach geschehen ist; vgl. bes. J. F.
Cerquand. Etudes de Mythologiz grecque.
Ulybse et Circe. Les Sirenes. Paris 1873;
dieser hält wie auch Tümpel im Philol.
N. F. 2, 123. 4, 6l9ff. Kirke (etyinolog.
mit kvy.Xos. cireus „Kreis" zu verbin-
den) für eine Mondgöttin, Odysseus für
den Sonnengott (vgl. v.Wilamoivitz.Hom.
Unters. S. 1141, und seinen Aufenthalt
bei der Zauberin für das mythische Bild
der Sonnenfinsternis, S. 2Sff. 67ff. 7lff.:noch
schwerer läfst sich beweisen, dafs K. ursprüng-
lich eine Unterweltsgöttin gewesen sei {A.Kuhn,
Die Herabkunft des Feuers S. 32 und besonders
H. D. Müller, Mythologie der griech.
^ Stämme 1 , 158 Anm. 2). Als Zauberin
wird K. angerufen im 14. hom. Epigr.
Käfitvog j} Kegautig v. 15 ff: dsvgo xal
'Hiliov ftvyccTrJQ, MoJ.vtpaguaiis Kigtiq,
aygia cpdpuay.8 Balls. — Theokr. 2, 15.
9, 36; vgl. KiQHUiu pi'fa Apollod. 3. 15,
1 und Nonn. Dionys. 22, 77 xai KiQy.ng
v.vy.säva S> ov.XrtTOig inctoiSccts. Die
meisten Anspielungen bei griechischen
Schriftstellern beziehen sich auf das
Odysseusabenteuer; man liebte es na-
mentlich, dasselbe allegorisch-ethisch
zu deuten, wie auch der Name K. für
eine verführerische Dirne in Anwendung
kam: z. B. Xenoph. Mevior. 1, 3, 7;
Deutung der Stoiker bei Athen. 1, 10e,
Heraclit. alleg. homer. c. 72 u. a. (vgl.
E. Weberin Leipziger Studien 11, 143 ff.);
Arütoph. Plut. 302 ff. Anthol. Pal. 10,
50. 15, 12. Plaut. Epidic. 4, 2, 34.
Etym. M. und Suid. Eine humoristi-
sche Behandlung des Odysseusaben-
teuers haben wir in dem Satyrdrarna
des Aischylos: Kirke (Nauch, fr. tr. p. 27)
anzunehmen. [Zur Litteratur ist noch
hinzuzufügen: B. Broten, The myth of Kirke
in der Academy vom 19. Jan. 1S^4.]
Die volkstümliche Erzählung hat auch in
der darstellenden Kunst Verwendung ge-
funden: vgl. 0. Jahn, Archäol. Beiträge S. 401 ff.
1197
Kirke (bei Homer)
Kirke (bei Homer)
1198
und Archäol Zeit. 1865 S. 17 ff. OverbecJc,
Galerie heroischer Bildwerke S. 778 ff. Schlie,
Der troische Sagenkreis auf etruskisclun Aschen-
kisten S. 182 ff. G. Kürte in der Archäol. Zeit.
1876 (XXXIV) S. 189 ff. Engelmann, Bilder-
atlas zur Odyssee T. VIII und IX). Balte, De
■monumentis ad Odysseam pertinent. Be
liner Dissert. 1882. 'S. 17 ff. An der soge-
nannten Kypseloslade zu Olympia (Paus.
5, 19, 7) sah man in einer Höhle gelagert
ein Paar, welches Pausanias wegen der
Vierzahl der Dienerinnen als Odysseus
und Kirke erklärt. Die älteste von
den erhaltenen Vasen ist eine aus
Sicilien ins Berliner Museum ge-
kommene Lekythos (n. 2342) mit
schwarzen Figuren (Arch. Zt.
1876 T. 14, daraus in Bau-
meisters Denkmälern d. kl.
Alt. und bei Engelmann
nr. 45): Odysseus nimmt aus
der Hand der vor ihm sitzen-
den Kirke den Becher, das
Schwert zum Angriff bereit
haltend. Von besonderem
Interesse sind die anwesen-
den vier Gefährten , die
verschiedenen Tierköp-
fen das Zeich'
Verwandlung
sich tragen,
gens aber
menschlicher
Bildung auch
menschliche
Teilnahme an
dem Schick-
sal ihres
Herrn ver-
raten. Die
freie Be-
handlung der
Dichtung
entspricht
der Gewohn-
heit der grie-
chischen Male-
rei ; insbeson-
dere ist die Ein-
förmigkeit der
Tiergestalt vermie
den. Die Verwandh
eines Gefährten
Kirke stellt eine Amphora
aus Nola, jetzt im Berliner
Museum (n. 1960. = Arch.
Ztg. 1876 Taf. 13, bei
Engelmann 8, 44), dar: Die
Zauberin sitzt mit Skyphos
Abb. 3) Udysseus u. Kirke, röm. Lampe (nach
Arch. Ztg. 1865 Taf. 194 Fig. 4).
der Kirke mit dem Schwerte; ein am Boden
liegender verwandelter Gefährte äufsert in der
Haltung seine Teilnahme. Die Rückseite stellt
die Ankunft des Odysseus bei Kirke dar. Eine
schwarzfigurige Vase auf Stift Neuburg bei
Heidelberg, die auf einer Seite die Verwand-
'ung von Menschen in Tiere durch eine
sitzende Person darstellt, ist von Stark
in der Arch. Ztg. 1876 S. 191 ff. als ge-
fälscht verdächtigt Eine Kivkevase (Ver-
handlung der Gefährten und Bedrohung
der Zauberin durch Odysseus) in Bologna
findet sich beschrieben im Museo ita-
liano di antichüä classica vol. 2
(1888) p. 26. Ein pompejanisches
Wandgemälde nr. 1329 (Heibig;
Zahn, Wandgemälde 3, 44; bei
Overbeck Taf. 32, 11. Engel-
mann Taf. 9, 47) zeigt eben-
falls die Bedrohung der Zau-
berin, die durch einen Nim-
bus als Heliostochter ge-
kennzeichnet ist, durch den
das Schwert ziehenden Hel-
den. Dazukommtvonden von
Würmann veröffentlichten es-
linischenWandgemäl-
as Bild auf Taf. 5
Engelmann Taf.
(43e), auf dem sich
zwei Scenen fin-
den: Empfang
des Odysseus
durch Kirke
. und die Be-
1 drohung der-
selben. Fer-
ner mehrere
Reliefdar-
stellungen:
Die Bilder-
tafel aus
dem Palast
Rondinini(Ö.
■Jahn, Bilder-
chronik. Taf. 4
' H. Engelmann
/Taf. 9,48) mit
/drei Scenen: der
Begegnung des
Odysseus mit Her-
, der Bedrohung
rke und der Erlö-
sung der Gefährten. Hier,
wie auf dem esquilinischen
Bilde sind Namen beige-
schrieben (G. I. Gr. 6130.
6130b). Ein auderes Relief
einer etruskisehen Aschen-
und Stab da, den sie gegen eine u davoneilenden so kiste (Bochette, Mon. ined. 61,2, abgebildet
Mann bewegt; an dessen Kopf und Rücken hat
die Verwandlung bereits begonnen. Dengleichen
Stoff behandelt eine nolanische Vase im Besitz
des Fürsten von Wittgenstein (Wiesbaden, Arch.
Ztg. 1865 Taf. 194, 1, 21: hier eilt Kirke dem
fliehenden Gefährten nach. Eine Vase von Vulci
(Mon. d. inst. 5, 41. Overbeck Taf. 32, 1. 2) zeigt
auf der einen Seite (s. Abbild. 2) die Bedrohung
auch bei Baumeister nr. 782, vgl. Schlie
nr. 2), giebt die Haltung der drei verwandel-
ten Gefährten (Schaf, Ochs und Pferd [?]),
mit gutem Humor wieder. — Schlie ver-
zeichnet noch 3 Reliefs von etruskisehen
Aschenkisten: nr. 1 aus Volterra- in Flo-
renz n. 427, nr. 3 aus Volterra, tomba Inghi-
rami (verstümmelt); nr. 4 ist das von Jahn
1199
Kirke (in der Telegonie)
Kirke (in Italien)
1200
und Overbeck zurückgewiesene, von Brunn
und Schlie hierher bezogene Relief bei
Micati, Mon. med. 49, 2 (Ann. d. inst. 1849
tav, D). Ferner ein etruskischer Spiegel
(Ann. dell. Inst. 1852. Tav. d'agg. H, danach
Engelmann Taf. 8, 46; eine genauere Ab-
bildung nach dem Original im Louvre hei
Cerquand a. a. 0. PI. 1): Kirke (Cerca),
Odysseus (Uthste) und Elpenor iFelparun) im
Augenblick der Bedrohung; zu unterst ein
Schwein mit einem menschlichen Fufs; das
Relief einer römischen Lampe (Arcli. Ztg. 1865,
Taf. 194, 4); Kirke mit Strahlenkrone,' Odys-
seus den Griff des Schwertes fassend , im
Hintergrund Tierköpfe; eine Kontorniatniünze
(Fig. 4 = Sabotier, descr. gen. des medaillons con-
torniates Taf. 8, 13): Kirke mit Strahlenkrone
fufsfalliglvor Odysseus, im Hintergrunde Tier-
gestalten; endlich (bei Overbeck nr. 58) eine
Gemme, (Mittin,
Gal. Myth. 103,
636): Odysseus
mit dem Kraute
Moly.
•2) Kirke in
der Telegonie
(vgl. Welcher, Die
griechischen Tra-
gödien 1, 240. v.
Wilamowitm, Ho-
merische Unter-
suchungen 192 ff.
Artik. Telegonos).
Telegonos gilt
nach der_gewöhu-
lichen Überliefe-
rung als Sohn des Odysseus und der Kirke:
Hypothesis der Telegonie bei Proclus. Hyq.
f. 127. Schol. Hom. X 134. Eustath. zu x 323
p. 1660, 7. Schol. Ar. Plut. 303. fragm.
Apollod. Sabbait. im Rhein. Mus. 46, 178,
9 und fr. 121b S. 181, lff. (wo mit Bücheier
ctniXttvvsi für ccrtiXußi und Tgvyovog für
TnXtyovog zu schreiben ist). Serv. Verg.
Aen. 2, 44 u. a. St. (Fälschlich wird bei
Eustath. zu n 118 p. 1796, 49 Telegonos ein
Sohn der Kalypso genannt; umgekehrt wird
Nausithoos, nach Hes. Theog. 1017 Sohn der
Kalypso, bei Syg. f. 125 Sohn der Kirke
genannt; vgl. über die Verwechslung beider
c. Wilamowitz a. a. 0. 115 Aum. 3 und Gerguand
a. a. 0. 7 not. 1). Nach Oppiaii, Hai. 2, 497,
hat Kirke ihrem Sohn die verhängnisvolle, von
Hephaistoa gefertigte (dies nach Eustath. zu
X 133 p. 1676, 44) Lanze mit dem Rochenstachel
übergeben, mit der er nachher den eignen
Vater tötete. Die Darstellung dieser Scene
wird in einem Vasenfragment (Welcher, A. D.
3, Tafel 30, 2) gefunden. Vielleicht stammt
dieses Motiv aus Sophokles, der im OSve-
aivg ctHav&o-iiXrilj, die Telegonie behandelte.
Dagegen mag der Zug, dafs Kirke Odysseus
durch ihre Kunst wieder aufgeweckt habe,
eine spätere Erfindung sein: Tzetz. Lykophr.
805. — An den Tod des Odysseus knüpfte
schon das Epos neue Verbindungen: nach der
Telegonie des Kyrenäers Eugammon (Proklos-
exc.) soll Telegonos die Penelope, Telemachos
Abb. 4) Odysseus und Kirke,
Kontomiat (nach Arcfi. Zeitg.
1S65 Taf. IM Fig. 3).
Kirke geheiratet haben (dasselbe bei Eustath.
zu 7i 118 p. 1796, 53 aus den Nosteu\ — Kirch-
hoff, Philol. 15, 24 nimmt Verwirrung an der
Stelle an; anders urteilt v. Wilamowits a. a. 0.
S. 184 — ; vgl. noch Tzetz. Lyk. 805, wo die
Verbindung auf die Inseln der Seligen ver-
legt wird ; dasselbe könnte auch aus dem
Proklosexcerpt der Telegonie gefolgert werden,
wo es heifst: tj S\ [sc. Kigurf] avTovg d&a-
w vätovg noLii (vgl. fragm. Apollod. a. a. 0.),
kci'i avvoty.il . tf] fisv IlrjviXoitT] TrjXiyovog,
KCq-atj de TnXiyaxog). Die Sage kennt aber
auch eine Tochter des Odysseus und der
Kirke, Namens Kassiphone (oder richtiger
Kasiphone d. h. die Brudermörderin?); auf
diese beziehen sich nach den alten Erklärern
die Verse bei Lykophr. 80* ff. : Telemachos
habe seine Gattin (die unsterbliche Kirke !)
getötet; aber den Tod der Mutter habe an
20 Telemachos die Schwester gerächt; vgl.
Schol. zu v. 810: raig atpayatg rijg äSiXtpijg
Kacaiifovrjg. (Wenn beim Schol. zu v. 807
und Tzetz. zu Lykophr. 805 Kassiphone die
[zweite] Frau des Telemachos genaunt wird,
so mag dies auf später Erfindung oder Mifs-
verständnis beruhen; ans Lykophron ist
nur auf ein geschwisterliches Verhältnis zu
schliefsen.) — Telegonos, der Sohn der Kirke,
ist bekanntlich für die italische Sage be-
30 deutungsvoll als Gründer von Tusculum (Dion.
Hol. 4, 45. Liv. 1, 49. Hör. Epod. 1, 29 f.
Prop. 2, 32, 4: Aeaei moenia Telegoni u. a.)
oder Praeneste (Plut. Parallel. 41 u. a.); dies
führt uns zu der Kirkesage in Italien.
3) Kirke in Italien. Eine vereinzelte
Überlieferung verlegt das Grab der Kirke nach
Griechenland in die Bucht von Eleusis auf
eine der Pharmakusen (Strab. 9, 395; vgl. da-
mit das skylläische Vorgebirge bei Troizene!).
40 Der erste , der Kirke nach Italien versetzte,
war nach Eratosthenes (bei Strab. 1 p. 23;
vgl. Schol. Apoll. Eh. 3, 311) Hesiodos (fr. 89,
90 BzacJi). Wenn aber in den Apollonios-
scholien (a. a. 0. fr. 91) behauptet wird, dafs
Apollonios, „dem Hesiodos folgend", Kirke auf
dem Wagen des Helios (vom östlichen Aia)
nach dem tyrrhenischen Meer habe gelangen
lassen, so ist die Berufung auf Hesiodos in
diesem Punkte irrtümlich; keine Spur deutet
so darauf hin, dafs die hesiodeische Dichtung Kirke
mit der Argonautensage verbunden habe; die
Verbindung der Kirke mit Aietes (Theog. 957)
beruht auf den homerischen Andeutungen (s.
unter 1). Dagegen hat die hesiodeische Dichtung,
wenn auch jüngeren Alters, Kirke bereits mit
den italischen Genealogieen verknüpft (Müllen-
hoff a. a. 0. S. 54 scheint das Alter der Stelle
zu überschätzen). Im Frauenkatalog der Tlicog.
1011 ff. (citiert Schol. Apoll. Rh. 3, 200. Etcstath.
60 z. II. p. 1796. Laur. Lyd. de mens. 1, 4 p. 7
Bkk., vielleicht auch von Eratosthenes a. a. 0.
berücksichtigt) wird berichtet, Kirke habe
dem Odysseus den Agrios (?) und Latinos ge-
boren. Während Preller (R. M.3 2, 308) und
Müllenlioff S. 54 in Agrios den Faunns er-
kennen wollen (Kirke als Mutter des Faunus
von Zeus bei Norm. 13, 330 ff.), haben andere
dafür rgaiKov, "aSqiov und zuletzt Sittl unter
1201 Kirke (in Italien) Kirke (m der Argonautensage) 1202
Zustimmung von Bzach "Axqlov vermutet (s. aus Plin. N. LT. 3, 108 = Faunus?). Oder an
die Ausgaben von Flach und Bzach z. d. St.). die Stelle der Marica von Minturnae an der
Latinus als Sobn der Kirke und des Odysseus Lirismündung, vgl. Lactant. 1, 21, 23. Serv.
wird noch bezeugt durch Ps.-Skymn. 227. Verg. Aen. 12, 164. Jedenfalls genofs Kirke
Serv. Verg. Aen. 12, 164. Steph. Byz. s. v. religiöse Verehrung, Cic. de not. dem: 3, 19,
Ilgaivsaxog, während Hyg. f. 127 Latinus einen 48: Circen coloni nostri Circeienses religiöse
Sohn des Telemachos und der Kirke nennt; cölunt. Plin. 25, 10: Itala Circe dis adscripta.
bei Festus p. 269 (aus Kleinias? Müller, fr. h. Vgl. Inscript. Orelli n. 1849. Über Gebräuche
4, 366) heilst Italus Sohn des Telemachos und von S. Feiice (Circei) s. Capponi, II promontorio
der Kirke. Anders lautet die Genealogie des 10 Circeio. Velletri 1856 p. 356.
Xenagoras (Dion. Mal. 1, 72, fr. 6; daraus Den Palast der Zauberin auf Circei hat
Euseb. Chron. v. 205 Mai. Sync. p. 193 A. Vergil in der Aen. 7, 10 ff. nach dem Vorbilde der
Steph. Byz. s. v. "Avxeiu): Die Söhne des Odyssee geschildert: Löwen, Bären, Wölfe und
Odysseus und der Kirke seien Ronius, Antias, Schweine heulen in der Umgebung (Ov. Biet.
Ardeas; Plut. Born. 2 nennt dagegen Romulus. 14, 10: atria vanarum plena ferarum) ; im fahlen
(Vgl. darüber Stiehle im Piniol. 1849 S. 107 Mondlicht leuchtet das Meer; sie selbst sitzt
und 1885 S. 167. Schwegler, Bonn. Gesch. 1, im Palast, der von duftendem Cederholz (Hom. s
403.) Endlich galt auch Auson (s. d.), der 60 vom Palast der Kalypso; die gleiche Ver-
Eponym der Ausonen, durch Verwechslung mit wechslung bei Plin. Nat. H. 13, 100) erleuchtet
Kalypso (s. oben unter 2) für einen Sohn der 20 wird , am Webstuhl. (In der Weissagung des
Kirke und des Odysseus: Eustath. Od. p. 1379, Helenes 3, 386 heilst ihr Wohnsitz: Aeaeae in-
30. Schol. Dion. Per. 78 u. a. sula Circae.) Eine neue italische Sage be-
Hesiodos verlegte den Wohnsitz der Kirke gegnet uns Aen. 7, 190 f.: unter den Ahnen-
in das tyrrhenischeMeer(27jfO(/. 1016. fr. 89.90); bildern im Palaste des Latinus zu Laurentnm
wenn Euripides (Troad. 437 f.) Kirke: Aiyvoxig wird auch das des Picus angeführt, den seine
1) aväv (logtpdxgia nennt, so will er damit Gemahlin Kirke (vgl. Vol. Flacc. 7, 232) in
gewifs nur ihren Aufenthalt im westlichen den Vogel verwandelt haben soll. Die Ver-
Meer andeuten (vgl. bei Plin. 25, 10: Circe Wandlung wird ausführlich von Ov. Met. 14,
Itala). Nach Ps.-Skymn. 225 hiefsen drei 320 ff. erzählt, nur dafs hier Kirke in ver-
kleine Inseln vor Misennm Kig^ng vr)aoi.; aber 30 botener Liebe zu Picus entbrannt ist. Aemüius
volkstümlich geworden ist ihr Aufenthalt auf Macer hat die Sage im ersten Buch seiner
dem Vorgebirge Circei, Kiqkcciov (das früher < Irnithogonie behandelt, s. Non. Marc. p. 518
eine Insel gewesen sein sollte: Theophr. Hist. s. v. Picumnus; vgl. noch Serv. Verg. Aen.
plant. 5,83. Varro bei Serv. Verg. Aen. 3,386. 7, 190. Sil. Ital. 8, 440. Mytli. Vat. 1, 102.
Plin. N. H. 3, 57. 2, 201. Solin. 2, 22). Theo- 2, 213; zur Deutung W. Mannhardt , Wald-
phrastos a. a. 0. ist der älteste Gewährsmann und Feldkulte 2, 334 f. — Auch sonst wird
dafür; besonders aber Strab. 5 p. 232: fisxä St Kirke bei römischen Schriftstellern häutig ge-
"Avziov xb Kignacöv loxiv .... cpaot St v.al nannt (Ov. Met. 4, 205: homerische Genealogie,
Tcolvgoi^ov slvai (noXvqxxQaay.ov Schol. Apoll. „Titanis" Ov. Met. 13, 968. 14, 14. 376. Martial.
Bh. 3, 311; von einem cpäguay.ov daselbst 40 epigr. 8, 36), sei es in Verbindung mit Odys-
{Ps.-Aristot. nsgi &avfiaa.äv,ovGu. c. 78 p. 835b, seus, wie Varro, De gente pop. rom. fr. 17 aus
33) . . . £%si Ss 7coXi'%viov -teil Kigy.rjg isgbv v.cti August, de civ. d. 18,16. Verg. ecl. 8,70 (= CLL.
'A&riväg ßtapiöv, Ssiy.vvg&ul Ss Y-ctl quälr^v xivä 4, 1982). Hör. Od. 1, 17,20 [vitrea Circe). Epod.
tpaaiv 'Oäv'oascog (citiert Eustath. Dion. Per. 17, 17. Epist. 1, 2, 23. Tib. 4, 1, 61. Prop. 4,
692); vgl. Philostephanos fr. 23 aus Tzetz. Lyk. 12, 27. Ov. A. am. 2, 103. Bern. Am. 263 ff.
1276. Dion. Bai. 4, 63. Am Kigxctiov %vurde Fast. 4, 70. Stat. Silv. 1, 3, 85 (vitrea Circe),
das fivrjtia des Elpenor gezeigt: Theophr. a. a. 0. seltener als Zauberin: Tib. 2, 4, 55. Ov.
Ps.-Skylax § 8. Deutet man den tarnen etwa Met. 14, 14; als Name für eine Dirne (vgl.
mit Pape-Benseler s. v. als Habicht- oder Plaut. Epidic. 4, 2, 34): Petron. Sat. 127.
Falkenstein, den die Griechen dem Vorgebirge 50 129. 130.
gegeben hätten, so würde die Namensähnlich- 4) Kirke in der Argonautensage. Im
keit den Grund zur Lokalisation der Kirke ge- Gegensatz zu Müllenhoff (Deutsche Altertumsk.
geben haben; oder das Vorgebirge galt von 1, 52ffJ, welcher geneigt ist, die Argonauten-
alters her als Sitz einer Zauberin und erhielt sage für die Vorlage der Odysseusabenteuer
erst von der mit dieser identificierten Kirke in v. zu halten (vgl. Kirchhoff a. a. 0. unter 1
seinen Namen (die Stadt Circei wird von Liv. und den Art. Argonauten Bd. 1 Sp. 535,
1, 56 in der Geschichte des Tarquinius Superbus, 57 ff.), ist darauf aufmerksam zu machen, dafs
2, 39 in der des Coriolanus erwähnt). Denn mit Kirke in dem älteren Teile der Argonauten-
Recht hat Preller (B. M.3 1, 412) behauptet, sage keinen Platz hat, nur eine lästige Wieder-
dafs Kirke vielfach an die Stelle altitalischer 00 holung der Medeia sein würde; auch die Hypo-
Göttinnen getreten ist, wie der Angitia, die these, dafs die „korinthische" Medeia Kirke
besonders am Fuciner See im Marserlande ver- aus dieser Sage verdrängt habe , könnte sich
ehrt wurde (Cn. Oellius fr. 9 aus Solin. 2, 28); auf keinen Beweis stützen. Bei Pindaros,
dadurch mag sich die Überlieferung bei Plin. Sophokles, Herodoros (s. Arg. Bd. 1 Sp. 536,
N. H. 1, 15. 26, 11. Gell. N. A. 16, 11, 1. 22 ff.) ist Kirke aus der Argonautensage aus-
Solin. 2,27 erklären, dafs die Marser behauptet geschlossen; auch Hesiodos fr. 91 darf nach
haben sollen, von einem Sohne der Kirke ab- dem oben (unter 3 zu Anfang) Gesagten nicht
zustammen (etwa von Marsyas, Cn. Gellius fr. 8 hierher gezogen werden. Erst in der alexandri-
1203 Kirke (in der Argonautensage) Kisar 1204
nischen Zeit, als man die Argonauten auch in opfer reinigt. Als aber Medeia Schuld und
das westliche Meer führte, ist die Kirkesage Schicksal gebeichtet hat, werden sie sofort
unter Benutzung der homerischen Andeutungen von der Göttin entlassen. (Kui'ze Hypothesis
mit der Argonautensage verbunden worden; dieser Erzählung bei Apollod. a. a. 0.). Der
wie äufserlich dies aber geschehen ist, beweist Dichter der Orphika (v. 1212 — 1243\ der Kirke
am besten die Erzählung des Apollonios Rhod. eine Tochter des Helios (Hyperion) und der
4, 659 ff. , in der Kirke zur Entsühnung des Asterope (v. 1222) nennt und ihr Haupt mit
flüchtigen Paares benutzt wird, um sofort einer Strahlenkrone schmückt (v. 1224 f., s. die
wieder zu verschwinden. Auch der Name bildlichen Darstellungen unter 1), läfst zwar
AYpxßfoi' oder neSiov AVpxTjs in Kolehis darf 10 auch nach dem Vorgange des Apollonios das
nicht znm Beweis einer älteren Verbindung blutbefleckte Paar zu Kirke gelangen, aber
angeführt werden; dieselben Schriftsteller, die seinem Plane gemäfs diese die Sühnung ver-
aus einer Anzahl zweifelhafter, von ihnen künst- weigern und dem Orpheus übertragen, der
lieh zurechtgemachterLokalüberlieferungen und sie bei dem Vorgebirge Malea vornimmt
Namensdeutungen die Fahrt der Argo ins west- (v. 1371 ff.). Aus dem Gesagten dürfte sich
liehe Meer zu beweisen versuchten, haben uns ergeben, dafs die Verflechtung der Kirke in
auch diesen Namen überliefert: Timaios fr. 9 die Argonautensage keine Spur alter Über-
aus SchoJ. Apoll. Eh. 2. 399 (vgl. damit fr. 6 lieferung aufweist.
aus Diod. 4, 561). wahrscheinlich aber auch 5) Kirke und Glaukos. Alesandrinischen
Timagetos und Timonax (s. die fragm. aus den 20 Charakter trägt auch diese Erzählung. Skylla,
Apolloniosscholien bei Müller, fr. h. 4, 519. 622); von Glaukos (s. das. Bd. 1 Sp. 1684) geliebt,
vgl. Apoll. Rh. 2. 400 und Schol. Eustath. z. weist seine Werbung zurück; dieser bittet
Dion. Per. 692. Etym. M. Suid. s. v. Plinius Kirke um ein Zaubermittel, welches ihm die
6, 13; nach Apollonios auch Val. Flacc. 5, 327. Liebe der Verschmähenden gewinnen soll. Die
6, 426. 7, 544: Circaeus cammis. Am eigen- Zauberin, die ihrerseits Glaukos liebt, mischt
tümlichsten handelte von Kirke bei den Kolchern aus Eifersucht in das Wasser, worin sich Skylla
(im Taurenlande) Dionysios Skytobrachion. des- zu baden pflegt, ihre Gifte und verwandelt sie
sen Erzählung bei Diod. 4, 45 (vgl. Schol. Ap. in das Ungeheuer, das ihren Namen trägt. So
Rh. 3, 200) vorliegt; nach ihm ist Kirke die hatte vielleicht die Athenerin Hedyle (3. Jahrh.)
Tochter des Aietesund der Hekate, Schwester 30 erzählt (Athen. 7, 297b); nach alexandrinischer
der Medeia, eine berüchtigte Zauberin nach Vorlage dichtete Ov. Met. 14, 1 — 74; vgl.
dem Beispiel der Mutter. Mit dem König der Byg. f. 199 (Myth. Yat. 1, 8. 2, 169). Serv.
Sarmaten verheiratet, tötet sie diesen und be- Yer9- Ecl. 6, 74. Aen. 3, 420. Nach einer
geht so viele Verbrechen, dafs sie aus dem Überlieferung bei Serv. Yery. Ecl. 6. 74 (vgl.
Lande vertrieben wird: nach einigen soll sie Tzetz. z. Lyjc. 754) ist Poseidon an die Stelle
sie mit ihren Frauen auf einer einsamen Insel des Glaukos zu setzen.
des Oeean gelebt haben (dem homerischen 6) Kirke und Kalchos (s.d.). In das Ge-
Aiaie?), nach anderen nach Circei in Italien biet des Romans fällt die Erzählung bei Parth.
gewandert sein. Auch Apollonios Rhod., der erot. 12: Der Daunierkönig Kalchos verliebt
Kirke nach Homer als Tochter des Helios und 40 sich in Kirke und darf ihr so lange dienen,
der Perse bezeichnet (4, 591) berichtet (3, 308ff.), bis Odysseus kommt: da wehrt sie ihm den
dafs Kirke auf dem Wagen ihres Vaters nach Zutritt zu ihrer Insel. Als er in seinen zu-
Tyrrhenien gekommen sei (vgl. 4, 850 äatiji' dringlichen Werbungen nicht nachläfst, ladetsie
Alairpv TvoarjvCSoQ 777^ t'poio; nach Apollonios ihn hinterlistig zum Mahl, um ihn durch ihre
auch Apollod. 1, 9. 24, 5. Val. Flacc. 7, 217 ff. Zauberkräuter in ein Schwein zu verwandeln;
120).*) AlsIasonnndMedeiaandemWohnsitzder erst die drohende Ankunft der Daunier veran-
Kirke landen (4, 661 fijov Alairjg liuEvct y.Xv- lafst sie, den König freizulassen. [Seeliger.]
zöv, vgl. LyJc. 1273 f. rvgaiv uans^räg äucpi KirpheiS = Kripheis (s.d.).
KiQv.aCov väirreg 'AQyovg te nltivbv ogaov Alp- Kirrha (Kiq'ou). Nymphe, nach welcher die
xrrv fisyav und Schol.). treffen sie dieselbe am 50 gleichnamige Stadt in Phokis benannt war,
Gestade, wohin sie durch nächtliche Träume Paus. 10, 37, 4. [Gerhard, Arch. Ztg. 23 S. 104
erschreckt gekommen ist,- um sich Haupt und u. 117 vermutet K. in einer Figur auf einer
Gewänder in den Fluten des Meeres zu waschen; Vase des Brit. Museums, welche Apollon zu
ihr folgen wilde Gestalten, aus mancherlei Delphi mit Nymphen und Thiasoten darstellt,
Leibern verschieden geformt , Gebilde der während andere sie als Opora deuten (vgl.
feuchten Erde. Sie will die Gefährten Iasons Taf. 202, 2). fRoscher.l [Stoll]
in ihren Palast locken; aber dieser hält sie Kirris (AYppu) = Kiris (s. Adonis).
zurück und begiebt sich allein mit Medeia Kisalaudenos (KiaalccvSrjvog), Beiname des
dahin; hier werfen sie sich als Schutzflehend e Apollon auf einer Inschrift aus Smyrna, Kon-
voi- den Herd, bis Kirke sie durch ein Ferkel- 60 toleon in Mitt. d. deutschen arch. Inst. 14, 96
nr. 28. Auf einer anderen Inschrift aus Smyrna
*) [Nach Tyrrhenien weist wohl auch die bisher über- heifst der Gott KiOavloSdrjvös, Kontoleon a. a. O.
siljcne Notiz beim Schol. z. Tlieokr. id. 2,. 15: fti xal rvi f»7. Reinadl in Reime archeol. 15 (1890), 288.
■tili
-E?.T;vaim oQBi üXfiovg ätiy.vvovcri -rf/c Mydeias rHöfer.l
'Clgy.ns, iv oh &•«» '*& <fiqnaxa. Wahrscheinlich Kisar. Nach Damascius , Qtiaestiones de
ist dieses Htliivalov •.■po: identisch mit uemuxnor_f/./n;,' . ■ • ■• j t tt- t? c i oo/»
fP/B, „ . ., i . , v * . . , „, ,, T v , -',( pnmis princtpns ed. los. Kam), traneof. 1826
i.Ftol. 3, 1, 4t oei der etru?kischen Stadt Luna (= _e/r- * *■ ' , , • i i i i • v
..;,- noU-, b. strab. 222 u. Steph. Br.. s. v.). Vgl. Koscher, V- 384 cap. 125 treten in der babylonischen
Seienc u. Verwandtes s. 15. e.] Schöpfungssage folgende Wesen auf:
1205
Kissa
Kissios
1206
1. Tav&t Kai Anaeäv.
■ '
2.. M(av{iig.
3. Aa%r) Kai Aä%og.
4. Kieaägng [so schreibt Schröder, Die
Keilinschriften u. das A. Test. 2. Aufl. p. 12
den bei Dnmascius im Aceusativ Kiaaaon
lautenden Namen] Kai "Acamgoc.
5. "Avog Kai 'iXXivbq (?) Kai "Aog.
6. xov §£ Aov Kai <JavKwg vtbg b BriXog.
Damit stimmt im wesentlichen überein die
nordbabylonische Fassung der Schöpfungs-
sage, welche Fritz Hommel, Deutsche Rund-
schau Bd. 68. 1891 p. 110 so übersetzt:
„Damals, als droben der Himmel noch nicht
bekannt war.
Drunten die Fläche noch keinen Namen trug
— Der Himmelsocean (apsü) aber, der Uran-
fängliche, ihr Erzeuger,
(Und) Chaos = Meergrund (mummu-ti' ämat),
die Gebärerin ihrer Aller,
Strömten mit ihren Wassern (noch) in eines
zusammen, und
Noch war kein Getreidehalm abgeschnitten
worden, ja nicht einmal ein Schilfrohr
hervorgewachsen —
Damals, als von den Göttern noch keiner
erschaffen,
Ein Name noch nicht genannt, kein Geschick
noch bestimmt war,
Da wurden erst erschaffen die Götter (des
Chaos),
Lachmu und Lachämu wurden hervorgebracht,
Bis sie aufwachsen in
Anschur und Kischur wurden geschaffen,
Lang wurden (oder machten sie) die Tage
Die Götter Anu, Inlilla (Bei) und Ka wurden
geschaffen."
Hommel a. a. 0. Anm. 2 erklärt Anschur und
Kischur: ..wörtlich die Himmelsschar und die
Erdenschar, das sind die bösen Geister Himmels
und der Erde; später, bei den Assvrern, wurde
aus Anschur (d. i. Anu und seine HeerscharerO
der Gott Aschur oder Assur". Vgl. zu dieser
Kosmosonie auch Fr. Lenormant, Gaz. arch.
2 p. 61. Lettres assyriologiques 2 p. 194 Anm. 1,
Essai de Oommentaire des franmen's cosmo-
qoniques de Be'rnse p. 64 und Die Magie und
Wahrsagek. d. Chaldäer. Jena 1878 p. 114 ff.,
welcher Sar und Kisar als ,,die schaffende Kraft
in der Höhe und in der' Tiefe" erklärt. Anders
Jensen, Kosmol. d. JBribyl. S. 2 u. 268 ff.
Eine abweichende sumerische Schöpfungs-
legende teilt Hommel a. a. 0. p. 108 ff. mit.
[Drexler.]
Kissa s. Pieros. [Stoll]
Kissaia (Kiaaai'a). Beiname der Athena in
Epidauros, Paus. 2, 29, 1. Das Fragment einer
Terracotta (Panofka, Terracotten Taf. 7) zeigt
den Helm der Göttin mit Epheu bekränzt;
offenbar liegt in diesem Namen Beziehung zu
dem bakchischen Kreis, vgl. Xtephnni, Compte
rendu 1872, 37 (s-. Kissos). [Höfer.]
Kisseis (KiaBni?), 1) eine der Hyaden (Naia-
den), der Pflegerinnen des Dionysos. Hyg. f. 182.
Rüdiger, D. Musen, 8. Suppl.-B. d. Jahrbb. f.
Mass. Philol. p. 368, 1. — 2) Tochter des
Kisseus, Hekabe, Verg. Aen. 7, 320. 10, 705 u.
Sfrv. — 31 Tochter des Kisses, Theano, 77. 6.
299. [Stoll.]
Kisses (Kiaahg, aus Kiaapag, Schol. z. II.
a. a. O.), Vater der Theano, der Gemahlin des
Troers Antenor. König in Thrakien, Tl. 11, 223.
Strab. 7, 330. [Stoll.]
Kissens (Kieoevg). 1) König in Thrakien,
Vater der Hekabe. die bei Homer Tochter des
i° Dymas (Tl. 16, 718) heilst, Eurip. Heb. 3.
Serv. V. Aen. 5, 535. 10, 507. Apnllod. 3, 12, 5.
Hyg. f. 91. 111. 243. 249. 256. Ennius, Pacu-
vius und Vergil folgten hierin dem Euripides,
Serv. V. Aen. 7, 320. Die Gemahlin des Kisseus,
Mutter der Hekabe war Telekleia, Schol. II.
16, 718; vgl. Eustath. II p. 1083, 1, s. Müller,
fr. hist. gr. 4 p. 347, 2. Mehr bei De Vit,
Onom. s. v. — 21 Sohn des Aigyptos, ver-
mählt mit der Danaide Antheleia, Apnllod.
20 2, 1, 5. — 31 Krieger des Turnus, Sohn des
Melampus. von Aeneas erlegt, Verg. Aen. 10,
317. — [4) Beiname des Dionysos, Suidas s. v.,
Murr, Die Pflanzenwelt in. der griech. Mythologie
p. 143. — 5) Beinahme des Apollon, Murr
p. 146 u. Anm. 1: Aristid. Or. 25 p. 586.
Aeseh. frg. 411 = Macrob. Sat. 1, 18. Über
die Beziehung des Apollon zu Dionysos s. u. a.
Fr. Lenormant, Rev. num. 1864 p. 13. de
Witte, Gnt. d'une coli, de vases trouves en
30 Etrurie p. 68 Note 3 und Cab. d'ant. de
M. de M(***mcmlr) p. 2 nr. 2 Note 1. Rhodische
Münzen zeigen das Haupt des Helios mit
Epheu und Trauben geziert, Cavedoni. Spie.
mm. p. 194. Bull. d.'Inst. 1862 p. 236: Dio
Chrysostom. Rhodiac. p. 212 ed. Aid.: Kai rbv
fiiv 'AnbXXta Kai rbv rrHXiov v.al rbv Jiövvenv
f'vtoi cpaGiv pivai rbv avzov' Kai vpeig \a)
'P6Stoi~\ ovxco vopitsxe. Drexler.] [Stoll.]
4(i Kissia (KlbbCo), Mutter des Memnon, Aischylos
b. Strab. 15, 728. Steph. B. v. Zovaa. Wahr-
scheinlich hat Aischylos die Landschaft Kissia,
in der Susa (Mtuvovog Kri'ßua, St. B.) lag, die
Mutter des Memnon genannt. [Stoll.]
Kissios (KICC10C), Name des Apollon auf
einer Münze von Alabanda, welche im Obv.
das epheubekränzte Haupt des Dionysos zeigt.
Apollon ist hier dargestellt, ebenso wie auf
einer ' Münze des Britannicus von Alabanda
so (Mi. S. 6, 439, 24 nach Aless. Visconti, Med. ant.
ined. Tab. 3 nr. 5. Ztsehr. f. Num. 8, 1881
p. 9 Tfl. 2 nr. 4, vgl. auch die Münze des
Maximus, Eckhel, Cat. Mus. Caes. Vind. 1
p. 177. Mi. 3. 310, 41), als Jüngling mit dem
Köcher am Rücken und dem Bogen in der
L., in der R. einen Vogel haltend, worin Fried-
länder einen Raben vermutet, neben ihm ein
Widder als Attribut des Herdengottes, Fried-
länder. Ztsehr. f. Num. 8 p. 9 Tfl. 2 nr. 5.
eo Cat. d'une coli, de med. grecqu.es autonomes et
des col. rom. forme'e par un amateur russe.
Milan 1889 p. 137 nr. 1232. (Obv. angeblich
..Puste de femme ä dr."). — Sestini, Lett. Num.
Cont. 6 p. 30 nr. 8 und nach ihm Mi. S. 6, 436, 11.
A. Fabretti, Regio Museo di Torino. Monde
Greche. Torino 1883. 4°. p. 292 nr. 4199
lasen KICC€OC und hielten den Gott, ebenso
wie Heydemann, Satyr- und Bakcliennamcn
1207
Kisso
KiThaiion
1205
p. 3". irrig für Dionysos. Den Beinamen
Y.iaacGxcei'rr^ erhält Apollon im 5. Berliner
Zauber i>apyrus vs. 98a p. 45 ed. Parth-.y, wie
auch Dionvsos das Epitheton xkhtoj-ki'ttj.
Murr p. 143 Anm. 4 führt. [Drexler.]
Kisso \Kteaco), eine Bakehantin im Gefolge
des Dionysos, Heydemann. Saiyr- und BaJ:chen-
namen S. 1"2. 40. Furticängler , Beil. Tasen-
samml. nr. 2471. [Xorentz.]
Kissos (Klaeog), T) Beiname des Dionysos s. 10
d.) in Aeharnai, wo zuerst der Epheu (vgl.
Diefbach, flora mythol. 64 ff.) gewachsen sein
soll, Paus. 1, 31, 6; Tgl. 0. I. Gr. 4, 7461;
ähnlich heifst der Gott [r.i'eoiog, Münze von
Alabanda, Zeitsdlr. f. Xumism. S, 2, 5 S. 9.
Röscher.], xiaaößQvog, Orph. hymn. 30. 4:
v. LaeoS trag. Find, fr. 75, 9. Bergl:1 p. 394,
doch schreibt Bergl; dafür jetzt 7.1550x0111;,-
[Hom. hymn. 25, 1. Bofs, Inscr. ined. 2, 36
nr. 135 = Pangabe, ant. hell. 2. 1196 Jioivcco 20
Kiaecv.oua Inschrift aus ArtesinesaofAmorgos1:
AiOOoGT itpavog, Anth. Pa 7.9,524, 11: y.icao-
va-i'n;,-, Protinas b. Athen. 14, 617b = fr. 1,16.
Bergl:4 3, 559. Elphantides fr. 3. Cratin. bei
Hephaest. 15.96: y.tccoyaQr]g. Orph. hymn.
52, 12. xigsojk j'roi'. Orpli. Lith. 261. Dem
Dionysos war der Ephen, der ihn bei seiner Ge-
burt schützend umrankt hatte [Eur. Phoen. 651 ;
Tgl. Arist. Thesm. 999), heilig ( Chairemon fr.
5." Eur. fr. 202: Tgl. fr. S9. Soph. Ant. 1131 .
und seine Verehrer bekränzten sich mit Ephen,
Eur. Bahch. 82. 106. 205. 253. 323. 342. 1055.
H-.l. 1360; Tgl. Analr. 108 p. 284 Bergl:*.
Anth. Pal. 7. 707. Ein Satyr in seinem Ge-
folge führt selbst den Beinamen Kioaov.öur,;.
Anth. Pal. 6. 56. und die Bakehen zäumen
üie Löwen xlcgoSszoiq texäSvöig, Nonn.
Dionys. 14, 262. • Vgl. Kisseis. Kissens. Kisso.
— [2) Jüngling oder Satyr im Gefolge des
Dionysos, s. Murr, Die Pflanzenwelt in der ta
griechischen Mythologie Innsbruck 1890. p. 144:
„Auf den Zügen des Dionysos treffen wir den
Jüngling Kissos, die Personifikation des Epheus
in der Begleitung des Gottes. Derselbe er-
götzte alle durch seine tollen Sprünge wo-
mit auf die sich überallhin ausbreitenden
Ranken der Pflanze hingewiesen ist . Terletzte
sich dabei aber einmal so, dafs er starb, wo-
rauf er Tom DionTsos in den Epheu Terwan-
delt wurde" [Nonn. 10. 401. 405. 421. 430. 12. 50
97. 190. Geopon. 11, 29); Tgl. auch de Witte,
Cah. Durand p. 38 nr. 111. [Kicaog logsvTijg
Jioiiaov, Rhet. Graee. ed. Walz. 1 p. 270. Höfer.]
— 3) Satymarne: a) KISOS dreimal aufeinerVa.se
in Berlin: Gerhard. Trinkschal, u. Gefäße Tf.6. 7.
C. I. G. 7461. Heydemann, Satyr- u. Baiclien-
namen p. 25 nr. k. Furtwängler, Beschreibung
der Vasensammlung im Antiquarium p. 712 f.
nr. 2532. Dumont et Chaplnin, Les ce'ramiqucs
de la Griee propre p. 374 Note 4: b) KISSO
Trinkschale der Sammlung Dzialinshy , de
Longperier , Bev. arch. n. s. 17 p. 350 nr. 11.— 3
Seydemann a. a. 0. p. 32 nr. X. de "Witte,
Descr. des coli, d'ant. conservees ä l'hötel Lam-
hert p. 93 — 94 PI. 28; Tgl. auch de Witte,
Gat. d'une coli, de monum. ant. [de M. Para-
reyj. Paris 1879 p. 4 nr. 9: Tasse ä deua
anses. Vülci. ,.Z~n homme nu et barbu tenant
une brauche de lierre et qui, ä cause de cet
attrfbut, peut recevoir le nom de Cissos (ziggö?,
lierre). J7 eit pre'cede dune jeune fille (Hebei
vetue d'une tunique ialaire richement brode'e et qui
tient une coupe ä deua: anses et une couronne.
En ephehe (Cyathos cetu d'une chlamyde et
tenant une cenochoe, verse le vin dans la coupe
tenue par la jeune fille1' . Im CataJ. e'trusque
nr. 102 glaubten de Witte und Ch. Lenormant
in dieser Darstellung eine Scene der Kissotomoi
(Tgl. Murr a. a. O. p. 147) erkennen zu dürfen.
Natürlich berechtigt das unendlich häufige
Attribut des Epheus noch nicht, eine Person
Kissos zu nennen. In der Pompa des Ptole-
maios D. trugen 40 Satyrn goldene Epheu-
kränze, Murr p. 145: Tgl. den Epheukranz' auf
dem Haupt eines Satyrs z. B. bei de Witte, Notice
sur quelques cases peints de la coli, de M. Aless.
Castellani. Paris 1865 p. 22 nr. 28. Minertrini,
Descr. di aleuni vasi fitiili ant. della coli.
Jatta. 1. DiTinitä p. 39 nr. 9. L. Müller, Descr.
des intailles et eamees ant. du Musee Thor-
caldsen p. 49 nr. 361: Epheugewinde um den
Schenkel eines Satyrs, de Witte, Not. s. qqes.
vases p. de la__ coli, de M. Aless. Castetleini
V. 29 f. nr. 24 über die Bedeutung des Epheus
im griechischen Mythus und Kultus überhaupt
s. Murr, Die Pflanzenwelt in der griechischen
; 'ociie v. 141 — 14?. — 4' FMsgoti auf
Münzen von Tomara mit der Beischrift K1CCOC.
Hea'i p. 554. Drexler.1 IHöfer.]
Kithairon Ki&aigcai'' ), König Ton Plataia,
nach welchem der gleichnamige Berg benannt
worden war, Paus. 9. 1.2. "Nach Lactant.
inst. 1 , 22 war der K. benannt nach der
Kithar des Orpheus, die dort zu Ehren des
Dionysos erklang. Roseher.- Kithairon. ein
schöner Jüngling, wurde Ton Tisiphone, einer
der Erinyen, deren Liebe er Tersehmähte,
durch eine aus ihrem Haare genommene
Schlange, während er in dem Gebirge seine
Herde weidete, getötet und gab so dem Berge.
der früher Asterion geheifsen. seinen Namen,
Leon v.Bycan: [?)b. Flut, defluv. 2.2. Kithairon
und Helikon waren Brüder sehr Terschiedenen
Charakters. Helikon nrild und wohlwollend
gegen seine Eltern. Kithairon habsüchtig und
begierig nach dem Gute der Eltern, weshalb
er den Vater tötete und den Bruder hinter-
listig Ton einem Felsen stürzte, wobei er aber
seilst mit hinabfiel. Beide wurden zu den
gleichnamigen Bergen', der Kithairon wegen
seiner Gottlosigkeit der Aufenthalt der Erinyen.
Helikon der Sitz der Musen . Hermesianaj: r. Kyp-
r s(5 b. Flui :- r'i/r.2.3. Vgl. Lokalgottheiten.
ich heifst es bei Tsets. Chiltad. 6, 918,
der den Lysimachos 1 Lysanias Ton Eyrene?
Tgl. Müller zu Tsets. Eykophr. 3, 151] als
Quelle anführt. Kithairon und Helikon hätten
sich gegenseitig getötet. Höfer.] ]Pinien-
bekränzt, einen Schilfstengel in der Hand,
erscheint nach Frohner , Musee du Loucre,
Notice de la seulpt. ant. 1 p. 129. 3 und
seier, Gott. Nachr. 1876 p. 7lf der Berg-
gott Kithairon am Pariser Aktaionsarko-
phag in der Scene, welche die Zerreifsung
des Aktaion darstellt, Clara; 2, 115. 68. Eine
gleichfalls pinienbekränzte Lokalgottheit an
1209 Kithaironia Klaria 1210
demselben Sarkophag in der Scene, in welcher das Füllhorn in der L. und lehnt sieh auf
Aktaion Artemis im Bade belauscht (Clarac 2, eine Urne. [Drexler.]
114, 67) wird von Fröhnir p. 128, 2 auf Grund Kladeos 'KldSsog), Gott des Flusses Kla-
der ihr beigegebenen Wasserurne als Gott deos, welcher Bild und Altar bei Olympia
des Flusses Parthenios, von Wieseler dagegen hatte und nächst dem Alpheios am meisten
p. 72 — 74 gleichfalls als Berggott Kithairon von den Eleern verehrt wurde, Pausan. 5, 10, 7.
gefafst. Auf einem von Phüostr. Imug. 1, 14 Er war im Ostgiebel des olympischen Zeus-
beschriebenen Gemälde mit der Darstellung tempels liegend dargestellt, Archäol. Ztg. 34
der Geburt des Dionysos erscheint der trauernde (1876) S. 168 f. 175 f. 188. 37 (1879) S. 118.
Kithairon nebst Megaira, vgl. Brunn, Die 10 [Baumeister, Denkm. d. kl. Alt.Fig. 1272 u. 1279.
Phüostr. Gemälde gegen K. Friederichs ver- Friedericiis- Wolters, Gipsabg. S. 123 ff. u. 126.
teidigt p. 270 — 271. Wie das Vorkommen Röscher.] Aufserdem findet sich sein Bild
von Berggottheiten in der griechischen Kunst auch auf einem römischen Alabastersarkophage,
"überhaupt, so stellt das des Kithairon in Ab- Archäol. Ztg. 11, 1853 S. 59. [Lorentz.]
rede Gerber, Die Berge in der Poesie u. Kunst Kladon (KXüSwv), ein Aithiope, Begleiter des
der Alten p. 26. 28 f. 35. Drexler.] [Stoll.] Memuon im trojanischen Krieg, Quint. Sm. 2,
Kithaironia {KiftuiQwvCa), Beiname der Hera, 365. [Stoll.]
Anonymi ' Laurentiani XII deorum epitheta 9,10 Klaia (KXuia), eine Nymphe, welche auf
in Anecdota var. Gr. et lat. edd. Schoell et dem Berge Kalathion im Gebiet des lakoni-
Studemund 1 p. 269. Schol. Eurip. Pltoen. 20 irischen Gerenia ein Heiligtum und eine Grotte
24 Bd. 1 p. 250 ed. Schwarte: ... ovi Ki&ai- hatte, Paus. 3,26,8. Curtius, Peloponn. 2, 286.
gavi'ag "Hgag iatlv iv Gifiaig isgöv. Bethe, [Stoll.]
Tlieban. Heldenlieder p. 9. 10. B. Förster, Die Klaikorophos {KXai-xogöcpog) , Name eines
Hochzeit des Zeus und der Hau p. 17, p. 25 Heros auf einer Inschrift aus Messenien,
Anm 7; vgl. Paus. 9, 2, 3: b Sc Ki»aigd>v ro Athen. Mitteil. 16 (1891) 353. — Ad. Wilhelm
ogog Jiog izgbv Ki&aigtaviov icriv, Minervini, a. a. O. 354 bemerkt dazu „einen Heros Klaiv.o-
Bull. arch. napol. n. s. 8 p. lff. [Drexler.] görpog nennt eine noch unveröffentlichte Inschrift,
Kitliaironides(Ä('9'(«p<Dju6£ s), weissagerische welche ich im Frühjahr 1890 im Asklepiosheilig-
Nymphen, die auf dem Kithairon in der Nähe tum zu Epidauros gesehen habe". [Höfer.]
von Plataia eine heilige Höhle hatten, Paus. 30 Klan ins, zweifelhafter Name eines etruski-
9, 3, 5. Die Höhle hiel's Sphragidion und die sehen Gottes, von C. Pauli in der Inschrift
Nymphen die sphragitischen; viele der An- eines bronzenen, nackten, bärtigen Athleten
wohner hatten einen Wahrsagegeist, und man von Arezzo, einst beim Vicomte de Jansee ge-
nannte sie Begeisterte der Nymphen, Plut. funden: mi Maninil „dies (ist) des klanins";
Aristid. 11. Sympos. 1, 10, 3. [Stoll.] s. Conest. Bull. 1862, 24; Fabr., C. I. I.
Kithara s. Sternbilder. 2608 bis. Pauli, Stud. 3, 83. Altilal. St. 1, 68.
Kitliouea (Ki&covea), Beiname der Artemis, Deecke, Etr. Fo. 5, 24, nt. 89. [Deecke.]
Hesych. Müller, Dorier 1 p. 381. Meineke, Elanis {Kldvig), 1) ein Kentaur, auf der
Exercit. 1, 45. [Vgl. Schreiber, Arch. Zeitung Hochzeit des Peirithoos von Peleus getötet,
41 1883 Sp. 292 Anm. 46; s. oben 1 Sp. 572. 40 Üv. Met. 12, 379. — 2) Genosse des Phineus,
573. Bröndsted, Reisen -und Untersuchungen von Perseus erlegt, Ov. Met. 5, 140. [Stoll.]
in Griechenland 2 p. 260ff. Preller -Robert, Klaria (KXagia), Beiname der Artemis in
Gr. M. I4, p. 319. Drexler.] [Höfer.] Kolophon, dessen Münzen ihr Bildnis in ähn-
Kitios (Arnos), Gründer und Heros Epony- lieber Gestalt wie das der Artemis Ephesia
mos von Kition, Eust. ad Hom. II. 813, 49; zeigen. Eine Münze des Trajan im Brit.
vgl. Kittia. [Höfer.] ilfws.zeigt„KOAO<t>QNIQN KAAPIA. Gultus-image
Kittia (Kittia), auch Amyke genannt, Gattin of Artemis Klariu , her head surmounted by
des Kasos, Tochter des kypriachen Königs modius and a fillet hanging from euch ha/nd",
Salaininos; vgl. Paris. Damasc. fr. 4 p. 469 Head, Cat. of the greek coins of Ionia p. 42
3Iüller: ö Kdoog ßaGiksve riydyiTO 'A\t,vY.j[V %r\v 50 nr. 44. Ein Exemplar des Trajan im Berliner
v.ul Kixziav &vy<xt£Qct ZaXapCvov zov Kvizqicov Kabinett und bei de Longperier , Descr. des
ßaoiXicog. Kai ijWtoj' jisr' avtr/g Krmgioi iial med. du cab. de M. de Magnoncour p. 39 f.
ä-nnoav rr;v är.QÖnol iv (von Antigonia). Kai te- nr. 324 führt die Beischrift APT6MIC KAAPIA
Xevtü tj'Aiivht] v.ai izäcpr] dnö axaäitnv rr/s noliusg KOACXhflNIA, eines im Brit. Mus. APTGMIC
q, dt' r\v ixXrj&rj 17 %d>ga 'Afivv.t]. Das Ganze KAAPIA KOAO . ., Head, Ionia p. 42 nr. 45;
macht einen durchaus mythischen Eindruck, eine Münze desselben Kaisers im Pariser
da die Namen durchweg Eponymen bestimmter Kabinett bei Mi. 3, 77, 121 hat die Bei-
Örtlichkeiten zu sein scheinen. [Boscher.] schritt APTCMIC ■ KAAPI • KOAOOßN. Diese
Klaauietis(Ä'3aafK]Tis), Tochter des Thespios, Münze ist im Berliner Kabinett in zwei Exein-
von Herakles Mutter des Astybies, Apollod. 2, eo plaren, mit dem Gegenstempel der Biene im
7, 8. Der Name ist korrupt; wahrscheinlich Bev., mit mangelhaft erhaltenen Aufschriften :
= Kalametis. [Stoll.J APT6MIC und APT6MIC KAAPI
Kladeas (Klaäiag), Flufsgott auf Münzen von KOAO .... vertreten. Vaillant, Num. Gr.
Ephesos, kenntlich durch die Beischrift KAA- p. 28 ,.Duc Vernol", wonach Mi. S. 6, 100, 132
A6AC, Head, H. N. p. 498. Aber Wadding- las KOAOOßNIßN APTEMIC KAAPI, Sestini,
ton, Bev. num. 1858 p. 166 beschreibt ein Ex. Lett. num. cont. 8, 56, 1 = Mi. S. 6, 100, 134
des Domitian mit der Beischrift KAACEAC. auf einem Münchener wohl schlecht erhal-
Der gelagerte Flufsgott hält Ähren in der R., tenen Exemplar nur APT6 ■ KOAO0ANIQN.
1211 Klaria Klarios 1212
Mionnet' s S. 6, 100, 131 Lesung KOAO0QNIQN daselbst veranstaltet, Karl Graf Lanckoronski,
KAAPIOC eines Stückes in Paris flöfst mir Städte Pamphyliens Bd. 2 p. 131 — 133, p. 225
wenig Vertrauen ein. Dasselbe gilt von dem ur. 194 Z. 12. 13; nr. 195 Z. 3 — 5; p. 226
angeblichen KOAO$ßNlßl\l . KAAPIS2N auf einer nr.200; p 227 nr. 201; nr.202Z.8— 10. [Drexler.]
Münze des Gordianus Pius, die Mi. S. 6, 105, Klarios (K/.aQiog), Beiname 1) des Apollon
159 nur aus Gefsner, Impp. 177, 1 und Tristan, von der Stadt Klaros bei Kolophon, um deren
Comm. hist. 2, 538 kennt. Besitz er mit den anderen Göttern gelost
Ein Exemplar des Dornitian, welches Mi. S. haben soll, Eust. zu Dwnys. l'trieg. 444.
0, 100, 130 aus VaiUant p. 298 citiert, scheint Schul. Nicaud. Ther. 958. Alexipharm. 11. Als
in der That die Aufschrift APTEMIC • KOAO- 10 selbständiger Name findet sich Klarios bei
OSNIA zu führen; denn auch im Cat. del. mus. Kallim. hymn. 2, 70. Clem. Alex, protr. 2
naz. di Napoli. Medaglüre. I. Num. Gr. p. 178 p. 10 Potter. Euseb. praep. ev. 4, 2, 8. 5, 22, 1.
nr. 8013 wird als Aufschrift dieser Münze 10, 4, 7. Theodoret. 4 p. 263. Maxim. Tyr.
KOAO<t>ßNIA verzeichnet. — Ohne auf diss. 26. Verg. Aen. 3, 360; öfters mit Apollon
den Typus bezügliche Beischrift erscheint das verbunden, Strabo 14, 642. Anth. Pal. 9, 525,
Bildnis der Artemis Klaria auf Münzen der 11. Euseb. praep. er. 5, 21, 6. Tzetz. Lyk. 1464.
Otacüia, Mi. S. 6, 106, 165, 166. Head, Tacit. ann. 12, 22. Plin, hist. nat. 5, 29, 31.
Ionia p. 43 nr. 53 PL 8, 12 „Culttisimage Auson. eclog. 21 p. 103 Peiper. Vita Nicundri.
of Artemis Klaria, her head surmounted by Auf einer Grabinschrift aus Klaros heilst er
modius, and her hands supported by two props 20 Kläqios Arj-cotäris, Bull, de corr. hellen. 10,
standing each in an um?'' Die Büste der Göttiu 554. Athen. Mitt. 11, 428; bei Paus. 8,29,4
mit Stephane, an der Schulter Bogen und ö iv Kldgca &io$ oder Klugtog &to$, Nikand.
Köcher, findet sich auf dem Obv. autonomer Älexiph. 11. Ooid. Met. 11, 413. Ars amat.
Münzen (Rev. Dioskureuhüte), Head, Ionia p. 40 2, 80. Klaros, dessen Fluren er vor wilden
nr. 40. 41 PI. 8, 9. Eine Münze des Caracalla Tieren schützt (Nikand. fr. 20), ist eine seiner
zeigt „Apollo Klarios naked to waist, seated Lieblingsstätten (Rom. hymn. 1 , 40. Ananios
l., holding laurel branch and resting on lyre; fr. 1 Bergk* p. 510. Anakreont. 11 (13) Bergh*
before him Artemis, Standing l., looking back, p. 303. Llionys. Poieg. 445. Uvid. Met. 1, 516),
clad in chiton with diplois and holding long und berühmt war sein dortiges Orakel (to
torch; befand him Nemesis, standing /., clad in 30 Kldgiov, Plut. Pomp. 24), s. z. T. obige Stellen
long chiton and peplos, with rigid arm bent, und Luc. Alex. 8. 29. 43. TJeor. dial. 16, 1. Bis
plucking chiton at breast, and holding in L, accus. 1. schol. Apoll. Rhod. 1, 308. Tac. annal.
cubit ruh", Head, Ionia p. 42 nr. 47, PI. 8, 11. 2, 54. Macrob. Sat. 1, IS. Plin. hist. nat. 2, 103.
Auf einem Exemplar des Trajan im Münchner 106. Stat. 'Hieb. 8, 199. Pomp. Mel. 1, 17,
Kabinett erscheint folgender Typus: „KAAPIOC- 2. Aristid. 1 p. 497 Dtndorf. Euseb. praep. ev.
KOAOOflNI ■ Apollo seminudus , capite radiato, 5, 16, 1. C. I. G. 2, 2342. Scylax p. 90 Gronov.
ad sin. sedens, dextra extenta lauri ramum et ihm zu Ehren wurden in Kolophon (vgl. die
sigälum Hianae Clariae sustintt; sinistra lyrae, Weihinschritten aus dieser Stadt, C. I. G. 2,
sellae impositae, innititur, ante tripus", Streber, 3031. Mitt. d. deutsch, arch. Inst. 14, 98 nr. 31,
Numism. nonnulla Gr. ex Mus. Iiegis Bava-^iO ebenso ist der auf einer Inschrift aus Novoselo
riae hactenus minus accurate descripta p. 213, [Bulgarien] erwähnte 'AitolXav KoXotpalvios
Tab. 3, 9, Sestini, Lett. Num. Gont. 8, 56, 2, mit dem Apollon Klarios identisch, Arch. epigr.
Mi.S. 6, 100, 133 und 3, 77, 122. Mitth. aus fester. 10 (1886), 147 Anm. 13)
Über die Darstellungen des auf dieser Spiele, tix Kkdgia, gefeiert, Dittenbergtr, Syl-
Münze absolut als KAAPIOC bezeichneten löge 400 p. 589; auch in Athen wurde er
Apollon Klarios s. Eckltel, T).N. V. 2 p. 511 f., verehrt, C. I. G. 1, 465 = G. I. A. 3, 175 (auf
Mi. 3 p. 95 ff. S. 6 p. 75 ff. Sestini a. a. O. eiuer in Athen gefundenen Inschrift werden
und Mus. Hedervar. 2 p. 159 — 161. Streber ebenfalls KXuQia erwähnt iqnjft. «jj^oüoA. 1884
a. a. O. Panofka, Arch. Ztg. 3 1845 p. 59. 22; vgl. Epigr. Anth. Pal. ed.- Cougny p. 603r),
Cavedoui, Spicil. num. p. 163, Note 155. Cat. 50 und in Korinth befand sich sein Standbild,
del mus. naz. di Napuli. Medagliere I. Mon. Paus. 2, 2, 8; über Münzen mit der Darstellung
Gr. p. 178 f. Mus. Num. Lavy 1 p. 205f. des Apollon Klarios s. Spanheim zu Kallim.
Leake, Num. Hell. As. Gr. p. 441. und SuppL, hymn. 2, 70. G. M'olff, De novissima oracu-
Asia p. 40. Regio Museo di Torino ordi- lorum aetoiep. 13. . Über die Stätte des Apollon-
nato e descritto da A. Fabretti. F. Bossi e tempels zu Klaros handelt Schmhardt, Athen.
B,. V. Lanzone, Muneie Greche. Torino 1883. Mitt. 11, 429 f.; vgl. A. M. Eontrier tisql
4° p. 272 f. Imhoof-Blumer, Monn. Gr. p. 284 f. KIüqov, KoXotpävog, Noxiov in fiova. -aal ßifiX.
(nur Köpfe). Head, H. N. p. 493 1. Head, r/js tvayy. axoXfis' TttQiodog 3 (1879/80).
Ionia p. 36 — 46, PI. 8. Overbeck, Apollon p. 2 Sinyrna 1890. p. 187 ff. Immisch, Klaros
nr. 9—12, Tä. 2, 7—10; p. 154 nr. 41, Tfl. 2, 60 17. Supplbd. zu Fleckeisens Jahrb. p. 134ff.
53; p. 302 nr. 68, Tfl. 4, 23 u. a. m.; über Apollon Vgl. auch Lactant. de fals. relig. 7. Solin. 53.
Klarios überhaupt s. Bouche-Leclercq, Hist. de C. I. L. 3, 2880 (üorinium, Dalmatien). C.I.L.
la divination dans l'ant. 3 p. 249 — 255 und 7, 633 (Britannien); G. I. L. 8, 8361 (Numidien).
Buresch, Klaros. Leipzig 1889. Der Gott er- S. auch Klaria.
scheint auch auf Münzen des bithynischen Apa- 2) des Zeus, Aesch. Suppl. 346; vom Schol.
meia mit der Aufschrift APOLLINI CLAKi, erklärt durch navtaTiaaL y.Xri^äv xul xQctLvav
Head, H. N. p. 437. In Sagalassos hatte er nach Pape- Benseier = icpiaviog; vgl. Hesych.
einen Tempel, und ayävtg Ki.ÜQ8ioi. wurden lUapts' ccl |jti iöatfovg to^a'pßj. In Tegea
1213 Klaros Kleiduchos 1214
war ein Altar des Zeus Klarios zur Erinne- und Kledon zu, Camill. 30 de fort. Born. 318, 46.
rung an die Verlosung des Landes unter die Wyttenbach, Epist. crit. p. 153 sq. Vgl. C. Fr.
Söhne des Arkas {Paus. 8, 53, 9; vgl. Bd. 1 Hermann, Gottesdienstl. Altert. § 38, 18. S. d.
Sp. 553, Z. 6), und sogar in Klaros selbst Art. cPhenie'. [llberg.]
sollte ein Orakel des Zeus Klarios sein, Eust. Kledonios {JZXrjSöviog), Beiname 1) des Zeus,
zu Bionys. Pertey. 444, doch liest Immisch Eust. ad Ilom. 11. 169, 28; vgl. Panomphaios.
a. a. 0. p. 139 an dieser Stelle mit Pertz Jio- — 2) des Hermes auf einer Weibinschrift, die
vvaov KIuqlov y-avzsiov statt z/ios KXuqlov ft. sich auf einer phänischen Hermesstatue aus
— Den Namen Klaros selbst hält Schuchardt Pergamon befindet, Egfir/s Klsrjddviog, M'ad-
a. a. 0. 433 für ein nichtgriechisches Wort; 10 dington, luscr. d'Aiie min. 1724a. Waddiny-
er meint, dal's sowohl der Name wie der ton erklärt den Beinamen als ' qui presaye les
Kultus von Klaros in vorgriechische Zeiten cvenanents, ou auquel on adresse des incoca-
zurückreichen. [Höfer.] tions7. [In Pharai hielten sich die Befrager
Klaros (Älcigog), Heros eponvmos der Stadt des Hermes Agoraios beim Weggang die Ohren
Klaios bei Kolophon, Tlteopompos im Schol. zu; wenn sie die Agora hinter sich hatten,
Apoll. Rhod. 1, 308; nach Euteknios, Metapluus. entfernten sie die Hände vom Ohr, und die
Nicand. Alex. 11 ist er ein Sohn des Apollon erste Stimme, welche an dasselbe schlug,
und der Kreusa und Bruder des Khachios und hielten sie für die Antwort des Gottes, Paus.
soll der Stadt, die ihm als Erbe (nXriQog) zufiel, 7, 22. 2. 3. — Bouche- Leder cq, Eist, de la div.
den Namen Klaros gegeben haben. [Höfer. 1 20 dans l'ant. 2 p. 400 vermutet, dal's man dem
Klazomeue^in.afo/xtVr/). Das Haupt der Stadt- Hermes allgemein diese kledonomantische
göttinKlazoinene niit der Mauerkrone erscheint Weissagungsart zuschrieb und dafs so auch
auf dem Obv. autonomer Münzen der Stadt Kla- der Beiname KXeridoviog zu erklären ist. Ziein-
zomenai mit der Beischrift KAAZOM6NH (KAA- lieh kühn vermutet er aufserdern: „La preseuce
IOMGNHj, Mi. 3, 69, 70. 71. ,i'. 6, 91, 69 — 71. de cet Hermes ä Pitane permet de supposer
74. Mus. num. Lacy 1 p. 205 nr. 2254. Rollin que le sanetuaire des cledones {KXrfiöviav iigov)
et Feuardent, Catal. a"une coli, de med. des « Smyme, c'est-ä-dire en im Heu peu, distant
rois et villes de Vanc. Grece 2, 326, 5079. Lcake, de Pitane, etait un tvmple de Hermes cousidere
Num. Hell. As. Gr. p. 43. Museo regio di principalement , comme dioinite cledonoman-
Torino. Mon. Greche 1883 p, 272 nr. 3921, 30 tique." Über die Kledonomantik s. Bouche-
Head,Cut.o/tliegreekcoinsofIoniar).30ar.lli, Leclercq, 1 p. 154 — 160. Drexler.] [Höfer.]
oder 0€A • KAAZOM6NH, Mi. 3, 69. 72. S. 6, Kleeia (KXina), eine der Hyaden, Hesiod.
90, 98; vgl. Sestini, Mus. Hed. 2, 159, 31 {fr. 67 Lehrs) bei Schol. Arat. Phaen. 172.
,,06A ■ KAAZOMG. Caput mulubre spicis coro- [Stoll.J
natum Liviae ut videtur sub Cereris effigie." Kleia = Kleio (s. d.).
In ganzer Gestalt mit . der Beischrift 06A • Kleide {Klsiörj), eine bakchische Nymphe,
KAAZOMGNH ist sie sitzend, in der R. eine welche auf Naxos zugleich mit den Nymphen
Statue haltend, dargestellt auf Münzen Trajans, Philia und Koronis den ihnen von Zeus über-
Mi. 3, 72, 89 und des Valerianus Sen., Mi. 3, gebenen kleinen Dionysos aufzog, iJiod. 5, 52.
74,102. Eckhel, D. N. V. 2 p. 510 (vgl. Leake « [Vgl. Koronides und Töpfter , Alt. Geneal.
a. a. 0., Note) bemerkt: „Haud dubie Amazon S. 105. fl.] [Stoll.J
credita fuerit, et simul urbis uuetor, proinde Kleidiulios (KXs idov%og), Beiname vtrschie-
divinos Iwnores naeta. Gerte Myrhina, Cyme, dener Gottheiten, s. Wesseliny , Übserrationes
Termins, Smyrna Amagones codem modo in 1, 3. Chr. Gottlieb Schuars, He deis clavigeris,
numis proponuntur." [Drexler.] Altorfii 1728. 4° und Opitscula p. 175 ff. Böttiger,
Kleadas (KXsdöag), Sohn des Hyllos, Vater Ideen zur Kunstntythol. 1 p. 248. Jacobi,
des Aristomachos, Schol. Find. Isthm. 7, 18; Handwörterb. p. 542. Stephanus, Thes. Gr. L.
gewöhnlich heilst er Kleodaios (s. d.). [Höfer.] s. v. xXtidovxog, ÄXiCftgov, KXintg. 0. Jahn,
Klearchos? {KXtctgxogT) = Learchos (s. d.), Ber. üb. d. Verlt. d. Kgl. Sachs. Ges. d. W.
Sohn der Ino und des Athamas, Bruder des 50 1858 p. HOf. Tafel u. Hissen zu Pindar, Pyth.
Melikertes, von seinem Vater gemordet; Schol. 8, 4. Wolff in Porpjhyrius , Philos. .ex orac.
IL 7, 86 cod. D (die andern Hss. haben Le- haar. rel. p. 136 Aum. 1. Den Eros nennt
archos). Et. M. 24, 14. Vgl. Athamas, Leu- Ewrip. Hippol. 539 ff. xbv zag 'Aygodhug cpiX-
kothea, Learchos. [Koscher.] zdzmv &aXdy,mv xl7/öov%ov, (Jrph. hymn. 58, 4 ff.
Kledon (KX.riöcov, övog), Göttin weissagender , , ,„
Vorbedeutung, insofern diese aus einem Laute, ,<,, , , ***™* *W"S n™«,„
einer Stimme, einer Rede vernehmlich ist. aL^°e °»e«'"™'. *ovzov, Z»ovog, r,S oaoe
Altäre der Kledon erwähnt Aristid. 40 t. 1 , ... ,„, ,, ifvrlr0L^
p. 754 Bind., an denen die Verehrer wünschen »W|»«« «woytvrtl* Pf« fW*i zlooxae-
mg svcpriuÖTttz' dnovtiv. In Theben weissagte 60 . „> n „. , , ,'I0S' „s
man beim Altar des Apollon Spodios aus der- r'd oacl Tocgzagog tvgvg iXst novtog &
artigen Anzeichen {und Klrfiovoiv), besonders a l 0V7l0S-
jedoch in Smyrna, wo sich vor der Stadtmauer Helios wird im Hymnus des Proclus 1, 2ff.
ein Heiligtum der Kledones befand, Pausan. (Orph. rec. Abel p. 276f.) angerufen y.lvfri
9, 11, 7. Den Tempel des Aius Locutius (s. d.), tpdovg zapCa, £auQ-n.iog, m avu, izriyrjg \ avrdg
den Camillus an der Stelle errichten liefs, wo i%av %Xr\Cba v.zl., vgl. Eapp oben 1 Sp. 2023.
vor dem Galliersturme die warnende Stimme Em vielnamiger Sonnengott wird im grofsen
gehört worden, schreibt Plutarch der Pheme Pariser Zauberpapyrus v. 588 ff., Bitterich,
1215 Kleiduchos Kleiduchos 1216
Abraxas p. 48 angeredet xiigis 6 avvSrjaag die vcnzagicti nvXai sind wohl die Wolken,
izvtvixuzi, zu nvgivu xXjjd-ga zov ovguvov. vgl. Boscher oben 2 Sp. 45 Anm. * und NeTctar
Über lanus (und Portunus) vgl. Schwarz und Ambrosia p. 19ff.).
p. 3—5 (22—23). Böttiger, Ideen 1 p. 258—263. Auch die ägyptische Unterwelt hatte Thore.
F. L. Sehwart», Sonne, Mond v,. Sterne p. 198f. Nacli dem Buch vom Äm-Duat („von dem
Boscher oh. 2 Sp. (24. 25), 29 ff., 35. 40-42. 44 ff. was jst ln der Tiefe") zerfiel das Duat, wel-
Den KäßsiQos der Münzen von Thessalo- CÜCs die Nachtsonne durchzog, in 12 Teile, in
nike führt Schwärs p. 19—22 nach der un- welehe man durch je eine Thür gelangte,
genauen Abbildung bei Seguin, Num. seh p. 16 Wiedemann, Die Religion der alten Äg. p. 47 ff
unter den »ioi xXuSovxoi mit Unrecht auf. 10 Eine zweite, die nächtliche Sonnenfahrt durch
Nach zahlreichen Exemplaren des Brit, Mus., die Unterwelt behandelnde Schrift führt den
Cat. of gr. coins. Macedonia p. 113ff. ist der Titel „das Buch von den Thoren", V'iede-
fragliche Gegenstand in der R. des Kabeiros man» p. 55ff.
nicht ein Schlüssel, sondern ein wie ein Capri- D;e Thore hatten natürlich Schlösser (Orae.
cornus gestaltetes Trrakhorn. Sibyll. 2, 227f. Bzach: äftediy.roLO v.al üggrr
Es sind eine Anzahl löwenköpfiger Mithras- xrov tääuavzog xlil&ga nsXiogu nvXäv mxy-
fignren erhalten, welche den Gott mit emem yaXv.svzav 'ACSao, Pariser Zauberpap. 2261
oder zwei Schlüsseln ausgestattet zeigen. xXu&gov Tagrugov. Plato, Axiochus p. 371 B :
Lajard, Mem. sur un bas-rehef mithriaque qui Xa de -ngonvXa zr)g eis HXovrcovog bSov oidrjooig
a e'te de'couvert ä Vienne {Isere), Mein, de l'Ac. 20 Kxei'^e0ig xal r.Xsiclv caXvgaza,). Die Schlüssel
des Inscr. et B.-L. 15, 2 1845 p. 201ff., PI. 1, führt Pluton, der nvlüo%os, Plut. de Is. et
1. 2. Beck, sur le cultc de Mitlira. Atlas C)s. c. 35, nvlugrrjg 17. 8, 367. Paus. 5, 20, 1
PI. 70—73. Hühner, Denkmäler des Aleon in berichtet, dafs an einer Nebenseite des chrys-
TorJc und Bonn, Bonner Jahrbb. 58 1876. elephautinen Tisches des Kolotes sich befän-
Tf. 8, p. 147— 154. — Lajard, Bech. p. 620 f., den: W.ovzwv, xal Aiövvao;, nsgaacpövn te
Mem. sur un bas-rehef mithr. p. 254ff. giebt xaj Nvficpui, ßyuiguv uvzäv r] traget tpegovooe,
folgende Deutung der Schlüssel: „Emblemes % gl yj^sa- e^ei yug Srj 6 TlXovzcov v.Xsiv xori
tres-explicites du cid, ces clefs sont, n'en dou- xiyovatv In ctvzij zbv xuXovpsvov aSrpi xs-
tons pas, l'une la clef de la porte du soleil, r.XstG&ai. vitb zov 'nXovzavog, xul ag 'inuvuoiv
l'autre la clef de la porte de la lune. Mithra so 0vSslg av&tg *g avzov. vgl. Brunn, Gesch. d.
preside au_ mustere de la descente et de l'ascen- (jr_ Künstler 1 p. 243. Bapp oben 1 Sp. 1800.
sion des ämes. Selon les croyances des temps Orpheus Argon. 1370ff. heilst es:
anciens, les ämes descendent sur la terre ou >.,>/•/ > , „ ,
clans les voies de la qeneration , par la porte * ' ?, ' V ... , v „ ,' r, - '
,,7 77 " . . ■ j i7 j owga xsv evzoaa oteco uyuy.Xsiroig bueiXivoiv,
de la lune; eues remontent au ciel par Celle du ,7V , r \ % '., b K '
7 .7 -r 7 , • .7 7 £ . j. Ol '/.Kl VEQZ8QILÜV vJ.mOßC B70V01V ....
soleil. Les solstiees sont les deux epoques fa- , ... * " _ ' " * ,
vorables de l'annee pour le premier de ces mou- ^lJm Taiuaron Bohde, Psyche p. 198 Anm. 1.
rements; les equinoxes, pour le second"; vgl. Prf.er X P-, 666 A,nm- 2' AP"L Met~ *< 18:
über diese Thore auch die ausführlichen Be- »uhl spiraculum Diüs et per portas hiante*
merkungen von Lajard, Mem. sur deux bas- 40 monstratur iter mvium, ein te limäe transmeato
reliefs mithriaques qui ont ete decouverts en $"m<1 comnuserw, lam canale directo perges ad
Transi/h-anie. Paris 1S40 (Betr. de la 2' partie lPJa"< °™ ''«i"«»',UIld ^ ?leusis Urph. hymn.
du tome XIV des Mem. de VAcad. des I. et 18> J5 ,To{h n^ nvl"'JL( Aläa0\ iWenn aber
B.-L.) p. 49ff, besonders p. 59 „Ces deux partes 0rPh; %»',»■ 18',4f- Pluton anredet:t
[du ciel par lesquelles les ämes descendent et ÜXovzcov 6's HtxzsxHg yaüjg xXnidag änäarjg,^
ascendentj furent appelees tantöt la porte de IlXovrodozäv ysvsrjv ßgoziipy v.agaoCg ivtavzäv,
la lune et la porte du soleil, tantöt la porte so sind hier nicht die Schlüssel des Schatten-
de Cancer et la porte du capricorne , tantöt reichs gemeint, sondern der Vers bezeichnet
enfin la porte des dieux ou la voie des immor- den Pluton, wie der Zusatz zeigt, als Ver-
tels, et la porte des hommes ou la voie des 50 walter des fruchtbaren Erdbodens. Wie Pluton
mortels. . Mais ces diverses denominations ex- hütet die Thore und führt die Schlüssel zum
priment une meme idee; et, dans la doctrine Hades auch Persephone, s. Orph. hymn. 29, 4
particuliere des mysteres de Mitlira, elles sc t) v.ur£%tig 'At'Scco 7zi'Xag vnö xzvftea yaing,
rattachent indubitablement au dogme du Zend- Apul. Met. 11, 2 nocturnis ululatibus horrenda
Avesta , suivant lequel cette äivinite reside Proserpina, triformi facie larvales impetus com-
toujours au ciel entre le soleil et la lune ou les primens terraeque claustra cohibens, Pariser
deux portes du monde". Zauberpap. v. 1403: v.XtiSovxt Tligascpaaaa
Mit Thoren versehen war auch die Unter- nagfrii'u. Aufserdem ist y.ÄfuJot'jfOs (C. I. Gr.
weit, Schwarz p. 8—10. Prelltr, Gr. Myth. I3 6298 = Eaibel, Inscr. Gr. Sic. et It. 1746)
p. 633. Bapp oben 1 Sp. 1781 (Verg. Aen. uo und nvXagbg KXt'&gav zäv dudiav (Pariser
6, 552 Porta adversa , ingens, solidoque ada- Zauberpap. vs. 1464 f.) Aiakos, siehe die
mante columnae; Hom. IL 8, 15 eiärjgsiat übrigen Stellen bei Schwarz p. 7 — 8. Preller,
TtvXar, Sesiod, Theog. 811 (iugii.c!:giai jivXca; Gr. Myth. I3 p. 663. 679 Anm. 3. Wörner ob. 1
schwerlich richtig aber ist vtgzsgiai nvXai, wie Sp. 112 und besonders Bohde, Psyche p. 285f.
Herwerden , Mnemosyne 16 p. 330 mit Zu- in Anm. 3 zu p. 284. Auch der Ianilor sedis
Stimmung von Dieterich, Pap. mag. mus. Lugd. laxae, qui viscera saevo spargit cani bei Lucan
Bat. p. 775 das handschriftliche vi-nzagiai des 6, 702 f. ist wohl am ersten Aiakos und nicht
grofsen Pariser Zauberpapyrus vs. 2534 lindert; Kerberos, wie Burmann anmerkt oder Anubis
1217 Kleiduchos Kleiduchos 1218
(Hernianubis) wie Ettig, Acheruntica, Leipziger dov%og in Eurip. Iph. in Taur. vs. 131 besser
Stucl. z. kl. Piniol. 13 1891 p. 407 vorschlägt. mit Klotz, Weclüein, Kvicala, Sitzungsber. d.
Doch kommt auch Anubis als yXuSoviog K. K. Akad. d. Wiss. zu, Wien Bd. 29 1858
vor, im großen Pariser Zauberpapyr. vs. 34011'. p. 224 Iphigenia, als mit Wesseling, Markland,
uvovßiöi v.gaxaiw ipigivft • rag xXidag bxovxi Seidler, Meineke, Anal. Alex. p. 108 Artemis
tioj »a9 aSov; 1466t'. xltSovxs xb avovßi cpvXai;. zu verstehen ist.
Ganz unbekannte Thürhüter lehren uns Hekate nennt Orph. hymn. 1, 7 Ttavxog
auf Kypros gefundene Defixionen kennen, so kog/xou xXr/dovxov uvccaouv, i'rothyraia 2, 5
xov siti xov nvXcovog xov Aäovg ks xaiv %Xn- yXrjSovx' ivcivzTjts. In der Inschrift C. I. Gr.
ftgav (y.Xrfögmv) xov ovgavov xbxayabvov axbg- 10 2720 liest Waddington za Asie Min. nr. 519 statt
|fp| norj^a (varr. sigr^a, igrfea) griüiyßcav ag- äaäocpogog vielmehr y.XbiSotpogog. In Lagina
dctfiaxd'ovQ TiQiOTZv lau.ita.0bv axbranza, Procee- fand der Hekate zu Ehren eine xXudos äytayr]
dings of the Soc. of Uibl. Arch. 13 1891 p. 174 (Newton, A last, of discov. at Halicamassus,
—190 nr. 1 Z. 19ff. 3, 9ff. 5, 12 ff. 7, 13 ff. Cnidus and Branchidae 2, 2 p. 790 nr. 96; oder
8, 10 ff. 9, 13ff. 10, 13tf. 11, 10 ff. 12, 12ff. uXeidbg nou-Tty (Newton 2, 2 p. 792f. nr. 97.
14, 13ff- 15, llff. 17, llff. Ebendaselbst Bull, de Corr. Hell. 11 p. 146 nr. 46) statt;
wird angeführt o fteyag aiaoxcoo o bgaycnv xov und die Inschriften nennen die Namen ver-
Aäovg xag nvXag 5, 16f. 7, 18. 8, 14. 9, 8 f. schiedener Priesterinnen (y.Xbtdocpogog, Bull.
10, 17. 11, 15. 12, 17. 14, 18. 15, 14f. 17, 16f. de Corr. Hell. 11 p. 12 nr. 6; p. 26 nr. 37;
Der Name der weiblichen Gottheit, welche 20 p. 28f. nr. 41; -xXbLdocpogovaa, B. ü. H. 11 p. 31 f.
nach diesen Defixionen die Schlüssel des Hades nr. 45; v.X-nSovxog, B. C. H. 11 p. 160f. nr. 70),
führt (77 xag y.Xtdag xov A[dov. .) 5a, 39. 8, 35. welche die xlsidocpogia, B. C. H. 11 p. 13 nr. 7
11, 39. 15 a, 8 ist leider auf keinem Exemplar guhabt haben. Der Schlüssel wird bei Por-
erhalten, ph.yrius, Philos. ex orac. haur. libr. rel. ed. G.
Proteus wird Orph. hymn. 25, 1 an- Wolff p. 136 (aioXn xi yXblg buov) unter den
gerufen als novxov xlriiöag b'xovza. ovußoXa der Hekate aufgezählt, vgl. in der
Sar apis ist nach Aristides Or. 8, 1 p. 92 Anrufung der Sei ene im großen Pariser Zauber-
Bind. yr\g y.al &aXdxxr]g, cpai"bv av uoinxai, papyrus vs. 2292ff.: xovzo ydg oov Gv[ißuXoi>
y.Xfjäag byjnv. xo advSaXöv cov bv.gvtpa y.al v.XbiSa y.gazä y.xl.
Athena ist die Schlüsselbewahrerin der 30 und va. 2334ff.
Stadt Athen, Aristoph. Thesm. 1139ff. : „„,-,. « , „ ,
M 2,ri(itiov tgco %alv.£ov xo aavaalov
n näXiv r)u.£xbgav sjjff, xr\g Tagxagovxov cxbfifia KXtig KrjgvKLOV
■Aal v.gdzog cpavtgbv aovrj goußog oidrigovg Kai -avg>v y.vdvbog
nlnSoi'xög T£ y.aXbixai. nlei&gov xgiyagov eoxdga 7tvgovu.bvi]
Von Wesseling, Observ. 1 p. 7 und Meineke, oy.oxog ßv9og cpib£ xagzdgov ^udvxgia
Analcda AI exänärina p. 107 f. Euphorio 68 ^0VG ^vwg daiaovag x bgacxwvg.
wird auch der Vers des Euphorion: "Hxtg ixbig Hekatedarstellungen mit dem Schlüssel ver-
yXnlSag inL^bcpvgoio AvfiaCng auf Athena ge- zeichnet E. Petersen, A.E.M. 5 1881 p. 65ff.
deutet, da Paus. 7, 18 ein Heiligtum und Bild 40 Den Beinamen führt die Göttin a!s Wächterin
dieser Göttin für Dyme bezeugt. der Thüren überhaupt (vgl. Thryllitius . De
Ferner kennt Athena die Schlüssel zum Ge- Deastris cpuos Gentilts ad fores statutre colereque
mache der Götter, worin der Blitz versiegelt consuerunt. Vitembergae 1711. 4°. xufifxa iß'.
ist, Aesch. Eum. 791: Schwarz p. 28. Steuding oben 1 Sp. 1891),
,-s »i i ' ■ o. - besonders auch der Pforten des Hades (vgl.
Hat y-lndag oiöa oouaxav uuvri vtcov j o rr 1 ± e - 1 1 %
> t ' > ' > r ' , den Hymnus an Hekate vs. 5 in Abel s
bv o) v.bgavvug baxiv iawoayicabvog, ,. , • J „D„ .-„ „ t ,f .. ,
Ti ' ' ' Urp/uca p. 289: yXvvi diaQbv^aaa nvXag *Xbi-
vgl. Schwarz p. 24. 25.- Schwartz, Sonne, Mond xov äääaavxog, Steuding oben 1 Sp. 1895. E.
und Sterne p. 198. Wieseler, Bonner Jcdirbb. 5 Petersen a. a. 0. p. 80: „es sind die Pforten
p. 351. 353. Welcker, Aeschyl. Trilogie p. 279 50 zwischen Himmel und Unterwelt, welche sie
Anm. 481. Bückert, Der Dienst der Athena aus- und eingehend öffnet und schliefst").
p. 49 Anm. 57. Die von Plin. n. h. 34, 54 In figürlicher Bedeutung sagt Aristoph.
erwähnte cliduchus des Phidias wollen Welcher Thesm. 976 von Hera: v.lySag yäfiov cpvläxtst,
a. a. O. und Osann, Arch. Zeitung 8 p. 255 für und nennt Pindar Pyth. 8, 3 f. die Hesychia
eine Athenastatue, Petersen, Observ. in Plin. ßovXäv xb neu noXbficov b'roiou y.laiäag vnbgxd-
n. h, 34, 19, 1 p. 6 und Urlichs, Chrest. Plin. xag, vgl. O. Jahn a. a. O. p. 111.
p. 317f. sogar für die berühmte Promachos Für Kybele ist anzuführen eine kleine
erklären, während Preller, Arch. Zeitung 4 asiatische Terracotta, welche aus der Samm-
p. 261 ff. O. Jahn, Bei: üb. d. Verh. d. Kgl. lung Gre'au, Fröhner , Catcd. Gre'au nr. 707.
Sachs. Ges. d. W. 1858 p. 109 — 112 u. Brunn, 60 Terres cuites d'Asie PI. 4 ins Berliner Anti-
Gesch. d. gr. Künstler 1 p. 180 vielmehr an quarium (Arch. Anz. 1892 p. 106, 2 nr. 14)
die Statue einer Priesterin denken, für welche gelangt ist. Fröhner deutet den Schlüssel bei
„der Schlüssel das auszeichnende Attribut" Kybele als den des Tempels oder der Stadt,
war (vgl. für den Schlüssel als Abzeichen von welche die Göttin besaß, Furlwängler legt
Priesterinnen Sparihemius zu Gallimaclius, hymn. ihn ihr bei als Unterweltsgöttin. Die richtige
in Cer. 45, vol. 2 p. 781 f. ed. Ernesti, Schwarz Erklärung giebt uns Servius ad Aen. 10, 252
p. 31 — 33, wie denn z. B. Io bei Aesch. Suppl. an die Hand: Terram autem conttat esse matrem
299 y.Xnöovxog "Hqag heifst und unter der vXn- deüm. Unde et simulacrum eins cum clavi
RoscnER, Lexikon der gr. u r8m. Mythol. II 39
1219 Kleinis Kleitos 1220
pingitur. Nam terra aperitur verno, Memali S.V. zovzov KXaoawuov $ipf v. vorig iazogti:-
clauditur tempore. M. D. — Bei Apollod. 3, 13, 8 steht in den
Die Moiren bezeichnet Plutarch de gen. meisten Hss. KXvzarvuog, in einer KXaza>vvy.og.
Socr.c.22. Moralia vol. 3 p. 528f. Bernardakis [Röscher.]
als y.lstäovxoi: Tsooctgsg S' ela)v öojk! itccv- Kleisithera {K\hiot&r\eci.'i Tohter des Ido-
zcov, Jrafjs aiv f\ Tigonn, Hivqoiag S' rj dsvzsga, rneneus und der Meda, wai" tou ihrem Vater
yevioeag o 17 zgizi], rp&ogäg S' f] rsXsvzata' dessen Pflegesohne, dem Leukos, dem Sohne
avvSii öi rfj iiiv Sivzsga zrjv 7cgc6zi]v Moväg des Talos, zur Gemahlin versprochen worden:
■/.uza x6 dogazov , zi]v dh Ssvzsguv zf] xgCzn aber dieser ermordete sie samt ihrer Mutter
Xovg y.uQ'' rjXiov. ztjv de tgizrjv Ttgög zszdgznv 10 in Abwesenheit des Idomeneus, Lykophr.
<&vGig Kctra aslr'ivriv. Tmv Si cvtScejitov s-nd- 1222. Tzttz. Lykophr. 121S. 1222. Chüiad. 3,
ezov Molga yXsiSov%og Ai'dyy.jjg dvydzrjg yd&rj- 294. [JEpitoma Vaticana ex Apoüodori • Biblio-
zat. toü u-iv ngcözov Azgonog, zov #e Ssvzsgov tlieea ed. B. Magna' 22, 5 p. 71, wo irrig
KXco&ai, zov äs ngbg asXrtvi]i' Adxsaig, ntgl r]v KXeiaL&vga statt K).£ioi.&r)gu steht, s. p. 110.
7] Kafiiirj zffg yevsasaig. Drexler.] Höfer.]
Von der Peitho heilst es figürlich bei Kleite {KXsitTj oder Klsvcij, Clite), 1) Da-
Pindar Pyth. 9, 39 vol. 2, 2 p. 323 Boeckh: naide, mit dem Aigyptiden Kleitos vermählt,
y.gvnzcii y.Xct'1'Ssg ivzl aocpdg Ilfifrovg iigäv Apollod. 2, 1, 5. — 2) Tochter des Weissagers
yiXozdzcov, 0. Jahn p. 111. Merops aus Perkote in Mysien, Gemahlin des
Die Tetras wird von Nicomaclivs Gcrasenus. 20 Kyzikos, Königs der gleichnamigen Stadt.
Arithm. theol. bei Photius, Bibl. p. 144 Beklier Als Kyzikos (s. d.l kurz nach ihrer Vermählung
als v.Xsi8ov%og zrtg qsvosag bezeichnet, s. Hase im nächtlichen Kampf mit den befreundeten
in Stephanus Thes. s. v. y.XsiSovrog. [Drexler.] Argonauten umkam, erhängte sie sich oder
Kleinis (KXsivig), Gemahl der Harpe, Vater starb vor Trauer. Aus ihren Thränen oder
des Lykios, Ortygios, Harpasos und der Arte- den Thränen der sie beweinenden Nymphen
miehe, ein an Herden reicher Mann, der bei entstand die Quelle Kleite, Ap. Eh. 1, 976.
Babylon wohnte, von den Göttern, besonders 1063 ff. nebst Schol. Tal. Place. 3, 11. 314.
aber von Apollon und Artemis geliebt. Er Orph. Arg. 593 ff. Parlhen. 2S. Kon. 41. Et.
ging öfter mit Apollon zu den Hyperboreern, 31. p. 518, 2. 3Iarcpiardt, Cyzicus u. sein Ge-
und da er gesehen, dafs diese dem Apollon so Mit p. 41. — [Kleite und Kyzikos erkennt
Esel opferten, so wollte er in Babylon dasselbe Cavedoni, Spicil. num. p. 139 auf einer Münze des
thun; aber Apollon verwehrte dies unter An- Septimius Severus von Kyzikos, Mi. 2, 545, 214,
drohung des Todes und verlangte die landes- auf welcher Sestini, Mus. Hed. 2, 95, IS „Venus
üblichen Opfer von Schafen, Kindern und seminuda petrae quadratae insidens, ante quam
Ziegen. Aber Lykios und Harpasos gehorchten stat Mars galeatus, caetera nudus" dargestellt
nicht. Als sie die Esel zum Altar getrieben, sieht. Drexler.] — 3) Gebar von Erylaos am Kai-
um das Opfer zu vollziehen, machte Apollon kos in Mysien den vor Troia gefallenen Meilaniou,
die Tiere rasend, dafs sie den Kleinis, seine den Freund des Eurypylos, des Bundesgenossen
Kinder und Diener zu zerfleischen begannen. der Troer, Quint. Sm. S, 121. — 4) Amazone,
In ihrer Not riefen sie die Götter um Gnade 40 Mutter des Caulon, Gründers von Caulonia in
an. Poseidon verwandelte die Harpe und den Bruttium, Serv. V. Aen. 3, 553. Sie selbst
Harpasos in Falken, Leto und Artemis den soll nach Italien gekommen sein und eine
Kleinis in einen Adler, den Lykios in einen Stadt Kleite gegründet haben, Et. M. p. 517,
Raben, den Ortygios in eine Meise, die Arte- 54. Said. s. v. Vgl. Klete. — 5) Bakchantin,
miche in eine mtpiy^, einen den Göttern und Xonn. Dion. 21, 77. (Stoll.]
Menschen lieben Vogel, den Hesychios s. v. Kleito {KXsiza), 1) Mutter des vor Troia
mit v.ogvSaXog (Haubenlerche) erklärt, Auf. kämpfenden und von Eurypylos getöteten
Lib. 20. [Stoll.] Helios, den sie am gygäischen See geboren,
Kleio 1) s. Musen. — 2) Nereide oder Okea- Quint. Sm. 11, 69. — 2) Tochter des Euenos
nide; Hyg. f. p. 29_Bm-. Verg. G. 4, 341. ;o und der Leukippe, von Poseidon Mutter des
Kleiopatre (KXfAOTidzgrj) = Kleopatra (s. d.). Ampheres, Herrschers in Atlantis b. Plat.
Kleisidike (KXuaiSUw), Tochter des Keleos, Kritias 113b ff. [Stoll.]
Königs in Eleusis, und der Metaneira, Hom. ^ Kleitonvmos = Kleisonymos (s. d.).
II. in Cer. 109; s. rKeleos'. [Stoll.] Kleitor (KXsizag), Sohn des Azan, Enkel
Kl[e]isonymos (K),[i~\LGc6vv^,og), jugendlicher des Arkas, gründete nach Unterwerfung von
Sohn des Amphidamas (s. d.) aus Opus, von Kynosura als mächtigster Fürst des arkadischen
Patroklos (s. d.) im Streite beim Astralgalen- Landes die Stadt Kleitor im nordwestlichen
spiel aus Versehen (dy.ovGi'co nzuC'ßuctzi) ge- Arkadien als Königssitz, Paus. 8, 4, 3. 8, 21, 2.
tötet. Nach Anderen hiefs er Aias (oder Bei Apollod. 3,8,1 und Tzetz. L. 481 ist er
Aianes, Hs. D.); Eellanikos beim Schol. A. D. üo einer der 50 Söhne des Lykaon, s. Müller, fr.
zu II. Ml, wo Belker KXiccovvfiog liest; vgl. bist, gr.l p. 31, 375. Curtius, Peloponn. 1.162.
auch Philosteph. b. Schol. zu II. Tili, wo Gerhard, Gr. Myth. 2 Stammt f. p. 235 f. | Stoll.]
Kleiaäwfi.og oder KXr,a. überliefert ist, und Kleitos (KXsizog und KXeizog, Clitus), 1) Sohn
IL W 'So nebst Schol. itaiäa ydg dvsiXsv öv des Mantios, wegen seiner Schönheit von Eos
of p\v KXfiacövvfiov, of tff Alavrj, of Sl Avaav- geraubt, damit er unter den Unsterblichen
ögov y.KXila&aL [rpoiaivX dnsyzuvs da uvzöv wohne, Od. 15, 250. Eustath. p. 17S0, 50.
nag' '0%-gvovai rä ygauuctziozi] äg tpnaiv Athen. 13, 566 d. Braun, Gr. Götterl. § 204. —
'Ali'gctvdgog b AizoiXög sv dezgoXoyiozutg. Pherekydes b. Schol. II. 13, 663 giebt folgende
1221 Kleo Kleola 1222
Reihe des Geschlechts: Melainpus, Mantios, [Schal. Eurip. Orest. 990 Bd. 1 p. 196 ed. Schwarte.
Kleitos, Koiranos, Polyidos. [S, auch Th. Drexler.] — 5) Gemahlin des Amyntor, Mutter
Panoßa, Eos et Clitus, Ann. d. Inst. 1847 des Phoiuix (vgl. II. 9, 447 ff.) , Tsetz. L. 421.
p. 228 — 230. Drexler.] — 2) Sohn des Polyi- — 6) Serv. V. Aen, 3, 209 nennt die Gemahlin
dos. Plierekydes b. Scliol. IL a. a. 0. (vgl. nr. 1) des Phineus, die Tochter des Boreas und der
fährt fort: "dieser Polyidos zeugte mit Euryda- Oreithyia, Kleobnle statt Kleopatra. [Stoll.]
naeia, Tochter des Phyleus, Enkelin des Augeias, Kleobulos (Klsößovlog) , Troer, von dein
den Kleitos und Euchenor, welche mit den kleineren Aias getötet, IL 16, 330. [[Stoll.]
Epigonen Theben eroberten und dann mit Kleoehareia (Kltoxagtiu), eine lakonische
Agamemnon gen Troia zogen, wo Euchenor 10 Naiade, welche mit dem Autochthonen Lelex
von Paris getötet ward. — 3) Sohn des Peisenor, den Eurotas zeugte, Apollod. 3, 10, 3. [Nach
ein Troer, Gefährte des Polydamas, von Teukros Scliol. Eurip. Orest. 626 vol. 1 p. 161 ed.
erlegt, II. 15, 445; vgl. Hyg. f. 115. — Schwarte gebar sie Eurotas und Pelias dem
4) Aigyptide, vermählt mit der Danaide Kleite, Mylea, dem Sohne des Lelex und der Peridike.
Apollod. 2, 1, 5. Vgl. Hyg. f. 170, wo Clytus Drexler.] [Stoll.J
(Clitus?) mit Autodike vermählt ist. — 5) König Kleochos [KXio%og), Kreter, Vater der Areia,
der Sithonen in Thrakien, der seine Tochter mit welcher Apollon den Miletos zeugte, den
Chrysonoe (oder Torone, Philarg. zu Verg. G. die Mutter aussetzte, Kleochos aber rettete
4, 390 f.) dem aus Aigypten kommenden Proteus und aufzog, Apollod. 3, 1, 2. Schol. Ap. Rh*
vermählte, Kon. 35. S. Klitos. — 6) Geliebter 20 1, 185. Er lag in dem milesisehen Didymaion
der Pallene, der Tochter des Sithon, Königs im begraben, Amob. adv. nat. 6 p. 706. Clem.
thrakischen Chersones. Er kämpfte um sie AI. Frotr. 3 p. 13 Sylb. Euseb. P. E. p. 71 D.
auf Veranlassung ihres Vaters mit Dryas und Müller, fr. hist. gr. 2 p. 336, 5. [Stoll.]
siegte mit Hülfe ihrer List. Als jetzt Sithon Kleodaios (KltoSaiog und KltodaCog, auch
die Tochter strafen wollte, ward sie von Aphro- Iiltadaiog, Kltodag, Kltdd'ag), Sohn des Hyllos
dite entrückt. Nach Sithons Tode vermählte und der lole, Vater des Aristomachos, fand
sie sich mit Kleitos, der mit ihr die Herr- bei einem Einfall in den Peloponnes seinen
schaft des Landes erhielt, und das Land wurde Tod, wie sein Vater und sein Sohn, Hcrodot
nach ihr Pallene genannt, Kon. 10. Parthen. 6. 6, 52. 7, 204. Paus. 2, 7, 6. Apollod. 2, 8, 2.
Steph. B. v. ncillr)vri. — 7) Säuger des Pria--30 Blöd. 7, 16. Pldeg. Tr all., Porphyr. Tyr., Satyros
mos, Schol. II. 24, 720. — 8) Sohn des Aga- b. Müller, fr. hist. gr. 3 p. 165, 21. 603, 1. 690.
mestor und einer Nymphe, Paphlagonier, von Schol. Find. I. 7, 18. Ael.N.A. 12, 31. Hesiod
Podaleirios vor Troia getötet, Quint. Sm. 6, 465. b. Schol. Ap. Rh. 1, 824. Tzets. L. 804 nennt
[Stoll. i Temenos Sohn des Kleodaios und der Peridea.
Kleo = Kleio (s. Musen). Nach Schol. Venet. Eurip. Androm. 24 und 33
Kleoboia (Kltoßoia), 1) Mutter der Eury- war Kleodaios Vater der Leonassa, der Ge-
themis, der Gemahlin des Aitoliers Thestios, mahlin des Neoptolemos (Müller, hist. gr. 3
Apollod. 1, 7, 10. — 2) Eine Jungfrau aus p. 338, 13. 339, 14). Zu Sparta hatte er ein
Paros, welche von da die Orgien der Demeter Heroon, Paus. 3, 15, 7. Müller, Dorier 1, 59.
nach Thasos gebracht haben sollte. In dem 40 Wide, Lalcon. Kulte 45. 354. [Stoll.]
Gemälde der Unterwelt in der Lesche zu Kleodike (KXtodixv), eine gefangene Troerin
Delphi war sie dargestellt, wie sie die Kiste auf dem Gemälde des Polygnotos von der
der Demeter auf den Knieen hält, Paus. 10, Eroberung Troias in der Lesche zu Delphi.
28, 1. — 3) Tochter des Kriasos (S. des Argos) Paus. 10, 26, 1 hält den Namen für eine Er-
und der Melantho, Schwester des Phorbas, lindung des Polygnot. [Stoll.]
Schol. Eur. Or. 920. — i) Von Heosphoros im Kleodora (KltoSrnga), 1) Danaide, vermählt
attischen Thorikos Mutter der Philonis, deren mit dem Aigyptiden Lixos, Apollod. 2, 1, 5. —
Sohn Philammon war, Kon. 7. — 5) Gemahlin 2) Nymphe, Mutter des Parnassos von Poseidon
des milesisehen Neleiden Phobios, die es ver- oder Kleopompos, Paus. 10, 6, 1. [Stoll.]
geblich versuchte, einen Jüngling Antheus, r>o Kleodoros (Kltödapog), Sohn des Lernos
der im Hause des Phobios als Geisel war, zu und der Amphiale, Rhodier, vor Troia durch
unerlaubter Liebe zu verführen und ihn des- einen Pfeil des Paris getötet, nachdem er
halb tötete. Sie warf ein Rebhuhn (oder ein durch Polydamas des Schildes beraubt worden
goldenes Gefäfs, Alexander Aetol.) in einen war, Quint. Sm. 15, 213 ff. [Stoll.J
Brunnen und bat den Antheus es zu holen; Kleodoxe (Kltoöo'^ri), Tochter der Niobe
als er hinabgestiegen war, warf sie einen und des Amphion, Apollod. 3, 5, 6. lactant.
grofsen Stein auf ihn. Aus Reue erhängte sie zu Stat. Theb. 3, 198. Mythogr. Vatic. 1, 156.
sich, Aristoteles b. Parthen. 14, wo ein längeres Tzets. Chil. 4, 141. Hyg. f. 11. 69. Stark,
Fragment des Alex. Aetol. folgt, Müller, fr. Kiobe 96. [Stoll.]
hist. gr. 2 p. 164, 199. [Stoll.] eo Kleola (Kltola, Kit oll«), Tochter -des Dias,
Kleobnle (Klsoßovlrf), 1) von Apollon Mutter von Atreus Mutter des Pleisthenes, Schol. Eur.
des Euripides, Hyg. f. 161. — 2) Gattin des Or. 5. Oder: Kleola, des Dias Tochter, war
Aleos, Königs in Tegea (sonst Neaira), Mutter Gemahlin des Pleisthenes und Mutter, des
des Amphidamas und Kepheus, Hyg. f. 14 p. 42 Agamemnon, Menelaos und der Anaxibia,
Bunte. — 3) Mutter des Böotiers Le'itos, der Hesiod (fr. 17 Lehrs) b. Tzets. Exeges. in
vor Troia focht, Hyg. f. 97. — 4) Tochter des lliad. p. 68, 20; vgl. Eustath. H. p. 21, 14.
Aiolos oder Aipolos, von Hermes Mutter des Welcher, Gr. Trag. 2, 678f. Gerhard, Gr. Myth.
Myrtilos, Tzets. L. 156. 162. Hyg. f. 224. 2 p. 243. Prelhr, Gr. Myth. 2, 388. [Stoll.]
39*
1223 Kleolaos Kleopatra 1224
Kleolaos (KlsoXaog), 1) Sohn des Herakles Zetes und Kaiais und der Chione, aufgewachsen
und der Thespiade Argele, Apollod. 2, 7, 8. — in den sturrnumbrausten sarpedonisehen Felsen,
2) Sohn des Herakles und einer Sklavin der Gemahlin des Phineus in Salmydessos. Nach
Ompkale, Biod. 4, 31. — 3) Gefährte des ihrem Tode oder ihrer Verstol'sung heiratete
Meges vor Troia, von Paris getötet, Quint. Phineus eine zweite Frau, die gewöhnlich
Sm. 6, 634. [Stoll.] Idaia, Tochter des Davdanos, heifst; diese be-
Kleoniachos(ÄlfoftK^og), s. 'Kasos'. [Stoll.] wirkte durch Verleumdung, dafs Phineus die
Kleomede (Klsojitidr]), von Paion Mutter des beiden Söhne der Kleopatra blendete; oder sie
Laophon, der, ein Genosse des Asteropaios selbst blendete sie und liefs sie im Kerker
vor Troja, von Meriones getötet ward, Quint. 10 schmachten, Apollod. 3, 15, 2. 3. Soph. Antig.
Sm. 6, 549. [Stoll] 966 ff. und Schol zu v. 970. 977. 980. Schol.
Kleomedes (A7fofir;<5>js), aus Astypalaia, Ap. Eh. 1, 211. 2, 140. 178. 207. 238. Schol.
tötete in der 72. Ol. im Faustkampf zu Od. 12, 69. Norm. Bion. 2, 689. Serv. Verg.
Olympia seinen Gegner Ikkos aus Epidauros, Aen. 3 , 209. Od. Hein. Am. 454. Die Söhne
ward, von den Kampfrichtern des Sieges der Kleopatra heifsen Plexippos und Pandion,
verlustig erklärt, wahnsinnig, rifa in -seiner oder Gerymbas und Aspondos, oder Parthenios
Vaterstadt eine Schule ein, in der ungefähr und Krambos. Ein andrer Name ist Oreitlryios,
60 Kinder umkamen, und floh, von den Bürgern wie bei Sehol. Ap. Eh. 2, 178 statt Oryithos
mit Steinen verfolgt, in den Tempel der Athene, zu lesen. Nach Biod. 4, 43 f. wurde Kleopatra
in welchem er verschwand. Das delphische 20 bei Phineus in Haft gehalten, ihre Kinder in
Orakel erklärte ihn für den letzten der Heroen, Fesseln grausam gequält, aber Mutter und
dem man zu opfern habe, Paus. 6,9,3. [s. Bd. 1 Kinder von den Argonauten befreit; Phineus
Sp. 2526, Z. 2 Off., wo nachzutragen ist Etiseb. wurde getötet, die Söhne in seine Herrschaft
praep. ev. 5, 34, 2 ff. Höfer. | [Vgl. A. Maury, eingesetzt, und als sie nun die Argonauten auf
Hist. des rel. de la Greee ant. 1 p. 555.. 560. ihrem Zuge begleiteten, überlieisen sie die
JRohde, Psyche p. 167f. Drexler.J [Stoll.] Herrschaft der Mutter Kleopatra; vgl. Schol.
Kleometra (KleofirizQa), mit fMelacharis Ap. Eh. 2, 207. Welcher, Gr. Trag. 1, 329 ff.
{BM, A: xav uev luv, übergeschrieben %g) Preller, Gr. Myth. 2, 149. 330. Gerhard, Gr.
gesteinigt und wohl mit begraben in dem Myth. 2 § 763 und p. 231, s. 'Phineus' und
Grabmal der, M. auf dem Pron von Argos: 30 'Boreaden'. — 2) Tochter des Idas und der
Beinias von Argos frg. 3 aus Schol. AB Marpessa, einer Tochter des Euenos, von den
Eurip. Orestes 872. F. H. G. 3, 24, wo Ms- Eltern auch Alkyone genannt, Gemahlin des
7.ay%Qog geschrieben ist; wohl ein Liebespaar Meleagros, II. 9, 556 und Sehol. Apollod. 1,
(aus der Aigyptiaden-Sage? vgl. den einzigen 8, 2. Paus. 4, 2, 5. Nach dem Tode des
doppelt aufgezählten Danai'dennamen Klto- Meleagros erhängte sie sich, Apollod. 1, 8, 3.
näzQu in Apollod. Bibl. 2, 1, 5 und die Dunkel- Preller 1, 219. 2, 304. 308. Gerhard 2 p. 240,
farbigkeit der Aigyptiaden: M£}.ciyxQog = Mi- s. 'Marpessa' und 'Meleagros'. [Nach Kelules
IdyZQovg Cobet). [Bei Bictys 4, 22 wird Cleo- Vermutung (Arch. Ztg. 20, 292) ist K. dar-
mestra als Tochter des Tros, Schwester des . gestellt auf einer Bronzecista im Berliner
Ilos und Ganymedes und als Mutter des Assa- 40 Museum; s. a. a. O. Taf. 164/5. Vgl. Friederichs,
rakos (s. d.) genannt; bei Apollod. 3, 12, 2 Berlins ant. Bildw. 2 S. 128 nr. 540. Gerhard
heifst sie Kleopatra (s. d. nr. 4), aber nicht glaubt sie dargestellt auf einem „den Tod des
Mutter, sondern Schwester des Assarakos; vgl. Meleagros" darstellenden Relief im Vatikan:
Bederich ed. Bictys p. 460. Höfer.] [Tümpel.] Arch. Ztg. 8 S. 219ff., Tat'. 20, 2. Wahrschein-
Kleou (KXscov), 1) von der Insel Syrne, Ge- lieh findet sie sich auch auf einer rotfigurigen
nosse des Nireus vor Troia , von Polydamas Vase der Sammlung Santangelo in Neapel
getötet, Quint. Sm. 11, 60. — 2) Sohn des (nr. 11 bei Heydemann), welche den Tod des
Pelops und der Hippodameia, Schol. Für. Or. 5 ; Meleagros vor Augen führt. Röscher.] — 3) Zwei
Kurzn'ame für Kleonos, 'Kleones' und 'Kleo- Töchter des Danaos, die eine mit Agenor, die
nymos' (s. d.). [Stoll.] 50 andere mit Herrnos vermählt, Apollod. 2, 1, 5, 4
Kleone (KXscövrj), Tochter des Asopos und u. 7. Bei Hyg. f. 170 ist eine Danaide Kleo-
der Metope, nach welcher die Stadt Kleonai in patra mit dem Aigyptiden Metalkes ver-
Argolis benannt sein sollte, Biod. 4, 72. Paus. bunden. — 4) Tochter des Tros und der
2, 15, 1. [Stoll.] Kalirrhoe (T. des Skamandros), Schwester des
Kleones (KXscävrjg) , Sohn des Pelops, nach llos, Assarakos und Ganymedes, Apollod. 3,
welchem die Stadt Kleonai in Argolis benannt 12, 2. — 5) Gemahlin des Kreters Deukalion,
sein sollte, Paus. 2, 15, 1. [Stoll.] Mutter des Idomeneus , Tzetz. L. 431. —
Kleonos (KXswvog), Sohn des Pelops, Txets. (!) Schwester des Midas, Tzets. L. 1397. —
Exeg. in Iliaä. p. 68, 26. Vgl. Kleon. [Lorentz.j 7) Kleopatra und Periboia waren die eisten
Kleouymos (Klscovvfiog), Sohn des Pelops, eo Jungfrauen, welche die Lokrer zur Sühne des
sefshaft zu Kleonai in Argolis, wo Atreus ihn Frevels ihres Aias gegen Athene und Kassandra
als Herrscher eingesetzt hatte. Sein Sohn war nach Troia schickten, Tzetz. 1141. [Epit.Vat.ex
Anchises, sein Enkel Echepolos (IL 23, 296), Apollod. bibl. ed. B. Wagner 23, 7. Drexler.]
Akusilaos n. Pherekyd. b. Schol. II. a. a. 0. Infolge einer Pestilenz und Hungersnot hatten
Vgl. Kleon, Kleones, Kleonos. [-61011.] sie auf 1000 Jahre der ilischen Athene jährlich je
Kleopatra (KlsoTtäz^a, bei Ap. Eh. 2, 239 zwei Jungfrauen zu senden gelobt, welche, wenn
KlsiondtQix) , 1) Tochter des Boreas und der sie bei ihrer Ankunft von den Iliern ergriffen
Ereehtheustochter Oreithyia, Schwester des wurden, den Tod erlitten, im andern Fall aber
1225
Kleophema
Klothes
1226
bis in ihr hohes Alter die niedrigsten Dienste
im Tempel der ilisehen Athene -verrichten
mufsten, Fohfi. 12, 5. Schol. II. 13, 66. Strah.
13, 600. Plut. de sei: num. rind. 12. Ain.
TaJct. 31. — [8) Einer der hochzeitlichen Dä-
monen, der personificiette Adel, um den edlen
Stand des Brautpaares anzudeuten, mit Peitho,
Endaimonia, Paidia und Eunomia im Gefolge
von Aphrodite und Eros auf einem Vasenbilde,
Wieseler 2, 296 d. Baumeister, Denkmäler vi
1302 1. 0. I. G. 8361. Höfer.] [Stoll.]
Kleophema (Klsoq>rnia), Tochter des Malos
(a. d.) und der Muse Erato, Gemahlin des
Phlegyas, Mutter der Aigla oder Koronis, Isyllos
Paecm 43. [Höfer.]
Kleophile (KXso<ptlri), Gemahlin des arka-
dischen Königs Lykurgos, Mutter des Ankaios,
Epochos, Amphidamas und Iasos. Nach andern
hiefs sie Eurynome (Apollod. 3, 9, 2), oder
Antinoe, Schol. Ap. Eh. 1, 164. [Stoll.] 20
Kleopompos (KitoTtoimog), Vater des Par-
nassos, Pausan. 10, 6, 1. [Lorentz.]
Kle[o]ptoloine (KUEfTOI'EME) Name einer
Amazone auf einem Dinos der Sammlung
Campana mit Darstellung des Kampfes des
Herakles gegen die Amazonen, Cai. Campana
Ser. 2 nr. 27. Dumont et Chaplain, Les ce'ra-
miques de Ja Grece propre p. 36. [Drexler.]
Kleostratos (Kliöotgazog), ein Jüngling zu
Thespiai. Als ein Drache, dem jährlich ein 30
Jüngling als Opfer hingegeben werden mufste,
?eine Vaterstadt heimsuchte, tötete er, durchs
Los zum Opfer bestimmt, das Ungeheuer, in-
dem er sich in einem ehernen, mit Widerhaken
besetzten Panzer, den ihm sein Freund Mene-
stratos hatte fertigen lassen, von demselben
verschlingen liefs. Davon erhielt bei den
Thespiern Zeus den Beinamen Saotes, d.i. Retter,
Paus. 9, 26, 5. [Stoll.]
Kleothera (KXsoiri',Qu), Tochter des Panda- 40
reos und der Harmothoe, Schwester der Aedon
und Merope. Früh der Eltern beraubt, wurden
die. drei Schwestern von Aphrodite, Athene
und Hera erzogen, dann aber, als sie Jung-
frauen geworden, ward Aedon, die älteste, dem
Zethos vermählt, die beiden andern wurden
von den Harpyien geraubt und den Erinyen
als Dienerinnen übergeben. Schal. Od. 19, 518.
20, 66. Eustath. Od. p. 1875, 15. 1883, 36. Od. 20,
66 ff. — Paus. 10, 30, 1 nennt die Töchter des 50
Tandareos Kameiro und Klytie. [Stoll.]
Kleros (KXiJQas), als Sohn der Tyche bei
Eurip. fr. 979. [Höfer.]
Kleso (JO.rjOco), Tochter des Königs Kleson
(s. d.) zu Megara, welche nach megarischer Sage
mit ihrer Schwester Tauropolis die Leiche der
ins Meer gesprungenen Ino an der megarischen
Küste auffand und bestattete, Paus. 1, 42, 8.
Deimling , Leleger p. 155. [Stoll.]
Kleson (JCZijecov), Sohn des ans Aigypten eo
nach Megara gekommenen und daselbst zur
Herrschaft gelangten Lelex, Vater des Pylas,
Grofsvater des Skiron, Paus. 1, 39, 5. 1, 42, S,
s. 'Kleso'. Sein Sohn heilst auch Pylos und
Pylon; .er kam von Megara nach Messenien
uud gründete Pylos, Paus. 4, 36, 1. 6, 22, 3.
Deimling, Leleger p. 155. [Stoll.]
KlesonyniOS (KXijaiävviiog und KXsiadi'viiog;
bei Apollod. KXvnmvvuog oder KXvTmvvuog),
Sohn des Amphidamas in Opus (II. 23, 87), als
Knabe von dem Knaben Patroklos beim Würfel-
spiel erschlagen, weshalb dieser von seinem Vater
Menoitios nach Phtkia in das verwandte Haus des
Peleus gebracht wurde, Hellaninos b. Schol. II.
12, 1. Pherekydes b. Sehol II. 23, 87. 16, 14.
Apollod. 3, 13, 8. AndeTeJnannteu den Knaben
Aianes oder Lysandros, Schol. 11. 23, 86.
[Stoll.]
Kleta (Kkr'izu), 1) Name einer Charis zu Lake-
daimon, wo man nur zwei Chariten (s. d.) hatte,
Kleta und Phaenna, Schall und Schimmer.
Ihr Tempel war am Bach Tiasa, Patts. 3, 18, 4.
Athen. 4, 139 b. Curtius, Peloponn. 2, 244.
Wide, Laie. K. 211 ff. [Nach Schol Eurip. Orest.
623 ist sie Gemahlin des Eurotas und Mutter
der Sparte. Drexler.] — 2) ÄV.rjrr/, Amazone,
Amme der Penthesileia. Als sie hörte, dafs diese
vor Troia gefallen, machte sie sich auf, dieselbe
zu suchen, wurde aber nach Italien verschlagen,
wo sie eine Stadt Klete gründete. Die Köni-
ginnen dieser später von den Krotoniaten zer-
störten Stadt wurden in der Folge alle KXircai
genannt, Tzetz. Lyk. 995. 10C2 f. Vgl. Kleite.
[Stoll]
Kleloria (KXrjtoQia), Tochter des Acheloos.
Eine apokryphe Sage bei Pstudoplutarch de
flue. 22, 1 lautet: A%£Xcöog ... zjj dvyazgl
Klr^zogia y.az ayvoiav Gvv£Q%6uevog K«i aftv^iia
6vo%£&ilg lavxöv t'fiuXtv ilg ■nozuuöv Biaziov,
og ün' avzov 'A%. fiizavoyäß&rj. [Röscher.]
Klio = Kleio (s. d.); vgl. C. I. Gr. 8075.
Klisouymos = Kleisonymos (s d.).
Klitos (KXfzog), König der Sithonen in
Thrakien, C. I. Gr. 3 nr. 6125 = Inscr. Gr.
Sic. et It. ed. Eaibel nr. 1284, s. Kleitos.
[Lorentz.]
Klodones (KXääcovig, oder b. Resych.: KXa-
äävzg), makedonische Bezeichnung der Bak-
chantinnen, Plut. Alex. 2. Polyaen. 4, 1. Hesycli.
s. v. Suidas s. v. Vgl. Etym. Magn. 521, 48.
Preller, Gr. Myih. 1, 573. [Vgl. auch Heuzty
(t Daumet, 3Iission arch. de Macedoine p. 217
PI. 13, 1. Drexler.] [Lorentz.]
Klonia 1 Klovia), 1) Nymphe, die dem Hy-
rieus den Nykteus und Lykos gebar, Apollo,/.
3, 10, 1. Tzetz. L. 328. — 2) Amazone im Ge-
folge der Penthesileia, fällt vor Troia, Quint.
Sm. 1, 42. 230. 235. [Stoll.]
Klonios (KXovwg), 1) Sohn des Alegenor,
Führer der Boioter vor Troia, von Agenor ge-
tötet, IL 2, 495. 15, 340. Diod. 4, 67. Hyg. f.
97. 113. Mehr bei De Vit, on. s. v. Unter den
Freiem der Helena aufgezählt von Hyg. /'.
81. — 2) Sohn des Priamos, Apollod. 3, 12, 5.
— 8) Zwei Gelahrten des Aeneas, Verg. Acn.
9, 574. 10, 749. [Stoll.]
Kloster (KXcoazrjo), Sohn der Arachne, Er-
fiuder der Spindel (-/.Aoxrnjo) zum Spinnen der
Wolle, Plin. N. H. 7, 57. [Stoll]
Klothaie {KXcodctüi), Beiwort der Mond-
göttin im Grofsen Pariser Zauberpapyrus
vs. 2280; vgl vs. 2796 KXcoQ-a v.al Accxsoig
i]ö' "AzQonog si, zQiy.äoavs. Vgl. Klothes.
[Drexler.]
Klothes (KXä&eg), die Spinnerinnen, soviel
wie Moiqul (s.d.), die dämonischen Gewalten, die
1227 Klotho Klymenos 1228
dem Menschen das Schicksal bereiten, Hom. thenopaios den Epigonen Thesimenes oder
Od. 7, 197 und Schol. Preller, Gr. Myth. 1, 434 Tlesimenes zeugte, Hyg. f. 71. — [7) Ania-
[Lorentz.] zone, Hyg. f. 163, auch auf einer rotfig. Vase
Klotho s. 'Moiren'. Fiorelli, Bacc. Cumana tav. 8. Kliigmann.] —
Klutins (= Klvziog), Beiname des Apollon in 8) Zu Athen gab es einen heiligen Bezirk des
Delphi nach Henzens sehr wahrscheinlicher Perseus und einen Altar der Klymene und des
Vermutung, dafs in der von Moroni , Inscr. Diktys, welche die Retter des Perseus hiefsen,
Cyriaci Ancon. nr. 208 = Muratori 29, 9 und Paus. 2, 18, 1. — 9) Dienerin der Helena,
von Lebas, Inscr. gr. et lat. rec. en Grece et welche mit dieser zugleich mit Aithra, der
en Asie min. 2 nr. 891 Q • MINCIVS ■ Q ■ F • in Mutter des Theseus, nach Troia entführt worden
RVFVS | L • E • C • APOALINEI • KIVTIÜ war. Nach Eroberung der Stadt fiel sie als
MER1TO überlieferten Inschrift statt KIVTIO Beute dem Akamas, Sohn des Theseus, zu.
vielmehr KLVTIO zu lesen sei, Henzen-, Rh. Polygnot hatte sie in der Lesehe zu Delphi
Mus. N. F. 8 p. 465 und Inscr. Lat. sei. am- unter den Gefangenen gemalt, 11. 3, 144. Dikt.
plissima coli. 3 nr. 5700. [Drexler.] 1, 3. 5, 13. Paus. 10, 26, 1; vgl. Ov. Her. 16
Klydon (KXvScov, Köchhj: KldSmv), ein (17), 267. Antimachos nannte sie eine Tochter
Diener des Memnon, Quint. Smyrn. 2, 365. des Hippalkes, Schol. IL 3, 144. [Vielleicht
[Lorentz] ist sie dargestellt auf der Vivenziovase in
Klymene (KXvy.ivn), 1) Beiwort der Perse- Neapel: Baumeister, Derikm. S. 743 Fig. 795.
phone; vgl. Dibbelt, Quaest. Coae myth. Greifs- 20 [Robert, Bild und Lied p. 73.] Anders Heyde-
wald 1891. S. 36 ff. , wo auch die meisten mann, Vasens. in Neapel nr. 2422 mit Litte-
Heroinen dieses Namens besprochen sind. raturangaben. Röscher.] — 10) Mutter des
[Röscher.] — 2) Tochter des Okeanos und der Homer. Paus. 10, 24, 3. — 11) Tochter
Tethys. Gemahlin des Iapetos und Mutter des Phegeus, von Hesiod Mutter des Dichters
des Atlas, Menoitios, Epimetheus und Prome- Stesichoros. Aristoteles b. Tzetz. zu Hesiod.
theus Hesiod. Tlieog. 351. 507 ff. Hyg. I'raef. prooem. P- 1 Gaisf. Das handschriftliche Kzrr
p. 29 Bunte. Schol. Aesch. Prom. 347. Verg. iihr\ hat Wyttenb. nach Proli. ad Erg. 268 in
G. 4, 345. Oder Gemahlin des Prome- KXvfiivrj korrigiert. — 12) [Hetäre? Vgl. Heydc-
theu», Mutter des Hellen und Deukalion, mann, Vasensammlung zu Neapel nr. 2296. —
Schol. Bind. Ol. 9, 68. 72. 79. Schol Od. 10, 2. 30 13) Hetäre? Vgl. Heydemann a. a. 0. .S. 705
Dionys. A. B. 1, 17. Sie gebar dem Helios den nr. 311. — 14) Begleiterin oder Dienerin der
Phaethon und die Heliaden und wurde dann Aphrodite (vgl. nr. 12 u. 13) auf einer Vase
mit dem Aithiopenkönig Merops vermählt, Hyg. in Neapel; Heydemann a. a. 0. S. 70S nr. 316.
/'. 152. 156. 250. Eurip: fr. 771 Nauck b. Strab. 0. I. Gr. 8362b u. die daselbst angegebene
1, 3:-:. Lukian. D. I). 12. Ov. Met. 1, 756 ff. Literatur. — 15) Vgl. die Petersburger Vase
2, 37 ff. Serv. V. Aen. 10, 189. Braun, Gr. nr. 1801e. — 16) Rätselhafte Göttin (?), welche
Götterl. § 149. Schümann, Op. Ac. 2, 148. Sie mit Eutychia dem Parisurteil beiwohnt auf
wird auch Eteoklymene (Schol. Apoll. Bh. 1, einer Ruveser Vase in Karlsruhe; Winnefeld,
230) oder Periklvmene genannt (Hi/n. f. 14). Beschr. etc. nr. 259 (mit Litteraturangaben).
[S. auch Wieseler, Bull. d. Inst. 1847 p. 20. « Overbeck, Gal. her. Bildir. S. 234ff. C. I. Gr.
Dütschke, Ant. Bildic. in Oberit. 4 nr. 442. nr. S400. Röscher.] — Vgl. Klyrnenos, Peri-
Drexler.] — 3) Tochter des Nereus und der klymenos. [Stoll.]
Doris, Hom. II. 18, 47. Hyg. praef. p. 29 Klymenos (Klvfisro;). DBeiwort des Hades
B. Braun, Götterl. § 99. [Doch will Wölfflin, (s.d.), Athen. 14, 624 e Kooav Klvuivoio alo%ov,
Bh. Mus. 1865 p. 293 statt Clymene Eulimene aus einem Hymnus des Lasos von Hermione
geschrieben wissen. Drexler.] — 4) Tochter (Berglfr. lyr. S. 1109). Kqllim. fr. 478 Klvpsvov
des Minyas, Gattin des Phylakos oder des noli'&ivoio äüuesota; Etym. Flor. 189. Hesych.
Kephalos, Mutter des Iphiklos und der Alki- 3, 35. Et. m. 521, 4 erklärt b neivtag y.aXmv
mede, der Mutter des Iason, Hom. Od. Tigog zavzöv rj 6 vttsq ■nävxtav äxovö[ievog.
11, 326 und Schol. dazu. Hesiod fr. 162. Ap. 50 Et. Gud. 329, 37 b älnävatog, dnb xqv fiij-
Rh. 1, 233. Schol. Ap. Rh. 1, 45. 230. Hyg. Stvog y.lvitv, wo wohl dXird.v£vrog zu schreiben
/". 14. Etistath. p. 1689, 1. Baus. 10, 29, 3. ist. Sidd. s. v. 1} Sri ituvzag jiQoev.cxl.siTai stg
Dem Arkader lasos, Sohn des Lykurgos, gebar iai'zbv, >} ö vnb ndvzcav dv.ov6u.Bvog. Vgl. die
sie die Atalante, Apol/od. 3, 9, 2. Auch sie wurde, dort angeführten Epigramme, oieiAnth.gr.
wie die Okeanide, Mutter des Phaethon ge- 2, 39 dy.iO.iy.zoio — Klvuivoio und 2, 260 K).v-
nannt, Hesiod. b. Eustath. 1689, 4, wo sie auch aivov Xnaävsg; Ov. fast. 6, 757 und Heinsius
Tochter des Iphis heifst, Schol. Od. 11, 326. zu der Stelle. Corp. Inscr. Gr. 409 (vgl.
Müller, Orchom. 257. Buttmann, Mythol. 2, Müller, Darier 1, 399). 1197. 1199. 1220.
215 f. Deimling, Leleger p. 134. [Töpjfer, Alt. Unter diesem Beinamen wurde Pluto besonders
Geneal. 190, 256, 4. 258, 1. R.] [v. M'ilamo- t;o in Hermione gemeinsam mit Demeter und Kora
witz-Möllendorf, Hermes 18 p. 423. Drexler.] verehrt, vgl. Preller, Demeter und Persephone
— 5) Tochter des Kreters Katreus, zeugte mit 57,3. Arch. Zeitg. 41 (1883), 225. [Rohdc, Psyche
Nauplios den Palamedes, Oiax.und Nausime 195,2. Dibbelt, Quaest. Coae muthol. Gryphisw.
don, Apollod. 2, 1, 5. 3, 2, 1. 2. [Epit. Vat. 1891. S. 38ff. Wide, De sacris Troezen. Her-
ex Apollod. bibl. ed. R. Wagner 22, 3. Schol. mionensium etc. Upsaliae 1888. S. 45 ff. R.]
Eni: Orest. 432 Bd. 1 p. 147 ed. Sclnvartz. [Bull, de Corr. Hell. 13 18S9 p. 198 nr. 24.
Drexler.] Tztlz. L. 384. Preller, Gr. Myth. wo die übrige inschriftliche Litteratur ver-
2, 128. — 6) Nymphe, mit welcher Par- zeichnet ist. Heydemann , Rh. Mus. 1881.
1229 Klymenos Klytaim(n)estra (Namensform) 1230
p. 465 f. Drexler.] Der Tempel daselbst war 1, 8, 1. Anton. Lib. transform. 2. [Boulez,
nach Paus. 2, 35, 4 von Blei, de pMl., d'hist. et d'ant. 3. Bruxelles
2) KXvficvog, dem Solin des Phoroneus, 1842. Hercule chcs Oene'e p. 7. Drexler.]
undseinerSchwesterChthoniagegiüudet. Schon 6) S. des Schoineus (Hyg. f. 206) oder des
Pausanias erkennt den Zusammenhang zwischen Teleus (Partiten, erot. 13), König von Arka-
den angeblichen Gründern des Tempels und dien, oder Argos, erzeugt mit der Epikaste
den darin verehrten Gottheiten, er sagt ebd. 9 eine Tochter Harpalyke (s. d.);_er verliebt sich
KXvyiavov äh ovy. avägct 'Agyaiov a/.&aiv 'iyaya in seine Tochter, und durch Überredung der
ig 'Egfiiöva rjyovjica, tov ftaoi äa iczlv Jjrt- Amme ovvagxazca avzf/. , Nachdem er sie
%XrjOig ovziva a%ai Xoyog ßaaiXia V7i6 yrjv io darauf dem Alastor, einem! Sohne des Neleus,
alvat.. In dem Tempel des Klymenos war ein zur Ehe gegeben, eilt er, von Reue ergriffen,
yrjg £KGjia, durch welches Herakles den Ker- ihm nach, raubt ihm die Harpalyke und
beros heraufgeholt haben sollte, vgl. v. Wila- zwingt sie, ihm weiter zu Willen zu sein.
mou'itz. Eurip. Her. 2, 164. S. o. Ohthonia. Von Hafs erfüllt wegen dieser Behandlung
3) Sohn des Kardys, vom Herakles Idaios tötet sie ihren jüngeren Bruder (oder ihren
abstammend; er kommt fünfzig Jahre nach eigenen mit dem Vater erzeugten Sohn, Hyg.
der Deukalionischen Flut aus Kreta nach /*. 206) und setzt ihn dem. Vater vor; als
Olympia, wo er den txymv einrichtet und den dieser erkannte was er gegessen hat, tötet er
Kureten und seinem Vorfahren Herakles AI- seine Tochter [Hyg. f. 206. 238. 246. 253),
t'äre baut, letzterem unter dem Beinamen 20 oder diese wird in einen Vogel verwandelt,
xagaozarrjg, Paus. 5,8,1. Endymion macht Partiten, erot. 13. Klymenos tötet sich darauf
seiner Herrschaft ein Ende. Auch der Altar selbst, vgl. Hyg. f. 242 Clymenus ipse sc inter-
der "Hqu OXvixni'a wird als eine Stiftung des fecit quod cum fdia coneubuerat. Ein Ano-
Klynienos bezeichnet ; Paus. 5, 14, 8. Wegen nymus ( Myth. gr. S. 348. Paradox, ed. Westerm.
seiner Abstammung aus der Stadt Kydonia S. 222) läfst die Tochter vor der Verübung
in Kreta wird das Heiligtum der 'Aftrivä Kv- der Blutschuld verwandelt werden (rpavyovaa
onvta in der Stadt Phrixa (Pisatis) gleichfalls x'ov xov nazgog ä'goiza y.az' iXeov A&nv&g slg
auf ihn zurückgeführt, Paus. 6, 21, 6. yXavy.cc ,us rtij.0Q(pa&rj) ■ derselbe versuchtauch,
4-) S. des Orchomenos. Dieser hatte drei wie es scheint, indem er Klymenos König von
Söhne, 'AonXnöäv Klvpavög xa v.ai 'AticpiSoxog 30 Phokis sein läfst, eine Verschmelzung zwischen
&aoaidtjg, nach Hcsiod. fr. 190 oder Kattim. Klymenos nr. 6 und 4 herzustellen. Vgl, ob.
fr. an. 304. Eustath. ad Hom. 272, 18. Steph. Bd. 1 Sp. 1837.
Byz. ethn. 135, 13; vgl. Theokr. 16, 105 und 7) S. des Herakles und der Megara, eins
Schol. Klymenos, König von Orchomenos, der Kinder, die vom Vater im Wahnsinn ge-
wird von einem Thebaner (Perieres, der tötet werden; Pherekydes (bei Schol. Find.
Wagenlenker des Menoikeus, nach Apollod. 2, Istlim. 4, 104) nennt Antimachos, Klymenos,
4, 11) in Onchestos im Hain des Poseidon Glenos, Therimachos, Kreontiades.
(J| ccpoguf/s fuv.päg eis aitav arvuov nQotxi&av- S) S. des Helios, Vater des Phaethon (die
zag, Paus. 9, 37, 1) durch einen Steinwurf Mutter ist Merope), Hyg. f. 154.
getötet. Dafür nimmt sein Sohn Erginos 40 9) Gefährte des Phineus, Ov. Met. 5, 98;
Bache an den Thebanern und legt ihnen er tötet den Hodites im Kampf.
Tribut auf, den sie zahlen, bis sie endlich 10) Auf der Meidiasvase ist einer der
von Herakles befreit werden. S. 0. Erginos Jünglinge Klymenos benannt. Nach Arch.
und Arch. Zeit. 1875 S. 20. Nach Apollod. Zeit. 12 (1854) S. 302 wird dies als Appellativ
2, 4, 11 wird Klymenos nur verwundet; r/ui- des Tkeseus aufgefafst. Die Deutung der Vase
&vr,g stg 'Ogxöfiavov -/.ouic&alg iniG*r\Tizii za- ist noch nicht mit Sicherheit gefunden.
Xivz&v 'Eqyivtp xth 7iKiäi av.äiy.rjaca xov &d- 11) Plin. n. h. 25, 70: clymenus a rege
vazov avxov. Nach Schol. Apoll. Bh. 1, 185 ist herba appellata est, es wird vielfach zu Hei-
dieser Klymenos Sohn desPresbon; Paus. 9, 37, lungen benutzt, z. B. um suspiria zu heilen
1 vermittelt zwischen diesen beiden Überliefe- so (ebd. 20, 41) u. a. m., Plin. n. h. 26, 77.
rungen, indem er erzählt, dafs Orchomenos 111.140. — 12) Argonaut; Vol. Fl. 1, 369 (=
ohne Kinder zu hinterlassen gestorben sei, Klytios 6; s. d.). — Vgl. noch Klymene und
und so sei die Herrschaft an Klymenos, S. des Periklymenos , Dibbelt, Quacst. Coae myth.
Piesbon, (der von Phiixos abstammt) über- Greifswald 1S91 S. 36. [Engelmann.]
gegangen. Seine Gattin heilst nach Schol. Klysonyraos oder Klytouymos s. 'Kleso-
Apoll. Bh. 1, 185 Bov^vyi], T. des Lykos, oder nymos'. [Stoll]
Budeia, Eustath. ad Hom. 1076, 26. Schol. II. Klytainiestra = Klytaimnestra (s. d.).
16, 572; vgl. 0. Müller, Orchomenos S. 185. Klytaim(ll)estra (KXvxain[v]riazgct).
Seine Sühne heifsen Erginos, Stration, Anhon, , _. _, , KT
d i„„ 1 a \ ti n n~. i i 1. Die Form des Namens.
Pyleos und Azeus, nach Paus. 9, 37, 1, als go
Töchter werden genannt Eurydike, Nestors Die Schreibweise KXvxaipriGzQu findet
Gattin (Hom. y 452 npeeßa KXvfiivoio Qvya- sich nach den Untersuchungen von P. N. Papa-
xqöiv) und .Axia (nach dieser ist eine Stadt georgios, Scholia in Soph. trag. vct. p. 106
bei den ozolischen Lokrern genannt, Steph. durchgängig im codtx Laurentianus, sowohl in
Byz. ethn. 102, 2 s. v. 'A^ia). Vgl. noch Find. den Schollen als auch im Text des Sophokles
Ol. 4, 21 KXvuivoto aalSa; Kallim. fr. 197 (El 1368. 1473) und des Aischylos (Agam. 84.
'EgyLvog KXvixivov fijo^os av czaSico. 245. 251. 563. Choeph. 875. Eum. 116 K.).
5) S. des Oiueus und der Althaia, Apollod. Auch Wecklein schreibt so in seiner Ausgabe
1231 Klytaim(n)estra (Name) Klytaim(n)estra (Eltern, Gatten, Kinder) 1232
des Aischylos; s. ferner C. I. G. 4, 7701 = Furt- praef. ad Bygin. fab. 51. Die altlateinisehe
tuängler, Berliner VasenJcatalog 2184; C.I.G. Form Cliteministra führt AI. Schmitz, Rhein.
3, 6195 = Kaibd, Inscr. Gracc. Ital. 930; Mus. 18 (1863), 130 aus den notae Tironis ac
doch giebt letzterer KXvzz urjozga au. Auf Senecae an. Die etruskische Form ist Clu-
einem Skyphos aus Boiotien, abgebildet itprja. thumustha, Clutumsta oder Clutmsta,
ag%. 3 (1887), pinax 5, 1 liest man vier- resp. Fabretti 2156. 305. Rathgeber bei Ersch und
fünfmal KXvzaiprjCzga , vgl. Kumanudcs Gruber s. v. Orestes p. 114 und Antn. 64. Ger-
a. a. 0. rf. 73. Auch bei Philodem, de rhetor. hard, Etrusk. Spiegel 3, 221 Taf. 238. Gesam-
4 Col. 37 steht, -wie Spengel, Abhdl. cl. philos.- meltc Abb, 1, 130 und Anm. 168. 373, 6. Over-
philol. Kl. d. K. Bayr. AI:, d. Wiss. 3 (1840), 10 becle a. a. 0. 703 f. Corssen, Über die Sprache
294 bemerkt, KXv rat uriazga. und Spengel der Etrusker 1, 828 f. 2, 5. 56. 88. 103. 119.
hätte nicht a. a. 0. p. 243 KXvzaipvr)<szgix 127. 205. 257. 312 330. 335. 359. 375. 377.
schreiben sollen; ähnlich Klvzaip iotga Ger- 409.491. S. Bugge, Beiträge zur Erforsch, der
hard, Etrusk. und campan. Yasenbilder Taf. 24. etrusk. Sprache 23 = Etrush. Forsch, u. Stud.,
Overbeck, Bildioerke zum theb. und troisch. herausg. v. Deeckei, 23. Clutumita Fabretti
Heldenkreis 695 nr. 24. Monum. inediti 8 2549. Gerhard, Etrusk. Spiegel 3, 221 Taf. 237.
taf. 15, 1. Bulletino 1865, 2 15. Ferner steht Gesamm. Abh. 1, 137. Corssen a. a. 0. 1, 829.
KXvzaiueazga auf der 1888 in Capua gefun- 2, 205.
denen, jetzt in der Sammlung van Brantecihem „ ,_,,, „ ,. ,
in Brüssel befindlichen Vase des Xenotimos, 20 2 Eltern. Geschwister. Gatten. Kinder.
W. Fröhner, Catal. of obj. of Greek Ceram. Klytaimestra ist Tochter des Tyndareos
art. exhibited in 1888. Printed for the Bur- — daher TvvSctgCg Ew. El. 60. 806. Aristot.
lington fine arts Club 1888 nr. 10 = Antike pepl.2 (11) p. 344 Bergk\ Ovid. Trist. 2, 396.
Denkm., herausg. v. Kais. arch. Instit. 1 (1891) Ars. am. 2, 408. Iuvenal. 6, 657 (611). Senec.
Taf. 59 ob.; vgl. ebenda p. 51. Daher scheint Ag. 162. 306. 897; TvvSaglg marg, Eur. Hek.
die von Papagcorgios in seiner Dissertation 127S. TvvSaglg xogy, Eur. Iph. Taur. 1319.
KlvTuiur'ioTga non KXvzaifivrjazga (Berlin 1885) El. 13; Adiuuva (nur Lacaena beifst sie Senec.
ausgesprochene Ansicht, dafs erstere die alte Ag. 736) TvvSagig. Eur Iph. Taur. 806.
und richtige Form des Namens sei, uuzweifel- TvvSags i'ct 7zcxig, Eur. Iph. Aul. 1532 ; Tvv-
haft richtig; der Name hängt entschieden mit 30 Sageia &vyäzr]g, Eur. Iph. Taur. 5. Or. 374,
i.irj6og, (irjdoiiai zusammen, vgl. Etym. M. vgl. Hör. sat. 1, 1, 100 fortissima Tyndari-
521, 17. Etym. Gud. 329, 15 n<xga zb y.Xvzov darum; im Etym. M. 282, 6 wird man unter al
xal to g.rjötü zb cpgovzigai (vgl. KXvzofirjSrjg, Twäagiäig Klytaimnestra und Helena zu ver-
no).vui;(jza>g). Auch die Etymologieen der Dich- stehen haben — und der L e d a; vgl. Aijäcts ytvs- .
ter weisen daraufhin: i^riaazo z'gyov äfotf's, fi-Xov, Aesch. Ag. 878. Eur. Iph. Taur. 686.
Hont. Od. 11, 429; in' üvdgl zovz' ijArjoazo 110*6 (vgl. inclitum Ledae genus Senec. Ag. 125.
azvyog, Aesch. Choeph. 988; vgl. das Verbum Ledä sota ebend. 234); Ar]Sag i'gvog, Eur. Iph.
v.Xvzaitivfjaca Etym. Gud. 390, öS. Sonst fin- Aul. 116. Ar]Sag v.ogri, Eur. Iph. Aul. 856.
den sich noch folgende Formen: KXvzifi- Iph. 'Taur. 210. Ar/dag dvydzrjg, Eher. Iph.
vsozgu C. I. G. 4, 8419. Overbeck a. a. 0. 10 Aul. 1345. — Born. Od. 24, 199. Aesch. Ag.83.
679 nv.2. KXvzou,vr}Gzga Etym. Gud. 329, 16. Eur. Iph. Aul. 50. 593. 827. 1031. 1155. Or. 497.
Etym. M. 461, 30.' KXvzoßr}azgce ebenda 521, El- 116. 989. Bellanikos im schol. Eur. Or. 1648.
18. Die von Papadopulos-Kerameus aus Apollod. Apollod. 3, 10, 6. Tzctz. Lyk. 511. Dio Chrysost.
frgm. Sobb. f. 119. Rhein. Jltis. 46 [1891] or. 11 p. .324. Hygin. fab. 77. 78. 80. Auf
175 notierte Form KXnzai uv borget lautet falscher Überlieferung oder einem Versehen
nach der neuen Kollation von Diels, Rhein. des Hyginus beruht es, wenn er sie fab. 240
Mus. a. a. 0. 618 KXvztxiy..vr)ezga. Auch im Thestii filia nennt. Ihre Geschwister -waren
Lateinischen hat man die Verbindung von aufser den Dioskuren (s.d.) und der Helena
mn gemieden; lieius Andronicus v. 11 p. 2 (s. d.) Phoibe, Eur. Iph. Aul. 50; Timandra,
Ribbeck gebrauchte (Tu(y)ternestra mit kurzer 50 die Gemahlin des Echemos, Hesiod im Schol.
drittletzter Silbe, die tich sogar uoch bei Eur. Or. 249 (fr. 117). Apollod. 3, 10, 6. Paus.
Auson. epitapli. her. 1 (218), p. 73 Peipcr findet; 8, 5, 1. Tzetz. Lyk. 511. Serv. Verg. Aen. 8,
so haben auch bei Rhet. ad Berenn. 1, 10, 17. 130; Phylonoe (Philonoe), Apollod. a. a. 0.
16, 26. Quintd. 2, 17, 4. 3, 11, 4 Cic. de Vase des Xenotimos; vgl. Robert. Arch. Anz.
off. 1, 31, 114 (vgl. Heine z. d. St.). Iuvenal. 1889 143; ferner Athenag. suppl. pro Christ. 1.
6, 656 (611 Ribbeck). Sergii explan, in Donat. Ihr Gemahl ist Agamemnon, Hom. II. 1, 113.
bei Keil, Gram. Lat. 4, 490, 21. Sencca Agam. Od. 3,266. 11,422. Aesch. Ag. 246. 578. Eur.
p. 212. 215. 220. 236 cd. Lto not. crit. die Iph. Aul. 50. 417. 820. El. 1018. Iph. Taur. 22.
besten Handschriften das n nicht. Meister in Or. 20. 71. Andr. 884. Apollod. a. a. 0. Bio
der Ausgabe des Dietys und Thilo und Hagen co Chrysost. or. 11 p. 327. or. 15 p. 466. Hygin.
in der des Servius (Verg. Aen. 3, 331. 4, 471. /'. 78. 117; ihm gebiert sie die Chrysothemis
8, 130. 11, 267. 268) schreiben gleichfalls (s. d.), die Elektra (s. d.), den Orestes (s. d.)
Clytemestra, s. Ritschi, Opusc. philol. 2, 497 f. und die Iphianassa und Iphigeneia (s. d.)
502. Hibbeck in Fleckeisens Jahrb. 77 (1858], Wie Iphigeneia Tochter des Agamemnon und
195 = Ritschi a. a. 0. 517: „Vielleicht ist das der Chryseis heilst (Bd. 1 Sp. 902 Z. 18 ff.) oder
n uie von einem römischen Schriftsteller ge- als Tochter des Theseus und der Helena be-
braucht worden." S. Flcckeisen, Fünfzig Artikel zeichnet wird, die Klytaimestra ihrem Gemahl
für lat. Rechtschreibung p. 13 u. vgl. M. Schmidt untergeschoben habe (Bd. 1 Sp. 1935, 19 ff.
1233 Klytaim(n)estra (in Aulis) Klytaim(n)estra (in der Telephossage) 1234
Bd. 2 Sp. 302, 1 fF. Wilamowite im Hermes 18 Caere, Gerhard, Etrusk. Spieg. 4, 5 p. 4 Taf. 385,
[1883], 258 ff.), so berichtet Servius ad Verg. vgl. Arch. Anz. 1864, 287 mit den Inschriften
Aen. 11, 268, Orestes sei der Sohn des Mene- Talmithe (Palamedes), Clumsta, Uthste (Odys-
laos und der Helena gewesen. Eine offenbar seus), Menle (Menelaos) stellt nach Gerhard
erst von Euripides (Iph. Aul. 11 50 ff. Eust. a. a. 0. 34 vielleicht „die um das Leben ihrer
ad Hom. Od. 1693, 12. Schal Hom. Od. 11, 430) Tochter besorgte, bei dem erfahrenen Pala-
erfundene Sage läfst die Klytairnestra zuerst medes Rat und Hilfe suchende Klytaimestra
mit Tantalos, dem Sohne des Thyestes oder dar", während Odysseus und Menelaos sich
des Broteas (Gerhard, Rhein. Mus. 8 [18511, über das Opfer der Iphigeneia verständigen;
130) vermählt sein, Paus. 2, 22, 3; aber Aga- 10 eine Vase aus Caere mit denselben vier Figuren,
memnon tötete den Tantalos und eutrifs der Brunn im Bulletino 1865, 243 f. Auf etrus-
Klytaimestra ihren mit jenem gezeugten Sohn, kischen Aschenkisten (beschrieben von Schlie
Ew. a. a. 0. Paus. 2, 18, 2. In dem neu- a. a. 0. 60 ff.), wo das Opfer der Iphigeneia
gefundenen Fragment Sabb. des Apollodor dargestellt ist, findet sich Klytaimestra meist
(Rhein. Mus. 46, 166) 'Ayuuifivtov ... yauei knieend und die Arme flehend ausstreckend,
TvvdcxgEco frvyavzQa Klvraiuvrjßzgav, zov npö- so nr. 6 (vgl. Braun, II sacrifizio d' Ifigenia,
tsqov avzfis avSoa Tavzalov Qviazov avv zcö bassorilievo d'urna Etrusco spiegato , Perugia
naidl xTSLVcivTog wird xrsivag zu schreiben 1840. 0. Jahn, Das Opfer der Iphigeneia,
sein. Von den Dioskuren bedrängt (Bd. 1 Sp. 91 arehäol. Beiträge 392. Overbeclc, Bildwerke des
Z. 61 ff. Sp. 1162 Z. 38 ff.) wird Agamemnon 20 thebischen u. troischen Heldenkreises 323) nr. 7,
von Tyndareos geschützt. Eur. 1155 f.; und 10. 15. 16. 18. 19. 20. 21; dagegen ist sie auf
dieser giebt ihm die Klytaimestra wider ihren nr. 15 und 17 stehend dargestellt.
Willen zum Weibe, Eur. 1149; ähnlich heifst Über die liolle Klytaimestras in der
es bei Bio Ghrys. or. 11 p. 325. er. 61 p. 316, Telephossage sind die litterarischen Quellen
Agamemnon habe die Klytaimestra nur aus höchst dürftig. Hygin. fdb. 101 erzählt, Telc-
Furcht vor den Dioskuren geheiratet (s. unten phos, von Achilleus in der Schlacht am Kaikos
Sp. 1239 Z. 29ff.). verwundet, kommt auf die Antwort des Orakels,
_ _., . . „ dafs ihn nur derjenige, der ihn verwundet,
3. Klytaimestra m Aulis. Rolle in der heilen k8nnej zu Agamemnon und ergreift
Telephossage. 30 monjtu Cly temnestrae den kleinen Orestes
Nach der Entfahrung der Helena durch mit der Drohung, ihn zu töten, wenn er nicht
Paris schickte sie durch Palamedes, Menelaos Heilung erlange ; offenbar stammt diese Version
und Odysseus dieser einen Brief, um sie zur der Sage aus dem Telephos des Euripides,
Rückkehr zu bewegen, Tzetz. proleg. Alleg. s. 0. Jahn, Telephos und Troilos 21 f.; die
Iliad. 405 ; während der Abwesenheit des Schrift von C. Pilling, Quomodi Telepld fabu-
Menelaos und der Helena nimmt sie sich lam et scriptores et artifices reter es traetaverint,
deren Tochter Hermione an, Eur. Or. 1310. Halle 1S86, habe ich nicht einsehen können.
Als die Griechen in Aulis durch den Zorn Nach Jahns a. a. 0., von Overbeclc a. a. 0.
der Artemis zurückgehalten werden, wird sie 298, Anm. 14. 301 gebilligter Ansicht ist das
durch einen Brief Agamemnons (Eur. Iph. 40 Einverständnis der Klytaimestra mit Telephos
Aul. 99. 361) oder durch Odysseus (Tzetz. und ihr Rat (ävaaaa npüyovg zoväs v.ai ßov-
Anteh. 194, vgl. DictysX, 20. Eur. Iph. Taur. Xevtiarog heifst sie bei Eur. fr. 704) aus dem
25) oder durch Odysseus und Diomedes (Hygin. Schmerz und dem Rachegefühl wegen der
/'. 98) oder durch Odysseus und Talthybios Opferung ihrer Tochter zu erklären; nach
(Apollod. epit. Vat. 17, 8 = frgm. Sabb. Rhein. Vater (Untersuchungen über die dramatische
Mus. 46, 168) aus Argos (Eur. Iph. Aul. Poesie der Griechen 54 ff. , vgl. Schlie a. a. 0.
112. 328) unter dem Vorwahl, Iphigeneia 58) ist diese Verabredung Klytaimestras mit
solle an Achilleus verheiratet werden (Eur. Telephos daraus zu erklären, dafs das Opfer
Iph. Aul. 100. 364. Sophokles bei Plwtius der Iphigeneia wohl gefordert, aber noch nicht
p. 410, 10 und Suidas s. v. res v&spos, So2>h. so vollstreckt sei und Klytaimestra hoffe, Tele-
El. 1020 ff.) samt der Tochter nach Aulis ge- phos werde die Griechen, auch ohne dafs das
lockt, Eur. Iph. Aul. 417. 593. Nach einigen der Opfer vollzogen werde, nach Troia führen,
erwähnten Stellen (Apollod. a. a. 0. Eur. Iph. Auf Kunstwerken, fast durchgehends etrus-
25) begleitet sie jedoch die Tochter nicht. Die kischen Aschenkisten mit Ausnahme eines
Ankunft Klytaimestr-as mit Iphigeneia und dem Vasenbildes (Miliin, Gal. Myth. 163, 610.
kleinen Orestes im Griechenlager nach des Euri- Overbeclc a. a. 0. 299. 0. Jahn, Arch. Zeit. 15
pides Iphigeneia in Aulis sowie spätere Scenen [1857], 93) und eines silbernen Trinkhornes
aus diesem Drama sind dargestellt auf einem aus Kertsch (Antiquites du Bosphore Cimme-
boiotischen Skyphos !qp>jfi. üo%. 3 (1887), pin. rienpl. 36; Arch. Zeit, a, a. 0. Taf. 107, 1 u. Jahn
5, 1, vgl. Kumanudes a. a. 0. 70 ff. Robert im co ebenda p. 91 f.; vgl. Baumeister, Dcnkm. 172G),
Arehäol. Anz. 1889, 119. Agamemnon will ihr tritt Klytaimestra zwischen Agamemnon und
alles verheimlichen, bis das Opfer vollzogen den von ihm mit dem Schwerte bedrohten
sei (Eur. Iph. Aul. 539), und sie daher nach Telephos, Schlie a. a. 0. 41 ff nr. 5. 6. 8. 13,
Argos zurücksenden, ebend. 731. 743, doch sie 14. 11; letzteres Monument ist abgebildet
weigert sich entschieden 732 ff. Über Klytai- Rochette, Man. ined. pl. 67, 2. Overbeclc a. a. 0.
mestra in Aulis s. Friedr. Schlie, Die Dar- Taf. 13, 11. Baumeüter p. 1726 nr. 1808; in
Stellungen des troischen Sageri/creises auf e'rus- ähnlicher Weise umschlingt sie den anstür-
kischen Aschenkisten 78 ff. Ein Spiegel aus menden Agamemnon mit beiden Armen auf
1235 Klytaim(n)estra (u. Aigisthos) Klytaim(n)estra (b. Mord d. Agarn.) 1236
einer späten "Vase aus Curnä; Heydemann, liefs nur seine Entfernung zu, Eust. ad Hom.
Keapler Vasenkatalog, Eaccolta Cumana nr. 141 Od. 1466, 62 ■ — gebracht, folgte sie ihm willig
p. 852. Arch. Zeit. a. a. 0. Taf. 106. Bau- (s&ilovaa) in sein Haus, Od. 3, 270ff. Athen. 1,
meister p. 1725 nr. 1S07; abg. Fiorelli, Vasi 14b. Auf einem Krater (ob echt?) im Museum zu
cumani 14. Bull. Kap. N. S. 5, 10, 18. Auf Neapel ist eine Liebesscene zwischen Aigisthos
manchen Reliefs ist sie sogar in die Kniee und Klytaimestra dargestellt. — Homer entschul-
gesunken und sucht fufsfällig ihren Gemahl digt (vgl. Robert a.a.O. 163) gewissermafsen den
zurückzuhalten, Sehlie a. a. 0. nr. 12. 15. Treubruch der Klytaimestra: ozs Sri g.iv Mo ipu
16. 17; letzteres bei Overbeck Taf. 13, 6. &säv iniärios daufivat, Od. 3, 269, vgl. Aisch.
Auch bei der Heilung des Telephos erscheint io Choeph. 903. — Hesiod (fr. 117) und Stesichoros
Klytaimestra, Arch. Zeit. 7 (1849), Taf. 8. Sehlie fr. 26 Bergki 216, vgl. Pnws. 3, 15, 11 erzählten,
a. a. 0. p. 46 nr. 18.. Overbeck a. a. 0. 307, dafs Aphrodite aus Zorn über ein von Tynda-
vgl. Jahn, Die Heilung des Telephos, Arch. reos vergessenes Opfer dessen Töchtern üblen
Zeit. a. a. 0. p. 83: „Sie erhebt die Hand mit Ruf geschaffen (vgl. Eur. Or. 249 f. 541) und
einer deutenden Gebärde, als wolle sie den sie d'Lyaiiovg te -acu zQiyäaovg xal kLTtsauvoQag
erzürnten Gemahl durch die Hinweisung auf gemacht habe.
das glückliche Ende versöhnen, das durch Auch an der Ermordung des Agamemnon
ihren gefährlichen Rat nun doch erreicht sei." hat sie, wenigstens in der ältesten Fassung
Höchst wahrscheinlich war Klytaimestra auch des Epos, keinen Anteil, sie ist „Mitwisserin,
auf dem pergamenischen Telephosfries als hei 20 aber nicht Mitthäterin des Mordes", Wüamo-
der Heilung des Telephos (Fragment abgeb. ivits, Hom. Unters. 154. Robert 163. Aigisthos
Jcriirb. d. kais. deutsch. Inst. 2 [1887], 251, F) tötet den Agamemnon, Hom. Od. 3, 194. 303 f.
anwesend dargestellt, vgl. Eobert a. a. 0. 253. 4, 529 ff. ; erst in der Nckyia und den späteren
. „ , „,. . , . . ,, , , Teilen des Epos erscheint sie als Teilnehmerin
4. Verhältnis zu Aigisthos. Mord des des Mordeg (Aigisthos mordet den Agamemnon
Agamemnon. ^ ovXopsvr) äAojura, Od. 11, 410, vgl. den
Litteratur: Wilamoicitz, Homerische Unter- [später eingeschobenen] Vers 4, 92: äölco ov-
suchungen 154ff. Die beiden Elektren, Hermes lon-svng alb%oio. 11, 430: ■x.ovQiSCta z£v£,ctGa
18(1883), 214 ff. Schncideivin-Kauck, Ein- Tiöozitpövov. 24, 200: -novQiätov xzsivccou nöoiv
leitung zu Soph. Elektro. Robert. Bild und so 24, 97: Jiyio&ov inö %£oel y.ctl ovlo^ivrjg
Lied 163 ff. Aug. Mau, Zu Euripides Elektro, ccX6%oio, vgl. Arist. pepl. 1 (10) p. 344 Be rgk *.
in Commentat. philol. in honorem Theod. Momm- Dio Chrysost. or. 66 p. 349. Sero, ad Yerg.
senii 291 ff. E. Kahle, Fabidae, quae de caede Aen. 3, 331. 4, 471. Vell. Paterc. 1, 1, 2. Plut.
Agamemnonis et vindieta Orestis feruntur apucl par.37. Kalt wendet ( WilamowiU, Hom. Unters.
Graecorum poetas , quomodo inter se differant 157 f.) sie sich von dem sterbenden Gatten ab
(Progr. Gymnas. Allenstein 1880). Lauczisky, und drückt ihm nicht einmal die Augen zu,
Die Sage von Agamemnons Ermordimg und Od, 11, 424 ff. Dio Chrysost. or. 74 p. 401.
dem Rächer Orestes in der griechischen Poesie Unrichtig (vgl. Hom. Od. 4, 532) heifst es bei
(Progr. Gymn. Nikolsburg 1887/88). Crusius Serv. ad Yerg. Aen. 11, 267: seeundum Ho-
bei Erschu. Grubcr s.v. Klyt. Glaser, Klytaem- 40 merum Clytemestra Agamemnoni oecurrit
nestra in der griechischen Dichtung (Progr. ad litus et illic cum suseeptum cum adultero
Gymnas. Büdingen 1890) und die das. p. 11 Anm. inter epulas oecurrit. Über Klytaimestra als
angeführte Litteratur. Wecklein, Einleitung zur Mörderin der Kassandra s. ob. Sp. 978, 20 ff.
Oresteia. Wide, Lakon. Kulte 333ff. Auf dem Gemälde des Philostratos 2, 10, wo
Die Schuld der Klytaimestra ist bei Homer, ausdrücklich erwähnt wird, dafs der Mord der
wenigstens in den ältesten Teilen des Epos, Kassandra bei Nacht stattfand, wird Klytai-
weit geringer als im Drama. Agamemnon mestra folgend .-nuafsen geschildert : £epzczr]ii£v
hatte vor seiner Abfahrt nach Troia einen itvzy (Kassandra) usza rov n£Xiv.sag (lari-nbv
Sänger — er hiefs Chariades oder Demo- ßlinovan xal osaoßrjuivt] rag %aizag ■nalrQct%£ia
dokos oder Glaukos, Eust. ad Hom. Od. 50 zrjv wXivtp;.
1466, 55. Schol. Hom. Od. 3, 267 und war von Ganz anders ist der Charakter der Klytai-
Agamemnon- aus Pytho mitgebracht worden, mestra bei Aischylos gezeichnet: „die von
Demetrios Phalereus a. a. 0.; nach Timolaos Natur gutartige, aber schwache und den Ver-
ebenda (vgl. Schol. Hom. Od, 1, 325) war er führungskünsten des Aigisthos nicht gewachsene
ein Bruder des Phemios — an die Seite Kly- Frau, die bei Homer Klytaimnestta ist, wird
taimestras gestellt, um sie zu hüten und zu umgewandelt in das leidenschaftliche von Liebe
wahren, Hom. Od. 3, 267 f. Vielleicht ist der und Hafs und Eifersucht bis ins Innerste be-
Augenblick, wo Agamemnon in Gegenwart wegte, listige und thatkräftige Weib", Eobcrt
der Klytaimestra dem Sänger seine Weisungen 164. Wie Robert 170. 176 ff. (vgl. Wilamoieits ,
erteilt, auf einem Relief im Vatikan (llochette, go Hom. Unters. 156. Crusius a. a. 0.) nach-
Mon, med. 1, 118 pl. 29, 1. Ooerbeck a. a. 0. gewiesen hat, ist diese Umgestaltung des
678 f.) zu erkennen. Lange sträubt sie sich Mythos auf des Stesichoros Oresteia (über
gegen des Aigisthos Werben: cpoioi -/erp y.sxQtjz' die Oresteia des Xanthos, des angeblichen
dyeid-fjBLv, Od. 3, 266, vgl. Sencca Ag. 110 f. Vorgängers des Stesichoros [Aelian, «. h. 4,
lieuit pudicos eoniugis quondam toros et seeptra 26. Athen. 12, 513 A. Berglc* p. 204] siehe
casta vidua tutari fide. Erst als Aigisthos den Robert p. 173 ff.) zurückzuführen. Bei Ai-
SäDger nach einer wüsten Insel — er wollte sehylos ist nicht (Ag. 1605 f. 1615) Aigisthos,
ihn töten, aber Klytaimestra verhinderte es und sondern Klytaimestra die Hauptthäterin und
1237 Klytaim(n)estra (b. Mord d. Agam.) Klytairo(n)estra (b. Mord d. Agam.) 1238
Hauptschuldige: sie stellt den Wächter aus, dem Beil in der Hand auf die Thür des Bade-
uni rechtzeitig Agamemnons Ankunft zu er- gemachs, in dem sich Agamemnon befindet,
fahren, Ag. 11. 26, heuchelt Freude über des zueilend, auf einer Kylis im Berliner Museum,
Gatten Rückkehr, Ag. 565, schickt ihm einen Fv/rtwängler, Berliner Vasenkatalog 2301. Arch.
Boten entgegen, er solle in die Arme seiner Zeit. 1854 Taf. 66. Jahn, ebenda 233. Robert
„treuen Gattin" (584), eilen (582 ff.), begrüfst p.'150. 178. Ob das Vasenbild (MiUin, Peint.
ihn mit verstellter Herzlichkeit, 824 ff. 11 82 ff. de ras. 1, 58), das einen jugendlichen mit
1194, lockt ihn ins Bad (i'vvdoov zsv%og, doXocpc- Helm und Schild bewaffneten Krieger darstellt,
rog Xeßgg 1082 f.) 1501 und umstrickt ihn durch der ins Knie gesunken ist und auf den eine
ein unentwirrbares, einem Fischernetze glei- 10 Frau mit einem Beil heranstürmt, auf Aga-
chendes Gewand. Vgl. änsiQov ä/itpißXriazQOv, memnon und Klytaimestra zu deuten sei, ist
coaniQ lyß vmv, Ag. 1336. uficpi'ßXriazaov, Choeph. ungewifs, Overbeck a. a. 0. 680 nr. 3. Bau-
479. äjirj%ctvov ziyvrpiu y.al Svesv.Svzov, Aesih. meister, D. 22; auf einer Amphora (Overbeck
im Schal. Eur. Or. 25 = fr. 365 ; iv nsirXotoiv Taf. 28, 4). die wahrscheinlich hierher gehört,
Xaßovau g,n%avr)ituxi, Ag. 1081. vcpctvzoig sv schwingt Klytaimestra ein Stuhlbein [oder eine
itinXoig, Ag. 1551. nociv äzitincp niQißaXovo Mörserkeule? Röscher] gegen den von einem
vcpciGfiKzi, Eur. Or. 25. äziogovi ÖatääXco Jüngern Manne (nicht Aigisthos) niedergeworfe-
■tti nXm, Euni. 624 f. ■now.iXoig ctyQsvu,ixoiv ebend. nen und mit einem Hackmesser angegriffenen
456 und Schal. ägayrng iv vrpciauazL, Ag. 1454. Agamemnon. Overbeck a. a. 0. p. 681 will
1477. äoXioig ßooycov egv-taiv, Eur. El. 154. 20 hierin die Version der Sage erblicken, nach
ßovXivzoiaiv sv v.aXvfiuaaiv , Choeph. 481. der Klytaimestra sieh zum Morde Agamemnons
niSaig äyaXyisvzoLg , ebend. 480 und Schol. zg der Sklaven oder Gefangenen bedient habe,
ctSit ^odsvzco ic&ijzi • -noSivävzov 8goizr,g v-azct- und sieht eine Andeutung hiervon bei Soph.
a-xrjvmfia, ägy.vg xal noSiazggc-g ztinXov, Choeph. El. 1351 f. Ganz sicher ist Klytaimestra beim
995 ff. ivSvaaaa zbv avSqa yizävct navzc{%6%iv Gattenmord nur auf etruskischen Reliefs nach-
vqictogivov, loh. Antioch. fr. 25 Müller, fr. bist. weisbar; auf einer Aschenkiste in Paris (abgeb.
Graec. 4, 551 yizävcc ayuga nal azoäyrfXov Röchelte, Mon. med. 1,29. Overbeck Taf. 28, 3,
Apolloä. epit. Tat. 23, 10 p. 75 Wagner = vgl. p. 682. Baumeister p. 21 nr. 22, vgl. Schlie
frgm. Sabb. f. 119. Rhein. Mus. 46 (1891\ a. a. 0. 156 nr. 2) ist Klytaimestra rechts
175. %izävcc xscpuXrjg v.ai yjiQcöv (fi>/Tf 30 durch die geöffnete Saalthür hereingestürzt
yjiQmv fi/jzs TQctyi'iXov, Tzetz. Byk. 1099) und schwingt über ihrem Haupte eine Fufs-
ovk iyovzu t£o§ov , Schol. rec. Soph. El. 194, bank gegen Agamemnon, der in das netzartige
vgl. Thomas Mag. hgpoth. Eur. Or. vestis Gewand verstrickt mit einem Beine auf einem
clauso capite, Serv. ad Verg. Aen. 11, 267, vgl. Altar kniet, während von links Aigisthos mit
Seneca Ag. 888 ff. — Sie versetzt ihm dann mit dem Schwerte heranstürmt und ihn bereits
dem Beil (Kväpottagg TtsXtiivg von ihr selbst am Haupte ergriffen hat; eine ähnliche Dar-
genannt, Choeph. 882, vgl. Pind. Pyth. 11, 20 Stellung auf einer Urne aus Chiusi, Annali
[30]. Arist. Thesmoph. "560 und Schol Soph. 1868, tav. flagg. N. Schlie, ebend. 331 ff.
El. 99. 485. Eur. El. 160. 279. 1159 f. Sek. Conestabile im Bulletino 1865, 257, vgl. Bau-
1279. Lylcophr. 1105. Philostr. a. a. 0. Borat. 40 meister, D. p. 21; etwas abweichend die zwei
sat. 1, 1, 99. Iuvenal. 6, 657. Seneca Ag. 46. Reliefs bei Overbeck p. 683. Schlie, Darstell.
897. Robertzt. 177) zwei Schläge auf das Haupt, d. troischen Sagenkr. p. 155 nr. 1 und p. 156
Ag. 1338. 1297.1458.1482.1490. Choeph. 304; nr. 3, wo Klytaimestra den auf einer Kline
dem zu Boden gestürzten giebt sie noch beim Festmahl liegenden und von Aigisthos
einen dritten Schlag, xov y.aza y&ovbg "AiSov mit dem Schwerte bedrohten Agamemnon
vexamv ocazfjQog Bvv.zaicev jff'piv, Ag. 1340 f. gleichfalls mit einer Fulsbank angreift. Auf
Schon Stesichoros hatte die Kopfwunde des dem Gemälde des Philostratos 2, 10 ist Aga-
Agamemnon erwähnt, fr. 42. Robert p. 171; memnon von Klytaimestra bereits getötet,
ebenso Soph. El. 99. Eur. Or. 497. Dafs Kly- Dem toten Gemahl liefs Klytaimestra Arme
taimestra den Agamemnon im Bade ermordete, 00 und Füfse (oder den Kopf Achill Tat. 1, 8)
sagt Aischylos auch Eum. 457. 623. Choeph. abschneiden, um ihn an der Rückkehr aus
478. 1068. Soph. El. 445. Eur. Or. 367. El. 157. dem Grabe zu hindern und ihm die Rache un-
1148. Lykophr. 1108 und Tzetr.. z. d. St.; da- möglich zu machen, Aesch. Choeph. 427 und
gegen tötet sie ihn beim Mahle nach Soph. El. Schol. Soph. El. 445 und Nauck z. d. St.; vgl.
195 und Nauck z. d. St. 203. 284. Bio Chrysost. Suchier, Über d. ethische Bedeutung d. Sophokl.
or. 74 p. 401. Iuvenal. 8,217. Serv. ad Verg. Tragödie Elektro, Progr. Gymnas. Rinteln
Aen. 11, 267, vgl. Senec. Ag. 885; oder beim (1885) p. 9 f.; nach Schol. A'seh. Eum. 457
Opfer, Hyg. f. 117, vgl. Bio Chrys. und Serv. liefs sie seinen nackten Leichnam den Bürgern
a. a. 0. Ausnahmsweise wird in der Tragödie zeigen, vgl. die Prophezeiung der Kassandra,
Aigisthos als Mithelfer beim Morde be- 00 Eur. Troad. 446 f., Agamemnon werde schmäh-
zeichnet, Eur. El 10. 87. 124. 165. 319. 599. lieh des Nachts bestattet werden, vgl. Aesch.
763. 869. 885. 914 ff. Soph. El 587 f., vgl. 34. Ag. 1513. Als Motiv zur That, deren sie sich
358.816.955. Senec. Ag. 884; andere Stellen, soaar rühmt (Aesch. Ag. 1348. 1511 f.) be-
wo nur Klytaimestra als Mörderin bezeichnet zeichnet Pind. Pyth. 11, 22 (35) entweder
wird, sind: Eur. Andr. 1027. Iph. Tanr. 552. Schmerz über die Opferung der Iphigeneia
Soph.El.125. Eur. ElAOSS. Theodektesh. Arist. oder ihre verbrecherische Liebe zu Aigisthos
Rhet. 2, 24 fr. 5 p. 624 Nauck. Dargestellt ist (oder Eifersucht auf Kassandra, vgl. Eur.
Klytaimestra, in wilder Hast und Aufregung mit El 1032. Athen. 13, 556c). Bei Aischylos
1239 Klytaim(n)estra (ihr Tod) Kly(airn(n)estra (ihr Tod) 1240
tritt der Rachegedanke vollständig in den (El. 28) und will der Tochter bei dem von ihr
Vordergrund, Agam. 1486 ff. 1514, vgl. Sopli. geheuchelten Wochenbett beistehen, El. 652.
El. 531 ff. 592; die ehebrecherische Liebe 656. 964. 1123 ff. 1132; über ihre That em-
wird nur gestreift, Choeph. 579 ff. 887. S98 pflndet sie Scham und Reue, El. 1105 ff. 642 f.,
vgl. 127f.; der Wunsch, sich zu rächen, hat vgl. Mau a. a. 0. 294. Wüamowite, Die beiden
sie mit Aigisthos, dessen Hauptbeweggrund Elehtren 222. 230 ff.
es gleichfalls ist, Vergeltung zu üben, Aq. __,,,-,, . . ,.„ .
1554 ff. verbunden, vgl. Hypoth. Aesch. Ag.: 5- Tod der Klytaimestra. EKfoXov etc.
ntmolwns rs Ai'yia&or y.al K7vzcauvr]ezQuv skk- Kurz nach Agamemnons Ermordung (Dietys
zsqov öuc%vqi'q6(isvov jTfpt zijg ävaigtascog io 6 , 2) gebiert Klytaimestra dem Aigisthos die
ivi v.Hpalaim, zfjv jihv zij dvuigiou 'Iqtiyi- Erigone, Apollod. fr. Sabb. f. 119. Rh. Mus.
rsi'ag, zbv Dt raCg zov nazgbg ©viazov f'| 46 (1S91) 175. Eygin. f. 122. Tsetz. Lyjc. 1374.
Uzgiag cvfiq>oQais. Bei Sophokles, der über- Dietys a. a. O. und 6, 4. Iöhann. Antioch. fr. 25.
haupt die Klytairuestra von den Tragikern am C. I. G. 2, 2374 (marmor Partum) p. 301, 40.
ungünstigsten gezeichnet hat — vgl. ihre Härte Hesych. s. v. Airipa. Etym. M. 42, 4. loh.
gegen Elektra, Soph. El. 289. 393. 452. 597. Matal, p. 168; vgl. Kinaithon bei Paus. 2,
814 f. 1181 ff. 1194. 1289. 1427; sie will ihre 18, 6 [Apollod. epit. Vatic. 23, 14], wo sie nur
Tochter sogar in ein unterirdisches Gewölbe Tochter des Aigisthos heifst, vgl. Roheit 185.
einsperren 380 ff. ; hat den kleinen Orestes er- E. Maa/s, Analecta Eratostheniea 132ff. Da-
morden wollen, 601f. 1133, vgl. 296 f. und so gegen nennt Ptolcm. Heph. 4 p. 189 Wester-
kann bei der Kunde von seinem Tode nur mann die Tochter beider Helena. Ob Klytai-
mühsam ihre Freude verhehlen 675. 706 f. mestra auch Mutter des von Eygin. f. 122. 124
803 ff. 1153. 1295; da sie immer seine Rache nur Aegisthi filius genannten Aletes ist, bleibt
gefürchtet 7S0 ff. ; um ihr schuldbeladenes Ge- fraglich; doch scheint auf mehrere Kinder hin-
wissen zu beruhigen, bringt sie allmonatlich zudeuten Eur. El. 62. 626. Soph. El. 589.
an Agamemnons Todestage Opfer dar, 278 ff. Über sieben Jahre (Hom. Od. 3, 305. Yell.
— erscheint lediglich ihre verbrecherische Paterc. 1, 1, 3) hat sie an der Seite des Ai-
Liebe als Beweggrund 97. 197. 272. 492 f. 562. gisthos gelebt, als Orestes erscheint, um den
587. 594. 652, vgl. Eur. Or. 26_f. 558. Senee. Vater zu rächen )]zoi 6 (Orestes) zbv (Aigisthos)
/V. 66 vol. 3 p. 431 ed. Haa^e. Über Klytaim- 30 xzu'rag äca'vv zarpov Aqyeioiaiv [i^zoog zs
nestra speciell bei Sophokles vgl. Braungarten, azvysgiig toxi uvältidog Aiyia&oio, Od. 309f.
Die sittliche Anschauung u. d. Charalderzeich- Während Welcher I Episch. Cyklas 1, 298, vgl.
nung nach ihren Motiven und Tendenzen in Kahle a. a. O. 5) aus v. 310 schliefst, dafs
Sophokles Elektra (Progr. Gyninas. Mies 1884) Homer von dem Muttermorde des Orestes
Sff. Suchier a.a.O. 10ff.; über die Klytaim- wufste, und Schlie a. a. O. 166 meint, der Dichter
nestra bei Sophokles und Euripides, Vahlen habe sich gescheut, nähere Umstände hiervon
im Hermes 1891, 352ff. — Bei Eur. Or. anzugeben, glaubt Robert 163, der Muttermord
576ff. ist es Furcht vor Strafe, bei Seneca Ag. hätte von Homer unbedingt erwähnt werden
166 ff. Zorn über die Opferung der Iphige- müssen (vgl. Schöne, Einleitung zu Eur. Iph.
neia, Eifersucht auf Chryseis und Kassandra; -io Taur. p. 110), und nimmt einen Selbstmord
noch anders Dio Chrys. or. 61 p. 317 "Jyaui- (gebilligt von Crusius a. a. 0. 253 Anm. 3;
yvav Siu Ti/j» ccQyrjii tnuiQoiitvog zr:v KXvzai- vgl. Baumeister 1112) der Klytaimestra aus
lj.vi',czpav ^ziuaasv, coozs dqXov i)v ozi ovr. Scham und Verzweiflung au. v. IVilamowitz,
äfi^oivzo ällr]\cov, dXX' iooizo zoictvzct o%i§bv Hom. Unters. 154 f. Anm. 15 streicht v. 310,
bizoia avvsnsasv. Auf die Tragödie geht wohl da Klytaimestras Erwähnung der Telemachie
auch die Erzählung zurück, Oiax, der Sohn widerspreche; vgl. auch Schol. Hom. Od. 1,300
des Nauplios, habe, um den Tod seines Bruders ovx oläsv b jioijjtjjs zbv KXvzcnyvriazQcig vztb
Palamedes zu rächen, der Klytaimestra die zov naiSbg ubgor. Vielleicht stellt das alter-
erlogene Nachricht gebracht, dafs Agamemnon tümliche Relief aus Aricia (abg. Arch. Zeit.
die Kassandra zum Kebsweibe genommen und so 1849 Taf. 11, 1. Overbeck 28, 8. Baumeister
ihr vorgezogen habe (Hygin.f. 117. Dietys 6,2, p. 1112 nr. 1309; vgl. Jahrbuch d. K. d. arch.
vgl. Johann. Antioch. fr. 25. Eur. Or. 432. Inst. 3, 245) diese älteste Auffassung dar;
Paus. 1, 22, 6. Robert 182 ff.), oder Nauplios Klytaimestra sucht den Orestes, der dem zu
selbst habe die Frauen mehrerer griechischer- Boden gesunkenen Aigisthos einen zweiten
Helden, darunter auch die Klytaimestra, ver- Stofs beizubringen im liegriffe steht, mit der
führt (wodurch, ist nicht gesagt; vielleicht 1. Hand zurückzuhalten; freilich erblickt Ovcr-
durch dasselbe Mittel wie Oiax?), mit anderen beck p. 697 auch hierin schon eine verhüllte
Ehebruch zu treiben, Tzetz. Lyk. 384 p. 572. Andeutung des Muttermordes; dagegen Bau-
1093 p. 928. Apollod. epit. Vai. 22, 4. — Bei meister a. a. 0. Vielleicht war auch auf der
Euripides erscheint Klytaimestra in besserem co jetzt verschollenen Trinkschale des Kachrylion
Lichte. Obwohl Agamemnon ihr schweres (Welcker, Annali 1853 278 Anm. 1. Overbeck
Unrecht zugefügt (ob. Sp. 1232 Z. 61), war sie 695. Robert a. a. 0. 149. 158f.) eine ähnliche
ihm stets eine treue gehorsame Gattin, Iph. Scene dargestellt. Die Vasenbilder, die nur
^li(7. 1158 ff. 726. 633; fast rührend ist ihre die Tötung des Aigisthos darstellen und den
Liebe zu Iphigeneia (ebend. 628. 728 ff 886. Muttermord beiseite lassen, hat zusanrmen-
902. 1434 ff. 1461) und zu Orestes (622 ff. Iph. gestellt Schlie a. a, 0. 168 Anm. 1. Ob das
Taur. 234); sie hat die Elektra vor dem ihr verstümmelte Marmorbasrelief des Museums
von Aigisthos zugedachten Tode gerettet zu Konstantinopel (Gazette arch. 11 [1886]
1241 Klytaim(n)estra (ihr Tod) Klytaim(n)estra (ibr Tod) 1242
pl. 1; vgl. Sorlin Dorigny a.a.O. p. 1 ff.) hier- 2) Kelebe aus Certosa {Bulletino 1872 110
her gehört, kann nicht entschieden weiden. nr. 78); fast dieselbe Darstellung; nur hat
Bei Stesichoros und den Tragikern erscheint Klytaimestra das Beil zum Schlag erhoben,
(mit verschwindenden Ausnahmen, s. unten Brisio a. a. 0. nennt den sie am Streiche hin-
Sp. 1243 Z. 32) Orestes als Vollstrecker der dernden Mann Pylades; doch dürfte dafür
Rache an Klytaimestra. Diese träumt bei nach Analogie von nr. 1 Talthybios einzu-
Stesichoros {fr. 42), ihr nahe eine Drache mit setzen sein.
blutigem Haupte, aber plötzlich stand Aga- 3) Vorderseite einer Amphora in Wien
memnon (auf diesen, nicht auf Orestes [Schnei- {Sacken- Kenner 5 nr. 240; abg. Miliin, Peint.
dewin a. a. 0. IG j wird mit Robert 171 ßaOL- 10 de vas. 2, 24. Gal. Myth. 170, 614 [vgl. Robot
Isvg muodtvi'dug zu beziehen sein) vor ihr; 150 Anm. 1]. Arch. Zeit. 12 [1854] Taf. 66, 1
aus seiner Umarmung (vgl. die schöne Kom- [von Jahn, Arch. Zeit. a. a. 0. 231 ff. früher
bination von Robert 171. 178) gebiert sie einen auf Merope und Kresphontes bezogen]) stellt
Drachen, Acsch. Coeph. 514. 921 f., der, als nur die Gruppe Talthybios und Klytaimestra
sie ihm die Brust reicht, mit der Milch Blut dar, Robert p. 158. Heydemann, Jahrb. cl. K.
sangt, Coeph. 520. 533. Auch bei Sophokles D. arch. Instit. 1 (1886), 310, 31.
träumt sie von einer zweiten Vermählung 4) Stamnos im Berliner Museum (0. I. G.
mit Agamemnon; dieser habe dann sein altes 4, 7701. Furttcängler , Berliner Vasenkatalog
Scepter auf den Herd gepflanzt, ein frischer 2184. Welcher, Annali 1S53 278ff. Jahn, Arch.
Zweig sei daraus hervorgesprofst und habe 20 Zeit. 1860 43f. Robert 149ff.; abgeb. Gerhard,
das ganze Mykenerland überschattet, El. 41 7 ff. Etrush. Vastnb. 24 p. 35ff. Annali 1853 tav.
Durch diesen Traum erschreckt {Choeph.. 510. d'agg. H. Overbech 28, 10 p. 695f. Bawneitter
522. Soph. El. 410. 636. C44) schickt sie p. 1113 nr. 1310). Klytaimestra schwingt das
Elektra (bei Sophokles Chrysothemis, El. Doppelbeil über dem Haupte gegen Orestes;
326. 406) mit Spenden zum Grabe Agamem- doch fehlt hier der eingreifende Talthybios,
nons, Choeph. 80 ff. 502 ff. Es folgt die Er- den jedoch die Phantasie des Betrachters sofort
kennung der Geschwister und die Verab- ergänzen konnte, Robert 156.
redung zur Rache. Bei Aischylos {Choeph. 5) Amphora (abg. Monum. ined. 5, 56.
655ff.; vgl. 834) bringt Orestes der Klytaimestra Welcher, Alte TJenkm. 5 Taf. 18, der die Dar-
die Nachricht von seinem Tode, bei Sophokles so Stellung p. 287 f. Annali 1854 274ff. auf die
{El. 1113) die Urne mit seiner angeblichen den Aigisthos mit dem Beil angreifende Elek-
Asche; letztere Scene will Overbech (693 f. tra, auf Klytaimestras Schatten und die drei
Taf. 29, 6; vgl. Baumeister 1112 1.) auf einem Erinyen bezog), ähnliche Darstellung wie die
Krater erkennen. Während Klytaimestra, die vorige, nur dafs Klytaimestra (vgl. Bulletino
allein im Hause ist {El. 1309. 1368), bei So- 1851 55) rechts hinter Aigisthos mit dem Beil
phohles vor Aigisthos fällt, El. 1410ff. Thomas herbeieilt, gegen den von links Orestes heran-
Mag. Ew. Or. Hypoth., wird sie bei Aischylos stürmt, Benndorf, Annali 1865 218 ff. Robert
und Euripides (hier von Elektra in das Haus 152 f.
ihres Gemahls, des niykenischen Landedel- Weit zahlreicher sind die Darstellungen
mannes, gelockt, El. 1139) nach jenem getötet, 40 des Muttermordes selbst. Theoros malte ab
Choeph. 862. 870. 880 ff. Eur. El. 763. 1165 ff.; Oreste viatrem et Aegisthum i-nterfici, Plin.
vgl. Eur. Iph. Taur. 79. 556. 715. 940. 1007. 35, 144; Theon eine 'Ogioxov finTgoy-tovia,
1033. Or. 29. 74. 165. 285. 562. 1235. Bio Plut. de aucl. poet. 3, wohl dasselbe Gemälde,
Chrys. or. 68 p. 349. Apollod. frgm. Sabb, das Plin. a. a. 0. Orestis insania nennt; viel-
Rliein. Mus. 46, 175. Nach Hygin. f. 119 fand leicht sind beide Künstler eine und dieselbe
ihre Ermordung des Nachts statt; wenigstens Person, Brunn, Gesch. d. griech. Künstler -
auf den Abend weist auch Aesch. Choeph. 641 2, 171 f.
hin. Ein etwas früherer Moment, der zwar Die um ihr Leben flehende und dem Sohne
litterarisch nicht ausdrücklich bezeugt ist, wo- die entblöfste Brust zeigende {Aesch. Choeph.
rauf aber noch der Ausruf der Klytaimestra 50 889 ff. Eur. El. 1206 ff. Or. 527. 568. 827 ff.
8oin r.ig ävdQO-/.[if[Ta 7iii.sy.vv ag ru%og, Aesch. 841; vgl. Soph. El. 1410) Klytaimestra fin-
Choeph. 882 hinzudeuten scheint, ist auf meh- det sich auf dem Wandgemälde aus casa di
reren Vasenbildern, denen die Sagenversion Sirico {Heibig nr. 1300) dargestellt, Arch.
des Stesichoros zu Grunde liegt {Robert 180), Zeit. 41 (1883) Taf. 9, 1. Robert ebenda 259f.,
dargestellt: die ihrem Buhlen mit dem Beil gegen der es auf das Original des Theon zurückführt,
Orestes zu Hülfe eilende Klytaimestra, und zwar (ob jedoch nach Robert a. a. 0. das Gemälde
1) auf einer Vase aus Caere (abgeb. Monum. auf Aesch. Choeph. 889 ff. zurückgeht, scheint
ined. 8 tav. 15, 1. Robert p. 154. Baumeister, D. mir fraglich; mit gleicher Wahrscheinlichkeit
p. 1114 nr. 1311. 0. Benndorf, La finedi Egisto e läfst sich ü,n Euripid.es; s. obigeStellen, denken);
Glitemnestra, Annali 1865 212ff. Bulletino 1865 60 auf einem etruskischen Spiegel, abgeb. Ger-
215). Klytaimestra (alle Personen sind durch hard, Etr. Spieg. 2, 237 (nicht 137, wie Over-
Beischrift kenntlich) eilt mit dem Beil, das bech p. 704 nr. 38 notiert) und Gerhard ebenda
sie gesenkt hält, auf den durch den Warnungs- 3, 221; knieend und den rechten Arm flehend
ruf der Chrysothernis aufmerksam gemachten gegen den Sohn ausstreckend, der mit der R.
Orestes, der dem Aigisthos schon zwei Wunden ihr Haupt gefafst hat, Braun, Oreste, stretto
beigebracht hat, zu; doch Talthybios hindert cd parricidio dal Fato; vgl. Bulletino 1842
sie an dem beabsichtigten Schlage, indem er 47ff. Gerhard a. a. 0. Taf. 2, 238. 3, 221; auf
ihre linke Hand und das Beil ergreift. beiden Spiegeln sind die Namen beigeschrieben.
1243 Klytaim(n)estra (ihr Tod) Klytaim(n)estra (ihr Eidolon) 1244
Ähnliche Darstellung auf einer Trinksehale aus vor Charon, um in die Unterwelt einzugehen,
Nola, Catal. of the Greek Vases in the Brit. auf einem Sarkophag, Benndorf, Annali 1865
Mus. nr. 979 = Arch. Ans. 10 (185-2), 184. 233. Ihr und des Aigisthos Grab befand sieh
Elytairnestra vor Orestes an einen Altar ge- aul'serhalb der Mauer vonMykenai, Püms. 2, 16,7;
flüchtet, auf drei etruskischen Aschenkisten, vgl. Eur. Or. 94f. 114. 471. 611. 79S (avi^a).
Schlie a.a.O. 161 f. nr. 9. 159 nr. 1 (abg. Overbeck 1185. 1215. 1321. 1325. 1434 (xvijißog) Et.M. 282,
27, 7, der die Darstellung jedoch p. 653f. auf 6 ff . ; doch spielt der Orestes des Euripides in
Eassandra und Aias bezieht), p. 160 nr. 2. Auf Avgos, vgl. buch. Beiger, Beil. Philol. Wochenschr.
dem Bd. 1 Sp. 153f. abgebildeten Sarkophag 11 (1S91), 1281f. Ein Bild oder eine Bildsäule
(vgl. aufser den Sp. 153 Z. 2 ff. gegebenen Be- 10 (shuav) der Elytaimestra zeigte man zu Amy-
legen die von Stephani , Compte-rend. 1863 klai, Paus. 3, 19, C. Beiger a. a. 0. 1316. Das
181 nr. 36 angeführte Litteratur und Monum. Schattenbild Elytaimestras , das bei
ined. 8 tav. 15, 2) sucht die Amme die Uly- Aesch. Eum. 94 ff. die schlafenden Erinyen
taimestra vor dem Streich des Orestes zu weckt, ist in direktem Anschlufs au die
schützen, vgl. Overbeck p. 701. Auf etrus- Dichtung des Aischylos dargestellt auf einem
kischen Aschenkisten zieht Orestes die ste- Oxybaphon (abg. Monum. ined. 4, 48. Over-
hende Klytaimestra mit einem kräftigen Ruck heck 29, 7 p. 714. Baumeister p. 1117 nr. 1314),
au sich, Schlie 160f. nr. 4 — 6, oder sie ist Bulletmo 1844 84. de Witte, Annali 1847 418ff.
schon niedergestürzt, nr. 7. 8; auf nr. 3 sitzt Welcher ebend. 1853 275. Stephani, Gompte-
sie auf dem Bücken eines unter ihr liegenden 20 rend. 1863 270. Wernicke, Arch. Zeit. 42 (1884),
männlichen Leichnams; oder sie wird auf 207; ebenso erscheint ihr Schatten auf einer
hohem Ruhebett liegend von Orestes ange- Amphora mit der Darstellung von Orests
griffen, Overbeck 702 f. Andere Darstellungen, Sühnung (abg. Overbeck 29, 9. Baumeister
Bullet. 1848, 74; 1849, 8; auf einem etruskischen p. 1118 nr. 1315), Overbeck 712 ff. Stephani
Spiegel, Gerhard 4, 5 p. 8. Orioli im Bulltt. a. a. O. 1863 273. Wernicke a. a. 0. 202; auf
1850 31 ff. Orestes stöfst ihr das Schwert in dem Vasenbild Bd. 1 Sp. 1331/32 (= Overbeck
den Nacken (Namen beigeschrieben), Overbeck 29, 2. Baumeister 1116 nr. 1313) werden wir
703 nr. 37. Schlie 162 nr. 10. Die geschehene in dem im Spiegel erscheinenden Gesicht trotz
That zeigen, ungefähr wie Lucian. de dorn. 23 Overbeck (p. 706; vgl. Bd. 1 Sp. 1333 Z. 66)
schildert (Klvtaijj.vrjOtQa rjär] dv^rj-cai «al Jjr' 30 das Antlitz Elytaimestras zu erkennen haben,
. svv^g zivog rjfiLyvfivQs jrpdxftrat k. x. X.), meh- vgl. Heydemann, Vasens. d. Mus.Naz. z. Neapel
rere römische Sarkophage, Overbeck 700 ff. nr. 1984 und aufser der dort angegebenen Litte-
nr. 27 — 34; einer davon, der im Museo Pio- ratur Wernicke a. a. 0. 199 Anm. 3. In ahn-'
Clementino (5, 22), abg. Overbeck 29, 1 = Bau- licher Weise hat bei Eur. Iph. Taur. 289 der
meister p. 1115 nr. 1312, Litteratur bei Stephani, wahnsinnige Orestes die Vision, dafs eine
Compte-rend. 1863 181 nr. 35; fast genau stimmt Erinys seine Mutter in den Armen trage, um
damit überein die Reliefdarstellung auf der sie auf ihn herabzuschmettern. Von sonstigen,
Vorderseite eines Sarkophags im Dom zu Hu- oben nicht eingereihten Darstellungen der
sillos, Arch. Zeit. 29, 167. Stephani a. a. 0. Klytaimestra sind noch zu erwähnen die auf
1881 91. Elytaimestra tot und halbnackt 40 einer Byxis im brit. Mus.: 'Helena sitzend
auf einem hohen Altar liegend , -Schlie p. 163 mit ihrem Arbeitskorbe, dabei stehen Eassan-
nr. 11 p. 170. dra und Klytaimestra', Arch. Zeit. 32, 113.
Abweichend wird Pylades (Tlvlääijg jrpcö- Auf der schon oben erwähnten Vase des Xeno-
zog ixQL&rj inl zä Klvzaiavr'jOtgag cpüva) als timos (vgl. Antike Denkm. etc. a. a. 0. p. 51)
Mörder der Klytaimestra genannt, Schot. Arist. ist Klytaimestra nebst Tyndareos und Leda
nub. 623; vgl. Luc. am. 47 üucp'zEQoi (Orest. (alle Personen sind durch Beischrift kenntlich)
uncl Pyl.) KlvzuiiivijezQuv ctvygovp, und Eur. als erwartungsvolle Zuschauerin bei der be-
Or. 1235 sagt Pylades riipdfir/v d' iyco t,Lipovg. vorstehenden Eigeburt der Helena dargestellt;
Wenn schliefslich Serv. ad Verg. Aen. 11, 268 neben dem auf einem Altar liegenden Ei sitzt
berichtet ouidam clieunt Clytemestram non 50 der Adler des Zeus; Elytaimestra selbst trägt
manu fdii, sed iudicum sententia peremptam, einen Ärmelchiton und Mantel, das Haar um-
so möchte ich hierin eine weitere Ausführung bunden und 'hinten in einen Schopf gefafst'
der Worte des Tyndareos Eur. Or. 539 all' und erhebt verwundert die rechte Hand. Sollten
oujji TiQog xovS' n'tiög r]v avrrjv &ccv£iv finden; wir hiernach vielleicht auf dem etruskischen
möglich, dafs ein Tragiker nach Euripides aus Spiegel, welcher ebenfalls — nur in Gegen-
diesen Worten den Anlafs nahm, eine Gerichts- wart von einer gröfseren Anzahl Personen —
Verhandlung gegen Klytaimestra stattfinden die Geburt der Helena behandelt (abg. Gaz.
zu lassen, die der Verhandlung gegen Orestes arch. 1877 Taf. 3. Kekule, Über ein griech.
(Eur. Or. 877 ff.) nachgebildet war. Als Blut- Vasengemälde im akad. Kunstmuseum su Bonn
rächer für Klytaimestra trat Tyndareos auf bei 00 p. 24 und die dort angeführte Litteratur) in
Eur. Orestes. Apollod. frgm. Sabb. Bhein. Mus. der zwischen Turan (Aphrodite) und Poltuce
46, 175, oder ihre Tochter Erigone, Apollod. (Polydeukes) stehenden weiblichen Figur, der
a. a. 0. Dictys 6, 4, oder ihr Vetter Perilaos, einzigen der ganzen Gruppe ohne Namens-
Paus. 8, 34, 4; näheres unter Orestes. beischrift, welche die mannigfachste Deutung
Bestattet ward Klytaimestra von Orestes, (näheres bei Kekule a. a. 0. 25 f.) erfahren hat,
Hom. Od. 3, 310 (s. aber Sp. 1240 Z. 32). Eur. auch Klytaimestra zu erblicken haben? Ein
Or. 402; vgl. 422, oder von Menelaos und Gemälde Klytaimestra von Tauriskos ohne
Helena, Eur. El. 1278 ff. Sie und Aigisthos nähere Angabe bei PI in. 35, 114. Brunn
1245 Klyte Klytia 1246
a. a. 0. 1', 330. 2a, 193. 200. Klytaiuiestra (?) zeigte sich ihr dann (in seiner göttlichen Ge-
mit Helena, Menelaos und Aphrodite auf der stalt, und Leukothea konnte ihm nicht wider-
Insel der Seligen, Gerhard, Etrusk. Spieg. stehen. Klytia, die alles erfährt, entdeckt aus
3, 209; abg. 2, 7 Taf. 218. Zur Darstellung gekränkter Liebe und glühender Eifersucht
der Klytaimestra im allgemeinen vgl. E. Braun, dem Vater den Fehltritt seiner Tochter. Dieser
Grundrifs der DenJcmaücunde ( = Hyperbor.- läfst sie lebendig begraben und türmt einen
Rom. Stud. f. Archäol. 2 = Arch. Nachlaß Hügel schweren Sandes über die Gruft; zu
aus Bom) p. 69. spät öffnet Helios mit seinen Strahlen das
Als Person tritt Klytaimestra auf in des Grab; er vermag die Geliebte nicht mehr ins
Aischylos Agamemnon , Choephoren und (als 10 Leben zurückzurufen, aber zum Gedächtnis an
Schattenbild) in den Eumenidtn. bei Sophokles sie läfst er auf ihrem Grabhügel die Weihrauch-
in der Elektra und Iphigeneia (= Kljtaimestra: stände emporwachsen. Aber der Verrat der
Nauck fr. Trag. Graec. p. 1 Gl) fr. 293a. 294. Klytia hatte für sie nicht den gehofften Er-
310 Dindorf, bei Euripides in der Elektra und folg. Helios wendet sich von ihr, und in ver-
Iphig. Aul., in dem Aigisthus des Livius schmähter Liebe welkt sie dahin; unter freiem
Andronicus Bibbcck fr. scen. Bom. poes. 243 ff. Himmel sitzt sie in leichtem Gewände und
und in dem gleichnamigen Stücke (= Clytaem- mit aufgelösten Haaren; neun Tage lang bringt
nestra) des Attius, Bibbcck a. a. 0. 1 1 7 ff. 298, sie nicht Speise noch Trank über ihre Lippen,
bei Seneca im Agamemnon. Die Ermordung der Tau des Feldes und ihre Thränen sind
der Klytaimestra, von Aristoteles (ars poet. 14) 20 ihre einzige Nahrung, aber immer schaut sie
als echt tragisches Motiv bezeichnet, fand sich zu Helios empor und verfolgt seinen Lauf mit
auch in dem Orestes des Karkinos (Nauck ihren Blicken. Da fühlt sie auf einmal ihre
a. a. 0. 620) und in dem Dulorestes oder Chrijses Glieder an den Boden gebannt, ein Teil ihres
des Pacuvius, Bibbeck a. a. 0. 283. Ein Klv- Leibes wird in ein blafsgrünes, der andere in
raiuvriazQag iy/daiov sollen Isokrates. Anonym. rotes Kraut verwandelt, uud eine veilchen-
vit. Isoer. ed. Benseier 2, 275 und der Sophist ähnliche Blume bedeckt ihr Antlitz (Alpen-
Polykrates, Quintil. 2, 17, 4 geschrieben haben Veilchen? Wegewart?); aber auch jetzt noch
vgl. Philodem, de rhet. a. a. 0.; und Klvzctia- wendet sie immer dem geliebten Gotte sich
vriacqaq Tiucogia wurde in Täuzen dargestellt, zu; Ovid. Met. 4, 206 — 270. Dieses schöne
Luc. de Salt. 43. — Der Plural Klvxaiuvricroai 30 Volksmärchen ist von Mannhardt , Klytia
dient neben 'Aiqotiui und Z&bvoßoiui zur Be- (Sammlung gemeinverständl. Vorträge, herausg.
Zeichnung von ehebrecherischen Weibern, Bio von Virchow und r. Holtzendorff; vgl. Crusius
Clirys. or. 74 p. 399; vgl. Clytaemestrae und bei Ersch und Giuber s. v. und die p. 255
Medeae bei Serg. explan, in Bonat. 4, 490, 21, Anm. 1 gegebene Litteratur) folgendermafsen
und die sittenlose Clodia heifst quadrantaria gedeutet worden: Klytia, „die gepriesene Jung-
(vgl. Cic. pro Cael. 26, 62) Clytaemestra; frau", die Geliebte des Helios, ist die ßlumen-
Caelius bei Quint. 8, 6, 53. Weshalb der Dich- göttin des Frühlings ; aber der Gott verläfst
ter Nikostratos den Beinamen Klytaimestra sie um Leukotheas willen, der weifsschimmern-
führte, Diog. Laert. 4, 3. 4, 18, ist unbekannt. den Mondgöttin, der Gebieterin der zwölf
[Höfer.] 40 Monate (vgl. oben die zwölf Dienerinnen). In
Klyte (Klvzrfj, Herodiani Technici Beliquiae der Gestalt ihrer Mutter, der Nacht, kommt
coli. A. Lentz Tom. 2 p. 1 nr. 1. Schot, ad er Abends zu ihr, aber Leukothea stirbt, sobald
Eurip. Hippolyt. 408: 'Hooiäiavög iv xm fiovo- sich der Gott in seiner wahren Gestalt zeigt,
ßi'plm nsQi -/.vgiaiv v.al ini&itaiv tuet ngoeriyo- d. h. sobald der Tag anbricht. Crusius a. a. 0.
qixcüv Xiysi zivui xäg ngärov 'noQVEVGu.cuq billigt diese Auffassung der Leukothea, möchte
ftvyaTiQag EvqvtivIov, ov xov Ktpov, aXXa allov jedoch die Klytia nicht als Blumengöttin des
xivög' z'gti <5'e xa övöuKxa avxäv Mootpi] aal Frühlings gedeutet wissen, sondern neigt mehr
Klvxrj. [Drexler.] zu der Ansicht, dafs sie im ursprünglichen
Klytemestra (Kivxs[ir]axqa), Inscr. Gr. Sic. Volksmärchen nur eine namenlose, sterbliche
et Itcd. ed. Kaibel 930 = C. I. Gr. 6195 = so Jungfrau gewesen, und dafs erst der griechische
Klytaimnestra (s. d.). Dieses ist auch die älteste Dichter, der die Sage von Leukothea und
latinisierte Form des Namens, Fleckeisen, Klytia verband, ihr diesen Namen, vielleicht
Fünfzig Artikel. Bei den Tragikern kommt mit Beziehung auf die gleichnamige Okeanide
die Form KlvxutfirjexQa vor, s. Stolz, Wiener (Hes. Thsog. 352) gegeben. Die angebliehe
Stud. 12 1890 p. 31—35. [Drexler.] Büste der Klytia im Britischen Museum (Ellis,
Klytia (KXvxia, Mvxir]), 1) Tochter des Townley Gallery 1, 9f. 2, 20) steht in keiner
Pandareos, mit ihrer Schwester Kameiro von Beziehung zu unserem Mythus, sondern ist
Polygnot in der Lesche zu Delphi dargestellt, das Idealportrait einer jungen vornehmen
Paus. 10, 30, 1. — 2) Tochter des Okeanos Piönierin; s. Crusius a. a. 0. 256 f. [Höfer.] —4)
und der Tethys, Hes. Theog. 352. Hyg. Praef. eo Tochter des Merops, Gemahlin des Eurypylos,
p. 28 Bunte. Schoemann, Op.Ac.2, 148. Braun, Königs in Kos, der von Herakles getötet ward,
Gr. Götterl. § 151. — [3) Geliebte des Helios Mutter des Chalkon und Antagoras. Sie und
(vielleicht identisch mit nr. 2), von diesem ihr Gatte sollen die Demeter auf ihren Irren in
verlassen, als er seine Neigung der schönen Kos aufgenommen haben, Theokr. Id. 7, 5 u.
Leukothea schenkte. Diese war die Tochter Schol. — 5) Tochter des Amphidamas, Gemahlin
des Königs Orchamos und der Eurynome; in des Tantalos, Mutter des Pelops, Pherckyd. b.
der Gestalt der Mutter nahte sich der Gott Schol.Eur.Or.il. Stark, Niobe 426. — 6) Toch-
der Jungfrau, entfernte ihre zwölf Dienerinnen, ter der Niobe, Pherek. b. Schol. Eur. Phocn. 162.
1247
Klytides
Klyto
1248
Stark, Kiobe 96. — 7) Kebsweib des Arnyntor,
des Vaters des Phoinix, Schol II. 9, 448. TzeU.
L. 421. [Näheres Bd. 1 S. 2672 Z. 20ff. Höfer.]
— 8) Gemahlin des Kandaules, Ptol. Heph. b.
Phot. cod. 190 p. 150 (p. 192 Westerm.,
Mythogr.). [Stoll.]
Klytides (JilvxiSi];), 1) Beiname des Peiraios
(s. d.) als Sohn des Klytios oder Klytos (s.
Hesych. s. v. Klvziäiy Klvzov izai"); Hom. Od.
o 540. — 2) ein Joloip KlvrCSrjg wird nach
//. A 302 von Hektor getötet (vgl. die Schol.
z. d. St.). — 3) Klvv([ä]Sai, Wahrsager-
geschlecht in Elis; das sich von Klytios (s. d.
nr. 4), dem Sohne des Alkmaion und Enkel
des Arnphiaraos und weiterhin von Melampus
ableitete; Paus. 6, 17,6; vgl. App. Anthol. Pal.
nr. 371: Tai' ä' iiQoyXcaaacov Kkvziöäv ysvos
svxouat slvai, ucimg, an' loo&icov aiua Mi-
XainzoöiSciv. Zu diesen Klytiaden gehörte
nach Hcrod. 9, 33 auch der Seher Tisamenos.
— 4) Geschlecht auf Chios, deren agaC er-
wähnt werden; Bittenbcrger, Syll. I. Gr. 360.
Töpffer, Alt. Gen. S. 139, 3. [ Röscher.]
Klytios [Klvtiog, Klvtiog, Et. M. 521, 12),
1) Gigant, im Kampf der Giganten gegen die
Olympier von Hekate oder Hephaistos mit
glühenden Eisenmassen getötet, Apollod. 1, 6, 2.
Mehr b. Max. Mayer, Gig. u. Titanen S. 185.
203. Gerhard, Trinkschalen Tf. 10. 11. Elite
ceram. 1 p. 160. — 2) Sohn des Laomedon,
Bruder des Priamos, Vater des Kaietor und
der Prokleia, der Gemahlin des Kyknos,
Königs in dem troischen Kolonai, II. 20, 238.
15, 419. Apollod. 3, 12, 3. Paus. 10, 14, 2.
Pronoe, Tochter des Klytios, gebar dem
Panthoos den Polydamas,* Sc/io?. II. 12, 211.
Die Gemahlin des Klytios hiefs Laothoe, Tzetz.
Hom.i'Al. Klytios hiefsen noch mehrere Trojaner,
11.3, 147. Verg.Aen. 9, 774. 10, 129. 325. 11, 666
[s. unten!]. — 3) Ein Athener, dessen Tochter
Pheno denLamedon, König in Sikyon, heiratete,
Paus. 2, 6, 2. — 4) .Sohn des Alkmaion und
einer Tochter des Phegeus in Psophis, Enkel
des Arnphiaraos, zog von Psophis nach Elis,
wo das olympische Sehergeschlecht der Kly-
tiaden sich von ihm ableitete, Paus. 6, 17, 4.
Müller, Dorier 1, 253. Eckermann, Melampus
122. [Vgl. A. Maury, Eist, des rel. de la
Gri-ce ant. 2 p. 3S7 u. Anm. 6. p. 447 Anui 1.
E. Beule', Archives desmiss. scientif. 1851 p. 566.
Körte, Der Ostgiebel des Zeustempels in Olympia,
Berliner Philol. Wochenschr. 1892 nr. 30—33.
Arch. An:. 1892 p. 144. Bouche- Leelercg,
Hist. de la divination dans l'ant. 2 p. 69. 70.
Ob mit den elischen Klytiaden in Zusammen-
hang stehen die in einer Inschrift von Chios
erwähnten KkvTidctt, läfst der Herausgeber der
Inschrift Sourias, Mitt. d. k. IJ. Arch. Inst,
in Athen 3 p. 203 — 207, unentschieden, s. Klytides.
Drexler.] [Bull de corr. hell. 3, 54ff. Höfer.] -
5) Ithakesier, Vater des Peiraios, eines Freun-
des des Telemachos, Od. 16, 327. 15, 540. Eust.
ad Hom. Od. 1790, 55. Der von Hektor erlegte
Dolops (II. 11, 302) kann ein Sohn dieses
Klytios (Klytos?) sein (s. Klytides). — 0) Sohn
des Eurytos aus Oichalia und der Antiope
(oder Antioche), Bruder des Iphitos, Argo-
naut, Hcsiod (fr. 45 Lehrs) und Aristökrates
b. Schol. Soph. Trach, 263. Ap. Bh. 1, 86
(u. Schol). 2, 117. Hyg. f. 14 p. 40 Bunte,
von Aietes getötet, Hyg. f. 14 p. 415.;
[statt huius filius Clytius ab Aeeta interf'ectus
est wird man mit Robert. Jahrb. d. Kais. D.
arch. Inst. 3 [1S88] 53 zu lesen haben huius
filius Clytius, ab hoc Aretus interfectus
est; vgl. Apoll. Bhod.2, 114ff. und schol. Bd. 1
S. 495 Z. 54; es liegt hier ein Fall vor, wo
10 seltenere Namen durch allgemein bekannte
ersetzt werden. Über die Darstellung des
Klytios auf der Meidiasvase (ob. Bd. 1 Sp. 2602.
C. I. Gr. 4, S4S7. Britischer Vasenkatalog 2,
11 nr. 1264. Arch. Ztg. 16 [1858], 130) s.
Gerhard, Abh. d. K. Akad. d. Wissensch. 1839
295 ff. Gesammelte Abhandl 1, lS8f. Th. Pyl.
Arch. Ztg. 12 (1854), 301. Vgl. nr. 14. Höfer.]
Oder er kam bei der Eroberung von Oichalia
durch Herakles um, Diod. 4, 37. Schol Soph.
äo Trach. 352. [Nach dem Bilde der Miinch. Vase
nr. 125 = Gerhard, Auserl. V. 237 war dieser
Klytios auch Teilnehmer an der kalydonischen
Eberjagd. Vgl. nr. 15 u. Klymenosl2. Röscher.]
— [ TYelcker, Ercole ospite in casa di Eurito re
d'Oichalia. ' Ann. d. Inst. 1859 p. 243ff.
Dumont et Chaplain, Les ce'ramiques de la
Grece propre p. 246. Drexler.] — 7) Sohn
des Agriopas, Enkel des Kyklops (s. d.), im Heere
des Eumolpos gegen Eleusis; fiel zugleich
su mit Immarados, dem Sohn des Eumolpos, und
Egremos, dem Sohn des Eurynomos, Schol II
18, 483. Lobeck. Agl 1, 209. — S) Gefährte
des Phineus, von Perseus getötet, Oc. Met. 5,
140. — 9) Begleiter des Dionysos nach Indien,
Konn. Bion. 28, 66. — [10) Knappe des Tydeus,
bei der Ermordung der Ismene durch Tydeus
zugegen auf einer korinthischen Vase Mon. d.
Inst. 6 tav. 14. Wiener Vorlegeblätter Ser. 3
T. 8. 1, 2. Welcker, Alte Btnkm. 5 T. 14 S. 253.
40 Robert, Bild und Lied 20. S. Klytos 5. Höfer.] —
[ll)Barbar(Skythe? Perser'?), Teilnehmer an der
auf der Petersburger Vase nr. 1790 dargestell-
ten (mythischen?) Eberjagd. — 12) Vgl. Verg.
A. 10, 129 und 325. — 13) S. d. Naubolos,
Vater des Nauplios; Schol. Veron. ad Verg. A.
2, 82. Röscher.] -- [14) KAYTIOZ vor der
thronenden YHEA stehend auf der Meidias-
vase, 0. Jahn, Ber. üb. d. Verh. d. K. Sachs.
Ges. d. W.ph. h. Kl. 6 1854 p. 265 Anm. 105.
so C. 1. Gr. 8487. W. Klein, Die griech. Vasen
mit Miistersignaturcn , Benkschr. d. K. Ak. d.
W. pi'- '<• -&-'?■ 32. Bd. 2. Abt. 1882 p. 197, wo
die Litteratur über die Meidiasvase verzeich-
net ist. Vgl. ob. nr. 6. — 15) cpWTIO?, Be-
gleiter des Peleus auf einer Vase in München,
auf der Peleus und Atalante im Begriff mit
einander zu lingen dargestellt sind, Gerhard,
Auserl. Vasenb. T. 237. 0. Jahn,Beschr. d. Vasens.
König Ludwigs p. 38 nr. 125. C. I. Gr. 7382.
60 Drexler.] — [16) Beiname Apollons; s. Klutius.
Koscher.] — 17) S. Klytos u. Klytides. [StolL]
Kiytippe (K?.vzi7inrj), Tochter des Thespios,
die dem Herakles den Eurykapys gebar, Apol-
lod. 2, 7, 8. [Stoll.]
Klyto (KXvtco), eine Bakchantin, dargestellt
auf einer Arnphora tanzend, mit 6 Satyrn und
5 Bakchantinnen, Heydemann, Satyr- u. Bak-
chennamen S. 28. C. I. Gr. 4 nr. 7459. [Lorentz.]
1249 Klytodora Knuphis (Namensfornien etc.) 1250
Klytodora (KlvzoScögu) , 1) Gemahlin des S. 120, dafs auch Kvccyevg, 'der Bocksmann',
Minyas, dem sie den Presbon, die Periklymene eine Hypostase des Dionysos sei, dem von
und Eteoklymene gebar, Schol. Ap. Bh. 1, 230. — Ziegenhirten und Weinbauern Bocksopfer dar-
2) Tochter des Laomedon, welche dem Assa- gebracht wurden. [Röscher.]
rakos den Kap'ys gebar, Dionys. A. B. 1, 62. Kiieinis (Kvfjitig), Amazone, Gefährtin Pen-
[Stoll.] thesileias, Tzetz. Posth. 181. [Klügmann.]
Klytomeiles (KXvxof-triär]g), Sohn des Buops, Kneph = Knuphis (s. d.).
Grieche, von dem jugendlichen Nestor bei den Knopos s. Kodros.
[.eichenspielen des Epeers Amarynkens im Knuphis, Kvovtptg (Cramer, Anecd. Oxon. 3
Faustkampf besiegt, II. 23, 634. [Stoll.] io p. 171 u. Strabo 17, 817), Xvovßig (C. I. Gr.
Klytometis (KXv 1 6 [i.r,z ig), Beiname 1) des 4893. 4862); Xvovßco (Proceedings of the Society
Ilephaistos, Hom. hymn. 19, 1. — 2) des As- of Biblical Archaeology 9 p. 204); Xvovfiig (Pa-
klepios auf einer Inschrift aus Epidauros, pyri, Wiedemann, Herodots 2. Buch p. 198),
Ao-Hl-quiä -nXvtoarjTiSi 'AcpQixavbg b isgsvg, Kvrjcp (Plut. de Is. et Os. c. 22, Euseb. praep.
Kabbadias in Epliem. arch. 1883, 88; vgl. ev. 3, 11) sind die griechischen Schreibungen
C. I. G. 5973 c und die Weihintchrift aus des ägyptischen Gottesnamens Chnum(Chnumu,
Menschieh (Ptolemais) TLaiüva nXvx6(ir]xiv . . . Chnemu), für den sich in einer meroitischen
AtjTOiär)v zxazov Bevue urche'ol. 13 (1889), 71. Inschrift auch Knufi findet (Lepsius , l'ber die
Nach Baunack, Studien a. d. Gebiete d. Griech. Gotter der vier Elemente p. 223 Anm. 6 zu
1, 88 hat Asklepios diesen Beinamen von 20 p. 222; vgl. Wiedemann a. a. 0. p. 197). Rei-
seinen Wunderknren. [S. auch Dilthey , Bit. nisch, Die ägypt. Bildwerke in Miramar p. 214
Mus. N. F. 27 1872 p. 390. Drexler.] [Höfer.] Aum. 1 und Wiedemann a. a. O. p. 198 halten
Klytoneos (KlvzövTjog) , 1) Sohn des Alki- auch den Kafiricprjg des Stobaeus ecl. 1, 52, Kagrj-
noos, Königs der Phaiaken, siegt im Wettlauf, epig (s.d.) des Damasdus p. 386 ed. Kopp, Wiede-
Od. 8, 119 ff. [Zur Erklärung des Namens vgl. mann aufserdem den 'Hfiricp des Iamblichos 7,3
schol. Hom. Od. 8, 124 (piqaiv xb ovofia ix für identisch mit Kneph, während Ed. Xaville,
rov hXvtov elvai %aza zag vr\ag. Höfer.] — ha litanic du Soleil. Leipzig 1875 4° p. 18 in
2) Sohn des Naubolos, Vater des Argonauten 'H[irj<p eine griechische Umschreibung des
Nauplios , ' Ap. Eh. 1, 134 und Schol.; vgl. ägyptischen Wortes Tenit „das All" vermutet.
Inttrpr. Verg. Aen. 2, 82. [Stoll.] 30 Chnum ist die Lokalgottheit des Katar-
Klytonymos (KXvzcowfiog = KXvocowfiog), rbaktengebietes, des 1. oberägyptischen Gaues
Sohn des Amphidamas, getötet von Patroklos, mit der Hauptstadt Elephantine. Maspero
Apollod. 3, 13, 8. [Lorentz.] vermutet in ihm eine Nilgottheit („un dieu du
Klytos {KXvxog), 1) Gefährte des Phineus, Nil"), Btvue de l'hist. des religions 19 p. 42;
von Perseus erlegt, Ov. Met. 5, 87. — 2) Sohn (vgl. die Abbildung bei Lanzone, Die. di mitol.
des Atheners Pallas, Brader des Bntes; beide egizia Tav. 337, 2: Chnum mit beiden Händen
Brüder wurden von den Athenern mit Kepha- Wasser ausgiefsend). Seine nägsögoi in dem
los zu Aiakos geschickt, um Hülfe gegen erwähnten Gebiet waren die Göttinnen Satis
Minos zu erbitten, Ov. Met. 7, 500. — 3) Sohn und Anukis, welche die Griechen mit Hera
des Aigyptos, mit der Danaide Autodike ver- 40 und Hestia verglichen, C. I. Gr. 4893, C. I. L.
mahlt, Eyy. f. 170. Ein Aigyptide Kleitos b. 3, 75. Wiedemann, Die Meligion der alten Äg.
Apollod. 2, 1, 5. — 4) Sohn des Temenos, p_, 73. Brugsch, Religion u. Mythol. der alten
König von Argos, Hyg. f. 124. Vgl. Keisos. — Äg. p. 299 — 303. — Maspero a. a. O. p. 42; vgl.
[5) Klytos, Knappe des Tydeus auf einer Vase Maspero, Cat. du musee ig. de Marseille.
im Louvre mit der Ermordung der Ismene Paris 1880 p. 128 giebt von ihnen diese Deu-
durch Tydeus, Mon. d. Inst. 6 Tav. 14. Welelcer, tung: „Elles sont deux fees des eaux, dont
A. D. 5 p. 253 ff. Catcdoghi del Museo Cam- l'une Anouquit, 'la serreuse' , hante les rochers
pana 2 nr. 49. Dumont et Cliaplain, Les cera- aui resserrent et mattrisent l'eau de Khnou-
miques de la Grece propre p. 249 nr. 1. Robert, mou, dont l'autre Satit, 'l'archere', lance le
Bild tend Lied p. 20, der ihn aber Klytios 50 courant de Khnoumou ä travers les rochers avec
nennt. Drexler.] — Vgl. Klytides und Klytios 10. la rapidite de la fliehe." — Brugsch, Bei. p. 302,
[Stoll.] Die Ägyptologie p. 175 sieht in ersterer „das
Klytotoxos (KXvxözo^og), steht absolut für die Felder umfangende, nährende und be-
Apollon bei Nonn. Dionys. 1, 330. 12, 245. fruchtende Wasser des Nil", in letzterer (Bei.
248. 29, 115. 36, 110; '%Xvxozo£og 'AnbXXav , p. 300) „die Nilschwelle, welche nach der
Hom. LI. 4, 102. Od. 17, 494. 21, 267. Nonn. Sonnenwende (Cbnum-Ra) eintritt, sobald der
Dionys. 33, 163. [Höfer.] «. Sirius, d. i. die Göttin Sopdit, Soptit, Sothis,
Kuageus (Kvayivg), Name eines Lakoniers, in der Sonnennähe am ersten Tage des sothi-
üer in der Kultlegende der Artemis Knagia sehen Kalenderjahres aufgeht",
eine Rolle spielte. Nach Paus. 3, 18, 4 wurde so Häufig erhält Chnum in den hieroglyphi-
Knageus nach Kreta verkauft und verrichtete sehen Inschriften den Beinamen 'der Herr von
dort in einem Artemistempel Sklavendienste, Qebh', Brugsch, Diel, geogr. p. 823 ff. s. v. QeB,
bis es ihm gelang, mit der Priesterin, die das Bei. p. 205; Beinisch p. 216; E. A. Wallis
Kultbild mitnahm, zu entfliehen. Da diese Budge, Pioceedings of the Soc. of Bibl. Arch.
Legende der Sage von Orestes, Iphigeneia und 1887/88 10 p. 26, p. 28; Maspero, Rev. de Vhist.
Artemis Orthia ähnlich und in Orestes viel- des relig. 19 1889 p. 42; vgl. 18 1888 p. 269 f.
leicht eine dionysosähnliche Göttergestalt zu Qebh ist nach Brugsch, Bei. p. 295 n.Dümichen,
erblicken ist, so vermutet Wide, hak. Kulte Gesch. Ägyptens p. 32 Anm. * eine Örtlichkeit
Roscuek, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 40
1251 Knuphis (Herr von Quebh, Seti, Senem) Knuphis (Latopolis, Hypselites etc.) 1252
auf Elephantine. Ferner führt er die Titel
Chnurnu neb ib (Lepsius, Dkm. 6, 69, 163),
Chnum neb ab (Villi. 4 , 24) d. i. Cbnum der
Herr von Elephantine [Brugsch, Dict. geogr.
p. 111 s. v. 'AB, 'IB, Lanzone,- Dizionario eli
mitologia egizia p, 965, Wiedemann , Herodots
2. Buch p. 118), griechisch Xvovßm Neßtrjß;
Proc. 1886/87 9 p. 202— 205, Classicäl Review 1
p. 4, Wochenschr. f. kl. Fhilol. 5 1888 Sp. 1178 f.,
Wilcken, Jahrb. d. Ksl. D. Arch. Inst. 4, Arch. 10
Anz. p. 115 — 117. Des von Sirabo p. 817 er-
wähnten Tempels des Cbnum auf Elephantine
wird in der oben angeführten Inschrift Proc. 9
p. 203 Z. 23 als des Xvovßslov gedacht. Diener
des Gottes Chnum von Elephantine erwähnen
bereits Grabschriften von Syene aus der Zeit
der 6. u. 12. Dynastie, E. A.Wallis Budge, Proc.
1887/88 10 [p. 4—40] p. 16. 25—37. Maspero,
Rapport ä V Institut Egyptien sur les fouillcs
et travaux executes en Egypte pendant l'hiver 20
de 18S5—1SS6 (Extr. du Bull, de l'Inst. Eg. de
l'annee 1SS6). Le Caire 1887 p. 33 ff. Eine
Inschrift auf dem unteren Stück eiues Obelisken
auf Elephantine besagt: „ . . . Thuthmosis III.
Er hat dies gemacht zu seinem Gedächtnis
seinem Vater, dem Gotte Hnum, indem er ihm
ein Obeliskenpaar aus Syenit an der ersten
Feier des dreifsigjährigen Regierungsjubiläums
machen liefs", Brugsch, Thcs. Inscr. Aeg. 5,
p. XXI, p. 1220. 30
Von seiner Verein ung auf der Insel Sohel,
Sehel, dem alten Sati, Seti, wo besonders Anu-
kit einen Kult hatte (Brugsch, Bei. p. 302,
Biet, geogr. p. 1331, Thes. Inscr. Aeg. 5 p. XIX,
1216 nr. i, k, in, o, r, s, p. 1216 nr. bb , ee,
p. XX, 1216 nr. gg), beifst er zuweilen „Chnum,
Herr der Insel Seti", so in der Inschrift bei
Brugsch, Thes. Inscr. Aeg. p. XIX, 1214 nr. aa,
einem .,Proskynema vor dem Gott Hnum, Herrn
der Insel Seti durch die Propheten des theba- 4,0
nischen Gottes Montu: Anmemes und Arne-
nemhet". Die von den Gvvuyovzig iv Zrfzsi,
%>l zov diovvGav vifiM,ßaaiXiBxai den Gottheiten
Xvovßsi zä xcil "Jfificovi, Sdzn zrj v.ai Hqci,
'AvQVV.il ZJI Y.UI 'EOZICI, ri£TSßJtO!IJ,lVZSl ZG) V.CII
JlOVVGG) , n^zsvoi'jzti ZCti YMl KqOVOJ , IJszsv-
o)jv£[i] zip Kort Egusi, &soi? utyüXoig xo'i. zoig
atloiq zoig snl toü KazaQav.rov dauioaiv dar-
gebrachte Stele C. I. Gr. 4893 wird erläutert
von Brugsch, Dict. geogr. p. 1331, Thes. Inscr. 50
Aeg. 5 p. XX. ritztv-, ptn bedeutet „der
welcher in", und ist eine jüngere Form für
das gleichbedeutende hnt, hnti; der in Amenti
6 «tu diovvaog ist Osiris, der in Seti 6 xo:!
Koovog ist Qeb, der in Senem 6 xcni 'Egfiijs ist
Thot.
Von seinem Kultus auf der Insel Senem,
Senmut, dem beutigen Begeh, Bigeh heifst
Chnum öfter der Herr von Senem, Brugsch,
Dict. geogr. p. 727, lanzone p. 962 f., Brugsch, 60
Thes. Inscr. Aeg. 5 p. XX, 1217, Bigeh, nr. a,
fe), h; vgl. p. XXI, 1218, Konosso nr. a.
Eine zweite Hauptverehrungsstätte des
Cbnum war die im 3. oberägyptischen Gau
gelegene Stadt Sen, Seni, Latopolis, jetzt
Esne, Brugsch, Dict. geogr. p. 720 ff. s. v. Seift,
SeNI Dümiclien, Gesch. Ägyptens p. 55 ff., die
auch Pa-Chnum, Wohnung des Chnum genannt
wurde, Brugsch, Dict. geogr. p. 583 s. v. PI-
llNUM; vgl. p. 584 s. v. Ha-1iKCM, p. 585 s. v.
SA- TN SA (^mim). J. de Bouge, Monn. des
nomes de t'Eg., Bev. num. n. s. 15 p. 9 nr. 1,
vgl. Töchon p. 63 erkennt ihn auf Münzen des
Nomos Latopolites in einer nackten Gestalt
mit Scepter in der L., dem Fisch Latus auf
der R. und der Sonnenscheibe zwischen Hör-
nern auf dem Haupte. Seine Gemahlin war hier
die Göttin Nebuu-t, „das All", eine Form der
Neit, wie denn Esne auch Pa Neit res „die Stadt
der Neit im Südreiche" genannt wurde; und
das Kind beider war Kahi oder Hi-ka, Dü-
miclien p. 57, Brugsch, Dict. geogr. p. 721 f.,
Lanzone p. 351 ff., D. Mallet, Le eultede Neit
ä Suis p. 133 — 135. Auch mehrere Örtlich-
keiten im Gebiet von Esne hatten Tempel des
Chnum, darunter die von Ptolemäus 4, 5, 73
erwähnte Stadt Chnubis, deren Zusammenhang
mit dem Gotte Chnum ich (Mythol. Beitr. 1
p. 61 Anm. 1), unter unrichtiger Ansetzung der
Lage, fälschlich gegen Steuding (oben 1 Sp. 897)
in Abrede gestellt habe, s. Dümiclien p. 61 f.,
Brugsch, Dict. geogr. p. 712 ff. s. v. SMeN u.
p. 747 s. v. Sollet.
Auch in Schas-hotep, der Metropole des
11. oberägyptischen Gaues, des Hypselites der
griechisch-römischen Periode, wurde er verehrt.
Der heilige Name dieser Stadt war Pi-chnumu
neb schas-botepu „Wohnung des Chnum, des
Herin von Schas-hotep", Brugsch, Dict. geogr.
p. 583. Er wurde dort betrachtet als eine
Lokalform des Osiris, als „Chnum . . . der herr-
liche Widder des Osiris in der Stadt Hypselis,
der König der Götter", Brugsch, Bei. p. 292 f.,
Dict. geogr. p. 795, Lanzone p. 961. Münzen
des Nomos Hypselite3 zeigen diesen Widder
entweder allein (unter Hadrian), Töchon, Rech,
sur les med. des nomes de l'Egypte-p. 100, J. de
Bouge, Monn. des nomes de TEyypte, Bev.
num. 1874/77 n. s. 15 p. 20 nr. 3 oder (unter
Hadrian) auf der Hand einer weiblichen Gott-
heit (Isis, oder Hathor) , Töchon p. 98 f., Feu-
ardent, Eg. anc. 2 p 302 nr. 3516, J. de Bouge
a. a. 0. p. 20 nr. 1. 2 u. „Les personnages sur
les monn. des nomes", Annuaire de la societe
frang. de numismatique et d'arche'ologie 15 1891
p. 108 (gegen Fröhner, Le nome sur. les monn.
d'Eg." ebenda 14 1890 p. 288). Über seine
sonstigen, besonders in Oberägypten und Nubien
gelegenen Verehrungsstätten s. Lanzone p. 962
bis 966.
In Mittelägypten ist eine Form des Chnum der
in Herakleopolis Magna verehrte Her-schef,
'Jgoixeprig, s. oben s. v. Har - schafet , Brugsch,
Bei. p. 303 — 308, Dict. geogr. p. 601, Wiede-
mann, Herodots 2. Buch p. 205, Maspero, Bev.
de l'hist. des rel. 19 p. 41 Anm. 1.
In späterer Zeit verschmolz Cnnum mit Ra
und Amon, Beinisch p. 21411'., Birch inBonomi
and Arundale, Egyptian antieruities in the
British Museum p. 9. 10, Lepsius, Zeitschr. f.
äg. Spr. 1877 p. 12 f., Grebaut, Hymne ä Am-
mon-Ba. Paris 1874 p. 134 ff., Pierret, Le pan-
theoneg. p.9, Brugsch, Bd. 290 ff., V.v.Straufs
u. Tomey, Der altäg. Götterglaube 1 p. 368 F.,
Wiedemann, Die Bei. der alten Äg. p. 72. Im
1253 Knuphis (vermischt mit Ra u. Amon)
Kuhzimmer des Setigrabes sagt Ra(Z.85) „seine
Seele sei die Seele des Chmim", v. Straufs 1
p. 369; Chnum heifst ba n rä die Seele (oder
der Widder) des Ra, Mariette, Denderah i, 83,
oder ba än# n rä die lebende Seele des Ra,
Brugsch , Uict. geogr. p. 480, v. Bergmann,
Hierogl. Inschriften gesammelt während einer
im Winter 1S77/78 unternommenen Reise in
Ägypten. Wien 1879. 4" p. 30 f. Häufig nahm
er zu seinen wagereeht vom Kopfe abstehenden
Hörnern die nach unten gebogenen des Amon
an (s. Fig. 2). Eine alexandrinische Münze des
Antoninus Pius (Zoega, Numi aeg. Tab. 22 Fig. 2
p. 394 nr. 446 b) zeigt das Haupt des Sarapis
über einem bei einem Altar stehenden Widder,
dessen Kopf die Sonnenscheibe über den Hör-
nern des Chnum und Amon trägt; eine andere
alexandrinische Münze des AntoninusPius^oeV/a
Tab. 10, 18, p, 174 nr. 98, Mionnet 6, 222, 1429,
Feuardent, Eg. ang. 2, 107, 1608) zeigt das
Knuphis (als Schöpfer)
1254
1) Chnum mit der Henkelvase, welche zur Schreibung
seines Namena dient, auf dem Haupte (uach Lanzone,
Diz. di mitol. egiz. Tay. 337, 3).
Haupt des Sarapis ausgestattet mit Modius,
Strahlenkranz und den Hörnern des Chnum und
Amon, also eine Vereinigung der Gottheiten
Sarapis-Osiris, Chnum und Amon.
Über dfe Bedeutung des Wortes Chnum
sagt Dienlichen a. a. 0. p. 55 (und nach ihm Ober-
ziner, II eulto del Sole presso gli antichi orien-
tali Vol. 1 p. 72 f.): „Das mit dem Zeichen
der Henkelvase geschriebene Wort chnum hat
in den Inschriften folgende Bedeutungen:
c mischen — durch Mischung die Substanzen
vereinigen — denselben durch Zusammen-
fügung Gestalt verleihen, formen, bilden —
und einen Gegenstand mit etwas erfüllen',
von der Gottheit gebraucht, rmit Lebensodem
versehen'. Diese verschiedenen Bedeutungen
des Wortes enthüllen uns das Wesen des
Gottes Chnum. Man dachte sich ihn als die
in der ewigen Materie wirkende Kraft, als den
dieselbe mischenden, sie zu Gestalten formenden
und diesen Gebilden Leben gebenden Gott";
und Brugsch, Hierogl. -Dcmot. Wörterbuch 3
p. 1099 verzeichnet als Bedeutung von %num,
jtnum, pemu „der Architekt, der Baumeister,
par Exe, der Weltbaumeister, der Bildner";
vgl. Brugsch, Die Ägyptologie p. 175, v. Strauß 1
p. 370.
Diese seine schöpferische Thätigkeit
wird sehr oft bezeugt. Noch Euseb. depraep. ev.
3, 11 berichtet von dem d'nfiLOVQybg, ov Kvr)cp
oi Alyvnxioi TTQOGuyoqEvovGiv: xbv öl tTeov
10 xovxov ey. xov Gxoyaxog izqoieg&ui cpaGiv
(nach Lepsius, Über die Götter der 4 Elemente
beiden Äg., Abh. d. Berliner Akad. 1856 p. 191
Anm. 1 ein symbolischer Ausdruck) äbv , t|
ov ytvvÜG&ai &EOV , ov avxol nooGayoQEVovGi
<t>&ä , oi dh "EXXnvEg "HcpaiGxov, EgynvEVEiv äi
xö äbv xbv v.oguov; vgl. dazu E. Lefebure,
L'oeuf dans la rcligion e'gyptienne , Bev. de
l'hist. des religions 8eannee, tome 16 1887 p. 18,
Pierret, Dict. cl'arch. eg. p. 374, E. de Rouge,
20 Notice sommaire des monuments eg. nouv. ed. 1876
p. 123, Brugsch, Bei. p. 161. 291. 298. Maspero,
Catal. du musee eg. de Marseille p. 129.
Ein Bild des Chnum von Elephantine wird
bei Euseb. depraep. ev. 3, 12 so beschrieben:
Marc; Se xtjv 'EXEtfavxivrrv itöXiv xtXL(ir]xai
äyaXua, ntiiXaOfi'cVov jiev, äXX' dvÖQEi'y.EXov v.ai
y.fx&t}p.tvov , kvocvovv xe xitv zQoiav, HEtpaXrjv
öe KQioi HSv.zriu.Evov, Kai ßaaCXstov, KEQaxa
xgdyEia (Sp. 1256*) e'%ov, oig etiegxi KvxXog
3o ölgxoe törjg, y.ad'rjtoa öl itcxQfx-AELyEvov KEgau-Etov
äyysiov, Ecp ob av^gornov ävcmlaoGEiv. dnXoi
dl aTtb fl£V xov y.Qiov TTQOGMtov £%eiv y.al aiybg
»f'jero, xrjv ev v.quö gvvoÖov r/Xiov %al GsXrj-
vng' xb öe Im -/.vavov %oo)u.a, oxt z'dguyojybg ev
GvvoSa 7] GEXr\vr[; vgl. dazu für den letzten Satz
Brugsch, Bei. p. 242 f. p. 290 f. An der Töpfer-
scheibe aber stellt ihn die Abbildung (= Fig. 2)
bei Lanzone, Tav. 336 hg. 3 dar. Ferner in einer
Darstellung auf Philae bildet er auf einer
w Töpferscheibe die Glieder des Osiris mit der
ßeischrift: „Chnum arbeitet an der Töpfer-
scheibe, er baut die Glieder des Osiris", Eo-
sellini, Monumenti da eulto 22, Beinisch p. 217,
Wiedemann, Heroclots 2. Buch p. 198. In einer
Inschrift aus der Zeit des Tiberius wird zu
dem bei der Töpferscheibe sitzenden Gott ge-
sagt: „Es wird zu dir gebracht diese Töpfer-
scheibe da auf deinen Wunsch. Es formt darauf
deine Majestät die Götter und Menschen. Das
50 ist das Gleichnis für den giofsen Gott als den
uranfänglichen Bildner dieser Welt mit seinen
Händen", Brugsch, Bei. p. 113, Thes. Inscr.
Aeg. 4 p. 732 f., v. Straufs 1 p. 369 f. Auf der
Stele des S'hot-pitri in Boulaq sagt der Ver-
storbene vom König Amenomhäit III. : „Das ist
ein Gott Chnum , welcher formt alle Glieder,
ein Schöpfer, welcher hervorbringt die sinn-
begabten Wesen", Maspero, Guide du visiteur
au musee de Boulaq p. 71 f. nr. 127. In Beit-
oo el- Wally heifst Ramses III. „der gute Gott,
der Sohn des Chnum, der ihn geformt hat mit
seinen eigenen Händen", Lepsius, LJkm. 177, a,
Beinisch, p. 217, Lauth, Sitzungsber. d. philos.-
philol. u. hist. Kl. d. /.'. b. Ale. d. W. r.u München
Jg. 1875. Bd. 2 p. 98. In der märchenhaften Er-
zählung von den beiden Brüdern (aus der
Zeit der 19. Dynastie) verfertigt Chnum auf
Befehl des Ra-Harmachis dem jüngeren Bruder
40*
1255 Knuphis (als Schöpfer etc.)
eine Frau, G. Maspero, Les contes populaires
de l'Egypte ancienne p. 17. Die Inschrift an der
Statue des Nesahor im Louvre bezeichnet Chnum
als „Schöpfer, Verfertiger der Götter und
Menschen, Herr der Gewässer", JE. de Rouge,
Notice des monuments expose's dans la galcrie
d'cihtiquites e'g. 7e ed. p. 44 nr. 90. In Dendera
heifster„Vf ri'ertiger der Menschen, Urheber der
Götter, Vater des Anfangs", Marictte, Dend. 2, 37,
Pierret. Essai sur la mythol. e'g. p. 26, Lan-
zone p. 957; in Philae „Urheber dessen was da
ist, Schöpfer der Weseu, Anfang der Formen,
Vater der Väter, Mutter der Mütter" (Pierret,
Essai p.26, Lanzone p, 957), oder nach Brugschs
Übersetzung (Thes. Inscr. Aeg. 4 p. 733) „der
Geist, die Urkraft, der Urheber dessen, was
da ist, der Schöpfer dessen, was da sein wird,
2) Chnum an der Töpferscheibe (nach Lanzone.
Diz. di mitol. egiz. Tav. 336, 3).
der Anfang dessen, was da war, der Urvater
und die Urmutter"; ebenda „Chnum -lia auf
dem Gebiete von Elephantine, der Vater der
Götter, das Seiende er selber, der Former der
Menschen, der Bildner der Götter", Brugsch,
Thes. Inscr. Aeg. 4 p. 733, Pierret, Essai p.26,
Lan:one p. 957; nach Cliampollioti, JXoticcs 1,
G82 „Vater der Väter der Götter und der
Göttinnen, Herr des Werdens in sich, Urheber
des Himmels, der Erde, der Unterwelt, des
Wassers und der Berge'1, Pierret, Essai p. 26,
Panth. ig. p. 9, Lanzone p. 957 f., Mattet, Le
eulte de Neit ä Sais p. 203. Zahlreiche der-
artige Chnum als kosmogouische Gottheit
feiernde Inschriften hat Brugsch, Thes. Inscr.
Aeg. 4 p. 625 — 671 besonders aus Esne zu-
sammengestellt. U. a. heifst Chnum in der auf
p. 626 mitgeteilten Inschrift ü, p. 649 „der,
welcher den Himmel gemacht hat, die Erde
Knuphis (bildl. Darstellung) 1256
gegründet, das Wasser hervorkommen liefs,
die Berge geschaffen hat, welcher gemacht
hat, was da ist und entstehen liefs, was sich
zeigt", in Inschrift A auf Seite 651 , p. 652
„der Bildner der Sterne , der Schöpfer der
Götter, das Seiende selber, der ungeborene,
dessen Wesen niemand erkennt, dem niemand
voran steht. Das ist ihr Vater, der ihren Leib
entstehen liefs. Er hat gebaut die Götter und
10 er hat gemodelt die Göttinnen, er hat erschaffen
Mann und Frau, die Vögel, Fische, die wilden
Tiere, die zahme Herde und allerlei Gewürm,
gleichwie er ihr Vater ist. Er schuf sie am
Anfang und sie gingen in ihrer Gesamtheit
aus ihm hervor, denn er ist die Neunheit, die
das All geschaffen hat und was da ist erzeugt
hat. Er hing den Himmel auf, gründete die
Erde, machte da das Wasser und schuf die
grofse Wasserfläche u. s. w." Die Architrav-
20 Inschrift linker Hand über der Facade des
Tempels von Esne (p. 628) sagt von ihm: „Er
hat den Himmel gestützt als ein Dach für
seine Seele, er hat die Tiefe entstehen lassen
um seinen Leib zu verbergen, dieser herliche
Gott Chnum-Rä der Herr von Esne, der grofse
Gott, der Herr der Stadt So^t." Auf der Stele
von Neapel (S. 632) heifst es p. 669 f.: „An-
rufung an den Herrn der Götter Xnuni rä, den
König des Südens und des Nordens, den Ge-
30 bieter der Erde, Sonnenaufgang und Erheller
der Welt, an das rechte Auge, nämlich die
Sonnenscheibe, und an das linke Auge, näm-
lich den Mond, an ihn, dessen Geist der Sonnen-
strahl ist und aus dessen Nase der Lufthauch
hervorkommt, um alles zu beleben."
Über seine Rolle im Totenkult s. v. Siraufs
1 p 367 f. Vgl. auch Deveria, Bull, de la soc.
imp. des antiqiiaires de France 1857 p. 113
und Wiedemann, Bonner Jahrbb. Heft 78, 1884
40 p. 120. Pierret, Le Uwe des worts. Index
analytique s. v. Noum p. 629.
Dargestellt wurde er gewöhnlich als
widderköpfiger Mann mit horizontal nach beiden
Seiten vom Kopfe abstehenden cBocks' -hörnern
([vgl. die Identifieierung des Widder- oder
Bocksgottes Chnum mit dem Allgott Pan der
Orphiker in meinem Aufsatze Flecheisens
Jahrb. 1892 S. 472 ff. B.*)], Lepsius, Ztschr.
f. äg. Spr. 1877 p. 12, Lanzone Tav. 337, 1. 2. 4),
50 worüber sich zuweilen der Krug erhebt, welcher
dazu dient, seinen Namen zu schreiben (Lan-
zone Tav. 337, 3), zuweilen die Krone Atef
(Lanzone Tav. 336,1), zuweilen die Krone, welche
gebildet wird aus einem Binsen bündel mit zwei
Straufsenfedern zur Seite und einem Discus
oben (Bonomi and Arundale PL 5 Fig. 11, Pier-
ret, Panth. e'g. p. 10), oder einem Discus oben
und unten, Lanzone Tav. 336, 3, Brugsch, Bei.
p. 294, Beinisch p. 218 Fig. 26, Lumichen, Gesch.
60 d. alten Ag. p. 32 , Ebers , Cicerone durch das
alte u. neue Ag. 2 p. 319; vgl. die Beschreibung
*) Dafs die beiden Widder- oder Bocksgötter Mendes
und Chnum, in denen die Griechen ihren Pan erblickten,
von den Orphikeru und Stoikern zum AU-Pan gemacht
wurden, habe ich auch in meiner kleinen Abhandlung
über Pan als Allgott, die demnächst in der Festschrift
zu Ehren Juli. Ocerbechs (Leipzig 1S93) erscheinen -wird, zu
erweisen versucht. Vgl. auch ob. Sp. 1251, 20 ff. [Röscher]
1257 Knuphis (bildl. Darstellung)
bei Euseb., Praep. ci>. 3, 11: %ov SnuiovQyov,
ov Kvfjcp of AlyvTtrioi TcqoaayoQSVoveiv, av-
9gamofiäri, xr\v S\ %$oiav ex Yvavov [isXavog
£%ovxu. Y.QUTOVVTU gcovrjv [ich schlage vor zu
lesen 'Qa>r\v, das Zeichen des Lebens änj; oder
on^ -f-, über welches vgl. Wiedemann, Die
Bei. d. a. Äg. p. 157f. und Ebers, Sinnbild-
liches. Die koptische Kunst und ihre Symbole.
Leipzig 1892 p. 8; s. die Abbildungen des
Chnum bei Lanzune Tav. 336, 1. 2. 4. 337, 1. 10 zb itQunxiY.bv xov liouY.og. Darstellungen einer
3. 4] Kai ßYrjnzQOV £tcl Si zrjg Y.£q>ceXijs tcxiqvv
ßaailsLov TitQixsifisvov (s. Fig. 3). Widderköpfig
zusammen mit dem sperberköpfigen Horos zeigt
ihn eine Bronze der griechischen Periode in
Marseille, G. Maspero, Catalogue du muse'e
egyptien de Marseille p. 142 nr. 646: „Hör ä
Ute d'epervier, surmonte du psklient, et Klinou-
mou ä Ute de belier, surmonte'e du disque, sont
assis entre deux uraeus coiffees l'une du diademe
Knuphis (als Schlange) 1258
le col. Le champ est seme d'e'toilcs et de signes ca-
balistiques. Sur le revers, signes cabalistiques."
Mit menschlichem Haupte ist er dargestellt bei
Lanzone Tav. 336, 2, sperberköpfig mit der
Binsenkrone ebenda 336, 4. Sanchuniathon bei
Euseb. Praep. ev. 1, 10 sagt von der Schlange:
0oiiiv.Bg äi avzb aytz&bv daiixova Y.ulovoiv
öfioiag Y.ai Aiyvnzioi Kvrjrp tnovoud^ovoi,
TCQOszi&iaai Si avzä i£Qa%og Y.erpakrjv, v.al äiä
Schlange mit Sperberkopf kommen unter den
ägyptischen Denkmälern vor. Maspero, Guide
du visiteur au muse'e de Boulaq p. 184 nr. 2627
verzeichnet eine Bronze „Uraeus ä tete d'eper-
vier, surmonte du disque solaire", indessen er
erklärt diese Gestalt als „un des genies de l'en-
fer, secourable aux bons, terrible aux mechants",
während er auf Kneph folgendes
Denkmal bezieht: Cat. du musiie
rouge, l'autre du diademe blanc. Un petit 20 ig. de Marseille
Calcaire blanc
14. Tete de ser
joufflu. G'est
voit si souvent
pierres gnostiq
serpent de Knep,
Dieselbe ErkL
rung wie von dei
sperberköpfigen
komme agenouille präsente un plat Charge de
neuf pains qu'il porte ä deux bras sur la tete.
Le tout pose sur un chnpiteau campaniforme."
Eine merkwürdige Bronzestatuette besehreibt
G. Maspero, Catalogue du mnsee egyptien de
Marseille p. 131 nr. 562: .,Kknoumou-pnnthee.
LI a deux Utes; l'une de belier par äevant,
l'autre ä Ute de chacal par derriere. Le pkcülus,
erige vigoureusement, se termine par une petite
tete de belier; une queue d'epervier pend au dos, 30 Schlange triebt
deux serpents s'enroulent aux pieds. Ce joli für Uräen m
personnage bände un arc et seprepare ä de'cocher
une ßeche contre les ennemis de son possesseur.
— Epoque greco-romaine." Dafs Chnum auch
zur Abwehr gegen die schädlichen Einwir-
kungen böser Mächte verwendet wurde, lehrt
die - Anrufung an ihn im Pa.ryrus magique
Harris, Chabas, Melanges e'gyptologiques ser. 3.
2, 1873. Nouv. traduetion du pap. mag Harris
p. 260 PI. 7 ligne 4:
Viens ä moi! viens ä moi!
0 image des millions de millions.'
0 Noum, fils unique,
Congu hier, enfante aujourd'hui!
Celai dont je sais le nom,
Celui qui a soixante-dix-sept yeux,
Celui qui a soixante-dix-sept oreilles,
Löwinnen-
kopf a. a. 0
p. 184 nr. 2628
p. 186 nr. 2652
p 32 f. Pierret
Panth. e'g. be
merkt hinsichtl
der Abbild, eine
40 Schlange mit
Löwenkopf: „L,
fiyure ci-dessus.
agrandissement
d'un amuleUe
Inpis du
Louvre,
re'sume
3) Chnum sperberküpfig (nach Lanzone,
iequation Uiz. di mitol. egiz. tav. 336, 4).
wozu Ckabas die Erklärung giebt: Noum ou gu'ü y a
Clmumis est Ammon-Soleil dans son role de 50 entre le symbolisme des uraeus et celui de
createur de Veau. Ses 77 yeux correspondent
aux 77 clivinites relatees dans l'une des ad-
jurations precalentes ; il est congu le soir et
enfante le matin, par ce qu'il nest autre que
Ea ou le Soleil. Seltsam sind auch die Ge-
stalten zweier Amulette, wenn anders m
ihnen wirklich Chnum zu erkennen sein
sollte: Coli, de M. de Montigny. Pierres gravees.
Paris 1887 p. 44 nr. 576: „Noum ( Chnouphis)
la de'esse leontocephale: les uraeus sevissent
et brulent comme la lumiere dont la deesse
leontocephale personnifie l'ardeur et la force."
Eine solche aufgerichtete , löwenköpfige,
meist mit Strahlen um das Haupt versehene
Schlange findet sich nun mit der Beischrift:
XNOYBIC, XNOYOIC, XNOTMIC u. ä. auf zahl-
reichen s. g. gnostischen Gemmen. Ich habe
Mythol. Beitr. 1 p. 61 ff. Anm. 1 eine grofse
ithypkallique eoiffe de plumes et debout sur un tso Anzahl derselben zusammengestellt. Eine
crocodile. LI a la Ute et les jambes d'un belier,
ses bras sont remplaces par des serpents et
portent, Tun un flambeau, T autre une coiffure
isiaque. Bs. Leg. magique en six lignes, lettres
grecques barbares. Jaspe rouge et noir" und
Coli. A. Raife p. 97 nr. 702: „Jaspe vert. L'eon
Chnoubis, crioce'phale , en gaine, debout sur un
serpent ä deux Utes qu'il lient de chaque mainpar
findet man bei Athanasius Kirckerus, Arith-
mologia sire de dbditis numerorum mysteriis.
Romae 1665. 4°. p. 200 fig. 13; eine andere
bei Fabretti, Lnscr. ant. quae in aedibus
paternis asservantur p. 535. Mehrere bildet
ab Hammer, Mysterium Baphomctis revela-
tum, Mines de TUrient. Tom. 6. Vienne 1818.
2°. PI. 4, 1 — 4. Eine Gemme aus Cumae mit
1259 Knuphis (als löwenköpf. Schlange)
der löwenköpfigen Schlange im Obv. vmd der
Aufschrift XNOYMC oder nach der Abbildung
XNOYMC d. i. wohl XNOYM6 im Rev. wird be-
handelt in der Schrift: „Su la figura e l'iseri-
zione egigiana incise in uno smeraldo antico
lettera di Bernardo Quaranta al . . . Teodoro
Monticüli." Napoli 1826 4°, und der Verfasser
erwähnt (p. 4 Note 1), dafs „infinite gemme di
questa specie si trovano dappertutto e neue pro-
vincie di Napioli cd in quelle della Sicilia".
Eine Gemme aus dem Besitz des Viscount
Strangford (s. Fig. 4) teilt mit B. Wahh,An essay
on cmcient coins, medals, and gems, as ülustrating
the progress of Christianity in the early ages.
London 1828 p. 38—45 Fig. 2. Im British Mu-
seum. A guide to the first and second egyptian
rooms 1874 wird verzeichnet p. 115 G. 17:
„Sard; oval. The lion-headed, radiated serpent
of Chnoumis , with the inscription in Hebrew,
' 1 am Chnoumis, the
cternal Sun'; and in
Greek, 'the ooerthro-
wer of giants or de-
mons ' ; the name Iao
and another Gnostic
words" und p. 116,
G. 260: „Plasma;
oval: radiated lion-
headed snal;e of
Chnoumis , and in-
scription, ' Chnumis,
Nabis, Bitnnous,
ewater for thiri-t,
bread for hunger, fire
for cold' , in Greek."
Von Fiedler , Die
Daktyliothek des Herrn Peter Leven in
Köln, Bonner Jahrbb. Heft 14 1849
p. 22 nr. 35 wird beschrieben : „Schwar-
zer Jaspis, Abraxas-Gemme. Auf der
unteren Seite sieben Sterne, auf der
oberen eine Figur mit drei Gesichtern
und sechs ausgestreckten Armen, welche
Fackeln halten [Hekate], ihr zur Rech- i) Die löwenküpSge
ten erhebt sich der ägyptische Chnuphi Chnuphis-Schiange,
oder die Agathodämonschlange, auf der Chrysopras (nach
linken Seite steht der kleine Harpo- Wam> Ar, esmy on
ancient coins etc.
Harpo -
krates mit dem Füllhorn, den Zeigefinger
der R. an den Mund haltend"; genau
Knuphis (Dekangottheit) 1260
dalle parti di Beggio Tiina ortodossa e l'altra
gnostica. Modena 1852 p. 9, Stephani, Nimbus
und Strahlenkranz p. 88 f. denken an Erzeug-
nisse der Gnostiker. J. Henry Middleton, The
engraved gems of classical times with a cata-
logue of the gems in the Fitzwilliam Museum,
Cambridge 1891 p. XXII nr. 106 sagt über eine
von ihm so beschriebene derartige Gemme:
„Gnostic scarabaeoid on green plasma: on the
10 front the leite Egyptian sun-god Chnubis, repre-
sented as a serpent with lion's head surrounded by
rays of light. On the back is the hieroglyphic
4i- surrounded by the legend XN0VB1C": „Tlie
whole is a common type of Egyptian gern during
the Boman Gnostic period, 3rd and 4m centuries
A. D. The name of tliis deity is written va-
riously as XNOYOII, XNOYMII and KNHH>: he
appears to he a late development of the early
Egyptian deity Chnemu, the World-Creator or
Mouldtr. . . . with
the Gnostics he was
a form ofHor-Apdflo
the Demiurgos or
Spirit lohich pervades
the universe." In
Wirklichkeit ist der
Chnumis dieser Gem-
men nicht der alte
kosmogonische Gott
Chnum, sondern viel-
mehr eine ägyptische
Dekangottheit.
Nach Brugsch , Die
Agyptol. p. 317, 399
und Wiedemann, Die
Bei. d. alt. lg. p. 147
nehmen in der Astronomie der Ägypter
vor Einführung des griechischen Zo-
diacus 36 Dekansternbilder die Stelle
desselben ein. Der ägyptische Monat
zerfiel in drei Reihen von je 10 Tagen
und jeder dieser Reihen stand nach
Pierret, Dict. d'arch. e'g. p. 171 s. v.
Dccons; vgl. Lepsius, Die Chronol. der
Ag. p. 97 ein Dekan vor. Der mensch-
liche Körper zerfiel in 36 Teile und
jedem dieser Teile stand ein Dekan-
sternbild vor, Wiedemann p. 147. Die
Namen der ägyptischen Dekane gingen
PI. 2)
dieselbe Darstellung wird verzeichnet auf einem 50 in die Astrologischen Schriften der Griechen über.
Härnatit der ehemaligen Sammlung des Herrn
Magnan de la Boquette von Lajard, Me'm. sur
un basrelief mithriaque qui a e'te dc'couvert ä
Vienne (Iscre), Mein, de l'Ac. des Inscr. et B.-J^.
tome 15, 2e partie 1845 p. 256 Note 1. Häufig
erscheint diese löwenköpfige Schlange auch auf
den oben 2 Sp. 465 ff. besprochenen Gemmen
mit der Aufschrift OPCOPIOY0; über das Vor-
kommen der Schlange mit Strahlenkranz oder
Nimbus und angeblichem Löwenhaupt auf den 60 classica
Münzen niedermösischer und thrakischer Städte
s. Drexler, Myth. Beitr. 1 p. 61 ff. — Jablonski,
Panth. Aeg. Lib. 1 c. 4 p. 89 sah in den in Rede
stehenden Gemmen Denkmäler der Gnostiker
und meinte, unter der Schlange sei Christus
zu verstehen. Auch Lcemans zu Horapollo
Hierogl. 1, 64 p 293, Quaranta, Cavedoni, Dichi-
arazione di due antiche gemme incise provenienti
Begonnen vom Zeichen des Widders als der xt-
qietlr) xov noofiov finden sie sich bei Hephästion
von Hieben tcsqi xccTaQxäv, dessen Text vor
kurzem von A. Engelbrecht, Hephästion von
Theben u. sein astrolog. Compendium. Wien 1887
p.63ff. herausgegeben ist, nachdem schon Sal-
masius, De annis climactericis gelegentlich Aus-
züge daraus gegeben hatte, sowie in dem von
Pitra im 5. Bande seiner Analecta Sacra et
spicilegio Solesmensi parata Abt. 2
p. 284 ff. edierten s. g. heiligen Buche des
Hermes an Asklepios zu je drei an die 12 Zeichen
des Zodiacus verteilt. Nach Hephästion p. 52
sind die 3 Dekane des viertenTierkreis-Zeichens,
des Krebses: aw&ig ö jrprärog, alz 6 ösvt^qos,
jji'ODfüs b xqhog, die 3 Dekane des fünften
Zeichens, des Löwen (p. 54): xag%vovyig b ngw-
tos, 'r\nr] b dsvTtgog , tpavnr] b rgizog; nach
1261 Knuphis (Dekangottheit) Knuphis (Dekangottheit) 1262
Psciido- Hermes p. 287 ist dem entsprechend der iioqlov, onsg ftg Kagöiav Kai xd ntgl avxf]v
10. Dekan Zco&sig, der 11. Ovcptei'x (im Vien- Kaxavotixai, i'axiv oinog 'HXCov . . ., p. 54: of öl
nensis OvögiaCx), der 12. Xvovcp (Vienn. Kvov- öty.avol avxov rofiV x^Ql^ovgig 4 JipräTOg, jj7r*j
ipoß), der 13. .Yvo?|ttog (Vienn. Xvovjii'zrjg , am ö (JftiTffJog, cpovTirj b xgt'zog' ö ysvvcofisvog ovv
Rand Xvovp.ntis), der 14. 'tili, der 15. cpdxixi. siel xov ngcoxov vnb byXav öogvcpoguzai Kai
Die Namen des Doppeldekans Kvovjie und aKovo9rjoixai yal saxai ö^vg y.ui dyaxacpgb-
itgaKvovfi lesen wir auf einem ägyptischen vr]xog, ivsQyszäv xoiig vnoxuOGOfhivovg Kai tzoX-
in griechischer Sprache abgefafsten Horoskop, Xovg OKsndasi yal Kxrjaezai, svsTzt'tpoyog öl äid
welches Goodiciu in Cliabas' Mclanges e'gyp- yvvaiw xd öl ongtia at>Toü «'firjjtfjg xi\v r(Xi-
tologiqucs Ser. 2 1864 p. 294 — 306 mit- 10 niav, xd ngbacanov chgalog, igv&gög, oi 6cp9aX-
geteilt hat, p. 303 — 304, PI. 3 1. 35. XPA- fioi gtydXoi, svgivog, ai yv^cvai Xsxtxai, nbvog
XNOTBIC finden wir auf einer Gemme bei Raspe l'axai ntgl xr\v noöa y.al innv8vu.dzcoaig avxco
nr. 556, Kopp, Palaeogr. crit. 3 p. 257 § 213, iezaf oi öl zov &iov KXifiay.xrjgzg i'xog a\ icc ,
p. 387 § 330. In den ägyptischen Denkmälern v.y' , Xß', fis', vi,', %&', oß' , od', nn' ' ; und durch
entsprechen den 6 erwähnten Dekannamen die Pseudo - Hermes p. 287: JcnöiKazog ötKavog.
6 Namen, welche Lepsius , Chronol. p. 71 Ovzog bvoga i%£i Xvovcp, uogcprjv öl -regbeconov
(wonach E. de "Rouge , Rev. arch. 6 1849/50 Sv&v yvvaiycav dnoozgafinivcov dXXrjXcar, cov xb
p. 533) liest: Suti; Sit; Knemnt und Knem; 'iv itsgiy.n'utvov ziiXiov , xb öl äXXo ßaaiXeiov.
Cher-Knemut und Cher-Knem; He-tet; Pehu- 'Ecp' ivbg rgaxrjXov ntgißißXrixai öl Kai ögd-
tet; Brugsch, Thes. Inscr. Aeg. Abt. 1. Astron. 20 «ojrfg, xb öl oXov iazlv ozrj&agbv, inl ßdehcag
u. astrol. Inschriften der altüg. Denkmäler. iniKeifiEvov. Kvgitvu öl xov cnXrjvbg. rXvipov
Leipzig 1883 4° p. 156 (nach jüngeren ägyp- ovv xovxov iv Xifrqt ä%ccxr] xou vitofrElg ßoxdvrjv
tischen Listen): sopdet oder sati; s'eta, set, Sit; ccpatgiziv, KazayXfieov iv co ßovXti, y.al cpögti
knum; jjar-knurn; hä-t'et; Brugsch, Die Ägyp- ixay.dgtov ßorftrjtiu. Tgieöiv.azog ösyavbg, Xiov-
tologie p. 340: Sopde oder Sot'i; Sit; Knum; tos ngäxog. Ovxog bvoua £%£i Xvoiniog, fiogqprjv
Har-Knum; Hec-det; Phu-det. In älteren Dekan- öi Xiovxongbaconov , &y.xivag i'xmv riXiaxäg, xb
listen steht an Stelle des Sternbildes sit, se&u, o'e oXov axöfia bcpiwg Tivgosidovg, ava dia-
siöhi („die Schildkröte, die beiden Schildkröten") zizgafiiitvov. Kvgitvei 8h xäv ytvofiivoiv -na-
der Dekan Tpä Kenmut, Brugsch, Thes. Inscr. &äv ntgl xr\v %agbiav. rXvipov ovv xovxov iv
Aeg. 1 p 113, 155, 172; und Knum und jjar- 30 Xifro) d%dxv, %al vno&ilg ßoxdvrjv XzovxoTtbdrjv,
knum führen in ihnen den Namen Kenmut v.axav.Xiioov iv 10 ßovXet, yal cpbgit, d7i£%6u.tvog
und ^r-^pd-kenmut; auch lassen zwei dieser ihäv 6xgov%äv. Deutlich wird hier Xvovfiog
älteren Listen %x - ^pd - kenmut vor Kenmut genau entsprechend der Gestalt der zahl-
vorangehen, Brugsch, Thes. Inscr. Aeg. 1 p. 155. reichen Gemmen mit Chnubis-Darstellungen
Tpä bedeutet nach Brugsch: „Kopf, Spitze, beschrieben. Ea kann demnach kein Zweifel
oberster Teil, im Gegensatz zu dem ^er-^ep-ir sein, dafs dieselben nicht als Denkmäler
genannten Körperteil, wahrscheinlich die Nabel- gnostischer Sekten, sondern einfach als (heid-
gegend des Bauches bezeichnend", Brugsch nische) Amulette anzusehen sind. Aufserdem
a. a. O. p. 153. Offenbar bildeten ursprünglich nennt Celsus bei Origenes 8 p. 416 unter den
Tpä Kenmut, ^r-jjpd-kennmt und Kenmut zu- 40 Vorstehern der 36 Teile des Körpers, welche
sammen ein Sternbild, Brugsch a. a. O. Von den den ihnen untergeordneten Körperteil auf An-
Dekanen xvovfiig und y_agyvov\iig(IIepliästion)= rufung hin heilen, den xvov\t'riv un[l Xva~
Xvovcp und Xj'o-i'fios (Pseudo-Hermes) erfahren xvovilrlvi worin wir sofort die beiden Dekan-
wir nun durch Hephästion in dem Kapitel namen xvovu.ig und x<xQ%vovLLig wiedererkennen.
xtigl xr/g xäv ScoSiy.az7]u.ogi'cov övouaai'ag xs Kai Ahnlich wie unter dem Namen des Hermes
äwäfiicos p. 52 folgendes: Tb Öl xov Kag- ging unter dem eines ägyptischen Königs Ne-
yivov öüiSiyaxrjtibgiov, b iig oxij&og y.al nXtv- chepso eine Schrift über die Einflüsse der De-
gdg [sc. xov v.6ojiov] 7zaQaXau.ßävsxai, i'axiv kane auf die Krankheiten des Körpers, Fir-
oiv.og ZtXrjvris . . . oi äl xgtlg aijrotj öinavol micus Mat. 1. 4 c. 16, E. Riefs, Nechepsonis et
oco&lg 6 ngäxog, rix b Sivxigog, xrovcitg ö xgt- 50 Petosiridis fragmenta , Philologus Suppltbd. 6
tos, und von dem unter xvovtlt's geborenen p. 379, 28: Sic et Necepso, Aegypti iustissimus
p. 53 b S\ inl xov xgi'xov [sc. Smavov~\ yivvca- imperator, optimus quoque astronomus per ipsos
fisvog i'axai cpgoviiiog v.al xgacprjGtxai dy tvvcog decanos omnia vitia valetudines collegit , osten-
y.al Siaßxr]ozi xovg yoviig &avdxcp v.al fizicößsi dens , quam valetudinem quis decanus efficeret,
xd Ttaxgcjia v.al toxca cptXöcpiXog y.al ya%o-jta&r]asi quia una natura ab alia vincitur unusque deus
inl zrjg vsoxrjxog. iv 8h xoig v.axd ywainag ab altera Aus dieser Schrift erwähnt Galenus
tpoyovg i'E,£i Kai iv axgaxicaxiKfj 7tgd^si dia'Qr^asi nsgl zr/g xäv dnXäv cpagfidncov Kgdasmg 1. 10,
yal XT/ipsi aiörjgov ntigav Kai ioxdxov dya&ov 18, tom. 12 p. 207 ed. Kühn. Riefs a. a. O. 29
xEv'gsxav xd Öl erjfiiiu avzov uinrj tßixCa, das uns beschäftigende Amulett: 'Evxi&iaoi öl
svxgacprig, Xinagög, £av&bg, XivKog, al ocpgvig 6u Kai öav.xvXico avzbv [sc. zbv 10:07111'] s'vioi y.al
[ifydXai , zd axrjirr] irXaxia, Ttgoydaxwg Sarai, yXvcpovaiv iv avxm xov xdg dxxtvag i'xovza
Ttovovg i^Bi Trzgl zd G7iXdy%va ' slal öl of kXl- ögaKovxa , y.a&dne g Kai 0 ßaotXtvg iVf^f tycog
[laKzrjgeg frag ö\ £', iß', kö' , Xy' , (i&', |y', i'ygaipsv iv xfj xiaBagioy.atÖEKaxrj ßißXca; ebenso
I81', oß', 7ES-. fir) Xav&uvizco öl, mg slKozwg Aetius Tetrab. 1 serm. 2 c. 36: quidam annulis
s(g cpvXaKxr]giov xov ßxoudxov nagaöixovxai iaspidem viridem includunt et draconem radios
xov %vovjilv 01g Kvgiov bvxa xov axij&ovg zov liabentem in ipsa sculpunt ex praeeepto Necepsi
jtöfffioti, mc9-d)s 'r\ öiai'grjdig zcov £cp<)t'a>v itegi- regis, qui prosit ventriculo. Auch Marcellus 20,
i%ti; und p. 53: Tb öl zov Aiovzog öcoÖEyaxq- 98, Ric. Heim, De rebus magicis Marctlli me-
1263 Knuphis (als Amulett) Kobis 1264
dici in Schedae philologae Hermanno Usener a cisme PL 2 B Fig. 2 zeigt auf der einen Seite
sodalibus seminarii regit Bonnensis oblatae. das Bild des Käfers mit der Umschrift ©CO
Bonn 1891 p. 125 kennt dieses Amulett: Ad XNOY<t>l, auf der anderen die löwenköpfige
stomachi dolorem remedium physicum sie: in Schlange mit Strahlenkranz, umgeben von
iaspide exculpe draconem radiatum, ut hibeut 7 Sternen. Ferner, unendlich häufig tritt auf
septem retdios et Claude auro et utere in collo. den Chnubisgemmen ein Zeichen auf, welches
Die Aufschriften verschie Jener Gemmen mit der man mit 3 lateinischen S, die von einer
löwenköpfigen Schlange (wie <t>YAAZON YTEIH Linie in der Mitte geschnitten werden — trois
CTOMAXON TTPOKAOY; rEirANTOTTAIKTA • S barres nennen es Fröhner, Coli de Montigny,
BAPO'YHA ■ COPI ■ OPMO ATTAAAEON TO TTEP1- 10 Pierres grave'es. Paris 1887 p. 42 nr. 565, p. 43
TO • CTOMAXON -TTA0OC- [TOY-TTACXONTOC, nr. 568. 571, p. 44 nr. 577 und Chabouillet, Descr.
Drexler, My'h. Btitr. 1 p. 64 Anm.l zu p. 61) be- des antiquite's et objets d'art composant le cab. de
stätigen die Angaben der Autoren über die medi- M. Louis Foidd. Paris 1861 2° p. 53 nr. 1120 —
zinische Kraft, welche man diesem Amulett bei- vergleichen kann (s. Fig. 4). Bio. Heim, In-
legte. Auch die Aufschriften rEIPANTOTTAIKTA, cantamenta magica Graeca Latina p. 480Aum. 3,
nrANTOPHKTA,nrANTOA£TIPA verschiedener welcher dieses Zeichen in der Beschreibung
dieser Steine erklären sich leicht, wenn wir des Marcellus 24, 7: in lapide" iaspide Phrygia
uns erinnern an den nicht auf Ägypten (Ebers, aerizusa si nota infra scripta insculpta fuerit
Ztsclir. f. äg. Spr. 1873 p. 45, Maspero, Gesch. id est 555 , et collo dolentis latus fuerit sus-
d. morgenländ. Völker im Altertum p. 81) be- 20 pensus, mire proderit erkennt, schreibt es den
schränkten, sondern über die ganze Welt ver- Gnostikern zu. Dies ist weiter nichts als
breiteten Aberglauben, welcher die Krankheiten eine den Ägyptern entlehnte Darstellung des
den Einflüssen böser Dämonen zuschreibt; vgl. Chnubis. In Edfu und Dendera ist die De-
z. B. Sic. Heim, Incantamenta magica Graeca kadengottheit Knum dargestellt als eine auf-
Latina. Lipsiae 1892 [= Jalirbb. f. hl. Phil. recht stehende Schlange, welche von 3 wago-
Suppltbd. 19 p. 465 — 492] p. 476 ff. Evoca- recht liegenden Schlangen geschnitten wird,
tiones morborum. Sorlin Dorigny , Phylactere Brugsch, Tltes. Inscr. Aeg. 1 p. 18 nr. 1, p. 24
alexandrin contre les epistaxis, Ecvue des e'tudes nr. 1. Letronne, Oeuvres choisies. 2e ser. tom. 2
greeques 4, 1891 p. 2S7 — 296, bes. p. 295 und PL 2. Offenbar auf ägyptische Einflüsse geht
Schlumberger, Amulettes byzantins andern desti- 30 auch die Wahl der Steine, auf welche die
' ne's ä combattre les malefices et maladies, Bev. Dekane zu gravieren sind, zurück. Von Pscudo-
des e'tud. gr. 5, 1892 p. 73—93, bes. p. 74 (der Hermes wird genau bei jedem Dekan die
Krankheitidämon als niedergestreckte Frau Steinart für das anzufertigende Amulett an-
dargestellt). V. Fossel, Volksmedicin und gegeben. In Dendera werden den einzelnen
medizinischer Aberglaube in Steiermark 2. Aufl. Dekaden bestimmte Metall- und Mineralien-
Graz 1886 p. 9. M. Hoefler , Volksmedicin u. namen beigeschrieben, Brugieh, Thes. Inscr.
Aberglaube in Oberbayerns Gegenwart u. Ver- Aeg. 1 p. 17 ff. Für die Dekade Knum ist es
gangenheit. München 1888 p. lf. Grimm, das Mineral hemag, was Brugsch p. 24 und
Deutsche Mythol. 24 p. 965 ff. Mannhardt, Her Lepsius, Metalle p. 57 Anm. 3 mit roter Jaspis
BaumkuUus der Germanen , Register p. 632 40 übersetzen, während Frederick C. H. Wendel,
s. v. Krankheiten. Kuhn, Indische u. germa- Über die in altägyptischen Texten erwähnten
nische Segenssprüche, Zeitschr. f. vergl. Sprach- Bau- und Edelsteine. Leipzig 1888 p. 107
forschung 13 p. 72, p. 118 ff. Fr. S. Kraufs, — 109 darin lieber den Amethyst erkennen
Volksglaube u. relig. Brauch der Südslaven möchte. Grünen Jaspis fordert Kechepso, Jaspis
p. 39, 41. H. v. Wlislocki, Aus dem inneren ohne nähere Bezeichnung der Farbe Marcellus,
Lebender Zigeuner. Berlin 1892 p.4ff.. Bastian, Achat Pseudo-Hermesfür das Chnubis-Amulett.
Völkerstämme am Brahmaputra p.73. Bastian, Vgl. Kamephis. [Drexler.]
Die Völker des östl. Asiens 2 p. 103, 418; 3 Koalemos (KoäXsfios), der Gott der Dumm-
p. 269 ff. B. Hagen, Beiträge zur Kenntnis heit, Aristoph. equ. 221; s. Kock z. d. St.
der Battareligion, Tijdschrift voor indische 50 [Höfer.]
taal-, land- en volkenkunde Bd. 28 p. 531. KoßaXoi , ungestaltete, neckische und
541. J. Wellhausen, Skizzen u. Vorarbeiten possenhafte Kobolde oder Dämonen aus der
Heft 3. Beste arabisch. Heidentums p. 140; 143 späteren bakchischen Schar, zu der Gattung
Anm. 3. 11". Schneider, Die Bcligion ä. afrik. der Satyrn gehörig, Harpokrat. s. v. Schol.
Naturvölker p. 116. 125. 131 ff. 137 f. 145. 148 f. Aristoph. Plut. 279. Natal. Com. Myth. 5, 13
158ff. 234. Tylor, Die Anfänge der Kultur p. 485. Lobeck, De Cob. .et Cercop. 1S20.
Sachregister 2 p. 459 s. v. Dämonen, p. 464 Aglaoph. 2, 1296. 1308 — 1329. Preller, Griech.
s. v. Krankheit. Pettigrew, On superstitions Myth. 1, 600, 1. Vgl. Kerkopen. [StolL]
connected ivith tlie history and praetice «f medi- Kobis (Äcößig), Sohn des Kyknos, samt
eine and surgery. London 1854 p. 65 u. a. m. 60 seinem Bruder Korianos und seiner Schwester
Manche Einzelheiten dieser Gemmen er- Glauke von den Griechen als Geisel mitgeführt;
klären sich durch Vergleichung mit den ägyp- Dictys 2, 13. Bei Joh. Malal. p. 125 werden
tischen Denkmälern. Beispielsweise wird das als Kinder des Kyknos Kcoßng, Kov.aQxog,
Zodiakalzeichen des Krebses bei den Ägyptern D.avnrj genannt; vgl. Deelerieh, Dictys p. 408;
durch das Bild eines Käfers ausgedrückt, nach Tzetz. proleg. alleg. Iliad. 876 heifsen
Brugsch, Die Ägyptologie p. 346. Xvov\ii<i ist sie Kapos nnd Käxctgrog und werden von
nach Hephästion der 3. Dekan des Krebses. Diomedes getötet; ihre Schwester Glauke
Eine Gemme bei Matter, Hist. crit. du gnosti- heilst nach Tzetz. a. a. O. auch Laodike. [Höfer.]
1265
Kodone
Koiranos
1266
. Kodone (KxoSävn), 1) Arkaderin, Tochter des
Aineias, Schwester der Anthemüne, Agathyllos
b. IHonys. A. JS. 1, 49. [Robert, Arch. Ztg.
37, 24 f. R.] — 2) Eine Mänade, Norm. Dio'ii.
30, 213. [Stoll.|
Kodros (Köägog), Sohn des Melanthos
(Pausan. 7, 25, 2), der letzte König von
Athen, Vater des Androklos, des Gründers von
Epbesos, Pherekyd. b. Strab. 14, 632, des Neleus,
des Gründers von Milet, Herod. 9,97. Aelian. v.
hist. 8, 5. Hellem, b. Harpocr. s. v. 'Eqv&qccioi,
des Nauklos, Strab. 14, 633, des Kydrelos,
Strabo a. a. 0. und des Knopos, Strabo a. a. 0.
Der Ort, wo er von den Peloponnesiern ge-
tötet worden war, wurde noch später gezeigt,
Pausan. 1, 19, 5. [Vgl. auch die das Heilig-
tum des Kodros, des Neleus und der Basile
betreffende Inschrift v. J. 418 v. Chr., die
Kumanudis in der 'Ecprjfi. veröffentlicht hat:
Arch. Ztg. 1885 S. 162 f. E. Curtius, Sitsqsber.
d. Beil. Ak. 1885 S. 437 ff. Röscher.] Seine
Statue wird bei Pausan. 10, 10, 1 erwähnt. Eine
Grabinschrift auf Kodros s. in der Arch. Ztu. 24
1866 S. 183*. Eaibel 1083, eine Weihinschritt
auf einer Granitschale Arcli. Ztg. 4 S. 246.
[Vgl. auch die schöne Abbildung auf der
Kodrosschale in Bologna Baumeister, Derikm.
nr. 2148 p. 1999. Höfer.] [Weiteres über
Kodros, namentlich über daB Sagenhafte in
seiner Geschichte, bei Busolt, Griecli. Gesch. 1
S. 72, 3 u. S. 400 f. S. auch Tupfer, AU. Gen.
229 ff. Wüamowitz, Aus Kydathen 99. Röscher.]
[E. Braun, Die Schale des Kodros. Gotha
1843. 2". Drexler.] [Lorentz.]
Kogamis, Flufsgott, kenntlich gemacht
durch die Beischrift KOrAMIC, auf einer auto-
nomen Münze von Philadelpheia Lydiae, Loeb-
becke, Zeitschr. f. Nvm. 15 1887 p. 48 [Drexler.]
Koia (Koia), Amazone, Steph. Byz. v. @t-
ßalg; vgl. Kynua. [Klügmann.]
Koiautis (Koiavxig) , d. i. Tochter des Koios,
heifst Leto Orpli. hymn. 34 (35), 2. Schal.
Kallim. hymn. 4, 50; sie wird auch genannt
Koie'is (Koim'g) Kallim. hymn. 4, 150 und
schol. oder Koiogenes (KoioyivTqg); Pindar bei
Strabo 10,485 = frgm. 88 (58), 2. [Höfer.]
Koiuia (Koivia), Amazone, Steph. Byz. v.
Gißatg; vgl. Kynna. [Klügmann.]
Koinos Theos (Koivbg ■9-sos), eine Inschrift
aus Gasr Mezuar in Xordafrika ist dem Km-
vw ©fco geweiht, Ephem. epigr. 5 (1884), 463;
vgl. den »oi»os ■frsös LTargcoos 'Anöllav in
Rhodiapolis, Petersen-Luschan, Reisen in Ly-
kien, Milyns und Kibyratis p. 103 nr. 2 B;
p. 104 nr. 3 F. Thanatos heifst v.oivbg d'aipcov
G. I. G. 3, 4137 ; zu xoivog '-Epfiijs s. Bd. 1
Sp. 2381 Z. 20 ff. und Arist. rhet. 2, 26. Diod.
Sic. 5, 75 Lukian. nav. 12. Plut. philos. cum
princ. 2. [Höfer.]
Koiogeues (geneia) = Koiantis (s. d.).
Koios (Koiog, lat. Coeus), Sohn desUranos und
der Gaia, einer der Titanen, zeugte mit Phoibe
die Leto und Aateria, Hes. Theog. 134. 404 ff.
Apollod. 1, 1, 8. Diod. 6, 66. 67. Orph. fr. 8,
26 (Lob. Agl. 1, 505). Ilyg. praef. p. 29 Bunte.
Schot LI. 14, 274. Tzetz. L 1175. Paus. 4,
33, 6. Korn. E. in Ap. Del. 62. Ap. Bh. 2,
710. Od. Mit. 6, 185. Unter den Giganten wird er
aufgeführt Hyg. praef. p. 27 B. Verg. Ge. 1, 279.
Aen. 4, 179 u. Sero. z. d. St. Sero. V. Aen. 10, 565.
Propert. 2 , 1 , 39. Über Ableitung und Be-
deutung des Wortes sind die Meinungen sehr
verschieden: Comut. c. 17 p. 176 Gale (noio-
tjjs), s. ebend. Osann p. 294. Et. M. s. v. (tcoi-
otjjs od. v. Hotiv = vosiv). Meinelle, Anal.
Alex. p. 121 (v.oäv = fieSsLv). G. Hermann,
io De theol. Gr. ant. p. 174 ff. (Turbulus v. xeAb),
später de Apoll, et Dian. Opusc. 7 p. 297
(Conglobator, «f'ra, %tie&ai, xota). Schoemanv ,
Ojmsc. Ac. 2, 101 ff. (xatra). Ebenso Welcher,
Griech. Götkrl. 1, 278 ff. Müller, Dor. 1, 310.
Lauer, System 159. 249. Preller, Gr. Myth.
1, 41, 1 (-naiai od. Koilog = coelimi). Stoll,
Antimach. fr. 83 p. 91 und Pott, Zeitschr. f.
tergl. Spr. 5, 299. Stud. z. gr. Myth, in Jahrb.
f. klass. Phil. 1859 Suppl. p. 323 f. (xoCXog).
•M Braun, Gr. Götterl. § 219 . (vgl. Athen. 10,
455 d). Gerhard, Gr. M. 1 § 196 („Besänftiger").
[Stoll.] — K. ist einer der Titanen in der von
Hesiocl. Theog. 134 zusammengestellten Familie,
welche keine Beziehung zum Titanenkampf hat
— mit Ausnahme des Kronos — und zum Teil
alte Götternamen verwertet.' Jvoios steht an
der Spitze, wie es scheint als Ältester ; er er-
zeugt (v. 404) mit seiner Schwester Phoibe die
Leto und Asterie. Anderwärts scheint er mit
so Kynnes zusammen ein Bruderpaar gebildet zu
haben; s. unter Kynnes. In den Namen der
kleinen peloponneBischen Nachbarflüsse Koios
und Elektra müssen wir, wie in dem achäischen
Krios, die der Titanen wiedererkennen; Elektra
ist Tochter des Atlas. Koios kommt später
auch als Mannesname in Elis vor. Zur Er-
klärung des Namens erfanden die alten Gramma-
tiker (Etym. M. 523 , 50) ein Verbum notiv,
welches soviel wie voi iv sein sollte. Etwas ge-
•10 schickter versuchten Andere es mit einem
Äolismus und dachten an noiog als die Qualität.
Auf den richtigen Weg leitet die antike Er-
klärung des clttai, Xsyoacvov Kola als ecpctigct
und die Übersetzung Polus, welche die La-
teiner von Koios geben. Dies führt auf -noiXog,
coelum vermittelt durch *xotj-og und Iuno
Covella, welche letztere wie Iuno Coelestis
als die Himmlische zu verstehen sein wird,
wenn auch immerhin als Mondgöttin (Preller-
ei) Jordan, Rom. Myth. 1, 272), doch gewifs nicht
von der „ausgehöhlten" Form des Halbmondes.
In Rhodos gab es neben der Elektra-Alektrona
auch eine Artemis iv Ks-noia und Ker.oia (s. d.),
gebildet wie 'A-Ka-ndXXig; manche der Alten
brachten auch Kos damit zusammen. „Das
Nähere b. Mayer, Gig. u. Tit. S. 57-62. Über
die Personifikationen und Träger des Himmels-
gewölbes s. das. S. 87-90. [Maxim. Mayer.]
Koiranos (KoiQavog), 1) Sohn des Äbas,
co Enkel des Melampus, Vater des Polyidos,
Apollod. 3, 3, 1. Paus. 1, 43, 5. Pind. Ol.
13, 75. Soph. fr. 358 Kauck. Tzetz. L. 811.
Hyg. f. 128. 136. 251. — Pherekyd. b. Schol. II.
13, 663 giebt folgende Geschlechtsfolge: Me-
hvnrpus, Mantios, Kleitos, Koiranos, Polyidos.
- 2) Sohn des Polyidos, Vater des Euehenor,
Paus. 1, 43, 5. — 3) Wagenlenker des Meri-
ones, aus Lyktos in Kreta, vor Troja von
1267
Koiron
Kolchis
1268
Hektor getötet, II. 17, 611. — 4) Lykier, vor
Troja von Odysseus getötet, II. 5, 677. Tzetz.
Hom. 97; Sohn des Hippasos, Genosse des
Sarpedon, Ov. Met. 13, 257. — 5) Ein Milesier,
kaufte von Fischern einen gefangenen Del-
phin und liefs ihn wieder ins Wasser. Als er
später bei Mykonos Schiffbruch litt und alle
umkamen, wurde er allein von einem Delphin
gerettet, und als er hochbetagt zu Milet ge-
storben war und der Leichenzug in der Nähe
des Hafens vorbeikam, erschien eine Menge
Delphine im Hafen und nahm gleichsam teil
an der Bestattung, Athen. 13, 606 e. Ael. de
nat. an. 8, 3. Plut. de sollert. anim. p. 985 a. —
[6) KoiQctvoe findet sich nicht selten als Bei-
name von Göttern, so des Bolmarkoth C.
I. G. 3, 4536. Kaibel epigr. 835 (vgl. Bd. 1
Sp. 749), des Hades C. I. G. 3, 6201; des
Osiris (v-oioavog a&avdrwv) C. I. G. 2, 3724;
des Thanatos (y.oiQavog Scciiiovcov) Eur. All'.
1140; des Asklepios (y.oiqccvos laäv) C. I. G.
1, 511 = 0. I. A. 3, 171; der M u s e n - Orph.
in scJiol. Apoll. Bhod. 3, 1; auch für Isis
wollte Reinach, Revue critique 1887, 2 p. 13
den Beinamen Koigavog in Ansprach nehmen;
dagegen aber Homolle, Bull, de corr. hell. 15
(1891) 626. Höfer.] [Stoll.]
Koiron (Koi'gav), Sohn des Triptolemos,
Bruder des Krokon (s. d.), Bekker An. 273, 7;
nach ihm war das athenische Geschlecht der
Koigant'ätxi (bei Suidas Kvgcovidcti) benannt,
Lykurg, bei Sarpökrat. ; vgl. jedoch Ruhnken,
Bist, crit. orat. Graec. 339 f. ed. Friedemann.
[Genaueres b. Topffer, Att. Geneal. 104ff.
Röscher.] [Böfer.]
Koitos (Koirog). Beiname des Apollon, oti
crciQfioyovog ö ijXiog ycsl cvvovaiag ahiog, cog
v.ul gcooyövos Isysrai, Tzetz. Lykophr. 426.
[Höfer.]
Kokalos (KmYalog) , König der Sikaner in
der sicilischen Stadt Kamikos, der späteren
Burg von Agrigent, welche ihm Daidalos zu
einer uneinnehmbaren Feste machte. Dai-
dalos hatte, nachdem er dem Minos ent-
flohen, bei ihm Aufnahme und Schutz ge-
funden, und als Minos mit Heeresmacht kam
und die Auslieferung desselben forderte, wurde
er von Kokalos oder seinen Töchtern im Bade
durch heifses Wasser getötet, Diod. 4, 76. 78.
79. 5, 78. Herodot 7, 170. Paus. 1, 21. 6. 7,
4, 5. Sträb. 6, 273. 279. Kallimach. u. Philo-
steph. b. Schal. IL 2, 145. Ephor. u. Philist.
b. Theon Progymn. p. 16 Seins. Konon 25.
Schol. Find. Nem. 4, 95. Hyg. f. 40. 44.
Athen. 1, 10 e. Ov. Met. 8, 261. Steph. Byz. v.
KctjUKog. Welcher, Gr. Tr. 1, 431. Nach
Eustath. 1817, 40 soll auch Daidalos durch
die Töchter des Kokalos umgekommen sein,
Preller, Gr. Myth. 2, 122. [Stoll.]
Kokarkos (-artos) s. Kobis.
Kokkoka (Ko-ay.ioy.ci) , Beiname der Artemis
im Haine Alias bei Olympia, Pausan. 5, 5, 4
(vgl. Lobeck, Path. serm. gr. prol. p. 323).
[Lorentz.]
Kokytos (KcoYvrög), bei Homer nur an einer
Stelle späteren Ursprungs (Od. 10, 513) als
Flufs der Unterwelt erwähnt, der, ein Aus-
flufs der Styx, zugleich mit Pyriphlegethon in
den Acheron sich ergiefst, JS'itzsch, Anm. &.
Odyss. 3 p. 156 ff. Bei Verg. Aen. 6, 296
flieist der Acheron in den Kokytos, einen lang-
sam fliefsenden sumpfigen Strom (Verg. Ge.
4, 478. Borat. Carm. 2, 14, 18), der, die Unter-
welt umfliefsend, mit ihm den stygischen See
bildet, Aen. 6, 134. 323; vgl. Lukian. de
luclu 3. Sein Name bezeichnet ihn als den
Flufs des Weinens und Klagens (y.coy-vsiv),
io Cornut. c. 35 p. 235 Gate. Suid. v. Krjg. Et.
M. v. Kcoy.vTog; Tsetz. L. 705. Schol. Od. 10,
514. Eustath. p. 1667, 40. Er nimmt die
Toten auf zur Qual. Während der Pyriphlege-
thon als norcifiög &£q[i6tcczos durch seine Hitze
die Sünder quält, thut dies Kokytos als tcot.
ipvxQÖrciTog durch seine Kälte, Suid. v. 'Hlv-
aov TtzSi'ov; vgl. Plat. Phaedon 113 c ff. Lehrs,
Popul. Aufs. 308 f. Wie Acheron und Styx
bezeichnet er überhaupt die Unterwelt, Eurip.
20 Ale. 458. Eoraz. a. a.O. Kokytos war ein Neben-
flufs des Acheron im Lande der Thesproter,
und manche nehmen an , dafs er mit diesem
in die Unterwelt verlegt worden sei, s. Ache-
ron und Paus. 1, 17, 5. [Stoll.]
Kolainis (Kolcavig) , Beiname der Artemis
in Myrrhinus in Attika, Paus. 1, 31, 5. Aristoph.
av. 873 und schol.; ihr Bild: Paus. 1, 31, 4;
sie ist benannt nach Kolainos (Paus. 1, 31, 5.
Besych.), dem Sohne des Heimes, der ihr infolge
so Orakelspruches ein Heiligtum errichtete, Bei-
lanikos und Phanoclemos im schol. Arist. a. a. O.
Nach Euphronios ebendas. wurde sie in Ama-
rynthos verehrt und hatte ihren Namen davon,
dafs ihr hier Agamemnon einen Widder ohne
Hörner (y.qwv y.6Xov) opferte. Bei Theognost.
in Gram, aneed. Oxon. 2, 66, 30 heifst sie Ko-
laivCa und ist ebenfalls nach Kolainos be-
nannt. Auch inschriftlich ist die A. Kolainis
bezeugt C. I. A. 3, 360 p. 87; ebenda 2, 575 ein
40 hghv 'Agzifiiäog KoXcavi'dog; ebenda 216: z/e'ij-
Ttoiva "Agzifii Kolaivi. Die von E. Curtius,
Sitzungsber. d. X. Preufs. Ak. d. Wiss. 1887
p. 1168 erwähnte A. KolaivCg, die sich G. I.A.
2, 571 finden soll, existiert nicht. [Vgl. auch
Tüpff'er, Att. Geneal. S. 217, der Kolainos mit
Kelainos, Vater des Kaukon, identificiert. R.]
Vgl. auch Kolainos. [Höfer.]
Kolainos (KoXanog), ein alter König in
Attika, der noch vor Kekrops herrschte, ein
50 Abkömmling des Hermes, soll in dem attischen
Demos Myrrhinus einen Tempel der Artemis
Kolainis gegründet haben, Paus. 1, 31, 3.
Schol. Aristoph. Av. 873. Phavorin. u. Suid.
v. KoXcavig. Er führte eine attische Kolonie
nach der Stadt Kolonides in Messenien, Paus.
4, 34, 5. Vgl. Kolainis. [Stoll.]
Kolakeia (KoXaY^ia) , die personificierte
Schmeichelei, das Gegenteil der Pkilia (3>rtia),
Hio Chrys. or. 1 p. 71 R. Eebes pinax 8.
eo [Höfer.]
Kolaxes (Kokä^rjg), König der Bisalter,
den Zeus in Skythien mit einer Schlangen-
mmphe zeugte, Val. Fl. 6, 48; vgl. Herodot
4,' 5. 9. [Stoll.]
Kolchis (Kol%ig) . 1) absolut = Medeia,
Eurip. Med. 133. Lykopin: 887 und Tzetz.
-/.. d. St. Anth. 9,346. Anth. Planud. 137. 138.
141; vgl. Simonides im schol. Eur. Med. 20
1269 Kolchos Kolias 1270
= Bergk 34 p. 411. Hör. epod. 16, 58. Luv. vov offenbar ein Verderbnis aus Tvgggvov ist)
6, 643. Prop. 2, 1, 54. 3, 14, 11. 32, 8. überlieferter aitiologiseher Gründungssage: va-
4, 10, 9 (Müller), Mart. cpigr. 5, 53, 1. 10, ög lexi xgg 'Arpgodt'xr]g ovxa y.aXovasvog dnö
35, 5; vgl. 10, 4, 2. Stat.silv. 2, 1, 141. Auson. xov avfißsßr^/.oxog xgv ngoagyogiav XcifSäv vi-
epigr. 22 p. 429 ed. Peiper; vgl. Schot Theoer. avlag ydg xig 'Axxiy.bg dXovg vizb Tvggvv äv
2, 16. Skamon bei dem. Alex. Strom. 1, 76. v.al ätßuoixrjg SovXivmv itagavxä EQus&tiagg
— [2i Auf einer Silbermünze des von Pom- avxov xf;g ftvyaxgbg xov i'xovxog val üno-
pejus eingesetzten Dynasten Aristarchos von Xvadcgg -gX^sv sig xrtv oiv.iiav ovxag iXsv-
Kolchis erseheint nach Fox, Engravings of dsgw&tt'g, v.al ev xagioxrjgiov xrj 'Aygobixy rrjs
rare greek coins 2 p. I nr. 1 „Female seateel, 10 oaxriglag sjt! xfjg äxrijs, dq>' gg ggndyg, vabv
loith a high conical cap, her right hanil resting idgvoaxo, KmXidSa <5t Tigoa^yögsvas xbv xbxtov
on a eluij in her left the tympanum" oder dnb xäv v.äXav, a iv xoig Ssofioig v.axt-
nach B. de Koehne, Numism. Chron. 1877 p. 2 Ttovtixo. — Bei Aristophanes , dem ältesten
,,A woman seated on a high-hackcd throne Zeugen für den Kult, und bei Dionysios Perieg.
turned to the right, on her head the Phrygian v. 592 heifst die Göttin einfach Kai tag (vgl.
cap. Her right hand reposes on an objeet, im- Arist. nuh. 52 Sandvrig, Xarpvyiiov, KaXidctog,
perfeethj defined Cmay he an oar or a ruäderi, ravExvXXidog [seil, ojouo«]. Lysistr. 1 dXX' ?£
white her left hand sastains a vase which is xig sig Hav.%iiov avxag iv.dXtasv], g ' g Tlavog,
placed on her knees." — Prokescfo- Osten, Arch. g'rii KcoXidä' , g'g FsvexvXXi'Sog) , doch er-
Ztg. 7 (1849) Sp. 28 nr. 1 hält diese Gestalt so fahren wir aus zahlreichen anderweitigen Zeug-
ganz unwahrscheinlich für den Flufs Phasis; nissen, dafs es sich in diesem Falle um eine
Cavedoni, Bull, areh.napol.n.s.7 1858 p. 28 für Aphrodite handelt, oder dafs man die K.
Medeia; v. Sallet , Ztschr. f. Num. 3 1876 wenigstens später mit dieser identifi eierte
p. 60; vgl. 5 1878 p. 226 f. frageweise für Ky- (Schal, z. Arist. nuh. 52. z. Lysistr. 2. Strato.
bele; de Koehne a. a. O. p. 9 und Descr. du 398. Eustath. z. Dion. Per. 591. Hcsych. Har-
musr'e de feu le prince Ba"ile Kotschoubey pokrat. Suid. Et. M. Phot. s. v. KaXidg. G. I.
Vol. 1 p. 430 für die Personifikation von Kol- AU. 3, 339 'Aq>g[oS~]ix\gg'] KmXidd[og]. Steph.
chis. Drexler.] [Höfer.] Byz. s. v. KaXidg. Schol. z. Lucian. amor. 42.
Kolchos (KoXyog), Sohn des Phasis, nach Paus. 1, 1, 5), Für die Beurteilung des Wesens
welchem die Kolchier benannt waren, Mnaseas 30 dieser Aphrodite ist besonders ihre stehende
Patr. b. Schol. Theokr. 13, 75. [Stoll.] Verbindung mit der Genetyllis wichtig (vgl.
Koliades (KcoliäSsg), 1) = Aphrodite Ko- Aristoph. nuh. 52. Lysistr. 2), d. h. einer den
lias und die mit ihr zusammen verehrten Eileithyien oder den phokäischen rsvva'td e g
Genetyllides; s. Kolias. — 2) KmXtdSsg vviiqiai, (Paus. 1, 1, 5) entsprechenden Entbindungs-
vielleicht die Nymphen des Vorgebirges Ko- göttin (vgl. Schol. Arist. nuh. 52 ot (lzv xäv
lias in Attika (vgl. Aristaenet. epist. 3 vg xdg itsgl xgv 'Atpgodi'xrjv d^iovai &iäv gi'av sivai
v.oAidSag vificpag, oder sollte hier etwa y.oi- Std xo ysv iotwg avxgv hivai xoig dv%gumoig
Xddag zu lesen sein? Vgl. Hesych. s. v. y.oi- alxiav 7tgoiaxauivrjV xäv yducov Ktti xäv inl
XdSeg' nsSCa. Xißddtg). [Röscher.] coig yd uoig ixvaxggicov. Schol. Arist. Lysistr.
Kolias (KcoXtdg), eine Göttin, die auf dem 40 2), die nach Hesychius (s. v. rtvsxvXXtg) auch
gleichnamigen Vorgebirge (dv.gu KaXidg, Paus. der Hekate ähnlich war und wie diese mit
1, 1, 5), südlich von Phaleron, in unmittelbarer Hundeopfern verehrt wurde (ioiv.vi~a xg 'Ev.d-
Nähe von Halimus und dem südlichsten Teile xr\. äib v.u\ xavxn y.vvctg ngoixi^&aav. toxi
des Hymettos (vgl. über die Lage Bursian, S\ 'gsvty.g fttöc. v.ai sogxfj xäv yvvaixäv).
Geogr. v. Griechenl. 1 S. 361. Curtius-JKaupert, Wenn hie und da (vgl. Aristoph. Thesm. 130
Karten v. Attika Heft 2 S. 2 f.) in einem be- ä noxviai VivfxvXXiSsg und Schol. z. d. St.:
sonderen, mit einem uyuXua (Paus. 1, 1, 5) xivig Sh nsgi xr]v "Agxsuiv cfctaiv civxug xäv
geschmückten Tempel (vaög, Schol. Arist. nuh. xoy.ixäv irpogovg. Alkiphr. epist. 3, 11 v.uivovg
52; isgöv , Schol. Aristoph. Lys. 2), der nach ineiadysiv &iovg — KaXidSag -g rtvsxvXXi'Sag.
Schol. Arist. nuh. a. a. 0., wenn die Lesart 50 Lucian. amor. 42 KmXiäSag v.ai rtvtxvXXCSug.
richtig ist, ebenfalls Kcolidg hiefs, wie es Paus. 1, 1, 5 KcolidSog äs saxiv ivxavda
scheint, ausschliefslich von Frauen als Vor- 'AcpgoSixgg ctyeeXua v.cä rsvtxvXXCStg 6vouut,6-
steherin der Hochzeiten und Geburten (s. fitvai &sai. Sonä Si v.al <frcov.ai£vei raig iv
unten!) hoch verehrt wurde. Der Xame Kco- 'Icovicc &iug dg -auXovoi rzvvutdug stvai xaig
Xidg wurde von den Alten verschieden erklärt: irti KcaXidSi xdg avxdg. Hesych. s. v. yivs-
entweder aus der Ähnlichkeit des Vorgebirges xvXXCSag- Öaiuovag) von mehreren Genetylli-
mit einem v.äXov dv&gäitov (Eustath. z. Dion. des oder Koliades die Rede ist, so fragt es
Perieg. 591 u. z. LI. p. 324, 4. Schol. z. Op- sich, ob in diesem Falle nach Analogie der
pian. Hai. 1, 239; vgl. auch Tzetz. z. Lyk. ebenfalls pluralisch auftretenden Eileithyien
867 und Hesych. s. v. v.äXw izöäeg, axiXr] v..r.X.) 60 und Gennaides mehrere Begleiterinnen der
oder aus einer Legende, nach der ein Habicht Aphrodite Kolias zu verstehen sind oder ob
(Rabe) dem opfernden Ion eine y.aX.r\ entführt und die letztere selbst mitgemeint ist. Mir ist das
nach dem Vorgebirge Kolias getragen haben letztere wahrscheinlich, und zwar nicht blofs
sollte (Schol. Arist. nuh. 52 Suid. u. Et. M. wegen des neben rtvtxvXXCStg vorkommenden
s. v. Kcalidg; Eustath. z. Dion. Perieg. 591), Ausdrucks KaXiddsg, worunter offenbar die
oder endlich mittelst folgender von Schol. z. ganze Gruppe der in_ dem Tempel auf Ko-
Aristoph. nuh. 52. Suid. u. Et. M. s. v. Km- lias verehrten Göttinnen zu verstehen ist,
Xidg (vgl. auch Tzetz. z. Lyk. 867, wo xvgdv- sondern auch wegen des ausdrücklichen Zeug-
1271 Kolias Kolias 1272
nisses des Schal, zu Arist. nub. 52 rtvizvXXig ist aber genau dieselbe aitiplogische Grün-
r\ rfii ytviosag i'tpogog 'Aqigoäinj; vgl. auch dungssage, die auch von dem Tempel der
Schöl, z. Lucian. amor. 42 [KaXidSag v.ai Kolias berichtet wird , so dafs "wir , wenn
rtvizvXXCäag] sni&tza. zavza 'ArpQoäizng. Fer- Tzetzts sich nicht geirrt hat, die kyprische
ner ist von grofser Bedeutung für das Ver- KaXüzig unbedenklich mit der attischen Ko-
ständnis der Kolias und der Genetyllis die lias identifizieren dürfen, eine Annahme, die
Verbindung, in welcher der Kult dieser Göt- auch durch die von Herodot (7, 91; vgl. Solon
tinnen mit der in dem unmittelbar benach- fr. 19 B. b. Plut. vit. Seil. 26) bezeugten atti-
barten Demetertempel abgehaltenen Thesmo- sehen Kolonisten auf Kypros gerechtfertigt
phorienfeier zu Halimus stand (vgl. Hcsych. 10 wird. Endlich scheint noch hierher zu ge-
s. v. KcoXicig .... fim äs xal z/r/ftTj-rpos hpbv hören die Aphrodite Kalias (A^POAITHI
civzo&i -hoXvgzvXov; Bursian, Geogr. 1,361,2 KAAIAdl) einer Inschrift, welche Ganze auf
und s. auch den Artikel Kalligeneia). Vgl. Samothrake gefunden und in seinen Meisen
über die Mysterienfeier zu Halimus aufser an- auf d. Inseln des thrak. Meeres S. 69 Taf. 16,
tiken Zeugnissen wie Plutarcli. i\ Solonis 8. 10 veröffentlicht hat. Denn da a und co öfters
Pohjaen. 20, 2 und dem Orakel b. Hei od. 8, im Austausch mit einander stehen (vgl. z. B.
96. Strab. 391. Anthol. Pal. 9,509. Eustath. Käfiog — Käfioc, ftc'rtog — fl-räxos, Halößufrgov —
z. Dion. Per. 591 (wo unter den KcoXidäig y.co?.oßa&gov; mehr b. Gust. Meyer, Gr. Gr. § 49),
yvvaiKig höchst wahrscheinlich die Thesmo- so könnte die samothrakische Kalias in der
phoriazusen gemeint sind), auch Preller, De- 20 That mit der attischen Kolias identisch sein. Für
meter und Persephone S. 340 Anm. 20 — 23. diese Gleichsetzung sprechen auch, wie nanient-
K. Fr. Hermann, Gottesd. AH. § 56, 15. lieh Crusius, Progr. der Leipziger Thomasschule
A. Mommsen, Heortol. 298. Was das Priester- 1886 S. 16ff. dargelegt hat, bestimmte histo-
tum der Kolias betrifft, so vermutet Töpffer, rische Gründe, insofern nicht nur am Hymettos
AU. Genealogie S. 301, dafs das von Hcsycläus (wo nach einem Zeugnisse des Kratinos fr. 102
erwähnte Geschlecht der Kmluig (yivog £&a- p. 64 AT. eine Aphrodite KaXid *) (KaXXia) ver-
yivüv, oitiQ [rji'] iy. KcoXi'udog) das erbliche ehrt wurde; s. Crusiusa.&.O. S. 17, 1), also nicht
Gentilpriestertum der Aphrodite verwaltet weit von Kolias, sondern auch in Samothrake
habe, deren Priesterin wir durch ihren Ehren- der Stamm der tyrsenischen Pelasger an-
sitz im Dionysostheater kennen (G. I. 4.3,339 30 sässig gewesen ist, zu dessen ältestem Reli-
'^qcie[off]i'r[>)s] KmXiäö[og]). Vielleicht war gionsbesitz, abgesehen von den Kabiren und
der Kult der Kolias auch weiter verbreitet. Hermes, auch Demeter und Aphrodite,
So ist bei dem Heiligtum der Artemis Aphaia also gerade die auf Kolias verehrten Gott-
auf der dem Vorgebirge Kolias gegenüber- heiten, gehörten. Da nun in der oben be-
liegenden Insel Aigin a folgende archaische richteten Gründungslegende von Kolias die
Inschrift gefunden worden (Roehl , Inscr. Gr. Liebe einer tyrsenischen Jungfrau zu einem
antig. 352): \zä &?ü rä iv] KwXid äaig AßXC- attischen Jüngling eine so charakteristische
av S7zoir]0£ AXziuov, und bei der geringen Rolle spielt und Hcsychius (s. ob.) die Vsve-
Entfernung der Insel vom Vorgebirge Kolias tvXXi'g ausdrücklich als ^sviktj &tög bezeich-
wäre in der That eine Identität der &sd iv 40 net, so werden wir in der That kaum umhin
KcoXtddcag (wo KmXtdäai = KcaXiai oder Kca- können, Crusius' Hypothese von der tyrseni-
üiffs und der Name der Bewohner wie oft sehen Herkunft der Kolias für wohl begründet
statt des Ortsnamens gesetzt sein könnte) sehr zu halten. Ist aber diese Annahme gerecht-
wohl möglich. — Ferner scheinen die Worte fertigt, so bleibt es natürlich zweifelhaft, ob
Strabons 398 nsgl äh 'Ar dep Xvez 6 v iazi hk! zö der Name Kolias griechischen oder barba-
nuvilovY.cil zo zrjg KcoXtdSogArpQoSi'zijg ISQOV y.zX. rischen Ursprungs ist.
dafür zu sprechen, dafs auch bei Anaphlystos ein Litteratur: De Witte, Nouvelles anndles
Koliasheiligtum sich befand, doch ist in diesem de V Institut 1 p. 75 ff. [vgl. das daselbst pl. A 1
Falle auch recht wohl ein Irrtum des Strabon (p. 82, 3) mitgeteilte, mit Modius, Bogen und
möglich, zumal da er, wie die folgenden Worte 50 drei Figürchen (Genetyllides?) auf der Hand
lehren, mindestens den Fehler begangen hat, versehene Bild der Kolias)' [Der Deutung
das fragliche Koliasheiligtum bei Anaphlystos de Witte's stimmt zu aufser Gerhard ■ auch
mit dem viel weiter nördlich gelegenen bei Beide, Les monnaies d'Athenes p. 364 — 368.
Halimus, das in der Geschichte der Salamis- Sie ist indesseu irrig. Es ist Apollon Dclios
Schlacht eine Bolle spielte, zu verwechseln mit den Chariten; vgl. C. Combe , Mus.
(vgl. Bursian, Geogr. 1, 357, 2). Ferner wird Hunter Tab. 11, 14. Sestini, Descr. d'alc. med.
die von J.ylophron (v. 867) erwähnte KcoXäzig, dal Museo del Princ. di Danimarca p. 17 nr. 3.
<\ h. nach der Erklärung der Scholien Aphro- Mi. 2, 127, 167. S. 3, 559, 167; Baoul-Bocliette,
dite, von Tzetzes z. d. St. folgendermafsen er- Lettre ä Schorn. Paris 1845 p. 198 — 203.
klärt: r/ Aq>QO§lzr\ y.a.1 zifiäzai iv Kvngco. co Cavedoni, Osservazioni sopra le ant. man. di
KcoXäzig Ss inXil&r], im zig vtaviag vnö Xy- Atene. Modena 1836 p. 17 nr. 34 und Nuovi
oxäv 7} vnö zvqÜvvov \TvQQ7jväv'> s. ob.] Kctza- studi intorno alle mon. ant. di Atene. Modena
e%td-tlg ex xwv iidtXaiv .... iSi&rj. 17 S\ &v- 1859 p. 36'. 37. Wieseler, Der Apollon Stroga-
ydzrjQ f] toü ccQiiXyazov 1] zov rvptivvov [Ti'Q- noff und der Apollon vom Belvedere p. 79 — 90.
Qr,vov'i] {naOTreioct avrov Kai uiyeiaa zovzoj
> ., J ^ , / tj~. R\ 3 . ~,~ ' ,. , T. ' *) vgl. hiermit auch die als Aphrodite -KaliaB ge-
aiTtXvosv avzov. O d^AyQoäizrjg isqov Ka>- deut6t6 KaU& äer zu Hiera auf Lesbo8 gefullden6n
Xaziöog töoyectzo^ iigsvxctQLOrictv nvzrjg, oxl Biesosinschrift : Tümpel, Philol. N. F. 3 1890 S. 735; i
dfdsfiivov ovza iv. zäv KcöXcoi' iogveazo. Das is9i s. 567 Anm. 6.
1273 Koliorgon Kolpoi 1274
Furhvängler , Arch. Ztg. 1882 Sp. 331 — 32. Kolonos (KoXavog), 1) der Heros Eponymos
Imhoof and Gardner, Numism. Commentary on des gleichnamigen Demos und Hügels bei
Pausanias p. 144 PL CC, 11 — 14. Head, H. N. Athen, Soph. 0. C. 59. C. Fr. Hermann, De
p. 321 und Cat. of greek coins [in tlte Brit. sacris Coloni etc. Marb. 1837. — 2) Ein tana-
Mus.] Attiea p. 72—73 nr. 496-498, PI. 11, 8. gräiseher Heros, Vater der Oehna, des Eche-
J. de Witte, Types de medailles grecques — mos, Leon und Bukolos, Plut. Quaest. gr. 40;
Venus Colins. Revue num. 1S38 p. 166. Beule, s. Eunostos. [Stoll ]
Les monnaies d' Athene» p. 365 — 368. Stephani, Kolontus (KoXövTitg), ein Argiver, der die
Compte-rendu p. l'a. 1873 p. 10—16; 1S7Ö nach Argos gekommene Demeter ungeehrt
p. 63; 1876 p. 204; 1880 p. 116. 117. H. 10 von sieh wies und deshalb mit seinem Hause
Usener, Kallone. Rhein. Mus. N. F. 20, 1868 verbrannte, Paus. 2, 35, 3; s. Chthonia nr. 1.
p. 359. Drexler.]. Engel, Kypros 2, 328 f. 482. [Stoll.]
Gerhard , Gr. Mythol. §363, 2b. C. Lugebil, Kolophouia, 1) Tochter des Erechtheus, Hyg.
De Venere Coliade Genetyllide, Petersburg 1858. /". 238, hier ist indes zu schreiben Chthonia.
Welcher, Götterl. 2, 714. 3, 206f. Stephani, — [2) "Jqts tiig KoXocpavla, Legende einer Münze
0. B. p. l'a. 1875 S. 74 A. 3. Preller- Robert, des Domitian von Kolophon Eckhel, d. n. 2,
Gr. M. 1, 349. 377, 4. Crusius a. a. 0. 512; dieser Beiname der Artemis ist aus ihrer
[Röscher.] Eultusgemeinschaft mit Apollon, der Kolo-
Koliorgon (KoXiögyav), Beiname der Ar- phonios (s. d. u. Art. KLirios) heifst, zu erklären;
temis und des Apollon auf einer Inschrift ans 20 ebenso findet sich auf Kaisermünzen vou Kolo-
Stratonikeia 'Jatt/udt Kai 'AnoXXcovi Koliogyrnv, phon die Legende "AQTtfiig KXagia- Eckhel a.
Corr. hell. 12 (1888), 266 nr. 50. Deschamps- a. 0. Head, hist. num. 494. Höfer.] [Stoll.]
Cousin a. a. 0. erblicken in Koliorgon nicht Kolophonios, IJarav KoXocpoivie $oi|3e wird
einen Genetiv, sondern ein indeklinables, lo- Apollon angerufen im 2. Berliner Zauber-
kales Epitheton; vgl. das Ethnikon Kolioq- papyrus vs. 132; ebenda vs. 82a als iv KoXo-
yivg, Corr. hell. 15 (1891) p. 208 nr. 148. cpä[v]i valiov; vgl. vs. 139 Klägis "AtzoXXov.
[Höfer.] In einer sehr lückenhaften Inschrift von Sliven,
Kollos (KoXXog), wahrscheinlich Ahnherr ergänzt v.Har tel Z. 6 — 7: y.aza xQiil'SlJ-ovg zov[g
des attischen Geschlechtes der KoXXtäai (Hes.). . . .'AnoXX]eovog KoXotfia\yiov, A. E. M. 10, 1886
Vgl. Töpffer, Att. Geneal. 310. [Röscher.] 30 p. 147 f. Anm. 13. Über Kolorpcavia als Bei-
Kollytos s. Kolyttos. wort der Artemis s. ob. u. s. v.Klaria. \_Theo-
Koloene (KoXorjvrj), Beiname der Artemis doret. Graec. affecl. cur. 10 p. 964 ed. Schul:,
von dem früher Gygaia (s. oben s. v. Gygaie), vgl. p. 950. Vgl. Klarios. Höfer.] | Drexler.]
später Koloe genannten, 40 Stadien von Sardeis Kolossaeus (KoXoooaBvg?), vielleicht Bei-
entfernten See, wo ein hochheiliger Tempel name des Zeus auf einer Inschrift aus Kö-
der Göttin stand, Strabon p. 626. Die von lossai, Bull, de cor), hell 11 (1887), 354; er-
Strabon mitgeteilte Notiz, dafs an den Festen halten ist nur totj Jtog Ko QEta;
der Göttin die %aXu&oi tanzten, verteidigt letzteres Wort hat schon Clerc a. a. 0. zu
Groslcurd in seiner Übersetzung 2 p. 624 Anm. 6: tigsta ergänzt; zur Vervollständigung des
,,Es sind die von Jungfrauen {y.avrjcpogoi) bei 40 Beinamens des Zeus schlage ich, da die In-
feierlichen Aufzügen auf dem Kopfe getrage- schrift aus Kolossai stammt, das durch
nen Opfer- oder Fruchtkörbe (vgl. Kallim. h. Suidas bezeugte KoXooaasvg vor; man könnte
in Ctr. 1), welche, um dem Gaukelei liebenden allerdings auch an KoXoaanvog (Strabo 12, 578.
Aberglauben Spiel und Nahrung zu geben, an C. I. G. 3, 4380 k add. p. 1168. Waddington,
diesem Feste der Artemis von den abgerich- Inscr. d'Asie min. 1220. Eckhel, d. n. 3, 147 f.)
teten Mädchen leicht in eine tanzähnliche Be- denken. [Höfer.]
wegung gesetzt werden konnten, welche dann Kolotis (KtoXäzig), s. Kolias.
der Göttin zugeschrieben wurde." Ohne hin- Kolpia-- (KoXTtiag , phoinikischer Windgott,
reichenden Grund sieht Cavedoni, Spicil. num. Gemahl der Baau (s. d.) oder Baaut, Vater
p. 223 in der mit Köcher und Bogen versehe- 50 des Aion (s. d.) und Protogonos, Philo Bybl.
nen Büste der Artemis auf Münzen von Sardeis bei Euseb. praep. ev. 1, 10, 7. [S. besonders
(Eckhel, Cat. Mus. Caes. Vinclob. 1 p. 193 nr. 1; Baudissin, Studien s. semit. Religiqnsgesch.
Sestini, Mus. Hed. 2 p. 316 nr. 1) die der Ar- 1 p. 13, der den Namen KoXnia in Überein-
temis Koloene. Derselbe will in der „Femme Stimmung mit Roth, Gesch. uns. abendl. Philos.
assise, tenant dans la m. dr. wie couronne et 1 p. 251. Delitzsch, Genesis 4. Aufl. p. 69.
dans la g. un roseau, le coude g. appuye sur Schröder, Die phoen. Sprache p. 86 u. Bunscn,
des rochers" einer Münze der Iulia Maesa von Bibelwerk 5 p. 299 aus rPE Vlp „lautbarer
Sardeis (Mi. 4, 135, 770) den Genius des Sees Hauch" erklärt. Drexler.] [Vgl. auch Gruppe,
KoXorj erkennen. [Drexler.] Griech. Culte u. Mythen 1, 355. Röscher.]
Koloiiatas (KoXavärcfg) , Beiname des Dio- co [Höfer.]
nysos von dem Ort Kolona in Lakedaimon; Kolpoi, KOATTOI, die Personifikationen der
sein Tempel befand sich gegenüber dem Altar Thäler sind dargestellt auf Münzen des Maxi-
der Dioskuren äfipovlioi ; neben dem Tempel mus von Magnesia ad Maeandium als drei
lag da3 Tf'fif»og eines Heros, der dem Diony- Xymphen mit Wasserurnen, die eine stehend,
sos den Weg nach Sparta gezeigt haben sollte; die beiden anderen gelagert, Mi S. 6, 250, 1102;
ihm und dem Gott opferten Jungfrauen, die Mus. Theupoli p. 1039, Head, H. N. p. 502.
Dionysiades und Leukippides, Paus. 3, 13, 5. Auf einem Exemplar des Philippus sen. bei
Wide, Ldkon. Kulte 160. 296. [Höfer ] Lcake, Num. Hell. As. Gr. p. 79, der die Münze
1275 Kolymbas Kombe (von Chalkis) 1276
dem lydischen Magnesia zuweist und infolge Heroine. Nach Biodoros 4, 72; Steph. Byz.
dessen die Thäler des Sipylos hier personi- XuXxts; Eustath. Homer p. 279, 7 u. a. (vgl.
ficiert sieht, sind statt 3 vielmehr 4 Nymphen, Artikel Chalkis) ward sie sonst Chalkis ge-
davon 2 mit Wasserurnen, dargestellt. [Drexler.] nannt, war also Heroine der euboisohen
Kolymbas {Kolviißag), eine der Pieriden, Stadt Chalkis: Hekataios frg. 105 aus Steph.
in einen Vogel verwandelt, Ant. Lib. 9; s. Byz. (vgl. H. BieJs, Hermes 22 S. 442) XuXvXg
Pieros. [Stoll.] . . . ExÄr/trjj äs äno Köfißrjg xrjg XalnCäoq
Kolyttos {Kolvxxog, auch Kollvxog), Heros xakovjisvng (s. Sludniczka, Athen. Mut. 2
Eponymos des athenischen Demos gleichen 1887 S. 280 f. und vgl. den vielleicht auch
Namens, Vater des Diomos, des Heros Epo- 10 chalkidischen Künstlernamen (Kyövßog auf der
nymos des benachbarten Demos Diomeia, der Basis einer Hermesstatue: Athen. Mitt. 13
ein Liebling des von Kolyttos gastlich auf- 1888 S. 114f.). — Nach 'eubo'ischen Schrift-
genommenen Herakles wurde, Steph. Byz. v. stellern' und Aristos von Salamis {frg. 5.
JtofiBicc; Hesych. diopeig. [Stoll.] Müller, Script, rcr. Alex. Mag. p. 154 bei
Komaitho {Kofxai&cö), 1) Tochter des Ptere- Zenob. cent. 6, 50) soll Kombe ihren Namen Xal-
laos, Königs der Taphier oder Teleboer, der xi'g (gleich Kadmos und den Kureten) von der
von Ampbitryon bekriegt ward, aber unbe- Anfertigung eherner Waffen erhalten haben,
siegbar war durch ein goldenes Haar, das er auch -nQcaxrjv avvoiia)accaav ccvägi iy.axov itai-
durch die Gunst des Poseidon auf seinem äav ysvto&at, (iijtiqcc. Sie war also eine
Haupte trug. Komaitho schnitt aus Liebe zu 20 rerste Menschenmutter' in lokaler Stammsage.
Ampbitryon oder dessen Bundesgenossen Ke- Den Namen des hier vermifsten Stammvaters
phalos dem Vater dieses Haar ab und tütete nennt Nonnos (13, 135ff.): Mit £ä-x.og (s. d.)
ihn dadurch, worauf Amphitryon Herr ward habe sie die 7 KoQvßavzig' gezeugt (= Schol.
über alle taphischen Inseln. Die Komaitho Viet. II. S291). Mit diesen Sieben, nämlich
aber tötete er, Apollod. 2, 4, 7. Tzetz. L. 932. Prymneus, Mimas, Akmon, Damneus, Okythoos,
934. [Eine Deutung dieses Mythus hat A. Idaios, Melisseus, sei die [irixijQ i-nxccToxog
Schultz, Jahrb. f. cl. Phil. 1881 S. 305ff. ver- von Sokos aus Euboia (Chalkis) nach dem
sucht. Jedenfalls ist damit zu vergleichen die kretischen Knosos vertrieben. Knosos aber
Sage von Nisos und Skylla (s. d.). Röscher.] gilt als Stadt der Kureten, gleich Chalkis,
— 2) Eine schöne jugendliche Priesterin 30 und soll nach Eusebios (Chron. p. 267) auch
der Artemis Triklaria zu Patrai (Aroa) in von einem Kureten gegründet sein. Sieben
Achaia, welche sich mit einem Jüngling Me- chalkidische Kureten verbergen sich also
lanippos, weil die beiderseitigen Eltern dem unter den KoQvßuvxsg des Nonnos. Nun
Bunde entgegen waren, in dem Tempel der liegt aber auf Kreta auch jenes Polyrrbenia,
Göttin vermählte. Artemis zürnte und schickte wo man mit xöpßri die Vogelgattung %OQcavr\
Pest und Mifswachs über das Land. Das del- bezeichnete {Hesych. %6f.ißrj). Mithin wird
phische Orakel gab als die Ursache des Un- auch' die chalkidische Kombe der Verwand-
heils das Vergehen des Melanippos und der lung in einen krähenartigen Vogel ihren
Komaitho an; auf seine Anordnung wurden Namen verdanken (so auch Studniczka a.
beide der Artemis geopfert, uud in der Folge 40 a. 0.). Wirklich flieht auch die aitolische
mufsten jährlich die schönste Jungfrau und Combe bei Ovid (s. u. nr. 2) trepidantibus
der schönste Knabe der Gemeinde der Göttin alis, also in Vogelgestalt. Nun hat Lobeck
geopfert werden. Dies Menschenopfer fand in v.vfißr\ das Stammwort zu columba, xo-
sein Ende, als von Eurypylos das Bild uud Xvfißig, -og erkannt und es so mit xu'fißij,
der Dienst des Dionysos Aisymnetes nach v.vßrj Kopf, xvßdu kopfüber, HVjißrjxiäv = v.v-
Patrai gebracht wurde, Paus. 7, 19, 2 ff. ; s. ßiaxäv 'kopfüber taueben' zusammengebracht
Schultz a. a. 0. und die Art. Eurypylos und Ai- (vgl. den Vogel xü;i(3i;). So ist jene hoqiÖvi]
symnetes. — 3) Tochter des Tydeus, welche = %6p,ßr\ Hcsychs die koqcovi] zivuli'n rMeer-
dem Aigialeus den Kyanippos gebar, Tryphiod. krähe', welche nach dem Schol. Homer. a441
159. — 4) s. Kydnos. — [Bohde, Ber griech. 50 identisch ist mit der Tauchcrmöve Xccgog und
Roman p. 94 Anm. 1. Drexler.] [Stoll.] aid-via und auch das oqvsov IciQosiälg %i%epog
Komata* {Ko^iäxag). Nach einer unteritali- mit umfafst (ebd.; vgl. Tzetz. Lyl: 76, 837
sehen Sage (von Thurioi; s. Schol. z. Theoer. und Schol. Nika/ndr. Alexiph. p. 206 Bübn.).
7, 78) opferte ein Hirt, dessen Herr in Thurioi In dieser Gestalt erscheinen bei Homeros Her-
wohnte, häufig den Musen. Sein Herr schlofs mes und Leukothea, jener 1 50, 253 (iäpog),
ihn in einen Sarg von Cedernholz ein, um zu diese « 441 (aidvlri); vgl. Lesbialca 111, Philo-
sehen, ob die Musen ihn retten würden. Als logus N. P. 111 1890 S. 721 f. Diese beiden Gott-
nach zwei Monaten der Sarg geöffnet wurde, heiten sind eine völlig deckende Parallele
fand man den K. lebendig. Bienen hatten zu Sokos und Kombe. Denn zunächst ist
ihn mit Honig gefüttert. Theoer. 7, 78 ff. und co der Name Särnog T 72 ein Beiname des
Schol. Vgl. Röscher, Nektar und Ambrosia Hermes und für einen anderen Gott über-
5. 72. [Koscher.] haupt nie in Gebrauch gewesen; er begleitet
Kombe {Kofxßri), 1) Tochter des Asopos und ihn, in der Form -£«01x09, nach der Insel des
der Ladontocbter Metope , Schwester der kabeirischen Hermes, Samotbrake, wo nach
Tbebe und 18 anderer Schwestern, sowie des ihm das Gebirge Sacäy.r], -rjg, ja die ganze
lsmenos und Pelagon {Apollod. Bibl. 3, 12, Insel Zaco-xt'g heilst. Die kürzere Namensform
6, 5): also eine mit den thebaischen Flüssen des Zäm-nog-Sä'Hog begegnet in jenem Sä-
Ladon und lsmenos verknüpfte boiotische oiv, -os, der nicht blofs in Samotbrake die
1277 Kombe (von Chalkis) Kombe (von Pleuron) 1278
Kabeirenrnysterien stiftete, sondern auch in und diese Schaumgeborene ist abermals als
deren boiotisehen Heimat, zu Lebadeia, des eine Doppelgängerin der schaumentstiegenen
Trophonioskultes erster Myste war. Die Iden- Leukothea nach 0. Müllers Vorgang (Etrusker
tität beider von Thebai abhängigen Dienste 1", 198. 2, 55. Proll. 371; vgl. Preller l3,
hat Crusius im Anschlufs an 0. Müller (Orchr 378) von Crusius erwiesen (a. a. 0. S. 22. 232;
p. 152 f.) aus den 'Egficti = KaäpiXoi. und der vgl. auch Philostephan. in Schol. Homer. HSG:
noQtpvQig, dem Schleierlinnen der homerischen Aivv.o&ia äiä tbv in rjjs ftaldoorig drpgov,
Leukothea (ä&övrj), das in beiden Kulten eine und Nonnos 9, 86). Wie die Tauchermöve
wichtige Rolle spielt, erschlossen (Beiträge etc. dazu kommen konnte, zum Sitz einer Meer-
S. 23 ', 23°, 26"). £dwv könnte einfach als 10 schaumgottbeit zu dienen, zeigt eine Schiffer-
Kurzform mit Zdmv.og identisch sein {Preller, erzählung bei Tsetses (Lyk. 76; vgl. 837): Die
Gr. Myth. I3, 322 5), dann wäre die Neben- Äapos - Art xtTrrpos läfst sich von Fischerkindern
form Ztägos neben -Säxog, die freilich schlecht mittels hingeworfener Flocken Meerschaums
bezeugt ist, aus der apostrophierten Form ganz zahm anlocken. Von den Xdgoi erzählen
eines Textes wie II. A 450 (2ü%) hergeleitet. die aus guten aristotelischen Quellen geflos-
Doch könnte Eü>%og auch mittels des boio- senen Ixeutika des s. g. Oppianos (2, 4 der
tischen Diminutiv -Suffixes -(i.)xog aus Zdog Paraphrase, Gramer, Anecd. Par. 1, 2 p. 36f.
ursprünglich gebildet sein (nach Apion und Ameis, Poet. Bucol. 1 p. llöff.), sie seien ur-
Lobeck vielmehr von Zdoixog). So oder so sprünglich Heroen und Erfinder der &alaaaia
aber begleitet Saos - Sokos den Kabeiren- 20 (Hermes? Sokos? Priapos?) gewesen, ja die
kult von Thebai über Lebadeia und wohl gröfsere Art sei noch jetzt 'König' über die
Chalkis nach Samothrake. Thebai steht aber anderen. Die Gewohnheit des Leichenfrafses
auch an der Spitze der Kombe- Genealogie, in erklärt, wie sie Ahnen- und Heroen- Seelen-
die auch Pelagon aufgenommen ist (Sp. 1275, 66). gehäuse werden konnten (vgl. Flcckeisens Jahrb.
Nun sind zwar ohnehin schon die Pelasger genug- 1887, Suppl. 16 S. 213); der Name Xdgog ist,
sam als Träger des kabeirischen Hermeskultes wie Adgioa, Xdgixog pelasgisch (Lesbiaka 3,
mit Leukothea aus Boiotieu nach den thra- 722 f.).
Irischen Inseln bezeugt und erwiesen; aber es 2) Kombe von Pleuron in Aitolien,
ist doch wertvoll, dafs der Name des TlsXdyiav 'Otpidg genannt, eff'ugit natorum vulncra: Ovid.
dies noch extra hier für Kombe - Leukothea 30 Met. 7 , 382 , wo sie zusammen genannt wird
bezeugt. Er ist der Eponymos der llsloiyoveg mit der Kyknosmutter Hyrie am gleichnamigen
= TlsXa-a-yoi (= -yovoi) der Pela- Geborenen See. Lobeck (Agl. 1, 1135 Note) und Urlichs
aus der thessalischen Stadt Pela in Pelas- (Reisen S. 197 3") vermuteten für beide Sagen
giotis, wie Lesbiaka 3, Philologus N. F. III Übertragung aus dem bei Aulis gelegenen
1890 S. 714f. gezeigt ist. In Chalkis hat sich See Hyria und der euboiischen Chalkis, und
bei der östlichen Übertragung des pelaBgisck- zwar durch Ovid; wahrscheinlich aber waren
kabirischen Kultkomplexes der Weg verzweigt: beide Sagen schon in der hellenistischen Vor-
ein Teil überträgt die Namen Hermes -Sokos läge verbunden, und ganz sicher waren sie
und Leukothea nach Samothrake, der Pelasger- schon weit früher mit vielem anderen (Üdys-
insel; ein anderer den Pelasgernamen sowie 40 seus- Sage, Namen wie Chalkis, Halikarna u. a.)
den der Kombe und ihrer ' korybantiseheu ' durch die westfahrenden Chalkidier nach Ai-
Sönne nach Kreta, nämlich Knosos, welches tolien übertragen. K. flieht trepidantibus alis,
bei Hom. t177 gleichfalls nach den S101 Tis- also in Vogelgestalt. Die nati sind die Pleu-
Xaoyot genannt ist, und nach Polyrrhenia, das ronischen Kureten. Zu der Bedrohung der
eine der 90 Pelasgerstädte gewesen sein kann; Mutter 'Seekrähe' durch Verwundung vgl.
ein dritter den Namen der Kombe und ihrer man die Verscheuchung der gefräfsigen See-
Söhne nach Aitolien (Ovid; s. u. nr. 2). Auch vögel (nkaiäsg) des Phineus Curetum more
Samothrake hatte seine c Korybanten ' , die clypeorum et hasiarum sonitic in der Argonau-
ebenso wie die knosisckeo des Nonnos viel- tik: Hygin. f. 20. Setzt man Kombe = Leu-
mehr Kureten waren. Dafs diese dreiver- 50 kothea - Aphrodite, so hat man Analogieen
zweigte Übertragung der Kombe bezw. Leuko- in der Aphrodite Apaturia zu Phanagoria, die
thea aus Chalkis keine Täuschung sein kann, durch Giganten (ihre Söhne?) verfolgt wird
geht daraus hervor, dafs alle 4 Stellen wich- (Strabon 11 p. 495) — sowie in der aphrodi-
tige Fundorte für die Kureten- Sage sind. Aus sischen Halia- Leukothea zu Rhodos, welche
dieser vermittelnden Stellung von Chalkis in von ihren Söhnen, den "lyvrjTtg ngig 'da oder
der Pelasgerwanderung ergiebt sich auch die iiqoci)wol Suifiovsg, vergewaltigt wird und ins
bis jetzt problematische Herkunft des Tlskaa- Meer 'hinabtaucht, aus der ihre Beschützerin
yiKov (sd-vog), das Tlmkydides (4, 109) und Aphrodite im gleichen Mythos auftaucht ; Philol.
Strabon (7 frg. 35) auf der thrakisch-chalki- N. F. IV 1891 S. 43 ff. Warum die aito-
dischen Akte (Athos) bezeugen: es stammt, 60 lische Kombe 'Oyiäg heifst, ist unaufgeklärt,
wie die atho'ische Stadt Chalkis (Eudoxos bei Lobeck dachte an eine rein poetische Erklärung
Steph. Byz. s. v.) aus der euboiischen Stadt (a. a. 0.) 'glänzend wie eine Schlange'. Welcher
Chalkis. — Nach einer anderen Pelasger- erklärte sie besser als 'Drachengemahlin'
kolonie, der hellespon tischen, ist Hermes zu- (Tril. S. 197 31T). Pape-Bensehr (Gr. Eigen-
sammen mit der echt kabeirischen Aphrodite namen) hatten s. Kojißi] anfänglich Öqpiag als
übertragen (als Eltern des Priapos, eines 'Tochter des Ophios' erklärt, fassen aber
phänischen Pelasger-Hermes mit Verwandlung später dasselbe Wort s. 'Ocpidg als Ethnikon
wieder in Idgog; vgl. Crusius a. a. 0. S. 241.), vom aitolischen Volksstamm der 'Otpuig (Stra-
1279
Kombe
Komm es
1280
bon 10 p. 451. 4(55) oder 'Otpioriig {Thuk. 3,
100). Damit würde W'elckers Auffassung sich
vereinigen lassen, indem man dem Eponynios
derOphieis, -oneis als Autochthonen Schlangen -
gestalt gäbe. Wirklich war ja auch bei den
(pelasgischen) Pariern am Hellespontos, den
'Otftoyevsig, der Stammvater ocpis Gatte einer
Halie (-Leukothea): Strabon 13 p. 588 und
Ailianos N.A. 12, 39; vgl. Korais u. Schneider
z. d. St. Auch an Ophion, den theba'iseben Be-
gleiter des Kadmos (= Sparte Echion? ej;jc
= oqp(s), könnte man bei dieser ursprünglich
boiotisch - theba'ischen Sage denken. Die Ent-
scheidung wird immer von der Frage ab-
hängen, ob hier ein pelasgisch- kabeirischer
Hermes- Trophonios-Sokos, oder ein theba'isch-
thrakischer Ares zu gewärtigen sei; denn
beiden eignet die mythische Schlange, im
letzteren Falle würde eine rätselhafte Angabe
Orids ihre Lösung finden: largo sati Curetes :
ab imbri {Met. 4, 282). Hinter dem imber
wird sich ein Gatte der Komb? verbergen,
Namens 'Tng, d. h. "TJ-r/g. Das wäre ein Epo-
nymos der aitolischen, aus Boiotien eingewan-
derten "TJ-avrsg ("Tavcsg), der Brüder dei
"Aßarzig von euboiisch Chalkis und boiotisch
"Aßa, sowie der boiotischen "Aovsg ("Aj-ovtg).
Alle drei Stämme sind Träger des Aresdienstes
(vgl. zuletzt Fleckeisen Suppl. 16 1887 S.210f.)j
derare'ische Eponymos"'T^s also wäre geeignet, ;
in Drachengestalt mit Kombe Oqidg die Kureten
zu zeugen , wie sonst der mövengestaltige
Sokos-Hermes. (Dann ständen die waffen-
tanzenden Kogvßavzsg als y.bgot "TJ-ctvzig viel-
leicht nicht nur mit den"AßavT£g otu&iv y.ouo-
oivztg, sondern sogar mit den Kovgfjzsg bni-
crö'fi' Y.011WVZIQ [von kei'qco, hovqu Arche-
machos von Euboia frg. 8 bei Strabon 10 p. 465.
F. 3. G. 4, 415 | in engerem thatsächlichen Zu-
sammenhang?). — Pelasger sind in Aitolien
nicht direkt bezeugt (das AlzaXiav in der
Notiz des Hieronymos v. Kardia bei Strabon
5 p. 443 ist längst durch das richtige hella-
nikische 'Izaliav ersetzt.)
DervogelgestaltigenEponymeCombe-Ckalkis
entspricht der Vogel mit ausgebreiteten Flügeln,
der auf den ältesten Münzen von Chalkis aus dem
5. Jahrh. (Ana. coins of Biit. Mus. , Central
Greeee pl. 20,7 S. 109 nr. 26; vgl. Studniczka,
Athen. Mut. 1 1886 S. 93) und auf den Schil
den chalkidischer "Vasen als Wappenzeichen
erscheint; er ist nach Studniczka vielleicht ein
redendes Wappen von Chalkis, also eine %ul%iq
(a. a. 0. S. 93). Er nennt ihn adlerähnlich
und identifiziert ihn (wie Athen. Milt. 2, 280)
mit der bgvi&i Xiyvgij . . . r^v z iv bgsaciv
%a7.v.l$u v.iy.irlG*ovOL &sot, dvSgsg de y.vuitöiv
bei Homeros (S290f.V Freilich wird diese
von den Alten nicht als v.ogdvrj erklärt, son-
dern bald als yXavt, (so Suidas s. ^aXy.i'g) oder
wegen des Namens y.vfitvSig (den StudniczJca
für urverwandt mit -/. bfißrj halten möchte) als
schlanker Gebirgsvogel (Aristot. H. A. 9 , 12.
P/in. 10, 8, 10: nocturnus accipiter), den Cuvier
und Lenz, Zoologie zu Plin. als Habichtseule
erklären, bald als eine Art Adler (Aristoteles
H. A. 9, 32. Suidas b chzog; vgl. überhaupt
Kbeling- Capelh's Homerlexikon u. yulv.lg und
■/.vuLvSig). Eigentümlich ist trotzdem, dafs
nicht blofs die xöußn von Polyrrhenia (=
Kbußrt von Xalnig), sondern auch die y.vuiväig
= %ciX.v.!g ihren Namen vom ' Eintauchen '
erhalten zu haben scheint: nach Boscher,
G. Curtius Stud. 3, 137 von v.vß-, kvu- (nach
den Homer -Scholien vom äsi zrjv y.ecpuXrjv
vnb zoi'g xXäSovg xqvxtsiv). [Karl Tümpel.]
Kombike (Koußiy.i)) , Beiname der Artemis
auf einer Inschrift aus Patara oder Myra in
Lykien, 'AgzsiiiSi Koußr/.f), Archäöl.-epigr. Mitt.
aus Osten: 7 (1883)| 124. Locicy a. a. 0. leitet
das Epitheton von der lvkischen Stadt Koußu
(Ptol. 5, 3, 5) ab. ^ [Höfer.]
Kometes (Kourjz^g), 1) Thessalier aus der
magne.-ischen Stadt Peirasia, Vater des Ar-
gouauten A-terion, Ap. Rh. 1, 35. Apollod. 1,
9, 16. Paus. 5, 17, 4 S. nr. 5. — 2) Solin des Sthe-
nelos, welchem Diomedes bei seiner Fahrt
nach Troja die Aufsicht über sein Haus über-
tragen hatte. Aber durch die Einwirkung der
dem Di'jmedes zürnenden Aphrodite wird er
treulos und buhlt mit der Gemahlin des Dio-
medes. Aigialeia. Beide treiben den- zurück-
gekehrten Diomedes aus dem Lande, Schol.
Tl. 5, 412. Kustath. zu ders. Stelle und zu
Dion. Pa: 483. Tzttz. L. 603. 1093. Serv.
zu Aen. S, 9. 11, 268. Apollod. epit. Yat. 22,4.
Wagner, Cur. mythogr. 26Sf. — 3) Sohn des
Thestios, Bruder des Prothoos und der Althaia,
Paus. 8, 45, 4. [Er war von Skopas dar-
gestellt im Giebelfelde des Tempels der Athena
Alea in Tegea als Teilnehmer an der Kaly-
donischen Eberjagd; Paus. a. a. 0. Brunn,
Kümtlergeseh. 1, 323. Röscher.] — 4) Ältester
Solin des Tisamenos, der nach Kleinasien aus-
wanderte, Paus. 7, 6, 2. Schol. Vat. Fkir. Rhes.
250. — 5) Einer der Lapithen (s. d.), auf der
Hochzeit des Peirithoos getötet, vielleicht
identisch mit nr. 1; Oc. Met. 12, 284. [Stoll.]
Kommatrene [Kouuaynvr,), diePeisonihkation
der Landschaft Kommagene ist dargestellt an
dem Deukmal von Nemrud-dagh bei Kjachta
nördlich von Samosata, welches Antiochos von
Kommagene errichtet hat als Kultstätte seiner
Ahnen und der Gottheiten Zeus-Oromasdes,
Apollon - llithras - Helios - Hermes, Artagnes-
Herakles-Ares und der Landesgöttin Komma-
gene, s. Puchstein, Ber. üb. e. Reise in Kur-
i distan, Monalsber. d. Kgl. Pr. Ak. d. ^^. zu
Berlin 1883 [p. 29— 64] p. 50 f., Inschrift, IIa
Z. 9 ff : Aioneg \ wg bgag ^Jiög zs 'P.gOLLÜGÖOv
Kai 'AtzöX Xcovog Mt'&gov W.i'ov 'Eguov y.ci'i
Agzu yvov 'Hgay.Xicv; "Agscag ifirjg zs nuzgi'Sog
navTgöqov Kouuayni'rjg &E07zg£ nr\ zctvza
uyaXuaza ■/.u&idgvadu.rjv v..z. X.; vgl. p. 56 u. 61.
Humannu. Puchsttin.Reis. i. Kleinas.u.Xordsyr.
p. 258. 282. 295. 319f. 336. 348. 372. [Drexler.]
Kommes (Kouarjg), rätselhafter Gott in einem
i griechischen Zauberpapyrus in Berlin, heraus-
gegeben von Parthey in den Abhandl. d. Berl.
Ak. phil.hist. Kl. 1S65 S. 153 Z. 118fi\, der (ab-
gesehen von dem ägyptisch-magischen Kauder-
welsch) angerufen wird als usyiazt &?h Kbu-fing.
zrjv rjuigciv tpcoz(£<ov ... b rrjniog uvctzslXtov
. . . bXov nbXov 8l[oft]eva>v ... b iavzä ovv-
yivoutvog v.ul bvvaaovuivog Ttgocav^ijza y.ai
TioXvifazi'eza . . . vödza>\- (figiazs &££ Koflinj
1281 Komnaros Komos 1282
iCofijifj . . . 6 fiiyioxog Kai lapjqbs &tog ... Im Gesang und Tanz verbundene und in sehwär-
Folgenden scheint er mit dem Tlaiav Koloqxi- mende Umzüge übergehende Festgelage re-
viog $oißog, dem 'Anollav KXäotog, identificiert präsentierend, besonders auf Vasengem'älden
zu werden, sodafs er im wesentlichen ein dargestellt. Auf einem Vasenbild der Hamil-
Licht- und Sonnengott gewesen sein dürfte tauschen Sammlung (Tischbein, Collect, of in-
(vgl. auch die vorhergehenden Anrufungen). gravings etc. t. 2 tab. 44. Müller -Wieseler,
Parthey a. a. 0. S. 166 bemerkt dazu: „Zur D. A. K. 1 Tfl. 41 nr. 473) Komos, die bakchische
Erklärung dieses sonst unbekannten Ausdrucks Thalia keck und begehrlich fassend. Komos
(Ä'ofi,u(js) läfst sich nur anführen, dals einer mit der Lyra, Mus. Borb. 2, 45. — Philostr.
von den 36 Dekanen, welche die 12 Zeichen des 10 Imag. 1, 2 (vgl. 25) beschreibt ein Gemälde, auf
Tierkreises einnehmen, der dritte im Schützen, welchem er trunken und müde nach dem Fest-
KofLiie heifst. Salm, de ann. clim. p. 612.... mahle dargestellt war, mit auf die Brust ge-
In der Dekanenliste bei Firmicus (astron. 4, 16) senktem Haupte, im Stehen schlummernd, mit
heifst er Chenen; in den hieroglyphischen gesenkter Fackel und übergeschlagenen Beinen,
Texten Kenemu. Lepsius Chron. 1 p. 68. 71". Müller, Handb. d. Arch. §385, 7. 392, 1.
Die Charakteristik des Kommes als Licht- und Welcher zu Philostr. Imag. p. 202 — 215. Alte
Sonnengott, seine Identifizierung mit Apollon, Denkm. 3, 125—135. Stark, Niobe 298. Preller,
endlich die Bezeichnung als vr\niog ävaxillav Gr. Myth. 1, 556. 592 f. Gerhard, Gr. Myth. 1
machen es mir wahrscheinlich, dafs Kommes § 464, 2 § 466. [Stoll.] [Vgl. ferner das schöne
im Grunde mit Horos (s. d.) gleichbedeutend 2u rotfig. Vasenbild bei Gerhard, Aiaerl. V. Taf. 56
ist. [Über jenen Dekan s. auch Brugsch, = Baumeister, Denkm. S. 1301 Fig. 1443; mehr
Tlws. inscr. Aeg. Abt. 1 p. 12. 148. 156. 162. bei Heydemann, Satyr- u. Bakchennamen S. 15
163. Im s. g. h. Buche des Hermes an As- (Dionysos giebt dem als Satyrknabe dar-
klepios, Pitra, Anal. sacr. et class. 5, 2 p. 290 gestellten KOMOS zu trinken, anwesend
heilst es von dem 33. Dekan: Obxog bvotia Ariadne und Tragodia); den Aryballos, früher
££Et Xovovuog, kuI iaxiv av%e<oitog jrfpifjcoö- in Athen, jetzt in Berlin (nr. 2471), beschrie-
fiivog änb z&v (lacxcov egos xmv aoxQayalcov, ben von Heydemann, Satyr- u. Bakchennamen,
inl TJjs Kscpalfig t%mv ßaeiltiov, Kai iv [itv 5. Hall. Winclcelmannsprogr. 1880 S. 12 (nebst
rij äs^LÜ jnfipl v.axi%cav vSqlohtjv, iv de xfj Litteraturangaben), wo KOMOS als Satyr im
svaivvfiü) BnrjnrQov. Kvqievsi Si ovxog xäv 30 Thiasos des Dionysos erscheint; den Krater
TtQodrjlüi&svxcDv. rXvtpov ovv xovxov iv XC&co in Neapel (nr. 2369), beschrieben von Heyde-
ftTjdtxrö, y.al vitofttlg ßozuvrjv &VQei'ov, xuxä- mann a. a. 0. S. 15 (KQMOS leierspieiend im
v.lsiaov iv oo ßovlu, Kai rpogii. Dresler.] Gefolge des Dionysos); den Krater in Wien,
Vgl. Knuphis. [ßoscher.] beschrieben von Heydemann a. a. 0. S. 20
Komnaros (KaiuvuQog), Beiname des Zeus (bakchische Liebesverfolgung, in der zwei
auf einer italischen Inschrift zä> Au Km- Satyrn Hedyoinos und KQMOX heifsen); des-
ij,vc>Q(p Kai Ali 'Ei.sv&iQia> vtisq avxov Kai gleichen in Wien, Heydemann S. 20 (KQMOZ
nolixäv 'loTtivcov, C. I. G. 3, 5874. [Höfer.] mit drei andern Satyrn [darunter Hedyoinos]
Komodia (KmiicpSia, Comoedia), die personi- im Gefolge des Dionysos); die Amphora in der
ficierte K(ay,coSia (vgl. Komos), dargestellt: 40 Sammlung J. de Witte zu Paris, Heydemann
1) auf einem Nolaner Krater der Sammlung a. a. 0. S. 21 (KOMOS als Satyr flötenblasend,
Coghill, jetzt im Louvre, als Bakchantin anwesend eine Bakchantin und ein anderer
und Begleiterin des Dionysos, welche in den Satyr); die Coghillsche Vase, Heydemann a. a. 0.
Händen Kantharos und Thyrsos trägt: Heyde- S. 21 (Dionysos dem Flötenspiel des Satyrs
mann, Satyr- und Bakchennamen, Hallesches KAMO£ [sie!] lauschend etc.); die Hamilton-
Winckelmannsprogr. 1880 S. 16 (nebst Littera- sehe Vase bei Heydemann a. a. 0. S. 22 (KAMOZ
turangaben); U. I. Gr. 8356. — 2) in einem Ge- mit Oinos, Eudia, Thaleia und Pothos schwär-
mäldedes Aetion, Zeitgenossen Alexanders d. Gr., mend und springend); die Amphora im Brit.
nach Plin. n. h. 35, 78: [Aetjionis sunt nobiles Museum nr. 788, Heydemann S. 27 (der Satyr
picturae Liber pater, item Tragoedia et Comoedia : 50 KOMos die Doppelflöte blasend); die Trink-
etc. Brunn, Künstler gesch. 2, 245. — 3) auf schale im Brit. Museum nr. 811* (Götter-
eineni Relief des Archelaos (Zeitgenossen des gelage, darunter Dionysos und Ariadne, denen
Tiberius), sog. 'Apotheose Homers' ; vgl. Brunn, zur Bedienung der Satyr [K]QMOZ zur Seite
Künstlergesch. 1, 584ff. Baumeister, Denkm. steht); die Trinkschale in Berlin (nr. 2532;
1,112 Fig. 118. Kortegarn, De tabula Archelai. KOMOS als Silen vor einer Nymphe tanzend,
Bonn 1862 (hier ist K. im Armelkleid der Heydemann a. a. 0. S. 25). Siehe die genaue-
Bühne hinter der Tragodia einherschreitend ren Litteraturangaben bei Heydemann an den
dargestellt: vgl. Friederichs-Wolters, Gipsabg. angeführten Stellen und S. 37. Zu diesen
nr. 1629 mit Litteraturangaben). — 4) Weib- schon von Heydemann gesammelten Beispielen
liehe Herme von Marmor in dem Theater der 60 kommt noch hinzu die Berliner Vase nr. 2658
Villa Hadrians mit einer andern Herme (= (Komos von Knaben, von denen einer Käu.og,
Tragödie?) gefunden (künstliche hohe Frisur, ein anderer Uaiav benannt is,t), das Kelief in
Bekränzung mit Weinlaub); Friederichs-Wolters Villa Albani bei Baumeister, Denkm. S. 701
a. a. 0. nr. 1446 (mit Litteraturangaben). Vgl. Fig. 759 = Zoega , Bassiril. 1, 52 (Komos [?]
auch Muller, Hdb. d. Arch. § 388, 5. [Röscher.] mit Fackel und Weinkanne nebst den Hören
Könios (Äräfjos, dor. Kä/xog), bakchischer Da- und andern Gottheiten einem Hochzeitspaar
mon, zu den Satyrn gehörig, ein Geselle des Gaben darbringend). Vgl. Kamos. Röscher.]
bakchischen Thiasos, das fröhliche, mit Musik, Komos s. Kobis.
Röscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 41
1283 Komyros Kora u. Demeter (Namen) 1284
Komyros (Koiivgog), Beiname des Zeus in 19, 1. Pherekydes nannte ihn Kynon, Sclwl.
Halikarnassos, Tzetz. Lyk. 459. Auf Inschriften II. 19, 53. [Stell.]
aus dem Tempel des Zeus Panamaros (s. d.) Kopeoii s. Kopeus.
zu Stratonikeia wird öfter ein Koy.vgi.ov er- Kopeus (Kconsvg), Sohn des Apataleus, der
wähnt, Butt, de corr. hell. 11 (1887), 380. 381. ein Sohn des Onchestos, Enkel des Poseidon
385. 389 nr. 6; ferner /xvezrigia zov Koiivgiov war; Gründer der boiotischen Stadt Kopai. Nach
p.385; Tgl. 380; 15 (1891), 186. 188; ebenso Steph. B. v. Ktonat. bei Athen. 7, 296b heilst
9vp,ara Kouigia p. 387; das Fest, die Kofiv- er Vater des Meerdämons Glaukos. Der Heros
gia, dauerten zwei Tage, p. 380. 385; vgl. Kopeon heilst Gründer v. Kopai b. Schol. II.
Deschamps- Cousin zu p. 381 und 12 (1888), 10 2, 502. Mütter, Orchom. 238. [Stoll.]
91; ebenso 15 (1S91), 202 nr. 143. 203, nr. 144. Kopreus (Kongsvg) , 1) Dienstmann des
204, nr. 145; Athen. Mitt. 16 (,1891) 414. Eurystheus in Mykenai, welchem dieser die
Da die Komyria mit Mysterien verbunden Aufträge an Heiakies inbetreff der Kämpfe
waren und eine Menge von Weihinschriften zu geben pflegte, weil er den Gewaltigen aus
(Corr. hellen. 12, 487 ff.) erhalten sind, welche Furcht nicht in die Stadt hereinliefs. Sein
bekunden, dals dem Zeus Panamaros (s. d.) Sohn Periphetes begleitete den Agamemnon
von seinen Verehrern das Haupthaar dar- nach Troja und fiel durch die Hand des
gebracht worden ist, so ist es nicht undenkbar, Hektor, besser an jeglicher Mannestugend als
dafs unter diesen Mysterien die dem Zeus der viel schlechtere Vater, II. 15, 638 ff. Er
Panamaros dargebrachten Weihungen des 20 war Sohn des Pelops und floh wegen des Mordes
Haares zu verstehen sind, vgl. Deschamps- des Iphitos aus Elis nach Mykenai, wo er von
Cousin a. a. 0. 12, 487. 15, 174 ff. [Höfer.] Eurystheus entsühnt ward und wohnen blieb,
Konabos (Kövußog), von xövaßog = Gerassel, Apollod. 2, 5, 1. Schol. II. 15, 639. In den
Lärm: eines von den vier Rossen des Ares: Rerakliden des Euripides ward Kopreus als
Q. Smyrn. S, 242 f. Ai&a>v Hai $Aoyios, Kora- Herold an die Athener geschickt, um die Aus-
ßog, ä' iitl zoibi ^oßog zs, || zovg Boghj nsla- lieferung der Herakliden zu fordern, und
äovzi zins ßloovgcomg 'Egwvvg hzX. Vgl. hin- trat übermütig und gewaltthätig auf. Nach
sichtlich der Vaterschaft des Boreas ob. Bd. 1 Philostrat. Vitae Sophist. 2,1, 550 trugen die
Sp. 804 f.; hinsichtlich des Rofsnamens Aiarcov attischen Epheben bei öffentlichen Aufzügen
ob. Bd. 1 Sp. 200. $loy£og heifst nach Stcsich. 30 eiae dunkle Chlamys, um durch dieses Zeug-
ZV. 1 Bergk das Rofs des Kastor (vgl. auch nis öffentlicher Trauer dem Kopreus, Herold
das Sonnenrofs ^liycov ob. Bd. 1 Sp. 2006). des Eurystheus, der von den Athenern getötet
>P6ßog ist auch nach Antimach. b. Schol. II. worden war, Genugthuung zu leisten. —
13, 299 ein Rofs des Ares, während der Name 2) Boioter, Sohn des Haliartos, König in der
sonst einen Sohn und Begleiter des Ares be- Stadt Haliartos; er erhielt von Poseidon das
zeichnet (s. Phobos). [Röscher.] in dem Gebiet von Haliartos erzeugte Rofs
Kondyleatis ( KovSvlsÜTig) , Beiname der Areion (s. d.) und gab es später dem He-
Artemis in dem arkadischen Ort Kondylea rakles, Schol. IL 15, 639. 23, 346. — ■ [3) Heros
(s. E. Curtius, Sitzungsher. d. K. Preufs. Ak. auf einer Inschrift von Teos C. I. G. 2, 3069
d. Wiss. 1887, 1170), die auch 'Anuy%oy,iviq 40 p. 649. Höfer.] — \Thraemer, Pergamos p. 64.
hiefs, s. d. Erzählung bei Paus. S, 23, 6 f.; Drexler.] [Stoll.]
vgl. Kallimachos bei Clem. Alex, protr. 11 Koptites s. Lokalgottheiten,
p. 32 Potter; doch unterscheidet Clem. a. a. 0. Kora (Koga).
hiervon eine andere Artemis Kovävlizig, die t»_-_-*. ,,„^i -c- r-o „„„-u„„.v,
. ,r ,, , , j ro i TT Demeter und Kora (Fersepnonei.
rn Methymna verehrt wurde, lo. auch Usener,
Kallone, Rh. Mus. N. F. 23. 1868 p. 336 Anm. 56. A- Namen nnd Etymologie.
Drexler.] Immerwahr, ArJc.Kultel,159. [Höfer.] Demeter (dnyr'jzrig). Neben dieser gewöhn-
Koueides = Konnidas (s.d.). liehen Namensform findet sich auch Arjfinzga, am
Konisalos (KovioaXog), ein attischer Dämon, sichersten bezeugt in der Grabschrift des Heros
wie Orthanes und Tychon, im Gefolge des 50 Phytalos bei Paus. 1, 37, 6, wo metrische
Priapos und mit demselben Abzeichen ver- Gründe jeden Zweifel heben; unsicher ist die
sehen, Aristoph. Lys. 982 und Schol. Plat. Lesart Rät. 2, 123. Plat. Cratiß. 404, während
Com. b. Athen. 10, 441 f. Strab. 13, 588. sie fast allgemein angenommen ist für Aristot.
Resych. u. Suid. s. v. Gerhard, Gr. Myth. 1 oec. 2, 1349, 15. Diud. 1, 13, 4; 5,68,1. Apollod.
§501. Vgl. auch Art. Kotys am Ende. [Stoll.] 1, 1, 5, 1. 5, 2, 2. Schol. Apoll. Rh. 4, 998.
Konnidas (KavviSus), Pädagog des Theseus Clem. AI. Protr. 2, 15. Suid. s. v. u. a. ; vgl.
in Troizen, welchem die Athener am Tage vor Lobeck, Paralip. S. 142, Erweiterung zu dritir]-
dem Theseusfeste einen Widder als Toten- znga, Etym. M. 281. Cramer, An. gr. 2, 300.
opfer darbrachten, Plut. Thes. 4. Bei Resych. — AEMETPH auf der Triptolemosschale des
heifst er Kov8iSrtg, Mommsen , Reortolog. 280. 60 Hieron, Mon. d. Inst. 9, 43, ist wohl nur ver-
[Nach Töpffer, Att. Geneal. S. 310 (vgl. 172, 1) schrieben; Jaiiuzgu in einer boiotischen In-
ist er vielleicht der Ahnherr des attischen schritt bei Collit: , D. I. nr. 560. — Dorische
Geschlechts der KovsCäai (Hesych.). R.] [Stoll.] Form ist jdafj.ärrjg z. B. in den Inschriften von
Koon (Kocov), Troer, Sohn des Antenor, Hermione, C. I. G. 1193ff.; aus Lakonien,
Bruder des Iphidamas, der den Agamemnon 1434. 1464; Kreta, 2567. 2599; Knidos.
verwundete, von diesem aber erlegt wurde, Newton, Ralicarn. 2 S. 71 5 ff. ; auch nicht-
ig 11, 284. 19, 53. Tzetz. Rom. 194. Dar- dorische Orte bieten diese Form, so Manti-
gestellt am Kasten des Kypselos, Paus. 5, neia, Ltake, Trav. i. Mor. 1, 112; Tegea,
1285 Kora u. Demeter (Namen) Kora u. Demeter (Namen) 1286
C. I. G. 1518; Ambrysos in Phokis 1727 3) von daüo — y.alm; dies wurde als An-
vmd besonders Boiotien; s. Dittenberger, Inser. spielung auf das Fackelattribut angesehen,
Megar. Orop. Boeot. 1670,71. 1810. 2876. 3213. Etym. M. 263 extr. 265, 53. So ist wohl auch
Die meist für attisch gehaltene Kadmoshydria die eleusinische Inschrift dyoi zu verstehen.
in Berlin, Furtwängler 2634 (Gerhard, Etrusk. Während diese Etymologieen keinen neuen
und campan. Vasenb. Taf. C) ist aller Wahr- Verteidiger gefunden haben, hatten andere
scheinlichkeit nach tarentinisch. Lyriker ein besseres Schicksal:
und Dramatiker bevorzugen die dorische Form, Von W. da geben; SiSovea ä>g ftjjrijp,
Find. Ol. 6, 95. Isthm. 1, 57. 6, 4. Eur. Fhoen. Nahrungspenderin, Plat. Gratyl. 404°; vgl.
685. Ar. Flut. 555. 872. — Vereinzelt steht der 10 Polt in Kuhns Zeitschr. 6 S. 118;
Gen. dafiazQog in einer Inschrift aus Aigai in Die Nebenform JrjfirirsiQa erklärt Etym. M.
der Aiolis, Jahrb. d. arch. Inst. Suppl. 2 S. 42. 281, 9 als Bändigerin. Leo Meyer, Bemerk.
Sehr häufig, besonders im eleusinischen z. alt. Gesch. d. gr. Myth. S. 57 will die
Kulte, war die Form dnä, für die eine sehr W. yam, djam, dam zum Grunde legen und
späte Inschrift aus Eleusis dnd setzt, C. I. G. in Demeter die dem indischen Totengotte
434', wie es auch in dieser Form dreimal in Yania entsprechende griechische Form finden,
dem Orakel bei Paus. 8, 42, 6 vorkommt, vgl. Mit Recht bemerkt Mannhardt a. a. 0. S. 283
Etym. M. 264, 8. — dnficS bei Suid. s. v. ; hierzu, dafs man kaum den Namen dnafjzrjQ
Zonar. Lex. 501; Etym. M. a. a. 0. — Preller, in ein so hohes Alter hinaufrücken dürfe und
Demeter und Persephone S. 135 Anm. 16 hält 20 dafs Demeter gewifs nicht ursprünglich Unter-
dies für den angenommenen Namen Demeters weltgöttin war.
im orphischen Hymnus entsprechend der dag dr\^i\z-i\Q = drujLoarjzrjg bieten Etym. M.
des homerischen. 265,53. Etym. Gud. 140. 141. Greg. Cor. 752. —
Die Bedeutung des Namens an sich hat in J. Baunack, Uli. Mus. 1882 S. 475 hält dafio-
alter wie in neuerer Zeit grofBe Meinungs- fir'iznQ für die ursprüngliche Form und Über-
verschiedenheiten hervorgerufen; eine Zu- setzt: 'Mutter des Landes'; ihm stimmt mit
sammenstellung und Kritik der Versuche s. bei Vorbehalt zu Crusius, Beitr. z. gr. Myth. S. 16
Mannhardt , Mythol. Forsch. S. 281 ff. Im Anm. 1. Mag auch sprachlich diese Ableitung
Altertume fand am meisten Beifall die Gleich- möglich sein, so ist es doch bedenklich, auf
setzuug von dnufizriQ und rVjfirjtrjp, die Mutter 30 Demeter schon in ältester Zeit den mit dfjuog
Erde, vgl. Pott, Indog. Spr. 2 S. 386. Der verbundenen Begriff der Beschränktheit zu
Ausruf Sä, Aisch. From. 560. Ag. 1072. Eam. übertragen, der weder zu ihrem historischen
835. Arist. Lys. 198 u. öfters wurde als die Ursprünge als der alten Hauptgöttin der vor-
dorische Form für Erde betrachtet, was Ahrens, homerischen Periode noch zu ihrer späteren
De dial. dor. S. 80 unter Zustimmung von Funktion im Götterstaate der griechischen
G. Curtius, Etym. 2 S. 78 überzeugend wider- Vulgärmythologie stimmt.
legte. Dafs aber eine Nebenform Sä oder Sfj Von der kretischen Form Snai für %Qi&ai,
existierte, ob dorisch oder nicht, beweisen Gerste, stammte der Name nach Etym. M.
'EvvoaCSag für 'EvvooCyaiog bei Find. Pyth. 264, 9; sprachlich ist es als ältere dorische
4, 58. 306 und die vvfLtpczi 'EvSnlSeg bei 40 Form für Jac« sehr wohl erklärlich, und den
Hesych. s.v., die Landesnymphen in Kypros, die so entstehenden Begriff 'Kornmutter' hat Mann-
den Inselnymphen von Lesbos, den 'Evvrjoiddsg hardt a. a. Ü. S. 293ff. sehr scharfsinnig abge-
(Hesych. s. v.) entsprechen, unter den Alten leitet. Schon Preller, Demeter u. Fers. S. 368
erklären auf diese Weise den Namen Demeter hatte an die Aufnahme dieser alten Etymologie
Cic. de nat. d. 2, 67; vgl. 1, 40. Phil, de vit. gedacht; vgl. Crusius a. a. 0. Jedenfalls ist
contempl. 1. Orph. bei Diod. 1, 12, 4. 3, 62, 7. diese neben FriiirjzrjQ die einzige, welche auf
Schol. Aesch. Eum. 835. Greg. Cor. p. 373 Wahrscheinlichkeit Anspruch machen kann.
(Schäfer). Sext. Empir. adv. math. 9, 189. Andere moderne Erklärungsversuche, wie
Suid. s. v. JrjßrjTTjQ; Tzetz. zu Hes. op. et d. den von Sonne, Kuhns Zeitschr. 10, 133 und
32. Eustath. ad Od. 1528, 16. Etym. M. 264,9. 50 Lehrs, Popul. Aufs. S. 97, der d. von Snfiog
265, 63. Etym. Gud. 140. 141. Gegen neueren mit suff. zng ableitet, von Schümann, Aesch.
Skeptizismus hat diese Ableitung am ener- From. S. 313 dri(ir]zng = diu firjzrjg = fi-iü
gischsten Welcker, Gr. Götterl. 1 S. 385 ff. firjzrjg, von Max Müller, Vorles. üb. d. Wiss.
verteidigt; ihm schlofs sich Preller - Pleiv , d. Spr. 2 S. 474; Kuhns Zeitschr. 19, 43 und
Griech. Mythol.3 1, 618 an; dagegen s. be- von Grafsmann, Kuhns Zeitschr. 16, 161: d. =
sonders Lehrs, Popul. Aufs.* S. 279; Mann- Dyävä mätar, Himmelmutter, erledigen die
hardt a. a. 0. — Andere alte Erklärungen sind : Widerlegungen Mannhardts a. a. 0.
1) von Sr'jco, ich werde finden, Etym. M. P ersephone heifst bei Hom er stets TTfpof-
263, 51. 265, 53. Eustath. ad II. 760, 32; ad Od. (pövsia, vgl. Eustath. ad II. 763, 59. Als ältere
1675, 18, was auf das Suchen der Tochter oder 60 Form nennt Eustath. a. a. 0. und 1665, 11
die Erfindung der Feldfrucht bezogen wurde; <$£go£cp6vr], die sich auch bei Find. Ol. 14, 21.
2) von Saia = Y.t7tzsB&ai, was Etym. M. Isthm. 7, 55. Nem. 1, 14. Pyth. 12, 2, bei
263, 53 auf das Pflügen bezieht, während Simonid. frgm. 127 findet, allerdings dorisch
264, 9 erklärt wird ort noXXijv idyaos yr\v auf a auslautend; ebenso Inschriften aus Kreta
zovte bzl d'(f/toi/>£ ^tjZovBa zr{V 9vyaz£Qa. (C. I. G. 2599) und von den nichtdorischen
r) czi Xvrtovasvrj — idctiiTo zr\v ipvxyv. Von inseln Chios 2237, ferner Melos 2439, während
demselben Stamme r] nEusQioatvrj izäeiv, Tzetz. $tQG£tf>övn C. I. G. 405. 538. 800b. 808 (Attika)
in Lyc. 621; und 2347° (Melos); ftigafcpövstav, Orph. //.41,5
41*
1287 Kora u. Demeter (Namen) Kora u. Demeter (thessal. Kulte) 1288
bezeugtest. — Als eigentlich attische Form nennt Plut. Mor. 942 D setzt 77. = $cocq)6gog. —
Moiris ^>sggicpazza, wie die Göttin auch in Gornut. 28 leitet es von tpigtiv und novog ab.
der Sesselinschrift des Dionysostheaters heifst, Piaton, Cratyl. 404 Iligaitfaaaa = $>igiitacpa
C. I. A. 3, 293; die Dichter bieten meist §iä zr(v snctqiijv toü cpiQoatvov ist natürlich
Persephatta, Aesch. Choeph. 483. Soph. Ant. nur witzige Spielerei. — Ganz abweichend ist
894 (hier liest man auch Gsgotipazzcc). Eur. die zweite Erklärung des Etym. Gud. a. a. 0.:
Or. 964. Phoen. 684. Hei. 173. Ar. Thesm. Ilegaivg -xaXiizai 6 "Hliog . . . r\ avaSoaig xnv
287. Man. 671. ■ — Die von Moiris genannte aizov, r) änb zov ifiiov yivoixivrj.
Form war nach Fiat. Cratyl. 404c als Euphe- Die neuere Etymologie hat fast einstimmig
misrnus beliebt; das kleine Eleusinion hiefs 10 wie Plut. a. a. 0. in -yovrj , -<f,äaaa den Stamm
populär Qiggtyuzziov , F)em. in Con. 1259, 5. cpa des Verbums cpaiva erkannt; Welcher, Gr.
Hesych. s. v. — Das Korafest in Kyzikos Götterl. 1, 394. Ebel in Kuhns Zeitschr. IS. 297
heifst bei Plut. Luc. 10 $8ggtcp<izziix. — Am weist auf die ähnliche Bildung im Participiuin
schwankendsten ist die Form des Namens in iaaoo> hin; auch Sonne in Kuhns Zeitschr. 10
den Vasenbildern: üegocpaza, München nr. 340 S. 133 stimmt dem bei. Weit schwieriger ist es
= Müller -Wieseler 2, 111; nagaioqiaza, Strube, aber für die beiden ersten Silben eine Erklärung
Supplement Taf. 3; <Pcgoq>azzuy Mon. d. Inst. zu finden. Welcher a. a. 0. denkt an q>iga>
9 Taf. 43; <I>FQtq>aGa, 0 verb eck , Atlas zur besonders in dem „altertümlich prägnanten
K. M. Taf. 15, 24. Bei Gerhard, Trinksch. u. Sinne des Nahrens" (vgl. yigßsig, Orph. h.
Gef. Taf. H lesen wir EPPEOA, das zu LTtggs- 20 29, 16), doch ist er selbst durch dieses „aus
tpctzzu zu ergänzen (C. I. G. 8348. Kretschmer beiden passenden Begriffen gebildete Compo-
in Kuhns Zeitschr. 29 S. 450) kein Grund vor- situm" nicht befriedigt. In der That ist für
liegt; hier ist wohl eher an ein Femininum diese älteste Bezeichnung eine solche Ver-
zu "Egzßog zu denken. — Als lakonische Form quickung der Vegetations- und Lichtgottheit
nennt Hesych. (s. v.) Ilrigsipövsio:; ITjtigicpova unmöglich anzunehmen. Auch zwingt die
auf einem Helme aus dem von Sparta besiedelten zweimal bezeugte dorische Form LTrjgs- bezw.
Lokroi Epizephyrioi, Kaibel, Insc. gr. Sic. et JTijpr- einen stärkeren Stamm anzunehmen,
Ital. 631; vgl. Solmsen in Kuhns Zeitschr. aus dem durch Kompensation diese Form
29 S. 357, der diese Form als Ableitung vom entstanden ist. — Ganz unmöglich ist auch
Aoriststamme erklärt, während Ahrens, De 30 die Erklärung Försters (a. a. 0. S. 278) als
dial. dor. S. 112 fitäoct = fiovaa in Parallele • Lichtzerstörerin, von nigdco, bei der ursprüng-
stellt, vgl. Gott. Gel. Anz. 1883 S. 128 [Fick). liehen Bedeutung Persephones als Mondgöttin.
Auch für diesen Namen liegen die ver- — Sonne a. a. 0. nimmt den Gedanken des
schiedensten Erklärungen aus dem Altertume Etym. Gud. wieder auf und erkennt in IJagas
vor. Vgl. Förster, Baub u. Bückk. d. Persephone die W. pars (prsh) „strömendes Licht", woraus
S. 277 ff. Volksetymologisch wurde die zweite er dann die „lichtglänzende Mondgöttin" er-
Hälfte des Wortes -cpovrj als cpovsvovea mit hält, die einzige bisher (wenigstens sprachlich)
derHerrscherin der Unterwelt in Zusammenhang befriedigende Erklärung,
gebracht, und das Wort hatte dadurch für viele _ _ .. ..... , T , , . ...
etwas Unheimliches, Piaton. Cratyl. 404°. « B' Kultstatten und Lokalsagen der beiden
Cleanth. bei Plut. Is. et Os. 66. Orph. hymn. Göttinnen.
29, 16 (Abel). Etym. M. 665, 47. 790, 52. Zum Ausgangspunkte nehmen wir Thessa-
Eustath. ad II. 763, 59; ad Od. 1665, 11. lien, wo das Dotische Gefilde Sitz eines
Etym. Gud. 462, 58. — Orphica und Etym. M. alten pelasgischen Demeterkultes ist. Kattim.
a. a. 0. leiten die erste Hälfte von tpsga, h. in Cer. 26 erwähnt einen heiligen Hain der
qjigßco ab, und deuten dann Phersephone als Göttin daselbst und lokalisiert auch dort den
die Göttin, die alles bringt, d. h. hervorbringt Erysichthonmythus , vgl. Diod. Sic. 5, 61.
und wieder dahinrafft. Porphyr, de abst. 4, 16 Palaeph. incred. 24. Preller, D. u. P. S. 329 ff.
erklärt den Namen nagä zo tpigßsiv irtv Bd. 1 Sp. 1374.
rpdzzctv. — Auch Cleanthes a. a. 0. sieht 50 Pherai. Die Fackelträgerin auf Münzen
das Verbum epsgeo darin, doch ist es bei hält Eckhel , D. N. 2, 147 für Demeter. Vgl.
ihm tb Sicc Kagnäiv tpsgöpisvov Kai epovsv- Lobeck, Aglaoph. S. 1213.
öfitvov TtvtvfjLa. Etym. Gud. a. a. 0. sagt Pyrasos, die Weizenstadt (Steph. Byz. s.v.)
naga zö zovg aTto&vriOKOvzag ngbg avzfjv tps- hat nach Homer B 696 ein drjtirjzgog zifitvog.
gsa&ai r\zoi zovg cpovev&ivzag. Eustath. a.a.O. Später wurde der Ort Demetrion genannt,
will ein & einschieben und in beiden Bestand- Strab. 9, 435. Skyl. 64. — Strab. a. a. 0. führt
teilen Synonyma cp&ti'gsiv und cpovtvsiv er- ein J/iur,zgog äXoo; Karl ff gbv uyiov daselbst an.
blicken; für die Form TltgaiipuGou setzt er Inschrift an D. und K. Bull, de corr. hell. 15
ipd^co = q>oviva>. — Wie Cleanthes denken S. 562 ff., wo auch Hagnaios und Megalar-
an cpovzvto&ai und nicht an cpovsviiv Teetz. 60 tios für P. als Monatsnamen bezeugt werden,
zu Hes. op. e. d. 32. Schol. Hes. Theog. 913 Thebai (ThesB.). Münzen bei Mionnet,
und ebenso Ioan. Biae. und Exeg. z. d. St.; Suppl. 3 S. 528 nr. lOOff. Overbeck, K. 31. 2
die erste Hälfte des Namens wird durch ns- S. 450, 6.
gicaäg erklärt; doch denkt Tzetz. an die Halos in der fruchtbaren grofsscholligen
negieeol cpövoi y.ctl nöltfioi um den Besitz Phthiotis hat einen Monat Dematros, ferner
von Ackerland, die anderen an das jährliche einen Monat MsyaXdgziog, der an die D. fieyä-
Absterben der Vegetation. — Hesych. s.v. $sg- Xagzog von Skolos in Boiotien (Athen. 3, 109a;
atcpövi la sieht darin eine tptgovoa zo äepsvog. 10, 4l6b) erinnert, um so mehr, als auch ein
1289 Kora u. Demeter (thessal. Kulte) Kora u. Demeter (boiot. Kulte) 1290
zweiter Monatsname 'OßoXmiog auf die ent- Einen Monat Damatrioe bezeugt für 0. Bull.
sprechenden Kultformen des Zeus und der de corr. hell. 4 S. 537; 9 S. 412. Dittenberger
Demeter in Theben weist, und auch ein dritter a. a. 0. 3172, 141. Ohne einen bestimmten
Monat Hagnaios diesem Kreise seinen Namen Ort namhaft zu machen sagt Plut. de Is. et Os.
verdankt; Rev. archc'ol. 1876, 1 S. 253ff. 69, dafs im Monate Damatrios, dem attischen
(Heusey); Berl. Sitzungsber. 1887 S. 557 ff. Pyanepsion, die boiotischen Weiber ein Trauer-
(Lolling); vgl. Bull, de corr. hell. 11 S. 371 fest der Demeter Achaia begingen.
(Foucart) und Jahrbb. f. kl. Phil. 1892 S. 483 c) Kopai besafs nach Paus. 9,4,3 Tempel
(Bischoff). der Demeter, des Dionysos und Serapis. In
Antron, Hom. h. in Cer. 491. 10 der Nähe sollen in alten Zeiten ein Athen
Malis. Anthela hatte nach Hdt. 7, 200 und ein Eleusia existiert haben; von dort
ein Heiligtum der Demeter Amphiktyonis, die stammt die Inschrift zlufiazga bei Collitz, D. I.
diesen Namen sowie „Pylaia" als Schutz- 1, 560.
göttin des Amphiktyonenbundes führte. Akri- d) Lebadeia. Hier wurden die Götter-
sios, der Heros der pyläisch- delphischen Am- paare Trophonios und Herkyna, Zeus Hyetios
phiktyonie wird als Stifter eines Tempels der und Demeter Europe nebeneinander verehrt,
D. Pylaia in den Thermopylen genannt, Callim. Paus. 9, 39, 4; D. galt als Amme des Tro-
epigr. 40 (Schneider). Strab. 8,420. 429. Schol. phonios. — Später wurden Demeter und Her-
Hom. TL 174. Erotian s. v. IJvXag, vgl. Schol. kyna zu einer Gottheit verschmolzen, Ly-
Eur. Or. 1094. Bröndsted , Reisen 1 S. 112. 20 cophr. AI. 153; vgl. Schol. dazu. Tzetzes
Schümann, Altert. 2 S. 32. Gilbert, Griech. z. d. St. schliefst daraus, dafs Herkyna, des
Staatsalt. 2 S. 408. Bürget, Die pyl.-delph, Trophonios Tochter, den Demeterdienst in
Amphikt. S. 4. Amphiktyonenmünze bei Head, Lebadeia begründet habe. Ein Demeterfest
Coins of the A. Tat. 22, 25. 'Egnijvia, Hesych. s. v., ist vielleicht hierauf
Lokris. a) Skarpheia verehrte eine De- zu beziehen. Vgl. Tümpel, Ares und Aphro-
meter Euryodeia, Hesych. s. v. Alter Name dite in Jahrb. f. kl. Phil. Suppl. 11 S. 717. Kora
der Stadt Eteonos Strab. 9, 408. In einem wird unter dem Beinamen Thera neben Zeus
Demetertempel daselbst Grab des Oidipus, Basileus verehrt. Erzählt wurde, dafs Herkyna
Schol. Soph. Oed. Col. 91. und Kora einst zusammen gespielt hätten,
b) Opus. Inschrift im Rhein. Mus. 27 S. 614; 30 wobei erstere eine Gans entkommen liefs.
Collitz, Dial. Insch. 2, 1507. Münzbilder bei Diese setzte sich unter einen Stein, von wo
Eckhel, D. N. 2 S. 192. Persephonekopf bei sie Kora hervorholte, und an dieser Stelle
Head a. a. 0. Taf. 22, 24. brach dann der Flufs Herkynna hervor, Paus.
c) Alponos: Thesmophorienfeier, Strab. 9, 39.
1, 60. e) Koroneia. — — Lapnai,aGa JauaxQi,
d) Kolake. Die Inschrift bei Collitz, D. I. TTtcuocpogv, Dittenberger a. a. 0. 2876.
2, 1490 nennt eine Priesterin beider Göttinnen. f) Anthedon. Tempel und Bilder der
Phokis. a) Drymaia; altes Heiligtum Demeter und Kora in der Nähe des dortigen
der Demeter Thesmophoros mit archaischem Kabirentempels, Paus. 9, 22, 5.
Kultbilde von Marmor und jährlicher Thesmo- 40 g) Mykalessos. Am Meere Tempel der
phorienfeier, Paus. 10, 33, 12. Steph. Byz. Demeter Mykalessia, der jede Nacht ver-
s. v. dpvfiiu. schlössen und wieder geöffnet wurde vom
b) Ambry sos, Weihinschrift, C. I. G. 1727. Maischen Daktylen Herakles. Früchte, die
c) Delphoi. Die Demeter tQfiovxogA.Polem. man dem Bilde zu Füisen setzte, blieben das
bei Athen. 10, 416b wollte schon Casaubonus, ganze Jahr frisch, Paus. 9, 19, 5. 27, 8. —
vgl. Preller, Polemon S. 71 in onsoaovxos ändern; h) Theben. Demeter Thesmophoros ist
ebenso Tenormant bei Daremberg et Saglio die uralte Stadtgöttin von Theben , deren
S. 1024. — Preller, D. u. P. S. 321 erklärt den Heiligtum auf der Burg das Haus des Kadmos
Namen weit richtiger durch ein attributives war, und wo deren Kult mit entsprechenden
kleines Hermesidol und meint, dafs beide 50 Festen oft bezeugt wird, Paus. 10, 6, 5. 16, 5.
Gottheiten ihrer Beziehung zur Schafzucht Xen. Hell. 5, 2, 29. Plut. Pelopid. 5. Diod.
wegen verbunden seien; jedenfalls sind in Sic. 17, 10. Ael. v. h. 12, 57. — H. D. Müller,
ihnen die alten pelasgisch- kabirischen Gott- Mythöl. d. gr. St. 2 S. 320 sieht in ihr mit
heiten zu erkennen, vgl. Crusius, Beitr. z. gr. Recht die alte Gemahlin des Kadmos - Hermes,
Myth. S. lOff. Münzen von Delphi mit D. bei wodurch „pelasgischer" Ursprung erwiesen ist.
Mionnet Taf. 32, 5. Müller -Wieseler 2 nr. 93. Aus der Vulgärmythologie wurde ihr Perse-
d) Steiris. Kult der Demeter Steiritis bei phone als Tochter beigegeben, so dafs Eurip.
Paus. 10,35,10. Die Steinten wollten Athener Phoen. 683ff. die Siävvfiai &sal Demeter,
sein. Der Tempel war aus Luftziegeln erbaut; Persephone und auch Ge als die vornehmsten
das Kultbild aus pentelischem Marmor stellte 60 Gottheiten Thebens nennt. Nach Euphor. im
die Göttin fackelhaltend dar. Ein altes Xoa- Schol. zu dieser Stelle (frgm. 48 bei Meineke)
non, durch Binden zusammengehalten, war zu ist Theben das Brautgeschenk des Zeus an
Pausanias' Zeit noch verhanden. Persephone, vgl. E. Ü. Müller, Proleg. S. 155 f.
Boiotien. a) Chaironeia. Monat Da- Als Hauptgöttin wurde Demeter mit Zeus
matrios, Dittenberger, Inscr. Meg. Orop. Boeot. Homolo'ios als Homoloia verbunden, Suid. s. v.
3303 u. a. bfibolco'Coq. Als Stadtgöttin hat sie auch kriege-
b) Orchomenos. Inschrift: zJafiarsgi rischen Charakter. Pind, Isthm. 7, 3 nennt sie
Koiaiqri s7n,dafiv — Dittenberger a. a. 0. 3213. laX-AÖ-Agozog, und ihr werden die Schilde von
1291 Kora u. Demeter (boiot. Kulte) Kora u. Demeter (att. Kulte) 1292
Leuktra (?) geweiht, Paus. 9, 16, 5. Nur auf verhältnismäfsig spät von aufsen eingeführt
sie kann sich auch das Beiwort ^iq)rt(f>6gog worden, so dafs er auf der Burg keine Stätte
beziehen, Lycophr. 152; vgl. Tzetz. z. d. St. mehr fand, Demeters Funktionen waren ehe-
Dafs Kora hier gleichfalls den Namen arfCfio- dem in Athenas Händen, vgl. den Artikel
qpo'pos führte, ist eine sehr scharfsinnige Kon- Buzyges. Dicht an der Burg lag der Tempel
jektur Boeckhs, Find. frgm. 8. • der Demeter Chloe und der Ge Kurotrophos,
Dicht bei Theben lagen die Ruinen von Paus. 1, 22, 3; vgl. Köhler in Mitt. d. ath.
Potniai mit einem Haine der beiden Göttin- Inst. 2 S. 177. 257. C. I. A. 2, 375. 631.
nen, die Tloxviai hiefsen ; die Kultbilder standen 3, 441; di\x. a.g%aioX. 1889 S. 130 nr. 4. 5
am Flusse. Der Kult war chthonisch; in die 10 (z/jjfujrpt XXörj xai Kögv ttjv Kovgozgöcpov
sogen, iityagtx wurden Schweine hinabgestofsen, Eloidorog ävi&rjutv xaz' bvsigov). Am 6. Thar-
die in Dodona wieder hervorkommen sollten, gelion wird ihr geopfert, -Philocli. im Schol.
Paus. 9, 8, 1. Ar. Lys. 835, nach Eupolis im Schol. Soph.
Vor dem Thore Nei'stai lag ein der D. Ka- 0. C. 1600 ein v.giog, wozu der Scholiast trr/ilEja
beiria und der Köre heiliger Hain, den nur bemerkt. Dafs dies Opfer nicht identisch mit
Eingeweihte betreten durften. Dem alten Ka- den Chloeia (Cornut. 28; Hesych. s. v. %Xoia),
beiren Prometheus und seinem Sohne Aitnaios einem heiteren Frühlingsfeste, sein kann (Band,
soll D. sich mystisch offenbart haben, Paus. Epikleidia S. 22), zeigt Mommsen, Heortol.
9, 25, 5. 6. — Preller, D. u. P. S. 362 macht aus S. 9. 36. 54. 416.
den Kabeiroi Gephyraier; vgl. dagegen be- 20 Auch am Asklepieion hatten Demeter und
sonders K. 0. Müller, Proleg. S. 151 f. Orcho- Köre Anteil, vgl. MM. d. ath. Inst. 2 S. 243 f.
menos- S. 435 f. Crusius , Beitr. z. gr. Myth. Taf. 18. (Köhler). Jahrb. d. Ver. d. AU. im
S. 11. Mheinl. 87 S. 1. Taf. 1. 2. (Urlichs).
i) Thespiai. Weihinschriften an Demeter, Einen Demetertempel innerhalb der Stadt
DMenberger a. a. 0. 1860; an Demeter und mit Kultbildern der Demeter, der Kora und
Hermes, Bull, de corr. hell. 1890 S. 659. De- des fackelhaltenden Iakchos von der Hand
meterpriesterin, Dittenberger &. a. 0. 1867, 2148; des älteren Praxiteles nennt Paus. 1, 2, 4.
MM. d. Athen. Inst. 4 S. 191. Monat Da- Clem. AI. Protr. 62.
matrios, Dittenberger a. a. 0. 1739. Das städtische Eleusinion (Thucyd. 2, 17;
k) Plataiai. In der Stadt ein Tempel 30 Paus. 1, 14, 3. Clem. AI. Protr. 3,45. Arnob.
der Demeter Eleusinia, Paus. 9, 4, 3. In der 6, 6. C. I. A. 3, 5, 11. 'Etp. ägx- 1888 s- l16!
Nähe befand sich ein zweites altes Heiligtum vgl. Curtius, Stadtgesch. v. Ath. S. XXVf.) lag
der D. Eleusinia und der Köre, welches in unten an der Burg in der Nähe eines von Pausa-
der Schlacht bei Plataiai eine Rolle spielte, nias, nach Dörpfelds neuester Entdeckung (Ath.
Edt. 9, 67. 62. Plut. Arist. 11. Die Stätte MM. 17 S. 92 f.) vielleicht mit Recht für dieEnnea-
des letzteren ist in der Nähe des heutigen krunos des Peisistratos gehaltenen Brunnen-
Krekuki ermittelt, wo Weihinschriften an De- hauses; vgl Lolling in lio. Müllers Handbuch
meter gefunden sind, Bull, de corr. hell. 2 3 S. 317. Es waren zwei Tempel, einer der
S. 589 Taf. 26, 1. 3 S. 134 f. DMenberger Demeter und Kora, der andere enthielt das
a. a. 0. 1670ff. 40 Kultbild des Triptolemos. Der erstere ist wohl
1) S k 0 1 o s. unvollendeter Tempel mit identisch mit dem Pherrephattion bei Demosth.
ebensolchen Kultbildern der beiden Göttinnen, in Con. 1259, 5; vgl. Htsych. s. v. Auch ein
Paus. 9, 4, 4. Als die dort üblichen Bei- Thesmophorion hatte Athen, s. Ar. Thesm.
namen der Demeter nennt Polemon bei Athen. 658 und Schol. Ar. Thesm. 585; seine Lage
3, I09a. 10, 416b (isydlagtog und (isyalofiugog. ist nicht ganz sicher. Auf der Pnyx nehmen
m) Tanagra. Terrakotten, Demeter und es an Preller, D. w. P. S. 341. v. Wilamoivitz,
Kora darstellend, in der Nähe gefunden, Mitt. Kydathen S. 161. Lolling a. a. 0. S. 334.
d. Ath. Inst. 3 S. 389. Die aus ihrer Heimat Eine Priesterin J^urjrgog Kovgorgoyov
vertriebenen Tanagräer sollen von Demeter 'Axaiag hatte einen Platz im Dionysostheater
durch einen Traum nach Attika gewiesen wor- 50 C. I. A. 3, 373.
den sein und dort zu Aphidna den Kult Aufserhalb der Stadt, in den Deinen, sind
der Demeter 'A%ccia begründet haben, Etym.M. zu verzeichnen^
180, 35; vgl. Preller, D. u. P. S. 393; Toepffer, b) Agrai. Über die dort gefeierten kleinen
Att. Geneal. S. 293 ff. — Tanagra soll Gephyva Mysterien siehe unten im Abschnitte Eleusinien.
geheifsen und Demeter verehrt haben, Hecat. c) Halimus. Auf dem Vorgebirge Kolias
bei Steph. Biß. s. v. Titpvgu. Inschrift an Tempel der Demeter Thesmophoros und der
Kora Bull. d. corr. hell. 2 S. 589 Taf. 26, 2. Kora, Paus. 1, 31, 1; Hesych. s. v. Katlidg.
Monat Damatrios , Dittenberger a. a. 0. 505. Über das daselbst gefeierte Fest s. unter Thes-
507. 523/24. mophorien.
Euboia. In Eretria Thesmophorien, an 60 d) Prospalta. Tempel der beiden Göttin-
denen die Weiber das Fleisch in der Sonne nen, Paus. 1, 31, 1.
braten und die Kalligeneia nicht anrufen, e) Lakiadai. Dort hat Demeter dem
Plut. Quaest. gr. 31. Münze bei Mionnet 2 Heros Phytalos die erste Feige geschenkt.
S. 300 nr. 1—3. Tempel der beiden Göttinnen, Paus. 1, 37, 2;
Oropos. Monat Damatrios, DMenberger vgl. Preller, Ausgew. Aufs. S. 122. Toepffer,
a. a. 0. 296. 340. 388. Att. Geneal. S. 247 fi.
Attika. a) Der städtische Demeterkult ist f) Phlya. Tempel mit Altären der Demeter
trotz des Ansehens, das er gewonnen, erst Anesidora, des Zeus Ktesios, der Athene Ti-
1293 Kora u. Demeter (att. Kulte) Kora u. Demeter (peloponn. Kulte) 1294
throne, der Kora Protogeneia und der Semnen, Sikyon ist als das alte Mekone, die Mohn-
Paus. 1, 31, 4. Ein Telesterion der Lykomiden stadt, ein froher Sitz des Demeterkultes; vgl.
daselbst wird von Themistokles ausgestattet, Schöl. Find. Nem. 9, 123. Preller, D. u. P.
Simonid. bei Flut. Them. 1; vgl. Dittenberger S. 113. Ebert, De Cer. Chth. S. 33. Sie soll
in Hermes 20 S. 17f. Toepffer, Att. Geneal. den Orthopolis, den Sohn des sikyonisehen
S. 87, 209. 223. Königs Plemnaios aufgezogen haben, der ihr
g) Phaleron hatte einen von den Persern ein Heiligtum errichtete, Paus. 2, 5, 8. 11, 2.
eingeäscherten Demetertempel, der noch zu Eleusinischer Einflufs giebt sich, wie in dieser
Pausanias' Zeit als Ruine stand, Paus. 1, 1, 4; Legende, auch in ihrem sikyonisehen Beiworte
10, 35, 2. 10 incont'g (inoTizi'gl), Hesych. s. v. kund, das frei-
h) Peiraieus. Thesmophoriscben Kult be- lieh von Crusius , Beitr. z. gr. Myth. nach
zeugen C. I. A. 2, 573 *>. 1059. Weihung einer Baunacks Vorgange als iniftcilaooiu erklärt
J. buövoict, 'A&r'ivttiov 8 S. 296. wird.
i) Erchia war ein attischer Demos der Zehn Stadien von Sikyon auf dem Wege
Aigeischen Phyle, dessen Eponym Erchias die nach Phlius lag ein Hain mit dem demetrischen
Demeter gastlich aufgenommen haben soll, Namen Pyraia; dort wurden in einem Tempel
Steph. Byz. s. v. 'Epjjt'a. der D. Prostasia und der Kora Sonderfeste
k) Aphidna. Das hier ansässige Geschlecht der Männer und Weiber gefeiert, letztere im
der Gephyraier verehrte als Gentilgöttin die Nvficpcöv, wo sieb Bilder der D., der K. und
D. Achaia s. Hdt. 5, 61; Etym. M. 180, 35; 20 des Dionysos befanden, jPöms. 2, 11, 3. — Münze:
vgl. Toepffer a. a. 0. S. 296ff. D. sitzend mit Ähren, Imhoof-Bumer, Num.
■1) Rarion; nach diesem Demos führteDeme- Comm. on Paus. S. 31 Taf. H 20.
ter das Beiwort 'Pagiäg, Steph. Byz. s. v. 'Pdgiov. Phlius, das frühere Araithyrea, Hom. B571.
m) Skiros. Fest der Demeter und Kora, Strab. 8, 382. In einem Tempel auf der Burg
Stej'h. Byz. s. v. Znigog; Sehol. Ar. Eecl. 18; befanden sich die Agalmata beider Göttinnen
Thesm. 384; vgl. Robert im Hermes 20 S. 360ff. und ein altes Bronzebild der Artemis, Paus.
Über Eleusis s. den Abschnitt Eleusinien. 2, 13, 5. — Ein zweiter Demetertempel mit
JUegara. Kar, des Phoroneus Sohn, gilt äyalfiaza dgxala in der unteren Stadt, Paus.
als Stifter des megarischen Demeterkultes, a. a. 0. Der Kult der Eleusinia wurde hier an
Paus. 1, 39, 5; 40, 6. Demeter ist hier alte 30 den autochthonen Aras, welcher durch seinen
Stadtgöttin, deren Heiligtum auf der Burg und seiner Kinder Namen, Aoros und Arai-
(jdr'mr]TQog .zl ■KaXoviiivov /isyagov) der Stadt thyrea, in Beziehung zu Demeter steht, an-
den Namen gegeben haben soll, weshalb die geschlossen; xal ngb zijg ziXsziig, r)v zfj zlr]-
Megarer sich den ältesten Demeterdienst zu- fi-qzgt ayovaiv, "Agavza -/ki tovg TcaCöag -/.cdovaiv
schrieben, Paus. 1, 40, 6. — Jünger ist das in £nl zag anovSäg, Paus. 2, 12, 5. Dieser Kult
der Unterstadt liegende Heiligtum der Thes- wurde ganz nach eleusinischem Vorbilde durch
mophoros, Paus. 1, 42, 7. Im Hafen Nisaia pentaeterische Feste in Keleai gefeiert, und
wird die ganz spezifisch megarische Demeter soll von Dysaules nach Phlius gebracht wor-
Malophoros (sonst nur noch in Byzanz und in den sein, Paus. 2, 14, 2. Orig. Ref. luxer. 5, 20.
Selinus nachweisbar) verehrt, die als Göttin 4o Grab des Dysaules und des Aras, Paus. 2, 12, 5.
der Schafzucht galt. Paus. 1, 44, 4; vgl. Argos. Auf der Burg lag der Tempel der
Preller, D. u. P. S. 321 Anm. 14. Hermann Demeter Pelasgis, den Pelaegos, der Sohn des
im Piniol. 2 S. 263. — Sauppe, Gott. Nachr. 1871 Triopas, begründet haben soll, Paus. 2, 22, 2.
S. 608 deutet den Beinamen nach Sehol. Hom. Später verquickte man den eleusinischen Mythus
/542 auf die Obstkultur. damit, indem man Demeter bei Pelasgos Auf-
Mysterienspiele der megarischen Frauen nähme finden und von dessen Tochter Chry-
am Felsen Anaklethra oder Anaklethris sollten santhis den Raub der Kora erfahren liei's.
an Demeters Ausrasten an dieser Stelle wäh- Eubuleus und Triptolemos wurden zu Söhnen
rend der Ttldvr\ erinnern, Paus. 1, 43, 2. Me- des Trochilos und einer Eleusinierin gemacht.
thod. in Etym. M. s. v. 'Avuv.lri&gig. 50 Trochilos soll Hierophant der Demeter gewesen
Münzbilder bei Inilioof- Blumer , Numism. und von Argos nach Eleusis geflohen sein, Paus.
Comment. on Pausan. S. 7 Taf. A 12. 13. 1, 14, 2. Brennende Fackeln werden der Köre
_ . zu Ehren in eine Grube geworfen, Paus. 2,
moponnes. 22; g _ Der ^ch der Überlieferung von den
Korinth. Am Abhänge der Burg ein Danaiden aus Ägypten eingeführte Kult der
Tempel der Demeter und Kora, Paus. 2, 4, 6, Thesmophoros verfiel unter der dorischen Herr-
ot' q>avigü i%tav äyuXuuzu. Nach Hesych schaff, Hdt. 2, 171; vgl. Plut. de Hcrod.
führte D. in Korinth das Beiwort inoiKidtn. malign. 13.
Die Göttinnen befehlen ihren Priesterinnen Demeter Libye oder Libyssa hatte ein
dem Timoleon nach ihrer heiligen Insel Sici- co Heiligtum bei Charadra , Polem. im Sehol.
lien zu folgen, Diod. Sie. 16, 66. Plut. Arist. Panath. p. 88, 12. Festus s. v. Libycus
Timol. 8. — Der eleusinische Kult wurde auch (daher Libycus campus). Argos soll den
nach Korinth eingeführt; P. Licinius Priscus Weizensamen aus Libyen haben kommen
luventius errichtet einen Peribolus um den lassen, vgl. Tzetz. zu Hes. Dp. et d. 32.
heiligen Hain, baut einen Tempel für Demeter, Etym. M. s. v. Ziv^iSCa (409, 28). Ein wei-
Persephone, Dionysos und Artemis und stellt teres Heiligtum wurde der Demeter auf Be-
das durch Erdbeben zerstörte Plutonion wieder fehl des delphischen Orakels dort errichtet,
her, Maff'ei, Mus. Veron. 1, 39. wo Pyrrbos im Strafsenkampfe gefallen oder
1295 Kora u. Demeter (peloponn. Kulte) Kora u. Demeter (peloponn. Kulte) 1296
von Demeter getötet sein sollte, Paus. 1,13,8. Über dryopiseh-iiihryschen Ursprung dieses
2, 21, 4. Kultes und seine Beziehungen zum Hyakinthos-
Zwischen Argos und Mykenai ein hypä- mythus vgl. Wide, Be sacr. Troez. Sermion.
thrales Heiligtum der Demeter Mysia, Paus. Epidaur. Dpsala 1888.
2, 18, 3; vgl. [Lvciuv = koqb io&ai bei Gornut. 28. Demeter Thermasia hatte einen Tempel in
Bei Argos ein Dorf Mvarjg, Sesych. s. v. Gast- der Stadt nach Paus. 2, 34, 12, einen zweiten
liehe Aufnahme der Demeter beim Heros auf dem Wege nach Troizen am Meere, Paus.
Mysos s. unter Hermione und Pellene. — 2, 34, 6. 12; jetzt liegt an der Stelle der
Münzen: D. mit Scepter, Ähren, Mohnköpfen Hafen Thermesi, 0. Müller, Dorier 2 S. 424.
bei Imh.-Blumer, Num. Comm. on Paus. S. 38 10 In der alten verfallenen Stadt gab es einen
Taf. K 39. G6 1. von Feldsteinen eingefriedigten Platz zur Feier
Lerna. Eleusinischer Kult mit Mysterien der eleusinischen Mysterienspiele, Paus. 2,
der Demeter und des Dionysos, Paus. 2, 37, 3; 34, 10. Leute von Hernrione sollen Demeter
als Stifter der letzteren galt Philammon, der den Raub mitgeteilt haben, Apollod. 1, 6, 1.
Polyhymnia Sohn nach Pherekyd. fr. 18 (Schol. Schol. Ar. Equ. 384. Zenob. prov. 1, 7.
Apoll. Eh. 1, 23). — Lokalisierung des Kora- Buporthmos, Tempel der D. und K.,
raubes, Paus. 2, 36, 7. — Auch einen Eingang zur Paus. 2, 34, 8.
Unterwelt nahm man hier an, Tzetz. ad Lyc. 212. Bileoi, desgleichen, Paus. 2, 34, 6.
Über die nahen Beziehungen dieses Kultes zu Troizen verehrte in der Stadt die De-
Eleusis und den Zusammenhang der Hiero- 20 meter und Kora ähnlichen Gottheiten Damia
phantenfamilien an beiden Orten s. C. I. A. und Ausesia wie Aigina; s. Bd. 1 Sp. 738 u.
3, 718. Preller, D. u. P. S. 211. Tocpffer, 943. Demeter Amaia erwähnt Ps. Flut. Prov.
Att. Geneal. S. 69f. Demeter heifst hier Pro- Alex. 41. Vor der Stadt ein von Althepos, dem
symna nach einer früheren Ortschaft, wie Sohne des Poseidon, begründeter Tempel der
auch Hera dort einen Kult besafs, Strab. Demeter Thesmophoros, Paus. 2, 32, 8.
8, 373. Wahrscheinlicher ist die Erklärung Didymoi, Demetertempel mit einem äyaX-
als Proslimna und der Zusammenhang mit pa ögftov, Paus. 2, 36, 2.
einem das gleiche Beiwort führenden üiony- Epidauros. Hier tritt Demeter in Ver-
sos, Puttmann in den Abh. d. Perl. Ale. 1840 bindung mit dem ihr auch in Hermione be-
S. 339. Mythol. 2 S. 102. Inschrift bei Gruter so freundeten Asklepios auf. D. Karpophoros
1,309,3: Sacratae apud Eleusinam deo JBaccho, 'Ecprjii. agxcaoX. 1883 S. 153 nr. 50. Inschrift
Cereri et Corae, sacratae apud Laemam deo ans dem Asklepieion: 'Aa-uXrjnicö.'Hniovy, 'EXsv-
Libero et Cereri et Corae. Demeterkopf von aivtaig in der 'EcprjU: ßg^Kiol. 1883 S. 227; vgl.
dort, Mitt. d. Ath. Inst. 4 S. 189, abgebildet Blinkenberg, Asklejnos og hans freiender S. 110.
ebenda 8 Taf. 10, vgl. S. 196 ff. (Furtwängler). Bei einer Hungersnot rät das delphische Orakel
Hermione hatte vor allem chthonischen den Epidauriem äyaXy.aza LÖQveaß&ai Ai\-
Knlt, den Klymenos und seine Schwester \xr\zQog aal KnQng JafiCag Kai Avt,ncCug Schol.
Chthonia, die Kinder des Phoroneus, auf dem Aristid. 46, 187, 16. (Dindorf 3 S. 598).
Pron begründet haben sollen; daselbst der Aigina. Tempel der Thesmophoros, Sdt.
sehr sehenswerte Tempel. Die Argeier be- 40 6, 91. Wie in Troizen wurden auch hier
haupteten, dafs von ihnen dieser Kult be- Damia und Auxesia verehrt,
gründet sei. Als Demeter auf der nXdvn von Lakonieii. S. jetzt besonders Wide, Lab.
Atheras und Mysios zu Argos gastlich auf- Kulte S. 171 ff. Trotz der feindseligen Haltung
genommen wurde, hätte sie Kolontas gegen der Dorier hielt sich hier der Demeterkult
den Willen seiner Tochter Chthonia zurück- sehr zähe, wie besonders aus zahlreichen von
gewiesen. Kolontas und sein Haus seien von Sesych überlieferten auf den lakonischen De-
üemeter verbrannt worden; die Chthonia sei meterdienst bezüglichen Ausdrücken hervor-
von ihr aber nach Hermione gesandt und geht; s.Ses. v. 'Eksvoivicc, 'E7iixgrivai,'E7ti7ioXXd,
habe dort ihr Heiligtum errichtet. Jährlich TQir'ißsgog (Thesmophorien), <f>Xoiri (Beinamen
wird im Sommer das hohe Fest der Chthonia 50 der Kora); auch ügoloyia gehört wohl hier-
oder Chthoneia gefeiert unter Teilnahme von her. Zu 'EnmoXXd vgl. Crusius, Beitr. z. gr.
Männern, Weibern und Kindern; die Opfer- Mytli, S. 21 Anm. 3.
kühe werden von Weibern getötet. Im Tempel a) Sparta. Tempel der Kore-Soteira von
Kultbilder der Athena und Demeter, Paus. 2, Orpheus, nach anderen vom Hyperboreer Abaris
35, 4ff; (vgl. Botticher, Tektonik 2 S. 387. 407. gestiftet, Paus. 3, 13, 2; vgl. 8, 31, 1.
Mannhardt, Mythol. Forsch. S. 64 ff.) Ad. nat. Die Demeter Chthonia ward gleichfalls von
an. 11, 4. G. I. G. 1193 = Dittenberger, Syll. Orpheus hergeleitet, nach Paus. 3, 14, 5 aber
389. Gegenüber von diesem Tempel lag der stammt sie aus Hermione; vgl. C. I. G. 1464.
des Elymenos, hinter demselben die Felder Ihr werden die Totenopfer gebracht, Plut.
des Klymenos und des Pluton sowie der Teich go Lyc. 27. Hades und Persephone oft auf ar-
Acherusia, wo ein Abstieg zum Hades sein chaischen spartanischen Grabreliefen, Mitt. d.
sollte, Paus. 1, 35, 9 f. Strab. 8, 373. Kora ath. Inst. 2 S. 303 f. Taf. 20—25. Overbeck,
führt in diesem Kulte den Namen Meliboia, PI.3 1 S. 83; abweichende Erklärungen s. Bd. 1
Lasos bei Athen. 14, 6246. Inschriften an De- Sp. 1795. Mehr b. Wide, Lak. K. S. 172.
meter Chthonia, Klymenos und Kora C. I. G. b) Amyklai. Eine Kora des Kallon unter
1194—1200; ohne Kora, Bull, de corr.hell. 1889 einem Dreifufse neben der Aphrodite und der
S. 198, 24; an Demeter, Zeus und Asklepios Artemis des Gitiadas erwähnt Paus. 3, 18, 8.
1198; vgl. K. 0. Müller, Dorier 1 S. 403. — 4, 14, 2. Am „Throne" stehen Demeter, Hades
1297 Kora u. Demeter (peloponn. Kulte) Kora n. Demeter (peloponn. Kulte) 1298
und Kora bei der Heraufholung des Hyakin- Nebenkulte: Im Herateinpel Demeter und
thos, Paus. 3, 19, 4. Weihinschriften C. I. G. Kora einander 'gegenüber, aufserdem Plu-
1434/5. 1440. ton, Dionysos, Persephone und Nymphen,
c) Helos. In der Nähe der Stadt, in den Paus. 5, 17, 3. 20, 3. — Im Weihgeschenke
Ausläufern des Taygetos, lag ein Eleusinion des Smikythos sah Paus. 5, 26, 2 noch Kora.
mit einem pelasgischen Xoanon des Orpheus. . — Im alten Gymnasion von Elis Demeter
Hier soll Asklepios den Herakles geheilt haben. und Kora neben Herakles, Eros und Anteros,
In diesen Tempel wird an gewissen Tagen ein Paus. 6, 23, 3.
Korabild aus der Stadt getragen, Paus. 3, 20, Achaia. a) In Aigion, dem Vororte des
5ff. Ohne Zweifel hat sich hier der Kult der 10 achaiischen Bundes Tempel der Demeter Pan-
Eleusinia mit einem anderen peloponnesischen achaia, der Schutzgöttin des Bundes, Paus.
(der Despoina?) vermischt. 7, 24, 3. Koretempel, Paus. 7, 24, 2. Münzen
d) Kainepolis, das alte Tainaron, hatte des Bundes bei Inihoof '-Blumer, Num. Comm. on
ein usyagov /Jr)firjzgog; Abstieg zum Hades; Paus. S. 86 Taf. Rl7, 18; vgl. Head, Hist.
Paus. 3, 25, 9; vgl. Claud. de rapt. Pr. 1, 2. — Num. S. 351. Catal. of the gr. coins of the
In der Nähe Inschrift an Eleuthia, Ath. MM. Brit. Mus. Pelopon. Taf. 2, 15-20. 3, 1—14.
1 S. 162. b) Patrai wurde früher Aroe genannt, nach-
e) Aigila; Demetertempel mit Sonderfesten dem Eumelos den Ackerbau von Triptolemos
(thesmophorischen) der Weiber, Paus. 4, 17, 1. übernommen (Etym. M. s. v. 'Agoi] 147, 35). Der
Die Priesterin nimmt an dem Mysterienfeste 20 Demetertempel mufs ursprünglich der Ge ge-
von Andania teil, vgl. die Inschrift von Andania hört haben , die darin den bevorzugten Platz
bei Dittenberger, Sylt. 388, 31. zwischen Demeter und Kora innehatte; auch
f) Gythion. Demetertempel, Paus. 3, 21, 8. eine Quelle mit iatrischem Orakel weist
Ein Charisterion an die chtbonisch aufgefafsten darauf hin Paus. 7, 21, 11; vgl. Lenormant,
Demeter und Köre von dort: MM. d. ath. In.it. Revue archeol. 1864 2 S. 386.
2 S. 378. Arch. Zeit. 1883 S. 223 Taf. 13, 1. c) Antheia, eine Gründung des Tripto-
Münze im Journ. of hell. stud. 7 S. 66 nr. 6. lemos, Paus. 7, 18, 3, hatte einen Kult der
Messenien. In Messene Jr)(i.rizgog itgov Demeter Poteriophoros (Autocrates bei Athen,
ayiov, Paus. 4, 31, 9. 11, 460d); wohl scherzhafte Bezeichnung der
Oichalia (Stenykleros). Im Haine Kar- 30 Demeter mit Füllhorn,
nasion Bilder des Apollon Karnasios und des d) Bura. Demetertempel; neu zr\ di\unxgi
Hermes Kriophoros; bei einer Quelle das der ioziv io&rig, Paus. 7, 25, 9. Münze: Archäol.
Hagne Köre, Paus. 4, 33, 4. Acht Stadien Zeitg. 1843 Taf. 9, 14; 1847 S. 138. Imhoof-
von dort entfernt die Trümmer von Blumer a. a. O. S. 88 Taf. S. 1.
Andania, wo die nach den Eleusinien e) Pellene. Sechzig Stadien von der Stadt
bedeutendsten Mysterien der grofsen Göttinnen Heiligtum der agrarischen Demeter Mysia.
gefeiert wurden. Vgl. Paus. 4, 1, 5 und vor allem Siebentägiges Fest; am dritten Tage werden
die Inschrift von Andania: Sauppe, Abh. d. alle Männer, ja selbst zcöv xvviäv zo äggsv
Gott. Ges. d. Wiss. 1861 S. 219 ff; Foucart- entfernt; am vierten Rückkehr der Männer
Debets 2, 326 a; Dittenberger, Sylloge 388. — 10 und Neckereien wie am Thesmophorienfeste,
Über die Priesterfamilie vgl. Lobecl; Aglaoph. Paus. 7, 27, 9. Preller, D. u. P. S. 338.
p. 982. Preller , D. u. P. S. 148. Bofsler, De Arkadien, vgl. besonders Immerwahr, Die
gent att.scccerd.S.39. Töiiffcr, Att.Gen.S.21i&. Kulte u. Mythen Arkadiens 1 S. 97ff. Preller,
Messenische Münze mit Demeter s. im Journ. D. u. P. S. 144ff. Nach Hdt. 2, 171 hat sich
of hellen, stud. 7 S. 70. Head, Coins of the in Arkadien der alte peloponnesich-pelasgische
Anc. Taf. 23, 35. Thesmophorosdienst am besten erhalten. Ein
Elis. Lepreon. Demetertempel aus Luft- agrarisches Demeterfest 'AgnüSioi wurde nach
ziegeln ohne Kultbild, das einzige Heiligtum Apollod. bei Steph. Byz. s. v. 'Agxaäia beim
der Stadt nach Paus. 5, 5, 6. ersten Sprossen der Saat gefeiert. — Festspiele
Pylos. Chthonischer hochangesehener Kult 50 zu Ehren der Köre erwähnt Sehol. Find. Ol.
der Demeter, der Kora und des Hades; in der 7, 153; vgl. Boeckh, Find. 2, 2 S. 470. Natio-
Nähe der Flufs Acheron. Zwischen Pylos und naler Kult der Despoina, der Tochter der De-
Minthe Haine des Hades und der Demeter, meter und des Poseidon; der mystische Name
Stroh. 7, 344. dieser Göttin ist unbekannt, Paus. 8, 37, 9.
Olympia. Beim Leonidaion Altar der Des- a) Pheneos. Heiligtum der D. Eleusinia.
poinai; weinlose Opfer; Paus. 5, 15, 4. 10. Eine der eleusinischen entsprechende Weihe
Am Hippodrom Tempel der D. Chamyne soll Naos, ein Urenkel des Eumolpos, ein-
mit Kultbildern beider Göttinnen; hier soll geführt haben. Bei dem Tempel befand sich
nach dem Raube Hades wieder hinabgestiegen das sogen. nizgcafia, zwei aufeinandergelegte
sein (xävnv und uvslv der Erde); nach an- 60 Steine, aus denen jährlich bei einer Nacht-
deren soll dieses Heiligtum der Demeter aus feier die Mysterienvorschrift zur Verlesung
dem Vermögen eines getöteten pisatischen herausgenommen wird; das Petroma war das
Aufrührers Chamynos gestiftet sein, Paus. 6, gröfste Heiligtum, bei dem die Pheneaten
21, 1. Die Priesterin der D. Chamyne war schworen. Auf diesem ein Aufsatz, der die Maske
das einzige Weib, das den olympischen Spielen der Demeter Kidaria enthielt, von uiäagig Tur-
zuschauen durfte, weshalb das Amt wechselte, ban, Hesych. Suid. s. v. (>} xo argocpiov, o oi
Paus. 6, 20, 9. Mitt. d. ath. Inst. 3 S. 227. tsgstg cpogovai); vgl. den arkadischen Tanz
Arch. Zeitg. 1876 S. 226. »iäccQts, Athen. 14, 631d. Diese nimmt der Prie-
1299 Kora u. Demeter (peloponn. Kulte) Kora u. Demeter (peloponn. Kulte) 1300
ster bei den grofsen Mysterien vor und nutet Der uralte MythuB, der sich ähnlich schon
gdßSois -nara Xöyov Srj ziva Tovg vtiox&oviovs, in den Veden findet (s. Kuhn a. a. 0.), hatte
Paus. 8, 15, 1 — 3. Preller a. a. 0. S. 169. mit Demeter nichts zu thun, sondern be-
Fünfzebn Stadien von der Stadt, an der Eyl- zog sich auf das Verhältnis von Erinys zu
lene, Tempel der Demeter Thesmia mit Myste- Poseidon bezw. Ares (in der analogen boioti-
rien. Auf der TtXavn soll D. in Pheneos von scheu Sage). Erst nach Identißcierung der Des-
Damithales und Trisaules aufgenommen sein, poina mit Persephone wurde gewaltsam aus
denen sie die Hülsenfrüchte aufser den Bohnen Erinys eine Demeter Erinys gemacht. — Münze
schenkte; diese waren dann die Stifter des bei Imhoof-Blumer a. a. 0. S. 102 Taf. T 22.
Dienstes, Paus. 8, 15, 3. 4. in d) Phigalia. Die Kultlegende der dortigen
Bei Pheneos Abstieg des Hades. Die Phe- D. Melaina entspricht ganz der thelpusischen.
neaten zeigen Demeter den Raub an. Sie er- Tochter der Demeter und des Poseidon ist
halten dafür die üblichen Demetergaben und daselbst Despoina. Auf der Irre soll D. sich
die Zusicherung, dafs nie mehr als hundert in eine Höhle bei Ph. (vgl. Conze und Michaelis
Pheneaten im Kriege fallen sollen, Con. narr. in Ann. dcll' Inst. 1861 S. 53 ff.) zurückgezogen
15 (Westerm. S. 130). und ein schwarzes Gewand angelegt haben. Pan
Der Styxflufs bei Pheneos war von der sieht sie dort und berichtet das dem Zeus, der
grollenden Demeter schwarz gefärbt nach Ptol. sie durch die Moiren zurückholen läfst. Die
Heph. 3 (Westerm. S. 186, 11); \g).Ael. «.«.10,40. Phigalenser stellen ihr ein Kultbild von Holz
Münzbilder bei Mionnet 2 S. 252 nr. 50ff. 20 in der Höhle auf: yvvaixl äi soi-nivai zälXu
Arch. Zeitg. 1849 S. 95. 1876 S. 112. rrlr/v KsipctXyv. xfcpctXl^ de xki Y.6jx,r]v ii%tv
b) Kleitor. Die sehenswertesten Tempel i'mtov xctl Sgcexurrav ra v.ai aXXcov &t]qlwv
waren nach Paus. 8, 21, 3 die der Demeter, des ?*.6vis TiQootnicpv-HtGav ty ti£<paXij %rX. (Man
Asklepios und der Eileithyia. Festspiele zu vgl. die Gorgo des Mus. Borb. 13, 51.) Paus.
Koras Ehren vermutete hier Boeckh, Pind. 2, 2 S, 5, 8. 42, 1 ff. Über das Kultbild des Onatas
S. 470. Münzen bei Imhoof-Blumer, Num. vgl. Petersen. Krit. Bern. z. alt. Gesch. d. gr. K.
Comm. on Paus. S. 98 Taf. I, 9. S. 34ff., der alle anderen Ansichten überzeugend
e) Thelpusa. Tempel der D. Eleusinia mit zurückweist. — Geweiht werden der Göttin
Kultbildern der beiden Göttinnen und des Diony- Baumfrüchte, Weintrauben, Wachs und rohe
sos am Ladou, Paus. 8, 25, 2; vgl. Leonardos, 30 Wolle, worüber Öl gegossen wird, Paus. 8,
JiXt. ÜQxaioX. 1891 S. 98ff. 42, 11. Münzen Imhoof-Blumer a, a. 0. S. 107
Demeter Erinys hat ihr Heiligtum im On- Taf. V 15 — 18.
keion. Als die Göttin sich auf der itXävr], ihre e) Trapezus. Jährliche Mysterienfeier für
Tochter suchend, befand, so erzählt der eleu- die b-eal piyuXai, Paus. 8, 29, 1.
sinisch gefärbte Lokalmytbus, habe Posei- f) Zoitia; Tempel (gemeinsamer?) der
don ihr nachgestellt. Um ihm zu entgehen, Demeter und Artemis, Paus. 8, 35, 7.
habe Demeter sich in Rofsgestalt den Pferden g) Basilis. Iu der verfallenen Stadt sah
des Landeskönigs Onkeios, eines Apollonsohnes, Paiis. 8, 29, 5 einen Tempel der Demeter
zugesellt. Doch auch Poseidon verwandelt Eleusinia. Am Feste derselben fanden von
sich in ein RoTs und bespringt Demeter. Diese 40 Kypselos eingesetzte Schönheitswettkämpfe
zürnt zuerst, dann nimmt sie ein Sühnbad im statt, Nicias bei Athen. 13, 609e.
Ladon und wird aus der grollenden D. Erinys h) Megalopolis. Im Mittelpunkte des
(oTt xä> &viiä> xQfjB&at y.aXovaiv igtvvnv ol künstlich geschaffenen Göttersystemes dieser
'Agnaäeg) die D. Lusia. In beiden Formen hat Stadt standen Demeter uud Kora als grofse
sie grofse akrolithe Kultbilder; das der Erinys Göttinnen, am ähnlichsten denen von Andania.
trägt Ciste und Fackel; das andere wurde An sie schlössen sich alle anderen an. In ihrem
auch für Themis gehalten. Als Kinder Po- mächtigen Peribolos Tempel des Zeus Philios
seidons und D.'s gelten eine Tochter mit (Dionysos?), der Aphrodite und des Hermes
mystischem Namen und das Rofs Areion oder und Kultbilder des Hermes Agetor, des Apol-
Arion, Paus. 8, 25, 4ff. Callim. frgm. 82 und 50 Ion, der Athena, des Poseidon, des Helios
207 (Schneider). Hesych. s. v. v. Apüov und Soter und des Herakles; Mysterienfeier nach
AovGia. Apollod. 3, 6, 8, 4. Tzets. ad Lyc. 152. Vorbild der eleusinischen in einem grofsen Te-
Schol. ret. Lyc. 1040. 1225. Ptol. Heph. 3 lesterion. Kora führte den Beinamen Soteira,
(Westerm. S. 188). Schol. Hom. ^346 (Lokali- Paus. 8, 31, lff.
sierung in Boiotien, wo auch nur von Erinys Besonderer Tempel der Kora, der für Weiber
die Rede ist). Vgl. Preller, D. u. P. S. 149 ff. immer, für Männer nur einmal im Jahre ge-
K 0. Müller. Eumen. S. 168. Welcher, Lp. Gyh- öffnet ist, Paus. 8, 31, 8.
lus S. 61; Götterl. 2 S. 490. Kuhn, Zeitschr. Fünf Stadien nordöstlich von der Stadt
f. vergl. Spr. 1 S. 443ff. H. D. Muller, Myth. Tempel der D. iv cXsi, nur Weibern zugäng-
d. gr. St. 2 S. 414. 31. Müller, Vorles. über 60 lieh, wohl thesmophorisch, Paus. 8, 36, 6.
Wiss. d. Spr. 2 S. 474. Rosenberg, Erin. S. 24 ff. i) Phaidrion. Fünfzehn Stadien entfernt
E. Petersen, De Ccrere Phigal. S. lff. Tümpel, an der messenischen Grenze Hermaion mit
Ares und Aphrodite in Jahrb. f Id. Piniol. nicht grofsen Kultbildern der D. und der Des-
Suppl. 11 S. 710. F. A. Voigt, Ares u. Athena poina, Paus. 8, 35, 2.
in Leipz. Studien 1881 S. 287ff. Mannhardt, k) Lykosura ist die Hauptstätte für den
Myth. Forsch. S. 244ff. Kalkmann, Paus. altarkadischen Despoinadienst, an den erst
S. 19. Gurlitt, Pausan. S. 86. Wentzel, 'Em.- der Demeterdienst angeschlossen wurde, Paus.
y.Xr'iang G S. 19 ff. Immerwdhf a. a. 0. S. 113ff. 8, 27, 6. Aufserhalb der Stadt lag das grofse,
1301 Kora u. Demeter (kret. Kulte) Kora u. Demeter (östl. Inselkulte) 1302
wohl zu Epameinondas' Zeit entstandene Heilig- Tzetz. zu Hes. op. et d. 32; vgl. Preller, D.
tum der Despoina. Der Vortempel gehörte der u. P. S. 27. Hock, Kreta 2 S. 81. Kretischer
faekelhaltenden Artemis Hegemone. Im Peri- Mythus vom Dionysos-Sabazios, Diod. 5, 75, 4.
bolos der Tempel; vor demselben Altäre der De- Giern. AI. Protr. 15. Norm. Dion. 6; vgl. Ht'Jck,
rneter, der Despoina und der Megale Meter. Die Kreta 3, 181.
beiden Sitzbilder der Demeter und der Des- a) Knossos; Weihen, für deren Alter ihre
poina aus einem Blocke gearbeitet von Damo- Öffentlichkeit und ihre Allgemeinheit im Ge-
phon. Neben Demeter steht Artemis, neben gensatze zu den mystischen Beschränkungen
Despoina Anytos. Man weiht den Göttinnen der eleusinischen und thrakisch- orphischen
Baumfrüchte aufser der Granate. Inschriften: 10 sprechen soll, Diod. 5, 77, 3. — Münzen bei
At\x. äg%caol. 1890 S. 43 f. Mionnet 2 S. 266 nr. 62ff.
Für die Mysterien war ein unterirdisches b) Olus; Göttin Eleusinia und Monat Eleu-
Megaron bestimmt. Mysterienvorschrift in sinios, C. I. G. 2554; vgl. Bull. d. corr. hell.
einer Säulenhalle am Eingange des Peribolos. 3 S. 308 Taf. 6.
Blutige Opfer, bei denen den Tieren ein be- c) Hierapytna. Inschrift, C. I. G. 2567.
liebiges Glied abgehauen wird. Über dem 2568. 2599 (?).
Megaron Hain der Despoina mit den Altären Rhodos. Die Rhodier bekränzten Kora
vieler Götter, darunter des Poseidon Hippios, und Artemis mit Asphodeloa, der heiligen
Paus. 8, 37, 1 — 10. Vgl. Cut tius, Pelop. 1 S. 296. Pflanze der chthonischen Götter, Suid. s. v.
1) Pallantion. Heiligtum der Demeter und 20 äocpoStlog. — Demetrisch war jedenfalls das
Kora, Paus. 8, 44, 5. Heiligtum der D. mit Fest der Episkaphia, Hesych. s.v.; vgl. Heffter,
weinlosen Opfern der Weiber, Dion. Hai. 1, 33. Rhodus 3 S. 154. — Monat Thesmophorios
m) Tegea. Tempel beider Göttinnen als C. I. G. 8518, 4. 15. 23b. 27 u. a.; Dumont,
Karpophoroi und besonderer Altar der Kora, Inscr. ceram. S. 79, 18; 87, 77; 88, 84 u. s. w.
Paus. 8, 53, 7. — Hain der Demeter, Paus. 8, Nisyros. Terrakottastatuette der D. daher,
54, 5. — Gemeinsame Priesterin der Athena jetzt im JBerl. Antiquarium nr. 7612; vgl. Arch.
Alea und der Demeter, Lebas - Foucart 337i. Zeit. 1879 S. 105.
— Chthonischen Kult beweist ein Weihrelief Kos. Der Demeter als Ackergöttin werden
an D. K. und Hades, Mitt. d. ath. Inst. 5, 69. dort die Thalysien gefeiert, Theokr. Id. 7. —
Arch. Zeit. 1883 S. 225; vgL Mitt. d. ath. Inst. 30 Stadtteil Sitea mit einem Damatrion, Bull. d.
4, 168. 173 (Milchhöfer). Über einen dort ge- corr. hell. 5 S. 479. Journ. of hell. stud. 9
fundenen Demeterkopf s. de Witte, Gaz. d. B. S. 324. Opfervorschrift ebd. S. 335; s. auch
Arts 1866. 2 S. 109. Paton-Hicks, Inscr. of Cos nr. 37, 60. Über
n) Mantineia, Tempel der Demeter und dieDemeterpriesterinnen s. Paton-Hicks nr. 386.
Kora, in dem ewiges Feuer unterhalten wird, Die Herond. Mimiamb. 1, 56 genannte Pro-
Paus. 8, 9, 2. Ein Priesterinnenkollegium der cession der Mise galt höchstwahrscheinlich
Göttinnen (Lebas -Foucart 352 i) ist höchst- der Kora; s. unten ihren Kult in Pergamon
wahrscheinlich diesem Tempel zuzuteilen; ein und den Art. Mise. — Aufnahme der irren-
Megaron wird in derselben Inschrift erwähnt. den Demeter bei Eurypylos und Klytia, Scheit.
Das Koragion war einer der Göttinnen ge- » Theokr 7, 5. Vgl. Dibbelt, Quaest. Coae myth.
weiht. Die Inschrift, Lebas - Foucart 352 h. Greifswalder Diss. 1891 S. 65f. vgl. 21 u. 38ff.
spricht immer nur von cc &sog. Der Kult Kalymna. Inschrift bei Neivton, Anc. gr.
unterstand einem Priesterkollegium; die Lei- inscr. 300.
turgie war aber Sache der Weiber. In einer Thera hat den Monat Eleusinios, Boeckh,
mystischen nofiTtri wird das Bild durch die Abh. d. Berl. Ak. 1836 S. 81. C. I. G. 2448.
Stadt in das Haus der Frau getragen, welche Ortschaft Eleusis daselbst, Ptol. Geogr. 3, 15, 26.
die Leiturgie zu leisten hat. Immerwahr a.a.O. Mykonos, Opfervorscbrift , 'A&rjvaiov 2
5. 125 will den Kult der Hermionensischen S. 237. Dittenberger, Sylt. 373. Am 12. Posei-
Chthonia hier wieder erkennen. Über Koguyziv deon sind zu opfern: di]ar\xgi Xlön vtg Svo
und Kogayög s. Ebert, Suteluöv S. 36. — 50 iiaXliGTtvovBai i] txigu lyy.vu.\a~\v. Am 10. Le-
Kleine Demeterherme mit Weihinschrift bei naion: vn\g xag7tov ^r\ar\xgi vv sy-dvfiova
Newton, Anc. gr. inscr. nr. 155. — Hain der D., ngiaxox6y.ov , Kügij v.ängov riXsov, dCi BovXsC
Paus. 8, 10, 1. — In der nahen Trümmerstadt %olgov ... stg äs xr\v iogxr^v 9vixo> Mvxo-
Nestane feierten die Mantineer Demeterfeste, vidäcov 1) ßovXo[(i]s[vrj] ■x.al zcöv olv.ovaäv ijt
Paus. 8, 8, 1. Mvxarcp 'öaai int Jrnir)xgct xzxiltoxai, vgl. Mitt.
0) Kaphyai. Münze bei Imhoof -Blumer d. ath. Inst. S. 8ff. (Kern). — Münze: deux
a. a. 0. Taf. T 15. epis joints ensemble, Mionnet 2 S. 320 nr. 63.
_ ,. , T , Amoreos. Jnarirpi Kögn dii EvßovXti,
Kulte der Inseln. Mm d ag Imt f £ 334. tf s_ 8ff_
Kreta. Den kretischen Demeterkult kennt 60 Paros soll vordem u. a. auch Demetrias
Homer, wenn er den Schauplatz des Iasion- und Kabarnis geheifsen haben; Kabarnos er-
mythus dorthin verlegt, f 125; vgl. Hes. theog. zählte D. den Raub, Steph. Byz. s. v. IJügog;
969. Diod. 5, 77, nach denen Plutos, der Priesterfamilie Kabarnoi, Hesych. s. v.; vgl.
Sohn der Demeter und des Iason auf Kreta C. I. G. 2384. Den parischen Demeterkult er-
geboren wird. — Nach Hom. hymn. Cer. 123 wähnt Hom. hymn. in Ger. 492. Den mystischen
giebt Demeter vor, aus Kreta zu kommen, vgl. Kult soll Kleoboia drei Generationen vor Archi-
Diod. 5, 77, 4. Lokalisierung des Koraraubes lochos von Paros nach Thasos übertragen haben,
daselbst, Bacchyl. in Schal. Hes. Theog. 914. Paus. 10,28,3. Thesmophoroskult, Hdt. 2, 134.
1303 Kora u. Demeter (östl. InseLkulte) Kora u. Demeter (aiol., ion., dor. K) 1304
Schal. Aristid. 244, 4. 0. I. G. 2557. In einem erwähnt eine Inschrift, Mitt. d. ath. Inst. 6
parisehen Agon besang Arehilochos in einem S. 138. Unter demselben Namen Mise ist Kora
Hyrnnos den Koraraub, Schol. Ar. av. 1762. mit Dionysos Thesmophoros gepaart, Orph.hymn.
Demeter führt auf P. den Namen Here, mit 42. Der Name scheint dem Meterkulte zu
Köre Herai, Inschrift des Cyrianis v. Ancona entstammen, Hesych. s. v. Micatig. Vgl. Mise,
in Bull. d. corr. hell. 1 S. 135; 'Afrr\vaiov 5 Gambreion hatte ein Thesmophorion,
S. 15. Jtjfirjrgog Kctgnocpogov, C. I. G. 23841. C. /. G. 3562.
Münze bei Overbeck, K. M. 3 Münztaf. 7, 1. 45. Elaia. Münzbilder bei Mionnet 3 S. 19
Delos. Megalartienfest der thesmophori- nr. 89 — 91. 93. Overbeck a. a. 0. nr. 46.
sehen Gottheiten, Semos bei Athen. 3, 109f. Opfer 10 Aigai. Über den dortigen Demeter- und
einer vg ly%vpcov. Bull, de corr. hell. 6 S. 125. Koretempel s. Bohn- Schuchardt , 3. Ergän-
Keos. Eine Demeterpriesterin "wird bei mungsh. des Jahrb. d. arch. Inst. S. 41 ff. D.
Bechtel, Inschr. d. ion. Dial. nr. 48 erwähnt. und K. werden mit vier &col avvvavoi Terehrt,
Syros. Ehrendekret für eine Priesterin denen vergoldete silberne Masken von drei
täv ovgavccov &icSv Jrifirixgqg Kai Kogctg zäv Mädchen zu weihen sind. Bemerkenswert ist
oeu-voTarmv, C. I. G. 23+71. Über die dortigen in der betreffenden Inschrift die aiolische
Demeterfeste mit Fackelläufen (C.I.G. 2347°. Namensform [J]c6[fi]ctTgog.
Hofs in Jahns Jahrb. Suppl. 1 S. 216), die Kyme. Demeter mit Fackeln, Münze bei
aus dem Bheakulte übernommen sind, vgl. Mionnet 3 S. 9 nr. 54.
Osann in Arch. Zeit. 1850 S. 202. Münze bei 20 Ionia.
Overbeck a. a. 0. 28. Smyrna. Thesmophorischer Kult: t] avv-
Samos. Demeter Enelyskis, Hesych. s. v.; oSog xäv uvaräv xfjg [itydlrjg &icig itgö nö-
dieKurotrophos(s.d.) Vit. Hom.RO hält Welcker, Aecos ©ECfioqpdpot) J^rjxgog, C. 1. G. 3194. —
Zeitschr. f. Gesch. u. Ausl. d. a. K. S. 125 .Mysterien der Köre nach Mitt. d. ath. Inst.
für Demeter; doch sind hier ohne Zweifel 14 S. 95 nr. 25. — Tfjv ägiav nennt Demeter
attische Einrichtungen willkürlich nach Samos eine Münze in Sollet, Zeitschr. f. Num. 4 S. 315 ;
versetzt. — Im Hause der Agoranomoi Weih- vgl. Fränkel, Arch. Zeit. 1879 S. 30.
bilder der Demeter und des Dionysos, Bull. Erythrai. Priesterin der Demeter Thes-
de corr. hell. 5, 479. mophoros, Bull, de corr. hell. 4 S. 157. 160.
Lesbos. Demeter dort von den Land- 30 Kult der Demeter und Kora und einer beson-
leuten verehrt, Long. 4, 13. deren Demeter §v Kolwvaig, Dittenberger, Syll.
a)Mytilene. Hier werden die Göttinnen als 370, 47. 63. 71. 89 (U.v%-oxgr]axov). Weihung
■nagnocpogov, noXvKctgnoi und xilierpugoi ver- der sibyllinischen Quellgrotte an D. Thesm.
ehrt, C. I. G. 2175. Mysterien derselben Mitt. d. ath. Inst. 17 S. 18. Münzen bei Mionnet
C. I. G. 2177. 3 S. 132 nr. 536 f.
b)Eresos. Münzen mit Demeter, Mionnet 3 Lebedos. Münze bei Mionnet 3 S. 140
S. 36 nr. 29 ff.; Melanges de Numism. 3 Taf. 15, nr. 588.
204f. Köre bei Mionnet a. a. 0. nr. 38. Ephesos. Dem eleusinischen Kulte standen
c) Nape, Steph. Byz. s.v. Ob dieses gerade hier Kodriden als Basileis vor, Strab. 14, 633.
als der Schauplatz des Raubes zu denken ist, 40 Nächtliche Thesmophorien der Weiber, Hdt.
von dem Demad. im Schol. Hes. Thcog. 914 6, 16. Jährliche Mysterien und Opfer zu-
spricht, ist unsicher. inqxgi Kccgnotpogip «ort Qecuotpögco »ki dsoig
Lemnos. D. hatte hier ihre Stätte im csßaozoig bnb räv uvaräv, Cyriacus v. Ancona;
Kabirenkulte, s. den Art. Megaloi Theoi.. Mit s. Bull, de corr. hell. 1 S. 289 (Dittenberger,
den lemnischen Nymphen verbunden erscheint Syll. 390).
Demeter Schol. Find. Ol. 13, 73. Magnesia, Münzen mitDemeter, Mionnet
Samothrake. Iasion ist auf Samothrake 3 S. 148 nr. 641f.; mit Darstellung des Kora-
lokalisiert; s. den Artikel Iasion Sp. 60f. Hier raubes 3 S. 150 nr. 650 f. Suppl. 6 S. 240
soll Demeter bei der Hochzeit der Harmonia nr. 1050.
das Getreide geschenkt haben, Biod. 5, 49, 1. 50 Panionion. Münzen mit Koraraub, Mi-
Einsetzung der Demeter in die kabirischen onnet 3 S. 61 nr. 2. Suppl. 6 S. 79 nr. 2f.
Mysterien, s. Mnaseas v. Patrai im Schol. Apoll. Mykale. Der eleusinische Kult wird hier
Eh. l,916f. Midhr, F. H. G. 3 S. 154. Näheres auf Pasikles' Sohn Philistos, der mit dem
unter Megaloi Theoi. Kodriden Neileos Milet gründete, zurück-
Thasos erhielt seinen thesmophorischen geführt, Hdt. 9, 97. 101. Heiligtum der Pot-
Kult von Paros, Paus. 10, 28, 3. Wegen seiner niai, Hdt. a. a, 0.
Fruchtbarkeit heifst es zlrifiritigog ätizr'i Ttion. Priene. Ein gewisser Philiskos weiht eine
Perieg. 523; vgl.Eustath. z. d. St. (Müller. Geogr. Statue des ionischen Kolonisteaheros Androklos
gr. min. 2 S. 316) und Etym. M. s. v. "Slyvyog. (Strab. 14, 632), der ihm mit den thesmopho-
60 rischen Göttinnen im Traume erschienen ist,
Ostküste des ägäischeii Meeres. q /. (7. 2907. Münzen bei Mionnet 3 S. 108
Aiolis. nr. 301; Imlwof-Blumer , Mon.gr. S. 296. Kora-
Sigeion. Anathem an Demeter und Köre, raub bei Sestini, Mus. Fontana 2 Taf. 10, 16.
C. I. G. 3636. Milet. Thesmophorisches Weiberfest in
Kisthene, von Milesiern, Erythraiern und einem nahe bei der Stadt gelegenen Heilig-
Pariern gegründet, hat Demetermünzen, Mi- turne, Parthen. 8. — Steph. Byz. s. v. Müijrog
onnet 2 S. 526 nr. 72f. erzählte wohl, dafs Demeter dort die erste
Pergamon. Eine Priesterin der Mise Köre Fichte hervorgebracht. — Soldaten Alexanders,
1305 Kora u. Demeter (thrak. Kulte) Kora u. Demeter (kleinasiat. Kulte) 1306
die das Kultbild berauben wollen, werden von itafinavm als Göttin der Reife, Hesych. s. v.
der Göttin durch Feuer geblendet, Lactant. div. Preller, D. n. P. S. 324. Den Demeterkult
inst. 2, 7. bei den umwohnenden Mariandynen soll Hierax
Doris. , gestiftet haben, Boios, Orniih. bei Ant. Lib.
Halikarnas sos. Über den dortigen De- Transf. 3.
metertempel und die daselbst gefundenen Kyzikos. Hier trat besonders die Kora-
Terrakotten und Inschriften s. Neiuton, Halt- Verehrung hervor. Kyzikos als IuttqoUlov der
carnass. 1 Taf. 45 — 47. 86,5. 2 S. 325ff. 694. Kora von Zeus geschenkt, wie sonstTheben noch
Münze bei Mionnet 3 S 347 nr. 260. Eine und Akragas, Appian. bell. Müh. 75; vgl. Müller,
Demeter sv dgojMp oder ivägoiAco Hesych. s. v. 10 Proleg. S. 156 ff. Ebert, Ziy.eI. S. 13. Mar-
Knidos ist das alte Triopion, Schol. Pind. quardt, Cyzikus S. 121. — Ort des Raubes,
Pyth. 2, 27; über die Beziehungen zu Thessa- Prop. 4, 22, 4 (Haupt -Vahlen). Die kleine
lien, Sicilien und den dortigen Demeterdiensten Insel Besbikos gilt als Gründung der Perse-
s. K. 0. Müller, Proleg. S. 161 ff. Preller, phone, Agathocl. bei Steph. Byz. s. v. Biaßt%og.
D. u. P. S. 330. Temenos der Demeter und Fest der Pherrephattia, Plut. Luc. 10; vgl.
Köre, reich an plastischen und inschriftlichen Marquardt, Cyzikus S. 119. Köre führt im
Denkmälern, Newton, Halicarn. 1 Taf. 53 ff. kyzikenischen Kulte den Namen Soteira, s. die
2 S. 375 ff. Die Inschriften bei Newton, Trav. Inschriften des Cyriacus v. Ancona im Bull, de
and disc. S. 713 — 719. 732 — 745. Über eine corr. hell. 4 S. 473. Mut. d. ath. Inst. 9 S. 17.
derselben (714) ZcoGxguxog Aa%aQxov zlüfiaxQi 20 DieMünzenzeigenPersephonemitdemetreischen
Kovqu nXovtavi 'Entaüx^ 'Egjiä, vgl. auch Attributen und der Umschrift Smxsiga oder
Preller, Arch. Zeit. 1861 S. 66; Foucart, Bull. Kog-n Zoyxuga, Mionnet 3 S. 529 ff. nr. 89 ff.;
de corr. hell. 7 S. 402; Overbeck, K. M. 3 Demeter ebenda Suppl. 5 S. 308 ff. nr. 159 ff
S. 695; Athen. Mut. 16 S. 6f. {Kern). Ooerbeck, K. M. 3 Münztaf. 7 nr. 16. 48. —
Von der Landschaft Phrygia minor hiefs ein
Der Worden. seür fruchtbarer Teil Ev-*ugit£iu, ort dr\\irixgi
Makedonien. Amphipolis hat die Ähre ncel Jlovvvco Zivg xr\v %a>gav xr]v xmv Evxug-
als Münzzeichen, Eckhel, D. N. 2, 66. miatv äoirj, Steph. Byz. s. v.
Stoboi. Münzen mit Koraraub, Mionnet, Priapos, Kolonie der Milesier und Kyzi-
Suppl. 3 S. 111 nr. 690f. S. 116 nr. 719. so kener (Strab. 13, 587). Demeter auf Münzen,
Philippoi. Die Ebene westlich von der Mionnet 2 S. 629 nr. 729f.
•Stadt bis zum Strymon galt als das Lokal des Parion, Gründung der Milesier, Erythraier
Koraraubes, Appian. bell. civ. 4, 105. und Insel -Parier, hat Demetermünzen, Mionnet
Thrakien. Abdera. Dreitägiges Thes- 2 S. 573 nr. 372ff. Overbeck a. a. 0. nr. 11.
mophorienfest. Die Weiber verlassen den Lampsakos. Anodos der Kora auf Mün-
sterbenden Demokrit der Feier wegen, Diog. zen, Millingen, Anc. coins. of gr. cit. Taf. 5, 7
Laert. 9, 43. Athen. 2, 46e. = Müller- Wieseler 2 Taf. 9, 109. Vgl. Förster.
Bisanthe, Samische Kolonie. Münzen mit Raub u. R. d. Fers. S. 263. Ooerbeck, K. M.
Demeter, Eckhel, D. N. 2, 25. 3 S. 664.
Perinthos. Münzen bei Mionnet 1 S. 401 40 Lydien. Alte Demeteridole auf Münzen
nr. 258ff. von Sardes, Maionia, Gordus Iulia,
Byzantiou hat von der Mutterstadt Me- Aureliopolis und Silandos s. bei Gerhard,
gara die Malophoros übernommen, wie aus Ak. Abhandl. Taf. 59, 8. Binder, Abb. d.Berl.
dem Monatsnamen Malophorios hervorgeht, Ak. 1855 Taf. 8, 4. Imhoof -Blumer , Mon. gr.
Papios' Vocabular im Philologus 2 S. 240. 262 S. 386. 389. Overbeck a. a. 0. 3 Münzt. 8,
(Hermann). — Tempel der Demeter und Kora 1 — 4, vgl. S.413. Revue numism. 1884 Taf. 1, 1,
mit Gemälden geschmückt; Xoana xe%vrjg Sardes und Tripolis haben Demeter auf
üxQtßovs oi5<j£j> iiCqw xäv axgeov, Dionys. Byz. Münzen römischer Zeit, Mionnet 3 S. 391 nr. 511;
p. 7, 5 (Wescher). — Münzen bei Mionnet 1 4 S. 118 nr. 673. 676.
S. 377 nr. 85fiF. Ann. d. Inst. 1834 Taf. G 3. 4. 50 Münzen der Kaiserzeit mit Darstellung des
Head, Coins of the Anc. Taf. 41, 3. Koraraubes haben Hermokapelia, Hermu-
Kallatis. Münzen bei Mionnet 1 S. 354 polis, Thyateira, Mostene, Hyrkania,
nr. 6ff. Gordus Iulia s. Förster, Raub u. Rückk. d.
Olbia. Zwischen den Mündungen des Pers. S. 112f., Apollonis. Münze mit der
Borysthenes und Hypanis eine Halbinsel 'In- suchenden Demeter s. ebd. S. 254.
7i6lr)g uxqri mit Demeterheiligtum, Hdt. 4,53. Phrygien. Hierapolis, Münze mit Kora-
Münzen, Mionnet 1 S. 349, 1. raub bei Ovßrbcck, K. M. 3 Münzt, 9, 11.
Pantikapaion. Eine Inschrift, datiert Kibyra. Demeter auf Münze, Ann. d.
a.Q%ovxog Znagxöiiov xov Eifirjlov (Ol. 119, 1 Inst. 1840 tav. Q 7.
— 124, 1; vgl. Grote, Gesch. Griechenlds. 6 60 Pessinus. 0sü [drjuj^xQi KaQ7ioq>[ÖQ(o),
S. 722), nennt Demeter Thesmophoros, O. I. G. C. I. G. 4082.
2106; andere Inschrift an Demeter G.I. G. 2108. Ankyra hatte Demeterkult nach C. I. G.
Klein-Asien (aufser der Ostküste des äg. Meeres) ^ Ikouion. 'AQZ<-mts 'A%*<,«e «ifrou x«W
Ägypten. T~s äs-xafid^ov xtxQuxÖQng xs 9säg nqoTtoXoL
Kerasus. Münzen bei Mionnet 2 S. 348 »ki Jiovvaov, G. I. G. 4000.
nr. 101 f. Earieu. Tralles führte als älteren Namen
Herakleia Pont, verehrte eine Demeter Polyantheia, hteph. Byz. s. v. Tgdi.Xig. —
1307 Kora u. Demeter (ägypt. Kulte) Kora u. Demeter (westl. Kolonieen) 1308
Münzen bei Mionnet 4 S. 192, 1115; Over- Apollonia. Münze mit Demeterkopf, Mi-
beck a. a. 0. Münztaf. 8, 36. onnet 2 S. 53 nr. 59; Ähre S. 29 nr. 7.
Nysa galt wegen Identificierung mit dem Epeiros zeigt auf Münzen des Pyrrhos
Nysa des Hymnos als Ort des Raubes. Zwischen den Demeterkopf mit Ährenkranz und Mohn,
Tralles und Nysa bei Acharaka war in einem Mionnet 2 S. 63 nr. 14. 16ff. 31 ff. Die Kora-
nysischen Dorfe ein Plutonion, Hain und Tempel münzen des Pyrrhos Overbeck a. a. Ü. Münzt. 7,
des Plnton und der Köre. Daselbst auch Höhle 40. 41 datieren aus seiner sicilischen Episode,
des Charon mit iatrischem Inkubationsorakel Kerkyra soll seinen alten Namen Dre-
und jährlichen Pesten, Strab. 14, 649. Münzen pane der Sichel der Demeter verdanken, die
mit Koraraub und Demeter- oder Persephone- 10 sie von Hephaistos erhielt, um die Titanen
köpf oder ihren Symbolen, Mionnet 3 S. 362 mähen zu lehren, und dann dort vergrub,
nr. 342 ff. Suppl. 6 S. 518 nr. 401. 403. Over- während der homerische Name Scheria von
beck a. a. 0. nr. 7; vgl. Spanheim, Callim. 2 dem Zurückhalten der Flüsse des Pestlandes
S. 667. In der Nähe Inschrift: 6 äfiuog 6 ZoXo- durch Poseidon herkommen soll, den Demeter
i(ov Kögy Kai nXovxuivi dsois nargmoig ävi- darum gebeten, Aristot. bei Schol. Apoll. Eh.
&rjtnv Bull. corr. hell. 7 S. 402. 4, 984. Steph. Byz. s. v. Sx^gCa; Tzetzes zu
Aphrodisias. Einen Priester des Pluton Lyc. 763. 869. Etym. 31. s. v. dgenavri; vgl.
und der Kora erwähnt die Inschrift Move. rijs Preller, D. u. P. S. 359. — Münzen s. Mionnet
Evayy. 6%oX. 1880 S. 180 vgl. Bull, de corr. hell. 2 S. 38. Mon. d. Inst. 4, 31 nr. 37.
a. a. 0. Münze bei Overbeck a. a. 0. Münztaf. 7, 5. 2u K e p h a 1 1 e n i a. Münze bei Mionnet 2
Athymbra. IIXovzwvi «cu Kog>] ^JrjfiriTgi S. 201 nr. 1.
'EgfitC "Avovßi, in Delos gefunden, Bull, de Unter • Italien. Arpi und Butuntum.
corr. hell. 11 S. 274. Münzen, Eckhel, B. N. 1 S. 140ff. Read, Coins
Antiocheia. Münzen bei MionnetZ S. 316 of the Anc. Taf. 44, 13.
nr. 68ff. Tarent. Kult der Demeter im.lvGafi.ivri,
Orthosia. Koraraub auf Münzen, Eckhel, wohl als Geburtshelferin zu verstehen, Hesych.
Cat. Mus. Vinä. 1 Taf. 3, 18. Mionnet 3 S. 374 s. v.; vgl. Löschcke in d. Arch. Zeit. 1876 S. 111.
nr. 415ff. Suppl. 6 S. 530 nr. 461 ff. Overbeck, Metapont hatte besonders ergiebigen
K. M. 3 S. 651. Ackerbau (Strab. 6, 264). Münzen mit Demeter-
Lagina. Inschrift bei Newton, Ealicam. 2 30 köpf oder Ähre sehr häufig, z. B. Eckhel, D. N.
S. 798. 1 S. 155. Mon. d. Inst. 3 Taf. 35, 4. Overbeck
Sillyon in Pamphylien. Inschrift bei a. a. 0. Münztaf. 7.
Lanckoronski, Pamph. u. Pisid. 1 nr. 60. Kroton. Pythagoras' Haus wurde nach
Tarsos. Antiocheia und Gordys (an des Philosophen Tode in einen Demetertempel
der Mündung des Tigres) galten als Stiftungen umgewandelt, Timaeus bei Porph. Vit. Pyth. 4.
des argivischen Triptolemos und seines Sohnes Thurioi. Münzen bei Eckhel, D. N. 1
Gordys, Strab. 14, 673. 16, 747. 750. Steph. S. 164.
Byz. s. v. rogävaia. Dafs man schon früh Petelia. Münze bei Overbeck, K. M.
die Reisen des Triptolemos so weit ausdehnte, Münzt. 7 nr. 4.
erhellt aus Sophocles bei Strab. 1, 27; vgl. 40 Lokroi Epizephyrioi , spartanische
Preller, I). u. P. S. 300. Kolonie nach Paus. 3,3, 1, verehrte vor-
Kypros. Demeter Thesmophoros nimmt nehmlich Persephone, deren prächtiger Tem-
für Kypros an Ovid. Met. 10, 434; vgl. Engel, pel mit seinen reichen Schätzen mehrfach
Eypros 2 S. 653. Eine agxiigua der Demeter in Kriegszeiten die Habsucht reizte, Livius
nennt C. I. O. 2640. Tempel und Statuette 29, 18. Cic. de not. d. 3, 83. Diod. Sic. 27,
der Demeter Paralia in Kition, Cesnola, Cyprus 4, 2. Dion. Hai. 20, 9. Suidas s. v. IIvQQog;
S. 50. 52. Appian. bell. Samn. 12. bell. Hann. 55. Lac-
Ägypten. Abgesehen von der Identificie- tarnt, div. inst. 2, 7. — Schönes Terrakotta-
rung mit Isis (s. d.) trat auch der griechische relief: Persephone und Hades thronend, Bull.
Demeterdienst sehr stark hervor. 50 Nap. 5, 5. Müller -Wieseler 2, 856. Ann. d.
Alexandreia. Eleusinien in Alexandreia, Inst. 1847. T. d'a. F; vgl. Mitt. d. ath. Inst.
Tacit. hist. 4, 83. Ortschaft Eleusis bei A., 2, 468. Koraraub, Bull. Nap. a. a. 0. Arch.
Suid. s. v. KaXXifiaxoc:. Livius 45, 12. Ptole- Zeit. 1870 S. 77. Overbeck, Atlas zur K. M.
maios Philadelphos stiftete den Kalathosumzug Taf. 18, 16. 17. Münzbilder, Mionnet 1 S. 197
zu Ehren Demeters als Erntefeier nach athe- nr. 926.
nischem Vorbilde, Schol. Callim. in Cer. 1; Hipponion (Vibo). Hierher soll Kora
vgl. Eustath. ad Od. 1488, 60. 1627, 50. Feier aus Sicilien gekommen sein, um Blumen zu
des Koraraubes, Schol. Arat. Ph. 150. — Thes- suchen, Strab. 6, 256. — Tempel und Kult-
mophoreion mit jährlichen Opferfesten, Polyb. bildet- erwähnt die Inschrift Orelh-Hensen 1476;
15, 29, 8. co vgl. Förster, Paub u. Eückk. d. Pers. S. 276.
Arsinoe hatte ein Thesmophorion, Wü- Elea (Velia). Griechischer Demeterkult,
cken in Zeitschr. d. Gesellsch. f. Erdk. 1887 der vorbildlich für den römischen Cereskult
S. 81; ein Eleusis bei Arsinoe, Wücken in wurde, Cic. pro Balb. 55. Vol. Max. 1, 1.
Jahrb. d. arch. Inst. 1889. Anzeig. S. 4. Posidonia (Paestum). Verschiedene
Terrakotten bei Gerhard, A. B. W. Taf. 36
Der Westen. sollen D. ■aovQozg6q>og darstellen; vgl. Bull. d.
Epidamnos. Ähre als Müuzzeichen, Mi- Inst. 1829 S. 189 f. Stephani, C B. 1859 S. 136 ff.
onnet 2 S. 38 nr. 87; S. 44 nr. 162. Overbeck, K. M. 3 S. 488 ff.
1309 Kora u. Demeter (sicilische Kulte) Kora u. Demeter (sicilisclie Kulte) 1310
Pomp ei. Wahrscheinlich stammt von hier dessen Bräuche, Nachahmung des ägxcciog (3tos
die Inschrift einer Priesterin der Thesmophoros, und uiaxQoloyiai, aus der Thesmophorienfeier
C. I. G. 5865 = Kaibel, Inscr. gr. Sic. et Itdl. von Athen und Eretria bekannt sind; s. auch
702. Zu, dieser gehört ein Relief, Demeter Meraclid. bei Athen, a. a. 0. und Ebert, 2iksI.
mit Schale, Messer und Kräutern darstellend, S. 19. — Als sicilisches Fest der Kora nennt
daneben stehen ein Altar, ein Ferkel und Voll. 1, 37 ©aoya/xta und 'Av&t ocpogict; die
ein Korb, Rinck im Kunstblatt 1828 S. 161. ersteren nennt Schol. Find. Ol. 6, 160 äva-
Neapolis. Der Kult von Neapel genofs KaXvuxijgici. Die Anthesphorien sollen der
in Rom das gleiche Ansehen wie der von erste Tag der Theogamien gewesen sein
Velia, Cic. pro Halb. 55. Attische Mysterien 10 nach Ebert, Sixel. a. a. 0. — Den Dienst
erwähnt Stnt. silv. 4, 8, 50. Eine Inschrift an der Quelle Kyane, wo Hades mit Kora
nennt eine Thesmophorospriesterin, G.I. G. 5799 hinabgefahren sein soll, soll Herakles gestiftet
= Kaibel a. a. 0. 756a. haben zum Danke für seine Entsühnung: t&vas
Sicilien. 'AgiGztvoiGuv evxdgnov %&ovöq xaig &iaCg fieyaXongmäg nal sig x'r\v Kvuvr;v
nennt Find. Nem. 1, 20 Sicilien. Infolge der xov tiaXXtaxivovTa xäv xavgmv nu&uyioag v.axi-
üppigen Fruchtbarkeit der Insel wurden De- bEi£,t ftvnv rot>s iyxcogiovg v.ax' tviavxbv xy
meter und Persephone in kurzer Zeit die Kögy xkI ngog xfj Kvdvn Xce(j,7tgäg äysiv na-
Hauptgottheiten derselben, so dafs bald die vi\yvgiv xt »al&vaiav, Diod. 4, 23, 4. 5, 4, 2. 4
Herkunft vergessen und die Wiege des Kultes (Örjfioai'a de xavgovg ßv&i'Qovoiv iv xy Xtfivrf).
hier gesucht wurde. Auf einem attischen so — Als Ackergötfin führt Demeter in Syrakus
Dekretrelief von Ol. 96, 4 wird Demeter als die Beinamen Sito und Himalis, Polem. bei
Vertreterin Siciliens der attischen Athena Athen. 3, 109a. 10, 416b. Ael. v. h. 1, 27; über
gegenübergestellt, Schöne, Griech. Bei. Taf. 7, 'Eg/iiövrj als Beinamen sowohl für Demeter
49; vgl. Kühler in Hermes 3 S. 157; Mitt. d. wie für Kora in Syrakus {Hesych. s. v.) s.
ath. Inst. 1 S. 5; F rieder ichs-Wolters nr. 1159. Crusius, Beitr. z. gr. Myth. S. 14. — Münzen
— Sicilien galt als das Lieblingsland beider bei Mionnet 1 S. 290 nr. 699 ff. Head, Coins of
Göttinnen, Cic. in Verr. 4, 48; Ovid. Fast. 4, Syrac. Taf. 5, 4; 9, 1. 2; 11, 11.
422; Diod. Sic. 5, 2, 3. 13, 30. Die Geburt der k) Akrai bestätigt seinen Demeterdienst,
Göttinnen hier lokalisiert bei Aristot. Mirab. aufser durch Weihinschriften an die Ayval
83; Cic. in Verr. 48; vgl. Ebert, Sinei. S. 11. 30 0eai, C. I. G. 5431, und an die thesmopho-
1m Streite mit Hephaistos soll Demeter Si- rische Kalligeneia, C. I. G. 5432, durch Münzen,
cilien gewonnen haben, Schol. Theokr. Id. 1, 65. s. Mionnet 1 S. 209 nr. 7. Ein Koreion er-
— ■ Besonders verbreitet war die Auffassung, wähnt C. I. G. 5430 = Kaibel, Inscr. gr. Sic.
dafs Zeus das Land der Persephone geschenkt et Ital. 217.
{Find. Nem. 1, 16. Schol. Find. Pyth. 12, 1), l) Kamarina. Terrakotten, Demeter mit
und zwar als ävaxdXvTizga zu ihrer Hoch- Attributen darstellend, bei Kekule, Sie Terra-
zeit mit Hades, Diod. Sic. 5, 2. Flut. Timol. 8. kotten von Sicilien S. 25 Taf. 4. — Münze bei
Schol. Find. Nem. 1, 16. — Als Lokal des Eckhel, D. N. 1 S. 202.
Koraraubes nennt im allgemeinen Sicilien m) Gela empfing chthonischen Kult von
Flut. Tim. 8. Natürlich ist auch den Siciliern 40 Telos, Hdt. 7, 153.
zuerst die Gabe des Getreides zu teil ge- n) Akragas, Kolonie von Gela, ist bei
worden, ein Anspruch, der mit Rücksicht auf Find. Pyth. 12, 1 tfregotcpövag 'iöog. Brautgabe
die ausgezeichneten Bodenverhältnisse — bei des Zeus an Persephone. Schol. Find. Ol. 2, IG.
Leontinoi und anderwärts sollte der Weizen Polyain. 5, 1; vgl. K. 0. Müller, Froleg.
sogar wild wachsen — auch von Fremden an- S. 155. Ebert, Ei-nsX. S. 13. — Münzen bei
erkannt wurde, vgl. Aristot. Mirab. 83. Diod. Eckhel, D.N. 1 S. 191. Mionnet 1 S. 342 nr. 24.
Sieb, 2, 4. Claudian, De raptu Proserp. 1, 198. o) Selinus hat von Megara die Demeter
a — h) Nur durch Münzen ist der Demeter- Malophoros übernommen, neben welcher Köre
kult nachweisbar für L e o n t i n o i , Torremuzza, den Namen Pasikrateia führt, Inschr. bei
Sic. num. vet. Taf. 41 nr. 4. 15 und Mionnet 1 so Benndorf, Metop. v. Sei. S. 27; vgl. Saappe,
S. 248 nr. 334ff.; Menai, Torremuzza a. a. 0. Göttinger Nachr. 1871 S. 607; Kaibel a. a. 0.
Taf. 44, 2; Kentoripa, Tyndaris, Ther- 268.
mai, Panormos, Neeton und Entella, p) Drepanon hat den Namen von der Siehe'
Mionnet 1 S. 231. 242. 263. 264. 328. der Demeter nach Serv. ad Verg. Aen. 3, 707.
i) Syrakus. Demeter und Persephone wur- q) Tauromenion. Inschrift, C. I. G. 5643:
den hier besonders als &sopocp6go) verehrt. Stetig 'Ayvccig %ugiGxr)gtov.
Im ngoaaxsCov xrjg 'j%gaSivng {Diod. 14, 63) r)Aitne. Tempel beider Göttinnen, welche
— nach Cic. in Verr. 4, 119 in der Neapolis — von Gelon begonnen werden, aber unvollendet
lagen die von Gelon erbauten {Diod. 11, 26) blieben, Diod. 11, 26, 7. Die Gegend ist viel-
beiden Tempel der Göttinnen in einem xifisvog, 60 fach mit dem Raube verknüpft worden. Am
Flut. Dion. 56, vgl. Diod. 14, 70; 19, 5. Com. gleichnamigen Berge lassen ihn geschehen
Nep. Dio. 8. Cavallari-Holm, Top. Arch. di Mosehos 3, 128. Hyg. fab. 146. Schol. Find.
Sic. 183 f.,- Lupus, Stadt Syrakus S. 101 f. — Nem. 1, 16. Philargyr. ad Verg. Ecl. 3, 104.
Thesmophorischen Kult bezeugen Heraclid. Demeter zündet ihre Fackel am Aitna an,
bei Athen. 14, 647a. Flut. Dion. 56. Pscud.- Diod. 4, 4, 3. Beiname der D. Alxvuia, Ly-
Plat. epist. 7, 95. — Diod. 5, 4, 5. 6 er- cophr. 153.
zählt von einem zehntägigen mit besonderem s) Katana. Heiligtum der Demeter Thes-
Glanze zu Demeters Ehren gefeierten Saatfeste, mophoros mit sehr altem Kultbilde, den
1311 Kora (Raub u. Rückkehr d. K.) Kora (Raub u. Rückkehr d. K.) 1312
Männern streng verschlossen, Cic. in Yerr. 4, die furchtbare (inaivrj) Herrscherin der Unter-
99. 5, 187. Lactant. dir. inst. 2, 4. C. 1. G. weit, 1457. 569; jt 491. 534. Das Verhältnis
5675 b. — Ein zweites Heiligtum lag aufser- von Demeter zu Persephone als Mutter und
halb der Stadt, C. I. G. 5649 e; Kaibel a. a. 0. Tochter kennen nur der späte interpolierte
449. Eine Persephone Basilis von dort bei Vers S 326 und die gleichfalls späten Nekyia,
Muratori, Thesaur. 1, 40, 3 (C. I. G. 5, wo P. v. 217 als dibg &vydzriQ bezeichnet wird
649 f. Kaibel a. a. 0. 450). und die milderen Beiworte c?y«vr/(vv. 213 226.635
t) Elina hat besonders berühmten Demeter- oder ay vri v. 386) führt; v. 47 nennt sie inaivri,
kult. Hier ,,eam natam esse et fruges invenisse ist aber wörtliche Wiederholung von x 534.
constat" , Cic. Yerr. 4, 108 ff., wo auch von 10 Der Mythus setzt die Verschmelzung zweier
der allgemeinen Anerkennung dieser Präten- alter Gottheiten voraus, der alten aehäischen
sion die Rede ist. Demeter heifst 'Evvala bei Landesgöttin Demeter, der Gefährtin des Zeus
Lycophr. 153. Vor dem Demetertempel, den (der als 'Elsvaiviog ihren 2s amen teilt, s. Hesycli.
auch Strab. 6, 272 erwähnt, mehrere Statuen, s. v. 'Elevaiviog), einer der Hera vollkommen
darunter ein hocharchaisches Bronzebild, ein entsprechenden Göttin und der chthonischen
Trjptolemos und eine Demeter vtv.ncpÖQog, was Genossin des alten Klymenos-Hades, deren ur-
nach Bütticher, Arch. Zeit. 1857 S. 69 auf einen alter Kult noch verhältnismäfsig rein und nur
cerealischen Agon deuten soll. Männer dürfen ganz äufserlich mit der Vulgärmythologie Ver-
den Tempel nicht betreten, Lact. cliv. inst. 2, 4. Bünden in Lebadeia (Trophonios — Herkyna
Dabei auch ein Persephonetempel, Cic a.a.O. 2a neben Zeus Hyetios — Demeter Europe),Lakonien
— Enna die heilige Stadt dieser Göttin, der und in dem von Lakonien aus besiedelten Lokfoi
die dortigen Wiesen zufielen, als Athena Hi- Epizephyrioi zu erkennen ist. — Wenn Förster
mera und Artemis Ortygia in Besitz nahmen, a. a. 0. für das hohe Alter des Mythus seine
Diod. 5, 4, 1. Von diesen Wiesen am See allgemeine Verbreitung durch die ganze grie-
Pergus raubt sie Hades nach Diod. und Cic. chische Welt anführt, so waren hierfür doch zwei
a. a. 0. Ovid. Met. 5, 385. Fast. 4, 325. Münz- andere Gesichtspunkte entscheidend, erstens die
bilder bei Mionnet 1 S. 233 nr. 207 ff. tiefe innere, edle Wahrheit und Schönheit
Melite hatte Demeterkult nach der Münze, desselben und zweitens die grofse Bedeutung,
Mionnet 1 S. 342 nr. 24. welche die der Göttin homonyme Hauptkult-
Afrika. Kyrene. Demeter Thesmophoros 30 statte Eleusis, für Athen und die ganze grie-
wurde hier verehrt, wie aus der Geschichte chische Welt schon in früher Zeit gewann,
des Battos hervorgeht, Suid. s. vv. Q-ta^io- Hdt. 8, 65. Die grofse Verbreitung des Mythus
cpögog und ocpaKtgiai. ist aber eine Thatsache und auch dies, dafs man
Karthago führte den Kult der Göttinnen allenthalben die Spuren des fremden Importes
ein, als es während des Krieges gegen Dio- zu verwischen suchte, indem man lokale Be-
nysios von Syrakus, Ol. 96, 3, durch einen Ziehungen in ihn verflocht. Zu beachten ist
Söldneraufstand bedroht war. Die Vornehmsten aber das Fehlen derartiger Bestrebungen in
der Karthager und der dort wohnenden Griechen Boiotien und Thessalien, während der Isthmos,
versahen den Dienst ganz in gi'iechischer Weise, die Peloponnes und die Kolonieen derartige
Diod. Sic. 14, 77, 5. Münzen mit Demeter oder 40 Lokaltraditionen bieten. Doch immer lassen
Persephone, Read, Coins of the Anc. Taf. 26, diese Zusätze das Bestreben, aus dem sie her-
37. 39; 47, 41 — 43; 59, 33 — 39. vorgegangen sind, erkennen und wirken un-
organisch. Ebenso wurde in der weiteren Aus-
C. Der Mythus vom Raube und der Rückkehr bildung des Mythus der Zweck verfolgt, mög-
der Persephone. lionst ane Eigenschaften der Gottheiten darin
Mehr als bei irgend einer anderen Gottheit zum Ausdrucke kommen zu lassen, alle ihre
steht bei Demeter und Persephone ein Mythus Wesenheiten darin prototypisch vorzubilden
im Mittelpunkte ihrer Religion. Die beiden und die heiligen Bräuche des Demeterkultes
Göttinnen gemeinsam gezollteVerehrung, welche ätiologisch darzustellen. Dafs diese späteren
in späterer, d. h. hellenischer Zeit an fast allen 50 Bestrebungen aber dem einfachen echten My-
Kultstätten der Demeter die vorherrschende thus fremd sind, geht aus der verhältnismäfsig
ist, findet ihren vorzüglichsten Ausdruck in treuesten Überlieferung, dem homerischen Rym-
demselben. Doch ist er nicht als die Ursprung- nus hervor, in dem sie zwar auch bemerkbar
liehe Grundlage dieser Religion anzusehen, und sind, aber so durchsichtig und klar, dafs man
seine Entstehung in so frühe Zeit zu verlegen, sie vielfach unter Verkennung des Zweckes für
wie Förster, Raub und Rüchh. d. Pers. S. 5 spätere Zusätze hielt. Bezeichnend ist auch,
annimmt, „als das Griechenvolk noch in den dafs das sonst so stark hervorgehobene Moment
Ebenen von Asien safs". Dafs Homer den der Ährenübergabe hier fehlt. Wir geben die
Mythus schon gekannt, wie Welcher, Griech. Erzählung des Mythus nach dem Hymnus und
Götterl. 1 S. 395; 2 S. 474 (s. auch Zeitschr. f. 60 fügen die Varianten der Lokalsagen und dich-
Gesch. u. Ausl. d. alt. K. S. 1. K. 0. Müller, terischen Zusätze bei.
Kl. Sehr. 2, 91. Rohde, PsyclieS. 195 f.) annahm, Der Raub der Persephone, die nach orphi-
und wie Preller, Griech. Myth.- 1 S. 593 gegen scher Sage von Demeter weltentrückt auf-
seine frühere Ansicht, Demeter und Persephone gezogen wird, von Kureten und Korybanten
S. 5ff., zugab, ist abzuweisen (vgl. Pleic, in bewacht (Argon. 1190f£; Procl. Theol. Plat. 6,
Preller, Griech. Myth.3 S. 623). Bei Romer ist 371. 382; in Plat. Cratyl. 62 = Abel frgm. 210)
Demeter nur die Göttin des Landbaues (B 696; und in durchsichtiger Allegorie webend ge-
E 500; JV322; * 76; f 125) und Persephone dacht wurde (Procl. in Plat. Tim. 5,307 d;
1313 Kora (Raub u. Rückkehr d. K.) Kora (Raub u. Rückkehr d. K.) 1314
in Cratyl. 53; Porphyr, de antr. Nymph. 14; Achill. 1, 824; Auson. ad Theon. 4, 49; Phi-
Syrian in Ar. Metaph, 850 b; vgl. die Vulgari- largyr. ad Verg. Ed. 3, 104; Mylh. Vat. 2, 93;
sierung dieser Motive in der sicilischen Sage 3, 7, 2) und Haiesos, Columella 10, 268. Aufser-
b. Diod. Sic. 5, 3, 4 ; Claudian. de rapt. Pros. 1, halb Attikas und Siciliens werden genannt:
247), wird von Hades im Einverständnisse mit Kreta von Bacchylides im Schol. Hes. Theog.
Zeus, ohne Demeters Wissen vollführt; Hom, 914; vgl. Tzetz. zu Res. Opp. 33; Ps.-Eudoc.
hymn. v. 2; Hes. Theog. 914; Hyg. fab. 146; p. 109 ( Villoison) in KQiqrrigrifxäi.i.ovixJ!m£}.iag;
Claudian a. a. 0. 1, 216, wo allerdings Zeus Kyzikos von Prop. 4, 22, 4 ( Haupt- Vahlen),
im Banne der Moira steht, vgl. Orph. Argon. Kr enides, das spätere Philip r>oi,-vonAppian
1195 (Saifiovog aiarf); Stat, Theb. 8, 63 ff. Durch 10 bell. civ. 4, 105, wohin Gieseke im Philog. Anzeig.
thätiges Eingreifen mittels des Blitzes trug 5, 245 das Nysa des homerischen Hymnus ver-
Zeus zum Gelingen des Raubes bei nach Hur. legt, vgl. Förster a. a. 0. S. 271.
Hei. 1317; vgl. Apollod. 1, 5, 1. Nur poetische Der Raub geht vor sich, während Persephone
Umbildung ist es, wenn Ovid. Metam. 5, 346 ff. mit den Töchtern des Okeanos Blumen liest,
die Urheberschaft des Raubes Aphrodite zu- und Gaia auf Zeus' Anstiften einen Nar-
schreibt, die den Hades ihre Macht empfinden kissos von wunderbarer Pracht hervorspriefsen
lassen will. Mehr oder minder ausgeschmückt läfst. Während Persephone staunend in den
findet sich dies Motiv bei Sil. Ital. 14, 242; Anblick versunken ist, öffnet sich die Erde;
Seneca, Herc. Oet. 561; Claudian a. a. 0. 1 , 25; auf seinem Gespanne kommt A'idoneus auf sie
Myth, Vat. 2, 95; Lact. Plac. narr. fab. 5, 6. 20 losgestürzt, ergreift und entführt sie, Hom.
Als Ort des Raubes werden in den ältesten hymn. in Cer. 1 — 20. Die Anthologie ist fast
Quellen geographisch nachweisbare Lokale in allen Darstellungen als Gelegenheit für den
nicht genannt; Hom. hymn. in Ger. v. 17 heifst Raub beibehalten, Pamphos bei Paus. 9, 31, 9;
er Nvaiov nidiov, worin Förster a. a. 0. S. 268 Orph. Argon. 1190; Kicand. bei Athen. li, 683a;
nach Buhnkens Vorgange, gestützt auf Strab. Ovid. Fast. 4, 437; Metam. 5, 391; Strab 6, 256 ;
14, 650, das karisebe Nysa, Vofs, Erläut. zum Plut. Quaest. nat. 917 e; Clem, AI. Protr. 2, 17;
7(0?». Hymn. S. 12 die gleichnamige boiotische Ps.-Arist. Mir. ausc. 836 b; Athen. 12, 554 b;
Ortschaft am Helikon erkennen will. Richtiger Schol. Soph. Oed. Col. 674. Aus der letzteren
halten es für ein ideales Lokal Baumeister, Stelle geht hervor, dafs die Hervorhebung
Hymn.Hom.S.283undBcrgk,Gr.iech.Litteraturg. 30 der Narzisse einem alten attischen und wohl
1 S. 770 Anm. 70, wenn auch die Etymologie auch sonst noch verbreiteten (vgl. Hesych.
Nveiov = vv%iov ganz unbegründet ist. — In s. *". daauzoiov ccv&og ouotov vaQ%iaaoi) Kult-
der orphischen Dichtung wurde nach Schol. gebrauche entsprach, während die von der
Hes. Theog. 914 der Okeanos angegeben. In sicilischen Version abhängigen Darstellungen
den Argonautica v. 1189 ff. wird eine Insel öfters den Reichtum an Veilchen hervorheben,
hinter lerne genannt, was sehr an Arlcmid. wenn sie diesen auch nicht eine solch ent-
bei Strab. 4, 198 erinnert: vfjGov -rtgog xfj Bql- scheidende Rolle anweisen. Den Okeaniden des
rcivviv.ri k<x9' r)v ofioia xolg iv Zano&QctHi] tziqI Homeridenhymnus entsprachen in der orphi-
xrjv di)ur\TQGL itoa-noihixui. — Wenn nacb De- sehen Fassung die Schwestern (Argon, a. a. 0.),
mades im Schol. Hes. Theog. 914 der Raub iv 40 womit Euripides, der Athena und Artemis
vanaig stattgefunden hat, so ist mit Preller, nennt, übereinstimmt, und wahrscheinlich ist
D. u. P. S. 133 und Förster a. a. 0. S. 16 eher das Gleiche aus Diodor für die sicilisehe Ver-
an eine allgemeine Bezeichnung zu denken als sion zu folgern. Für die Hinzufügung der
an eine bestimmte Ortschaft wie etwa das les- Aphrodite ist der älteste Beleg auf griechischem
bische Nape. — Attika war Lokal des Raubes Boden, in dem stark orphisch beeinflufsten La-
nach Phanodemos im Schol. Hes. Theog. 914. — konien, die Heraufholung des Hyakinthos am
Die alexandrinischen Dichter folgten der sici- amykläischen Throne, wo Aphrodite mit Athena
lischen Version, welche den Kaub auf ihrer und Artemis neben Hades Kora und Demeter
Insel lokalisierte, und auf sie geht der gröfste erschien; Paus. 3, 19, 4. — Wenn auch Ocid
Teil der Angaben zurück, welche diesen Zug so in beiden Fällen (Fast. 4 und Metam. 5) davon
überliefern. Der früheste einigermafsen sichere abweicht, so spricht, abgesehen von den litte-
Beleg hierfür ist allerdings schon Karkinos bei rarischen Zeugnissen wie Hyg. fab. 147; Valer.
Diod. 5, 5; wie Förster S. 66 f. nachweist, der Flacc. Argon. 5, 345; Stat. Achill. 2, 150; Lact.
jüngere Tragiker dieses Namens. Vielleicht PI. Karr. fab. 6, 6, besonders die stehende
ist sogar schon Pind, Ol. 6, 160 in diesem Anwesenheit der Göttinnen in den römischen
Sinne zu verstehen. Allgemein Sicilien nennen Sarkophagreliefen hierfür, s. unten über die
auch Plut. Timol.%, Schol. Her. Theog. 914; Kunstdarstellungen des Raubes. Dafs die Göt-
Slat. Theb. 8, 61; Schol. Aristid. Panath. 181b tinnen am Raube beteiligt gewesen, indem sie
(Frommel). Bestimmte Angaben sind Enna Kora aus dem Hause zur Anthologie hinaus-
(Cic. inVerr. 4, 106; Oo. Met. 5, 385 (See Pergus); 60 lockten, erzählte die orphische Fassung (Procl.
Fast. 4, 422; Diod, Sic. 5, 3^ Sil. Ital. 7, 688; in PI. Tim. 5, 307; vgl. Argon. 1197 f.) ; nach
14, 242; Claudian a. a. 0. 2, 112; Pseud.-Arist. Eurip. Hei. 1315 ff. scheinen Athena und. Arte-
Mir. ausc. 836 b; Solin 5, 15; Arnob. ade. nat. mis sich dem Raube widersetzt zu haben, was
1, 37; Lact. Inst. div. 2, 4, 28; Firm. _Mat. sie auch bei Claudian a. a. 0. 2, 205 f. thun,
de err. prof rel. 7), die Gegend am Ätna während Aphrodite bei diesem den Raub be-
(Mosch, 3, 128; Hyg. fab. 146; Plut. Quaest, günstigt; vgl. besonders den Sarkophag Ooer-
nat. 917 e; Val. Flacc. Argon. 5, 344; Schol. heck, Atlas zur Kunstmyth. Taf. 18, 18 und die
Pind. Kein. 1, 16; Oppian, Hai. 3, 489; Stat. Münze von Hyrkania Ov., K.-M. 3 Münztaf 9, 9.
Röscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 42
1315 Kora (Raub u. Rückkehr d. E.)
Nymphen sind Genossinnen der Kora nach
Porphyr, d. antr. N. 7 ; Colum. de cult. hört. 263 ff.;
Stat. a. a. 0.; Tgl. Paus. 5, 20, 3, Seirenen
nach Hyg. fab. 141; Claudian a. a. 0. 3, 189.
Hades enteilt nun mit der Geraubten und
fährt mit ihr zur Unterwelt hinab; der Ort
des Abstieges ist im homerischen Hymnus nicht
erhalten. Er lag in Attika nahe bei Eleusis
(nach Paus. 1, 38, 5; Schol. Soph. Oed. Col. 1592;
Urph. hymn. 18, 12: Srjfiov 'EXsveivog, zö&msq
nvlai 'Atäao; Giern. AI. Protr. 2, 17; Schol.
Luc. Dial. mer. 2, 1 = Rhein. Mus. 1870 S. 549),
und ein Teil der Herde des eleusinischen
Sauhirten Eubuleus versank mit, vgl. Lobeck,
Aglaoph. S. 829. — In Sicilien wird der Ab-
stieg an der Quelle Ky ane lokalisiert, die nach
Diod. 5, 3 erst bei dieser Gelegenheit ent-
standen sein soll, während nach anderen Ky-
ane eine Najade war, die den letzten Versuch
machte, sich Hades entgegenzustellen und dafür
von ihm in Wasser aufgelöst wurde oder auch
durch den Schmerz in Wasser aufgelöst wurde,
Ovid. Metern. 5, 410 ff.; Claudian a. a. 0. 3, 246;
Myth. Vat. 2, 93; Lact. Plac. Narr. fab. 5, 6. —
Lokaltraditionen verlegten den Abstieg nach
Lerna, Pheneos, Philippoi; s. Lokalsagen.
Demeter hört noch die verhallenden Hilfe-
rufe der Tochter; verzweifelt reifst sie sich
die Binde von ihrem Haupte, hüllt sich in ein
schwarzes Gewand {Hom. hymn. in Cer. 42; vgl.
Paus. 8, 42, 1) und eilt suchend über Land und
Meer, brennende, nach sicilischer Überlieferung
am Aetna angezündete Fackeln in der Hand
(v. 48; Ovid. Fast. 4, 495; Apd. 1, 5, 1; Diod.
5,42; Seneca, Hcrc. für. 653; Stat. Hieb. 12,
270; Serv. ad. Verg. Aen. 4, 609), ohne Speise
und Trank zu geniefsen (v. 49 f.; Kallim.h. in
Cer. 12; Nih. Alexiph, 130; Schol Eur. Or. 964).
Am zehnten Tage begegnet ihr Hekate und fragt
sie , wer Persephone geraubt, da sie wohl die
Stimme gehört, den Räuber aber nicht gesehen
habe. Auf ihren Rat steigt Demeter mit ihr zum
Helios hinauf, der ihr den Sachverhalt mit-
teilt. Obwohl Helios sie tröstend darauf hin-
weist, welch grofser Ehren Persephone jetzt
als Hades' Gemahlin teilhaftig sei, wird
Demeters Schmerz durch diese Gewifshe.it doch
noch vergröfseit. Sie meidet den Olymp und zur
Unkenntlichkeit entstellt durchstreift sie in
Gestalt einer alten Frau die Erde, v. 94 ;
Pamphos bei Paus. 1, 39, 1 ; Agatharchid. bei
Müller, Geogr. min. 1 S. 116. Sie kommt so
nach Eleusis und rastet dort nach Pamphos
am Blumenbrunnen zwischen Eleusis und Me-
gara, am Jungfrauen- oder Schönreigenbrunnen
nach Hom. hymn. v. 99; Nie. Ther. 486; Paus.
1, 38, 6; 39, 1; Apd. 1, 5, 1, 2; auf dem lach-
losen Steine, Apd. a. a. 0.; Ovid, Fast. 4, 504;
Schol. Ar. Equ. 785. Die Töchter des Keleos
und der Metaneira nahen und fragen sie nach
der Ursache ihrer Einsamkeit. Die Göttin
giebt vor, Dos zu heifsen und aus Kreta von
Räubern entführt zu sein, denen sie zu Tho-
rikos entronnen sei. Sie bietet sich den Mädchen
als Dienerin an, da sie vielerlei Künste ver-
stehe. Die Mädchen heifsen sie warten und
eilen nach Haus, die Mutter zu fragen, ob sie
die Fremde als Wärterin für den kleinen spät-
Kora (Raub u. Rückkehr d. K.) 1316
geborenen Sohn ins Haus nehmen wolle. Hurtig
kehren sie wieder zurück und führen die Göttin
mit sieb in das Haus des Keleos.
Im Hause sitzt Metaneira, das Kind am
Busen haltend; beim Eintritte der hehren,
strahlenden göttlichen Gestalt erfolgt sie Ehr-
furcht und Scheu, ja bleiche Furcht. Sie er-
hebt sich von ihrem Sitze und bietet ihn De-
meter an, die ihn jedoch ausschlägt und einen
10 von der Magd herbeigebrachten Sessel ein-
nimmt. Schweigend sitzt sie so und denkt
traurig der Tochter. Da unterbricht die Magd
Iambe mit ihren Späfsen die ernste Stille und
bringt die Göttin dazu (v. 204)
/j.siSfjGcci ysXäeai ts ■x.al i'Xaov OYtiv ftviiov.
rj Sr] o£ Y.ctl £7i£iza fie&VGZSOOV svad' iv igycxiQ,
vgl. Nile. Alexiph. 131 mit Schol.; Apollod. i,
5, 1, 3; Schol. Eur. Dr.; Hesych s. v. ; Etym.
M. s. v. ; Et. Gud. s. v. — "Nun bietet ihr
20 Metaneira Wein an; Demeter verlangt aber
den Kykeon aus Gerste, Wasser und Polei,
vgl. Schol. Eur. Or. a. a. 0. Röscher, Jahrb.
f. Öl. Piniol. 1888 S. 522 ff. Metaneira reicht
ihr diesen und, nachdem sie sie begrüfst und
ihr Unglück beklagt, nimmt sie sie als Pflegerin
ihres Sohnes an, den Demeter treu zu hüten
und gegen Bann und verderbliche Kräuter zu
schützen verspricht. Der Knabe, Demophon,
gedeiht göttergleich , denn sie salbt ihn mit
30 Ambrosia und läutert ihn nachts im Feuer;
sie hätte ihm sogar Unsterblichkeit und ewige
Jugend verliehen, wenn nicht Metaneira in
mifstrauischer Neugier sie belauscht hätte und
bei dem Anblicke ihres Sohnes im Feuer in
Klagen ausgebrochen wäre. Demeter erklärt
ihre Absicht für vereitelt, offenbart sich, befiehlt
ihr einen Tempel und Altar zu errichten: v. 272
KaXXiiOQOv Ka&vTreQ&ev £7tl Ttoov^ovxi v.oXavm
und verspricht, die Weihen dort einzusetzen.
40 Als Göttin verläfst sie das Haus. Die Nacht
(navvv%icti) verbringen Metaneira und ihre
Töchter mit Sühnungen; am nächsten Tage
wird der Tempelbau in Angriff genommen:
o 6' äi^axo dui'ixovog ai'arj (v. 300). Demeter
nimmt ihn in Besitz und verharrt hier ge-
sondert von den anderen Göttern in ihrem Grolle :
oiSi xl yaia onigfi' äviet (v. 306 f).
Die ätiologische Natur dieser Erzählung
liegt auf der Hand; die Gründung des Tempels
50 und die Einsetzung der später üblichen Bräuche,
der ulo%QoXoyCui oder ysq>vQioii,oi, des hvxeoiv
und der 7iavvv%iSsq und besonders der riXsxai
werden mythologisch umschrieben, aber in
nichts wird die Übergabe der Feldfrucht an-
gedeutet; im Gegenteile wird durch v. 306 der
Ackerbau vorausgesetzt (vgl. Eurip. Hei. 1326;
Karkinos bei Diod. 5, 5), der in allen anderen
Versionen den Gipfelpunkt des Mythus bildet.
Am ähnlichsten ist der Erzählung des Hym-
60 nus die Fassung bei Ovid. Fast. 4, 420 ff., nur
ist die Reihenfolge umgekehrt, so dafs Demeter
zuerst auf ihrem Schlangenwagen nach Eleusis
kommt und dort von Keleos, einem einfachen
Landmanne, und seiner Frau Metaneira auf-
genommen wird. Den krankeD Sohn derselben,
Triptolemos, hält Demeter nachts über die
Flamme und wird durch die Dazwischenkunft
der Mutter auch hier verhindert, ihn unsterb-
1317 Kora (Raub u. Rückkehr d. K.) Kora (Raub u. Rückkehr d. K.) 1318
lieh zu machen; sie verspricht, dafs er der- durch lykische Bauern (Serv. ad Verg. Georg.
einst der erste Pflüger und Säer sein solle. 1, 378; Blyth. Vat. 1, 10; 2, 95), die ihr das
Sie eilt dann weiter durch die Welt, die Tochter Wasser trüben; indessen handelt es sich aufser
zu suchen, und bei den Parrhasischen Steinen bei Kolontas hier nur um alexandrinische Meta-
rät ihr Helike (v. 581 ff.) Helios zu fragen, von morphosendichtung. Kleinere ätiologische Lo-
welchern sie auch die nötige Auskunft erhält. kaisagen behaupteten, dafs der Flufs Pan-
— Die meisten anderen Berichte lassen sie tagias auf Sicilien auf Demeters Geheifs Ver-
den Raub in Eleusis erfahren*); so von Ke- stummt wäre (Serv. ad Verg. Aen. 3, 689) oder
leos Schol. Aristid. Panath. 181 b (Fromme]); dafs sie bei Drepanon ihre Sichel habe fallen
Schol.Ar. Equ. 698; Myth. Vat. 2, 96; von Trip- 10 lassen (Serv. a. a. 0. 3, 307), oder dafs am
tolemos Schol. Arist. a. a. 0.; Paus. 1, 14, 3; Felsen Anaklethra bei Megara sie nach ihrer
Claudian. 3, 52; Nonu. bei Westermann, Tochter gerufen, Paus. 1, 43, 2; Method. in Et.M.
Mythogr. gr. S. 367; Tsets. ad Hes. Opp. 33. s.v. — Wie man in allen Zügen der Demeter Be-
Die Aufnahme bei Keleos berichten aufserdem Ziehungen zum Raube suchte, zeigt auch die
noch Pamph. bei Paus. 1, 39, 1; Bacchyl. im später sehr beliebte Herleitung ihres historischen
Schol. Ar. Ach. 47; Nie. Ther. 486; Apollod. 1, 5, Beinamens Aiuia von dem a%oi um die Tochter,
11'.; 3, 14, 7, 1; Hesych. s. v. Ktleog; Serv. Plut. Is. et Os. 69; Hesych. s. vv. 'A%uiu und
und Phüargyr. ad Verg. Georg. 1,163; Myth. 'A%&£ia; Etym. M. s.v.; Urions, v. ; Suid. s. v. ;
Vat. 1, 18. Statt Keleos wird Eleusinos ge- Schol. Ar. Ach. 710; Schol. Nie. Ther. 484. Die
nannt von Panyasis bei Apd. 1, 5, 2, 1 ; Hyg. fab. 20 in ihrem Kulte üblichen Schweineopfer geben
147; Serv. ad Verg. Georg. 1, 19; Myth. Vat. Ovid. Fast, zu der Erfindung Veranlassung, dafs
2, 97; Ikaros bei Serviusa,. a.O.; Hippothoon Schweine die Spur des Räubers vertilgt hatten,
von Nie. Alexiph. 131 u. Schol. zu d. St., vgl. das Die orphisehe Version (Lobeck, Aglaoph.
Vasenbild b. Overbcck im Atlas zur.K.-M.Taf . 15, S. 818ff.) bietet ganz abweichende Züge. Die
23. Den Sohn Demophon kennt nur Apollodor freundlichen eleusinischen Wirte der Demeter
noch, doch läfst er ihn in der Feuerläuterung beifsenDysaulesundBaubo,PuZayj7(.b. Harpokr.
umkommen, während nach Hyg. fdb. 147 der neu- s. v. JvaavXrjg; ihre Söhne sind Triptolemos, Eu-
gierige Vater entseelt wird. In den meisten buleus und£umolpos(?); Paus. 1, 14, 3; Clem.Al.
Fällen wird der Sohn Triptolemos genannt, Protr. 2, 20; Orph. liymn. 41, 6; nach Askl&p. bei
wie einer der eleusinischen Fürsten im home- 30 Harpokr. a.a.O. haben sie zwei Töchter Piotouoe
Tischen Hymnus (vgl. die schwarzfigurigen und Nisa. *) Die Feuerläuterung fällt ganz fort.
Vasenbilder) und wie bei Apd. a. a. 0. der In den Berichten über Demeters Verweilen im
ältere Sohn des Keleos, der von Demeter mit Hause, die uns nur von Kirchenvätern über-
der Feldfrucht beschenkt wird, und auf ihn mittelt werden (Clem. AI. Protr. 2, 20 = Euseb.
werden sowohl Feuerläuterung wie Aussendung Praep. ev. 2, 3, 31 ff.; Arnob. adv. nat. 5,26; s. fr.
gehäuft. Dafs dieser Glaube zum allgemeinen 215 bei Abel), wird nur von dem Anbieten des
in Eleusis wurde, zeigt auch die vom fünften Kykeon und von den zotigen Späfsen der Baubo
Jahrhundert ab stets jugendliche, fast knaben- erzählt, mit denen diese die Göttin so heiter
hafte Erscheinung des Triptolemos in den stimmt, dafs sie schliefslich den Trank nimmt.
Kunstdarstellungen (s. unten). — Lokalpatriotis- 40 Über die Art ihres Spafses vgl. Ludwich in
mus hat sich durch mancherlei Zusätze und Jahrbb. f. klass. Phil. 1890 S. 51 ff. Den Raub
Veränderungen geltend gemacht; so behaup- teilen die Söhne des Dysaules der Göttin mit:
teten, dafs Demeter bei ihnen den Raub er- Eubuleus nach Orph. liymn. 41, 6, Eubuleus
fahren habe, die Bewohner von Hermione und Triptolemos nach Paus. a. a. 0., die dafür
(Apd. 1, 5, 1; Schol. Ar. Equ. 782), Kreta das Geschenk des Ackerbaues erhalten. Demeter
(Steph. JByz. s. v. Tlugog), Argos (Paus. 1, 14, 3) steigt nun zur Unterwelt hinab (Orph. a. a. 0.;
und P h e n e 0 s ; Konon, Narr. 15. Vielfach be- Ovid. Met. 5, 533 ; s. Förster S. 86 ; Hyg. fab. 251)
hauptete man auch nur, dafs Demeter an den be- oder entsendet die Korybanten, die aber nicht
treffenden Orten freundlich aufgenommen sei, einmal zur Überwelt zurückkehren (Gramer,
so aufser an den genannten Orten in Kos, Schol. 50 Anecd. Ox. 1, 256; Et. M. 53, 15; Et. Gud. 338,
Theokr. Id. 7, 5. — In Sikyon wurde, wie es 20), oder Hekate; Schol. Theoer. Id. 2, 12, Von
scheint, eine der Demophon- bezw. Triptolemos- Episoden aus der nldvrj berichtet die orphisehe
sage ähnliche Legende von Orthopolis, dem Dichtung nur ihren Zornesausbruch gegen den
Sohne des Königs Plemnaios, erzählt, Paus. Baum Minthe, der ehedem grofs und fruchttra-
2, 11, 2. — Doch auch von Unfreundlichkeiten gend zu einem unfruchtbaren Kraute wurde,
und Zurückweisungen der Göttin berichtete Et. Gud. s. v. MCv&r) (Orph. frgm. 214 Abel).
man, so besonders in Argos von Kolontas, Die Rückkehr der Kora und die Versöh-
Paits. 2, 35, 4 (s. Lokalsagen), von der Ver- nung der Demeter ist Zeus' Werk. Nach dem
höhnung durch Ambas, einen S. des Keleos homerischen Hymnus entsendet er erst Iris, dann
und der Metaneira (Schol. Nie. Ther. 484; vgl. 60 alle anderen Götter; aber Demeter weigert
Forster S. 81) oder den Sohn ihrer freundlichen sich, eher zurückzukehren und eher Fiuchtbar-
Wirtin Misme Askalabos oder Steiles (Nie. keit der Erde wieder zu verleihen, als bis sie ihre
bei Ant. Lib. 24; Ovid. Met. 5, 446 ff.; Lact. Tochter zurückerhalten habe; v. 331 ff. — Zeus
Narr. fab. 5, 7, vgl. Bd. 1 Sp. 610), oder auch *, In Nisa sieht }mi^ /Jym_ Mst gr , g 33g den
Korabeinamen Mise (s. d.), der aufser durch Orph.h. 42, 3
*) Bedeutungslos ist natürlich die Fassung bei Oc. aus Pergamon und Kos bekannt ist. Es ist dies um
Met. 5, 504 ff. , wonach Arethusa, die bei ihrem. Laufe so "wahrscheinlicher, als auch der Name der anderen
durch die Unterwelt Persephone bei Hades gesehen hat, Tochter auffallend an einen Korabeinamen, Protogone
den Raub mitteilt. erinnert (Paus. 1, 31, 4).
42*
1319 Kora (Raub u. Rückkehr d. K.) Kora u. Demeter (Gott. d. Landbaues) 1320
entsendet nun Hermes zu Hades mit der Auf- Über die euhemeristisehen Verunstaltungen
forderung, Persephone wieder an die Oberwelt des Mythus s. Förster a. a. 0. S. 59.
zu entlassen. Hades gehorcht, reicht ihr aber Die Deutung dieses Mythus ist fraglos agra-
heimlich noch einen Granatkern (v. 372), um risch, wenn auch Persephone in früherer Zeit
sie hierdurch zur Rückkehr zu ihm zu ver- nichts Agrarisches an sich hatte , am aller-
pflichten. Auf des Hades1 Gespann fährt sie wenigsten bei Homer, und ebensowenig in der
mit Hermes zur Mutter, die ihr mitteilt, dafs ältesten eleusinischen Vorstellung; s. Preller,
sie infolge des Granatkernes ein Dritteil des Dem. u. Pers. S. 8 f.; Gr. Myth.-l S. 592. Nach-
Jahres bei Hades werde zubringen müssen. Zu dem man aber zu einer gemeinsamen Ver-
ihnen gesellt sich Hekate (vgl. Phtlodem tciq'i io ehrung der beiden chthonischen Göttinnen,
zvoeßstag in Jahrbb. f. Tu. Phil. 1865 S. 524), der Erdgöttin und der Mondgöttin gekommen
und kurz darauf kommt Rhea, von Zeus ge- war, erfand man auch bald diese „einfache
sandt, um die Göttinnen in den Olymp zurück- und schöne, allgemein verständliche Natur-
zuführen. Demeter lehrt erst noch die Fürsten allegorie" (Strube, Bildericreis von Eleusis
von Eleusis, Triptolemos, Diokles, Eumolpos S. 57): Kora- Persephone ist das Samenkorn,
und Keleos die heiligen Bräuche und Weihen das ein Dritteil des Jahres, d. h. den kurzen
(v.474ff.)*), und dann steigenMutter und Tochter Winter des Südens über, verborgen bleibt,
zum Olymp hinauf. und nur Mifsverständnis konnte das Jahr in
Dafs Demeter ohne die teilweise Rückgabe zwei gleiche Teile zerlegen. Die richtige Deu-
der Tochter nicht versöhnt werden kann, ist 20 tung vertreten schon im Altertume Cleanth.
klar, wenn auch einige Versionen von ihrer bei Plut. de Is. et Os. 66; Cic. de nat. d.
Rückkehr in den Olymp erzählen, ohne die 2, 66 f.; Varro bei Augustin. de civ. d. 7, 20;
Tochter zu erwähneu, so Eurip. Hei. 1337 ff., Gornut. 28; Sclwl. Ar. Vesp. 1438; Schol. Ees.
wo Chariten, Musen und Aphrodite die Göttin Thcog. 912 u. s. auch Ioan. Diac. und Alleg.
durch Spiel und Tanz umschmeicheln und um- z. d. St.; Tzetz. ad Ees. Opp. 32, während
stimmen, und im Mythus von Phigalia (Paus. ■ von anderer Seite Persephones Verschwinden
8, 42), wo den von Zeus gesandten Moiren die mit den Mondphasen verglichen wird, wie die
Rückführung gelingt. — Später behauptete Göttin ja auch mit Artemis und Hekate identifi-
man sogar, dafs Persephone gern bei ihrem eiert wurde, Ennius bei Varro de 1. 1. 5, 68;
Gatten habe bleiben wollen {Verg. Georg. 1,40; 30 Plut. de fac. in orb. hm. 942, 35; Porphyr, d.
Aen. 6, 402; Colum. 10, 274), und dafs Demeter antr. N. 18; Serv. ad Verg. Acn. 3. 73. 4, ölt;
sich mitMohn betäubt habe, um ihren Schmerz 6, 118; ad Ed. 3, 26; ad Georg. 1, 39; Fulgent.
zu vergessen, Serv. ad Verg. Georg. 1, 78. 212; Myth. 2, 19; Myth. Vat. 1, 7; 2, 100; 3. 7, 2.
Myth. Vat. 3, 71. Nach Lucan. Phars. 6, Vgl. Förster a.a.O. S.24ff. Boscher, Selene 119ff.
698ff. wollte Demeter sogar die Tochter gar Litteratur: Welcher, Zeitschr. f. Gesch. u,
nicht wiederhaben. Doch handelte es sich Ausl. d. alt. E. S.1&. Griech. Götterl.2 S.474.
hier natürlich nur um mehr oder weniger Preller, Demeter und Persephone S. 56 ff.; Griech
geistreiche Spielereien ohne mythologischen Myth.- S. 591 ff. Förster, Der Baub und die
Wert. — Selten fehlt das Motiv, dafs Kora Bückkehrd. Persephone. [Zimmermann, De Pros.
durch die Annahme des Granatkernes selbst 40 raptu et red. Lingae. 1882. Progr. R.] Vgl. auch
diese Entscheidung verschuldet, und die An- dieSehriftenüberd.homer. Hymnus aufDemeter,
zeige durch Askalaphos, vgl. Nie. l'her. 484; bes. Vofs , Der homer. Eymnus auf Demeter,
Apollod. 1, 5, 3 (vgl. 2, 6, 12); Ovid. Met 5, 536 ; Mannhardt in Mythol. Forschungen S. 202 ff.
.Seil', ad Verg. Georg. 1, 39; ad Aen. 4, 462; und Gemoll, Die homer. Hymnen S. 276 ff; bei
Lact. PL Ncirr. Fab. 5, 8; vgl. Bd. 1 Sp. 611. letzterem s. die Zusammenstellung der Litteratur.
Das Motiv, dafs Kora zwei Dritteile des
Jahres an der Oberwelt, eines bei Hades zu- D- Demeter und Kora als Göttinnen
bringen sollte, hat sonst nur noch Apollod, 1, des Landbanes.
5, 3. In der sieiliseh-alexandrinischen Version Preller, Griech. Myth. I3 S. 630 nennt den
wurden beiden gleiche Teile zugesprochen, 50 Mythus vom Raube und der Rückkehr der
Ovid. Fast. 4, 614; Met. 5, 567; Hyg.fab. 146; Persephone mit Recht die „centrale Thatsache
Serv. ad Verg. Georg. 1, 39; Myth. Vat. 3, 72; des gesamten Demeterdienstes". Wie die Be-
Die Anodos selbst auf weifsen Rofsen er- deutung des Mythus in erster Reihe in der
wähnt P'md. Ol. 6, 160, der sie bei Syrakus an- Allegorie von dem Entstehen und Vergehen
nimmt; Tzttz. ad Hes. Opp. 32 (Ps.-Eucloc. p. 109) des vegetativen Lebens, insbesondere der Brot-
läfst sie bei Eleusis geschehen. Nach Orph. frucht, bestanden hat, so ist auch Demeter in der
hymn. 43, 6 ff. wird Kora von Moiren und Cha- Vulgärreligion für immer das in erster Reihe
riten den Hören zugeführt, die ja auch bei gebliebeu, als was wir sie schon bei Homer
ihrer Anodos auf dem Sarkophage von Wilton- (s. oben Sp. 1311) und bei Hesiod, Op. et d.
house (Ovcrbeck, Atlas zur K.-M. Taf. 17, 3 go 465 ff. getroffen haben, die Schützerin des
vgl. Förster a. a. 0. S. 264) sie empfangen, und Ackerbaues, die Spenderin der Brotfrucht, wel-
mit einiger Wahrscheinlichkeit auch in dem che auch in vollkommen prosaischer Sprache
Reliefe Ludovisi Bull. Comunale 1887 Taf. 15 ; oft genug zS-ffintgos v.aqitög (Hdt. 1, 193; 4, 198),
Römische Mitteil. 7 Taf. 2. driy^rgiog oder drjiMriTQiuxbs xagitös bezw. Plur.
(OL I. G. 93, 19. Acl. Nat. An. 17, 16. Porph.
' eu£u *«' iw- i*,/?o,,w M(A»- t,-a5s*\3 6- The°P]\r- Ca?s; ?h 2-„4- ,5; Schal
8; (?' ittV,jg hgäv, 3; t' äfifiogo;, oino»' o,uoa„; -£™<- Ol. 9, 150. Alex. Aphrod. Probl. 2, 68.
a'iaav üjf« (p9l/tsvö; neg vno Zi<pui wQticm. Geopon. 1, 12, 36. Parocm. gr. Append. 4, 20.
1321 Kora u. Demeter (Gott. d. Landbaues) Kora u. Demeter (Gott. d. Landbaues) 1322
Suid. und Zon. s.v.) heifsen kann. Poetischerer doch wuchs es wild und wurde erst von D.
Ausdruck ist Jrjovg xagnög bei Ar. Flut. 515; entdeckt (vgl. Dioä. 5, 68. Serv. ad Verg.
JrjfirjTtsQos ÜHtri, Eom. 7V321; * 76. Ees. Op. Aen. 4, 58. Etym. M. 263, 55. Etym. Gud.
et d. 32. 597. 805. Scut. Eerc. 290 Orph. Arg. 181, 17) und zur Kulturpflanze d.h. i'iuzgog
325. Archias in Anthöl. graec. 2, 98 (Jacobs); gemacht, indem sie die Verrichtungen des
vgl. auch Dionys. Perieg. 523 und Eustath. Landbaues, den Stier einspannen und den Boden
z. d. St.; Jnovg öhtiJ, Apoll. Ehod. 3, 413. durchackern lehrte, Biod. a. a. 0. Verg.
Etym. M. 266, 2. — Jr]arjzgog qngiaßtov azä%yv Georg. 1, 147. Ovid. Met. 5, 341. Fast. 4, 403ff.
sagt Aeschyl. fr gm. 300 (Nauck-J und ähnlich Egg. fdb. 277. Orpli. h. 40, 7. Serv. ad Verg.
Anth. gr. 3, 15. Demeter bezw. Ceres voll- 10 Georg. 1, 147. 163. ad Aen. 4, 402. Philarg.
kommen metonymisch für Getreide oder Brot ad Verg. Georg. 1,165. Myth. Vat. 1, 8 u.a.m.
kommt schon in dem von Eerodot 7,141 citierten Die Titanen lehrt sie mähen mit der ihr
Orakel vor; spätere Beispiele sind Orph. frgm. von Hephaistos geschenkten Sichel, Aristot.
160 (Abel). Antiph. Byz. in Anth. gr. 2, 171. im Schol. Apoll. Eh. 4, 984; vgl. TzetZ. ad
Plut. de Is. et Os. 66 Oppian. Ealieut. 3, 463. Eye. 869. Als Erfinderin des Pfluges nennt
Clem. Alex. Protr. 2, 26. Serv. ad Verg. Aen. Sern, ad Aen. a. a. 0., wohl nach einer stadt-
1, 171. Als kyprischen Ausdruck für ernten athenischen Lokaltradition, allerdings Athena.
nennt Eesych. s. v. äafictzgifciv, und nach dem- Sicilien und Attika machten einander den Ruhm
selben ist driurjzgtäg eine -agid-f] t'E,aezi%og. streitig, zuerst das Geschenk der Demeter er-
Schon die beiden Etymologieen, welche allein 20 halten zu haben, vgl. besonders Diod. Sic. 5, 69,
als verhältnismäfsig berechtigt gelten können während Samothrakes Anspruch sich keine Gel-
und Demeter als Erdmutter bezw. Korn- tung verschaffte, ebd. 6, 49. Die Verbreitung
mutter erklären, weisen auf diesen Kreis. De- der Demetergaben von Athen aus ist ein von
meter ist der Gaia verwandt, aber nur skeptische den Panegyrikern immer aufs neue hervor-
Spekulation identificierte sie (wofür das älteste gehobener Ruhmestitel ihrer Stadt, Xen. Etil.
Beispiel Eurip. Bacch. 274 ff.); in Wahrheit ist 6, 3, 6. Isoer. Paneg. 25; weitere Belege bei
sie, lebendiger und persönlicher, die in der Preller, Eem. u. Pers. 1. 295. — Auch die
Erde wohnende treibende Kraft, wie die Stoiker weitere Verarbeitung des Getreides wurde auf
sie richtig erkannt, vgl. bes. Plut. de Is. et Demeter zurückgeführt; „Ceres molere doeuit
Os. 40. Cornut. 28. Am treffendsten präzisiert 30 et panem conficere," heifst es Plin h. n. 7, 47.
Ovid. Fast. 1, 674 das Verhältnis : ,,Eaec praebet Unter ihren Beinamen sprechen dafür besonders
causam frugibus, illa locum." Offenbar eine 'AXtzrjgi'a, wobei ihr ein Zeus 'AXizrjgiog zur
Gegenüberstellung und keine Gleichsetzung ist Seite steht (Etym. M. 65, 40. Et. Gud. 35, 23),
auch der orp7t(se7je Vers bei .Deorf.l, 12, 4 = Euseb. und der in Syrakus übliche 'iaaXig, Athen.
Praep. ev. 3, 3, 4; (frgm. 165 bei Abel): rij urjzrig 3, 109a; 10, 416b; 14, 618d. Eesych. u. Phot.
nävttöv, AruiriznQTtXovToäoxBiQu. Im homerischen s.vv.'luceXi'a und 'Ifiältov. In Demeters Dienste
Hymnus auf Demeter wird von D. gesagt v. 469: standen jedenfalls auch die äXezgi'dtg, die nach
HctgTcdvcn^i cpsgsoßtov und v. 471: xagnöv 'vrjxe, dem Lexikographen Pausanias ai z'ov isgöv
während Mifswachs als Groll der Göttin auf- äXszov ctlovoai sind, die das Mehl für die
gefafst wird; vv. 306. 452. Sie ist die Anesi- 40 Opferknchen bereiten, Ps.-Eudocia p. 35; vgl.
dora, wie sie im Kulte des attischen Demos Eesych. s. v. äXszgt'ai. — Antip. Thess. in Anth.
Phlya genannt wird, Paus. 1, 31, 4. Den Ähren gr. 2, 119 läfst die mablenden Sklavinnen da-
giebt sie Fülle und Reife, Ees. Op. et d. 466 von singen, wie die Nymphen für Demeter
als i'cpogog zov &igovg, Suid. s. v. byfiog, in hätten das Korn mahlen müssen. Nach dem
welchem Sinne ihr auch ein Dämon Hadreus fertigen Brot hiefs sie zu Skolos in ßoiotien (isyä-
beigegeben ist, Etym. M. 18, 36, und die Hören Xctgxog und (18 yaXofiagog, Poletn. b. Athen, a. a. 0.
ihr beigesellt werden, Orph. hymn. 29, 9. 43, 6 ; Neben dem Getreide wurden auch die
Eiod. Zon. in Anth. gr. 2,80. S. oben Sp. 1319 f. Hülsenfrüchte zur |i)o« rgocpij gezählt und
Die Gabe der Demeter ist die |?j0a Tpocprj, unter Demeters Schutz gestellt. Galen, in
während die vyga, d. h. Wein und Obst, Üio- 50 Eippocr. d. morb. ac. 1 p. 14d zählt als dr\u,r\-
nysos verdankt wird; beide sind die grofsen zgta anigficera auf: cpaytovg, &sgfiiovg, Xaxrvgovg,
Wohlthäter der Menschheit, Eur. Bacch. 277 ff. tXvfiov, v.iy%gov,itiGov, Igtßivftovg v.ctl oaa &XXa
Plut. Quaest. d. Ar. sign. frgm. 7. As2MSios in Ar. zoiuvza (über die Bedeutung s. V. Eehn, Kultur-
Eth.Nicom.l, 12; Schol. Pind.Istlim. 6, 3. Nonn. pflanzen u. Eaust.'0 S. 176 ff.); dieses Geschenkes
Eionys. 7,84; 45, 101; 47, 50. Serv. ad Verg. Ed. rühmten sich speziell die Pheneaten (Paus. 8,
5, 79. In erster Reihe gehören zu dieser £rjgä 15, 1); nur die Bohne war aus unbekannten
zgotpf) die Getreidearten, vor allem Weizen und Gründen ausgenommen und ihr Genufs auch
Gerste, wie besonders aus mehreren Beinamen den eleusinischen Mysten verboten, Paus. 1,
dei Göttin hervorgeht (s. unt.). In welcher Form 37, 4. Purph. d. abst. 4, 16; vgl. Edt. 2, 37.
Demeter den Menschen ihr Geschenk hat zu teil 60 Diog. Laert. 8, 19. Lübeck, Aglaoph. S. 253ff.;
werden lassen, wird auf verschiedene Weise an- allerdings fehlt sie in dem ausführlichen Ver-
gegeben. Sie habe es selbst angepflanzt, heifst zeichnisBe der verbotenen Gerichte, Schol. Luk.
es im Marm. Par. 23. Am verbreitetsten ist die Eial. mer. 7,4 im Rhein. Mus. 25 S. 558. —
Version, dafs sie den Samen Triptolemos ge- Die für Demeter charakteristischste Fruchtneben
geben und diesen auf ihrem Drachenwagen aus- dem Getreide ist aber der Mohn, der ja auch
gesaudt habe, damit er allenthalben das Säen auf dem Felde, freilich gewöhnlich als Un-
lehren solle, s. oben und den Artikel Tripto- kraut, neben dem Getreide spriefst; vgl. Welcker,
lemos. Das Getreide war schon vorher da, Tageb. einer griech. Eeise 2 S. 16. Mannhardt,
1323 Kora u. Demeter (Gott. d. Landbaues) Kora u. Demeter (Gott. d. Landbaues) 1324
Myth. 'Forsch. S. 235. Er ist ihr dann in den den Zeus Ckthonios an die Seite setzt, so gab es
Denkmälern vielfach mit den Ähren zusammen in Athen sogar nach C I. A. 3, 77 einen Zeus
als Attribut gegeben, s. besonders die Demeter Georgos. MitdemRegengotte,demZeusHyetios,
Rondanini (Sp. 1361) und vgl. Callim. h.in Cer. 45. finden wir sie nicht nur in Lebadeia verbunden ;
Thcocr. Id. 7, 157. In Mekone, der Mohnstadt, ganz agrarisch ist auch die Zusammenstellung bei
dem späteren Sikyon. soll ihn die Göttin entdeckt Plut. Sept. sap. conv. 15 von Demeter Proerosia,
haben, Etym. M. 583, 55; vgl. Callim. frgm. Zeus Ombrios und Poseidon Phytalmios. Der
195 (Schneider). Cereale papaver, Verg. Georg. Kranich, überdessenBedeutungfürWetterund
1, 212. — Serrius z. d. St. und zu Georg. 1, 78 Landbau man Heft. Gp. ttd. 448 und Theokr. 10,
läfst Demeter durch Mohn ihren Schmerz um den 10 32 nachsehe, ist ihr Herold, Porph. de abst. 3, 5 ;
Raub der Tochter betäuben; Verwandlungeines vgl. das Vasenbild bei Gerhard, A. V. 46 =
vonDemetergeliebtenAthenersMykon (Mekon) Overbech, Atlas z. K.-M. Taf. 15, 19. Als Tänd-
ln Mohn erzählt Serv. a. a. 0. — Wenn auch die liehe Gottheit wird Demeter genannt von Plut.
Obstknltur, und sogar ausdrücklich die Feige, Quaest. conv. 9, 14, 4. Long. Pastor. 4, 13.
gewöhnlich Dionysos unterstellt ist (Sosib. bei Serv. ad Verg. Ecl. 5, 79. ad Aen. 2, 713, und
Athen. 3, 78°. Eust. inOd. 1964, 15. Hesych.s.v. von dem Schwüre bei Demeter sagt Schol. Ar.
Zv-Hfürng), ist doch die Feige nach attischer Plut. 64, dafs er besonders für Landleute
Überlieferung auch ein Geschenk Demeters an charakteristisch sei. Landleute, welche sich
den Heros Phytalos gewesen, der sie im Demos arbeitsmüde zur Ruhe setzen, weihen der Göttin
Lakiadai aufgenommen, Paus. 1, 37, 2; siehe 20 ihre Gerätschaften, Antiph. Byz. in Anth. gr.
Bofsler, De gent. AU. sac. S. 51 f. Bötticher, 2, 170. Philipp. Thessalon, ebd. 2, 217. Wie
Baumkultus S. 437 und im Philol. 22 S. 271. vor der Saat, so wird ihrer natürlich auch
Nach Toepff'er, AU. Geneal. S. 247 ff. ist D. hier bei der Ernte gedacht; Korn und Hülsenfrüchte
an Stelle der alten Landesgöttin Athena ge- werden ihr geweiht, Diod.Zon. in Anth.gr. 2, 80.
treten, während Phytalos der Rest des mit Unter den Festen, welche Demeter in Anlehnung
dieser verbundenen Poseidon Phytalmios ist. — au die verschiedenen Stadien des Landbaues im
Die Weihung von Baumfrüchten an Demeter Jahre gefeiert wurden, sind unsmehrere nur dem
wird für Phigalia, Lykosura und Myka- Namen nach bekannt, ohne dafs wir auch nur
lessos bezeugt.*) — Auch die Bienenzucht angeben können, ob es staatliche oder private
■wird zu den Werken der Demeter gerechnet. 30 Festlichkeiten gewesen sind. Ganz allgemeine
Aus dem Leibe einer auf dem Isthmos wohnen- Namen für die Erntefeste sind dalvoia und
den Frau, welche von den anderen Weibern zer- avy%o(iieTr'jgia\ s. besonders Schol. Yen. B.
rissen wurde, weil sie die ihr von Demeter an- Honi. I 534 und die Belegstellen bei Stephanus
vertrauten Weihen nicht verraten wollte, sollen s. v.; vgl. Band, De Diipoliis S. 35 ff.
die Bienen entstanden sein, Serv. ad Verg. Aen. Unter den lokal bestimmbaren Festen sind
1,430. Melissai war ein Name von Priesterinnen uns näher bekannt vor allem einige athenische,
und Mysten der Göttin, Callim. h. in Apoll. 110. Vor der ersten Aussaat wurden daselbst die
Porph. Antr. N. 18. Schol. Find. Pyth. 4, 104. Proerosien, auch Proarkturien (Hesych.
Schol. Theoer. 15, 94, und usKiztiä^g ein Beiname s. v. ngo^goata) genannt, gefeiert. Hesych. s. vv.
der Kora, Theoer. Id. 15, 94. Porph. a. a. 0.; vgl. 40 ngorjgoßla, Ttgaragoaiai, ngrigoota; Phot. Suid.
Boscher, Nekt. u. Anibr. S. 57. Maafs, De Aesch. Harpocr. s. v. Etym. M. 688, 44. Bekker, An.
Suppl. S. 37. Wachs wird ihr dargebracht in gr. 294. Die Kultlegende derselben besagt,
Phigalia. — Endlich wird auch Demeter als dafs einst bei einer ganz Griechenland (Schol.
Herdenschützerin angerufen, Kallim. H.in Aristid. Panath. 105, 18. 196, 12) oder gar die
Cer. 137 cpt'oßf ßöctg, qpf'pf uäXa, wobei man uäi.a ganze Welt (Schol. Ar. Phit. 1065. Equ. 726.
mit weit gröfserem Rechte fürSchafe als für Äpfel Suid. s.v. Elgoßiävn; Suid. u. Harpocr. s.v.
halten wird, ebenso wie die Malophoros von "jßagi.g) heimsuchenden Hungersnot (so Scholl.
Megara, Selinunt und Byzanz sicher eine Göttin Ar. Plut. u. Equ. ohne Zweifel richtig, die
des Herdensegens ist. Ein Epitheton ßortiga, anderen Quellen machen mifsverständlich Xoi-
Hirtin, erwähnt Niketas bei Westermann, My- 50 (iog aus Xiftdg) das delphische Orakel (nach
thogr. gr. S. 356. Tavgonölog heifst sie in der Phot. a. a. 0. das elische) zur Abwehr des
Inschrift Dittenberger, Inscr. Meg. Orop. Boeot. Übels befohlen habe, von allen Orten die änag-
2793 und auf Münzen von Tralles. Auch das %al nach Athen zu bringen (vgl. die Inschriften
ihr geltende Priestertum der noitiividai, das Bull, de corr. hell. 4 S. 226 und "JBqpTjft. ägy,.
Toepffer, AU. Geneal. S. 310f. ganz ohne Be- 1883 S. 123), die von den Athenern im Namen
rechtigung in Athen lokalisiert, deutet darauf, aller als Proerosien der Deo zu opfern seien,
Hesych. s. v. — Rohe Schafwolle wird unter ein von der Rhetorik mehrfach berührtes
den Weihgaben an die Demeter von Phigalia Verdienst Athens , Aristid. Panath. 196.
erwähnt, Paus. 8, 42, 11. Liban. Corinth. 4 p. 367 (Eciske). Die Ein-
Demeter wurde ihren Gaben gemäfs natürlich no Setzung des Festes wird von den verschie-
am meisten vom Land Volke verehrt. Hes. denen Gewährsmännern verschieden datiert;
Op. et d. 465ff. weist seinen Bruder Perses an, sie schwankt zwischen Ol. 3, 21 und 53, s. Suid.
Demeter beim Pflügen schon um Gedeihen der und Harpocr. s. v. "Aßugig. — Mommsen,
Saat zu bitten, was Arrian. diss. Epict. 3, 21, 12 Heortol. S. 76 setzt sie nach Sauppe, Or. AU.
als allgemeinen Brauch hinstellt, s. auch Nie- 2, 271 in solonische Zeit (Ol. 56) und nimmt
arch. in Anth. gr. 2, 351. Wenn Hes. a. a. 0. ihr als ihren Stifter Epimenides an; er sieht in
*) Die Quellennachweise für die lokalen Kulte und ^n Proerosien den Ersatz für die ursprüng-
Eräuche findet man im Abschnitte B (Sp. 1S88— 1311). liehe agrarische Bedeutung der Eleusmien
1325 Kora u. Demeter (Gott. cl. Landbaues) Kora u. Demeter (Gott. d. Landbaues) 1326
116. Bekker, An. gr. 1, 384, 30), war auf Weiber
beschränkt und enthielt, wie die Thesmophorien,
derbzotige Elemente. Ein Festzug zu Ehren
Poseidons, jedenfalls des Phytalmios, gehörte zu
der Feier (Eust. in II. 772,25; Bekker a. a. 0.).
Die Einführung in die Mysterien lag einer Prieste-
rin aus der Familie der Philleiden ob, s. Foucart
a. a. 0. Toepffer, Att. Geneal. S. 93; auch eine
Lykomidenpriesterin fungierte dabei, C. /. A.
10 3, 895 ; vgl. Toepffer a. a. 0. S. 213. Die Haupt-
feier war eine grofse Schmauserei: Traoceziftsaei
6e xc\g TQec7i£'£ag ot ctQyovxtg y.cl svSov xtxxcc-
XinövzEg ioi"s yvvai^lv, ctvrol %wgit,ovxai ffco
Stujiivovzsg , tniSu-Avifitvoi roig lniSrju.iovai
nciGi zag ?)(X£poiis TQOcpüg naget avxäv svgs-
9?,vai v.al näat KaivoTurför^ai xolg äv&gcoTtotg
nag' avxow. TtQOG-Astrat 6h xaCg zgant^aig %a\
t« nlay.ovvrog y.axiaK€vaO(i£va äticpoxigav ys-
vü>v alSola (Schol. Luc. a. a. 0.). — In der
20 Stadt wurden die Haloen als ausgelassen
lustiges Fest mit Schmausereien und Gaste-
reien begangen, bei denen auch die Hetären
es sich wohl sein liefsen, Luc. Dial. mer. 1, 1;
7, 4. Alciphr. Epist. 1, 33. 39; 2, 3. Im übrigen
s. Hesych. Suid. Harp. s. v. Etym. M. 73 extr.
Bekker, An. gr. 208, 22; 381, 14. Eustath ad IL
772, 25. Bimer. Or. 8, 3. Max. Tyr. 33 und
vgl. Lobeck, Aglaoph. S. 90. Jacobs, Verm. Sehr. 4
S. 504. Preller, D. U. P. S. 328 und bei Pauly
30 2, 1060; 3, 101. Mommsen a. a. 0. S. 320f.
Delphika S. 272 f. Hermann-Stark a. a. 0. 57, 5.
Stengel a. a. 0. S. 161. Fubensohn a. a. 0.
S. 115 ff. — Nur dem Namen nach kennen wir das
Epikleidienfest {Hesych. s.v.), nach Preller,
Dem. S. 326 gefeiert, „wenn die Schlüssel vor
das granarium gelegt wurden". Band, Epi-
kleidien ist wohl geneigt es auf den 15. Meta-
geitnion (C /. A. 3, 77) zu verlegen, doch
fehlt bis jetzt noch jeder Nachweis hierfür;
40 s. auch Stengel a. a. 0. S. 173.
Demeter als Teilhaberin an Festen anderer
Götter finden wir bei den Thargelien; als
Chloe erhält sie am 6. Monatstage einen
Widder, s. oben Sp. 1292. Auch der Anteil,
den sie mit ihrer Tochter an den Skirophorieu
oder Skiren der Athena hat (Steph. By:. s. v.
Schol. Ar. Eccl. 18. Thesmi. 934), ist agrarischer
Art. Dafs in der Feier auf den Eoraraub an-
gespielc wurde, sagen Clem. AI. Protr. 2, 17.
50 Schol. Luc. Dial. mer. 2, 1 im Fhein. Mus. 25
S. 549 (Fohde); vgl. dazu Preller, D. u. P.
S. 124. Hermann- Stark a. a. 0. 61,14. Momm-
sen, Heort. S. 492. Botticher im Piniol. 22
S. 238. 262 ff. Eobert im Hermes 20 S. 349 ff.
Bohde ebd. 21 S. 116 ff. Toepffer a. a. 0. S. 119.
Stengel a. a. 0. S. 170. — Ein athenisches
Erntefest, fv%agi<jxrigia, nennt Schol. Find.
Ol. 9, 150. Von Demeterfesten anderer Orte
tragen vorwiegend agrarischen Charakter die
6o beiden in Syrakus mit Anknüpfung an den
Koraraub gefeierten (Diod. 5, 4, 5 f.), von
denen das zweite thesmophorisch war. Im
übrigen s. die in Lakonien, Arkadien, My-
konos, Rhodos und Kos gefeierten Feste.
Mythischen Ausdruck fand, nächst dem Kora-
raube, die Thätigkeit Demeters am sprechendsten
in der Erzählung von ihrer Liebe zum Iasion
und der Geburt des Plutos (s. oben Sp. 59 ff.).
„nach deren Vergeistigung". Das genaue Datum
ist nicht überliefert. Wahrscheinlichkeit hatte
die Vermutung Mommsens a. a. 0. S. 219, dafs
sie vor dem 7. Pyanepsion, d. h. der Eiresione,
stattgefunden haben, während seine neuere
Annahme, dafs Proerosien und Eiresione zu-
sammenfallen (Bursians Jahresb. 1889 3 S. 245)
nicht zu billigen ist. Als den Hauptbestandteil
des Festes haben nach M. die drei heiligen Pflü-
gungen (Flut. Praec. conj. 42) zu gelten, die
stadtatbenische (buzygische) vnö noliv , die
eleu8inische auf dem rarischen Felde und die
als Kompromifs bei der Vereinigung von Athen
und Eleusis eingesetzte dritte bei ^kiros, vgl.
darüber Bossler, De gent. att. sacerdot. S. 11.
Bötticher im Piniol. 22 S. 262 ff. Bobert im
Hermes 20 S. 378. Toepffer, Att. Geneal. S. 137 f.
An eine dieser Pflügungen hat sich das Fest
wohl sicher angeschlossen, vielleicht an die
rarische, die K. 0. Müller bei Ersch u. Gruber
1, 33 S. 291 in die Eleusinien setzt. Dafs die
Feier in Eleusis stattfand , lehren Eurip.
Suppl. 38 und die Ephebenioschrift, C. I. A.
2, 467 (Dittenberger, Sylt. 347). Vgl. Preller,
Dem. u. Pers. S. 295. Binek, Fei. d. Hell. 2, 80.
Hermann- Stark , Gottesd. Alt. 56, 28. Stengel,
Kultusalt. (Jio. Müllers Handb. 5, 3) S. 173.
Fubensohn, Mysttrienheiligtümtr S. 119.
Im Frühlinge, beim ersten Sprossen der
Saat (äg^ofisvcov -/.agnäv cpvtod'ai, Irjyojros t}Srj
xov ^aiftcö^os) brachten sämtliche Beamten (iv
&Qxy TtdvtBg) das Opfer der Procharisterien
(fälschlich auch Proschaireterien genannt) dar.
Es trug mystischen Charakter, bestand in Opfern
an Athena, Demeter und Kora und hatte zur
Kultlegende die Anodos der Kora, Suid. s. vv.
TCQoajraiorirriQia und ngoragioxfigia; Harpocr.
s.v. TtQoey_ctiQrixrjQt.a; Bekker, An. gr. 1, 295, 3.
Das Fest war wohl identisch mit dem bei Gornut.
28 beschriebenen: HzgX 6h xo 'iag xij Xl6w Ar\-
(intgi &V0VGI fitxä naidiäg v.al xagäg, und bil-
dete eine Vorfeier oder auch den ersten Tag
der kleinen Eleusinien; jedenfalls ist der An-
thesterion der passendste Monat für sie. Vgl.
Gerhard im Fhein. Mus. 14 S. 148 u. Ak. Abh. 2
S. 211. 217. Kiefsling, Lyc. frgm. 108. Sauppe,
Or. AU. 2, 266. Hermann - Stark a. a. 0. 62, 6.
Mommsen, Heort. S. 8. 44. 262. Förster, Faub
u. B. d. P. S. 273. Fobert-Preller, Griech. Myth.
1 S. 207. Band, Epikltidien S. 22. Fobert im
Herines 20 S. 375. Toepffer a. a. 0. S. 103. 119.
Wenn wir noch einst \v eilen von Eleusinien und
Thesmophorien absehen, so sind als das dritte
attische grofse Demeterfest die Haloen, das im
Poseideon stattfindende Kelter- und Dreschfest
zu nennen; für den von Ahrens, Bhein. Mus. 17
S. 332 und Mommsen a. a. Ü. S. 320 angezwei-
felten Poseideon sprechen aufser Harpocr. s. v.
'Aläa einige Inschriften: 'Eij.na. <xg%aiol. 1883
S. 119, 47 und Foucart in Bull, de corr. hell. 7
S. 334. 515. Die Hauptquelle für dieses Fest
ist das von E. Bohde im Bhein. Mus. 25 S. 557
veröffentlichte Schol. Luc. Dial. mer. 7, 4; da-
nach sind sie ein mit Mysterien verbundenes
Fest für Dionysos, Demeter und Kora, das in
erster Reihe dem Versuchen des jungen Weines
bestimmt war. Der mystische Teil der Feier
fand in Eleusis statt (vgl. Dcmosth. in Keaer.
1327 Kora u. Demeter (Gott. d. Landbaues^i Kora u. Demeter (Thesmophoros) 1328
Auch ihre Rolle im Erysiehthonnrythos (s. Bd. 1 azaxvozgocpog, Orph. H. 40, 3; nzuxvrjY.öaog,
Sp. 1373ff.) zeigt sie als Spenderin der nähren- Nonn. 1, 194, heilst sie von dem Ährenkränze,
den Frucht. ebendarum auch atayvo7iloy.au.og, Orph. Lith.
Demeters- Verhältnis zur Fruchtbarkeit und 242, und arayvoaritpavog, Phil. Thess. in Anth.
zum Landbaue ist in allen Einzelbeziehungen gr. 2, 215; vgl. Hör. ca. saec. 30. — Von
ganz besonders durch eine grofse Anzahl Bei- der grünenden Saat wird sie selbst Chloe
worte bezeichnet worden, die ihr in Poesie genannt im Kulte von Athen und Mykonos,
und Kult beigelegt wurden, s. Preller, D. u. P. vgl. auch Eustath. ad II. 773, 2; nach Mann-
S. 317 ff. Guigniaut, Bei. de l'Ant. 3 S. 636 ff. hardt, Myth. Forsch. S. 227 ist dies nur
Welcher, Gr. Göfterl. 2, 469, am vollständig- 10 hypokoristische Form für ylorjtpögog, Schol.
sten bei Band, Epikleidien S. IS ff. und Ar. Lys. 835. Euseb. Praep. ev. 3, 11. Von
Bruchmann, Epitheta deorum S. 73ff.; 190ff. der Farbe des reifen Getreides heifst sie £av&rn
Als Mutter, der Gaia am nächsten verwandt, — Hom. E 500. Hymn. in Cer. 302. Eustath.
u^zr,g Trdvrcov cpvzwv ts hki £äa>v a. a. O.; Juvfl'oepujj«?, Nonn. Dion. 6, 113;
nennt sie Philo, De vit. contem.pl. 1 — heifst jartroy.ouTjj, ebd. 11, 395 und lateinisch flava,
sie 7ia{iur,TSLQa. Orph. hymn. 40, 1; ßiov naii- Ovid. Amor. 3, 10, 3. Verg. Georg. 1, 96; vgl.
jijjTCDß, Nonn. Dion. 19, 82, von dem Leben, Serv. z. d. St. und Myth. Vat. 3, 7, 1.
das sie spendet, gwoöozsiga und tpvai^oog, Auf das Gedeihen des Getreides bezieht es
Nicet. bei JVestermann, Myth. gr. 356. Sie ver- sich auch, wenn Demeter eXr/yngig, Sia zb vnb
leiht Reichtum, TravSözsiga, öXßiodäzig, nXov- 20 zijg zov 'HXiov tXrjg yrjgäv in allerdings zweifel-
zoäözsiga. Orph. hymn. 40 und bei Diod. 1, los falscher Etymologie genannt wird (Eustath.
12, 4. Sie ist als die Ernährerin ßcoziäveiga, ad II. 1197. 52. Hesych. s, v. AxEigco) oder auch
Nicet. a. a. 0.; noXvq>ögßr], Hes. Theog. 912; -/.avazig und üacptY.avazLg (Hesych. s.w. Etym.
itoXvzgotpog, Callim. Hymn. 6, 12; cptgzoßtog, M. 90, 32), oder wenn die am Hermos wohnen-
Antiph. Agr. frgm. 1 ; Sumia, Scolion bei Athen. den Gorgonier sie als Abwehrerin des dem
15,694. Schol. Apoll. Rh. 4, 998. Nonn. 11, Getreide gefährlichen Mehltaues 'Egvcißn
213. Paroem. gr. Append. 4, 20. Suid. s. v. nennen, Etym. Gud. 210, 25. — Eine Gruppe
ouitviog f; Etym. 31. 625, 46; vgl. 788, 27. von Beinamen ist von den ländlichen Ver-
Et. Gud. 428, 27; s. dazu G. Curtius, Grund- richtungen entlehnt. Als Lehrerin der Aussaat
Züge S. 464. — Als Senderin des Wachs- 30 ist sie £nBgu.iir], Orph. Hymn. 40, 15; für die
tumes ist sie Anesidora, Paus. 1, 31, 2. Plut. Ernte ist sie die Sichelträgerin Sgtnavrirpogog,
Quaest. conv. 9, 14, 4; vgl. Hesych. s. v. 'Avat,L- Nonn. Dion. 6, 104; 41, 23, und auch die troi-
äiaga, was natürlich nur gekünstelte Umformung zenische Amaia kann nur als Schnitterin ver-
ist, und Av'gi&alr^g, Orph. Hymn. 40. Das Erst- standen werden. Nach den Garben heifst
lingsopfer der &aXvcia empfängt sie als daXvOLag, Demeter üuaXXocpogog, Nonn. Dion. 17, 153;
Nonn. Dion. 40, 347; 19, 86. Als Göttin der 26, 244. Eustath. 1162, 27, und äuaXXoTov.og,
Reife endlich ist sie ägia auf einer Münze von Nonn. a. a. 0. 31, 38; 45, 101; 48, 678; auch
Smyrna und ägncpögog bei Hom. H. in Cer. der m. E. auf Gerste oilai bezügliche Name
54. 192. 492. Eustath. ad II. 1156, 60; vgl. 'iovXti wird auf „Garben" bezogen. Nach den
das Scholion bei Ath. 15, 694 und Diod. Zon. 10 niovtg oyuoi, den fetten Schwaden (Hom. H.
iu Anth. gr. 2, 80; ferner Tlay-navu, Hesych. s. v. in Cer. 455), nennt sie inoyutog Addaios in
naunavov; zsXtoyogog, C. I. G. 2175. Vgl. auch Anth. gr. 2, 241; vgl. Suid. s. v. oyiitog; Orion.
Bruchmann, Epitheta deorum. s. v. z/7;ur/r?jp. 114, 32. Eustath. ad II. 1161, 59. — Von der
Mit zusammenfassendem Namen heifsen ihre Tenne stammen die Namen aXtoag und aXcoig,
Gaben atrog und sie selbst in Syrakus Sirä Theokr. 7, 155 mit Schol. z. d. St. Nonn. 30, 68 ;
(in Kos lag das Damatrion im Stadtteile Sitea). ivalcoaia, Hesych. s. v.; äXaain, Orph. Hymn.
Vom v.agnog ist sie (und auch Kora) Y.agno- 40, 5; tvgvüXais, Nonn. Dionys. 7, 82; von der
rpogog, Ar. ran. 382. Paus. 8, 53, 3, und in Scheuer ccogizig, Orph. a. a. 0.; 7ioXvocogog,
Inschriften von Paros, Mytilene, Ephesos und Addaios a. a. 0.; von der Getreideschwinge
Pessinus; TtoXvy.agTtog , Theoer. Id. 10, 42. 50 Xiv-uain, Diod. Zon. in Anth. gr. 2, 80; vom Ge-
Aristocles bei Ael. nat. an. 11, 4; svv.agTcog, treidemafse endlich TtovXvusdiuvog, Kallim. H.
Philipp. Thess. in Anth. gr. 2, 233. Niearch. in Cer. 2, 112. — Die auf die Brotbereitung ab-
ebd. 2, 351. Nonn. 13, 189; yXoÖY.agnog, Orph. zielenden Beinamen sind bereits oben erwähnt.
H. 40, 5; v.aonoTioiög, Eurip. Blies. 964; v.kojto-
tÖxos, Strat. Sard. in Anth. gr. 2, 374; dyXa- E. Demeter Thesmophoros und Thesmo-
ov.agTiog, Hom. H. in Cer. 4. Orph. Ev%. ng. pnonen.
Mova. 6. Porph. bei Euseb. Praep. er. 5, 13; Von den Formen, unter welchen uns De-
<PsgEv.ctg-<Tog heifst Kora Nonn. 31, 37. Nach meter im Kulte entgegentritt, ist keine andere
dem Weizen, der hauptsächlich für Griechen- so häufig als die der Thesmophoros, der in
land in Betracht kommenden Getreideart, ist uo gleicher Eigenschaft Persephone beigesellt
Demeter q>iXÖ7tvgog Phil. Thess. in Anth. gr. wird (Ar. Thesm. 83. 282; Eccl. 442; Pindar.
2, 217 und Tivgoapogog, Eur. Phoen. 694, wäh- frgm. 8 Boechh; Paus. 1, 31, 1; Athen. 3, 109f;
rend auf die Gerste durch fridcogog, Nicet. C. I. G. 2907'i während der mit (Kora) Mise
a. a. 0. und höchst wahrscheinlich auch durch verbundene Dionysos Thesmophoros (Orph.
OiXm bezw. 'iovXä (Semos bei Athen. 14, 618d. Hymn. 42, 1) wohl nur ein singulärer Einfall ist.
Schol. Apoll. Bh. 1, 972), angespielt wird. — In Pheneos wurde Demeter Thesmia genannt und
Nach den Ähren heifst Demeter nolvetaivg, bei Cornut. 28 Thesmothetis, bei Vergil. Aen.
Theokr. 10, 42; cpsgiazayvg, Nonn. 27, 338; 4, 58 I.egifera. — Aufser für Athen, über
1329 Kora u. Demeter (Thesmophoros) Kora u. Demeter (Thesmophoros) 1330
dessen Thesmophorien wir am besten unter- zeugung und Aufziehung der Kinder. Oft
richtet sind, linden wir solche ausdrücklich wird die Kindererzeugung mit der Bestellung
bezeugt, oder auch durch analoge charakte- des Feldes verglichen; cniLQiLv, ccqovv, arare
ristische Kultgebräuche angedeutet in Thessa- werden sehr oft für die menschliche Begattung
lien für Halos, für Alponos, Drymaia; gebraucht; eine grofse Anzahl Beispiele bei
in Boiotien für Theben, Orchomenos und Preller, Dem. v. Fers. S. 354ff.; besonders wich-.
Koroneia; ferner für Eretria, Megara, Si- tig Aeschyl. Sept. 754; Soph. Oed. Col. 149
kyon, Troizen, Aigina, Argos, Lakonien u.a.m.; Eurip. Phoen. 18; Hom. T303. Gerade
(speziell noch für Aigila), Achaja, Pellene, in den vordorischen Kulten spielen diese Be-
Pheneos, Megalopolis, Pallantion und 10 Ziehungen eine bedeutende Rolle. Den Zu-
Mantineia. Von den Inseln kannten diesen sammenhang ihres alten, besonders in dem
Kult nach unseren Quellen Delos, Paros, Binnenlande der Peloponnes üblichen Namens
Samos, Rhodos und Kypros(?). Aus Klein- 'EXev&ia , 'Eltvoia, 'Elsv&m, 'Elivaivia mit
asien sind hier Garnbreion, Smyrna, Ery- ElXii&ia weist zur Evidenz nach Toepffer, Att.
thrai, Ephesos, Priene und Milet zu Geneal. S. 221. Die Identität dieser Göttin
nennen. In dem hellenistischen Ägypten nahm mit der D. Achaia ist nicht zu bezweifeln,
Isis (s. d.) auch diese Wesenseite der Demeter und merkwürdigerweise nennt uns eine Sessel-
auf (Diod. Sic. 1, 14, 3), neben der aber die inschrift aus dem Dionysostheater die Priesterin
griechische Demeter Thesmophoros ihre Stätte der JrjurizriQ KovnozQÖcpog'j%aiu, C. I. A. 3, 373.
in Alexandreia und Arsinoe hatte. Im 20 Auch in Samos soll die KovQotqöcpog (s. d.)
Norden ist dieselbe für Abdera und für auf thesmophorische Art verehrt worden sein,
Pantikapaion bezeugt. Im Westen be- Ps.-Hdt. Vit. Hom. 30; indessen scheint das
gegnen wir ihr in Tarent, in Pompei und nahe Zusammenliegen von Apaturien __ und
in Neapolis; der römische Kult der Bona Thesmophorien nur auf willkürlicher Über-
Dea(s.d.)enthälthauptsächlichthesmophorische tragung athenischer Verhältnisse zu beruhen.
Elemente, die auch in einem ieiunium Cereris, Der samische Beiname 'EvsXvoy.iq sowie der
das im Oktober zu Amiternum gefeiert tarentinische 'Endvaafi.Bvri sind ebenso auf die
wurde, unverkennbar sind, Inscr. regn. Ntap. geburtshelfende Thätigkeit der Göttin zu be-
S. 309; vgl. Welcher, Gr. Gütterl. 2 S. 510. — ziehen. Im Mythus erscheint D. als kovqo-
Sehr verbreitet war dieser Kult auch in Sicilien 30 zQoqiog bei Demophon, Triptolemos und Ortho-
(Heraclid. bei Athen. 14, 647a), so in Syrakus, polis; über einige Terrakotten, in welchen man
Akrai, Kattina und Enna, vgl. Ebert 2i%s- D. mit dem Iakchoskinde als v.ovqoxqorpog er-
J.toiv, und schliefslich müssen wir ihn auch kennen wollte, s. unten.
noch für Kyrene annehmen. Erst aus dem Beinamen Thesmophoros heraus
Im Grunde genommen ist Demeter als wurde Demeter später zur Hüterin der Ge-
Thesmophoros ganz dieselbe Potenz wie die setze schlechthin gemacht und als solche beson-
Spenderin der Brotfrucht, das empfangende ders beimHeliasteneide mit Zeus und Apollonan-
und gebärende weibliche Prinzip im gerufen, Demosth. in Callipp. 11; in Timocr. 151;
Gegensatze zu dem befruchtenden männlichen, Pollux, On. 8, 122; Dinarch in Schol. Aeschin.
d.h. die Gemahlin des Himmelsgottes, mit dem 40 Or. 1, 114; vgl. Ar. Vesp. 629. 1442. Auch in
vereint sie als ältester Kern einer vorhomeri- Kreta (G. I. G. 2567) und in Syrakus (Diodor
sehen Religion anzusehen ist zu jener Zeit, 19,5; Flut. Dion. 56) finden wir sie als Schwur-
die dem durch politische Kompromisse und göttin, sowie auch die Erythraier bei ihr
poetische Fiktionen geschaffenen Götterstaate schwören, C. I. A. 1, 9.
voraufging. Es ist natürlich, dafs diese Göttin An der späteren Auffassung der Thesmo-
in ganz hervorragendem Mafse als Schützerin phoros war aber nicht nur die Ehegöttin be-
der Frauen und ihrer ehelichen Rechte galt, teiligt; auch die alte grofse Landesgöttin,
wie diese Rechte ja auch verschiedent- welche auf den Burgen von Theben — hier
lieh als arsßfj.01 bezeichnet werden, so Hom. am sichersten als Thesmophoros, identisch mit
ip 296; Soph. Ant. 799; Flut. Conj. praec. 1; 50 Harmonia, vgl. Preller, D. u. F. S. 359 ff. — ,
Ael. Var. hist. 12,47; Schol. Aristid. 22 (ä&ioums Megara, Phlius und Argos und als Schütze-
GvyyivoiLbvrj); Heliud. 1, 25. — 'Cara iuyavit rin der Pyläischen Amphiktyonie (wie auch spä-
corpora connubiis', sagt von dieser Demeter ter des achäischen Bundes) verehrt wurde, war
Calvus bei Serv. ad Verg. Aen. 4, 58. — Die hierhinzugekommen. Daraufberuhtdannebenso
Priesterin der Demeter vollzieht die Ehe- wie auf der falschen Auffassung des Wortes
schliefsung (Flut. a. a. O.) oder in der späteren Thesmophoros die später oft wiederholte Ver-
ägyptisierenden Zeit das Eultpersonal der Isis, sion, dafs Demeter überhaupt zuerst Gesetze
Achill. Tat. 5, 14; Phot.Bibl.Vit. Isid.hbl; vgl. gegeben und somit als Schöpferin der bürger-
Lobeck, Aglaoph. S 650. Dido opfert der Ceres liehen Ordnung anzusehen sei, Orph. Arg. 27;
legifera als Hochzeitsgöttin bei Verg. Aen. 4, 58 ; 60 Kallim. H. in Cer. 1 9 ; Plin. H . N. 7, 1 9 1 ; Cornut.
Demeter soll einer Hetäre einen Mann ver- 28; Diod. Sic. 5, 5. 68; Calvus bei Serv. ad
schaffen bei Alhiphr. Ep. 2, 2; vgl. Freiler, D. Verg. Aen. 4,28.*) Eine Demeter biiovoiu zov
u. F. S. 353. Eine Hochzeit der Demeter y.oivov kennen wir aus der Inschrift Bull, de
selbst scheint ätiologisch zu Grunde gelegt corr. hell. 3 S. 5l0ff. Auch hier wurde als
zu sein, Plaut. Aulul. 2, 65, vgl. Serv. ad Vermittler ihr getreuer Triptolemos, der spä-
Verg. Georg. 1, 344; Macrob. Sat. 3, 12. — tere Unterweltsrichter, genannt, dessen drei
Als Göttin der Weiblichkeit sorgt Demeter «, Et Iegea gancta3 docuit et cara jugaTit corpora
thesmophoros natürlich besonders für die Er- connubüs et magnas condidlt urbes.
1331 Kora u. Demeter (Thesniophoros) Kora u. Demeter (Thesmopboros) 1332
grundlegende Satzungen „yovi ig ziiiäv", „ftsovg zeichnet; auf den 12. fiel er nach Sclwl. Ar.
■/.agnoig äyäXlsiv" und .,£»« ufj eCvso&ai" vor- Thesm. 80; Hesych. s. v. avodog; Phot. s. v.
schrieben, Hermippos und Xenohrates bei Por- dseuocpogiaiv rjuigai. Aristoph. Thesm. 80 wird
p%yr. de abst. 4, 22. — Auch als Göttin des dieser Tag zgizrj und zugleich fiierj des Festes
richtigen Maises verehrte man sie, vgl. C.I. G. genannt; letztere Bezeichnung auch v. 375 und
123; in Samos stand ihr Bild im Hause der Athen.7, 807f. — Blommsen, Hcortol.S 243 nimmt
«yogccvöfioi (Bull, de corr. hell. 5 S. 479), und an, dafs zgizr\ den 3. Tag der attischen Woche be-
als Mutter der Rhamnusischen Nemesis galt zeichnet, und will die Ntjotilu auf den 13. legen,
sie nach Schol. Eur. Blies. 342. — In ursäch- was bei dem entschiedenen Widerspruche der
liehen Zusammenhang mit dem Ackerbau setzte 10 Quellen unzulässig ist. Als sicher können wir
man die Gabe der trsc/iot. indem man durch annehmen, dafs am 10. Pyanopsion auf dem
die aus der neuen Nahrung entspringenden Vorgebirge Kolias im Demos Halimus ein Fest
neuen Lebensbedingungen die friedliche Ord- der athenischen Weiber gefeiert wurde, an das
nung der Besitzverhältnisse begründete, s. sich die ctvoSog in die Stadt am 11. anschlofs.
Isoer. Panegyr. 28; Cornut. a. a. 0.; Serv. ad Der folgende (12.) Tag wird fiter] oder auch
Verg. a. a. 0.; Schol. Clem. AI. 2, 19; Porphyr. Ntjarsia genannt und als Schlufs folgt am 13.
de abst. 2, 12; Schol. Luc. Dial. mer. 2, 1 im das Kalliyivsia genannte Fest. Durch die
Mh. JUus. 25 S. 549; vgl. besonders Preller, D. u. Bezeichnung fisarj für den vorletzten Tag wer-
P. S. 350 f.; K. F. Hermann, Priv.-Alt.3 S. 100. den wir auf ein dreitägiges zu Grunde liegen-
— Schliefslich galt Demeter als Begründerin 20 des Fest geführt, wie es u. a. auch von Abdera
der Civilisation überhaupt, der die Menschen und aus Lakonien bezeugt ist. Aus der Pro-
sogar erst den aufrechten Gang verdankten, Zession nach Halimus geht aber deutlich her-
Schol. Find. Ol. 9, 150; Htym. 31. 743, 25. vor, dafs dieses Fest erst durch ein Kornpro-
Die weitverbreiteten Feste der Demeter mifs d.h. die Zusammenlegung eines städtischen
Thesmophoros haben ihren Charakter am rein- und eines Demenfestes entstanden ist. Die
sten bewahrt, und nur durch sie sind wir alte städtische Feier wird nur dreitägig ge-
auch im stände, die Grundbedeutung ihres wesen sein, und ihr Mitteltag wird die Be-
Wesens festzustellen. Allgemein sind die Thes- Zeichnung fiiai] im Volksmunde nicht nur in
mophorien ein Weiberfest; nach Aristoph. der ältesten Zeit geführt, sondern auch dann
Eccl. 223 gehört die Thesmophorienfeier zu 30 noch beibehalten haben, als dieses Fest um
den althergebrachten Weiberbeschäftignngen einen Tag, deu 10. des Monates, vermehrt wurde,
wie „ko.ehen, backen und ehebrechen". Mit Nach Ovid. Met. 10, 434, der höchst wahr-
weicher Gefahr für einen Mann die Belauschung scheinlich die attische Feier oder eine dieser
dieses Weiberfestes verbunden war, zeigen am nachgebildete im Auge hat, bereiten sich die
drastischsten die Thesmophoriazusen des Aristo- Frauen durch neuntägige Enthaltsamkeit, d. h.
phanes; vgl. auch die Geschichte des Battos von vom 1. bis zum 9. Pyanopsion, auf das Fest
Kyrene, derwegen seiner Neugier von den Thes- vor. Als antiorektisch dienen ihnen hierzu
mophoriazusen entmannt wurde, Suidas s. vv. verschiedene Pflanzen; Plin. H. N. 24, 59 nennt
&ioaoq>6gog und GcpüxzgiUL. Dafs diese Beschrän- Keuschlamm, vitex, einen der Weide ähnlichen
kung auf die Weiber aber nicht nur athenisch, 40 Baum, d. h. griechisch ayvog, Ael. Nat. an. 9,26;
sondern eine allgemein übliche Besonderheit des xovi>£a nach Schol. Theoer. 4, 25 und Schol. Nie.
Festes war, in Boiotien wie in der Peloponnes, in Ther. 70 ; v.vi coqov nach Hesych. s v. — Am Vor-
den östlichen Kolonieen ebenso wie in den nörd- abende des 10. Tages — Schol. Ar. Thesm. 834
liehen und westlichen wird durch eine grofse sagt am 9. — begann das eigentliche Fest mit
Anzahl von Zeugnissen aller Zeiten bestätigt; den Stenia, in welchen Scherz- und Schmäh-
vgl. Hit. 6, 16; Xen. Hellen. 5, 2, 29; Cic. in reden ein wesentliches Element bildeten, Eubul.
Verr. 4, 99; 5, 187; Parthen. Erot. 8; Plut. bei Phot. s. v. Ezrjviu; Hesych. Suid. s. v. Die
Solan. 8. Quaest. graec. 31. de Is. et Os. 69; Weiber begeben sich noch während der Nacht
Paus. 1, 43, 2; 4, 17, 1; 8, 31, 8. 36, 6; Diog. in den Demos Halimus, wo auf dem Vorge-
Laert. 9, 43; Epiphan. 1, 1092 a; Athen. 2, 46*>; 50 birge Kolias (Hisych. s. v. KcaXiäg) ein Afifirtzgog
Ps.-Pliit. Epist. 7, 94. — Aus dieser Beschrän- ugov nolvazvlov lag. Die Feier daselbst fand
kung geht aber auch am klarsten hervor, dafs am 10. statt, Schol. Ar. Thesm. 80; Phot. s. v.
das Fest nicht, wie man früher annahm, der JTSBuoepogi'cov fliegen., welcher diesen Tag als
Gesetzgeberin im allgemeinen, nicht der Gfouocpogia schlechthin oder auch als frEopo-
Schöpferin und Hüterin der bürgerlichen Ord- yogi'a bezeichnet; vgl. Bohde im Bhein. Mus.
nung gegolten haben kann, sondern nur der 25 S. 551; Bobert im Hermes 20 S. 374. Über
Wahrerin der Weiberrechte im Staate, d. h. der die Details ist naturgemäfs nur sehr wenig
Göttin der gesetzlichen Ehe. Am meisten bekannt; dafs auch Reigentänze dazu gehörten,
wissen wir von der attischen Feier, während behauptet Plut. Sol. 8; vgl. Polyaen. Strat. 1, 20.
nur vereinzelte Notizen uns ähnliche Bräuche 60 Als Halimusische Mysterien wird das Fest von
oder auch Abweichungen von anderen Kult- Clem. AI. Protr. 2, 34 und Arnob. 5, 2 bezeich-
stätten berichten. net; ob aber eine wirkliche Einweihung zur
Die Jahreszeit war die der Wintersaat, der Zulassung erforderlich war, oder die Bezeich-
Monat Pyanopsion, Plut. vit. Dem. 30; de Is. nung Mysterien nur vum männlichen Stand-
et Os. 69. Der Monatstag des Hauptfestes und punkte aus gewählt ist (Hilf. 2, 171; vgl. Plut.
vorletzten Festtages Nrjeztia, an dem auch frgm. ine. 84, Däbner), steht dahin; unbedingt
die aristophanische Komödie spielt, wird von sicher ist eine formelle Weihe nur für Smyrna
Plut. vit. Dem. 30 unrichtig als der 16. be- bezeugt, C. I. O. 3194, und die dortige Thesmo-
1333 Kora u. Demeter (Unterweltgött.) Kora u. Demeter (Unterweltgött.) 1334
phoros scheint bereits Züge der Kybele in sich dem finsteren Hades. Die doppelte Funktion der
aufgenommen zu haben. — Der ll.Pyanopsion, chthonischen Gottheiten — ,, den Lebenden seg-
der erste Tag des städtischen Festes, heifst nensie den Anbau des Acker9, die ZuehtderFeld-
avoSog (Schol. Ar. Thesm. 80; Phot. a. a. 0.; fruchte und nehmen die Seelen der Toten auf in
Hesych. s. v. avoSog; Alciphr. JSpist. 3,39) ent- ihre Tiefe", Bohde, Psyche S. 191 (s. auch be-
weder nach dem Zuge der Weiber von Halimus sonders K. 0. Müller in Ersch u. Gruber, Allg.
in die Stadt oder von der Prozession nach Encyld. 1,33 S. 292 ff.) — haftete ursprünglich
dem auf der Pnyx belegenen Thesmophorion; nur an Demeter und Zeus Chthonios, während
s. oben Sp. 1292. Stengel, Kultusaltert. S. 159 noch Persephone und Hades einseitig als die
nimmt an, dafs an diesem Tage das von Isaios 10 furchtbaren lebensfeindlichen Herrscher des
3,80 erwähnte Festmahl stattfand, welches Totenreiches galten. Es kreuzten sich also
wohlhabende Ehemänner den feiernden Weibern hier zwei verschiedene Auffassungen der Unter-
zu geben verpflichtet waren. — Der folgende weit; nach der einen wurden die Toten von
12. ist die bei Aristophanes geschilderte Miarj den freundlichen Spendern des Erdensegens
oder Nr)GT£i'a. Dieser Tag wurde als Fasttag aufgenommen, nach der anderen versanken
begangen, Ar. Av. 1518; Plut. Dem. 30 (wo sie in trost- und lichtlose Nacht. Man setzte
fälschlich der 16. genannt ist); Plut. de Is. et nunmehr die beiden Unterweltgöttinnen in das
Os. 69; Schol. Ar. Thesm. 80; Phot. a. a. 0.; Verhältnis von Mutter und Tochter, während
Alciphr. a. a. 0. — Dafs der Eoraraub wirklich in wahrscheinlich älterer Genealogie Persephone
mimisch bei dieser Gelegenheit aufgeführt 20 eine Tochter der Styx, Apollod. 1, 3, 1, oder
wurde, sagt Clem. AI. Protr. 2, 17, und nach als Daeira (s. d.) eine Schwester derselben
der Analogie von Megara (Paus. 1, 43, 2) ist es hiefs (vgl. Preller, Dem. u.Pers. S. 7 ff), und ent-
auch für Attika sehr wahrscheinlich, s. Solide, wickelte daraus, indem man die Funktion als
Hermes 21 S. 125. — Auf diesen Tag ist auch Totenbeherrscherin fast ausschliefslich auf die
die Versenkung von Schweinen durch einen Tochterbeschränkte, den Mythus vom Koraraube.
Erdspalt in einen unterirdischen Raum (tizya- Demeter trat in dieser Beziehung immer
gov) zu legen, die nach Clim. AI. a. a. 0. an mehr zurück. Es ist ein gelehrter, aber ver-
die Versenkung der Schweine des Eubuleus einzelter Einfall des Dioscuridcs , wenn er
erinnern sollte; die Reste der verwesten Tiere Anth. graec. 1,499 statt des üblichen iv"AiSov
wurden spätervon den uvrlrizoLcti wieder herauf- 30 einmal $v Jrjovg sagt. In Athen nannte man
geholt und sollten der Saat Fruchtbarkeit ver- die Toten zf/jiKjrpt 101 nach Plut. de fac. in
leihen, Schol. Luc. dial. mer. 2, 1 (Rhein. Mus. orb. hm. 25. In Sparta bildete ein Opfer an
25 S. 549). Auch wurden aus Teig hergestellte Demeter den Abschlufs der zwölftägigen Trauer-
pt,u7JficT« SqukÖvtcov -/.ctt dvdgäv oxrjuaTwv zeit, Plut. Lyc. 27. — Ein nach Rom über-
versenkt. — Von dem letzten Tage endlich tragener attischer Brauch war es, nach der
wissen wir nur, dafs er KuV.iyivtiu hiefs, s. Beerdigung das zugeschüttete Grab mit Korn
ob. Sp. 926; die Tänze, welche aufser anderen zu besäen, Cic. de leg. 2, 63. Dafs die in
noch zuletzt Stengel a. a. 0. an ihm nach Pol!. Rom der Ceres dargebrachten porca praeci-
On. 4, 100 stattfinden läfst, sind weder für danea und praesentanea (?), Gellius, Noct. AU.
diesen Tag, noch überhaupt für die Thesmo- 40 4, 6. Festus p. 273. 330 (Theicreivk) der Unter-
phorien bezeugt. Aus dem Namen folgt nur, weltgöttin galten, hat Preller, D. u. P. S. 200
dafs es sich um die Erzeugung einer guten richtig erkannt, s. Bd. 1 Sp. 864 ff. Als
Nachkommenschaft handelte, und aus diesem Schützerin des Grabes finden wir Demeter
Grunde mag an ihm auch das £r\(ila (Hesych. neben Kora und den chthonischen Göttern
s. v.) genannte Opfer, vxsq räv yivofisvcov, (C. I. G. 26), und ein anderes Mal neben Plu-
stattgefunden haben; so wird auch Persephone ton, Persephone, den Erinven und den übrigen
C. I. G. 2388 angerufen: unterirdischen Göttern (C. I. G. 916). Die In-
V.a&i näai \j.av.ui<sv. nolvXUaxn Si noXrj'i: Schrift ist durch die bildliche Darstellung er-
KOvQaig Kai KovQoig roig xai iniooopivoig. setzt am Denkmale der Haterier, Benndorf-
Von Euboia hebt Plut. Qu. gr. 31 besonders 50 Schöne, Lateran nr. 359; s. Sp. 1341. Als
hervor, dafs die KaXhyevsta hier nicht an- Unterweitgöttin führt Demeter — die Genossin
cremten wurde. deä Zeus Chthonios, Hes. op. et d. 465 — den
Die neuere Litteratur über das Thesmo- Beinamen Chthonia besonders in den Kulten
phorienfest s. bei Stengel a. a. 0. S. 158f. von Sparta (Paus. 3, 14, 5) und Hermione (s. ob.
Sp. 1295); auch Chamyne, ihr Beiname in Olym-
F. Demeter und Persephone als Göttinnen der p;ai gehört hierher. Ein Relief aus Gythion,
Unterwelt. auf welchem Demeter und Persephone im Typus
Die Unterwelt ist das Gebiet, auf welchem des eleusinischen Kultbildes dargestellt sind,
sich die Annäherung und Verbindung der beiden giebt ihnen den Kerberos bei. — Oft ist De-
Göttinnen, der Erd- und der Mondgöttin, voll- 60 meter mit Unterweltgöttern im Kulte gepaart,
zogen hat. Demeter verkörperte die im Erd so mit Zeus Buleus oder Eubuleus, Tropho-
inneren wohnende Triebkraft, und so wurde nios, mit Hades, Hermes und dem ursprünglich
ihr Sitz dem Totenreiche benachbart gedacht. gleichfalls chthonischen Asklepios; man ver-
In ihr erscheint dieselbe Wesensseite der chtho- gleiche die Kulte von Lebadeia, Eleusis,
nischen Götter, welche sich in dem Namen des Korinth, Hermione, Epidauros, Lako-
UnterweltgottesPluton ausspricht, während Per- uien, Pylos, Kleitor, Mykonos, Arnor-
sephone, die Mondgöttin, aufdiedüstere Seitedes gos, Knidos, Athymbra u. a. m. — Auch
Totenreiches, die ewige Nacht, hinweist gleich unter den Kultgebräuchen zu Ehren Demeters
1335 Kora u. Demeter (Unter weltgöttin) Kora u. Demeter (Unterweltgöttin) 1336
finden sich so manche, die auf die chthonischen Die Herrschaft über die Toten war und
Beziehungen hinweisen. Vorzüglich wurde die blieb in der Volksvorstellung die Hauptfunk-
Göttin an Stätten verehrt, wo ein Eingang in tion Persephones; besonders charakteristisch
die Unterwelt gedacht wurde, so in Eleusis, wird sie von römischen Dichtern bezeichnet als
Tainaron, Pheneos und zu Syrakus ander Iuno interna, Verg. Aen. 6, 138. Stat. Silv.
Quelle Kyane. Die Benutzung unterirdischer 2, 1, 147. C.L.L. 10,7576; als Iuno Averna,
Bäume (iisyaga) an ihren Festen, wie wir sie Ov. Met. 14, 114. Sil. Ltal. 13, 601, oder als
aus Potniai in Boiotien, aus Lykosura Iuno Stygia, Stat. Theb. 4, 526; in einer ähn-
und von dem athenischen Thesmophorienfeste liehen Übertragung heifst sie Ceres inferna,
kennen, läfst ebenfalls die Unterweltgöttin in 10 Stat. Theb. 5, 156, und Ceres profunda,
Demeter erkennen. ebda. 4, 460. — Der Tod des Menschen wird
Schärfer ausgebildet, besonders auch durch als Persephones Werk angesehen, Anth. Gr.
den Mythus, sind diese Beziehungen bei Perse- 2, 124 (Antip. Thessal.). Verg. Aen. 4, 698.
phone, bei welcher aber wiederum der Grund- Stat. Silv. a. a. 0.; xarä niXlvoiv Jtanoivng
begriff, aus dem sich jene entwickelt hatten, steigen die Menschen zum Orcus hinab, C.L.G.
vollständig verblafste. Abgesehen vom Namen 6657. 6653. 6685. Als Geleiter der abgeschie-
zeigt Persephone nur noch wenig Spuren der denen Seelen ist Hermes der Bote der Perse-
Mondgöttin; bei Epieharm (bei Varro del l. 5,68) phone in dem Epigramme b. Kaibel, Lnscr. gr.
führte sie den Beinamen Selene. Nach Aristocles Sic. et Lt. 769. /Torpa (frsQßeqiovriv = in der
(bei Poiph. v. Pyth.il, vgl. dem. AI. Strom. 5,51) 20 Unterwelt, Anth. gr. 2, 358 (Nicarch.); 3, 259.
nannte Pythagoras die Planeten „Hunde der C.L.G. SOS. Kaibel a. a. 0. 641. Recht häufig
Persephone". Die anderen Mondgöttinnen wur- werden Grab bezw. Unterwelt als ftciXctfiog,
den zu Schwestern der Persephone gemacht, so dä/ia, ctvXr] der Persephone bezeichnet, Pindar
Artemis von Aeschyl. bei Hdt. 2, 156 , Hekate Ol. 14, 20. Lsthm. 7, 55. Anthol. gr. 1, 145 (Si-
von Eurip. Lern 1048. Scliol. Theoer. 2, 12. monides) ; 1, 163 (Empedocles) ; 2, 313 (Lucian);
Schol. Ap. Lthod. 3, 467; vgl. Poscher, Selene 3, 291. 311. C. I. G. 800b. 1653. 2237. 2439;
S. 48; über den orphischen Synkretismus von vgl. die Wiesen, Haine, Gefilde der Persephone:
Artemis, Hekate und Persephone (Procl. in Anth. gr.2, 260 (Aristodicus). Kaibel a. a. 0. 642.
Cratyl. 112. Schol. Theoer. 2, 12); vgl. Lobeclc, Wenn nun auch Persephone als strenge,
Aglaoph. S. 543 ff. — Als Unterweltkönigin neben 30 finstere Schattenkönigin die Strafen in der
Hades thronend gewann Persephones Gestalt Unterwelt verhängt, so ist sie doch andrer-
wie die ihres Gatten mehr im Mythus als im seits wieder die leicht zur Milde geneigte,
Kulte Bedeutung. In der Llias und der Odyssee die sie besonders in den Erzählungen von
ist sie die furchtbare Herrscherin der Unter- Orpheus und Alkestis bewährte; siehe die
weit, die x 509 aXoia niQO^rpovsiag genannt Artikel Admetos, Alkestis, Eurydike und
wird; sie verleiht dem Teiresias das Bewufst- Orpheus.
sein, x 495, X 635. Dafs sie besonders über die Von Attributen, welche Persephone in
Seelen der Weiber herrseht, betont X 386. Als dieser Bedeutung charakterisieren, ist zunächst
Erfüllerin der Verwünschungen erscheint sie des Hahnes, des den chthonischen Göttern, und
mit ihrem Gemahle und ihren Dienerinnen, den 40 darum auch dem Asklepios, heiligen Vogels
Erinyen (Bd. 1 Sp. 454 ff. 569 ff.), welche nach zu gedenken. Er wird ihr und dem Hades
orphiselier Version sogar ihre und Hades' Töchter bezw. den unter dem Bilde dieses Götterpaares
sind (Orph. hymn. 29, 6; 68, 7; 69, 3. Serv. ad Verstorbenen von Adoranten dargebracht in
Verg. Aen. 1, 82); ihre Anrufung bei Verwün- lakonischen Reliefen Athen. Mitt.2 Taf. 20. 22;
sehungen bezeugt auch G. L. G. 538. — Das auf dem mehrfach erwähnten Relief von Lokroi
Gorgonenhaupt hütet sie, X 634. Epizephyrioi hält Persephone ihn als Attribut
Schon frühzeitig wird aber die Gestalt der in der r. Hand, ebenso in einer von dort stam-
Persephone, wie auch die des Hades (s. Bd. 1 inenden Darstellung des Koraraubes, Archäol.
Sp. 1785ff.), durch die Ankiudung an Demeter Zeit. 1870 S. 77, und in einigen anderen grofs-
gemildert. Auch in Darstellungen, in welchen 50 griechischen Reliefen, s. Baethyen, De vi ac
sie uns als Unterweltkönigin entgegentritt, signif. galti S. 19 ff. Den eleusinischen Mysten
wird durch das Attribut der Ähren schon in war der Genufs seines Fleisches verboten, Por-
archaischer Zeit die segensreiche Funktion der phyr. de abst. 4, 29. — Unter den Pflanzen
chthonischen Götter angedeutet, so auf dem ist der Asphodelos der Persephone heilig,
Terrakottarelief von Lokroi Epizephyrioi, das mit welchem die Rhodier ihr und der Artemis
sie neben Hades thronend zeigt (s. Bd. 1 (Hekate?) Bild bekränzten, Suidas s. v. «ogso-
Sp. 1797), und auf schwarzfigurigen Vasen- d'eXüg. Die Cypresse, der noch heute belieb-
bildern mit der Bestrafung des Sisyphos teste Gräberschmuck, wird als ihr Baum be-
(Gerhard, A. V. B. Taf. 40, s unten Sp. 1343) zeichnet von Serv. Verg. Aen. 3, 681; der
und dem Kerberosabenteuer des Herakles, Gar- 60 Zusatz des Interpolators „propter luctum mo-
giulo, Coli, of the Nat. Mus. 3 Taf. 30; auch rentium" trifft jedenfalls das Richtige, vgl.
ein rotfig. Vasenbild des Museo Faina, dem Bötticher, Baumkultus S. 486ff.
letztgenannten sehr ähnlich, ist hier zu er- Die mannigfachen Beinamen, mit welchen
wähnen. Üafs diese Milderung besonders die griechischen Dichter die Gestalt der Unter-
durch den Kult von Eleusis ausgebildet wurde, weltkönigin ausstatteten, sind gesammelt von
ist höchst wahrscheinlich; doch ist diese Vor- Bruchmann, Epitheta deorum S. 190ff.
Stellung, wie das Beispiel von Lokroi beweist, Besonders wurden die Beziehungen beider
auch unabhängig von diesem nachweisbar Göttinnen zur Unterwelt in den Mysterien-
1337 Kora u.Demeter (Eleusiniau.Eleusinien) Koran. Demeter (Eleusinia u. Eleusinien) 1338
kulten und -lehren hervorgehoben; s. darüber In Eleusis finden wir die mysteriöse Form
weiteres im Artikel Mysterien. dieses Kultes am stärksten ausgeprägt. Auch
in der Peloponnes hatte der Demeterkult diese
G. Demeter-Elensinia und Eleusinien. Form annehmen müssen, und hier wie dort ist
Noch K. 0. Müller, Eleusinien bei Ersch. der Ausgangspunkt hiervon darin zu suchen,
u. Gruber, Ällg. Encykl. 1, 33 S. 269 und dafs die Demeterreligion die des unterdrückten
Welcher, Gr. Götterl. 2 S. 511 glaubten an die Volksstammes war. Der später eintretende Ver-
alte Etymologie, nach welcher Eleusis seinen fall der siegreichen, eingeführten Religion hatte
Namen von der Ankunft der Demeter an diesem zur Folge, dafs man sich wieder in einem meta-
Orte erhalten haben sollte (Aristid. Panath. 10 physischen Bedürfnisse nach anderen Göttern
p. 257. Etym. M. 329, 35; Etym. Guä. p 181; sehnte, und so nahm man seine Zuflucht zu den
vgl. auch die lokalpatriotische Erklärung von den Vorfahren geknechteten. Die Heimlich-
Diocl. 5, 69 kjtö tov nao' EtEptor tX&stv xo keit, mit welcher sich die alte Religion in den
CTifpfia xojiie&i v). — Weit näher kommt dem Jahren der Unterdrückung notgedrungen hatte
Richtigen wohl eine zweite von K. 0. Müller umgeben müssen, all die Abschliefsungs- und
a. a. 0. aufgestellte Hypothese, dafs Eleusis Vorsichtsmafsregeln gab man aber auch jetzt
in Zusammenhang _ mit 'HXvaiov , ivr\Xvair], nicht auf, sondern behielt sie als religiöse Formel
ElXziftvia stehe. Über die Bedeutung dieses bei, einBeweis, wie allmählich nur dieseReligion
Appellativums an sich wage ich keine Ver- Fortschritte machte. Der Inhalt dieser Reli-
mutung. Der Name Eleusinia für die Göttin 20 gion, den sie natürlich auch erst nach und
ist aber schwerlich von der Stadt abzuleiten, nach gewann, spricht gleichfalls dafür, dafs
vielmehr scheint das Verhältnis von "EXzvgii; es eine Religion der Unterdrückten war (s.
zu 'EXtvaivia ein gleiches wie das von 'A%r[vca den Artikel Mysterien!. Charakteristisch
zu 'A&rjvrj [vgl. Studniczka, Kyrene S. 143 f.: hierfür ist, dafs man sich in Kreta der Offent-
„auch die Griechen gaben ihren Städten oft lichkeit der eleusinischen Lehre rühmte,
einfach den Namen ihrer Schutzgötter." Eleusis ist erst mit Athen vereint worden,
Röscher.] Man hat nun lange Zeit hindurch als der Mysteriendienst schon in verhältnis-
die an vielen Orten vorkommenden Kulte der mäfsig hoher Blüte stand. Das vornehmste
Demeter Eleusinia für Filialen des attischen Geschlecht, die Eumolpiden, versah das oberste
Eleusis gehalten. Wenn auch derartige Filia- 30 Priesteramt. Doch auch der Volksstamm, dem
len durch das späterhin immer mehr wachsende dieses angehörte, ist nicht als der ursprüng-
Ansehen dieses Kultes entstanden, wie in liehe Träger dieses Gottesdienstes anzusehen,
Alexandreia, Arsinoe, Neapolis, und sondern der vor ihnen in diesem Lande an-
auch Bräuche von Eleusis auf ältere Demeter- sässige, der von ihnen unterdrückt zu dieser
kulte infolge der politischen und geistigen Form hatte greifen müssen.
Hegemonie Athens aufgepfropft wurden, wie Das allgemeine Ansehen des eleusinischen
in Megara, Phlius, Pheneos, Lerna, so Dienstes, der aber durchaus nicht einseitiger
ist doch die peloponnesische Eleusinia uralt; Mysterienkult war, sondern u.a. auch gymnische,
sie ist die vor der dorischen Wanderung in hippische und musische Wettkämpfe — nach
der Peloponnes verehrte Demeter, deren Kulte 40 Aristid. Panath. 182. 329; Eleus. 450 sogar die
von den Dorern nach Udt. 2, 176 unterdrückt ältesten — enthielt (Find. Ol. 9, 150; 12, 157
wurden, deren eine Funktion die Thesmophoros Isthm. 1, 81. Marm. Par. 30. C. I. A. 1, 332;
darstellte. Toepffer {Alt. Geneal. S. 221) er- 2, 402. 444. 446. 465. 467. 469. 470. 471. 479.
kennt unbestreitbar richtig die Identität der 481. 482; 'Ecprjti. aQ%aioX. 1883 Tat". 11; Bull.
Demeter Achaia (z. B. Flut. Is. et Os. 69; de eorr. hell. 5 S. 231; (vgl. Mommsen, Heortol.
C. I. A. 3, 373), der alten grofsen Stammes- S. 231. 264ff.; Heisch, De mus. Gr. cert. S. 65;
göttin der Achäer, mit der an verschiedenen Nebe, De myst. Eleus. temp. Diss. Hai. 8 S. 79fr.;
Orten der Peloponnes, besonders Lakoniens, Crusius, Myth. Beitr. S. 16; Stengel, Sakralalt.
unter dem Namen EtXsi&via (Paus. 3, 14,6, S. 125) mit Gerste als Siegespreis (Aristid. Eleus.
'EXtv&ia Ath. MM. 1, 162, 'EXsv&co, Hesych. 50 450; Schol. Find. Ol. 9, 150), war zur Zeit der
s. v., 'EXsvaia, Lebas-Foucart 162, Demeter Schlacht von Salamis schon ein recht bedeu-
Eleusinia, Paus. 3, 20, 1; 8, 15, 1; 25, 2), ver- tendes; vgl. Hdt. 8, 65. Kurz vorher jedoch
ehrten Göttin, der in Lakonieu ein äycov hatte noch Kleomenes rücksichtslos die heiligen
&vfiiXi-n6g mit Namen 'EXsvoivia gefeiert wurde, Bezirke der Göttinnen verwüstet, Hdt. 6, 75;
Hesych. s. v. Einen hippischen Sieg in den Schol. Ar. Lys. 273. Erst mit dem Steigen der
'EXevvvta erwähnt die archaische Inschrift des athenischen Macht gewann auch der eleusinische
Damonon, Höhl, Inscr. gr. ant. 79; Ath. Milt. Kult an Glanz und Ansehen; über das Eleu-
2 S. 318; Wide, Lalcon. Kulte S. 174. 198. sinion in der Stadt s. oben Sp. 1292.
Wie bei diesen alten peloponnesischen Kulten Eleusinischen Kult in Attika kennen wir
jede Abhängigkeit von dem attischen Eleusis 60 ferner aus der Vorstadt Agrai, in welcher
ausgeschlossen ist, so mufs mau das gleiche späterhin die kleinen Mysterien als eine Art
für den Eleusiniakult von Pia taeae annehmen, Vorbereitung auf die grofsen gefeiert wurden,
ebenso für den von Kreta und Thera mit s. besonders Plut. Dem. 26; Schol. Ar. Flut.
ihren Monaten Eleusinios und den der olunti- 845. Wenn auch später die Figuren der Kora
sehen Eleusinia. Auch die Kulte von Ephe- und des Dionysos mehr hervortreten (Steph.
sos und Mykale reichen in zu hübe Zeit hinauf, Byz. s. v."Ayoa), so zeigen doch die Weihungs-
als dafs man etwa einen Einfluß des attischen legenden von Herakles, den Dioskuren und
Eleusis annehmen könnte. Asklepios — auch die Weihung des letztge-
1339 Kora u. Demeter (i. d. ältesten Kunst) Kora u. Demeter (i. d. ältesten Kunst) 1340
nannten gehört nach Agrai und nicht naehEleusis, des Gymn. von Plön 1871) S. 35ff. -weist über-
sowie der Epidaurientag, Phtlosir. Vit. Apoll. zeugend nach, dafs hier die Vorstellung von
4, 18. Paus. 2, 26, 8 sicherlich in die kleinen der Göttin selbst zu der Tradition von dem
Mysterien fiel — dafs ursprünglich diese an dem Bilde geführt hat, das thatsächlich niemals
Kulte in Agrai Anteil hatten; Ken. Hell. G, 3, 6; existierte. Es liegt diesem fingierten Bilde aber
Diod. 4, 14. 25; Aristid. Eleus. 417; Tzetz. auch keine reine Demetervors'tellung zu Grunde,
ad Lyc. 1327; Schal. Ar. Plut. 845. 1013. sondern eine solche von der Gorgo-Erinys.
San. 501; C. I. A. 3, 900; über Herakles vgl. die erst spät durch Demeter aus dem dortigen
besonders Dettmer, De Hercule Att. S. 65 ff. Mythos verdrängt wnrde; eine merkwürdige
Wahrscheinlich handelte es sich hier aber ur- io Übereinstimmung in den charakteristischsten
sprünglich um den idäischen Daktylen Herakles Teilen zeigt das späte unteritalische Vasen-
wie in Mykalessos und Megalopolis (Paus. 8, bild 2Ius. Horb. 13 Taf. 59. während die phi-
31, 1), dessen chthonisch-mystischer Charakter galische Gemme bei Overbeck, Gr. Kunstmyth.
am besten durch Diod. 5, 64 belegt wird; vgl. 3 S. 683, 3 (danach Milchhöfer, Anf. d. Kunst in
ktriibe , Bilderkr. v. JEleus. S. 51. Der Zu- Griech. S. 55 Fig. 44 a i höchst unpassender-
sammenhang der Dioskuren mit Demeter und weise von Gurlitt , Pausanias S. 177 hierher
Kora hat seine vorzüglichste Analogie im bezogen wurde. — Auch das Bild des Onatas,
Kulte von Samothrake, während ihre Ter- welches später das alte Xoanon ersetzt haben
bindnng mit Asklepios uns in Hermione, Epi- soll, fristet ein prekäres Dasein. Pausanias,
dauros und im athenischen Asklepieion be- 20 der von ihm gehört hatte, sah es nicht mehr,
gegnet war, so dafs sich auch der Kult von Agrai und auch in der Tradition wufste man nur
als durchaus gleichartig mit den anderen — wenig von ihm; nur einer der ältesten Leute
mittelbar oder unmittelbar — in höheres Alter hatte einmal gehört, dafs ungefähr 100 Jahre
hinaufreichenden Demeterkulten erweist. Über vor seiner Zeit die Decke eingefallen wäre
die Lehren und die Bräuche des Mysterien- und das Bild begraben haben mochte. Wie
kultes s. den Artikel Mysterien. es ausgesehen, ist aber absolut nicht zu mut-
_ _, , _ , „ mafsen; vgl. Petersen a. a. 0. und de Cerere
H. Demeter nnd Persephone m der Kunst. PMgal, wo er S. 1 die ältere Litteratur giebt;
I. Archaische Zeit. Overbeck, Plastik3 1 S. 114. Derselbe, Kimstm.
Es ist mit unserem Materiale nicht niög- 30 3,2 S. 409ff; 6S3f. Mannhardt,Mythdl. Forsch.
lieh, sich eine auch nur einigermafsen voll- S. 249. Kalkmann, Pausanias S. 19f. Gurlitt,
ständige Vorstellung von der historischen Ent- Pausanias S. 176f. — Wenn es von anderen
wickelung dieser Göttertypen bis zur Blütezeit auch nicht ausdrücklich hervorgehoben wird,
der attischen Kunst zu konstruieren. Denn dafs es Sitzbilder gewesen seien, wird es
abgesehen von seiner Spärlichkeit ist dieses gleichwohl, der ISTatur der Erdgöttinnen ent-
Material auch so heterogen, dafs die einzelnen sprechend, für die alten Bilder von Mutter
kleineren Denkmälergruppen durchaus in keinen und Tochter im Heiligtume der D. Chamyne
Zusammenhang zu bringen sind. Die Unter- zu Olympia (Paus. 6, 21, 1) und höehstwahr-
drückung des vordorischen Demeterdienstes an scheinlieh auch für die drei chthonischen Gott-
fast allen Orten der Pelopormes. abgesehen 40 heiten im Tempel der D. Mysia bei Argos an-
von dem in seinen Kulten wenig Prunk ent- genommen werden müssen, Paus. 2, 18, 3. —
faltenden Arkadien, sowie die durch den ho- Ein Standbild hingegen war wenigstens höchst
merischen Einüufs bewirkte Degradierung der wahrscheinlich das eherne Kultbild der De-
alten Stammesgottheit zur Schützerin des we- meter im Tempel von Enna, das Cicero Verr.
niger angesehenen Landbaues, hatten den Kult 4, 109 mit den Worten: „modica amplitudine
auf möglichst einfache Formen beschränkt, aus ac singulari opere, cum faeibus, peranbiquum
welchen ihm eigentlich erst der Aufschwung omnium illorum quae sunt in fano multo anti-
der Mysterienkulte wieder heraushalf. Darum quissimitm" beschreibt, vgl. Förster, Raub u.
überwiegen in der archaischen Kunst die Werke Bückk. d. P. S. 100. Overbeck, K.-2I. S. 413.
der Thouplastik so auffallend über die der 50 685. Die Fackeln beziehen sich natürlich nicht
grofsen Kunst. Von der letzteren ist schlecht- auf die 7i?.üvrn sondern auf ihre Verwendung
weg nichts erhalten, was einigermafsen mit im Kulte. — Auch über die sonst noch nach-
Sicherheit Anspruch auf die Benennung De- weisbaren Statuen der Kora Paus. 3, 20, 7;
meter oder Köre machenkönnte. Auch die litte- 4, 14, 2; 5, 26, 2) läfst sich nichts Xäheres sagen,
rarische Tradition gewährt nur schwache Ganz altertümliche Idole einer sitzenden
Ausbeute. Archaisehe Sitzbilder beider Göt- Göttin auf lydischen Münzen, die an die
tinnen befanden sich zu Phlius, Paus. 2, 13, 5; Stelle eines älteren anikonischen von der Art
solche von Goldelfenbein im Heraion zu Olyni- Gerhard, Akad. Abh. Taf. 59, 1 2 traten, erfordern
pia. Paus. 5, 17, 3. Das merkwürdigste Demeter- durch die demetreisehen Attribute, Mohn und
bild, von dem wir Kunde haben, soll das alte, 60 Ähre oder auch Ähre allein die Benennung
schon in sehr früher Zeit untergegangene der als Demeter oder Persephone, vgl. Pinder,
Demeter Melaina zu Phigalia gewesen sein. Abhandl. der Berl. Akad. 1855 Taf. 8, 4. Over-
Pausanias (8, 42, 4), der örtliche Tradition beck, Kunstmyth. 3, Münztaf. 8, 1 — 4; sehr
wiedergiebt, schildert die Göttin danach als ähnlich sind diesen auch die Gemmenbilder
auf einem Felsenrande sitzend, mit Pferdekopf bei Gerhard, A. B. TT. Taf. 308. 19. AJ:ad. Abh.
und Mähne, und stattet sie mit einer ganzen Taf. 59, 9. 10. — Xach Eckhel , Doctr. Num.
Reihe von Tierattributen aus. Petersen, Krit. vet.S S. 113. 117 ist der Kultverhältnisse wegen
Bemerk, zur alt. Gesch. d. griech. Kunst (Progr. der Bezeichnung Kora der Vorzug zu geben;
1341 Kora u. Demeter (i. d. ältesten Kunst) Kora u. Demeter (i. d. ältesten Kunst) 1342
bestätigt wird dies durch eine Münze von
Aureliopolis in Lydien {Revue numism. 1884
Taf. 1, 1), wo die neben dieser Figur stehende
Frau evident Demeter ist. Die ganze Charak-
terisierung dieser Idole liegt in den Wahr-
zeichen. Unter den Abweichungen, welche die
verschiedenen Vertreter dieser Monumenten-
klasse auszeichnen, sind die bemerkenswertesten
die auf den Kopfschmuck bezüglichen; so haben
den Schleier über den Kopf gezogen Overbeck 10
a. a. 0. nr. 3 und 4 und ebenso das Münzbild
von Aureliopolis; ungewifs ist es bei Overbeck
a. a. 0. nr. 2. Einen eigenartigen kalathos-
ähnlichen Kopfschmuck haben nr. 3 und 4,
während nr. 2 eine Mondsichel und das Münz-
bild von Aureliopolis ein Diadem trägt. Ein
stehendes Idol mit cerealischen Attributen findet
sich auf einer Münze des Demetrios III. von
Syrien {Overbeck a. a. 0. nr. 5, besser bei Percy
Gardner , Catal. of Greek coins. Tlie Seltucid 20
kings Taf. 26, lOj. In dieser gleichfalls mit
dem Schleier versehenen Figur, neben der r.
und 1. Ähren sichtbar sind, handelt es sich wohl
sicher um Demeter. Ein ähnliches Idol auf einer
Münze des Königs Antiochos XII. bei Imhoof-
Blumer , Momi, gr. Taf. H 15 wird von dem
Herausgeber S. 437, 121 mit Unrecht für männ-
lich und bärtig gehalten; in der Abbildung
erscheint es weiblich und als Isis bekleidet.
In der Terracottaplastik unterschied 30
Demeter sich auch nicht sonderlich von den
anderen Göttinnen. Dem Fundorte nach wird
man für gewisse aus Eleusis und Sicilieu stam-
mende Figuren am ersten zur Bezeichnung
Demeter geneigt sein Die stehende eleusi-
nische Figur {Jahrbuch des archäol. Inst. 3
S. 343 Fig. 2G) ist eines der primitivsten Bei-
spiele von dem Streben nach anthropomorpher
Gestaltung; der Kalatbos, das Erntesymbol
als Kopfbedeckung, unterstützt hierbei wesent- 40
lieh die Benennung Demeter; nahe verwandt
ist die in Tanagra gefundene Figur, Heuzey,
Terr. cuites du Louvre Taf. 17, 1. Einer schon
etwas vorgeschrittneren Kunstübung gehört
die gleichfalls durch den Kalathos als Demeter
wahrscheinliche Figur von Thisbe an, Jahrbuch
a. a. 0. Fig. 27. Heuzey a. a. 0. Taf. 17, 3.
Demeter, sitzend, mit Persephone und He-
kate (beide stehend) zu ihren Seiten erkenne
ich in einer athenischen Terracotta bei Stackel- 50
berg, Gräber der Hellenen S. 43 = Gerhard,
Akad. Abh. Taf. 22, 1. Demeter thront und
trägt um das Haupt eine reich verzierte
Stephane, hinter welcher ein Schleier auf ihre
Schultern herabfällt, Details, welche sich bei
der zu ihrer Rechten stehenden Köre wieder-
holen, während Hekates Tracht einfacher ist.
Der Demeterfigur dieser Gruppe recht ähnlich
ist Panofka, Terrae, d. Berl. Mus. Taf. 2,
gleichfalls aus Athen stammend, doch wird 60
die Benennung hier weder durch die Gestal-
tung an sich, noch durch irgend welche Attri-
bute gestützt.
Die entsprechenden Figuren aus Sicilien,
Sitzbilder {Gerhard, A. B. W. Taf. 95 und in
gröfserer Anzahl bei Kekule, Die Terracotten
von Sicilien S. 17f.), sind in ihren Beziehungen
zum Demeterdienste der Insel problematisch,
wiewohl die Benennung nicht unwahrschein-
lich ist. Das einzige Charakteristikum, welches
sie zu bieten scheinen, der Kalathos, ist aber
in Sicilien als Kopfschmuck auch für Aphro-
dite nachweisbar, vgl. Kekide a. a. 0. Taf. 2, 3.
— Auf weit sichererem Boden stehen wir da-
gegen, wenn wir die stehenden archaischen
Terracottafigürchen von Kamarina für Demeter
in Anspruch nehmen. Beispiele hierfür bei
Caylus, Kecueil 6 Taf. 37. Kekide a. a. 0.
S. 25ff. ; Taf. 4, 1 — 5. Das allen diesen Figuren
1) Terracotta von Kamarina (nach Kekule, Die Terrae.
c. Sic. Taf. 4, 1).
gemeinsame Attribut ist das Opferferkel, das
sie teils ans einer Hand herunterhängen lassen,
teils mit beiden Händen vor dem Leibe halten;
ein weiteres Attribut, Mohn oder Granate, hält
nur Taf. 4 nr. 3. Bekleidet sind sie in_ der
Mehrzahl mit dem Chiton, dessen langer Über-
wurf bis über die Kniee hinabreicht; um den
Rücken ist bei einigen noch das Himation
geschlagen, dessen Enden über die Schultern
und Arme fallen. Den Kopfschmuck bildet
ein niedriger Kalathos, unter dem das lang
herabfallende Haar bis auf die Schultern hinab-
reicht. Keine dieser Figuren trägt den für
1343 Kora u. Demeter (i. d. ältesten Kunst) Kora u. Demeter (i. d. ältesten Kunst) 1344
den sitzenden Typus charakteristischen Schleier.
Der Kopftypus ist -völlig bedeutungslos. — Eine
Sonderstellung in dieser Gruppe nimmt (Abb. 1 )
durch die Gewandung die Figur
nr. 1 bei Kekule .a. a. 0. Tat'. 4
ein; hier ist der Überschlag des
Chitons so kurz, dals unter ihm
die Gürtung noch zum Vor-
scheine kornrut. Hierdurch ent-
steht eine Ähnlichkeit in der
Gewandung mit einem beson-
2) Münze von Me- , . , f. , . . ,
tapont (Mch o»«-- dei's wichtigen statuarischen
beck.K.n. 3 Münzt. Typus der Demeter, der, wie
7, 7). S. Sp. 1344,5. wir unten sehen werden, seine
Verbreitung, wenigstens höchst
wahrscheinlich, einem in Eleusis befindlichen
Vorbilde verdankte. — Nichts hat mit diesem
Typus die archaische kleine Figur aus Calta-
3) Tersephone in der Unterwelt (nach Gerhard, Auserl.
Vasenbilder Taf. 87). S. Sp. 1345, 15.
girone bei KehuU Taf. 3, 1 zu schaffen, welche
in der R. einen Mohnkopf (eher als Granat-
apfel) hält und deshalb Demeter oder Perse-
phone benannt werden mufs.
Während wir — vielleicht abgesehen von
der einen Kamariner Terrakotte — das Ver-
hältnis dieser Denkmälergruppe zur grofsen
Plastik in keiner Weise bestimmen können,
gewähren uns unter den Münztypen einige
wenigstens für den Kopf einen gewissen An-
halt. Hier ist ohne Zweifel auf statuarische
Vorlage zurückgegriffen worden. Wir können
uns hier ganz auf die von Ovcrbeck auf seiner
Münztafel 7 getroffene Auswahl beschränken.
Den archaischsten Eindruck macht nr. 7, ein Di-
drachmon von Metapont (Abb. 2). Der Revers
enthält die auf Metapontiner Münzen so'häufige
Ähre, während die neben dem Kopfe sichtbare
Fackel mit Querhölzern für diesen die Be-
10 Zeichnung Demeter sichert. Das metapontische
Kultbild der Göttin wird, wie die meisten
litterarisch überlieferten Demeterbilder, ein
Sitzbild gewesen sein; wenigstens spricht der
Schleier auf der Münze dafür, da dieser für
den sitzenden Typus besonders charakteristisch
ist. Die Ähren im Haare, auf den übrigen
Münzbildern fast ausnahmslos vorhanden, fehlen
hier. Die Haartracht — eine Lockenumrahmung
der Stirn — unterscheidet diesen Kopf beson-
ders von allen anderen, bei denen das Haar
nach hinten zurückgestrichen ist. Die nächst-
älteste Münze ist wohl die von Paros (a. a. 0.
nr. 1); sie zeigt schon die Haartracht, wie
sie von nun an für deu Schleiertypus charak-
teristisch wird, und schliefst aufserdem noch
durch den Ährenkranz jeden Zweifel an der
Benennung aus. Besondere typische Merk-
male sind in der Gesichtsbildung nicht enthalten ;
es sind Köpfe, welche bei anderen Attributen,
wie die meisten weiblichen Köpfe der archaischen
Zeit, auch jede andere Benennung zulassen wür-
den. Bei dieser Gelegenheit möchte ich die chro-
nologische Reihenfolge der Overbeckschen Typen
1—12 fixieren, wobei nur auf das Alter des
Typus, nicht auf die zufällige Prägungszeit
der Münze Rücksicht genommen wird. Sie
ist: 7, 1, 6, 3, 2, 11, 9, 10, 12, 5. Nr. 4 und
nr. 8 sind so schlechte Stempel, dafs sie eine
derartige Bestimmung nicht zulassen und
auch für die Geschichte des Typus unwesent-
lich sind.
Die seh warzfigurige Vasenmalerei
ist zu keiner anderen Charakterisierung der
Göttinnen als zu der ganz äufserliehen durch
Beischriften oder redende Attribute gelangt. Die
Demeter der Francoisvase (beste Publikation
Wien.Vorl.-Bl. 1888 Taf. 3), durch Beischrift
kenntlich, schreitet neben Hestia und Chariklo,
nur durchdas ganz bedeutungsloseGewandmuster
von ihnen unterschieden. Ihr entspricht genau
die inschriftlich bezeichnete Demeter in dem
Vasenbilde des Sophilos, Athen. Mitt. 14
Taf. 1. Bei der Aussendung des Triptole-
mos erscheint mir die Anwesenheit der
beiden Göttinnen gesichert nur auf dem sf.
Vasenbilde, Mus. Gregor. 2, 40, 2 = Ocer-
beck, Kunst- Myth. Atlas Taf. 15, 6, und auf
der unpublicierten Vase in München nr. 543.
Im ersteren Bilde sind beide Göttinnen äufser-
60 lieh einander vollkommen gleich; sie tragen
das Scepter, sind schleierlos, und nur durch
eine Blume ist die Figur 1. vor der anderen
ausgezeichnet. — Demeter, nur durch die Bei-
schrift kenntlich, ist auf einer Hydria der ehe-
mals Feolischen Sammlung in Würzburg (Ger-
hard. A. V. B. 1 Taf. 40 = El. ceram. 3, 41)
im Begriffe auf einen Wagen zu steigen, neben
welchem Apollon und eine mit dem Diadem
1345 Kora u. Demeter (i. d. ältesten Kunst) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 1346
geschmückte weibliche Figur stehen; dem schieden jugendlich; die Anthologie wird
Wagen vorauf schreiten Hermes und eine in der hier durch den Blumenkranz im Haare ange-
Tracht der Demeter gleiche weibliche Figur. deutet.
Vermutungen über die Bedeutung des Bildes Aufserhalb Lokroi kommt der Raub selbst
s. bei Preller, Griech. Myth.1 S. 597. Strube, in dieser Periode nur auf einer streng rot-
Bilderkreis von Ehuds S. 63. figurigen Amphora aus Nola vor (Museo Na-
Von Demeter getrennt ist Persephone als zionale nr. 3091; abgeb. bei Förster, Baub
Unter weltgöttin öfter dargestellt worden. und Rückkehr der Perseph. Taf. 2. Overbeck
Doch hat die archaische Kunst hierbei auch das a.a.O. Taf. 18, 11). Hier ist das typische
Verhältnis zur Mutter insofern betont, als sie ihr 10 Schema der Liebesverfolgung wie z. B. bei
das Ahrenattribut in die Hände gab. So sitzt Poseidon und Amymone beibehalten, und nur
sie, allein durch dieses Symbol kenntlich, ohne durch Scepter und Füllhorn als Plutons At-
jeden königlichen Schmuck Hades gegenüber tribute ist die individuelle Benennung der
bei der Bestrafung des Sisyphos in einem Figuren ermöglicht. — Schliefslich fällt in
schwarzfigurigen Bilde, Gerhard, Auserl.Vaseitb. den Kreis des Koraraubes eine archaische
Taf. 87 = Wiener Vorl.-Bl. Ser. E Taf. 6, 6. Silbermünze von Enna, welche die fackel-
— In den sf. Darstellungen von Herakles' Hades- haltende Demeter auf einem Viergespann zeigt,
fahrt ist sie öfter anwesend, vgl. J. Schneider, s. R. S: Poole, Catalogue of the greek coins.
Der Zwölfkampf des Herakles S. 47. Thronend Sicily S. 58.
mit Diadem sitzt sie in dem Unterweltspalaste, so
Mus. Greg. 2, 52, 2% während sie mit dem IL Die Denkmäler der Blüte- und der
Diadem geschmückt herbeieilt auf dem Ge- Verfallzeit der griechischen Kunst,
mälde am Halse einer sf. Hydria bei Gerhard, Für die wenigen Darstellungen der Demeter
Asuerl. Vasenb. Taf. 40. Im Unterweltpalaste und Kora vou der Hand bekannter griechischer
stehend, ohne Schmuck, aber durch die Ähren Küustler fehlen uns meist die monumentalen
kenntlich finden wir sie auf der sf. Amphora Anknüpfungspunkte, so dafs wir uns von ihrer
bei Gargiulo, Collection of the Kat. 3Ius. 3 Gestaltung keine Vorstellung machen können.
Taf. 30 (fehlt bei Heydemann und im Museum Dies ist der Fall für die Werke des älteren
von mir nicht gefunden) und in einem ahn- und des jüngeren Praxiteles. Für die Gruppe
liehen Vasenbilde der Sammlung Faina zu 30 des ersteren, Demeter, Kora und Iakchos
Orvieto. s. Paus. 1, 2, 4. Clem. AI. Protr. (J2; vgl. dazu
Chthonische Beziehungen hatte eine Reihe Gott. gel. Anz. 1871 S. 610 (Benndorf). ArchäoL-
lakonischer Reliefe, die Milchhöfer, Athen. epigr. Mitt. a. Österr. 4 S. lff. (Klein). Sitzungs-
Mitteil. 2 Taf. 20 ff. (vgl. Overbeck, Plastik* 1 her. d. Manch. Ah. 1880 S. 435 ff. (Brunn).
S. 128ff.) veröffentlicht hat, wobei es voll- Overbeck, K.-M. 3 S. 425f. Plastik3 1 S. 379.
kommen unwesentlich ist, ob das Götterpaar Kroker , Gleichnam. griech. K. S. 45 f. Die
selbst gemeint ist, oder ob die Toten unter Gruppe des jüngeren Praxiteles hat nach
ihrem Bilde heroisiert sind. Persephone thront Plin. n. h. 36, 23 zu seiner Zeit in den Servi-
neben Klymenos - Hades; mit der einen Hand lianischen Gärten zu Rom gestanden und soll
hält sie ihren Sehleier, in der anderen einen 40 von Flora, Triptolemus und Ceres gebildet
Granatapfel. Eine ähnliche Darstellung bietet worden sein, wo Flora jedenfalls durch Kora
ein weit reiferes, aber immer noch archaisches zu ersetzen ist, mag nun schon Plinius sich
Relief von Lokroi Epizephyrioi (abgebildet geirrt haben oder mag eine verderbte Über-
Bd. 1 Sp. 1797), wo für Persephone sich ja lieferung anzunehmen sein, vgl. Overbeck,
auch die Form 77/;piqpoV[a] wie in Sparta ge- K.-M. 3 S. 565. * — Im Demetertempel von
funden hat, vgl. ob. Sp. 1287. Die Göttin thront Bura war nach Paus. 7, 25, 9 eine Marrnor-
zur Rechten des Gottes, dem Beschauer näher statue der Göttin von dem Bildhauer Eukleides
als dieser, während sie in den lakonischen von Athen; der Zusatz kuizt] är\ixy\xQllaziv ia&r'is
Reliefen stets von diesem verdeckt wurde. Sie bezieht sich aber nicht auf die selbstverständ-
trägt den Chiton, den als Schleier über den 50 liehe Gewandung, wie Overbeck a. a. 0. S. 432
Kopf gezogenen Peplos und im Haare ein meint, sondern wohl auf einen Prunkpeplos, mit
Diadem. Während in den lakonischen Reliefen dem die Statue bei festlichen Gelegenheiten ge-
die Adoranten einen Hahn darbrachten, hält schmückt wurde. — Mehr wird man in kurzem
ihn Persephone hier in der R. und in der L. von den Werken des messenischen Künstlers
die Ähren. Ist hierdurch schon die Auffassung Damophon sagen können, der ungefähr für
der Persephone von Lokroi als Demetertochter Epameinondas dasselbe war, was Pheidias für
gewährleistet, so kommt dies auch durch da- Perikles gewesen. Bruchstücke seiner Tempel-
selbst gefundene Darstellungen vom Koraraube bilder für die Heiligtümer der Demeter und
zum Ausdrucke. In einem lokrischen Reliefe Despoina von Megalopolis (Paus. 8, 31, 2) und
hält der unbärtige Hades die durch den Hahn 60 Lykosura (Paus. 8, 37, 3) sind aufgefunden,
charakterisierte Kora umfafst und ist im Be- vgl. Jtlxiov äp^caoA. 1889 S. 161ff. 170. 202;
griffe sie auf den Wagen za heben (Archäol. 1890 S. 15. 113, aber leider noch nicht bekannt
Ztg. 1870 S. 77. Overbeck, Atlas zur K.-M. gemacht*), so dafs wir sie noch unberück-
Taf. 18, 17). Während in diesem Reliefe der sichtigt lassen müssen.
Kopf der Göttin zerstört ist, bietet ihn uns „Die Aufgabe, einen stehenden Typus, ein
ein zweites desselben Fundortes (Bull. Nap. 5 Ideal festzustellen war eine andere bei der
Taf. 5, 4. Overbeck a. a. 0. Taf. 18, 16); Kora Hera, Athena, Artemis als bei der ländlichen
erscheint hier in Formen und Tracht ent- *) Auch PhotograpMeen sind nicht erreichbar.
Röscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II. 43
1347 Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 134S
Göttin, die sich der wirklichen Haltung und bei Brunn- Bruckmann nr. 7; die Litteratur
Tracht attischer Bürgerinnen noch ansckliefsen bei Kekule, Theseion nr. 67; vgl. Overbeck,
durfte, wie sie auch noch in den Werken der K.-3I. 3 S. 426 f.: Friederichs- Wolters nr. 1182),
jüngeren attischen Schule thut." In diesen welches, obwohl von verschiedenen Seiten
Worten hat Welcher, Alte Denhn. 5 S. 118 die Erklärung der Mittelfigur als Iakchos vor-
aufs treffendste die Kunstmythologie der De- geschlagen wurde (so von Pcrvanoglu, Bull. d.
meter zusammengefaßt , und mit demselben Inst. 1869 S. 200 , Brunn, Bull. d. Inst. 1860
Rechte läfst sich dieser Satz auch auf Kora S. 69, Welcher, Ann. d. Inst. 1860 S. 454 ff. ;
anwenden, wenn man von den Unterweltdar- Alte Dcnhn. V S. 104 ff. ; Baumeister , Denkm.
Stellungen absieht. Beiden Göttinnen fehlt 10 d. kl. Alt. 1 S. 412), doch für eine sichere
der männliche Zug, durch den sich Hera, Darstellung der Aussendung des Triptolemos
Athena und Artemis von ihrem Geschlechte gelten darf. Ein Zweifel darüber, wie sich
emancipieren und welcher ihrer Erscheinung die Namen hier auf die beiden weiblichen Fi-
einen meist unverkennbaren Stempel aufprägt. guren verteilen, dürfte jetzt kaum mehr ob-
Andererseits boten die Ackergottheiten auch walten. Die Figur links, welche in der Rechten
kein so ausgesprochenes, dankbares Problem einen Gegenstand hielt, den sie dem Knaben
für den Künstler wie Aphrodite, und wenn übergiebt, kann nur Demeter sein, während
auch die Ausbreitung des Demeterdienstes die die Figur rechts, welche mit der Rechten dem
künstlerischen Kräfte vielfach "in Anspruch Knaben einen Kranz aufsetzt — wenigstens ist
nahm, so hat doch das Hinarbeiten nach dem 20 diese Auffassung ihrer Handlung die plau-
Ausdrucke einer religiösen erhabenen Idee hier sibelste — Kora zu nennen ist. Demeter
nicht zu dem Resultate eines kanonischen trägt einen langen ärmellosen Chiton, der
Ideales oder weniger in den zahlreichen Ab- in starken, steilen Falten herunterfällt;
Wandlungen und Abstufungen immer erkenn- ein kleines Mäntelchen, dessen Enden auf
barer Typen geführt. Die Zahl der heut nach- den Schultern aufliegen, und Sandalen ver-
weisbaren sicheren Demeter- und Koradenkmäler vollständigen die Kleidung. Das Haupt ist
in der grofsen Kunst ist recht gering, und höchst etwas nach der Mittelfigur hin gesenkt. Das
charakteristisch ist, dafs die bei anderen Gott- Haar reicht in langen regelmäfsig gewellten
heiten so wichtigen Büsten und Köpfe hier Strähnen bis zur Mitte des Halses herab. Die
ganz zurücktreten. Es is sehr wohl möglich, 30 erhobene linke Hand hält ein Scepter, das mit
dafs unter den unbestimmbaren weiblichen einer stilisierten Blüte geklönt ist, während
Köpfen unserer Museen sich eine ganze Anzahl die Rechte das Ährenbüschel gehalten hat,
solcher befinden, die einst auf Demeterstatuen welches Triptolemos in Empfang nehmen soll,
gesessen haben, aber getrennt von den Statuen, Rechts steht Kora, welche durchaus nicht als
der Attribute bar, fehlt ihnen alles Individuelle, mädchenhaft gegenüber der matronalen De-
was uns zu dieser Benennung berechtigen meter charakterisiert ist. Augenfällige Unter-
könnte. Versuchen wir es, das wenige Sichere, schiede, wie die weichere Fülle des Gesichtes
was wir haben, zu vereinigen. im Gegensatze zu den schrofferen, trockneren
Fast allgemein ist anerkannt, dafs wir im Formen der Demeter, und der gefällige Flufs
Parthenonostgiebel in den Figuren E und 40 des Gewaudes im Gegensatze zu den Steilfalten
F bei Michaelis (abgeb. u. a. bei Michaelis, der anderen, sind nur stilistischer und nicht
Parthenon Taf. 6 E. F.; Overbeck, Atlas zur typologischer Xatur; mit Recht hat Otto Jahn,
K.-M. Taf. 14, 18; Murray, Hist. of anc. Popul. Aufs. a. d. Alt. S. 230 f. auf stilver-
sculpt. 2 Taf. 4; am besten bei Eayet, Monum. schiedene statuarische Vorbilder geschlossen.
d. l'art ant. 1 nr. 32 und bei Brunn-Bricckmann Höchstens können in dem zarten freien Halse
nr. 188) das eleusinische Göttinnenpaar zu er- und in dem weniger festen Schlüsse des Chi-
kennen haben, vgl. 3Iichaelis, Parthenon S. 168; tons am oberen Rande Hindeutungen auf die
Petersen, Kunst des Pliid. S. 122 ff. ; Overbeck, gröfsere Jugendlichkeit dieser Figur erblickt
Kunstmylh. 3 S. 422, Plastik3 1 S. 305; Mur- werden. Sie trägt einen langen feinfaltigen
ray a. a. O. S. 72; Kay et a. a. 0. Die Göttinnen, 50 Chiton; um den Unterleib und die Beine legt
ganz gleich gekleidet, sitzen auf viereckigen, sich das Obergewand, von welchem ein lang
lehnelosen Stühlen; die eine, von allen aulser herabhängender Zipfel über die linke Schulter
Ray et Kora genannt, legt die 1. Hand auf die fällt; besonders beachtenswert ist aber_ der
r. Schulter der anderen. In diesem Motive, dreieckige Hima.tionzipfel, welcher als Über-
sowie in dem Umstände, dafs man die Mutter schlag von der Gürtung hinunterhängt. Der
der Mitte näher setzte, um ihr die volleren, Kopf ist noch etwas mehr geneigt als der De-
mächtigeren Formen verleihen zu können, liegen rueters; das reiche Haar ist im Schöpfe auf-
die jetzt noch allein wahrnehmbaren Merkmale gebunden. In dem 1. Arme lehnt eine grofse
einer Unterscheidung; früher mögen noch solche Fackel; die rechte Hand hält sie über Tripto-
durch Attribute hinzugekommen sein. Im gan- co lemos' Haupt, dem sie, nach einem Einsatz-
zen spricht sich aber aus dieser Gruppe die Auf- loche zu urteilen, eben einen (bronzenen) Kranz
fassung beider Göttinnen als eines Paares aus, aufgesetzt hat. Wie die Füfse Demeters so
dessen Elemente völlig gleichberechtigt sind. sind auch ihre mit Sandalen bekleidet.
Ungefähr derselben Zeit wie diese Gruppe Dafs es sich hier nicht um frei für dieses
entstammt (Abb. 4) das berühmte Relief von Relief erfundene Typen, sondern um Ver-
Eleusis (abg. u. a. Mon. d. Inst. 6. 7 Taf. 45; wendung schon vorhandener handelt, ergiebt
Ber. d. sächs. Ges. d. Wiss. 1861 Taf. 5; Over- sich aus ihrem Vorkommen in mehreren an-
beck, Atlas zur K.-M. Taf. 14, 8; am besten deren Reliefen, Vasenbildern und Statuen.
1349 Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 1350
Am wenigsten verkennbar treten beide
Figuren in einem athenischen Reliefe, Schöne,
Gr. Reliefs Taf. 11 nr. 57, auf, das von Bruno
Sauer (nach mündlicher Mitteilung) als Tripto-
lemosausseudung richtig erkannt worden ist.
Demeter (Rest der Beischrift erhalten), im Chi-
ton mit Ober-
schlag, steht
neben dem
Wagen, von
dem Reste eines
Rades und eines
Flügels erhal-
ten sind. Wäh-
rend sie die
Rechte nach
Triptolemos
ausstreckt, ist
die Linke wie
scepterhaltend
erhoben , und
auch die Stel-
lung desFingers
läfst keinen
Zweifel, dafs
dies Motiv zürn
Grunde liege,
wenn auch
räumliche
Schwierigkei-
ten dem ent-
gegen zu stehen
scheinen. Kora
ist genau so ge-
kleidet, wie im
eleusinischen
Relief, nur ist
das Himation
noch einmal um
den linken Arm
geschlagen;
der dreieckige
Überschlag fin-
det sich hier
wie dort. Auch
in der Kopfhal-
tung stimmen
beide Figuren
zu denen des
anderenReliefs.
Am meisten
weicht die
Haartracht ab,
die bei beiden
Figuren des
athenischenRe-
liefs gleich und
bedeutungslos
ist. Auch hier
zeigt Kora
durchauskeinen
mädchenhaften
Charakter; sie erscheint nur durch die weni-
ger gebieterische Stellung, das weitere Senken
des Hauptes als die zweite des Paares. —
Unsicherer ist die Bedeutung eines Münchener
Reliefes, Brunn, Glyptothek nr. 85; abgebildet
bei Lützow, Münchener Antiken Taf. 34, Lebas-
Reinach, Mon. Fig. Taf. 19; daselbst S. 58 die
Litteratur. Wenn auch eine Ergänzung als
Triptolemosaussendung auf berechtigten Wider-
spruch stofsen würde , so wird man doch
bei zwei offenbar zu einander gehörigen
Göttinnen, deren intime Beziehung durch
4) Dometer, Triptolemos, Kora, Relief von Eleusis. Nach Photographie.
das Auflegen der Hand der einen auf die
Schulter der anderen sich kundgiebt, zu-
nächst an die beiden Eleusinierinnen denken.
Hierzu kommt, dafs beide, soweit die Publi-
kationen erkennen lassen, in der Kleidung mit
den Figuren der vorher genannten Reliefe
43*
1351 Kora u. Demeter (i. J. Kunst cl. Blütez.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 1352
übereinstiuimen ; Demeter trägt hier wieder
das Umschlagtuch wie in Eleusis. Unentschie-
den mufs bleiben, ob die Göttinnen Fackeln
oder Scepter halten; jede hält diesen Gegen-
stand im linken Arme, in derselben Weise wie
Kora im eleusinischen Relief. Der liebevoll
gesenkte Blick Demeters scheint auf Adoranten
zu deuten, welche sich den Göttinnen nahen.
Die Bezeichnung als Friesrelief (Milchhoefer,
Ath. Mitt. 12 S. 316) ist abzulehnen. Auch
in zwei Asklepiosreliefen (Ath. Mitt. 4 Taf. 14.
15; s. auch Brunn-Bruckmann nr. 62, 1) sind
die hinter Asklepios stehenden weiblichen Fi-
guren unverkennbare Umbildungen dieses Ty-
]jus, und man braucht nicht das mindeste Be-
denken zu tragen, ihnen auch wirklich die
Namen Demeter und Kora beizulegen. In
Athen wurden sie mit ihm zusammen verehrt,
vgl.i'Sp. 1292, ebenso wie iu Epidauros, dem
Mutterkulte des athenischen Asklepiosdienstes,
vgl. Sp. 1296.
Auffallend treu, abgesehen von der Haartracht
ist Demeters Gestalt in einem Votivreliefe
des Louvre wiederholt (Fröhner, Not. de
seulpt. nr. 63, abgeb. u. a. Panofka, Gab. Pour-
tales Taf. 18; Overbeck, Atlas z. K.-M. Taf. 14, 2;
Baumeister a. a. 0. S. 416), während Kora be-
sonders in der Gewandung stark verändert ist.
Bemerkenswert sind hier zwei neue Attribute,
der Kalathos auf dem Haupte, unter welchem
das Haar in langen bis auf die Schultern
herabreichenden Locken hervorquillt, und die
Schale in_der rechten Hand, welche hier die
Stelle der Ähren des eleusinischen Reliefs ein-
nimmt. In der erhobenen Linken ist das
Scepter zu ergänzen. — Die Koragestalt des
eleusinischen Reliefs wiederholt das athenische
Heydemann, Marmorbilder in Athen nr. 96, ab-
gebildet bei Lebas-Beinach, Mon. Fig. Taf. 45, 1 ;
Overbeclc a. a. 0. Taf. 14, 6. Die Gewandung
stimmt genau; die Arme sind gebeugt und in
jeder Hand hält sie eine Fackel. — Sehr ähn-
lich ist ferner das Würzburger Relieffragment,
Jahrb. d. Altertums fr. im Bheinl. 87 Taf. 2 a.
Auch einige Vasenbilder, welche die Aus-
sendung des Triptolemos darstellen, zeigen
unverkennbare Anlehnung an die Typen des
Reliefs. Besonders ist hier Overbeck a. a. 0.
Taf. 15, 23 zu nennen. Demeter trägt nur den
Chiton; wenigstens ist von dem kleinen Tuche,
welches sie iu den meistenWiederholungen dieses
Typus trägt, nichts sichtbar; mit der Rechten
schenkt sie dem Triptolemos aus einer Oinochoe
ein, während die Linke die ähren hält. Kora ent-
spricht in Kleidung und Attributen genau dem
letzterwähnten Relief. In einem anderen Bilde
(Overbeclc a. a. 0. nr. 24) sind die Rollen ver-
tauscht. Demeter ist gekleidet, wie wir es
von Kora erwarten würden; nur im Haare
trägt sie ein hohes Diadem; da sie die Ähren
übergiebt, kann an der Benennung kein Zweifel
sein. Hinter ihr steht Persephone im Chiton
mit einem Umhange, der, etwas gröfser als in
dem Relief, auf beiden Seiten sichtbar ist,
sowie bei der Demeter des Münchener Reliefs;
am nächsten steht dieser die gleichfalls Kora
zu benennende Figur des Triptolemosbildes
Boulez, Choix de vases Taf. 4. Der eigentliche
Koratypus liegt etwas verwandelt, aber un-
verkennbar, auch in der Kora des Vasenbildes
Overbeck a. a. 0. nr. 10 vor und noch klarer
iu der neben Pluton stehenden Figur des Vasen-
bildes Overbeck a. a. 0. nr. 31, wenn man auch
diese, trotz der beiden Fackeln, nicht wird
Kora nennen dürfen, da dieser Name schon
von der Scepterträgerin zur Linken des Wagens
in Anspruch genommen wird. — Der Typus
10 war gerade in der Zusammenstellung der beiden
5) Statue dö9 capitolinisclieu Museums (nach Baumeister,
. Denkmäler 1 S. 414). S. Sp. 1345.
Figuren so beliebt, dafs er auch auf Gegen-
stände anderen Inhaltes überging, allerdings
60 mit gröfseren oder geringeren Veränderungen;
so vergleiche man das Relief der Villa Doria-
Pamfili bei Winckelmann , Mon. Ant. Ined. 1,
50; Gerhard, A. B. W. 82, 2, oder das der
Villa Albani, Morcelli-Fea- Visconti m: 1020.
Eine solch ausgiebige Verwendung dieser
Typen ist natürlich nur durch statuarische
Vorbilder erklärlich, und in der That fehlt es
nicht an Statuen, welche diese Annahme be-
1353 Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 1354
stätigen. Der Demeterfigur, wie sie das eleusi- Frohner, Sculpt. nr. 395, Clarac Taf. 321, 996.
nische Reliefund besonders das des Lonvre bieten, Keine unter diesen ist aber von irgendwelcher
entspricht am meisten eine überlebensgrofse Bedeutung für die Rekonstruktion des Typus.
Statue im Hauptsaale des capitoliniseben Sie weichen mehr oder weniger von der capi-
Museums, die im Jahre 1750 auf dem Aventin tolinischen Statue in der Gürtung und dem
gefunden wurde und wohl deshalb meist für Überschlage des Chitons ab; einige, so die
eine Hera, d. h. die Iuno Regina, gehalten wurde. vatikanische Statue (Heibig, Führer nr. 297;
S. die hauptsächlichste Litteratur bei Heibig, abgeb. bei Overbeek, Atlas Taf. 14, 22, besser
Führer d. d. öffentl. Samml. nr. 503 ; Clarac, bei Brunn-Bruclcmann nr. 172), und eine in
Taf. 423, 749 ; neueste Abbildungen bei Overbeek 10 Madrid (Hubner, D. ant. Bildw. i. Span. nr. 42 ;
a. a. 0. Taf. 14, 20; Baumeister a. a. 0. 1 abgeb. Clarac Taf. 410 F, 749 C) modificieren
S. 414. — Overbeek, Kwnstmyth. 3 S. 461 ff. nahm auch noch die Stellung; immer bleibt jedoch
zuerst die Statue, auf jene Reliefe verweisend, soviel des Gemeinsamen, dafs man den gleichen
für Demeter in Anspruch. Die Figur stellt un- zum Grunde liegenden Urtypus herauserkennt,
verkennbar eine grofse Göttin von durchaus Für den Kopftypus kommt lediglich die letzt-
matronalen Formen dar, so dafs nur zwischen erwähnte vatikanische Statue in Betracht, da
Hera, Demeter und etwa noch Hestia zu wählen nur sie noch den originalen Kopf in wirklich
war. So wie ihr zu der letzteren das Ältliche, guter Erhaltung und auch ohne Entfremdung
Resignierte fehlt, so entschieden fehlt ihr zu durch Porträtzüge bietet. Sie wiederholt den
Hera das Strenge, Majestätische. Selbst Heibig so Typus der capitolinischen, ist aber weit lang-
a. a. 0., der für die Bezeichnung Hera eintritt, weiliger und trockener; doch zeigt auch sie
hebt die Weichheit in den Formen und die Milde den Bronzechavakter, der sich vor allem in der
des Gesichtsausdruckes hervor. Der Hauptein- Haarbehandlung und in den Augen bekundet,
druck, welchen diese Statue macht, ist der der Wie die capitolinische Statue im ganzen, so
Milde, Leutseligkeit und Einfachheit, alles Eigen- macht ganz besonders der Kopf mit seiner wei-
sehaften, welche weit besser für Demeter als chen,vollen, sogarschonschwerenFormengebung
für Hera passen. Wenn auch das Louvrerelief den Eindruck mütterlicher Freundlichkeit und
in Tracht und Stellung am nächsten steht, ist Gutmütigkeit, ein Zug, der jedenfalls weit besser
doch das lange vom Kalathos gekrönte Locken- für Demeter als für Hera pafst; am nächsten
haar desselben in der Statue durch die einfachere so steht die attische Münze bei R. J. Puole,
TrachtdesschlichtaufgebundenenHaaresersetzt. A Catal. o. t. gr. coins of the Br. Mus. Attika
Aus einigen Einsatzlöchern glaubte Petersen, Taf. 15, 11. Von Demeter wurde der Typus
Rom. Mut. 4 S. 36 ff. auf ein Diadem schliefsen auch auf verwandte Gottheiten übertragen;
zu sollen, und hierauf, sowie auf die Ähnlich- das bekannteste Beispiel hierfür, allerdings
keit einiger attischer Urkundenreliefe (Schöne, mit völlig anderem Kopfe und Vertauschung
Gr. Rel. Taf. X, 54 und AeXr. uqx- 1888 S. 124; von rechts und links, ist die „Eirene" des
beide wiederholt bei Petersen a. a. 0. und Kephisodot, wenn diese nicht, wie die Ver-
bei Heibig a. a. 0.) gestützt, trat er für die bindung mit Plutos wahrscheinlich macht, von
alte Benennung Hera ein. Indessen ist keines vornherein als Demeter aufgefafst war und
von beiden bindend. Das Diadem findet sich 40 erst später zu ihrer jetzigen Bezeichnung ge-
bei Demeter nicht nur in einer ganzen Reihe langte. — Die Entstehung dieses Typus setzt
von Vasenbildem, sondern auch in Statuen Petersen a. a. 0. zu spät an, wenn er ihn dem
und Reliefen, vgl. die Demeter Rondanini Alkamenes zuschreibt; Puchstein , Jahrb. d.
unten Sp. 1361 f., das Relief aus Eleusis, Athen. Tust. 5 S. 92 bestreitet das gemeinsame Vor-
Mitteil. 16 S. 4, ferner den Sarkophag Wilton- bild für diesen Typus; doch handelt es sich
house Overbeek, Atlas z. K.M. Taf. 16, 3. Die auch nur um freie Weiterbildung und nicht um
athenischen Dekretreliefe bestätigen aber, ob- direkte Kopieen. Nach der Strenge der elen-
gleich sie unzweifelhaft Hera darstellen wollen, sinischen Relieffigur wird man die Schaffung
gerade Overbecks Annahme. In ihnen stehen sich des Typus kaum weiter als in die Mitte des
Hera und Athena gegenüber, und für Athena so fünften Jahrhunderts hinabrücken dürfen,
hat schon R. v. Schneider, Jahrb. d. Kunst- Auch für die Korafigur des eleusinischen Re-
sammlungen d. allerh. Kaiserh. 12 S. 74 darauf liefs liegen statuarische Repliken vor, deren
hingewiesen, dafs sie in der Tracht völlig mit wichtigste die früher als Sappho bezeichnete
der Kora des eleusinischen Reliefs überein- Statue des sg. Cafehauses der Villa Albani ist
stimmt. Wie Athena der Tochter, so ent- (Fea- Morcelli- Visconti nr. 749; Heibig , Führer
spricht nun Hera der Mutter. Dem Verfertiger nr.835; abg. Clarac Taf. 936 F. 2264,' Overbeek,
der Urkundenreliefe haben also, als er an die Atlas 14, 11). Gleich nach dem Bekanntwerden
Gewandung seiner Figur ging, bewufst oder des eleusinischen Reliefs, wies Brunn, Bull, de
unbewufst, dieselben Statuen vorgeschwebt, Inst. 1860 S. 69 auf die Verwandtschaft der
welche der Künstler des eleusinischen Reliefs 60 beiden Figuren hin und nannte die Statue
wiedergegeben. Ob nun die rechte Hand Ähren seiner Auffassung des Reliefs gemäfs Demeter,
gehalten hat oder eine Schale, läfst sich nicht Mit Unrecht behält dies Overbeek, trotzdem er
entscheiden; das Louvrerelief spricht für das die Relieffigur Kora nennt, bei. Wenn auch
letztere. In die Linke ist ihr ohne Zweifel die Körperformen nicht direkt jungfräulich
das Scepter zu geben. — Overbeek, K.-M. 3 sind, so behauptet Heibig a. a 0. dies doch
S. 461 f. nennt noch acht Kepliken dieses Ty- mit gutem Grunde von dem Kopfe. Es ist ein
pus, deren Zahl sich sicher noch wird ver- idealer jugendlicher Kopf, welcher sich in
mehren lassen, z. B. durch die Pariser Statuette Zügen und Ausdrucke ganz von dem Kopfe
1355 Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 1356
Fehlen von Köpfen und Attributen nicht zu
entscheiden. Auch auf der Kora verwandte
Figuren findet sich dieser Typus übertragen,
u. a. in zwei Tutela genannten Figuren: Gaz.
archeol. 1879 Taf. 2 und 29.
Ein jüngerer Typus, der aber von vorn-
herein beide Göttinnen zu einer Gruppe ver-
einigt, ist der in neuester Zeit von Otto Kern,
Ätk. Mitteil. 17 S. 125 ff. als die eleusinische
10 Kultgruppe nachgewiesene. Den Ausgangs-
punkt bot ein in Eleusis gefundenes Fragment
einer panathenäischen Preisamphora, auf wel-
chem die Gruppe, zweifellos auf einer Säule
stehend, wiedergegeben ist (a. a. 0. S. 126
Fig 1). Unverkennbare Nachahmungen der-
selben sind mehrere in Eleusis und in Athen
gefundene Votiv- und Urkundenreliefe , ferner
eine bis auf die Köpfe erhaltene statuarische
Gruppe, s. die Abbildungen bei Kern a. a. 0.
20 Fig. 2 — 9, ferner Athen. Mut. 2 Taf. 18; 4
m
Y
des Reliefs entfernt. Das Haar ist in eine
Haube gesteckt, wie es oft in Werken des
fünften Jahrhunderts vorkommt; auch die
diesem Typus besonders nahestehende Kora des
Triptolemosbildes Overbeck , Atlas Taf. 15, 23
weist diesen Zug auf. Eine Replik dieses Typus
ist die mit einem Kopfe der Athena oder Roma
ergänzte capitolinische Statue Heibig a. a 0.
507, abg. bei Schneider, Jahrb. d. Kunsts. d.
allerh. Kais. 12 S. 73. Auch hier handelt es
sich um freie Umbildung eines älteren Typus,
wie aus einer reifarchaischen Bronzestatuette in
Wien (Abb. 6) hervorgeht, Sacken, D.'ant.Brons.
Taf. 6, 2; B. v. Schneider im Jahrb. d. Kunst-
samml. d. aUerh.
Kaiserh. 1891 Tf. 6.
Diese Figur, deren
Haltung steifer ist
als die der Kora
Albani und der
eleusinischen Re-
lieffigur, stimmt
besonders in den
Einzelheiten der
Gewandung mit
diesen völlig über-
ein. Die Deutung
als Kora wird durch
eine im Haare be-
findliche Blüte
wesentlich unter-
stützt. Den statua-
rischen Urtypus
scheint die Bronze
aber viel reiner
wiederzugeben als
jene. Die anzu-
setzenden Unter-
arme hatten die-
selbe Haltung wie
die der atheni-
schen Relieffigur
Sp. 1351,37 und der
nächststehenden
VasenbiWer und
sind, wie E. r.
Schneider a. a. 0.
S. 74 richtig be-
merkt hat, mit zwei
Fackeln zu ergän-
zen, wohl im Typus
des hochaltertüm-
lichen Demeterbildes von Enna (Cic. in Verr.
4, 109), während bei der Statue Albani nur in
der gesenkten Linken, entsprechend der Kora
des Triptolemosreliefs, eine Fackel zu ergänzen
und in die Rechte ein Büschel Ähren oder
Blumen zu geben ist, vgl. Heibig a. a. 0.
Ob die zwei Statuen des Neapler Museums,
welche im Gewände vollständig mit der Statue
Albani übereinstimmen {Clarac Taf. 410D, 7420
und 420 A, 727 B; Overbeck, K.-M. 3 S. 470
nr. 22. 23), auch wirklich Koradarstellungen
gewesen sind oder nur in diesem Typus ge-
haltene Porträts, wie eine Statue aus Kreta
(Gaz. archeol. 1876 Taf. 12) und die des La-
terans (Benndorf- Schöne -nr. 207; Clarac
Taf. 936 E, 2307 B), ist bei dem gänzlichen
40 \
(.1) Kora, Statuette in "Wien
(nach Jahrb. d. Kunstmmml. d.
aUerh. Kaiserh. 1891 Taf 6).
II»
7) Relief aus Eleusis (nach Athen. Stitteil. 17 [1S3S]
S. 129 Fig. i).
Taf. 20; Archäol. Zeit. 18S3 Taf. 13, 1; Ab-
iohandl der Berl. Äk. 1846 S. 234 Taf. 1,1 =
Beschreib, d. Berl. Skulpt. nr. 709; auszusondern
ist Athen. Mitt. 16 S. 4. Die von Kern auf-
gestellte Reihe wird sich, wie dieser selbst
sagt, noch vermehren lassen; so ist ein weiteres
Beispiel das Relief in Catajo, Dütschke, Ant.
Bildw. in Ub.-Ital. 5 nr. 673. — Auch die
Vasen späteren Stiles mit Mysteriendarstel-
lungen hat Kern mit Recht herangezogen und
zu den bisher bekannten, bei Overbeck, Atlas
60 Tafel 18, 18—20 und Mon. d. Inst. 12 Taf. 35
= Catal. Castellani Taf. 2 abgebildeten, eine
der letzteren nahestehende Darstellung grie-
chischen Fundortes hinzugefügt (S. 133). Am
charakteristischsten ist die Art der Gruppierung.
Demeter sitzt, meist auf der sogenannten Cista
mystica, und neben ihr steht nach den zuver-
lässigsten Exemplaren zu urteilen, zwei Fackeln
haltend, Kora, und zwar zur Rechten der
1357 Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) Kora n, Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 1358
Mutter, sowohl nach dem wichtigen] Vasen-
fragmente (Fig 1) wie nach der statua-
rischen Replik (Fig. 9). Die Reliefe wech-
seln darin und richten sich nach äufseren
Bedingungen; vor allem beugen sie einer et-
waigen Verdeckung der Demeter durch die
Korafignr vor, indem sie in nach rechts ge-
richteten Kompositionen die Figuren um-
stellen (Figg. 2 und 4). In einigen Fallen
wird auch die Gruppe auseinandergezogen
und Kora vor oder hinter Demeter gestellt,
vgl. Figg. 3. 5. 6; Athen. Mitteil. 2 Taf. 18;
auch zur Handlung werden sie verbunden,
so Figur 7 und Athen. Mitteil. 4 Taf. 20.
Die Mysterienvasen zeigen Kora stets
zur Linken der Mutter. Demeter er-
scheint in den Reliefen fast immer im
Chiton und mit dem um Unterleib und
Beine geschlagenen Himation, das dann
über den Rücken hinaufgezogen ist und
über beide Schultern hinabfällt. Das
nicht zu üppige Haar zeigt keinen
erwähnenswerten Schmuck; es scheint
von einem dünnen Reife oder Bande zu-
sammengehalten, während es in den
Mysterienbildern meist reichen Schmuck
trägt. Die eine Hand, ob 1. oder r. ist
schwankend, hielt jedenfalls das Scepter,
hochaufgestützt nach Figg. 1. 3. 5 und
Mon. d. Inst. 12 Taf. 35, während die
anderen Darstellungen, in denen das Scep-
ter erhalten oder zu ergänzen ist, den
Oberarm senken und den Unterarm heben.
— Die Gestalt der Kora weist schon
gröfaere Variationen auf; nicht einmal
demselben Typus folgt sie in allen Fällen;
doch darf ihre Gestalt so , wie sie in
der Mehrzahl derselben (Figg. 1. 2. 6. 7;
Ath. Miit. 2 Taf. 18; Berliner Skulpturen
nr. 709) sich findet, als die dem Kultbilde
angehörige gelten. Dafs dieser Typus
auch mit anderenDemeterfigureu gruppiert
oder auch selbständig verwertet wurJe,
zeigen mehrere Reliefe, 0 verbeck, Atlas
Taf. 14, 2 — 5; besonders das letzte Bei-
spiel ist überzeugend. Für das Kultbild
werden wir die beiden Fackeln annehmen
müssen, wie wir sie in verschiedenen
Exemplaren sehen. — In Fig. 3 erinnert
Kora sehr an die Demeter, in Fig. 4 an
die Kora des Triptolemosieliefs. — Sehr
verändert liegt diese Gruppe in dem
Relief einer Marmorvase (Abb. 8) und in
mehreren Terracottareliefen italischen
Fundortes vor (Bull, comun. 7 Taf. 1 — 5;
s. auch Agincourt, Fr gm. en terrecwte
Taf. 8, 4; Campana, Opere in Plast. 1, Taf. 17;
Overheck, Atlas Taf. 16, 10). Alle diese Reliefe
stellen oder stellten Scenen des eleusinischen
Mysteriendienstes dar; die heiligen Hand-
lungen gehen in Gegenwart der Göttinnen vor
sich, denen man die Form ihres heiligsten
Kultbildes verliehen hat. Auch hier sitzt De-
meter auf der Ciste und Kora steht eine
Fackel haltend hinter ihr. Über die Ciste
ist ein Fell gebreitet, und um sie und De-
meter windet sich jedesmal eine Schlange.
Die Kleidung der Göttinnen-stimmt im wesent-
1359 Kora U. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 1360
Hohen mit der Mehrheit der vorher erwähn-
ten Reliefe überein, nur flattert beiden
Göttinnen das Ende des Himations schleier-
artig um den Kopf. Vollständig verändert
ist Demeters Haartracht. Das Haar ist in
der Mitte gescheitelt und an den Seiten
nach hinten zurückgestrichen; darunter fallen
aber noch lange, bis über die Schultern
reichende __ Locken hinab; in der Mitte ziert
es ein Ährenbündel. Dafs dieser etwas
jugendlich erscheinende Kopftypus ein in
Unteritalien für Demeter üblicher gewesen sei,
geht aus dem Kopfe eines schönen Terracotta-
reliefs (Abb. 9) hervor, -welcher durch die in den
Händen gehaltenen Büschel von Ähren, Blüten
und Mohn und durch das Schlangenpaar in
seiner Bedeutung sicher ist, wenn auch im
Haare das Ahrenbündel fehlt (Campana, Op.
in Plast. 1 Taf. 16; Overbecl; Atlas Taf. 16, 8),
und ebenso aus einigen metapontinischen Münz-
huuderts zu. Der Kopf zeigt in Wangen und
Kinn dieselbe 'weiche Fülle wie die capitoli-
nische Statue; der Ausdruck des Gesichtes
ist von mütterlicher Freundlichkeit. Die An-
ordnung des Haares ist ganz singulär; viel-
leicht ist sie porträthaft und gehört in dieser
Form ebenso dem römischen Kopisten an wie
die plastische Angabe von Augenstern und
Pupille; doch gegen die von Jacobsen, Ny
10 Carlsberg Glyptothek nr. 1223 ausgesprochene
Auffassung als Porträtstatue sprechen aufser
der hierfür unerhörten rein griechischen Tracht
des ionischen Chitons mit Überschlag auch die
idealen Formen des Gesichtes. Eine kleine
Wiederholung mit nur unbedeutenden Modi-
fikationen in Stellung, Gewand und Form des
Thrones ist eine Statuette des capitolinischen
Museums , nr. 37 , abgebildet bei Bighetti
Taf. 230; der kleine Mafsstab und die geringe
20 Güte der Arbeit verbieten weitere Schlüsse
9) Tenacottarelief (nach Overbecl: K.-3T. Atlas Taf. 16, S
bildern, s. Overbecl; K.-M. 3 Münztaf. 7, 17. 18.
30. 31.
Der Typus der sitzenden Demeter, unab-
hängig von der eleusinischen Kultgruppe, liegt
uns nur in einer verhältnismälsig kleinen Anzahl
von Monumenten vor, obgleich die litterarischen
Notizen, wie wir oben gesehen haben, ihn als
das Regelmäfsige hätten vermuten lassen. Eine
einzige dieser Statuen hat zu gleicher Zeit
noch sowohl den originalen Kopf wie auch antike
Attribute, die ehemals Rondaninische, jetzt in der
Jacobsenschen Glyptothek zu Kopenhagen be-
findliche Statue (Guattani, Man. ined. 1787 Nov.
Taf. 2, Clarac Taf. 433, 786; Müller-~\Vieseler2,
Taf. 8, 87 ; hier (Abb. 10) nach Photographie vom
Originale abgeb.). Ergänzt ist von wichtigeren
Teilen nur der rechte Unterarm mit der Fackel ;
die linke Hand mit dem Büschel von Ähren
und Mohn war gebrochen, ist aber ohne
Zweifel antik und zugehörig, vgl. Winclelmann,
Briefe an Bianconi § 40. Die Einfachheit
in der Gewandbehandlung weist das Original
dieser Statue dem Ende des fünften Jahr-
aus diesem Monumente. Den durch das Diadem
und den Schleier ausgezeichneten Kopftypus
hat Helbig, Führer nr. 874 in dem meist Hera
genannten Ludovisischen Kopfe wiedererkannt
50 (Schreiber, Villa Ludovisi nr. 78; abgebildet
bei Overbecl; Atlas Taf. 9, 12, in diesem Lexi-
kon Bd. 1 Sp. 2126), dessen milder Ausdruck
selbst allen den Gelehrten, welche ihn Hera
benannten, aufgefallen war, vgl. Schreiber a. a. 0.
(der die ältere Litteratur zusammenstellt) und
Fr ieclerichs- Wolters, Gipsabgüsse nr. 1515. Auf
griechischem Boden vertritt diesen Typus der
jüngst von Otto Kern in der 'Ecprjg. ägxotioX.
1S92 Taf. 6 veröffentlichte, inschriftlich als
60 Demeter gesicherte Kopf aus Eleusis. Eine
kleine Wiederholung dieses Typus ist auch das
hübsche Sp. 1363 nach Kelule, Die Terracotten
von Sicilien Taf. 21, 2 wiederholte Köpfchen.
Von den übrigen auf Demeter gedeuteten
sitzenden Figuren ist diese Bezeichnung ganz
sicher nur für die knidische Statue (abgeb.
u.a. bei Newton, Haliearn. 1 Taf. 53; Overbecl,
Atlas Taf. 14, 14; Brunn - Bruclmann nr. 65;
1361 Kora u. Demeter (i. d. Kunst d.Blütez.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blüte2.) 1362
am besten bei Bayet, Mon. de Vart ant. 2
Taf. 49, der Kopf bei Brunn, Griech. Götterid.
Taf. 4), die an künstlerischem Werte ohne
alle Frage den ersten Platz unter den er-
haltenen Demeterstatuen einnimmt. In der
Auffassung unterscheidet sie sich insofern von
allen anderen, als in ihr weniger die gütige
göttliche Spenderin des Getreides als die änu
rrjg cvfi<poQÜg (Cltm. AI. Protr. 4, 57) kennt-
liche wehmütig trauernde Mutter betont ist,
wie sie besonders fein Brunn analysiert hat.
„Der Künstler schuf einen nicht mehr jugend-
lichen , aber auch vom Alter
noch nicht berührten Frauen-
kopf, ohne äufseren Schmuck;
denn auch ihr Schleier ist
nicht eigentlich ein Schmuck:
einen Witwenschleier möchte
ich ihn nennen. In den Zügen
des Antlitzes aber mischt
sich mit einer unaus-
sprechlichen Weichheit
und liebevollen Milde
der Ausdruck eines
durch die Zeit zwar ge-
milderten, aber nicht
vertilgten Schmerzes,
einer sehnsuchtsvollen
Wehmut" (Verhandl. d.
29. Piniol. Versaminl.
zu Innsbruck S. 36,
vgl. Transact. of the B.
soc. of litt. 10 S. 80 ff.
Griechische Götter-
ideale S. 45). Die
knidische Demeter
ist ein fast voll-
kommen frei vonTra-
dition geschaffenes
Kunstwerk, welches
von dem bestehen-
den Typus nur den
allgemein mütter-
lichen Charakter,
die Verschleierung
und wohl auch die
zu ergänzenden At-
tribute übernom-
men hat, in der
Anordnung des Ge-
wandes und des
Haares aber und vor
allem in der Durch-
bildung des Ant-
litzes seinen aller-
eigensten Weg geht, auf dem ihm, soviel wir
zu erkennen vermögen, niemand vorange-
gangen war und nur wenige gefolgt sind.
Von den Münzbildern, welche Demeter
sitzend (s. Beispiele bei Overbeck, K. - M.
3 Münztaf. 8) oder ihren Kopf mit Schleier
zeigen (s. ebda. Münztaf. 7, 1 — 12), giebt
keines den Typus der knidischen Statue wieder.
Nahe steht vielleicht der jetzt nicht mehr
nachweisbare aus Rhodos stammende Kopf
Cayhts , Recucil 6 Taf. 46; eine direkte oder
indirekte Abhängigkeit vom Kopfe der Kni-
dierin läfst sich auch für den Kopf der sitzenden
Demeter in dem Reliefe aus Eleusis, Athen.
Mitteil. 16 S. 4, behaupten, wiewohl in der Ge-
wandung der Verfertiger des Reliefs einem
leichteren Vorbilde gefolgt war. Nach der
Abbildung zu urteilen stimmen die beiden
Köpfe besonders in dem hohen Stirndreiecke,
dem weitgeöffneten Auge und in der Haar-
tracht übeiein; man beachte besonders die
lang herabreichenden Locken; eine nur kleine
lo Änderung ist das Diadem der Relieffigur. Nach
Kern, Ath. Mitteil. 17 S. 126 f. gehört dies
Fragment zum Lakrateidesrelief ('Ecprja. apjjKioi.
1886 Taf. 3). Dem Kopfe des Reliefs ist ver-
wandt der etwas jugendlicher erscheinende
von Apollonia ( Mon. grecs de Vassoc. pour
Tencourag. 1873 Taf. 1). — Die knidische
Statue ist ohne Zweifel der jüngeren atti-
schen Blütezeit zuzuweisen, vgl. Overbeck a.
a. 0. S. 447. 456; Plastik H S.148; Friede-
riciis-Wolters, Abgüsse nr. 1275. — Andere
sitzende Demeterfiguren, die ohne Zweifel
auf statuarische Vorbilder zurückgehen, fin-
den sich auf dem Reliefe der Uffizien
(Dätschke nr. 418; abgeb. Mon. Ann. e
Bidl. d. Inst. 1854 Taf. 10, danach bei Over-
beck, Atlas Taf. 14, 2), dem Sarkophage
Wiltonhouse (Overbeck a.
a. 0. Taf. 16, 3) und der
Silberschale von Aquileja
(Arneth, Gold u. Silbermon.
Beil. 2 = Ov. a. a. 0. 16,
11); besonders die letztere
ähnelt aufserordentlich der
als „Terra Mater" be-
zeichneten sitzenden Sta-
tuette des Konservatoren-
palastes, Heibig, Führer
nr. 551 , abgeb. bei Ocer-
beck a. a. 0. Taf. 14, 17.
Hier sind auch Münztypen
'■ zu beachten, so z. B. Over-
. beck, K.-M. 3 Münztafel
•;„ 8, 10, und besonders ver-
7 gleiche man die Demeter
j vom Sarkophag Wilton-
| house mit Cohen, Med.
Imper. 1 Taf. 8, wo sie so-
gar , entsprechend
dem eleusinischen
Kultbilde, auf der
„Cistamystica" sitzt.
Unter den Kora
genannten Figuren
hat ein Typus An-
spruch auf besondere
Beachtung, der in mehreren Exemplaren vorlie-
gende, besonders aber durch eine Neapler Statue
vertretene Typus der jugendlichen Göttin in ganz
charakteristisch mädchenhafter Auffassung ;
6o abgeb. bei Overbeck, Atlas Taf. 15, 26. Die mit
dem Chiton und unterwärts mit dem Himation
bekleideten Körperformen sind von durchaus
mädchenhaftem Charakter, und in noch hervor-
ragenderem Mafse offenbart sich dieser in
dem prächtigen jugendfrischen Kopfe, der die
Schönheit der Aphrodite mit der Elasticität
der Artemis vereint. Augen und Mund haben
sogar einen ziemlich sinnlichen Ausdruck, der zu
10) Demeter Jacobsen nach Originalphotographie. S. Sp. 1359, 57
1363 Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 1364
der bisher wahrgenommenen sanft melancho-
lischen Stimmung, welche in den Monumenten
dieses Kreises vorherrscht, im Widerspruche
steht. Der Ährenkranz im Haare sichert je-
doch die Benennung, während die in denHänden
gehaltenen Attribute als modern nicht ins Ge-
wicht fallen, vgl. Overbeck, K.-3I. 3 S. 482.
Hochwichtig ist diese Statue besonders dadurch,
dafs in ihrem Kopfe das Vorbild für eine grofse
Chiton und einem diesen fast völlig verdecken-
den Himation, welches schleierartig über Kopf
und Kalathos gezogen ist.
Die Demeter- und Korastatuen, welche Over-
beck, K.-M. 3 S. 464 ff. und 477 ff. als dritte
bezw. zweite Klasse aufzählt, sind durchweg
römische Porträtstatuen, in welchen römische
Frauen und Jungfrauen sich in der gewöhn-
lichsten Tracht ihrer Zeit mit den cerealischen
Anzahl der schönsten Münzbilder erhalten 10 Attributen darstellen liefsen, wie ja die weib-
ist*); am glänzendstenwerden diese durch(Abb. 13)
einTridraehmon von Syrakus vertreten {Overbeck
a.a.O. Münztaf. 7, 43), dessen ährenbekränzter
Korakopf sich durch seine selbstbewufste, ja ge-
radezu herausfordernde Schönheit auszeichnet.
Dafs dieser Typus sich aber langsam stufenweise
aus einem würdevolleren, strengeren entwickelt
hat, zeigen die am gleichen Orte nr. 38 — 40
publicierten Münzen des Agathokles und des
liehen Mitglieder der kaiserlichen Familien sich
als Jrjfir'jTriQ via oder Ceres nova (s. z. B. C. I. G.
1073. 2815. 6280) feiern liefsen.
Unter den Werken der Kleinkunst sind
wohl die Terracotten am ersten als Nach-
bildungen der grofsen Plastik zu fassen. Als
unbedingt sichere Darstellungen der Göttinnen
werden allerdings nur wenige gelten können
im Vergleich zu der grofsen Anzahl, welche
Pyrrhos; andere Beispiele dieses Typus s. bei 20 man schon dafür erklärt hat. Beide Göttinnen
Head, Coins of Syr. Taf. 5, 4; 9, 12; 10, 3, 4
— Den originalen Kopf hat von den diesem Ty-
pus angehöri-
gen oder nahe
stehenden
Denkmälern
höchstens noch
die marmorne
Statuette in
Taf. 16, 27 s.
Test S. 482
nr. 15. Der
Kopfsteht dem
der eben be-
sprochenen
Statue ent-
schieden nahe.
ristischenZüge
bei der Klein-
heit der Ver-
hältnisse arg
auch der Ähren-
11) Demeter, Terracottakopf (nach
Xekule, Die Terrae, v. Sic. Taf. 21, 2).
S. Sp. 1360, 63.
und
vernachlässigt worden
kränz fehlt.
DieNaehbildung eines anderen statuarischeu
Koratypus, sogar höchst wahrscheinlich eine
vollkommen gleichartig neben einander thro-
nend, meist beide verschleiert, finden wir auf
Terracotten von Praeneste, Gerhard, A. B. W.
Taf. 2. 3. Einen Kaben, den sie bei sich haben,
mufs man für Iakcbos halten und danach die
Gruppen für Beweise des daselbst eingedrun-
genen eleusiniscben Kultes halten. Ohne die
Iakchosfigur sitzen die Göttinnen, mit Schleier
und Kalathos auf dem Haupte, neben einander
Neapel, Over- 30 in einer Gruppe ans Cypern, Heuzey, Terres-
beck , Atlas cuites du Louvre Taf. 16, 2. — Gruppen, eine
Göttin mit einem Kinde darstellend, aus Paestum
(Gerhard, A. B. W. Taf. 96) gelten wohl gleich-
falls mit Recht für Demeter; vgl. Overbeck
a. a. 0. S. 488 f. — Weitere unbezweifelbare
Demeterdarstellungen haben wir aus Kaniarina,
wo der Typus der stehenden D. mit dem Ferkel-
attribute, den wir schon in der archaischen
Zeit gefunden hatten, in freier Weise weiter
indessen sind 40 gebildet wird; zu dem alten Attribute tritt als
die charakte- neues die Fackel hinzu; auch der Kalathos ist
auffallender geworden. Beispiele bei Kekule
a. a. 0. Taf. 4, 6. 7. 8. — Eine schöne Terracotta
strengen Stiles(Abb. 15), sichernoch dem 5. Jahr-
hundert angehörig, mit denselben Attributen in
derGewanduug, aber ähnlicher der archaischen
(s. Sp. 1340) soll nach Lenormant, Archäol. Zeit.
1864 S. 196 f. aus Eleusis stammen, abg. da-
selbst Taf. 191; Eeuzey a. a. 0. Taf. 18bis, 2.
Kultbildes, liegt in einer marmornen Statuette oo Figuren, denen von Kaniarina ähnlieh, aber mit
aus Knidos vor, Newton, Halicarn. 1 Taf. 57
= Overbeck, Atlas Taf. 15, 28, vgl. Text S. 476.
Von den beiden Attributen Kalathos und Blüte
weist das letztere auf die jüngere, mädchenhafte
Auffassung, in welcher sie als Göttin der Blüte
sich von ihrer Mutter, der Göttin der Frucht,
unterscheidet. Bekleidet ist Kora mit dem
*) "Während der Korrektur teilt mir Paul Arndt mit,
dafs er nach genauer Untersuchung den Kopf für modern
halt. Man vergleiche die emphatischen Versicherungen 60 sind beide sehr häufig, V
lioerbecks S. 482: „Ganz entschieden antik und auch nicht,
wie Gerhard meint, gebrochen oder aufgesetzt, sondern
nie getrennt gewesen, vielmehr mit dem Körper aus
einem Stücke und von vollster Echtheit ist der Kopf,
wie die genaueste Untersuchung in unmittelbarer Nähe
mir erwiesen hat." Trotz dieser Beteuerung bin ich nun-
mehr geneigt, die Ansicht Arndts für die wahrschein-
lichere zu halten. Der Ergänzer hat sich dann an die
Koraköpfe der sicilischen Münzen gehalten.
halb entblöl'stem Oberkörper (Gerhard a. a. 0.
Taf. 99) scheinen nicht die Göttin selbst, son-
dern Dienerinnen derselben darzustellen.
In der rotfigurigen Vasenmalerei ist
kein prinzipieller Unterschied in den Bildungen
von Mutter und Tochter wahrzunehmen, abge-
sehen von den wenigen Fällen, die wir im Banne
der statuarischen Darstellungen stehend ge-
funden hatten. In den Triptolemosdarstellungen
die Zusammen-
stellungen von Gerhard, Akad. Abhandl. 2
S. 453 ff.; Stephani, C. £. pour 1S59 S. 83 ff.
Strube, Bilderkreis von Eleusis S. 9 ff. und
Overbeck a. a. 0. S. 534 ff. ; die Abbildungen s.
bei Lenormant und de Witt>\ El. ce'r. 2 Taf. 47.
50—64, Overbeck, Atlas Taf. 15 f.; eine wei-
tere Roiüez, Choix de vases Taf. 4. — Wenn
sich auch immer aus dem Zusammenhange er-
1365 Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 1366
geben wird, wie die Benennungen auf die andere übertragen liefsen. Das Verhältnis ist
beiden Figuren zu verteilen seien, so giebt es ein relatives. Ähren, Fackel, Scepter und
12) Demeter von Knidos (nach Rayet, ilon. <le Vart. ant. 2 Tai 49).. S. Sp. 1361.
doch auffallend wenig Züge, welche nur der Diadem können als Attribut ebensogut der
einen eignen und sich nicht auch auf die Mutter wie der Tochter verliehen werden; in
1367 Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 1368
f*j8§y
13) Koia, MüDze von
Syrakus (uacli Ocer-
tjeck, K.-M. 3 Münztaf.
7, 43). S. Sp. 1363, 12.
gleicher Weise •werden beide dem Scheidenden
einschenkend dargestellt; jedoch eignen Ähren
und Scepter von vornherein der Demeter,
während die Fackel und das Einschenken
ursprünglich Kennzeichen Koras sind. Allein
Demeter eigentümlich ist die Übergabe der
Ähren; allein Kora eigentümlich das Attribut
der zwei Fackeln und die
Bekränzung des Triptole-
mos mit Kranz oder Tänie.
Vereinzelt treten als De-
meters Attribute der Pflug
und der Kranich auf. ..Eine
Kombination von Ähren
und Scepter sichert die
Benennung Demeter, eine
solche von Fackel und
Einschenken die Deutung
als Kora. Auf diese Weise
wird man durch die Ab-
wägung der Kennzeichen
beider Figuren gegen einander immer das
Richtige treffen. Zu vergleichen ist auch das
Berliner Vasenbild mit Kadmos' Drachenkampf
(FurtuängUr nr. 2634; s. Gerhard, JOtrusk.-camp.
VI. Taf. c, Welcher, Alte Denhm. 3 Taf. 23).
— Auch auf andere Art suchten die Vasen-
maler in einzelnen Fällen die Mutter auszu-
zeichnen. Das Diadem ist
bei weitem prächtiger bei
Demeter (z. B. Orerbech,
Atlas Taf. 15, 11. 22a. 24.
31), oder es wird dieser
der matronale Schleier ver-
liehen (ebda. nr. 19). Ganz
besonders hob der Vasen-
maler Hieron die Haupt-
göttin dieses Mythus durch
gröfsere Pracht der Gewan-
dung hervor, indem er ihr
einen mit jagenden Vierge-
spannen, Eroten u. s. w.
reich bestickten Peplos gab.
(Abb. 16). — Durch gröfsere
Zartheit der Form bei der
Tochter wird nur selten
eine Unterscheidung an-
gestrebt; es ist versucht
und zum gröfsten Teile er-
reicht worden in den besten
Triptoleniosbildern, welche
wir haben (Overbech a. a. 0.
nr. 11), und in einem
.--_-.■; hier zum ersten Male
publicierten Orvie-
taner Vasenbilde in
14) Demeter, Terracottastat. Perugia (Abb. 17).
(nach Kehiic. D. Terr. c. Sic. Aus den vier Trip-
Taf. 4, 7). S. Sp. 1367, 44. tolernosbildern des
unteritalischen
Stiles (Ortrbech a. a. 0. Taf. 16, 13 — 16)
sondert sich ein Paar aus, das die Ähren-
übergabe darstellt. In den beiden Exemplaren
desselben (ur. 14 und 15) erscheint Demeter,
zweifelsohne nach demselben Vorbilde kopiert,
nach rechts stehend mit zurückgesetztem r.
Spielbeine. Die 1. Hand hält eiüe.Fackel mit
Querhölzern , während die r. die Ähren über-
reicht. Das Obergewand ist schleierartig über
den Kopf genommen und die Übereinstimmung
erstreckt sich sogar auf das unten in dasselbe
eingestickte Blattornament. Kora ist in beiden
Darstellungen unsicher, doch wird in dem einen
Falle die den Kranz haltende Figur am wahr-
scheinlichsten so bezeichnet werden dürfen. —
In den beiden anderen Darstellungen ist De-
meter nur ein reichgeschmücktes Weib mit
10 Scepter und Diadem.
Die Darstellungen des Koraraubes (Over-
bech a. a. 0. Taf. 17, 25—27), zu denen sich die
in diesen Kreis gehörige Scene .des obersten
80
15) Demeter, Terracotta von Eleusis (nach Heuzey,
Terresc. d. Lottere Taf. ist>ie). S. Sp. 1367, 36.
Streifens von Mon. d. Inst. 2 Taf. 31 gesellt,
folgen einem gemeinsamen Typus. Demeter
erscheint in schwerer Kleidung, die von den
Korperformen wenig erkennen läfst, während
die körperlichen Reize der prächtig geschmück-
60 ten Kora noch durch das Gewand erkennbar
sind. Als Attribut führt Demeter die für ihre
Irrfahrt charakteristische Fackel mit Quer-
hölzern. — Über die Erscheiuung der Göttinnen
in den Mysterienbildern s. oben Sp. 1356 f.
Besonders zu betrachten sind die Monumente,
in welchen Persephones Beziehungen zur
Unterwelt betont sind. Soweit wir diese
in dem Kreise der attischen Kunst finden, er-
1369 Kora u. Demeter (i. d. Kirnst d. Blütez.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst d. Blütez.) 1370
scheint Persephone hier als die jugendliche
Göttin, das geraubte Mädchen. Die Gruppe des
Parthenonwestgiebels (B C bei Michaelis,
Parthenon Tf. 7. 8 ; s. Brunn-Bruckmann nr. 192),
welche gewöhnlich auf Kekrops und Pandrosos
gedeutet wurde, mufs nach Wiederholungen
derselben, welche in Eleusis in der Nähe des
den Beherrschern der Unterwelt eine ruhig
zuschauende, trauliche Gruppe. Persephone,
in den Formen nahezu mädchenhaft, schlingt
den Arm um den Nacken des Gemahls, dem
als Erkennungszeichen, wie in den archaischen
lakonischen Reliefen, die Schlange beigegeben
ist. Kopf und Attribute Persephones fehlen
IG) Aussendung des Triptolemos (anwesend: Eleusis). Vase des Hieron
(nach Overbeck, K.-if. Atlas Taf. 15, 22a.) s. Sp. 13G7, 26.
Plutonion] zum Vorscheine kamen, nunmehr
für Hadesjund Persephone gelten. Die best-
erhaltene derselben (abgeb. 'Ecpijii. &Q%caol.
1890 Taf. 12) weicht nur in der Gewandung
leider sowohl in der Giebelgruppe wie in ihren
eleusinischen Repliken. — So wie hier er-
scheint sie auch bei den Götterzusammenstel-
lungen der Vasenbilder als jugendliche Ge.
17) Aussendung des Triptolemos (anwesend: Keleos und Hermes).
Unediert. S. Sp. 1367, 55.
Vasenbild in Pe
und durch das Fehlen der Schlange etwas von
dem Vorbilde ab. Bei der genrehaften Dar-
stellungsweise , welche sich in den Seiten-
gruppen dieses Giebelfeldes, gemäfs dem dort
befolgten Kompositionsprinzipe (vgl. Sauer in
Ath. Mitt. 16 S. 91 ff.), geltend macht, und der
freundlicheren Auffassung der Unterwelts-
götter in der Religion von Eleusis wurde aus
mahlin des alten Hades, zuweilen durch eine Blüte
ausgezeichnet und abstechend gegen die könig-
liche reife Erscheinung der Hera; s. Mus.
Greg. 2 Taf. 21, 1, Mm. d. Inst. 5 Taf. 49;
6 Taf. 58, 2. — Jugendlich sind auch die Formen
einer Marmorstatuette des Museo Chiarainonti,
abgeb. bei Overbeck, Atlas zur K.-M. Taf. 14, 16,
vgl. K.-M. 3 S. 473 f. , die Overbeck mit Recht
1371 Kora u. Demeter (in der spät. Kunst) Kora u. Demeter (in der spät. Kunst) 1372
wegen des Ährenattributes und des als Ker-
beros zu ergänzenden Hundes für die Unter-
weltkönigin in Anspruch nahm. Kopf und
Arme sind ergänzt; ein Teil des Ährenbüschels
jedoch antik.
Späterer Zeit gehört das Relief der best-
erhalteuen columna caelata aus Ephesos
an (abgeb. u. a. Anh. Zeit. 1873 Taf. 65. 66
und Orerbeck. Plastik3 2 S. 97), in wel-
chem Bobeit, Thanatos S. 36, wie es scheint
mit Recht, eine Scene des Alkestismythos
erkannte; die Bedenken wenigstens, mit wel-
chen Wolters, Gipsabgüsse nr. 1242 diese
Deutung in Frage stellt, waren schon im
voraus von Bobert zurückgewiesen; jeder
Basis entbehrt aber die Deutuug Bewndorfs
als Parisurteil (Bull, comun. 14 S. 60 f.;
vgl. Bobert, Archäol. Märchen S. 160 ff.).
Die Erscheinung Persephones erinnert hier am
meisten an Hera; sie steht 1. von dem thro-
nenden Gatten. Der Gegenstand, den sie in
den Händen hält, ist nicht mehr kenntlich;
höchstwahrscheinlich war es ein bedeutungs-
das Diadem, abgesehen von zwei Bildern,
Neapel 3222 (Mon. d. Inst. 8 Taf. 9 = Wiener
V.-B. Ser. E Taf. 2) und Santangelo 709 {Arch.
Ztg. 1884 Taf. 18 = 11'. V.-B. a. a. 0. Taf. 3, 2),
in welchen auch Hades durch die Einfachheit
der Tracht auffällt. Ihr gewöhnliches Attribut
ist die Fackel mit Querhölzern , wie wir sie
bei Demeter in den Darstellungen des Kora-
raubes gefunden haben. In derselben Er-
10 scheiuung begegnet sie uns auch auf der
Adonisvase Santangelo (nr. 702; s. Bull. Nap.
N. S. 7 Taf. 9 = Baumeister S. 16) und ohne
Fackel in der gleichen Situation Mon. d. Inst.
6 Taf. 42 B. Bei der Fesselung des Theseus
und des Peirithoos durch die Erinyen steht
sie mit zwei Fackeln in den Händen, s. Jatta
nr. 1094 (Arch. Zeit. 1844 Taf. 15; Müller-
Wieseler 2 Taf. 68, S62; W. V.-B. Ser. E Taf.
6, 4), während das Scepter ihr in zwei Dar-
20 Stellungen (Santangelo 709 und auf der grofsen
Karlsruher Vase Mon. d. Inst. 2 Taf. 49 =
W. V.-B. Ser. E Taf. 3, 1) verliehen ist.
Darstellungen auf römischen Sarkoph agen
ls) Proaerpina, Pluto, Ceres, Relief vom Denkmale der Haterier. Nach Photographie.
loser Schmuckgegenstand. Der Kopf fehlt leider
der Figur.
Die späteren Monumente heben vor allem
die Eigenschaft Persephones als Königin her-
vor, indem sie sie entweder thronend in der
Unterwelt darstellen oder sie mit reicher
matronaler königlicher Tracht ausstatten, so
dafs sie am ähnlichsten der Hera erscheint.
Neben dem Reliefe Albani (abgeb. Welcher,
Alte Dcnkm. 2 Taf. 4, 7; Müller - Wieseler 2
Taf. 7, 76), dessen Frauengestalten grofse Ähn-
lichkeit, wenn auch nicht völlige Überein-
stimmung, mit den Figuren des ephesischen
Reliefs zeigen, sind hier eine Reihe Wand-
gemälde aus etruskischen Gräbern zu ver-
gleichen (s. Bd. 1 Sp. 1804 ff.; Müller-Wieseler 2
Taf. 67 nr. 855) und besonders die grofse An-
zahl der Unterweltvasen, zusammengestellt
von A. Winkler, Die Darstellungen der Unterwelt
auf unteritalischen Vasen; die meisten der-
selben sind abgebildet in den Wiener Vor-
IcgeblätternSer.E Taf. 1 — 6; eine weitere giebt
ll inkler a. a. 0. Persephone thront entweder
oder steht neben dem thronenden Hades. Sie
ist reich gewandet, gewöhnlich mit schleier-
artig heraufgezogenem Obergewand, und trägt
bieten keine neuen Züge (vgl. Müller-Wieseler 2
Taf. 68, 858 f.), ebensowenig das Wandgemälde
aus dem Grabe der Nasonen, ebda. nr. 860.
Interessant ist aber das Relief von den Ha-
teriergräbern, welches die Unterweltgötter
darstellt und zu Pluto und ProserpinanoehMercur
und Ceres hinzufügt, eine Zusammenstellung,
50 die auf griechischem Boden in einer Inschrift
von Knidos, vgl. Sp. 1305, vorliegt. Mutter und
Tochter sind fast gleich; Gewand, Haartracht
und Schleier stimmen übereiu, nur sind die
Formen der Tochter doch etwas zarter. Auch
die Attribute sind verschieden; Ceres hält die
Ähren und die in römischen Monumenten ihr
hauptsächlich zukommende Fackel, während
Proserpina durch Blüten und Früchte aus-
gezeichnet ist, vielleicht im Anschlüsse an die
co Piaxitelische Darstellung der Kora, die aus
diesem Grunde bei Plin. 36, 23 zu einer Flora
wurde; vgl. über dies Relief Benndorf-Sehöne,
Lateran nr. 359; Brunn in den Ann. d. Inst.
1849 S. 405 ff.; abgeb. Mon. d. Inst. V Taf. 7, 2;
Overbeck, Atlas Taf. 14, 15.
Unter deu Mythen der Göttinnen haben wir
nur die auf den Raub und die Rückkehr der
Persephone bezüglichen zu betrachten und
1373 Kora u. Demeter (i.d. Kunst: Raub d.K.) Kora u. Demeter (i.d. Kunst: Raub d.E.) 1374
können darin uns um so kürzer fassen, als be- Taf. 18, 14, welches den Moment des Ver-
sonders für die Darstellungen des Raubes in Sinkens darstellt.
dem Werke von R. Förster, Der Raab und Denkmäler des grofsen Kunstbetriebes spie-
die Rückhehr der Persephone die Monumente geln sich in den Münzen wieder. Die bei
zusammengestellt und geordnet sind; als lllu- Overbeck, K.- M. 3 Münztaf. 9, 8 — 13 reprodu-
stration kann Overbeck, Atlas Taf. 17. 18 dienen, eierten lassen mit alleiniger Ausnahme von
während der Text hierzu K.-M. 3 S. 590 ff. nr. 12 dasselbe Vorbild deutlich erkennen;
im wesentlichen die Ergebnisse Försters wieder- übereinstimmend sind in ihnen die sich hoch-
holt, bäumenden Rosse , das nimbusartig Hades'
Auch bei der Darstellung des Raubes 10 Haupt umgebende Himation, die sich nach
fehlenunsalle Anhaltspunkte zur Rekonstruktion hinten zurücklegende, widerstrebende, die
der Werke der grofsen Künstler, welche ihn dar- Hände ringende Persepbone, zu welchen in den
gestellt, Praxiteles und Nikomachos, Plin n. h. beiden gröfsten Exemplaren der über den
34, 69; 35, 108; vgl. Förster a. a. 0. S. 102 ff.; Pferden schwebende Eros hinzutritt. Durch
Overbeck a. a. 0. S. 595 f. Das älteste unter letzteren, sowie auch durch die kühne Stellung
den erhaltenen Monumenten der entwickelten der Pferde scheint mir die Malerei als Quelle
griechischen Kunst ist die kleine Giebelgruppe gesichert. In der hinter dem Wagen sicht-
eines Sarkopbages von Tanagra, publiciert von baren Figur der Münzen von Hyrkania (a. a. 0.
Curtins, Abhandl. d. Berl. Akad. 1878 S. 28 ff. nr. 9) erkennt Förster S. 110 die mit ge-
Taf. 1. Die Mitte wird von Hades' Gespanne »o sohwungener Lanze den Räuber verfolgende
eingenommen, das der Gott gerade zu besteigen Athena. Bedeutend ruhiger stellt sich die
im Begriffe ist. Mit dem linken Arme hält er Scene in den Münzen von Nysa und Kasa
Persephone umfafst, die sich vergeblich wehrt dar (a. a. 0. nr. 7 u. 12); die Pferde laufen und
nnd die Arme flehend nach der verfolgenden springen nicht wie in den vorigen ; es fehlt
Mutter ausstreckt. Bekleidet ist sie mit dem auch das wildflatternde Gewand des Gottes,
langen ungegüi'teten dorischen Chiton, dessen während Peisephones Stellung unverändert
Spangung auf der linken Schulter sich bei der blieb. Auf der Münze von Kasa schieitet Her-
Heftigkeit der Bewegung gelöst hat, ein Mo- mes dem Wagen voran. Für diesen Typus ist
tiv, das bei einer der herbeieilenden Ge- eher an ein plastisches Vorbild zu denken;
spielinnen wiederholt wird. Demeter ist im 30 Förster S. 111 erinnert vorsichtig an Praxi-
Gegensatze zu der zarten jungfräulichen Kora teles. —
durch volle matronale Formen, reiche Ge- Den Münztypen beider Klassen sind sehr
wandung und das Diadem ausgezeichnet. Die nahe verwandt die Reliefe mehrerer römischer
Figur links vom Gespanne ist Athena, welche Grabsteine, vgl. Förster a. a. 0. S. 113 ff. und
früher einen Helm, wohl aus Bronze, gehabt Overbeck a. a. O. S. 643 ff. Beispiele sind ab-
haben mufs; die auf sie folgende Figur ist gebildet bei Overbeck, Atlas Taf. 18, 1 — 3. Zu
vielleicht Artemis zu benennen. Die linke den Hauptfiguren Hades und Persephone tritt
Seite des Giebelfeldes klang in ruhigen Figuren in vereinzelten Fällen Hermes bezw. Eros,
aus, einer Blumenleserin und einer gelagerten Dieselbe Auffassung, dafs Persephone sieh
Nymphe, die von Curthis a. a. 0. S. 46 für die 40 in lebhaftem Kampfe dem Entführer zu entwin-
Ortsnymphe, vielleicht Nysa, gehalten wird. den suche, vertreten auch ein Wandgemälde
Der entgegengesetzte Giebel enthält als Pen- und ein Mosaik. Ersteres, aus Kertsch, ist ab-
dant den Leukippideuraub (s. a. a. 0. Taf. 2). gebildet bei Förster a. a. 0. Taf. 1 = Overbeck,
Die Vasenbil der des späteren Stiles, Attas Taf. 18, 5. Rechts und links von dem
welche den Koraraub darstellen, sind nicht Hauptvorgange sind andere Scenen desselben
zahlreich; eines derselben, das leider arg ver- Mythus dargestellt; die Überraschung bei der
stümmelte, Neapel nr. 3256 (s. Mon. d. Inst. 2 Anthologie (zweifigurig; Kora zwischen zwei
Taf. 31 und ohne Ergänzung Overbeck, Atlas Blumenkörben sucht zu entfliehen; Hades zu
Taf. 17, 25) stellt den Raub in der Scenerie der Fufs) und die irrende Demeter. Das Mosaik
Anthologie dar. Die drei anderen, Overbeck 50 ist das bei Rom vor Porta Portese 1885 ent-
a. a. 0. 26 a. b und 27 (vielleicht sind aber die deckte, jetzt im capitolinischen Museum befind-
beiden ersteren identisch), beschränken die Dar- liehe und im Bull, comun. 1885 S. 1711'. be-
stellung auf die Hauptgruppe zu Wagen, die sebriebene. Die Hauptgruppe ähnelt am meisten
vorauseilende Hekate und die verfolgende De- den Münzen von Hyrkania; von einer verfol-
meter; in den vollständig erhaltenen Exemplaren genden Figur ist nur der untere Teil erhalten;
nr. 26 a (s. auch Millingen, Anc. uned. Mon. 1 die Pferde {X&öviog, 'Eiitßtvg, Zögxog und
Taf. 16 ; Müller- Wieseler 1 nr. 213) und nr. 27 (s. Avyalo[g]) führt der vorausschreitende Hermes,
auch Mon. d. Inst. 6 Taf. 42 A) erwartet noch Am Boden sieht man eine blumenlesende
Hermes bezw. der sitzende Apollon den Zug; Nymphe im Momente des ersten Aufschreckens.
Sterne und schwebende Eroten füllen den P^aum. 60 — Nahe, besonders dem letztgenannten Monu-
In 26 und 26 A wendet sich Kora (mit Diadem, mente, steht auch die bei Overbeck a. a. 0.
aber ohne Schleier) flehend nach der Mutter um S. 654 veröffentlichte Ptdszkyscke Gemme; er-
und streckt ihr die Hände entgegen; in nr. 27 weitert ist die Scene hierdurch die verfolgende
steht sie gelassen neben dem Entführer, und Athena und Aphrodite.
ihre Ausstattung ist durch den Schleier ver- In den anderen Wand gemälden und Mosaiken
vollständigt. über Demeters Erscheinung s. liegt Kora meist (vgl. Förster S. 223 ff. ; Over-
oben Sp. 1368. Ein etruskisches Fabrikat ist beck S. 655 ff.) gebrochen, keines Widerstandes
Gerhard, A. V. B. Taf. 240 = Overbeck, Atlas fähig in Hades' Ann. Die Scene ist verschiedent-
1375 Korau. Demeter (i. d. Kunst: Raub d.E.) Kora u. Demeter (i.d. Kunst: Raub d.E.) 137G
lieh durch Hermes bezw. Eros erweitert, und in
einem Falle sehen wir hinter dem Wagen noch
die Gefährtinnen Koras bei der Anthologie (Over-
beck, Attas Taf. 18, 3). Den Raub bei der Antho-
logie stellt aufser dem Eertscher Bilde noch
ein aus Ostia stammendes Wandgemälde des
Lateran vor (Benndorf- Schöne, nr. 591; Mon.d.
Just. 8 Taf. 28; Overbeck a. a. 0. nr.6); die Dar-
stellung beschränkt sich auf Hades, der aus einem
10 Erdspalt ohne Gespann aufgestiegen ist, und
der zu entfliehen suchenden Eora. Am Boden
liegen grofse Mohnköpfe oder Granatäpfel,
gleichsam zur Erklärung der Darstellung. —
Die etruskischen Aschenkisten erweitern die
verfiaute Hauptgruppe mit einer ihrer gewöhn-
lichen Flügelgestalten, auch mit Charon, Her-
mes oder anderen nicht sicher benennbaren
Gestalten , vgl. Fürster S. 129 ff. ; Overbeck
S. 645 ff. — Abbildungen s. bei Overbeck, Atlas
20 Taf. 18, 9. 10; Inghirami , Mon. etr. Ser. 1
Taf. 9. 53.
Am ausführlichsten erscheint der Mythus
in den römischen Sarkophagreliefen, deren
grofse Anzahl von Förster S. 131 ff. in Gruppen
gesondert ist, dem Overbeck, K.-M.3 S. 608 ff.
sich anschliefst. Nachzutragen wären jetzt ver-
schiedene bei Mate - Duhn 2 nr. 3058 ff. ver-
zeichnete.
Die stärkste Gruppe dieser Sarkophagreliefe
30 — ungefähr der dritte Teil von allen — stellt
Pluton dar, der sich eben mit Persephone auf
das in Bewegung befindliche, zuweilen schon
in der Tiefe verschwindende Gespann schwingt.
Um sein Haupt wölbt sich der Mantel wie in
den Münzbildern. Persephone liegt gebrochen
und willenlos in seiuem Arme, wie in den
meisten Wandbildern und Mosaiken. Ihre Ge-
spielinnen sind in lebhafter Bewegung; Athena
will dem Räuber die Beute wieder abnehmen,
40 wird aber von Aphrodite am Schildrande er-
fafst und zurückgehalten. Dafs die Göttinnen
Aphrodite und Artemis zu benennen seien und
nicht Okeaniden, geht aus dem Diadem hervor,
welches eine derselben in (Abb. 19) dem besten
Sarkophage dieses Typus (Ann. d. Inst. 1873 tav.
d'agg. E. F = Overbeck, Atlas Taf. 17, 1) trägt.
Hermes eilt, die Pferde führend, in den voll-
ständigen Exemplaren voran. Unter dem Wagen
ist, wenn dieser nicht gerade versinkend dar-
no gestellt ist, Gaia gelagert. Von links naht
auf einem vou Schlangen gezogenen Wagen
Demeter, den Schleier nimbusartig über dem
Haupte, in einer Hand eine Fackel (auch das
Füllhorn Gal. Giustiniani 2 Taf. 79 soll wohl
eine Fackel sein). Neben Demeters Gespann
ist gewöhnlich eine geflügelte weibliche Figur
sichtbar, deren Benennung nicht festgestellt
ist, vgl. Overbeck a. a. 0. S. 613. Abbildungen
der diesem Typus angehörigen Sarkophage s.
60 bei Overbeck, Atlas Taf. 18, 1—3. 5. 6; Gal.
Giustin. 2 Taf. 79 ; Bull, de l'Acad. de St. Petersb.
18G8 S. 276, 2. — Bedeutendere Abweichungen
sind in ihnen sehr selten; nur Overbeck a. a.' 0.
nr. 6 (vgl. daselbst S. 614 ff'; s. auch Müller-
Wieseler 2 nr. 104) ist zu beachten.
Eine andere Gruppe , die der vorigen aber
iu vielen Zügen ähnelt, schiebt zwischen die
beiden Hauptteile der Darstellung, die Wagen
1377 Kora u. Demeter (i.d. Kunst: Raub d.K.) Kora u. Demeter (i. d. Kunst: Anodos) 1378
des Hades und der Demeter, die Überraschung
bei der Anthologie, in der natürlich die Ge-
stalten des Hades und der Kora wiederholt
werden. Beispiele sind bei Overbeck a. a. 0.
nr. 7 — 11. 19. 23. 24; Albinana , Tarragona
Tat. 16; Farina, Antico sarcofago; Mon. Matth.
3 Taf. 5; Gal. Gnistin. 2, 118. Während bei
Overbeck a. a. 0. nr. 7 Persephone schon fort-
getragen wird, kniet sie in den übrigen Dar-
stellungen am Boden, erschreckt zu dem Räuber
aufblickend, der eben ihr Spiel unterbrochen
hat. Die Hauptgruppe hat demgemäfs einge-
schränkt werden müssen. Meist ist von den
drei Göttinnen nur Athena übrig geblieben, die
in energischer Anstrengung die Geraubte zu
befreien sucht. Persephone sucht in der aus
den Münzen bekannten Weise sich zu befreien
und streckt die Arme nach hinten aus, aufser
bei Overbeck nr. 23; in nr. 23 scheint sie willig
dem Entführer zu folgen. Von der 1. Ecke her
kommt wieder Demeter auf ihrem teils von
Schlangen, teils von Pferden gezogenen Wagen.
— Eigenartige Züge weist auf der gleichfalls
zu dieser Gruppe gehörige Sarkophag Over-
beck nr. 17, s. auch Zoe'ga, Bassirilievi 2
Taf. 47. Die Anthologie ist durch Kora
allein dargestellt, während Hades zu er-
gänzen ist. Bei dem Raube wiederholt
sich das Motiv der ersten Gruppe, d. h.
Athena versucht Kora zu befreien, während
Aphrodite sie am Schilde erfafst; neu ist
aber, dafs Artemis Aphrodites Hand zu ent-
fernen sucht.
Eine andere Reihe der Sarkophage macht
Athena zur müfsigen Zuschauerin des Raubes.
In einem Exemplare wird der Vorgang so
wie in der oben besprochenen ersten Gruppe
als eine Scene gerätst, Overbeck a. a. 0.
nr. 18. Kora kniet blumenlesend; im Vor-
beifahren ergreift sie Hades, während Arte-
mis sie festzuhalten sucht. Von 1. naht
Demeter auf ihrem von Pferden gezogenen
Wagen. In den anderen Exemplaren sind
wieder die drei Scenen neben einander ge-
stellt: Demeter, Anthologie undEntführung.
Die Bewegung der Darstellung geht hier immer
von r. nach 1., bei der Anthologie fehlt Hades
stets, und Athena steht am 1. Ende der Dar-
stellung. Demeters Wagen ist von Schlangen
gezogen und in ihrer Erscheinung kommt
immer die wilde Hast zum Ausdrucke; vgl.
Overbeck Taf. 18, 20-22.
Von Einzelscenen dieses Mythus ist die
suchende Demeter oftmals auf Münzen
späterer Zeit dargestellt worden, gewöhnlich zu
Wagen, der teils von Schlangen, teils von Pfer-
den gezogen wird. Im ersteren Falle ist, beson-
ders in kleineren Exemplaren, die Entscheidung
schwer, ob Triptolemos oder Demeter gemeint
ist. Auch die zu Fufs mit zwei Fackeln
schreitende Demeter ist mit Recht als die
suchende bezeichnet worden. Beispiele siehe
bei Overbeck, K. - M. 2 Münztaf. 9, 14 ff. , vgl.
K.-M. 3 S. 658 ff.; Förster a. a. 0. S. 250 fr.
Die Rückforderung der Kora von Hades
durch Hermes stellt ein unteritalisches Vasen-
gemälde der Ermitage (nr. 424) dar, vgl. Bloch,
Die zuschauenden Götter S.28f. ; Winkler, Unter-
Eoscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. II.
weit S. 65 ff. Hades sitzt im Unterweltspalaste
auf seinem Throne, Kora steht neben ihm und
Hermes richtet einen Auftrag an sie aus. Da
andere Figuren, auf welche sich dieser be-
ziehen könnte, nicht vorhanden sind, ist diese
sich an Hom. hymn. in Cer. v. 355 anlehnende
Handlung zu erkennen. Noch zwei andere
Darstellungen, von denen er eine in Abbildung
veröffentlicht, bezieht Winkler a. a. 0. S. 69 ff.
10 darauf; doch ist in ihnen die Handlung nicht
so scharf charakterisiert, oder es fehlt ihnen
vielmehr jede Handlung, um diese Situation
erkennen zu lassen. Dagegen ist sie sicher für
eine Schmalseite des Sarkophages Rospigliosi,
Ann. d. I. 1873 Taf. E. F = Overbeck, Atlas
Taf. 17, 3.
Schliefslich sind noch die Darstellungen
der Anodos der Kora aufzuführen. Das erste
sichere unter diesen Monumenten war ohne
20 Frage das Vasenbild del Vasto, abgeb. bei
Strubc-Brtum, Suppl. z. Bilderkreis v. Eleusis
Taf. 3, danach Overbeck, Atlas Taf. 18, 15 und
Baumeister, Benkm. 1 S.423. Persephone {IJfqbco-
20) Anodos der Kora (anwesend Satyr, Hermes,
Hekate). Vasenbild in Bologna (nach Museo Italiano
2 Taf. 1, 1).
opotß) steigt reich gewandet mit Diadem aus
der Tiefe herauf, staunend das Licht begrüfsend.
Neben ihr steht Hermes (Houes); ihr voran
leuchtet, das Haupt zurückwendend, Hekate
50 (H-nati) mit zwei Fackeln. Rechts steht die
Tochter erwartend Demeter (Je^istsq), mit Scep-
ter, aber ohne jeden Schmuck. — Aufsteigend in
einer Höhle, vor welcher sie Hermes erwartet,
finden wir Kora auf einem Dresdener Krater,
Jahrb. d. Inst. 1. Anzeiger S. 166; die Korafigur
ist der der Vase del Vasto sehr ähnlich. Drei
Pane begrüfsen erstaunt die Aufsteigende. —
An diese Darstellung reiht sich eng eine weitere,
welche Paul Hartwig demnächst veröffent-
co liehen wird. — Schon völlig der Tiefe ent-
stiegen ist Kora in dem Bologneser Vasen-
bilde (Abb. 20) Museo Italiano 2 Taf. 1, 1. Sie
ist reich gewandet, trägt Schleier und Diadem.
Hermes, bärtig, führt sie an der Hand; Hekate
leuchtet wiederum sich umblickend mit zwei
Fackeln. Demeter fehlt. Hinter Kora trägt ein
kleiner Satyr ihr eine Ciste nach. — Unbezweifel-
bar ist auch die Anodos auf Münzen von Lamp-
41
1379 Kora u. Demeter (i. d. Kunst: Anodos) Koresos 1380
Bakos und Elaia, s. Müller- Wieseler 2,9, 109; Sturz von einem Felsen um, und seine Mutter
vgl. Förster S. 263, Overbeck S. 665. — Über erhängte sich aus Trauer an einer nahen
die zu Wagen auffahrende Kora auf dem Sarko- Quelle. Der Fels hiefs seitdem der Fels des
phage zu Wiltonhouse s. besonders Förster Korax (Od. 13, 408), die Quelle Arethusa,
und Overbeck a. a. 0. Eustath, u. Schal. Od. 13, 408. Hesych. v.
Für die Anodos der Kora möchte ich auch Kogcmog nirgrj. — [3) Vielleicht Name eines
trotz vielfach geäufserten Widerspruches (zu- Satyrs auf einer schwarzfigurigen Vase C. I. G.
letzt von Robert, Archäol. Märchen S. 179 ff.) 4, 7459. Höfer.] [Indessen Heydemann, Satyr-
die Darstellungen in Anspruch nehmen, in u. Bakchennamen p. 28 nr. m liest den Namen
welchen durch Hackenschläge die Erde geölf- 10 Choro ('FORJ) und bemerkt Anm. 149: „Kiich-
net wird und eine weibliche Figur mit dem hoff [Sticd. z. gr. Alphab.3 S. 111 nr. 3] liest
Kopfe oder dem Oberkörper aus ihr hervor- Xiogcc (so auch z. B. Kramer, Styl u. Herkunft
steigt; es handelt sich um eine schwarzfigurige S. 61 Anm. 2) oder Xoga . . . ; aber der letzte
Vase Ravesteinschen Besitzes ( Welcher, Ar. D. 3 Buchstabe ist hier wie in Xantho mehr 0 als A.
Taf. 15, 1; Ann. d. Inst. 1830 Tao. d'agg. J; Im C. I. Gr. 'fortasse subest Köga[£]' — ge-
Fröhtier , Mus. de Fr. Taf. 22), eine rf. des wifs nicht." Drexler.] — [4) Nach Aesehylus
Louvre (Fröhner a. a. 0. Taf. 21 und Clioix bei Pollux 6, 47 Name eines Hundes des Ak-
de vases 61 und eine rf. in Stockholm (Weltleer, taion, s. Baecker, De canum nominibus Graecis
A. D. 3 Taf. 15, 2; Ann. d. I. 1830 Taf. K); p. 42. Derselbe liest mit Muneker und Bunte
alle drei zusammen bei Robert , Arch. Märch. 20 im 2. Verzeichnis der Hunde des Aktaion bei
Taf. 6 (s. auch d. Art. Kyklopen). Bei keinem Hyginus 181 statt des handschriftlichen Coran:
Mythus war so wie bei dem von dem Corax, während Dindorf mit Zustimmung von
Rauhe und der Rückkehr der Kora stets die Jcschonnek, De nominibus quae Graeci peeudibus
Naturbedeutung in der Auffassung lebendig domesticis indiderunt"p. 20 statt Coran: Charon
geblieben. Durch die Feldarbeit kommt die lesen will. Andrerseits wollen Dindorf und
Frucht aus dem dunkelen Schofse der Erde Jcschonnek Corax lesen statt des bei Hyginus
hervor, und diese Frucht ist Kora. Sie be- handschriftlich überlieferten Borax, welches
grüfst mit einem ähnlichen Gestus wie in dem letztere Bergk , Z. f. d. A.-W. 8 1850 p. 404
Vasenbilde del Vasto das Tageslicht, zu dem und Baecker p. 52 verteidigen. Drexler.] — [5)
sie hindurchgedrungen ist. In der ältesten 30 Name eines Hundes auf der Francoisvase; P.
Darstellung sind es auch gewöhnliche Menschen, Kretzschmer , Kuhns Zeitschr. f. vergl. Sprach-
die durch ihre Arbeit das Werk vollbringen. forschung 39 (1888), 405. — 6) Name eines
Die späteren Darstellungen ersetzen sie durch Pferdes auf einer Vase aus Caere mit der
Satyrn bezw. Pane, wie in dem Dresdener und Darstellung von Hektors Auszug, Ci". Gr. 4, 7379.
dem Hartwigschen Vasenbilde; die hauptsäch- Gerhard, Arch. Ztg. 4 (1846), 302. Kretzschmer
liebste Litteratur s. bei Robert a. a. 0. — a. a. 0. p. 168 nr. 27. — 7) Name eines anderen
Schliefslich will ich noch der Vermutung Aus- Pferdes bei einer Eberjagd auf einer Vase im
druck geben, dafs das Relief Ludovisi; Heibig, Vatikan, C. I. (7.4, 7374; 5. Stephani, Gompte-
Führer nr. 886, (abgeb. Bull, comun. 1887 rendu 1867, 74 und die daselbst angeführte
Taf. 15 f.; Rom. Mitt. 7 Taf. 2) die Anodos 40 Litteratur. Kretzschmer a. a. 0. 161 nr. 11.
der Kora unter Mitwirkung der Hören, die Höfer.] [Stoll.]
auch nach Orph. hymn. 43, 6 (vgl. 29, 9) als ihre Korazon (Kcogd^av) , Beiname der Artemis
Gespielinnen bei der Anodos anwesend sind, auf einer Inschrift aus dem Tempel des Zeus
(vgl. auch den Sarkophage von Wiltonhouse) Panamaros in Stratonikeia 'JgrifiiSi Kcogd^cov
in leicht verständlicher Allegorie darstellt. xul Arytol v.a.1 'JirüXlcovi, Corr. hell. 12 (1888),
Die aus dem Meere auftauchende Aphrodite, 267 'AgzifiiSi. Kaga^iav tial 'AgzifiiSt 'Ecptaia.
die Petersen, Rom. MM. 7 S. 32 ff. hier zu 269. Deschamps- Cousin a.a.O. 267 sehen in
erkennen vermeint, erscheint mir unmöglich, der Artemis Korazon 'la eleesse patronale du
da die Figur weder aus detn Meere emportauclvt bourg de Koraza', vgl. auch Corr. hell. 14
noch in ihrer ausgesprochenen Keuschheit für 50 (1890), 372. 375; ein Ethnikon Äcoga'Qevg und
Aphrodite pafst. — Wenig sicher ist die Deu- Ätapajt's ebenda 15 (1891), 183. [Höfer.]
tung einiger selinuntischer Münzen auf Koras Kordaka (Kogöd-na), Beiname der Artemis
Begattung durch den in eine Schlange verwan- in Elis; ihr Tempel war ungefähr ein Stadion
delten Zeus, s. Imhoof -Blumer bei Benndorf, von dem Grab der Freier der Hippodameia
Metopen von Sei. S. 77; Overbeck, K.-M. 3 (Bd. 1 Sp. 206S, Z. 50) entfernt; der Name K.
S. 668 f. Münztaf. 9, 27a.b. [Leo Bloch.] stammt daher, weil hier die Begleiter des
Korakoi (Kogay.oi), gemeinsamer Name der Pelops zur Feier des Sieges ihres Herrn ihren
von den Skythen verehrten Freunde Orestes heimischen Tanz (den Hogäct^) aufführten,
und Pylades. Das Nähere s. u. Orestes. Das Paus. 6, 22, 1. Stephani, Compte-rendu 1865
Wort Kögaxoi bedeutet s. v. a. tfiltoi Sai- co 31 Anm. 4 vermutet, dafs sich die Worte des
(lovig, Lucian. Toxar. 7. [Höfer.] Pausanias a. a. 0. und des Didymos im Scliol.
Koras {KcgcigV), Bruder des Catillus und Pind. Ol. 3, 54 %cd nag' 'HXti'oig 'Og&cociag
Tiburtus , Enkel des Amphiaraos; Verg. Aen, 'AgzifiiSog iigov, ras cpt]ai Ji'Si'iiog auf einen und
7, 672. S. Näheres unter Catillus. [Höfer.] denselben Kultus beziehen. [Höfer.]
Korax (Koga^), 1) Sohn des Koronos, Bruder Köre s. Kora.
des Lamedon, König in Sikyon, Patts. 2, 5, 5. Koresos, 1) (Kügtßog) Priester des Dionysos
— 2) Ithakesier, Sohn der Arethusa. Er kam zu Kalydön, gab sich als Opfer hin für die
bei der Verfolgung eines Hasen durch den Geliebte Kalirrhoe, s. Kaliirrhoc nr. 7. Paus.
1381 Koretas Kornopion 1382
7, 21, 1. — 2) Kogricog', Autocbthon im ephe- schlechte des Helios., Paus. 2, 3, 8. 2, 1, 1.
sisehen Lande, gründete mit Ephesos, dem Im Et. M. 529, 47 heifst er Sohn des Mara-
Sohne des Flusses Kaystros, den Tempel der thon oder des Pelops. Die Korinthier sagten,
ephesischen Artemis. Die Stadt wurde nach er sei Sohn des Zeus gewesen, und man bezog
Ephesos benannt, Paus. 7, 2, 4. Koiesos oder darauf das Sprichwort: b Aiog Köoiv&og von
Eoressos war ein Ort und Berg im ephesischen solchen, die stets dasselbe sagen, „das alte
Gebiet, Uerodot. 5, 100. Xenoph. Hell. 1, 2, 7. Einerlei", Find. Nem. 7, 105 (155). Aristoph.
Steph. B. v. KoqriGGÜg. [Stoll.J [Er erscheint Ran. 439. Ecclcs. 828. fr. 434. Plat. Euthyd.
auf einer Münze des Macrinus von Ephesos p. 292 c. Paus. 2, 1, 1. Die Sagen von der
zusammen mit Androklos: „Rev. €<J>GCIßN • 10 Entstehung des Sprichworts b. Schal. Pind.
KOPHCOC ■ ANAPOKAOC. Deux heros debout a. a. 0. u. Aristoph. San. 439. Da er kinder-
se donnant la main, Tun d'evx iient une los starb, so beriefen die Korinthier die Medeia
epc'e sur Vepaule g., l'autre le pallium et ä ses aus Iolkos und übergaben ihr die Herrschaft,
pieds un sanglier couelie" , Mi. 3, 110, 370, Paus. 2, 3, 8. Nach Nicol. Damasc. fr. 41 b.
Head p. 498'; Guhl, Ephcsiaca p. 131. 139. Müller, Hist. gr. 3 p. 378 wurde er von den
Viel häufiger als Koresos erscheint Androklos, Korinthiern hinterlistig getötet, worauf Sisy-
des Kodros Sohn, der jmGrrJs von Ephesos, phos die Mörder bestrafte und an seiner Statt
auf den Münzen der Stadt, mit Beischrift des König ward. Eine Tochter des Korinthos,
Namens ANAPOKAOC, z. B. Mi. 3, 110, 369; Sylea, war mit Sinis, dem Sohne des Polype-
S. 6, 146, 438; 168,587; 192,744; Rerjio Museo 20 mon, vermählt, Apollod. 3, 16, 2. Gerhard,
di Torino. Mon. Gr. p. 275 nr. 3965. H(ad, Gr. Myih. 2 § 824 p. 237. 238. — [Stehend,
Cat. of the greeJc coins of Ionia p. 78 nr. 232; in jeder Hand ein Steuerruder haltend, mit
p. 94 hr. 316. Ilist. num. 498. Drexler.] der Beischrift CORINTHV8 ist er zu sehen
p Koretas (Kogy'jxag), ein Hirt, der zuerst die auf einer Münze des Marc Aurel von Korintb,
mantische Höhle zu Delphi entdeckt haben Locbbeclce, Zeitschr. f. Num. 10 1883 p. 75
sollte, Plut. de def. or. 42. [Stoll.] nr. 18. Auf einem Bronzespiegel sieht man
Korethon {Kogä&aiv), ein Sohn des Lykaon, KOPINOOI als bärtige zeusähnliche Gestalt
Apollod. 3, 8, 1. [Stoll.] sitzeud dargestellt, die B. am Scepter, den
Koria (Kogi'a), Beiname 1) der Atheua; ihr Oberkörper nackt, bekränzt von der hinter
Tempel und ihre Bildsäule befanden sich auf 30 ihm stehenden jugendlichen Frauengestalt der
einem Berggipfel in der Nähe der arkadischen AEYKAZ, A. Dawont, Rev. arch. 1872 p. 297 f.
Stadt Kleitoria, Paus. 8, 21, 4; nach Cic. de und Monum. grees publ. par Tassoc. pour Ven-
nat. deor. 3, 23, 59 gilt Athena K. für die couragement des etudes grecques en France
Erfinderin des Viergespannes. Vgl. Koryphe. Nr. 2 1873 p. 23—50, PI. 3; Mylonas, 'Ellrj-
[Das Haupt der Athena erscheint auf den Mün- viv.u y.kxokxqu. Athen 1876. 4° p. 17 — 21, A'
zen von Kleitor, Imhoof- Blumer and Gardner, nr. 3 und 'Aq%. icprjfi. 1873, Taf. 64, p. 440 ff.,
Num. comm. on Pausanias p. 98. Drexler.] Gardner, Countries and eitles in ancient ait,
— 2) der Artemis in Arkadien; Proitos hatte Journ. ofhell. stud. 9 1888 p. 61 — 63; O. Schultz,
der Artemis Koria einen Tempel geweiht, weil Die Ortsgottheiten in der griech. und röm. Kunst
sie seine wahnsinnigen Töchter (zitg y.6gag) 40 p. 82. Im Festzug des Ptolemaios IL erschien
hatte genesen lassen, Kedlim. hymn. 3, 234 und Korinthos in weiblicher Gestalt, ein goldenes
Schot 3,236; vgl. d. Art. Himerasia. [Höfer.] Diadem tragend, neben der Statue des Königs,
f Korianos s. Kobis, wo nachzutragen Joannes Athen. 5, 197, Gardner p. 64. Drexler.] — [Des
Silceliota ed. Stary , Jahresber. d. k. k. ersten, Korinthos Gemahlin ist Gorge. die Tochter des
Staats-Gymn. Graz 1892 p. 6: vLovg toü Kv-kvov Megareus, die sich nach der Ermordung ihrer
Kioßnv (mi. oßriv) -auI K6v.cxqy.ov (= KoQiavov'i) Kinder in den See Eschatiotis stürzte, der
■hui xr\v &vyartqa avzov rictvxriv (ms. nXdy.av). von nun an nach ihr Gorgopis hieis, Kralinos
[Höfer.] bei Mesych. s. v. yociyärng. Etym. M. 384, 39.
L Korinnos (Köpivvog), epischer Dichter aus Max. Mayer, Jahrb. cl. Kais. D. arch. Inst.
Ilion, der vor Homer gelebt haben und zuerst, 50 7 (1892) 201. — Wenn es Mythogr. Lat. 2, 192
schon während des trojanischen Krieges, äiellias p. 138 Bode heilst Iuppiter cum Electra, ^^an-
geschrieben haben soll, und zwar in den von Pala- tis fdia, Corinthi regis, coneubuit. Sed ex
medes erfundenen dorischen Buchstaben; denn Joris semine natus est Dardanus, ex Corinthi
er war ein Schüler des Palamedes. Auch Iasius, so ist an beiden Stellen für Corinthi
schrieb er den Krieg des Dardanos gegen die zu lesen Corythi; vgl. ebenda 1, 135 p. 43:
Paphlagonier. Homer soll von ihm den ganzen Dardanus de love, Iasius de Corytho pro-
Iuhalt seiner Poesie genommen haben, Suid. creaius est. — 2) Sohn der My»tis (s. d.) v. 1.
•v. KoQivvog. Schol. Nicand. Thcr. 15. [Stoll] für Koryrnbos (s. d.) bei Konn. Dio>iys. 13,
I Korintllios (KoQivftiog), Sohn des Pelops - 141. Höfer.] [Stoll.]
und der Hippodameia, Schol. Eur. Or. 5. \_Tzetz. go Korkyne ( KoQv.vviq), Amme der Ariadne,
Exeges. II. p. 68. Mantiss.proverb. 2, 94 p. 773. welche mit dieser und Theseus nach Naxos
Höfer.] [Stoll.] kam, wo ihr Grab noch in später Zeit gezeigt
( Korinthos (KaQiv&og), 1) Gründer und König wurde, naxische Schriftsteller b. Plut. Tlies.
der Stadt Korinth; die von ihm den Namen 20. [Stoll.]
erhielt, von den Korinthiern nach seinem Tode Korkyra (Ädpuupa) = Kerkyra (s. d.).
verehrt, Schol. Aristoph. Ran. 439. Herakl. Kornopion (KoQvonCav), Beinamen des Hera-
Porit. fr. 5 b. Müller, Fr. hist. gr. 2 p. 212. kies bei den Oitaiern der Gegend von Trachis,
Er heilst Sohn des Marathon, aus dem Ge- s. Strabo p. 613: „So werde bei den Oitaiern
44
*
1383 Kornopion Korone 1384
ein von den pornopes oder Heuschrecken, Dien vous rassasiera; il.entend, il sait. —
welche jene Kornopes nennen, benannter Hera- Mettez wie Opposition entre eux et ce qu'ils
kies Kornopion verehrt wegen der Befreiung desirent. — Parte! , Dien a de'gage vos coeurs.
von den Heuschrecken; Ipoktonos aber, d. i. — Lorsque Vordre sera donne, elles s'en iront
der Wurmtöter bei den am Mimas wohnenden confuses. — On les reläche ensuite au milieu
Erythraiern, weil er die den Weiustock au- de Vessaim et leur arme'e va se perdre dans une
fressenden Nagewürrner, die ipas vernichtete; autre direction." [Drexler.]
und wirklich finde sich nur bei jenen Ery- Koroibos (KÖQOißog), 1) ein edler Jüngling
thraiern dieses Tier nicht. Ferner haben die aus Argos. Psamathe, die Tochter des argi-
Rhodier, welche die erysibe, d. i. Weizenbrand, 10 vischen Königs, hatte von Apollon einen Sohn
erythibe aussprechen, in ihrem Gebiet einen (Linos) geboren und aus Furcht vor dem Vater
Tempel des Apollon Erythibios. Bei den ausgesetzt oder einem Hirten ihres Vaters
Aiolern in Asia wird, weil die Boioter die übergeben, dafs er ihn aufziehe. Die Hunde
parnopes, d. i. Heuschrecken, pornopes nennen, des Hirten aber zerrissen das Kind, und auch
ein Monat Pornopion genannt und dem Apollon Psamathe wurde von dem Vater getötet. Des-
Pornopion ein Opferfest angestellt"; vgl. Eu- halb schickte Apollon ein Ungeheuer Poine
stath. II. 34, 25. Preller, Gr. M. 2S p. 274 (eine Pest), welches die Kinder hinraffte, bis
Anm. 4. J. Marshall, Proceedings of the soc. Koroibos es tötete. Da aber eine zweite Pest
of biblical archaeology 8 p. 76 f. Ebenfalls nicht nachliefs, so ging Koroibos freiwillig
wegen der Vertilgung der Heuschrecken ver- 20 nach Delphi , um für den Mord der Poine
ehrten die Athener einen Apollon Uagvomog, dem Apollon zu büfsen. Die Pythia befahl
Paus. 1, 24, 8. In späterer Zeit übernehmen ihm, nicht nach Argos zurückzukehren, sondern
Heilige mit Gebeten und anderen geistlichen einen Dreifufs aus dem Tempel aufzunehmen
Waffen die Vertilgung des gefräfsigen Insekts. und fortzutragen, und wo dieser ihm entfalle,
J. B. Friedreich, Die Symbolik und Mytho- da solle er dem Apollon einen Tempel erbauen
logie der Natur p. 625 Anm. 1 nennt als Heu- und wohnen bleiben. Im Gebiete von Megara
schreckenvertreiber den heiligen Stephanus, am Gebirge Gerania entfiel ihm der Dreifufs;
Benedictus Abbas, Gregorius, Benno von Osna- hier gründete er den Flecken Tripodiskoi (191-
brück. Sie wurden mit dem Kirchenbann be- novg). Auf dem Markte zu Megara war das
legt „nach kontradiktorischer Verhandlung 30 Grab des Koroibos, und auf dem Grabstein war
zwischen dem Anwalt der Bevölkerung und abgebildet, wie er die Poine tötet, Paus. 1,
dem Anwalt der angeklagten Tiere. Und im 43, 7. 2, 19, 7. Stat. Theb. 1, 570ff.; [Schol.
16. Jahrhundert war dieses Verfahren gegen Ovid. in Ibim 573. Mytlwgr. Dat. 1, 168 p. 52
Heuschrecken so allgemein geworden, dafs der Bode. Schol. Stat. Theb. 1 p. 51. 55. 79. 6
Überpräsident des Parlaments der Provence p. 274 ed. Cruceus. Höfer.]; vgl. Kon. 19. Anthul.
ihm ein eigenes Gutachten widmete, und erst Pal. 7, 154. Müller, Darier 1, 295. Preller, Gr.
der Benediktiner D. Leonhard Vairus hat sich MytJi. 1, 379. [Vgl. oben im Artikel Keren
gegen diese Übung ausgesprochen, welche er Sp. 1154 die lichtvolle Erklärung der Legende
für abergläubisch, gotteslästerlich und un- von Crusius. R.] [Vgl. auch Max. Mayer,
gereimt hielt." Karl Friedrichs, Mensch u. 40 Jahrb. d. Kais. D. arch. Inst. 7 (1892), 201.
Person, Ausland 1891 p. 315. 316. Frank Höfer.] [Knaack, Analecta Alexandrino-
Cowan, Curious facts in the history of insects. romana 1. De Callimachi Lino p. 24 — 28.
Philadelphia 1865 p. 116 citiert aus „Purchas's Drexler.] — 2) Phrygier, Sohn des Mygdon;
Pilgrims" : „In the yeere 1603 , at Fremona, er zog dem Priamos zu Hülfe, um die Hand
great misery happened by Grasse-hoppers , front der Kassandra zu erwerben, fiel aber in dem
ivhich Paes freed the Catholikes , by Betanies nächtlichen Kampf bei der Erstürmung von
and sprinkling the Fields icith Holy-uater ; when Troja durch Diomedes oder Neoptolemos oder
as the Fields of Heretikes seuered only by a Peneleos, Paus. 10, 27, 1. Euripi. Mhci. 539.
Ditch, were spoyled by them." Derselbe führt Quint. Sm. 13, 169. Verg. Aen. 2, 34i. 407.
an, dafs die Tataren der Krim zur Vertreibung 50 424. [Der tote Koroibos, über den Aias, der
der Heuschrecken sich Derwische aus Klein- Sohn des Oileus, wegschreitet, dargestellt
asien kommen liefsen; „these divines prayed auf der Vivenziovase; Heydemann, Keapler V.
around the mosques, and, as a Cham, ordered nr. 2422. Baumeister, Denkni. Tat'. 14 nr. 795;
water to bc hung out on the minarets , which vgl. p. 742 r. Höfer.] — 3) Ein Athener, der
uith the prayers, u-ere meant to entice a species die Töpferwerkstätten erfunden haben sollte,
of black bird to come in multitudes and derour Plin. n. h. 7, 57. [Stoll.]
the Docusts." Bei den Arabern dient ein Gebet Koronai s. Koronides,
des Propheten um Vernichtung der Heu- Korone. Auf einer Vase in München
schrecken, auf ein Papierblatt geschrieben und (Bc'serve e'tr. p. 9, 28. de TYitte, Descr. d'une
in einem Rohr auf dem Felde aufgepflanzt, co coli, de vases peints . . provenant des fouilles
zur Abwehr der gefräfsigen Tiere, C. deWmrloy, de TFtrurie p. 63. 64 nr. 110. Gerhard, Auserl.
La Tradition 2 1888 p. 278. Als ein anderes Vasenbilder 3, 168. O. Jahn, Beschreibung der
unfehlbares Mittel der Araber gegen die Ein- Vasensamml. König Ludwigs 2 p. 141 nr. 410)
bräche der Heuschrecken verzeichnen Warloy hat Theseus eine mit langem Chiton und Man-
a. a. 0. und Rolland, Faune popul. de la France tel bekleidete Frauengestalt, Korone (KOPONE),
3 p. 294 aus Daumas, Le Grand De'sert: „On „die ihren r. Arm um seinen Nacken legt und
prend qiiatrc sauterelles et Von cerit un de ces seinen Arm zu umfassen sucht, mit beiden
quatre versets du Koran sur les alles de chaeune: Armen um den Leib gefafst und erhoben.
1385 Koroneus Köronides 1386
Beide sehen auf die herbeieilende Helena, Ovid der Asche entstiegene geminos iuvenes,
-welche mit der R. die Chlamys des Theseus, quos fama Coronas nominat! Man erwartet
mit der L. den r. Arm der Korone fafst". 'Cornetas' oder doch Coronos (= Kogwvovg) ;
Hinter ihr sieht man Peirithoos. Panofka, aber die Überlieferung ist fest, die Konfusion
Monatsber. d. Berl. Ak. 1848 p. 90—99 hält ursprünglich. — Kogdvr] ist ein ausschließlich
die Scene für einen Raub Korones als einer in dem Asklepiosmythus festsitzender Name,
uns zufällig bezeugten Theseusgeliebten. Da- wo ihn stets ein Weib trägt (s. oben Bd. 1
gegen will Pyl, Arch. Ztg. 9 1851 Sp. 331 f. Sp. 616, Z.28— 48). Wie die berühmte Mutter
den Raub der Helena durch Theseus erkennen des Asklepios schon die Frucht unterm Herzen
und vermutet, „dafs diese Korone durch die 10 trägt, als sie, zugleich mit auderen Frauen,
Mythen in ein Freundschaftsverhältnis mit getötet wird, und wie schon der Leichnam auf
Helena gebracht sein könne" und „den Raub dem Scheiterhaufen verbrannt werden soll,
ihrer Freundin zu hindern sucht". Pyl will als mitten aus der Glut des Feuers und dem
ferner diese Korone dargestellt sehen auf der toten Mutterleibe Apollon seinen Sohn rettet
von ihm Taf. XIX abgebildeten, Sp. 329ff. und entführt (s. o. Bd. 1 Sp. 618, Z. 28ff.), so
besprochenen Vase des Berliner Kabinetts, schweben hier, genau entsprechend, 2 (gemini)
auf welcher indessen Furticängler nr. 3143 Söhne aus der 'mütterlichen Asche'. Auch die
Scene B nur eine einfache Frauenverfolgung Seuche fehlt im grofsen Asklepios -Koronis-
erkennt, sowie Korone, Helena, Theseus und Mythos nicht, nur tritt sie dort nicht vorher
Tyndareos auf einem ihm durch eine Zeich- 20 als Anlafs zum Sühnopfer, sondern zugleich
nung in Gerhards Besitz bekannt gewordenen mit diesem als Strafe auf (Find. Pyth. 3, 52
Stamnos. [Drexler.] u. Sclwl.; vgl. überh. zu 68, 66). Abweichungen
Koroneus (Kogoivtvg), Vater der Koronis liegen aufserdem noch darin, dafs Koronis von
(s. d.) Ov. M. 2, 569. [Stoll.] dem Raben des Apollon oder diesem Gotte
Koronides (Kogmvt'ärjg), Sohn der Koronis, selbst getötet wird, die Koronides sich selbst
Asklepios, Ov. Met. 15, 624, Ibis 406 und (naga rrjv nitida: Ant.) töten; ferner dafs der
Schot 405. Prisclan. Inst. 2, 34. Grammatici Koronissohn Asklepios auf den Pelion zu Chei-
Lat. ed. Keil 2, 63. [Höfer.] ron entrückt wird, der ihn erzieht,__ während
Koronides (KogwviSzg) oder Koronai (Coro- bei Antoninus aus den sterblichen Überresten
nae = Kogävai), eine nur Boiotien undAttika 30 (= cinis?) der Koronides zwei Sterne (= Fun-
eigene Doppelung der Koronis (s. d.), dadurch ken?) als Kometen zum Himmel entschweben,
merkwürdig, dafs sie, ebenso wie das Motiv bei Ovid: jene beiden angeblich 'Coronae'
von der Feuergeburt eines Gotteskindes, zu- genannten 'Zwillinge', welche der mütter-
gleich in den Asklepios- und in den Dionysos- liehen Asche das Totengeleit geben. Der
Mythus hinüberspielt. — 1) Zwei Schwestern, Hauptunterschied freilich ist die Zahl: Denn
Töchter des Orion, Namens Metioche und Me- im Koronismythos erscheinen nicht zwei -nogai
nippe (s. d.), waren zu Orchomenos in Boiotien oder zwei xopex., sondern nur zwei (d'iävfioi)
durch ein Heiligtum geehrt, in welchem alljähr- Hügel, als Wohnort der Koronis am Dotischen
lieh nogoi «al v.ögai LiaXlyfiaxa (psgovaiv. So Gefilde: diese müfsten also geradezu als 'die
erzählt (laut Glosse angeblich nach Korinna's 40 beiden Grabhügel einer Zweiheit von Koro-
Hetcroia und Nikandros' Heteroiumena) Anto- nides' den Mythos angeregt haben. Endlich ist
ninus Liberalis (c. 25 p. 224 Westerm.) von Koronis nie 'Oriontochter', sondern stets T.
den Koronides, während Ovid (Met. 13, 681 ff.) des Phlegyas oder Lapithes (so Eustath. zu
seine Coronae nach Thebai, der ismenischen IL B 729) gewesen. Auch sind die Komet-
Stadt, versetzt. Sie sterben als Sühnopfer für sterne in der alten Koronis -Sage unerhört,
ihr Volk, und zwar von eigener Hand durch 2) Schwurgöttinnen bei Dionysios Skym-
einen Stich in die Brust (xtpxüJt, Ovid: telo); naios bei Sclwl. Lyk. 12471): pa ras 0totvov
nach Ant. zur Sühnung an die igiovviovg&iovg v-al KogcoviSag (Var.: nogoviSag); vgl. Töpffer,
oder %%-ovlovg SaC^iovag, auf Anraten des gor- AU. Geneal. S. 105. 1141), der sie mit Aischy-
tynischen Apollon, den man wegen Abwen- 50 los' Theoinos- Mainaden identificiert (ebendas.
düng einer grofsen Seuche um Rat gebeten Nauck, F. T. G. 397) und nicht nur mit dem
hatte (wovon Ovid, überhaupt sehr kurz, Geschlechterkult (nicht dem Namen!) der atti-
nichts weifs). Des weiteren erzählt A.: Die sehen Koironiden, sondern mit den the-
beiden Mädchen sanken (igne crematae, O.) in baisch*)-orchomenischen K. (1) in Zusammen-
die Erdentiefen hinab (d. h. doch wohl: die hang bringt. Wirklich erscheint unter den
vom Scheiterhaufen gesammelte Asche ward drei naxischen Erzieherinnen des Dionysos-
in einer Urne begraben). Persephone und kindes eine Kogwvig, wie auch unter den sieben
Hades aber, welche die Leiber jener ver- hyadischen Erzieherinnen des theba'ischen D.
schwinden liefsen (rjtpüviaav) , schickten doch "T-ng bei Pherekydes (F. H. G. 1, 84, 46). Noch
aus Mitleid (olnzsigavxeg, O.: ne genus inter- 60 auffälliger ist der zweite Name der dreiNaxie-
eat) in rijg yfjg (O.: de virginea favilla) etari- rinnen: KltCSr] (s. d.); er erinnert an den Stich
gag (O.: iuvenes gtminos!) hervor (ävr/viyxav
— exire), die zum Himmel hervorschweben *) Der Künstler Alcon, welcher bei Ocid auf einem
(und nach Ovid. cineri materno ducere vom- BecIler den Coronae-Mythoa darstellte, ist vielleicht =
,„\ » * / « ' \ ' ' dem athenischen Heros Alkon (s. o. Bd. 1 Sp. 249 nr. 4;
* <.' r v n- -»f h j i i anders daselbst zu nr. i), welcher als Genosse des Askle-
av&Q(D1tOL KOfllJTas. Die Mädchen aber: pio3 am PeUon erzogen ward. Dann hätte man einen
■ngoaayogivovoi S ayxag ot Atolsig a%gi vvv Anhaltspunkt für attischen Ursprung der OoWischen
Kogoiv idag Ttag&svovg. Statt dessen hat Version.
1337 Koronios Koronis loSh
jrorpa zi\v Y-lziSa rij KSQxiSt einer Koronide bei Astr. tötet er auch den Isehys; oder Zeus er-
Antonirtus. (Der dritten Naxierin freilieh mit schlägt ihn mit dem Blitz, Hyg. f. 202. Ko-
ibrem uncharakteiistiseken Namen <Ddi'u ent- ronis und Isehys, von den Pfeilen des ver-
spricht keine dritte Koronide.) Auf die Ahn- folgenden Apollon getroffen, Mnnum. ined. de
liebkeit zwischen der Feuergeburt und Rettung V Inst, arclieöl. Tom. 2 pl. 18. Duc de Luyncs,
des Kindes Asklepios aus Scheiterhaufen und Descript. de vas. peints pl. 6 u. 7. Koronis
verkohlendem Mutterleichnam mit dem gleichen hatte sieh dem Isehys ergeben, weil sie be-
Sehicksal des Dionysoskindes in der ebenfalls fürchtete, später von Apollon verlassen zu
thebai'schen Semele-Hye-Sage macht Voigt werden, Akusilaos b. Scliol. Pind. Pylh. 3, 24.
aufmerksam (s. o. Bd. 1 Sp. 1045, Z. 14 ff.). 10 Nach Pindar erfährt Apollon ihre Schuld durch
Dazu tritt nun hier die Doppelparallele der seinen allei forschenden Sinn, während schon
beiden Söhne der Koronides. — Die Vermu- von Hesiod (vgl. Hyg. f. 202. P. A. 2, 40.
tung, die sich aus dieser Betrachtung ergiebt, Apollod. a. a. ü. u. A.) erzählt wird, dafs der
ist: 1. Die Koronides waren schwanger, als habe, der ihm heilige Vcgel, ihm die Nach-
sie sich selbst den Tod gaben und opferten; rieht brachte, weshalb er von dem erzürnten
2, vielleicht war ein Fehltritt die Ursache der Gott aus einem weifsen in einen schwarzen
Schwangerschaft und somit auch des Zornes Vogel verwandelt ward. Als Wohnort der
der Götter und also auch der strafenden Koronis wird von Pindar die Stadt Lakereia
Seuche gewesen; 3. also das Selbstopfer war am boibeischen See angegeben, ein Name, der
zugleich als eine private Bufse in der ver- 20 entweder auf rauschende Quellen, oder, wie
lovenen vollen Form des Mythos motiviert auch der Name Koronis, auf geschwätzige
(damit betrachte ich die an anderer Stelle Krähen (ÄaKt'prJ« Kogcävrj, Hcs. Erg. 747) hin-
von mir über die K. gegebenen Vermutungen weist, also die Kräbenstadt bedeutet. Die
als erledigt). [K. Tümpel.] Krähe aber war durch ihr langes Leben oder
Koronios. Im Butt, de Corr. Hell. 9 1885 auch wegen ihrer Vorliebe für die Höhen und
p. 426 nr. 39 (= C. I. Gr. Gracciae septenU: die frisebe Bergesluft ein Symbol der Gesund-
Vol. 1 nr. 2873) teilt Foucart folgende Inschrift heit, Pi eil er, Gr. Myth. 1,423. Über Koronis am
von Koroneia mit: 'Hgäg KaargUi os Avi.ov boibeischen See s. noch Strab. 9, 442. 14, 647.
toi' | vuciv v.al vä 9v gcöuara ävi&r) xf v Kogca- Auch in dem thessalischen Trikka am Flusse
vi'coi. Foucart glaubt in Koronios die wahre 30 Letbaios soll Asklepios geboren sein, Strab.
Namensform des von Paus. 9, 34, 7. 8. Kogco- 14, 647; vgl. Hyg. f. 14 p. 43. Von der epi-
»os genannten Gründers der Stadt erkennen damischen Sage wurde die Geburt des Askle-
zu sollen; es dürfte aber eher der Name ab- pios in die Gegend von Epidauros verlegt,
solut gebraucht für einen in Koroneia Vorzugs- wo er hochverehrt ward; Koronis sollte ihren
weise verehrten Gott sein. [Drexler.] Vater Phlegyas auf einem Raubzug in den
Koronis (Kogcovig), 1) Tochter des Lapithen- Peloponnes begleitet und ihr Kind im Gebiete
königs Phlegyas (des Lapithes, Eustath. 11. 2, von Epidauros heimlich geboren und ausgesetzt
729), Mutter des Heilgottes Asklepios. Pindar haben, Paus. 2, 26, 4. [Nach dem neugefun-
erzählt nach dem Vorgang des Hesiod in den deuen Hymnus des Epidauriers Isyllos (Ephem.
Eden (fr. 87 Lehrs bei Scliol. Pind. Pyth. 40 arch. 1S85 S. 69 ff. Blaß in Flecheis. Jahrb /'.
3, 14), dafs Koronis, die Tochter des thessa- Philol. 1885 S. S23f. Wilamowitz, Isyllos
lischen Fürsten Phlegyas, wohnhaft in dem von Epidauros) hiefs Koronis eigentlich Aigla
dotischen Gefilde beim boibeischen See am und war die Tochter des Phlegyas und der
Fufse des Pelion, mit Apollon den Asklepios Kleophema (der Tochter des Malos und der
erzeugt habe; während sie aber mit dem Muse Erato); Apollon (Maleatas) verliebte
Götterkinde noch schwanger ging, gab sie sich in sie im Hause des Malos (iv Malov
sich im Hause des Vaters heimlich einem äouoig nctg&sriav ägav zXvas). Bei der Ge-
Gastfreunde aus Arkadien , Isehys (Valens), burt des Asklepios (s. d.) waren (als göttliche
Sohn des Elatos, hin, der übrigens auch nach Helfer) anwesend Apollon und die Moiren,
Thessalien versetzt wird. Deshalb liefs Apol- 50 namentlich Lachesis. Isyllos leitet den Namen
Ion erzürnt sie durch Artemis erschiefsen, und Asklepios von Aigla ab (vgl. Aigle u. Hesych.
mit ihr starb auch eine Menge anderer Frauen s. v. JlyXä^g). Röscher.] [Eine wunderliche Deu-
(von einer Pest erzählte auch Pherckydcs bei tung des Mythus giebt A. Eschiceiler , Über
Scliol. Pind. Pyth. 3, 59. 64. 66). Als die das Wisch und den Kamen des griechischen
Leiche der Koronis schon auf dem Scheiter- Heilgottes. Leipzig 1886. 4°. Back, Jahresber.
häufen lag, eilte Apollon (Hermes, Paus. 2, üb. d, Fortsein: d. Id. A.-W. Bd. 66 p. 340
26, 5) herbei, entrifs sein Kind der sich vor referiert den Inhalt der mir nicht zugänglichen
ihm teilenden Flamme und brachte es zur Er- Schrift mit den Worten: „Die hochgelegene
ziehung dem Kentauren Cheiron auf dem Pelion, Berggegend (Koronis) wird vom Lichte (Apollon)
Pind. Pyth. 3, 5 — 46 (10 — 81) mit Scliol. 00 geschwängert, heimlich aber auch vom Wachs-
llom. Ilymn. 16 (in Aescul.J. 2, 31 f. Apollod. 3, tumsgeist (Tscbys) beschlichen und stirbt des-
10, 3. Paus. 2, 26, 5. Äp. Bh. 4, 617. Diod. halb durch das Licht oder die Wärme (Arte-
4, 71. 5, 74. Ov. Met. 2, 542 ff. 598ff. Fast. 1, mis). Die Frucht (Asklepios) würde verdorren,
291. Serv. V. Aen. 6, 618. Hyg. f. 14 p. 43 käme nicht rettend der Regen (Hermes, Gott
Bunte, f. 161. 202. 224. P. Astr. 2, 40. Cic.N.I). der Verdunkelung) dazwischen, um einen ge-
3, 22, 56. Nach Oo. Met. Serv. V. Aen. 7, 761 sunden Zustand der Atmosphäre hervorzu-
tötete Apollon selbst die Koronis, nach l'here- rufen." Drexler.] Auch in dem arkadischen
kydes b. Scliol. Pind. Pyth. 3, 59 und Hyg. P. Thelpusa, wo sich ein Heiligtum des Askle-
13S9 Koronis Koronos 1390
pios befand, war das Kind Asklepios aus 3, 171 1> p. 489. G. I. G. 2, 3538; auf einer Weih-
gesetzt gefunden worden, Paus, 8, 25, 6. Die insclirift an Asklepios KoqdviSi tä &Xeyvitu
Arkader scheinen die Koronis auch fur--sich (aus Menscbieh [I'tolemais]) Sevue areheol. 13
zu beanspruchen; in Ilom. Hymn. 2, 31 heifst (1889) 71; vgl. <S>Xeyvov -äoxqiq G. I. G. 3,
sie nach der wahrscheinlichsten Lesart -/.ovqj] 5974 = Kaibel, epigr. add. 805 a = Inser.
'At^avic;, also eine Arkaderin, s. Baumeister Graec. Ital. 967. dtlsyvrjis Paus. 2, 26, 7;
z. d. St. p. 147. Die Messenier behaupteten, s. auch F. A. Voigt bei Ersch und Grubtr.
dafs Asklepios bei ihnen in dem messenischen Nach 0. Jahn, Areh. Ztg. 11 (1853), 165 er-
Trikka geboren sei von Arsinoe, Tochter des kennt de Witte, Cat. Dar. nr. 2152 p. 440 auf
Leukippos; aber das delphische Orakel, um 10 einer archaischen Vase (Mon. delV Inst. 2, 18)
die Abkunft des Asklepios befragt, erklärte den Phlegyas und die Koronis, die von
nicht Arsinoe sondern Koronis für seine Mutter, Keren nach Delphi geschleppt werden; de
Paus. 2, 26, 6. 4,3,2. Asklepiades b. Schal. Luynes (Descript. de quelques vases peinls pl. 8
Find. Pgth. 3, 14. Aristeides {Schal. Pind. p. 4; vgl. Elite ceram. 2 pl. 59 p. 173) erkennt
a. a. 0.) sagt, als Jungfrau habe die Tochter darin die Koronis und den Ischys, die von
des Leukippos Koronis geheifsen, später aber Daimoneu dem Apollo zugebracht seiner Rache
Arsinoe, und SoTcrates aus Argos (ibid.) be- entgegensehen. Höfer.] Vgl. Koronides. —
hauptet, Asklepios sei Sohn der Arsinoe, aber 2) Tochter des Koroneus im phokischen Lande
von Koronis als Kind angenommen. Zu Ti- (Daulis), von ihrer Schützeiin Athene auf
tane in Sikyonia, wo ein Asklepieion war, 20 ihren Hülferuf in eine Krähe verwandelt, als
befand sich ein Holzbild der Koronis, wel- Poseidon sie mit seiner Liebe verfolgte, Ov.
ches man, wenn dem Asklepios geopfert werden Met. 2, 551 ff. Gerhard, Gr. Myth. 1 §269,
sollte, in den Tempel der Athene trug und 2. Preller, Gr. Myth. 1, 424. Schwende, Sinn-
dort verehrte, Paus. 2, 11, 7. Panofka, Askle- bilder der a. Völker 239 f. Vgl. nr. 1. —
pios u. die Asklepictden p. 28. Gurt. Peloponn. 3) Eine der Hyaden oder nysischen oder do-
2, 503. Bei Schal. 11. 4, 195 und Hyg. f. 97 donäisehen Nymphen, der Erzieherinnen des
p. 87 heifst Machaon Sohn des Asklepios und Dionysos, Hesiad. fr. 67. Lehrs b. Schal. Arat.
der (Arsinoe oder) Koronis aus Trikka. — Phacu. 172. Hyg. f. 182. 192. P. Astr. 2, 21.
S. Asklepios. Iliyne, Obss. ad Apollod. p. 2767. Schol. II. 18, 486. Pherekydes (fr. 46. Müller,
Müller, Orchom. I98ff. Völcker, Tapet. Geschl. so Fr.hist.gr. lp. 84). [Schol. German. Aratea p. 75
176. 179. Panofka, Asklepios u. d. Asklepiaden. ed. Breysig. Höfer.] In Naxos heifst 8ie eine
Beil. Akad. 1845. lauer, System 281. Preller, einheimische Nymphe, welche dort mit ihren
Gr. Myth. 1, 423f. Gerhard, Gr. Myth. 1 Schwestern Philia und Kleide den ihnen von
§ 514. [Auf Münzen der Sabina von Pergamon seinem Vater Zeus übergebenen Dionysos auf-
ist Koronis stehend dargestellt, kenntlich durch zog, Diod. 5, 52. Der auf Naxos wohnende
die Beischrift KOPQNIC, Mi. 2, 598 f., 563. 564; Thraker Butes, Bruder des Lykurgos, hatte
Num. Chron. 1882 p. 36, PI. 1, 13. ,,1'his fiyure sie in dem phthiotischen Achaia, als sie mit
wears a long yarment reaching to the fett, and den dionysischen Nymphen ein Fest des Dio-
her hend is vciled; the rigid hand is raised to nysos feierte, geraubt und gezwungen sich ihm
the lejt Shoulder, her left bring laid straight 40 zu vermählen, weshalb er von Dionysos mitWahn-
across the body at the waist." Warwick Wroth, sinn gestraft wurde und sieh in einen Brunnen
Cat. of the greek coins of Mysia p. 144 nr. 274. stürzte, Diod. 5, 50. Vgl. Koronides. —
275 PI. 28, 16. Gegen Panofkas (Asklepios i) Mutter der drei Chariten von Dionysos,
und die Asklepiaden p. 28) Deutung des mit Nonn. Dion. 48, 555. — [5) Begleiterin des
menschlichem Haupte, Helm, Schild und zwei Theseus auf seiner Rückkehr von Kreta C. I. G.
Lanzen oder nach Babelon zwei Flöten ver- 4, S 185 b p. 192. — (!) Name einer Begleiterin
sehenen Vogels auf Münzen des L.Valerius Acis- des Dionysos auf einer Vase C. I. G. 4, 7476,
oulus (Miceio, Moncte delle ant. famigliedi Borna vielleicht identisch mit nr. 3. Höfer,] — [Über
tav. 47, 8) als Athena-Koronis (vgl. nr. 2) s. Ch. die verschiedenen Koronides s. auch J. Boehlau,
Lenormant, Noicv. gal. myth. p. 157. de Witte, 50 Butes und Koronis in Bonner Studien. Auf-
Le gc'ant Valens (Exlr. de la Rev. num. 1849) Sätze aus der Altertums -Wissenschaft II. Kekulc
p. 21. Babelon, Monn. consul. 2 p. 516. 519. . . . gewidmet von seinen Schülern. Berlin
520 nr. 18. 19, welche in dem Vogel eine 1890 p. 126 — 138, dessen Ausführungen Back
Adlerart, Valeria (Plin. h. n. 10, 3, 3), „l'aiglc im Jahrcsber. üb. die Fortsein, d. kl. A.-W.
Valeria qui figure sur la medaille sous la meto,- Bd. 66 p. 315 in den Satz zusammenfafst: „Die
morpliose wythologiqiie cl'une Sirene" erkennen. verschiedenen 'Koronis' sucht B., wie dem
— S. über Koronis auch de Witte a. a. 0. p. 8, 9. Ref. scheint, zum Teil mit guten Gründen als
Gurlitt, Über Pausauias p. 173 ff. Drexler.] Ausnufs einer alten thessalischen, vorzugsweise
[Vgl. noch 0. Müller, Handb. d. J.re/<."394, 3 chthonischen Göttin Ai'yXri-KoQiivn (Asklepios-
p. 598. Eckheljd.n. 2, 465. Head bist. num. 464; co mutter Aigle-Koronis, Aigle und Korone in
vgl. ferner Lukian.Alex. 14, 38. Theodoret. Graec. Phokis, des Theseus Geliebte Aigle oder Ko-
affect. cur. 8 p. 905 Schulz. Schol. Nikand. ronis u. a.) zu erweisen, wobei er den Namen
Ther. 685. Oppian. Ixeut. 1, 8. Jäh. Lydus KoQcavn als Erweiterungsbildung von xögn =
de mens. 4, 89. Mythogr. Lcd. ed. Bode 1, 46 cdie Jungfrau' und das Attribut der Krähe als
p. 17, 115 p. 37, 204 p. 64, 205 p. 65, 2, 22 alte Volksetymologie fafst". Drexler.] [Stoll]
p. 81, 128 p. 118, 3, 8, 16 p. 209. Schol. Stat. Koronos (Köoon'og), 1) einer der Lapithen
Theo. 3 p. 144 ed. Gruceus Schol. Ovid. Ib. 405. (s. d.), Sohn des Kaineus, Vater des Leonteus,
C. I. G. 1, 511 = C. 1. A. 3, 171. C. I. A. Hom. B 746 (Apollod. 3, 10, 8). Sophokles in
1391 Koropaios Korykia 1392
den Arifiviai bei Steph. s. v. Jtäziov: b Aaziivg Koros (A'öpos), 1) der personificierte y.ogog,
Aani&rig Kögtovog. — Bei Steph, s. v. <I>iXutöui d. i. Übermut, Sohn des Hybris (s. d.) in einem
wird eine Tochter von ihm, Namens Lysidike alten Orakel des „Bakis" bei Eerod. 8, 77:
(Konj. v. Schulart für Avaidrj) angeführt. [Vgl. Sia JCv.n eßiacai Kgcczigbv Kögov "Tßgiog viov
Töpfler, Attische Genealogie 276. B.] — Er y.zl. und bei Pindar, Ol. 13, 10: "Tßgiv, Koqov
wurde von Herakles getötet, als er an der ixaziga 9gaavuv&ov (vgl. d. Schot, z. d. St.).
Spitze der Lapithen den Dorer Aigimios mit Anders Solon frgm. SBcrgk: zi'y.zst yäg xogcg
Krieg überzog, Diod. 4, 37, (ebenso Apollod. [KogogT) vßgiv C'Tßgw?), ozcxv noXvg bXßog
2, 7, 7. [G. I. G. 3, 5984c. Über den Versuch, snrjzai und Theogn. 153 zixzst rot xo'pos vßgiv.
den Koronos zum Ahnherrn der eleusinischen 10 bzav xcnträ bXßog inrjzai, Mehr bei Berglc
Koroniden = Koironiden zumachen, s.Toepffer, P. L. Gr. in der kritischen Anmerkung zu
Attische Genealogie 104 Anm. 1; eine Deutung beiden Stellen. — [2": Coronia, nomen a Coro
des Namens Koronos versucht Pott, Zahlen Centauro dictum, a quo et civitas dicta, quam
von kosmischer Bedeutung, Zeitschr. f. Völker- (quem?) reliqui Ceniauri velut palum cacdentes
Psychologie u. Sprachwissenschaft 14 (1883), 18, tirrae affixerunt, Schol. Stat. Thtb. 7 p. 326
der in Kögcovog (vgl. y.ogavog, -Aogtavig von Cruceus. Die Stelle ist dunkel. Ist statt
krummhöruigem Bindvieh gebraucht*) als dem Coro vielleicht Corono (s. d. nr. 3) zu lesen?
Sohne des Kaineus (= sich wandelnder Mond) Aber wie kommt Coronos zur Bezeichnung
eine Anspielung auf die cornua lunae erblickt; Kentauros? Oder ist zu lesen: a Corono
anders Pott in Kuhns Zeitschr. f. vergl. Sprach- 20 Caenei filio .... quem (seil, den Caeneus)?
forschung 6 (1857), 407. 410. Bei Orpli. Argon. Höfer.] Vgl. Kaineus. [Boscher.]
139 heifst Koronos Sohn des Alektor, Ali-/.- Korse {Kogor^, 1) Sklavin eines Binderhirten,
zogiSrjg. Höfer.]). Zu den Argonauten wurde nach welcher die Insel Kogei'g (Kvgvog, Cor-
er gezählt von Sopihokles in den Arjfiviai a. a. 0. sica) benannt war, Steph. Byz. v. Kogotg.
Apoll. Eh. 1, 57ff. (Orph. 139. Eyg. f. 14 Eustath. Dion. Per. 459. — [2) In dem 'Eni
p. 45, 2 nach Konjekt.), er fehlt bei Val. JrjnvXov überschriebenen Epigramm (Aristot.
Flacc. und Apollod. 1, 9, 16, wo dafür Kai- pepl. 40 [25]): JrjinvXov y.6gar,g svsiäiog 'Og-
vsvg Kogmvov (vgl. Eyg. f. 14 p. 48 Seh. in ixsvioio iivfjaa zoS' ivy.Xsivov ysivazo TXnno-
der Note zu p. 47, 23) steht, vgl. Schol. Apoll. J.euos schreibt Sehneidewin (vgl. Berglc, poet.
Eh. 1, 57: zivsg 8s cpaai Kaivia ovunXivaai 30 lyr. 24, 351 dr\mvXav Kögarjg tvithiog Og-
zoig 'Jgyovavzaig, ov Kogavov. — 2) König uiviov zs Mvijua zöSs y.Xblv'ov Ssiuazo TXrtnb-
von Sikyon, Sohn des Apollon und der Chry- Xtuog. Höfer.] [Stoll.]
sorthe, Vater des Korax und des Lamedon, Korsymos (Kögavuog), Flufsgott, sonst un-
Paus. 2,5,8. 6,3. [Pott in Kuhns Zeitschr. f. bekannt, erscheint gelagert auf Münzen von
vergl. Sprachfonchung 9 (1860) 352. Höfer.] dem karischeu Aphrodisias Eclchel, E. n. 2, 576;
— 3) Der Gründer von Koroneia, Sohn des vgl. 4, 314. 318. [Dies ist eine der wenigen
Thersandros, Bruder des Haliartos, Paus. 9, 34, irrigen Lesungen Eckhels. Der Flufs, welcher
7 (Schol. IL 2, 503. Steph. Byz. s. v. Kogavsia. auch auf den Münzen von Antiochia ad Mae-
Konn. Eionys. 13, 79). [Pott in Kuhns Ztschr. andrum erscheint, heifst MOPCTNOC. Eead,
f. vergl. Sprachforschung 9 (1860), 345 Anm. 40 E. N. p. 520. Finder, Monatsber. d. Berl. Ali.
Höfer.] — i) Vater der Anasirhoe, der Gemahlin 1S57 p. 476; der heutige Name dieses Flusses
des Epeios in Elis, Paus. 5, 1, 6. — 5) Vater ist Karasu, G. Eirschfeld, Monatsber. d. Berl.
der Asteria, der Mutter des Idmon, Pherekydes AI;. 1879 p. 327. Drexler.] [Höfer.]
bei Schol. Ap. Eh. 1, 139. — [6) Auf einer Korybanten s. Kureten.
hispanischen Inschrift aus der Nähe von Crasto Korybos (Kogvßog), oi'Sh yag oaiov olpcu
erscheint ein Gott Coronus C. I. L. 2 Sup2)l. zfjv aiziav igiiv, y.ivai'Sstav Jiovvoov y.aza-
5562. Höfer.] [Seeliger.] yogsvav, nag' baov y.ca 6 yceXXbg zov ninog-
Koropaios (Xooo7raios), Beiname des Apollon vsvxözog Kogvßov Jiovvaov vnouvr]u.a,
vonderthessalischenStadtKorope,iYY7.'fiH</.77!iT. uio&bv zovzov avzä Jiovvaov iy.zsxiy.bza,
613 undheiStepih.Byz. s. v. Kogonn. TsachTlieon, 50 ZsasXrjg ttjs fir^gbg pfpiiizgu Schol. Marc. Luc.
Pluiarchos und Demetrios ( Chloros?) bei Steph. de dea Syr. 28 p. 258 Jacobits. Ist dieser
Byz. a. a. 0. soll jedoch Apollon nicht Kogo- Korybos identisch mit Korymbos (s. d.)?
naiog, sondern nach der euböischen Stadt [Höfer.]
'Ogöntj (='OgoßCa, vgl. Strabo 10, 445) 'Ogo- Korydon (KogvScov), Gigant, Sohn der Erde
naiog heifsen, vgl. Schol. Nilcand. Ther. 614. und des Tartaros, Eyg. praef. p. 27 Bunte.
Aber eine Inschrift (Lolling in Mitteil. d. deutsch. [StoU.]
arch. Inst. 7, 71, 10. 16. 73, 6. 20. 25; vgl. Korykia (Kcogvy.t'a), eine Nymphe, nach
285. 286 Anm. und Pomtow in d. Jahrb. f. welcher die korykische Höhle am Parnafs
Mass. Phil. 29 [1883], 359 f.) bestätigt ein benannt war. Sie zeugte mit Apollon den
Orakel des Apollon Koropaios auf der Halbinsel 60 Lykoros oder Lykoreus , den Gründer der
Magnesia; vgl. Lolling a. a. 0. 7, 70. A. Ecichl, parnassischen Stadt Lykoreia, Paus. 10, 6, 2.
-Der Bundesstaat der Magneten und das Orakel 10, 32, 2. Schol. Ap. Eh. 2, 711. [Vgl. Bortticher,
des Apollon Kogonuiog, Progr. d. k. k. deutsch. Arch. Ztg. 16 (1858), 220f. Höfer.] Korykische
Obergymu. d. Kleinseite in Prag 1890/91; Nymphen (Kagvy.i'äsg) in der Mehrzahl, Töchter
vielleicht hängt auch der Monatsname Kuro- des delphischen Flusses Pleistos, bei Ap. Eh.
pos (C. I. G. 2, 1793) mit diesem Apollon 2, 711. Et. M 676, 5. Ov. Met. 1, 320. Aesch.
zusammen; vgl. BOckh im C. I. G. 2 p. 3. Eum. 22. Corp. Inscr. nr. 1728. Strab. 9, 417.
[Höfer.] Preller, Gr. Myth. 1, 596, 5. — Nonn. Eion. 9,
1393 Korykios
287 spricht von KwgvitLdig BÜY.%ai. Bei Ov.
Her. 19 (20), 221, wo korykische Nymphen auf
Keos erwähnt werden, wird man mit Butt-
mann (Mythol. 2, 120 f.) statt Coryeiis nym-
phis schreiben müssen Carthaeis. [Kcogvy.iai
vv/icpcu Soph. Ant. 1127. Paus. 10, 32, 7; vgl.
Antigon. Karyst. 141. Philoxenos fr. 14 Bergk
34 p. 614. Stcpli, Byz. s. v. Kcogvv.os. Strab.
9, 417. Eur.Bakeh. 559 vgl. mit 306ff. Höfer.]
[Stoll.l ■
Korykios (Kcogixiog), 1) Beiname des Zeus
in einer Widmung an Zeus Korykios Epineikios
Tropaiouchos Epikarpios aus Korykos, Hicks,
Journ. ofhell. stud. 1890 p. 242 nr. 26. Beinach,
Bcv. arch. 3e se'r. 14, 1892 p. 129 Note 8. —
[2) des Pan; Oppian hol. 3, 15 und Schal., wo
statt Kcagv-xim tä iv 2iv.iXia ztficapivcp zu
lesen ist KtXiY.ict. Etym. M. 551, 53; vgl.
Korykiotes. Höfer.] [Drexler.]
Korykiotes (Kwgvv.icotrig), Beiname des Her-
mes; Orph. hytnn. 28, 8; er ward in Eorykos
in Kilikien und der dort befindlichen kory-
kischen Grotte verehrt; 'Egiiij Kcogvnicav vaicov
noXiv Archias in Anth. Pal. 9, 91 und das
Lemma ebenda tte 'Eg(ir{V zbv iv Kagv-nCa
iv%r\v ; vgl. Pomp. Mel. 1, 13 : Specus . . Corycius
..augustus et vire sacer habitarique a deis
et digiius et creditus. Schol. Oppian. Halieut.
Kiogvv.iov tigov zov 'Egfiov. [Beake, Num.
Hell. As. Greece p. 46. Eine metrische Wid-
mung von Statuen des Hermes und Pan ans
der Höhle von Korykos teilt mit Micks, Joum.
of hell. stud. 12 p. 240 nr. 24; vgl. Beinach,
Rcv. arch. 3e se'r. 14, 1892 p. 129 Note 8.
Drexler.] Auf autonomen Münzen von Korykos
erscheint Hermes stehend, in der II. eine Schale,
in der L. ein Füllhorn haltend; auf der Vor-
derseite ein Frauenkopf mit Mauerkrone und
der Umschrift Kcogvnicazäv ; Eckhel, Doctr. num.
>!r, 53. Revue numism. 1854. 13. 139. Heacl,
Uist. num. 602. [Höfer.]
Korykos {Koigvxog). Nach Monaldi, Atti
dell' Accad. Pont. Born. 3, 70 (vgl. Stephani,
Compte rendu 1861, 87) repräsentiert auf einer
unter Maximus in Tarsos geschlagenen Münze,
auf der Apollo und Hermes einander sich die
Hände reichen, der erstere Gott die Stadt
Tarsos, der zweite die Stadt Korykos. [Höfer.]
Korylos (KögvXog), ein alter König in Pa-
phlagonien, nach weichem der Flecken Kory-
lcion benannt war, Steph. Byz. v. KogvXnov.
[StolL]
Korymbasos {Kogvij,ßaaog), Inder, Gefährte
des Deriades, Nonnos Bion. 28, 51 ff. [Röscher.]
Korymbos (Kagvp.ßog), höchstwahrscheinlich
ein Dämon im Gefolge des Dionysos auf einer
Inschrift aus Ephesos, Neieton- Hicks, Anc.
Greek inscr. in the Brit. Mus. 3, 600 p. 221 f.
Korymbos als Sohn der Mystis bei Norm.
Dionys. 13, 141; vgl. 12, 292. 9, 120. S. auch
Korybos. [Höfer.]
Korynaios (Corynaeus), 1) Name eines Tro-
janers im Gefolge des Aeneas, von Asilas ge-
tötet (Verg. A. 6, 228. 9, 571). — 2) Ein ande-
rer Trojaner, der den Ebusus erlegte (ib. 12,
298 ff.). Wahrscheinlich sind beide als Epo-
nymoi von Coryna (Mela 1, 89. Plin. n. h.
5, 117) in Ionien anzusehen. [Röscher.]
Koryphe
1394
Korynetes (Kogvvrizrjg), 1) Gegner des The-
seus (s. d.), gewöhnlich Periphetea (s. d.) ge-
nannt. — 2) Beiname des Areithoos (s. d.).
[Röscher.]
Korynetides {KogwrizCSqg), Patronymikon
zum Vorigen, Etym. M. 210, 5. Priscian. Inst.
2, 36. Grammatici Bat. ed. Keil 2, 36.
[Höfer.]
Koryntkos, Beiname des Apollon im mes-
10 senischen Korone, Paus. 4, 34, 4. Er wurde
daselbst als Heilgott verehrt; vgl. Gerhard,
Gr. M. 1 § 304, 3, a, p. 298 und Kenner, Die
Münzsammlung des Stifts St. Florian p. 125,
welcher den Namen von y.ogvvn, Keule, Knüttel
ableitet und (p. 124, Taf. 4, 7) eine Münze des
Caracalla von Milet publioiert, auf welcher
Apollon mit der Keule unter dem linken Arm
dargestellt ist. [Drexler.]
Koryphaios, Beiname des Zeus von seiner
20 Verehrung auf Höhen, Gerhard, Gr. M. 1 p. 168,
§ 199, 3. Münzen von Philadelpheia Lydiae
haben im Obv. das Haupt des Zeus mit der
Beischrift ZGYC KOPY<J>AIOC, Head, H. N.
p. 552. Mi. 4, 98, 533. S. 7, 398, 370. 371.
I^ealce, Num. Hell. As. Gr. p. 99. Ebendaselbst
begegnet er in einer Inschrift: Jü Kogvyaü»
diu £u ovcif^iov NsavXsizrjv \ nXovziav IlXov-
zi'wvog | Malmv ft'jjr]»', Mova. v.al BißX. zfjg [iv
£(ivgvrf\ ivayy. c%oXr)g, Tilg. 1 p. 120. Bayet,
30 Bull, 'de Corr. Hell. 1 1877 p. 307;f. Vgl.
Orph. h. 17, 13 og vut'sig y.ogvqjctig in' OvXvu-
noio xagrjvmv, Murr, Die Gottheit der Grie-
chen eds Naturmacht p. 40. 56, sowie Kogv-
cpc'.ia als Beinamen der Artemis oben 1
Sp. 563. [Beiname des Zeus in Korinth, dem
römischen KcnsriiXtog entsprechend, Paus.2, 4,5.
Auf einer Inschrift aus Seleukia Pieriae finden
sich tagstg z/iös 'OXvfiniov xsl Jiog Kogvrpaiov
und dibg 'OXvfxziiov y.ui zmv &fü>v zmv ßoizrjgmv
-10 Ktrf diog Kogvcpaiov C. I. ff. 3, 4458; nach
Boeckh a. a. O. p. 216 stammt die letztere Be-
zeichnung von dem bei Seleukia gelegenem
Kogvrpaiov (Polyb. 5, 59, 4); Zft's Kogvcpaiog
anch Aristid. or. 1 p. 11 Dindorf. Höfer.]
[Drexler.]
Koryphasia (Kogvcpaa'a) , Beiname der
Athena, die auf dem Vorgebirge Koryphasion
(in der Nähe von Pylos) verehrt wurde, Paus.
4, 36, 2. Anth. Pal 6, 129. Vgl. Koryphe.
50 [Höfer.]
Koryphe (Kogvcp/i), eine Tochter des Oke-
anos, welche dem Zeus die vierte Athene
gebar, die in Arkadien Athene Koria hiefs
und für die Erfinderin der Wagen galt, Cic.
d. N. D. 3, 23, 59, eine geistlose Veränderung
der alten Sage, nach welcher Zeus die Athene
ix -xopixpijs erzeugte, Schoemann, Opusc. Ac. 2,
163. Bei Kleitor in Arkadien hatte Athene
Koria einen Tempel inl ogovg xogvcprig, Paus.
60 8, 21, 3. Die auf dem messenischen Vor-
gebirge Koryphasion verehrte Athene Kory-
phasia, wie Koria eine Innia, war nach Giern.
AI. Protr. 2, 28 Tochter des Zeus und der
Okeanide Koryphe. Mnaseas nannte die A.
iitnla eine Tochter des Poseidon und der
Okeanide Koryphe, Harpokr. v. 'Innia 'A&rjvä;
vgl. Et. M. 474, 30. JDarnach ist Bekker an.
350, 27 mg Mvaaiag, r) noonäwvog xal Äoprjs
1395 Korys Kos 1396
%r]g Üx£«joü ärwyarijg 'A&rivcc rö £q[icc zäv geschickt, dafs er sie auf der Fahrt nach
imtav l'gtvQiv zu lesen TToonäävoq Kai Kogv- Troja führe, Tzetz. L. 57. Oder: Als Korythos
qp 77s y.%1. Athena Hippia(?) vielleicht dar- im Krieg den Trojanern zu Hülfe kam, fafste
gestellt auf Münzen von Athen, Catal. of Greek Helena zu dem Jüngling, der noch schöner
coins in the Brit. Mus. Attika p. 93. Höfer.] war als sein Vater, Liebe und ward wieder von
Gerhard, Gr. M. 1 § 249, 5. 8. Vgl. Creuzer, ihm geliebt; deshalb tötete ihn Paris, Hellani-
Si/mb. 2, 782. Völcker, laptt. Geschl. 172 kos b. Paithen. 34. Nach Konon 23 schickte
Anm. Welchr, Gr. Götterl. 2, 280. 291, 48. ihn Oinone der Helena nach Troja, um den
[Immeriiahr, Kulte u. Mythen Arkadiens 1, 67. Paris zur Eifersucht zu reizen und der Helena
Koscher.] [Stoll.] 10 ein Unglück zu bereiten; Paris tötete ihn. Er
Korys (Kogvg), ein Iberer, nach welchem die wird auch unter den Söhnen der Helena und
von ihm erfundenen Helme -KOQV&tg genannt des Paris aufgezählt, Tzetz. L. 854. Nikandros
sein sollen, Schol. Oppian. Halieut. 2, 25. Vgl. b. Parthen. 34. Schol. Od. 4, 11. [Bull d. Inst.
Korythos. [Höfer.] 1845 p. 39. Drexler,] [Dictijs 5, 5 nennt ihn
Korythaios (Kogv&ctLog), Sohn des Paris und gleichfalls einen Sohn des Paris und der
der Helena, Bruder des Bunimos und Idaios, Helena, läfst ihu aber samt seinen Brüdern
Johannes Sikeliota ed. Stary, Jahrcshcr. d. k. k. llunomos und Idaios durch den Einsturz einer
ersten Staats- Gymnas. Graz 1892 p. 9; s. Zimmerdecke erschlagen werden; vgl. auch
Korythos 3. [Höfer.] Tzetz. Homer. 441. Joh. Maldia s p. 140.
Korythalcia ( Kogv&dltiu), 1) Amme des 20 Cedrenus p. 107 u. cl. Art. Korythaios. Höfer.]
Apollon zugleich mit Aletheia, Flut. Symp. — 1) Ein Iberer, Liebling des Heraklee, Er-
3, 9,2. — 2) KoQV&ulCa oder Kogv&aUia, fiuder des Helms, Ptol. ILph. 2 p. 311; s.
Beiname der Artemis zu Sparta, als einer Korys. — 5) Krieger aus Marmarike zwischen
Pflegerin der Kinder. Am Ammenfeste Tidn- Ägypten und Kyrene; verwundete auf der Hoch-
viäta trugen die Ammen ihre Knaben zu deren zeit des Perseus den Libyer Pelates, Ov. Met.
Tempel, Athen. 4, 139a. Hermami, Gottesd. 5, 125. — 6) Lapithe, auf der Hochzeit des
Altert. § 53, 24. Müller, Bor. 1, 379. Lauer, Peirithoos von dem Kentauren Rhoitos ge-
Sy stein 301. Preller, Gr. Myih. 1, 243. Ger- tötet, Ov. Met. 12, 290. [— 7) Eiu Kyzikeuer,
hard, Gr. Myth. 1 §332,5." Welcher, Griech C Vol. Place. Arp. 3, 99. Höfer.] [Stoll.]
Götterl. 2, 392. Lobeclc , Aal. 1, 670. 2, 1086; 30 Kos(A'cös),l)TochterdeserdgeborenenMerops
s. Artemis. [Vgl. Bd. 1 Sp. 2819, Z. 18ff. und und der Echemeia, nach welcher die Insel
ausserdem Hesych.xoQv&aU'aTQiui ai xoQbvovoeti Kos benannt war, Steph. Byz. v. Käg. Et. M.
x>l Kogv&akiu frtä; vgl. ebend. v.vgizroi. Höfer.] 507, 56; die Insel Kos hiefs Msgoni'g, Steph.
| Wide, Lakon. Kulte S. 123fi. deutet die K. als Byz. Thuk. 8, 41. — Man sprach auch von
Artemis natSozgötp og. Röscher.] [Stoll.] einem Heros Kos, Et. M. 741, 53. [Vgl. Steph.
Korythou (Kogv&äv), Sohn des Priamos, Byz. Aiuovia. Käg. Auf einer von Kontoleon,
von Idomeneus getötet; Dictys 4, 7; die Les- Ath. Mitt. 16 (1891) 409 publicierten, aus Kos
art ist nicht ganz sicher s. Dederich z. d. St. stammenden Inschrift findet sich die öfters
[Höfer.] wiederkehrende Opferbestimmung 9i'6vrcav . .
Korythos (KÖQv&og), 1) Sohn des Zeus, io tä nozsiäävi y.ul Ätö (resp. Km) olv. Zweimal
Gemahl der Elektra, der Tochter des Atlas, tritt zu den genannten Gottheiten noch (die
Vater des Iasios und Dardanos, die von Ita- Inselheroine) Rhodos hinzu; es ist kein Zweifel,
lien aus der eine nach Troas, der andere nach dafs wir hier der Nymphe Kos als Eponyme
Samotbrake gingen, König in Tuskien, Gründer der Insel begegnen; vgl. Joh. Tüpft'er, Kölsches
von Kortona (griech. Korythos, Verg. Aen. 3, Sakralgesetz, athen. Mitt. a. a. O. 425ff. und
170), Scrv. Verg. Aen. 3, 167. 170. 7," 207. 209. Bull, de corr. hellen. 1S92, 162; nicht zugäng-
10, 719; vgl. Verg. Aen. 3, 163 ff. [und den lieh war mir Dibbelt, Quaestiones Coae mytho-
Aitikel Korinthos 1 a. E. Höfer,] Heyne, Exe. logae. Greifswald 1892; vgl. Pcvue archc'ol. 19
zu Verg. Aen. 3, 167—171. Müller, Etrusk. 2, (1892) 414 Anm. 9. Höfer.] — [2) edomi-
276f. Schwende, Andeutungen 162, 1. Völcker, 50 tische Gottheit, deren Namen in den edo-
lapet. Gisehl. 98. 172. [Klausen, Aeneas u. mitischen Personennamen Qausmalaka (Kaus
die Penaten 1222 f. Bobert im Jahrb. d. a. I. ist König) und Qausgabri (Kaus ist Held)
3, 61, 16. Röscher.] — 2) Epouymos der assyrischer Inschriften (Schröder, Hie Keil-
Korytheer, einer der alten Komen von Tegea Inschriften u. d. A. T. 2. Aufl. p. 79. Baethgen,
(Müller, Hör. 2, 443). Seine Hirten fanden Beitr. z. sentit. Beligionsgesch. p. 11) in dem
am Gebirge Parthenion den von Auge aus- "roep (Qos hat gegeben) einer nabatäischen
gesetzten Telephos, den er aufzog, Apollod. Inschrift aus Hegr, Euting , Nabat. Inschr. 12, 1.
3, 9, 1. Hiod. 4, 33. Müller, Etrusk. 2, 277. Baethgen a. a. O., in den Namen Koac'iöaQog
Völcker, Iapet. Gcschl. 172. 182. [Schwedler, (Qos ist herrlich oder mächtig), Koaßav'og
De rebus Tegeaticis , Leipz. Stud. 9 p. 266f. CO (Qos hat erbaut), KösyrjQog (Qos ist Patron
Drexler.] [Vgl. jetzt namentlich Bobert im oder Freund), Koovdravog (= 'jnsD'ip) einer
Jahrb d. arch. Inst. 3, 61 f. 87 f., der ihn in Inschrift von Memphis, Miller, Rev. arch. 1870
einer die Tötung der Aleaden durch Telephos 1 p. 109 ff. , Koaßdgcmog (Qos blitzt) einer In-
darstellenden Platte des Pergamenischen Tele- schritt aus Kyrene, C. I. Gr. 5149, Pacho,
phosfrieses wiedererkennt. Röscher.] — 3) Voyage dans la 3Iarmarique et la Cyrenaique
Sohn des Paris und der Nymphe Oinone, Tl. 64, enthalten ist, s. Baethgen a. a. O.
von dieser in ihrem Zorn gegen den treu- und Halevy, Journ. asiat. 18S2, 7e seY. 19
losen Paris und die Trojaner den Griechen p. 488 — 489. Hinsichtlich des Namens des
1397 Kosko Kotys 1398
Iduinäers Koazoßagog aus dein Gesehlechte der of dh AikXov Kai K69ov dSiXqiov cpaaiv. ib. 321 :
LegazsvGavzmv zip Äojf, Jos. Ant. 15, 7, 9 Kai dnb xäv övofidziov 8i ivkov zb ß d gßagov
schwanken die Deutungen. Titch,ZDMG 1849 sficpaCvszai' KiKgoifj nul KoSgog Kai A'tKXog Kai
p. 201. Blau, ZDMG 25 p. 5G6 Anm. 5 und Ko&og. Plut. q. gr. 22: zig b HaCSatv zdtpog
Mordlmann, ZD31G 32 1878 p. 503 leiten ihn naga XaXKtä svai; Kö&og Kai "AgKXog (sie!)
von Äofs (Mordlmann: = von Äojs erschaffen) of 3ov&ov naiÖEg stg Evßotav rrx.ov olktJgovzss,
ab; llalc'vy a. a. 0. p. 489 übersetzt ihn mit izätp>]Gav Si naga zijv boov K. Kal'A. oi Sov-
„verite de Baal". Schradcr a. a. 0. p. 613 da- &ov naCdig, ») ßaSi^ovGiv iv, nöXscog inl xbv
gegen vermutet, dafs Ko.-tobar aus Kosgobar, Evginov Kai b zonog Tdcpog naiSmv naXeizai.
Kosgabar in der Aus>prache verderbt und der 10 Scymn. v. 574 ff. : zbv 'Egsx&itog öiaßdvza Tldv-
Name mit dem Kausgabri der Keilinscbrift äagov xztoai [rpaah~\ |] nöXiv atyiGznv zäv iv
identisch ist. Das Wesen der Gottheit ist avzfj XaXxiba, || AikXov ä' 'Egizgiav, bvz' A&n-
unbekannt. Hale'vy a. a. 0. p. 488 will ihn vaiov yivsi, || zbv S' ivaXi'av Krjgtv&o v
mit dem in dem arabischen Personennamen aaavzwg Ko&ov. Theopomp. (fr. 226) b. Steph.
Imru'lqais enthaltenen Qais zusammenstellen, Byz. s. v. 'EXfv9ig'tg, noXig Boicoziag, 'Slganov
über welchen vgl. Beteiligen p. 108. Drexler.] nXr\GLov , Ko&ov -/ort AikXov ['Eynliov codd.]
Vgl. Ko'qL [StolL] [y.zia/Ma] kzX. Mehr bei Unger, Theoana para-
Kosko (Ä'oöHro), eine thebanische Mainade doxa S. 300. C. Müller, Geogr. gr. min. 2
vom Geschlechte der Kadmostochter Ino (yfi>fr/s p. 219. Vgl. auch Töpffcr, Alt. Geneal. S. 164
Elvovg dnb KaStj,rjEtrig), welche zusammen mit 20 und das Geschlecht der Ko&iSai in Teos:
Baubo und Thettale, zwei anderen demselben G. I. Gr. 2 nr. 3064, 27. [Röscher.]
Geschlechte angehörenden Mainaden, auf Grund Kottos s. Aigaion und Hekatoneheiren, wo
eines Orakels des delphischen Apollon vom Maxim. Mayer, Giganten u. Titanen S. 120ff.
Demos der Stadt Magnesia am Maiander aus nachzutragen ist. [Roseher.]
Theben nach Magnesia geholt wurden, um Kotyleus (KozvXtvg), Beiname des Asklepios
hier, dem Rat des Orakels entsprechend, bak- in Lakedaimon; Herakles hatte ihm einen
einsehe Orgien und Thiasoi einzurichten (ai'S' Tempel errichtet und dem Gott den Namen
v/isiv Saßovai Kai ogyta «bi vöpiift [ä'i]}a, | K. gegeben, weil er ihm die Hüftwunde (zb
Kai &idoovg BaK%oio Ka&EtdgevGovGiv iv dozei), zgavina ig zqv kozvXtjv), die er bei seinem
als man in einer durch den Wind gebrochenen 30 ersten Zuge gegen Hippokoon erhalten, geheilt
Platane ein Bild des Dionysos (dys 18 gv(j,a hatte, Patts. 3, 19, 7. Nach l'ott in Kuhns
Jtovvcov) gefunden hatte. Vgl. die von S. Zeitschr. f. vergl. Sprachforschung 9 (1860) 184
Meinach publicierte Inschrift in der Bevue des stammt der Name wahrscheinlich von den
Etudes grecques Paris 1890: „Oracle de la Fläschchon (kozvXcxi) mit Heilsalben oder
Pylhie . . adrtsse ä la ville de Magnesie du Arzneitränken. [Höfer.]
Meandre". Kontoleon, MM. d. alh. Inst. 15 Kotylos (KözvXog), Eponymos des KoziXaiov
(1890) S. 330. Die drei Namen Baubo, Thettale ogog in Euboia; Archemachos bei HarpoJcrat.
und Kosko sind Belege für die Thatsache, dafs 177. [Röscher.]
in den orphisch-dionysischen Kulten späterer Kotys, Kozvg oder Kozvzoi (richtiger als
Zeit mannigfacher Zauber getrieben wurde 40 Kotvrzoi, s. M. Schmidt zu Hesych. Kozvzd)
(\g\. zu Baubo pap. Par. 2201. 2795. pap. — beide Formen werden z. B. von Synesius
Brit. 46, 493. Orph. frg. 216; zu Kosko = ep. 32 u. 44 neben einander gebraucht und
KoßKivöfiavztg pap. Par. 2303: GKtvog naXaibv von Schol. Synes. ep. 32. Schol. ad Annae
kÖokivÖv fiov avfißoXov von Hekate; zu Thettale Alex. p. 85, 3 als gleichbedeutend bezeichnet,
die thessalischen Zauberinnen: Boscher, Seltne weshalb auch die Handschriften häufig seh wan-
S. 88 f.). S. Bieterich, Abraxas S. 148 f. ken, s. Krabinger ad Synes. Culo. Enc. p. 85 c
[Röscher.] — daneben noch Kozzio für Kozvzd (Schol.
Kosmetas (Koc/inzäg), Beiname des Zeus, Theokr. 6, 40 TJübner), war 1) eine Gottheit
der einen Tempel in Lakedaimon hatte, Paus. der Thraker. Nach Aischylos bei Strabon
"3, 17, 4. [Höfer.] 50 p. 470 (Kozvog zr\g iv zoig 'HSoivotg Al<j%vXog
Kotlionen, Gemahlin des Eleusinos (Eleusis), fis^ivrizat) gehört sie dem thrakischen Stamm
Mutter des Triptolemos, Hyg. f. 147; ebenso der Edonen an, Strabon selbst aber bezeichnet
bei Schol. Stat. Hieb. 2, 382, der den Hygin ihren Kultus als allgemein thrakisch. Indem
ausgeschrieben. Bei Serv. Verg. Ge. 1, 19, er a. a. O. von der Verbreitung des Orgiasmus
der fast wörtlich mit Hyg. übereinstimmt, spricht, bringt er mit dem griechischen Dio-
heifst der Name Cyntinia, bei Myth. Vat. 2, nysosdienst und dem der phry-gisohen Götter-
96 Hionia. Sämtliche Namen scheinen korrupt. mutter, bei welchen dieselben orgiastischen
[StolL] Gebräuche und Instrumente in Anwendung
Kotto s. Kotys. kämen, die Feste der thrakischen Kotys in
JKoUios (Kö&og), Sohn des Xuthos (s. d.); 60 Zusammenhang: zovzoig (jenen beiden Kulten)
Bruder des Aiklos (und Ellops), Gründer von o"' i'or/.s Kai zu itagd zoig 0gct£l zä zs Ko-
Chalkis, Kerinthos, Elentheris; vgl. Strab. zvzzta Kai zd BtvSiSeta. Als Beleg hierfür
p. 447: dpcpizigat f)i (Chalcis und Eretria) Ttgb führt er die Stelle aus Aischylos' Edonen an,
zäv TgtoiKwv inz 'A&nvuCiav iy.ziGaTai Xiyovzai wo der Dichter mit der Erwähnung der Kotys
■Aal fiErc-T« TgaiiKu AnXoq Kai Ko9og !§ 'A&q- und ihrer Diener in den Worten: GSfivd Kozvg,
vmv bgg,rj%ivzig, b jisv 'Egizgiav cokige Ko%og ogtia ä' bgyava i'iovzig „ehrwürdig ist Kotys
äa zi]v XuX-aCS a.. ib. 445: Kai 'EXXonia ä' und die Inhaber der Instrumente des Höhen-
livonÜG&iq (Euboea) dnb "EXXo7tog zov "Itovog; dienstes" (Kauck, Trag. fr. Aesch. 56 schreibt:
1399
Kotys
Kotys
1400
ctfivK Korvrovg ogyi' i%ovttg) unmittelbar die
Begleiter des Dionysos verbinde: „der eine
bläst auf der Flöte das wabnsinnbringende
Lied, der andere lärmt mit den Cj'mbeln, dabei
erscballt das Lied zum Saitenspiel, dazwischen
schreckliches Stiergebrüll von versteckten Mi-
men und des Tympanons Laut, unterirdischem
Donner gleich." Somit -waren die Kotytien
ein orgiastiscbes , auf Bergeshöheu gefeiertes
Fest, dessen Gebräuche mit dem ekstatischen
Dionysoskult so vieles gemein hatten, dafs zu
einer Schilderung des Kotysfestes die wesent-
lichsten Züge aus jenem verwendet werden
konnten. Aber auch die Verwandtschaft der
Kotytien mit phrygischen Gebräuchen betont
Strabon und findet sie bei der Herkunft der
Phryger von den Thrakern natürlich, p. 471:
ravra (die Kotytien) yag Eotxf roig <&Qvy{oig'
ko! ovx dnsLnög yf , coansg avrol oi $püyfs
filgecxäv cztzoixoi claiv , ovzio xcü rä ffpä
iHsi&cv /iiETei>7ivi%&ciL. Aus diesen Worten
schliefst Fiel;, Spracheinheit der Indogermanen
409, dafs Kotys auch von der Phrygern verehrt
worden sei. Da aber Strabon zuvor die Ko-
tytien mit dem griechischen Dionysoskultus
und dem phrygischen Kybeledienst (nicht
Kotysdienst) wegen der gemeinsamen orgia-
stischen Gebräuche zusammengestellt hat, so
ist unter rä tsoä doch wohl nur der Orgias-
nius zu verstehen. Als Männername war aller-
dings Kotys in Phrygien ebensowohl wie in
Thrakien gebräuchlich ( s. Pape - Benseier,
Lex. der Eigennamen) und hat dieselbe Be-
deutung wie der Name der Göttin. Schon
das Etym. 31. 396, 18. 599, 55 setzt xörvg =
xöros, und auf Grund der Zugehörigkeit der
Thraker und Phryger zu den europäischen
Indogermanen zieht auch Fiel; a. a. 0. 422
das griechische norcm zürnen und den alt-
nordischen Götternamen Hödhr bei, der =
ahd. hadu, das in Eigennamen Krieg bedeutet,
wie in hadubrand, haduwig = nhd. Hedwig.
Also ist Kotys nach Fiel: „eine Bellona, Hadu-
wig, Köxvg als Mannesname bedeutet: Käm-
pfer, Krieger". Damit stimmt überein, dafs
die Artemis der Thraker, welche Herodot 5, 7.
4, 33 als die einzige weibliche Gottheit der-
selben nennt, besonders als Göttin des Krieges
(Enyo bei Ammian. 27, 4) und der Jagd auf-
gefafst wurde. Es ist die Artemis der nörd-
lichen Länder, die auch als die Taurische oder
Pontische bezeichnet und von Strabon 12
p. 535 geradezu 'Evvcö , von den Römern
lllirtius, Bell. Alex. 66) Bellona genannt wird.
Zahlreiche Reliefdarstellungen in Thrakien aus
römischer Zeit (bei Heuziy, Mission de Macc-
doine p. 80 f.) sowie thrakische Münzen (Mi-
onnet I von Anchialus nr. 58; Deultum nr. 130;
Cola nr. 15) beweisen ihre Verehrung und zu-
gleich die Auffassung derselben als Jagdgöttin,
und zwar zuweilen in einem Typus, der der
kleinasiatischen Artemis Elaphebolos nahe
kommt, vgl. Rapp, Beziehungen des Dionysos-
Indtus zu Thrakien und Kleinasien p. 32. Da
nun eines jener Artemisreliefs, Hcuzey a. a. 0.
Taf. 4, 2, die Beischrift COTO trägt, so ist
damit die Identität der thrakischen Kotys mit
der Jägerin Artemis klar ausgesprochen, mag
nun damit jene dritte Namensform Korrcö,
oder, wie 0. Weise, Piniol. Bundschau 3
S. 981 lieber will, ein lateinischer Dativ von
Cotys gemeint sein. Dem orgiastischen Kultus
der makedonisch -taurischen Artemis (s. Rapp
a. a. 0. 30. 33) entsprechen die orgiastischen
Kotytien bei Strabon, und beide Kulte stimmen
auch in ihrer eigentümlichen Verschmelzung
mit dem orgiastischen Dionysoskultns infolge
10 gemeinsamer Gebräuche und Kultusdiener über-
ein (ebendas. S. 29. 35). Hierauf scheint sich
die Darstellung auf einer thrakischen Münze
bei Liebe, Gotha num. p. 202 zu beziehen:
eine Bakchantin mit Tympanon und Maske
auf der einen, ein weiblicher Kopf mit mauer-
kronenartigem Diadem auf der anderen Seite,
also wohl Kotys unter der Gestalt einer Ky-
bele (s. unten). Mit Attributen der letzteren,
Kopfaufsatz, Schleier und Schale, ist auch das
20 Götterbild auf der Vase, Mon. d. Inst. 4, 16 (s.
d. Abbildung unter lylurgos) versehen, das
wegen der bei den Edonen spielenden Hand-
lung für Kotys angesehen wird, vgl. Boulez,
Annal. d. Inst. 1845 p. 117. Welcher, A. D. 2,
108. Michaelis, Annal. 1872 p. 251. Wenn somit
Kotys ohne Zweifel der einheimische Name
der von den Griechen als Artemis bezeich-
neten Kriegs- und Jagdgöttin der Thraker ist,
so fragt es sich, in welchem Verhältnis sie zu
30 Bendis steht. Auch diese wird (s. d. Artikel
Bendis) ausdrücklich als die Artemis der Thraker
und als eine Jagd- und Kriegsgöttin bezeichnet
und ihr derselbe orgiastische Kultus von Stra-
bon zugeschrieben, der die Kotytien und Ben-
dideen so zusammen nennt, dafs alles über
jene Gesagte, wie z. B. die Ähnlichkeit mit
dem phrygischen Kybeledienst, auch für diese
gilt, was auch dadurch bestätigt wird, dafs
beide Feiern als Nachtfeste mit Anwendung von
io Fackeln geschildert werden, Juvenal 2, 91.
Plat. rcp. 1 p. 328. Da nun Herodot nur eine
weibliche Gottheit kennt, so werden wir (mit
Gerhard, Gr. Myth. § 330, 3) in Kotys
und Bendis nur eine Gottheit zu erkennen
haben, deren verschiedene Namen höchstens
zwei verschiedene Seiten ihres Wesens hervor-
heben, die Kotys der Edonen die Kriegsgöttin,
Bendis die leuchtende Mondgöttin.
Die Verpflanzung des Kotysdienstes
50 auf griechischen Boden hatte in der Regel
eine Entstellung desselben zur Folge. Eine
gewifs ursprüngliche, in den einfachsten Kul-
turverhältnissen begründete Seite der Göttin
lernen wir aber aus einem sicilischen Kotys-
feste kennen. Plutarch, Proverb. 78 erwähnt
eine Aortitis Eopr»j auf Sicilien, bei welcher
an Baumzweigen Gebäck und Obst aufgehängt
und dann dem Volk zur Plünderung preis-
gegeben wurde, woher der Name des Festes
60 aonuya Korvrioig. Dies ist der weitverbreitete
Gebrauch der Repräsentation des Wachstums-
genius durch früchtebehangene Zweige, der
sich ebenso in Kleinasien im Kybele- und
Attisdienst wie in Griechenland unter dem
Namen Eiresione und im deutschen Erntemai
oder Maibaum wiederfindet, vgl. Mannhardt,
Amt. Wald- u. Feldlndte 256f. Das Herab-
holen der Früchte bedeutet Aneignung des
1401 Kotys Kotys 1402
Fruchtsegens. Wenn dies daiauf hinweist, Meineice verneinen es und halten deshalb den
dafs Kotys auch eine Göttin des Erntesegens Namen Bänzai nur für eine Erdichtung des
war, so zeigen die im eigentlichen Griechen- Eupolis. Lobeck hält einen Kotytokult zu
land üblichen Kotytien, dafs sie überhaupt als Eupolis' Zeit für ebenso möglich wie die Mr^
Göttin der schaffenden Naturkraft und der zgäa. Den Namen Bkätcu führen die Ge-
Zeugung zu denken ist, wie Kybele auch die nannten meist auf Waschungen im Sinn von
zeugende mit der zerstörenden Kraft und dem Reinigungen zurück. Die zweite Frage, welche
orgiastischen Kultus verbindet Eiresione und Bolle Alkibiades in dem Stück gespielt habe,
Maibaum wurden begossen im Sinn eines wird dadurch unklar, dafs das Stück zugleich
Regenzaubers, um die Wachstumsfülle auf die 10 gegen den Kotysdienst in Korinth gerichtet
Feldfrüchte zu übertragen, zugleich aber auch gewesen sein soll; Eupolis kann aber nicht
die Fruchtbarkeit der Menschen zu mehren. zugleich gegen den Kotysdienst losgezogen
Deshalb findet sich die Sitte auch bei Hoch- und den Alkibiades, wie man meist annimmt,
Zeitsgebräuchen, bei Griechen und Germanen wegen Verhöhnung ebendesselben angegriffen
(Mannhardt a. a. 0. 258), woran sich die sym- haben. Die Kotysdiener in Athen hat man
bolischen Gebräuche der Mailehen mit Männern sich jedenfalls, wie schon Lobeck a. a. 0. 1013.
in Weiberkleidung anschliefsen, vgl. Mann- 1019 ausgesprochen hat, als eine Privatgenossen-
hardt, Baumkultus S. 314. 377. 442. Die Grund- schaft zu denken, wenn sich auch erst um
züge dieser Gebräuche kehren auch in den 400 n. Chr. bei Synesius die Bezeichnung &ie>-
athenischen Kotytien wieder. Auf eine 20 aäzca Kozvog findet. An diese knüpft sich
Wassertauche weist deutlich der Name Baitzai nun allerdings ein so schlimmer Ruf, dafs die
hin, womit die Kotysdiener zu Athen bezeich- ursprünglich nur symbolisch auf das Geschlecht-
net werden; aus den Cerimonien aber, mit liehe hindeutenden Ceremonien in wirkliche
welchen der für Griechen anstöfsige Gebrauch Zuchtlosigkeit ausgeartet zu sein scheinen,
der Weiberkleidung verbunden war, entstanden Unter einem &lccob>zt]s Kozvog versteht Syne-
jene üblen Nachreden, welche die Kotytien sius, Calv. encom. p. 856 einen Menschen, der
zu einem Dienst geschlechtlicher Aussehwei- zoig 'l&vycilloig c&QyictKtv, und einen cinaedus;
fung stempelten. Daher die Mifsverständnisse aber auch hier ist der Ursprung erkennbar:
in den Nachrichten über die Kotytien in Athen. es ist eigentlich ein Mensch, welcher der un-
Indem Juvenal die schmähliche Unsitte von 30 natürlichen Lust frönt, die auf der Verwechs-
Römern geifselt, welche bei heimlichen Zu- lung der Geschlechter beruht, und der diese
sammenkünften der Bona Dea zu Ehren in Täuschung durch weibische Pflege (besonders
Weiberkleidung Orgien feierten, vergleicht er des Haares) herbeizuführen sucht (to &fßv
damit die Kotytofeier der Baptai zu Athen, xov ytvovg iKfiifirjaofiivoi). Daher setzt tiy-
Sat. 2, 91: Talia secreta eoluerunt orgia taeda nesius epist. 44 dafür auch geradezu rjfiiyvvog,
Cecropiam soliti Baptae lassare Cotytto. Hier- was wiederum an die auch von Lobeck, Agl.
zu bemerkt das Scholion: Baptae tilulus libri, 1015 f. und Welcker , Gr. Götterl. 2, 225 an-
qxio impudici describuntur ab Eupolide, qui genommene Verwandtschaft der Kotys mit
mducit viros Athenienses ad imitationem femi- den androgynen Kybele erinnert, deren Kultur
narum saltantes lassare psaltriam (bezieht sich 40 aufser dem Ürgiasmus auch den Maibaum und
wohl auf die orgiastischen Instrumente bei die la^-nag mit dem der Kotys gemein hat,
Strabon: ipalfiög ülula&i). Baptae ergo molles, s. Mannhardt a. a. 0. 259. 261. Auch die
quo titulo Eupolis comoediam scripsit, ob quam Bapten des Eupolis (frg. 7 Meinekej enthalten
ab Alcibiade, quem inprimis perstrinxerat, ne- eine Anspielung auf Kybele in den Worten:
catus est. In betreff des Alkibiades vgl. auch all' tgoltig fis ved [iä r-qv diivydalfjv (s. ob.
Platonius negi äiarpog&g kiojicoS. 6. Es fanden 1 Sp. 719 Z. 43 u. Schneidewin , Philol. 3, 258).
also bei der Kotysfeier in Athen Aufführungen Der gegen die Diener erhobene Vorwurf fiel dann
(saltantes) von Männern in Weiberkleidern statt, auch schliefslieh auf die Göttin zurück: Kotys
die deshalb molles und impudici genannt werden; wurde zu den 'Azziy.ol v.ovi'aaloi, den Dämonen
und Eupolis hat dieselbe in seinen Bü-nzut, in 50 im Gefolge des Priapos, gerechnet, Synes,
einer Weise auf die Bühne gebracht, dafs da- ep. 32, wozu das Schol. hinzufügt: Kozvzco
bei Alkibiades verhöhnt wurde. Dafs der w.al of y.oviaaloi ftiol r)aav ala%gäv f'qoopoj,
Kotysdienst den Inhalt einer Komödie des ebenso Anecd. Belle, p. 24G (= L^ex. rliet.
Eupolis bildete, bestätigt auch Hesychius, p. 249, 19): El&vqxxlloi ztltzri zig tzsqI xov
nur ist nach ihm die Spitze derselben gegen diövvaov Hai xy Kiav.vzoi (dieser Schreibfehler
die Korinthier gerichtet, Hesych. Kozvzat' ö findet sich öfter) uyofiivr}. Es scheint, dafs
fitv EvTtolig aaz' f^'9'os zo TtQog zovg Koqiv- namentlich der Kotysdienst zu Korinth (vgl.
&iovg cpoQZixov ziva halaovu Siuzi&tzui. Die Lobeck, Agl. 1021 f.) zu solchem Tadel Anlafs
hieraus entstehenden Fragen in betreff der gab, wie ihn schon Eupolis nach Hesych. Ko-
Baptai des Eupolis wurden erörtert von Butt- 60 xvzti aussprach, der die dort verehrte Göttin
mann, Über die Kotyltia und die Baptä, als Saifioiv cpoQzixög darstellte; auch Suidas
Mythol. 2, 159 — 167. Lobeck, Agl. p. 1007 — (unter Koxvg und &LaGmxr)g) nennt sie ätxLficov
1038. Fritzsche, Quaest. Aristoph. 1 p. 202 f. nagü KoQLV&Coig xifiiiiizvog, irpoQog xöiv ale-
Meineke, Quaest. scen. 1, 44 f. und Hist. Crit. XQC'1V- Welche Bewandtnis es mit der Ko-
Comic. Gr. 119 f. Die hier in Betracht kom- zvzca dmQi'ct 9iög b. Schol. Theokr. 6, 40 (Düb-
mende Hauptfrage ist, ob man den Kotys- ner) , hat, ist schwer zu sagen. Sie wird
dienst als schon zu Eupolis' Zeit in Athen daselbst auch 7] nagä JcoQiEvat, zificofiivr]
eingedrungen annehmen darf. Buttmann und Koxxco genannt und mit Kotto, der Tochter
1403 Kotyt[t]o Kranaia 1404
des Timandreus von Korinth , identificiert, Kragos (Kgdyog), 1) Sohn des Tremiles und
welche nach Hippostratos den Herakliden hei der Nymphe Praxidike, Steph, Byz. s. v. Kgä-
der Eroberung von Korinth bebülflich war yos und Panyasis bei Stejih. Byz. s. v. Tgsfiü.n,
und deshalb von ihnen verehrt wurde. Das der aufserdem als seine Brüder den Tloos,
Schal. Find. Ol. 13, 66 nennt auch die Tochter Xanthos und Pinaros nennt; ein Fragment
des Timandros Kiazvrd. Auf Verehrung in einer Inschrift aus dem lykischen Sidyma, das
Chios weist Synes. Culv. Enc. p. 856 -n; den Polychar mos als seine Quelle bezeichnet,
Xicov &£ca hin. Die Kotytien in Italien end- lautet X\ov y.cxl Ugai,i8Ung, l§ d>v Tläog xori
lieh werden nur wegen der schamlosen Aus- Kgäyog v.al llivaXog (sie!) dvrj-xov, Benndorf-
schweifungen erwähnt, Horat. Epod. 17, 56 10 Niemann, Reisen in Lykien und Karten p. 77
Cutyltia, saenim liberi Gupidinis; Virg. Ca'al. nr. 53 b; seine Gemahlin war Milye, die
5, 19: Non me vocabis pulchra per Cotyttia Schwester und frühere Gattin des Solymos,
Ad feriatos fascinos, erscheinen aber hier als Stepih. Byz. s. v. Milvai, als seine Tochter
Orgien von Frauen. [ — 2) Cotys, ein Kyzi- wird Chelidon {XcXuSäv) genannt, Bcnndorf-
kener, Val. Flace. Arg. 3, 112. Höfer.] [ßapp.] Niemann a. a. 0. 77 nr. 53 c; nach Kragos
Kotyt[t]o s. Kotys. soll der gleichnamige feuerspeiende Berg in
KoCe, Gottheit der Idumäer nach Iosephus, Lykien, der durch die Chiniaira-Sage bekannt
Ant. 15, 7, 9, nach Blau, ZDMG 25 p. 566 ist (Bcnndorf- Niemann a. a. 0. 83. Bd. 1
Anm. 5 und Mordtmann, ZDMG 1878 p. 563 Sp. 765, Z. 8 ff.), und auf dem Kragos nach
identisch mit dem von Iosephus c. Ap. 2, 9 20 seinem Tode verehrt wurde, benannt sein. —
erwähnten idumäischen Apollon. Die oben s. v. 2) Beiuame des in Lykien verehrten Zeus,
Kos 2 angeführten Personennamen Koaßäqa- Lykopin; 542 und Tzeiz. •/.. d. St. [Höfer.]
mos etc. leiten beide, ebenso wie Fr. Lenor- Krambos {Kgäfißog oder Kgdfißig), s. Kleo-
mant, Gaz. arch. 6 1880 p. 143 von A'oJe ab. patra nr. 1. [Stoll ]
Nach Baethgen. Beitr. z. sentit. Beligionsgesch. Krnmpsenos (Kgautpniög), Beiname des Zeus
p. 11 sind aber Ko^s und Qos verschiedene auf einer Inschrift aus Mysien, Kontoleon,
Gottheiten. Den Äoji findet Tuch, ZDMG 3 Mitteil. d. deutsch, anh. Inst. 14, 90 nr. 7.
1849 p. 201; vgl. Schröder, Keilinschriften u. Beinach in Revue archeol, 15 (1890), 288.
Geschichtsforschung p. 79. P. de Lagarde, Ges. [Höfer.]
Ahh. 1866, p. 58, 178. Baethgen p. 11— 12 ao Kranae (Kgavän), Tochter des Kranaos
wieder in dem arabischen Gewittergott Qozah, (s. d.), Apollod. 3, 14, 5. Vgl. Arch. Ztg. 7
von dem noch jetzt der Regenbogen „Bogen S. 52*. [Stoll.]
des Qozah" heilst, wogegen Ernst Meier, Kranaia (Kgavaia) , Beiname der Athens,
ZDMG 17, 1863 p. 578 Einspruch erhebt, in- die auf einem Berge bei Elateia in Phokis
dem er das Wort äoJe vielmehr einem hebräi- einen Tempel (xb ugov zäg 'A&aväg ras Kga-
schen ~2p Entscheider, Richter entsprechen vaiag, Bull, de corr. hell. 11 (1887), 338, oder
läfst. Für identisch mit Kasios, Kasiu halten to hgov tag 'A&aväg iv Kguvaig, ebend. 333.
ihn Baudissin, Stud. z. semit. Religionsgesch. 2 320) hatte, Paus. 10, 34, 7; Weihinschrift
p. 239, der den Namen des letzteren Gottes 'A&ttvü Kgaväa, Bull. a. a. O. 318; in den
gleichfalls als "^2p Entscheider, Richter deutet, 40 Buchstaben AK auf einem geweihten Diskos
Scholz, Götzendienst und Zauberwesen bei den erblickt P. Paris, Bull. a. a. 0. 416 eine Ab-
alten Hebräern p. 144 Anm. 1. A. Lery, ZDMG kürzung von 'A&avä Kgavaia; sonstige Weih-
18 p. 631. Fr. Lenormant a. a. 0. p. 143, der inschriften bezeichnen die Göttin einfach als
freilich Kasiu auch für identisch mit Qozah &tog, Bull. a. a. 0. 61, als 'A&avä, Bull, de
hält. Ganz unwahrscheinlich identificiert-HYtaY/, corr. hell. 12 (1888), 38. 41 oder norvioc 'A&u-
Urgesch. u. Myth. der Philist. p. 263 ff. Ko^s vcüu, a. a. O. 11, 345. Gegen Welcher, Griech.
mit der arabischen Göttin 'Uzza. IDrexler.] Götterl. 2, 294 Anm. 67 und Gerhard, Mytlwl.
Kragaleus (Kgayalivg), Sohn des Dryops 253, 3. 4, welche die Athena Kranaia als
in dem dryopischen Lande bei den Bädern 'Helm- oder Hauptgöttin' deuten, s. Paris
des Herakles wohnend. Während er seine 50 a. a. 0. 11, 320, der den Namen auf v.quvCov
Rinder weidete, wurde er, ein gerechter und = Bergeshaupt zurückführt und in der Athena
kluger Greis, von Apollon, Artemis und He- Kgcevcci'a die von Bergeshöhe aus das Land
rakles aufgefordert, ihren Streit um Amhrakia schützende Göttin erblickt, wie ja auch die
zu entscheiden. Er sprach die Stadt dem Söhne des Polykles die Göttin abwehrend und
Herakles zu und wurde deshalb von Apollon kriegerisch dargestellt hatten, Paus. 10, 34, 8;
au dem Orte, wo er eben stand, in einen vgl. 0. Müller, Archäol. d. Kunst2 539, 4. Paris,
Felsen verwandelt. Die Ambrakioten opferten leiemple d' Athena Cranaia, Corr. hell. 11, 39 ff.
ihm jedesmal nach dem Feste des Herakles, Fouilles cm temple d'Alhrna C. ebend. 405ff.
Ant. Lib. 4. [Stoll.] 12, 37ff. Vgl. Revue archeol, 20 (1892), 138f.
Kragasos (Kgäyacog), Vater der Phylonome oo [Neuerdings hat Paris seine _Studien zu-
(oder Philonome), der Gemahlin des troischen sammengefafst in dem Werke Elate'e. — La
Kyknos, der Stiefmutter des Tennes., Paus. ville, le temple d' Athena Cranaia. Paris 1892
10, 14, 2. Tzetz. L. 232. \_Apollod, epit. Vat. = Bibliotheque des ecoles franc. d'Athenes et
17, 10 p. 64 Wagner heilst er Tgdyueog (hei de Romc. Fase. 60, worin er den Tempel der
Tzetz. a. a. 0. Tgayävuaog); Etym. M. 763, 25 Athena Kranaia p. 71 — 206 bespricht und die
nennt ihn gleichfalls Tragasos, seine Tochter Inschriften von Stadt und Heiligtum in App. I
(Movofii'a; vgl. den Art. Kyknos nr. 3. Höfer.] p. 209—251, die im Tempel gefundeneu Archi-
[Stoll.] tekturreste von Terracotta in App. II p. 253
1405 Kranaichme Kranios 140G
— '258, die ex-voto in App. 111 p. 259 — 298 Kranaos (Koui/aog), Autochthon und König
verzeichnet. von Attika, zu dessen Zeit die deukalionische
Die Reste der Statue des Titnokles und Flut eintrat, Nachfolger des Kekrops,-aus der
Timarchides glaubt Paris p. 121 f. in einigen Herrschaft vertrieben von Amphiktyon, dem
im Gemäuer des byzantinischen Bauwerks, Vorgänger des Erichthonios. Nach ihm wur-
welches sich an der Stätte des Tempels erhob, den die Einwohner Attikas Kranaer genannt
eingemauert gefundenen Bruchstücken einer {Ariitoph. Av. 123; nctidtg Kouvuov, Aeschyl.
überlebensgroi'sen Bildsäule gefunden zu haben: Eum. 993), das Land und die Stadt Athen
„Voici l'aspect que presentent les irois morceaux Kranae (Aristoph. Ach. 75 Koavau nohg;
raccorde's: sur wie plaque de marbre mal de- 10 Lysistr. 481 Kgavad die Burg; Pind. Ol.
grossie , qui devait etre recouverte de me'tal et 7, 82 'J&rjvai KouvtxuC). Mit Pedias, der
engage'e dans une caviti du piedestal, s'elevent Tochter des Menys (od. Mynes) aus Lake-
les plis infcrieurs d'une rohe de femme, tailles daimon , zeugte er die Kranai , Kranaichme
dans le meme bloc. On voit que l'etoffe se gonjle und Atthis, nach welcher er das Land Atthis
sous l'effet du vent ou d'une marche rapide, et oder Attika nannte, Apollod. 3, 14, 5. G. 1, 7, 2.
ce paquet de draperies rejete en arriere comme Paus. 1, 2, 5. Herodot 8, 44. Strab. 9, 397.
dans les Victoires sertaithabiliment a equilibrer Steph. B. v. Koctväg; Syncell. p. 284. 297.
V inclinaison de la figure penclie'e cn avant. Le Mann. Par. ep. 4. Suid. v. Koccvacöv. Kr war
fragment a cnviron un melre de hauteur et die Personifikation des rauhen felsigen Bodens
s'arrete audcssousdesgcnoux. Nous n'hesitons 20 von Attika, während seine Gattin Pedias
pas ä reconnaitre, dans ces debris si humblcs, (nsö(ov) die Ebene vertrat. Nach manchen
les restes de V Athena Cranaia, Oeuvre des fils sollte er als Schiedsrichter zwischen Poseidon
de Polycles, syste'matiquement brise'e pour servir und Athene der letzteren das attische Land
ä des constructions barbares." zugesprochen haben, Apollod. 3, 14, 1. Sein
Eine Abbildung dieser Statue erblicken Grab befand sich in dem attischen Demos
Prokesch v. Osten, Abh. d. Kgl. Prcufs. Ale. a. Lamptrai, Paus. 1, 31, 2. Er wurde zu Athen
d. I. 1845 Taf. 1, 24. Müller- Wieselet; Denkm. als Heros verehrt; seine Priester nahm man
d. a. K. 2, 1, 20, 214 b. Hcad, H. N. p. 290. aus dem Geschlechte der XagCSoct, Hesych. v.
Paris p. 122 ff. und, mit einigen Bedenken, Xagiäai. Ein Sohn des Kranaos war Karos,
auch Overbeck, Gesch. d. gr. Plast. 23 p. 374 30 Hesych, v. Kgavctov vtog. Buttmann, Mythol.
in der Athena einer Bronzemünze von Elateia 2, 322. Preller, Gr. Myth. 2, 139. Gerhard,
{Cat. of greek coins in the Brit. Mus. Central Griech. Myth. 2 § 752, 2. 753. Stammtf. H.
Grecce p. 31 nr. 1 PL 4, 26), welche Paris p. 123 p. 231. [Toepfl'er, Att. Geneal. 162. 307 t. K.]
(Abbildung p. 122 Fig. 9) so beschreibt: „Dr. [Eust. ad Dionys. Perieg. 423. Gramer, Anecd.
Bucrane de'corc de bandelettes tombant ä droite Paris. 2, 189. Schal. Arist. Acharn. 75. Schal,
et ä gauche; entre les cornes, les lettres EA. Arist. av. 123. Diogen. Laert. 2, 6, 14. lustin.
Bs. Athena combaltant, vue de trois quarts, 2, 6, 8. Kranaos und Amphiktyon am Par-
marchaut vers la droite, la jambe gauche en thenonfries, Welcker, Arch. Ztg. 10 (1852), 494
arriere. La täte est casquee, la poitrine couverte nr. 5. Schon Eust. a. a. O. sagt Kpavag [isvroi
de l'egide. Le bras gauche porte en arant du 40 g 'Aznug ov növov entb xov Kquvuov, otlla
corps un bouclier rond dont an aperroit l'ombo v-ul Stört rgaztia xui 16 tiIeiov airgs oqsgiv
saillant. Le bras droit, rejete en arriere, porte imoTtSTTzorns; vgl. Stein zu Herod. 8, 44. Aus-
une lance oblique, prete ä frapper. La taille Jährlich handelt über die Namen und die Be-
est mince et serree; une tunique courte tonibc deutung des Kranaos und seiner Töchter
jusqu'ä mi ' cuisses; les plis d'une longue robe Kranae und Kranaichme Pott, Kuhns Zeitschr.
talaire flottent en arriere et autour des jambes. f. vergl. Sprachforschung 9 (1860), 401 — 404.
Freilich erklären Imhoof-Blumcr and Gardner, Höfer.] [Stoll.]
Num. comm. on Paus. p. 124, dafs, in An- Kraneia (Kpaveict, Hartriegel), eine Hama-
betracht dessen, dafs aufser dieser von ihnen drj'ade, welche nach einer Dichtung des Phe-
Pl. Y nr. XV abgebildeten Athenadarstellung 50 renikos aus Heraklea bei Athen. 3, 78 Oxylos
aucheineAthenainPalladionform(Pl.Ynr.XVI) ("O-^vlog, Lignosus), der Sohn des Orios
auf Münzen von Elateia vorkommt, es unmög- (Montanus), mit seiner Schwester Hamadryas
lieh sei, zu entscheiden, welche von beiden (Avborina) gezeugt hatte; s. Balanos und Karya.
Darstellungen näher an das Werk der Söhne Schoemann , Opusc. Ac. 2, 133. [Stoll.]
des Polykles herankomme. Aufserdem halten !_ Kranides (= Krenides) s. Krenai.
sie die Münzen für älter als diese Künstler. Kranios (Koäviog), 1) einer der Söhne des
Doch setzt Hcad " diese von Imhoof u. Gardner Kephalos, des Eponymos der Insel Kephal-
dem 3. vorchristl. Jahrhundert zugewiesenen lenia. Die vier Städte auf Kephallenia: Krane,
Münzen ins 2te. Drexler.] [HöferJ Same, Pronnoi und Pale (Thuk. 2, 30. Tzetz.
Z Kraiiaiclime {Kgavaiifirf), Tochter des Kra- «0 L. 791. Bursian, Geogr. 2, 373) hatten ihre
naos (s. d.), Apollod. 3, 14, 5. Gerhard, Gr. Namen von den vier Söhnen des Kephalos
Myth. 2 § 753, 2. [Stoll.] und der Lysippe: Pronesos (Pronos?), Samos
Kranaios, Beiname des Hermes auf Kreta, (Samaios, Et. M.), Peleus (Palaios) und Kra-
s. Halbherr, Scoperte nel santuario di Hermes mos (Kraneos), Steph. B. v. Kquvioi; Et. M.
Cremet}, Museo ital. di ant. class. 2 Sp. 913 — 507, 27 ff. und Sylburg z. d. St. [— 2) Nach
916 Tav. 14. Sein Heiligtum befand sich beim Paus. 3,20,9 befand sich am Wege von Sparta
jetzigen Dorfe Patsö, Provinz Amäri, westlich nach Arkadien ein Kgaviov xifisvog . . . titt-
vom Ida. [Drexler.] nlgeiv Exefigaxi'ov xai Mvaiag . . ifqov 'Agri-
1407 Kranomegalene Krataiis 1408
ftidog. Nach Wide, Lakon. Kulte S. 78f. und ein Buchstabe zu fehlen scheint? Haben wir
256 wäre Kgecviog mit Apollon Karneios iden- hier eine koische Heroine oder die sonst un-
tisch. Röscher.] [Stoll.] bekannten lokalen Beiwörter einer Gottheit?"
Kranomegalene (KgavofityaXrjvri), Beiname [ Die naheliegende Änderung: 'E\y.utcu ZzgazCai
der Kybele auf einer Inschrift aus Bukareler der Epigraphiker Rayet, Inscriptions de l'ile de
in Galatien il//)f(H KgavofisyctXriv ij sv%tfv, C. I. G. Kos, Annitaire de l'assoc. pour Vencour agement
3, 4121. Gnder (vgl. Boeckh a.a.O.) las Mij-cql des etudes grecques en France 9, 1875 p. 290
[TQijxgäva fiiydXn. Auf einer Inschrift aus — 292 und Paton and Hicks, The inscriptions
Eskischehr (Archaeol. epigr. MM. aus Österr. of Cos p. 279— 280 nr. 388 wird bestätigt durch
7, 177 ff. nr. 23) findet sich die Widmung 10 eine andere koische der 'Endzcc^t] Sxguxlcti
Mtjzqi &eäv KPA OS METAAOT. v. Borna- (Rayet p. 288 ff. nr. 9. Paton and Hicks p. 261.
szeicski a. a. 0. liest /inxgl ■frfcäi' v.gd[z]o(v)g 2C2 nr. 370) dargebrachte Widmung. Drexler.]
(xsydlov; dagegen erblickt Mordtmann, Atlien. [Höfer.]
MM. 10 (1885), 14 in dieser Gottheit dieselbe Krataia (Kgazaia) = Krataiis (s. d.) im
wie C. I. G. a. a. O. und ergänzt Kgct[v~\o fis- Schot. Plat. de republ. 9 p. 419 ed. Bekker, wo
yctXov , findet es allerdings selbst auffällig, es heifst Zmi'Un di Kgaztxiag v.al Tvggr]-
dafs bei seiner Deutung danu MEFAAOT für vov rj <I>6gr.ov, ngogwnov ~£%oveu v.al otigva
METAAHS steht. [Höfer.] yvvaiv.bg, sx Xuyovo^v di v.vväv xtqxxXüg f| v.al
Kranon (Kgavcov), Sohn des Pelasgos, nach noäag SäSsva. Diese Stelle stimmt fast wört-
weichem die Stadt Kranon (Krannon) in Thes- 20 lieh überein mit Apollod. frgm. Sabb. 120b
salia Pelasgiotis benannt war, Steph. B. v. (Rhein. Mus. 46 [1891], p. 178): ZxvXXa Kga-
Kgdvoiv. Die Stadt soll früher Ephyra ge- zaiiöog ftvydxng v.al Tgirjvov , rj cpogxov
heifsen haben; als aber Kranon, der Fürst ngogmnov i'%ovßa xal azigva yvvatvög, iv. Xa-
derselben, bei der Werbung um die Hand yövaiv äh y.scpaXäg £% v.al dwdixa nöäag v.vvöiv.
der Hippodameia zu Pisa das Leben verlor, Darnach ist bei Apollod. a. a. 0. zu lesen v.al
nannten die Thessaler ihm zu Ehren ihre Tvggnvov -q <I>6gy.ov, ngogai-nov t%ovaa nzX.
Stadt Kranon, Kineas aus Thessalien b. Schol. Dafs die Lesart Tvggnvov die richtige ist,
Find. Pyth. 10, 85; s. Bd. 1 Sp. 2668, Z. 42. beweisen Palaeph. de incred. 21_. Apostol. 16,
[Stoll.] 49: Xiyovci Titgl SvvXXiqg &g jjy Tvggnvia
Kranto (Kgavzco), Tochter des Nereus und 30 (iv Tv ggrjvCa Palaeph.), yvvr) yikv fif'^pt toü
der Doris, Apollod. 1, 2, 7. Man hat ihren öjtqxxXov, xvväv äs ivziv&sv avzfj ngogntipv-
Namen in dem Katalog der Nereiden des v.aqi xstpccXai, weiter wird dann in eukeme-
Hesiod (Theog. 243ff.) für das daselbst zwei- ristischer Weise erzählt, dafs Skylla ein See-
mal vorkommende Ilgmzcö, entweder V. 243 räuberschiff der Tyr rhener gewesen sei.
oder V. 248, einsetzen wollen, Schotmann, Tyrrhenos, der Sohn des Atys, führte be-
Opusc. Ac. 2,173. [Stoll.] kanntlich die Tyrrhener aus Lydien nach Italien
Krantor (Kgdvzcog), Wattenträger des Peleus, (Herod. 1, 94. Strabo 5 p. 219. 221. Dionys.
in dem Kampfe der Lapithen (s. d.) und Kentau- Hai. 1, 27. 28. Eust. ad. Dionys. Per. 347.
reu durch einen von Demoleon gegen Theseus Tac. annal. 4, 55) und kam so auf seiner Fahrt
geschleuderten Fichtenstamm getötet. Amyn- .10 auch nach Sicilien, den Schauplatz des Skylla-
tor, der Vater des Phönix, Fürst der Doloper, mythus. [Höfer.]
hatte ihn, im Kriege besiegt, dem Peleus als Krataibates s. Kataibates; vgl. auch die
Pfand und Bürgschaft übergeben, Ov. Met. 12, Kaisermünzen von Kyrrhos in Syrien mit der
361 ff. [Stoll.] Legende Jiog Kazaißdzov oder Kazeßdzov, auf
Kraon (Kgdcov) = Kreon (s. d.) auf einer denen Zeus dargestellt ist sitzend, in der B.
Vase der Sammlung Jatta in Ruvo, Arch. Zeit. den Blitz, in der L. eine Lanze haltend, zu
28 (1871) Taf. 40, 2. Annali 1876 176. Mon. seinen Füfsen ein Adler Eckhel, D. n. 3, 260.
ined. 10 Taf. 27. [Höfer.] llead, Hist. mim. 654; Zevg Kazatßdrrig auch
Krarios, einheimische Form des Beinamens Aristid. or. 1 p. 11 Dindorf. [Höfer.]
des Zeus Klarios in Tegea (s. ob. 2 Sp. 1212'., 50 Krataigonos (Kgazaiyövog), Sohn des Psyllos
wie sich aus der Form Kgagiäzai für die An- und der Anchiroe, begleitete an der Spitze
gehörigen der von Paus. 8, 53, 6 KXagtmzig libyscher Völker den Dionysos auf dem Zuge
genannten tegeatischen Phyle in der Inschrift nach Indien, Nonn. Dion. 13, 379. [Stoll.]
C. I. Gr. 1513. Lebas 2, 338b. Gauer, Del. Krataiis (Kgdzaiig), die Mutter der Skylla,
454 ergiebt, s. Schwedler, De rebus Tegeaticis, Hom. Od. 12, 124. Ov. Met. 13, 749. Nach
I^eips. Stud. s. kl. Phil. 9 p. 277 — 284. Den Akusilaos waren Hekate und Phorkys die
von Paus. 8, 53, 9 erwähnten Hügel (zö %agiov Eltern der Skylla; Ap. Rh. 4, 828 vereinigt
tÖ vipnXöv) mit der Mehrzahl der Altäre der Akusilaos und Homer, indem er Krataiis nur
Tegeaten, der nach Zeus Krarios benannt war für einen anderen Namen der Hekate an-
(xctXtizai fiiv Jiög KXagi'ov), hält Schivcdler co nimmt, Schol. Ap. Rh. a. a. 0.; vgl. Verg.
für den heutigen Hagios Sosiis. [Drexler.] Cir. 66 und das. Heyne. Semos aus Delos b.
KPATA. Auf einer Inschrift aus Kos findet Schol. Od. 12, 124 (Müller, Fr. hist. gr. 4
sich nach vorausgehendem Namensverzeichnis p. 495, 18a) nennt sie eine Tochter der He-
von Weihenden die Widmung Kgdzct Stgazta, kate und des Triton, welche mit Deimos die
Roß, Hellenika 1, 2 p. 95 nr. 18, wozu Ro'fs Skylla erzeugte. Krataiis, die Mutter der
a. a. 0. bemerkt: „Was für ein Wesen steckt Skvlla, heifst ein Flufs in der Nähe des
... in dem KPATAI ZTPATIAI, wofür man Skyllafelsen, Hyg. f. 199. Plin. n. h. 3, 10, 73.
auch AKPATAI lesen könnte, da vor dem K Solin. 2, 22. Auch Od. 11, 597 wurde Kgu-
1409 Krateanos Krathis 1410
zaug von manchen alten Erklärern persönlich sowie zu Dionysos -Phanes-Protogonos bildet:
genommen als ein gewaltiger Daimon, ein „überall die Beziehung zu der Entstehung des
Daimon der Übergewalt, der den Stein des Menschengeschlechts". Vgl. 0. Kern, Hermes
Sisyphos wieder zum Rollen brachte, Eustath. 25 (1890) S. 7 und Kaibel ebenda S. 99.
p. 1702, 37. Nitzsch, ErM. Anm. z. Odyssee [Röscher.]
3 p. 323—326. 384. Preller, Gr. Mytli. 1, 606 f. Krater s. Sternbilder.
[Im frgm. Sabbait. Apollod. f. 120 t. Rhein. Krates (Kgäzrjg). Nach Iulian. or. 6 p. 200 b
Mus. 46 (1891), 178 ZxvXla KgazuiiÖog standen an manchen Häusern in Athen als
&vyäzr\g v.al Tqitjvov »j cpogv.ov ngögconov Überschrift die Worte: Ei'aodog KgazrjZi 'Aya-
i'xovou v.ui ozigva yvvaiv.6g schlägt Papa- 10 &ä> äaipovi. Julian und mit ihm die meisten
dopulos-Kerameus a. a. 0. vor zu schreiben Ausleger beziehen diese Inschrift auf den Philo-
ent weder KgazaiCSog &vyazrjg Hai Tv- sophen Krates, den man dadurch habe ehren
yävog r) <t>6gnov hzX. oder nal Tgiat'vov hzI. wollen. Dagegen erblickt Alex. Enmann, Kypros
Es ist aber zu schreiben £xvlla KgazaiCSog u. der Ursprung des Aphroditekultus S. 55 und
frvyäzng -aal Tvggwvov r} $6g%av, ngoaantov Anm. 1 hier die Verwechslung eines obskuren
i%ovaa hzX.\ s. Krataia; vgl. ferner Alkiphron. Lokalheros mit einer berühmten historischen
ep. 1, 18, 3. Nach Mythogr. Lat. 1, 3 p. 2 ed. Person; Krates sei ein guter Hausgeist, ent-
Bode 2, 169 p. 133 gebiert Krataiis von Phor- entsprechend dem deutschen skrato, skrat,
kos die Skylla. S. auch Pott in Kuhns Ztsehr. slavisch skr et, finnisch kratti (Grimm, Dtsche.
f. vergl. Sprachforschung 6 (1857), 269. Höfer.] 20 Myth. p. 396 ff.), der noch heute bei den Esthen
[Stoll] als glückbringender Hausgeist gelte; auch bei
Krateanos (Kgazsavog), Beiname des Apollon den Slovenen findet sich dieselbe Anschauung
auf Weihreliefs aus Mysien, Mordtmann in vom Skrat; vgl. Pud. Baumbach, Zlatorog 95f.;
Arch. Zeit. 32, 162f. : „Apollon ist als Kitha- dasselbe Wesen sei demnach auch unter dem
rode dargestellt mit der Schale auf einen ftvgi Ttavai%zr\g bei Plut. quaest. conv. 9,1,6
Altar libierend, hinter dem ein Baum sich und I)iog. L. 6, 5 nr. 2, 86 zu verstehen,
erhebt; dem Altar naht ein Opferknabe mit [Höfer.]
zwei Widdern", Benndorf -Niemann, Meisen in Kratesis (KgäzrjCig), Personifikation der Herr-
Lykien u. Karien p. 154 Fig. 89 nr. 128; vgl. schaff, dargestellt als Frau, die eine Trophäe und
Petersen- Lusehan, Meisen in Lykien, Milyas 30 eine Siegesgöttin auf der Hand trägt, auf einer
und Kibyratis p. 9 nr. 18. Zur Erklärung des alexandrinischen Münze des Galba bei Miliin,
Beinamens vgl. Mordtmann a. a. 0. und Plew, G. M. 91, 355. Baumeister, Denkmäler 13041.
Arch. Zeit. 33, 113. 34, 43, der Kgaxiavög von [DiesenaufBillonmünzendesGalba(Zo(^a,ATM»H.
einer Stadt Äguxzia, vielleicht von der in Aeg. Imp. p. 33 nr. 2; p. 34 nr. 17 Tab. III, 5; Mi.
Bithynien gelegenen (Ptolem. 5, 1, 14), ab- 6, 74, 257; 75, 265. Feuardent, L'Eg. anc.
leitet. Gegen Dethier , der den Apollon Kra- 2, 33, 742, 751. Poole, Cat. of the coins of
teanos als gehörnt auffafst (vgl. Furüvängler Alexandria and the nomes. Lohdon 1892 p. 23
in Bd. 1 Sp. 468, Z. 7ff.), s. Benndorf a. a. 0. nr. 194, 195, PL 8, 196) und Otho (Zoega p. 39
p. 154, der diese Annahme als aus einer Ver- nr. 8. Mi. 6, 77, 279. Feuardent 34 f., 765.
kennung des nogvfißog des Apollon entstanden 40 Poole p. 25 nr. 210) vorkommenden Typus be-
bezeichnet. [S. auch E. Michon, Basrelief zeichnen Mionnet und Feuardent als „Le
voiif ä Apollon (Kgaxsavog) (Musee du Louvre), genie de la Victoire", Read, H. N. p. 722 als
Bulletin des Musees Tom. 2 1891 p. 322—324. „Potestas or Virtus". Eckhel, 1). N. V. 4 p. 35
Dresler.] Vgl. Arch. Anz. 7 (1892)- 25. bemerkt: „Nova epigraphe , eaque in unis
[Höfer.] Alexandrinis, quo vocabulo intelligendam Po-
Krateia (KRATEIA), beigeschriebener Name manorum 'Virtutem' facile mihi convenit cum
einer Frau, wohl einer Göttin, auf einem im Spanhemio (T. I p. 146)." Auch Poole p. LIV
thebanischen Kabirion gefundenen Vasenfrag- beschliefst seine Besprechung der Darstellung
ment (vgl. Winnefeld in d. Mitteil. d. athen. mit den Worten: „It seems therefore that the
Inst. 13 S. 421 u. Taf. 9. Meinach in Mevue 50 Alexandrian type Kratesis rather corresponds
arche'ol. 15 [1890] 278), das eine Liebes- to Virtus than represents a new personification".
scene zwischen MITOT und Krateia darstellt, Über eine von ihm p. 21 nr. 179, 180 ver-
dienen der kleine TTRATOUAOH die Hände zeichnete Bronzemünze des Nero mit dem
zusammenschlagend zuschaut". „Die Deutung Datum LH bemerkt Poole p. LIV: „Among the
der Krateia kann keine Schwierigkeiten machen, types of Nero is a female figure, armed with
die Personifikation weiblicher Kraft wird mit Keimet and spear , holding patcra and shield,
Mitos verbunden, für dessen Erklärung eine wlio is probably Virtus, and therefore Kratesis
Tabelle orphischer Allegorieen zu benutzen or Arete". Drexler.] [Höfer.]
ist, die uns Clemens Alex. Strom. 5, 49 p. 676 Kratliia (Kgafrüi), Beiname der Athena von
P. (3, 39 Bind.), Abel fr. 253 aus Epigenes' 60 dem Flusse Krathis, an dem, in der Nähe von
Buch nigl TJjs 'Ogtfiuig noirjascog überliefert Sybaris, ein ihr von Dorieus, dem Sohne des
hat." Nach Epigenes soll Orpheus fiizog Anaxandrides, geweihter Temenos und Tempel
.allegorisch für C7cegfi,a gesagt haben (vgl. lag; Herod. 5, 45. Das Haupt der Athena auf
Lobeck, Aglaoph. 2, 837). „Von diesem Paar Münzen von Sybaris Brit. Mus. Cat. Ital.
. . . stammt das erste Menschenkind Prato- p. 286. Head, Hist. num. p. 71. [Höfer.]
laos", der demnach eine Parallele zu Proteus, Krathis (KgäS-ig). Der Flufsgott Krathis ist
dem Vater der samothrakischen Kabira, zu dargestellt auf der Rückseite einer Münze von
den Tritopatreis Protokles und Protogonos, Pandosia; auf der Vorderseite befindet sich
Roschep., Lexikon der gr. li. rüru. Mythol. II. 45
1411 Kratieus Krenos 1412
das Bild der Stadtgöttin von Pandosia, ein tbv Ovgavbv Kai figaag Kai rjgcvaocag Kai Kgd-
weiblicher Kopf mit einem Diadem; beide vag Kai nora^ovg Kai ftioitg ndvxag Kai näaag.
sind durch Beischrift kenntlich; das Haupt Bangabc, Antiqu. hellen. 2, 2477 p. 1029; ebenso
des Flussgottes ist als gehörnter Jünglings- Soph. Oid. Kol. 1333: 7tgbg vvv es kqtjvcSv Kai
köpf dargestellt. Mionnet 1 nr. 927 (= pl. 32 &säv ofioyvicov akä und Schol. das. Soph. Aiax
nr. 56). Head, Bist. num. p. 90. v. Sollet, 862. Ant.Sii. Man kann vergleichen die Nvficpui
Zeitschr. f. Numism. 1, 216. 0. Hoffmann bei Kgnvaiai bei Hom. Od. 17, 240 und auf einer
Collits, Samml. der griecli. Dial.-Inschr. 2, 1641. römischen Grabschrift, G. I. G. 3, 6293 =
Arch. Ztg. 43 (1885), 12 Anm. 10. [A Cat. ofthe Anth. Pal Append. 2, 271 (Cougny), die Kga-
greek coins in the Brit. Mus. Italy p. 370 nr. 1 10 valai bei Theokr. 1, 22 (Nvfitpag Kgnvaiag,
„Biver Krathis, naked, facing, head turned Schol. Theokr. a. a. O.) und die Kgaviäsg,
toioards l., [standing] , holding in extenäed r. 3IoschosS,2d. Kgnvi'Ssg Anth. Pal. 7,55. [Höfer.]
patera,andinl.olive-branch, ivhich leans against Kreiiaia (Kgrtvaia), 1) Beiname der Artemis
his Shoulder ; at Jus feet a fish, leaping towards in einer Beschwörungsformel, nach Welckers
the patera? infieldl., KPAOSM". Head, Num. Deutung der lateinischen Buchstaben KRNE;
Chron. 1873 p. 98 nr. 12, PI. 3, 8. Gardner, neben Artemis -wird der Christengott und
Types of greek coins PI. 1, 17. Garrucci, Le Christos selbst angerufen, ein Beweis für das
monete dell' Italia antica. Roma 1S85. 2". Fortdauern des Artemiskultus auch in die
p. 154 Tav. 111, 5. Auf dem Obv. von Bronze- christliche Zeit hinein, Arch. Zeit. 4 (1846),
münzen von Consentia erscheint ein jugend- 20 260; über Artemis als Göttin der Quellen etc.
liches männliches Haupt, bekränzt mit Rohr, s. Bd. 1 Sp. 560 Z. 6 ff. — 2) Personifikation
mit einem kleinen Hörn auf der Stirn, A Cat. des Thores Krenaiai (nach Brunn, Gesch. d.
of the greek coins in the Brit. Mus. Baly griech. Künstler 2, 662 = 22, 451 Quellnymphe)
p. 341 nr. 3. Coli. Santangelo p. 58 nr. 6179. in Theben auf der Vase des Asteas, kennt-
Mülingen, Consid. sur lanum.de Vanc. Italic lieh durch die Beischrift KPHNAIH, neben
p. 85 nr. 2. Garrucci, Le monete dell' Italia Thebe und dem Flufsgott Ismenos Zuschauerin
ant. p. 170, Tav. 117, 35. Dieses Haupt erklärt bei dem Kampfe des Kadmos mit dem Drachen.
Fiorelli, Mon. ined. p. 15 nr. 14 u. Garrucci, Sie trägt breite Stirnbinde, ist aber nur in
Bull. arch. nap. n. 1 p. 19 für das des Krathis. halber Figur dargestellt. Heydemann in Arch.
Head, H. N. p. 79 für das des Krathis oder, so Zeit. 29 (1872), 36 Neapler Vasen 3226 (vgl.
auf Grund des Taschenkrebses der Rückseite, ebenda Taf. 9, 3226. C. I. G. 4, 8481), abg.
für das des Karkines. Auch in dem stofsen- Mittingen Uned. Anc. Monum. 1, 27. Mus.
den, verschieden gedeuteten Stier der Münzen Borb. 14, 28; vgl. Welcher, A. D. 3, 387. Per-
Ton Thurium ist Head, H. N. p. 72 nicht ab- vanoglu, Annali 1859, 153; zu den nvlai Kgn-
geneigt den Krathis zu erkennen. Drexler.] vatai (KgnvCSsg, Apollod. 3, 6, 6) s. Eur. Phoen.
Vgl. Flussgötter. [Höfer.] 1123. Aristodcmos im Schol. zu 1156. Paus. 9,
Kratieus (Kgaztsvg), Vater der Anasibia, 8, 5. Vielleicht hat das Thor seinen Namen
der Gemahlin des Nestor, Apollod. 1, 9, 9. davon, weil es nahe bei der Quelle Dirke
[Pott in Kuhns Zeitschr. f. vergl. Sprachfor- lag, vgl. Schol. Kur. Phoen. 1123. Ulrichs,
schung 9 (1860), 184. Höfer.] [Stoll.] 40 Topographie von Theben, Abh. d. philos. philo!.
Kratistos Theos (Kgdriarog ■9'eo's), auf einer Classe d. K. Bayr. Akad. d. TP", d. W. 3 (1840),
Inschrift aus Ephesos ist nach Neicton-Hickt, 328. Wilamoicitz , Die sieben Thore Thebens,
Ancient inscr. Greek in the Brit. Mus. 3, 500 Hermes 1891, 217. 221 f. [Höfer.]
p. 221 f. zu lesen &]eov Kga(ri(>zov?). Viel- Krenaios (A'e7ji'o:ios'l, 1) Dolione, von Idmon
leicht entspricht dieser Gott dem &sbg vtyi- getötet, Tal. Flacc. 3, 178. [ — 2) Sohn des
Gros (s. Hypsistos). [Höfer.] Faunus und der Nymphe Ismenis (oder einer
Koärog und Bia, Macht und Gewalt, zwei der ismenischen Nymphen), von Hippomedon
kosmische Potenzen, Kinder des Pallas und erlegt, Stat. Theb. 9, 320 ff., 356, 3S8; der Name
der Styx, Geschwister des Z/yios und der ist recht bezeichnend für den Sohn einer
Niwrj, stets in der Nähe und im Dienste des 50 Naiade. Höfer.] [ — 3) Einer der Kentauren
Zeus, dem sie mit ihrer Mutter zum Beistand (s. d.), Ov. Met. 12, 313. Röscher.] [Schultz.]
kamen gegen die Titanen, Hesiod. 11%. 385. Kreneis (Kgr\vnig), vielleicht Name einer
397. Apollod. 1,2, 4. — Hyg. praef. -p. 30 Bunte Okeanide bei Hes. Thcog. 359; andere lesen
nennt sie Potestas und Vis. Im Auftrag des Xgvantg oder Kgiaarfig. Vgl. Krenis. [Höfer.]
Zeus fesseln sie den Prometheus, Aeschyl. Krenis (Kgi]i>ig), eine Nereide, Hyg. praef.
Prom. in.; vgl. Aeschyl. Choeph. 241. Braun, p. 29 Bunte. Der Name scheint korrupt.
Gr. Götterl. % 214. Preller, Gr. Myth. 1, 48. [Wölfflin, Bhein. 3Ius. 1865 p. 293 liest statt
3. Gerhard, Gr. Myth. 1 § 607. [De Witte, der 3 Namen Crenis, Euridice, Leucothoe:
Le geant Valens p. 17. 18. S. auch Minervini, Thetis, Eunice, Glaucothoe. Drexler.] Eine
Bull. arch. napolet. n. s. 2, 1854 p. 71. 72. 60 Okeanide Kgijvriig (Hennann: Xgvar^'g) in Hes.
Drexler.] [Vater des Iasion, den er mit der Thcog. 359. [Ich halte bei Hygin. a. a. 0.
Nymphe Phronia zeugte, Creuzer, Anecd. Gracc. den Namen Krenis nicht für korrupt und ver-
p. 52 und Anm. 21. Höfer.] [Stoll.] weise auf Priscian. Inst. 7, 46. Grammat.
Krangasos = Kragasos (s. d.). Lat. ed. Keil 2, 325. Crenis, nomen proprium
Kreios = Krios (s. Titanen). nymphae, Crenidis. Höfer.] Vgl. Kreneis. [Stoll.]
Krenai (Kgrjvai), die Quellen als Gottheiten Krenos (Kgrjvog), einer der Herakliden, be-
in einer Eidesformel auf einer Inschrift von rühmter Seher, Clem. Alex. Stromat. 1, 399
Dreros: ofivvco tav 'Eatiav . . . «cä tav Väv Kai Poiter. [Höfer. ]
1413
Krenuchos
Kreon
1414
Krenuchos (Kqovovxos), Beiname des Po-
seidon (Gornut. de nat. deor. 22 p. 129 Osann,
[Schol. Theoer. 17, 69. Murr, die Gottheit der
Griechen als Natwrmackb. Innsbruck 1892
p. 50 Anm. 7. Drexler.]\ von Welcher, Rhein.
Mus. 1 (1833), 324 auf die Inschrift KPENOXEI
= xQ-nvovxsi einer Volcenter Vase mit der Dar-
stellung des Poseidon bezogen ; vgl. auch Annali
1831 p. 80, 188 nr. 788. Osann zu Cornut.
p. 314f. [Höfer.]
Kreon (Kqscov), 1) Sohn des Lykaithos
(fälschlich des Menoeceus bei Hygin fab. 25),
König von Korinth , Vater des Hippotes
(Diod. 4, 55; vgl. Schol. Eurip. Med. 20. Hyy.
fab. 27) und der Kreusa oder Glauke (s. d.).
Zur Erziehung hatte ihm Alkmeon (s. d.)
seine mit Manto erzeugten Kinder Amphi-
lochos und Tisiphone übergeben. Aus Eifer-
sucht wurde letztere von Kreons Gemahlin
verkauft und gelangte zufällig, ohne erkannt
zu werden, in den Besitz des Vaters, Apollod.
3, 7, 7. Diese Sage ist von Euripides in der
Tragödie AXy.iiscdv 6 diu Xoqiv&ov behandelt
worden, wahrscheinlich auch von Astydamas
in seinem 'Alv.uimv. Welcher vermutet (die
yriech. Tragödien 2, 581), Kreon habe sich,
als Alkmeon seine Kinder zurückforderte,
hochmütig und trotzig benommen und sei
dann von ihm vertrieben worden. — Zu Kreon
kommen Iason und Medeia (s. d.), wofür nnsere
älteste Quelle die Oi%ciliag alcoaig des Kreo-
phylos ist. Nach den daraus von Didymos
vermittelten Angaben (Schol. Eur. Med. 273)
ermordete Medeia den Kreon durch Zauber-
mittel und floh darauf nach Athen, nachdem
sie ihre Kinder an den Altar der Hera Akraia
gesetzt. Euripides und seine Nachahmer lassen
sie von Kreon des Landes verwiesen werden,
worauf sie an ihrer Nebenbuhlerin durch Über-
sendung von vergifteten Gewändern, welche
nach dem Anlegen in Brand geraten, Rache
nimmt. Kreon geht bei der Hilfeleistung zu
Grunde, Eur. Med. 1156 ff. Senec. Med. 879 ff.
Einer anderen Darstellung zufolge werden
Vater und Tochter dadurch getötet, dafs
Medeia nächtlicher "Weile den Königspalast
in Brand steckt, Diod. 4, 54; [vgl. ferner
Apollod. 1, 9, 28. Diodor. 4, 53. Myfhogr.
Graeci ed. Westermann p. 345. Plut. de amic.
mult. 7. Hör. epod. 5, 64. Ovid. Heroid. 12,
53. Mythogr. Lat. 2, 138 p. 122 ed. Bode. Schol.
in Ibivi 603. Falsch ist Schol. Stat. Achill.
1 p. 560 ed. Gruceus: ad (vellus) auferendum
Iason missus a Oreonte est; das Schicksal des
Kreon und der Glauke ward in Tänzen dar-
gestellt, Luc. de Salt. 42. Kreons Gemahlin
heifst Merope auf der Prachtvase von Canosa,
auf welcher auch beider Sohn Hipp otes, durch
Beischrift kenntlich, erscheint (abg. Miliin, Tom-
beaux de Canose Taf. 7. Arch. Ztg. 5 (1847),
Taf. 3. Baumeister, DenJcm. nr. 9S0 p. 903; vgl.
C. I. G. 4, 8424. O. Jahn, Beschreibung der
Yasensammlung in d. Pinakothek in München
nr. 810 p. 261; ebenders., Arch. Ztg. 5 (1847),
p. 33ff.; 25 (1867), 58. Heydemann, Vasens.
d. Mus. Naz. Neapel p. 753 Anm. 2 zu nr. 526.
Baumeister a. a. 0. p. 904): Kreusa ist inner-
halb eines tempelartigen Gebäudes, das die
Inschrift Kgiövreia (wohl zu ergänzen olvÜv.toqu
oder Scouazcc) trägt, auf einem Thronsessel zu-
sammengesunken; zu ihrer Linken steht Kreon
(nur die Buchstaben . . SIN erhalten) mit
weifsem Haar und Bart, „in theatralischer
Herrschertracht, einem langen gestickten Unter-
gewand mit Kreuzbändern über der Brust,
weitem Mantel und Schuhen" (vgl. Heibig,
Untersuch, über die Campan. Wandmalerei 178);
10 er umfafst die Tochter mit dem linken Arm,
während er die rechte Hand, der das mit einem
Adler gezierte Scepter entsunken ist, in Ver-
zweiflung an das Haupt legt; hinter ihm eilt
Merope jammernd mit ausgestrecktem linken
Arm, die Rechte an den Kopf gelegt, herbei,
während von rechts Hippotes herzueilt, um
der Schwester den todbringenden Kopfschmuck
abzureifsen. Ein ähnliches Motiv findet sich
auf einer Vase der Sammlung Santangelo,
20 Heydemann a. a. 0. nr. 526 p. 752 (abg.
Rochette, Choix de peint. p. 261 Vign. 14).
0. Jahn, Arch. Ztg. 25 (1867), 59: Kreusa
sinkt zur Erde nieder, mit beiden Händen an
den Schleier greifend; neben ihr steht ein
Thron, unten ein offenes Kästchen; sie schaut
sich um nach einem Mann mit weifsen Haaren,
in Schuhen und Mantel — Kreon — , der
herbeieilt und die R. voll Trauer nach ihr aus-
streckt. Der Untergang Kreusas in Gegen-
30 wart Kreons ist öfters auch auf Sarkophagreliefs
dargestellt, Dilthey , Sarcofaghi di Medea,
Annali 1869 p. 5ff. Tav. d'agy. A. B., Kalk-
mann, Arch. Ztg. 41 (1883), p. 112. Bau-
meister a. a. 0. 906; so auf dem Medea-Sarko-
phag Lancelotti, abg. Winckelmann , Alte
Denkmäler der Kunst, übers, von Brunn 2
Taf. 91 p. 13. Conse, Vorlegebl. Ser. 2, T. 2, 3;
mit diesem Sarkophag stimmt ziemlich genau
überein die Darstellung auf einem Sarkophag
40 im Lonvre (Bouillon 3 basrel. 18, 2. Clarac,
Muse'e de Sculpture 2 p. 504ff. pl. 204, 478.
Baumeister a. a. 0. nr. 982 p. 907 f.): Kreusa
im Begriff, sich in ihrem Brautgemach nieder-
zulegen, schnellt unter der Wirkung des Giftes
mit hochgestreckten Armen und hintüberge-
worfenem Haupte jäh empor, neben ihr steht
Kreon, der die linke Hand nach dem Haupte
seiner unglücklichen Tochter ausstreckt, wäh-
rend er mit der Rechten verzweiflungsvoll
50 ins Haar greift; auf manchen Darstellungen
schlägt sogar schon die lohende Flamme über
das Haupt der Kreusa empor, s. Heydemann,
Mitteilungen aus den Antikensammlungen in
Ober- u. Mittelitalien, 3. Hallisches Winckel-
mannsprogr. 8 nr. 9 und Anm. 12. Matz-Duhn,
Antike Bildtcerke in Rom 2, nr. 3161. 3162 p.
364 ff. und die dort angeführte Litteratur.
Dütschke, Antike Bildertcerke in Turin, Brescia,
Verona u. Mantua = Antike Bildwerke in Ober-
60 Hallen 4, nr. 688 p. 310 ff. und die daselbst an-
gegebene Litteratur. ( Conze) , Beschreibung
d. antiken Skulpturen im K. Mus. zu Berlin
nr. 843b p. 531. = C. Roheit, Die antiken
Sarkophagreliefs 2 S. 713 ff. Taf. 64, 200. Bau-
meister a. a. 0. 907. Eur. Med. 1190. Eine Auf-
zählung aller bekannten Medea- Sarkophage,
auf deren Vorderseite die Darbringung der
Brautgeschenke an Kreusa durch die Kinder
45*
1415 Kreon Kreon 1416
Medeas und der Tod Kreusas in Gegenwart pides in den Hiketiden ausführt, den gefallenen
Kreons dargestellt ist, giebt L. v. Urlichs, Ein Führern das Begräbnis (in den Phoinissen
Medea - Sarkophag , 21, Programm des von giebt er ein derartiges Gebot nur bezüglich
Wagnerschen Kunstinstituts (Würzburg 1SS8) des Polyneikes 1628 ff.) und forderte von
p. 4ff.; ebenda ist die Vorderseite eines 1887 Theseus, den Adrastos nicht in seinem Lande
in Rom gefundenen Sarkophages mit gleicher zu dulden (467 ff.). Doch Theseus zieht gegen
Darstellung abgebildet p. Off. Höfer.] — ihn und erzwingt die Auslieferung der Leichen.
2) Sohn des Menoikeus, übernahm nach Vgl. Pausan. 1, 39, 2, der übrigens angiebt,
des La'ios Tode die Herrschaft über Theben, Kreon habe nach des Eteokles Tode nur als
Apölloä. 3, 8, 1. Hyg. fab. 67. Nachdem viele 10 Vormund von dessen Sohn Laodamas die
Thebaner der Sphinx zum Opfer gefallen Herrschaft geführt (s. ebend. 9, 5, 13. 10, 3).
waren und diese" auch seinen Sohn Hainion Die Fabel der eiiripideischen Phoinissen findet
getötet hatte, verhiefs er demjenigen, welcher sich in der Thebais des Statins wieder. Dort
das Sphinxrätsel lösen würde, den Königs- wird Kreon durch Theseus getötet, der von
thron und die Hand der Königswitwe, seiner Antigone zu Hilfe gerufen ist (12, 767 ff.),
Schwester lokaste, Eurip. Phoeniss. 45 ff. und während er nach des Euripides 'HgatiXi]g pai-
Hypoth. 2. Apollod. 3, 8, 6. Beides gewährte vofisvog (31 ff. 546) durch Lykos von Euboia
er dem Oidipus, wie gleich den Tragikern fällt, der nach ihm die Herrschaft übernimmt,
Pherekyd.es im 5. Buche berichtete, F. H. G. 1, 85. vgl. Senec. Hercul. Für. 372. (Kikolaos Damas-
Von diesem wurde er später nach Delphoi so kenos fr. 20 [F. H. G. 3 , 369] läfst den Kreon
gesandt, um den Grund der thebanischen Pest nach des Herakles Wahnsinn noch am Leben
zu erforschen, Soph. Oed.B. 99 ff. Sen. Oed. 20-2S. sein). — Henioche und Pyrrha nennt Paus. 9,
Nach der Entdeckung des Frevels vertraut 10, 3 als Töchter des Kreon, deren Steinbilder
Oidipus seine Töchter Kreons Obhut an, beim Tempel des Apollon Ismenios in Theben
welcher auch als Vormund der Söhne die standen. Schon von Homer wird die Kreons-
Herrschaft übernimmt, Soph. 0. B. 1462 ff. tochter Megara erwähnt, eine Gemahlin des
1424 ff. Nachdem der unglückliche König Herakles (l 269 mit den Schol. u. Eastath.),
später das Land verlassen und in Attika Zu- dieselbe nennt Pindar Kreiontis, Isthm. 3, 82
flucht gefunden hatte, suchte ihn Kreon, der (vgl. d. Schol.), sie tritt in des Euripides und
ihn erst verbannt, mit Gewalt nach Theben 30 Seneca Hercules Furcns auf, Eur. Herc. Für. 9,
zurückzuführen, da der delphische Gott ge- vgl. die Hypoth., Hyg. fab. 32. 241. Herakles
weissagt, auf ihm beruhe Thebens Heil, Soph. erhält die Megara von Kreon, nachdem er für
0. C. 728 ff. Theseus vereitelte sein über- Haimon um .Gnade gebeten (Hyg. fab. 72.
mutiges Beginnen, ebend. 887 ff. Beim Kampfe Welcher, Die gricch. Tragö'd. 2, 571. 696), als
der Sieben gegen Theben opferte Kreon, um Preis für seinen Beistand gegen die Minyer,
Ares zu versöhnen und die Stadt zu retten, Apollod. 2, 4, 11. Seine jüngste Tochter giebt
auf des Teiresias Rat seinen Sohn Megareus, Kreon eben deshalb dem Iphikles, ebd. —
Soph. Antig. 1302 f. 995. Kraft der von neuem Während Kreons Herrschaft kam Amphitryon
ihm zugefallenen Königswürde verhängt er (s. d.) nach Theben und wurde von ihm ent-
Grablosigkeit über den Polyneikes und verur- 40 sühnt. Er forderte von Kreou Unterstützung
teilt die Antigone, verliert jedoch dadurch gegen die Taphier oder Teleboer, worauf der
seinen zweiten Sohn Haimon und seine Ge- König in Person mit auszog, [nachdem Am-
mahlin Eurydike. Wie Sophokles die Sage phitryon vorher den teumessischen Fuchs
überhaupt und Kreons Charakter je nach den erlegt hatte; Apollod. 2, 4, 6. Tzets. Lykophr.
Anforderungen des einzelnen Stückes poetisch 932 p. 8S5. Nach Timagoras im Schol. Eur.
frei gestaltete, ihn im König Oidipus mafsvoll Phoeniss. 670 = frg. 1 war Kreon neben Pelor,
und selbstlos, im Oidipus auf Kolonos tückisch Echion, Udaios, Chthonios und Hyperenor einer
und gewaltthätig, in der Antigone verblendet, der Sparten, vgl. Schol. Stat. Theb. 10 p. 468
aber imposant schilderte, so hat sich auch ed. Cruceus (Paris 1618) Creon, Menoecei pater,
Euripides erhebliche Abweichungen erlaubt, 50 a serpentibus duxit originem, nach Schol. Hom.
von früherer Version sowohl, als auch von Od. 3, 267 ein Zeitgenosse des Menelaos. Sohn
seiner eigenen Darstellung. In den Phoinissen des Menoikeus heifst Kreon ferner Diod. 4, 67;
verheifst Teiresias ebenfalls den Thebanern Schol. Eur. Phoeniss. 942; seine Schwester
Sieg, wenn Kreon den einen seiner Söhne, lokaste Schol. Eur. Phoeniss. 10. 942. Bei Diod.
hier Menoikeus genannt, dem Ares opfere 4, 64 Ad'i'og .. yrjaag 'Io-Kciotnv rrjv KQiovrog
(911 ff.), der Vater sucht ihn jedoch in Sichel-- scheint lokaste als Tochter des Kreon auf-
heit zu bringen, und Menoikeus tötet sich gefafst zu sein. Des Kreons Gemahlin ist
selbst. Erst nach dem darauffolgenden Wechsel- Henioche, Hesiod. seilt. 83. Schol. Hom. II. 14,
morde der Brüder wird sodann Oidipus, der 323; sein Sohn Megareus erscheint schon Aesch.
bis dahin in Theben verweilt hatte, durch go Sept. 457 K., Haimon bei Peisandros und Kinai-
Kreon vertrieben und verläfst mit Antigone thon im Schol. Eur. Phoeniss. 1760. Sein Sohn
das Land. Die in diesem Stücke hervor- Menoikeus opfert sich selbst (Plut. Pelop. 21.
gehobene Vaterliebe des Kreon scheint auch Etym. M. 67, 45. Schol. Aristid. p. 113 Hin-
in der Antigone des Euripides betont gewesen dorf. Stat. Theb. 10, 774ff. Schol. Stat. Theb. 7
zu sein. Dort verzieh der König der Jung- p. 324), oder er wird von Kreon geopfert;
frau und gestattete ihre Vermählung mit Schol. Aristid. a. a. 0. Verderbt ist wohl
Haimon (s. d. Art. Antigone). Nach dem Ab- Herodian. zcfpi äxvQoXoy. bei Boissonade, Anecd.
mge der Feinde verweigerte Kreon, wie Euri- 3, 269 Mtvotxtvg ««' Kqscov Hctvzovg äniy.rsivav.
1417 Kreon Kreontiades 1418
— Nach JDiodor 4, 10 wollte Kreon zuerst den [1884], Tat'. 19b, vgl. p. 267 und Äich. Ztg.
Herakles, welcher die Boten des Erginos (s. d.) 43 [1885], 71 dargestellt war, ist zweifelhaft),
beschimpft und verstümmelt hatte, an diesen ganz im Hintergrunde ICMHNH , links von
ausliefern; nach dem Sieg des Herakles aber Kreon steht unter einem tempelartigen Ge-
über die Minyer gab er ihm seine Tochter bäude HPAKAHZ, der mit gegen den König
Megara (vgl. Apollod. 2, 7, 8. Schol. Find. ausgestreckter Hand zu vermitteln versucht
Isthm. 3, 104. Argum. Eur. Herc. für. Tzets. für die links von ihm stehende gefesselte und
Lykophr. 38. Mythogr. Lat. 2, 158, p. 129 ed. von einem Wächter geführte ANTITONH; hinter
Bode) zur Frau und überliel's ihm die .Regierung Antigone steht ratlos und trauernd AlMßN;
Thebens. Zu der von ihm verhängten Ver- 10 vgl. auch C. I. G. 4, 8428. Das Vasenbild
bannungdesOidipuss.,S'c7ioZ.^lm<i^.p.77. Schol. bei Millingen, Feint, de vases p. 54 deutet
Stat. Theb. p. 529; sein Verbot der Bestattung Hirzel, Arch. Ztg. 1863, 70 auf Antigone, die
desPolyneikesbez.derSiebens.b.Pftit.Dewost/j. vor Kreon geführt wird. Eine Parodie auf
29. Demosth. 60, 8 p. 1391. Über Kreon in der letztere Scene ist abgebildet und besprochen
Tragödie vgl. Aristot. poet. 14. Demosth. 18, bei Gerhard, Ant. Bildio. 73 S. 312f. Panofka,
180 p. 288. Plato ep. 2 p. 493 Hercher. Plato, Anndli 1847 Tav. K p. 216ff. Welcher, Arch.
Alkib. p. 151b. Luc. Menipp. 16. De merc. Ztg. 1848, 333 = A. D. 3, 35, 1 S. 504ff.
cond. 5. Symons, Die Sage vom thebanischen Wieseler, Theaterg. 9, 7 S. 65 f. Schreiber,
Kreon in der griech. Poesie, Inaug.-Diss. Berlin Kunsthist. Bilderati. 4, 8. Baumeister a. a. 0.
o. J. F. A. Voigt bei Ersch u. Gruber s. v. — 20 nr. 87. Heydemann, Phlyakendarstellungen,
Neben der Form Kgiav findet sich Kgsiwv Jahrb. d. Kais. D. arch. Inst. 1 (1886), 303 t: vor
(vgl. Etym. M. 537, Gff.) Hom. Od. 11, 269. II. den durch Stephane und Scepterstab als Fürsten
9, 84 vgl. 19, 240. Hesiod. seilt. 83; vgl. Find. gekennzeichneten Kreon ist Antigone (hier ein
Isthm. 3, 82 (109). Kinaithon in der Oidipodeia verkleideter Greis) geschleppt worden. Höfer.]
(fr. 2) im Schol. Eur. Phoen. 1760; Kgacov auf — 3) Sohn des Herakles von einer Tochter des
der unten zu erwähnenden Vase der Sammlung Thespios, Apollod. 2, 7, 8, 1. — 4) Vater des
Jatta (vgl. F. Kretschmer in Eiduis Ztschrft. Lykomedes, eines Kriegers vor Ilios, II. I 84.
f. vgl Sprachforsch. 29 [18S8], 416f.); der Plural Paus. 10, 25, 6. [Tzets. arg. et alleg. II. 9, 41
Kgiovzsg Luc. Menipp. 16. Darstellungen in in Anecd. Matranga 1, 86. Höfer.] [J. Ilberg.]
der Kunst: Auf einer etruskischen Aschen- 30 Kreonteia (Kgtövrtia). Auf der unter
kiste im Museum zu Volterra (Overbeck, Heroen- Kreon 1 beschriebenen Vase aus Canosa wollen
galerie Taf. 6, 2 p. 134) sucht Kreon in dem einige Interpreten in der Inschrift Kgiovtsia
Augenblick, als der auf einem Altar knieende den Namen der Kreonstochter erkennen, die
Menoikeus sich das Schwert in die Brust stofsen im Gegensatz zu den anderen Hauptpersonen
will, sich von seiner Umgebung loszumachen nicht durch Beischrift bezeichnet ist, Bau-
und 6m$ den Altar hinzueilen; an seinen Schild meister, Denkmäler p. 903. [Höfer.]
lehnt sich lokaste. — Kreon (? oder Teiresias? Kreontiades (KgtovzitxSiqq), 1) Sohn des
oder Oidipus?) die Sphinx befragend auf einer • Herakles und der Megara, der Tochter des
Lekythos aus Unteritalien Brit. Mus. nr. 626. Kreon; Apollod. 2, 7, 8. 2, 4, 11. Schol. Hom.
— Vielleicht ist auf dem campanischen Wand- 40 Od. 11, 269. Schol. Pind. Isthm. 3, 104. Wie
gemälde im Museum zu Palermo nach Wie- die Angaben über die Zahl und die Namen
seiers Vermutung, Theatergeb. 9, 1 p. 52 (vgl. der von Herakles mit Megara gezeugten Knaben
Helbig, Wandgemälde nr. 1467, p. 351 f.) das auseinandergehen, so verschieden sind auch die
Ende der Scene zwischen Kreon und dem Wach- Erzählungen über ihr Ende. Asklepiiades im
terinder Antigone des Sophokles zu erblicken. — Schol. Hom. Od. a. a. 0. nennt nur den Theri-
Nach einer naeheuripideischen Tragödie, deren machos und Kreontiades, Dionysios iv ngtoria
Inhalt Hygin. fab. 72 wiedergiebt, ist Kreon KvxXcov den Therimachos und Deikoon, s. Schol.
(KPAQN) dargestellt auf einem jungem Vasen- Pind. a. a. 0.; Euripides Herc. f. 474 er-
bilde der Sammlung Jatta in Ruvo, abgeb. wähnt drei, aber nicht mit Namen; doch hiefsen
Monum. ined. 10 Taf. 27. Arch. Ztg. 27 (1870) 50 sie nach Schol. Pind. a. a. 0. Therimachos,
Taf. 40, 2. Baumeister, Denkmäler nr. 88 p. 84; Deikoon und Aristodemos; bei Apollod. 2, 4, 11
vgl. Heydemann, Über eine nacheuripideische werden Therimachos, Kreontiades, Deikoon er-
Antigone, Berlin 1868 und Arch. Ztg. a. a. 0. wähnt; zu diesen dreien tritt ebenda 2, 7, 8 noch
p. 108 ff. Klügmann, Annali 1876, 176 ff.; — Deion hinzu; mit letzterer Überlieferung stimmt
eine ganz ähnliche Darstellung — jedoch ohne Deinias aus Argos im Schol. Find. a. a. 0.
Namensbeischriften — findet sich auch auf überein. Tsetz. Lyk. 38 und Schol. Luc. p. 58
dem oberen Bilde einer Amphora aus dem Jacobitz führen den Onites (Onytes), Theri-
apulischen Ceglie, Furtu-ängler, Berl. Vasen- machos, Demokoon (= Deikoon?) und Kreon-
kataloq 3240; abgeb. Gerhard, Apul. Vasenb. tiades auf, Pherekydes endlich im Schol.
Taf. 11 S. 15ff. Arch. Ztg. 28 (1870), Taf. 40, 1. 60 Pind. a. a. 0. nennt den Antimachos (nach
Heydemann, ebenda llOff., Helbig, Untersuch. Apollod. 2, 7, 8 Sohn der Thespiade Nikippe),
«6er die Campanische Wandmalerei 178 und den Klymenos, Glenos (sonst Sohn, der Deia-
anm. 2): er trägt reiche Gewandung und ein neira, Apollod. 2, 7, 8. Schol. vet. Soph. Track.
mit einem Adler gekröntes Scepter und steht 53. Paus. 4, 30, 1), den Therimachos und
in gebückter Haltung da, rechts von ihm ein Kreontiades; Baton ebenda zählt sieben auf,
Knabe (Maion?) und seine Gemahlin Eurydike den Polydoros, Aniketos, Mekistophonos,
(ob des Kreon Gemahlin Eurydike auch auf Patrokleus , Toxokleitos , Menebrontes und
der Karlsruher Unterweltsvase Arch. Ztg. 42 Chersibios. Mythogr. Lat. 2, 158, p. 129 Bode
1419 Kreontias Kresphontes 1420
nennt den Areas (?) und den Kreontiades, Schot. Kresia (Kgnaia, Beiname 1) der Artemis,
Stat. Theo. 4, p. 194 ed. Oruceus (Paris 1618) Diod. Sic. 5, 77; vgl. den Trimeter C.I.G.3,
den Oxeus und Leonüades (Kreontiades?), Schol. 6797 avaaaav 'Ecpieov Kgnatav (pasacpogor. —
Stat. Theo. 10, p. 471 den Oxeas und Kreon- 2) der Aphrodite (Kypris) nach Meinekes Kon-
tiades. — Find. Isthm. 3, Sl (107) giebt ihre jektur in Anth. Pal. 6, 211, wo früher yvrjoi'cc
Zahl — ohne Namen — sogar auf acht an. stand und Brunei Krrjcia lesen wollte; s.
Bei Euripides Herc. f. 977ff; (vgl. Seneca Ktesios 6. — 3) heifst Phaidra bei Eur. Hipp.
989 ff.) tötet Herakles in der Raserei seine und 372 itaig KQiqeia. [Höfer.]
der Megara Söhne durch Pfeilschüsse, nach Kresios {Kqr]aiog), Beiname 1) des Dionysos
Pherelcydes bei Schal. Pind. a. a. 0. wirft 10 in Argos, Paus. 2, 23, 7. 8. Welcher, Griech.
er sie ins Feuer (bildliche Darstellung dieser Gutterl. 2, 608. Milchhöfer, Die Anfänge der
Szene s. Bd. 1 Sp. 2235 Z. 15 ff. und Melida, Kunst in Griechenland 205 Anm. 1, — 2) des
Sobre los vasos griegos del Museo ArqueoUgico Minos, Suidas s. v. Kgrjeiog. — 3) Auf einem
National p. 39). Lysimachos im Schol. Pind. Sardonyx in der Gemmensammlung der Flo-
a. a. 0. erzählte, nicht Herakles habe sie ge- rentiner Gallerie (Gori 2, tav. 14, 3) mit der
tötet, sondern Fremde; Sokrates ebendanannte Darstellung eines stehenden Flügeljünglings
den Augeias, noch andere den Lykos (vgl. und der Umschrift K6ICITAAOC liest Panofka,
Schol. Stat. Theb. 4, p. 194) als ihren Mörder; Talos, der Sohn des Kres, Arch. Zeit. 13 (1855),
auch Stesichoros und Pangasis hatten den 16 KgsiaitaXog = Kgriairakog {Kqiizz = KQr]tn
Tod der Heraklessöhne erzählt; Paus. 9, 11, 2. 20 Inschrift, Revue archeol. 20 [1892], 49) und er-
Die Thebaner zeigten in ihren Mauern das klärt dies Wort = KQnai(og) Tälog = der
Grabmal der letzteren {Paus. a. a. 0.) und er- Kretide Talos. [Höfer.]
wiesen ihnen Heroenehren, Pind. Isthm. a. a. 0. Kresphontes (KgEOcpövxvg) , 1) Heraklide,
Megara und zwei ihrer Söhne, die zum Zeichen, Sohn des Aristomaehos, eroberte an der Spitze
dafs sie durch gewaltsamen Tod umgekommen der Dorier mit seinen Brüdern Temenos und
sind, mit Blutstropfen besprengt sind, in der Aristodemos (oder dessen Söhnen Prokies und
Unterwelt befindlich dargestellt auf der Am- Eurysthenes) den Peloponnes und erhielt bei
phora Canosa-Münehen 849 (A. Winkler, Die der Teilung des eroberten Landes durchs Los
Darstellungen der Unterwelt auf unteritalischen Messenien, Apollod. 2, S, 4. Paus. 2, 18, 6.
Vasen = Breslauer philolog. Abhandl. 3, 5; p. 4 30 4, 3, 3. 4, 31, 9. 5, 3, 5. Müller, Dor. 1, 63.
und die Anm. 1 gegebene Litteratur p. 12) und Preller, Gr. Myth. 2, 282 f. Er erhielt dieses
auf der Amphora Altamura- Neapel 3222, hier beste Land durch eine List; da nämlich Mes-
durch die Beischriften MErAPA und FHPA- senien für das dritte Los bestimmt war, so
KAEIAAI bezeichnet, Winkler a. a. 0. p. l8und_ legte Kresphontes in die mit Wasser gefüllte
anm. 2 p. 21 f.; ebenso auf der Amphora Buvo-" Losurne, während Temenos und die Aristode-
Karlsruhe 388, Winkler a. a. 0. 13 und Anm. miden für sich Steinchen hineinwarfen^eine
2. 15; vgl. auch 38; ebendas. Anm. 3, p. 22 f. weiche Erdscholle, die im Wasser sich auf-
eine Sammlung der Stellen über den Tod der löste, so dafs zuerst die Steine herausgegriffen
Heraklessöhne, deren Namen offenbar meist den wurden für Argos und Lakedaimon. Apollod.
Epithetis des Vaters entlehnt sind. — 2) (Ägsi- 40 a. a. 0. Paus. 4, 5, 1. [Auf diese List des Kres-
ovTiäSrjg), Sohn des Kreon, Lykomedes, Rom. phontes spielt an Soph. Aiax 1285; vgl. Schol.
IL 19, 240. [Höfer.] vet. Soph. a. a. 0. Pohjaen. 1, 6; Suidas s. v.
Kreontias (Kgiovridg), Beiname der Kreon- äoaitsrng r.XrtQog; s. auch Steph. Bys. s. v.
tochter Glauke (Kreusa), Paulus Silentiarius in 'Aväavia. Solirat. Epist. 30, 6 p. 630 Hercher.
Anth. Pal. 5, 288. [Höfer.] Skymn. Perieg. 530. Vell. Paterc. 1, 2; über
Kres (KQr)g), Sohn des Zeus und einer idä- Darstellung des Kresphontes in der Tragödie
ischen Nymphe, oder ein Autochthon, König s. Dem. de cor. (18), 180. — Nach Pott in Kuhns
der Eteokreter auf der Insel Kreta, die nach Ztschrft. f. vgl. Sprachforschung 6 (1857), 111
ihm benannt ward, Steph. B. v. kgrjtrj und bedeutet der Name Kresphontes den, der selbst
JcÖqiov. Diod. 5, 64. Ephoros [vgl. Ephori frg. 50 bessere (xpioGorsg) besiegt und umbringt; nach
nr. 61 b. Müller, F.H.Gr. I, 249. ß.] b. Skymn. Bugge, ebenda 19 (1870) soll Kyso-cpöv-crig aus
546; Vater des Talos, Paus. 8, 53, 2. Er barg den Kgne-ipövTrjg, KgnT-cpövzrjg entstanden sein. —
von Kronos verfolgten Zeus in dem diktäiseben Über den Tod des Kresphontes und die Flucht
Gebirg, Arrian b. Eustath. Diu». Per. 498. seiner Söhne zu den Lakedaimoniern s. Isokrat.
[Giern. Alex. Stromat. 1 p. 380. 401 Potter; er 6, 22. 23. 31. Höfer.] Oder Temenos wandte
soll den Kretern vor Minos Gesetze gegeben durch eine List bei der Verlosung dem Kres-
haben, Schol. Aristid. p. 33 1 Dindorf; vgl. Etym. phontes Messenien zu, welches ihm Theras, der
31 538, 2; nach Georg. Synkellos 1 p. 196, 236 Vormund der Aristodemiden , streitig machte,
(vgl. Ptolem. p. 185 Westermann), der wohl ;ius Paus. 4, 3, 3. Auf dem Altar, auf welchem
Arrian (vgl. Eust. ad Dionys. Perieg. a. a. 0.) 60 die Brüder dem Ahnherrn Zeus opferten, fand
schöpfte, war er einer der Kureten (nach sich für Argos eine Kröte, für Sparta eine
Anax imanßcr bei Solin. 11, 5 p. 81 Mommsen, Schlange, für Messenien ein Fuchs, wodurch
vgl. Pliu. h. n. 4, 58, König der Kureten), ver- der Charakter der Völker bezeichnet war,
barg den Zeus und zog ihn auf; vgl. auch Apollod.2,8, 5. Midier a. a. 0. Kresphontes teilte
Tibull. 4, 1 , 9 und Kresios nr. 3. — Der homo die Landschaft in 5 Bezirke und bestimmte
Cres bei Auson. Technopaign. 10, 20 p. 164 Stenyklaros zum Königssitz, indem er über
Peipcr ist Daidalos: vgl. Icarus Cres Solin. die übrigen Städte Unterkönige setzte; zu-
11, 30 p. 86. Höfer.] [Stoll] gleich gab er den Einheimischen gleiche
1421 Kressa Kretagenes 1422
Rechte mit den Doriern. Als aber die Dorier Krestone (Kgrjazcövrj) , Tochter des Ares
damit unzufrieden waren, stiefs er diese Ein- und der Kyrene (also Schwester des Thrakers
richtung wieder um und liefs Stenyklaros Biomedes, Apollod. 2, 5, 8), nach welcher
allein als Stadt gelten und als ausschlieft- Thrakien Krestone benannt war, Tzetz. L. 499,
liehen Wohnsitz der Dorier. Das verdrofs [vielleicht identisch mit der Schal. IL 2, 520
wieder die Reichen der Landeinwohner, die erwähnten Gattin des Tyrannos [= Tyrrhenos?
auch unwillig waren über die Bevorzugung Vgl. Eolias. Koscher], der Mutter des Daulieus
des niederen Volks. Sie ermordeten daher und des Krisos (s. d.). Höfer.]. Ares war der
den König mit zweien seiner Söhne. Poly- Gott von Krestone, ib. 930. 937. [Stoll.]
phontes kam zur Herrschaft und nahm Merope, 10 Kreta. Auf einer kreisförmigen Platte
die Witwe des Kresphontes, wider ihren im brit. Museum (abg. Arch. Zeit. 42 (1884),
Willen zum Weibe. Diese, eine Tochter des Taf. 2, 2, beschrieben von Engelmann a. a. 0.
Kypselos, Königs der Arkader, hatte ihren 25f), auf der ein Meergott nebst drei auf
unmündigen dritten Sohn Aipytos gerettet Delphinen sitzenden weiblichen Seegottheiten
und ihrem Vater nach Arkadien zur Erziehung dargestellt ist, erblickt Engelmann a. a. 0. 212
gegeben. Als er herangewachsen war, kehrte in den drei letzteren die Personifikationen von
er nach Messenien zurück, tötete den Poly- Hellas, von der Peloponnes und von Kreta;
phontes und nahm die väterliche Herrschaft früher (a. a. 0. 2G) hatte er sie als Nereiden,
wieder in Besitz. Apollod. 2, 8, 5. Ephoros b. Robert a. a. 0. 137 ff. als Personifikationen der
Strab. 8, 361. Nikol. Eamask. fr. 39 [Müller fr. 20 drei Erdteile, Libye, Asia und Europe gedeutet.
hist. gr. 3 p. 376). Paus. 4, 3, 3. 4. 5. 8, 5, 4. Vgl. auch den Vers des Alexis im Schal. Plat.
8, 29, 4. Hyg. f. 137. 184. Müller, Bor. 1, 99. p. 362, Belclcer tj Aibg Kgi^zg zgoyog. Auf dem
Öurtius, Pelop. 2,124 f. [Toepfi'ir, AU. Geneal. Relief der dritten Seite der ara Capitolina
232, 2. Bit. Mus. 42, 98. Röscher.] Ein Bild (abg. Mus. Capitol. 4, 7. Weitere Litteratur s.
des Kresphontes von Omphalion in der Stadt bei Overbeck, Kunstmythologie , Zeus 328 und
Messene im Tempel der Messene, Paus. 4, 31, 9. Anm. f.) wollte Braun, Vorschule der Kunst-
[ Brunn, Künstlergesch. 2, 201 f. Roscher.J — mythologie p. 4. Ruinen und Museen Roms
Den Inhalt der Tragödie Kresphontes von Euri- p. 187 in der Frauengestalt mit einer Mauer-
pides [vgl. G. I. Gr. 6047. Röscher.] liefert kröne, die auf einem Throne sitzt, während
Hyg. f. 184: Als Polyphontes nach Errnor- 30 der kleine Zeus, von zwei Kureten umgeben,
düng des Kresphontes dessen Weib Merope nach dem Euter der Ziege Amaltheia greift,
zur Ehe gezwungen, schickte diese heimlich die personifizierte Insel Kreta sehen, während
ihren unmündigen Sohn Telephontes einem andere (s. Overbeck a. a. 0. 328 f.) sie als Rhea-
Gastfreunde in Ätolien und rettete ihn so vor Kybele oder Adrasteia - Nemesis deuten. S.
den Nachstellungen des Polyphontes. Als Krete nr. 8. [Höfer.]
Jüngling kam Telephontes unerkannt nach Kretagenes (KgnzayBvrjg), Beiname des Zeus,
Messenien zurück , um den Mord des Vaters eine Übersetzung von Marnas (s. d.) , unter
und seiner Brüder zu rächen. Von Poly- welchem Namen Zeus in Gaza verehrt wurde,
phontes als Gast, der den Telephontes getötet Steph. Byz. s. v. Va'Qa: zov Kgrizai'ov Jibg . .
habe, freundlich aufgenommen, wurde er von 10 ov . . . ixälovv Mccgväv, £g[Lnv£vöii£vov Kgiq-
der ihm nach dem Leben strebenden Merope zaytvr\- Marcus Eiaconus vita S. Poiphyrii
noch zur rechten Zeit erkannt und erschlug (Acta Sanct. Rolland. 5, 655): Marnion, quod
nun, von dieser unterstützt, den Polyphontes [templumj dicebatar Cretagenis Iovis; nach
beim Opfer, worauf er die väterliche Herr- letzterer Stelle soll Marnas den Herrn des
schaft wieder gewann. Nauck, Trag. gr. fragm. Regens bedeuten s. Eckhel, Doctr. num. 3, 450
p. 395—398. Welcher, Gr. Trag. 2, 828—840. und aufser den daselbst angeführten Stellen
Müller, Bor. 1, 99, 1. Lessing, Dramaturgie und Münzen mit der Legende Magva. FkJk
36 — 50 (1, 289 — 400). Ribbeck, Rom. Trag. Epiphanius Ancor. p. 109 c: Magväg äovlog
186 ff. Scenen aus dieser vortrefflichen Tra- 'Aazsgiov zov Kggzbg naga Ta^uloig (Marin.
gödie auf Vasen und in anderen Bildwerken, 50 vit. Prodi 19 p. 47 [p. 16 Boissonade] Magväg
Welcher a. a. 0. 835, 10. 0. Jahn b. Ger- ra^aiog) auch die Inschrift aus dem syrischen
hard, D. u. Forsch. 1854 n. 66. Auch Kanatha JuMccgvuzo)y.vgico,M'addiagtOH2iV2g.
Ennius schrieb einen Kresphontes ; s. Vahlen, — Kaisermünzen von Polyrrhenion ( Kreta),
Ennian. poes. rel. p. 108 ff. Ribbeck, Trag. lat. auf denen unter dem lorbeerumkränzten Haupte
p. 25 ff. Rom. Trag. 186ff. — 2) Der Sohn des Zeus ein Blitz dargestellt ist, tragen die
deB Kresphontes nr. 1, der bei Apollod. u. Paus. Legende TAN (= ZAN) KPHTArENHX TTOAYP
Aipytos, bei Hyg. f. 184 Telephontes genannt Eckhel 2, 301. Head. 403; dieselbe Darstellung
wird, hiefs in der erwähnten Tragödie des Euri- mit der Legende TAN KPETATENHI IEPA auf
pides Kresphontes, was schon der Titel des Kaisermünzen von Hierapytna, Eckhel 2, 301.
Stückes bekundet, Schol. Aristot. Eth. Nie. 60 Head p. 397. Eine kretische Münze des Titas
fol. 40b (vgl. Anecd. Paris. Vol. 1 p. 191, 3). mit der Legende Ze-ü? Kg inzay e v rjg stellt
Epigr. Cyzic. in Anthol. Pal. 3, 5. Müller, Fr. den Gott nackt zwischen sieben Steinen stehend
hist. gr. 3 p. 377, 7. Nauck a. a. 0. p. 395. [Stoll.] (vgl. Bd. 1 Asterion) und den Blitz schleudernd
Kressa (Äp^öca), 1) eine Danaide, mit wel- dar, Eckhell, 301f. Heady. 384. 382; vgl. auch
eher Apollon die Kureten (s. d.) gezeugt haben Spanheim, epist. ad Morell. 4 p. 239. Zeus Kreta-
soll, Schol. Tzetz. Byk. 77 p. 369 Müller. — genes auf Münzen von Kydonia s. bei Svoronos,
2) Beiname der Aerope (s. d.) Eur. Or. 18. '£<pr;fi. ägxceioX. 1889 p. 203 f. Auf zwei Inschrif-
1009. Soph. Aias 1295. [Höfer.] ten aus Mylasa wird ein Priester diog Kgnzayz-
1423 Kretaios Kretheus 1424
vovgr.al Kovg-qzmv erwähnt (WaddingtO)i, Inscr. gemälde nr. 1214, p. 254), das den Theseus als
d'Asie min. 394. 406), und auf einer anderen Erleger des Minotauros inmitten der geretteten
aus dem kretischen Kydonia liest man Zfjva und dankenden athenischen Jugend darstellt,
rbv KgrjToyivi'a (zur Form s. Schmidt in Kuhns ist die auf einer Erhöhung sitzende weibliche
Ztschrft. f. vgl. Sprachforschung 12 [1863] 221). Göttergestalt mit Bogen, Pfeil und Köcher,
C. I. G. 2, 2554; vgl. auch Mitt. d. deutsch. deren Kopf leider nicht erhalten ist, mit Jahn
athen. Inst. 14, 395, s. Kretaios. [Höfer.] a. a. 0.; vgl. Baumeister a. a. 0. 1791 f. gleich-
Kretaios (Kg^raios), Beiname des Zeus falls als Ortsgottheit von Kreta aufzufassen.
Steph. Byz. s. v. Tcifa; vgl. Iuppiter Cretensis Ferner ist Krete dargestellt kurzbekleidet, vor
Cic. de not. deor. 3, 21, 53. Schöl. Germanic. 10 der auf einem Altar sitzenden Pasiphae stehend,
Aratea p. 59. 115 ed. Breysig; vielleicht gehören auf dem Belief einer etruskischen Totenkiste,
auch hierher die Münzen von Aigion in Achaia Bochette, Mon. ined. 67, 1. Jalin a. a. 0. — Auf
mit der Legende KPHTAIOI, die den Zeus einem Sarkophagfragment im Palazzo Albani
nackt., aufrecht stehend und den Blitz schleu- mit der Darstellung der Arbeiten des Herakles
dernd darstellen; Näheres bei Eckhel, JDoctr. (Zoega , Bassir. 1, 75. 2, 53, 3S. Matz-Duhn.
num. 2, 236. 302; vgl. auch Henry chenrski, Antike Bildwerke in Born p. 248, nr. 2S79) ist
De Iove Cretico Gymnas.-Progr. Inowrazlaw bei der Bändigung des kretischen Stieres in
1879 (wertlos); J. Ehni, Zeus Dodone'en, Zeus der am Boden liegenden weiblichen Gestalt
Crc'tois etc. Genf 1880; vgl. Kretagenes. — (Eine vielleicht mit Zoega die Heroine Krete zu er-
Münze des Postumus trägt die Legende Herculi 20 kennen. Vgl. Kreta. Höfer.] [StolL]
Cretensi Eckhel, Doct. num. 7, 443.1 [Höfer.] Kretheides (K^ri&stSris), 11 Aison, Apoll.
Krete (Kgfjzr]). 1) eine hesperidische Nymphe, Bhod. 3. 357. — 2' Jason, Tal. Flacc. 6.609.
nach welcher Kreta benannt war. Steph. B. — 3) (Kgr,&s'i'äac'i Neleus (oder Aison), Pind.
s. v. Plin. H. X. 4, 12, 20. [Des Plinius Ge- Pyth. 4, 152 (270). [Höfer.]
währsmann ist Dosiades, derselbe auch bei Solin. Kretheis (Kgrfiijtc). 1) Hippolyte. Tochter des
11, 5 p. Sl Mommsen. Höfer.] — 2) Tochter des Kretheus (s. d.\ die Gemahlin des Akastos (Kgij-
Asterios, Gemahlin des Minos , Asklepiades b. S'sis, Find. Xem. 5. 261, nennt Schol. Pind. Xem.
Apollod. 3, 1, 2. — 31 Tochter des Deukalion, 4, SS und 5, (26) 46 Kretheis. Tochter des Hippo-
Schwester des Idomeneus, Apollod. 3, 3, 1. — lytos; vgl. Schol. Ap. Bh. 1, 224: Kretheis oder,
1) Von Helios Mutter der Pasiphae, der Ge- 30 wie manche sagen, Hippolyte, Gemahlin des
mahlin des zweiten Minos. Diod. 4, 60. — Akastos (s. d.\ — 2) Nymphe, Suid. v. Kgrjdsvs.
5) Tochter eines Kureten, heiratete den nach S. Kritheis u. Kritheus. [Stoll.]
Kreta geflüchteten Amnion, der sich hier eine Kretheus (SgTj&svs), 1) Sohn des thessa-
Herrschaft gründete und der bisher Idaia ge- lischen Aiolos und der Enarete (oder der Lao-
nannten Insel nach ihr den Namen Kreta gab, dike, Schol. Od. 11, 237), Bruder des Sisyphos,
Diod.3, 71. — 6) Nymphe, Schwester der Aia, Athamas, Salmoneus, Dei'on. Magnes und
Et. M. 27, 24. — 7i Mutter des Kar von Zeus. Perieres, zeugte mit Tyro, der Tochter des
Ael. n. a. 12, 30. [ — S) Die Heroine der Insel Salmoneus. den Aison, Pheres und Amythaon,
Krete, durch Beischrift (Bulletino 1S68, 35) Hom. Od. 11, 235 ff. 25S. Apollod. 1. 7,3. 1,
bezeichnet, ist auf der Talosvase [Bull. Xap. *o 9, 11. Ap. Bh. 3, 358 ff. Schol. Ap. _R7i. 1, 49.
3, 2, 6; 4, 6. Arch. Ztg. 1S46 Taf. 44. 45. 1, 121. 143. 2, 1162. p. 532, 34 Keil. Paus. 5,
Baumeister, Denkmäler nr. 1804 p. 1722f.1 S, 1. Hesiod (fr. 23 Behrs) b. Tzetz. L. 2S4 u.
..epheubekränzt im wallenden Gürtelkleide mit Schol. Pind. Pifth. 4, 252. Schol. Od. 10, 2.
gesticktem Überwürfe dargestellt", wie sie Neleus und Pelias, welche Tyro vorher von
fliehend in höchster Erregung nach dem ster- Poseidon geboren, waren seine Stiefsöhne,
benden Talos zurückschaut, Heydemann. Arch. Od. 11, 235 ff. Paus. 4, 2, 3. 9, 36, 4. Hag.
Ztg. 26 (186S1, 65. Dieselbe Göttin haben wir f. 12. Tzetz. B. 175. 872. Diod. 4, 6S. Scl'wl.
auf einer rotfigurigen Vase des Mus. Naz. zu Od. 12, 69. Auch Talaos, der Vater des Adrastos,
Neapel (Heydemann nr. 1767) in der hinter heilst sein Sohn, Antimachos b. Paus. S, 25, 5.
Daidalos (der dem Ikaros — neben diesem 50 Eine Tochter des Kretheus ist Hippolyte
steht Athene — eben die Flügel angelegt hat) (Kretheis), Gemahlin des Akastos, Pind. Xem.
sitzenden Frauengestalt in Schuhen, Chiton, 5, 26. 4, 57; Myrina, die Gemahlin des Leni-
Kopftuch und Schmuck zu erblicken, die in niers Thoas, Schol. Ap. Eh. 1, 601. Seine Ge-
der vorgestreckten Hechten eine Schale hält, mahlin heilst Demodike oder Biadike b. Hag.
während sie mit der Linken den Zipfel ihres P. Astr. 2, 20. Er war Stammvater der thes-
Mantels über die linke Schulter zieht; dagegen salischen Minyer, Gründer von Iolkos, Apollod.
wollte Panofka , ZuftuchtsgottheiUn 284, iu 1, 9, 11. Tzetz. L. 175, oder er setzte sich
dieser Gestalt Artemis Ikaria erkennen. Ferner dort fest nach Vertreibung der Pelasger,
ist die Heroine Krete gleichfalls bei der Be- Schol. II. 2, 591. Müller, Orchom. 254. Prefler,
flugelung des Ikaros neben Daidalos gegen- co Gr. Mytlt.2,SXii. Gerhard, Gr. Myth.2 §653.
wärtig auf einer Gemme {Mus. Borb. 2, 28, 11 Deimling, Beleg. 133. 227. [Toepffer, Att.
sitzend, in leichter Jägertracht mit Stiefeln. Geneal. 181 i. Röscher.] [Vgl. ferner Pindar.
phrvgischer Mütze, Bogen und Köcher, 0. Path. 4, 143 (251). EuripidesheiDicaearch.de
Maller, Handbuch d. Archäol.- 418. 1 p. 664. statu Graec. 22 (fr. 14). Schol. Apoll. Bhod. 3,
0. Jahn, Arch. Aufs. 240 Anm. 9. Auf dem 359. 4, 1781. Schol. Tlieokrit. 3, 43. 45. Val.
campanischen Wandgemälde (Pitt, di Erc. 1, 5 Flacc. Arg. 1, 42. 740. 2, 612. 5. 477. S, 112.
p. 25 Mus. Borb. 10, 50. Baumeister, Denkmäler Mythogr. Bat. 2, 134, p. 120 ed. Bode. Steph.
nr. 1876 p. 1792. Litteratur bei Heibig, IVand- Byz. s. v. $sgai. Bhianos bei Steph. Byz. s. v.
1425 Krethiades Kreusa 1426
'Afiv&aovia. Pott in Kuhns Ztschrft. f. vergl. verheifsen. Doroa und Achaios geboren, Eurip.
Sprachforsch. 8 (1859), 174. Höfer.] — 2) Ein a. a. 0. 1590 ff. Apollod. 3, 15, 1, 3 (bei Apollod.
Kreter, mit dessen Tochter der in Kreta ein- 1, 7, 3 wie Paus. 7, 1, 2 wird Ion ungenau
gewanderte Tektamos, Sohn des Doros, den als Sohn des Xuthos und der Kreusa bezeichnet).
Asterios zeugte, Diod. 4, 60. — 3) Ein Genosse IJctiSeg £v£rfioio Kgiovßrjg heifsen die Ionier,
des Aeneas, Freund der Musen, von Turnus Nikanä. Älexiph. 9, vgl. d. Schol. S. auch
erlegt, Verg. Aen. 9, 774. — 4) Ein tapferer Welcher, Die griech. Tragödien \,Z0\S. 2, 725ff.
Arkader auf Seiten des Aeneas im Kampfe — Hermes zeugte mit Kreusa den Kephalos
gegen Turnus, von diesem getötet, Verg. Aen. nach Hygin fab. 160. [Vgl. Toepffer. AU. Gen.
12. 538. [Stoll.] Vgl. Kritheus. 10 257 und Bd. 1 Sp. 2590 Z. 12f. Curtius, Griech.
Krethiades (Kgri&iüSrig), Talaos als Sohn Gesch. V\ 288. Zur Kreusa in des Euripides
des Kretheus, Dichter der Thebais bei Paus. Ion vgl. Robert, Jahrb. d. Kais. I). arch. Inst.
8, 24, 9. [Höfer.l 2 (1887), 248. Toepffer a. a. 0. 26S: zur Kreusa
Kretho (Kgri^rw), eine der melischen (Hesiod. des Sophokles s. Welcher, Griech. Trag. 1,391 ff.
Theog. 187) Nymphen. Tzetz. Theog. 102. Toepffer a. a. 0. 268, Anm. 1. Kreusa heifst
Anecd. Matranga 2, 580. [Höfer.] Tochter des Erechtheus ferner bei Iambl. vit.
Kretlion (Kgrj&wv), Sohn des Diokles aus Pythag. 34,243 p. 169 Nauck; Schol. Aristid.
dem messenischen Phere, Zwillingsbruder des p. 28 Dindorf; Tochter des Erechtheus, Gattin
Orsilochos (Ortilochos), mit diesem vor Troja des Xuthos, Mutter des Ion und Achaios; Schol.
von Aineias erschlagen, II. 5, 542 ff. Paus. 4, 20 Hom. II. 1, 2. Conon. narr. 27. Dafs sie von
30, 2. Tzetz., Homeric. 80. [Tzetz. arg. et Apollon den Ion gebar, sagen ferner Steph. Bgz.
alleg. Iliad. 5, 77 in Anecd. Matranga 1, 68. s. v. 'icovCa p. 343; Schol. Plat. Euthyd. 453,
Höfer.l [Stoll.] 1 5 p. 369 Beider. Schol. Nikand. Alexipharm.O.
Kretis {Kgrjtig). Gorgones filiae Phorci Schol. Arist. Av. 1527. Schol. Arist. Nub. 1468.
et Cretidis Nymphae, uno invicem oculo Schol. Aristid. p. 28. 86 Dindorf; vgl. Vitruv.
utentes, Mythogr. Tat. 2, 112, p. 112 Bode. 4,1,4. Aur. Victor de orig. gent. Rom. 2. Merk-
Wie man sieht, sind Gorgonen und Graien würdig ist Schol. Hom. II. 2, 107 (Anecd. Ma-
vermengt worden. Ist statt Cretidis viel- tranga 2 p. 461) 'Atgsvg — s%cav I« 'Psovang
leicht Crataeidis zu Scheiben? — Nyruphae (Kgsoveng) rr/g 'Epf^fcos &vyargög, rj cos Tivtg
Cretides bei Ovid. Fast. 3, 444. [Höfer.] 30 Tilsarogog, Tj'Asgönrjg rf,g 'Axgpiiicog (Katgicag?)
Kreusa (Kgzovea), 1) Tochter der Ge, eine 'Ayau.ift.vova liui.Mevilaov. Über die Kgiov-
thessalische Na'is, welche dem Flufsgotte Pe- ar\g naideg 'Pä%iog v.al Klagog bei Euteknios
neios im Pindosgebirge den Lapithenkönig Paraphr. Nikand. Alexipharm. 11 s. 0. Immisch,
Hypseus und die Stilbe gebar, Find. Pyth. Klaros, Fleckeisens Jahrbücher 17 (1890), 137.
9, 1 5f. u. d. Schol, Diod. 4, 69. Auf eine sonst — Nach dem Mythographen bei Westermann
nicht bezeugte Sage, nach welcher Peneios p. 345 (vgl. Paradox, ed. Westermann p. 219)
die Kreusa vor Xanthos (Xuthos Heinsius), töteten sich Kreusa und Chthonia (vgl. Photius
dem sie versprochen gewesen, in Phthia ver- 397, 7. Apostol. 14, 7) aus Schmerz über die
borgen habe, spielt Ovid Amor. 3, 6, 31 an. — Opferung der Prokris selbst. — Über die Dar-
2) Tochter des Erechtheus und der Praxithea, 40 Stellung der Kreusa neben Erechtheus, Erich-
Apollod. 3, 15, 1 (Kekropstochter nach Schol. thonios und Praxithea am Parthenonfriese s.
Apoll. Ehod. 1, 211). Beim Opfertode der Welcher, Arch. Ztg. 10 (1852), 493; vgl. jedoch
übrigen Erechtheustöchter im eleusinischen auch Bd. 1 Sp. 1300 Z. 27 ff. — Auf einer
Kriege gegen Eumolpos wurde sie geschont, rotfigurigen attischen Lekythos (abgeb. Elite
da sie sich noch im zartesten Kindesalter be- ce'ram. 2, pl. 19 p. 47 f) ist vielleicht die dem
fand, Eurip. Ion 277 ff. Phanodemos nannte Apollo kredenzende Kreusa dargestellt; doch
sie unter den sechs von ihm aufgezählten deutet Heydemann, Mittheilungen aus d. An-
Erechtheiden an vierter Stelle (Suid. s. v. tikensammlungen in Ober- u. Mittelitalien, 3.,
nag&ivoi, F.U. ff. 1, 366), ApoTlodoi\_ a. a. 0. Höllisches Winlcelmanwprogr. p. 57, nr. 1396 die
weist ihr unter vier die zweite an. Über den 50 Frauengestalt nicht als Kreusa, sondern als
Tod ihrer Schwestern s. Schoemann, Scholia Artemis; vgl. auch Elite ce'ram. a. a. 0. pl. 13
inEurip. Tonern part. 4 (Opusc. academ. 4, HOf.) (= Gerhard, Vasenb. Taf. 24), p. 13. 112f. 116).
u. d. Artikel Erechtheus. Nachdem Kreusa zur Kreusa, das Orakel nach dem Schicksal ihres
Jungfrau herangewachsen war, erlitt sie in ausgesetzten Sohnes, des Ion, befragend ist
einer Höhle an der Nordseite der Akropolis nach lenormant-de Witte, Elite ce'ram. a. a. 0.
Gewalt von Apollon und gebar den Ion, p. 142 f. vielleicht auf dem a. a. 0. pl. 46 ab-
Eurip. Ion 10 ff. 283 ff. und die Eypothesis. gebildeten Vasengemälde zu erkennen. Eine
Das Kind setzte sie an derselben Stelle in wohl auf Eur. Ion 1255 ff. zurückgehende
einem Korbe aus (später befand sich da- Darstellung auf einer Oinochoe aus Nola
selbst ein Heiligtum des Apollon, Paus. 1, 60 zeigt Kreusa langbekleidet und langgelockt
28, 4), Hermes brachte es auf Apollons Be- auf einem Altar sitzend; ihre beiden entblöfs-
fehl nach Delphi, wo es von der Priesterin ten Arme streckt sie gegen den mit dem
erzogen wurde. S. d. Art. Ion. Kreusa heiratete Schwert auf sie einstürmenden Jüngling (Ion)
den Xuthos, der ihre Hand zum Lohne für aus; dazwischen steht der lorbeerbekränzte,
Kriegsdienste gegen Euboia erhielt. Anfang- gelockte Apollon im Mantel, Arch. Ztg. 10 (1852)
lieh blieb die Ehe kinderlos, nach einer Wall- Taf. 37, 1. 2 und Gerhard, ebenda p. 401ff.
fahrt nach Delphi, woselbst Kreusa ihren Sohn Höfer.] — 3) Tochter des korinthischen Königs
wiederfand, wurden dem Paare, wie Athena Kreon. S. Glauke nr. 4. Mit ihr ist Schol.
1427
Kreusa
Kreusa
1428
Eurip. Med. 19 die athenische Kreusa ver-
wechselt. Vgl. F. HG. 1, 361. [Vgl. ferner
Plut. de amic. mult. 7. Paulus Silentiar. Anth.
Pal. 5, 288. Gaetulicus ebenda 11, 411. 7, 354.
Philippos in Anth. Planud. 137. Schal. Für.
Med. 405. Seneca Med. 495. 50S. 817. 922.
Prop. 3, 8 (16), 30. 14 (21), 12. Hör. epod.
5, 64. Ovid. Heroid. 12, 53 f. Schol. Stat. Theo.
5 p. 234. 237 ed. Oruceus. Ihr Schicksal ward
in Tänzen dargestellt, Luc. sah. 42; vgl. 80. In
betreff der Bildwerke, die ihren Untergang
darstellten, ist zu verweisen auf Kreon nr. 1.
Auf den dort erwähnten Sarkophagen ist auch
die Überreichung der Hochzeitsgeschenke an
Kreusa durch die Kinder der Medeia dargestellt,
Näheres bei v. Urlichs a. a. 0. [s. Kreon nr. 1]
p. 9f. Dilthey, Annali 1S69, 5ff. Matz-Duhn,
Antike Bildwerke in Born 2, nr. 3163, p. 367.
Baumeister, Denkmäler p. 906. Auf drei Sarko-
phagen, unter diesen auf dem gleichfalls
oben erwähnten Medea-Sarkophag Lancelotti,
ist die Vermählung Iasons mit Kreusa dar-
gestellt. Dafs auf diesen Darstellungen nicht
Medea, wie Stephan! , Compte rendu 1861, 90
Anm. 1 wollte, als Braut zu denken ist, er-
hellt daraus, dafs sie auf einem Relief mit
ihren Kindern selbst zugegen ist, um Ein-
spruch gegen die Vermählung zu erheben,
Baumeister a. a. 0. — Auf dem bei Millingcn,
Vases grecs pl. 41 = Lenormant-de Witte,
Elite des Monuments ceramogr. 4, pl. 87 ab-
gebildeten Vasengemälde wollte Fanofka,
Neapels antike Bildtv. nr. 59, p. 353 f. in der
auf einem reich verzierten Throne sitzenden
Frau in Schuhen, Chiton und Kopfschleier, die
traurig den Kopf senkt, Kreusa erkennen, da-
gegen ist es nach Heydemann, Die Vasen-
samml. d. Musco Nazion. zu Neapel no. 2900,
p. 435 Aphrodite. Höfer.] — 4) Tochter des
Priamos und der Hekabe (Apollod. 3, 12, 5.
Hygin fab. 90), Gemahlin des Aineias. Als
solche wurde von Lesehes und den Kyprien
Eurydike bezeichnet ; in der Beschreibung der
polygnotischen Gemälde in der delphischen
Lesche nennt sie Pausanias 10, 26, 1 Kreusa.
Daselbst war sie unter den gefangenen Troerin-
nen dargestellt. Wie sie auf der Flucht aus
dem brennenden Troja von dem Gemahle ge-
trennt wurde, beschreibt Vergil Aen. 2, 736 ff.
Als er nach der Stadt zurückgeeilt war, um
sie zu suchen, erschien ihm ihr Schatten und
verkündete, dafs die grofse Göttermutter sie
ihm entrissen habe, 788. Auch Aphrodite
wurde hieran beteiligt gedacht, Paus. a. a. 0.
S. d. Art. Aineias. — Eine andere Version
der Sage ist hei Lykophron, Alex. 1263ff. er-
wähnt (vgl. die Schal, und Tzetzes z. d. St.
Aelian Vur. Hist. 3, 22), nach welcher Aineias,
dem von den Siegern die Wahl gelassen ist,
sein Liebstes mit sich zu nehmen, Weib und
Kinder im Stich läfst und die väterlichen
Heiligtümer sowie seinen greisen Vater rettet.
Askanios und Euryleon werden in den Scholien
a. a. 0. seine und der Kreusa Söhne genannt.
Der in dieser Weise berichtete Hergang wurde
wohl so in der Gründungssage von Ainea auf
der Chalkidike überliefert, einer Kolonie der
Korinther, da Tzetzes a. a. 0. die auf Aineias
zurückgeführte Ktisis der Stadt und den dort
erfolgten Tod des Anchisea im unmittelbaren
Anschlufs mitteilt. [Vgl. ferner Dion. Hai.
3, 31. Liv. 1, 3, 2. Aelian. not. an. 11, 16.
Appian. reg. 1. Tzetz. Theog. 407. 464. 515.
Anecd. Matranga 2 p. 591. 593. 595. Georg.
Cedren. 1 p. 23S ed. Bonn. Johannes Sikeliota
ed. Stary, Jahresber. d. k. k. ersten Staats-
Gymnas. Graz 1892, p. 11. Mythogr. Bat. 1,
10 204, p. 63 Bode; nach Conon narr. 41 zeugte
Apollon mit der Kreusa den Anios (s. d.). —
Bobert, Arch. Ztg. 37 (1S79), 23 findet es mehr
als unwahrscheinlich, dafs Polygnotos mit der
Kreusa, welche er auf der Iliupersis in Delphi
unter den gefangenen Troerinnen malte, die
Gemahlin des Aineias, wie Paus. 10, 26, 1 an-
nimmt, gemeint habe; denn für das ionische
Epos' ist die Benennung Kreusas nirgends be-
zeugt; vgl. auch Beth'e, Vergilstudien , Ehem.
20 Mm. 46 (1891), 518 Anm. 1. Auch Ennius fr.
34 Vahlen (Cic. de div. 1, 20, 40 v. 3 nennt
die Gattin des Aineias Eurydike. Dargestellt
ist Kreusa auf einer altertümlichen Münze
(Tetradrachrnon) von Aineia in Makedonien
(Friedländer, Monatsber. d. Beil. Akad. 1878,
759ff. E. Curtius, Sitzungsber. d. Akad. d.
Wiss. 1882, 947. Zeitschrift für Numism. 7,
221. Imhoof-Blumer, Monn. grecqu. p. 62 nr. 6.
Baumeister, Denkmäler nr. 1015 p. 937): sie
30 schreitet vor dem den kahlköpfigen Anchises
tragenden Aineias in hastiger Flucht mit em-
porgeraft'tem Gewände einher und wendet den
Kopf zu der ihr folgenden Gruppe zurück; auf
ihrer linken Schulter trägt sie ein kleines
Kind, das aber höchst wahrscheinlich, wie
Bobert, Arch. Ztg. 37 (1879), 24 nachweist,
wegen des langen Chitons, womit es bekleidet
ist, nicht ihr Sohn Askanios ist, sondern eine
der Töchter des Aineias, als welche Anthe-
40 mone (s. d.), Etias (s. d.) und Kodone (s. d.)
genannt werden. Auf einer schwarzfigurigen
Vase von Nola (Elite ce'ram. 1 p. 1S4, 2. Annali
1865, 374. Bidletino 1S69, 145, 1. Arch. Ztg.
1S79, 24 Anm. 3. Furtwängler, Berl. Tasenkat.
1S62) schreitet Kreusa vor dem kleinen As-
kanios — nach Heydemann, Hiupersis 31
Anm. 1 ist diese Figur nicht Askanios, sondern
Personifikation der mit Aineias flüchtenden
Troermenge — , der dem Vater vorausgeht,
50 einher im Chiton ohne Ärmel, den Kopf um-
wendend, die Linke erhebend und mit der
Rechten einen langen Stab haltend; doch ist
auf dieser Vase nur ihr Oberkörper, bis zur
Taille sowie ihre Füfse antik; eine ähnliche
Darstellung auf einer Amphora aus Vulci, Brit.
Mus. nr. 595. Auf anderen Darstellungen (vgl.
Ovcrbeck, Heroengal. 656 ff. Heydemann, Hiu-
persis 31 f.) folgt sie dem Aineias; vgl. Bau-
meister a. a. 0. p. 31; auf einer schwarzfiguri-
60 gen Vase (Gerhard, Auserl. Vas. Taf. 231, 1.
Baumeister a. a. 0. nr. 32) steht sie noch still
hinter dem ausschreitenden Gatten, ihr gegen-
über steht Aphrodite und scheint ihr Mut ein-
zusprechen. Über Kreusa auf der Tabula Diaca
s. Mus. Capit. Tom. 4 P. 2 p. 354. Baumeister
a. a. 0. nr. 775 Taf. 13, 102 p. 719; auch hier
folgt. Kreusa dem Aineias, während Hermes
als Begleiter vorausgeht. Noch andere Dar-
1429 Kriasos Krinis 1430
stellimgenderflüchtendenKreusas.bei/S'fe/)7jfiMM, Krieg, d. i. die Personifikation des Krieges,
Compterendu 1861, 73 und die dort angegebene s. Bellum.
Litteratur: Gerhard, Auserl. Vasenbild. Tut. 217. Krimisa (Kgiy.iGU, Kgi'fiieaa), Nymphe, nach
Overbecl: Heroengall. Taf. 27, 12; ferner Lenor- welcher die Stadt Krimisa in Unteritalien be-
mant-de Witte, Elite des Monuments ceramogr. nannt war, Steph. B. v. Kgi'fiiaa. [Stoll.]
1 p. 184 m\ 2 (Amphora der Sammlung Torrusio Krimisos (Kgi/naög, Kgiutaaog), 1) Flufsgott
in Neapel). 0. Jahn, Beschreib, d. Vasens. in Sicilien, der in der Gestalt eines Bären
König Ludwigs nr. 903 p. 290f. nr. 1118 p. 325. oder Hundes mit der nach Sicilien gelangten
Kreusa den nach ihr den Kopf zurückwenden- Troerin Bgesta oder Segesta den Akestes
den flüchtigen Aineias anflehend, in Troia zu 10 (Aigestes, Egestos) zeugte, den Gastfreund des
bleiben, auf einem Relief im Museum zu Catajo, Aeneas, Verg. Aen. 5, 38. Serv. Verg. Aen. 1,
Heydemann, Mitteil. a. d. Antikensamml. in 550. 5, 30. Tsetz. L. 471. 953. Hyg. f. 273
Ober- u. Mittelitalien, 3. Haitisches Winclcel- p. 170 Bunte. Vergil und Hygin schreiben
mannsprogr. p. 20 zu nr. 111. Die von Christodor. Crinisus; [vgl. Bd. 1 S. 143 Z. 83 ff. S. 2692
ecphras. 147 beschriebene Statue der Kreusa, Z. 33ff. und ferner: Mythogr. Lat. 1, 137 p. 44
welche, den Untergang Trojas beweinend, ihr ed. Bode2, 193 p. 138. Alysaxaioi . . cor nognaxa
Haupt verhüllte, war vielleicht in Erinnerung xai rov Kgifiiaabv xal zbv T^X^iaabv ävSgäv
an die Erzählung Vergils gebildet, Baumeister si'äst Tt-fiäaiv,Ael.i'.h."2,3S. Höchst wahrschein-
a. a. O. 31, r. u. Nicht zugänglich war mir lieh ist der Flufsgott Krimissos dargestellt auf
M. Ihm, Die Flucht des Aineias, Jahrb. des 20 Münzen von Segesta, deren Vorderseite das
Ver. f. Altertumsfreunde im Eheini. Heft 93. — Haupt der Segesta tragen; er ist gebildet als
5) Gemahlin des Kassandros, eines Bundes- jugendlicher, unbekleideter Jäger, von zwei
genossen der Troer aus Karien, und Mutter Hunden begleitet, trägt zwei Wurfspiefse in
des von Neoptolemos getöteten Menes, Quint. der Linken und stellt den linken Fufs auf
Smyrn. 8, 22. — 6) Auf einer Vase der Baccolta einen Felsblock, Head, Mist. num. p. 145 nr. 89 ;
Cumana nr. 239 {Heydemann, Hie Vasensamm- vgl. auch Eclchel, Hoctr. num. 1, 208. 234.
lungen des Museo Nasion. zu Neapel p. 884), Wolters, Rom. Mitteil. 4 (1889), 37 Anm. 3. Sehr
auf welcher der Kampf der Amazonen gegen oft erscheint er auf Münzen von Segesta in der
die Griechen unter Theseus dargestellt ist, ist Gestalt eines Hundes (Vorderseite: das Haupt
der einen Amazone der Name KPEOSA bei- 30 der Segesta), Head a. a. 0. p. 144 nr. 88p. 145 f.
geschrieben; sie trägt Chiton, Panzer, Wehr- Catal. of the Greelc coins in theBrit. Mus. Sicily
gehänge und Helm, in der Bechten die Lanze; p. 130 f. Höfer.] — 2) Ein Begleiter des Dio-
auf der Flucht hingestürzt blickt sie um und nysos, Nonn. Dionys. 32, 234. [Stoll.]
erhebt gegen den sie verfolgenden Phylakos Krinakos (Kgtvaxog, wohl = Kgrjvuxog ; vgl.
(vgl. Toepffer, Att. Geneal. 256) zum Schutze Krinis, Krinoeis), Sohn des Zeus, Vater des
den Schild; s. auch C. I. G. 4 praef. p. XVIII; nach Lesbos gewanderten Makareus von Olenos
Klügmann, Amazonen 51 und die von Hey de- in der las, dem späteren Achaia: Hesiod. frg.95
mann a. a. 0. 885 angegebene Litteratur. KL aus Hiodor. 5, 81. Da Lesbos die eigentliche
Dümmler, Jahrb. d. Kais. Deutsch, arch. Inst. Manugog nolig ist (II. Sl 544), wird man dort
2 (1887), 173 Anm. 17 hebt hervor, dafs die 40 die Lokalisierung versuchen dürfen. Dem aus
Namen von drei der Amazonen — Kreusa, der messenischen Makarie über die arkadische
Klymene und Aristomache ■ — auf Polygnots (über die las) und über Boiotien, wo an Thebai
Iliupersis (Paus. 10, 26, 1) Priamostöchtern (s. der Name Mcfudgoiv vtjool haftet, nach Lesbos
aber oben den Nachtrag zu Kreusa 4) bei- einwandernden Makareus (s. d. und Philol.
gelegt waren. — 7) Etym. M. 217, 26 Bvtüvziov N. F. 2 1889 p. 122 ff.; vgl. Armcnidas bei
. . sxlrför] emb Bvgavtog rov Kgsovang, rrjg Suidas, F. H. G. 4, 339, 3) würde ganz korrekt
'Iovg ftvyargbg %ul IlootiSoivog, ist statt Kgs- ein lesbischer Eponymos K. als Vater vor-
ovang zu lesen Ks gos dang; vgl. Bd. 1 Sp. S41 gesetzt sein. An die boiotische Zwischen-
Z. 15 und den Artikel Keroessa. Höfer.] Station erinnert eine andere Genealogie, Schol. V
[J. Ilberg.] 50 zu II. Sl 544: K. Vater des Makar, Sohn der
Kriasos (Kgiaaog), 1) Sohn des Argos, dessen Alkyone, vom Poseidonsohn Hyrieus (Epony-
Eltern Zeus und Niobe waren, und der Euadne mos der boiotischen Seestadt). Daraus, dafs
(T. des Strymon); er erhielt von dem Vater hier zugleich Mitylene als Mutter des Makar,
die Herrschaft über Argos. Apollod. 2, 1, 2. und Gattin des Krinakos genannt ist, geht die
Hyq.fWih. Er zeugte mit Melantho den Phorbas Zugehörigkeit des Krinakos zu Mytilene, und
und die Kleoboia, Schol. Eur. Orest. 920. somit zu Krinis (Kurzform?) und Krinoeis
Nach Schol. Eur. Phoen. 1116 zeugte Argos, (s. oben) mit Sicherheit hervor. Der mysische
des Zeus Sohn, mit der Okeanide Peitho den Xgivantärjg (sein Sohn?) auf der mysischen
Kriasos, dieser den Eurythalion und Phorbas; Münze beiilßon. 2, 525 ist unerklärt. [Tümpel.]
des Phorbas Sohn war Arestor, der Vater des co Krinis (Kgtvig), nach Polemon (frg. 31 aus
Argos Panoptes. [Vgl. auch Aristid. or. 45 Schol. AD zu IL AM. F. H. G. 1, 124; vgl.
p. 3 Dindorf. Euseb. Chronic. 1 p. 177f. Schoene, auch Eustath. z. d. St. p. 34, 13ff.) Stifter und
ebenda Appendix p. 214f. Tatian. or. 39. Priester des Apollon-Smintheus -Heiligtums iv
Euseb. praep. ev. 10, 11, 16. Schol. Aristid. Xgvcy nölii rrjg MvcCag (Eustath.: wo das
p. 361. Georg Synkell. 1, 282 ed. Bonn. Höfer.] Holzbild von der Hand des Skopas stand).
— 2) Sohn des Argasos, Begleiter des Dionysos Nach der Stiftungslegende hatte K. einst den
nach Indien, in der Schlacht von üeriades Zorn des Gottes erregt, so dafs dieser die
getötet, Nonn. Dion. 32, 187. [Stoll.] Ländereien desselben durch Mäuse (cfiivfroi)
1431 Krino Kriophoros 1432
verwüsten liefs. Der versöhnte Gott besuchte 'Eguov rpsgovzu v.gtbi' Itu tö>v my.aiv (über das
schliefslich den Oberhirten des K, Ordes, und Tragen desWidders ijrjTcöi* aiicovs. Bd. lSp.2395
versprach, von diesem gastfrei aufgenommen, Z.llff.; vgl. Studniczka, Mitt. d. D. arch. Inst.,
Erlösung von der Plage, erschofs selbst mit röm. Abteil., 6 [1891], 255) geschaffen, Paus.
seinen Pfeilen die Mäuse und trug dann dem 9, 22, 1. Über die Statue des Hermes von
Ordes auf, rrjv tnitp&vtiuv ccvtov änXwoai rä Kaiamis s. Bd. 1 Sp. 2390 Z. 2Sff., wo Scherer
Kql'vlSl, worauf die Stiftung und Weihe durch für die Bartlosigkeit des Kalaruideischen Hermes
K. erfolgte. Andere setzten das Ereignis nach eintritt; ebenso Friederichs -Wolters, Die Gips-
der hellespontischen Stadt Sminthia (nach Eu- abgiisse antik. Bildwerke im K. Museum zu Berlin
stathios stellte Chrysos sich freundlich zu Krinis, 10 nr. 418. 419 p. 164 f. Dagegen hält Overbeck
da dieser sein ovvugsvg war). — "OgSng kann auch in der neuesten Auflage seiner Geschichte
nur Eponymos des lesbischen Berges "OgSvfivog der griechischen Plastikl4, (1893) p.301f. Anm.227
sein; und wie das älteste Chryse, das honie- (vgl. p. 280) an der Ansicht fest, dafs der Hermes
rische, mit dem ältesten Smintheion am Binnen- des Ealamis bärtig gewesen sei. Am nächsten
strande von Lesbos, bei Arisba, zu suchen ist scheint das Original des Ealamis eine Münze
(Plülologus N. F.. 3 1890 S. 89 — 120, speziell von Tanagra wiederzugeben, s. Bd. 1 Sp. 2396
S. 103), so dürfte K. ein ursprünglich lesbischer Z. 36ff., wo nachzutragen ist Arch. Zeit. 7 (1849)
Lokalheros sein, dessen Name auf den Quellen- Taf. 9 nr. 12. Monumenti inediti 11, 6, 5 links;
reichtum des daselbst fliefsenden Baches (sieben vgl. v. Duhn, Annali 1S79 p. 122 nr. 5. Stephani,
gröfsere, ein Dutzend kleinere Quellen) geht: 20 Compte-rendu 1869,97. Langl. Griechische Götter
denn Kgivig — Kgrjvig, wie KgivCSsg = Kgn- und Heldengestalten p. 75. Collignon, Histoire
in'Sig (Steph, Byz. WvXla) und Kgt&scog = Kgrj- de la sculpture grecque flg. 206, p. 400; doch er-
ftzeag. Vgl. (aufser dem Namen des lesbischen scheint nach Overbeck a. a. 0. die Bartlosigkeit
Dichters Kgivayögag) den cidäischen Daktylen' des Hermes hier zweifelhaft. Dagegen ist nach
Kgivotig (s. d.) in der Legende seines anöyovog, Stark, Bei: d. K. S. Gesell, d. Wissensch. 12
des Lesbiers Terpandros, und den Kgivcnog (1860), 16 der Gott auf dieser Münze ganz nackt
als Vater des (olenisch-) lesbischen Makareus, und jugendlich dargestellt, ohne Flügelschuhe
nach welchem Lesbos homerisch Md-aagognöXig und den nach hinten herabhängenden Mantel,
heifst. [Tümpel.] Eine Nachbildung des Hermes des Kaiamis
Krino {Kgivco), 1) eine der Frauen des Da- 30 finden wir auch noch auf anderen Münzen von
naos, Apollod. 2, 1, 5. — 2) Tochter des Troers Tanagra {Monumenti inediti 11, 6, 5 rechts und
Antenor, auf dem polygnotischen Bilde der von Duhn a. a. 0. Catal. of Greck coins in the
Zerstörung Trojas in der Lesche zu Delphi Brit. Mus., Central Greece p. 64 nr. 51 und
neben ihrem Vater dargestellt mit einem pl. 10 nr. 12. de Chanot, Gazette archeol. 4 (1878),
kleinen Kinde im Arm, Paus. 10, 27, 2. 101 Anm. 6. Read, Hist. num. 295. Imhoof-
[Stoll.] Blumer, Zur Münzkunde Boiotiens und des pelop.
Krinoeis (Kgiröstg), nach dem Schal. V zu Argos,WienerKumismat. Zeitschrift 9,29. Lewis,
II. -Y391 einer der idäischen Daktylen, wel- Journal ' ofphilolog.i, 69). P.Wolters, Arch. Zeit.
eher zuerst den Musen opferte, Vorfahr des 43 (1S85), 265 macht darauf aufmerksam, dafs
Lesbiers Terpandros. Die Musen werden kaum 40 ein gutes Teil von dem unbeholfen steifen Ein-
die helikonischen sein können, die sonst in druck, den die Figur des Hermes auf diesen
Asien den ersten Kult erhalten haben würden, Münzen macht, der aufserordentlichen Ver-
sondern die 7 lesbischen Musen, Dienerinnen kleinerung zuzuschreiben ist. In ähnlicher
des (Krinakos- Sohnes) Makareus, und auf Les- Bildung zeigt den Hermes eine Münze von
bos in ehernen Standbildern ävet ickvxu %a Aigina {Monumenti inediti 11, 6, 6 rechts; vgl.
isqci rtfiwixsvai {3Iyrsilos frg. 4 aus Clemens von Duhn a.a.O. 122,6. Stephani, Compte-rendu
Alex. Protr. p. 9, 24 Sylb. F. H. G. 4, 457; 1869, 98 Anm. 1 = Mionnet, Suppl. 3, 603, 61.
vgl., daselbst fehlend, Myrsßos bei Arnobius Eckhel, Doctr. num. 2, 226. Head a. a. 0. 334),
adv. gentes 3, 16 p. 121 Gal.). Unter die Dak- während er auf einer anderen aiginetischen
tylen wird er wohl erst infolge Übertragung 50 Münze {Monumenti inediti 11, 6, 6 links"i schrei-
lesbischer Kolonisten aufs Festland gekommen tend dargestellt ist. In einer kleinen Marmor-
sein. [Tümpel.] statue der Pembrokischen Sammlung in Lon-
Kriophagos {Kgtoqxxyog), Name einer Gott- don (abg. Clorae, Mus. de sculpt. 4, 177 pl. 658
heit, der Widder geopfert wurden, Hcsgch. — nr. 1545 b. Midier -Wieseler, D. d. a. K. 2, 29
Ähnlich heifst Artemis von den ihr dar- nr. 324. Panofka, Die Heilgötter der Griechen,
gebrachten Eberopfern in Samos Kangotpayog, Abhandl. d. K. Akad. d. Wissensch. zu Berlin
Hesych., und Zeus von den Ziegenopfern Alyo- 1843 Taf. 1, 8 und p. 267. Langl a. a. 0. p. 75.
tpäyos; Nikander im Et>im. M. 27, 51. Stephani, Beeue archeol. nouv. Serie 5 [1862] pl. 8, 2.
Compte rendu 1869, 116. [Höfer.] Overbeck a. a. 0. p. 278 Fig. 75) hatte Overbeck,
Kriophoros (Äptotpopos), Beiname des Hermes eo Arch. Zeit. 11 (1S53), 46 f. womöglich das Original
in Tanagra, wo er einen Tempel besafs. Zur des Kaiamis zu erblicken geglaubt; Gesch. d.gr.
Zeit einer Pest hatte er einen Widder um die Plastik a.a.O. gesteht er zwar zu, hierin zu weit
Mauern von Tanagra getragen und dadurch gegangen zu sein, hält aber immer noch an der
die Seuche gebannt; zur Erinnerung hieran Beziehung der Marmorstatne auf des Kaiamis
trug an dem Feste des Hermes der schönste Hermes fest. Ahnlich bat Conze, Arch. Anzeig.
Ephebe Tanagras ein Lamm um die Mauern 21 (1864), 209 dieses Werk für oberflächliche
der Stadt (vgl. aber auch unten am Ende dieses Arbeit (ebenso Michaelis, Ancient Marblcs in
Abschnittes), und Kaiamis hatte ein uyalaa Great Britain p. 702 nr. 144; vgl. Collignon
1433
Kriopkoros
Kriophoros
1434
a. a. 0. p. 400) eines späteren Kopisten erklärt,
in der aber trotzdem als Eigentümlichkeiten
des Originals die starke Angabe der kräftigen
Armmuskeln und der Knieformen durchscheine;
der Kopf gleiche mit der dreifachen schema-
tischen Abteilung des Bartes und der auf jede
Schulter herabfallenden langen Locke den alter-
tümlich gearbeiteten bärtigen Köpfen. Ebenso
will Uverbeck, Gesch. d. griech. Plastik 280. 301
' das Relief eines kleinen Opferaltars in Athen
(abg. Annali 1869 [nicht 1879, wie OverbecJc 301
angiebt], Tav. d'agg. JK; vgl. Lützow ebenda
p. 254 ff. Klein, Annali 1875, 298. v. Sybel,
Katalog der Skulpturen zu Athen nr. 20 p. 5.
Milchhöfer, Die Museen Athens p. 5 nr. 13.
Baumeister, Denkmäler nr. 825 p. 773. Langl
a. a. 0. p. 75. Collignon a. a. 0. fig. 207 p. 401.
Overbeck a. a. 0. p. 279 Fig. 76 a) auf das Werk
des Kaiamis zurückführen; dagegen Friederichs-
Wötters a. a. 0. und Scherer a. a. 0. Z. 60 ff.
Vielleicht ist Hermes Kriophoros auch in der
von Lützoiv, Annali 41 (1869), 262 erwähnten
archaisierenden Statuette von Bargello zu er-
blicken, Stephani, Gompte-rmäu 1869, 98 Anm.l.
M. A. Veyries, Les figures criophores dorn l'art
grec, l'art greco -romain et l'art chretien (Biblio-
theque des e'coles franraises d'Athenes et de Borne
fasc. 39) 5, 2 note. Das Werk von Veyries giebt
das relativ vollständigsteVerzeichnis der widder-
tragenden Figuren, die bis ca. 1880 bekannt
geworden sind, ist aber in seinen Citaten öfters
nicht zuverlässig. Der Typus des Kalamideischen
Hermes (Collignon a. a. 0. p. 399 meint, dafs
Kaiamis diesen Typus nicht selbständig ge-
schaffen, sondern ihn den widdertragenden
Eiguren der phoinikischen und kyprischen
Kunst entlehnt habe) kehrt oft wieder, be-
sonders häufig als Schmuck auf campanischen
Urnen: 1) Berliner Museum, abgeb. Monumenti
inediti 11,6,3; der Widdertiäger allem ebenda
11, 6, 3a; vgl. Heibig, Bulletino 1871, 117, 1.
von Dithn a. a. 0. 121,3; vgl. 136,16. — 2) Samm-
lung Bourgignon, abgeb. Monumenti 11, 6, 2;
der Widderträger allein ebenda 11, 6, 2 a; vgl.
Heibig a. a. 0. 118, 2. von Duhn a. a. 0. 120, 2;
vgl. 136,15. — 3) Sammlung Castellani, abgeb.
Monumenti 11,6,4; vgl. von Duhn a.a.O. 121,4;
vgl. 137, 22. — 4) Museum Dresden, Hettner,
Die Bildwerke der Kö'nigl. Antikensammlung zu
Dresden* nr.109 p.49; vgl. Heibig a. a. 0. 118,3.
von Duhn a. a. 0. 136, 14). Während aber
von Duhn a. a. 0. 143 ff. in diesem Widder-
träger den Hermes nptoepöpog (ebenso Overbeck,
Kunstmythologie , Apollon 366 f.) erkennt und
für ihn auf diesen Aschenkisten die Bedeutung
des Hermes x&oviog in Anspruch nimmt, er-
klärt sich Milchhöfer, Die Anfänge der Kunst
in Griechenland 2 14 ff. entschieden gegen diese
Ansicht. Nach ihm ist die Verwendung von
Götterfiguren als Deckelgriff an sich unwahr-
scheinlich und findet auch in dem übrigen
Bronzeschmuck ähnlicher Gefäfse keine Ana-
logie; dieser Schmuck hat nur eine dekorative
Bedeutung. Dafs man als solchen gerade einen
KQioq>6gog wählte, hat seinen äufseren Grund
in der Form, deren T- artiges Schema sich zu
einem Deckelgriff besonders eignete, während
inhaltlich durch die Verbindung von Mensch
und Opfertier die Opferhandlung angedeutet
werden soll. S. 214 stellt Milchhöfer sodann
die Ansicht auf, dafs sich in Tanagra die
Legende von der Pest (s. oben) und der
Typus des widdertragenden Hermes erst aus
jenem Kultusbrauch der Prozession des widder-
tragenden Epheben entwickelt habe. Eben-
sowenig erkennt Milchhöfer (Annali 1880,214;
vgl. Anfänge der Kunst 216) in der antiken
10 Bronze von Kreta (jetzt in Berlin, abgeb. Annali
a. a. 0. Tav. d'agg. S) den Hermes xQiocpoQog
oder eine sonstige widdertragende Gottheit,
sondern einen gewöhnlichen Menschen , der
das Tier zum Opfer trage (vgl. auch Overbeck,
Kunstmythologie a. a. 0. 367), während Treu,
Arch. Zeit. 39 (1881), 251 die Statuette wiederum
als die des Hermes Kriophoros bezeichnet; vgl.
auch Löschcke, Arch. Zeit. 39 (1881), 52 Anm.G2.
Sicher ist die Darstellung des Hermes
20 Kriophoros aber auf folgenden Denkmälern
— nichts Näheres wissen wir über den Hermes
Kriophoros im Haine Karnasion in Messenien;
Paus. 4, 33, 4 berichtet nur dtäv äh äyäXiiazcc
'JaoXlcovog iart Kaqviiov neu Ep/xjjg cptgcov
Y.Qiov beachtenswert ist jedoch die Verbindung
des widdertragenden Hermes mit Apollon Kar-
neios, worüber Stark, Arch. Zeit. 26 (1868), 55
und unten — , wiewohl es fraglich ist, ob wir
berechtigt sind, sie auf das Werk des Kaiamis
30 zurückzuführen: 1) Innenbild einer Kylix aus
Volci (abgeb. Museo Chiusino Tav. 35 = Lenor-
mant-de Witte, Elite des Monuments ceramogr.
3 pl. 87 = Panofka, Die Heilgötter der Griechen
Taf. 1,7 = Eigennamen mit xalog Taf. 2 =
Conze, Heroen- u. Göttergestalten Taf. 70, 1):
Hermes, bärtig, mit Kvvfj und Kerykeion, trägt
im raschen Lauf den Widder auf seinen
Schultern. Lenormant-de Witte a. a. 0. p. 253
schliefst aus dieser Bewegung des Gottes, dafs
40 er den Widder gestohlen habe, während Ste-
phani, Campte - rendu 1876, 142 meint, der
Künstler habe diese Stellung nur gewählt, um
den Raum der kreisrunden Fläche durch Aus-
einanderspreizung der Beine besser zu füllen.
Die Umschrift lautet EP1VAO KALOS. Lenor-
mant -de Witte a.a.O. liest dies als EiTVMOS
(zu Hermes ipiovviog vgl. Boscher, Hermes der
Windgott 80), während Panofka, Heilgötter
p. 267 in EqiXog — so liest er — den Namen
so des Besitzers sieht, der mit tgiov Wolle zu-
sammenhänge. — 2) Schale des Sosias aus
Volci (abgeb. Monumenti inediti 1 , 24. Ger-
hard, Griech. u. Etrusk. Trinkschalen d. K. Mu-
seums zu Berlin Taf. 6. 7 p.10. Müller -Wieseler
a.a.O. 1 Taf. 45, 210 a; vgl. O.Müller, Annali
4, 39. Lenormant-de Witte a. a. 0. 2 p. 305):
Hermes (S3MA3H) neben Amphitnte, Hestia,
Artemis und anderen Göttern tiägt den Widder
auf beiden Händen gegen seine Brust gelehnt,
60 während er zugleich zwischen den Fingern der
Linken das Kerykeion hält; in ähnlicher Weise
trägt auf einem campanischen Wandgemälde
(abgeb. Heibig, 23 Tafeln z. d. Werke Wand-
gemälde Taf. 19 nr. 1261b; vgl. Heibig, Wand-
gemälde nr. 1261b p. 270) eine der Töchter des
Pelias den Widder, an welchem das Probe-
stück der Kunst der Medeia gemacht werden
soll. — 3) Schwarzfigurige etruskische Amphora
1435 Kriophoros Krioplioros 1436
späteren Stils, vielleicht mit der Darstellung the orange room, Brit. Mus. (1871) p. 6, nur:
des Zuges zum Parisurteil: Hermes, der sich Hermes Kriophoros. Eine kleine Bronzestatue,
nach den drei Göttinnen umschaut, schreitet darstellend un Mercurio pastore con un' artete
voran im Mantel, der die rechte Brust frei in spalla, finde ich erwähnt in den Osservazioni
läfst, und in Stiefeln; in der Linken trägt er istoriche sopra dlcuni medaglioni antichi di
das Kerykeion vorgestreckt, in der Rechten Cosimo III (Rom 1698), Proemio p. 12. Eine
hält er den Strick , mit welchem dem auf kvprische Bronze ist abgebildet bei Cesnola,
seinen Schultern liegenden Widder die Füfse Salaminia pl. 10, 5; vgl. p. 107. Vielleicht
zusammengebunden sind Furtwängler, Berliner gehört hierher auch die Bronze im Museum
Vasenkatalog 2154a. — Von Terracotten io zu Cagliari, de Ja Marmora, Voyage en Sar-'
sind folgende anzuführen: 1 und 2) Zwei Terra- daigne 2, 327 ff. pl. 30, 143, sowie die Bronze
cotten aus Tanagra, fast übereinstimmend (die von Turin, de la Marmora a. a. 0. 2, 327, und
eine abgeb. Gazette arche'ol. 4 [1878], 101): die ebend. p. 328 abgebildete Bronze des Louvre,
Hermes nackt, mit Hvvrj und Chlamys, die von wenn wir in ihnen nicht vielleicht eine Dar-
beiden Schultern herabfällt, de Chanot, Gazette Stellung des Aristaios (s. unten) zu suchen
arche'ol. a.a.O. — 3 u. 4) ebenfalls aus Tanagra, haben; zweifelhaft ist es, ob auf der Gemme
altertümlicher Typus, der Gott ist unbärtig; (Arch. Anz. 9 [1851], 109) Hermes Kriophoros
ein Mantel fällt von beiden Schultern herab, oder der pastor bonus dargestellt ist.
Fröhner, Sammlung Greau, Catal. nr. 303 (jetzt Über den Hermes Kriophoros des Onatas
in Berlin), Arch. Anzeig. 7 (1892), 108 nr. 32. 20 ist Bd. 1 Sp. 2395 Z. 51 — Sp. 2396 Z. 27 ge-
Wohl nicht identisch mit der Bd. 1 S. 2397 sprochen. Ich trage folgendes nach: Die Terra-
Z. 24 erwähnten? — 5) aus Beyrüt, jetzt im cotte Annali 1858 tav. d'agg. 0 ist auch ab-
Brit. Mus.: Statuette des Hermes Kriophoros, gebildet Revue arche'ol. 5 pl. 8, 3 und Conze,
Jahrb. d. K. D. arch. Inst. 3 (1888), 243. — 6) Heroen- und Göttergestalten Taf. 70, 2; vgl.
Fragment unbekannter Herkunft, Martha, Cata- Martha, a. a. 0. nr. 264. Overbeck, Plastik l4,
logue des figurines en terre cuite du muse'e de 150. 291 Anm. 80. Beule, Gazette des Beaux-
la Socie'te arche'ol. d'Athenes nr. 265 (Museums- Arts 16 (1864), 541. Eine andere sehr schöne
nummer 27); nach Milchhöfer , Die Museen Terracotte aus Thespiai, die der erwähnten in
Athens, Sammlung d. arch. Gesellsch. im Var- Gestalt und Gewandung sehr nahe steht, ist
vakion p. 821 „widdertragender Hermes im 30 abgebildet Gazette des Beaux-Arts 21 (1866),
strengen Typus" aus Boiotien. Eine Kari- 113; vgl. de Witte, ebend. 112. Was die R.
katur des Hermes Kriophoros, eine ko- hielt, ist weder aus Abbildung noch Beschrei-
mische Person, die, den Kopf mit einer Maske bung zu ersehen. Bei den im Kabirenheilig-
vermummt, auf den Schultern einen Widder tum bei Theben veranstalteten Ausgrabungen
trägt, erwähnt Martha a. a. 0. 923 (589). — ist nach dem Bericht von Wolters, Ath. Mut.
7) aus Terranova (Geta), Brit. Mus., A Guide 15 (1890), 359 ein stark verletztes Figürchen
to the second vase room (1869) p. 26 nr. 13 = gefunden worden, einen nackten stehenden
A. Guide etc. [1878] p. 18 nr. 144; vgl. deChanot Jüngling mit einem Lamm unter dem Arm
a.a.O. 163, Typus des Kaiamis. — 8) aus Lokris darstellend, von grofser Ähnlichkeit mit dem
in Unteritalien , Brit. Mus., A. Guide to the 40 bekannten von Conze, Annali 1858 Taf. 0 zu-
second etc. p. 41 nr. 9 = A Guide etc. [1878] erst bekannt gemachten Hermestypus. 'Von
2 p. 78 nr. 172. deChanot a. a. 0. Bd. 1 Sp.2397 diesem, fährt Wolters a.a.O. fort, sind mehrere
Z.29ff. — 9) Terracotte aus Süditalien (de Witte, Exemplare von bedeutender Gröfse und be-
Choix de terre - cuites antiques du cabinet de sonderer Schönheit gefunden worden, nament-
M. de Janze pl. 3 nr. 2) weicht insofern ab, als lieh einige Köpfe zeichnen sich durch feine,
Hermes, uubärtig, bloi'sen Hauptes, in weiter, strenge Arbeit und gute Erhaltung aus. Die-
bis zu den Füfsen reichender und den Vorder- selben gestatten mit gröfserer Sicherheit, als
körper offen lassender Chlaina die Füfse des dies bisher möglich war, die Datierung des
Widders nicht wie gewöhnlich mit den Händen Typus in die erste Hälfte des fünften Jahr-
gefafst hält, sondern er trägt in der Linken 50 hunderts. Hier möchte ich nur hervorheben,
die Börse und streckt die Rechte mit einer dafs ich weder bei diesen noch bei den länger
Redebewegung aus, während derWidder, dessen bekannten Exemplaren eine Stlengis erkennen
Füfse durch einen über die Brust des Gottes kann, vielmehr glaube, dafs die gesenkte
hängenden Strick gefesselt sind, auf seinen Rechte einen Zipfel der Chlamys fafst. Eine
Schultern liegt, de Chanot a. a. 0. Stcpliani, besondere Beziehung zu dem Hermes Promachos
Compte-rendu 1869 98. — 10) Eine andere Terra- von Tanagra ist also nicht vorhanden, und die
cotte im Besitz des H. Piot führt an Murray, Übereinstimmung mit dem von Onatas für
Histor. of Greelc Sculpture 1 , 187 Anm. 1 zu seine Statue verwendeten Typus ist eine fast
p. 186. — 11) Terracotte, bei den Ausgrabungen vollständige, allerdings ohne dafs damit auch
im Kabirenheiligtum bei Theben gefunden, 60 die Sicherheit einer stilistischen Verwandt-
Athen. MM. 15 (1890), 359; nach Wolters a. schaft beider Werke erreicht wäre'. Vgl.
a. 0. ist in diesem Falle die Unbärtigkeit auch Wolters a. a. 0. 361.
sicher. — Fraglich erscheint es Gerhard, Arch. Ferner erscheint Hermes nicht nur als Träger
Anz. 11 (1853), 384, ob der Metallspiegel, dar- eines Widders, sondern er trägt zwei Widder
stellend einen Hermes Kriophoros im Stile des auf folgenden Monumenten: 1) Spiegelhalter
Kaiamis, echt ist. — Keine nähere Angabe über von Bronze im Museum Meermanno -Westree-
die Art des Widdertragens findet sich ver- nianum (abgeb. Bericht d. K. S. Gesellsch. d.
merkt bei der etruskischen Bronze, A Guide to Wissensch. 12 [1860] Taf. 1): Hermes, nackt,
1437 Kriophoros Kriophoros 143S
im Ephebenalter, mit lang auf die Schulter 38 (1880), 38, auf -welchem aufser Hermes mit
herabfallender Haarmasse, steht auf einem dem Kerykeion in der rechten und einem
Widderkopf und trägt mit beiden Armen einen Widderkopf (Carabella, Hernie archeol. a. a. 0.
Tragbalken, auf dem zwei sich den Kücken 207 hatte den Gegenstand für eine Muschel
zukehrende Widder mit gewundenen Hörnern oder Börse gehalten) auf der linken Hand
liegen, Stark a. a. 0. p. 7 ff. , der p. 17 sogar noch der stiertragende Herakles, Dionysos und
meint, dafs man, was die ganze Körperbildung die Jagdbeute tragende Herbst-Hore dargestellt
des Gottes betreffe, hier vielleicht mit mehr sind. Von Gemmen sind folgende zu er-
Recht an jene Ephebengestalt des Hermes von wähnen 1) Karneol mit der Künstlerinschrift
Kaiamis erinnern dürfe, als bei der Pembroke- 10 DIOCKOYPlDOY — von Stephani, Compte
sehen Statue. — 2) Etruskische Opferschale, rendu 1869 92 allerdings für unecht erklärt —
Gerhard, Etrusk. Spiegel Taf. 30 nr. 2. 3 (Vorder- (abgeb. Bevue archeol. 5 [1862] pl. 8, 4. Beule
und Hinteransicht) p. 95: über einer Flügel- ebend. p. 364 Anm. 3 und die dort angeführte
gestalt (Sieges- oder Schicksalsgöttin'? Seirene Litteratur, sowie die Kopie der Sammlung
mit Vogelleibe'?) steht Hermes, der zwei Widder Carlisle): Hermes trägt in der R. den Herolds-
mit je einer unter und an ihnen sich haltenden stab, in derL. den Widderkopf auf einer Schale.
Gestalt (vgl. den Polyphemosmythos) stützt; — 2) Der Gott, auf einen Krug tretend, hat
über den Widdern erhebt sich ein an jedem iu der L. das Kerykeion, in der ausgestreckten
Ende mit einem bärtigen Kopfe verzierter R. den Widderkopf, Bevue archeol. a.a.O. pl. 8, 5.
Querstab. — 3) Etruskische Opferschale, Ger- w Beule ebenda p. 364. Monges, Gal. de Flor. 1
hard a. a. 0. Taf. 60, 2. 3 (Hinter- und Vorder- pl. 35. — 3) Hermes trägt nach verrichtetem
ansieht) p. 61: Die Gestalt des unbärtigen Opfer den Widderkopf auf einer Schale mit
Hermes, die den Griff der mit einem gefiü- der L. fort, Müller- Wieseler 2, 29, 321 p. 30.
gelten Heroldsstab verzierten Opferschale bildet, Unbegreiflicherweise sagt Veyries a.a.O. 52
steht auf einem Widderkopf und hält mit jedem nr. 14, der Gott trage in der Rechten ein
Arm einen Opferwidder. — 4) Vielleicht ist Messer; das Kerykeion ist ganz deutlich; vgl.
Hermes Kriophoros auch in der Gestalt zu jedoch auch Bd. 1 Sp. 2429 Z. 41. — 4 und
erblicken, die mit emporgehobenen Händen 5) Zwei Amethysten: Hermes, gegen eine Säule
zwei gegeneinanderliegende Widder als Träger gelehnt, hält in der R. einen einfachen Stab,
einer metallenen Opferschale hält, Verzeichnis 30 in der L. den Widderkopf, M'inckelmann, Dc-
der antiken Münzen, Bronzen, Bleie, Terra- scriptum des pierres gravees du feu baron de
cotten u. s. w. im Besitze des Geheimrats Creuzer Stosch nr. 400. 401 p. 92. — 6) Ein anderer
in Heidelberg p. 18f. nr. 17. — ■ 5) Terracotte, Stein (Amethyst) bildet insofern eine Aus-
Fröhner, Die griech. Vasen und Terracotten der nähme, als er den Gott nicht, wie sonst alle
Grofslterzogl. Kunsthalle zu Karlsruhe nr. 348 Kunstwerke, aufrecht stehend darstellt, son-
p. 74: Archaisches Bild des Hermes Kriophoros, dem auf einem Felsen sitzend, in der r. Hand
nackt und mit beiden Armen ein oblonges das Kerykeion, in der 1. Hand den Widderkopf
Architekturstück tragend, auf dem zwei sich haltend, Winckelmann a. a. 0. nr. 402 p. 92. —
abgewandte lagernde Widder sichtbar sind. — 7,8,9) Hermes, in Petasos, Chlamys und Schuhen,
6) Bronze im Louvre, Veyries a. a. 0. 20 p. 9f. 40 hält den Widderkopf in einer Opferschale, in
= De Longpe'rier , Notice sur les bronzes du der R. einen Stab, mit dem er auf die Schale
Louvre nr. 312 (mir nicht zur Hand): Mercure zeigt (Amethyste), L. Müller, Description des
criophore, debout, . . nu . . ses pieds reposent sur intailles et camees antiques du Musee Thor-
une pedmette. De ses deux mains e'levees le valdsen nr. 296. 297. 298 p. 42; vgl. auch Bd. 1
dicu soutient, au dessns de sa Ute, deux beliers Sp. 2429 Z. 39. — 10) Hermes trägt den Mantel
couches et tourne's en sens opposc. — 7) Etrus- auf der 1. Schulter, in der L. den Widderkopf,
kischer Bronzegriff, auf Majorka gefunden, in der R. das Kerykeion, L. Müller a. a. 0.
nr. 1 sehr ähnlich, de la Marmora, Voyage en nr. 295. — 11) Ohne nähere Angabe des Tragens : '
Sardaigne 2, 536, 10 pl. 39, 10. — An Stelle Mercure debout, appuye sur um cippe, tenant
der vollständigen Widder treten auch nur 50 une tete de be'lier. Amethyste. Chabouillet, Catal.
Widderköpfe, so auf dem Bronzegriff eines ge'neral des camees de la biblioth. imper. p. 221
Kasserols, Stephani, Compte rendu 1877 p. 17 nr. 1605. — 12) Der von Beule a. a. 0. 363
Taf. 1, 9: Hermes, nackt, steht mit steif zu- Anm. 6 erwähnte geschnittene Stein du cabinet
sammengehaltenen Beinen auf einem Widder- de V Academie de Crotone, Flangini, Argon di
köpf und hält mit jedem der emporgestreckten Apoll. Prod. 1, 434. — Derselbe Typus findet
Arme einen gelagerten Widderkopf. Viel hau- sich auf Münzen von Pergamon, so auf
tiger findet sich Hermes als Träger eines einer Kupfermünze des Uadviav, Imhoof-Blumer,
Widderkopfes. Zunächst zu erwähnen ist eine Griechische Münzen, Abliandl. d. philos.-philol.
archaische Bronze aus Arkadien, gefunden Klasse d. K. Bayr. Akad. d. Wiss. 18 (1890)
an den Ufern des Ladon (abgeb. Bevue archeol. oo p.617 nr.178: 'Hermes'? nackt, linkshin stehend,
5 [1862] pl. 8, 1; vgl. Beide a. a. 0. 361. auf der Rechten einen Widderkopf haltend, im
Arch. Zeit. 15 (1863), 25*. 49): Hermes, 1. Arm das Gewand. Fox, Greek coins 2, 37
bärtig, trägt in der Linken einen Widder- hielt das Attribut der r. Hand für eine Schlange,
köpf; die erhobene Rechte hielt wohl das Die Figur mit dem Widderkopf auf der Hand
Kerykeion, wie wir ihm in gleicher Dar- kommt auf pergamenischem Kupfer noch öfters
Stellung begegnen auf einem bei Kyzikos ge- vor, z.B. Mionnet, Suppl. 5, 469, 1137, wo das
fundenen Glasgefäfs (jetzt in Berlin), abgeb. Attribut als cöne beschrieben ist, 474, 1168.'
Bevuc archeol. 37 (1879) pl. 7; vgl. Arch. Zeit. Da mir der betreffende Band von Mionnet nicht
1439
Kriophoros
Kriophoros
1440
vorliegt, kann ich auch nur auf Suppl. 5, 472,
1159 verweisen, citiert von Panofka, Die Heil-
götter der Griechen 267; vgl. Stephani, Comptc-
rendu 1869 92. c Mercure Criophore debout por-
taixt sur la main dr. une tete de belier et tenant
de la g. son caduce'e et la penula; en face Es-
culape debout avec ses attributs.' S. ferner Cat,
of greek coins in the Brit. Mus., Mysia 143,
271. 158, 334 und Anm. 2 pl. 32, 3. 162, 346.
347 pl. 32, 8. Ähnlich sieht Panofka, Arch.
Zeit. 10 (1852), 510 auf einer von Friedländer
in Pinders Beiträgen sur Münzkunde Taf. 5, 2
publicierten Erzmünze von Same (vgl. auch
Friedländer, Arch, Zeit. 11 [1853], 45 f.) und
einer anderen Münze von Same (Mionnct,
Suppl. 5, 194, 71) in dem schreitenden Widder
bez. in dem Widder auf einem Heroldsstab das
Symbol des Hermes Kriophoros (s. auch unten).
Im Anschlnfs hieran seien auch die anderen
Monumente erwähnt, auf denen Hermes, wenn
auch nicht als Widderträger, so doch in enger
Verbindung mit dem Widder dargestellt ist:
auf einem gelagerten Widder liegend, Monu-
menti inediti 6, 67, Gemälde auf einer schwarz-
figurigen Lekythos aus Ruggieri, Rom. Mitteil,
7 (1892), 184, 28 oder sitzend in einer Statue
des Grafen Potocki, Müller- Wieseler 2, 29, 322
p. 30 = Clarac a. a. 0. 4, 171, 1529; pl. 656
nr. 1529; nach Lauer, Arch. Zeit. 7 (1849), 24
sind diese Darstellungen nur der äufseren
Gruppierung, nicht aber dem Sinne nach ver-
schieden von der des Hermes Kriophoros, vgl.
auch Ilcydemann, Rom, Mitteil. 4(1889), 312;
oder auf dem Widder reitend (Egpov vivo-
fuetat tivai oxifia seil, 6 «piög, Artemidor 2,
12 p. 154 Beiß') auf einem Stamnos aus Caere,
Arch. Zeit. 4 (1846), 286 nr. 22; auf Münzen,
Osservasioni istoriche etc. p. 41. Imhoof- Blumer
und 0. Keller, Thier- und Pflanzenbilder auf
Münzen und Gemmen 20, 20; vielleicht auch
auf einer etruskischen Thonschale (abgebildet
Gerhard, Gesammelte Abh. Taf. 81), Furt-
Küngler, Beschreib, der Vasensamml. im Anti-
quar. 2727 p. 81, während Gerhard a. a. 0. 507 f.
512 in dem Reiter den Phrixos erblicken wollte;
auf einer Lampe im Museum zu Leyden (nr. 514):
Hermes, mit Kerykeion, in der L. mit einem
Beutel, von einem Widder über Wellen getragen,
Arch, Zeit. 7 (1849), 85*; ferner aufgeschnitte-
nen Steinen, Müller -Wieseler 2, 29, 323 p. 30.
Miliin, Gal. Myth. 48, 213; vgl. Sauer a. a. 0.
[Vinckelmann, Bescription ... de Stosch 396
— 398 p. 92; mehr bei Gerhard, Auserl. griech,
Vasenb. 1, 70 Anm. 27; auf einem mit vier
Widdern bespannten Wagen fahrend, ebd. 399.
Hermes mit Hut, Chlamys, Kerykeion und
Flügelschuhen vier Widder vor sich hertrei-
bend auf einer schwarzfigurigen Lekythos,
Gerhard a. a. 0. 1 , 70 Taf. 19, 2. Die Hand
auf den Kopf des neben ihm stehenden Thieres
legend, Terracotte aus Tanagra, abgeb. Bd. 1
S. 2431, vgl. 2394 Z. 51 ff. Einen Widder an den
Hörnern fassend: auf dem Marmorrelief derBar-
berinischen Kandelaberbasis (abgeb. Mus. Pio-
Clem. 4, 4 = Müller- Wieseler2,2d,320); Wieseler
a. a. 0. 30 faßte hier den Hermes als Gott des
Kultus, der eine Schale zur Spende und einen
Widder zum Opfer herbeibringe. Dagegen
möchte Friederichs, Berl. ant. Bildw. 1 nr. 739
p. 453 die Figur des Hermes nur ruhig re-
präsentierend auffassen; die trauliche Verbin-
dung des Gottes mit seinem Tiere sei ganz
im Charakter der altertümlichen Kunst, vgl.
auch Friederichs a. a. 0. 2 nr. 1823 p. 384 f. und
die ähnliche Gruppe des Hermes mit dem
Ziegenbock (abgeb. Mus. Capit. 4, 22. Winckel-
mann, Monum. ined. nr. 5. Gerhard, Abbild.
10 zu d. gesammelt. Abhandl. Taf. 16, 1. Müller-
Wieseler 2, 18, 197 p. 21), Friederichs a. a. 0.
1 nr. 69 p. 84 ff.. Auf einem Medaillon des
Antoninus Pius hält der Gott in der L. das
Kerykeion, mit der R das Hörn des springen-
den Widders, Numism. Cimelii üaes. Vindob.
2, 35, 1 ; vgl. Vaillant, Protestant, num. 3, 130.
Auf einem Oxybaphon (Mülin, Vas. peints
1 pl. 51. Galcr. myth. pl. 50, 212. Lcnormant-
de Witte, Elite ceram. 3, 254 pl. 88) trägt
20 Hermes in der 1. Hand eine Schale, unter dem
1. Arm das Kerykeion, während er mit der
Rechten einen Bock au den Hörnern zu einem
Altar zieht. Eine Münze des Commodus von
Pergamon mit ähnlicher Darstellung beschreibt
Imhoof - Blumer , Griechische Münzen a.a.O.
Taf. 7, 9 p. 617 nr. 180: Hermes, nackt, mit
fliegender Chlamys, rechtshin schreitend, mit
der R. einen Widder an den Vorderfüfsen nach-
ziehend, in der L. den Stab. Vor ihm Widder-
ao köpf auf einer Stele. Ganz entschieden haben
wir darnach auch in der figure nue, marchant,
et tenant de la maine gauche un caducee, tan-
disque de la maine droite eile traine un belier
einer Münze des lydischen Philadelphia, Hist.
abregee du cab. des mc'daill. et ant. de la bi-
blioth, nationale p. 135, wo auf Villes de Pellerin
1, 115 pl. 64, 69 verwiesen wird, den Hermes zu
erkennen. — In Korinth war eine Statue des
sitzenden Hermes, neben dem ein Widder stand
40 (%a\Kovg KctTTi'ßisvos iaziv 'Egfifjg, ■itagiaxriv.s
de oi xqios), Paus. 2, 3, 4. Die gleiche Dar-
stellung findet sich auf Münzen von Korinth,
Gatdl. of greek coins in the Brit. Mus., Corinth
77, 607 pl. 20, 6, von Patrai, Catal. of greek
coins etc., Peloponnesus 29, 46. 50 pl. 6, 7. 8,
von Philadelphia Lydiae, Imhoof -Blumer , Choix
pl. 5, 84. Monn. grecqu. 387. Interessant ist
die Münze des Gailienus mit der Legende
Mercurio Cons. Aug., auf der ein Widder
50 dargestellt ist, dessen Hinterleib in einen Fisch
endigt, Eckhel, Doctr. num. 7, 398. Hierher
gehören auch die Münzen mit der Darstellung
eines Widders oder des Vorderteiles eines sol-
chen und dem Kerykeion auf der einen, dem
Hermeskopf auf der anderen Seite, so auf
Münzen von Pheneos, Imhoof- Blumer, Monn.
grecqu. 205 nr. 255; 206 nr. 258; vgl. Usser-
vazioni istoriche etc. p. 41; ähnliche Darstellung
auf einer Gemme, Urlichs, Verzeichnis der
go Antikensamml. der Universität Würzburg 2,
13, 128. Ein Widder springt an Hermes hin-
auf, Marmorstatue der Sammlung Blundell,
Clarac 4, 172 pl. 661, 1529a; Hermes sitzt
auf einem Felsen, zu seiner R. lagert ein
Widder, 1. steht ein Hahn, Statue im Vatikan,
Clarac 4, 162 pl. 655, 1508; ähnliche Darstellung
auf einer Spiegelkapsel, Friederichs, Berlins
antike Bildw. 2, 570 p. 137, auf einer Lampe,
1441 Kriophoros Kriophoros 1442
Beger, Thesaur. Brandenburg. 3,448, auf ge- Lenormant-deWitte, Elite eiram. 3 pl.85 p.251 f.
schnittenen Steinen, Winckelmann, Descrip- vgl. 221 steht Hermes der Maia gegenüber;
tion . . du baron de Stosch 392 p. 91 (hier aufser hinter Hermes ein Widder, hinter Maia eine
Hahn und Widder noch Skorpion und Schild- Ziege. Eine Terracotte aus Tanagra zeigt den
kröte) und die von Stephani, Compte-rendtt 1869 Hermes unbävtig, mit Chlamys und Hut, ein
95, 8 angeführten Gemmen; ferner Chabouillet Widder unten neben ihm, Arch. Zeit. 41 (18S3),
a.a.O. nr. 1604 p. 221 (abgeb. Mariette, Traue 272. Eine Thonflgur aus Unteritalien, Hermes
des pierres gravees 2 pl. 29); Urlichs a. a. 0. 2, mit Opferschale und einem hiuter ihm stehen-
10, 83; vgl. 9, 81. 82; vgl. auch die Münze den Widder, Arch. Am. 23 (1865), 22 Anm. 41.
Cohen^ p.54nr. 634. 535. Widder allein neben 10 An die Stelle des Widders tritt auch hier der
Hermes auf einem Wandgemälde, Heibig, Wand- Widderkopf, z. B. auf einem geschnittenen
gemäkle nr. 357 p. 91 f. und dortige Litteratur, Stein (Chabouillet a. a. 0. 1596 p. 219. Mariette
a,uf Münzen von Mamertinoi, Catal. of greek a.a.O. 2 pl. 30), oder nur das Widderfell, das
coins in the Brit. Mus., Sicily 113, 47. Hermes z. B. bei einer Marmorstatue aus Florenz über
mit Caduceus, Börse und Widder (ohne nähere einem Stamm hängt, auf den sich Hermes
Angabe), Statuette aus Megalopolis, Athen. stützt, Friederichs, Berlins antike BilJw. 1,667
Mitteil. 4 (1879), 130. Eine Marmorstatuette p. 391; ja Hermes, neben dem ein Bock und ein
der Hadrianischen Zeit, in Kurtatsch an der Hahn dargestellt sind, trägt selbst Widder-
Etsch gefunden, zeigt den Gott mit Flügeln hörner auf einer Silberarbeit aus dem römischen
an den Knöcheln, die Chlamys ist um den 1. »u Kastell bei Neuwied, Dorotv, Denkmäler germ.
Arm geschlagen, die abgebrochene L. hielt und röm. Zeit 2 Taf. 14 = Müller -Wieseler 2,
das Kerykeion, die R. den Beutel ; am 1. Fufse 29, 325 p. 30 = Meyer, Lexikon* 8, 431.
steht ein zu dem Gott emporsehender Widder, Auf die Statue des Hermes Moschophoros
Kenner, Archiv f. österr. Gesch. 38 (1867), 224 (Damalephoros, de Ghanot, Gag. archeol. 4, 102',
nr. 81. Conestabile, Annali 1863, 452 ff. Tav. der, bärtig und am Oberkörper nackt, das Kalb
d'agg. Q. 1. Ähnlich ist die von Schreiber, in ebenderselben Weise trägt, wie nach dem
Die antiken Bildwerke der Villa Ludovisi in Typus des Kaiamis den Widder, ist Bd. 1
Born 148f. nr. 135 beschriebene Statuette: Der Sp. 2397 Z. 5 3 ff. schon hingewiesen; ich trage
erhobene r. Arm hielt wohl den Beutel, die folgendes nach: abgeb. Arch. Zeit. 22 (1864)
L. schulterte vielleicht das Kerykeion; zur R. 30 Taf. 187; vgl. Conze ebend. 169 ff.; vollstän-
sitzt ein zu dem Gott aufschauender Widder. diger Murray, Hist. of Greek sculptwe 1 nr. 31
Wahrscheinlich ist nach Schreiber a. a. 0. p. 188. Athen. Mitteil. 13 (1888) p. 113; vgl.
149 Anm. diese Statuette identisch mit der von Winter ebend. 113ff. Gazette archeol. 13 (1888)
Platner, Beschreib. Borns 3, 2 p. 590 im Jahre pl. 8 (vorzüglich!); vgl. Theoxenou ebend. 29. 39.
1836 auf der Treppe des Belvedere bemerkten Overbeck, Gesch. der griech. Plast. I4 p. 188
'kleinen Statue Merkurs, bei der man einen Fig. 38, der sich jedoch p. 187 der Ansicht an-
bei den Bildsäulen dieses Gottes nicht häufig schliefst, dafs eine Beziehung auf Hermes, wie
vorkommenden Widder bemerkt'. Eine Bronze- sie z.B. Stephani, Compte rendu 1869 97 f. an-
statuette aus Ruvo stellt den Hermes mit dem genommen hatte, nichtvorliegt; vgl. auch ferner
Kerykeion in der L. dar, die abgebrochene 40 Bötticher, Erklärendes Verzeichnis der Abgüsse
R. hielt die Börse; zu seiner R. steht ein kleiner d. Beil. Mus.- (1872) nr. 85. Milchiwf er , Lie
Widder, Heydemann, Röm. Mitteil. 4 (1889), Museen Athens p. 55. A. Schneider , TJie
312f. Taf. 11. Die schöne Wiener Bronze archaisch. Marmorskulpturen auf der Akropolis
(v. Sacken, Die antiken Bronzen des k. k. Münz- zu Athen, Verhandl. der 40. Philol.-Versamml.
und Autiken-Eabinetts in Wien Taf. 20 p. 49) in Görlitz (1890) 349ff. Nach v.Sybel, Katalog
zeigt den Hermes sitzend auf einem Felsstück, der Skulpturen 0U Athen nr. 5006p. 340 erkennen
in der R. wohl das gesenkte Kerykeion hal- einige in der Statue nicht den Hermes, sondern
tend, die 1. Hand auf den Beutel gestützt, wel- den Apollon Nomios. Noch fraglicher ist es,
chen er neben sich auf den Felsen gelegt hat; ob wir die archaische Bronzestatuette (abgeb.
zu seiner R. steht ein Widder, zur L. ein 50 Friederichs, Apollo mit dem Lamm, 21. WTinckel-
Ziegenbock; auf beiden Tieren ritt je ein mannsprogr. der arch. Gesellsch. zu Berlin 1861.
Genius, vgl. den von einem Widder in vollem Overbeck, Gesch. der griech. Plast. I4 Fig. 65, 1
Lauf getragenen geflügelten Eros, Athen. Mitt. p. 245), die den Gott bartlos als Widderträger
2, 421 nr. 262. In einer Marmorstatuette im darstellt, mit „breiten, aber tief hängenden
Landesmuseum zu Agram hält der nackte Gott, Schultern, schmächtigem Leibe, schmalem
der in der L. das Kerykeion trägt, in der ge- Becken, symmetrisch gestellten und gehal-
senkten R. den Beutel zwischen den Hörnern tenen Beinen und Armen und ausdruckslosem
des zu seinen Füfscn kauernden Bockes, Kopfe mit seiner konventionellen Perücke"
Arcltäol. epigr. Mut. aus Österr. 3 (1879), {Overbeck a. a. 0. 244), als die des Apollon —
166 nr. 7. Interessant ist die Verbindung des 60 so Overbeck a. a. 0. Veyries a. a. 0. 15. de Ghanot
Hermes mit Hygieia auf einem römischen Denk- a. a. 0. 102. Friederichs a. a. 0. und Berlins all-
stem — ein monumentaler Beleg für die Bd. 1 tike Bildwerke 2 nr. 1823 p. 384 f. , der sich vor
Sp. 2379 Z. 42 angeführte Stelle aus Comutus allen Dingen auf die Bartlosigkeit beruft —
— wo wir neben Hermes den Widder und zu erklären haben oder als die des Hermes
Hahn finden, Haug, Die römischen Denksteine Kriophoros, wie Stephani, Compte-rendu 1869 97.
des Grofsherzogl. Antiquariums in Mannheim Heibig, Bulletino 1871 119. von Duhn, Annali
(Progr. Mannheim 1875/77) p. 47 nr. 65; vgl. p. 19 1879 138 nr. 22 a, vgl. 143 ff., und früher auch
nr. 11. Auf einer Ejäria, (Gerhard, Vasenb. 19, 1. Overbeck, Kunstmythologie, Apollon 366.
Röscher, Lexikon der gr. u. röm. Mythol. ü. 46
1443 Kriophoros Kriophoros 1444
Warum gerade der Widder so eng ver- Kugeln (Blitzen!) auf glühende Kegel schiebt;
bunden mit Hermes erseheint, sagt Paus. 2,3, 4 nach einem furchtbaren Krach verschwindet
jruofCtJjv.E öi of (dem Hermes) v.Qiog, ozi alles. cEine naturwahre Beschreibung des Ge-
'EQiifjg fi äX iozcc dov.si &£<äv icpogäv v.al witters , in welcher der Vorgang , trotz my-
uv£,£iv noCav ug, v.afrii ärj v.al "Ourtqog iv thischer Ausschmückung, deutlich genug her-
'iXiäSi inoirtaiv (14,489)' vibv Q^ögßavzog no- vortritt. In dem Bock erkenne ich die heftigen
Xvur{Xov, zov §a y.äXieza \ 'Egusiag Tocöiav Zusammenstöfse, eine wahre arietatio, von
tcpiXii v.al nzijoiv oitaeee (vgl. Bd. 1 Sp. 2377). Wind und Wetter, vgl. den mythischen
zov d'i lv xzlizfj MnzQog ini'Eotifj Xsyöaavov A'ofoe.' Vgl. Lauer a. a. 0. 27, der auf den
■/.cd zä> v.qicö Xoyov iniozäjisvog ov Xsyco. Also 10 gleichen Wortstamm in v.hgavvög, xigag und
es ist zunächst Hermes als Schutzgott der «oiög hinweist. Schwarte, Die poetischen jS'atur-
Herden (Bd. 1 Sp. 2378), der cdas Tier, das er anschauungen d. Griechen, Römer u. Deutschen
schützt und hegt, traulich auf die Schulter 2, 159f. bringt den Hermes Kriophoros, der
legt, ganz wie im Leben der Hirt mit seinem den Ort umwandelt, den er schützen will,
Schäfchen verfährt', Friederichs, Berlins ant. mit dem herumziehenden Gewitter in Zu-
Bildu. 2 nr. 1823; vgl. Stark, Bei: d. K. S. sammenhang. Hermes trägt den Widder als
Geseüsch. d.Wissensch. 12 (1860), 16. Arch. Zeit. eine Art Aigis (Widder-Fell) herum, und
26 (1868), 55; darauf weist auch der schon die Menschen ahmten es äufserlich in dem
oben erwähnte Kultverein des Hermes Krio- Wahne nach, desselben Nutzens in der Not
phoros mit Apollon Karneios im Haine Kar- 20 teilhaftig zu werden. Nach Conze, Heroen-
nasion hin {Paus. 4, 33, 4) und die Bestimmung und Gottergestaltcn 34 mag bei der Zuteilung
der Mysterieninschrift von Andania, zu des Widders zum Hermes aufsei" der Be-
dessen Gebiete jener Hain gehörte, &vadvzco ziehung auf ihn als Herdengott noch eine
zä [ihv z/ßfjarpt avv inizoY.c<,'Eo(iä vi v.qi6v, zweite Beziehung mitgewirkt haben. 'Wir
MsyciXoig &ioL~g düiiaXiv avv, 'AitoXXmvi Rag- sprechen den Kindern von Schäfchen am
vsta v.utzqov, Abltandl. der Gotting. Gesellsch. Himmel, und im weifswolligen Fell die
d. II iss. 8,233. 239. Auch hier erscheint Hermes Wolke zu sehen, entspricht auch altgriechi-
wiederum im engen Verein mit Apollon Kar- scher Anschauung. Wolken und Hegen zu
neios und ist, wie bei Paus. 2, 3, 4 mit den erflehen, gingen Männer mit Schaffellen
Mysterien der Göttermutter, so hier mit denen 30 zum Peliongebirge hinauf. So mag einlv atur-
der Demeter verbunden. Welche Bolle der symbol für himmlische Erscheinung im
Widder bei der Mysterienfeier spielte, darüber Widder des Hermes wie im Bogen der Artemis
sind wir nur auf Vermutungen angewiesen. verborgen liegen, wenn man bei der Bildform
Steht vielleicht die Erzählung der Tanagraier auch bald nur . . beim Widder des Hermes an den
bei Paus. -9, 22, 1 damit im Zusammenhang? — gutenHirten dachte.' — Hermes ist, wieBoseher,
Stark a.a.O. 16 bezeichnet den Widder als Hermes d. 'Windgott, überzeugend nachgewiesen
Symbol der Herde überhaupt und des Weide- hat, der Wind- und Luftgott, und als solcher
lebena, der Zeugung, des Reichtums, des strö- schnell gedacht (Bd. 1 Sp. 2360 Z. 56 11'.;
menden Kegens und Segens, des Sühneopfers; • Sp. 2367 Z.40if.); daher sind ihm der schnelle
ähnlich sagt Gerhard, Phrixos der Herold, 40 Widder (y.al yag za%v zb '£äov, Artemid.
Ges. Abhandl.2,ö09: Hermes, dem Sehöpfungs- 2, 12) und die diesem nahestehenden Ziegen
gott, ist der Widder beigeordnet als Ausdruck (aiyag heifsen die vom Winde aufgetürmten
der derben Schöpfungskraft früher Natur- und hohen Wogen, Artemid. a. a. 0., £izaiyi'£siv
Bildungszustände, ein Ausdruck, von detn astro- wird vom Daherfahren des Windes gebraucht;
nomi^che, atmosphärische oder etwaige andere vgl. auch Schol. Lucophr. 135) heilig; wir haben
Begriffe, der Widder im Tierkreis ode.r die in dem Widder das Sinnbild des Windes und
Widderwolke im Dunstkreis, wie Forchhammer, Wetters — ist lautlich im Deutschen ein
Hellenika 1, 201 annimmt, erst abgeleitet sein Zusammenhang zwischenWidder und Wetter
können ... der Widder des Hermes ist .. Symbol (Gewitter) anzunehmen? — zu erblicken, den
der Sonne sowohl als des Regens; .... er war 50 der Windgott selbst auf seine Schultern
auch, von Hermes im Kreislauf bewegt, ein nahm, um Tanagra von der wohl durch ver-
Pest und Unheil abwendendes Sinnbild pestete Luft entstandenen Seuche zu be-
des kreisenden Jahres. Lauer, Arch. Zeit. 7 freien, vgl. Bd. 1 Sp. 2379; zu den von Boscher
(1849), 25 sagt: Dafs aber namentlich der a. a. 0. 79f. gesammelten Stellen über die luft-
Hernies Kriophoros ein Regen bringen- reinigende Kraft der Winde tüge ich die schla-
der, folglich der Widder ein Symbol der gende Inschrift aus Delos hinzu 'Avsuoig ün co-
Wolke sei, zeigt der Gebrauch der Tanagraier, Giv.uv.oig, Newton, Anc. greek inscr. in the
die zur Abwehr der Pest an dem Feste des Brit. Mus. 2, 370.
Hermes einen Widder um ihre Mauern trugen; Andere widdertragende Gottheiten:
Stephani, Compte-rendu 1869 105 weist auf den 60 1) Apollon (s. oben). — 2) Den Aristaios
engen Zusammenhang hin, den man zwischen erkennt K. Blondel bei Daremberg - Saglio,
ZiegenundWidderneinerseits und Stürmen Dictionnaire des antiauite's greegues et romaines
und Gewitterwolken andererseits zu be- p. 425 s. v. Aristaeus in zwei Bronzen des
merken glaubte. Pütt, Zahlen von kosmischer Louvre, de Longpe'rier, Kotice des bronzes ant.
Bedeutung, Zeitschrift für Völkerpsych. und du Musee de Louvre 499. 450 (abgeb. Darem-
Sprachwiss. 14 (1883), 146 teilt eine Sage aus berg a. a. 0. p. 424 nr. 519), wo er in der Klei-
Drübeck mit, in der ein Ziegenbocksreiter auf düng eines jungen Hirten den Widder auf der
einer Kegelbahn erscheint und mit glühenden Schulter trägt; de Chanot a. a. 0. 102 läfst nur
1445 Krios Kriseis 1446
die Bronze 499^18 Aristaios gelten, nr. 500 beim Schal, zu Tl. A611: navxa xcc eis -ig
ist nach ihm a. a. 0. Anm. 2 der christliche \r\yovxu . - . dnlvv.ä 6t,vvho9cti ftiXti oiuv Kqi-
bon pasteur; vgl. auch Veyries a. a. 0. 57 f. — 9"?i's, Bgiontg, ®atg, Actiq -a.xX. Lobeclc, Parall.
Welcher, Griech. Götterl. 1, 489 und Blondel 197 will statt KQKpijig KiQcpnl'g lesen. Noch
a. a. 0. glaubten den Aristaios auch auf einem naher scheint mir KQi&ntg (s. d.) oder Kqtj-
Gemälde — nicht Relief, wie beide irrtümlich d-rjt'g (s. d.) zu liegen. [Röscher. J
(vgl. auch Bd. 1 Sp. 550 Z. 55 ff.) angeben — Kris(s)a (Kqig(o)u). Auf einer schwarz -
aus Kyrene zu erkennen (abgeb. Pacho, Be- figurigen Hydria der Sammlung Pourtales (abg.
lation d'un voyage dans la Marmarique, Ja Lenormant-de Witte, Elite des Monuments
Cyrenaigue etc. p.376 Atlas pl. 51!; doch scheint 10 Ceramogr. 2 pl. 36C) will der Herausgeber
es, wie Pacho a. a. 0. de Chanot a. a. 0. 103 a. a. 0. p. 112 in der zwischen Apollon und
Anm. 5 bemerken, den christlichen guten Hirten Hermes stehenden Göttin die Stadtgöttin von
darzustellen; darauf weisen wohl auch die Fische, Krissa erkennen und ebenso auf einer Vase
die es im Umkreise umgeben. — 3) Widder- der Sammlung Hamilton (abg. a. a. 0. pl. 74a,
tragende Seilene a) Bronze aus dem alten p. 225). [Höfer.]
Vienna, abgeb. Gaz. archeol. 4 (1878) pl. 6; Krisainis (K^iaafiig, hie und da auch Kqio-
vgl. de Chanot ebend. 1 7 ff. ; die Brust des aaaig und Kicaaaig). Suidas sagt s. v. Kgioapig.
Trägers wird vom Obergewand freigelassen, Käog. ovxog r\i> TCokv&Qitiuaxog. xovxa cpaair
vgl. A.Schneider a. a. 0. 349 Anm. 2. — b) Ganz ~iy%tlvv &tiv [tpav^vcu Hesych.] Kai xb v.al-
ähnliche Darstellung, nur ist die Brust bedeckt, 20 kioxov xäv aQoßcixwv agad^iv, xal xbv Kgi-
Bronze im Museum zu Florenz, Gori,Mus.Htrusc. aufiiv uveIsiv avxr]v. tyuivoaivrjv ä' avxä bvag
pl. 65, 1. 2; vgl. de Chanot a. a. 0. 100. — nelsvacci Kaxa&dipai avxr,v. xbv äh firj cpgovxi-
c) Bronze im Cabinet des medailles, Clarac aavxa 7ictyysvsi änolia^ai. Dieselbe Geschichte
pl. 726h, 1791 d; von Clarac 4, 374 als Hirt steht auch bei Photios p. 179, 10; Hesych. s. v.
bezeichnet; es ist aber entschieden ein Silen. und Zenobios (4, 64 p. 102). Der Mythos scheint
— d) Bronze der Sammlung Aug. Dutuit, Lc- eine Parallele zu sein zu der Sage vom Kampf
normant, Antiq/uites de la coli. Dutuit nr. 13 zwischen dem eingeborenen Koer Polybotes
(abgeb. Gag. archeol. 5 (1879) pl. 29; vgl. (s. d.) und Poseidon. Auch Polybotes wird
de Chanot ebend. 210). — i) Jugendlicher vernichtet (wie Krisamis), und seine Gegnerin,
Pan, ein Böcklein auf den Schultern tragend, 30 die iyxslvg, ist Repräsentantin des Poseidon
Friederichs , Berlins antike Bildiv. nr. 1968 und mit dessen Kult zugleich über Chalkis
p. 420. — 5) Jugendliche Gottheit, a) Bronze aus Boiotien eingeführt {Tümpel, Philologus
aus dem alten Sidon (Memoir. de l'Acad. des N. F. 4 S. 628 mit A. 56. Bhein. Mus. 46
inscr. 20 2B part. pl. 4, 1; — b) Altarrelief, S. 548 f.). Als Mitkämpferin des Poseidon gegen
Mus. Capit. 4 p. 77. Memoir. de VAcad. des Polybotes erkennt Tümpel die tyxskvg auf
inscr. a. a. 0. pl. 1, 2. — c) Bronze aus Myrina, zwei Reliefdarstellungen der bei Jekaterinoslaw
abgeb. Veyries a. a. 0. 60. — Lajard, Arch. gefundenen, jetzt in Petersburg befindlichen
Anzeig. 9 (1851), 51 f. nannte das widder- Phalerä (CompteBendup. l.'a. ISGö T. 5. über-
tragende Kind aus Sidon Eros Kriophoros; heck, Kunstmyth. Poseidon. Text S. 333 nr. 28),
de Chanot , Gaz. archeol. 4, 103 sah darin eine 40 wo eine unter den Vorderfüfsen des Poseidon-
jugendliche mystische Gottheit, und Lenor- rosses sich hoch aufbäumende Wasser-
mant, Gaz. archeol. 4, 164ff., dem sich Veyries schlänge den als ganz gerüsteten Held ge-
a. a. 0. 61 anschliefst, den Adonis. Eine bildeten Giganten in das Bein zu beifsen oder
andere jugendliche widdertragende Fignr — sich um dasselbe zu schlingen im Begriff ist
ob mythologisch? — ist abgebildet Gaz. archeol. (a. 0. 622f. 627). Die syxtXvg ist hier wie
10 (1885) pl. 25; vgl. Beinach ebend. 214ff. auf einigen von M. Mayer, Gigant, u. Titan.
[Höfer.] 190, 104 zusammengestellten Denkmälern und
Krios (Agios), 1) ein alter König in Euböa, vom Lucan- Scholl asten 3, 189 als draco auf-
dessen Sohn der von Apollon getütete über- gefafst. Vgl. auch Dibbelt, Quaest. Coae mythol.
mutige Räuber Python war, Paus. 10, 6, 3. — 50 Dissert. v. Greifswald 1891 S. 14f. [Ist dieser
2) Sohn des Theokies, Seher zu Sparta zur Krisamis vielleicht identisch mit Krisamis, dem
Zeit der Achäerherrschaft, in dessen Hause Könige von Kos, dessen Ahnherr Asklepios
der Gott Karneios - Oiketas verehrt ward. war und von welchem der berühmte Arzt
Er verhalf den Doriem zur Erbauung von Hippokrates Bein Geschlecht ableitete? Hippo-
Sparta, Paus. 3, 13, 2. 3. [Wide, Lakon. krat. ep.% epistologr. ed. Hercher p. 289. Höfer.J
Kulte 84. 356. R] — 3) Heros Eponymos [Röscher u. Tümpel.]
des attischen Demos Krioa, Polemon b. Schal. Krisea Epidauios, Beiname der Demeter in
Aristoph. Av. 645. — 4) Pädagog des Phrixos, einer Inschrift aus dem Dorfe Degle bei Or-
der diesen vor den Nachstellungen der Stief- chomenos, C. I. Gr. Graeciae septentr. 1 nr. 3213:
mutter nach Kolchis rettete, Dionys. Mityl. 60 ZavfisiXa Ilov&iovog Jafiuxscii KQiaqri sntödfiv
b. Schal. Ap. Bh. 1, 256. 2, 1144. 4, 119. 177; «ve'ö-eixe. [Drexler.]
vgl. Diod.i,47. Palaiphat. Incredib. 31. Müller, Kriseis (Kgiasig) = Chryseis, auf einer Vase
Orch. 172. \Reraclit. de ineredibil. 24. Schol. aus Suessula, abg. Gazette archeol. 6 (1880)
Lucian p. 188 Jacobitz. Georg. Sytikell. 1 p. 304 pl. 7; vgl. Bulletino 1879 152; hinter ihr steht
ed. Bonn.; vgl. auch Jahrb. d.K.D. arch. Inst. ihr Vater Kriseus (Kciiasvg), der auf der ta-
3 (1888), 232. Höfer.] — 5) = Kreios, einer bula Iliaca ähnlich Kgvang heilst, Inghirami,
der Titanen (s. d.). Mayer, Gigant. 58 f. [Stoll.] Gall. Omer. 1 pl. 5. J . de Witte, Gazette archeol.
• Kripheis2 (KQicprfig) , zweifelhafter Name a. a. 0. 63 und Anm. 3. Lenormant, Gazette
46*
1447 Kriseus Kritheis 1448
des Beaux-Arts 21 (1880), 111. P. Kretschmer die von Ulrichs, Abh. ~M.vmeh.Ak. Phüos.-Philöl.
in Kuhns Zeitschr. f. vergl. Sprachforsch. 29 Kl. 3, 1 (1840) S. 75ff. ; sowie Seisen u. F.
(1888), 433 Anin. 2; 447 und Anm. Den Raab 1 S. 19 nachgewiesen ist: Kirrha war die Hafen-
der Chryseis will Frühner (Terres cuites d'Asie stadt von Krisa. — Natürlich ist der Name
de la collection Greau pl. 119; vgl. Gazette des Krisos nach der Stadt Krisa gebildet, als
arch. 11 (1886), 296. Bevue arch. 19 (,1892), deren Stammheros er gedacht war; in diesem
153 Anm.) auf einer Terracotte erkennen. Zur Sinne heifst er auch ein Sobn des Landesheros
Etymologie von Chryseis und Chryses s. Pott Phokos, gerade wie sein Bruder Panopeus. Der
in Kuhns Zeitschr. f. vergl. Sprachforsch. 9 Streit mit diesem deutet auf die alte Feind-
(1860), 178. [Höfer.] 10 schaff zwischen den Krisäern und den Phlegyern
Kriseus (Kqies 's) = Chryses, s. Bd. 1 Sp. 902 von Panopeus, vgl. Paus. 10, 4, 1. 7, 1. 9, 36,
Z. 42 ; vgl. auch Gaz. arch. 6 (1880) pl. 7. De 2. 0. Müller, Urchomenos S. 184. Preller, Be-
Witte, Gaz. arch. a. a. 0. p. 63 Anm. 3 ver- richte der Sachs. Ges. d. W. 1854 S. 119 ff.
weist auf Inghirami, Galt. Omer. 1 pl. 5, wo (Vgl. unter Phakos, Strophios, Panopeus).
er KQvarjg (?) genannt wird; seine Tochter trägt [Im Schol. Eur. Troad. 9 Schwarte (vgl. Tzets.
auf obigem Vasengemälde die Beischrift Kgvesig Lyk. 1070) heifst er gleichfalls Sohn des Phokos
(sie!). [Höfer.] und der Asterodia, Bruder des Panopeus und
Krisitha (Crisitha). Auf einem Praenesti- Gründer von Krisa; im Schol. Eier. Or. 1233
sehen Spiegel (abg. Gerhard, Etrusk. Spiegel wird als seine Gemahlin Kydragora, die Tochter
331; vgl Bulletino 1859, 37f. Arch. Anz. 20 des Areus, genannt. Vgl. auch Meineice,
1860, 86f. Gerhard, Über die Metallspiegel Sci/mni Periegesis p. 70f. Gemoll zu Hom.
der Etrusker, Berl. Akad. 1859, 474 = Ge- Hymn. in Apoll. 269. Höfer.] [Weniger.]
sammelte akad. Abhandl. 2, 301 nr. 331) im Kvithei's ( Kgi&nLg, auch KQrjS-rjig), eine
Palast Barberini finden sich die Beischriften Nymphe, "welche bei Smyrua mit dem Flufs-
Turan (Venus), Menle (Menelaos), Crisitha, gott Meles den Dichter Homeros zeugte, wes-
Eris, lrisis, Tebcrum (Teuthun? Tefcrun?). halb dieser Melesigenes heifst, Cert. Hesiodi
Gerhard, Etruslc. Spiegel 4, 5 (Troischer Sagen- et Hom. 1 u. 2 (p. 34, 10 Westerm.). Genus
kreis) p. 25 erkennt in der Darstellung die Hom. 27. 3 Westerm. Tzetz. in lliad. p. 8.
beabsichtigte Abreise des Menelaos nach Kreta, Suid. y."Opr{Qog. Eine Dryade nennt sie Lv.kian
von der ihm Helena abzuhalten suche. Denn 30 Demosth. enc. 9. Oder: der Kymäer Apelles
nach Gerhard a. a. 0. verbirgt sich unter dem gab bei seinem Tode die Tochter Krithe'is in
Namen Crisitha eben nur Helena: „In der die Obhut seines Bruders Maiou; der aber
That dürfte es wenig Bedenken haben, im Namen schwächte sie und gab sie dem Smyrnäer
Crisitha das Prädikat einer 'goldigen' Helena, Phemios in die Ehe. Sie gebar, als sie zum
dem bekannten Beinamen ihrer Schutzgöttin, Flusse Meles waschen ging, den Homeros
der 'goldigen' Aphrodite, und allem Gold hoch- (Melesigenes), Epihoros bei Plut. de vit. et
zeitlicher Feier nachgebildet, zu erkennen." poesi Hom. c. 2. Oder Krithe'is war eine Jung-
[Höfer.] trau aus los, welche, von einem Dämon aus
Krisos (Kgioog), Sohn des Aiakiden Phokos der Umgebung der Musen schwanger, von
nach dem Ependichter Asios bei Paus. 2 , 29, 40 Räubern nach Smyrna gebracht und von dem
4 (Kinkel, Epic. Gr. Fr. 1 p. 204); Steph. Lyderkönig Maion zum Weibe genommen
B. Kqlocc. Schol. Eur. Or. 33. Seine Mutter wurde. Sie gebar den Homer am Meles, und
heifst Asteria nach Tzetzes zu Lykopin. 53, da sie sogleich nach der Geburt starb, so
Asterodia ebd. zu 939. Schol. IL 2,520; sie ist zog Maion den Homer wie seinen Sohn auf,
die Tochter des De'ioneus (s. oben s. v. Asterodia Aristoteles b. Plut. Vit. Hom. c. 3. — Ein
und Deion), offenbar dieselbe, welche bei Apid. Bild, die Liebe der Nymphe Krithe'is und des
1, 9, 4 Asteropeia genannt und als T. des Meles darstellend, bei Pliilostr. 2, 8. Welcher,
Phokerkönigs De'ion und der Diomede, T. des Ep. Cykl. 1, 147 ff. Lobeck, Agl. 1, 322 f.
Xuthos, bezeichnet wird. Bei schol. II. 2, 520 Preller, Gr. Myth. 2, 494. Gerhard 2 § 641, 4. —
heifst sein Vater Tyrannos. Sein Zwillings- do [Nach Pseudo-Hcrodot. vit. Hom. lff. zeugte
bruder "war Panopeus (s. d.) (Paus. 2, 29, 4. Melanopos (vgl. Hcllanikos, Damastes und
Schol. Eur. Or. 33), mit dem er sich schon im Pherekydes bei Proclus vit. Hom. p. 25 IVester-
Mutterleibe gestritten haben soll (Tzetzes zu mann), der von Magnesia nach Kynie ausge-
Lykophr. 939). Bei schol. II. 2, 520 wird Dau- wandert war — Melampus nennt ihn Pott in
lieus ein Sohn des Tyrannos und der Chrestone Kuhns Zeitschr. f. vergl. Sprachforsch. 9 (1S60)
genannt. Danach wäre derselbe ein Halb- 1S2 — mit einer Tochter des Ornyres die
bruder des Krisos. Gemahlin des Krisos war Kritheis; sterbend empfiehlt er dieselbe dem
Antiphateia, die Tochter des Naubolos (Schol. Argiver Kleanax. Da aber Kritheis von einem
Eur. Or. 33), beider Sohn Strophios, der Vater (nicht näher bezeichneten) Manne schwanger
des Pylades (Paus. 2, 29, 4. Schol. Eur. Or. 33). 60 wird, übergiebt sie Kleanax seinem Freunde,
Krisos erbaute die an dem Südabhange des dem Boioter Ismenias, um sie nach dem eben
Parnassos über einer fruchtbaren Ebene ge- von Kymaiern gegründeten Smyrna mitzu-
legene phokische Stadt Krisa (Schol. Eur. Or. nehmen. Hier gebiert Kritheis bei der Feier
33), welche von ihm den Namen hat (Steph. B. eines Festes am Ufer des Flusses Meles den
s. v. Schol. II. 2, 520). Die Bemerkung des Homeros und nennt ihn daher Melesigenes.
schol. Eur. Or. 33, dafs er Kirrha gründete, Bald darauf verläfst sie den Ismenias und er-
welches früher Krisa geheifsen habe, beruht nährt sich und ihren Sohn durch ihrer Hände
auf einer öfter vorkommenden Verwechselung, Arbeit. Der Sruyrnaier Phemios (vgl. Plut.
1449 Kritheus Kromniyo(n) 1450
de vita et poesi Homeri 1, 2) nimmt sie als Reden schrieben, Paus. 1, 38, 2. Beklier, Anecd.
Arbeiterin in sein Haus auf, heiratet sie später Lex. Bhet. p. 273. Httipokr. v. KotgoivCSat.
und adoptiert ihren Sohn. ■ — Eine Münze von Suid. KvgcaviSai. Eine Tochter des Krokon
Eyme mit der Legende "Ourjgog. Kviiaimv Meganeira [statt MEFavstgag wird mit Horcher
stellt Eritheis mit Chiton und Himation be- METctvsi'gctg zu lesen sein. Höfer] war mit
kleidet dar; das letztere hebt sie mit der R., Arkas vermählt, Apollod. 3, 9, 1. Bofsler,
in der L. hält sie ein Scepter; Imhoof -Blumer, De gent. et fam. Att. sac. p. 44. Müller, Eleu-
Mon. grec. p. 273 nr. 224a; eine ähnliche sintert. § 7 (Ersch. u. Gruber 1, 33 p. 273).
MünzemitgleieherDarstellungundderUmschrift Gerhard, Gr. M. 1 § 432, 2. Vofs zu Hom.
Kgrj&iig bei Mionnet, Suppl. 6, 15, 199. Imhoof 10 LT. in Cer. 153. 474. [Vgl besonders über
a. a. 0. Head, Mist. mim. 479. Höfer.] [Stoll.] Krokon und die Krokoniden Toepffer a. a. 0.
Kritheus (Kgtdtvg), Sohn des Aiolos, sonst lOlff. 139 Anm. 1, der nachzuweisen sucht,
Krethens (s. d.) genannt Schol. Hont. IL 2, 591; dafs Krokon nur in Eleusis als Sohn des Trip-
auch Schol. Hom. II. 10, 2 findet sich die tolemos galt, anderswo nicht; aufser zu dem
Lesart Kgi&tvg; ähnlich kommt Kgidr/tg (s. d.) Demeterknlt hatten die Krokoniden auch nahe
neben Kgrj&rfig (s. d.), vor, und auf einer In- Berührungspunkte zum Kultus des Dionysos
schritt C. I. G. 1, 1120 findet sich der Personen- und der Hestia, Toepffer a.a.O. 105f. 107 f.
narne Kgrjxrtvg neben Kgt&tvg. [Höfer.] Höfer.] [Stoll.]
Kritlion (Kgt&cov). Vater des Ithagenes, Krokos (Kgoy.og) , ein Jüngling, der wegen
Grofsvater des Melanopos ('s. Eritheis); Pseudo- 20 seiner unglücklichen Liebe zur Smilax in eine
Herod. vita Hont. 1. [Höfer.] Safranstaude verwandelt wurde; Smilax wurde
Kritobule (Kgizoßov Xrj), Mutter des Thrakers die gleichnamige Pflanze, Ov. Met. 4, 283.
Pangaios von Ares, Flut, de fluv. 3, 2. [Stoll.] Serc. Yerg. Ge. 4, 182. Konn. TJion. 12, 86.
Kritolaos (Kgnäluos), Sohn des Hiketaon, Galen t. 13 p. 608. [Crocus auricomans, Auson.
Gemahl der Aristomache, einer Tochter des Ctipid. cruc. 11 p. 110 Peipcr. Plin. n. h. 16,
Priamos, Stesicltoros in den Nöazot, bei Paus. 154. Dierbach, Flora 3iythologica 130 f.; vgl.
10, 26, 1 = /';•. 33 Bergk 34 p. 219. [Höfer.] 201. Höfer.] [Stoll.]
Kritomedeia (KgizotirjStia), Tochter des Krommyon, -o? (Kgo[ifivcov, -tat). Auf der
Danaos, vermählt mit Antipaphos, Hyg. f. 170. Durisschale (Brit. Mus. 824 abgeb. Gerhard,
[Stoll.] 30 Auserl. Vasenb. 3 Taf. 234 = Baumeister, Den/ihm.
Kroismos (Kgotou-og), ein Troer, von Meges nr. 1873 p. 1789) erkennt P. J. Meyer, Duris-
erlegt, IL 15, 523. [Tzetz. arg. et alleg. II. 9, schalen, Arch. Ztg. 41 (1883), 19 Anm. 41 in
41 in Anecd. Matranga 1, 86. Höfer.] [Stoll.] der ältlichen Frau, die mit lebhafter Bewegung
Krokale (Kgoy.ä?.rj), Tochter des Flusses der Hände und dem Ausdruck des Schreckens
Ismenos, Nymphe und Dienerin der Artemis, die von Theseus bereits mit dem Speere durch-
Ov. Met. 3, 169; [s. Pütt in Kuhns Zeitschr. f. bohrte und von dem Helden mit dem Schwerte
vergl. Sprachforsch. 6(1857), 411. Höfer.] [Stoll.] angegriffene krommyonische Sau zu schützen
Krokalos s. Krotalos. sucht, die Vertreterin von Krommyon; ähnlich
Ejokeates (Kgonscizag), Beiname des Zeus hatte schon Gerhard a. a. 0., (vgl. I'anofktt,
von dem bei Gytheion in Lakonien gelegenen 40 Arch. Zeitg. 15, 87. Baumeister a. a. 0. p. 1787)
Flecken Krokeai, wo eine steinerne Statue des sie als Ortsnymphe von Krommyon bezeichnet
Gottes stand, Paus. 3, 21, 4. [Höfer.] und sie Phaia genannt, indem er meinte, dafs
Krokodike (Kgoy.odiy.rj), eine thrakische von dem Wildschwein — denn <I>uiu {<&aia
Jungfrau, in Zauber und Beschwörung erfahren Steph. Byz. s. v. Ti)) Flut. Thes. 9. Steph.
wie Medeia und Agamede, Arrian bei Eustath. Byz. s. v. Kgstxfivmv war der eigentliche Name
Dionys. Per. 322. Eustath. Hom. p. 881, 60. der krommyonischen Sau — der Name Phaia
1493, 48. 1657, 53. [Stoll.] auch auf die Ortsnymphe übergegangen sei.
Krokon (Kgov.mv), ein alter König im Ge- Gegen diese Auffassung erhebt 31. Lehnerdt,
biet von Eleusis, der an der Grenze des athe- Arch. Ztg. 43 (1885), 116 f. lebhaften "Wider-
nischen Gebietes seinen Sitz an der Stelle 50 sprach; er sagt: „Man hat diese Frau Phaia
hatte, welche noch zu Pausattiai' Zeit Kgo- genannt und in ihr die Nymphe der Gegend
y.tovog ßuoO.ttu hiefs. Er hatte zum Weibe um Krommyon gesehen, welche ihr Tier vor
Saisara, die Tochter des Keleos, war Sohn dem Helden zu schützen suche. Das erstere
des Triptolemos und hatte den Koiron zum ganz ohne Grund .... Die ungewöhnliche
unehelichen Bruder. Diese Brüder waren die Darstellung einer Nymphe als einer alten Frau
Ahnherren der athenischen, mit dem eleusi- könnte mit dem Namen des Tieres <Pcad „die
nischen Demeterkult in Beziehung stehenden Graue" [darauf hatte schon Panofka a. a. 0.
Priestergeschlechter Kgoy.wvidai und Koigca- aufmerksam gemacht) zusammenhängen, ob-
vi'Sai, von denen die Krokoniden in gröfserer wohl es wahrscheinlicher ist, dafs wir hier eine
Ehre standen. Der Name Krokon ist her- 60 Lücke in unserer Überlieferung anzunehmen
genommen vom Umbinden priesterlicher Wolle. haben." Diese Lücke ist glücklicherweise
[Ol fivazci ygoy-tj y.uxaSovvzai zr)v äs^iäv ^fi(ja jetzt ausgefüllt durch die von P. VJagncr her-
KOfL zöv ägiBzzgov TiöSa , y-al xovzo Xiyszcu ausgegebene Epit. Vat. Apollod. 1, 1 p. 54:
xgoyovv; Bekker, an. 1, 273. Photius s. v. zgixtjv ly.raivsv (Theseus) iv Kgofi^vmvi avv
v.goy.ovv; vgl. Toepffer, Att. Geneal. 103. 25. zr)v v.alov fjLavrjv Qaiav imo (ccitb Wagner,
Höfer.] Beide Geschlechter hatten über irgend Comm. Bibb. p. 144) zr)g Q-gitpäang ygaög
eine priesterliche Funktion einen Rechtsstreit, avxrjv. Also die Amme der krommyonischen
für welchen Lykurg (oder Philinos) und Dinarch Sau haben wir auf obiger Darstellung sowie
1451
Krommyo(n)
Kronos (bei Homer)
1452
auf den folgenden zu erblicken: 1) rotfigurige
Trinksehale im Museo civico zu Verona, abg.
Ärch. Zig. 43 Taf. 7, lb [hier ist die Sau noch
unverletzt; die Amme streckt die Rechte zur
Abwehr vor, während sie sich mit der Linken
auf einen langen Stab stützt: ihr Nacken ist
gebeugt] ; — 2) rotfigurige attische Vase Brit.
Mus. 824* abg. Joum. of hell. stud. 2 (1880)
pl. 10; — 3) ebensolche Brit. Mus. 825. Cat.
Dur. 348; vgl. Conze, Nuove Memoire dell'
Instit. 418; — 4) Sammlung Camino (1845) 75;
— 5) Brit. Mus. 826. De Witte, Description
d'une Collection de Vases Peints et Bronzes
Antiques provenant des Fouilles de TEtrurie
nr. 111 p. 65; vgl. 0. Jahn, Ärch. Ztg. 23, 23
Anm. 3. W. Gurlitt, Das Alter der Bildwerke
und die Bauzeit des sog. Theseion in Athen
42 ff. 52 f. und die dort angeführte Litteratur.
Lehnerdt, Arch. Ztg. 43, 116 Anm. 21. M. Mayer,
ebd. 125). — 6) Brit. Mus., A Guide to the first
vase room (1879) p. 22 nr. 125 und als solche
mufste sie natürlich als ältliche Frau gezeichnet
werden.*) Richtig ist daher auch offenbar trotz
Jahns Widerspruch Arch. Ztg. 23, 19 die von
Fanofka gegebene Deutung der in Nocera ausge-
grabenen, von Minervini, Bull. arch. Kap. 5
Taf.6, 2 publiciertenLekythosmitrotenFiguren,
auf dem eine Frau einem herbeieilenden Schweine
aus einer Schale Futter streut: es ist, wenn
auch nicht die Ortsnymphe von Krommyon,
wie Panofka wollte — Phaia, die Amme der
krommyonischen Sau. — Der Kampf des
Theseus mit letzterer war auch dargestellt auf
den Metopen des sog. Theseions; die leider
nur verstümmelt erhaltene Reliefdarstellung
(abg. Stuart, Ant. of Athens 3, 1 pl. 13, 4.
Müller-Wieseler, D. d. a. K. 1, 20. 108. Bau-
meister a. a. 0. nr. 1866 p. 1781; vgl. p. 1791.
Gurlitt a. a. 0. 34. 53 und Anm. 1) zeigt das
Ungetümsich gegen denHeldenanfbäumend und
seine Vorderfüfae auf dessen Hüfte setzend;
weiteres ist nicht zu erkennen. Die Sau selbstwar
von Echidna, die ia als Mutter vieler mythischer
Tiere (Bd. 1 Sp. 1212 Z. 46 ff.) gilt, und Typhon
gezeugt, Apollod. a. a. 0.; nach Strabo 8, 380
(daraus z. T. Steph. Bijz. s. v. Kgifi^vaiv) war
sie die Mutter des kalydonischen Ebers, nach
Favorinus bei Steph. Byz. a. a. 0. aufserdem
auch noch Mutter des erymanthischen Ebers.
Erst nachdem ihr viele Menschen zum Opfer
gefallen waren (Diod. Sic. 4, 59), wurde sie von
Theseus erlegt, s. aufser den bereits angeführten
Stellen noch Eur. Suppl. 316. Pinto Ladies
26. Flut. Gryll. (brut. rat.) 4. Ol-. Met. 7,
435. Auson. epist. 14, 40 p. 246 Peiper; bei
Patts. 2, 1, 3 KQOfivriv . . . tvxav&a TQatpfjvai
cpaßi %a\ räv Xtyojj,ivo>v 0rjßscos v.zl. sehreibt
Panofka a. a. 0. rgutp^vai <&cciciv avv, ähn-
lich Hase bei Schubart praef. p. 9. — Plut.
Tlies. 9 erwähnt die euhemeristische Deutung,
Phaia sei nicht ein Tier, sondern ein räube-
risches, mörderisches und ausschweifendes
Weib in Krommyon gewesen und habe daher
den Namen Svg erhalten; daher wollte C.
Smith, Joum. of hell. stud. a. a. 0. 62 in
der Nebeneinanderstellung von Weib und Tier
auf den oben angeführten Vasen einen Hin-
*) Vgl. auch Bethe, Arch. Am. 1893 S. S. [Koscher.]
weis auf diesen Bericht des Plutarch, gewisser-
mafsen eine Vereinigung der tierischen und
menschlichen Natur, finden; aber mit Recht
hat Lehnerdt a. a. 0. 117 Anm. 24 darauf
hingewiesen, dafs diese Annahme schon dos-
halb unstatthaft ist, weil wir es bei Plutarch
nicht mit einem wirklichen Mythos, sondern
nur mit einer späteren pragmatischen Um-
deutung zu thun haben. Vgl. Kromos. [Höfer.]
10 Kroinna ( Kgäuva), 1) Auf Münzen der Stadt
Kronina in Paphlagonien erscheint ein weib-
licher Kopf, geschmückt mit Mauerkrone, Ohr-
gehenke und Halsband, durch die Legende
KPQMNA bezeichnet, Catal. of Greek coins. Brit.
Mus. Pontus etc. p. 90. 91 pl. 21 nr. 1. 2. 3. 4
und als the Tyche of the city gedeutet; da-
gegen nennt Head, Hist. man. 433 Kromna
eine Amazone und Gründerin der obigen
Stadt; s. auch Eckhe't ', Doetr. num. 3, 368.
20 Imhoof-Blumer, Mon. grccques p. 230 nr. 12. —
2) Kgöpvr], eine der melischen (Hesiod. Theog.
187) Nymphen, Tzetz. Theog. 102 in Anecd.
Matranga 2, 580. [Höfer.]
ErOmnOS {Kgä(Lvog), Sohn des Lykaon,
Heros Eponymos der arkadischen Stadt Kromna,
die auch Kromnos oder Kromnai hiefs. Steph.
Byz. s. v. Kgüu.vu p. 3S8. Bei Paus. S, 3, 4
heilst er Kromos (Kgäf.iog). [Höfer.]
Kronios 1) s. Kromnos. — 2) Kgöuog, Sohn
30 des Poseidon, von welchem der korinthische
Ort Kromyon den Namen hatte, Paus. 2, 1, 3.
[Stoll.]
Rronides, Kronion, -ios, s. Kronos
Sp. 1461 ff.
Kronios (Kgöviog), 1) Sohn des Zeus und
der rhodisehen Nymphe Himalia, Bruder des
Spartaios und Kytos, Diod. 5, 55. Himalia
die Müllerin, Göttin des Erdesegens, Spartaios
der Säer, Kronios der Reifer, Kytos der Bäcker
40 oder der Speicherer, Beffter, Götterdienste auf
Iihodos 3, 25 ff. Preller, Gr. Myth. 1, 498. —
2) Freier der Hippodameia, von Oinomaos ge-
tötet. Paus. 6, 21, 7. Schol. Find. Ol. 1, 127.
[— 3) = KgoviStjg (Zeus) Pindar. Nem. 6, 61
(105). Höfer.] [Stoll.]
Kronos (Ä'c-öfoj).*)
I. Homer. Titanomachie. Hesiod. Inseln
der Seligen. Goldenes Zeitalter.
1. „In der Ilias heifst Hypnos die Here ihm
schwören bei dem Styx, mit der einen Hand
*) Inhaltsübersicht.
I. Homer. Titanomachie. Hesiod. Inseln der Seligen.
Goldenes Zeitalter.
II. Von Kronos Entsprossene.
TTT. Weitere Entwickelung in Litteratur und Legende.
(Kuher/ieros. Orphiker.)
IV. Kronos alu umoris et jriqoris deus : als Planet, mit
Geburtsgöttin.
V. Örtliche Sagen und Legenden. Höhlenschlaf und
-Orakel. Verhältnis zum Heroenkult.
VI. Herakles und Kronos.
jjO VII. Der orientalische Kronos. 1. Dicerse Gottheiten.
2. Der xog. Moloch.
VIII. Griechische Kultstätten. 1. Olympia-Rhodos-Böotien.
2. Kyrene. 3. Athen (Exkurs: Meilichos). 4. Der
delphische Stein.
IX. Herkunft des Kronos. 1. Allgemeines. 2. Der phry-
ffische Kronos. 3. PelasgiscJter Kronos?
X. Erklärung des Mythus. 1. Das Verschlingen der
Kinder. 2. Verstümmelung des Uranos. Trennung von
der Erde. 3. Die Harpe.
XI. Etymologie.
XII. Bildwerke.
50
1453 Kronos (Ilias, Titanoniachie) Kronos (bei Hesiod) 1454
die Erde mit der anderen das Meer umfassend, dem Buche über Gig. u. Tit. gegebenen Nach-
damit ihnen Zeugen seien alle die Götter weise kurz verwiesen werden,
unten, die um den Kronos sind; und sie Wenn irgendwo die Volkssage gegen die
schwur bei allen den untertartarischen Göttern, Kunstdichtung angerufen werden mufs, so ist
welche Titanen genannt werden ("14, 271 — 274. es hier. Das Volk hat zwischen Riesen und
278). Zeus aber sagt zu Poseidon, er habe Titanen eigentlich nie unterschieden. [Wie
für sich wohl gethan, dafs er sich ins Meer die bei Homer überwiegende Auffassung der
zurückgezogen vor seinem Zorn und seinen Titanen als Vorfahren der Olympier zu ver-
Armen; denn des Kampfs mit ihm (W^rjs) stehen sei, und was es mit dem Eid bei ihnen
seien auch andere inne geworden, welche die 10 und der Styx für eine Bewandtnis habe, darüber
unterirdischen Götter seien (sviQtsQOi). die um glaubt Verf. jetzt einige zur Ergänzung des
Kronos (15, 221 — 228). Dem Ares, der ihm Früheren unentbehrliche Aufschlüsse gewonnen
Vorwürfe macht, antwortet er, wäre er nicht zu haben: s. Kap. IX, 1 und § 28, 28a]
sein eigner Sohn, so würde er längst tiefer Schon Hesiod, der zum Teil über viel
drunten sein als die Uranionen (5, 896 — 898). ältere Traditionen verfügt, aber ohne seinen
Uranionen, obgleich der Ausdruck sonst die Stoff immer zu bemeistern und geistig zu
himmlischen Götter bedeutet, sind hier .... durchdringen, beging die sinnwidrige Ver-
die Titanen, Kronos und die um ihn, genannt, Schiebung der Parteien (wohl durch die Homer-
ais Söhne des Uranos, üraniden, wie auch ein stelle A 401 verleitet), dafs er die wüsten Gewal-
Scholiast bemerkt (15, 225), und wie die Theo- 20 ten der Hekatoncheiren und Kyklopen nicht
gonie sie sowohl als die anderen Kinder von gegen, sondern für den Olymp kämpfen liefs
Uranos und Gaia . . nennt (644. 502). Der Here und zwar gegen so harmlose Titanen wie
sagt Zeus, nach ihrem Zorn frage er nicht, Okeanos, Tethys, Rhea, Koios, Kreios, Mne-
auch nicht wenn sie zu den letzten Grenzen mosyne, Themis: eine Verschiebung, welche
der Erde und des Pontos gehe (nämlich wenn erst in späteren Epochen auf Grund besserer
sie dort sich Hülfsgenossen suchen wollte), Überlieferung oder gesünderen Menschenver-
wo Iapetos zumal und Kronos sitzen und weder Standes wieder ausgeglichen wurde. Nicht
im Sonnenlichte noch in Lüften sich ergötzen, blofs die Hundertarme, denen die kyklische
umher aber der tiefe Tartaros ist [sie in Titanomachie zuerst wieder den richtigen Platz
seine tiefen Wände wie in einen Kerker ein- 30 anwies, sondern auch die Kyklopen (s. d.) sind
schliefst" (8, 477 — 481 nach Welcher , Götter!. Titanen, wie aus solchen Überlieferungen her-
1, 262)]. vorleuchtet, die sich von dem Odysseemärchen
Das ist alles was wir erfahren. Eb genügt mit ihren gutmütigen Menschenfressern un-
gerade in eine mäfsig ausgebildete Titanen- abhängig erhielten und die Sturmdämonen
fabel hineinzublicken, wo heftig gekämpft und des Donners und Blitzes rein erkennen lassen
der unterliegende Teil in unabsehbare Tiefen (Gig. 104. 113 — 120). Die Titanen, _ welche auf
an den Grenzen der Welt verbannt wurde. Euboia wohnten, nach anderer Überlieferung
Bei dieser Gelegenheit wird es doch wohl ge- Kyklopen geheifsen, sind keine anderen als
wesen sein, wo dem Riesen Briareos-Aigaion jene Riesen, die von jener Insel nach der
jene Fesseln angelegt wurden, die ihm A 401 40 Argolis kamen, die gewaltigen Mauern zu
Thetis zu einem speziellen Zwecke vorüber- türmen (ib. 125 ff.). Auch dafs die Riesen
gehend löst; man müfste denn in nargög S' unter feuerspeienden Bergen oder unter dem
ov r\iv äfisivcöv eine Andeutung sehen, dafs Meeresgrunde gefesselt liegen, unfähig sich
der Vater Uranos ihn in die Tiefe gestofsen, wiederum zu empören, war eine Vorstellung,
wie bei Hesiod. Es ist das wahrscheinlich ein deren Alter wir nicht nach den sehr dispa-
wertvoller Rest der Titanomachie und giebt raten litterarischen Quellen bemessen dürfen
uns über manches was Homer verschweigt zu {Gig. 207 ff.).
denken: zugleich ein Wink, wie die Wesen Aufser den phantastischen Vorstellungen
wohl ausgesehen haben mögen, die kurz als von Meeres- und Gewitterriesen, die sich
Genossen des Kronos erwähnt werden. Das 50 manchmal vermischen {Gig. u. Tit. 126 f.; vgl.
mufsten in den Augen des aufhorchenden Volkes Kuhnert, Gott. gel. Am. 1888 p. 414), giebt es
schlechte Götter sein, deren Gegner auch nur noch eine dritte Art Titanen, diejenigen, an
gleichen Kalibers waren wie sie selbst: un- welchen der Namen am unbedingtesten und
geheure Gewalten, Riesen der Vorzeit sind es, festesten gehaftet hat; das sind die Sonnen-
mit denen in den Sagen anderer Völker die und Gestirngötter. Dieser Teil der Titanen-
herrschenden Götter einst gerungen und die mythologie war am leichtesten zu durch-
sie bezwungen. So ungefähr müssen auch die schauen und ist A. Mommsen JDelph. 36 nicht
griechischen Fabeln gelautet haben, deren entgangen.*) Aus diesem Element hat Hesiod
disiecta membra uns überall entgegentreten; einen grofsen Teil seiner Titanenfamilien ent-
in der thessalischen Bergtürmung durch die 60 lehnt; doch liegen auch der ersten Gruppe
Aloaden, in den vielartigen Riesen von Ky- alte Naturgötter zu Grunde {Gig. 107 — 114.
zikos und Besbikos, die etwas vermenschlicht 120. 138).
in der Odyssee als Lästrygonen wiederauf- In der kyklischen Titanomachie des
tauchen {Gig. u. Tit. 126), in den %eigoyäatogf e JEumclos oäer Arktinos war von dem elementaren
oder Kyklopen Lykiens und der Argolis {ib. 125) Charakter solcher Kämpfe nichts mehr zu
und anderen Einzelsagen, deren Elemente
sehliefslich die Gigantomachie zusammenzu-
fassen strebte. Es kann hier nur auf die in übrigens unten Sp. 102s.
. *) Dafs seine Folgerungen irrig sind, ergiebt sich
schließlich die Gigantomachie zusammenzu- hoffentlich aus m. Buche 'Giganten und Titanen. Vgl.
1455 Kronos (bei Hesiod) Kronos (b. d. Orphikern u. Pindar) 1456
spüren: nur dafs Briareos an seiner richtigen göttlichen Pytko befestigte, unter des Par-
Stelle, d. h. gegen die Götter, stand. Sonst nasses Gründen, ein Zeichen zu sein hinfür,
bewegte sie sich, den Rüstungen nach zu ur- ein Wunder den sterblichen Menschen (459 —
teilen, ganz in den üblich gewordenen Formen 509)." — Später führt das Gedicht den. man
der Heroenkämpfe. Dem entspricht es, dafs weifs nicht wie, entstandenen Kampf des Kronos
bei Aischylos der Titanenkampf nicht mehr und der Seinigen mit den Olympiern vor,
in dem Aufeinanderplatzen vorweltlich er Kräfte, der damit endet, dafs jene in den unendlich
dem Ringen der Stärksten gegen noch Stärkere, tiefen Tartaros gesperrt, gefesselt und von den
begründet ist (Homer und Hesiod geben über- Hekatoncheiren bewacht werden. Hesiod ist
haupt nicht an, wie der Kampf entstand^, 10 unsere einzige Quelle für die sehr eigen-
sondern in einem politischen Zwist, einer tümliche Kronos-Mythologie, und Apollodors
czäaig, worin ein Teil der Götterwelt sich JBiblioilieJs in ihren Eingangskapiteln giebt
gegen die Herrschaft des Kronos auflehnt und davon , wie von der ganzen Theogonie, nur
den Zeus auf den Schild erhebt. Wie sich eine Überarbeitung, die in Gig. u. Tit. 229 ff.
damit der Gigantenkampf und die Teilnahme näher geprüft ist. (Die Beziehung auf die
des Herakles verband, Momente, die der mit Orphiker ist aufzugeben),
jenem Epos gutbekannte Euripides und lange 3. Seitdem, bis ins 3. Jahrhunderthinein, hört
zuvor die Bildwerke bezeugen, ist eine noch man wenig von Kronos und der Titanenwelt,
unerledigte Frage. zumal die Gigantomachie der Phantasie des
Soviel über die Titanomachie, die über 20 Volkes und der Künstler eine dankbarere Form
Natur und Person des Kronos selber so gut der Götterkämpfe darbot. Xur die inzwischen
wie gar nichts lehrt; uiyag und txyv.vXoui'jzrjg aufgekommenen orphischen Sekten, deren
sind seine einzigen homerischen Beiworte. Litteratur eine mehr parallele Strömimg zu Hc-
2. Iu dessen Jlythen führt uns Hesiod und siods Theogonie als eine Fortsetzung derselben
damit in eine ganz fremdartige Welt. Kronos, darstellen, erinnerten sich des alten Götterherr-
der jüngste unter seinen Geschwistern und schers und brachten ihn wieder zu Ehren,
wie es scheint mehr an die Mutter attacbiert, Er wurde als der ewig junge, nie ergrauende
hafst seinen Vater Uranos, der seine ältesten (Fr. 43, dies wohl erst später aus Widerspruch
Kinder, die Riesen, in den Schofs der Mutter gegen den volkstümlichen senilen Kronos)
Gaia zurückstiefs , aus Furcht, sie möchten 30 Herrscher jener Gefilde angenommen, wohiu
stärker werden als er selbst. Von Gaia er- nach der Lehre dieser Kreise das fromme
mutigt, die zu diesem Zwecke eine grofse Menschenkind nach dem Tode wandert, um
Sichel geschaffen, lauert Kronos — die anderen mit deu dort fortlebenden Heroen, wie Hesiod
Titanen beben vor dem Frevel zurück — dem Erga 165 ff. ^169 ist Interpolation), oder den
Vater auf, und als dieser sich nächtlicher Resten des goldenen Zeitalters, wie andere
Weile wieder der Ehegattin nähern will, sagten (Komiker, Horaz Epod. 16, 63; vgl.
schneidet er ihm die Zeugungsteile ab und Varro B. E. 3, 1, 5), vereint zn werden: 0001
wirft sie hinterrücks ins Meer. Dafs die nun- S' izbXuaoctv sgzgi'g | txuzsQco&i [nivo>vvig änb
mehr zu erwartende Befreiung der Riesen ndanav aSh.av £%slv \ ipv%ar , tzsiXav dibg
unterbleibt, ist eine der vielen Schiefheiten 40 bSbv Traget Kgovov zvgaiv h'9u gaxcigav ]
des Gedichtes, auf dessen kritische Analyse väaov mKsavt'äsg | ctvgcu nsgiTtvioieiv v.zl. "6g-
an dieser Stelle nicht eingegangen werden fiotct zäv %^9aS üraitXixovTi «al v.ttpceXäg
kann. „Kronos hinwiederum" (ich benutze auch ßovXaig £v 6g&ctLGi 'PctSctuciv&vog' bv rrazrjg
hier Welckers vortreffliche Paraphrasen) „hat i'x^i Kgövog tzotfiov ctvzä nügiSgov | Ttöatg b
von Gaia und dem sternigen Himmel erfahren, tzuvzcov 'Psag imigzazov £%oiaag ftgövov. \
dafs ihm bestimmt sei, von einem Sohn unter- Ür/Xivg rs xcel KäSfiog iv xoCaiv äXiyovzai.' |
drückt zu werden: darum verschlingt er die 'A%illuc z' svsix iml Zrjvbg rjzog ■ lizaig insias
Söhne, so wie einer geboren wird, damit kein [iijrr^g. So Find. 01. 2, 124; vgl. BöcJch, Expl.
anderer der edlen Uranionen die königliche p. 130. Zeus hiefs es, hatte den Titanen, Kronos
Würde unter den Unsterblichen habe. Rhea 50 voran, ihrer Ketten gelöst, wie dies Pindar
berät sich mit ihren Eltern, der Erde und F. 4, 291 ausspricht und Aeschyl. fr. 190 V.s
dem sternigen Himmel, wie sie den jüngsten im gelösten Prometheus, wo der Chor der
Sohn vor ihrem Gatten Kronos retten und die Titanen auftritt, voraussetzt. So wollte es
Rache der verschlungenen Kinder an ihrem das geläuterte, dem Volksglauben abholde
Vater nehmen möchte. Die Eltern sandten religiöse Bedürfnis jener Kreise; wenn ihre
sie, als sie den Zeus gebären sollte, nach Seele Frieden finden wollte in und mit der
Lyktos, einer fetten Ortschaft Kretas, wo sie Gottheit, mufste zuerst aus deren eigenen
den Zeus gebiert und in einer hohen Grotte Regionen jeder Zwist verbannt sein, vor
des waldigen Aigaion verbirgt. Dem Kronos allem das anstöfsige Mifsverhältnis zwi-
aber übergiebt sie zum Verschlingen einen in 6u sehen Vater und Sohn. Hätte diese Lehre
Windeln gewickelten Stein, den dieser ahnungs- in weiteren Kreisen Geltung gewonnen, so
los in seinen Bauch niederläfst. Rasch .wuchsen würde es dem Sokrates hei Ptnton nicht mög-
Kraft und Glieder des Zeus, Kronos aber, nach lieh sein mit dem hesiodisch - homerischen
der Gaia sinnreichen Eingebungen überlistet, Familienzwist zu polemischen Zwecken zu ope-
gab seine Erzeugten wieder zurück, besiegt rieren. Wären sie andererseits ein wirklicher
durch Künste und Gewalt des Sohnes. Zuerst Bestandteil der Mysterien und nicht blofs ein
spie er aus den Stein, den zuletzt verschlunge- litterarisches Produkt gewesen, so hätten nicht
nen, welchen Zeus auf der weiten Erde im die Komödiendichter sich der Sache be-
1457 Kronos (b. d. Komikern) Kronos (König d. gold. Zeit) 1458
mächtigen können, um das Leben des goldenen selber nicht entging, als aus solchen scheinbar
Geschlechts oder Zeitalters (welches im 6. Jahrb. unbedeutenden Umständen, wie z.B. dafs Kronos
wohl mehr nach dem Epos noch ganz ernst niemals in seiner Götterherrschaft geschildert
genommen wurde, s. unt. § 6) ins Schlaraffen- wird, was man ja auch im alten Epos ver-
rnäfsige, den Charakter des uralten Kronos in mifst, sondern wie eine Art irdischer König,
den eines altmodischen apathischen Jammer- Die Bezeichnung ßacilsvg, die, wenn sie Zeus
greises zu verzerren. — 4. Allerdings trug dazu einmal erhält, einen ganz anderen Klang hat,
das Fest der Kronien nicht wenig bei, ein je scheint bei Kronos stereotyp zu sein. Ich be-
länger je mehr mit Fastnachtsfreuden aus- ginne mit sputen Stellen, die nur als Nachhall
gestattetes Fest, von welchem wir erst seit 10 Bedeutung haben. Michael. Glyc. Annal. 2,
diesen Zeiten hören, und dessen Ursprung noch 129C p. 243 ed. Bonn, der Script. Byz. Kgövog
genauer betrachtet sein will. Homer und — irpcöros xaxiSst^z xb ßaoilivitv; ebenso
Hesiod waren damit aber nicht beseitigt, und Anonym, in Script. Byz. loh. Malal. p. 17.
beiderlei Vorstellungen, die vom gestürzten Iulian Conviv. 317 B slxct ytvofiiviqg atconfjg b
Weltherrscher im Tartaros und die von dem ßaoiXsvg Kgövog — &avfid^siv Eqp?j kxX. ib. 317 D
glücklichen Leben unter Kronos, welches fast ä ßaoiXsv Kgövs kk! Zsv näxsg. Sibyll. 3,
sprichwörtlich wurde, gingen unvermittelt 110 xcl ßaat'Xsvas Kgövog v.xX. Dion. Hai.
neben einander her; ein Gegensatz, den sich 1, 36 eoxl Ss xig v.ai ixsgog Xöyog vitö xäv
der Komiker Pherekrates nicht hat entgehen iTn%(ogiav tiv&oXoyovusvog, d>s ngb t/;s Atbg
lassen: Metalles fr. 1. Dort bricht auf eine 20 ctg%rjQ b Kgövog iv xr\ yfj xavxy ävvaaxsvasis
jener Schilderungen die zuhörende Person los: (von Zeus wird dergleichen Erdenresidenz nicht
was machst du mir den Mund wäfsrig, oi'u' berichtet) v.ai b Xsyö(i.svog vn' iy.£tvov ßiog
a>g dnoXsig (i tvxavnrcc diargißova' sxi, mxgbv "aitaoi Sai])iXr\g %xX. Nach Cliarax fr. 16. 17
Kolvfißüv mg t%8x' slg xbv Tdgtagov (über die (Müller, Fr. Hist. Gr. III) gründet er als ßaoi-
Lesart Kaibel z. Athen. 6, 269a, Meineke, Fr. Xsvg Städte, sein Reich erstreckt Bich von
Com.2, 1 p.303). Dazu bemerkt Meineke a. a. 0. Libyen bis an die Säulen von Gades etc.; vgl.
303: insolens — Tartari nomine appellari bea- Diod. 5, 66 xbv ftsw ovv Kgövov övxa ngsoßv-
tam illam omnibusque bonis affluentem pio- xaxov (unter den Geschwistern) ßuoiliu yzvi-
rum sedem. Dem gelehrten Kritiker entging, edcu. Diod. 3, 61 Svvaaxhvoai ds cpaai xbv
dafs im Kontrast die Seele des Witzes liegt. 30 Kgövov y.ccxd ZihsXiuv nal Aißvijv. 1x1 §£ xr\v
Auch die gute Darstellung E. Grafs, Ad aureae 'ixaXiav -Aal xb ovvöXov iv xotg ngbg loitegav
aetatis fabulam synib. 62 ff. (Leipz. Stud. 8) läfst xöitoig ovGxijoao&ai xrjv ßaßiXiiav. Diese An-
diesen Pnnkt nicht recht erkennen. xoXvjiß&v, schauung hat ihre Wurzeln nicht blofs in dem
woran Meineke gleichfalls Anstofs nimmt, Rationalismus, der z. B. Kronos als König von
bezieht sich einfach darauf, dafs der tiefe Kreta darstellte. Wie alt sie sei, ersieht man
Tartaros an den Rändern der vom Okeanos aus Ttrtullian de coron. 7: Saturmim Phere-
umflossenen Erde liegt, ebenso wie die Inseln cydes ante omnes refert coronatum (vgl. Bild-
der Seligen selbst. — Vorwiegend durch die werke 2 a. E.); sie hängt eng mit den Lehren vom
Komiker also erlangte damals Kronos eine goldenen Geschlecht zusammen, Varro de
Popularität, die er im Ernste nie besessen: 40 re nist. 3, 1, 5 nee sine causa Terram eandem
derart, dafs für allerhand Altmodisches, Alt- appellabaut niatrem et Cererem [d. i. drj-
väterisches Kgovnöv gesagt wurde*) (Aristoph. fijjr/jp], et qui eam colerent piam et utilem
Plut. 581. Athen. 3, 113a; Alexis fr. 62 Kock ; agere vitam credebant atque eos solos reliquos
vgl. Athen. 9, 403 f), und noch in späteren Zeiten esse ex stirpe Saturni regis; worauf wir so-
sehr alte Leute wie der Philosoph Diodor den gleich noch zurückkommen. Plato legg. 4, 713
Beinamen Kronos führten. S. besonders Aristoph. findet einen Vorzug des goldenen Zeitalters
Wolle. 929. Wesp. 1480. Plat. Euthyd. 287 darin, dafs die Könige der damaligen Mensch-
b. Hypcrid. fr. 252 = 279 (Blass), die Lexica und heit nicht dieser gleichartig, sondern höheren
Parömiogr. v. Kgövoi und Kgövov nvyrj. Auth. Schlages, Götter gewesen seien. Vgl. Plat.
P. 16, 237. Sehr selten findet man Kronos als 50 Politic. 269 A rrjv yi ßaeü.iCav r)v rtg'gt Kgövog
wirklichen Gott erwähnt: Aristoph. Vögel noV.mv dv.r\v.öau,hv , vgl. 276A. Nach Pindar,
586 r)v r\yävxai es ftibv, el j ßi'ov, as Si haben wir gesehen, steigen die Frommen zur
Tf[v , cl Kgövov, of Iloosidwv, wobei die Burg des Kronos hinan. Wann hat man je
Zusammenstellung mit Vij durch den Kult am von Zeus gehört, dafs dieser in einer xvgiug,
Olympieion inspiriert sein könnte, vgl. jedoch einem Turm oder Schlosse wohne; die olyrn-
ib. 479; oder etwas später bei dem Pytha- pischen Götter wohnen in den Wolken oder
goreer Philolaos , welcher xijv xov xgiyövov den luftigen Scapccx' ÖXv[mov. Hier ist das
ymviuv xixtagaiv ävs&wHi ftsoig, Kgövco not Terrain bedeutend niedriger genommen; wie
"Alöw -/.uVAgsi y.al duoviem (Mullach, Fr. pliil.2 ein irdischer König wohnt Kronos hinter
p. 5). Vgl. auch Empedokl. v. 416 Midi. 60 Mauern und Zinnen. Dafs dies alles auf
5. Wie wenig ernst man es mit dem Glauben orphiseke Lehre zurückgeht, auch wenn jener
nahm, dafs Kronos einstmals höchster Gott ge- Pherekydes nicht der Orphiker, sondern der
wesen sei**), ist ijiekt sowohl aus den Frivoli- Logograph sein sollte, ersieht man aus Lactant.